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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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27.05.2014
 

Grammatische Exerzitien 8
Reflexiv (und reziprok)

Vorläufige Übersicht

1.Reflexive Verben sind solche Verben, die stets ein semantisch leeres, unbetontes, nicht vorfeldfähiges, mit dem Subjekt in Person und Numerus kongruierendes Pronomen im Dativ oder Akkusativ bei sich haben: sich aneignen, sich schämen.
2.In der ersten und zweiten Person werden die entsprechenden Formen des Personalpronomens (mir, mich, dir, dich, uns, euch) verwendet, in allen anderen Fällen das Reflexivpronomen sich.
3.In subjektlosen Konstruktionen richtet sich die Form des Pronomens nach einem zu erschließenden Subjekt, das im Obersatz erwähnt sein kann; fehlt es, steht sich:
Es geht hier und jetzt nicht darum, uns im einzelnen mit Weinrichs Argumenten auseinanderzusetzen. (IF 73, 1968:283; im Obersatz ist uns aus dem Zusammenhang ergänzbar)
Sie läßt ihn sich erholen.
Du hast es nötig, dich gut zu erholen.
Es fällt mir schwer, mich zu erholen.
unsere Fähigkeit, uns gut zu erholen
An der Nordsee haben wir, uns gut erholend, Urlaub gemacht.
Hier besteht die Möglichkeit, sich gut zu erholen.

4.Zu den reflexiven Verben können auch Verbgefüge mit präpositional angeschlossenem Pronomen gezählt werden wie unter sich sein, mit sich ins reine kommen, zu sich kommen, außer sich geraten usw.
5.Bei pluralischem Subjekt (der Form oder dem Sinne nach) können reflexive Verben auch in reziproker Bedeutung verstanden werden; zur Vereindeutigung der unterwertigen Konstruktion kann (mit)einander hinzugefügt werden:
sich anfreunden, einigen, überwerfen, verbrüdern, verfeinden
6.In reflexiven Konstruktionen kann das Reflexivum als reziprokes einander verstanden werden:
Hier schenken sich links und rechts nicht viel, wenn sie die Demokratie in die Zange nehmen. (Welt 15.5.04)


Anmerkungen:
1.Als reflexive Verben werden hier nur diejenigen aufgefaßt, die in einigen Grammatiken als „echt“ oder „inhärent reflexive Verben“ bezeichnet werden. Die sogenannten „unecht reflexiven“ oder „reflexiv gebrauchten“ Verben (reflexive Konstruktionen) verdienen keine besondere Auszeichnung, da ein solcher Gebrauch sich für alle geeigneten Verben von selbst versteht: sich etwas besorgen, sich verletzen usw. Beachtenswert ist hier nur die Setzung der verschiedenen Pronomina.
2.Das Reflexivpronomen füllt eine Valenzstelle, d. h. es kann keine Ergänzung im gleichen Kasus mehr hinzukommen.
3.Einige reflexive Verben haben nichtreflexive Dubletten mit gleicher Bedeutung:
(sich) ausruhen, (sich) niederknien usw.
4.Reflexive Verben bilden ihr Perfekt meist mit haben: hat sich geschämt usw.; einige reflexive Konstruktionen, die eine Bewegung ausdrücken, bilden es mit sein: sind sich begegnet.
5.Reflexive Verben und Konstruktionen haben kein persönliches Passiv. Ausnahmsweise kommt der passivisch zu verstehende modale Infinitiv vor:
Es hieß, der Genuß der günstigen Stunde sei sich zu gönnen, da das Jahr nicht mehr viele solcher Tage mehr brächte. (Gottfried Keller: Kleider machen Leute. München o. J.:14)
6.Das unpersönliche Passiv gilt schulgrammatisch als inkorrekt, kommt aber vor, besonders in der Alltagssprache:
Jetzt wird sich gewaschen!
Beiden Positionen soll sich in diesem Buch gewidmet werden. (Hans-Werner Eroms: Syntax der deutschen Sprache. Berlin, New York 2000:12)
7.Nicht selten werden die eigentlich geforderten Personalpronomina (besonders der 1. und 2. Pers. Pl.) – ebenfalls abweichend von der schulgrammatischen Norm – durch sich ersetzt:
Es fällt uns ausgesprochen schwer, sich in das völlig andersartige Denken und Empfinden im ostasiatischen Raum einzufühlen. (Zs. f. Kulturaustausch 1991/2:195)
Ein wenig irritiert ihn aber auch unsere Unfähigkeit, sich gegen Betrügerei zur Wehr zu setzen. (Christa Wolf: Voraussetzungen einer Erzählung. 1987:73)
8.Reflexive Konstruktionen dienen auch zur Aussparung eines Aktanten (rezessiver Gebrauch). Man unterscheidet drei Fälle:
Die Sache findet sich. (Intransitivierung; täterfrei)
Das Buch liest sich gut. (modales Medium)
Geben Sie acht mit dem Rosé! Er trinkt sich, wie er aussieht: wie Himbeersaft. (Anna Seghers: Transit. Darmstadt 1983:6) (ebenso)
Die Beispiele zeigen, daß die Ansetzung eines besonderen „fazilitativen“ Mediums nicht notwendig ist.
Die Suppe läßt sich essen. (lassen-Diathese)
9.Bei Nominalisierungen fällt das Reflexivum oft weg:
verliebte Paare, niedergelassener Arzt
das Baden und Sonnen, das Benehmen, die Erholung
Gegen das Aufbäumen der schlesischen Weber wußte der preußische Staat kein anderes Mittel als Soldaten.
(FAZ 14.11.81)
Bitte anschnallen!
10.Bei reflexiven Konstruktionen kann Kongruenz eines Prädikativums zum Subjekt oder zum Reflexivum hergestellt werden: Er betrachtet sich als wahren Freund/wahrer Freund; bei reflexiven Verben nur zum Subjekt: er gebärdet sich als wahrer Freund.
11.Es gibt keine reziproken Verben. Die reziproke Deutung reflexiver Verben hat nichts mit dem Reflexivum zu tun, sondern ist auch bei nichtreflexiven Verben möglich, vgl. sie versöhnen sich, aber sie heiraten.
12.Die reziproke Bedeutung ist nur bei einander eindeutig, nicht bei der reflexiven Konstruktion.
13.Reziproke Beziehungen können auch verstanden werden, wenn eine Mehrzahl von Beteiligten nur dem Sinne nach vorliegt, besonders oft bei man:
Man ist ständig miteinander beschäftigt. (FAZ 24.10.02)
... ein Paar, das in Wiedersehensfreude einander schluchzend in die Arme fällt. (SZ 19.7.95)
14.Reflexive und reziproke Pronomina kommen nicht mit gleichem Bezug zusammen vor, doch es gibt umgangssprachlich und mundartlich Ausnahmen:
Danach sagen 60 Prozent der Deutschen, sie seien mit ihren Nachbarn befreundet und würden sich einander helfen. (Bildwoche 22.8.02)
„In dieser Ausnahme-Situation müssen wir uns einander helfen“, macht DSW-Präsident Hans-Dieter Rinkens deutlich. (Unicum 9/2002)
Aber ohne weiteres mit verschiedenem Bezug:
Wohlmeinende hatten die Führungen von SPD und Gewerkschaften aufgefordert, sich bei ihrem abendlichen Treffen einander anzunähern. (FAZ 7.7.04)



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Kommentare zu »Grammatische Exerzitien 8«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2019 um 04.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#42159

Das wäre nicht nötig gewesen. Ich versuche mein Sprachgefühl noch einmal auf Begriffe zu bringen:

Der Bezug des Pronomens springt gewissermaßen vom Subjekt auf "Mißtrauensantrag". Dieses Abstraktum ist der "Name für den Satzinhalt" (im Sinne Porzigs, s. zu Abstrakta): "daß das Parlament einen Mißtrauensantrag gegen ihn selbst (natürlich nicht gegen sich selbst) behandelt."

