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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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27.06.2010
 

Der moderne Mensch
Wozu Juristen fähig sind: das Rundfunkgutachten

Wir haben die Kunstfertigkeit der Bundesverfassungsrichter kennengelernt: Erklärtermaßen wollten sie sich nicht zur reformierten Rechtschreibung selbst äußern, was sie aber nicht abhielt, der kultusministeriellen Prognose einer Erleichterung des Schreibens zuzustimmen.

Dabei war schon damals leidlich exakt beweisbar, daß es zu einer solchen Erleichterung gar nicht kommen könne. Aber das Urteil stand ja schon drei Wochen vor der Anhörung fest, wie wir damals erfahren hatten.

Nun hat der Heidelberger Professor Paul Kirchhof in seinem Rundfunk-Gutachten etwas ähnliches vollbracht. Solche Texte geben sich messerscharf logisch, aber wenn man genauer hinschaut, findet man schnell die Bruchstellen. Dort herrscht reine Rhetorik, eine Schwammigkeit der Begriffe und Gedanken, die einen schaudern läßt. Hier die beiden schönsten Sätze (die restlichen 85 Seiten kann man sich schenken):

»An dem Vorzug eines funktionierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems für die Kultur, die Demokratie, die Urteilskraft und die Erwerbsbedingungen in einem Gemeinwesen hat jeder Inländer teil, mag er auch das Angebot individuell nicht nutzen oder nicht nutzen können. Er ist durch die medienbedingte oder mediengestützte Informationskultur mit begünstigt. (...)«

»Der moderne Mensch ist auf das Angebot der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten angewiesen, will er an der öffentlichen Debatte einer modernen Demokratie, an der Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft, an allgemeiner Kultur und Unterhaltung, an allgemein zugänglichen Quellen der Information teilhaben.«

Einfacher gesagt: Fernsehen nutzt jedem, auch dem, der nicht daran teilnimmt, folglich muß jeder zahlen.

Aber worin besteht der Nutzen für mich, wenn andere Leute fernsehen? Was sind die "Erwerbsbedingungen"? Wieso bin ich als Fernsehverweigerer (seit über 30 Jahren!) kein moderner Mensch, von mangelhafter Urteilskraft, schlecht informiert und schlecht unterhalten? (Ja, auch "Unterhaltung" gehört ja zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, als ob es daran für ein menschenwürdiges Dasein fehlte!)

Es ist der klare Wunsch der Rundfunkanstalten und ihres Gutachters, das Angebot völlig von der Nachfrage abzukoppeln. Die Parteien wollen dasselbe, schon um ihre verdienten Leute zu versorgen und uns in den Genuß der Wahlkampfreden zu bringen.

Ich schäme mich für Herrn Kirchhof und dafür, daß ich mal ziemlich viel von ihm gehalten habe.



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Kommentare zu »Der moderne Mensch«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2017 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#36203

„Weder die TV-Figur Daniela Katzenberger noch die Castingshows mit ihren autoritären Protagonisten Bohlen und Klum sind geeignete Modelle für das Einüben gesellschaftlich wichtiger Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Deren Sendungen lassen sich weder reformieren noch für bessere Zwecke nutzen. Wichtiger ist die Suche nach unterhaltsamen alternativen Formaten. Dies ist auch eine Aufforderung an die öffentlich-rechtlichen Sender, sich nicht als sanftere Nachahmer zu betätigen, sondern mutig eigene, ganz andere Shows zu erfinden.“ (Bernd Gäbler: Hohle Idole. Frankfurt 2012:6)
(https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/AH72_HohleIdole_web.pdf)

Aber warum sollte ich zwangsweise unterhaltsame Shows finanzieren? Gäbler sagt viel Richtiges über das Privatfernsehen, aber das sollte nicht als Rechtfertigung des ÖR-Fernsehen gelesen werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2017 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#36190

Zur "Grundversorgung": Die Sender haben bekanntgegeben, daß von den Zwangsbeiträgen über 500 Mill. Euro für die Sportberichterstattung ausgegeben werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2017 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#35877

Die Zwangsmitgliedschaft in IHK ist rechtens. Das Bundesverfassungsgericht argumentiert sehr ähnlich wie bei der Rundfunkabgabe: Die Kammern vertreten die Interessen der Unternehmen, darum müssen sie zahlen. Das Grundrecht der (negativen) Vereinigungsfreiheit muß dahinter zurückstehen. Sachfremd ist das Zusatzargument, der Beitrag wiege nicht schwer; darauf kann es nicht ankommen.

Das kann man ausweiten. Wer plausibel machen kann, daß er meine Interessen vertritt, kann dafür von mir Gebühren verlangen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.05.2017 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#35211

Pi = 5 wäre auch noch genau genug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2017 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#35207

Nach der Rechtschreibreform wurden alle Schulbücher neu gedruckt, ein gutes Geschäft auf dem schrumpfenden Markt.

Nach der Einführung des Euro wurden die Rechenbücher neu gedruckt, weil die Schulbehörden glaubten, mit Mark könnten die Kinder nicht rechnen lernen.

Nach der Abschaffung der kleinen Münzen (wie jetzt in Italien) ist wieder eine Überarbeitung fällig.

Man könnte das Rechnen in Fünferschritten verallgemeinern. Andere Zahlen kann man den Spezialisten überlassen. Pi = 3,15.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2017 um 04.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#35146

Die großen Parteien wollen das Internet in die öffentlich-rechtliche Daseinsvorsorge einbeziehen, und so wird es wohl auch kommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2017 um 16.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#35094

Früher hieß jemand, der wie Schrum fernsah und keine Gebühren zahlte, "Schwarzseher"( http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=522#23183).
Heute zahlen zwei Millionen Menschen Gebühren, sehen aber nicht fern. Für diese armen Tröpfe scheint es keinen Namen zu geben. Dummzahler? Kirchhöfler?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2017 um 07.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#34457

Die Hauptnachricht bei Google News und T-online betrifft ein Sportereignis in der US-Football-League. Bezeichnenderweise fehlt es bisher an Leserkommentaren. Ich kenne viele Menschen, die gern über deutschen Fußball reden, habe aber noch nie jemanden getroffen, der irgend etwas über amerikanischen Football wußte oder sich dafür interessierte. Das soll sich ändern, amerikanische Lokalnachrichten gehören auch in Deutschland auf die erste Seite.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2017 um 07.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#34456

Neulich zeigte mir ein Bekannter, daß er am Smartphone seiner Frau ganz genau nachverfolgen könne, wo sie den Tag über gewesen ist. Natürlich hätte sie das abschalten können, aber damit hätte sie sich erst recht verdächtig gemacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2016 um 20.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#34137

In Erlangen. Aber die Akustik ist verdammt gut.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.12.2016 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#34136

Wo steht denn bitte die häßlichste Kirche Deutschlands?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2016 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#34135

Das ist natürlich auch denkbar. Gestern habe ich mich als Nichtautofahrer mit einem Autofahrer darüber unterhalten. Ihm ist die ganze, wenn auch eindrucksvolle, Elektronik und Automatik in den neuen Autos eher unangenehm. Wie er mir erklärte, würde das Auto, wenn er in einer einsamen Gegend einen Hang hinunterkugelte, automatisch den Rettungsdienst anrufen und die Koordinaten durchgeben. Das ist sicher eine gute Sache, aber auch unheimlich. Irgend jemand weiß immer, wo du gerade bist... (Ich war auch wieder vom Navi beeindruckt, der uns zu einem schönen Konzert in der häßlichsten Kirche Deutschlands leitete.)
Um zurückzukommen: Ich selbst würde es als Fußgänger nicht darauf ankommen lassen, daß die Automatik funktioniert, sondern mich am Straßenrand gedulden. Und man muß ja auch an die Kinder denken. Würde man ihnen beibringen, jederzeit über die Straße zu rennen, weil die Elektronik der Autos es schon richten werde?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.12.2016 um 20.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#34134

Ich kann mir auch eine ganz andere Entwicklung vorstellen. Ein Auto, das grün und somit recht hat und einen bei Rot die Straße querenden Fußgänger einfach umfährt, wird sicher nie zugelassen werden. Die Automatik wird in einem solchen Fall genau so eine Notbremsung machen müssen, wie ein menschlicher Fahrer. Sie wird es sogar noch besser können, und das werden Fußgänger schnell lernen. Wer also jetzt schon bei Rot geht, wird das künftig noch ungenierter und sogar vor sich nähernden Autos tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2016 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#34133

Weil es mit Kommunikation zu tun hat:

Wenn die Autos automatisch fahren, wird sich auch das Verhalten von uns Fußgängern und Radfahrern ändern. Wir können und müssen annnehmen, daß die Autos sich streng an die Regeln halten, aber sicherheitshalber werden wir nicht wie bei einer Person am Lennkrad damit rechnen, daß sie ein- und nachsichtig mit uns umgehen. Wir selbst werden uns also superstreng an die Regeln halten, gerade weil wir nicht ganz sicher sein könnnen, ob das Auto sich daran hält. Es wird sein, als wenn grundsätzlich nur unsichtbare Ampeln und Schranken das Betreten der Fahrbahn sichern. Mit der Präzision von Computern werden wir zwischen den anderen Computern herumlaufen.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 14.12.2016 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#34110

Ich empfinde das auch schon lange als sehr unangenehm. Ob es wohl erfolgversprechend wäre, den BR darauf hinzuweisen? Ich fürchte, nein.

Noch etwas anderes fällt mir auf. Viele Korrespondenten (auch manche Kommentatoren) haben ihre Sprechgeschwindigkeit in der letzten Zeit stark beschleunigt. Vor allem Frauen sind es, die in dem Bemühen, in der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit möglichst viel Text unterzubringen, bis fast an die Grenze der Verständlichkeit gehen. Oft denke ich, man könnte mit knapperem Text die gleiche Information vermitteln. Das ist aber vermutlich kein Problem des BR, denn viele der Korrespondenten arbeiten für mehrere Sender.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.12.2016 um 13.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#34108

Es ist eine Unart des Hörfunks (Bayern 5), in Auslandsberichte winzige Schnipsel O-Ton einzubauen. Man hört maximal eine Sekunde, also etwa people but vor einer Geräuschkulisse, die authentische Reportage suggeriert, und dann geht es weiter auf deutsch. So auch im amerikanischen Präsidentschaftwahlkampf. Sinnlos und lästig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2016 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#33487

Gestern hatte ich ein erschreckendes Erlebnis. Freunde hatten mich dazu überredet, die jüngste Sendung "Quer" (BR) anzuschauen. Unerträgliches Herumkaspern und Verwursten von teils ernsten, teils banalen Themen zu schlechter Unterhaltung. Und dafür zahle ich Gebühren?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 20.07.2016 um 15.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32879

"Äpfel und Birnen" bezog sich auf die Aussage "aber erst einmal läuft es ganz profitabel".

Auf Firmenzukäufe trifft das meistens nicht zu. Im Gegenteil kosten sie anfangs häufig sehr viel Geld (Kaufpreis und Integrationskosten), wobei letztlich nicht garantiert ist, daß sich die Kosten auf Dauer tatsächlich amortisieren.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.07.2016 um 11.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32876

Wo kämen wir hin, wenn es für jede einzelne Straftat ein eigenes Amt gäbe, oder wenn sich die Europäische Kommission um jede einzelne Straftat kümmern würde (was sie sicherlich gern täte)?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2016 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32875

Wohl wahr, aber kein direktes Gegenargument, wie schon gesagt. Die Vergänglichkeit der Mono- bzw. Oligopole setzt gerade voraus, daß es sie gibt und daß sie eine Zeitlang gut verdienen.
Mit den Obsthändlern, die ich heute in aller Herrgottsfrühe zur Illustration eingeführt habe, meinte ich übrigens nicht die Anbieter, sondern die Wettbewerbsbehörden, die sowohl für Fusionen als auch für Preisabsprachen zuständig sind (oder sich als zuständig betrachten, meinetwegen), womit von dieser Seite klar ist, daß es sich um grundsätzlich vergleichbare Gegenstände handelt. Ich weiß aber wirklich nicht, ob die Aufgabe auch von (nationalen?) Staatsanwälten erledigt werden könnte; das scheint mir auch unwesentlich.
Die Lastwagenhersteller haben, wie zu lesen ist, für die erwarteten Strafen schon etwas zurückgelegt, erkennen also implizit an, daß sie etwas Verbotenes getan haben; 14 Jahre hat es funktioniert, bis sie verpfiffen wurden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.07.2016 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32874

Richtig, aber es gibt eben keine »Marktbeherrschung«. Auch Unternehmen mit sehr hohen Marktanteilen können diese in kürzester Zeit verspielen. Dafür gibt es unzählige Beispiele.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2016 um 04.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32873

Wer hat etwas anderes behauptet? Es gibt aber Händler, bei denen man sowohl Äpfel als auch Birnen kaufen kann. Es geht um Wettbewerb, Marktbeherrschung... Wenn große Anbieter sich die Märkte teilen und Preise absprechen, agieren sie wie ein einziges Unternehmen. Dieselbe Wirkung wie bei einer Fusion, soweit mein Laienverstand es begreift.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 19.07.2016 um 23.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32872

Äpfel und Birnen

Preisabsprachen sind doch etwas ganz anderes als Firmenfusionen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.07.2016 um 14.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32866

Siehe unten: »Gesetzwidrige Preisabsprachen können auch von ganz gewöhnlichen Staatsanwälten unterbunden werden.« Die EU-Kommission geriert sich gerne als Mega-Kartellamt, um ihre eigene Bedeutsamkeit zu unterstreichen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2016 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32865

Keine Macht dauert ewig, das stimmt (Herodots Thema), aber erst einmal läuft es ganz profitabel, wie die neueste Meldung zeigt:

Wegen unerlaubter Preisabsprachen bestraft die EU-Kommission mehrere Lkw-Hersteller mit einer Rekord-Geldbuße von knapp 2,93 Milliarden Euro. Betroffen sind Daimler, Iveco, DAF und Volvo/Renault.(vor wenigen Minuten in den Medien)

Es hätte wohl gute Weile, bis der Markt das von selbst regelt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.07.2016 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32864

Hat IBM den Erfolg von Microsoft verhindern können? Microsoft das Comeback von Apple? Aldi das Aufkommen von Lidl? Was ist von der »Marktmacht« von Nokia geblieben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2016 um 11.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32861

Monopolisten können den Eintritt neuer Anbieter auf vielfache Weise behindern. War das nicht bei Microsoft so? Ich will mich nicht festlegen, aber mir scheint gerade hier die Selbstregulierung nicht perfekt zu funktionieren.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.07.2016 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32859

Die Vor- und Nachteile dieser Regulierungen sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Aber eine Sondergerichtsbarkeit für vermeintliche Monopole braucht kein Mensch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2016 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32857

Mögen Sie recht haben! Mein Glaube ist ins Wanken gekommen, Hayek-Fan, der ich immer war.
Für das Experimentum crucis müßten freilich staatliche und zunftspezifische Vorgaben aller Art beseitigt werden, etwa Zulassungsbeschränkungen für Arztpraxen, Apotheken, Taxiunternehmen samt Gebührenordnung, Meister-Klauseln für Handwerksbetriebe, Gewerkschaftsprivilegien usw.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.07.2016 um 20.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32856

Der ganze Streit ist überflüssig. Das Kartellamt ist eine Steuergeldverbrennungsanstalt und gehört abgeschafft. Gesetzwidrige Preisabsprachen können auch von ganz gewöhnlichen Staatsanwälten unterbunden werden. Den Mißbrauch von Monopolen regelt der Markt selbst, z. B. durch den Eintritt ausländischer Anbieter, wie jüngst auf dem Gebiet der Mitfahrzentralen zu beobachten war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2016 um 03.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32843

Das ist meiner Meinung nach alles richtig, wie schon angedeutet, bis auf den einen Punkt. Gabriel hat Gesetze angewandt, und das Gericht meint, er habe sie falsch angewandt und außerdem einen Verfahrensfehler begangen. Was soll daran undemokratisch sein? Und welche demokratisch legitimierte Instanz wäre in solchen konkreten Fällen zuständig? Soll der Bundestag eine Lex Edeka beschließen? Schließlich hat Rewe geklagt und darf mit einem Urteil rechnen. (Ich sehe davon ab, daß die Arbeitsplatzzusage wahrscheinlich Augenwischerei ist, weil der Sinn solcher Fusionen gerade darin liegt, doppelte Strukturen in der Logistik usw. zu beseitigen, also Arbeitsplätze einzusparen.) Als Laie würde ich sagen, man muß blind sein, um auf einem Markt, der nur noch vier große Anbieter kennt, eine weitere Konzentration zugunsten des Martführers ordnungspolitisch unbedenklich zu finden. Dazu haben wir die Kartellbehörden – während das Instrument der Ministererlaubnis wohl eher überflüssig ist, bisher keine große Rolle gespielt hat und im konkreten Fall dazu dient, Partikularinteressen durchzusetzen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 15.07.2016 um 19.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32841

Wozu haben wir denn überhaupt das Instrument der Ministerentscheidung? Doch wohl deshalb, weil Kartellpolitik nicht alles ist und es übergeordnete Gesichtspunkte geben kann. Daß die Arbeitsplätze von 16 000 Mitarbeitern nicht nur für einen SPD-Minister von erheblichem Belang sind, ist doch einsichtig. Ob sie im gegebenen Fall die Entscheidung von Minister Gabriel rechtfertigen, ist eine andere Frage. Diese Frage sollte aber nicht von einem Gericht, sondern von demokratisch legitimierten Instanzen beurteilt werden.

