zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Blüthen der Thorheit

Die neuesten Kommentare


Zur vorherigen / nächsten Thorheit

Zu den Kommentaren zu dieser Thorheit | einen Kommentar dazu schreiben

30.04.2008
 

Warum Lesbos gegen Lesben ist

Auf der griechischen Insel Lesbos geht es derzeit recht kurios zu: Drei Inselbewohner haben einstweilige Verfügungen gegen die Nutzung der Begriffe „Lesbe“ oder „lesbisch“ durch homosexuelle Frauen beantragt. Die Begriffe seien „beschämend“ für ihre Heimat.

"Wir wenden uns gegen die willkürliche Nutzung des Namens unserer Heimat von Personen, die eigenartig sind", hieß es jetzt unter anderem in der konservativen Zeitschrift "O Davlos" veröffentlichten Erklärung der drei Kläger, zu denen auch der "O Davlos"-Chefredakteur Dimitris Lambrou gehört.

"Sie reißen den Begriff "Lesbe" oder "lesbisch" an sich. Das wollen wir nicht zulassen", schrieb er. Er und zwei Frauen aus Lesbos empfänden es als "beschämend", den Namen ihres Geburtsortes zu nennen, da er weltweit mittlerweile etwas völlig anderes bedeute, hieß es. Der Antrag auf eine einstweilige Verfügung soll in Athen am 10. Juni behandelt werden.

Der Begriff "Lesbe" ist mit der Ost-Ägäis-Insel Lesbos verbunden. Von hier stammt die griechische Dichterin Sappho – eine der wichtigsten und bedeutendsten Poetinnen der Antike. Ihre Dichtung trägt homosexuelle Züge. Daher wird seit den 60er-Jahren das Wort "lesbisch" für weibliche Homosexualität gebraucht.

Auf Lesbos finden jedes Jahr mehrmals Treffen lesbischer Frauen statt. Viele Inselbewohner sehen darin ein willkommenes und positives Ereignis, da die Insel auch vom Tourismus lebt.


Quelle: welt.de
Link: http://www.welt.de/reise/article1952406/Warum_Lesbos_gegen_Lesben_ist.html

Diesen Beitrag drucken.


Kommentare zu »Warum Lesbos gegen Lesben ist«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 06.05.2008 um 20.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=139#620

Schon geschehen, lieber Germanist, nur das Auswählen macht noch Mühe. Am einfachsten wäre, in Anlehnung an die neugriechische Aussprache: Lesvier, lesvisch (zu Lesvos). Aber im Angebot (von Ferienprospekten und Wiki-Einträgen) sind derzeit vor allem: Lesvonier, lesvonisch sowie Lesvioten, lesviotisch ("die berühme Lesvonierin Sappho", "die lesviotischen Behörden").
Doch eigentlich bestehe gar keine Verwechslungsgefahr, betonen die nämlichen Quellen, denn die Lesvier würden im heutigen Griechenland ohnehin als Mytilini bzw. Mytilinios (also wohl Mytilenen oder Mytilenier) bezeichnet, wozu dann die Adjektive... etc. pp.
Alles klar?

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 06.05.2008 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=139#619

Da hilft wohl nur die Kreation neuer deutscher Wörter wie "Lesbosser, Lesbossin, lesbossisch".

 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 06.05.2008 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=139#618

Sprachlich ist es sicher wünschenswert, wenn alte Begriffe wie "Urninde", "Tribade" und vor allem "kesser Vater" wieder aufleben.
Wer Tod und Teufel nicht scheut, kann ja in einem einschlägigen Lokal zum besten geben, die Vokabel "lesbisch" sei politisch nicht korrekt, und eine Wortneuschöpfung anregen, die den Vorbehalten der Bewohner von Lesbos Rechnung trägt.
Ist eigentlich die "Emma" schon auf dieses Thema aufmerksam geworden?

 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 05.05.2008 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=139#617

Daher wird seit den 60er-Jahren das Wort "lesbisch" für weibliche Homosexualität gebraucht.

In diesem Punkt ist der Artikel noch zu korrigieren, denn der Begriff ist tatsächlich bereits früher belegt:

Lesbos, griechische Insel, die als ältester Sitz der weibweiblichen Liebe galt, die danach lesbische Liebe benannt wurde. Lukianos schreibt im 5. Hetärengespräch: »Man sagt, daß die Weiber auf Lesbos solche Tribaden sind, die es verschmähen, von Männern umarmt zu werden, dagegen selber die Weiber genießen wie Männer.« Mytilene auf Lesbos war übrigens eine wegen ihrer schwelgerischen Lebensweise und eleganten Kurtisanen sehr gerne aufgesuchte Fremdenstadt. L. ist wegen dieser Beziehung zur Erotik daher auch vielfach als apokrypher Druckort von erotischen Werken sehr beliebt.

Quelle: Bilder-Lexikon Kulturgeschichte. [...] Ein Sammelwerk sittengeschichtlicher Bilddokumente aller Zeiten und Völker (Bilder-Lexikon der Erotik, Bd. 1). Hrsg. vom Institut für Sexualforschung in Wien. Wien; Leipzig: Verlag für Kulturforschung, 1928, S. 575. Zu Sappho (als "Prototyp der weiblichen homosexuellen Liebe angesehen, die nach ihr auch sapphische oder lesbische Liebe genannt wird") vgl. ebd. S. 733.

 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 04.05.2008 um 15.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=139#616

Stimmt. Fast sieht es so aus, als sei Wieland in seiner Geschichte dieser Stadt doch ein Fehler unterlaufen. „Der Horaz der Griechen Alcäus, die glühende Sappho, Anakreon, der Sänger – Aspasia, die Lehrerin – Apelles, der Maler – der Grazien, waren aus Ionien“, schreibt er dort. Abdera aber soll doch in „Tracien“ liegen, wie er seine Leser gleich zu Beginn dieses Buches wissen läßt.

Eigenartig bei einem Manne, der so klug und belesen ist und die Sängerin von Lesbos auch an anderer Stelle unter „die ersten Bilder, die aus dem Tempel der Grazien hervorleuchten“ einreiht.
Mein Bild von Wieland hat direkt einen Schatten bekommen!

 

Kommentar von R. H., verfaßt am 02.05.2008 um 18.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=139#615

Das antike Abdera ist offenbar – Raoul Schrott verfolgt die heiße Spur bereits – neu zu verorten; es findet sich nicht an, sondern in der Ägäis, und zwar auf einer Insel namens Mytilene, auch bekannt als Lesbos.

 

nach oben


Als Schutz gegen automatisch erzeugte Einträge ist die Kommentareingabe auf dieser Seite nicht möglich. Gehen Sie bitte statt dessen auf folgende Seite:
www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheitenB&id=139#kommentareingabe
Kopieren Sie dazu bitte diese Angabe in das Adressenfeld Ihres Browsers. (Daß Sie diese Adresse von Hand kopieren müssen, ist ein wichtiger Teil des Spamschutzes.)


Zurück zur vorherigen Seite | zur Startseite


© 2004–2017: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM