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Blüthen der Thorheit

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29.04.2005
 

Adreßfeldalarm
Die neue DIN 5008 ist da

»Anschriften auf Postsendungen«, meint der aktuelle Duden auf S. 89, »werden durch Leerzeilen gegliedert«. Er muß schon wieder umgeschrieben werden. Die DIN 5008, auf die er sich hier beruft, gilt ab dem 1. 5. so nicht mehr.

»Ohne Leerzeile

In einer Woche ist Schluß mit luftig auf deutschen Briefen. Bislang war es guter Brauch, im Adreßfeld zwischen der Straße und dem Ort ein wenig freien Platz zu lassen. Sah schön aufgeräumt aus. Vom 1. Mai an gelten neue Regeln. Und die besagen: Weg mit der Leerzeile.

Sie wollen sich nicht daran halten? Das alte Layout gefällt Ihnen besser? Und überhaupt sei es Ihre Sache, wie Sie Ihre Korrespondenz beschriften? Vorsicht. Nicht umsonst existiert in Deutschland die DIN 5008 ("Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung"). Wer sich daran nicht hält, den stuft der Geschäftspartner leicht als unprofessionell ein.

Sagen jedenfalls die Experten. Und werden aktiv. Der Haufe-Verlag wirbt ganz eifrig für seinen Newsletter "sekretaria Korrespondenz-Experte" ("informiert jeden Monat über die aktuellen Änderungen und Tendenzen der DIN 5008"). Und der Berliner Beuth-Verlag offeriert zum freudigen Anlaß für preisgünstige zwölf Euro einen Sonderdruck der DIN 5008. Ganz zu schweigen vom Bundesverwaltungsamt, dessen Mitarbeiter schon im Juli 2004 eindringlich auf den Änderungsbedarf hingewiesen haben.

Ja, es tut sich etwas in Deutschland. Der Reformwille ist spürbar. An der erfolgreichen Leerzeilen-Reform waren schließlich "alle Interessengruppen" beteiligt, weiß man im Bundesverwaltungsamt. Und Arbeitsplätze schafft das neue Regelwerk auch noch. Wie wäre es, in fünf Jahren ganz ernsthaft über die Wiedereinführung der Leerzeile nachzudenken? tih.«


( Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.04.2005, Nr. 16 / Seite 35 )




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Kommentare zu »Die neue DIN 5008 ist da«
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 12.05.2005 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#88

Ich möchte noch mehr als zuvor betonen, daß ich mit Herrn Markner im Grunde einig bin: Verkleinerte Wortabstände innerhalb des Datums sind oder wären für die meisten Texte das typographische Optimum. Sie sind gute professionelle Tradition. Ich habe mich auf die Frage konzentriert, was man als Norm für jene Schreiber formulieren kann und sollte, die nur "Abstand oder nicht" wählen können oder wollen. Hier habe ich festgestellt, daß sich immer mehr der Standard "ohne Abstand" durchsetzt: auch innerhalb von normalen Texten, auch im professionellen Bereich, trotz Proportionalschriften. Ich versuche zu verstehen, warum sich diese Entwicklung immer mehr ausbreitet – nachträglich. Ich verändere nicht aktiv die Schreibweisen in diese Richtung. Ich verzichte nur als Korrektor darauf, beim Datum schöne kleine Abstände einfügen zu lassen. Das wäre ein uferloser und aussichtsloser Kampf in meinem Wirkungskreis.

Ich habe seit vielen Jahren diese Norm "ohne Abstände" angewendet und nie eine Beschwerde erhalten. Nur ein einziger Setzer (um den traditionellen Begriff zu wählen) wendet immer Teilabstände an, nach meinem Geschmack sehr großzügig bemessene. Er hat eine Bibliothek über Typographie zu Hause und kennt die Werke von Friedrich Forssmann vorwärts und rückwärts. Seine Gestaltung lasse ich natürlich unangetastet.

Ich habe gestern in einer Buchhandlung eine Stunde lang geblättert, um den Stand in Büchern zu eruieren. Tatsächlich werden Abstände im Datum noch überwiegend gesetzt, mehr als ich gedacht hätte, und ich gebe zu: Das sieht deutlich besser aus, wenn man genau hinsieht. Teils recht enge (wie ich sie wählen würde), teils großzügige (wie sie Herr Markner setzen würde). Gar nicht gesehen habe ich aber eine "Aufrundung" auf ganze, normale Wortabstände, die etwa im Blocksatz mitgedehnt werden.

