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29.10.2009
 

Theodor Ickler
Ausgemistet, aussortiert, exiliert
„Solche Bücher dürfen wir Kindern nicht mehr in die Hand geben“

Rückblick auf ein Büchermassaker: Wie der Rechtschreibreformwahn Lücken in die Schulbibliotheken riß.

Als im Sommer 1996 die Einzelheiten der geplanten Rechtschreibreform bekannt wurden, glaubten besonders die Jugendbuchverlage, ihre Produkte möglichst rasch auf die neuen Schreibweisen umstellen zu müssen. Neue Schulbücher wurden ohnehin nur noch in Reformorthographie genehmigt, aber auch bei privater Lektüre sollten die Kinder sich nicht mehr an herkömmlichen Schreibweisen die Augen verderben. Angeblich entsprach dies dem Wunsch der Eltern; auch herrschte weithin die Vorstellung, die Reformschreibung sei gesetzlich vorgeschrieben. Die noch lebenden Autoren stimmten mehr oder weniger zähneknirschend zu; einige klagten in privaten Äußerungen über den Zwang, dem sie sich nicht zu entziehen vermochten.

Die Umstellung geschah durchweg so schnell wie nachlässig, keine andere Literaturgattung zeigte derart viele Irrtümer und Versehen. Die korrekten Umsetzungen der Reform waren allerdings sprachlich nicht besser als die fehlerhaften: "so Leid es Lilli auch tut" – "Ratte ist immer an allem Schuld" – ",Morgen!‘, sagte er Hände reibend" – "Offenbar wirkte Mamsell sehr Furcht einflößend". Die Reparaturbedürftigkeit der neuen Regeln stand für jeden Sachkundigen schon damals fest, und so kam es auch: Durch die Revisionen 2004 und 2006 wurden von den rund zehntausend reformierten Duden-Einträgen etwa viertausend nochmals geändert. Die Lebensdauer der Rechtschreibwörterbücher sank auf 23 Monate (Duden) oder gar nur 13 (Wahrig).

Im Rechtschreibwortschatz der Grundschulen betraf die Reform zwar nach amtlicher Zählung nur 24 Wörter (alle wegen der ss-Schreibung). Gleichwohl wurden von Anfang an auch Schul- und Leihbibliotheken durchforstet und von Büchern in "alter" Rechtschreibung gereinigt. Typische Vollzugsmeldung: "Alle Bücher in alter Rechtschreibung wurden ausgemistet." Die Dunkelziffer dürfte enorm sein; wahrscheinlich sind Millionen Bände vernichtet worden. Hier können nur einige wenige Stimmen zitiert werden.

Ein Gymnasium in Stuttgart klagte 2004 über finanzielle Schwierigkeiten, nachdem "hunderte von Büchern aufgrund der Rechtschreibreform ausgemustert und ersetzt werden mußten". Eine Schule in Bensheim meldet: "Bücher, die nicht mehr der neuen Rechtschreibung entsprachen, wurden ausgemistet." Aus Hude: "Bücher aus der ehemaligen Schulbücherei sind allerdings nicht zu finden. ,Alle Bücher hier sind neu angeschafft. Das liegt an der Rechtschreibreform. Wir können den Kindern ja nicht zumuten, heute falsche Schreibweisen zu lesen‘, erläutert die Rektorin." Einzelnen Lehrern ging das Vernichten von Büchern gegen den Strich, sie schickten sie nach Polen oder Rumänien oder verkauften sie auf dem Flohmarkt. Gerade aus kleinen Büchereien in Landgemeinden wurden bis zu zwei Drittel aller Bücher aussortiert. Gern werden Spendengelder oder die Mittel von Fördervereinen dazu verwendet, die Folgen der Vernichtungsaktion auszugleichen: "Der Schulleiter, der vor kurzem die Literatur mit alter Rechtschreibung aussortierte, ist froh über die Idee des Fördervereins: ,Ohne ihn könnte sich das unsere kleine Schule niemals leisten‘" (Obergrenzebach 2008). So auch an der Deutschen Schule in Madrid: "Bücher mit alter Rechtschreibung wurden aussortiert", so hörte man hier 2009.

Die nächste Revision steht bevor, der Rat für deutsche Rechtschreibung diskutiert bereits das Unvermeidliche. Aber aus einem Ort im Sauerland wird noch kürzlich berichtet: "Wer sich in der Bücherei der Grundschule zur Zeit ein Buch ausleihen möchte, steht vor fast leeren Regalen. ,Vor zwei Wochen haben wir mit zwei Praktikantinnen des Gymnasiums unsere Bücher aussortiert, die noch die alte Rechtschreibung beinhalten‘, erklärt Schulleiter P. B. Das Ergebnis: mehr als die Hälfte der Bücher sind nicht mehr zeitgemäß. (...) Gefunden hat er unter anderem alte Schätzchen wie ,Ferien auf Saltkrokan‘ von 1964. ,Solche Bücher dürfen wir Kindern nicht mehr in die Hand geben‘, betont er." Das sollten jene Eltern zur Kenntnis nehmen, die sich im Internet verwundert fragen, warum in ihrer Gemeindebücherei die Werke von Lindgren und Kästner nicht mehr aufzufinden sind: Die alten Bände sind aussortiert, neue aber noch nicht angeschafft. Nicht alle Bücher jedoch werden in einer der verschiedenen Versionen der Reformschreibung nachgedruckt. Die Friedrich-Gerstäcker-Gesellschaft zum Beispiel teilt mit, daß die Werke ihres Namenspatrons aus Kostengründen kaum umgestellt werden dürften.

Ähnliche Meldungen gibt es aus Österreich. Dort wurden nach Auskunft der Schulleiter an jeder zweiten Volks- und Hauptschule die Buchbestände rigoros dezimiert, obwohl das Kultusministerium im Jahre 2004 ausdrücklich erklärt hatte: Ein Aussortieren von Büchern, die es nur in traditioneller Rechtschreibung gibt, "würde einen Eingriff in die literarische Vielfalt bedeuten". Das Ministerium riet, nicht über den Rahmen der jährlichen Bestandspflege hinauszugehen. Ähnlich das hessische Kultusministerium: "Kein Buch muß ausgesondert oder vorzeitig ersetzt werden, nur weil es die alte Schreibweise enthält. Mehrbedarfsanträge dürfen daher weder direkt noch indirekt mit Anschaffungen rechtschreibreformierter Bücher begründet werden."

Bei den Schulen ist dieser Aufruf zur Mäßigung offensichtlich nicht angekommen. Es wird auch selten bedacht, daß die namhaften deutschen Schriftsteller, darunter alle Büchner-Preisträger, sich weiterhin der herkömmlichen Orthographie bedienen und auf ihren Wunsch auch in Schulbüchern so gedruckt werden. Immer beliebter werden darüber hinaus Klassikertexte in Originalschreibweise, wie sie etwa bei Reclam und Suhrkamp in wohlfeilen Schulausgaben herauskommen. Die Büchervernichtung wäre auch unter diesem Gesichtspunkt nicht notwendig gewesen.

Vergleichbare Verluste hat es in Friedenszeiten bisher nicht gegeben. Die Urheber der Rechtschreibreform allerdings dürften von solchen Schreckensmeldungen unbeeindruckt bleiben. Auf Warnungen vor einem Traditionsbruch antworteten sie schon 1992 mit der kulturrevolutionären These: "Das meiste, was gedruckt oder geschrieben wird, gilt dem Tagesbedarf: Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Korrespondenz, Schulbücher. Geht man von 1995 als einem möglichen Reformdatum aus, so brauchen die Kinder, die ab dann lesen lernen, in den seltensten Fällen etwas von dem zu lesen, was vor 1995 geschrieben und gedruckt wurde."

(F.A.Z.-Printausgabe vom 29.10.2009, Nr. 251 / Seite 31, modulo ClassGerman)


Quelle: F.A.Z.
Link: http://tinyurl.com/faz-ickler-ausgemistet


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Kommentare zu »Ausgemistet, aussortiert, exiliert«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2016 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10676

Die Chinesen haben das Porzellan und die Bücherverbrennung erfunden.

Die FAZ erinnert an das kleine rote Buch, das vor 50 Jahren erschien. "Exemplare mit dem Vorwort von Lin Biao haben besonderen Wert." Von der Mao-Bibel seien wohl eine Milliarde Exemplare in mehreren Sprachen gedruckt worden. Aber nachdem Herausgeber Lin Biao in Ungnade gefallen und aus der Geschichte getilgt worden war, hat man auch das Buch weitestgehend verbannt und beseitigt. Ich habe noch ein paar und werde sie irgendwann verkaufen und reich werden wie ein Chinese.

Auch in Marburg und Frankfurt schwenkten einst Studenten triumphierend die Worte des Vorsitzenden, das sollte man nicht vergessen.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2016 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10551

Sehe gerade, daß Herr Höher es vor Jahren schon eingetragen hat: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=31#4764


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2016 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10550

Inzwischen gibt es Märchenbücher, in denen einer der bekanntesten Titel in Allerleirau geändert worden ist. Damit ist der Zusammenhang des Namens mit dem Inhalt verloren gegangen, aber das ficht die unterwerfungssüchtigen Bearbeiter nicht an.


Kommentar von R. M., verfaßt am 02.10.2015 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10281

Es stimmt natürlich nicht, wie die von dieser Gerüchtemacherei betroffene Bibliothek schon vor Monaten klargestellt hat:
http://www.bz-berlin.de/kultur/literatur/buecher-vernichtung-in-berliner-bibliotheken


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2015 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10280

Ich beziehe mich auf diverse Meldungen und Proteste wie hier:

http://www.deutschlandfunk.de/berlin-proteste-gegen-zlb-reform.1769.de.html?dram:article_id=325397

Heute aufgegriffen im Feuilleton der FAZ. Ob alles so stimmt, weiß ich natürlich nicht.


Kommentar von R. M., verfaßt am 02.10.2015 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10279

Welche Bibliothek soll das vorhaben?


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2015 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10278

Die Absicht deutscher Bibliotheken, nach dänischem Vorbild alle Bücher zu vernichten, die länger als zwei Jahre nicht ausgeliehen wurden, entspricht der Auffassung unserer Rechtschreibreformer, die ich bereits zitiert habe:

„Das meiste, was gedruckt oder geschrieben wird, gilt dem Tagesbedarf: Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Korrespondenz, Schulbücher. Geht man von 1995 als einem möglichen Reformdatum aus, so brauchen die Kinder, die ab dann mit der Substantivkleinschreibung lesen lernen, in den seltensten Fällen etwas von dem zu lesen, was vor 1995 geschrieben und gedruckt wurde.“ (Internationaler Arbeitskreis für Orthographie [Hg.] 1992, S.195)



Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.09.2015 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10265

Der Börsenverein will Flüchtlinge mit Büchern begrüßen und ruft zu Spenden auf. Bisher hat er nicht darauf hingewiesen, daß die Bücher rechtschreibreformiert sein müssen. Sind Flüchtlinge etwa Menschen zweiter Klasse, die man schleichend vergiften darf?
Man könnte sie auch zu öffentlichen Verbrennungen nichtreformierter Bücher einladen, da lernen sie etwas über ihr Gastland.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2015 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10232

Als belesenes Kind wußte ich, daß ich ein Langschwein bin, in Ostasien auch eine Langnase (ein Bahuvrihi-Kompositum, aber das habe ich erst später gelernt).


Kommentar von Pt, verfaßt am 26.08.2015 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10230

Wieviele nicht politisch korrekte Wörter es wohl für Weiße gibt? Oder müßte es ''politisch nicht korrekte Wörter'' heißen?


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2015 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#10229

Auch die Leihbücherei Bad Dürrheim freut sich über leere Regale (die man auf einem Foto des Südkuriers vom 15.8.15 sieht). 40% des Bestandes wurden aussortiert.

Bei Kinder- und Jugendliteratur weist die Bibliothekarin darauf hin, dass einige Bücher in alter Rechtschreibung verfasst seien, „wobei die richtige Schreibweise gerade für Kinder wichtig ist.“ Außerdem sei das so genannte Wording, also die Formulierung, in einigen Büchern nicht zeitgemäß. Christina Kälberer nennt etwa das Wort „Neger“, das noch in Klassikern vorkomme.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2014 um 05.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9965

Die Zurückweisung von Buchspenden, wenn die Bände nicht der neuesten Version der Reform entsprechen, findet man sehr oft; sie trägt indirekt zur Entwertung und Vernichtung des Bestandes bei. Die Bücherei-Mediathek Zetel freut sich über Buchspenden. „Dafür bedanken wir uns recht herzlich“, sagt Anette Haupt-Koch. Aus aktuellem Anlass erinnert sie aber auch daran, dass nur gut erhaltene Bücher, die nach 2006 gedruckt wurden, angenommen werden können. Die Zeitangabe 2006 hängt mit der Rechtschreibreform zusammen. (NWZ 2.8.14)


Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.05.2014 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9935

Auch der Förderverein der Grundschule in Verden-Walle will die Schüler vor dem Anblick von Texten in klassischer Rechtschreibung bewahren. Die selbst haben offenbar überhaupt keine Probleme damit, im Gegenteil. Aber es sind ja auch noch Kinder.

„Außerdem freuen wir uns über eine Spende der Firma Kemna“, sagt Dunker-Güldenpenning.

Mit den 750 Euro werden neue Bücher für die Bücherei angeschafft. „Wir haben ganz viel Platz dort, der noch gefüllt werden soll“, sagt die Kassenwartin. Viele Exemplare hätten noch die alte Rechtschreibung und sollen nun nach und nach ausgetauscht werden. Die Jungen und Mädchen haben sich schon die beliebtesten Exemplare gesichert. Die Bücherei wird ehrenamtlich von den Eltern der Schüler betrieben. „Ohne so engagierte Mütter und Väter würde auch das Frühstück nicht funktionieren“, sagt Kerstin Polet.

Quelle: kreiszeitung.de, 21.12.2012 (www.kreiszeitung.de/lokales/verden/verden/pausenhof-eine-attraktion-reicher-2674736.html)


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2014 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9934

Als Argumentationshilfe stelle ich hier noch einmal die ganze aktualisierte Dokumentation zur Verfügung:

Ausgemistet

Büchervernichtung wg. Rechtschreibreform

(Kürzere Fassung erschienen in den „Wiener Sprachblättern“ 2008)

Die Dunkelziffer dürfte diesmal besonders hoch sein, denn es gibt keinen besonderen Grund, den Skandal öffentlich zu machen. Was dennoch zufällig ans Licht kommt, ist erschreckend genug: Schulen und Leihbibliotheken glauben seit 1996, ihren jungen Lesern keine Bücher in herkömmlicher Rechtschreibung zumuten zu können. Es wird bedenkenlos ausgesondert, weggeworfen, verramscht. Ich zitiere einige Meldungen. (Wenn die Quelle nicht angegeben ist, stammt die Nachricht vom Internetauftritt der betreffenden Schule.)
Aus Fleckenberg im Hochsauerland wird berichtet: „Wer sich in der Bücherei der Grundschule Fleckenberg zurzeit ein Buch ausleihen möchte, steht vor fast leeren Regalen. 'Vor zwei Wochen haben wir mit zwei Praktikantinnen des Gymnasiums unsere Bücher aussortiert, die noch die alte Rechtschreibung beinhalten', erklärt Schulleiter Peter Bonnen. Das Ergebnis: mehr als die Hälfte der Bücher sind nicht mehr zeitgemäß. (...) Gefunden hat er unter anderem alte Schätzchen wie 'Ferien auf Saltkrokan' von 1964. Solche Bücher dürfen wir Kindern nicht mehr in die Hand geben', betont er.“ (11.2.2009) Nun hofft der Schulleiter auf Buchspenden „(Druckdatum: ab 2000)“ - offenbar in Unkenntnis der Tatsache, daß die Reformschreibung nach diesem Datum bereits zweimal revidiert worden ist.
Das Karls-Gymnasium in Stuttgart klagte 2004 über finanzielle Schwierigkeiten, nachdem „hunderte von Büchern aufgrund der Rechtschreibreform ausgemustert und ersetzt werden mussten“.
An der Wilhelmsschule, ebenfalls in Stuttgart, sollen alle Bücher, „die noch in der alten Rechtschreibung gedruckt sind, ausgetauscht werden.“ (Stuttgarter Wochenblatt 8.2.2007)
In Lüneburg konnten die „veralteten“ Bücher dank einer Spende von E.ON Avacon ausgetauscht werden. (Landeszeitung 28.4.2006)
Die Altstadtschule in Wedel freut sich über eine Spende der Hamburger Sparkasse, denn die Deutschbücher mußten wegen der Rechtschreibreform auf einen Schlag ausgetauscht werden (und die Mathematikbücher wegen der Umstellung auf den Euro, aber das ist ein anderes Thema). (25.1.2008)
Auch die Bücherei der Schule am Heikenberg in Lünen meldet Vollzug: „Alle Bücher entsprechen der neuen Rechtschreibung!“
Von der Hemsbergschule in Bensheim erfährt man im Dezember 2006: „Alte Bücher von 'anno tobak' und solche, die nicht mehr der neuen Rechtschreibung entsprachen, wurden ausgemistet.“
Unter der Überschrift „Schule fördert die Leselust“ berichtete das Wiesbadener Tagblatt am 23.11.2007 über die Alteburgschule in Idstein-Heftrich: „Vor drei Jahren fiel die Spende so großzügig aus, dass fast sämtliche Bücher mit alter Rechtschreibung aussortiert werden konnten.“
In Geinsheim war die Schulbücherei ein Jahr lang geschlossen. „In dieser Zeit wurde der Bestand neu katalogisiert und Bücher mit alter Rechtschreibung wurden aussortiert.“ (5.12.2007)
Auch an der Grundschule Hude gilt: „Bücher aus der ehemaligen Schulbücherei sind allerdings nicht zu finden. 'Alle Bücher hier sind neu angeschafft. Das liegt an der Rechtschreibreform. Wir können den Kindern ja nicht zumuten, heute falsche Schreibweisen zu lesen', erläutert Rektorin Walk.“ (Delmenhorster Kreisblatt 12.4.2007)
Von der Grundschule Heeseberg in Jerxheim bei Braunschweig: „In den Regalen stehen mittlerweile etwa 1200 Bücher, von denen gut die Hälfte noch aussortiert werden könnte. Die Rechtschreibreform und die aktuellen Lesewünsche der Kinder zwingen zum Handeln, meinen Förderverein und Schule.“ (1.2.2008)
Den Schülern der Theißtalschule in Niedernhausen entgeht manches wertvolle Stück Literatur, denn: „Gekauft oder als Spende angenommen werden nur Bücher, die der neuen deutschen Rechtschreibung entsprechen.“ (Wiesbadener Kurier 19.3.2004)
An der Walter-Kolb-Schule in Unterliederbach gibt es nicht nur eine neue Mensa, sondern auch etwas zu lesen: „Von den vorhandenen Büchern sind 60 bis 70 Prozent neu, schließlich 'wollten wir möglichst wenige Bücher mit alter Rechtschreibung'.“
Von der Grundschule Ober-Olm wird berichtet: „Für Spenden von gebrauchten, aber gut erhaltenen Büchern sind wir nach wie vor dankbar. Aber es müssen Bücher mit der neuen Rechtschreibung sein. Sonst führt das zu Verwirrung bei den Kindern." (Mainzer Allgemeine Zeitung 19.4.2008)
Auch die öffentliche Bücherei im Kirchenzentrum Wartberg sorgt für die jungen Leser. Hier „wurde der alte Buchbestand aussortiert. Es blieb nur noch ein Drittel der vorhandenen Bücher zurück. Wie es weiter in einem Pressebericht der Bücherei heißt, werde der Buchbestand nun nach und nach mit neuen Büchern, nach der neuen Rechtschreibereform, aufgefüllt.“ (Fränkische Nachrichten 10.9.2004)
Die Johann-Heinrich-Schwalm-Schule im hessischen Obergrenzebach erfreut sich eines Fördervereins, der neue Bücher finanziert: „Schulleiter Michael Seim, der vor kurzem die Literatur mit alter Rechtschreibung aussortierte, ist froh über die Idee des Fördervereins: 'Ohne ihn könnte sich das unsere kleine Schule niemals leisten.'“ (Hessisch-Niedersächsische Allgemeine 18.1.2008)
An der Konrad-Adenauer-Gemeinschaftshauptschule Wenden hat man immerhin erfahren: „Es gab zwei größere Rechtschreibreformen“ (eigentlich waren es drei!) „in den letzten Jahren und viele Deutschbücher sind damit nicht länger aktuell. Sie wurden jetzt als Altpapier entsorgt durch Herrn Schneider, der das Papier verkaufte und das Geld für wohltätige Zwecke ausgeben wird.“ (19.9.2007)
In Bad Essen wurden alle Schulbücher in herkömmlicher Rechtschreibung schon zu Beginn des Reformunternehmens ausgesondert und als Spende nach Polen geschickt. „Man war froh, ausgediente Bücher nicht in den Müll werfen zu müssen.“ (Neue Osnabrücker Zeitung 8.10.2001)
Die Astrid-Lindgren-Schule in Neu Zippendorf gibt „alles, was etwa wegen der Rechtschreibreform im Unterricht nicht mehr verwendbar ist“, gegen eine kleine Spende ab. (Schweriner Volkszeitung 16.1.2006)
Von der Stadtbücherei Falkensee berichtet die Märkische Allgemeine Zeitung: „Von 1997 bis 2007 schrumpfte der Bestand an Medien (Bücher, CDs, Videos, DVDs, Spiele, Periodika) ziemlich drastisch, und zwar von 30 189 auf 25 857 – umkehrt proportional der Bevölkerungsentwicklung, denn die Bürgerschaft wuchs in diesen zehn Jahren von 27 505 auf 38 376. Christiane Radon, die Leiterin des Hauses, erklärte, warum das so ist: Einerseits mussten viele Kinderbücher aussortiert werden, da sie nicht mehr der neuen Rechtschreibung entsprachen (...)“ (23.5.2008)
Die katholische öffentliche Bücherei in Münster-Gelmer wurde renoviert und wiedereröffnet. Von Bücherspenden bittet die Leiterin abzusehen: „Durch die Rechtschreibreform können wir ältere Bücher einfach nicht verwerten.“ (Ibbenbührener Volkszeitung 12.11.2008)
In Schrobenhausen berichtet das Pfarrblatt St. Jakob zum Bücherei-Jubiläum 2008: „Bei den Erstlesebüchern wurden so weit möglich alle Bücher mit alter Rechtschreibung ausgesondert. Leider gibt es nicht alle in Neuauflagen, so dass manche 'Klassiker' noch im Bestand belassen wurden.“
An der Wurmbergschule in Braunlage gab es „strahlende Gesichter“ wegen einer Bücherspende. „Jede Menge Bücher mit alter Rechtschreibung stehen in den Regalen. 'Das können wir jetzt ändern', strahlte Schulleiterin Maren Kolb, die das Geld stellvertretend für Elternratsvorsitzende Claudia Seele entgegen nahm.“ (Goslarsche Zeitung 8.1.2009; vgl. auch ebd.17.3.2009)
„Derzeit sollen vor allem Kinder- und Jugendbücher in alter Rechtschreibung ausgemustert werden.“ (Bad Vilbeler Anzeiger 5.3.2009 über die Stadtbücherei Bad Vilbel. Vgl. die Erfolgsmeldung in der Wetterauer Zeitung vom 15.2.2010)
„Bücher mit alter Rechtschreibung wurden aussortiert ...“ (Deutsche Schule Madrid, Elternbrief März 2009)
„Es wurden viele Sachbücher angeschafft und Bücher mit alter Rechtsschreibung durch solche mit neuer Rechtschreibung ersetzt.“ Dabei half eine Spende des Lionsclubs. (Gemeinschaftsgrundschule Overath 2008)
„Die Exemplare mit alter Rechtschreibung mussten raus“, sagt die Bibliotheksleiterin der Grundschule Südkirchen (Ruhrnachrichten 1.4.2009)
Die Grundschule Burg auf Fehmarn meldet: „In den Regalen war noch sehr viel Platz, da wir Bücher mit alter Rechtschreibung aussortiert hatten.“ (8.6.2010)
Auch aus der Neumarkter Stadtbücherei werden Bücher in alter Rechtschreibung aussortiert und billig verkauft. (Neumarkter Nachrichten 8.11.2008)
„Leider sind viele Bücher wegen der Rechtschreibreform nicht mehr brauchbar und wir müssen einen neuen Fundus für die Schülerhand erst wieder aufbauen.“ (Pestalozzischule Grundschule Gemünden 2008)
Von der Elisabeth-Ernst-Grundschule wird gemeldet: „Seit vor einem Jahr rund die Hälfte der zuvor 400 Bücher aussortiert werden musste, ist die Auswahl überschaubar geworden. ‚Viele Bücher waren alt und uninteressant für die Kinder. Und auch die Exemplare mit alter Rechtschreibung mussten raus.‘“ (Ruhrnachrichten 1.4.2009)
In Neu-Isenburg nahm eine Bibliothekarin für den Freundeskreis der Stadtbibliothek die Bürgermedaille der Stadt entgegen. Er hatte Geld gesammelt, mit dem „im April 2000 für 1500 Mark Lesebücher in neuer Rechtschreibung angeschafft“ wurden. (15.7.2009) Was mit den Büchern nach den beiden Revisionen der Rechtschreibreform geschah, ist nicht bekannt.

„Am meisten Arbeit bereitete dabei die Umgestaltung des Sachbuchbereichs für Kinder, der neu organisiert und zum leichteren Zurechtfinden neu etikettiert wurde. Außerdem wurde der Bestand an Erstlesebüchern durchforstet und alle Bücher ausgesondert, die noch in alter Rechtschreibung gedruckt waren.“ (Donaukurier 8.1.2010 über die katholische öffentliche Bücherei Schrobenhausen)