Weitere Beispiele hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1532#21107
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.09.2019 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#42158

Die fehlerhafte Schlagzeile wurde in »Brexit-Boris will Misstrauens-Antrag gegen sich selbst« geändert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2019 um 11.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#42157

Boris Johnson fordert Misstrauensantrag gegen ihn selbst. (BILD 26.9.19)

Man erwartet sich selbst, empfindet aber ihn auch nicht als ganz falsch. Je größer die Entfernung vom Subjekt, desto stärker die Neigung zur Ersetzung des Reflexivs. Vgl.

Boris Johnson fordert gegen ihn selbst einen Mißtrauensantrag.

Das wäre wohl kaum möglich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2019 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#41359

Es ist nicht klar, wann man unter sich und unter einander sagen kann. (Die Zusammenschreibung lasse ich mal beiseite, sie schwankt ohnehin.) Statt des reziproken einander kann meist das zweideutige sich stehen (sich begegnen usw., aber auch umgekehrt:

Sie machen es unter sich/unter einander aus.
Ebenso verabreden usw.

– obwohl man nicht sagen kann, der eine mache es unter dem anderen aus.

Dagegen fast nur: Wir möchten unter uns bleiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2018 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#39922

"Grenzwertig" ist gut gesagt. Vgl:

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1369#38808

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1369#38894

Auch:

Das Feuilleton schreibt nur noch füreinander. (SZ 20.2.10)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.10.2018 um 00.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#39921

Zumindest grenzwertig:

Es zeigt, wie dieses Land im Moment miteinander umgeht.

(Das Erste, 26.10.18, Nachtmagazin, zu den Sprengstoffpaketen in den USA)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.04.2017 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#34976

Reflexiv- oder Personalpronomen?

Freudig überrascht zeigte er sich dennoch über die „unglaubliche Chemie“ zwischen ihm und der Kanzlerin. (FAS 30.4.17)

„Rühmen, das ists!“, darin fasst Rilke die Aufgaben des Dichters, von Orpheus bis zu ihm selbst, zusammen. (Heinz Schlaffer: Geistersprache. München 2012:37)

Aber auch:

Natascha Kampusch wollte ein Buch über sich verbieten lassen, doch damit ist sie vorerst gescheitert. (FAZ 1.6.16)

Sozusagen eine weitere Baustelle in der deutschen Grammatik, mit ungewisser Aussicht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.02.2017 um 17.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#34471

In englischen Schulgrammatiken heißt es "AcI" und "AcP".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2017 um 19.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#34464

Wieso aci? a.c.i.!

Aber warum das Ganze überhaupt? Es gibt doch gar keine Vorschrift für die Bildung fachlicher Kunstausdrücke.

Mit Latein habe ich auf die Flexion anspielen wollen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.02.2017 um 18.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#34463

Die Unterscheidung zwischen „Fremdwort“ und „einfach Latein“ ist natürlich haarscharf; darüber dürften im Einzelfall die Meinungen auseinandergehen. Das „einfach Latein“ erinnert etwas an das „Zitatwort“ der Reformer.

Wenn „AcI“ tatsächlich „nur Latein“ ist, dann steht es für „accusativus cum infinito“ und müßte daher konsequenterweise doch „aci“ abgekürzt werden.

Der Duden – alt wie neu – kürzt übrigens „a. c. i.“ ab.

Ein Nachteil von „AcI“ ist übrigens, daß in manchen Typen nicht zu unterscheiden ist, ob der letzte Buchstabe ein kleines l oder ein großes i ist.

Aber, natürlich, die Sprache ist nicht logisch ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2017 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#34461

Das wäre logisch, wenn accusativus cum infinitivo ein Fremdwort wäre. Es ist aber einfach lateinisch, damit kann man verfahren, wie es praktisch erscheint. Ich finde die übliche Lösung ganz gut. ACI wäre auch denkbar. (Abkürzungen sind oft nicht logisch: usw. usw.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.02.2017 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#34460

Ich bitte, diese nebensächliche Frage zu verzeihen, aber:

Müßte es in herkömmlicher Schreibung nicht eigentlich "Aci" statt "AcI" heißen?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.02.2017 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#34459

Es ist ein Grundfehler der deutschen Sprache, daß "sein, ihm, ihr, sich" doppeldeutig sind und nicht aussagen, auf welche Person sie sich beziehen. In den slawischen Sprachen geht es genauer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2017 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#34452

Wahrig Fehlerfrei S. 426 zum Reflexiv bei AcI: „Bezieht sich das Pronomen auf das Subjekt der Konstruktion, dann müsste eigentlich das Personalpronomen stehen. Es wird jedoch häufig das Reflexivpronomen gewählt, insbesondere nach Präpositionen: (...) Er spürte die Wut in sich (statt: in ihm) aufsteigen.“ – Wieso müßte eigentlich das Personalpronomen stehen? Wahrig führt zurück auf: Er spürte die Wut. Sie stieg ihm auf. Aber EIN Satz ist eben nicht ZWEI Sätze.

Vgl. auch: Er spürte die Wut in sich/*ihm.

Die Satzgrenze spielt eine Rolle. Es gibt allerdings ein altbekanntes Schwanken:

In diesem Buch erweiterte er die Einsichten und Erkentnisse der Sprachwissenschaftler vor ihm. (Helmut Ludwig: Gepflegtes Deutsch. Leipzig 1983:22)

Wir hatten auch schon:

Ein Bundespräsident, der im Ausland die Errungenschaften der Pressefreiheit preist, ruft in der Heimat an, um einen Artikel gehen ihn aufzuhalten. (FAZ 12.6.14)

Hierzu auch http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=195#1291

Und auch Schmachthagen könnte man entgegenhalten, daß ein Satz nicht zwei Sätze sind.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.02.2016 um 15.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#31639

Ich habe den Eindruck, daß "gesandt" für materielle Dinge und "gesendet" für immaterielle Dinge passender ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2016 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#31638

Zum "Rückumlaut" (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27255) ein hübsches Beispiel:

Nach weiteren Kontaktaufnahmen sandte "Philae" am 9. Juli ein letztes Lebenszeichen - danach verstummte die Sonde. Zuletzt scheiterte auch der Versuch, ein Drallrad im Inneren von "Philae" einzuschalten und den Lander dadurch gleichsam wachzurütteln.
"Wir haben immer wieder verschiedene Kommandos gesendet, um den Kontakt mit ihm zu stabilisieren und mit den Instrumenten messen zu können, aber dies ist leider nicht gelungen", erklärte Ulamec.
(focus.de 12.2.16)

Während wir im zweiten Abschnitt den technischen Gebrauch und daher erwartungsgemäß die regelmäßige Form von senden finden, zeigt der Anfang die alltagssprachliche Redewendung, wo beides möglich wäre und hier die "rückumgelautete" gewählt ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2015 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#30601

Zum Haupteintrag, Anm. 6:

Selbstverständlich kann ein reflexives Verb nicht ins Passiv gesetzt werden. Ich "werde mich geschämt" oder "da wurde sich dann angepöbelt" ist Kabarett, aber kein Deutsch. (Schmachthagen 17.11.15)

Das unpersönliche Passiv kann nicht einfach mit dem persönlichen zusammengeworfen werden. Es gibt zu viele Beispiele wie: Wie bei vielen Gehörlosentreffen wird sich hier in der deutschen Gebärdensprache unterhalten. (FAZ 21.5.02)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2015 um 16.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#28569

Als Exoplanet darf sich jeder Himmelskörper bezeichnen, der wie die Erde um einen zentralen Stern wie die Sonne kreist. (Zeit 12.12.14) Mit ihrem Fund können die Forscher ein Phänomen aufklären, das sich der Große Attraktor nennt. (Augsburger Allgemeine 12.2.16)
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.11.2014 um 23.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27458

Zu #27457: "Die Vermischung von hing und hängte ist bekanntlich sehr alt." www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1299#16109
Vgl. auch www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1299#16112
und www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=115#3773
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 28.11.2014 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27457

Will nicht penetrant erscheinen, aber das hat doch den Anspruch seriöser, hoher Literatur:
"Auszug" von Raymond Dittrich
Auf weißen Wänden bleiben die Schatten abgehangener Bilder zurück (...)
Zitiert in der WDR5-Sendung "Scala" am 27.11., Rubrik "ein Gedicht"

 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 16.11.2014 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27356

Ein Zufallsfund, statistisch natürlich nicht ausschlaggebend und wohl auch nicht von einem Muttersprachler: "Mein Bruder war ein gläubiger Muslim und starb an Krebs, obwohl er jeden Tag Gott angeflohen hat ihm zu helfen." (mit reformierter Kommasetzung)
Um nochmal zu bohren: Wir alle verstehen den Satz, wissen, was er bedeuten soll, weil wir die nämliche Regel erkennen, die auch der Autor angewandt hat, nämlich flehen in die Ablautklasse V – o – o einzuordnen, genauer sogar in die Unterklasse ^VC* – ôC* – ôC*, will heißen mit Langvokal und stimmhaftem Auslaut im Präsensstamm (im Gegensatz etwa zur Unterklasse mit stimmlosem Auslaut, bei der der Vokal gekürzt wird: schießen – schoß – geschossen). Das tatsächliche Vorkommen lautgleicher Formen von fliehen stützt sogar diese Einordnung. Spiegelblidlich dazu dürfte bei den traditionellen Verben rächen, triefen und wohl auch schwären die Lautgleichheit mit riechen, treffen bzw. schwören dazu beigetragen haben, daß jene in die schwache Flexion auswichen.

Nochmal zur Lautgruppe erD:
Der "Paul" äußert sich, wie ich beim Nachschlagen feststellen mußte, vorsichtiger, die Zuspitzung auf "immer" stammt also tatsächlich unwissentlich von mir, scheint mir aber im Prinzip doch berechtigt.
Ein weiteres Positivbeispiel ist Schwert ~ Schwarte, Schwester, schwelgen, schwanken.
Zu sperrt, zerrt (~ zehrt), plärrt können wir sagen, daß eine bloße Endung einen kurzvokalischen Stamm nicht dehnt. Der Zusammenhang ist hier zu lose, so daß r-t nicht als Gruppe wirkt. Ähnlich, aber umgekehrt behalten ja auch bohrt, bohrte ~ Bord, Borte oder schart, scharte ~ scharrt, Scharte den Langvokal trotz der Doppelkonsonanz.
Ein krasses Gegenbeispiel scheint Werder zu sein. Gleichbedeutendes Wert(h) (= Wörth, wie in Grafenwerth, Nonnenwerth) ist freilich schon wieder lang! Es scheint, daß die verdoppelte Lautgruppe er eine Kürzung bewirkt, so auch in Herder – aber nur beim stimmhaften Dental: werter, Verwerter, Werther.
Beim genauen Betrachten stößt man auf regional unterschiedliche Aussprache. Im Norddeutschen gibt es in dieser Position ohnehin nur Längen und kein richtiges "r", während im Alpenumfeld wohl auch "werden" mit Kurzvokal möglich ist.
Besondere Schwierigkeit bereiten mir die Umlautformen wie Bart – Bärte; hart – härter, Härte; zart – zärter, Zärte. Wenn ich richtig höre, ist der Vokal umso kürzer, je intensiver und härter das "r" gesprochen wird und umgekehrt. Man mag aber argumentieren, daß hier – wie letztlich auch bei auswärtig, auswärts, fertig – ohnehin kein eigentliches /e/ vorliegt – die altbekannte "Käse"-Frage mit dem Unterschied zwischen /e/ und /ä/. (oder auch germanisches e1 und e2. Für mein persönliches Empfinden klingen weder "Zächtlichkeit" noch "Zeertlichkeit" richtig zärtlich.)
Keine befriedigende Erklärung habe ich für Gerte und die Kurznamen Bert und Gerd. Bei den vollen Namen haben wir Gertrud mit ursprünglich langem e (Gêr). Hier können wir aber wieder die Kompositionsfuge anführen: "gespaltenes" r-t verhindert nicht die auch bei Gerburg, Gerlinde, Gernot, teils auch bei Gerwald eintretende Kürzung. Bei Gerhard überwiegt m.E. der Langvokal. Wenn dieser empirische Befund stimmt, ist die Kürzungstendenz umso stärker, je "härter" der Anlaut des zweiten Kompositionsgliedes ist. Ein stimmloser Plosiv /t/ übt hier natürlich maximalen Druck aus.
Es wird kompliziert, sobald man ins Detail geht...
Ich danke Herrn Ickler für die Aufforderung, meine etwas leichthingeworfene These noch mal genauer zu durchdenken.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 14.11.2014 um 21.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27340

Nun ja, meine Erfindung ist es nicht, ich habe sie aus dem Grammatiklehrbuch. Einige problematische Beispiele wie Gerte, fertig fielen mir auch schon auf, aber die Liste der positiven Beispiele ist schon lang (einige wurden schon gelegentlich von mir erwähnt):
werden ~ ward, wird, geworden, wurden, würden, Würde, Bürde, werben, werfen
Wert ~ Wart, Wirt, Wort, Wörter, Wurt
Erde ~ irdisch, irden, Orden
Pferd ~ Pferch, Pforte
Herd, Herde ~ hart, Hirte, Hort, Horde, Hürde
Aber eine genauere Eingrenzung ist sicher noch nötig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2014 um 03.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27336

Übrigens, Herr Strowitzki, Ihre Lautregel "e vor r + Dental ist immer lang" muß wohl noch etwas spezifiziert werden (wegen fertig, Wärter, sperrt usw.).
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 13.11.2014 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27329

Ergänzung: brauchen und stecken sind trotz brauch, bräuchte und stak als "rein schwach" gewertet.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 13.11.2014 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27328

Der Unterschied zwischen sie hälfe und sie hülfen ist sicher kaum noch jemandem geläufig, jedenfalls keinem sprachwissenschaftlich nicht Vorgebildetem. Wie unterschiedslos die Formen gebraucht werden können, zeigt sehr hübsch ein Zeitungsartikel von Otto Köhler, in dem es u.a. um die Benennung bzw. Nichtbenennung von Schiffen geht. Köhler schreibt – möglicherweise zur Wiederholungsvermeidung? – Doch der Führer war abergläubisch, vor allem aber weitblickend: Wenn sich die "Adolf Hitler" als "Titanic" erwiese und sänke, dann sünke er gleich mit. Denn dann würde das deutsche Volk den ansonsten unerschütterlichen Glauben an seinen Führer verlieren. (nicht "verlöre"!, jW 11.3. 2008)

Was das "hülfen" angeht, kann ich natürlich nicht in den Kopf des Autors (Lucas Zeise) schauen, aber der Gedankengang zur Bildung des Konjunktivs könnte sein: nutzen ist ein schwaches Verb, also Konjunktivkennzeichen "t" und Personalendung, somit nutz-t-en. helfen ist ein starkes Verb, also Konjunktivkennzeichen "ü" und Personalendung, somit hülf-en. Nehmen wir den nächsten Satz noch dazu: "Das Ganze sei sogar legal." Im Gegenatz zum isolierten ist des Indikativs ist der Konjunktiv geradezu regelhaft, man kann also bilden: Konjunktivstamm "sei" plus Nullendung. Oder ist es doch eine in toto abzurufende Form?

Die Gebrauchshäufigkeit ist wichtig, ganz meine Meinung. Ich habe schon vor etlicher Zeit mal versucht, unabhängig von Fehlern, die Gebrauchshäufigkeit der Verbstämme in verschiedenen Texten zu zählen, aber das ist eine ziemlich mühselige Arbeit für meine knappe Freizeit, daher bin ich in den Anfängen steckengeblieben. Erste Zwischenergebnisse deuten an, daß bei den aus heutiger Sicht erkennbaren Verbstämmen, die zur Wortbildung benutzt werden, etwa die Hälfte, vielleicht etwas weniger, ablautende Wurzeln sind. Müßte aber noch weiter ausgearbeitet werden. Als nächste Stufe des Projekts wären dann Vergleichszählungen etwa im Nibelungenlied und bei Otfried fällig, um eine eventuelle zeitliche Entwicklung der Quote festzustellen. Ich verspreche, das zu machen, wenn ich mal ganz, ganz viel Zeit habe.