Doch die gute alte Norm ist auf dem Rückzug, auch das konnte ich bestätigt sehen. Teilweise habe ich in denselben Büchern Datum abwechselnd mit und ohne Abstände gesehen. Darunter auch in einem allgemeinbildenden Werk aus dem Haus Duden, in einer Sammlung von Abituraufgaben (Bayern, Fach Wirtschaft) oder in einer Jahreschronik. Im letzteren Werk war es zum Beispiel so, daß die Datumsangaben kleine Abstände hatten, wenn sie die Überschriften waren. Wenn sie in den Texten zu Verweiszwecken auftauchten, hatten sie keine Abstände.

Man sieht, wie schwer es sogar den korrekten und mit Datumsangaben ständig befaßten Verlagen fällt, diese konsequent mit Abständen zu schreiben. Der spontane Schreibvorgang wird immer mehr in Richtung "ohne Abstand" gehen, zumal E-Mail und Internet einen ungeheuren Druck in diese Richtung ausüben. Deshalb sehe ich es als gerechtfertigt und realistisch an, "ohne Abstand" als Norm für das ganz normale Schreiber schon heute festzuhalten, wofür sich auch theoretische Erwägungen anführen lassen. Von dort ausgehend, stellt sich eine eventuelle Aufbereitung durch einen sehr guten Setzer dann natürlich als "Einfügung" von Abständen dar. Ich habe damit aus meiner Sicht einfach den heute üblichen Normalfall beschrieben.

Davon getrennt zu sehen ist die Praxis im Feld der hohen typographischen Kultur und Profession, mit der ich eigentlich selbst gar nichts zu tun habe und bei der ich Herrn Markner, wie schon gesagt, auch gar nicht widerspreche.

 

Kommentar von Bernhard Schühly, verfaßt am 11.05.2005 um 23.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#85

Ich glaube, es hängt auch von der Schrifttype selber ab. Ich z.B. nütze die Möglichkeiten der Formatierung am Computer oft aus und finde dabei immer wieder Schriften, bei denen eine Lücke ein unakzeptables Loch ergäbe, sowie andere, die eines zusätzlichen Abstandes bedürfen. Im allgemeinen bildet der Punkt selber aber schon die Trennung, da er bei fast allen Typen näher am vorhergehenden Zeichen sitzt als am darauffolgenden.

Die Argumentation muß aber auch von der Sprache aus geführt werden:
Wenn geschrieben steht:
"Am 9.11.'98 fiel die Mauer"
dann lesen wir:
"Am Neunten Elften Neunundachzig fiel die Mauer".
Steht aber:
"Am 9. November 1989 fiel die Mauer",
so lesen wir:
"Am neunten November Neunzehnhundertneunundachzig fiel die Mauer".
Und das nehmen wir auch so auf, egal ob wir den Text laut vortragen oder nicht.
Steht dagegen etwas vom "1.3." oder "5.5." geschrieben, so wird man das viel schneller in "Erster März" und "Fünfter Mai" übertragen. Erstens aus Sprachökonomie, da diese Monatsnamen viel kürzer – kürzer als ihre Ordinalzal – sind, und im zweiten Fall kommt noch die Vermeidung der Wortverdopplung hinzu.
Wir sind also nicht festgelegt auf eine bestimmte, "richtige" Lese-, Sprech- oder Schreibweise, und DUDEN & CO sollten es bitteschön auch dabei belassen!

 

Kommentar von Fritz Koch, verfaßt am 11.05.2005 um 21.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#84

Ganz allgemein, also auch in übertragener Bedeutung, gilt:
Auf führende Nullen kann verzichtet werden.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.05.2005 um 13.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#79

Ich sprach von »fortschreitend technizistische[r] Notierung«, das ist etwas anderes als »Abkürzung«. Wenn im Resultat vom »Ersten Fünneften« gesprochen wird, ist das folgerichtig. Etwas häßlich ist es aber auch.