„In diesem Jahr ist eine grundlegende Erneuerung der Kinder- und Jugendbücherei geplant. Bücher in alter Rechtschreibung sollen weitestgehend durch Neuausgaben ersetzt werden.“ (Stadtbücherei Jever, Jeversches Wochenblatt 12.1.2010; Vollzug wurde am 15.1.11 gemeldet: „Bücher mit veralteter Rechtschreibung haben wir aussortiert und soweit möglich neue angeschafft.“ NWZ-online)
„Eine Schulbibliothek hat es vorher zwar auch gegeben, doch die war zum einen eher zweckmäßig als gemütlich, zum anderen bei weitem nicht so gut ausgestattet – der Großteil der Bücher musste aussortiert werden, weil sie noch in alter deutscher Rechtschreibung verfasst waren.“ (Der Westen 23.4.2010 über die Elisabethschule in Lünen)
Katholische öffentliche Bücherei Seibranz: „Wirklich alte Bücher wird man in dieser Bücherei sicherlich nicht finden, es sei denn, jemand sucht nach Karl May, Winnetou und Old Shatterhand. Hier gibt es fast jeden Band – teils aus den 40er Jahren -, den das Indianerherz begehrt. ‚Nach der neuen Rechtschreibreform wurden aber auch nochmals viele Bücher entfernt. Aber so richtig beliebte Kinderbücher haben wir trotzdem in den Regalen gelassen’.“ (Schwäbische Zeitung 19.10.2010)
Die Grund- und Hauptschule in Aichhalden sonderte im Jahre 2009 alle Bücher in alter Rechtschreibung aus der Schulbücherei aus und spendete sie einem Verein, der sie auf dem Flohmarkt verkaufte. (Schwarzwälder Bote 21.10.2010)
„Innerhalb von zwei Jahren konnten alle Bücher für LeseanfängerInnen, die bis dahin noch in alter Rechtschreibung angeboten werden mussten, durch neue Bücher ersetzt werden. Nach und nach sollen alle Kinderbücher durch Bücher in Neuer Rechtschreibung ersetzt werden, damit die Kinder optimale Bedingungen zum Lesenlernen vorfinden.“ (Stadtbibliothek Charlottenburg-Wilmersdorf, 2010)
Aus dem hessischen Buseck: „Am gestrigen Vorlesetag in der Grundschule Beuern hatte auch die frisch renovierte Schulbibliothek ihre Türen geöffnet. Die Gäste hatten die Möglichkeit, Bücher zu kaufen, an einer Tombola teilzunehmen und konnten bei Kaffee und Kuchen im »Lesecafé« entspannen. Mit den Einnahmen soll der Bücherbestand der Bibliothek weiter aufgestockt werden, da im Vorfeld alle Bücher, die nicht der neuen deutschen Rechtschreibung entsprachen, aussortiert worden waren.“ (Gießener Allgemeine 27.11.2010)
In der öffentlichen Kinderbücherei in der Grundschule Metjendorf „sollen die Bestände auch gleich gesichtet werden, denn immer noch gibt es selbstverständlich Bücher, die noch in der alten Rechtschreibung verfasst wurden.“ (NWZ 14.5.2011) Im Dezember konnte sie den Abschluß der Aktion melden. (NZW 6.12.2011)
Der Förderverein der Münzenbergerschule in Eckenheim bekommt 1000 Euro von der Lottogesellschaft. Was macht er damit? Man ahnt es schon: „Wegen der Rechtschreibreform mussten alle Bücher ausgetauscht werden.“ (Frankfurter Neue Presse 14.12.2010)
„Unsere Bücherei ist leer! Und zwar sehr leer, seitdem die Arbeitsgruppe alle Bücher aussortiert hat, die veraltet und vor allem noch in alter Rechtschreibung geschrieben waren.“ (Albanischule Göttingen 28.2.2011)
Immerhin sind die „veralteten“ Bücher noch gut genug für Ausländerkinder:
„Ein ganzer Schwung Bücher kam als Spende von der Grundschule Klecken. Dort wurden 40 Bücher in alter Rechtschreibung aussortiert und finden nun in der Multikulti-Bücherkiste neue Aufgaben.“ (Hamburger Abendblatt 21.10.2011) (Welche „neuen Aufgaben“ eigentlich?)
Auch die Grundschule in Loxten hat „Bücher in alter Rechtschreibung ausrangiert“. (Haller Kreisblatt 3.9.2012), ebenso die Gau-Algesheimer Bücherei (Bistum Mainz).
In zahllosen Fällen wird um Bücherspenden gebeten, jedoch unter der Vorgabe, daß nur Bücher in reformierter Schreibweise angenommen werden. Der große Rest ist plötzlich unbrauchbar und wertlos geworden und wird aussortiert wie in Hochheim: „Denn die Kindergärten und Grundschulen können nur Bücher in neuer Rechtschreibung gebrauchen.“ (Mainzer Allgemeine Zeitung 18.6.2010) Oft wird verlangt, die Bücher sollten ab 2004 erschienen sein. 2006 fand die nächste Revision der Reform statt, aber ein Nachführen der Vernichtungs- und Ersetzungsaktionen scheint nirgends mehr erwogen zu werden.
„Die Katholische Grundschule Kampe freut sich über die Eröffnung einer neuen Schulbibliothek für die 59 Schüler- und Schülerinnen. „Für so eine kleine Grundschule, wie wir es sind, ist das ein großer Fortschritt. Wir hatten viele veraltete Bücher, teilweise mit der alten Rechtschreibung, die wir nun aussortieren konnten“, berichtet Schulleiterin Wilma Kreienborg.“ (NWZ 3.6.2011)
Man habe „bis zu 80 Prozent“ des 4700 Bücher umfassenden Eldagser Bestandes aussortieren müssen, erklärt Maxam: „Einige Bücher sind seit Jahren nicht mehr ausgeliehen worden.“ Andere Exemplare waren kaputt – oder gehorchten nicht der neuen Rechtschreibung: ein Aspekt, der sie zumindest für die Schulliteratur untauglich macht. (NDZ 25.10.2012)
„Die Bücherei der Ev. Kirchengemeinde Welper-Blankenstein musste nach 40 Jahren schließen. (...)Nur der Kinder- und Jugendbuchbestand litt. ‘Da ist die Reform der Reform der Rechtschreibreform über uns hinweg gebraust’, bedauert Anne Prinz. Aber Leseanfängern könne man keine Bücher mit falscher Rechtschreibung geben.“ (WAZ 13.1.2013)
Die Wallschule in Wildeshausen verkauft ihre Bücher auf dem Flohmarkt und bittet um Spenden:
„'Da die Kinder der Wallschule gerade erst das Lesen gelernt haben, benötigen wir dafür ausschließlich Bücher mit der neuen Rechtschreibung, um die Kinder nicht zu verwirren', so die Förderkreis-Vorsitzende.“ (NWZ 6.6.2013)
„Die Bücherei war veraltet und renovierungsbedürftig", sagt Konrektor Günter Rennerich. Ziel der Renovierung war es, auch den Bestand durchzusehen – und nicht mehr taugliche Bücher auszusortieren. Nicht mehr tauglich bedeutete zum Beispiel, dass die Bücher auseinanderfielen oder die Texte noch in der alten Rechtschreibung gedruckt waren. „Bis auf einige Klassiker haben wir diese Bücher komplett rausgenommen.“ (nw-news 15.3.2014: Michaelschule Schloß Holte-Stukenbrock)
„Die Kinder aus den Kitas in Bissendorf und Wennebostel durften ihre Wunschbücher bestellen, die Henstorf-Stiftung bezahlte. ‚Wir haben Klassiker ersetzt, die alt und zerlesen waren, auch Bücher, die noch nicht in neuer Rechtschreibung bei uns in den Regalen standen‘ erläuterte die Leiterin der Gemeindebibliothek Wedemark, Martina Popan.“ (Hannoversche Allgemeine 26.3.2014)
„In den Sommerferien 2012 wurden die Bestände der Schul- und Hortbibliothek zusammengelegt. Nachdem alle Bücher mit alter Rechtschreibung aussortiert waren, wurden die übriggebliebenen im Mehrzweckraum in die vorhandenen Regale eingeräumt.“ (39. Schule – Grundschule Leipzig http://cms.sn.schule.de/39gsl/hort/kinderbibliothek/)
Von der Stadtbücherei Glückstadt: „Dass die Zweigstellen professionell ausgestattet werden, ist für die 59-Jährige selbstverständlich. Deshalb durchforstete sie auch als erstes die Bestände der Schulen. Bücher in alter Rechtschreibung waren die ersten, die sie aussortierte. Was jetzt ausgeliehen wird, ist auf dem neusten Stand und wird weiterentwickelt.“ (Norddeutsche Rundschau 14.4.2012)
„Auch wurde die Bücherei nochmals unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass gerade die Kinder- und Jugendbücher veraltet sind und teilweise der neuen Rechtschreibung nicht mehr entsprechen. Nun heißt es, alles noch einmal zu durchforsten und die Bücherei so auf Vordermann bringen.“ (Wormser Zeitung 30.3.2011 über die Bücherei St. Michael in Bürstadt)
Die Gemeindebibliothek in Rodenkirchen meldet: „Die Anzahl der Bücher wurde von ca. 7.000 auf 2.000-3.000 reduziert. Dies war nötig um die Bücherei zu aktualisieren. Viele Bücher waren veraltet oder zerlesen und vor allem viele Kinderbücher mussten aussortiert werden, da sie nicht der neuen deutschen Rechtschreibung entsprachen.“ (http://www.stadland.de/staticsite/drucken.php?menuid=137)

„Wir haben dann gesagt, wir gehen auf Spendersuche“, so Iris Adams, Vorsitzende des Fördervereins der Ablachschule (im schwäbischen Mengen). Die Eltern wurden an dieser Stelle mit ins Boot geholt und um Bücherspenden gebeten. Fast 800 Bücher kamen zusammen, von denen aber viele wieder aussortiert werden mussten, weil sie beispielsweise noch in alter Rechtschreibung geschrieben waren. „Das war sehr schade, die mussten wir rausnehmen“, so Adams. (schwäbische.de 24.10.12)
Auch dank eines großzügigen privaten Spenders konnte der Bestand der jetzt gut 6000 Titel umfassenden Bücherei aktualisiert werden. Lange nicht entliehene Werke und Lesestoff, der nicht der aktuellen Rechtschreibung entspricht, wurden aussortiert. (Gemeindebücherei Kottgeisering, MM 15.7.2007)
In Sachsen-Anhalt wurden dem Kultusministerium „für Lehr- und Lernmittel zusätzliche 600.000 Euro bewilligt. Begründet wurde diese einmalig für das Schuljahr 2007/08 für alle Schulformen geltende Aufstockung mit der abschließenden Einführung der Rechtschreibreform. Der erhöhte Verfügungsrahmen ist von den Schulen zum gezielten Austausch veralteter Lernmittelbestände einzusetzen. Staatssekretär Winfried Willems begrüßte diese Entscheidung. 'Nur wenn die Lehr- und Lernmaterialien an unseren Schulen so schnell wie möglich auf den neuesten Stand gebracht werden, werden sich die Schülerinnen und Schüler die geänderte Rechtschreibung wirklich aneignen können und die Diskussionen über dieses Thema werden zur Ruhe kommen.'“ (Pressemitteilung vom 5.12.2006)
Selbst die Lehrer könnten sich die Augen verderben, wenn sie Bücher in „alter“ Rechtschreibung lesen, deshalb hat die Grundschule in Unkel auch die Lehrerbücherei expurgiert: „Beim Umräumen der Lehrerbücherei wurden viele Bücher, z. B. Bücher mit alter Rechtschreibung, aussortiert.“ (Elternbrief vom 3.5.2005)
Auch aus den Schulbuchsammlungen der Universitätsbibliotheken werden Tausende von Bänden entfernt, teils wegen Lehrplanreformen, aber: „der andere wesentliche Grund ist die in der öffentlichen Diskussion weiterhin heftig umstrittene Rechtschreibreform. Trotz dieser überwiegend mit guten Argumenten vorgebrachten Kritik geht die Universitätsbibliothek davon aus, dass es in den Schulen keine Rückkehr zur alten Schreibweise geben wird. Sie hat sich daher von einem erheblichen Teil der nach der alten Orthografie gestalteten Schulbücher getrennt. Die Gesamtzahl der ausgesonderten Einheiten betrug 3.331 (2003: 3.460).“ (UB Bamberg Jahresbericht 2004)

In Österreich sieht es nicht anders aus.
In Berndorf arbeiten Stadtbücherei und Schulen eng zusammen: „Für jedes Alter wurden Mädchenromane, Krimis, Romane und Sachbücher angekauft. Bücher mit alter Rechtschreibung wurden ersetzt.“ (Dezember 2005)
Die Hauptschule Altach meldet am 5.7.2006: „Über 150 Bücher wurden, da sie in alter Rechtschreibung waren, aussortiert.“
Die Stadtbücherei Neufeld gab im Dezember 2004 bekannt: „An Schulkinder werden nur mehr Bücher mit neuer Rechtschreibung ausgegeben.“
Aus der Voitsberger Stadtbücherei wurden 5.000 Bände aussortiert und auf dem Flohmarkt verkauft. Die Büchereileiterin sagte: „Es werden solche Bücher für den Flohmarkt freigegeben, die zerlesen oder noch nach der alten Rechtschreibung verfasst sind.“ (Kleine Zeitung 21.10.2008)
„Bücher mit alter Rechtschreibung werden rigoros ausgemustert. Sehr viele schöne neue Bücher wurden angekauft.“ (Ebener Gemeinde-Nachrichten Winter 2008)
Auch in Eisenstadt bin ich gerade dabei, Kinder- und Jugendbücher, die noch in der alten Rechtschreibung gesetzt sind, zu entfernen. Ich freu mich schon, wenn wir diese ganzen Arbeiten hinter uns gebracht haben… Kinderbücher, die vor der neuen Rechtschreibreform gedruckt wurden, sind ebenfalls heiße Kandidaten für das Aussortieren. ... Wohin mit den ganzen Büchern, die man ausgeschieden hat? Klar, man kann es mit Bücherflohmärkten versuchen, wird dabei aber auch nur max. 10% an den Mann bzw. die Frau gebracht werden können. Im schlimmsten Fall wird man wohl den Schritt zum Altpapiercontainer machen müssen. Keine Angst, nach den ersten kleinen Stichen wird der Abschiedsschmerz nachlassen… (http://www.huditsch.info/roman/tag/makulieren/ - 9.10.2011)
Unter der kriminalistischen Überschrift „Rechtschreibdetektive in der Bibliothek unterwegs“ wird berichtet:
„Am Dienstag, den 20. November, waren die Kinder der 4b und 4c in der Bibliothek, um Bücher in alter Rechtschreibung ausfindig zu machen. - Noch immer waren Bücher in der alten Rechtschreibung in den Regalen der Lesestufen 1 bis 4 zu finden. Da dies sowohl für die Kinder, als auch für die Eltern sehr verwirrend und daher nicht mehr tragbar war, musste etwas geschehen. Um dem Bibliotheks-Team bei der wichtigen Aufgabe, diese Bücher zu finden, zu helfen und gleichzeitig den Blick für die richtige Schreibweise zu schärfen, haben sich Cathrin Fröwis (4b) und Michaela Häusle (4c) gerne bereit erklärt, mit ihren Schüler(innen) den Bestand zu sichten. Mit Freude und Eifer suchten die Kinder in den Texten nach Signalwörtern, um die verdächtigen Bücher dingfest zu machen. Anschließend wurden alle älteren Bücher, die schon in neuer Rechtschreibung gedruckt wurden, mit einem entsprechenden Vermerk im Buch versehen und wieder ins Regal gestellt. Das Team der Bibliothek bedankt sich ganz herzlich bei den Kindern und Pädagoginnen für ihre Unterstützung.“ (Vorarlberg online 24.11.2012)
„Im Jänner setzten wir Lehrpersonen uns zum Ziel, unsere Bücherei von Büchern mit alter Rechtschreibung zu befreien. (...) Insgesamt waren es 400 Bücher.“ (Volksschule Prutz 23.2.2012)
„Gemeinsam machte sich unser Team ans Werk, alle Kinderbücher  in alter Rechtschreibung, sowie alle Jugendbücher, die veraltet, zerlesen oder optisch nicht mehr ansprechend waren, auszusortieren. Bei  Belletristik und Sachbüchern gingen wir nach Aktualität und Lesbarkeit der einzelnen Medien vor. Es wurden insgesamt 1360 Medien aussortiert.“ (Gesamtbestand 3926) (Dr. Jodok Stülz-Bibliothek Bezau Juni 2002)
Die österreichische IG Autorinnen und Autoren ermittelte, wie an den österreichischen Schulen verfahren wird. Hier die wichtigsten Ergebnisse, mitgeteilt von Ludwig Laher – Mitglied des Rates für deutsche Rechtschreibung – im Dezember 2004: „Die zentrale empirische Aussage dieser Untersuchung ist zweifellos, daß in 38 % der österreichischen Pflichtschulbibliotheken der Bestand an Titeln, die nicht der neuen Rechtschreibung entsprechen, entfernt wurde bzw. in Kürze entfernt werden wird.“ Der „Standard“ berichtete: „In einer Umfrage unter 80 Volksschul-und 40 Hauptschuldirektoren in ganz Österreich (Rücklaufquote 25 Prozent) habe jeder zweite Volksschuldirektor erklärt, Bestände in alter Rechtschreibung aus seiner Schulbücherei ausgeschieden zu haben. (...) Zudem wollen 77 Prozent der Schulleiter ihrem Lehrerkollegium empfehlen, für die Klassenlektüre ausschließlich Texte in neuer Rechtschreibung auszuwählen. 'Diese groteske Aufwertung der Orthografie kann an vielen Schulen in der Praxis das Aus für populäre Klassentexte wie Erich Hackls Erzählung Abschied von Sidonie bedeuten', so Studienautor Ludwig Laher, der die Autoren im Rechtschreibrat vertritt. Den Autoren würden auf diese Weise ideelle wie materielle Nachteile entstehen.“ (15.12.2004)
In Österreich wären die Vernichtungsaktionen nicht nötig gewesen, denn das Kultusministerium gab im Jahre 2004 ausdrücklich bekannt: „Von einem grundlegenden Austausch der Bestände, welcher nur das Kriterium der neuen Rechtschreibung ohne inhaltliche Erwägungen im Auge hat, ist auf jeden Fall abzusehen.“ Ein Aussortieren von Büchern, die es nur in traditioneller Rechtschreibung gibt, „würde einen Eingriff in die literarische Vielfalt bedeuten“. Das Ministerium riet, nicht über den Rahmen der jährlichen Bestandspflege hinauszugehen.
Das hindert die Zeitung „Kurier“ nicht daran, sich im Frühjahr 2011 Sorgen um „Fehler im Lesestoff“ zu machen: „Beim Besuch heimischer Bibliotheken stellt man fest: In den Regalen schlummern noch Kinder- und Jugendbücher, die in der alten Rechtschreibung verfasst sind.“ Immerhin: „In der Stadtbücherei Eisenstadt erklärt Bernadette Horvath: ‚Bis auf ein paar Klassiker haben wir alles ausgetauscht‘.“ „In der Stadtbücherei Jennersdorf zeigt man sich verwundert, dass es noch Büchereien mit ‚alten‘ Büchern gibt. ‚Bei uns ist alles auf dem neuesten Stand.‘“ (17.4.2011, mit weiteren ähnlichen Berichten)
In Deutschland liegen Bekanntmachungen einzelner Schulministerien vor, z. B. aus Hessen:
„Alle in den Schulen vorhandenen Schulbuchbestände können bis zum üblichen Erneuerungszeitpunkt benutzt werden. Kein Buch muss ausgesondert oder vorzeitig ersetzt werden, nur weil es die alte Schreibweise enthält. Mehrbedarfsanträge dürfen daher weder direkt noch indirekt mit Anschaffungen rechtschreibreformierter Bücher begründet werden.“ (Amtsblatt-Sondernummer: Lernmittelfreiheit im Schuljahr 2008/09)
Wie groß der Schaden wirklich ist, läßt sich kaum abschätzen. Es geht ja nicht nur um die Vernichtung wertvoller Bücher. Nicht jeder Jugendbuchklassiker wird in Reformschreibung neu herausgebracht. Was wir in unserer Jugend gern gelesen haben, z. B. die Bücher Friedrich Gerstäckers, wird den Schülern von heute gewaltsam vorenthalten. Ein reformierter Neudruck ist hier, wie die Friedrich-Gerstäcker-Gesellschaft mitteilt, aus Kostengründen nicht zu erwarten.
Das einzige, was die Kinder bei ausgedehnter Lektüre älterer Bücher in nennenswertem Umfang „falsch“ machen könnten, ist wohl die reformierte s-Schreibung (daß statt dass und 24 weitere Wortformen im Rechtschreibwortschatz der Grundschule, nach Mitteilung des sächsischen Kultusministeriums). Dieser „Schaden“ scheint vielen Lehrkräften so erheblich zu sein, daß man überall im deutschsprachigen Raum ganze Bibliotheken auf den Müll werfen zu müssen glaubt.
Da die Reform 2004 und 2006 in wichtigen Punkten geändert wurde, sind die meisten seit 1996 angeschafften neuen Bücher schon wieder veraltet und müßten abermals ausgetauscht werden. Dazu gibt es keine einzige Meldung, die Bibliotheksleiter scheinen das Problem völlig übersehen zu haben, nach dem Motto: Reformiert ist reformiert. Dabei sind die Abweichungen der heute gültigen Schulorthographie von der reformierten des Jahres 1996 besonders durchgreifend und verwirrend, während viele herkömmliche Schreibweisen im Zuge der Revisionen wiederhergestellt worden sind.
Unterdessen schreiben die namhaften deutschen Autoren (so etwa alle Träger des Georg-Büchner-Preises außer Delius) weiterhin in nichtreformierter Rechtschreibung und werden auf Wunsch auch so in den neuen Schulbüchern abgedruckt; die Kultusministerien haben nichts dagegen einzuwenden, ebenso wie der Rat für deutsche Rechtschreibung. Immer beliebter werden auch Schulausgaben der Klassiker in historischer Originalschreibweise (Suhrkamp, dtv).
Ein großer Schulbuchverlag teilte im Sommer 2009 mit, die nichtreformierte Schreibweise Escherichia coli (reformiert Coli) sei in Schulbüchern nicht zu beanstanden, denn hier handele es sich um Fachsprache, und die sei von der Reform nicht betroffen. So gesehen, hätte allerdings fast gar kein Schulbuch umgestellt werden müssen.
Die Presse hat sich von weiteren mangelhaften Reformregeln verabschiedet, der Rechtschreibrat wird bald nachziehen müssen und hat weitere Änderungen bereits in Arbeit (Protokoll der Herbstsitzung 2008). Die große Büchervernichtung war also auch in dieser Hinsicht voreilig und selbst nach den bornierten Maßstäben übereifriger Schul- und Bibliotheksleitungen vergeblich.
Aus pädagogischer Sicht stellt sich die Frage, was eigentlich so schlimm daran ist, wenn ein Schüler die „alte“ Rechtschreibung benutzt – es kann sich ja fast nur um die s-Schreibung und gelegentlich ein heute abend handeln. Der Lehrer muß darin ein Zeichen sehen, daß der Schüler auch noch anderes liest als die Schulbücher, also ältere Literatur oder gegenwärtige Büchnerpreisträger. Denn in der Schule kann er ja diese Schreibweisen nicht kennengelernt haben. Noch einmal: Was ist daran schlimm?



