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25.07.2009
 

Klett bläst zum Angriff auf Duden
Pons-Wörterbuch frei im Netz

Im Mai erst hat Philipp Haußmann den Posten als Vorstandschef der Ernst Klett AG übernommen, und schon kommt der erste Paukenschlag. Am kommenden Montag bringt Klett die deutsche Rechtschreibung ins Internet, gratis. Für das was er tut, findet Haußmann, 43 Jahre alt, Mitglied der Eigentümerfamilie in vierter Generation, Jurist und Romanist, gewählte Worte: „Das ist ein Paradigmenwechsel.“

Tatsächlich ist es ein Angriff, und zwar gleich in zwei Richtungen: erstens wird sich der Beinahe-Monopolist Duden ganz schnell mit dem neuen Konkurrenten auseinander setzen müssen, der zwar noch nie ein Deutsch-Lexikon herausgebracht hat, mit der Marke „Pons“ bei Fremdsprachen aber einer der großen Anbieter in Europa ist. Und zweitens wird ein Raunen durch die Verlagsbranche gehen: schon wieder ein Dammbruch im Internet, schon wieder Gratis-Inhalte und zwar auf höchstem Niveau.

Bei Duden versucht man, den Affront herunterzuspielen

Bei Duden in Mannheim versucht man, den Affront herunterzuspielen. Der Duden sei doch seit jeher die Instanz für die deutsche Sprache, lautet das Credo. Der Markt scheint das zu bestätigen: Seit wenigen Tagen ist der neue Duden, die 25. Auflage, im Handel erhältlich, und schon ist er in der Bestsellerliste – „und ich wette mit Ihnen, dass er nächste Woche auf Rang 1 bei den Sachbüchern ist“, erklärt der Duden-Sprecher. Der Verlag hat zur Großoffensive geblasen und verkauft nach dem Motto „Der Duden auf alle Rechner“ jetzt das Nachschlagewerk im Kombi-Pack mit einer Korrektursoftware. Mehr als 100.000 solcher Pakete sollen die Buchhändler den Duden-Verlag bis zum Jahresende abnehmen.

Im Vergleich dazu nimmt sich die erste Auflage der deutschen Rechtschreibung Marke Pons ziemlich bescheiden aus: 30.000 Stück. „Wir wollen 10 bis 20 Prozent Marktanteil“, gibt Klett-Chef Philipp Haußmann als Ziel vor, auch für die weiteren deutschen Pons-Nachschlagewerke, die Grammatik und eine Art Stilfibel. Müsste Pons sich im Buchhandel gegen den dominanten Duden durchsetzen, würde es Jahre dauern, bis sich die Investition gelohnt hat, rechnet Haußmann vor. Durch seinen Online-Auftritt werde Pons die Verbraucher schneller erreichen.

„Wir hätten schon vor fünf Jahren gratis online gehen sollen“

„Die Zukunft gehört der Anzeigenfinanzierung im Internet“, glaubt Philipp Haußmann, der vor seiner Berufung an die Klett-Spitze jahrelang für Pons verantwortlich war: „Wir hätten schon vor fünf Jahren gratis online gehen sollen.“ Seit dem Jahr 2001 sei der Umsatz von Pons mit Großwörterbüchern auf ein Achtel zurückgegangen. Nur was Schüler und Touristen ins Handgepäck nehmen, verkauft sich unverändert gut. Die professionellen Nutzer aber seien im Internet, und sie seien attraktive Kunden für die Werbewirtschaft: gebildet und berufstätig.

Pons fängt mit der deutschen Rechtschreibung nicht bei Null an. Seit dem vergangenen Herbst stehen die fremdsprachigen Wörterbücher (www.pons.eu) kostenlos im Netz. Täglich griffen schon 1,25 Millionen Nutzer darauf zu, berichtet Haußmann, und täglich würden es mehr. Die Nutzer sind Pons nicht nur in ihrer Funktion als Konsumenten der Werbung dienlich, sondern auch als kostenlose Mitarbeiter.

