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02.04.2009
 

Die Welt des Christian Stang
Mister Duden

Als Kind las er Grammatiken statt Comics. Wie ein Autodidakt Rechtschreibprofi wurde

Die Welt des Christian Stang besteht aus 200 Sprachbüchern. Sie stehen wohlgeordnet in den Regalen seines Zwei-Zimmer-Apartments. Wörterbücher, Rechtschreibratgeber, Grammatikführer. Auf einem Schrank steht ein Globus. Doch das ist eine andere Welt. Wörter wie Croissant und Flambée kann er im Schlaf buchstabieren. Aber in Frankreich war er noch nie.

Christian Stang, 34 Jahre alt, Halbglatze und Silberblick, sieht sich selbst als Rechtschreibpapst. Schon an 20 Orthographiebüchern hat er mitgeschrieben. Doch ein Detail unterscheidet ihn von den anderen Autoren des Duden-Verlags: Stang ist Postbeamter. Einen Hörsaal hat er noch nie von innen gesehen.

Der Sohn eines Schlossers ist in Regensburg geboren und aufgewachsen. Er wird hier nie wegziehen. Seine Kindheit verbrachte er nicht auf dem Fußballplatz, sondern in Bibliotheken. [...] Im Diktat schrieb er Einser, ansonsten war er ein Durchschnittsschüler. Mit 14 Jahren kannte er mehr Grammatikregeln als seine Deutschlehrerin. Für das Gymnasium reichte es nicht: Seinen Ehrgeiz konzentrierte er auf die Orthographie. Auf nichts anderes.

Als Stang mit 16 seine mittlere Reife erhielt, hatte er alles ausgeliehen, was die Regensburger Bibliotheken an Fachliteratur zur deutschen Sprache hergaben. Er las Rechtschreibbücher wie andere Leute Kriminalromane. Als er Fehler in einem Wörterbuch entdeckte, teilte er das dem Verlag per Brief mit: „Hinweis zur Nachkorrektur“. Ein Mitarbeiter rief an und fiel aus allen Wolken, als sich der Kritiker als Jugendlicher entpuppte. Er gab ihm einen ersten Auftrag. Auch andere Verlage wurden auf den Autodidakten aufmerksam. Zwei Jahre später wurde sein erster Ratgeber veröffentlicht, ein 120-Seiten-Taschenbuch zur Zeichensetzung.

Die großen Verlage wie Duden und Langenscheidt schätzen Stangs unkomplizierte Ausdrucksweise, seinen unakademischen Stil. [...]

1996 wurde die Rechtschreibung reformiert, Stang freute sich. Endlich sollte alles einfacher werden, allen verständlich. Stang verfasste eine Broschüre über die orthographischen Neuregelungen, sie wurde in allen Postfilialen des Landes verteilt.

In einem Handbuch fordert er dazu auf, das Komma bei folgendem Satz zu setzen: „Er fasste den Gedanken das Abitur nachzuholen.“ Abitur. Stang hat darüber nachgedacht. Sich dagegen entschieden: „Koinä Zeit.“ Er ist zufrieden mit seinem Leben. Stang ist Beamter und bekommt außerdem so viele Aufträge, dass er manchmal bis tief in die Nacht am Schreibtisch sitzt. Er ist das Gegenteil eines Bastian Sick, der seinen Aufstieg vom Schlussredakteur zum Sprachpapst medial ausschlachtet und Sporthallen füllt. Das alles interessiert Stang nicht. [...] Als Kind war er mit seinen Eltern in Italien. Seitdem ist er nie wieder in den Urlaub gefahren. Eine Freundin hat er auch nicht. „Koinä Zeit.“

Lieber führt er seine Leser durchs Dickicht der Satzzeichen. [...] Beim Zeitungslesen ist er ebenfalls in erster Linie Korrektor. Stang geht durch die Welt und streicht im Kopf alles rot an: Falsche Apostrophsetzung auf der Tageskarte beim Italiener, falsche Pluralbildung am Werbeschild des Friseurs, Fußball mit Doppel-s, Terrasse mit einem r, aggressiv mit einem g. Überall Fehler. Nur in Stangs Universum nicht. Irgendwann will er sich ein neues Thema erschließen. Wieder eine andere Welt: die Astronomie.

