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Kommentare zu den Thorheiten

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R. M. zu »Nicht alles ist falsch, was wie falsch aussieht«
Dieser Kommentar wurde am 17.05.2018 um 21.06 Uhr verfaßt.

Die Duden-Empfehlungen haben natürlich nichts damit zu tun, ob eine Variante »gängiger« ist als die andere.


Theodor Ickler zu »Nicht alles ist falsch, was wie falsch aussieht«
Dieser Kommentar wurde am 17.05.2018 um 19.50 Uhr verfaßt.

Doch innerhalb Ihres Briefes, bei der Korrespondenz in einer Firma und erst recht in einer Zeitung, deren einzelne Teile an verschiedenen Orten hergestellt werden, sollte man sich nach einer einheitlichen Empfehlung richten, nach einer Quelle, die überall vorhanden ist. Das ist der Rechtschreibduden (aktuell in der 27. Auflage, auch digital erhältlich), der bei fakultativen Schreibweisen und Fügungen die seiner Meinung nach gängigste gelb markiert. An diese Empfehlung müssen wir uns halten, wollen wir eine Publikation oder ein Schriftstück einheitlich gestalten. Selbst Ältere, die wie ich die ersten Wörter noch im Luftschutzkeller gelernt haben, haben sich zähneknirschend damit abzufinden, dass sie "vonseiten, infrage, mithilfe" zusammen-, "zu Hause" aber getrennt schreiben sollen. (Schmachthagen)

Wie komisch, daß dieser gehorsamste Anhänger der Reform ganz gegen die Absicht der Reformer den Duden zur höchsten Instanz erhebt!


Theodor Ickler zu »„Der große Deutsch-Test 2005“ auf RTL«
Dieser Kommentar wurde am 16.05.2018 um 19.42 Uhr verfaßt.

"Genau nach der Schrift" - aber nach einer nur halb verstandenen Schrift.


Germanist zu »„Der große Deutsch-Test 2005“ auf RTL«
Dieser Kommentar wurde am 15.05.2018 um 22.56 Uhr verfaßt.

Genau nach der Schrift sprechen Dialektsprecher, wenn sie ausdrücklich Hochdeutsch sprechen wollen. Aber das ist nicht ihre normale Sprache.


Klaus Achenbach zu »„Der große Deutsch-Test 2005“ auf RTL«
Dieser Kommentar wurde am 13.05.2018 um 15.40 Uhr verfaßt.

Ob das fragliche „e“ gänzlich stumm ist, bezweif(e)le ich. Je nach Sprechsituation wird man ein sehr schwaches bis deutliches Schwa als Übergangslaut hören.

Problematischer ist für Ausländer vielleicht das stumme „h“ in den genannten Wörtern.

Als deutsches „Schiboleth“ empfinde ich eher die anscheinend vorherrschende Aussprache von single als [singel] (mit stimmhaftem s und ohne g). Da zucke ich jedesmal zusammen.



Germanist zu »„Der große Deutsch-Test 2005“ auf RTL«
Dieser Kommentar wurde am 13.05.2018 um 15.26 Uhr verfaßt.

Es gibt ja inzwischen zwei Arten von Schriftdeutsch: das eine wird in der Schule gelehrt, und das andere beim Schreiben auf dem Mobiltelefon benutzt.


Theodor Ickler zu »„Der große Deutsch-Test 2005“ auf RTL«
Dieser Kommentar wurde am 13.05.2018 um 08.12 Uhr verfaßt.

Deutsche Grundschüler?

Man muß wohl unterscheiden zwischen einem "Leiden" beim Lesenlernen und einer "Aussprache nach der Schrift", die hyperkorrekt wirkt und auch von manchen unwissenden Eltern und sogar Lehrern durchgesetzt wird. Darunter "leiden" dann eher die Hörer.

Andererseits dürfte die falsche Aussprache des ng weniger von der Schrift induziert sein als vom Phonemsystem der jeweiligen Muttersprache. Beobachtung bei einem befreundeten Ungarn.


Germanist zu »„Der große Deutsch-Test 2005“ auf RTL«
Dieser Kommentar wurde am 12.05.2018 um 14.13 Uhr verfaßt.

Nur Ausländer sprechen die deutschen stummen "e" z.B. vor "n" wie in "sehn, gehn usw.", und daran erkennt man sie. Ähnlich ist es mit dem deutschen "ng", bei dem nur Ausländer das "g" deutlich hörbar aussprechen. Das sind deutsche Schiboleths. Am meisten leiden Grundschüler unter dem Unterschied zwischen Aussprache und Schrift.


