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Theodor Ickler zu »Wieso sind Sprachen schwierig?«
Dieser Kommentar wurde am 29.09.2020 um 07.39 Uhr verfaßt.

Im Reiseteil der Zeitung wird über die Reste von "Unserdeutsch" berichtet, einem Kreol, das in der kurzlebigen Kolonie Deutsch-Neuguinea entstand und heute nur nioch hundert betagte Sprecher haben soll, die meisten inzwischen in Australien.

Als eine Art sprachlicher Widerstand gegen das oktroyierte Deutsch der Missionare entwickelten die Schüler schnell ihre ganz eigene Sprache, die sie „Kaputtene Deutsch“ oder „Falsche Deutsch“ nannten. Eine Sprache, die wie Deutsch anmutete und ohne Prügelstrafe gesprochen werden konnte. In Wirklichkeit ist sie aber eine innovationsreiche Mischsprache, deren Wortschatz zwar überwiegend auf dem Deutsch der Missionare basiert, deren grammatische Struktur aber im örtlichen Tok Pisin verwurzelt ist, das die meisten Kinder von Haus aus sprachen. (FAS 27.9.20)

Sondersprache als stiller Widerstand - das paßt in die heutige Zeit, ist aber für die damalige Entwicklung nicht nachweisbar. Es gibt natürlichere Erklärungen dafür, daß die Schüler, die keine gemeinsame Sprache hatten, auf dem Schulhof nicht die deutsche Schriftsprache benutzten, die sie im Unterricht lernten. Es ist auch nicht sicher, daß die meisten Kinder das englischbasierte, ebenfalls recht junge Tok Pisin als Muttersprache sprachen.


Theodor Ickler zu »Mehr Deutsch wagen«
Dieser Kommentar wurde am 23.07.2020 um 06.09 Uhr verfaßt.

Trumpfen Sturmabteilung (Trump’s Stormtroopers)
by Ron Jacobs, 22.7.2020
(https://www.counterpunch.org/2020/07/22/trumpfen-sturmabteilung-trumps-stormtroopers/)>
(Eine Erinnerung ans Tomanische Anton Hynkels.)


Theodor Ickler zu »Det is ebent so«
Dieser Kommentar wurde am 16.07.2020 um 06.09 Uhr verfaßt.

Spreche ich im Alltag jetzt oder jetz? Ich kann es beim besten Willen nicht sagen. Eigentlich erstaunlich, daß man den unorganischen Zungenlöselaut auch hier angefügt hat – nur um ihn dann der Einfachheit halber wieder wegzulassen.


Theodor Ickler zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 13.07.2020 um 11.21 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=196#10205

Zusammen mit der Mohrenstraße muß natürlich "Onkel Toms Hütte" aus Berlin verschwinden. (An der gleichnamigen Station bin ich oft ausgestiegen, weil meine Schwiegereltern in der Nähe wohnten.)
Harriet Beecher Stowe hat viel für die Sklavenbefreiung getan, aber so klug und vor allem so gut wie wir war sie natürlich nicht, erst recht nicht so aufgeklärt wie unser Robespierre der Sprachtugendhaftigkeit.


Chr. Schaefer zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 04.07.2020 um 03.09 Uhr verfaßt.

Zu dem im allgemeinen sehr interessanten Politik-Podcast "Talking Politics", in dem der Politikwissenschaftsprofessor David Runciman und die Volkswirtschaftsprofessorin Helen Thompson aktuelle und historische Themen mit Gästen diskutieren, war vor kurzem die amerikanische Historikerin Sarah Churchwell eingeladen. Thema der Diskussion war "American Fascism: Then and Now" (https://www.talkingpoliticspodcast.com/blog/2020/252-american-fascism-then-and-now). Frau Churchwell mußte zugeben, daß der Begriff "Faschismus" heutzutage sehr unscharf ist, was sie nicht daran gehindert hat, ihn auf die USA anzuwenden. Dasselbe könnte man über Begriffe wie "Sozialismus" (umfaßt im öffentlichen Diskurs ein Spektrum von der sozialen Marktwirtschaft bis hin zu Stalinismus, Maoismus oder die Roten Khmer), "Liberalismus" (vom Ordoliberalismus deutscher bis hin zum Anarchokapitalismus amerikanischer Prägung während der "Robber Baron"-Ära gegen Ende des 19. Jahrhunderts) sagen.


Eine solche Aufweichung der Begrifflichkeit geschieht meist an den ideologisch extremen Rändern, links wie rechts, und sie hilft, den sachbezogenen Diskurs zugunsten der Rhetorik zurückzudrängen. In der Politik mag das innerhalb gewisser Grenzen legitim sein, aber wenn die Rhetorik Einzug in die Wissenschaft hält, haben wir echte Probleme. Die "Rechtschreibreform" ist nur eines davon.


Mir persönlich graut es vor einer "politisch korrekten" (in welcher Richtung auch immer) Überarbeitung des Jahrhundertwerkes "Geschichtliche Grundbegriffe".


Theodor Ickler zu »Wie korrekt ist „Sinti und Roma“?«
Dieser Kommentar wurde am 14.06.2020 um 17.14 Uhr verfaßt.