(Im Moment bin ich noch mit einer anderen Zählung beschäftigt, die bereits interessante Ergebnisse zeitigt.)
Aktuelle Probe: 32 Formen von 28 Wurzeln, davon 10 ablautende, einmal haben, dreimal sein, 1 jan-Verb, 15 rein schwache (zwei davon doppelt benutzt), eine nicht gewertete Form (-bar von ausgestorbenem beran, haben, sein und werden, die nur zur Bildung der Verbformen dienen, werden ebenfalls nicht gezählt).
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.11.2014 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27323

"geschalten": Das n-Partizip ist in Süddeutschland in der gesprochenen Sprache beliebter als das t-Partizip. Erleichtert wird das durch den Nicht-Gebrauch des Präteritums in derselben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2014 um 15.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27321

Ob "hülfen" wirklich ad hoc gebildet werden kann? Ich habe es von alten Leuten noch gehört, aber meist hört und liest man doch "hälfe" (d. h. hören kann man den Unterschied zum Indikativ natürlich nicht). Der Ausgleich tritt ein, nachdem der Plural des Präteritums dem Singular angeglichen worden ist. Aber die Homophonie kann nicht zu "hülfe" führen, weil sozusagen die Grundlage weggefallen ist. Wo kein u mehr im Paradigma steht, kann der Sprecher es auch nicht umlauten.
Das Partizip scheint eine Sonderstellung einzunehmen. Der seltene Übergang zur starken Flexion beginnt wohl damit: "gespiesen". Hier in der Region hört man auch oft "geschalten". Ob das noch das alte reduplizierende Verb ist?
Die Gebrauchshäufigkeit ist auf jeden Fall auch noch zu berücksichtigen. Darauf müßte man den fehlerkundlichen Befund mal abbilden.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 12.11.2014 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27319

Kleine Nachlese: Gerade als ich mit meinem Beitrag (#27285) beschäftigt war, hörte ich neben mir "Ich habe das Geschirrtuch aufgehangen", und zwar von einem Elektrotechniker, der nach der in #27261 vertretenen These tendentiell unfähig sein sollte, andere als die gewöhnlichen schwachen Verbformen zu bilden.
In der WDR-Sendung "Politikum" am Montag war die Rede von Problemen, die "aus der Welt geschaffen werden".

Neben dem bekannten starken schmeißen soll es auch ein schwaches Verb schmeißen in der Bedeutung "koten" geben (vgl. Schmeißfliege, Geschmeiß). Mir ist allerdings noch nie ein schmeißte oder geschmeißt über den Weg gelaufen. Kennt jemand Belege?

Für die schwache Beugung des transitiven schmelzen gibt es wohl im 19. Jahrhundert noch Belege, heute aber sagt kein Mensch mehr "ich schmelzte das Wachs", "sie hat das Fett geschmelzt" oder "in diesen Öfen wurde der Stahl geschmelzt". Gleichzeitig gibt es eine ziemliche Unsicherheit über den e/i-Wechsel. Ich mußte schon mit Entsetzen in einer angesehenen Institution wie dem Museum Koenig auf einer Tafel haarsträubendes "schmilzendes Eis" lesen. Diese Unsicherheit (die sich vielleicht wieder zu einem neuen System sortiert) ist aber offenbar kein Vorbote schwacher Flexion. Es gibt auch keinen logischen Zusammenhang, wie man am Verb quellen sehen kann. Hier wird geradezu ein neues Verb "quillen" erfunden. Nicht verwunderlich: das Wort wird fast nur in der dritten Person gebraucht, die i-Form erscheint also als die normale und breitet sich metastasenartig in alle Präsensformen aus. Der eigentliche Ablaut quoll – gequollen bleibt davon aber ganz unberührt. Selbst wenn der e/i-Wechsel verschwinden sollte, handelte es sich nur um eine Einebnung inerhalb der starken Verben, von denen der größere Teil ohnehin keinen e/i-Wechsel kennt, ohne daß ihre Stärke davon irgendwie beeinträchtig würde.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 08.11.2014 um 18.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27286

Doch noch ein Nachtrag: Die Zuordnung der Verben zu den Ablautklasssen ist keineswegs so undurchschaubar willkürlich, wie es durch all die unsinnigen alphabetischen Wortlisten suggeriert wird. Das Volk – dumm, aber gerissen – weiß es intuitiv besser und erkennt die Regel: Verben auf -ink bilden regelmäßig das Partizip auf -unken, also heißt es gewunken.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 08.11.2014 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27285

Zur Bedeutungsdifferenzierung, an Herrn Ludwig anknüpfend: Wir haben eigentlich nur mundartlich verschiedenes drucken und drücken. Der Mechanismus greift aber nicht nur bei Lautvariationen, auch bei grundverschiedenen Wörtern. Das Englische unterscheidet bekanntlich zwischen sky (profan) und heaven (sakral). Dabei sind beide Ausdrücke eigentlich synonym. Das erste ist nur eben das nordische, das andere das sächsische Wort.

Zu Herrn Chmelas Frage (und dem nächsten Punkt) ist einiges schon in anderen Beiträgen vorweggenommen. Natürlich "gilt" die Regel zu hängen immer noch (wobei sie wohl erst im 19. Jahrhundert von den Grammatikern durchgesetzt wurde). In "gehobener", will heißen gepflegter Sprache wird sie auch beachtet. In gewöhnlicher Umgangsprache hört man aber allenthalben landauf, landab Sätze wie "Er hing seinen Beruf an den Nagel", "Ich habe die Wäsche aufgehangen", "ganze Regionen werden abgehangen" (wie ein Stück Fleisch). Die schwachen Formen sind hier massiv auf dem Rückzug und zumindest im Sprachgebrauch einiger Leute drauf und dran, von den starken verdrängt zu werden. Vielen kommt hängte einfach nicht über die Lippen.

"Auch wenn einige oft gebrauchte Verbformen noch unregelmäßig gebildet sind (worunter ich jetzt alles zusammenfasse)" – in dieser nonchalanten Bemerkung liegt der Hund begraben. Es gebe also die Regel und den großen Mülleimer für alles, was nicht dort hineinpaßt. So ist es aber nicht. Es gibt eine Vielzahl von Regeln verschiedener Ebenen, die parallel laufen, einander ergänzen und auch in Konflikt geraten. Wie sehr starke und schwache Konjugation ein Gesamtsystem bilden, zeigt sich auch an der langen Liste von Verbdubletten, die mit unterschiedlicher Bedeutung stark oder schwach flektieren:
A) dingen/bedingen(**), bewegen, hängen, (er)löschen, schaffen, schleifen, schmelzen(*), (er)schrecken, verderben(*)
B1) befehlen/fehlen, gleiten/begleiten, heißen, laden(*), leiden/verleiden, scheren, wachsen
B2) anpreisen/auspreisen(**), bereiten, brechen/radebrechen, ringen/umringen, (ab)weichen, wiegen
C) anlassen/veranlassen, anschlagen/veranschlagen, antragen/beantragen, auftragen/beauftragen
Bei den sozusagen eineiigen Zwillingen der Gruppe A wird eine Wurzel in unterschiedlicher Funktion (transitiv, kausativ, …) benutzt. Die zweieiigen Zwillinge der Gruppe B sind nicht (B1) oder nicht unmittelbar (B2) miteinander verwandt. In Gruppe C ist das mit einem zusätzlichen Präfix versehene Verb eine Ableitung des ersten. (antragen –> Antrag –> beantragen; die Vorliebe des Deutschen für solche Umwegkonstruktionen ist ein Kapitel für sich, vgl. fliehen –> Flucht –> flüchten, sehen –> Sicht –> sichten, dimpfen –> Dampf –> dampfen).
(*) Hier ist die schwache Form in jüngster Zeit durch die starke verdrängt worden und ausgestorben.
(**) dingen und preisen sind als klassische Denominativa (zu Ding bzw. Preis) von Hause aus eigentlich schwach. Im 16. bzw. 17. Jaherhundert beginnt Übergang zur starken Flexion.