Theodor Ickler zu »„Der große Deutsch-Test 2005“ auf RTL«
Dieser Kommentar wurde am 23.04.2018 um 05.24 Uhr verfaßt.

Wenn jemand sich ausdenkt, wie falsch man schreiben könnte, kommt etwas sehr Unwahrscheinliches heraus:

Wänn jedär schraipt wi er will, vastähd irgennvann kaina meer was. Däshlab is goreckde Räschdschreipung wischtsch. (https://www.volksfreund.de/meinung/leserbriefe/waenn-jedaer-schraipt-wi-er-will_aid-16860607)

Man könnte daran implizite Volkslinguistik studieren.


Theodor Ickler zu »Der hessische Rechtschreib-Rasputin«
Dieser Kommentar wurde am 14.04.2018 um 17.03 Uhr verfaßt.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache, gegen den Willen ihrer Mitglieder zum Propaganda-Werkzeug für die Rechtschreibreform gemacht, veröffentlichte im „Sprachdienst“ 5/2000 einen besonders giftigen Beitrag des hessischen Ministerialrats Stillemunkes gegen die Reformkritiker, vor allem die FAZ.

Falschmeldungen über eine „Reform der Reform“ wurden lanciert, Theodor Ickler verschickte E-Mails (...)
Der Staat – bzw. die demokratisch legitimierte Exekutive – soll nicht normieren dürfen, wohl aber ein privatwirtschaftlicher Verlag – natürlich ohne jedes demokratische Mandat, aber dafür mit Gewinninteressen-, denn zum Duden will man zurück. Das ist schon ein bedenklicher Mangel an demokratischem Verständnis. Vollkommen unglaubwürdig wird die Angelegenheit der Reformgegner durch Theodor Ickler, der ein eigenes Wörterbuch, das angeblich den Sprachgebrauch des Deutschen erfasst, aber wiederum vom Duden abweicht, ankündigt.
(...)
Die Umsetzung an den Schulen geht völlig reibungslos vor sich. (...) Die Schulen stellen allmählich ihre Bestände um.


Stillemunkes tut so, als hätte er die erklärte Absicht meines Wörterbuchs nicht verstanden. Es gibt noch vieles, was man dem Mann heute vor die Nase halten möchte. Seither ist von der Reform nicht viel übrig geblieben, die Reform der Reform der Reformm... war keine Falschmeldung, und die Bestände sind nicht nur einmal umgestellt worden. Geblieben ist nur Ministerialrat Stillemunkes.


Theodor Ickler zu »Nicht alles ist falsch, was wie falsch aussieht«
Dieser Kommentar wurde am 06.04.2018 um 17.02 Uhr verfaßt.

Schmachthagens normative Darstellung geht natürlich weit über den wirklichen Kasusgebrauch hinaus. Typischer Sprachmeisterer, wie Eduard Engel sagen würde.


MG zu »Nicht alles ist falsch, was wie falsch aussieht«
Dieser Kommentar wurde am 05.04.2018 um 21.15 Uhr verfaßt.

Wenn man nicht alles selber macht ...

... dann setzt einem die Redaktion genau den "Fehler", den man in seiner Kolumne aufspießt, in den Untertitel.

"Trotz des Dudens besten Wollens ..." muß das natürlich heißen. Etwas anderes können wir bei aller Liebe nicht als übliches Norddeutsch akzeptieren, denn der Genitiv ist ja bekanntlich dem Dativ sein Feind.



https://www.abendblatt.de/meinung/article213905277/Wenn-die-Rektion-den-Kasus-strammstehen-laesst.html

Meinung
03.04.18
Deutschstunde
Wenn die Rektion den Kasus strammstehen lässt

Peter Schmachthagen

Der Verfasser ist „Wortschatz“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Sprachkolumne erscheint dienstags

Trotz des Dudens bestem Wollen bleibt die Beugung der Wörter nach Präpositionen häufig ein Rätsel der Grammatik.

"Trotz krassem Auftakt ungewohnt gefühlvoll", so rezensierte eine Fernsehzeitschrift einen Film im Ersten Programm. Die Rezension mag stimmen, die Grammatik aber nicht. Nach heutigem Sprachverständnis steht die Präposition trotz nicht mit dem Dativ, sondern mit dem Genitiv, ja sie "steht" nicht nur mit dem Genitiv, vielmehr fordert sie den Genitiv. Also hätte es "trotz krassen Auftakts" heißen müssen.