Nachbemerkung:
Dazu noch eine Erinnerung an frühere Bestrebungen derselben Reformer, die nun die Neuregelung entwickelt haben: Auf den Einwand, die Kleinschreibung der Substantive führe zu einem Traditionsbruch, antworteten sie 1992: „Das meiste, was gedruckt oder geschrieben wird, gilt dem Tagesbedarf: Zeitungen, Zeitschriften, Broschüren, Korrespondenz, Schulbücher. Geht man von 1995 als einem möglichen Reformdatum aus, so brauchen die Kinder, die ab dann mit der Substantivkleinschreibung lesen lernen, in den seltensten Fällen etwas von dem zu lesen, was vor 1995 geschrieben und gedruckt wurde.“ (Internationaler Arbeitskreis für Orthographie [Hg.] 1992, S.195)


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2014 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9896

Die Angabe, daß die aussortierten Bücher in der Multikulti-Bücherkiste "neue Aufgaben" fänden, ist ja auch recht merkwürdig. Welche neue Aufgabe könnte ein Buch finden - außer eben gelesen zu werden und Ausländerkindern eine falsche Rechtschreibung zu vermitteln, an der ihr ganzes Leben zerbrechen wird? (Kein Schulabschluß, keine Stelle, Hartz IV, Kriminalität und frühes Siechtum.)


Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.04.2014 um 13.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9884

Ich halte die bewährte Rechtschreibung für sehr gut, ganz im Gegensatz zur verordneten, die diesen Namen nicht einmal verdient. Aber für die Rechtschreib-"Befreier" und sonstigen Saubermänner und -frauen, für die ein ß etwas Schmuddeliges an sich hat, ist es doch bezeichnend, daß sie meinen, die "Multikultis" könnten sowieso nicht richtig Deutsch, die mögen die Schmuddelware ruhig aufbrauchen.

Aber was soll's, dadurch werden immerhin viele gute Bücher vor der Verbrennung gerettet.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2014 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9883

Die zuletzt zitierte Meldung zeigt immerhin, daß aussortierte Bücher noch einen Nutzen stiften können, wenn man sie den Ausländerkindern schenkt. Sie und ihre Eltern scheinen davon weniger "verwirrt" zu werden. Nimmt man noch hinzu, daß aussortierte Bücher auch an Auslandsschulen verschenkt worden sind, dann kann man annehmen, daß nur die Ausländer noch die bessere deutsche Rechtschreibung beherrschen, wie sie ja auch in der Grammatik oft sicherer sind als die deutschen Schüler und Studenten. (Ich hatte schon berichtet, daß eine chinesische Studentin Fehler in der Dudengrammatik entdeckt hat.)

Noch etwas ist mir aufgefallen: Die Bibliotheksbarbaren haben nach 1996 zugeschlagen und später noch einmal ihren Abscheu vor Büchern bekundet, die "vor 2004" gedruckt wurden. Die wollten sie nicht einmal geschenkt haben. Die Revision von 2006 haben sie entweder nicht zur Kenntnis genommen, oder es wurde ihnen allmählich selbst mulmig.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2014 um 16.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9882

Die Befreiung vom Bösen kommt voran. Hier noch ein paar Frontberichte:

Im Jänner setzten wir Lehrpersonen uns zum Ziel, unsere Bücherei von Büchern mit alter Rechtschreibung zu befreien. (...) Insgesamt waren es 400 Bücher.
(Volksschule Prutz 23. 2. 2012)

Am Dienstag, den 20. November, waren die Kinder der 4b und 4c in der Bibliothek, um Bücher in alter Rechtschreibung ausfindig zu machen.
Noch immer waren Bücher in der alten Rechtschreibung in den Regalen der Lesestufen 1 bis 4 zu finden. Da dies sowohl für die Kinder, als auch für die Eltern sehr verwirrend und daher nicht mehr tragbar war, musste etwas geschehen. Um dem Bibliotheks-Team bei der wichtigen Aufgabe, diese Bücher zu finden, zu helfen und gleichzeitig den Blick für die richtige Schreibweise zu schärfen, haben sich Cathrin Fröwis (4b) und Michaela Häusle (4c) gerne bereit erklärt, mit ihren Schüler(innen) den Bestand zu sichten. Mit Freude und Eifer suchten die Kinder in den Texten nach Signalwörtern, um die verdächtigen Bücher dingfest zu machen. Anschließend wurden alle älteren Bücher, die schon in neuer Rechtschreibung gedruckt wurden, mit einem entsprechenden Vermerk im Buch versehen und wieder ins Regal gestellt. Das Team der Bibliothek bedankt sich ganz herzlich bei den Kindern und Pädagoginnen für ihre Unterstützung.

(Vorarlberg online 24. November 2012)

In den Sommerferien 2012 wurden die Bestände der Schul- und Hortbibliothek zusammengelegt.
Nachdem alle Bücher mit alter Rechtschreibung aussortiert waren, wurden die übriggebliebenen im Mehrzweckraum in die vorhandenen Regale eingeräumt.

(39. Schule – Grundschule Leipzig http://cms.sn.schule.de/39gsl/hort/kinderbibliothek)

Gemeinsam machte sich unser Team ans Werk, alle Kinderbücher  in alter Rechtschreibung, sowie alle Jugendbücher, die veraltet, zerlesen oder optisch nicht mehr ansprechend waren, auszusortieren. Bei  Belletristik und Sachbüchern gingen wir nach Aktualität und Lesbarkeit der einzelnen Medien vor. Es wurden insgesamt 1360 Medien aussortiert. (Gesamtbestand 3926)
(Dr. Jodok Stülz-Bibliothek Bezau Juni 2002)

Ein ganzer Schwung Bücher kam als Spende von der Grundschule Klecken. Dort wurden 40 Bücher in alter Rechtschreibung aussortiert und finden nun in der Multikulti-Bücherkiste neue Aufgaben.
(http://die-auswaertige-presse.de/2011/10/multikulti-bibliothek-fur-kinder)


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2014 um 18.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9878

Die Kinder aus den Kitas in Bissendorf und Wennebostel durften ihre Wunschbücher bestellen, die Henstorf-Stiftung bezahlte.
„Wir haben Klassiker ersetzt, die alt und zerlesen waren, auch Bücher, die noch nicht in neuer Rechtschreibung bei uns in den Regalen standen“, erläuterte die Leiterin der Gemeindebibliothek Wedemark, Martina Popan. Vorzugsweise seien dies Lesebücher für die Erst- bis Viertklässler in großer Schrift mit noch vielen Illustrationen.
Der Maulwurf Grabowski, so Popan, sei in neuen Ausgaben inzwischen mit ss statt ß ausgestattet. Aber auch neue pädagogische Debatten etwa zu Rassismus in Kinderbüchern fänden ihre Niederschläge. So sollen in Astrid Lindgrens Werken seit 2009 die Worte „Negerkönig“ und „Zigeuner“ ersetzt worden sein.
(Hannoversche Allgemeine 26.3.14)

In einem anderen Bericht hatte dieselbe Journalistin einmal geschrieben:

Nach der Rechtschreibreform wird der Rauhfußkauz häufig ohne „h“ geschrieben. Dabei geht „rauh“ auf den befiederten Fuß dieser Eulenart zurück. Er wird als „rauch“ = „rauh“ bezeichnet, was so viel wie haarig, befiedert oder pelzig bedeutet. (Ursula Kallenbach in Neue Presse 24.11.2013)

Wikipedia über „Raufußkauz“:

Der Wortteil „Rau“ im Artnamen ist etwas unverständlich geworden, er hat nichts mehr mit der heutigen Bedeutung des Adjektivs „rau“ zu tun, das ursprünglich „haarig“, „befiedert“, pelzig bedeutete. Im Märchen Allerleirauh trägt das Mädchen ein Gewand aus verschiedenartigen Pelzen.
Nur im Ausdruck „Rauchwerk“ für Pelzwaren und in der jagdlichen Wendung „rauen“ für „mausern“ haben sich Reste erhalten. In der Vogelkunde wird diese Bezeichnung noch immer für Arten verwendet, deren Läufe bis zu den Zehen befiedert sind: Raufußhühner, Raufußbussard.


Man sieht, welche Verwirrung in den Köpfen herrscht. Man versteht zwar nicht, was geschieht, will aber dabeisein.



Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2014 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9836

"Die Bücherei war veraltet und renovierungsbedürftig", sagt Konrektor Günter Rennerich. Ziel der Renovierung war es, auch den Bestand durchzusehen – und nicht mehr taugliche Bücher auszusortieren. Nicht mehr tauglich bedeutete zum Beispiel, dass die Bücher auseinanderfielen oder die Texte noch in der alten Rechtschreibung gedruckt waren. "Bis auf einige Klassiker haben wir diese Bücher komplett rausgenommen." (nw-news 15.3.14: Michaelschule Schloß Holte-Stukenbrock)


Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.10.2012 um 21.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9183

Eigentlich gehört zur gymnasialen Bildung, auch Bücher in Frakturschrift lesen zu können. Aber das ist sehr gefährlich, denn die sind alle in alter oder noch älterer Rechtschreibung gedruckt. Bücher lesen ist überhaupt gefährlich, denn sie könnten auch mit neuer Rechtschreibung nicht auf dem aktuellen Rechtschreibungsstand sein. Die Aussortierer müßten eigentlich erst einen Kurs in allerneuester Rechtschreibung bekommen. Verständlich, daß solche Rechtschreibfehler Gymnasiallehrern inzwischen egal sind.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2012 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9182

Aus den meisten Meldungen spricht allerdings eher die irre Angst, man könne aus Versehen eines dieser giftigen nichtreformierten Bücher in den Regalen lassen. Die Bücher werden so ähnlich behandelt wie krebserregender Asbest unterm Dach. Am eifrigsten sanieren die oft ehrenamtlichen Verwalterinnen der Schulbüchereien.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2012 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9181

Früher dachte ich, Bibliothekare liebten ihre Bücher so sehr, daß sie sie am liebsten gar nicht ausleihen würden. Nachdem ich viele Meldungen zur Büchervernichtung ausgewertet habe (nur ein Teil ist hier zitiert), neige ich eher zu der Ansicht, daß sie die Bücher im Grunde hassen. Was ist denn das für ein Ton, den ein junger österreichischer Bibliothekar hier anschlägt:

"Kinderbücher, die vor der neuen Rechtschreibreform gedruckt wurden, sind ebenfalls heiße Kandidaten für das Aussortieren. ... Wohin mit den ganzen Büchern, die man ausgeschieden hat? Klar, man kann es mit Bücherflohmärkten versuchen, wird dabei aber auch nur max. 10% an den Mann bzw. die Frau gebracht werden können. Im schlimmsten Fall wird man wohl den Schritt zum Altpapiercontainer machen müssen. Keine Angst, nach den ersten kleinen Stichen wird der Abschiedsschmerz nachlassen…"


Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 02.09.2012 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9077

„Viele Bücher waren veraltet oder zerlesen und vor allem viele Kinderbücher mussten aussortiert werden, da sie nicht der neuen deutschen Rechtschreibung entsprachen.“
Bei solchen Meldungen drängt sich natürlich auch die Frage auf: warum sollten ausgerechnet Bucheinkäufer die Kompetenz haben, festzustellen, ob die neuanzuschaffenden Bücher tatsächlich der Letztversion von 2006 entsprechen?


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.09.2012 um 09.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#9076

Es gibt ja den alten Lehrsatz, der größte Feind des Bibliothekars sei der ausleihwillige Bibliotheksbenutzer. Damit trösteten wir uns als Studenten, wenn es wieder mal große Schwierigkeiten gab. Vielleicht kann man auch sagen, nichts hasse der Bibliothekar so sehr wie Bücher. Aus Rodenkirchen erreicht uns folgende Meldung:

"Die Anzahl der Bücher wurde von ca. 7.000 auf 2.000-3.000 reduziert. Dies war nötig um die Bücherei zu aktualisieren. Viele Bücher waren veraltet oder zerlesen und vor allem viele Kinderbücher mussten aussortiert werden, da sie nicht der neuen deutschen Rechtschreibung entsprachen." (http://www.stadland.de/staticsite/drucken.php?menuid=137)

Es muß ungemein befriedigend sein, zwei Drittel aller Bücher aus den Regalen zu entfernen - noch dazu mit dem Bewußtsein, auf der richtigen Seite zu stehen. Diese Leute glauben ja, die Kultusminister hätten angeordnet, traditionell geschriebene Bücher nicht in die Hände von Kindern zu lassen, weil sie dort unermeßlichen Schaden anrichten würden.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2011 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8641

Angeschafft werden also Bücher in Reformschreibung, z. B. das folgende, eigens bearbeitet:
Renate Welsh: Drachenflügel. (SZ Jugendbibliothek 2010, Text nach der dtv-Ausgabe 2010). Darin:
Es tut mir ja so Leid. – Du hast mir ja so Leid getan. – Tut mir wirklich Leid. usw.
Außerdem steht als Auslassungszeichen der einfache Apostroph, was auch seltsam aussieht.


Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 15.05.2011 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8614

In der Grundschule wird die Orthographie gelehrt, die die jeweiligen Lehrer für die gültige halten.
An der weiterführenden Schule, besonders am Gymnasium, gibt es etliche Texte in klassischer Rechtschreibung – auch in den Schulbüchern. Wie sollte das bei Quellen im Geschichtsunterricht und bei Autoren, die der Umschrift widersprechen, auch anders sein?
Bei den Gymnasien, die ich kenne, ist auch keiner auf den Gedanken gekommen, die Bibliothek auf KMK-Kompatibilität zu prüfen.

Es kommt immer mal wieder vor, daß ein Lehrer in den Arbeiten solche Schreibungen wie heute morgen usw. findet; dann streicht er einen Rechtschreibfehler an – oder er überliest das schlichtweg, weil es nicht als Fehler auffällt oder weil es für die Note ohnehin irrelevant ist.


Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 14.05.2011 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8613

"... denn in der Schule kann er ja die klassische Rechtschreibung gar nicht kennengelernt haben."

Genau das ist das Schlimme. Nicht von der Schule Vorgegebenes zu lernen bedeutet dasselbe, wie von der Schule Vorgegebenes nicht zu lernen, wenn und soweit die Schule als zentrale Institution zum Selbstzweck geworden ist, den der Staat vorgibt. Es ist dann ein Verstoß gegen die Schulpflicht, der ebensowenig geduldet werden darf wie schwänzen. Nicht nur die Kinder sind schulpflichtig, auch der Unterricht und sein Stoff.

Aus demselben Grunde werden die Kinderbüchereien von in nichtstaatlicher Orthographie gedruckten Texten gesäubert. Diese sind pädagogisch nicht nur wertlos, sondern schädlich. Andere Gesichtspunkte spielen nicht etwa keine Rolle – es gibt sie gar nicht. Kinderbücher sind dazu da, das Lesenlernen zu fördern. Auf den Inhalt kommt es nur insoweit an, als er einen Anreiz zum Lesen bieten muß und nicht anderweitig pädagogisch schädlich sein darf.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2011 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8612

Angenommen, ein Schüler machte einen reformrelevanten "Fehler" – es kann sich ja praktisch nur um ss oder heute morgen usw. handeln – was wäre daran so schlimm? Der Lehrer würde vielleicht erkennen, daß der Schüler auch noch ältere Bücher gelesen hat oder gar lebende Büchnerpreisträger, denn in der Schule kann er ja die klassische Rechtschreibung gar nicht kennengelernt haben. Also noch einmal: Was ist daran so schlimm? Diese Frage müßten die Kultusminister uns mal beantworten.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2011 um 06.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8611

Auch aus der Kinderbücherei Metjendorf sollen die Bücher in alter Rechtschreibung entfernt werden. (Meldung vom 14.5.11)


Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 12.11.2010 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8335

"O weh! Wenn das so weitergeht, kommen demnächst junge Türken nach Deutschland, die so schreiben wie die Büchnerpreisträger, mit ß und so ... "
Oder auch umgekehrt: Wir müssen in die Türkei fahren, um uns in einer nicht gesäuberten Bibliothek umschauen zu können, vor allem wenn wir traditionelle Kinder- und Jugendbücher suchen ...


Kommentar von Michael Krutzke, verfaßt am 11.11.2010 um 09.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8334

O weh! Wenn das so weitergeht, kommen demnächst junge Türken nach Deutschland, die so schreiben wie die Büchnerpreisträger, mit ß und so ...

Orthographische Integrations- und Bekenntniskurse werden es dann schon richten.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2010 um 13.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8333

In Flörsheim werden Bücher für eine Schule in Izmir gesammelt:
»Um in dieser Schule eine Bibliothek aufzubauen, werden jetzt deutschsprachige Bücher dringend benötigt. „Es ist egal, ob in alter oder neuer Rechtschreibung“, erläutert dazu Rosi Geisinger, die Frau des Vereinsvorsitzenden, und zählt als Beispiel Liederbücher, Märchen, Kinderkrimis oder Sachbücher auf.«

O weh! Wenn das so weitergeht, kommen demnächst junge Türken nach Deutschland, die so schreiben wie die Büchnerpreisträger, mit ß und so ...


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2010 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8328

Der „Reblaus“ ordnete es zudem nur Bücher zu, die - wie zum Beispiel die komplette „Harry Potter“-Reihe - der neuen Rechtschreibung entsprechen. Das sei bei Bilderbüchern für die Kitas unwichtig gewesen, da die Kinder noch nicht selbst lesen können.

(Über eine Bücherspende an einen Kinderhort in Hochheim, Mainzer Allgemeine Zeitung 3.11.10)

Aber soviel ich weiß, ist die reformierte Orthographie in den ersten Potter-Bänden nicht nachgeführt worden, dürfte also nun veraltet sein.


Kommentar von B Janas, verfaßt am 25.10.2010 um 13.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8306

Mehr noch als die (meist wohl eher naiv motivierten) Geschehnisse selbst befremdet, wie unsere Kulturschaffendenschaft, zu schweigen von der kritischen Öffentlichkeit, dazu keinen Mucks von sich gibt.
Was wir aus der Geschichte lernen, ist, daß wir daraus nichts lernen?