Wer Ausdrücke wie "ich schwiff ab", "gestriffen" oder "gespiesen" benutzt (wie ernst oder unernst auch immer), also bildet, oder versteht, d.h. analysiert, wendet ja eine Regel an, nämlich die für die Ablautklasse ei – i – i. Und zwar meist ohne diese explizit formulieren zu können. Man sagt ja nicht *gestriefen oder *gespissen; das wäre rundheraus falsch und auch unverständlich. (Anmerkung: Das liegt nicht an der allgemeinen Silbenstruktur des Deutschen: triefen, Getriefe, schliefen gibt es sehr wohl.) Die volle Regel lautet: "Bei stimmlosen Stammauslaut (nach eventuellem grammatischen Wechsel) ist das i kurz, bei stimmhaftem Stammauslaut dagegen lang".

Zu den Regeln gehören auch Lautregeln. Diese sind meist noch weniger bewußt und stehen auch normalerweise nicht in den Lehrbüchern, sind aber dafür umso stringenter, sogar vorrangig zu den grammatischen Strukturregeln. Das lange ê in wêrden – wird – ward – wurden – geworden scheint auf den ersten Blick ganz irregulär gegenüber den rein kurzvokalischen helfen, sterben, werben, werfen, die dem gleichen Paradigma folgen. Hier greift aber die Lautregel "e vor r+Dental ist immer lang". Auch diese Form ist also völlig regelmäßig. Nur die Geschichte mit ward/wurden und die orthographische Anomalie wird statt wirdt sind wirklich unregelmäßig.
Damit sind wir beim nächsten Punkt: "unregelmäßige" Formen sind nicht einfach ein Relikt vergangener Zeiten (dann sollten sie längst ausgemerzt sein), sie entstehen ständig neu, wie eben ungefähr im 19. Jahrhundert wurde.

"Die unregelmäßigen Formen SIND schon gebildet, die regelmäßigen WERDEN es in jedem Augenblick." Das trifft zu auf sozusagen fossile, erratische Formen wie bin, bist, ist, die man nur einzeln lernen kann, aber nicht auf paradigmatisch eingebettete Formen. Aus der Zeitung von heute: "Die Konzerne nutzten schamlos die unterschiedliche Besteuerung in den Ländern der EU aus, und die Luxemburger Behörden hülfen ihnen noch dabei." Die beiden finiten Verbformen werden doch wohl gleichermaßen ad hoc gebildet (Stamm+Endung[en]). (Nebenbei: Nur das ü zeigt an, daß es sich um einen Konjunktiv der indirekten Rede und nicht um eine Vergangenheit handelt. Die schwachen Verben sind dazu nicht in der Lage.) Anderes aktuelles Beispiel: die immer weitere Ausbreitung der Verbform "ich/wir hamm" (inzwischen auch schon schriftsprachlich belegt). Der Mechanismus ist klar: eine kontrahierende Assimilation von Labial und Nasal. (Ich bitte um Verzeihung, wenn ich zu viele Fachausdrücke benutze.) Da diese zweifellos "unregelmäßige" Form aber nicht in den Lehrbüchern steht, kann der Sprecher sie nicht als fertig gebildet abrufen, sondern muß sie spontan bilden. Der "normalen" Verbform wird sozusagen noch eine Sandhiregel aufgesetzt (auch wieder ein spannendes Kapitel: haben ist – von sein natürlich abgesehen – das einzige schwache Verb, bei dem die dritte Person Einzahl – *hâbt –> hat – und die zweite Person Mehrzahl – unverändertes habt – verschieden sind!)

Langer Beitrag mit hoffentlich nicht zu vielen Tippfehlern und hoffentlich nicht zu konfus, soll genug sein für heute und dieses Wochenende.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2014 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27281

Die umgekehrte Richtung des Ausgleichs ist selten, kommt aber vor, wie an "gewunken" zu erkennen, weitere Beispiele hat besonders Herr Strowitzki hier zusammengestellt (unter dem Faden „Unsichere Flexion“).
Nachtrag: Meine Töchter haben lange "gepfeift" gesagt, das ist auch schriftlich belegt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.11.2014 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27280

In der Presse scheint der Unterschied zwischen geschleift und geschliffen zu verschwinden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2014 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27261

Auch wenn einige oft gebrauchte Verbformen noch unregelmäßig gebildet sind (worunter ich jetzt alles zusammenfasse), geht der Zug doch in Richtung der regelmäßigen Bildungen. Wir haben ja schon gesehen, daß selbst bei hochfrequenten Verben der e/i-Wechsel (auch ein alter Umlaut) ausgehend vom Imperativ aufgegeben wird.
Die Vorreiterolle der technischen Fachsprachen kann man sich vielleicht aus der Situation erklären: Warum sollte ein Rundfunktechniker, der mit dem Senden und mit Sendern zu tun hat, Formen wie sandte, gesandt bilden? Dazu liegt ihm die allgemeinsprachliche Bedeutung zu fern.
Die unregelmäßigen Formen SIND schon gebildet, die regelmäßigen WERDEN es in jedem Augenblick.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.11.2014 um 17.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27260

Bei hängen ist es seit jeher mein Sprachgebrauch, hängte transitiv und hing intransitiv zu verwenden. Also ich hängte das Bild an die Wand, aber das Bild hing an der Wand. So hab ich's in der Schule gelernt – das ist allerdings fast siebzig Jahre her. Hat diese "Regel" auch heute noch Gültigkeit?
Analog wurde übrigens auch backte/buk in meiner Schulzeit verwendet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2014 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27259

Ich bitte um Entschuldigung für meinen nachlässigen Eintrag heute morgen, war noch etwas verschlafen. Danke, Herr Strowitzki!
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.11.2014 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27258

Auch heute noch wird wird verwandt verwandt. Von mir wird es z. B. verwandt. Es finden sich dafür aber auch neuere Fundstellen bei Google.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 06.11.2014 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27257

"Schon seit längerem wird der Umlaut aber auch auf die anderen Zeiten übertragen, was dann auch zu einem e-Einschub zwischen den Dentalen führt (also w-e-nd-e-te), ähnlich wie bei schneid-e-t. Bei den dentallosen Wörten wie rennen, brennen gibt es dieses Phänomen deshalb nicht." – Für die unter uns, die sowas lehren müssen: Wir haben wohl weniger einen "e-Einschub" hier als vielmehr einen Wegfall bei den anderen Verben. Nicht weggefallen ist dieses [e] auch in Verben, deren Stamm in Konsonant+m/n endet, wenn der Konsonant aber nicht /l/ oder /r/ ist: widmete, atmete, rechnete, segnete, aber: qualmte, lärmte, lernte.

Ein gutes Beispiel zu "Wenn es zwei konkurrierende Formen, hier also wandte und wendete, gibt, neigt der Sprachgebrauch immer zu einer semantischen oder zumindest syntaktischen Differenzierung" für den Unterricht ist auch engl. shirt/skirt, wo die verschiedenen Formen ursprünglich nur den ags. und den skand. Ursprung anzeigte (und welches zu dt. Schürze steht).

Zu "So werden die umgelauteten Formen besonders in technischer Verwendung benutzt (Radiosendung etc)": In meinem Sprachgebrauch von jung auf an. Mir stieß es später immer negativ auf, wenn jemand auf einmal ein Paket "gesendet" hatte. Allerdings habe auch ich schon immer gesagt, daß etwas "verwendet" wird. Wie "Verwandte" was mit "wenden" zu tun haben, geht mir weit weniger schnell ein (jetzt aber auch; vielen Dank, lieber Herr Riemer) als daß ein "Gesandter" eben woanders hin gesandt worden ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.11.2014 um 14.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27256

#27246: "Mag sein, daß es früher durchaus hätte heißen können wird verwandt."

