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23.10.2009
 

Rat für deutsche Rechtschreibung trifft sich am 30. Oktober in Bozen
„… zu beobachten, wie die Regeln angenommen werden“

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hält seine diesjährige Herbstsitzung in Südtirol ab. Am Freitag, den 30. Oktober 2009, werden die fast 40 Mitglieder des Rates in Bozen zusammenkommen.
Das Land Südtirol ist seit 2005 im Rat für deutsche Rechtschreibung vertreten und zwar durch den Direktor des Pädagogischen Instituts, Rudi Meraner.

Der Rat für Rechtschreibung wurde 2004 von der deutschen Kultusministerkonferenz, dem österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren eingesetzt. Ein Jahr darauf wurde er auf Antrag des damaligen Bildungslandesrates Otto Saurer durch einen Vertreter Südtirols erweitert. Woraufhin auch das Fürstentum Liechtenstein und die Deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien denselben Antrag gestellt haben. Seither besteht der Rat für Rechtschreibung aus 18 Mitgliedern aus der Bundesrepublik Deutschland, je neun Mitgliedern aus Österreich und der Schweiz und je ein Vertreter aus Südtirol, Liechtenstein und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

Der Rat für Rechtschreibung hat die Aufgabe, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage der Rechtschreibreform von 1996 weiterzuentwickeln. Mit dem in den Jahren 2005 und 2006 im Rat für Rechtschreibung ausgehandelten Kompromiss konnte der Streit um die Rechtschreibreform im Wesentlichen beendet werden, so dass die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung wiederhergestellt wurde. Heute hat er die Aufgabe zu beobachten, wie die Regeln angenommen werden.

Nach der Sitzung am kommenden Freitag, 30. Oktober, wird der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, der ehemalige Staatsminister Hans Zehetmair, um 13 Uhr den Medienvertretern im "Brunnenzimmer" des Hotel Laurin für etwaige Fragen zur Verfügung stehen.
(jw)

(Presseamt der Autonomen Provinz Bozen Südtirol am 23.10.09; Link)



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Kommentare zu »Rat für deutsche Rechtschreibung trifft sich am 30. Oktober in Bozen«
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Kommentar von B Janas, verfaßt am 27.01.2010 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8067

Dürftig, dieser Webauftritt. Keine Tagesordnung, weg sind die Protokolle früherer Sitzungen, dazu die unverschämte Behauptung, man bewahre die "Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum". Diese WAR ein Kulturgut, die Reform hat es dauerhaft beschädigt. Daß die Kulturnation dies alles hinnimmt und den Anordnungen Folge leistet, obwohl sie es nicht muß, sagt leider mehr über die Nation aus als über den Rat.


Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 27.01.2010 um 15.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8066

Neues vom Rat (sofern man überhaupt davon sprechen kann):

Auf dessen Website wurde der Hinweis auf die vergangene Ratssitzung im Oktober entfernt und dafür ergänzt, daß die nächste Sitzung am Freitag, den 23. April 2010 stattfinden wird.

Zudem wurde auf der Startseite hinzugefügt, daß die Neuregelung ab sofort in Schulen notenrelevant wäre, während bisher nur vom Ende einer Übergangsfrist die Rede war.


Kommentar von B Janas, verfaßt am 18.01.2010 um 14.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8065

Es fehlt vor allem an Einsicht und Motivation zu irgendwelchen Aktivitäten. Und wenn wer was täte oder vorschlüge, wer hörte denn noch hin? Der Überdruß ist übergroß. Mit dem Status quo und der "Rechtschreibprüfung" fühlen sich doch die meisten im Grünen Bereich und lassen es dabei bewenden, weil einem so nichts passiert, was man als unangenehm empfände.
Aus der gesamten Sache kann man in mancherlei Hinsicht etliches lernen – kein qualitätvolles Schreiben, aber vieles andere –, und das ist doch auch was.

Gut wäre aber, wenn mal klipp und klar und auf interessante Weise öffentlich dokumentiert würde, was man von sog. Rechtschreibprüfungen erwarten kann und was nicht, und daß die Reformregeln eben mitnichten die besser programmierbaren in dem Sinne sind. So etwas könnte doch mal ein Germanisteninstitut als kleines Projekt machen, oder als etwas größeres, mit Untersuchung, wie sich bestimmte Probleme der Software z.B. in den Medien und sonstwo niederschlagen.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.01.2010 um 13.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8064

Die amtliche Untätigkeit des Rechtschreibrats und die Entmachtung des Dudens bieten doch auch die Chance für Korrekturen der mißratenen Reform "aus dem Volk heraus" nach dem Horaz-Spruch "Sapere aude!" Wage es, weise zu sein, d.h. deinen Verstand zu gebrauchen!" An diesem fehlt es den Berufsschreibern doch offensichtlich am meisten. Wir schreiben eben nicht phonetisch wie die Italiener und Spanier, sondern nach dem Sinn, und über den muß man selber nachdenken, den weiß das Korrekturprogramm auch nicht.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2010 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8062

Eichinger ist satzungsgemäß ein Ratsmitglied wie jedes andere, nicht einmal Primus inter pares. In Wirklichkeit hat das IDS die Sache wieder an sich gezogen, unter tatkräftiger Hilfe von Zehetmair. So macht er Eichinger auch jetzt wieder zum Sprecher, genau wie früher.
Eichinger verweist Ratsuchende an die Kultusminister, diese verweisen Ratsuchende an den Rechtschreibrat.
Die Beobachtung des Sprachgebrauchs kann nicht vom Rat geleistet werden, der gar kein arbeitsfähiges Gremium ist. Die Sprachbeobachtung ist Sache der beiden deutschen Wörterbuchverlage. Früher hat eben Duden die Rechtschreibung geregelt, jetzt, nach der gewollten Dudenpleite, macht es Bertelsmann, das war ja voraussehbar.

Die Rechtschreibreform ist und bleibt Staatsgeheimnis. Man erfährt nicht einmal, wer an den Ratssitzungen teilgenommen hat! Das kennen wir seit der Mannheimer Anhörung. Öffentlich ist nur der Verkauf der Rechtschreibbücher usw., mit denen die meisten Ratsmitglieder Geld verdienen.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß der Rat in der gegenwärtigen Zusammensetzung eine weitere Amtsperiode erlebt. Wahrscheinlich ist längst eine neue Konzeption ausgearbeitet (Eisenbergs Minitruppe?). Oder das Ganze wird mit einer blumigen Erklärung oder auch stillschweigend aufgelöst wie die früheren Gremien (Arbeitskreis, Kommission, Beirat). Es ist im Grunde gleichgültig. Irgendwann wird es eine Neufassung der amtlichen Regeln geben, mit Heyse, ck und st-Trennung, Bindestrich bei 40-jährig. Das kostet nichts, bringt zwar nichts, wahrt aber den Schein. Und das wird es dann gewesen sein, mit Milliarden an Kosten und einer einzigartigen Verunsicherung und Quälerei, aber natürlich auch hübschen unverhofften Einnahmen für Reformer und Trittbrettfahrer.


Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 14.01.2010 um 21.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8061

Lieber Herr Bolz,

vielen Dank für Ihr Schreiben und die Bekanntgabe der Antwort.

Das ist wirklich eine herrliche Realsatire. Zehetmair ist offensichtlich unfähig selbst zu antworten, da er gar nicht kapiert hat, worum es geht. Deshalb reicht er das unangenehme Schreiben einfach mal an das IDS weiter. Und schon wird aus der Beobachtung des Schreibgebrauchs ein intensives Arbeiten an der Beobachtung des Schreibgebrauchs. War schon das Beobachten des Schreibgebrauchs nichts weiter als eine blumige Umschreibung für einen langen Mittagsschlaf, so ist nun das Arbeiten an der Beobachtung des Schreibgebrauchs die Umschreibung für einen ewigen Winterschlaf. Und da sowohl die Sitzungen als auch die Protokolle derselben nicht öffentlich sind, wird auch niemand erfahren, was die Damen und Herren außer Schlafen noch so gemacht haben. Immerhin haben sie zuletzt in Bozen geschlafen. Womöglich wirkt es sich ja stimulierend auf das Träumen von Gämsen und anderen Fabeltieren aus, wenn man gelegentlich mal in Hotelbetten schläft. Werden für den Schlafrat eigentlich Steuergelder verschwendet?

Es bleibt zu hoffen, daß Ende 2010, mit dem "Ende der ersten Amtsperiode des Rates" selbiger aufgelöst wird. Dann müssen endlich nicht mehr alle einmal im Jahr aufwachen, um dann zum Fremdschlafen (oder war das nur Fremdschämen?) verreisen zu müssen.


Kommentar von Robert Roth, verfaßt am 14.01.2010 um 21.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8060

Da steh’ ich nun, ich armer Tor
Und bin so schlau als wie zuvor.


Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 14.01.2010 um 20.19 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8059

Da es sicherlich von öffentlichem Interesse ist, folgt hier ist die Antwort auf meinen Brief vom 07.12.09 an Herrn Zehetmair, den er von Herrn Prof. Eichinger beantworten ließ.

Mein Brief lautete wie folgt:

"Herrn
Dr. h. c. mult Hans Zehetmair
Rat für deutsche Rechtschreibung
Postfach 10 16 21
D-68016 Mannheim

Hofheim, den 07.12.09

Beobachtung der deutschen Sprache durch den Rat für deutsche Rechtschreibung

Sehr geehrter Herr Dr. Zehetmair,

da ich die Entwicklung um unsere Orthographie aus beruflichem Interesse ein wenig verfolge, möchte ich – insbesondere in Anbetracht der vergangenen Sitzung des Rates für deutsche Rechtschreibung am 30.10.09 in Bozen – anfragen, wie es um den Stand der Begleitung der Entwicklung der deutschen Sprache und um die Beobachtungen hierzu (siehe Startseite des Rates im Internet) bestellt ist.

Insbesondere bitte ich um die Beantwortung folgender Fragen:

Welche Personen in Vertretung welcher Institutionen waren auf der vergangenen Sitzung anwesend?
Wie ich erfahren habe, wird das Protokoll der letzten Sitzung erst auf der nächsten Sitzung verabschiedet. Dementsprechend müßte zumindest das Protokoll der vorletzten Sitzung auf der Oktobersitzung verabschiedet worden und öffentlich zugänglich sein. Wo ist dieses Protokoll zugänglich?
Aus einem Schreiben von der Geschäftsstelle des Rates mit Datum November 2009 wurde bekannt, „dass der Rat seit dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Regelwerks intensiv seine Aufgabe der Sprachgebrauchsbeobachtung wahrnimmt“. Wo wurden hierzu Ergebnisse veröffentlicht?
Werden außer Printmedien (d. h. Zeitungen, Zeitschriften usw.) auch andere Publikationen (Romane und Belletristik, Lyrik usw.) – ggf. auch solche, die sich der Reform nicht angeschlossen haben – in bezug auf die Rechtschreibung beobachtet? Welche Schlüsse wurden aus diesen Beobachtungen bisher gezogen?
Gibt es Überlegungen zu einer künftigen Neuausrichtung des Rates für deutsche Rechtschreibung?

Über eine kurze Antwort auf meine Fragen würde ich mich sehr freuen, gerne auch an meine E-Mail-Adresse [hier meine E-Mail Adresse (kb)].

Im voraus herzlichen Dank,

Karsten Bolz"


Gerade eben, vor einer Stunde, erhielt ich nun folgende Antwort per E-Mail:

"Sehr geehrter Herr Bolz,

Herr Dr. Zehetmair als Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung hat ihre Anfrage heute an mich weitergeleitet und mich gebeten, Ihnen darauf zu antworten.

Ich will auf die von Ihnen genannten Punkte der Reihe nach eingehen.

Zu den ersten beiden Punkten (Anwesenheit bei Sitzungen; Protokoll) kann ich Sie nur darauf hinweisen, dass die Sitzungen des Rates für deutsche Rechtschreibung nicht öffentlich sind. Das gilt damit auch für die Protokolle.

Zu der dritten Ihrer Fragen: Ich weiß leider nicht, auf welches Schreiben der Geschäftsstelle Sie sich beziehen. Ich kann aber in der Sache feststellen, dass gemäß der Satzung des Rates intensiv an der Beobachtung des Schreibgebrauchs gearbeitet wird, was eine gewisse Zeit dauert und auch einer gewissen zeitlichen Dauer bedarf, um auch die Entwicklung seit 2006 vernünftig in die Beobachtung mit einschließen zu können. In der Satzung ist ebenfalls festgehalten, dass der Rat zu regelmäßigen Zeitpunkten Berichte an die politischen Instanzen liefert, von denen er beauftragt ist. Ein solcher Bericht ist zum Ende des Jahres 2010, dem Ende der ersten Amtsperiode des Rates, fällig. In ihn werden die bisherigen Ergebnisse der Beobachtung eingehen.

Zu Ihrer Frage nach den Texten: Die Beobachtung bedient sich verschiedener Vorgehensweisen. Es werden aber auf jeden Fall Texte der verschiedensten Art in diese Untersuchungen einbezogen, darunter alle der von Ihnen genannten Texttypen.

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich Ihre Frage nach den Schlüssen, die daraus gezogen worden seien, recht verstehe. Die Beobachtung hat derzeit vor allem das Ziel, Veränderungen und Stellen variierenden Schreibgebrauchs aufzuweisen. Gewisse Tendenzen lassen sich erkennen, und ohne in diesem Punkt den Entscheidungen des Gremiums vorzugreifen, kann ich sicher sagen, dass der Rat in dem bereits erwähnten Bericht seine Einschätzung dazu an die politischen Gremien weiterleiten wird. Wie konkret das zu diesem Zeitpunkt sein kann, ist heute noch nicht so genau zu sagen, da die Untersuchung bestimmter wichtiger Texttypen doch recht aufwendig ist. Ich gehe davon aus, dass in diesem Kontext auch entsprechende Informationen an die Öffentlichkeit gegeben werden.

Für Ihre letzte Frage sind die Mitglieder und auch die Geschäftsstelle des Rates eigentlich nicht die richtigen Adressaten. Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist ein Beratungsgremium für die entsprechenden politischen Gremien in den Staaten, die Mitglieder in den Rat entsandt haben. Daher wären gegebenenfalls diese Instanzen, im Falle der Bundesrepublik Deutschland die Kultusministerkonferenz, in der Lage, etwas zu diesem Punkt zu sagen.

Mit den besten Grüßen

Ludwig M. Eichinger

Prof. Dr. Dr. h.c. Ludwig M. Eichinger
Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS)
R5, 6-13
D-68161 Mannheim"


Kommentar von Anita Schroeder, verfaßt am 03.12.2009 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8029

Hallo Herr Bolz,
die Antwort steht mit unten bei #8021. Das Absender war ein Herr Constantin Weber.
Für mich sieht das nach einem gravierenden Realitätsverlust aus, wenn es schon als Akzeptanz gewertet wird, daß die Zeitungen gleichgeschaltet sind. Wegen der Agenturen können sie ja schlecht aus der Reihe tanzen. Schaut der Rat auch in die Zeitungen rein, um die Einheitlichkeit zu checken? Hat der Rat eine Meinung zu den Umfrageergebnissen von Allensbach? Hat er die Einheitlichkeit, die vorher bestand, nie als kulturelle Leistung begriffen, und sieht er tatsächlich jetzt eine bessere Einheitlichkeit? Wertet er das Karlsruhe-Urteil als Bestätigung, so weitermachen zu dürfen? Sieht er nicht (sehen die Kultusminister nicht), daß von den Kindern verlangt wird, für die Schule zu lernen statt fürs Leben? Aber ok, wenn die Zeitungen lieber für die Schule schreiben als für die Mehrheit ihrer Leser...
Das Ganze ist sowas von kurios, das hätte sich keiner ausdenken können. Genaugenommen ist es natürlich zutiefst beunruhigend, als Exempel betrachtet, was man mit dem Volk anstellen kann und was es mit sich anstellen läßt.


Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 02.12.2009 um 21.00 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8028

Liebe Frau Schröder,
der Inhalt der Antwort interessiert schon alle hier im Forum. Können Sie den hier einstellen? (Es dürfte sich doch eher um ein Dokument von öffentlichem Interesse handeln, als eine Privatkorrespondenz.)

Am Wochenende werde ich auch einmal Herrn Zehetmair (brieflich! Danke Herr Wrase) um Antwort zu einigen mir brennend scheinenden Fragen zusenden.