Nach dem Muster von Wikipedia arbeiten interessierte Anwender, oft hochqualifiziert, bei der Weiterentwicklung der Wörterbücher mit, wodurch diese Tag für Tag detaillierter werden. Das Werk Russisch-Polnisch startet Pons in diesen Wochen deshalb nur mit einem kleinen Umfang, den Rest überlässt man der Kundschaft. Bei der deutschen Rechtschreibung ist man vorsichtiger: hier gehen Änderungs- und Ergänzungsvorschläge zuerst durch die Hände einer Redaktion, bevor sie ins Internet gelangen.

Die Elektronik verändert die Verlagswelt

„Die Welt zwischen zwei Buchdeckel zu pressen – das ist ein Gedanke, von dem man sich verabschieden muss“, resümiert Philipp Haußmann, und bezieht das durchaus auch auf andere Bereiche des Konzerns, der immerhin der zweitgrößte Buchverlag Deutschlands ist. Auch Materialien für die Schule sind längst nicht mehr nur gedruckt – alle neuen Schulbücher kommen mit der passenden Software auf den Markt. „Unsere Kunden kriegen das, was sie wollen dort, wo sie gerade sind.“

Auch bei Duden hat man längst gemerkt, dass die Elektronik die Verlagswelt verändert. Den gedruckten Brockhaus hat das Unternehmen schon 2008 eingestellt. Gratis online gehen ist aber etwas anderes: „Qualität muss man nicht verschenken“, sagt der Duden-Sprecher. Wer wolle einzelne Wörter nachschlagen? „Die eigentliche Revolution ist doch die Korrektur. Das ist die Problemlösung.“ Das Programm dafür habe Duden in der Schublade. „Damit wollen wir natürlich Geld verdienen. Aber vielleicht stellen wir auch das eines Tages kostenlos ins Internet.“


Quelle: F.A.Z.
Link: http://tinyurl.com/faz-net-klett-gegen-duden


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Kommentare zu »Klett bläst zum Angriff auf Duden«
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Kommentar von Handelsblatt, 28. Juli 2009, verfaßt am 31.07.2009 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=625#7892

Duden nimmt Angriff von Klett gelassen

Auf zum Wortgefecht: Die Stuttgarter Verlagsgruppe Klett greift die Instanz für deutsche Sprache an, den Duden. Die Schwaben, die mit ihren Pons-Wörterbüchern am Markt bisher in Sachen Nachschlagewerke für Orthografie keine Chance hatten, setzen auf das Internet. Der Platzhirsch gibt sich unbeeindruckt – und der Herausforderer stolpert zum Auftakt.

DÜSSELDORF. Matt grün leuchtet die Internetseite des Rechtschreibe-Wörterbuchs Pons von Klett. Seit Montag können Internetnutzer dort mit Suchbefehlen Unsicherheiten bei der richtigen Schreibweise ausmerzen – kostenlos. Doch zum Start läuft nicht alles glatt. Wer nach der Schreibweise für den Seglerknoten Stopperstek oder für die Wildobstsorte Speierling sucht, erntet nur ein virtuelles Achselzucken.

Der holprige Start kommt dem Konkurrenten Duden gelegen. „Das ist keine Innovation. Wir haben bereits seit fünf Jahren eine Online-Suche“, sagt ein Sprecher des Bibliographischen Instituts in Mannheim, das den Duden verlegt. Trotzig fügt er an: „Mannheim bleibt die Hauptstadt der deutschen Sprache.“ Duden hat bei Rechtschreibwerken einen Marktanteil von 94 Prozent. Diese Bastion will Klett knacken. Offenbar haben die Stuttgarter in den vergangenen Monaten Mut getankt. Da musste sich mit dem Brockhaus bereits ein anderes gedrucktes Nachschlagewerk der kostenlosen Internetkonkurrenz beugen.