Lydia Harder
F.A.Z., 1. 4. 2009, S. 9




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Kommentare zu »Mister Duden«
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Kommentar von Marco Niemz, verfaßt am 23.06.2013 um 01.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1096

@ Kannitverstan: Danke für die Verdeutlichung, denn jetzt kann ich Ihre kritischen Anmerkungen zu Christian Stang besser einordnen.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2013 um 04.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1095

Nach meiner Einschätzung ist Stang durchaus in der Lage, die Verfehltheit der ganzen Reform zu durchschauen, aber da er sich schon früh bei Duden bzw. Langenscheidt verdingt hat, hütet er sich, irgend etwas Kritisches zur Reform öffentlich zu sagen. Als er mir noch Mails schrieb, waren sie in herkömmlicher Rechtschreibung gehalten, damit war er ja sozusagen aufgewachsen und wollte in günstigem Licht erscheinen. Gegen seine begrenzte Tätigkeit als Rechtschreibberater ist gewiß nichts einzuwenden. Ich würde auch nicht von Opportunismus sprechen. Es geht halt ums Geldverdienen, und wer sich ohnehin nicht als Reformgegner profiliert hat, braucht sich nichts vorzuwerfen, wenn er dann die Reform verbreiten hilft.
Schlimm wurde es erst, als Langenscheidt das Verfassen von Grammatiken an schnell und billig arbeitende Externe auslagerte. Weder der Verlagsleitung noch dem Rechtschreiber selbst war klar, daß man dazu noch etwas anders qualifiziert sein muß.

Der Donaukurier spricht alle paar Wochen bei Stang vor und verbreitet dann seinen Ruhm als orthographisches Weltwunder, dem sogar der Papst usw. Das gehört zu den unterhaltsamen "Kleinen Meldungen" am Rande unserer Zeitungslektüre.

 

Kommentar von Kannitverstan, verfaßt am 21.06.2013 um 19.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1094

@ Marco Niemz: Ich bin völlig Ihrer Meinung, daß das Komma hier stehen sollte. Nur ist Christian Stang wahrlich kein Reformkritiker, immerhin hat er an Büchern mitgewirkt, die die neuen Rechtschreibregeln verbreiten. Deswegen kann er ja eigentlich nicht behauptet haben, daß das Komma hier stehen 'muß', wie der Donaukurier mitteilt. Hat er's behauptet, kennt er die Regeln nicht, nach denen er sich doch wohl richtet; hat er's nicht behauptet, kennt der Donaukurier sie nicht.
Irre ich mich, und Christian Stang ist tatsächlich ein Reformgegner?

 

Kommentar von Marco Niemz, verfaßt am 21.06.2013 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1093

@ Kannitverstan: Man muss Christian Stang nicht unbedingt sympathisch finden, aber wo er im Recht ist, da ist er nun mal im Recht. Dies betrifft das Komma vor Infinitivsätzen (die dumme neue Regel sollte unbedingt ignoriert werden; seit wann ist die Rechtschreibreform hier im Forum in Orthographiefragen neuerdings maßgebend?), die Bedeutungsunterscheidung zwischen scheinbar und anscheinend (die schon sehr lange vor Bastian Sick galt) und unter anderem auch die Kritik an "wegen dem Wetter".

Daß Stang kein Studium absolviert hat, stört mich nicht im geringsten. Ich kenne genug Uni-Absolventen, die intellektuell ausgesprochen schwach sind. Nur ein gewisser akademischer Größenwahn und die Titelverliebtheit ist ihnen allen gemeinsam. Was noch hinzukommt: Die Rechtschreibung in schriftlichen Hochschularbeiten ist – nach traditionellen wie neuen Regeln – inzwischen fast durchgehend miserabel. Es ist leider anzunehmen, daß die Rechtschreibfähigkeiten der akademischen Lehrer kaum noch besser sind, denn sonst würden sie ja all das nicht durchgehen lassen.