Kommentar von Anita Schroeder, verfaßt am 02.12.2009 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8027

Also mir hat man auf eine ganz normale Mail nach wenigen Tagen geantwortet.
Allerdings kann ich zu der ganzen Antwort nur sagen, man lügt sich da was in die Taschen, daß sich die Balken biegen. Und weil das in der ansonsten so kritischen Öffentlichkeit glatt durchgeht, kann man nur sehr ernüchtert schließen, daß die Reformcausa als abgehakt gilt und keiner Nachfrage mehr wert. Diese paar Hanseln dort können machen was sie wollen, an den Realitäten und an aller Demokratie völlig vorbei.
Freibrief erster Klasse für die beteiligten Verlage, sich was auszudenken für neue Auflagen, aber das öffentliche Interesse daran ist wohl auch mit in den Keller gerutscht. Einheitliche, akzeptierte und qualitätvolle Rechtschreibung? Vergeßt es, solche Kulturleistungen werden nicht mehr nachgefragt.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 02.12.2009 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8026

Wenn das Protokoll der Bozener Sitzung erst in der nächsten Sitzung verabschiedet wird, müßte in Bozen das der vorherigen (24. April 2009) verabschiedet worden sein. Auch das wäre eine Nachfrage wert, denn auch die April-Sitzung scheint völlig unbemerkt über die Bühne gegangen zu sein.


Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 02.12.2009 um 09.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8025

Ja, genau das sind die Fragen, auf die der Rat seinen schreibenden Mitmenschen ausführliche Antworten schuldet, und es ist ärgerlich, wenn keine einzige Zeitung mehr Lust hat, dem Rat auf die Finger zu sehen. Lieber Herr Strasser, richten Sie gerne Ihre Fragen an den Vorsitzenden des Rates, aber schicken Sie einen richtigen Brief :-)


Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 02.12.2009 um 07.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8024

Gibt es eine Information, welche Methode bzw. Systematik zur intensiven Beobachtung des Sprachgebrauchs verwendet wird? Welche Schlußfolgerungen wird der Rat wohl aus seiner intensiven Beobachtung der s/ss/ß-Schreibung ziehen?


Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 02.12.2009 um 06.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8023

Ich habe am 23. November eine Anfrage geschickt, adressiert an den Vorsitzenden Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair, und um Auskunft zu den Fragen geben, die ich in meinem letzten Beitrag vom 22. November vorgeschlagen hatte. Ich hatte noch die Frage hinzugefügt: "Gibt es Überlegungen zu einer künftigen Neuausrichtung des Rates für deutsche Rechtschreibung?"

Bisher kam noch keine Antwort. Vielleicht deshalb, weil ich kurzerhand die E-Mail-Adresse verwendet hatte, die auf den Internetseiten des Rates angeboten wird, anstatt einen herkömmlichen Brief aufzusetzen, wie mir nachträglich geraten wurde.

Immerhin wissen wir jetzt, daß der Rat nach eigener Einschätzung seine Aufgabe der Sprachbeobachtung "intensiv wahrnimmt". Ich kann das nicht nachvollziehen. Diese Bewertung wäre glaubwürdiger, wenn der Rat innerhalb einiger Jahre dank seiner intensiven Beobachtung zum Beispiel bemerkt hätte, daß so gut wie niemand u. Ä. schreibt, die Reformschreibung anstelle von u. ä. Wenn eine Sitzung des Rates den Beschluß hervorbrächte, daß u. ä. wiederzugelassen werden müsse, wäre ich bereit, diesem Gremium einen gewissen Wert zu attestieren. Aber solche Fortschritte bleiben seit Jahren aus, auch aus Bozen ist ja nichts dergleichen bekannt geworden.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2009 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8022

Daß die meisten Verlage usw. die Reform akzeptieren, trifft in gewisser Weise zu, aber das heißt nicht, daß sie sie auch befolgen. Die orthographische Uneinheitlichkeit der Texte sticht ja ins Auge, ob sie nun nicht wollen oder nicht können, das bleibt sich gleich.

