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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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20.08.2004
 

Ungeprüft durchgesetzt
Die Rechtschreibreform an den Schulen

„Erhebungen und Umfragen“ bestätigen nach Angabe der Kultusminister, daß die neue Rechtschreibung an den Schulen erfolgreich eingeführt wurde. Es ist aber nicht einfach, über solche Untersuchungen konkrete Auskünfte zu bekommen.

„Weitestgehend ohne Probleme“ werde die amtliche Rechtschreibung an den deutschen Schulen unterrichtet, erklärte das Sekretariat der Kultusministerkonferenz (KMK) am 6. August in einer eilends formulierten Pressemitteilung. In dieser Einschätzung sind sich alle Verteidiger der Rechtschreibreform einig. „Erschreckend wenig interessieren sich die Kritiker für das Wohl unserer Kinder, die seit Jahren problemlos die neuen Regeln lernen“, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Steinbrück gegenüber der Illustrierten „Focus“. Daran ist richtig, daß sich die Kritiker weniger für das Allgemeinwohl der Schulkinder interessieren als für ihre Rechtschreibleistungen. Über diese aber liegen nur wenige verläßliche Angaben vor. Reinhard Markner ist den Spuren nachgegangen.



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Kommentare zu »Ungeprüft durchgesetzt «
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Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 06.02.2013 um 01.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=80#9265

Fürs Archiv hier noch eine Zeugenaussage von Joachim Güntner (NZZ):

"Das Zauberwort der Reformer ist «Entlastung». Es spielte schon in den Debatten um die Rechtschreibreform seine zweifelhafte Rolle. Ein Referatsleiter im niedersächsischen Kultusministerium erklärte mir damals, man wolle die orthographischen Hürden für die Schüler herabsetzen, damit ihr Kopf frei werde «für Wichtigeres, stilistische Kompetenz zum Beispiel». Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Sicherlich kann es manchmal geboten sein, für Entlastung zu sorgen. Kultur und Zivilisation beruhen darauf, dass es Homo sapiens gelang und gelingt, sich von der unmittelbar bedrängenden Existenznot zu befreien.

Zu simpel gedacht

Doch die Entlastung vom Naturzwang zugunsten kultureller Entwicklung ist etwas anderes, als innerhalb der kulturellen Sphäre Differenzierungen über Bord zu werfen, die dieser Sphäre eigentümlich sind. Die Reformer etwa annoncieren eine «Entlastung der Feinmotorik» durch Vereinfachungen der Schreibschrift, als sei dies etwas Gutes. Für Schüler mit Handicap mag das gelten. Wann aber, wenn nicht in der Kindheit, soll unsere Feinmotorik geschult werden? Bildungswege sind wie Wanderwege: Wer die Anstrengung scheut, bringt sich um schöne Aussichten. "

Quelle: Neue Zürcher Zeitung, www.nzz.ch

Übrigens ein interessanter Artikel über Ausgangsschriften.


Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 23.08.2004 um 10.16 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=80#17

Dieses "Argument" der KMK ist ein Schein- bzw. Sekundärargument und für die Diskussion um die RSR eigentlich irrelevant:
1. ist die "Reform" eine Zwangsreform, von "Akzeptanz" oder Akzeptanzproblemen kann somit keine Rede sein. (Auch die Behauptung, die Erde sei eine Scheibe oder das heutige Leben nicht durch Evolution, sondern durch göttliche Schöpfung entstanden, wäre "problemlos" eingeführt und gelernt worden – Schüler haben weder die Macht noch das Wissen, sich dagegen zu wehren.)
2. erschöpft sich eine Schriftsprache nicht im Ausdrucksvermögen etwa eines Zehnjährigen, sie hat sich zu bewähren im Gebrauch durch Erwachsene: in Wirtschaft, Wissenschaft, Literatur, Politik und im Privaten. Genau dort versagt die "Reform", und dort wird sie bekämpft.



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