Klett gibt sich angriffslustig. „Wir wollen einen Marktanteil von zehn bis 20 Prozent“, sagte am Montag eine Klett-Sprecherin. Nach dem Start des Online-Portals www.pons.eu soll im September der gedruckte Rechtschreibe-Pons die Dominanz des Dudens brechen. „Schon jetzt haben wir rund 25 Mio. Zugriffe im Monat auf unsere zweisprachigen Online-Wörterbücher“, sagte Philipp Haußmann, Vorstandssprecher der Ernst Klett AG der „Wirtschaftswoche“. Durch das neue Rechtschreibangebot will er die Abrufzahlen bis zum Jahresende auf bis zu 40 Mio. erhöhen. „Damit könnte das Online-Angebot im kommenden Jahr kostendeckend sein.

Die Unternehmenstochter der Verlagsgruppe Cornelsen, die den Duden herausgibt, lässt der Angriff von Klett kalt. „Wir betrachten das Vorhaben sehr entspannt“, sagt Alexander Bob, Geschäftsführer der Cornelsen Verlagsholding, dem Handelsblatt. Duden hat sich längst vom reinen Bücherverkauf verabschiedet. Jetzt will die Instanz für deutsche Sprache die 31 Mio. Computerhaushalte in Deutschland erobern. Der Duden soll in den PC.

Das Bibliographische Institut treibt daher die Expansion seiner Rechtschreibsoftware „Duden Korrektur 6.0“, von der es bislang mehr als eine Mio. Exemplare verkauft hat, voran. Mit Kampfpreisen heizt die Cornelsen-Tochter den Verkauf der Software an. Seit einer Woche bietet der Verlag die 25. Auflage des Dudens zusammen mit dem Rechtschreibprogramm für 25 Euro an. Die Paketlösung kommt an. „Der Duden läuft besser als geplant. Deshalb haben wir unsere Umsatzerwartung um 20 Prozent angehoben“, berichtet Bob. Allein vom Kombipaket aus Buch und Software will der Verlag dieses Jahr 100 000 Stück verkauft haben.

Gute Geschäfte kann das Bibliographische Institut gebrauchen. Im vergangenen Jahr belief sich der Verlust wegen hoher Abschreibungen auf knapp 33 Mio. Euro. Der Standort Leipzig wurde geschlossen, 50 Arbeisplätze gestrichen.

Angesichts des Verkaufserfolgs des Dudens ist die Zuversicht groß, aus den roten Zahlen zu kommen. „Wir werden 2009 die Gewinnzone erreichen“, sagt Bob. Der Angriff der Stuttgarter Verlagsgruppe Klett kommt für Duden aber zu einer Unzeit. Erst im März hat die Verlagsgruppe Cornelsen von der Münchener Verlagsgruppe Langenscheidt das Bibliographische Institut übernommen. Mittlerweile hält Cornelsen bereits 96 Prozent der Anteile. Ziel ist eine Komplettübernahme bis Ende November.“

Pons gegen Duden

Pons von Klett: Die grünen Wörterbücher sind eine der wertvollsten Marken der Stuttgarter Verlagsgruppe Klett. Seit Montag bietet Pons auf seinem Internet-Sprachportal www. pons.eu ein Rechtschreib-Wörterbuch mit 140 000 Begriffen an. Das neue Rechtschreib-Portal ist gratis. Es wird finanziert durch Online-Werbung. Dazu hat die Verlagsgruppe Klett ein Bündnis mit dem Internet-Vermarkter Interactive Media, einer Tochter der Deutschen Telekom, geschlossen. Noch vor der Frankfurter Buchmesse im Oktober erscheinen dann auch noch gedruckte Ausgaben. Nach Unternehmensangaben ist eine Startauflage von 30 000 Stück geplant.

