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05.06.2009
 

Experten fordern Notbremse

Gemse oder Gämse? Aufwändig oder aufwendig? Eigentlich sollten die neuen deutschen Schreibweisen in den Schweizer Schulen ab den Sommerferien definitiv gelten. Aber die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) will die Notbremse ziehen.

Die SOK ruft die politisch Verantwortlichen in Bund und Kantonen eindringlich auf, die Rechtschreibereform in den Schulen nicht wie geplant am 1. August 2009 notenwirksam werden zu lassen. "Das amtliche Regelwerk von 2006 und die vorhandenen Lehrmittel sind widersprüchlich und mit Fehlern behaftet", heisst es in einer SOK-Resolution.

Die Resolution wurde an einer SOK-Tagung in Zürich einstimmig gefasst. An der Tagung nahmen Sprachwissenschafter, Chefredaktoren, Korrektoren, Verleger, Lektoren, Schiftsteller sowie Politiker und Mitglieder des Rats für deutsche Rechtschreibung teil. Zugegen waren auch Gäste aus Deutschland und Österreich.

In der Resolution machen die Teilnehmer ihrer Unzufriedenheit mit dem mittlerweile dritten amtlichen Regelwerk Luft. "Der Rat für deutsche Rechtschreibung packt die anstehenden Verbesserungen nicht zügig genug an."

Die SOK fordert ein Moratorium für Schule und Verwaltung. Die alten herkömmlichen Schreibweisen müssten wieder anerkannt werden. Auf die Bevorzugung der neuen Schreibweisen sei zu verzichten. Die SOK erklärt sich bereit, bei einer Überarbeitung des Regelwerks 2006 für schweizerische Bedürfnisse mitzuwirken. (sda)


Quelle: St. Galler Tagblatt
Link: http://www.tagblatt.ch/aktuell/schweiz/schweiz/Rechtschreibung-ndash-Experten-fordern-Notbremse;art622,1331291


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Kommentare zu »Experten fordern Notbremse«
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Kommentar von Nachtrag, verfaßt am 21.10.2009 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7992

Schweizer Fachjournalisten unterstützen SOK-Resolution

In einem Brief vom 16. Juni 2009 an den Generalsekretär der EDK, Hans Ambühl, unterstützt der Verband der Schweizer Fachjournalisten die Resolution der SOK für ein Moratorium in der Rechtschreibfrage.

Die Widersprüche des Regelwerks und der Reformen hätten auch für Fachzeitschriften und Fachjournalisten zu Problemen geführt. Deshalb müssten alle herkömmlichen Schreibweisen ohne Unterschied anerkannt sein, ohne Bevorzugung einer Reform-Schreibweise, schreibt der Verband SFJ.

Unterschrieben ist der Brief vom Präsidenten des Verbands SFJ, Martin Stadelmann.

(http://www.sok.ch/index___id=aktuelles!SFJ&s=3.html)


Kommentar von Bernfried Janas, verfaßt am 16.06.2009 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7702

Also wenn, dann ist es ein höchst eigenartiger Glaubenskrieg. Die eine Seite hat gar keine greifbaren Akteure mehr, die man in der Nähe ihrer Drohkulissen noch erblicken würde, die andere hat viel Munition, kann aber mangels schwerer Geschütze damit die Gegner nicht beeindrucken. Ein Heer von Uninteressierten nimmt gar kein Kampfgeschehen mehr wahr oder dasselbe nicht ernst. Ein anderes Heer besteht aus Mitläufern und klammheimlichen Gegnern, die sich insgeheim ärgern, auf den falschen Dampfer gesprungen zu sein. Die fürchten den Gesichtsverlust (bloß nie "daß" schreiben) mehr als den Schaden am Kulturgut und halten sich verkniffen raus – irgendwie geht das Leben ja weiter und man hat ganz andere Sorgen und es wächst Gras über alles. Zu den letzteren gehört de facto auch der gesamte Medienzirkus, und ohne den läuft leider rein gar nichts. Da können die Schweizer machen, was sie wollen, als lebten sie in einer anderen Galaxis: in deutschen Zeitungen ist und bleibt das Thema mausetot.
Insgesamt aber ein so hochinteressantes und beunruhigendes Großbeispiel dafür, was an demokratischen Instanzen vorbei mit Allgemeingut passieren kann, und auch für politische Massen- und Medienpsychologie. Wer mit politischer Bildung zu tun hat, könnte was draus machen. Aber die sind wohl alle in den besagten Stillhaltegruppen.


Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 16.06.2009 um 00.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7701

Ein Glaubenskrieg ist es nur so lange, wie diejenigen, die den Konflikt als Glaubenskonflikt austragen, über die stärkeren Mittel verfügen – und den Glauben an ihre Sache nicht verloren haben. Deshalb ist die Lage nicht ganz hoffnungslos.