Man sollte in jedem Fall den guten typographischen Usus, genau wie den guten orthographischen Usus, zunächst einmal zu verstehen suchen, bevor man sich daranmacht, ihn aufgrund abstrakter Überlegungen zu reformieren. In diesem Sinne geht die Frage Was soll es denn bringen, das Datum mit Abständen zu versehen, wenn direkt daneben die Uhrzeiten ohne solche Abstände geschrieben werden? von der falschen Voraussetzung aus, daß die Abstände nachträglich hinzugefügt werden müßten. So stellt es sich in der beruflichen Praxis von Herrn Wrase dar, aber bezogen auf den guten typographischen Usus geht es umgekehrt darum, ob die Abstände wegfallen oder ob redundante Nullen hinzugefügt werden sollen. Dafür sehe ich keinen zureichenden Grund.

 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 09.05.2005 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#77

Zum Thema Datumsschreibweise: In den von Herrn Wrase dargestellten "tabellarischen" und "kalendarischen" Fällen sollte man sicher salomonisch korrigieren, damit das Gesamtbild nicht verwirrend wird. Aber ich sehe schon einen Unterschied zwischen der – auch von ihm erwähnten – Schreibweise im blauen Balken über diesen Kommentaren und einem Datum in einem fortlaufenden Text. In der "bürokratischen" Schreibweise werden ja auch Nullen eingefügt, damit Tag und Monat zweistellig sind. So mag auf der Eintrittskarte stehen 01.05., aber wenn später darüber berichtet wird, sollte es heißen: Die Gartenschau wurde am
1. 5. eröffnet. Ich fände es auch sehr befremdlich, wenn z. B. in einem Buchklappentext stünde: Der Autor wurde am
2.3.1964 geboren (statt 2. 3. 1964). Wer würde denn da so schreiben, wie er seine Steuerklärung ausfüllt: 02.03.1964?
Auch handschriftlich macht man beim Datum ohne Nullen Zwischenräume. Wie gesagt, ich rede von fortlaufendem Text, nicht von Fahrplänen, Tabellen, Formeln oder dergleichen.

 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 09.05.2005 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#76

01.05. ist nicht der 1. Mai
und andere Nachbetrachtungen


Ich bin gestern von einem verehrten Schriftsetzer der alten Schule privat angeschrieben worden mit der Botschaft, bis auf wenige Ausnahmen wie dem von mir angeführten 27. 11. 1. Advent sei doch bitte ein ordentlicher Abstand in das Datum einzufügen. Ich will hier antworten.

Ich sehe es umgekehrt: Bis auf wenige Ausnahmen halte ich das für veraltet, unbrauchbar, unrealistisch. Zunächst einmal ist der 01.05. nicht eine Art "Abkürzung" für 1. Mai, wie von Herrn Markner dargestellt, sondern es ist, was man liest: der Erste Fünfte. Das sind Zahlen (in diesem Fall Ordnungszahlen). Der systematische Ort dieser Schreibweise ist nicht Wörter wie "Mai", sondern etwa die Uhrzeitschreibweise 9.01 [Uhr] oder 09:01 oder 09.01:00 usw. Selbstverständlich schreibt man dies ohne Abstände bei der Gliederung, denn das gehört wiederum in den Bereich der Zahlengliederung entsprechend 0,34 [kg], 20.50 [€] usw. Die Zeit des Jahres wird nur nicht dezimal gegliedert, sondern in 12 Monate x (ca.) 30 Tage und dann in 24 Stunden x 60 Minuten. Das Prinzip ist dasselbe, so daß man selbstverständlich, jedenfalls im Bereich der Zahlen und Daten, wo das Ganze hingehört, zur Schreibweise ohne Abstand gelangt. Der Engländer schreibt auch nicht C O2 oder – noch "logischer" – C 2O, nur weil das ausgeschrieben carbon dioxide wäre (ein ähnlicher Bereich). Er schreibt nicht 2 00 nur wegen two hundred usw.