Duden von Cornelsen: Seit vergangener Woche ist die 25. Ausgabe des neuen Rechtschreib-Dudens des Bibliographischen Instituts, einer Tochter der Verlagsgruppe Cornelsen, erhältlich. Fast zeitgleich brachte auch Bertelsmann sein Konkurrenzprodukt „Wahrig“ in den Handel. Der neue Duden umfasst 135 000 Stichwörter . Hoffnungsträger im noch defizitären Mannheimer Verlag ist die Software „Duden Korrektor“, die Rechtschreib- und Grammatikfehler automatisch am Computer erkennt. Künftig plant der Verlag kostenpflichtige Korrekturprogramme ins Internet zu stellen. Ein genauer Starttermin steht aber noch nicht fest.

www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/duden-nimmt-angriff-von-klett-gelassen;2437543;0


Kommentar von Welt online, 28. Juli 2009, verfaßt am 31.07.2009 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=625#7891

Pons fordert den Duden online heraus

Der Kampf um die deutsche Rechtschreibung geht in eine neue Runde: Die Wörterbuch-Marke Pons aus dem Stuttgarter Klett-Verlag fordert den Marktführer nun heraus, nur gut eine Woche nach Erscheinen der 25. Duden-Auflage: Mit einem neuen Internet-Angebot. Beim Duden gibt man sich noch gelassen.

Es tobt ein Kampf um die Vorherrschaft über die deutsche Hochsprache, und zwar ausgerechnet zwischen Baden und Schwaben. Die Hauptstadt der korrekten Sprache ist bisher das badische Mannheim. Dort sitzt das Bibliographische Institut, das den Duden herausgibt. Die Wörterbuch-Marke Pons aus dem Stuttgarter Klett-Verlag fordert den Marktführer nun heraus, nur gut eine Woche nach Erscheinen der 25. Duden-Auflage: Mit einem neuen Internet-Angebot.

Unter www.pons.eu können Nutzer kostenlos in einer Rechtschreib-Datenbank suchen. Außerdem gibt es eine Übersetzungs-Funktion, zunächst in Deutsch, Englisch und Französisch. Sie kann ganze Sätze in Fremdsprachen übertragen. Auf der Konkurrenzseite www.duden.de können Nutzer schon seit Jahren nach korrekten Schreibweisen suchen. Es kostet allerdings Gebühren, zu einem Suchbegriff den vollständigen Wörterbuch-Eintrag zu lesen. Außerdem gibt es keine Funktionen mit Fremdsprachen.

Mit der Orthographie-Offensive betritt der Klett-Verlag Neuland. Die Marke Pons gehört zu den großen europäischen Anbietern bei Fremdsprachen, aber ein deutsches Wörterbuch von Pons gab es bisher nicht. Das ändert sich nun. Nach dem neuen Internet-Angebot wird im September auch eine Druckversion erscheinen. Sie soll dem Duden Marktanteile abjagen. Der hat nach Verlagsangaben zurzeit einen Anteil von 95 Prozent.

Es ist auffällig, dass der Neustart der Pons-Homepage zeitlich fast genau mit dem Start der neuen Duden-Auflage zusammenfällt. Das bringt Aufmerksamkeit. Und die Pons-Macher konnten auf die Neuerscheinung reagieren. Viele der Wörter, die erstmals Eingang in den Duden gefunden haben, sind bei Pons bereits berücksichtigt, zum Beispiel "Ehrenmord", "Abwrackprämie" oder "Komasaufen".

Jetzt geht in der Verlagsbranche die Sorge um, dass nach den Lexika die nächste Gattung den Gratis-Inhalten im Netz zum Opfer fallen könnte. Wenn es so kommt, wird womöglich auch das hierarchische Prinzip der Rechtschreibung zum Auslaufmodell. Bisher setzt der Duden die Regeln fest. Im Internet sind es die Nutzer, die Inhalte produzieren und weiterbearbeiten (wie bei Wikipedia). Auch auf der Pons-Webseite können Besucher neue Einträge vorschlagen.