Es ist natürlich richtig, daß die Politiker sich durch immer neue, immer detailliertere Gesetze zum Teil selbst gefesselt haben, so etwa durch die Mode der letzten Zeit, „Rechtsansprüche“ zu schaffen. Dennoch spielt nach meinem Eindruck auch eine Selbstermächtigung der Gerichte, vor allem des Verfassungsgerichts, eine erhebliche Rolle, von den europäischen Gerichten ganz zu schweigen.

Das Beispiel der Bertelsmann Stiftung wirft überhaupt die Frage nach der Macht der vielgerühmten, aber demokratisch nicht legitimierten „Zivilgesellschaft“ auf. Auch NGOs wie Greenpeace üben große Macht aus. Es wäre an der Zeit, für derartige Organisationen so etwas wie das Parteiengesetz zu schaffen, das sie verpflichtet, zumindest über die Herkunft und die Verwendung ihrer Finanzmittel genaue öffentliche Rechenschaft abzulegen.

Nun besteht in der Bevölkerung erhebliches Mißtrauen gegenüber „den“ Politikern, während der Justiz und der Zivilgesellschaft noch erhebliches Vertrauen entgegengebracht wird, weil diese als nicht von Eigeninteressen geleitet gesehen werden. Hier wäre etwas mehr Realitätssinn wünschenswert.

Im übrigen sind zumindest die Bildungsberichte der UNESCO nicht weniger einseitig als die der Bertelsmann Stiftung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2016 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32838

Diese Bedenken teile ich im allgemeinen auch. Damit stehen wir ja auch nicht allein.
Allerdings muß man fragen, ob nicht umgekehrt die Qualität der Politik, insbesondere der Gesetzgebung, dafür verantwortlich ist, daß die Richter sich öfter einschalten.
In diesem Fall haben alle außer den Nutznießern verneint, daß die Ordnungspolitik zugunsten einer vagen Zusage von Arbeitsplätzen über den Haufen geworfen werden solle. Sollen die Kartellbehörden zu lächerlichen Abnickern werden? Wozu haben wir sie dann überhaupt? (Ich mag die Wendung "nach Gutsherrenart" nicht besonders, aber hier drängt sie sich auf. Vielleicht sollte man die "Ministererlaubnis" ganz abschaffen, dann kommt so etwas nicht mehr vor.)

Neulich hat die FAZ wenigstens andeutungsweise auf den enormen Einfluß von Bertelsmann (CHE) auf die Bildungspolitik hingewiesen. Wir wünschen uns ja schon lange, daß das mal untersucht wird. Stichwort Digitalisierung des Schul- und Hochschulwesens, E-Learning... Das ist auch so ein Gebiet, wo die Interessen eines Konzerns unhinterfragt als Gemeinwohlbelang auftreten.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 14.07.2016 um 19.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32837

Ich halte den Beschluß des OLG Düsseldorf für einen weiteren gefährlichen Schritt auf der schiefen Ebene vom Rechtsstaat zum Richterstaat. Immer mehr nehmen Richter das Recht in Anspruch, die Güterabwägungen und Ermessensentscheidungen der zuständigen Amtsträger inhaltlich zu überprüfen und sogar durch eigene zu ersetzen. Damit wird in unangemessener Weise in die Zuständigkeit der demokratisch gewählten Regierung eingegriffen, und zwar durch unabhängige Richter, die weder demokratisch legitimiert sind noch Konsequenzen aus eigenen Fehlurteilen zu fürchten haben.

Die Ausführungen des Gerichts zum Gemeinwohl erscheinen mir reichlich abenteuerlich. Was dem Gemeinwohl dient, ist eine politische Frage, die von einem SPD-Minister vielleicht anders beantwortet wird als von einem CDU-Minister – jedenfalls nicht von einem Gericht zu beantworten ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2016 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32822

Es gibt eine Tendenz, Partikularinteressen in Gemeinwohlbelange umzudeuten und damit der Diskussion zu entziehen. Anders gesagt: Die Deutung des Begriffs "Gemeinwohl" gerät außer Rand und Band. So bei der Ministererlaubnis für die Fusion Edeka/Tengelmann. Leider wird zu selten eine gerichtliche Grenze gezogen, wie jetzt durch das OLG Düsseldorf. Es lohnt sich, den Beschluß durchzulesen. (Man gerät allerdings ins Grübeln: Beschäftigt Minister Gabriel keine Juristen?)
Man hätte gewünscht, daß auch im Karlsruher Beschluß über die Rechtschreibreform solcher Scharfsinn angewandt worden wäre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2016 um 18.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32190

Die Huffington Post deckt auf, daß zu den Unterstützern der Rundfunkgebühren-Verweigerin auch Rechtsradikale zählen! Anschließend fragt sie:

Finden Sie, dass der Rundfunkbeitrag abgeschafft werden soll?

Ja, denn die GEZ-Gebühren sind verschwendetes Geld

Nein, es ist gut, dass ARD und ZDF un­ter­stützt werden


Das ist nett gesagt. Ich gehöre ja nun auch zum Unterstützerverein, als zahlendes Mitglied ohne aktive Teilnahme.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2016 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32165

Es gibt aber keine zweidimensionale Welt, außer im Gedankenexperiment. Dazu bedient man sich gern gedachter Ameisen, auf die ich denn auch angespielt hatte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.04.2016 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32163

Wenn wir uns in einer 2-dimensionalen Welt (Kugeloberfläche) befinden, dann ist der Weg auf der Sekante durch die Kugel hindurch schlicht nicht vorhanden. Wir können uns nur auf einer Geraden in der gegebenen Ebene bewegen, Gerade und Ebene sehen nur von außen (aus einem 3-dimensionalen Raum heraus) gekrümmt aus bzw. sind auch nur aus dieser Sicht gekrümmt.

In dieser 2-dimensionalen Welt stellen wir nach einiger Zeit verwundert fest, daß die Winkelsumme größerer Dreiecke offenbar deutlich 180° übersteigt und daß vermeintliche Parallelen sich annähern und irgendwann sogar schneiden. Nur daran erkennen wir, daß unsere gewohnte 2-dimensionale Welt sich irgendwie sphärisch in einer 3-dimensionalen Hyperwelt ausbreiten muß. Durch genaue Messung der entdeckten Abweichungen stellen wir den Radius unserer 2-dimensionalen Welt innerhalb der Hyperwelt als Naturkonstante fest und sind von nun an in der Lage, mit Hilfe der sphärischen Geometrie unsere 2-dimensionale Welt genau zu berechnen.

Die so entdeckte 3-dimensionale Welt könnte nun euklidisch (eben) sein oder sich ihrerseits wieder in einer 4. Dimension krümmen. Im kleinen ist das egal, wir können also jederzeit so tun, als sei unser Raum samt der ganzen Erde schön gerade (eben bzw. euklidisch).

Wenn wir dann vom Nordpol z.B. nach Singapur und nach Quito sehen, bilden die Luftlinien, die Flugzeuge entlang der Erdoberfläche fliegen, einen Winkel von 180°, während die Sekanten durch die Erde hindurch einen Winkel von nur 90° bilden. Solange man die jeweils richtigen Winkel und Entfernungen auf der Oberfläche bzw. durchs Erdinnere beachtet, ist es egal, ob man die sphärische oder euklidische Geometrie zugrundelegt, beides hat seine Gültigkeit und Berechtigung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2016 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32159

In meiner laienhaften Art sehe ich den Ursprung des Mißverständnisses darin, daß der Großkreis mathematisch als "Gerade" definiert wird, obwohl man doch auch die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten durch die Kugel hindurch ("Sekante"?) legen könnte. Die Festlegung auf die Ameisenperspektive ist willkürlich, aber, wie ich ahne, zweckmäßig eben z. B. für die Berechnung von Dreiecken usw. auf der Oberfläche.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 02.04.2016 um 23.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32158

Früher wurden Lautsprecher-Membranen als nicht-abwickelbare Flächen hergestellt. Vermutlich, um örtliche Resonanzpunkte zu verhindern, die Membran sollte nur als Ganzes schwingen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.04.2016 um 21.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32157

Lieber Herr Achenbach, es kommt eben darauf an.
Zeichnen wir auf der Oberfläche einer Kugel ein Dreieck, bestehend aus 3 Geraden, also 3 Großkreisen. Nehmen wir z. B. die Erde, 2 beliebige Längengrade (Großkreise durch Nord- und Südpol) und den Äquator. Die Längengrade schneiden den Äquator jeweils im Winkel von 90°, diese 2 Winkel des Dreiecks machen zusammen schon 180° aus, dazu kommt noch der 3. Winkel am Nordpol, also zusammen über 180°. Das ist mit der euklidischen (ebenen) Geometrie nicht vereinbar. Aber mit den Formeln der sphärischen Trigonometrie als Bestandteil der sphärischen (elliptischen, d. h. einer nichteuklidischen) Geometrie kann man die tatsächlichen Winkel genau berechnen.

Ganz grob gesagt (umgangssprachliche Ausdrücke in Anführungszeichen) gilt:

Wenn alle Geraden "gerade" und alle Ebenen "eben" ("flach") sind, wenn alle Kreisbögen "rund" und alle Kugelflächen "gebeult" sind, haben wir es mit der "ganz normalen" euklidischen (ebenen) Geometrie zu tun.

Wo aber, von außen betrachtet, Geraden "gebogen" und Ebenen "gebeult" sind, wo Kurven "gerade" und gekrümmte Flächen "flach" sein können (etwa wie auf einer flach ausgebreiteten Landkarte der gesamten Erde), handelt es sich um eine weniger anschauliche nichteuklidische Geometrie.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.04.2016 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32156

Für eine Kugeloberfläche im dreidimensionalen euklidischen Raum gilt selbstverständlich auch die euklidische Geometrie. Man darf sphärische Trigonometrie nicht mit nichteuklidischer Geometrie verwechseln.

Ausgangspunkt der nichteuklidischen Geometrie waren die vergeblichen Bemühungen der Mathematiker, das Parallelenpostulat aus den anderen euklidischen Axiomen abzuleiten. Mit der Entdeckung, daß die Großkreise auf der Kugel als "Geraden" alle euklidischen Axiome mit Ausnahme des Parallelenpostulats erfüllen, war der Beweis erbracht, daß dieses Postulat unbeweisbar ist – nicht mehr und nicht weniger.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 02.04.2016 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32153

Großkreise sind die kürzesten Flugbahnen im zwischenkontinentalen Flugverkehr. (Ein Großkreis hat seinen Mittelpunkt im Erdmittelpunkt.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.04.2016 um 11.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32152

Die Berechnung ganzer Kugeloberflächen und -volumina, auch von Kugelsegmenten oder -sektoren, ist natürlich vom Parallelenaxiom unabhängig, da kann man nicht sagen, das gehöre zu dieser oder jener Geometrie. Es gibt auch eine dreidimensionale Euklidische Geometrie. Die Unterscheidung kommt erst ins Spiel, wenn es z. B. um Winkel zwischen zwei Geraden oder um die Berechnung von Längen oder Dreiecksflächen auf einer Kugel geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2016 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32146

Ach so, ich dachte, die Berechnung von Kugeloberflächen falle noch in die euklidische Geometrie. Ich weiß natürlich, daß die Winkelsumme eines Dreiecks auf einer konvexen Oberfläche größer ist usw. Im Philosophiestudium haben wir Riemanns "Über die Hypothesen..." gelesen, zusammen mit Schriften von Helmholtz, aber das liegt schon lange zurück.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.04.2016 um 23.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32145

Unter dem Stichwort sphärische Trigonometrie kann man in Wikipedia nachlesen, daß diese (ein Teilgebiet nichteuklidischer Geometrie) auch schon seit dem Altertum immer weiter entwickelt wurde. In größeren Maßstäben muß man sie natürlich beachten, dagegen kommt man bei relativ kleinen Flächen, wo die Erdkrümmung noch keine große Rolle spielt (z. B. wenn man die Erdkugel als Polyeder ansieht), auch in guter Näherung mit der ebenen (Euklidischen) Geometrie aus. Gauß kannte natürlich die sphärischen Verfahren, inwieweit er sie bei seinen Messungen und Berechnungen verwendet hat, weiß ich aber nicht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.04.2016 um 17.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32140

Die von Gauß entwickelte Erdvermessung mithilfe von Bergkuppen sieht die Erdoberfläche als Polyeder an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2016 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32139

Frage eines Laien: Ist man bei der Vermessung der Erde nicht immer mit der euklidischen Geometrie ("Erdvermessung") ausgekommen?
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 01.04.2016 um 17.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32138

Auch mit der praktischen Mathematik ist es seit Erfindung (Entdeckung) der nichteuklidischen Geometrie nicht so einfach. Das berühmte Parallelenpostulat: "Zu einer gegebenen Geraden gibt es durch einen Punkt außerhalb dieser Geraden genau eine Parallele, d.h. eine Gerade, die die vorgegebene Gerade nicht schneidet" gilt nur in der euklidischen Geometrie. In der elliptischen Geometrie gilt: "Es gibt keine Parallelen; alle Geraden schneiden einander". Welche Geometrie in der physikalischen Wirklichkeit gilt, ist rein mathematisch nicht zu entscheiden. Auf der Erdoberfläche etwa gilt die elliptische Geometrie.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.04.2016 um 12.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32137

Man muß wohl zwischen theoretischer und praktischer Mathematik unterscheiden. Die erstere dient sich selbst, die letztere der praktischen Anwendung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2016 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32129

Da ist was dran. Die zitierten Sophismen haben wohl tatsächlich mit dem Trick gearbeitet oder sind dem Mißverständnis erlegen, daß Aussagen so etwas wie Abbilder sind, und ein Abbild von A ist entweder richtig – oder das Abbild von B, obwohl man meint, es sei ein Abbild von A. Man muß also die Möglichkeit von Irrtum (und Lüge) erklären, und das stellte sich den Alten als die Aufgabe dar, die Möglichkeit von Negation zu erklären und zu verteidigen, also den Kampf gegen den berühmten Satz ouk estin antilegein. Wie wir nun an uns selbst bemerken, ist das gar nicht so einfach – den Ausweg aus dem Fliegenglas zu finden, aus den Verhexungen durch die Sprache.
Aber so einfach, wie Sie es darstellen, lieber Germanist, ist es auch wieder nicht. Bei aller Sympathie für den Pragmatismus – wie sollten sich z. B. zahlentheoretische Erkenntnisse physikalisch bewähren? Mit Glück findet man manchmal eine solche Anwendung, aber doch nicht allgemein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.04.2016 um 00.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32128

Lieber Prof. Ickler, auf jeden Fall danke für Ihre Geduld. Ich fühle mich nicht immer richtig verstanden. Das mag auch mit sprachlichen Zweideutigkeiten zusammenhängen. Selbstverständlich kann man über alle "Sachen" der wirklichen Welt (materielle wie ideelle) und über Nichtwirkliches (z. B. Zahlen) wahre und falsche Aussagen machen.
In der wirklichen Welt geht das entweder, indem man den tatsächlichen "Sachverhalt" darstellt oder indem man irgendeinen nichtzutreffenden "Sachverhalt" erfindet. Ich will den allgemeinen Sprachgebrauch nicht verändern.