Außerdem ist es nicht klug, ausgerechnet "Rad fahren" als Beispiel einer klaren Regelung anzuführen, denn das Hin und Her gerade bei dieser Gruppe hat uns die sonderbare, auch vom Rechtschreibrat nicht begeistert begrüßte Gruppe um "eislaufen" hinterlassen. Es handelt sich um eine geschlossene (!) Gruppe von Fällen, "bei denen die ersten Bestandteile die Eigenschaften selbständiger Substantive weitgehend verloren haben". Nun – ist das eine klare Regel? Es ist überhaupt keine Regel.


Kommentar von Anita Schroeder, verfaßt am 30.11.2009 um 22.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8021

Mich hat das auch interessiert. Ich habe einfach mal eine Anfrage nach Mannheim geschickt, und zwar mit diesem Inhalt:

»Da ich die Entwicklung um unsere Orthographie aus beruflichem Interesse ein wenig verfolge, möchte ich anfragen, ob es zu der letzten Sitzung des Rates vom 30.10. ein Protokoll gibt oder geben wird. Dieser Termin wird ja auf Ihrer Homepage genannt, aber auch in den Medien hat man dazu bisher nichts gelesen. Dabei kann doch niemand behaupten, die Probleme seien nun alle gelöst.
Mit Verlaub muss ich auch sagen, dass die Behauptung auf der Homepage, "Bewahrung der Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum", mir reichlich weltfremd erscheint. Hat nicht die Reform die Einheitlichkeit zwangsläufig beseitigt – oder soll die gesamte Literatur des 20. Jahrhunderts nun schlankweg für irrelevant erklärt werden, denn die steht ja doch einer neuen Einheitlichkeit sehr im Wege: davon einen nennenswerten Anteil neu und reformiert zu drucken, ist völlig illusorisch.«

Heute kam folgende Antwort:

»...
selbstredend wird es auch zur letzten Sitzung des Rats für deutsche Rechtschreibung ein Protokoll geben. Dieses wird – gemäß der Geschäftsordnung – wie üblich erst in der nächsten Sitzung verabschiedet.

Dass die Bewahrung der orthographischen Einheitlichkeit keine, wie Sie schreiben, "weltfremde" "Behauptung" ist kann damit begründet werden, dass der Rat seit dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Regelwerks intensiv seine Aufgabe der Sprachgebrauchsbeobachtung wahrnimmt. Als zwischenstaatliche Instanz war es zunächst das Ziel des Rats, alle kritischen Stimmen zur ersten Reform der Rechtschreibung (1998) zu hören und entsprechend in die neue amtliche Regelung einzuarbeiten, die seit 2006 gültig ist. Von Einheitlichkeit kann seitdem durchaus die Rede sein, da alle nennenswerten Verlage und Institutionen dieses Regelwerk auf breiter Basis akzeptieren. Zudem kann auch eine Einheitlichkeit in der Mikrostruktur der Orthographie festgestellt werden: Was in der "alten" Schreibung häufig nur durch einen Blick ins Wörterbuch zu klären war, ist nun weitgehend von Einzelfallschreibungen befreit und regelhaft eingebettet. Ein klassisches Beispiel sind die nach der "alten" Schreibung gültigen Schreibungen der Verben radfahren vs. Auto fahren. Nach den neuen Regelungen schreibt man auch hier Rad fahren. Niemand erklärt unterdessen Werke in der bisher gültigen Schreibung für irrelevant und natürlich kann es in der Praxis die neue Schreibung nur ab dem Zeitpunkt geben, zu dem sie für gültig erklärt wurde.

Mit den besten Grüßen aus Mannheim«


Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.11.2009 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8019

Nachdem es keinerlei Berichte über die Sitzung des Rates vor drei Wochen in Bozen gibt, frage ich mich: Was würde eigentlich passieren, wenn sich ein interessierter Bürger oder eine Gruppe wie die FDS an den Rat wendet um um Auskunft bittet: Wer war anwesend? Was wurde besprochen? Was wurde beschlossen? Wo gab es Differenzen zwischen den Anwesenden? Welche konkrete Arbeit gedenkt der Rat in Angriff zu nehmen? Ob man das Protokoll der Sitzung zugesendet bekommen könnte?

Im Grußwort auf der Internet-Startseite schreibt der Vorsitzende Zehetmair jedenfalls: "Wir freuen uns, dass Sie ... sich über die Arbeit des Rats für deutsche Rechtschreibung informieren möchten."