Was soll es denn bringen, das Datum mit Abständen zu versehen, wenn direkt daneben die Uhrzeiten ohne solche Abstände geschrieben werden? Hier würde man ständig Ungleichschreibung erzeugen. Man kann die Uhrzeitschreibung auch gar nicht anpassen, denn bei der Punktschreibung hätte man ja dann die Stundenzahl als Ordnungszahl präsentiert, und bei Doppelpunktschreibung müßte man den Doppelpunkt optisch in die Mitte setzen, was wiederum anders aussähe als beim Datum. Das ist alles Unsinn.

Wo sehen wir heute die meisten Datumsangaben? Zuhauf in unseren E-Mail-Verzeichnissen, Datum und Uhrzeit nebeneinander, ohne Spationierungen natürlich. Dasselbe im Internet bei den Zeitmarkierungen von Beiträgen und Artikeln. Oder in Verstaltungsprogrammen, bei Verzeichnissen von Terminen. Wo sieht man da Abstände im Datum? Stört das irgendjemanden, daß da keine sind? Wenn ja, ist darin die absolute Ausnahme zu sehen. Und der Standard spricht irgendwann auch für sich selbst.

Schließlich muß man bedenken, was für ein enormer Aufwand es wäre, wenn man ständig Datumsangaben mit kleinen Abständen zu versehen hätte. Undenkbar! Sekretärinnen und Sachbearbeiter sowie alle möglichen sonstigen Schreiber haben Wichtigeres zu tun; im professionellen Bereiche entstehen Zeitungen, Zeitschriften, Bücher unter hohem Zeit- und Kostendruck. Man würde gegen die Interessen der Firma arbeiten, wenn man sich mich solchen privaten Liebhabereien aufhält.

Das heißt, wer die semantische Parallele zwischen 1.5. und 1. Mai würdigen will, obwohl Zahlenformeln und Wörter nun einmal einer verschiedenen Schreibweise angehören, der kann es ja tun. Standard könnte es höchstens im bibliophilen Bereich bleiben, wo 1. Mai sowieso meistens angemessener ist. Ich empfehle aus diesen Gründen, dieses Feld kampflos der Realität zu überlassen.

Man muß außerdem, wie in meinem letzten Beitrag schon angedeutet, heute schon froh sein, wenn ein Grafiker überhaupt den Unterschied zwischen einem Gedankenstrich und einem Bindestrich kennt, und kann sich glücklich schätzen, wenn er überwiegend die richtige Wahl trifft. Die meisten, scheint mir, wissen beispielsweise über Akzente und Apostrophe nur, daß das "irgendwas oben" ist, und entsprechend sehen die Texte aus: McDonald`s oder McDonald´s oder McDonald `s oder McDonald ´s usw. Mit schönen Abständen beim Datum braucht man da nicht anzufangen.

 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 08.05.2005 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#74

Harmonie.

Ich sage ja selbst, daß im Entscheidungsfall ganze Abstände in z. B. oder vor % et cetera hineingehören. Ein großer Teil meines Arbeitslebens besteht daraus, diese Abstände anzumahnen und, sofern bzw. sobald sie vorhanden sind, die Verkleinerung auf die optimale Größe durchzusetzen. Ich sage es den Reinzeichnern hundertmal, aber viele von ihnen bringen mir jedesmal die Texte mit zusammengequetschten z.B. und u.a. und so weiter. Ich lasse nicht locker und bestehe auf Professonalität. Des weiteren muß ich jeden Tag dafür sorgen, daß Apostrophe nicht um 180 Grad gedreht bleiben oder irgendwelche links- oder rechtsgeneigten oder senkrechten oder sonstigen Akzentzeichen an ihrer Stelle stehen bleiben. Ich sorge wie der Blöde die ganze Zeit für die ordnungsgemäße Verlängerung von ordinären kurzen Bindestrichen, die an Stelle von Gedankenstrichen oder von Strichen für minus, für bis (bei Zeiträumen), für gegen (beim Sport), für nach (bei Strecken) oder für "fehlt" (in Tabellenfeldern) gesetzt worden sind und oft sogar die DTP-Abteilung in dieser laienhaften Form durchlaufen haben. Meine ständigen Kommentare lauten "bitte länger", "enger", "bißchen Luft rein", "prüfe Abstand". Kein Thema.