Es ging mir um eine Definition der Wahrheit ohne zirkuläre Formulierung. Letztlich sehe ich aber, daß in der Art, wie ich das Wort "beschreiben" (#32098) benutze, implizit auch "wahrhaftig beschreiben" steckt, d.h. das Weglassen von Wörtern wie "richtig", "adäquat" usw. führt auch aus dem Zirkel nicht heraus.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.03.2016 um 22.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32127

Mathematische Formeln sind dann wahr, wenn sie physikalische Vorgänge korrekt beschreiben.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 31.03.2016 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32126

Ach ja, Mathematik. Auf welche Wirklichkeit beziehen sich die Sätze der Mathematik? Seit Gödel ist auch bewiesen, daß es unbeweisbare Sätze gibt (etwa die Alephhypothese). Ein Axiomensystem schafft sich erst seine Wirklichkeit.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 31.03.2016 um 19.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32124

Ein klassischer Beispielsatz (um noch mehr Boden aufzuwühlen) ist auch "Frankreich ist sechseckig". Das gibt den geographischen Umriß des heutigen Staatsgebietes ungefähr wieder, aber eben nur ungefähr. Ist der Satz wahr? Was ist die Wirklichkeit? (Und kann jemand durch diesen Satz zu einer Handlung veranlaßt werden?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2016 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32122

Lieber Herr Riemer, mit jedem Ihrer Sätze wühlen Sie sozusagen den Boden auf, und es kommen viele ungelöste Probleme zum Vorschein – wo soll man da anfangen?
Was die literarische Fiktion bestrifft, so geht sie meiner Ansicht nach auf ein Spielverhalten zurück, das man "Verstellung" (Pretending) nennen kann und in einer neuerdings erfreulich belebten Diskussion auch nennt. Ich hatte mich auch schon mal dazu geäußert, weil dieses "So-tun-als-ob" die Grundlage des Vormachens und damit des Lehrens ist (Homo docens).

Das kleine Mädchen sagt zu seiner Spielkameradin: "Ich wär die Mama" und dann spielen sie Familie. Von da ist es nicht weit zum fiktionalen Erzählen. Auf diese fingierte Mama und dann auf die Figuren der Erzählung kann man sich "beziehen", sie beim Namen nennen, pronominal darauf verweisen, "wahre" und "unwahre" Aussagen über sie machen.

Man kann sich auch etwas einbilden (Götter und Geister) und Mythen darüber erzählen: Poseidon, Odysseus und Penelope, und dann weiter wie oben.

So ungefähr, stark verkürzt, würde ich an die Sache herangehen und kann mit "Information" usw. erst mal nicht soviel anfangen, auch wenn Sie in einer ganz ganz tiefen Schicht vielleicht recht haben.

Zur Mathematik kann ich, wie gesagt, nicht viel sagen, weil ich fachfremd bin, aber 1 + 1 = 2 ist ja zumindest anwendbar. Die erste Million soll immer die schwerste sein, aber wenn ich dann alsbald noch eine zweite hinzuerworben habe, dann habe ich zwei Millionen, das macht sich schon bemerkbar. Wenn a größer als b und b größer als c ist, ist a auch größer als c. Wenn das Kind einen Becher c in einen Becher b steckt und diesen dann in den Becher a, ist c am Ende auch in a. Habe ich damit die Mathematik empirisch begründet? Keine Ahnung. Aber irgendwie muß man doch lernen, was "größer als" überhaupt bedeutet. (Hilbert dreht sich im Grabe rum.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.03.2016 um 14.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32121

Ist der "Orwellsche Neusprech" aus dem Buch "1984" Lüge? Wenn ja, ist dann der Orwellsche Neusprech der Parteien, Politiker und Regierenden logischwerweise auch Lüge? Man darf deren Aussagen Orwellschen Neusprech nennen, aber auch Lüge?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.03.2016 um 11.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32120

Ich fände es ein bißchen schade und unbefriedigend, wenn diese Diskussion nun doch mit dem ganz klassischen Zirkelschluß – wahr ist, was richtig ist (#32099) – enden sollte. Andererseits haben sich schon so viele Philosophen daran versucht, meines Wissens kaum mit besseren Ergebnissen. Irgendwie sind alle Definitionen von Wahrheit zirkulär, manchmal nur versteckter. Ich denke, man kommt nicht umhin, bestimmte Grundannahmen zu postulieren.

Der Ausdruck des Fiktiven mag wohl z. B. in der Literatur seine Berechtigung haben, aber die Wirklichkeit im allgemeinsten Sinne hat nur zwei Seiten, wirklich oder nicht wirklich, sein oder nicht sein, da ist kein Platz für ein Drittes wie etwa eine fiktive Wirklichkeit. Literarische fiktive Figuren sind Ideen, ganz allgemein gesagt, Information. Information bedeutet letzlich eine bestimmte Struktur, eine Ordnung der Materie, also ein Teil der Wirklichkeit.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.03.2016 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32101

Ich halte das Wirkliche nicht für problematisch. Bei Odysseus und Penelope besteht es m. E. darin, daß es tatsächlich eine Überlieferung gibt, in der es so berichtet wird.

Da "richtig" und "wahr(heitsgemäß)" dasselbe sind, lasse ich "richtig" weg, nicht "wirklich".

Das "sonst nicht" ist aber für mich problematisch, denn es gibt Aussagen, z. B. 1+1=2, die wahr sind, obwohl sie (wie ich meine) keinen wirklichen Sachverhalt beschreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2016 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32099

Wenn sie den wirklichen Sachverhalt richtig beschreiben, sind sie wahr, sonst nicht.

(Aber "wirklich" bleibt problematisch. Odysseus war mit Penelope verheiratet – ein wahrer Satz, auch wenn die Wirklichkeit fiktiv war. Man könnte also "wirklich" weglassen, dann bleibt nur "richtig", und das ist dasselbe wie "wahrheitsgemäß".)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.03.2016 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32098

Wenn ich nun statt #32074:
"Aussagen über die Wirklichkeit sind immer wahr.
Es gibt keine falschen Aussagen über die Wirklichkeit."

so formuliert hätte:
"Aussagen, die einen wirklichen Sachverhalt beschreiben, sind immer wahr.
Eine falsche Aussage beschreibt niemals einen wirklichen Sachverhalt."

Würde das nicht die sprachliche Problematik lösen? Meine übrigen Ausführungen würde das nicht ändern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.03.2016 um 12.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32097

Ja, genau so habe ich das gemeint. Damit wollte ich den normalen Sprachgebrauch nicht ändern, der dadurch m.E. auch kaum berührt wird, aber beim ganz allgemeinen Herangehen an den Begriff der Wahrheit schien es mir so notwendig zu sein. Andernfalls besteht eben das Problem, was eine wahre bzw. falsche Aussage genau ist.
Ich werde darüber noch mal in Ruhe nachdenken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2016 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32090

Lieber Herr Riemer, ich muß gestehen, daß ich Ihren Standpunkt in diesem Falle kaum verstehe und gar nicht teile. Sie scheinen zu meinen, daß eine Aussage "über" einen Sachverhalt (die "Wirklichkeit" oder das Wirkliche oder die Tatsachen, wie man vielleicht sagen sollte) entweder darstellen, wiedergeben, abbilden muß – oder eben gar keine Aussage "über" diesen Sachverhalt ist. Das entspricht aber wirklich (!) nicht dem allgemeinen oder auch dem logischen, wissenschaftlichen Sprachgebrauch. Auch vor Gericht käme man damit nicht durch, wie Herr Markner schon angedeutet hat. Der ganze Komplex der Aussagedelikte arbeitet mit den gewöhnlichen Begriffen.

Ich möchte noch einmal sagen, daß mir die ganze Diskussion wie die wiederauferstandene eleatische Sophistik vorkommt und meiner Ansicht nach gar nicht um eine sachliche Frage geht, denn selbstverständlich wissen Sie ebenso wie Markner und ich, was es mit wahren und falschen Sätzen auf sich hat und wie man mit Irrtum und Lüge umgeht.

Das einzige, was mich daran interessiert, ist die Frage, ob und wie man das über und das von (über etwas reden, nachdenken, von etwas reden handeln) naturalisieren kann und muß, d. h. eliminieren zugunsten einer faßlicheren Beziehung (Steuerung des Sprachverhaltens durch etwas). Und welche Auswirkungen das auf den Wahrheitsbegriff hat.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.03.2016 um 00.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32088

Nein, strittig ist die Behauptung, daß eine Aussage über die Wirklichkeit »gleichbedeutend mit einer wahren Aussage« sein müsse.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.03.2016 um 00.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32087

Auch nach meiner Auffassung macht der Verdächtige mit der Beteuerung, er sei nicht der Täter, eine in jeder Hinsicht korrekte, d.h. sinnvolle Aussage.

Strittig war nur der Punkt, ob er eine Aussage über das wirkliche Geschehen, die Wirklichkeit, gleichbedeutend mit einer wahren Aussage, macht, oder ob er eine falsche Aussage macht, die demzufolge keine Aussage über die Wirklichkeit ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.03.2016 um 23.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32086

Jemand ist umgebracht worden. Das ist der wirkliche Sachverhalt. Welcher Richter würde nun die Aussage des Verdächtigen, er sei nicht der Täter, nicht für eine Aussage halten, nur weil sie nicht stimmt? Der Verdächtige hat ja schließlich nicht die Aussage verweigert.

Soweit der juristische Sprachgebrauch, der sich aber nicht wesentlich vom allgemeinen und auch vom philosophischen unterscheidet.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.03.2016 um 22.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32085

Ich bin ja mit dem Pilzbeispiel einverstanden, und ich finde auch, wie in #32076, daß es genau damit zusammenhängt, wie man dieses über versteht.

Wenn ich nun zusammen mit einer Hundertschaft in den Wald gehe und wir trotz langer, intensiver Suche keinen einzigen Pilz finden, wir also feststellen, daß es "in Wirklichkeit" keine Pilze gibt – war dann die Aussage "Es gibt Pilze im Wald" trotzdem eine Aussage über die Wirklichkeit (nur eben eine falsche) oder war er keine Aussage über die Wirklichkeit?

Es sieht fast wie Wortklauberei aus, und ich wundere mich, wieso ich deswegen auf Widerspruch stoße. Ich zweifle doch auch nicht an den Sätzen der Physik. Was wie Wortklauberei aussieht, hat eben zumindest genau den Vorteil, daß man damit bzgl. des Wahrheitsbegriffs aus dem Zirkel heraus kommt. Und es bedeutet, daß die Wahrheit (einer Aussage) absolut ist, sie hängt weder von subjektiven Sichten noch von Meßmethoden ab.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.03.2016 um 21.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32084

Der Sprachgebrauch »Aussagen über die Wirklichkeit können wahr oder falsch sein« muß ja nicht eigens »zugelassen« werden; es ist einfach der herrschende Gebrauch. Natürlich kann man, wenn man sich daran stört, in einem philosophischen Text den Begriff auch anders verwenden. Das müßte dann aber eigens erläutert werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2016 um 21.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32083

Wie Herr Markner schon sagte: nicht nur umgangssprachlich. Und das zuletzt erwähnte Problem, lieber Herr Riemer, mag schon so sein, wie Sie sagen, d. h. letzten Endes kommt man aus dem Zirkel nicht heraus.
Und man könnte auch einwenden, daß Sachverhalte nicht durch Sätze "wiedergegeben" werden – wie soll denn das vor sich gehen, denn Sätze sind ja keine Bilder (pace Wittgenstein).

Meine banausisch-pragmatische Ansicht ist diese: Ein wahrer Satz steuert das Verhalten des Hörers in einer erfolgreichen Weise. Jemand sagt, daß es im Wald Pilze gibt, und ich gehe los und hole sie; daran erkenne ich, daß der Satz wahr war.
Man könnte natürlich einwenden, daß das Problem nur von "wahr" auf "erfolgreich" verschoben worden ist. Mag sein. Aber die wahren Sätze haben einen systematischen Zusammenhang, es gibt buchstäblich Millionen von Bestätigungen für die Sätze der Physik zum Beispiel. Man müßte sie alle zugleich anzweifeln. Da mache ich nicht mit, denn ich bin kein Philosoph.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.03.2016 um 20.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32082

Habe ich denn etwas anderes gesagt als das UTB? Ich habe doch geschrieben, daß es wahre und falsche Aussagen gibt. Wenn der wiedergegebene Sachverhalt wirklich ist, ist die Aussage wahr. Ist die Aussage aber falsch, kann es sich nicht um einen der Wirklichkeit entstammenden Sachverhalt (d.h. um keine Tatsache) handeln.

Daß mit einer Aussage immer ein Geltungsanspruch auf Wahrheit verbunden ist, empfinde ich eigentlich als Trivialität. Natürlich, der Wahrheitsanspruch ist ja das Wesen jeder Aussage. Das heißt doch nicht, daß eine Aussage nicht trotzdem falsch sein kann.

Aussagen über die Wirklichkeit (Tatsachen) sind m. E. sozusagen per Definition wahr, d. h. im Prinzip bin ich schon ganz der Meinung wie in #32063, nur daß das Wahre auch über die Wirklichkeit hinausgehen kann.

