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19.04.2010
 

Vom „Fernsehprogramm“ überfordert
„Eisenbahnwaggon“ nur von 6 % richtig geschrieben

Laut KESS-Studie steht es schlecht um die Schreibkompetenz von Schülern: „Fernsehprogramm“ können nur 23 Prozent der Viert-, 50 Prozent der Sechst- und 67 Prozent der Achtkläßler richtig buchstabieren.

Lesen Sie den entsprechenden Bericht über die geschlechtergerecht betitelte Studie („Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern“) in der heutigen Ausgabe der Welt.



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Kommentare zu »Vom „Fernsehprogramm“ überfordert«
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Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 12.05.2010 um 00.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=649#8206

Lieber Herr Stiene,

ich halte die Schreibung räsonieren ja auch nicht für selbstverständlich, sondern würde wohl auch räsonnieren schreiben, wenn ich nicht zufällig im Duden nachgeschlagen hätte.

Für räsonieren kann man ins Feld führen, daß in unbetonter Silbe keine Konsonantenverdoppelung stattfindet. Man schreibt aber abonnieren, was dieser Regel ja widerspricht.

Nun gibt es im Deutschen das Wort Räson aus dem man mit dem Lehnsuffix -ieren die Schreibung räsonieren ableiten könnte. Dagegen gibt es kein Wort Abon, aus dem man abonieren ableiten könnte.

Wie dem auch sei: die Wege des Duden sind unerforschlich.


Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 11.05.2010 um 12.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=649#8203

So selbstverständlich ist die Schreibung „räsonieren“ keineswegs. Ein paar zufällige Funde mit nn-Schreibung:

– Ich war wohl klug, daß ich Dich fand. Heinrich Christian Boies Briefwechsel mit Luise Mejer, 1777-1785. Herausgegeben von Ilse Schreiber. Mit einem Vorwort von Joachim Kaiser. Nachdruck der zweiten, durchgesehenen und erweiterten Auflage 1963, München 1975, S. 75: „da raisonnierten wir so lange“. – S. 88: „ich hätte mir das alles aus dem Herzen wegraisonniert.“ – S. 110: „raisonnieren“.
– Josef Victor v. Scheffels Briefe an Karl Schwanitz (Nebst Briefen der Mutter Scheffels) (1845-1886), Leipzig 1906, S. 158: „raisonnierend“.
– Gregor von Tours, Historiarum libri decem - Zehn Bücher Geschichten. Auf Grund der Übersetzung W. Giesebrechts neubearbeitet von Rudolf Buchner, I-II (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, 2-3), 5., durchgesehene u. ergänzte Auflage, Darmstadt 1977, Bd. I, S. XVII: „raisonniert“.


Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 11.05.2010 um 01.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=649#8202

Die Tatsache, daß in dem Test die meisten Wagon schrieben, erscheint mir durchaus ermutigend. Das zeigt, daß die Prüflinge die Regel (mit Ausnahmen), wonach im Deutschen Konsonantenverdopplung nur in betonter Silbe erfolgt, beherrschen.

Die herkömmliche Schreibung Waggon ist ja höchst merkwürdig. Wir sprechen es französisch aus, aber im Französischen heißt es wagon. Selbst im Angelsächsischen dürfte inzwischen die vorherrschende Schreibung wagon sein, auch wenn im Englischen waggon noch zulässig (und der Betonung nach auch naheliegend) ist.

Der Regel folgend schreiben wir nach Duden ja auch räsonieren, obwohl es im Französischen raisonner heißt.

Insofern erscheint mir die durch die RSR eröffnete Möglichkeit, Wagon zu schreiben, ausnahmsweise mal als sinnvoll.


Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 08.05.2010 um 20.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=649#8198

"Compagnie (Internationale) des Wagons-Lits". In dieser Schreibung ist zumindest dem Bahnreisenden der "Waggon" am geläufigsten. Übrigens hatten schon vor der Reform viele Leute geglaubt, es müsse "Strasse" heißen, weil ihnen das Wort häufig in Versalien begegnete – z.B. auf Straßenschildern.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.05.2010 um 19.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=649#8197

Ich bezweifle, daß das "a" in Wa(g)gon immer und überall kurz gesprochen wird, besonders wenn das "on" wie in Bonbon gesprochen wird.


Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 08.05.2010 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=649#8196

"If it ain't broke, don't fix it." Die Doppel-g-Schreibung deutet an, daß das a kurz ist. Und zur Trennung am Zeilenende bietet die Ein-g-Schreibung auch keine Erleichterung, denn erst auf der nächsten Zeile sieht der Leser, daß ja zuletzt ein "kurzes a" in einer unbetonten Silbe gemeint war und nicht ein "langes" in einer betonten wie in "Namen". Wir haben hier dasselbe Problem wie bei der unsinnigen Vorschrift, "ck" auch am Zeilenende nicht zu trennen. — Dazu eine Frage: Spricht wer in der Schweiz das "-on" hier so aus, daß es auf "Kanton" reimt? Das könnte evtl. eine Ein-g-Schreibung hier rechtfertigen.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.04.2010 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=649#8184

Wir schrieben bisher "Waggon", weil die Begriffe der Eisenbahntechnik aus dem Englischen gekommen sind, während die der Post- und Fernmeldetechnik aus dem Französischen kamen. In Englisch-Wörterbüchern findet man aber "wa(g)gon", deshalb müssen wir auch nicht mehr an den zwei "g" festhalten. Im Französischen und Italienischen hat das Wort nur ein "g", und wir sprechen das Wort ja französisch aus.


Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 23.04.2010 um 11.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=649#8183

Auch wenn es im Artikel nicht explizit steht:

So, wie es formuliert ist, klingt es tatsächlich danach, daß die Schreibung Eisenbahnwagon (denn um Fehler wie Aisenbahnwaggon oder Eisenbanwaggon kann es sich nicht drehen) als falsch gewertet wurde. Dabei soll genau diese Variante im Sinne der Neuschreibung ebenfalls richtig sein.

Vielmehr entsteht also der Eindruck, daß auch die Fragesteller größere Unsicherheiten haben dürften, was die Reformregelung betrifft.


Kommentar von Alter Hut, verfaßt am 23.04.2010 um 10.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=649#8182

Kaum einer unserer Volontäre konnte "Waggon" richtig schreiben, praktisch alle schrieben "Wagon" (analog zu "Wagen"), viele beharrten sogar darauf. Wohlgemerkt überwiegend Germanistik Studenten.

Die KESS-Studie sagt aber auch aus, es sei etwas besser geworden, sprich, hätten wir keine Reform gemacht, sähe es schlimm aus. Das ist doch der Tenor, der überall durchschimmert, sei das Ergebnis noch so katastrophal - es wäre schlimmer!



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