Beim Datum ist es aber anders. Hier lasse ich die Leute in Frieden, sonst würden sie mich lynchen bzw. dafür sorgen, daß die Geschäftsbeziehung rasch zu Ende geht. Es gibt nämlich auch DTP-Grafiker oder Reinzeicher (oder wie immer sie sich nennen) von der alten Schule, die all das zu 99 Prozent schon ideal vorbereiten, so daß ich mich nur noch um das Übersehene kümmern muß. Aber auch von denen lassen die meisten das Datum praktisch immer ohne Spationierung, ohne kleine Leerräume – trotz Proportionalschriften. Und da fange ich bei allem Respekt vor der alten Schule als solcher nicht damit an, daß hier auch noch gefeilt werden müsse.

Das Thema war ja: Im Entscheidungsfall Leerschritte beim Datum oder nicht? Ich meine, daß es beim Datum, und fast nur hier, kein Unglück ist, daß nur noch die letzten Mohikaner die Leerschritte verteidigen möchten. Wobei mich ihr Bemühen dauert, denn ich bin ja in den anderen Fällen auch so ein Mohikaner h. c. (ohne Schriftsetzer-Ausbildung).

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.05.2005 um 12.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#73

Das Beispiel z.B. (diese Zusammenquetschung ist sehr verbreitet) zeigt, daß mein Hinweis auf die unmögliche Schreibung 1.Mai2005 nicht ganz verfehlt sein kann. Man schreibt eben nicht zumBeispiel, und das spricht gegen z.B.

Die heutige Computerschreiberei ist gerade nicht eine Fortsetzung der Maschineschreiberei, sondern eine unvollkommene Annäherung an den professionellen Satz, weil Proportionalschriften zur Verfügung stehen, nicht aber Tastaturen mit Gedankenstrichen, Viertelgevierten usw. Das ist die Quelle für alle typographischen Mißlichkeiten unserer Tage.

 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 08.05.2005 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#72

Und ohne "Typographie", beim ganz normalen Schreiben?

Was das Optimum und die Meisterschaft Friedrich Forssmanns betrifft, bin ich mich mit Herrn Markner bestimmt einig. Ich dachte nur, es gehe hier um die Frage, ob man nun einen (ganzen) Abstand setzen soll oder keinen Abstand, wenn man, so wie hier im Internet, sozusagen in die Zeit des Maschineschreibens zurückversetzt ist. Vgl. den Beitrag von Herrn Markner vom 1.5., wo geschrieben steht, nur 1. 5. sei richtig, man schreibe ja auch nicht 1.Mai; von typographischer Feinarbeit mit Bruchteilen von Leerschritten war da nicht die Rede. Was macht man also, wenn man nicht mit typographischer Schönheit glänzen kann oder wenn man als Normalmensch keine Lust und keine Zeit hat, an jeder Datumsangabe meisterhaft zu feilen? Das dürfte in mehr als 99,9 Prozent der entsprechenden Schreibvorgänge zutreffen.

Es war – das ist richtig – also schon immer guter professioneller Brauch, kleine Abstände in die Datumsangabe einzufügen (angeblich vor einer vierstellig geschriebenen Jahreszahl sogar einen ganzen Abstand, was ich persönlich für unausgewogen und unzweckmäßig halte). So stand es und steht es auch in den Duden-Richtlinien zum "Schriftsatz" bzw. seit Ausgabe 2000 zur "Textverarbeitung" und im Regelteil selbst. Was aber steht in den Hinweisen für das Maschinenschreiben bzw. neuerdings im Abschnitt "Maschinenschreiben und E-Mails"? Da geht es ja gerade um die Frage: Im Zweifelsfall den kleinen Abstand aufrunden oder abrunden, Abstand oder nicht? (Ich hatte dies in meiner letzten Mail selbst nicht exakt wiedergegeben.)

In allen anderen Fällen von typographischem, kleinem Abstand handelt es sich um einen ursprünglichen Leerschritt, der optimalerweise verkleinert werden kann: Beim Maschineschreiben bzw. in E-Mails solle man zum Beispiel bei mehrteiligen Abkürzungen (z. B. oder u. a.), vor Prozentzeichen (41 %), nach Paragraphzeichen (§ 3) und in ähnlichen Fällen einen Leerschritt setzen. So machen es auch professionelle Schreiber. Nicht aber beim Datum, hier hieß es und heißt es im Abschnitt "Maschinenschreiben und E-Mails": "Das nur in Zahlen angegebene Datum wird im allgemeinen ohne Leerschritte nur durch Punkte gegliedert."