Ließe man einen Sprachgebrauch zu wie etwa "Aussagen über die Wirklichkeit können wahr oder falsch sein" (z.B. die Erde ist eine Scheibe sei eine falsche Aussage über die Wirklichkeit, was man so etwa umgangssprachlich durchaus hören kann), dann muß man halt auch dazusagen, wann genau eine Aussage wahr oder falsch ist. Ist sie wahr, wenn sie die Wirklichkeit genau beschreibt? Ist sie wahr, wenn sie mit der Wirklichkeit übereinstimmt? Ist sie wahr, wenn sie wahr ist? Damit dreht man sich mit dem Wahrheitsbegriff nur im Kreis.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.03.2016 um 20.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32081

Wenn jemand behauptet, der Friedensschluß nach dem 30jährigen Krieg sei in Aachen beschlossen worden, ist das nicht die Wahrheit, sondern eine Falschaussage.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.03.2016 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32079

Das online bereitgestellte UTB-Wörterbuch der Philosophie definiert »Aussage« als »die sprachliche Wiedergabe eines Sachverhalts, die – im Gegensatz beispielsweise zu einem Fragesatz – die Eigenschaft hat, wahr oder falsch sein zu können«. Zuletzt heißt es noch einmal bekräftigend: »Mit einer Aussage ist immer ein Geltungsanspruch auf Wahrheit verbunden.« Dieses Verständnis entspricht auch dem gemeinsprachlichen, man denke nur an die Aussage vor Gericht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.03.2016 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32078

Dies bezog sich auf #32075.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.03.2016 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32077

Wo ist der Widerspruch?
Ich würde gern den Widerspruch in anderen Auffassungen von Wahrheit und Wirklichkeit benennen.
Es ist natürlich nicht das umgangssprachliche Verständnis, aber darum ging es mir hier auch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2016 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32076

Ein Paradox, das aus der eleatischen Philosophie bekannt ist: Man kann nicht sagen, daß etwas nicht ist, denn dann würde sich die Rede auf nichts beziehen und wäre buchstäblich gegenstandslos. Es gab viele Versionen davon, und schon Platon hatte viel Mühe, in seinen Spätdialogen die Möglichkeit negativer Aussagen nachzuweisen. Erst dadurch wurde die Logik möglich: Ein Prädikat kommt einem Subjekt zu oder nicht, und bei dieser Zuordnung oder Zuweisung (durch den Sprecher) kommt Irrtum und Lüge vor.
Es ist mehr ein Wortspiel als ein ernstes Problem: Eine falsche Aussage über die Wirklichkeit wäre eigentlich eine wahre Aussage über die Unwirklichkeit...
Es liegt daran, wie man dieses über versteht. Ich hatte schon mal die Frage aufgeworfen, was von lauter falschen Aussagen über Aristoteles ("Schüler des Sokrates" usw.) zu halten ist, die sich als wahre Aussagen über Platon entpuppen. Wovon handeln sie in Wirklichkeit?
Man muß sozusagen dieses über oder von entontologisieren.
Die alten Inder haben viel über Wahrnehmungstäuschung diskutiert: Man verwechselt einen Stock mit einer Kobra. Was nimmt man dann wahr, den Stock oder die Kobra?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.03.2016 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32075

Huch . . . Das ist ein sehr eigenwilliges Verständnis von »Aussage«.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.03.2016 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32074

Aussagen über die Wirklichkeit sind immer wahr.
Es gibt keine falschen Aussagen über die Wirklichkeit.
Denn eine falsche Aussage ist eben keine Aussage über die Wirklichkeit.
Aussagen, die nicht die Wirklichkeit betreffen, können wahr oder falsch sein.
(Ich spreche nur von Aussagen, die überhaupt einen Sinn ergeben.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.03.2016 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32072

Was die Leute für die Wahrheit halten, hängt von den Quellen ab, die sie benutzen. Es ist fast unmöglich, mit Leuten zu diskutieren, die ihr Wissen nicht aus Fachbüchern oder wissenschaftlichen Artikeln, sondern aus mündlichen Aussagen von Priestern und Fremdenführern beziehen und andere Quellen ablehnen. Frustrierend, wenn man mit ihnen verwandt ist.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 28.03.2016 um 06.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32068

Das Kreuzworträtsel kennt übrigens Augustins Ratlosigkeit nicht. In seiner praktischen Weisheit fragt es nach einem Wort mit vier Buchstaben und der Bedeutung "Ablauf allen Geschehens". Das sitzt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.03.2016 um 21.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32065

Ich denke, daß Wahrheit und Wirklichkeit verschiedenen Kategorien angehören, deshalb machen sich die Begriffe gegenseitig nicht überflüssig. Wahrheiten können sich auch auf rein theoretische bzw. ganz abstrakte Aussagen beziehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2016 um 18.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32064

Das ist wie mit der Zeit, nach Augustinus: Solange uns niemand danach fragt, wissen wir, was es ist. In der Praxis spielt ja die Frage, was Wahrheit ist, keine Rolle, während wir sehr wohl unterscheiden wollen und meistens auch können, was wahr ist und was nicht.
Ich selbst neige zu einer pragmatistisch-behavioristischen Definition: Wahrheit ist die Anpassung von Aussagesätzen an Wirklichkeitsausschnitte. (Nicht zu verwechseln mit einer Korrespondenz-Theorie der Wahrheit. Für mich "beziehen" sich ja Sätze nicht auf etwas, so wenig wie Handgriffe sich auf etwas beziehen.)
In sprachwissenschaftlichen Büchern zum Beispiel gibt es wahre und falsche Aussagen über Sprache. Oft sind sie nicht ganz leicht zu unterscheiden, aber nicht weil der Begriff der Wahrheit umstritten wäre.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.03.2016 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32063

Dann wäre »das Wahre« bzw. die Wahrheit nichts anderes als die Wirklichkeit, und der Begriff wäre überflüssig.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.03.2016 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32062

Von der Meßmethode kann wohl unser Wissen über die Welt abhängen, aber niemals die Wahrheit. Das Wahre ist unabhängig davon, wie es gemessen wird, sogar unabhängig davon, ob es gemessen wird, und auch unabhängig davon, ob wir es kennen (d.h. ob wir wissen, was wahr ist bzw. daß es wahr ist).
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.03.2016 um 10.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32061

Die Wahrheit hängt von der Meßmethode ab, siehe Welle – Teilchen in der Physik.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 27.03.2016 um 09.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32059

Zu #32058: Auch in einflußreicher Literatur lesen wir jetzt schon fast zwei Jahrtausende, aber gerade in diesen Tagen wieder die gleiche merkwürdige Frage "Was ist Wahrheit?". Als ob es darum ginge.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2016 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32058

Als ich ein Kind war, hingen die Männer am Radio und lauschten der Mauerschau des Fußballreporters, was sie aber nicht hinderte, noch tagelang über Abseits und die Berechtigung von Strafstößen zu fachsimpeln.

Eine schöne Parabel. Heute gibt es Fernsehen, aber wissen wir grundsätzlich besser Bescheid, z. B. über die Kriege im Nahen Osten? Welche Filter durchläuft eine Reportage?

Andererseits: Ist Augenzeugenschaft besser? Was verstand ein Mensch vor 400 Jahren vom 30jährigen Krieg, den er erlebte? Da wissen wir manches besser, glauben es wenigstens.

Gäbe es die objektive Wahrheit, könnten wir wie in der Physik nur eine einzige Meinung haben, z. B. über Flüchtlinge.

(Bevor jetzt die Physiker Einspruch erheben: Ich weiß, ich weiß...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2016 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32036

Der moderne Mensch, wenn er jung ist, greift täglich im Durchschnitt 160mal zum Smartphone.

Ich glaube, wir haben diese Veränderungen noch gar nicht richtig verstanden. Kann man sich überhaupt noch mehrere Stunden auf etwas konzentrieren, wenn man von Kind an daran gewöhnt ist, daß alle fünf Minuten was passiert? Zum Beispiel ein Buch lesen?

Ich lamentiere nicht, denn ich bin längst nicht mehr sicher, ob man überhaupt Bücher lesen muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2016 um 08.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#32001

In der FAZ vom 18.3.16 schrieb Rechtsexperte Reinhard Müller:

Damit sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk weiterentwickelt, sind Einnahmen aus der Bevölkerung nötig – denn wir alle profitieren davon. (...) Da jeder profitiert, wird jeder (Haushalt) herangezogen...

Erstaunlicher als die Unsinnigkeit des Gedankens ist, daß ein Zeitungsmann ihn äußert. Ich profitiere von der FAZ, für die auch gern zahle, aber nicht vom Fernsehen, an dem ich nicht teilnehme – wie ein bis zwei Millionen andere Bürger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2016 um 08.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#31972

Die AfD könnte mir ja fast sympathisch werden, weil sie die Zwangsfinanzierung des Rundfunks abschaffen will. Aber sie will stattdessen ein steuerfinanziertes Staatsfernsehen einführen. Dort wird es dann ausgewogene Informationen geben. Nein danke!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2016 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#31883

In der Diskussion um die "Grundversorgung" des modernen Menschen mit zwangsfinanziertem Rundfunk befremdet mich am meisten der allgegenwärtige Ausdruck niveauvoll. Den "ausgewogenen" Nachrichten steht die "niveauvolle Unterhaltung" gegenüber, beides zusammen ist die "Grundversorgung". Ich muß es den Fernsehteilnehmern überlassen, ob sie die Öffentlich-Rechtlichen niveauvoller finden als die Privaten, aber es bleibt die Frage, was den Staat die Unterhaltung und deren Niveau überhaupt angeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2016 um 04.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#31882

Die Autowerbung arbeitet ebenso wie die entsprechenden Fahrtberichte in den Zeitungen mit dem Kriterium "Fahrvergnügen". Andererseits wird am "selbstfahrenden" Auto gearbeitet. Wie soll das zusammengehen – auf ein und denselben Straßen? Und ich dazwischen auf dem Rad oder zu Fuß...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2016 um 06.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#31516

Gerade bekomme ich es wieder schwarz auf weiß, daß der Rundfunkbeitrag abgebucht worden ist, Fernsehgebühr für Nichtfernseher. Wieder wird mein Entschluß gestärkt, an keiner politischen Wahl mehr teilzunehmen. Nicht wegen des Geldes, sondern weil ich nicht bereit bin, den Kakao, durch den man mich zieht, auch noch zu trinken. Es gibt Grenzen.

Gestern wieder in eine Verkehrssituation geraten, die mich froh sein ließ, daß es noch keine selbstfahrenden Autos gibt. Hat man eigentlich schon darüber nachgedacht, wie diese Autos die ganze Umwelt verändern werden? Man wird die bisher nur autogerechten Straßen selbstfahrgerecht machen müssen, d. h. radikal umstrukturieren, damit die Software damit zurechtkommt.

Die zweite große Veränderung unseres Lebens sehe ich in den Drohnen, die möglicherweise bald überall umherschwirren werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 07.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#31419

Für die Abschaffung zuerst der kleinen Münzen, dann des Bargeldes überhaupt wird mit ähnlichen Argumenten geworben wie für den Rundfunkbeitrag: Kostensenkung. Wenn man zugleich verschweigt, wem die Einsparung zugute kommt, klingt das recht verlockend. Das Problem mit Falschgeld soll wegfallen. Besonders groß scheint es nicht zu sein, und außerdem ist der Betrug bei bargeldlosem Verkehr eher leichter (und schwerer zu bekämpfen).

Auch beim Semesterticket wird nur ein vager Vorteil genannt, nicht aber die wirkliche Situation nach Nutznießern und Leidtragenden aufgeschlüsselt. (In Erlangen bangen die Betreiber zur Zeit um die Beteiligung; die Preiserhöhung steht aber schon fest.)

In der FAZ wird über Studentenparlamente berichtet. Die Wahlbeteiligung liegt zum Teil unter zwei Prozent (das war schon zu meiner Studienzeit so, ich habe es anderswo beschrieben).
Von den Semesterbeiträgen bekomme auch der Asta etwas, der dafür "Kinoveranstaltungen und Vorträge organisiert". Als wenn heutige Studenten auf eine solche Grundversorgung warteten!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.01.2016 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#31224

Manche vertrauen eben noch auf das Urteil des Buchhändlers und lassen sich von ihm beraten, so wie sich viele nur vom Arzt ihres Vertrauens behandeln lassen möchten.

Im übrigen hat sich die Wendung Ihres/deines/meines Vertrauens natürlich längst verselbständigt und wird in vielen Zusammenhängen ironisch verwendet bzw. in witziger Absicht mechanisch angehängt, ohne daß damit irgend etwas über ein Vertrauensverhältnis ausgesagt werden soll. Frag einfach mal bei der Polizeidienststelle deines Vertrauens nach (= bei der zuständigen Polizeidienststelle), Beim Aldi meines Vertrauens gibt es den Artikel noch (= in der Aldi-Filiale, in die ich immer gehe) usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2016 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#31223

Es fällt auf, wie oft die Wendung Buchhändler Ihres/meines... Vertrauens belegt ist. Im Lande der Buchpreisbindung klingt das etwas befremdlich. Beim Metzger meines Vertrauens nehme ich an, daß das Fleisch halal ist und aus der Gegend stammt. Aber die ökologisch unbedenkliche Herkunft der Bücher steht doch kaum zur Diskussion, oder? Daß das Wechselgeld (falls man noch bar bezahlt) richtig herausgegeben wird, kann doch nicht gemeint sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.01.2016 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#31154

Die Pauschalabgabe (Urheberrechtsabgabe) wird auf alle möglichen Geräte und Speichermedien erhoben, auch wenn der Käufer nicht die Absicht hat, geschützte Inhalte zu kopieren oder zu speichern. Auflistung s. v. "Pauschalabgabe" bei Wikipedia, Auch hier werden Einkünfte von der Nachfrage abgekoppelt. Ein anderer Schritt zur Zuteilungswirtschaft ist der Anschluß- und Benutzungszwang (https://de.wikipedia.org/wiki/Anschluss-_und_Benutzungszwang). Einiges ist sicher berechtigt, aber die Logik oder vielmehr Ökonomie dahinter breitet sich immer mehr aus und hat nun auch die Versorgung mit Spielen, nicht nur mit Brot erreicht. Man scheint zu vergessen, daß jede Wohltat entmündigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2016 um 07.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#31137

Fernsehen ist tabu, stattdessen macht man Hausmusik. Im Dorf hat man damit überhaupt keine Probleme. (http://www.deutschlandfunk.de/institut-fuer-staatspolitik-die-denkfabrik-der-neuen-rechten.862.de.html?dram:article_id=337403)

Mit Verlaub, das ist nicht fair. Die bloße Erwähnung suggeriert, Fernsehverweigerung passe besonders zu Rechtsradikalen. Allerdings wissen wir schon, daß der moderne Mensch gefälligst die öffentlich-rechtlichen Sender zu gucken hat, für die er daher auch rechtens zahlt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2015 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30937

Der Singular als Rückbildung aus dem Plural – das sehe ich auch so, vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#18262
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.12.2015 um 21.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30936

Es läuft wohl so ab: Zuerst wird vermeintlich unanstößiger Ersatz für vermeintlich anstößige Wörter geschaffen. So kommt es zu die Studierenden statt die Studenten. Im Laufe der Zeit wird das neue Wort dermaßen verinnerlicht, dass die Sprecher es irgendwann, ohne es zu merken, gleichsam in das ihnen vertraute grammatische System zurückholen und dann damit, innerhalb dieses Systems, unbefangen hantieren. So gesehen könnte man der Studierende als eine Art Rückbildung zu die Studierenden auffassen. Daß damit das ursprüngliche Anliegen ad absurdum geführt wird, bemerken die Sprecher nicht. Sie meinen, daß sie ihrer PC-Pflicht Genüge getan haben, indem sie das neue Wort – quasi wie einen Fachbegriff – überhaupt verwendet haben.

Ein schönes Beispiel liefert das »studierendenwerk darmstadt« (http://www.studierendenwerkdarmstadt.de/index.php/de/beratung/wohnen-fuer-hilfe/haeufig-gestellte-fragen):

»Was tun, wenn sich der Studierende nicht an die Absprachen hält, z.B. die vereinbarten Hilfen nicht leistet?
Zunächst sollten Sie das Gespräch mit dem Studierenden suchen und versuchen die Ursachen für die Probleme herauszubekommen.«
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.12.2015 um 20.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30935

Ich glaube, Herr Riemer meinte einfach nur die Tatsache, daß Mensch ein männliches Substantiv ist – für die Korrekten meist schon ein ausreichender Grund, den Gebrauch eines Wortes abzulehnen, selbst wenn es im Plural steht. Die Studierenden sind ja nur deshalb pc, weil man sie sowohl auf der Studierende als auch auf die Studierende zurückführen kann. Das macht auch den Reiz solcher PC-Unfälle wie der Studierende statt der Student aus, wo Männlein und Weiblein gemeint sind.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 18.12.2015 um 17.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30933

Mensch ist aber immer noch von Mann abgeleitet. Da Englisch sowieso immer besser ist, sollten wir korrekt sagen geflüchtete humane Wesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2015 um 08.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30925

Zu Herrn Riemer, http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30920

Eine nicht ganz von der Hand zu weisende These besagt, daß Substantive eher auf das "Wesen" zielen als Adjektive, die mehr etwas Akzidentielles bezeichnen, vgl. Greis vs. alter Mann.

Darauf beruht dann schwarzer Mensch statt Neger, wobei die substantivierten Adjektive ungefähr in der Mitte stehen (bevor sie ganz substantivisch werden wie bei Greis). Die Abstufung der PC bei Flüchtling - Geflüchteter - geflüchteter Mensch wird so verständlich.
Jetzt fehlen noch die studierenden Menschen, wie denn überhaupt die PC die Sprache immer unhandlicher werden läßt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.12.2015 um 14.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30920

Was aber der PC-Unterschied zwischen "der geflüchtete Mensch" und "der Flüchtling" ist, weiß ich nicht.

Wahrscheinlich glaubt der Schreiber, es gäbe einen, sonst hätte er sich wohl nicht so geschraubt ausgedrückt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2015 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30917

Auf dem Weg zu einem "Bürgerticket" analog der Rundfunkzwangsgebühr ist man in Hamburg einen Schritt weitergekommen.