Aufgrund des westlichen Einflusses gelten doppelte Lidfalten in vielen ostasiatischen Ländern heutzutage als Schönheitsideal. Europäisches Aussehen wird vielfach bevorzugt, auch soll die doppelte Lidfalte optisch ein größeres Auge erzeugen, der Besitzer soll „freundlicher“ und „wacher“ wirken. Daher werden doppelte Lidfalten oft aufgemalt oder geklebt. Zunehmend werden sie auch durch eine ästhetische Augenoperation verwirklicht. Diese Operation ist heute einer der häufigsten schönheitschirurgischen Eingriffe in Ost- und Südostasien. (Wikipedia Epikanthus, korrigiert)

Praktizierter Rassismus. Man denke auch an die von Schwarzen massenhaft verwendeten Bleichmittel. (Wie die ungeheure Mode- und Kosmetikwerbung praktizierter Antifeminismus ist.)


Germanist zu »Das große ß ist da«
Dieser Kommentar wurde am 07.06.2020 um 01.31 Uhr verfaßt.

Man braucht ja den Platz in der Horizontalen für die Konsonanten- und Vokal-Häufungen, weil das alte lateinische Alphabet nicht alle Laute durch einzelne Buchstaben abbilden kann, z.B. im Französischen und Englischen. (Das kyrillische Alphabet ist jünger und moderner.)


Chr. Schaefer zu »Das große ß ist da«
Dieser Kommentar wurde am 22.05.2020 um 01.19 Uhr verfaßt.

Man muß entscheiden, wo man den meisten Platz einsparen kann, und da sich die Schrift- und Buchkultur des Westens im allgemeinen hin zu einem Hochformat entwickelt hat, spart man eben an der horizontalen Ausdehnung der Glyphen. Nach oben ist einfach mehr Platz.


Stellen Sie sich doch einfach das Gegenteil vor. Es wäre aus gestalterischer und lesetechnischer Sicht ein Debakel.


Theodor Ickler zu »Das große ß ist da«
Dieser Kommentar wurde am 03.05.2020 um 05.33 Uhr verfaßt.

Das leuchtet ein, aber hinzu kommt die einheitliche Stilisierung. Und daß es durchweg bis zur Unleserlichkeit getrieben ist, bleibt paradox. Vielleicht ist eine Mindesthöhe der Buchstaben vorgeschrieben, so daß man eben sn der Breite sparen muß?


Chr. Schaefer zu »Das große ß ist da«
Dieser Kommentar wurde am 03.05.2020 um 00.19 Uhr verfaßt.

Das mit den Filmplakaten läßt sich einfach erklären: Es gibt in der Filmindustrie zwischen den Studios und den verschiedenen Gewerkschaften bzw. Berufsverbänden (Drehbuchautoren, Schauspieler, Regisseure usw.) detailliert ausgehandelte Bestimmungen, wer wo genannt werden muß (z.B. im Vorspann, im Abspann, auf dem Filmplakat). Weil sich anhand dieser Erwähnungen über die Jahre der Marktwert eines Filmschaffenden erhöht, wurden die obligatorischen Namens- und Funktionsnennungen im Laufe der Zeit immer umfangreicher. Das ist im Grunde so ähnlich wie die fragwürdige Methode, wissenschaftliche Leistungsfähigkeit mittels der Zitathäufigkeit zu ermitteln.


Für DVDs und BluRay-Datenträger werden die Filmplakate aus Kostengründen meist einfach herunterskaliert, so daß man erst recht nichts mehr lesen kann.


Theodor Ickler zu »Das große ß ist da«
Dieser Kommentar wurde am 02.05.2020 um 03.47 Uhr verfaßt.

Der Hinweis stand ausdrücklich in einem Text, in den ich dank meiner Tochter (Fachübersetzerin) Einblick nehmen konnte, den ich aber nicht zitieren darf. Wenn ich Näheres herausfinde, werde ich darauf zurückkommen.

Übrigens steht auf Filmplakaten und daher auch auf DVD-Covers bekanntlich eine Unmenge der Titelei (Besetzung, Regie, Musik) durchweg in einer absurd engen Versalienschrift, die man praktisch nicht lesen kann - woher kommt das eigentlich?


Chr. Schaefer zu »Das große ß ist da«
Dieser Kommentar wurde am 02.05.2020 um 02.06 Uhr verfaßt.

Welche Staaten sind das denn? Wenn es sie tatsächlich geben sollte, dann sind es wohl solche, in denen Großkonzern- und Anwaltslobbies solche Vorschriften durchgesetzt haben, vermutlich, nachdem das buchstäbliche Kleingedruckte, das man ohne Lupe kaum lesen kann, per Gerichtsbeschluß oder Gesetz für illegal erklärt wurde.


Die durchgehende Verwendung von Versalien in nichtproportionalen Schriften ist für Unternehmen die nächstbeste Methode, um Kunden vom Lesen der Lizenzbedingungen und Haftungsausschlüsse abzuhalten. Die Software-Industrie praktiziert dies seit Jahrzehnten, und das böse Erwachen erfolgt beim Kunden erst im Schadensfall.


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