Kommentar von Bernfried Janas, verfaßt am 04.11.2009 um 18.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8010

Einspruch aus anderem Grund: Dieses Gremium haben sich die KuMis einzig als Feigenblatt geschaffen, um das Gesicht zu wahren, seine Handlungsfreiheit dann aber sofort drastisch eingeschränkt. Und dazu der weltfremde Auftrag, "die Einheit der deutschen Schriftsprache zu bewahren" – die ist erstens durch die Reform zerstört und zweitens ohne ihre gänzliche Rücknahme nicht zurückzugewinnen. Für ein Kulturvolk beispiellos blamabel, diese Geschichte, und unsere famosen kritischen Medien nehmen alles gleichmütig hin, von den Schulen und Kulturinstitutionen, Goethe an der Spitze, ganz zu schweigen. Soso, die Einheitlichkeit "wurde wiederhergestellt"! Das dürfen die nicht nur straflos behaupten, das reichen die Zeitungen auch so weiter.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2009 um 17.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8009

In einem anderen Zusammenhang (Gruppenuniversität) hat Harald Weinrich mal von der "Diktatur des Sitzfleisches" gesprochen. Wenn die Vernünftigen, die etwas Besseres zu tun haben, den Sitzungssaal längst verlassen haben, kann der übriggebliebene Haufe durchaus noch etwas beschließen, was nachher alle auszubaden haben. Beim Rechtschreibrat rechne ich allerdings auch nicht mehr damit, daß noch was kommt – außer vielleicht ein bißchen Geld für eine bescheidene Sprachbeobachtertruppe.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 04.11.2009 um 14.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8008

Einspruch: Der Schoß ist fruchtbar noch ...!


Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 04.11.2009 um 14.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8007

Ich vermute, man wollte sich nicht wegen der geringen Teilnehmerzahl blamieren. Auch scheint es nichts zu sagen gegeben zu haben, noch nicht einmal, daß – verständlicherweise – "die neuen Regeln gut angenommen werden".
Die Existenz dieses Vereins kann man getrost vergessen, der Club ist es noch nicht einmal wert, ignoriert zu werden.


Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 04.11.2009 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#8004

Man findet keine Veröffentlichungen zu dieser Veranstaltung, nachdem sie immerhin in diversen Medien angekündigt worden war. Die Pressekonferenz wurde vermutlich abgeblasen. Das Desinteresse ist verständlich, aber es gibt dem Rat die Möglichkeit, nun wieder in aller Ruhe zu schlafen oder auch irgendwelchen neuen Murks auszuhecken.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2009 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#7995

Von einem "Kompromiss" zu sprechen ist auch etwas eigenwillig. Es fehlten ja die gegnerischen Parteien, die sich dann irgendwo in der Mitte hätten treffen können. Der Rat hat ein paar Fehler korrigiert und seine Arbeit dann abgebrochen, das war alles. Eine abweichende Haltung nahmen allenfalls Betonköpfe wie Hoberg ein, die überhaupt nichts ändern wollten.


Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 23.10.2009 um 18.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#7994

Immerhin wissen wir jetzt, was Rudi Meraner für die Aufgabenstellung des Rates hält. Bei ihm nämlich dürften die Leute vom Presseamt sich kundig gemacht haben.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2009 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=637#7993

Die seltsame Aufgabenbeschreibung können wir inzwischen auf sich beruhen lassen. Sie ist nicht der einzige Grund, warum sich kaum alle 40 Mitglieder auf die lange Reise machen werden. Andererseits ist Bozen natürlich im Spätherbst ein reizvoller Ort, und wenn man die Kosten erstattet bekommt, wie wohl alle verbliebenen Mitglieder, dann ist es eigentlich eine feine Sache. Ist es denkbar, daß die großen deutschen Zeitungen jemanden nach Bozen schicken, damit er aus Zehetmair ein paar der üblichen Phrasen herausquetscht? Es ist doch klar, daß die Rechtschreibreform nun voll akzeptiert wird und endlich der Frieden eingekehrt ist.
Ob wenigsten den einen oder anderen Teilnehmer die Frage beunruhigt: Was machen wir hier eigentlich?



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