Eine solche Forderung lässt sich nicht mit dem Gerichtsvollzieher durchsetzen, scheidet aber die ungefilterte Umgangssprache von der gehobenen Schriftsprache und zeigt an, in welchem Sprachniveau unser Gegenüber sich bewegt. Diese Forderung nach einer bestimmten Form und Eigenschaft eines abhängigen Ausdrucks nennt man die Rektion. Am häufigsten tritt die Fähigkeit, die Flexion (Beugung) eines abhängigen Wortes im Satz zu bestimmen, als Kasusrektion auf. Der Kasus (Fall) des abhängigen Wortes hängt also von dem Wort ab, das es aufgerufen hat. Die Kasusrektion finden wir bei den Präpositionen, Verben, Substantiven sowie Adjektiven und Partizipien. Werfen wir zuerst einen kurzen Blick auf die Rektion der Verben, die wir mit der Muttersprache aufgesogen haben, die für Fremdsprachler aber stets eine Herausforderung darstellt.

Wie Sie wissen, fordert die Rektion des Verbs kosten den Akkusativ: Dieser Schritt kostete ihn das Leben. Und wenn Sie noch so oft nach dem "Wem" fragen – die Rektion von "kosten" zwingt "ihn" in den Akkusativ. Andere Verben können mit dem Dativ verbunden sein: Ich helfe "dich"? Nein, ich helfe dir (Dativ)! Besonders peinlich ist es, wenn die Rektion des Genitivobjekts der Sprachschluderei zum Opfer fällt, zum Beispiel nach den Verben gedenken oder bedürfen: Der Senat gedachte des Falls der Mauer (bitte, bitte nicht "dem Fall") – oder: Es bedurfte nur eines Wortes (wessen?).

Zurück zu den Präpositionen (Verhältniswörtern). Jede Präposition regiert einen oder mehrere Kasus, ist also kasusfordernd, wobei verschiedene Kasus auch zu verschiedenen Aussagen führen: Er liegt auf dem Sofa (wo? Zustand) oder: Er legt sich auf das Sofa (wohin? Tätigkeit). Bei der Präposition trotz sollten wir uns auf den Genitiv konzentrieren: Sie gingen trotz des Regens in den Garten; trotz aller gegenteiligen Behauptungen. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz ist allerdings noch die Dativ-Rektion üblich, was wir aber bei aller Liebe zu den Bayern nicht als korrektes Hochdeutsch akzeptieren wollen: "Trotz dem Regen" gingen die Münchner viel spazieren.

Die Rektion der Präposition trotz ist im Laufe der Zeit vom Dativ in den Genitiv gewandert. Dass der Dativ die ältere Rektion darstellt, zeigen noch die festen Fügungen trotz allem und trotz alledem sowie das Adverb trotzdem. Korrekt ist der Dativ, wenn trotz vor einem unbegleiteten starken Substantiv im Plural steht (trotz Beweisen, trotz Kindern). Wird das Substantiv im Plural jedoch von einem Artikelwort oder Attribut begleitet, ist wieder der Genitiv angesagt: trotz erdrückender Beweise; trotz der Kinder. Wenn ein stark flektierter Genitiv Singular einem von der Präposition trotz abhängenden stark flektierten Singular vorausgeht, vermeiden wir einen doppelten Genitiv: trotz des Bootes starkem Schwanken (nicht: trotz des Bootes "starken Schwankens").

Die gleichen Regeln der Rektion gelten übrigens für die Präposition wegen, die auch dann in den Dativ rutscht, wenn der Genitiv im Plural nicht zu erkennen ist: wegen des Geschäfts (Gen.), wegen Geschäften (Dat.), wegen dringender Geschäfte (Gen.). Andere Präpositionen wie laut, gegenüber oder nahe fühlen sich mit dem Dativ pudelwohl und haben auch keinen Ortswechsel geplant, werden aber dauernd in den Genitiv geschoben. Es heißt laut dem Grundgesetz und nicht "laut des Grundgesetzes", es heißt gegenüber dem Bahnhof und nicht "gegenüber des Bahnhofs", und es heißt – zum Donnerwetter noch einmal! – nahe dem Tatort und nicht "nahe des Tatorts"! Allerdings: Der Genitiv nagt am Dativ, besonders bei der Präposition laut. Immer häufiger liest man: laut "unseres Schreibens" (richtig: unserem Schreiben), laut "beiliegender Rechnungen" (richtig: beiliegenden Rechnungen).

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