Hamburg. Alle geflüchteten Menschen, die dauerhaft Hamburg zugewiesen sind und in Erstaufnahmeeinrichtungen leben, bekommen ab dem 1. Februar 2016 eine HVV-Mobilitätskarte. Darauf haben sich der Hamburger Verkehrsverbund (HVV), Verbundverkehrsunternehmen und die zuständigen Behörden jetzt verständigt.
Die Karte ist für alle Flüchtlinge, die in Hamburg verbleiben, verbindlich. Der Fahrpreis für die Mobilitätskarte wird von den Flüchtlingen zustehenden Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz abgezogen.
(HA 16.12.15)

(Die "geflüchteten Menschen" sind optimal im Sinne der politischen Korrektheit.)

Der Staat weiß am besten, was gut für die Menschen ist, daher wäre es konsequent, ihnen überhaupt kein Geld mehr zu geben, das sie ja doch nur versaufen, sondern sie mit allen wirklich wichtigen Dingen direkt zu versorgen: Brot, Spiele, Tickets (die aber überflüssig würden, wenn jeder die Verkehrsmittel benutzen dürfte, weil der Preis ja schon vom Einkommen abgezogen ist). Das ist auch "einfacher" – für Gerichte bekanntlich ein Grund, der "Pauschalisierungen" rechtfertigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2015 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30629

Das Präsidium des deutschen PEN-Zentrums hat noch nie auf ein Schreiben von mir geantwortet, auch nicht auf meine Austrittserklärung. Komischer Verein und völlig nutzlos.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 07.11.2015 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30505

Das Wort Angst unterstellt tatsächlich irrationales Schlottern und ist unangemessen. Es gibt schließlich berechtigte Bedenken. Nur ein Beispiel: Während des letzten israelischen Gaza-Bombardements wurde von jungen Muslimen „Jude, Jude, feiges Schwein“ auf deutschen Straßen skandiert. Schon heute läuft man besser nicht mit einer Kippa durch Neukölln, und die Frage, ob ein Zustrom von Syrern nicht auch einen Zustrom von noch mehr Antisemiten bedeuten könnte, ist, bittesehr, zu stellen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.11.2015 um 17.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30504

Nicht-muslimische Bosnier haben laut eigenen Aussagen "Angst" vor dem Kinderreichtum der Muslime, der die Bevölkerungsanteile verändern könnte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.11.2015 um 16.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30503

Angst vor der Islamisierung des Abendlandes? Da empfiehlt sich dringend ein Besuch der bosnischen Metropole [Sarajevo]
(Süddeutsche, 5.11.15, S. 11)

Ich weiß nicht, ob jemand Angst vor Islamisierung hat. Die Demagogen unserer Medien wissen schon, daß man auch ganz ohne Angst eine Islamisierung einfach ablehnen kann. Sie tun aber immer so, als sei Angst der Hauptgrund für die Ablehnung, weil Angst negativ besetzt und nicht rational und leicht widerlegbar ist. Warum sagen sie uns nicht, warum Europa denn unbedingt islamisiert werden muß? Gefällt ihnen unsere eigene Kultur nicht mehr? Ist sie es nicht wert, erhalten zu werden? Gibt es nicht islamische Länder genug, wo Muslime ihre Kultur pflegen und weiterentwickeln können?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.11.2015 um 14.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30490

Das Wort "Herkunftsland" hat eine ganz neue zweite Bedeutung bekommen: Bisher bezeichnete es das Land, aus welchem jemand ausgewandert oder geflohen ist. Jetzt soll es nach dem Willen der Politik das Land bezeichnen, aus welchem jemand die deutsche Grenze überschritten hat. Ob es das in den Duden schafft?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2015 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30479

Michael Hanfeld kritisiert die einseitig regierungsfreundliche Darstellung der Flüchtlingskrise im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. (FAZ 6.11.15) – Aber warum sollten sich die Anstalten nicht erkenntlich zeigen? Wir haben formal noch kein Staatsfernsehen, aber die staatlich garantierte Maximalversorgung wirkt ebenso.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2015 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30218

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#28943

Neues Rundschreiben des deutschen PEN:

PEN-Beirätin Nina George wird auf der Demonstration Stellung beziehen: „Als Schriftstellerin sehe ich auch mit Zorn auf die Folgen für die Buchbranche, für unsere Leserinnen und Leser: Die Buchpreise werden, wenn die Preisbindung ´dank` TTIP fällt, steigen. Nicht sinken – so geschehen in den USA, wo Taschenbücher über 20 Euro kosten (Deutschland: 8,99-9,99 €). Gleichzeitig wird der Markt von Bestseller-Klonen überspült. Sobald Bücher zur Ware degradiert werden, als ob sie Schweinehälften, Autotüren oder Klettverschlüsse seien, werden vorwiegend nur Bestseller gesucht – und gedruckt! Bücher sind ein emotionales, unberechenbares und je nach Landeskultur zutiefst individuelles Produkt, die nicht weltweit gleichgeschaltet werden können. Aber genau das will TTIP.“

Sind Bücher etwa keine Waren? Was geschieht denn auf dem deutschen Buchmarkt? Einkommen unabhängig von der Nachfrage erzielen - davon träumt fast jeder. Beim Rundfunk haben sie es schon geschafft.

(Und dannn die schrecklichen Amerikaner! Bücher, Schweinehälften, Autotüren - das ist ihnen alles gleich! Dieselmotoren allerdings nicht...)

Nachtrag:

Ein anderer Aspekt der Buchpreisbindung ist der, dass große Buchhändler zwar günstiger als ihre Wettbewerber einkaufen können, ihre Kunden von diesem Einkaufsvorteil aber als Folge der fixen Verkaufspreise nicht partizipieren. Dies unterscheidet die Buchbranche z. B. von den Lebensmitteldiscountern, die einen Großteil ihrer Einkaufsmacht an den Konsumenten durch niedrigere Verkaufspreise weiterreichen. Hiervon profitiert insbesondere der Internethändler Amazon, der so den Eintritt in andere Branchen mitfinanzieren konnte. Laut einer Berechnung dürfte diese „Quasi-Subventionierung“ bis Ende 2013 bis zu 500 Mio. Euro betragen haben. (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2015 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#30059

"Auch unter den jüngeren Menschen schaut die Mehrheit Fernsehen, allerdings geben 24 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 29 Jahren eine sinkende Nutzung an, 12 Prozent sehen gar nicht mehr und 12 Prozent kaum noch. Insgesamt haben sich 14 Prozent aller Befragten vom klassischen Fernsehen abgewendet."
(FAZ 24.9.15)

Zahlen müssen sie trotzdem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2015 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29955

Der Strompreis schreit geradezu danach, in eine verbrauchsunabhängige Haushaltsabgabe umgewandelt zu werden. Es geht nicht an, daß sich die Leute durch Stromsparen ihrer solidarischen Pflicht entziehen, zur Rentabilität der Investitionen in erneuerbare Energien beizutragen. Man könnte den bereits geltenden verbrauchsunabhängigen Anteil auch schrittweise erhöhen, bis die volle Solidarität hergestellt ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2015 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29767

Als vorläufig letztes Wort zum Semesterticket schreiben die Erlanger Nachrichten:

Viele Jahre war die Hochschulregion Nürnberg-Fürth-Erlangen bundesweit eine der letzten ohne (zumindest teilweise) solidarisch finanziertes Semesterticket gewesen. (21.8.15)

Ich erwähne es noch einmal, weil es die eigenartige Verwendung von solidarisch dokumentiert. Solidarisch ist also, wenn man sich etwas von Unbeteiligten mitfinanzieren läßt.

Gestern berichtete die Zeitung über einen Versuch der Schweizer Medienunternehmen, Rundfunk-Zwangsgebühren in private Kassen zu lenken. Das ist auch haarsträubend, könnte aber gelingen, wenn es nicht am Neid der anderen auf Ringier scheitert.

Wenn Fernsehen oder der ÖPNV dem Gemeinwohl dienen, müssen sie aus Steuern finanziert werden und nicht aus Gebühren Unbeteiligter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2015 um 07.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29611

Zur Grundversorgung des modernen Menschen gehört anscheinend auch "Make love" (ZDF), wofür ich meine Demokratieabgabe natürlich gern zahle, auch wenn ich es nicht empfangen kann.

(Hat der Verein Deutsche Sprache den Liebemachern schon auf die Finger geklopft? Das Synonymwörterbuch hält doch so viele Möglichkeiten bereit.)
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 09.07.2015 um 18.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29401

Das Erlanger Semesterticket kenne ich nicht im einzelnen, aber was Sie dazu schreiben, ist haarsträubend. Das Bielefelder Semesterticket ist tatsächlich so beschaffen, daß man es sinnvoll und dann unschlagbar preisgünstig einsetzen kann. Jedwede Busse und Bahnen bis einschließlich Regionalexpreß in ganz Nordrhein-Westfalen plus grenznaher Gebiete in Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen (sogar die Stadtbusse in Osnabrück) lassen sich an acht Tagen die Woche rund um die Uhr nutzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29398

Die Betroffenen wurden befragt und haben sich, wenn auch überraschend knapp, für diese Art der Beglückung ausgesprochen. Man muß bedenken, daß wie beim Fernsehen die Mehrheit es naturgemäß gern sieht, wenn die nichtbeteiligte Minderheit sich an der Finanzierung beteiligt. Anderswo heißt das Vertrag zu Lasten Dritter und ist sittenwidrig. Der Verkehrsverbund hat natürlich ein Interesse an gesicherten Einkünften, unabhängig von der Nutzung, auch dies eine Parallele zum Zwangsbeitrag der Rundfunkanstalten. Warum sich die Stadtverwaltung und die Universitätsleitung so sehr dafür ins Zeug gelegt haben, weiß ich nicht genau, der Zauber des Begriffs "Solidarität" dürfte mitgewirkt haben. Es ist ja irgendwie ein sozialistisches Projekt.

Wie man dann durch listige Aufspaltung des Projekts haarscharf am Verstoß gegen die Vorgaben des Verwaltungsgerichts vorbeischrammte, ist allerdings so unerfreulich wie denkwürdig.

Nicht daß ich die Belastung nicht tragen könnte, obwohl sich durch nichtgenutztes Ticket und nichtgenutztes Fernsehen über die Jahre schon was zusammenläppert. Aber das Verfahren und die Willfährigkeit der Juristen machen mich schon recht verdrossen. Es sind ja keine Steuern, sondern durchaus konkrete Angebote von Wirtschaftsunternehmen, und daß die Staatsmacht sich so dahinterklemmt, die Entgelte auch von Nichtkäufern einzutreiben, ist sehr sonderbar.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.07.2015 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29397

Mich machen diese Dinge auch fassungslos. Gibt es denn für den Quatsch eine Mehrheit in der Bevölkerung? Wie kommen solche schildbürgerhaften Beschlüsse in einer demokratischen Gesellschaft zustande? Irgendetwas scheint selbst in einer Demokratie nicht zu funktionieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29396

Beim Semesterticket in Erlangen kommt ja noch die demütigende Verarschung hinzu (anders kann man es nicht nennen): Das Basisticket, das jeder bezahlen muß, kann wegen der berichteten Beschränkungen nur in der Freizeit, also nicht zu studienbezogenen Zwecken benutzt werden. Sonst muß man das dreimal so teuere volle Ticket bezahlen.
Was geht ein Freizeitticket die Universität überhaupt an? Mit welchem Recht zieht sie den Preis dafür ein?
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 09.07.2015 um 12.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29395

Sicher, den Kaufzwang beim Semesterticket kann man ablehnen; aber wenn ich schon gezwungen werde, etwas zu kaufen, dann will ich wenigstens etwas davon haben.
Das Semesterticket kann ich so nutzen, daß es mir einen Vorteil bringt; gegen die Zweckentfremdung meines Semesterbeitrags kann ich mich nicht wehren und muß ertragen, daß dadurch weniger Geld für Forschung und Lehre bereitsteht, daß ich also schlechtere Studienbedingungen habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 12.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29394

Da haben Sie auch wieder recht, besonders wenn ich an meine Studienzeit zurückdenke; da wurde ein Teil meines Semesterbeitrags vom Asta an die Vietkong weitergeleitet.

Aber wozu überhaupt die Alternative? "Wenn ich es benutze", sagen Sie. Die Geldeintreiber interessiert es eben gar nicht, ob Sie es benutzen, und das ist schon ein starkes Stück.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 09.07.2015 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29392

Sie haben mit dem Semesterbeitrag wahrscheinlich auch die Antifa und andere Organisationen mitfinanziert, die mit dem Studium oder der Universität nichts zu tun haben.
Mein Semesterbeitrag in Bielefeld hat jedenfalls genau das getan, und Ihre Buchempfehlung "Geistige Brandstifter von Links" von Ruth Römer dröselt das sehr erhellend auf.

Da ist mir ein Semesterticket, das ich nicht benutze, von dem ich aber einen konkreten und geldwerten Vorteil habe, falls ich es nutze, allemal lieber.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2015 um 06.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29390

Habe nun erstmals für meine Jüngste das Semesterticket bezahlen dürfen. Sie fährt zwar nur mit dem Rad, aber wenn sie wollte, könnte sie nachts und sonntags mit dem Bus in die – freilich verschlossene – Uni fahren. Wenn wir wollten, könnten wir auch fernsehen, es ist ja alles schon bezahlt. Was kommt als nächstes? Ich tippe auf ein Zwangsabo fürs Stadttheater, denn freiwillig sieht sich keiner dessen Darbietungen an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2015 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29107

Soweit ich weiß, lehnt die Linke den Rundfunkbeitrag nicht grundsätzlich ab, kritisiert nur "soziale Schieflage" und möchte mehr Ausnahmetatbestände schaffen. Auch von Personen statt Haushalten als Berechnungsgrundlage war zu lesen. Aber es geht mir auch gar nicht um das gegenwärtige Programm einer Partei, die nicht regiert und daher manches versprechen kann.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 09.06.2015 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29105

Zum Thema Rundfunkbeitrag siehe auch diesen Faden (ist auch was zur RSR dabei):

www.bod.de/autorenpool/asozialstaat-deutschland-t16611.html
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 09.06.2015 um 14.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29104

Wenn ich mich recht erinnere, hat die Partei Die Linke als einzige gegen den "solidarischen Rundfunkbeitrag" gestimmt. Ihre Idee war das jedenfalls nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2015 um 13.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29082

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#28276:

„Mit Hilfe des solidarisch von allen Berlinern finanzierten Monatstickets in Höhe von rund 30 Euro könne eine sogenannte Öffi-Flatrate für den fahrscheinlosen Bahn- und Busverkehr eingeführt werden.“

Die Wortbildung Öffi-Flatrate kommt mir so kindisch vor, daß ich sie nicht aussprechen könnte. Allerdings haben in Berlin schon gestandene Männer "Pro Reli" abgestimmt...