Auch hier die Bedeutungsdifferenzierung: mit jmd. verwandt sein.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 06.11.2014 um 13.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27255

wenden bildet mit senden sowie rennen und ein paar anderen eine Restgruppe der einst umfangreichen jan-Verben. Diese bildeten das Präsens mit eben einem jan-Suffix, das einen i-Umlaut bewirkte (also wand-jan –> wenden). In den anderen Zeitformen fehlte dieses Suffix, es gab also keinen Umlaut: wand-te, ge-sand-t etc. In Verkennung dieser Situation nannte Grimm das "Rückumlaut", als würde der Umlaut rückgängig gemacht. Mit dem Ablaut der starken Verben hat das nichts zu tun. Schon seit längerem wird der Umlaut aber auch auf die anderen Zeiten übertragen, was dann auch zu einem e-Einschub zwischen den Dentalen führt (also w-e-nd-e-te), ähnlich wie bei schneid-e-t. Bei den dentallosen Wörten wie rennen, brennen gibt es dieses Phänomen deshalb nicht. Wenn es zwei konkurrierende Formen, hier also wandte und wendete, gibt, neigt der Sprachgebrauch immer zu einer semantischen oder zumindest syntaktischen Differenzierung. So werden die umgelauteten Formen besonders in technischer Verwendung benutzt (Radiosendung etc).
Das Verschwinden diverser schwacher Formen wie laden – ladete oder hängen – hängte oder auch (älteres Beispiel) beginnen – begonde zugunsten der (fast) nur noch gebräuchlichen starken Formen (lud – geladen, hing – gehangen, begann, auch gewunken) ist davon ganz unabhängig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2014 um 10.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27254

e/a (idg. e/o) ist der qualitative Ablaut (Abtönung), während das u in ur, ul, un die germanische Form des quantitativen Ablautes, nämlich die Schwundstufe anzeigt. Der silbentragend gewordene Konsonant wird durch dieses u gleichsam aufgefüllt.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.11.2014 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27253

Danke, Herr Ludwig, für die Richtigstellung der Terminologie. Ich habe bisher die Veränderung e => a für eine Ablaubildung gehalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2014 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27250

Bei manchen Verben (hängen/hangen) geht es so regelmäßig durcheinander oder ist die schwache Form so herrschend geworden, daß ich die Beispiele schon gar nicht mehr sammele. Auch wird die Verständlichkeit nicht beeinträchtigt. Bei einigen anderen wird eine moderne, technische Bedeutung durch die schwache Form ausgedrückt, so wird Staub nicht gesogen, eine TV-Sendung nicht gesandt. Auch hier sind die schwachen Formen aber auf dem Vormarsch.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 06.11.2014 um 00.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27249

Zur Terminologie in #27246/#27247 ("Das Verb kann schwach und stark gebeugt werden"): Sowohl "wendete/gewendet" als auch "wandte/gewandt" sind schwache Formen. Sie sind schwach wegen des *hinzukommenden* "t", das ja "helfen" muß, die Vergangenheit auszudrücken. Wir haben hier keinen Ablaut, wo die Verben was in sich selbst verändern, den Stammvokal, und damit eine Veränderung in der Bedeutung ausdrücken. Auch bei schwachen Substantiven finden wir, daß etwas "Hinzukommendes, /n/, helfen" muß, damit sich eine Veränderung ausdrückt. Ich meine mich zu erinnern, daß die Grimm-Brüder diese sehr anschaulichen Bezeichnungen eingeführt haben, – nicht weil ich dabei war, sondern weil es in irgendeinem Seminar erwähnt wurde. (Auch "wurde" hat was von einer schwachen Form an sich, die Personalendung. Die starke Form ist "ward". Allerdings ist das "u" in "wurde" ein Ablautvokal – aus alten Zeiten, wo Sg. und Pl. im Imperfekt noch verschiedene Ablautvokale hatten, meine ich mich zu erinnern.)
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 05.11.2014 um 20.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27247

Oh, ganz schnell ein Nachtrag! Selbstverständlich gibt es die intransitive Form. Das Fahrzeug wendete an der nächsten Kreuzung. Auch hier scheint nur die schwache Flexion möglich zu sein.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 05.11.2014 um 20.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#27246

Ich las gerade in einem Roman folgenden, für mich falsch klingenden Satz: "Er wendete sich spontan zu ihr um." Ich meine, es müßte wohl heißen er wandte. Beim Nachdenken über das Verb wenden kam mir dann folgendes in den Sinn: Das Verb kann schwach und stark gebeugt werden, je nachdem, wie es benützt wird. Die transitive Verwendung verlangt wohl immer die schwache Flexion. Er wendete das Heu. Reflexiv können beide Flexionsarten vorkommen. Sie wandte ihr den Rücken zu. Aber auch: Er wendete sich (z.B: im Bett) auf die andere Seite. Das Blatt wendet sich.
Gibt es überhaupt eine intransitive Form? Mir fiel dazu nichts ein. Im Passiv allerdings wird (zumindest in der modernen Sprache) nur die schwach gebeugte Form verwendet (!). Mag sein, daß es früher durchaus hätte heißen können wird verwandt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2014 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26607

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26032 noch ein Beispiel:
Stoisch blickt er durch die Kamera auf dem Stativ vor ihm. (FAS 24.8.14)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 28.07.2014 um 17.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26421

Ups, da war ich unaufmerksam, das ist natürlich kein reflexives Verb.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 26.07.2014 um 12.54 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26396

Bei pluralischem Subjekt (der Form oder dem Sinne nach) können reflexive Verben auch in reziproker Bedeutung verstanden werden; zur Vereindeutigung der unterwertigen Konstruktion kann (mit)einander hinzugefügt werden

Geht das auch mit anderen Präpositionen? Z.B. Sie kennen sich untereinander.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.07.2014 um 13.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26255

noch ein Beispiel zur Anmerkung 13 (FAS, 6.7.14, S. 39):

Je länger ein Paar zusammen sei, desto mehr Geheimnisse habe es voreinander
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 16.06.2014 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26067

Zu #26045:

''Zur Psychiatriekritik noch eine interessante, abwägende Arbeit:

Scott O. Lilienfeld u. a.: 50 great myths of popular psychology. Chichester 2010.
Darin Kap. 37: „Psychiatric labels cause harm by stigmatizing people“.''

Habe über das PDF mal drübergesehen. Massen von Text, kaum Rand, zu lange Zeilen, Probleme mit der Trennung am Zeilenende, keine Leerzeilen zwischen den Absätzen, schlechte Paginierung. Es ist pure Zeitverschwendung, einen Text, der so unprofessionell gesetzt ist, zu lesen zu versuchen. Außerdem wurde das PDF nicht vollständig geladen.

Daß das ''Vergeben psychiatrischer Labels'' problematisch ist, ist allgemein bekannt und auch leicht ''ohne fremde Hilfe'' einzusehen, insbesondere wenn Leute z. B. von Mitschülern als ''psychisch krank'' etc. bezeichnet werden. Das kann leicht zur Ausgrenzung führen, die dann von (Schul-)Psychologen leicht als ''Krankheit'' hingestellt weden kann, d. h. die psychiatrische Klassifizierung erzeugt erst die ''Krankheit''. Dafür gibt es sogar einen Begriff: Self-fulfilling prophecy.

''Aus der Bezeichnung "Schizophrenie" (wohl von Bleuler) sollte man in der Tat nicht herauszulesen versuchen, worum es wirklich geht; und das tut ja die Wissenschaft auch schon lange nicht mehr, im Gegensatz zum bedenkenlosen Volksmund.''

Das Problem ist hier der Begriff ''Wissenschaft''. Es gibt viele Leute, die die Psychologie für eine Pseudowissenschaft halten.