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2010 um 09.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8303

Die Grund- und Hauptschule in Aichhalden sonderte im Jahre 2009 alle Bücher in alter Rechtschreibung aus der Schulbücherei aus und spendete sie einem Verein, der sie auf dem Flohmarkt verkaufte und das Geld nach Haiti schickte. (nach: Schwarzwälder Bote 21.10.2010)


Berlin ist zwar arm, aber eine Spende macht's möglich:

„Innerhalb von zwei Jahren konnten alle Bücher für LeseanfängerInnen, die bis dahin noch in alter Rechtschreibung angeboten werden mussten, durch neue Bücher ersetzt werden. Nach und nach sollen alle Kinderbücher durch Bücher in Neuer Rechtschreibung ersetzt werden, damit die Kinder optimale Bedingungen zum Lesenlernen vorfinden.“ (Stadtbibliothek Charlottenburg-Wilmersdorf 2010)


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2010 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8302

"Wirklich alte Bücher wird man in dieser Bücherei sicherlich nicht finden, es sei denn, jemand sucht nach Karl May, Winnetou und Old Shatterhand. Hier gibt es fast jeden Band – teils aus den 40er Jahren –, den das Indianerherz begehrt. 'Nach der neuen Rechtschreibreform wurden aber auch nochmals viele Bücher entfernt. Aber so richtig beliebte Kinderbücher haben wir trotzdem in den Regalen gelassen', sagt Reutlinger."

(Schwäbische Zeitung 19.10.10 über die katholische Bücherei in Seibranz)


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.06.2010 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8227

Die Grundschule Burg auf Fehmarn hat von der Sparkasse 500 Euro für neue Bücher bekommen. „In den Regalen war noch sehr viel Platz, da wir Bücher mit alter Rechtschreibung aussortiert hatten“, so Sabine Hönemann, die Vorsitzende des Fördervereins.

Wir gratulieren zur erfolgreichen Büchervernichtung!


Kommentar von Thomas Paulwitz, verfaßt am 28.04.2010 um 09.35 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8190

Die Main-Spitze berichtet heute über die Stadtbücherei Flörsheim:

"Für dieses Jahr stehen neben der Beibehaltung der Angebote interne bibliothekarische Kernaufgaben an, wie eine neue Kennung des Sachbuchbestandes, Schaffung von mehr Präsentationsflächen in den Regalen und Aussondern von Kinderbüchern mit alter Rechtschreibung."

http://www.main-spitze.de/region/floersheim/8819648.htm


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2010 um 09.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8188

Da bin ich mir nicht so sicher. Jedenfalls hatte ich bisher keinen Anlaß, eine solche Forderung zu erheben.


Kommentar von Matthias L., verfaßt am 27.04.2010 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8187

Ich stimme Ickler zu. Viel wichtiger wäre es, die Schulbibliotheken von faschistischer Literatur zu säubern, da sind wir uns wohl einig.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2010 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8186

"Eine Schulbibliothek hat es vorher zwar auch gegeben, doch die war zum einen eher zweckmäßig als gemütlich, zum anderen bei weitem nicht so gut ausgestattet – der Großteil der Bücher musste aussortiert werden, weil sie noch in alter deutscher Rechtschreibung verfasst waren." (Der Westen 23.4.10 über die Elisabethschule in Lünen)


Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.03.2010 um 16.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8112

Das große Vorbild: Paulus in Ephesos, Apostelgeschichte 19, 18-19.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2009 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8048

Die DDR hat schon zu Lebzeiten Millionen Bücher aus Bibliotheken zwar nicht unbedingt vernichtet, aber doch zwecks Devisenbeschaffung in den Westen verhökert. Ich habe davon dankbar profitiert. Soweit ich mich erinnere, ist auch nach der Wende vieles in unseren Antiquariatskästen aufgetaucht.
Auch bei uns werden unvorstellbare Mengen an (neuen!) Büchern vernichtet, Wiki schreibt etwas von 16 Millionen makulierten Exemplaren jährlich. Das ist einfach Marktbereinigung, genau wie bei Zucker oder Tomaten. In der FAZ erschien zur letzten Buchmesse ein sehr anschaulicher Bericht, den man immer noch nachlesen kann, siehe hier.

Ich habe an anderer Stelle schon mal berichtet, wie das Goethe-Institut seine Buchbestände verjüngte und unzählige schöne Bücher wegwarf und wie ich mir noch manches vom Container geangelt habe.

Wieder näher bei der Rechtschreibreform sind wir mit der Erinnerung an die "Textgrammatik der deutschen Sprache" von Harald Weinrich. Der Dudenverlag soll rund tausend noch vorhandene Exemplare der zweiten Auflage vernichtet haben, ohne den Verfasser zu benachrichtigen. Wahrscheinlich wegen der Rechtschreibung, die dem Verlag nicht mehr ins Konzept paßte. Weinrich ging dann zu Olms.


Kommentar von Mike R., verfaßt am 22.12.2009 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8047

Zumindest eine vom Umfang her vergleichbare Büchervernichtungsaktion hat es aber doch gegeben – die Vernichtung von schätzungsweise 100 Millionen Büchern aus DDR-Verlagen nach dem Mauerfall. Die NZZ erinnert heute daran, siehe hier.


Kommentar von www.kuvi.de, verfaßt am 11.11.2009 um 11.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8018

Schulen mit alten Schulbüchern

Nach der Rechtschreibreform und der Verkürzung des Abiturs sind die Schulbücher in den Gymnasien im Münsterland noch nicht auf neuestem Stand. Wegen des eng begrenzten Budgets für den Kauf des Lehrmaterials dauert der Austausch in den einzelnen Fächern mehrere Jahre, so die Auskunft der Lehrer. Trotz der Reformen stellt das Land nicht mehr Geld zur Verfügung. Welche Fächer zuerst und welche zuletzt neu ausgestattet werden, wird in den jeweiligen Schulen entschieden.

(„Kultur & Visionen Borken“, 10. November 2009; Link)


Kommentar von Bernfried Janas, verfaßt am 06.11.2009 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8017

Texte dürfen nicht aufgrund ihrer Orthographie diskriminiert werden, das muß man kategorisch fordern. Schließlich war es ein Anliegen der Reformer, daß Menschen nicht aufgrund ihrer (fehlerhaften) Orthographie diskriminiert werden sollten. Nun passiert dasselbe andersrum, mit den Autoren nämlich, und die können sogar rein gar nichts dafür, weil sie in vorreformatorischer Zeit, und damals noch richtig, schrieben.
Gab es eigentlich nach 1901 ähnliche Erscheinungen?


Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 06.11.2009 um 14.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8016

Ich übertreibe jetzt leider gar kein bißchen, wenn ich in diesem Zusammenhang noch einmal an Heine erinnere: "Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher/ Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." (Almansor)

Das hatten wir doch eigentlich alles schon in diesem Land. Und wieder einmal haben wir anscheinend gar nichts gelernt. Fanatische und verblendete Mitläufer haben's damals und heute möglich gemacht, daß nach Zerstörung kulturelle Lücken entstehen.

Nicht umsonst begann in Deutschland die Erforschung der literarischen, malerischen und musikalischen Moderne eigentlich erst Ende der 50er Jahre (1960 fand in Marbach die berühmte Expressionismus-Ausstellung von Paul Raabe statt). Wie lange soll es denn diesmal dauern?


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 06.11.2009 um 12.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8015

Was könnte man aus dieser Geschichte noch für ein Fazit ziehen? Ich übertreibe mal ein wenig:

Nun, liebe Eltern schulpflichtiger Kinder, wäre es da nicht an der Zeit, dem Beispiel der Schulen und der öffentlichen Bibliotheken zu folgen und den Inhalt des eigenen Bücherschranks orthographisch zu sichten? Wollen Sie allen Ernstes Ihren Kindern etwas zumuten, eventuell gar später einmal vererben, was öffentlich als unbrauchbar aussortiert worden ist?

Sollte dieses Denken wirklich Einzug halten, würde auf perfide Weise in Erfüllung gehen, was die Reformer rotzfrech behaupteten:
»Geht man von 1995 als einem möglichen Reformdatum aus, so brauchen die Kinder, die ab dann lesen lernen, in den seltensten Fällen etwas von dem zu lesen, was vor 1995 geschrieben und gedruckt wurde.«

Bereits im Februar 2004 hatte mein damaliger Doktorandenkollege Hans-Christian Weißker in einer umfassenden Darstellung auf genau dieses Problem hingewiesen: »Können wir wirklich wollen, daß es nicht möglich ist, unseren Kindern den Inhalt des eigenen Bücherschrankes zum Lesen zu geben, ohne ihnen große Nachteile für ihre Sprachsicherheit zu bescheren?«
(Aus: "Das Versagen der Rechtschreibreform, die Fehler ihrer Philosophie sowie ihre gravierenden Nachteile für die Kommunikationsfähigkeit", H.-Ch. Weißker, private Internetveröffentlichung; nur noch im Web-Archiv verfügbar [bitte auf der Auswahlseite des Web-Archivs eines der Suchergebnisse anklicken].)


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 03.11.2009 um 13.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8003

Sehr schwarzer Humor: "Reform: die wahnhaften Rechtschreib-Weltverbesserer und ihre Bücherei-Säuberungen." (Karikatur von Götz Wiedenroth)


Kommentar von Ein um die Erinnerung Betrogener, verfaßt am 02.11.2009 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=639#8001

Schockierend: Salamander & Igel sind wieder da!

Was waren wir damals bei jedem Schuhkauf gespannt, vielleicht waren die Salamander Heftchen sogar beeindruckender als die neuen Schühchen.

Und jetzt das: Der originale "Reprint" mit "originaler" reformierter Schreibweise! Im Impressum kein Hinweis, dort steht nur nochmals bekräftigend, es handele sich um einen Reprint aus dem und dem Jahr.

Dies ist ja beileibe kein Einzelbeispiel, es ist real-existierende Praxis. Vielleicht so etwas wie diese Remakes von Mini und Fiat 500. Nur handelt es sich bei den kleinen Automobilen um eine Reverenz an die Originale, man hat immer das Bild des Originals vor Augen (welche man ja gelegentlich noch durch die Straßen röhren sieht), der Charme rührt einzig von der Erinnerung her.



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