Im Hause Duden gibt man sich gelassen. Und setzt ebenfalls auf Innovation: Parallel zum gedruckten Duden ist ein Korrektur-Programm auf CD-ROM erschienen. Wer am PC schreibt, kann damit seine Texte verbessern lassen. Die Funktion soll demnächst auch im Internet angeboten werden. Der Rechtschreib-Kampf Baden gegen Schwaben geht also weiter.



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www.welt.de/kultur/article4207490/Pons-fordert-den-Duden-online-heraus.html


Kommentar von Golem.de, 27. Juli 2009, verfaßt am 31.07.2009 um 15.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=625#7890

Klett stellt Deutsche Rechtschreibung gratis online
Dudenverlag: "Das haben wir seit Jahren!"

Der Schulbuchverlag Ernst Klett bringt ab sofort unter seiner Wörterbuchmarke Pons ein kostenloses Onlinenachschlagewerk zur deutschen Rechtschreibung. Konkurrent Duden reagiert mit Überlegungen, seine Rechtschreibkorrektur als Internetanwendung anzubieten, allerdings nicht gratis.

Der Klett-Verlag stellt ab dem 27. Juli 2009 seine Deutsche Rechtschreibung kostenlos ins Internet. Das Angebot soll sich durch Werbung finanzieren und bietet 140.000 Stichwörter der deutschen Sprache nach den amtlichen Regeln der deutschen Rechtschreibung, so das Unternehmen.

Einmal pro Woche aktualisiere die Redaktion der Klett-Wörterbuchsparte Pons das Onlinenachschlagewerk. Die aktuellen Entwicklungen in der deutschen Sprache will sich Pons-Chefin Gabriele Schmidt durch Web-2.0-Nutzerbeteiligung in die Datenbank holen. Ab August 2009 soll pons.eu zusätzlich über mobiles Internet zugänglich sein. Bisher bietet das Sprachenportal sieben zweisprachige Onlinewörterbücher. Am 15. September 2009 kommt dann der Printtitel "Pons - Die Deutsche Rechtschreibung" in den Buchhandel, auf dem das neue Onlineangebot basiert.

Die Zukunft gehöre der Anzeigenfinanzierung im Internet, erklärte Klett-Chef Philipp Haußmann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und bekannte, dass die Firma damit fünf Jahre zu spät komme. Die Welt zwischen zwei Buchdeckel zu pressen sei ein Gedanke, von dem man sich verabschieden müsse. Seit 2001 sei der Umsatz von Pons mit Großwörterbüchern auf ein Achtel eingebrochen, berichtet die Zeitung.

Dudenverlagssprecher Klaus Holoch zeigte sich im Gespräch mit Golem.de von dem Pons-Onlineservice unbeeindruckt. "Das was Pons hier anbietet, haben wir seit Jahren", sagte er. Der Konkurrent versuche, auf Kosten des Dudenverlages sein eigenes Onlineangebot bekanntzumachen. Im Internet bietet der Dudenverlag einen kostenlosen Abfragedienst zur richtigen Schreibung von Wörtern an. Ausführliche Angaben sind jedoch kostenpflichtig, im Jahresabo für 95,40 Euro. "Im Gratisbereich ist das Deutsche Universalwörterbuch hinterlegt, nicht der aktuelle Duden", räumt Holoch ein. Neuere Begriffe wie "twittern" seien deshalb noch nicht enthalten, würden aber sukzessive eingepflegt.

In der Schublade hat der Dudenverlag zudem eine Online-Rechtschreibkorrektur, in die der Nutzer seinen Text einkopiert und diesen dann korrigiert zurückerhält. Wann dieses Produkt an den Start geht, steht jedoch noch nicht fest. Kostenlos soll es jedoch nicht sein. "Das wollen wir nicht", unterstrich Holoch.

