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Blüthen der Thorheit

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13.10.2012
 

Flurnamen vs. Eigennamen
Karlsruher Straßennamen bald nach neuer Rechtschreibung

Der Karlsruher Gemeinderat hat per Offenlage am 2. und 4. Oktober der Anpassung von Straßennamen an die neue Rechtschreibung zugestimmt. Dabei geht es vor allem um die Verwendung von "ß" und "ss". Das teilt die Stadt Karlsruhe mit.

Die Regelung besagt, dass für den stimmlosen s-Laut nach langem Vokal oder Doppellaut "ß" zu schreiben ist, für den stimmlosen s-Laut nach kurzem Vokal hingegen "ss". Personen- und Städtenamen werden dabei laut Pressemitteilung als Eigennamen betrachtet und deshalb nicht geändert, wie beispielsweise die Roßwagstraße in Grötzingen.

Der Straßenname geht auf ein altes Grafengeschlecht aus dem 13. und 14. Jahrhundert zurück. Im 17. Jahrhundert taucht der Name auch als Familienname auf. Bei Flurnamen handelt es sich jedoch nicht um Eigennamen. Deshalb heißt es nun auch "Oberrossweide" (Beiertheim-Bulach) oder "An der Rossweid" (Grötzingen).

Um Flurnamen geht es zwar auch bei den Straßenbezeichnungen "Lußsteige", "Lußstraße " und "Unterer Lußweg" in Durlach. Aber "Luß" hat seinen Ursprung im Wort "Los", wird als langer Vokal ausgesprochen und deshalb nicht geändert.

Die Änderung betrifft folgende Straßen:
Am Rüppurrer Schloss (Rüppurr)
An der Rossweid (Grötzingen)
Auf dem Schlössle (Durlach)
Breite Gass (Durlach)
Im Gässle (Grötzingen)
Lange Gass (Durlach)
Messplatz (Oststadt)
Nussbaumweg (Daxlanden)
Obere Gass (Stupferich)
Oberrossweise (Beiertheim-Bulach)
Schlössleweg (Durlach)
Schlossbezirk (Innenstadt-Ost)
Schlossplatz (Innenstadt-Ost)
Schlossbergstraße (Wolfartsweier)
Stockgässchen (Rüppurr)

Der Stadtplan wird voraussichtlich bis Ende 2012 angepasst. Die Beschilderung soll dann im Laufe des kommenden Jahres erfolgen, so die Stadt.


Quelle: ka-news.de
Link: http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Karlsruher-Strassennamen-bald-nach-neuer-Rechtschreibung;art6066,987508

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Kommentare zu »Karlsruher Straßennamen bald nach neuer Rechtschreibung«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2014 um 12.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=185#1256

Diese und andere Freßgassen kenne ich zwar auch, aber die könnt ihr alle vergessen, wenn ihr mal nach Tianjin kommt. Unsere Deutschstudenten führten uns dort in den "Freßpalast" (so nannten sie es, man spricht dort von der "Food Street"). Das ist ein rechteckiger Komplex mit über 100 Restaurants aus allen Regionen Chinas, und man braucht mindestens ein Jahr, um sich halbwegs durchzufressen. Sehr empfehlenswert!

 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.02.2014 um 11.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=185#1255

Ende Januar wurde wegen Baumaßnahmen und einer Straßensperrung der Name "Freßgasse" wieder sehr oft im Mannheimer Morgen erwähnt. Unter schätzungsweise 20 Vorkommen ist mir nur ein einziges Mal "Fressgasse" aufgefallen. Ach wie gut, daß niemand weiß, daß Freßgasse gar kein offizieller Name ist.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2014 um 09.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=185#1254

Aus finanziellen Gründen werden die Karlsruher Straßenschilder erst in diesem Frühjahr ausgetauscht.

