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12.03.2013
 

Die Staatsräson Deutschlands und die Sprache der Schweiz
Zur Jahresversammlung des Rottenbundes in Visp (Wallis)

Unter der Leitung des Obmanns Dr. Erwin Leiggener fand kürzlich im Restaurant La Poste die Jahresversammlung des Rottenbundes statt. Neben den Vereinstraktanden stand ein Vortrag des Philologen Stefan Stirnemann, St. Gallen, auf dem Programm.

Das Vereinsjahr 2012 war durch die Aufnahme neuer Mitglieder und durch Vorträge gekennzeichnet. Es sprachen Hubert Theler, Lyriker und Dozent, und Dr. phil. Bernard Truffer, kantonaler wissenschaftlicher Berater des Historischen Lexikons der Schweiz (HLS). Beide bearbeiteten Themen, die für das Oberwallis wichtig sind: Theler die Verwendung unserer Mundart bei der Übersetzung des so bedeutenden Bibel-Textes und Dr. Truffer die Berücksichtigung des Wallis im wichtigsten Nachschlagewerk zur Geschichte und Biografie der Schweiz. Der traditionelle Kulturausflug des Rottenbundes musste abgesagt werden. Im Berichtsjahr erhielt der Rottenbund ein neues Logo. Es zeigt die 13 Bezirkssterne in Rot/Weiss in einem grossen Stern «Der Rottenbund» und «Für Sprache und Kultur». Unterstützt wurde der Schreibwettbewerb des Kollegiums Brig. Im neuen Vereinsjahr wird u.a. der Kulturausflug in neuer Organisationsform durchgeführt, und Obmann Leiggener erhofft sich markante Beteiligung. Ferner würdigte der Obmann die verschiedenen kulturellen Leistungen der Rottenbund-Mitglieder.

Rechtschreibreform und Staatsräson

Referent Stefan Stirnemann, profunder Kenner der Geschichte und des gegenwärtigen Standes der Rechtschreibreform, studierte Philologie in Basel mit einem Schwerpunkt auf der deutschen und lateinischen Schulgrammatik des 19. Jahrhunderts, war Mitarbeiter an einem grossen lateinischen Wörterbuch in München und arbeitet heute als Kantonsschullehrer. Neben vielfältiger publizistischer Tätigkeit ist er Mitglied der Arbeitsgruppe der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK). In letzterer Eigenschaft trat er vor dem Rottenbund auf und stellte in einem interaktiven Vortrag einer aufmerksamen und zunehmend betroffenen Hörerschaft die Vorgeschichte und Geschichte der Rechtschreibreform dar. Stirnemann zeigte, dass unüberlegte und schroffe Eingriffe z.B. in die Gross- und Kleinschreibung und die Getrennt- und Zusammenschreibung einen langwierigen Prozess in Gang brachten, der zu grosser Unsicherheit im Schulwesen und zu riesigen Ausgaben der Verlage führte. Immer neue Wörterbuch-Ausgaben widerriefen das, was ein Jahr vorher noch galt, bis im Jahr 2006 der Rat für Rechtschreibung kurzerhand althergebrachte und neudefinierte Schreibweisen als gültige Varianten erklärte.

Heute soll also ein «wohlbekannter» Schriftsteller dasselbe sein wie ein «wohl bekannter» Schriftsteller. Gemäss Ministerin Johanna Wanka, die einst Präsidentin der deutschen Kultusministerkonferenz war, wissen die Kultusminister, dass diese Reform ein Fehler war, aus Staatsräson habe man sie nicht zurückgenommen. Heute ist Wanka Bundesministerin für Bildung und Forschung und somit Nachfolgerin der unglücklichen Annette Schavan, die ihr Amt aufgeben musste, weil ihr die Universität Düsseldorf wegen Betrugs den Doktortitel entzog. Seit wann, fragte Stirnemann, ist die Schweiz solchen Staatsvertretern und ihrer Staatsräson verpflichtet? Die Schweizer Orthographische Konferenz arbeitet seit mehreren Jahren daran, die zahllosen Fehler dieser Reform zu beheben. Es geht ihr dabei um Sprachrichtigkeit und Einheitlichkeit. Die «SOK-Empfehlungen» können über die Internetadresse www.sok.ch eingesehen werden. Sie finden auch in Deutschland zunehmend Beachtung, z.B. beim grossen Reclam- Verlag. In der Schweiz folgen immer mehr Medien der SOK; als Beispiele brachte Stirnemann neue Hefte von «NZZ Folio» und «Schweizer Monat» nach Visp. Der ausserordentlich gut dokumentierte Vortrag Stefan Stirnemanns zeigte auf, dass die Lage besorgniserregend ist und nicht so bleiben kann. Ob es gelingen wird, bei Presse und Literatur und in der Schule Ordnung und Sprachrichtigkeit wiederherzustellen, wird sich zeigen. Zu wünschen wäre es!

ag.


Quelle: Walliser Bote


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Kommentare zu »Die Staatsräson Deutschlands und die Sprache der Schweiz«
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 21.03.2013 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=689#9303

Mein Vorschlag zu whenever: immer wenn, hat auch nur 3 Silben.

Literaturzitat: Mark Twain. Whenever the literary german dives into a sentence ... (weiter bei Googel)


Kommentar von ppc, verfaßt am 21.03.2013 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=689#9302

"jedesmal wenn" hat vier Silben, das sind zuviele. Außerdem schreibt "man" heute: Jedes Mal wenn", und das ist häßlich; auch "so oft" wäre häßlich, während "wann immer" in Neuschreib unverändert bleibt. Und schließlich habe ich "wann immer", anders als "einmal mehr", "nicht wirklich", "für drei Stunden", "macht grooooßen Sinn", "Mamm-änd-Dädd" usw., noch nicht als Anglizismus identifiziert. :-)


Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.03.2013 um 22.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=689#9299

Warum sollte ppc das nicht? Singt doch der Volksmund auch unbeanstandet und urdeutsch: "Heit kummst du endlich wieder ham zu mir / Wo immer du a bist / und je mehr i di vermiss / gfrei i mi wenn i deine Briefe lies / wos immer du grod mochst ..."


Kommentar von MG, verfaßt am 19.03.2013 um 20.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=689#9298

Und warum schreiben Sie "wann immer" (whenever) statt "jedesmal wenn" oder "sooft", werter PPC?


Kommentar von ppc, verfaßt am 19.03.2013 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=689#9297

Wann immer ich gezwungen bin, Texte in Reformschrieb zu verfassen, bemühe ich mich, dies "gemäßt den (nicht: "der"!) Empfehlungen der SOK" zu tun, und wenn man dieses mit "verfasst in reformierter Rechschreibung in der von der SOK empfohlenen Variante" o.ä. tituliert, bleiben mitunter ein paar sinnvolle Kleinschreibungen verschont. Ein fauler Kompromiß, aber manchmal geht's leider nicht anders.



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