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Blüthen der Thorheit

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01.07.2005
 

Beamtendeutsch

Die Sprache sollte nicht nur vor der Politik, sondern vor jeglicher Verwaltung überhaupt in Sicherheit gebracht werden.

Für das vertrackte Verhältnis, das unsere Beamten auch ohne die leidige Rechtschreibreform mit ihr haben, hat die Branchenzeitschrift »Buchmarkt« einige beeindruckende Beispiele entdeckt.




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Kommentare zu »Beamtendeutsch«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2013 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=63#1035

Noch zu "Lachkrampf":

Eigentlich sollte die Ausmalung ewiger Höllenqualen uns ja erschüttern, stattdessen reizt sie die Lachmuskeln, so etwa eine Stelle aus Joyce (Portrait), die auch Skinner in Verbal Behavior zitiert:

“What must it be, then, to bear the manifold tortures of hell forever? Forever! For all eternity! Not for a year or an age but forever. Try to imagine the awful meaning of this. You have often seen the sand on the seashore. How fine are its tiny grains! And how many of those tiny grains go to make up the small handful which a child grasps in its play. Now imagine a mountain of that sand, a million miles high, reaching from the earth to the farthest heavens, and a million miles broad, extending to remotest space, and a million miles in thickness, and imagine such an enormous mass of countless particles of sand multiplied as often as there are leaves in the forest, drops of water in the mighty ocean, feathers on birds, scales on fish, hairs on animals, atoms in the vast expanse of air. And imagine that at the end of every million years a little bird came to that mountain and carried away in its beak a tiny grain of that sand. How many millions upon millions of centuries would pass before that bird had carried away even a square foot of that mountain, how many eons upon eons of ages before it had carried away all. Yet at the end of that immense stretch time not even one instant of eternity could be said to have ended. At the end of all those billions and trillions of years eternity would have scarcely begun. And if that mountain rose again after it had been carried all away again grain by grain, and if it so rose and sank as many times as there are stars in the sky, atoms in the air, drops of water in the sea, leaves on the trees, feathers upon birds, scales upon fish, hairs upon animals – at the end of all those innumerable risings and sinkings of that immeasurably vast mountain not even one single instant of eternity could be said to have ended; even then, at the end of such a period, after that eon of time, the mere thought of which makes our very brain reel dizzily, eternity would have scarcely begun.”

Ein bißchen ähnlich ging es mir heute morgen, als ich las, daß der neue Berliner Flughafen wahrscheinlich 40.000 Baumängel aufweist. (In der Zeitung wird heute das Lob des alten Flughafens Tegel gesungen, der treu und brav seine Pflicht tut.)

Warum jenes Schwelgen in großen Zahlen auf mich so unwiderstehlich komisch wirkt, habe ich leider nicht herausgefunden.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.01.2013 um 21.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=63#1023

Nein, weil man dort weiß, daß es wahrscheinlicher ist, daß das Vereinigte Königreich auseinanderfällt, als daß es zuvor noch aus der EU austritt.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2013 um 19.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=63#1022

Wie es der Zufall will, erinnert die FAS gerade heute an die EU-Porreeverordnung, über die sich Enzensberger lustig zu machen pflegt. Es gibt solche Festlegungen ja für jedes erdenkliche Gemüse und Obst.

Zum ersten Kennenlernen ist vielleicht das folgende geeignet:

http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:92002E1117:DE:HTML

Das meiste, was wir von unseren Bauern kaufen, ist von Rechts wegen gar nicht "marktfähig", schmeckt aber trotzdem, sogar ganz besonders. Auch das Auge erholt sich von der Eintönigkeit der regulierten Märkte.

Ob England einen heilsamen Schock durch die Brüsseler Bürokratie sendet?

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.01.2013 um 12.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=63#1021

Orangenmarmelade darf auch offiziell so heißen, Erdbeermarmelade nicht. Die vorgeschriebene Unterscheidung entspricht der im Englischen auch alltagssprachlichen zwischen marmelade und jam. Andererseits darf ginger jam nicht so und auch nicht ginger marmelade heißen, sondern muß als preserve angeboten werden, da es sich nicht um einen Frucht[brot]aufstrich handelt.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2013 um 19.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=63#1020

Manche Texte sind eigentlich gar nicht komisch, und trotzdem muß ich gegen einen Lachkrampf ankämpfen, wenn ich sie lese:

Nach der Konfitürenverordnung muss Hagebuttenmark in der EU heute in der Regel als „Hagebuttenkonfitüre extra“ bezeichnet werden, eigentlich sogar nur „Konfitüre einfach“. Da jedoch das Hagebuttenmark mit Kernen (Konfitüre extra) ungenießbar ist, gilt hier die Sonderbestimmung, dass das Hagebuttenmark (ohne Kerne) als „Konfitüre extra“ bezeichnet werden darf. Wird das Hagebuttenmark im Rohverfahren (siehe bei Herstellung Ziffer 2) hergestellt, kann es sein, dass das Hagebuttenmark nicht als Konfitüre extra bezeichnet werden darf, da dann die erforderliche Trockenmasse von 60 %, wie in der Konfitüren-Verordnung vorgeschrieben, nicht erreicht wird (da das Wasser nicht herausgekocht werden kann). (Wiki „Hagebuttenmark“)

Ich bin auf dieses Stichwort gestoßen, als ich gerade einen guten fränkischen Krapfen aß, der mit Hiffenmark gefüllt war. Anderswo füllt man sie z. B. mit Pflaumenmus, wir haben sie als Kinder auch mit Marmeladenfüllung gekannt, aber die selbstgemachten waren ungefüllt.

Ich muß noch hinzufügen, daß das Einkochen verschiedener Marmeladen (die alle nicht mehr so heißen dürfen, wenn sie in den Handel kommen) früher ja allgemein üblich war. Wir haben alles verwertet, was da wuchs oder herunterfiel, auch Hagebutten. Ich glaube, dieser Hintergrund ist es, der mich nun so eine absurde Freude an den Ausgeburten von Bürokratenhirnen empfinden läßt. (Wie damals den Minister mit seinem Bündnerfleisch-Anfall!)

 

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