 

Kommentar von Kannitverstan, verfaßt am 20.06.2013 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1092

"Stang weiß, warum Infinitivsätze wie 'Er traut sich nicht, das Buch zu lesen' ein Komma verlangen", – so beginnt der Artikel im Donaukurier. Es ist schön, daß er es weiß, aber entweder weiß er es falsch, oder der Donaukurier weiß es falsch. Nach der Reform nämlich verlangt hier keine Regel noch ein Komma. Als weitere Beispiele findet man in dem Artikel den 'Stegreif', den 'Kreißsaal', den Unterschied zwischen 'scheinbar' und 'anscheinend' und den zweifelhaften Hinweis, daß 'wegen dem Wetter' falsch sei.
Wenn jeder, der kein Studium absolviert hat und trotzdem so viele Halbwahrheiten und Trivialitäten weiß, zum Sprach- bzw. Orthografiepapst würde, dann wimmelte es in Deutschland von Sprachpäpsten. Erstaunlich ist, daß es als erstaunlich verkauft wird, wenn jemand nach mittlerer Reife, ohne Abitur und ohne Studium rechtschreiben kann. Normal wäre, es als erstaunlich anzusehen, wenn er es trotz mittlerer Reife nicht kann.

 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 20.06.2013 um 22.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1091

Und wieder wird Stang bemüht, diesmal im Donaukurier:

www.donaukurier.de

 

Kommentar von MG, verfaßt am 13.04.2013 um 14.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1041

> Heute werden Diktate nur noch außerhalb der Arbeiten geschrieben

Zu so einer Aussage würde ich mich in diesem unseren föderalen Deutschland mit seinen mindestens 16 verschiedenen Schulsystemen nicht versteigen.

Hierzubundesland wird in der 9. Gymnasialklasse das letzte Diktat geschrieben, als eine von zwei schriftlichen Klassenarbeiten im Halbjahr. Es hat also schon ein gehöriges Gewicht.

Bei mir damals (einige Jahrzehnte her) war das (in einem anderen Bundesland) sinngemäß nicht anders: Mein letztes Diktat als Klassenarbeit habe ich irgendwann in der Mittelstufe geschrieben, durchaus möglich, daß das damals auch die 9. Klasse war. Hinterher ging "man" davon aus, daß die Schüler richtig schreiben konnten; gemessen am heutigen Niveau konnte man das so wohl auch sagen.

Damals allerdings schrieben auch die Lehrer richtig, was heute bis hinauf zum Direktor nicht mehr der Fall ist. Mir ist schon lang keine schriftliche Äußerung des hiesigen Gymnasiums mehr untergekommen, die nach aktuell gültigen Rechtschreibregeln fehlerfrei verfaßt war (Hauptfehlertypen: Groß/Kleinschreibung und Getrennt/Zusammenschreibung, wie gehabt).

 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 10.04.2013 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1040

Heute werden Diktate nur noch außerhalb der Arbeiten geschrieben, aber die Rechtschreibung spielt bei allen schriftlichen Arbeiten in allen Fächern bis hin zum Abitur eine Rolle.
Es werden zum einen einige Bewertungspunkte ausgelobt für die Rechtschreibung, die der Schüler bei schlechter Orthographie eben nicht holt, zum anderen können vom Endergebnis noch zwei Notenpunkte wegen mieser Rechtschreibung abgezogen werden. Insgesamt macht das also eine ganze Note aus.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2013 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1039

Auch bei uns flossen Rechtschreibfehler sicher irgendwie in die Aufsatznote ein und wurden bei den Verbesserungen, die wir selbst dazu verfassen mußten (gibt es das heute noch? Ich habe es in der Schullaufbahn meiner Töchter nicht wahrgenommen), berücksichtigt. Aber ein großes Thema war das nicht. Ich glaube, wir konnten in der Oberstufe des Gymnasiums alle recht gut schreiben, vielleicht auch deshalb, weil der "zentrale Wortschatz" der Rechtschreibreformer (Hovawart, Khedive, Nerfling, Phillumenie, Salband) nicht vorkam. Wir haben eben noch nicht so "fantasievoll" geschrieben wie Steinigs heutige Schüler.
Unsere Lehrer haben sich damals Noten in ihr kleines dunkelgrünes Buch geschrieben (der rote GEW-Kalender kam erst viel später), die keineswegs justiziabel waren. Vor zwei Wochen haben wir einen Kranz am Grab unseres Deutschlehrers niedergelegt, 50 Jahre nach dem Abitur. Damit ist eigentlich alles gesagt.

