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Theodor Ickler zu »Bedrohte Wörter«
Dieser Kommentar wurde am 11.10.2019 um 12.56 Uhr verfaßt.

Ein Lexikon oder wenigstens eine Liste „bedrohter Wörter“ könnte man durchaus anfertigen. Es wären aber nicht wie bei Mrozek Wörter, die einfach aus der Mode kommen, ohne in irgendeinem Sinn „bedroht“ zu sein, sondern solche, die wirklich bedroht werden – nämlich von der Politischen Korrektheit:

abartig, Ausländer, Asylant, Bahre, Behinderte, Eingeborener, Eskimo, Gastarbeiter, Hasenscharte, irre, Jude, Klapsmühle, Krüppel, Leichenwagen, Mädchen, Mohammedaner, Mohrenkopf, Mohrenwäsche, Mulatte, Neger, Negerkuß, Nigger, normal, pervers, Rasse, Scheinasylant, Schwuchtel, taubstumm, Trinker, Türke, türken, Unkraut, verrückt, Wirtschaftsasylant, Zigeuner, zwergenhaft (usw.)
(nach Duden-Bänden)


Theodor Ickler zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 19.08.2019 um 06.31 Uhr verfaßt.

Jan Fleischhauer kritisiert in einem sehr maßvoll formulierten Text die Anweisung an die bayerische Polizei, die ethnische Zugehörigkeit von Tatverdächtigen nicht mehr zu nennen. Die bisherigen Vereinbarungen des Presserats billigt er, auch die Tabuisierung von Zigeuner.

Die Anweisung bestätigt nachträglich den Dauerverdacht der Rechten, daß Behörden und Presse systematisch etwas verschweigen, was sich der "Kenner" dann aber doch zusammenreimen kann.

Ob die Öffentlichkeit sich für solche Merkmale interessiert oder nicht, muß man schon ihr selbst überlassen. Es wird aber nun von oben verordnet: Das hat euch nicht zu interessieren!

Die Zigeuner, die ich weiterhin so nenne, haben mich schon immer interessiert, nicht zuletzt wegen ihrer Sprache, die keineswegs eine Sinti-und-Roma-Sprache ist und auch nicht unter diesem Namen erforscht worden ist. Warum sollte ich Vorurteile oder überhaupt irgendwelche Urteile über sie haben? Ich habe auch keine gegenüber Juden und Muslimen, Chinesen und Negern. Letztere sind allerdings ein Grenzfall, weil ich praktisch niemanden mehr kenne, der das N-Wort noch so unbefangen und vorurteilslos gebraucht oder hinnimmt, wie es bis vor etwa 30 Jahren der Fall war. Heute zuckt jeder zusammen, und nur deshalb verwende ich es nicht mehr.

Zurück zum Thema: Die vielgescholtene Lügenpresse macht sich selbst zu einer solchen, und die Polizei wird eine Lügenpolizei. Das ist sehr bedauerlich.

Zum Doppelmord von Iserlohn (einer Eifersuchtstat)zahlreiche Zuschriften an die WELT, meist in diesem Stil (unkorrigiert):

Dieses verschweigen von Fakten sagt doch schon alles aus. Nur gut, daß einige zwischen den Zeilen lesen können. Leider noch viel zu wenige, die daraus auch ihr Fazit ziehen bei der nächsten Wahl. Ich wünsche, der AfD viel Erfolg im Osten.

Das ist eben die Unkultur des Verdachts, nun bestätigt durch um sich greifende Sprachregelungen.



Theodor Ickler zu »„Ich habe gemacht ein feines Geschäft“«
Dieser Kommentar wurde am 11.08.2019 um 16.29 Uhr verfaßt.

Treitschke warf Heine sogar vor, er habe wegen seines Judentums kein einziges Trinklied gedichtet und nicht richtig zechen können. Eduard Engel konterte, das könne man auch von Mörike sagen, aber vor allem: Aber Heine hat in der Tat einen der besten Beiträge zur deutschen Kneipseligkeit geliefert: das Gedicht vom Bremer Ratskeller „Im Hafen“ (1826). (Geschichte der deutschen Literatur II:167)


Stefan Stirnemann zu »Die Bessere, Pardon, die bessere Schreibweise«
Dieser Kommentar wurde am 26.06.2019 um 08.13 Uhr verfaßt.

Theo Ickler war so freundlich, mich auf einen Mangel in der Bestandesaufnahme hinzuweisen. Er hat den Blick für schlankes Deutsch, d.h. für die knappe, klare Vollständigkeit der Aussagen. Danke!

„Bei Wendungen aus fremden Sprachen verlangt die Neuregelung das Wissen, ob der zweite Bestandteil ein Substantiv oder Adjektiv sei.“
Nicht nur, es kann auch sonst noch allerlei sein (Condicio sine qua non, Memento mori). Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=828#22825


Tobias Bluhme zu »Die Bessere, Pardon, die bessere Schreibweise«
Dieser Kommentar wurde am 23.06.2019 um 16.39 Uhr verfaßt.

