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29.08.2011
Wie creativ!
Von Ladys, Babys, Partys, Teddys und vor allem Hobbys

«Kreative Hobbies», steht in der neuen Filiale der Buchhandlung Lüthy in der Bieler Nidaugasse an einem Regal. In welchem Regal wohl das Grammatikhandbuch steht?

Dabei ist es so einfach, wie ein Blick in die «amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung», Paragraph 21, zeigt: «Fremdwörter aus dem Englischen, die auf -y enden und im Englischen den Plural -ies haben, erhalten im Plural ein -s.» Also Ladys, Babys, Partys, Teddys und natürlich Hobbys. Das war notabene auch schon vor der Reform der deutschen Rechtschreibung so, allerdings war es einst erlaubt, wenn einer mochte, den Plural mit -ies zu bilden.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Das haben jedoch viele noch nicht gemerkt, jedenfalls nicht diejenigen, die Bücher verkaufen. So findet sich sowohl bei weltbild.ch als auch bei amazon.de die Sparte «Hobbies». Pädagogisch wertvoll auch die Seite studienberatung.ch, auf der unter dem Stichwort «Check-List (sic!) für die Studienwahl» unter anderem «Freizeit, Hobbies, Lektüre» aufgeführt sind. Eine schöne Freizeitbeschäftigung für angehende Studentinnen und Studenten könnte die Lektüre der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung sein.

Ganz anders die an Motoren Interessierten. Bernd fängt auf der Internetseite motor-talk.de an: «Hallo, Motor-Talk gefällt mir richtig gut, weil ich hier schon häufig kompetente Antworten gefunden habe. Da fiel mir gerade was auf: Ich will ja nicht Erbsen zählen, aber in der Anleitung zu den Blogs leuchtet es einem schon gross vom Hintergrundbild entgegen: Hobbies. Im Englischen ist das ja korrekt, aber bei uns sind es Hobbys. Wir übernehmen nur die Wörter, nicht die englische Grammatik, denn sonst müssten wir ja auch ‹downloaded› statt ‹daungelodet› sagen.»

Da hat er was losgetreten, der Bernd. Denn meehster verteidigt sich vehement: «Ich schrieb ‹Hobbies› und werde auch weiterhin ‹Hobbies› schreiben (..). ‹Hobbys› ist nicht nur verdammt schwer zu schreiben, sondern sieht auch noch falsch aus.»

Und ConvoyBuddy doppelt nach: «Mit der Verhunzung gerade von aus anderen Sprachen adaptierten Begriffen durch die unselige Rechtschreibreform könnte man Bücher füllen. Lohnt aber nicht. Wenn es jemanden stört, dass ich immer noch Hobbies, Asphalt und Philosophie schreibe, stört mich das nicht.» KKW20 schliesslich präsentiert uns die Lösung: «Es ist doch absolut egal ob man nun Hobbies oder Hobbys schreibt. Soll jeder das Wort so schreiben wie man möchte. Ich ziehe eher das gute alte deutsche Wort ‹Lieblingsbeschäftigung› alternativ auch ‹Freizeitbeschäftigung› vor, da brauch mir keine Gedanken darüber zu machen wie ich das nun schreibe.»

Ganz schön kreativ, der KKW20. Übrigens, all jene, die unbedingt Hobbies schreiben möchten, da das Wort doch aus dem Englischen stammt. Warum schreibt ihr nicht creativ statt kreativ, schliesslich gründet dieses Wort im lateinischen «creatum».


Quelle: Bieler Tagblatt
Link: http://www.bielertagblatt.ch/News/Kolumnen/214389

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Kommentare zu »Von Ladys, Babys, Partys, Teddys und vor allem Hobbys«
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Kommentar von Kätzer, verfaßt am 23.01.2013 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1011

Wie aus einer Korrespondenz mit der Geschäftsführerin des Rates hervorgeht, wird § 21 derzeit "überprüft", was auch immer das heißen mag.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2013 um 17.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1010

Zu Lady könnte man sagen, nun gut, das ist inzwischen ein deutsches Fremdwort und sollte deutsch flektiert werden, auch orthographisch.

Am Rande des Gipfeltreffens der EU-Staats- und Regierungschefs in Berlin speiste er zusammen mit den First Ladys, während die durchweg männlichen ausländischen Staatschefs mit seiner Frau zu Mittag aßen. (Wiki über Joachim Sauer)

Nun liest man aber ebenfalls bei Wiki:

Als First Lady (deutsch: Erste Dame [im Staat]) bezeichnet man ursprünglich nur die Ehefrau des US-Präsidenten. Inzwischen ist der Begriff als Anglizismus in andere Sprachen übergegangen und bezeichnet dann oftmals die Ehefrau eines führenden Politikers.

Wenn es ins Deutsche übersetzt werden muß und kann, ist es Englisch. Dann kann man aber den Plural nicht so verkehrt schreiben.

(Und die Aussprache? Först Lehdies?)

 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 01.10.2011 um 14.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#833

Die Idee, man müsse die Rechtschreibung so ändern, daß sie nicht mehr zur Besserwisserei taugt, war zwar töricht, der anarchistische Impuls dahinter aber nicht ganz unsympathisch. Um so trauriger, daß nicht einmal das geklappt hat.

 

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