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18.08.2004
 

Die Klügeren sollen nachgeben
Darmstadt setzt weiter auf Beschwichtigung

Soll die Rechtschreibreform ganz oder nur in Teilen rückgängig gemacht werden? – Ihm persönlich, meint Freiburger Romanist Hans-Martin Gauger, wäre »die schiere Rücknahme der „Reform“ am liebsten«. Doch Gauger ist auch Vorsitzender der Sprachkommission und Mitglied der Rechtschreibkommission der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Die Darmstädter Akademie hat bereits letztes Jahr einen Kompromißvorschlag ihres Mitglieds Peter Eisenberg vorgelegt. Er wäre zwar ihrer eigenen Einschätzung nach nur die »zweitbeste Lösung«, hätte aber den Vorteil, daß die Anhänger der Reform das Gesicht wahren könnten. Den Darmstädtern ist weniger wichtig, was am Ende ausgehandelt wird – worauf es ihnen ankommt, ist, daß es mit ihnen ausgehandelt wird.



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Kommentare zu »Die Klügeren sollen nachgeben«
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Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 19.08.2004 um 23.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=78#12

Wenn Herr Gauger schreibt: "Dieser Kommission gehörten neben Eisenberg, Hartmut von Hentig, Friedhelm Kemp, der schwedische Germanist Gustav Korlén, Uwe Pörksen, Harald Weinrich und der Autor dieser Zeilen an", so stimmt dies nur ein bißchen. Im Vorwort des im Wallstein Verlag erschienen Buches, das den Kompromißvorschlag enthält, schreibt Christian Meier: "Den Entwurf des Vorschlags hat Peter Eisenberg geschrieben, die Wörterliste ist unter seiner Regie von Barbara Seelig und Birgit Wolf-Bleiß angefertigt worden. Beide [die beiden Damen etwa? WL] sind Gegenstand längerer eingehender Beratungen der Rechtschreibkommission der Akademie gewesen und stellen das Ergebnis gemeinsamer Arbeit dar." Wer aus dieser "Kommission" den Kompromißvorschlag tatsächlich gekannt oder gutgeheißen hat, ist allerdings unklar. Einer der hier als Kommissionsmitglieder genannten, mir persönlich bekannten Herren wußte bei Erscheinen des Vorschlags jedenfalls nichts davon; er hielt die Kommission, in die er vor Jahren berufen worden war, als es noch um die Verhinderung der Rechtschreibrefom ging und die Akademie ein eigenes Regelwerk mit Wörterverzeichnis vorlegen wollte, für längst stillschweigend wieder aufgelöst.


Kommentar von Johannes Hauberger, verfaßt am 19.08.2004 um 13.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=78#10

Der Kompromißvorschlag ist obsolet

Jahrelang haben sich die Mitglieder der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung die geharnischten Invektiven ihres Präsidenten Christian Meier gegen die Rechtschreibreform bestenfalls leicht amüsiert angehört. Im entscheidenden Anfangsstadium geschah jedenfalls nichts. Theodor Ickler, den Hans-Martin Gauger jetzt als die Schlüsselfigur des Widerstands lobt, hörte man sich höflich an, und das war’s denn auch. Schließlich gab es dann doch noch Peter Eisenbergs „Kompromißvorschlag“, der ausdrücklich die „Machtverhältnisse“ akzeptiert und die völlige Rückkehr zur Rechtschreibnormalität ausschließt. Auf Frau Schavans Betreiben fanden im März und im Mai dieses Jahres Gespräche darüber mit der Zwischenstaatlichen Kommission statt, die erwartungsgemäß zu nichts führten. Immerhin soll nun die Einrichtung des „Rates für deutsche Sprache“ vorgezogen werden, in dem die DASD die Reformkritiker repräsentieren wird. Herr Gauger sollte es sich dreimal überlegen, ob er dort als Alibifigur mitmachen möchte. Wie die verbohrten Reformer mit Kritikern umgehen, müßten ihm die Erfahrungen Herrn Munskes und Herrn Eisenbergs (bis 1997 bzw. 1998 Mitglieder der Zwischenstaatlichen Kommission) deutlich genug vor Augen führen.

Jetzt sollte man darauf vertrauen, daß nach den spektakulären Rückumstellungen bei Zeitungen und Zeitschriften die öffentliche Ablehnung der Neuregelung dem „menschenverachtenden Massenexperiment“ (Ickler) die Grundlage entziehen wird. Noch ist der Schaden nicht allzu groß. Zwar sind fast an allen Schulen die Bücher in herkömmlicher Rechtschreibung „entsorgt“ worden, wohingegen die Literaturbestände des 20. Jahrhunderts in öffentlichen und privaten Bibliotheken unangetastet geblieben sind. Wenn aber das unübersehbare Kennzeichen der Rechtschreibreform, die Neuschreibungen mit „ss“ statt mit „ß“, bei einer Kompromißlösung erhalten bliebe, wäre die gesamte gedruckte Hinterlassenschaft in den Augen künftiger Leser obsolet. Paradoxerweise würde gerade der Zug der Neuregelung, gegen den sprachwissenschaftlich am wenigsten spricht, den Traditionsbruch bewirken. Übrigens wäre dies auch eine Kostenfrage. Die Reform der Reform ist teurer als die konsequente Rückkehr zur herkömmlichen deutschen Rechtschreibung.


Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 18.08.2004 um 16.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=78#9

Daß die Schreibung, wie nach Gerhard Stickel (ehemals Direktor des Instituts für deutsche Sprache) angeblich naiverweise "die Sprachwissenschaftler" meinen, "doch bloß das äußerlichste Gewand der Sprache" sei, ist nicht nur aus der Sicht des schreibenden Volkes Unsinn; es ist vor allem sprachwissenschaftlich falsch: Die Schreibung ist wie die Lautung eine Ausdrucksebene der Sprache, und zwar eine gleichberechtigte. Ihr Ursprung liegt außerhalb der Aussprache (in lautunabhängigen Zeichen), und seit ihrer "Alphabetisierung" emanzipert sie sich als eigenes System wieder zusehends von der gesprochenen Sprache.



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