Ein Verlag signiert seine Mails mit dem Vermerk

"Der Text der Mail folgt internationaler deutscher Rechtschreibung."

Was das wohl bedeuten mag...?


Horst Ludwig zu »Die Bessere, Pardon, die bessere Schreibweise«
Dieser Kommentar wurde am 21.06.2019 um 17.35 Uhr verfaßt.

Allerdings hat Spaß auch eine Pluralform. Wie viele Ernste sind aber nötig, um richtig Späße zu machen, frage ich mal zum Spaß, - aber eben auch im Ernst.


Manfred Riemer zu »Die Bessere, Pardon, die bessere Schreibweise«
Dieser Kommentar wurde am 21.06.2019 um 14.47 Uhr verfaßt.

Allerdings kann man auch Spaß machen. Also doch Ernst?
Wo steht es richtig, in der Überschrift oder im Text?


Manfred Riemer zu »Die Bessere, Pardon, die bessere Schreibweise«
Dieser Kommentar wurde am 21.06.2019 um 14.43 Uhr verfaßt.

Bei "tausend Glück" die bekanntere Wendung "tausend Dank" zu Rate ziehen, so ähnlich läßt sich das am heutigen Mannheimer Morgen (Seite 28) demonstrieren.

Eine Überschrift lautet dort: "Spaßtruppe macht Ernst". Bei Ernst/ernst, Angst/angst, Leid/leid usw. hat die Reform viel Unsicherheit und Unsinniges erzeugt. Kein Wunder, daß der MM nun den "Ernst" macht.

Gibt es ähnliche Wendungen? Man sagt z.B., daß jemand "schlapp/schnell/langsam macht". Also ist die Schreibweise klar. Weiter im Text dieses MM-Artikels steht dann auch im Gegensatz zum Titel: "... und machen ernst".


Theodor Ickler zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 28.03.2019 um 06.34 Uhr verfaßt.

Sophie Freud (Im Schatten der Familie Freud. Berlin 2006:46), die in beiden Welten gelebt hat, bemerkt eine Parallele: In Wien und anderswo beschäftigten jüdische Haushalte auch der Mittelschicht christliche (katholische) Dienstmädchen, Kindermädchen, Köchinnen ähnlich wie die weißen Südstaatler in den USA ihr schwarzes Personal. Die jüdischen Kinder schlossen sich oft enger an die katholischen Kindermädchen an als an ihre eigenen, manchmal ziemlich unnahbaren Eltern, ähnlich wie in Amerika an die schwarzen Nannies.
(Solche Verhältnisse waren ja auch der Hintergrund der Affäre Edgardo Mortara.)
Im antiken Griechenland war der Paidagogos, der sicher großen Einfluß auf die ihm anvertrauten Kinder hatte, gewöhnlich ein Sklave. In Indien sind die niederkastigen Ayahs der Oberschichtkinder manchmal Opfer von deren Überlegenheitsdünkel und werden auch sonst wie Sklaven behandelt; es gibt aber auch Ausnahmen, wie seinerzeit in den USA.
Es ist anzunehmen, daß der Rassen- und Kastengeist um so nachdrücklicher eingeschärft wird, je enger man zusammenlebt. Wie stark das den Charakter und die Einstellungen der Erwachsenen prägt, kann man sich denken.


Theodor Ickler zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 19.03.2019 um 09.56 Uhr verfaßt.

Atheisten („Die Säkularen“) dürfen weiterhin keinen Arbeitskreis in der SPD bilden. (Wirtschaftsteil [!] der FAZ 19.3.19) Der Vorstand unterbindet das ziemlich rabiat. Angesichts der Religionszugehörigkeit in der Bevölkerung ist es erstaunlich, daß die sterbende Partei glaubt, sich auch das noch leisten zu können. Arbeitskreise der Christen, Juden und Muslime gibt es dagegen. Interessant ist die Sprache des FAZ-Berichts: Christen, Muslime und jüdische Genossen (...) Arbeitskreise von Christen, Muslimen und Sozialdemokraten jüdischen Glaubens. - Man sieht, wie das Wort Jude vermieden wird.


Theodor Ickler zu »Rechtschreiberat führt neuen Buchstaben ein«
Dieser Kommentar wurde am 10.03.2019 um 10.17 Uhr verfaßt.

Im Online-Duden heute jedenfalls nur noch Yoga, wie vom Rat beschlossen.

Die dankenswerte Zusammenstellung zeigt, daß der Duden die wirklichen Verhältnisse nur unzureichend wiedergegeben hatte.


Wolfram Metz zu »Rechtschreiberat führt neuen Buchstaben ein«
Dieser Kommentar wurde am 09.03.2019 um 23.23 Uhr verfaßt.

(Allem Anschein nach enthält dieser Strang eine frühere Fassung des ZEIT-Artikels, in der fälschlicherweise behauptet wird, die Schreibweise Yoga werde gestrichen und es sei nur noch Joga korrekt. Darauf bezog sich wohl auch die Anmerkung von Herrn Bluhme. In der aktuellen Textfassung unter dem Link ist dieser Fehler korrigiert.)


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