 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.04.2013 um 14.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1038

Aus meiner eigenen Schulzeit in den 60er und 70er Jahren im Osten erinnere ich mich, daß zwar ab Klasse 9 keine Diktate mehr geschrieben wurden, aber selbstverständlich wurde in jeder schriftlichen Arbeit und in Aufsätzen im Fach Deutsch bis zum Abitur auch die Rechtschreibung und die Grammatik bewertet. Es gab in den Jahresabschlußzeugnissen ab Klasse 9 keine gesonderte Note mehr für Rechtschreibung und Grammatik, aber die einzelnen Rechtschreibnoten flossen in die Gesamt-Deutschnote mit ein.

 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 03.04.2013 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#1037

Und wieder einmal wird er hervorgekramt:
"Der Mann der richtigen Wörter
Christian Stang ist der führende Orthografieexperte in Deutschland und korrigiert sogar die Schriften des Papstes – dabei hat er nicht einmal Abitur. "
(Badische Zeitung, 8. Februar 2013)

Dazu ein sehr interessanter Leserbriefkommentar:

Nicht alles den Korrekturprogrammen überlassen

Im Untertitel des Artikels irritiert mich die Formulierung "dabei hat er nicht einmal Abitur". Ist es verwunderlich, dass ein junger Mann, der Orthografieexperte ist, kein Abitur hat? Nein, denn das würde ja voraussetzen, dass auf dem Weg zum Abitur die Orthografie eine Rolle spielen würde. Tut sie aber nicht. Ab Klasse 8 werden im Gymnasium keine Diktate mehr geschrieben, den Schülern wird suggeriert, die Rechtschreibung sei nicht so wichtig. Ein fataler Fehler! Wo kommen wir hin, wenn wir Deutschen unsere eigene Sprache nicht mehr beherrschen?

Als ich mich vor Jahren nach dem Abitur um eine Ausbildung beworben habe, musste ich einen Eignungstest machen. Ein Teil davon war ein Diktat, wobei das Diktat bereits als Text vorlag, es fehlten lediglich die schwierigen Wörter. Ich wurde aber auch zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Die erste Frage, die man mir stellte, war, wie jemand mit einer Vier in Deutsch ein derart gutes Diktat abliefern konnte. Den Herren war nicht bekannt gewesen, dass die Deutschnote im Abitur nichts über die Rechtschreibqualifikation aussagte! Man war der Meinung, Diktate würden bis zum Abitur geschrieben und die Deutschnote stünde in Zusammenhang mit den Rechtschreibkenntnissen. Was für ein Irrtum! Ich jedenfalls würde mich freuen, wenn die Rechtschreibung wieder mehr Gewicht bekäme und wir nicht alles Korrekturprogrammen überlassen würden.

(27. Februar 2013)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2012 um 18.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#981

Christian Stang hat kein Abitur – und bringt Regensburger Studenten Rechtschreibung bei. (Spiegel online 31.10.12)

Augst hat Abitur – und hat die deutsche Rechtschreibung reformiert.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2012 um 20.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#965

"Ich habe dem Heiligen Vater vor Jahren ein Deutsch-Italienisches Taschenwörterbuch geschenkt, weil ich dachte, er könnte es gebrauchen." Und in der Tat: In dem Dankesbrief betont Benedikt XVI., dass er bei der Vorbereitung von Texten immer wieder einen Blick in das Buch wirft.
(n-tv.de über Christian Stang)

Der SPIEGEL bescheinigte Josef Ratzinger schon vor fast 30 Jahren, daß er perfekt italienisch spreche. Wenn das stimmt, wäre allerdings Herrn Stang mit seinem Taschenwörterbuch (!) eine arge Taktlosigkeit unterlaufen. Die nachsichtige Antwort an den armen Tropf ändert daran nichts.