So ist es seit langem guter Brauch, wie ich meine, unter anderem, um Leseschwierigkeiten beim Kontakt von Datums- und Zahlenangaben zu vermeiden, wie sie etwa in der Geschäftswelt sich sonst häufen würden. Von der überwältigenden Einigkeit in dieser Frage kann man sich zum Beispiel bei Google überzeugen. Auch hier muß man nur in den hellblauen Balken blicken, der über jedem Beitrag erscheint, um das Übliche zu sehen.

 

Kommentar von Thomas Bliesener, verfaßt am 07.05.2005 um 22.00 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#70

Das Format Jahr-Monat-Tag ist aufgrund der Bindestriche eindeutig. Deshalb wurden sie auch als Trennzeichen gewählt. Das US-amerikanische Datumsformat dagegen nutzt den Schrägstrich zum Trennen von Monat und Tag. Die beiden sind wohl kaum miteinander zu verwechseln.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.05.2005 um 13.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#68

Ich hatte nicht die Absicht, theoretische Überlegungen anzustellen. Abstände zwischen den Datumszahlen sind der gute typographische Usus seit jeher. Wer sie abschaffen will, handelt als Typographiereformer. Zu denen möchte ich nicht gerechnet werden; dann schon lieber zu den Höchstleistungstypographen, auch wenn es noch nicht zur Anschaffung von Friedrich Forssmans Detailtypographie gereicht hat.

 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.05.2005 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#67

Daß Abstände in Datumsangaben wie 1.1.2005 oder 01.01.2005 zu setzen seien, ist einer der äußerst raren Punkte, bei denen Herr Markner auf dem Holzweg ist. Auch ich meinte am Anfang meiner Tätigkeit als Korrektor, Abstände seien aus Gründen der Logik bzw. der Analogie unverzichtbar. Ich fand 1.1.2005 ohne Abstände sogar derart unangebracht, daß ich damals bei der Duden-Redaktion anrief und mich beschwerte. Vielleicht redet der Duden deshalb in jüngeren Ausgaben von einer Kombination aus halbem und ganzem Abstand? Seither habe ich jedenfalls viele tausend Datumsangaben bewußt angesehen und festgestellt, daß keine Abstände besser sind. (Ideal wären vielleicht kleine Abstände, aber das kommt im zweiten Schritt für Höchstleistungstypographen, die viel Zeit für solche Dinge übrig haben.)

Unter anderem korrigiere ich jede Menge Kalender, davon die meisten auf dem Dezember-Blatt mit der Zeile (Beispiel für 2005):

27.11. 1. Advent, 4.12. 2. Advent, 11.12. 3. Advent, 18.12. 4. Advent ... 31.12. Silvester

Bei Herrn Markners und Frau von Thiels Vorgabe würde das so aussehen:

27. 11. 1. Advent, 4. 12. 2. Advent, 11. 12. 3. Advent, 18. 12. 4. Advent ... 31. 12. Silvester

Wer viel mit Daten und Zahlen zu tun hat (zum Beispiel auch in Geschäftsberichten), der läßt sich überzeugen, daß Abstände hier in die Irre führen. Das Datum muß kompakt bleiben, sonst häufen sich die Zumutungen für den Leser.

Es ist, wie bei der ganzen Rechtschreibreform, ein Beispiel dafür, daß Überlegungen, die theoretisch auf den ersten Blick einleuchten können, in der Praxis zu erheblichen Verschlechterungen führen, jedenfalls wenn man die Bedürfnisse des Lesers zum Maßstab nimmt.

 

Kommentar von Bernhard Schühly, verfaßt am 03.05.2005 um 20.15 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#64

Man kommt sich vor wie bei der Haute Couture in Paris: Da wird einem auch von einer fast verrückten Elite immer neu gesagt, was denn nun dieses Jahr "die Norm" ist – bloß tragen kann (und will) – sie niemand. Aber Geld wird trotzdem mächtig gemacht...