(http://www.golem.de/0907/68605.html)


Kommentar von freshzweinull.de, 27. Juli 2009, verfaßt am 31.07.2009 um 14.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=625#7889

Rechtschreibung kostenlos: PONS will online mit dem Duden konkurrieren

Trefft sie, wo es weh tut: Der Klett-Verlag will dem Duden mit einem Online-Wörterbuch der deutschen Sprache Konkurrenz machen. Anders hätte man ohnehin keine Chance. Das PONS für die deutsche Rechtschreibung ist seit heute Vormittag online – und durch und durch mit Werbung gespickt.

Buchdeckel ein Auslaufmodell?

Klett-Chef Philipp Haußmann sagte zur Veröffentlichung des Nachschlagewerks: “Die Welt zwischen zwei Buchdeckel zu pressen – das ist ein Gedanke, von dem man sich verabschieden muss”. Und: “Die Zukunft gehört der Anzeigenfinanzierung im Internet”.

Beim ersten Punkt gebe ich Haußmann bedingt Recht: Für Romane und Biographien ist die Messe noch lange nicht gelesen, aber Nachschlagewerke wie Lexika und eben Wörterbücher sind als Software oder Webversion viel einfacher zugänglich. Das Erfolgsbeispiel Wikipedia beweist es.

Viel Werbung, gesuchte Inhalte nicht leicht zu finden

Aber dass der Anzeigenfinanzierung im Netz die Zukunft gehört, ist eine gewagte Aussage. Die Verlage im Netz trennen sich aufgrund seit jeher mieser Einnahmen gerade von dem Gedanken, sich allein über Werbung finanzieren zu können. Und Haußmann sieht ausgerechnet darin sein Heil? Offenbar ja, wie ein Screenshot der Suchergebnisse zeigt:

(http://freshzweinull.de/content/Beitraege/PONS.jpg)

Spartanisches Angebot

Das Online-Wörterbuch Deutsche Rechtschreibung von Pons bietet neben viel Werbung denn auch das, was man braucht: Eine Suchmaske und als Ergebnis das gesuchte Wort, wie es richtig geschrieben wird. Darüber und darunter weitere Vorschläge mit ähnlichem Wortstamm, bei einigen Begriffen außerdem eine kurze Erklärung des Begriffs.

Mehr aber auch nicht. Das Angebot ist sehr spartanisch im Vergleich zu Wiktionary oder Dictionary.com. Dass die Werbung optisch nur mühsam vom Inhalt zu unterscheiden ist, stört. Ansonsten scheint das Wörterbuch ganz gut brauchbar zu sein. Auf die Inhalte kommt es an.

Weitere Werke sollen folgen

Der Klett-Verlag hatte offenbar gar keine andere Wahl als online zu gehen. Der neue Duden ist seit wenigen Tagen auf dem Markt und wird bis Jahresende in einer Auflage von 100.000 Stück produziert; die erste Auflage von Kletts deutschem Wörterbuch nur mit 30.000 Stück. PONS kann dem Duden also nur online gefährlich werden. Und das will man in Zukunft noch forcieren: Online-Nachschlagewerke für Grammatik und Stil sollen folgen.

(http://freshzweinull.de/2009/07/rechtschreibung-kostenlos-pons-will-online-mit-dem-duden-konkurrieren/)


Kommentar von Kurt Albert, verfaßt am 30.07.2009 um 09.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=625#7880

Rechtschreibreform online:
Eine weitere Facette

Gestern bin ich darauf gestoßen, daß Bertelsmann/WAHRIG die Handreichung "Ein Wort – eine Schreibung" (die "Wahrig-Hausorthografie") jetzt im Netz frei anbietet.
(Unter www.wissenmedia.de, Wahrig: "Den orthografischen Wegweiser gibt es jetzt kostenlos als Download." Man erhält dann eine PDF-Datei, die die 608 Seiten des 2006 erschienenen Buches reproduziert.) So wertvoll, also verkaufsträchtig, ist dieses Empfehlungsbüchlein (das einem entsprechenden der Dudenredaktion an die Seite getreten war) anscheinend nicht mehr.
Es zeigt sich wohl, daß die Vermarktung der Rechtschreibreform nicht so einfach ist, zumal jetzt noch der Konkurrent Klett/PONS aufgetreten ist, und daß allerlei Tricks nötig sind.