 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 16.10.2012 um 18.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#964

Stang als "Lektor des Papstes": www.main-netz.de

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2011 um 15.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#828

Stang über seine Bücher:
"Es darf sich nicht ein einziger, klitzekleiner Fehler einschleichen."
Näheres dann hier.

 

Kommentar von www.kanal8.de, 4. Juni 2011, verfaßt am 09.06.2011 um 20.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#827

Der „Sprachpapst“ ist BLIZZ-Fan!
Christian Stang aus Regensburg, der einzige Duden-Texter ohne akademischen Abschluss

Regensburg – Ratgeber-Reihe beim Duden? Abgehakt. Ein Wörterbuch bei Langenscheidt? Erledigt. Und obendrauf noch jede Menge Komma-Crashkurse, Rechtschreibfibeln und Schülerlexika. Der Regensburger Christian Stang zählt zu den Chef-Spürnasen der korrekten, deutschen Sprachregeln: ohne Uni-Abschluss.

Von Kathrin Kammermeier

„Sprache ist meine Leidenschaft“, sagt Christian Stang, Mitarbeiter bei der Deutschen Post AG und nebenberuflich als „Sprachpapst“ in ganz Deutschland bekannt. „Sie ist alltäglich und dadurch sehr lebendig.“

Seit der Grundschulzeit ist der Regensburger von treffsicheren Ausdrücken und gekonnter Wortspielerei fasziniert. Fündig wird er regelmäßig – und zwar im BLIZZ! „Die Artikel sind knackig formuliert, gut pointiert und nur eine kleine Prise reißerisch“, sagt Christian Stang. „Alles in allem eine gute Mischung.“

Ihm war früh klar, dass hinter ABC und Co. mehr steckt als das bloße Aneinanderreihen leerer Worthülsen. „Schon als Kind habe ich Ratgeberliteratur schlichtweg verschlungen.“ Mit 16 Jahren dann der Knaller: In einem Rechtschreib-Guide hatte der Realschüler prompt einen Fehler entdeckt.

Nicht nur der renommierte Verlag sei dankbar gewesen für den Hinweis. „Ich hatte dadurch einen wichtigen Kontakt geknüpft“, sagt Stang. Und er bekam die Chance, sein Talent unter Beweis zu stellen. Sein erstes Buch verfasste er mit gerade mal 18 Jahren. Das Thema: „Zeichensetzung“.

Mittlerweile steht sein Name auf mehr als zwei Dutzend Ratgebern und Christian Stang ist Ansprechpartner Nummer eins, wenn’s um Rechtschreibung, Kommasetzung und die vielen Finessen des Deutschen geht. „Ich bekomme jede Menge Mails aus der ganzen Republik“, sagt der Autodidakt. Zu den Hilfesuchenden zählen Schüler und Studenten genauso wie Lehrer und sogar Professoren.

Aus diesen konkreten „Sprachproblemen“ schöpft er Inspiration für seine Bücher. An die stellt er selbst die höchsten Ansprüche: Es darf sich nicht ein einziger, klitzekleiner Fehler einschleichen – und der Inhalt muss unterhaltend wie auch leichtverständlich sein. „Die Sprache ist eben ein Kulturgut, das es unbedingt zu pflegen gilt“, sagt Stang.

Sein Verdienst wurde belohnt: Die Stadt Regensburg adelte ihn 2008 mit dem Kulturförderpreis. Im Januar erhielt er außerdem die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Sein üppiges Œuvre ist für Stang noch kein Anlass, die Beine hochzulegen. Derzeit hat er mehrere offene Projekte. Auf der Agenda: Die Geschichte der Orthographie (zum 100. Todestag Konrad Dudens) und ein Werk über Stolpersteine in der Deutschen Rechtschreibung.