Sowohl der Duden, als auch die Gesellschaft für Deutsche Rechtschreibung seien der Auffassung, dass die 2006 in Kraft getretenen Neuregelungen zur Deutschen Rechtschreibreform auch auf Straßennamen zu übertragen ist. Auch die Kommission für deutsche Rechtschreibung empfehle Städten, die Straßennamen anzupassen. (ka-news 30.1.14)

 

Kommentar von Badener, verfaßt am 11.03.2013 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=185#1036

Der Beschluss ist demokratisch zustandegekommen. Sammeln wir Unterschriften, um diesen Blödsinnsbeschluss zu kippen und setzen wir die richtige Schreibweise notfalls per Bürgerentscheid durch!

Oder wer weiß: vielleicht werden die neuen Schilder gestohlen? Das Volk ist gegen die Schlechtschreibreform.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.10.2012 um 13.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=185#963

Nicht nur in Holland, auch in NRW enthalten viele Familiennamen Flurnamen mit Präpositionen. Das ist wohl eine niederdeutsche Eigenart. Früher hießen die jeweiligen Bauernhofbesitzer nach den Bauerhofnamen, die sich bei Besitzerwechsel nicht änderten.

 

Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 16.10.2012 um 11.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=185#962

[...] für den stimmlosen s-Laut nach kurzem Vokal hingegen "ss". Personen- und Städtenamen werden dabei laut Pressemitteilung als Eigennamen betrachtet und deshalb nicht geändert, [...] Bei Flurnamen handelt es sich jedoch nicht um Eigennamen.

Die vermeintliche Regel, für [s] sei nach kurzem Vokal "ss" zu schreiben, läßt sich zwar durch viele Beispiele widerlegen, sie wird aber immer weiter kolportiert - auch von Menschen, die es besser wissen müßten -, und der Karlsruher Gemeinderat ist wohl durch eine etwas komplexere Regel schon überfordert.

Wie aber sind eigentlich "Eigennamen" definiert? Wieso soll die "Oberrossweide" oder die Flur "An der Rossweid"
kein Eigenname sein?

 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 15.10.2012 um 14.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=185#961

Was sagt eigentlich der Bund der Steuerzahler zu solch einer irrwitzigen Geldverschwendung für die neuen Straßenschilder usw.? Oder ist der gerade damit beschäftigt, sich in >>Bund der Steuerinnen- und Steuerzahlerinnen und -zahler<< umzubenennen?

 

Kommentar von verschoben, verfaßt am 15.10.2012 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=185#960

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2012 um 04.57 Uhr

Niemand zwingt die Stadtväter, irgend etwas im Sinne der Schulorthographie zu unternehmen, es gibt keinen Erlaß, kein Gesetz o. ä. Sie dürften wie die übrige Bevölkerung mehrheitlich der begründeten Meinung sein, daß die ganze Rechtschreibreform ein kostspieliger Schlag ins Wasser war. Trotzdem fügen sie sich nicht nur, sondern werden aktiv und geben sogar Geld aus. Das ist wie bei der Politischen Korrektheit. Mit der persönlichen Lust an der Unterwerfung ist es nicht hinreichend zu erklären. Es gibt in Deutschland eine zusätzliche Staatsfrömmigkeit, die vielleicht historische Wurzeln hat. Schlimm wird es, wenn man dann an anderen dasjenige tadelt oder gar bestraft sehen will, was man insgeheim wohl auch gern tun würde, sich aber nicht traut.

 

Kommentar von verschoben, verfaßt am 15.10.2012 um 10.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=185#959

Kommentar von B.Troffen, verfaßt am 13.10.2012 um 17.59 Uhr

Kommen denn in Straßennamen überhaupt noch sonst irgendwelche zu reformierenden Sachen vor? Aber egal, nichts anderes als -ss statt -ß ist allgemein geläufig, allenfalls noch Einzelfälle wie der Tipp. Alles andere ist kaum verstanden worden und wird, wo die Software nicht greift, oft und gern falsch gemacht. (Gibt's eigentlich Fälle, wo nun -ß statt -ss zu schreiben wäre? Mir fällt keiner ein.) Niemand hat's verlangt, sondern ganz freiwillig wird also im öffentlichen Raum nun öfter als früher ss zu sehen sein. Genau dies und mehr nicht. Eigentlich peinlich. Aber die Suggestivität der vermeintlichen Regel – der einzigen, die man verstanden zu haben meint – ist erstaunlich stark.

 

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