''Andererseits kann man diese und andere "psychische" Krankheiten (Verhaltensstörungen) nur dann für Erfindungen und die Psychiatrie für ein einziges Übel halten, . . .''

Was ''richtiges'' und was ''falsches'' Verhalten ist hängt in sehr hohem Maße und der Gesellschaft ab, und der sozialen Gruppe, der man angehört. Es hängt von Machtverhältnissen ab, z. B. im Militär, in einer Diktatur, in einer Firma, in der Schulklasse oder soger in der Familie – oder auch nur von den ungleichen Machtverhältnissen im Verlauf eines Mobbing-Prozesses. Bei letzterem ist es ja gerade das Ziel des Mobbing-Terroristen, sein Opfer zu ''seltsamem'' oder ''gewalttätigem'' Verhalten zu zwingen, das er dann vorführen kann. (Zumindest ist das ein Aspekt von Mobbing.) Mobbing wurde lange Zeit ignoriert, die Opfer als ''verhaltensgestört'' abgestempelt. (Eigene Erfahrung, ich lebe daher also nicht ''auf einer Insel der Seligen'') Damit werden familiäre Probleme induziert: Das Kind bekommt von Erwachsenen, die alles besser zu wissen glauben, unlösbare Anpassungsaufgaben gestellt, deren Unlösbarkeit zu weiteren Problemen mit den Eltern führen (schwer erziehbares Kind) was auf lange Sicht zum Vertrauensverlust oder gar zum Haß gegen die Eltern führt.

Wenn ein Mobbing-Prozeß längere Zeit anhält, schleift sich dadurch natürlich auch ein ''auffälliges Verhalten'' ein, weil das Opfer permanent gezwungen ist, dem Mobbing-Terroristen auszuweichen oder – in seinem durch die Schulpflicht aufgezwungenen Beisein – permanent mit Übergriffen der verschiedensten Art rechnen muß. Solche Übergriffe können auch während des Unterrichts stattfinden (eigene Erfahrung). Es besteht also die Gefahr, daß ein gemobbtes Kind durch die Psychiatrie völlig falsch behandelt wird, wenn man einen eventuell existierenden Mobbing-Prozeß nicht erkennt oder nicht wahrhaben will. Letzteres war vor dem Aufkommen des Begriffs Mobbing sicher häufig der Fall. Das gemobbte Kind wird für eine vermeindliche ''Verhaltensstörung'' mit hochwirksamen Psychodrogen behandelt und damit erst ''krank'', d. h. von diesen Drogen abhängig gemacht. Diese Drogen können weiters Fehlverhalten, Angstzustände etc. auslösen, bis hin zum Suizid, https://www.facebook.com/Ashlynn.Conner.Anti.Bullying.Foundation




 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2014 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26053

Das Reflexivum (Dativus commodi, manchmal wohl auch ethicus) bei erwarten ist schon klassisch und überrascht eigentlich nicht, weil es zum ganzen Wortfeld paßt: sich etwas wünschen, erhoffen usw.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 14.06.2014 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26052

"Sich erwarten". Ich denke, es handelt sich dabei ursprünglich um süddeutsch-österreichischen Sprachgebrauch. Mir ist seit meiner Kindheit der folgende Satz (sowohl hochsprachlich als auch im Dialekt) vertraut: "Was erwartest du dir denn davon?". Das kann man immer hören, wenn man ein Vorhaben kundtut, an dessen Sinn oder Erfolg der Gesprächspartner zweifelt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.06.2014 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26051

Beim Fernsehen fällt mir immer öfter auf, daß sich Leute etwas erwarten (oder auch nicht). Den Googleergebnissen nach scheint der Gebrauch in Österreich am häufigsten zu sein. Dafür, daß sich Frauen ein Kind erwarten, habe ich aber auch dort kein Beispiel gefunden.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 13.06.2014 um 23.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26047

Ein reflexives Verb, das es im Deutschen erst seit kurzem gibt: "Über das Informationssystem RASFF tauschen sich die nationalen Behörden in Europa zu gefährlichen Produkten aus." (dpa, heute) Ich rede jedenfalls immer noch nicht so.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2014 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26045

Zur Psychiatriekritik noch eine interessante, abwägende Arbeit:

Scott O. Lilienfeld u. a.: 50 great myths of popular psychology. Chichester 2010.
Darin Kap. 37: „Psychiatric labels cause harm by stigmatizing people“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2014 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26032

Hier ist noch ein Beispiel für ein Personalpronomen, wo ich selbst das Reflexivum vorziehen würde:

Ein Bundespräsident, der im Ausland die Errungenschaften der Pressefreiheit preist, ruft in der Heimat an, um einen Artikel gehen ihn aufzuhalten. (FAZ 12.6.14)

Aber bei gegen ihn ist der Bezug zweifellos deutlicher.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 10.06.2014 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26007

Die Kritik kommt von einem Psychiater selbst: Thomas Szasz, http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Szasz.

Ich kann nicht beurteilen, was Sie damals miterlebt haben. Es kann z. B. sein, daß Sie die Vorgeschichte nicht kannten, z. B. wenn die entsprechende Person bereits unter (Psycho-)Drogen stand. Es ist erwiesen, daß Psychopharmaka Angstzustände etc. auslösen können. Ich glaube nicht, daß jemand so einfach anfängt, Stimmen zu hören etc.

Für Krankheiten gibt es genau definierte physische Tatbestände, man kann sie also durch Tests etc. nachweisen. Die von ihnen beschriebene Person wäre krank, wenn man eine physiologische Ursache finden könnte.

Verhaltensstörung ist eine Sache, die z. B. einem Schüler leicht angehängt werden kann (wurde u. a. mir vorgeworfen ''Du verhältst dich falsch''). Ich habe damals diesen Vorwurf nicht verstanden, insbesondere da mich niemand fragte, was denn wirklich passiert sei. Heute nennt man das, was passiert ist, Mobbing. Früher war das Mobbing-Opfer, das sich in seiner Not verzweifelt an einen Erwachsenen wandte, schlichtweg verhaltensgestört. Ein Psychiater würde in einem solchen Fall Psychopharmaka verschreiben und das Kind noch weiter schädigen. Hätte man das mit mir versucht, wäre der Konflikt nur noch schlimmer, es wäre zu einer gewaltsamen Verteidigungshandlung meinerseits gegen die Zwangsbehandlung mit Psychopharmaka gekommen, was die Sache noch schlimmer gemacht hätte. Die wahre Ursache (der Terror von div. Mitschülern) wäre nie ans Tageslicht gekommen. (Ist es in meinen Fall auch nicht, denn dafür hat sich niemand interessiert, Folge: zerstörte Familie.)

D. h. Naivität und Expertengläubigkeit von Eltern und Lehrern gepaart mit der Gier von ''Psychodoktoren'' hätte im schlimmsten Fall zu tötlicher Gewalt geführt, was von den Moralgeiern dann noch als Todsünde angeprangert worden wäre.

Heute stehen weltweit viele Millionen Kinder unter Psychodrogen. Auch das eine Folge der Psychiatrie. Diese Drogen führen teilweise zu dem Verhalten, das sie zu ''behandeln'' vorgeben, also u. a. zu Gewalt und auch zu Selbstmorden.


"Was brächte es, hier nicht von Krankheiten zu sprechen, sondern pauschal die Psychiatrie unter Verdacht zu stellen?"

Es brächte mehr Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Es wäre notwendig, mal die Geschichte von Psychologie und Psychitarie kritisch zu beleuchten und sich danach zu fragen, ob "Ärzte", die in diesem Schatten stehen, überhaupt in der Lage sein können, Menschen zu helfen.

Psychopharmaka und Psychiatrie sind ein Milliardengeschäft, es ist unmöglich, daß da alles mit rechten Dingen zugeht. Letztlich muß das der Versicherte bezahlen, auch wenn da sehr viel Unnötiges und sogar Gefährliches gemacht wird, von Eingriffen in verbriefte Grundrechte ganz zu schweigen.