(www.kanal8.de/default.aspx?ID=11434&showNews=975417)

 

Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 22.06.2010 um 23.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#804

In der Bayernausgabe des »Focus« findet man wieder einmal einen (der immer wieder fast identischen) Artikel über Herrn Stang:

1. Seite: http://tinyurl.com/382nncd
2. Seite: http://tinyurl.com/3yz6hep
3. Seite: http://tinyurl.com/39old95

Der Beitrag ist nur in der bayerischen Ausgabe der Zeitschrift erschienen. Für die Bundesausgabe war »Mister Duden« dann offensichtlich doch nicht wichtig genug ...

Im aktuellen »Focus Schule« (03/2010) ist im übrigen einen Artikel zur Kommasetzung von Stang abgedruckt. Dort hat er es geschafft, die angeblich nur noch neun reformierten Kommaregeln – wir erinnern uns – auf gerade einmal sieben zu reduzieren. (Daß seine Regeln selbst für den Wenigschreiber mangelhaft sind, muß hoffentlich nicht erwähnt werden.)

Bei Interesse stelle ich den genannten Artikel sowie die Regelübersicht ebenfalls gern zur Verfügung.

 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 15.04.2009 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#727

Zu Stang und seiner unfreiwillig komischen Selbstbeweihräucherung auf seiner Internetseite (vielen Dank, Herr Bolz) passen zwei giftige Bemerkungen Friedrich Schlegels:

„Wenn gemeine Menschen, ohne Sinn für die Zukunft, einmahl von der Wuth des Fortschreitens ergriffen werden, treiben sie’s auch recht buchstäblich. Den Kopf voran und die Augen zu schreiten sie in alle Welt, als ob der Geist Arme und Beine hätte. […]“

(Athenaeum, Ersten Bandes Zweytes Stück, Berlin: Unger 1798, S. 91)

„Es giebt rechtliche und angenehme Leute, die den Menschen und das Leben so betrachten und besprechen, als ob von der besten Schafzucht oder vom Kaufen und Verkaufen der Güter die Rede wäre. Es sind die Oekonomen der Moral, und eigentlich behält wohl alle Moral ohne Philosophie auch bey großer Welt und hoher Poesie immer einen gewissen illiberalen und ökonomischen Anstrich. Einige Oekonomen bauen gern, andre flicken lieber, andre müssen immer etwas bringen, andre treiben, andre versuchen alles, und halten sich überall an, andre legen immer zurecht und machen Fächer, andre sehen zu und machen nach. Alle Nachahmer in der Poesie und Philosophie sind eigentlich verlaufne Oekonomen. Jeder Mensch hat seinen ökonomischen Instinkt, der gebildet werden muß, so gut wie auch die Orthographie und die Metrik gelernt zu werden verdienen. Aber es giebt ökonomische Schwärmer und Pantheisten, die nichts achten als die Nothdurft und sich über nichts freuen als über ihre Nützlichkeit. Wo sie hinkommen, wird alles platt und handwerksmäßig, selbst die Religion, die Alten und die Poesie, die auf ihrer Drechselbank nichts edler ist als Flachshecheln.“

(Ebd., S. 120–121)

Auch für den „Ökonomen“ Stang scheint es nichts Wichtigeres zu geben als die Anzahl seiner „Fachbücher“ und die Auszeichnungen, die er dafür erhalten hat. So gesehen mag er sich tatsächlich über seine Nützlichkeit freuen. Aber dennoch wirken die so zur Schau gestellten Zeitungsausschnitte und Urkunden allzu platt und handwerksmäßig.

 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 14.04.2009 um 19.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#724

Seltsam ist eigentlich nicht, daß sich jemand selbst Kenntnisse über einen Gegenstand aneignet – daß es in diesem Fall obrigkeitsgemäße Kenntnisse sind, lasse ich mal dahingestellt –, sondern daß sich wirklich niemand sonst in Deutschland findet, der diese ganzen Bücher schreiben könnte. Das ist doch so, als ob ein Autodidakt Bücher zu verschiedenen Bereichen der Medizin schriebe, so in der Art von "Die Frau als Hausärztin", "Die Krebsfrüherkennung in der Gynäkologie", "Geschichte der Medizin", "Die wichtigsten Impfungen für Ihr Kind", "Orthopädie für Anfänger" und so weiter und so fort und, wie MG schreibt, sich dafür auch Verleger finden und Fachleute lobend darüber äußern und ein renommierter medizinischer Verlag dann nur diese Bücher vertreibt.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.04.2009 um 12.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#723