(Siehe dazu auch hier. – Red.)


Kommentar von Kurt Albert, verfaßt am 28.07.2009 um 14.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=625#7876

PONS-Rechtschreibung

In der Tat, auf der Website unter pons.eu ist seit kurzem auch "Deutsche Rechtschreibung" integriert, und ich habe – mehr aus Spaß – ein paar Proben gemacht.
Das vor einigen Tagen hier diskutierte "hierhergehörig" fehlt; der Eintrag "früh, auch Früh" steht unkommentiert da; Varianten werden anscheinend ohne Empfehlung dargeboten ...
Eine nähere Untersuchung erspare ich mir. Alter Wein in neuen Schläuchen, die leidige "Neuschreibung" jetzt halt auch online und kostenfrei abrufbar. "Die Elektronik verändert die Verlagswelt". Immerhin kann man diese Website denen empfehlen, die sich an die amtlich veränderte Orthographie halten müssen/wollen und für ein neues Rechtschreibwörterbuch nichts ausgeben möchten.


Kommentar von Christian Dörner, verfaßt am 28.07.2009 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=625#7875

(Verschoben von hier. – Red.)

Was das Regelwerk bei PONS betrifft, so springt einem sofort ins Auge, daß man dort lesen muß:

Es wird immer zusammengeschrieben, wenn sich aus den Bestandteilen eine neue Gesamtbedeutung gebildet hat (Idiomatisierung), die nicht aus der „Verrechnung“ der Einzelbedeutungen erschließbar ist. Dies gilt bei:

[...]

– Verb + Verb in der Verbindung mit -bleiben, -lassen und -lernen

sitzenbleiben (= die Klasse wiederholen), liegenbleiben (= unerledigt bleiben), jemanden kennenlernen (= Bekanntschaft machen)


Genau das ist eben nicht richtig. Im Wörterverzeichnis ist das Ganze besser umgesetzt, aber es wird auf die fehlerhaften Regeln verwiesen.

Unter R 4.12 liest man:

Trennbare Verben haben meist bestimmte Partikeln als Verbzusatz:

ab-, an-, auf-, aus-, bei-, beisammen-, da-, dabei-, dagegen-, daher-, dahin-, daneben-, dar-, d(a)ran-, d(a)rein-, da(r)nieder-, darum-, davon-, dawider-, dazu-, dazwischen-, drauf-, drauflos-, drin-, durch-, ein-, einher-, empor-, entgegen-, entlang-, entzwei-, fort-, gegen-, gegenüber-, her-, herab-, heran-, herauf-, heraus-, herbei-, hernieder-, herüber-, herum-, herunter-, hervor-, herzu-, hin-, hinab-, hinan-, hinauf-, hinaus-, hindurch-, hinein-, hintan-, hintenüber-, hinterher-, hinüber-, hinunter-, hinweg-, hinzu-, inne-, los-, mit-, nach-, nieder-, ran-, über-, überein-, um-, umher-, umhin-, unter-, vor-, voran-, vorauf-, voraus-, vorbei-, vorher-, vorüber-, vorweg-, weg-, weiter-, wider-, wieder-, zu-, zurecht-, zurück-, zusammen-, zuvor-, zuwider-, zwischen-.


Dies ist genau die fehlerhafte Liste des amtlichen Regelwerks von 1996, die bereits 2004 aufgegeben wurde.

http://www.pons.eu/open_dict/cms/de_rechtschreibregeln/


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2009 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=625#7851

Das PONS-Wörterbuch kann schon benutzt werden.



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