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2014 um 13.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26005

Ich kann nicht erkennen, daß das Zitat der Einordnung psychischer oder Verhaltensstörungen als Krankheiten widerspricht. Vor längerer Zeit konnte ich aus nächster Nähe beobachten, daß jemand anfing, Stimmen zu hören und Dinge wahrzunehmen, die objektiv nicht existierten, usw. Durch Medikamente und auch psychotherapeutische Hilfe gelang es, diese leider sehr reale Krankheit einigermaßen zu beherrschen. Auch andere Fälle sind mit bekannt geworden. Was brächte es, hier nicht von Krankheiten zu sprechen, sondern pauschal die Psychiatrie unter Verdacht zu stellen?
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 10.06.2014 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#26003

Mein Kommentar war ja gerade dadurch motiviert, weil ich nicht auf einer "Insel der Seligen" lebe.

Eine Verhaltensstörung ist keine Krankheit, denn für Krankheiten gibt es physiologische Definitionen.

Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen, DSM-IV, S. 944:

„Obwohl dieses Handbuch eine Klassifikation psychischer Störungen darstellt, ist darüber hinaus zuzugeben, dass es keine Definition gibt, die die genauen Grenzen des Konzepts `psychische Störung´ umreißt.“

Die Begriffe "Krankheit" und "psychische Störung" sollten also nicht durcheinandergeworfen werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2014 um 10.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#25999

Aus der Bezeichnung "Schizophrenie" (wohl von Bleuler) sollte man in der Tat nicht herauszulesen versuchen, worum es wirklich geht; und das tut ja die Wissenschaft auch schon lange nicht mehr, im Gegensatz zum bedenkenlosen Volksmund. Andererseits kann man diese und andere "psychische" Krankheiten (Verhaltensstörungen) nur dann für Erfindungen und die Psychiatrie für ein einziges Übel halten, wenn man bisher auf einer Insel der Seligen gelebt hat. Da will ich dann auch nicht stören.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 10.06.2014 um 08.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#25998


Germanist, Sie glauben doch nicht diesen Blödsinn. Schizophrenie ist eine erfundene Krankheit, mit der Zwangseinweisungen in die Psychiatrie gerechtfertigt werden, wenn man den Leuten nichts anderes vorwerfen kann. Das Einzige, wovor man sich fürchten muß, ist die Psychiatrie und die dafür verantwortlichen Psychiater, Politiker und Richter.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.05.2014 um 20.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#25919

"sich fürchten" ist genau betrachtet sowohl transitiv als auch intransitiv: "Sich" kann bei "fürchten" ein wirkliches Objekt sein. Ein Schizophrener (d.h. "mit gespaltenem Gehirn") kann durchaus vor sich selbst Angst haben. "Sich fürchten" und "sich selbst" fürchten" sind folglich zwei verschiedene Bedeutungen.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 30.05.2014 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#25918

Interessant vielleicht ein Blick über den Zaun:
Das Russische hat ein spezielles Suffix s(j)a zur Bezeichnung reflexiver oder reflexiv gebrauchter Verben. Welche Verben reflexiv gebraucht werden, ist dabei genauso undurchsichtig wie im Deutschen (lachen z.B.).
Eigenartigerweise dient das gleiche Suffix auch zur Bezeichnung des Passivs: gazeta čitaetsja = "Die Zeitung wird gelesen".
Völlig getrennt davon gibt es ein Reflexivpronomen, das etwa in Ausdrücken wie Ich kaufe mir ein Buch verwendet wird.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.05.2014 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#25916

Ist es nicht eigentlich paradox, daß ausgerechnet für reflexive Verben die Reflexivität nur eine semantisch leere, rein syntaktische Markierung ist, während bei nichtreflexiven Verben der reflexive Gebrauch eine wesentliche Bedeutung hat?

Ich wundere wäre analog zu ich staune, ich schäme analog zu ich bedaure usw. Reflexive Verben würden gar nicht gebraucht, wenn es jeweils gleichbedeutende nichtreflexive Formen gäbe. Dagegen wird Reflexivität an sich sehr wohl gebraucht.

Es könnte also mit der Reflexivität eigentlich genauso sein wie mit der Reziprozität. Ist es aber seltsamerweise nicht. Es muß doch einen Grund geben, warum die deutsche Sprache an reflexiven Verben festhält.

 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 29.05.2014 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#25910

Nach Meier-Brügger, Indogermanische Sprachwissenschaft, "ist die Kategorie Passiv, die in vielen altindogermanischen Einzelsprachen erscheint, in der uridg. Grundsprache als grammatische Kategorie nicht vorhanden, sondern wird durch das Medium mit ausgedrückt. Die Kategorie Passiv wird in den idg. Einzelsprachen unabhängig voneoneinander jeweils selbständig ausgebildet."

Nach Eva Tichy, Indogermanistisches Grundwissen, "bewirkt die grammatische Diathese Medium folgende Funktionsverschiebungen:
Tätigkeit im eigenen Interesse des Handlungsträgers (indirekt-reflexives Medium)
Tätigkeit mit Wirkung auf den Handlungsträger selbst (direkt-reflexives Medium)
Tätigkeit mit Wirkung auf ein Objekt in der Sphäre des Handlungsträgers (indirekt-rflexives Medium)
Tätigkeit zweier oder mehrerer Handlungsträger mit gegenseitiger Wirkung (reziprokes Medium)
Tätigkeit mit Wikung auf den Handlungsträger, die von einem anderen Agens ausgeführt wird (patientes Medium, funktional einem Passiv gleichwertig)."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2014 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#25908

Der Unterschied zwischen grammatischer Konstruktion und pragmatischer Interpretation wird auch an dem bekannten Witz deutlich:

Sie: Wir sind jetzt 30 Jahre zusammen, meinst du nicht, wir sollten heiraten?
Er: Schon; aber glaubst du, daß uns jetzt noch jemand nimmt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2014 um 16.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#25907

Wie unklar und fehlerhaft der Gegenstand in fast allen Grammatiken dargestellt ist, fiel mir besonders auf, als ich vor rund 20 Jahren einen kurzen Aufsatz für "Deutsch als Fremdsprache" verfaßte. Wie ich sehe, findet man ihn auch im Internet:
http://zfbb.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00304552

Es wäre noch manches zu sagen; auch viele Beispiele, die ich gesammelt habe, möchte ich irgendwann einmal vorstellen und analysieren.

Besonders wirr ist die Bertelsmann-Grammatik (Lutz Götze). Darauf braucht man nicht einzugehen.


 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.05.2014 um 15.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1614#25906

Es gibt keine reziproken Verben.
Diesen Satz habe ich noch nirgends gelesen! Er hat mich erst überrascht und auch irritiert. Sogenannte reziproke Verben kommen ja in vielen Grammatiken vor, auch z. B. im aktuellen Grammatikband des Duden, so daß man sie fast für selbstverständlich hält. Aber nachdem ich es mir wie hier beschrieben klargemacht habe, bin ich von diesem für mich neuen Gedanken ganz begeistert. Natürlich, reziproke Bedeutungen haben nichts mit einer besonderen Kategorie von Verben zu tun, nicht einmal überhaupt mit Reflexivität. Je einfacher eine Erklärung, umso besser.

Dasselbe gilt für den Verzicht auf die Bezeichnung von Verben als "im weiteren Sinne reflexiv". Was ist Besonderes daran, wenn das Reflexivpronomen nur eine vorhandene, auch anders besetzbare Objektstelle einnimmt?
Ich glaube, durch die Verkürzung auf das Wesentliche das ganze Problem jetzt besser zu verstehen.

Wie ist es eigentlich sprachgeschichtlich zu reflexiven Verben gekommen? Oder anders gefragt, wie kann ich nächstens einem Chinesen erklären, warum man nicht einfach ich wundere darüber sagt, sondern noch ein bedeutungsloses mich einfügen muß?
 
 

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