Vielen Dank für den Hinweis. Man sehe sich nur einmal an, wie Stang in seiner Broschüre Der Duden. Geschichte eines Volkswörterbuchs die Selbstgleichschaltung der Duden-Redaktion vernebelt: »Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs erfährt der Duden vier weitere Auflagen mit zahlreichen Nachdrucken. Sie [d. h. unterschiedslos alle Auflagen nach 1915! – R. M.] sind deutlich durch die politischen Ereignisse ihrer Entstehungszeit geprägt.« (S. 10) Was für ein widerwärtiges Gewäsch.

 

Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 13.04.2009 um 11.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#722

Ich habe mir mal Stangs Internetauftritt angeschaut. Von mangelndem Selbstbewußtsein zeugt dieser wahrlich nicht! Man riecht förmlich die Selbstbeweihräucherung, und die Seiten sind eher peinlich...

 

Kommentar von MG, verfaßt am 12.04.2009 um 14.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#721

Bevor man allzusehr auf kleinen Leuten herumprügelt, sollte man nicht vergessen, daß man für ein Buch nicht nur einen Autor, sondern auch einen Verleger braucht, der dem Autor seinen Text abnimmt und ihn druckt.

Und dann: Wenn man den Text der "Amtlichen Regelung" neben einen Text von Christian Stang stellt – ist der zweite von Inhalt und Sprache wirklich so viel schlechter als der erste? Den ersten aber haben veritable Professores erstellt, die Blüte der deutschen Sprachwissenschaft. (Das sollte man jedenfalls annehmen, denn wen anders als die Besten sollte die Politik mit einer so anspruchsvollen Aufgabe wie einer Rechtschreibreform beauftragen?)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2009 um 09.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#717

Für den Dudenverlag sind solche angemessen ironischen Berichte in der Tat nicht besonders günstig. Zumal Stang selbst u. a. auf seiner Website die Identifikation mit seinem zweiten Arbeitgeber so weit treibt, daß es schon peinlich wirkt. Ich erwarte eher, daß der Verlag sich unter dem neuen Eigentümer allmählich von einem solchen Autor löst. Seine "Werke" haben durchweg zur Qualitätsminderung beigetragen, das wird auch der – zum Teil akademisch bestens ausgebildeten – Redaktion nicht verborgen geblieben sein.

 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 02.04.2009 um 18.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=150#715

Hier hat dieser Artikel endlich einen würdigen Platz gefunden. Allerdings überlege ich noch immer, ob es sich nicht doch um einen Aprilscherz der F.A.Z. handeln könnte. Der Christian Stang, der dort satirisch vorgeführt wird (Halbglatze, Silberblick, letzter Urlaub mit den Eltern, "Koinä Zeit") könnte schließlich auch aus der Feder von Jonas, Polt oder Richling stammen.

Wer tatsächlich durch die Welt geht und alles rot anstreicht, sollte zunächst unser Mitleid verdienen. Wer sich dann aber selbst als Rechtschreibpapst sieht, nur weil er Croissant und Flambée im Schlaf buchstabieren kann, offenbart sich als veritabler Narr. Thoreaus Kommentar, der hier wunderbar paßt, hatten wir ja schon einmal:

Any fool can make a rule
And every fool will mind it.

Sollte der Artikel jedoch kein Scherz sein, welchen Dienst hat die F.A.Z. dann dem Duden-Verlag damit erwiesen? Wer wird noch Produkte kaufen, die von diesem "Fachmann" erarbeitet wurden!

Womöglich sollte er dann auch die Finger von der Astronomie lassen. Sonst streicht er zunächst das Universum rot an und gruppiert anschließend die Planeten neu. Wie ernsthaft und fundiert kann man sich wohl mit Astronomie ohne ein entsprechendes Studium beschäftigen? Und wie fundiert kann überhaupt alles sein, wenn man "koinä Zeit" hat!

 

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