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Theodor Ickler zu »„Gnadenlos für die Kinder …“«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2020 um 05.10 Uhr verfaßt.

Schon wieder ist ein „gnadenlos guter Roman“ erschienen (Axel Rühle, SZ 12.12.20). Vor Jahrzehnten muß das mal originell gewirkt haben.

Das Feuilleton muß gnadenlos geistreich sein.



Theodor Ickler zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 17.11.2020 um 06.08 Uhr verfaßt.

Zum vorigen: Schon brennt es im U-Bahnhof "Onkel Toms Hütte", wenn auch nur in der Ladenstraße. Wir Verschwörungsspezialisten vermuten trotdem einen Zusammenhang.


Wolfram Metz zu »Falsches Deutsch und schlechtes Deutsch«
Dieser Kommentar wurde am 01.11.2020 um 12.15 Uhr verfaßt.

Nachtrag: Eine weitere, naheliegende Referenz wäre die Frage, wie wahrscheinlich eine Wahlniederlage Trumps ist. Also etwa so: selbst wenn er gehen muß = selbst wenn es soweit kommt, daß er abgewählt wird (was bisher aber noch längst nicht ausgemacht ist).


Wolfram Metz zu »Falsches Deutsch und schlechtes Deutsch«
Dieser Kommentar wurde am 01.11.2020 um 12.08 Uhr verfaßt.

Spiegel Online titelt: »Was von Trump bleibt – selbst wenn er gehen muss«. Das erschien mir auf Anhieb etwas schräg, denn das Wörtchen »selbst« drückt oft eine Steigerung gegenüber einer gedachten Referenzsituation aus. Hier dachte ich unwillkürlich an den entgegengesetzten Fall, nämlich daß Trump nicht gehen muß, also im Amt bleibt. Dann aber ist die Frage, was von ihm bleibt, unsinnig, jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt. Anders ausgedrückt: »Wenn Trump im Amt bleibt, wird folgendes von ihm bleiben« ergibt keinen rechten Sinn. Deshalb scheint die Steigerung »Selbst wenn Trump nicht im Amt bleibt, wird folgendes von ihm bleiben« in dieser Aussage keine sinnvolle Referenz zu haben.

Hier scheinen mir zwei Aussagen miteinander verschränkt zu sein: 1. Wenn Trump abgewählt wird, bleibt von ihm folgendes, 2. Selbst wenn Trump abgewählt wird, wird nicht alles wieder so sein wie vorher. Bei Aussage 2 liegt die Referenz demnach auf einer anderen Ebene, etwa in der Fragestellung: Was muß geschehen, damit von Trump nichts übrigbleibt? Daß die Demokraten den Senat übernehmen, wird allein zum Beispiel nicht reichen, wenn Trump im Amt bleibt. Aber selbst wenn Trump gar nicht mehr im Amt ist, wird man seinen Einfluß noch spüren, weil seine Politik die amerikanische Gesellschaft nachhaltig verändert hat.


Theodor Ickler zu »Falsches Deutsch und schlechtes Deutsch«
Dieser Kommentar wurde am 27.10.2020 um 17.45 Uhr verfaßt.

Feine Beobachtung, vgl. auch https://german.stackexchange.com/questions/10217/den-umst%C3%A4nden-entsprechend-gut


Wolfram Metz zu »Falsches Deutsch und schlechtes Deutsch«
Dieser Kommentar wurde am 26.10.2020 um 19.01 Uhr verfaßt.

Jens Spahn geht es »den Umständen entsprechend ganz gut«. So jedenfalls formulierte er es gestern in einer Videobotschaft. Die Umstände – nämlich die Tatsache, daß er positiv auf das Coronavirus getestet worden ist – sind aber gar nicht so, daß ihnen ein ganz guter Gesundheitszustand entspräche. Genausogut könnte es ihm jetzt ganz schlecht gehen.

Wenn man sagt, es gehe Herrn Müller nach seinem Herzinfarkt »den Umständen entsprechend«, dann meint man damit, daß es ihm so geht, wie es einem halt geht, wenn man gerade einen Herzinfarkt überlebt hat: er springt nicht wie ein junger Gott im Krankenzimmer herum, aber er hat den Infarkt überlebt und wird jetzt weiter behandelt. Es geht ihm nicht gut, aber gemessen an den Umständen könnte es ihm viel schlechter gehen. Anders ausgedrückt: den Umständen entsprechend = gemessen an den Umständen gut.

Insofern ist das »gut« in Spahns Formulierung eigentlich überflüssig. Natürlich kann man weiter differenzieren zwischen Herrn Müller und Frau Schneider, der es bei gleichem Befund etwas schlechter geht als Herrn Müller. Ich vermute aber, daß die Ergänzung mit dem Bedürfnis zu tun hat, die Hauptbotschaft, nämlich daß man im Moment nicht um das Leben des Herrn Müller bzw. Spahn zu fürchten braucht, mit einem eindeutigen Signalwort zu markieren. Daß die Einschränkung »den Umständen entsprechend« in Kombination mit »gut« nicht mehr paßt, wird dabei in Kauf genommen oder gar nicht erst bemerkt.


Theodor Ickler zu »Wieso sind Sprachen schwierig?«
Dieser Kommentar wurde am 29.09.2020 um 07.39 Uhr verfaßt.

Im Reiseteil der Zeitung wird über die Reste von "Unserdeutsch" berichtet, einem Kreol, das in der kurzlebigen Kolonie Deutsch-Neuguinea entstand und heute nur nioch hundert betagte Sprecher haben soll, die meisten inzwischen in Australien.

Als eine Art sprachlicher Widerstand gegen das oktroyierte Deutsch der Missionare entwickelten die Schüler schnell ihre ganz eigene Sprache, die sie „Kaputtene Deutsch“ oder „Falsche Deutsch“ nannten. Eine Sprache, die wie Deutsch anmutete und ohne Prügelstrafe gesprochen werden konnte. In Wirklichkeit ist sie aber eine innovationsreiche Mischsprache, deren Wortschatz zwar überwiegend auf dem Deutsch der Missionare basiert, deren grammatische Struktur aber im örtlichen Tok Pisin verwurzelt ist, das die meisten Kinder von Haus aus sprachen. (FAS 27.9.20)

Sondersprache als stiller Widerstand - das paßt in die heutige Zeit, ist aber für die damalige Entwicklung nicht nachweisbar. Es gibt natürlichere Erklärungen dafür, daß die Schüler, die keine gemeinsame Sprache hatten, auf dem Schulhof nicht die deutsche Schriftsprache benutzten, die sie im Unterricht lernten. Es ist auch nicht sicher, daß die meisten Kinder das englischbasierte, ebenfalls recht junge Tok Pisin als Muttersprache sprachen.


Theodor Ickler zu »Mehr Deutsch wagen«
Dieser Kommentar wurde am 23.07.2020 um 06.09 Uhr verfaßt.

Trumpfen Sturmabteilung (Trump’s Stormtroopers)
by Ron Jacobs, 22.7.2020
(https://www.counterpunch.org/2020/07/22/trumpfen-sturmabteilung-trumps-stormtroopers/)>
(Eine Erinnerung ans Tomanische Anton Hynkels.)


Theodor Ickler zu »Det is ebent so«
Dieser Kommentar wurde am 16.07.2020 um 06.09 Uhr verfaßt.

Spreche ich im Alltag jetzt oder jetz? Ich kann es beim besten Willen nicht sagen. Eigentlich erstaunlich, daß man den unorganischen Zungenlöselaut auch hier angefügt hat – nur um ihn dann der Einfachheit halber wieder wegzulassen.


Theodor Ickler zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 13.07.2020 um 11.21 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=196#10205

Zusammen mit der Mohrenstraße muß natürlich "Onkel Toms Hütte" aus Berlin verschwinden. (An der gleichnamigen Station bin ich oft ausgestiegen, weil meine Schwiegereltern in der Nähe wohnten.)
Harriet Beecher Stowe hat viel für die Sklavenbefreiung getan, aber so klug und vor allem so gut wie wir war sie natürlich nicht, erst recht nicht so aufgeklärt wie unser Robespierre der Sprachtugendhaftigkeit.


Chr. Schaefer zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 04.07.2020 um 03.09 Uhr verfaßt.

Zu dem im allgemeinen sehr interessanten Politik-Podcast "Talking Politics", in dem der Politikwissenschaftsprofessor David Runciman und die Volkswirtschaftsprofessorin Helen Thompson aktuelle und historische Themen mit Gästen diskutieren, war vor kurzem die amerikanische Historikerin Sarah Churchwell eingeladen. Thema der Diskussion war "American Fascism: Then and Now" (https://www.talkingpoliticspodcast.com/blog/2020/252-american-fascism-then-and-now). Frau Churchwell mußte zugeben, daß der Begriff "Faschismus" heutzutage sehr unscharf ist, was sie nicht daran gehindert hat, ihn auf die USA anzuwenden. Dasselbe könnte man über Begriffe wie "Sozialismus" (umfaßt im öffentlichen Diskurs ein Spektrum von der sozialen Marktwirtschaft bis hin zu Stalinismus, Maoismus oder die Roten Khmer), "Liberalismus" (vom Ordoliberalismus deutscher bis hin zum Anarchokapitalismus amerikanischer Prägung während der "Robber Baron"-Ära gegen Ende des 19. Jahrhunderts) sagen.


Eine solche Aufweichung der Begrifflichkeit geschieht meist an den ideologisch extremen Rändern, links wie rechts, und sie hilft, den sachbezogenen Diskurs zugunsten der Rhetorik zurückzudrängen. In der Politik mag das innerhalb gewisser Grenzen legitim sein, aber wenn die Rhetorik Einzug in die Wissenschaft hält, haben wir echte Probleme. Die "Rechtschreibreform" ist nur eines davon.


Mir persönlich graut es vor einer "politisch korrekten" (in welcher Richtung auch immer) Überarbeitung des Jahrhundertwerkes "Geschichtliche Grundbegriffe".


Theodor Ickler zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 14.06.2020 um 17.14 Uhr verfaßt.

Aufgrund des westlichen Einflusses gelten doppelte Lidfalten in vielen ostasiatischen Ländern heutzutage als Schönheitsideal. Europäisches Aussehen wird vielfach bevorzugt, auch soll die doppelte Lidfalte optisch ein größeres Auge erzeugen, der Besitzer soll „freundlicher“ und „wacher“ wirken. Daher werden doppelte Lidfalten oft aufgemalt oder geklebt. Zunehmend werden sie auch durch eine ästhetische Augenoperation verwirklicht. Diese Operation ist heute einer der häufigsten schönheitschirurgischen Eingriffe in Ost- und Südostasien. (Wikipedia Epikanthus, korrigiert)

Praktizierter Rassismus. Man denke auch an die von Schwarzen massenhaft verwendeten Bleichmittel. (Wie die ungeheure Mode- und Kosmetikwerbung praktizierter Antifeminismus ist.)


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