 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 03.05.2005 um 18.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#63

Ich möchte noch einmal auf das Schreiben eines Datums zurückkommen. Es besteht und bestand eine Divergenz zwischen den Vorschriften für den Schriftsatz (1. 3. 1990) und den Vorschriften für das Maschinenschreiben (01.03.1990), mal ganz abgesehen von der neueren Unsitte des "Datumverzwirbelns" beim Maschinenschreiben/Computer.
Als Korrektor eines Buches oder einer Zeitschrift würde ich die Schreibweise 04.05.2005 nicht tolerieren. Schöner wäre natürlich sowieso "4. Mai".

 

Kommentar von TP, verfaßt am 02.05.2005 um 16.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#62

Stellt die Post dann nicht mehr zu, wenn eine Leerzeile gesetzt wird? Werden alte Briefe ungültig? Fragen über Fragen.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.05.2005 um 14.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#61

Die Ersetzung der Monatsnamen durch Ziffern ist noch nicht alt, ähnlich wie die 24-Stunden-Zählung. Es handelt sich um eine fortschreitend technizistische Notierung, vom 1. Mai 2005 über den 1. 5. 2005, den 1.5.2005 und den 01.05.2005 zu 2005-05-01.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2005 um 08.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#60

Ich schwanke immer wieder mal. Die Analogie von Herrn Markner ist nicht ganz überzeugend. Zwischen Ziffern sieht der Leerschritt unästhetisch übertrieben aus. Es gibt auch halbe Leertastenschritte, ich habe aber vergessen, wie man sie erzeugt.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.05.2005 um 21.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#59

Ist ja beruhigend. Typographisch richtig ist allerdings nur 1. 5. 2005. Man schreibt ja schließlich auch nicht 1.Mai2005.

 

Kommentar von Konrad Schultz, verfaßt am 01.05.2005 um 18.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#58

Neben 2005-05-01 geht auch 1. Mai 2005 oder, wenn keine Mißverständnisse zu befürchten sind, 1.5.2005. Der Normenausschuß hatte nach diversen Einsprüchen nachgegeben.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2005 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#56

Es geht hier nicht nur um wirkliche und eingebildete Erfordernisse einer technisierten Kommunikation, vergleichbar der ja ganz angenehmen Industrienorm bei Steckdosen, Schraubgewinden usw. Immer mehr Bereiche der Allgemeinsprache werden von der Fachsprache erobert und diszipliniert (das ist übrigens das Thema meines Buches "Die Disziplinierung der Sprache", für das ich somit Schleichwerbung betreibe). Natürlich wäre das nicht möglich, wenn nicht der Alltagsmensch bereit und willens wäre, die Normierung auf sich zu beziehen. In diesem Sinne glauben ja auch viele, sie müßten sich der amtlichen Rechtschreibnorm fügen (– oder der Political correctness). Gerade in diesen Tagen tönt und strahlt es ja von allen Seiten auf uns ein: Am 1. August wird die Rechtschreibreform FÜR JEDEN VERBINDLICH! Die Muttersprache ist nicht mehr Eigentum des souveränen Sprechers, der sich allenfalls von Dichtern, sonst aber nur von der ungeschriebenen Norm des sprachlichen Benehmens leiten ließ. Dadurch haben nun einzelne oder Interessengruppen die Möglichkeit, uns sprachlich auf Linie zu bringen – ihre Linie natürlich.

 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 29.04.2005 um 17.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=51#55

Noch viel blöder ist die DIN-Norm ("gilt" wohl schon länger), die vorschreibt, das Datum in der Reihenfolge Jahr-Monat-Tag zu schreiben. Wenn ich derartige Briefe bekomme, muß ich immer erst raten, von wann dieser Brief denn nun ist. Schön, wenn der Tag dann eine Zahl größer als 12 ist. Dann kann ich ja "kombinieren", daß der Brief wohl nicht am 3. 29. 2004 geschrieben wurde. Bei kleineren Zahlen ist aber die Verwirrung groß. Eine Zeitlang rätselte ich auch in der Buchhandlung, was wohl die ganzen Neun-Elftel-Bücher zu bedeuten haben: 11. September!

 

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