Man beachte die Argumentation mit der "Solidarität"! Sich eine Leistung von denen finanzieren zu lassen, die sie nicht in Anspruch nehmen, das ist der neue Inhalt dieses Begriffs. Immerhin zeigt der Vorstoß der Linken, aus welcher Richtung all solche Ideen kommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2015 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#29038

Auf ungestellten Bildern starren Kinder mit erschlafften Gesichtszügen und glasigen Augen auf den Bildschirm, aber in der Werbung und auf den „Bildungsseiten“ der Zeitschriften zeigen sie einander freudig erregt etwas ganz unmäßig Interessantes oder Lustiges, das sie gerade auf dem Bildschirm entdeckt zu haben scheinen – der dem Leser stets die Rückseite zukehrt, so daß man nicht weiß, ob da überhaupt etwas zu sehen ist. Tatsächlich zeigt meist eine der hochgestimmten Personen mit dem Finger auf eine der oberen Ecken des Monitors. Das Ganze bebildert „modernes Lernen“.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 22.05.2015 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#28954

https://www.change.org/p/zwangsbeitrag-nein-danke
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2015 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#28953

Das Gesetz zur Tarifeinheit erinnert mich an die Rundfunkabgabe: Ob jemand Radio oder Fernsehen oder beides oder gar nichts nutzt – EIN Tarif für alle! Das stärkt die Freiheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2015 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#28943

Der PEN hat sich einer Resolution gegen TTIP angeschlossen, in der es u. a. heißt:

„Die bestehenden Rahmenregelungen und Förderinstrumente auf europäischer und nationaler Ebene für Kultur und Medien wie die Buchpreisbindung, die direkte Förderung von Kultureinrichtungen, die Finanzierung des öffentlichen rechtlichen Rundfunks und die Gesetzgebungskompetenz zur Regulierung bestehender und zukünftiger linearer und nonlinearer Mediendienste sowie die Förderung von Künstlern und kulturwirtschaftlichen Unternehmen dürfen durch das Freihandelsabkommen nicht angetastet werden.“

Das kann ich natürlich nicht unterschreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2015 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#28838

"The truth is that most scientific arguments are ill-suited to television, since they require thought, detail, and argument, three things the medium detests. Their natural home would continue to be the book." (Matt Ridley)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2015 um 03.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#28566

Selbst Asylsuchende, die derzeit in Turnhallen untergebracht sind, bekamen dieser Tage Einzugsbescheide für Rundfunkgebühren. (Tagesspiegel 5.4.15)

Das ist kein Skandal, sondern ein erfreuliches Signal der Willkommenskultur und fördert die Integration. Der Deutsche zahlt nun einmal Fernsehgebühren, und der Gesetzgeber darf ja "typisieren".

Die nächste Abgabe von Nichtnutzern wird schon geplant: auf Mobiltelefone und andere Geräte, mit denen man Musik herunterladen könnte. Daraus werden dann die Musiker usw. bezahlt. Das Typisieren ist eine feine Sache. (Jahrzehntelang wurden Arbeitslose als kirchensteuerpflichtig typisiert, auch wenn sie keine Mitglieder waren.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2015 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#28309

„Der Gesetzgeber darf annehmen, dass von der Rundfunkempfangsmöglichkeit üblicherweise in den gesetzlich bestimmten Raumeinheiten Wohnung und Betriebsstätten Gebrauch gemacht wird“, schreibt das Gericht in der Urteilsbegründung.(Oberverwaltungsgericht Münster 13.3.15)

Es gibt schätzungsweise 1,5 Mill. Fernsehverweigerer. Sie zahlen jetzt ebenfalls, daher die Mehreinnahmen.

"Der Gesetzgeber darf annehmen" – einfach so?

Ich sitze in meiner Raumeinheit und bin politikverdrossen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2015 um 09.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#28276

Der Gedanke von Zwangs-Haushaltsabgabe und Zwangs-Semesterticket weitet sich aus. In Berlin wird ein "Bürgerticket" diskutiert: "Alle Berliner sollen für Bus und Bahn zahlen – egal, ob sie tatsächlich damit fahren oder nicht." (Tagesspiegel)

Es ist eben sehr verlockend, andere für seinen eigenen Verbrauch zahlen zu lassen. Am Ende steht die Abschaffung des Geldes: Alles ist immer schon von allen bezahlt, ob sie es nutzen oder nicht. Man könnte die Bürgerwohnung und den Bürger-Einkaufswagen einführen. Zuletzt das Bürgergrab. Das vorangestellt Bürger- klingt verlockend. (Der Vorschlag kommt von den Linken.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2015 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#27829

Während eine Online-Abstimmung der Studenten zum Erlanger Semesterticket läuft, ist die Propaganda von Bürgermeister und Verkehrsgesellschaft erstmals mit der Sprache herausgerückt:

„Der Vorschlag sieht ein zweigeteiltes Ticket vor: Jeder Student muss ein verpflichtendes Basisticket für einen Solidarbeitrag von 65 Euro im Semester kaufen. Dieses Ticket gilt unter der Woche von 19.00 bis 6.00 Uhr früh sowie am Wochenende rund um die Uhr. Damit soll sichergestellt werden, dass Studierende, die nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Uni fahren, das verpflichtende Ticket zumindest in ihrer Freizeit nutzen können.“ (br.de 17.1.15)

Das heißt, jeder soll gezwungen werden, ein reines Freizeitticket zu erwerben. Der Trick, mit dem die richterlichen Vorgaben unterlaufen werden sollen, ist bisher notdürftig versteckt worden, aber natürlich haben viele Studenten inzwischen gemerkt, daß sie mit dem Basisticket gar nichts anfangen können. Daher jetzt die Freizeitrhetorik. Jeder hat ja gern Freizeit. Deren unbeschwerter Genuß soll jetzt "sichergestellt" werden, das ist doch sehr schön.

Wie bei der Rechtschreibreform ist man fassungslos wegen der Dreistigkeit der Argumente von denen da oben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2014 um 08.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#27279

Neueste Meldung zum Erlanger Semesterticket: Keine Altersbeschränkung mehr. Und sonst?

"Der letzte Entwurf für ein Semesterticket sah vor, dass alle Studenten einen verpflichtenden Solidarbeitrag in Höhe von 65,70 Euro zahlen. Das Semesterticket gilt dann aber nur montags bis freitags von 19 bis 6 Uhr am Folgetag sowie samstags, sonntags und an Feiertagen. Erst mit einem Zusatzticket für 195,30 Euro und damit einem Gesamtticketpreis von 261 Euro fallen die zeitlichen Einschränkungen weg." (Erlangen 8.11.14)

Das Basisticket soll also tatsächlich nur nachts und an Feiertagen gelten, also genau dann, wenn keine Lehrveranstaltungen stattfinden. Diese absurde Konstruktion hat den alleinigen Zweck, die Umlage der Fahrtkosten gerichtsfest zu machen, denn bei einer Erhebung in voller Höhe würden die Richter das Ganze verbieten, wie schon aus früheren Urteilen bekannt ist.

"Solidarität" bedeutet, sich die eigenen Kosten von anderen mitfinanzieren zu lassen. An dieser sprachlichen Vernebelung der wirklichen Verhältnisse ist nicht zu deuteln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2014 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26910

Noch eine Variante des Abkassierens:

Die „Neuen Liberalen“ fordern, „die Kirchensteuer in ihrer jetzigen Form abzuschaffen und diese Steuer sozialen Einrichtungen direkt zur Verfügung zu stellen.“
Das ist lustig. Welche Steuer solle denn umgewidmet werden, nachdem sie doch gerade abgeschafft ist? Aber es geht offenbar darum, die Kirchensteuer für Kirchenmitglieder abzuschaffen und eine neue Sozialsteuer für alle Bürger einzuführen. Schöne Liberale!
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 01.10.2014 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26903

Diese Bedenken müssen mir dann entgangen sein, wenn sie (die Bedenken) sich auf das Semesterticket beziehen. Einschränkungen wie nur Nachtfahrten gibt es beim RMV-Semesterticket nicht. Studenten sind hier keine unbeteiligten Dritten. Natürlich teile ich Ihre Ablehnung von Fernsehzwangsgebühren.

Natürlich soll alles kosten, was es eben kostet. Dies in jedem Fall aber genau zu berechnen oder auch nur abzuschätzen dürfte sehr schwierig sein, das gilt für die Einzelfahrkarte genauso wie für Monats- oder Jahresfahrkarte, für das Jobticket genauso wie für das Semesterticket. Bei einem Einzelfahrschein kauft man den Fahrschein direkt vor der Fahrt, und deswegen ist er teurer. Bei allen anderen Fahrscheinen bezahlt man lange vor der Fahrt oder den Fahrten einen geringeren Betrag. Das so eingenommene Geld kann vom RMV gewinnbringend angelegt werden. Außerdem entfällt damit das Vorhalten von Fahrkartenverkaufsschaltern in Bahnhöfen und (normalerweise) eine genaue Kontrolle der Fahrscheine, das Semesterticket mach also den Fahrern oder Schaffnern das Leben leichter. Außerdem bindet es die Leute an die öffentlichen Verkehrsmittel, sorgt also für weniger Umweltverschmutzung und weniger Unfälle. Wenn man dies alles berücksichtigt, sind Einrichtungen wie das Semesterticket insgesamt positiv. Es geht also nicht um Subventionen.

Bei den Antragsgründen für die Erstattung studentischer Beiträge geht es ja gerade darum, daß bestimmte Leute von der Bezahlung der für alle anderen verpflichtenden Beiträge ausgenommen sind, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden. Das bedeutet aber auch, daß diese Leute dann kein Semesterticket haben, sondern nur einen einfachen Studentenausweis (plus freier Eintritt in den Palmengarten). Nur Schwerbehindete fahren unentgeltlich, wogegen ja niemend etwas haben kann, sind diese Leute doch eh schon unverschuldet benachteiligt.

Ich würde schon deshalb nicht von ''Subventionen'' sprechen, da die Uni Fankfurt bekanntermaßen eine Pendleruni ist. Für viele Studenten ist das Semesterticket Voraussetzung dafür, überhaupt studieren zu können, insbesondere da es in Frankfurt nur sehr wenig für Studenten bezahlbaren Wohnraum gibt. (Darüber gab es vor kurzem ein Veranstaltung, offenbar ist dieser Zustand so gewollt.)

Auch der freie Eintritt in den Palmengarten (die Kosten dafür sind vernachlässigbar gering) macht Sinn, da es eine gewisse Abkürzung ist, wenn man von der Hauptuni zum Campus Westend will.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2014 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26902

Ich habe meine Bedenken gegen solche "Solidarität" früher schon einmal begründet. Das will ich nicht wiederholen. Was noch auffällt: Mit dem Basisticket kann man in Erlangen nur nachts fahren...

Meine Meinung ist: Alles soll kosten, was es eben kostet. Wer subventionieren will, soll das tun, aber nicht unbeteiligte Dritte anzapfen und das auch noch "Solidarität" nennen.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 01.10.2014 um 11.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26901

Es ist unverständlich, warum es in Bayern so kompliziert gemacht wird:

http://asta-frankfurt.de/angebote/rmv-semesterticket/asta-semesterticket-eine-einfuehrung

http://www.studentenwerkfrankfurt.de/beratung-service/semesterticket-haertefonds.html

Als Antragsgründe für die Erstattung der studentischen Beiträge für das
RMV-AStA-Semesterticket der Goethe-Universität Frankfurt a.M. gelten:

* Urlaubssemester
* Auslandssemester
* Praktikum außerhalb des RMV-Gebietes
* Kinderbetreuung/Pflege von nahen Angehörigen
* gesundheitliche Gründe
* Promotion / Examensvorbereitung (nur bei Wohnsitz außerhalb des RMV-Gebiets)
* Schwerbehinderung (unentgeltliche Beförderung)
* Doppelimmatrikulation
* soziale Gründe (Erstattung nur möglich, wenn Universität zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht
werden kann. Zusatzblätter bitte bei der Härtefondsstelle anfordern!)

Antragsberechtigt sind nur Studierende, die an der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Frankfurt am Main eingeschrieben sind. Die Befreiung gilt nur für das jeweilige Semester und
erfolgt auf Grundlage der AStA-Härtefondssatzung in der aktuell gültigen Fassung.

Ich denke, dies ist ein faires Angebot und sollte im ganzen Bundesgebiet Schule machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2014 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26899

Auch wer nicht am Fernsehen teilnimmt, profitiert davon und muß zahlen. Auch Studenten, die den ÖPNV nicht nutzen, profitieren davon und müssen zahlen: Das vollständige Semesterticket soll 261 Euro kosten und für ein halbes Jahr gelten, teilte der VGN mit. Die Fahrkarte setzt sich aus zwei Einzeltickets zusammen. Das Basisticket soll 65,70 Euro kosten und muss von allen Studenten am Hochschulstandort Nürnberg-Fürth-Erlangen bezahlt werden, egal ob sie das Ticket nutzen oder nicht. Damit können Studierende unter der Woche ab 19 Uhr bis zum nächsten Morgen sowie ganztägig an Wochenenden im gesamten Verkehrsverbund fahren. Wer auch tagsüber öffentlich fahren möchte, muss sich ein Zusatzticket für 195,30 Euro kaufen. Diese Zweiteilung ist nach Angaben des VGN notwendig, da der Solidarbeitrag für das Basisticket eine gesetzlich festgelegte Grenze von etwa 66 Euro nicht überschreiten darf.

Diese Argumentationsfigur schreit geradezu danach, auf andere Gebiete ausgedehnt zu werden. Zum Beispiel auf die umstrittene Finanzierung von Katholikentagen aus Steuermitteln:

"Der Katholikentag ist ein Angebot an alle Bürger, über Fragen der Gesellschaft zu sprechen. Das Thema Religion spielt jedenfalls nicht die Hauptrolle", begründet ZdK-Sprecher Theodor Bolzenius den Anspruch auf Subventionen. Das Treffen diene schließlich dem Zusammenhalt der Gesellschaft. (Spiegel 20.9.14)

"Solidarität" ist, wenn man sich etwas von anderen Leuten bezahlen läßt.
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 20.06.2014 um 12.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26098

Es versteht sich fast von selbst, daß auch die Nachrichtensendungen immer weniger Zuschauer haben:

http://tinyurl.com/8mhe8d3
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 20.06.2014 um 11.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26097

Das ist jetzt gerade neu, und auch Nachrichtensprecher sind Spielkinder genug, um die neuen Möglichkeiten auszuprobieren. Das pendelt sich schon ein.

Im Vergleich zum ZDF ist das Tagesschau-Studio noch harmlos. Die alberne Raumschiffatmosphäre bei heute ist wahrhaftig zum Weglaufen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2014 um 04.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26093

Einverstanden - wenn man Bilder hat. Sonst sind sie tatsächlich nur eine Verlegenheitslösung. Ich erinnere mich jetzt, daß es mich auch immer gestört hat.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.06.2014 um 21.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26092

Nachrichtensprecher gehören überhaupt nicht ins Bild, wie schon die Macher der Wochenschauen wußten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2014 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#26090

Sehe gerade ein Foto der neuen "Möblierung" des Tagesschau-Studios. Herrje! Das allein wäre schon ein Grund, aufs Fernsehen ganz zu verzichten. Was für eine billige Effekthascherei, dieser Plastifirlefanz mit Lichtzauber. Paßt zum übrigen Herumkaspern der Bildschirm-Bekannten. Ein Nachrichtensprecher gehört an einen normalen Schreibtisch; das wird man vielleicht in 100 Jahren begreifen, wenn die Menschheit (wieder) erwachsen geworden ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2013 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24523

Die Juristen sind die größten Sprachkünstler. Mein Vertrauen auf diese Wahrheit wurde gerade erst wiederhergestellt, nachdem ich mich bei der bayerischen Staatsregierung erkundigt hatte, warum der Kirchenaustritt eine Verwaltungsgebühr von 31 Euro kostet, der Kircheneintritt jedoch kostenfrei ist, obwohl nach meiner laienhaften Ansicht dabei derselbe Verwaltungsaufwand entsteht. (Ich bin nicht der einzige, der darin einen Teil der "bewährten Zusammenarbeit" von Kirche und Staat sieht, an der ja auch die neue Koalition im Bund ausdrücklich festhalten will.)

Die Antwort kam schnell, und zwar unter Verweis auf ein Gerichtsurteil des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs vom 8.5.2009 (Vf. 7-VII-07).

Darin heißt es u. a.:

"Der Gleichheitssatz untersagt dem Normgeber, gleich liegende Sachverhalte, die aus der Natur der Sache und unter dem Gesichtspunktder Gerechtigkeit eine gleichartige Regelung erfordern, ungleich zu behandeln. Er verbietet Willkür, verlangt aber keine schematische Gleichbehandlung, sondern lässt Differenzierungen zu, die durch sachliche Erwägungen gerechtfertigt sind. Der Normgeber handelt nicht schon dann willkürlich, wenn er unter mehreren Lösungen nicht die zweckmäßigste, vernünftigste oder gerechteste gewählt hat. Nur wenn die äußersten Grenzen des normgeberischen Ermessens überschritten sind, wenn für die getroffene Regelung jedersachlich einleuchtende Grund fehlt, ist der Gleichheitssatz verletzt (ständige Rechtsprechung; vgl. VerfGH 60, 80/95 f.).
a) Eine unzulässige Ungleichbehandlung von Kircheneintritt und Kirchenaustritt ist nicht gegeben. Zwar fallen nach der angegriffenenRegelung nur Gebühren im Zusammenhang mit dem Austritt aus einer Gemeinschaft an, nicht aber für den Eintritt. Die Differenzierungist jedoch gerechtfertigt, da die zugrunde liegenden Sachverhalte nicht vergleichbar sind. Denn beim Eintritt in eine Kirche,Religionsgemeinschaft oder weltanschauliche Gemeinschaft nimmt der Staat keine eigenen Amtshandlungen vor, sondern knüpft die Rechtsfolgen gemäß Art. 3 Abs. 3 KirchStG an die internen Akte der jeweiligen Gemeinschaft (VerfGH 21, 38/48). Der Staat nimmt demnach die Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft sowie weitere Daten (Name, Geburtstag, Geburtsort, usw.) nur zur Kenntnis. Dagegen ist die vom Standesbeamten aufzunehmende Austrittserklärung ein konstitutiver Rechtsakt des Staates mit weitreichenden öffentlich-rechtlichen Folgen, der Verwaltungsaufwand und damit auch Kosten verursacht."

Das heißt also, das Anknüpfen der Rechtsfolgen des Eintritts (vor allem Beginn des Kirchensteuereinzugs) an die internen Akte der Kirche ist keine Amtshandlung des Staates, dagegen ist die Aufnahme der Austrittserklärung mit den Rechtsfolgen (Ende des Kirchensteuereinzugs) eine Amtshandlung des Staates und daher gebührenpflichtig.

(Eine wirkliche Perle ist der Satz: Der Normgeber handelt nicht schon dann willkürlich, wenn er unter mehreren Lösungen nicht die zweckmäßigste, vernünftigste oder gerechteste gewählt hat. Natürlich nicht! Wer würde auch darauf kommen, daß Eintritt und Austritt "nicht vergleichbar" sind!)

Das ist in allen Bundesländern so, außer bisher in Berlin, wo aber der Austritt auch gebührenpflichtig gemacht werden soll. Die Kirchhof-Brüder würden vielleicht sagen: Die Kirche ist auch für Nichtmitglieder so wichtig, daß es zumutbar ist, den Austritt durch eine maßvolle Gebühr zu erschweren. Diese Gebühr ist geeignet, die Menschen zum Nachdenken anzuregen über die auch im Koalitionsvertrag genannte christliche Grundlage unseres Staates.

Ich neige der Ansicht vieler Theologen zu, daß diese Nähe zum Staat für die Kirchen zwar komfortabel war, sich heute aber mehr und mehr schädlich auswirkt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.10.2013 um 08.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24249

Die FAZ kritisiert zwar dankenswerterweise die Rundfunkabgabe, erwartet auch nicht viel von den "fernsehfreundlichen Karlsruher Richtern" (auch die Brüder Kirchhof wären zu erwähnen), schmäht aber mich und andere wieder mal wegen der "Gratis-Mentalität des Internets". Nun, niemand wird gezwungen, etwas zu verschenken, und werbungsfinanzierte Angebote sind ja auch nicht wirklich verschenkt. Die Aktienkurse bestätigen es.

Die Unternehmen wissen und rechnen von vornherein damit, daß viele oder sogar die meisten die beworbenen Produktie nicht kaufen. Das ist aber überall so. Ich zum Beispiel lebe sozusagen aus der Mülltonne. Meine Textverarbeitung war immer gratis, seit fast 30 Jahren (StarWriter), der Browser und die Sicherheit (mager, aber anscheinend ausreichend) sowieso. Ich habe kein schlechtes Gewissen. "Geiz ist geil"? Das rationale Wirtschaftssubjekt verteilt seine Ausgaben so, daß der größte Nutzen entsteht. Was heißt denn da "Gratis-Mentalität"? Für die FAZ zahle ich doch.

Ich weiß schon, die Zeitungen wehren sich dagegen, daß ihnen die Rundfunkanstalten in unlauterer Weise gebührenfinanziert das Geschäft verderben. Das müssen sich aber anders erreichen als durch Schmähung einer dem Nutzer unterstellten Mentailtät.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2013 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24168

Es scheint ein Gebot des Fernsehens zu sein, daß eine Dokumentation sich niemals mit der dargestellten Sache zufrieden geben darf, sondern einen gehörigen Teil dem "Human interest" zu widmen hat. Man sieht also zum tausendsten Mal Forscher, wie sie durch Okulare blicken oder sich durch den Urwald kämpfen (der Kameramann hat es anscheinend immer schon vor ihnen geschafft).

Neu ist aber nur die Hintergrundmusik (ausnahmslos, nicht wahr?), Alle anderen Zutaten sind aus dem sogenannten Sachbuch bekannt, das etwa seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht zuletzt in Deutschland aufkam. Was es früher aber auch nicht gab, sind bunte Bilder, die gar nichts illustrieren, sondern nur dem Horror vacui der Fernsehästhetik entspringen (wie die Musik der Angst vor der Stille).

Die Amerikaner schreiben im allgemeinen besser, aber in den letzten Jahren hat bei Sachbüchern eine Geschwätzigkeit um sich gegriffen, die wohl nicht auf die Forscher-Autoren selbst, sondern auf ihre der Medienbranche entstammenden Helfer zurückgeht.

Wenn man undiskutiert voraussetzt, daß die Sache selbst den Leser oder Zuschauer nicht hinreichend interessiert, erzieht man ihn zu dem unbedarften Konsumenten, den man erwartet.
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 21.09.2013 um 20.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24088

Wir bezahlen ja nicht nur die öffentlich-rechtlichen, sondern auch die privaten Sendeanstalten. Mit dem Unterschied, daß wir die Höhe der Abgaben und Gebühren kennen, was jedoch vom Preis des Yoghurtbechers über die Werbefirmen in die Privatsender fließt, das wissen wir nicht.

Wir wissen nur, daß der "Werbemann" (Robert Gernhardt) besser verdient als der Milchbauer.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.09.2013 um 10.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24065

Die traulich vor dem Fernsehgerät versammelte Volksgemeinschaft ist ständige Wirklichkeit. Die wenigen Verweigerer (oder Uninteressierten) ersparen sich zwar jede Menge kretinösen Mumpitz, es entgeht ihnen aber auch der unausgesetzte Einfluß dieses bestimmenden Mediums auf die Sprache.

Der Nutzen öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten besteht für Nichtfernseher naheliegenderweise darin, daß die vielen anderen (vielleicht) nicht ganz so blöd sind, wie sie es wären, ließe man sie mit den Privatsendern allein.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 19.09.2013 um 16.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24062

Ich vergaß zu erwähnen, was im Fernsehen unten eingeblendet wird, um anzuzeigen, wer gerade seine Pappnase in die Kamera hält. Da spricht dann ein "Präsident Frankreich" oder ein "Sprecher Innenministerium" u. dgl. Das möchte man doch gar nicht lesen müssen. In keinem anderen Medium gibt es diese Sprachverwahrlosung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2013 um 15.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24060

Obwohl es unzählige Sender gibt, scheint doch auch die Haushaltsabgabe samt ihrer Begründung auf einem Menschenbild zu beruhen, das uns alle in trauter Volksgemeinschaft vor dem Fernsehgerät vereint sehen möchte. Der vom Fernsehen abgekoppelte Bürger ist ein Sonderling, auf den man um des einfachen Gebühreneinzuges willen keine Rücksicht zu nehmen braucht.

Wie verschieden die Menschen leben, wenn man sie nur läßt, ist mir im Laufe der Jahrzehnte immer bewußter geworden. Ich habe auch an mir selbst erlebt, daß ich mit vielen anderen Menschen nur wenig gemeinsam habe, so daß dem Miteinander gewisse Grenzen gesetzt sind. Zum Beispiel haben wir früh gemerkt, daß Leute mit Kindern und Kinderlose doch teilweise in verschiedenen Welten leben, auch innerhalb der Verwandtschaft. Das liebe Ich erweitert sich gewissermaßen, man denkt bei allem, was man plant, daß man ja zu viert (usw.) ist und wie die Pläne jedem einzelnen bekommen und was das alles kostet.

Vor vielen Jahren hörte ich im Radio ein Interview mit einem jungen Ehepaar, das sich als atheistisch bekannte und mit Begeisterung von einem gemeinsamen Hobby sprach, der Astronomie. Sie nannten ihre Beziehung glücklich. Dann wurde ein Theologe gefragt, was er von dieser Ehe halte, und seine Antwort war: "Das ist die Hölle!" Das hat mich doch ziemlich schockiert.

Aber so ist das Leben. Und dann kommt der Heidelberger Professor und weist nach, daß es gut für alle ist, wenn sie das öffentlich-rechtliche Fernsehen nutzen, ja sogar, wenn sie es nicht nutzen (dann sollten sie erst recht dafür zahlen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2013 um 14.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24059

Bei uns ist im Küchenradio "Bayern 5" eingestellt, und das hören wir bei allem, was wir in der Küche eben so machen. Sonntags kommen besondere halbstündige Sendungen und dazu die Diskussionsrunde mit Hörern ("Sonntags um elf"), das lohnt sich meistens. Ich sollte auch mal Deutschlandfunk hören, aber fürs Umschalten bin ich viel zu faul, und dann noch mit Teig oder Fett an den Fingern...
Im Internet gucke ich täglich mehrmals bei Google News rein.
Meine Hauptinformationsquelle ist die Zeitung, wobei ich immer mal wechsele zwischen FAZ und SZ, mit beiden nicht besonders zufrieden. Aber wenn man seine Pappenheimer kennt und bei den Journalisten die wohlbekannten Ressentiments abzieht, kann man aus der Zeitung schon ziemlich viel lernen. Wir besprechen auch alles ausführlich, was einer von uns gerade gelesen hat.
Zeitschriften habe ich keine mehr abonniert, außer Max Planck Forschung (gratis), das ich von vorn bis hinten durchlese.
Das wär's so ungefähr; die Bücher, die wir lesen und einander vorlesen, gehören ja nicht hierher.

Vor diesem Hintergrund – das wollte ich eigentlich damit sagen – ist das Fernsehen überflüssig und störend. Ich sehe natürlich ein, daß jemand, der gern Sport sieht, das Fernsehen braucht. Bei uns interessiert sich niemand dafür, der Sportteil wird gleich aus der Zeitung herausgenommen und entsorgt, aber das ist kein Werturteil, sondern einfach eine andere Interessenverteilung.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 19.09.2013 um 12.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24058

Die Stummschaltung ist gerade ein aufschlußreiches Experiment. Lassen wir nur die Bilder auf uns wirken, was sehen wir? Wie in den vorigen Beiträgen schon angesprochen: In endloser Folge schwarze Limousinen, die irgendwo vorfahren, Leute in dunkeln Anzügen, die aussteigen oder manchmal einsteigen, ein Gebäude, vielleicht mit Fahnen davor oder einem Schild neben dem Eingang, eine Straßenszene (siehe, auch in dieser Stadt leben Autos), jemand, der in ein Buch schaut, usw. usf. Mit etwas Glück kann man ungefähr erahnen, worum es geht.
Dagegen das umgekehrte Verfahren: drehen wir uns um oder gehen ins Nebenzimmer und lassen nur den Ton auf uns wirken. Bis auf gelegentliche Einblendungen, wer gerade redet und einige wenige andere Details erhalten wir alle wesentlichen Informationen. Bei der Sportschau mag das anders sein; hier will man das Spiel sehen, auf den Kommentator kann man auch verzichten, u.U. sogar mit Gewinn. Aber das dürfte im Bereich der "Informationssendungen" die einzige Sparte sein, in dem das Bild wirklich etwas bedeutet.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 18.09.2013 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24051

So schlecht wie das ZDF ist das Fernsehen im allgemeinen dann doch nicht. Was mich am meisten stört, ist das inhaltsleere Gelaber und die Werbung. Mit der Stummschaltung wird das Programm gleich erträglicher.
Die Sportübertragungen gingen mir schon ab, der Videotext wäre ein großer Verzicht, und die Tagesschau ist leidlich informativ; so leicht tue ich mich nicht, das Gerät abzuschaffen.

Das Fernsehen ist nun mal keine Volkshochschule – auch wenn so manches Format der Privaten einem Kursus "Proletenkunde" gleichkommt.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 18.09.2013 um 14.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24049

Im ARD-Fernsehen läuft jetzt eine Serie mit dem Titel "Weissensee". Es scheint sich um den (Ost-)Berliner Stadtbezirk Weißensee zu drehen. Selbst wenn etwas anderes gemeint ist: Auch nach Neuschreibung wäre -ss- hier höchstens bei einem Familiennamen zulässig.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 18.09.2013 um 09.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24044

Eine Frage wäre, ist Fernsehen, wie es heute gemacht wird, wie es ist, weil die Leute es so wollen, oder ist es einfach nur die Meinung der Fernsehmacher, daß es so sein muß?

Zu Beginn des Fernsehens war Fernsehen für Filme da. Die Nachrichten wurden im Stil des Radios präsentiert. Ein Nachrichtensprecher las die Meldungen vom Blatt, in einer halbstündigen Sendung war viel Nutzinformation.

Heute ist die Nutzinformation auf ein Minimum geschrumpft, dafür ist das Drumherum aufgeblasen. Viele Nachrichten kommen dreimal, einmal im Kurzüberblick zur Einleitung, dann als erklärende Einleitung zu einem Bildbericht und schließlich als Bildbericht selbst. Wobei der Bildbericht häufig vollkommen nichtssagende Bilder zeigt, die alles mögliche sein könnten. Und die Banalität dieser Berichte ist zumeist kaum übertreffbar. Wenn man sich überlegt, welcher Aufwand an Gerät und Mannschaft im Hintergrund notwendig sind, um derartiges Material zu produzieren, kann man sich eigentlich nur wundern.

Der klassische Nachrichtengrundsatz, Bilder dort zu verwenden, wo nur Bilder die entsprechende Information liefern können, ist leider total in Vergessenheit geraten.

Vermutlich hat aber auch das technisch Machbare einen Einfluß, die Sender demonstrieren, was sie technisch draufhaben. Ob das wen interessiert, wäre eine andere Frage…
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.09.2013 um 19.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24040

Es ist wirklich keine Heldentat, aufs Fernsehen zu verzichten. Ich vertrage es einfach nicht, und meiner Frau geht es glücklicherweise ebenso.
Zum Beispiel minutenlange Abschnitte, in denen Bilder im Halbsekundentakt auf die Netzhaut projiziert werden, ohne Erläuterung, einfach um den rasanten Effekt zu erzeugen, ohne den heute nichts mehr geht. Ich bin wahrscheinlich zu alt dafür, es verursacht mir beinahe epileptische Anfälle.
In anderer Hinsicht stößt es mich ab, wie die Moderatoren (so nennt man das doch?) in riesigen Studios hinter seltsam geschwungenen, thekenähnlichen und auffallend dysfunktionalen (übrigens an die Nierentische erinnernden) Scheinmöbel-Fronten stehen, und überhaupt das ganze Plastik und die Lichteffekte, um banalste Inhalte herum, ob Nachrichten oder Quizfragen, es kommt mir alles gleich vor.
Ich will auch keine Prominenten sehen.
Der wichtigste Grund unserer Abstinenz ist aber, daß wir überhaupt nicht wüßten, wann wir Zeit fürs Gucken hätten. Wenn ich hier unseren Tagesablauf schilderte, wäre das sofort evident. Sollte ich einmal bettlägerig werden, würde ich mir vielleicht einen Fernseher wünschen.

Natürlich könnte ich niemals "Millionär werden". Ein Teil der Fragen ist ja nur zu beantworten, wenn man einen großen Teil seines Lebens vor dem Fernseher verbringt.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 17.09.2013 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24039

Ich kann mich immer mal vor die Glotze hängen, wenn ich bei Nachbars die Katze versorge, stelle aber fest, daß ich immer weniger Neigung dazu habe (zur Glotze, nicht zur Katze). Natürlich gibt es hin und wieder Perlen, wirklich sehenswerte Sendungen, und manchmal tut es auch gut, sich einfach berieseln zu lassen, aber die große Masse des Programms ist eine Zumutung. In mancher Hinsicht noch schlimmer als das ZDF sind die Wissenschaftssendungen auf n24 (oder auch ntv). Mit enormem tricktechnischem Aufwand wird der Text mit Bildern unterlegt, die allenfalls als künstlerische Impressionen durchgehen können, Hauptsache bunt, schnell bewegt und irgendwie "spacig" mit einem Informationsgehalt am absoluten Nullpunkt. Ohne Bilder, die ohnehin nur vom Gesagten ablenken, ließe sich der Text immerhin noch zu einer passablen Radiosendung eindampfen.
Bei politischen Sendungen (oder was sich dafür hält) nervt es mich auch immer, wenn ich vor der Kamera herlaufen oder meine Nase in irgendwelche Broschüren stecken soll. Aber so wird es anscheinend auf den Journalistenschulen gelehrt. Wenn man mal ein Dutzend dieser Magazinbeiträge gesehen hat, ödet einen die immergleiche Machart auch an.

Apropos: sich erfrechen ist durchaus nicht journalistenspezifisch, wirkt allerdings etwas altmodisch-gestelzt.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 16.09.2013 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24034

Ich will weiß Gott keine Lanze für das Fernsehen brechen, Sie haben allerdings ausgerechnet eine der schlechtesten "Wissenschafts"-Sendungen erwischt, die es gibt, Herr Ickler. Das Niveau von TerraX wird allenfalls von Guido Knopps Geschichtssendungen unterboten; das ZDF ist im ganzen ein gutes Argument gegen die Rundfunkgebühren.
Bei aller Kritik ist die ARD um Klassen besser als das ZDF. Grundsolide Reportagen vor allem in den Dritten, ordentliche Nachrichten, deren Hauptmeldung nicht ist, daß irgendein amerikanischer Sangesbarde sich ein Knöllchen eingefangen hat, informatives Regionalfernsehen und sachliche Sportberichte lassen sogar Besserwissermagazine wie Report, Panorama und Monitor in Kauf nehmen; sie machen allerdings Totalausfälle wie Waldi Hartmanns unsägliche Quatschrunde nach Fußballänderspielen auch nicht wett.

Wie auch immer, ich finde es schon beneidenswert, so ganz auf das Fernsehen zu verzichten. Ich hab's bislang nur für ein paar Tage geschafft; beim Fußball lief das verdammte Ding dann doch wieder.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2013 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24031

Am letzten Tag in der Ferienwohnung sind wir doch noch schwach geworden und haben im Anschluß an die Wahlberichte aus Bayern den Fernsehen laufen lassen. Meine Notizen zu "Terra X": Man kann sich nicht entscheiden, ob man über den Rückgang der Gletscher klagen oder sich über die Sachen freuen soll, die beim Abtauen (nebenbei auch der Tundra, weil die Gletscher anscheinend nicht ergiebig genug sind) zum Vorschein kommen: den Ötzi, ein Mammut, Leichen und Gerät aus zwei Weltkriegen. Alles mit derselben düsteren Musik unterlegt, dem einzigen, was die konfuse Sendung zusammenhält. Wieder und wieder sieht man schmucke Hubschrauber vor Alpenkulisse. Männer schauen durch Okulare, schieben etwas in den Computertomographen oder tragen Kisten über Parkplätze, hochinteressant!
Das erinnerte mich an Fernsehaufnahmen zur Rechtschreibreform: Ich sollte an einem Bücherregal entlanggehen, einen Duden herausnehmen und so tun, als läse ich darin. Der Fernsehzuschauer kann sich nämlich ohne solche Bilder nicht vorstellen, wie das ist, wenn jemand in einem Buch nachschlägt.
Am Schluß freute sich ein betagter Amerikaner, weil er nun ein Stückchen jenes wiedergefundenen Bombers zu Hause hat, mit dem er als Bordingenieur an der Alpenfront abgeschossen worden war. Schließlich hat der Ötzi auch eine Pfeilspitze zwischen den Rippen (diese Parallele ließ man sich entgehen). Die Laienhaftigkeit der Filmemacher war ständig zu spüren. Sie konnten Wichtiges und Unwichtiges nicht unterscheiden; z. B. brachten sie die simple Methode zur Messung der Gletscherzungendicke wie eine sensationelle Erfindung heraus. Jeder Zeitungsartikel unter „Natur und Wissenschaft“ ist informativer.
Das Übelste war aber die Hintergrundmusik, mir ist richtig schlecht geworden. Dieses Fernseherlebnis reicht mir wieder für mehrere Jahre.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.07.2013 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#23700

Wie lange Frau Kraft Eumann noch halten kann, ist absehbar. Die TU Dortmund will nun ein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades gegen den Medienstaatssekretär einleiten.

Vgl. hier: www.faz.net.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 02.05.2013 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#23111

Nun hat sich auch der WDR mit Eumanns Entwurf beschäftigt. Dabei zeigt sich, daß es zwar um die Verteidigung von Pfründen geht, aber eben nicht nur.

Vgl. hier: www.faz.net
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 24.04.2013 um 15.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#23057

Marc Jan Eumann hat einen "Arbeitsentwurf" vorgelegt, der zeigt, wie die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen die Presse über die Rundfunkgebühren stärker gängeln könnte. (Übrigens ist Eumann ein weiterer Politiker, dessen Dissertation unter Plagiatsverdacht steht. Zur Abwechslung ist er mal SPD-Mitglied.)

"Die rot-grüne Landesregierung will der LfM [Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen], die keine staatliche, sondern eine staatsferne Einrichtung ist, vorschreiben, Geld für eine Journalismus-Stiftung zu geben, die angeblich staatsfern, aber ganz gewiss vor allem das Prestigeprojekt eines SPD-Medienpolitikers [d.i.Eumann] ist."

Aus der Journalismus-Stiftung soll zugleich eine "eine Stiftungsprofessur für Lokaljournalismus oder Recherchestipendien" finanziert werden.

Und hier kommt nun auch wieder die Dissertation Eumanns ins Spiel:

"Seit Wochen befasst sich die „Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis“ der Universität Dortmund mit der kommunikationswissenschaftlichen Dissertation Eumanns. Der Medienstaatssekretär soll 2011 statt einer neu geschriebenen Doktorarbeit einen Text eingereicht haben, der in wesentlichen Teilen einer Arbeit entspricht, mit der er schon 1991 an der Universität zu Köln sein Magisterexamen erwarb. Die Kommission prüft, ob Eumann seinen Doktortitel illegitim erworben hat. Zu welchem Ergebnis die Kommission auch kommt, es wird so oder so in Zusammenhang mit Eumanns Journalismus-Stiftung gebracht werden. Denn wo sonst außer am Institut für Journalistik der Universität Dortmund sollte die mit Rundfunkgebühren finanzierte Stiftungsprofessur Lokaljournalismus wohl eingerichtet werden?"

Zum Artikel in der Netzausgabe der FAZ geht es hier: www.faz.net

Mit der Umverteilung von öffentlichen Geldern kennt Eumann sich gut aus. Kurz nach der Verleihung des Doktorgrades erhielt das Dortmunder Institut seines Doktorvaters eine finanzielle Förderung der Düsseldorfer Landesregierung in Höhe von ca. 202.000 Euro.

Mehr dazu hier: www.spiegel.de
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2013 um 16.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#22942

SWR und MR planen eine Serie „Make love“. „Die vorerst sechsteilige Sendereihe soll mittwochs und freitags um 22 Uhr ausgestrahlt werden. Es soll darin anhand von Paaren aller Altersgruppen gezeigt werden, dass man Liebe und Erotik erlernen kann.“ (9.4.13) Die Reihe beruht auf einem gleichnamigen Aufklärungsbuch von Ann-Marlene Henning, die auch die Sendung moderiert. Wie zu lesen ist, werden auch "Stoßtechniken" gelehrt. Man kann wirklich nicht sagen, unsere Gebühren würden nicht sinnvoll verwendet.

Aber warum sind Buch und Sendung englisch betitelt?
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 24.01.2013 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#22465

Das könnte im FAZ-Interview mit Paul Kirchhof gewesen sein.

[FAZ:]Sie machen sich ja nicht die Mühe, Nutzer zu identifizieren, alle zahlen - das ist eine Rundfunksteuer.

[Kichhof:]Nein, ein steuerfinanzierter Rundfunk wäre verfassungsrechtlich unzulässig. Steuern dürfen nur der Staat und die Kirchen erheben. Auch würden die Einnahmen der Rundfunksteuer vom Parlament verteilt. Politiker könnten das Senderbudget bestimmen. Aber Rundfunk muss politisch unabhängig sein.

Da Herr Ickler und Kratzbaum sich auch schon auf dieses Interview bezogen, mag der Verweis darauf (vgl. hier: www.faz.net) willkommen sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.01.2013 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#22464

Ich wundere mich immer, wenn es heißt, man könne im Internet fernsehen. Einzelne Sendungen, ja, aber schon die Nachrichtensendungen im Ersten sind zwar als Livestream, aber dann erst wieder ein paar Stunden später versetzt verfügbar. Die Sender bestimmen doch selbst, was sie kostenfrei und frei zugänglich ins Internet stellen, sie sind dazu nicht gezwungen. Oder kann man irgendwo das volle Programm aller öffentlich-rechtlichen Fernsehsender wie per Antenne oder Kabel auch im Internet empfangen?

Die Finanzierung öffentlich-rechtlicher Sender über Steuern sei verfassungswidrig, habe ich kürzlich in einer Zeitung gelesen.
Die jetzt eingeführte allgemeine Gebühr ist aber nichts als eine verkappte Steuer. Man gibt dem Ding einfach einen anderen Namen und schon geht's?

Für mich selbst ändert sich zwar nicht viel, aber daß die Sache nicht gerecht ist, schreit zum Himmel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2013 um 16.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#22462

Ja, eben. Im umfassenderen Begriff geht der spezifische auf und unter.

Aber gerade ist etwas Wichtiges geschehen: Der Bundesgerichtshof hat eine Entscheidung gefällt, aus der ich zitiere:

"Die Nutzbarkeit des Internets ist ein Wirtschaftsgut, dessen ständige Verfügbarkeit seit längerer Zeit auch im privaten Bereich für die eigenwirtschaftliche Lebenshaltung typischerweise von zentraler Bedeutung ist. Das Internet stellt weltweit umfassende Informationen in Form von Text-, Bild-, Video- und Audiodateien zur Verfügung. Dabei werden thematisch nahezu alle Bereiche abgedeckt und verschiedenste qualitative Ansprüche befriedigt. So sind etwa Dateien mit leichter Unterhaltung ebenso abrufbar wie Informationen zu Alltagsfragen bis hin zu hochwissenschaftlichen Themen. Dabei ersetzt das Internet wegen der leichten Verfügbarkeit der Informationen immer mehr andere Medien, wie zum Beispiel Lexika, Zeitschriften oder Fernsehen. Darüber hinaus ermöglicht es den weltweiten Austausch zwischen seinen Nutzern, etwa über E-Mails, Foren, Blogs und soziale Netzwerke. Zudem wird es zunehmend zur Anbahnung und zum Abschluss von Verträgen, zur Abwicklung von Rechtsgeschäften und zur Erfüllung öffentlich-rechtlicher Pflichten genutzt. Der überwiegende Teil der Einwohner Deutschlands bedient sich täglich des Internets. Damit hat es sich zu einem die Lebensgestaltung eines Großteils der Bevölkerung entscheidend mitprägenden Medium entwickelt, dessen Ausfall sich signifikant im Alltag bemerkbar macht. "

Es ging um eine Schadenersatzklage. Aber das Urteil entkräftet auch die bisherige Argumentation der Rundfunkanstalten, wonach der Betrieb eines PC mit dem eines neuartigen Rundfunkgeräts gleichzusetzen und daher gebührenpflichtig sei. Das dürfte sich auch auf die neue Haushaltsabgabe auswirken. Es gibt nun mal ein bis zwei Millionen Haushalte ohne Fernseher, von denen viele aber (wie meiner) am Internet teilnehmen, weil dies eben etwas ganz anderes ist.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.01.2013 um 08.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#22439

Kirchhof bedient sich des offiziellen Rundfunkbegriffs, der schon vor der gerade in Kraft getretenen Änderung des Rundfunkstaatsvertrags den Hörfunk und das Fernsehen umfaßte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler , verfaßt am 23.01.2013 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#22437

In seinem neuesten FAZ-Interview sagt Kirchhof:

"Viele Menschen sind totale Rundfunk-Verweigerer. Wieso müssen sie trotzdem zahlen?

Ich kenne das Argument gut. Aber nicht der einzelne Mensch zahlt den Beitrag, sondern der Haushalt, der heutzutage immer Möglichkeiten zum Rundfunkempfang besitzt und diese vielen Menschen zugänglich machen kann."

Das ist ja wunderbar: Ich zahle nicht, mein Haushalt zahlt.

Übrigens weicht Kirchhoff immer dann, wenn es kritisch wird, auf "Rundfunk" aus, wodurch die Zahl der Nichtnutzer sich erheblich verringert. Es geht aber ums Fernsehen. Wir haben seit 34 Jahren keinen Fernseher mehr, weder ich noch mein "Haushalt". (Wie wäre es, für diese Zeit rückwirkend die Nachzahlung zu verlangen? Das müßte ein so gewiefter Jurist doch hinkriegen.)

Mit seinem neuesten Vergleich, die Haushaltsabgabe sei wie eine Kurtaxe, hat sich Kirchhof eine neue Blöße gegeben, Ich zahle jedes Jahr die unverschämte Kurtaxe auf Juist (ohne Gegenleistungen in Anspruch zunehmen), d. h. mein "Haushalt" zahlt! Aber das weiß ich im voraus und könnte meinen Urlaub anderswo verbringen, wenn mir die Ostrfriesen nicht so lieb und teuer wären. Der Fernsehgebühr könnte ich mich nur entziehen, wenn ich meinen Haushalt auflöste, nirgendwo mehr wohnte und am besten wohl mich überhaupt von dieser Erde hinwegfleckte.

Mir wird das alles allmähllich zu teuer. Heute habe ich mein Abonnement der Süddeutschen Zeitung gekündigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2012 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#20744

Auch wer keine urheberrechtlich geschützten Daten kopiert, zahlt dafür durch eine Geräte- und Leermedienabgabe.
Auch wer nicht fernsieht, soll ab 2013 dafür zahlen.
Auch wer keiner Kirche angehört, soll eine entsprechend umbenannte Kirchensteuer zahlen. (Vorschlag der Grünen mit der Absicht, den Kirchenaustritt weniger attraktiv zu machen)
Auch wer keine Popmusik herunterlädt, soll durch eine „Kulturflatrate“ dafür bezahlen.

Alles nur, weil es angeblich zu kompliziert wäre, nur für wirklich genutzte Angebote zu kassieren. Komisch, wie rückständig unsere famose Technik sich zeigt, wenn es ums Kassieren geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2011 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#19704

Wenn der moderne Mensch ungefähr ein Achtel seiner Zeit vor dem Fernseher verbringt, dann ist das so, als wäre er nach dem Anschlag auf das World Trade Center im Fernsehzimmer verschwunden und würde erst heute wieder herauskommen. Hätten Sie das gedacht? Manche Tatsachen muß man sich erst veranschaulichen, damit sie einem klar werden.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 05.09.2010 um 20.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#16777

Ich wundere mich auch schon, daß es hier keinen Proteststurm gibt. Vielleicht sind wir Fernsehverweigerer einfach zu wenige, und die anderen schert es ja nicht. (Hat jetzt nicht so viel mit Sprache oder Rechtschreibung zu tun, aber auch der BUND – Bund für Umwelt und Naturschutz – fühlte sich bemüßigt, die Selbstbedienung der Rundfunkanstalten zu bejubeln. Ich fürchte, ich sollte auch aus diesem Verein austreten, um wenigstens einen Teil der bald mehr als verdreifachten Radiogebühren wieder reinzubekommen.)
 
 

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