Kommentar von Bernfried Janas, verfaßt am 15.06.2009 um 23.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7700

Ja wenn denn wirklich ein Glaubenskrieg tobt, ist die Lage freilich hoffnungslos, wenngleich weithin nicht als ernst eingestuft. Wie auch? Die Reformerseite ist ein Popanz, wer kennt denn schon die Leute, wer hat von ihnen was zu befürchten? Phänomenal, wie ihnen trotzdem gehorcht wird. Der große Vorsitzende hat Frieden ausgerufen, und unsere Medien halten ihn ein, in stillschweigendem, so nur in ganz anderen Zeiten erlebtem Einvernehmen. Sie könnten sich eigentlich für eine Evaluierung einsetzen, und das Geschehen in der Schweiz wäre ein geeigneter Anlaß – bräuchte es denn einen solchen, angesichts des unübersehbaren orthographischen Qualitätsverlustes in den Publikationsorganen oder auch solcher unsäglichen Machenschaften wie Bücheraussonderungen. Sie tun es nicht, den Schlamassel glatt ignorierend, und auch sonst niemand, und somit ist das Thema in Deutschland erledigt, nicht mal mehr als Sommerlochfüller taugend, und dieses Jahr gibt's ja auch keins. Nein, etwas besseres als eine noch unabsehbar lange Phase der planlosen Neuorientierung scheint mir doch inzwischen gänzlich unwahrscheinlich. Sicher ist wohl nur, daß die Silbenendung ss übrig bleibt, sonst nichts, denn alles andere ist ja noch weniger verstanden, noch schlechter ausgegoren und nützlich so gut wie kaum. Das könnte man schneller haben.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2009 um 18.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7699

"Glaubenskrieg" in diesem Zusammenhang stammt, wenn ich mich recht erinnere, von Herrn Zehetmair. Wer sich ein Bild machen will, wo der missionarische Eifer herkommt, der lese noch einmal die Dokumentation zum Frankfurter GEW-Kongreß "vernünftiger schreiben" (1973). Jedenfalls waren es nicht die Kritiker, sondern die Reformer selbst, die diese falschen Töne eingebracht haben. Der jederzeit gemäßigte Reformer, später Reformgegner Horst H. Munske hat einmal berichtet, daß ihm, je eingehender er sich mit Geschichte und Funktion der deutschen Orthographie beschäftigte, sein jugendlicher Reformeifer immer mehr dahinschwand. Auch anderen ist es so gegangen, manche haben tiefgehende Untersuchungen veröffentlicht und sind mehr oder weniger ins Lager der Reformkritiker gegangen oder haben einfach geschwiegen. Ich selbst habe mich von Anfang an bemüht, die Reform sowohl energisch zu bekämpfen als auch durch genaue Betrachtung der Einzelheiten sachlich als fehlerhaft zu erweisen. Und was haben wir nicht alles gemeinschaftlich zusammengetragen, allein schon auf diesen Seiten! Wer es wissen will, kann es nachlesen, ohne sich durch die seltenen Mißklänge ablenken zu lassen.
Im Augenblick wird das meiste von unseren Schweizer Freunden geleistet, denen wir nach Möglichkeit zuarbeiten wollen.


Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 14.06.2009 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7698

Es ist erstaunlich schwer - warum eigentlich? - sine ira et studio über Rechtschreibdinge zu reden. Der Diskurs hat fast immer die Züge einer Glaubenskontroverse, und höchst selten scheint jemand ein Argument der Gegenseite zu akzeptieren, geschweige die Seiten zu wechseln. („Wermke“)

Warum eigentlich nur „die Züge“ eines Glaubenskonfliktes? Es ist einer. Das wird verdeckt durch den Umstand, daß die Charakterisierung des Konflikts als Glaubenskonflikt selbst ein Modus ist, ihn auszutragen. Die abschätzige Bewertung der Reformdebatte als „Glaubenskrieg“ ist die Faschinenwand, hinter der der Opportunist als Mitläufer auf die Seite der Reform wechselt; in dasselbe Horn tutet auch ein Professor Hoberg, wenn er Unverständnis für die „Aufregungen um die Rechtschreibreform“ äußert. Schließlich lautet die zentrale Botschaft der Reform, daß Schrift etwas ganz Nebensächliches sei, dessen Mißbrauch als Herrschaftsinstrument durch Überhöhung der Rechtschreibung zu Arkanwissen es durch möglichst klare und einfache Regeln entgegenzuwirken gelte. Daß die Reform in der Realität, wie wir wissen, ganz anders aussieht, vermag die Botschaft offensichtlich nicht zu beeinträchtigen. Vielmehr gerät, wer der Botschaft widerspricht, zwangsläufig in die Position eines Glaubenskriegers, also einer Person, die sich, wie man als aufgeklärter Mensch weiß, ganz und gar unvernünftig verhält.

Hier stellt sich die Frage „warum eigentlich?“ neu. Warum gerät er nicht in eine beliebige andere Widersacherrolle? Weil die Position des Glaubenskriegers sich komplementär zur Position der Reform verhält. Und warum gerät er nicht in die Position des Heiden oder Ungläubigen? Weil damit die tatsächlichen Verhältnisse aufgedeckt wären.

Die Botschaft der Reform wird (mir jedenfalls) erst als Heilsbotschaft verständlich, vordergründig als Frohbotschaft für die Schülerseele und darüber hinaus als Verheißung einer Welt, die so beschaffen ist, daß man die Rede von ihr bedenkenlos einem Eingriff wie der Rechtschreibreform unterziehen kann. Als These zugespitzt: Von ihren Betreibern und Anhängern wird die Reform als Heilsgeschehen praktiziert. Das äußert sich in der Behauptung ihrer Unumkehrbarkeit ebenso wie in ihrer Deutung als Geschehen („die Sprache entwickelt sich“) überhaupt.

Wobei das Reformgeschehen als Heilsgeschehen, obgleich unabwendbar, sich nicht selbsttätig vollzieht, sondern durchaus die Anteilnahme der Menschen erfordert. Daß für die Gläubigen ihr Handeln im Geschehen verschwindet und dieses nicht mehr als dessen Ergebnis erkennbar ist, ist wiederum Bestandteil der Vorsehung und deren Bestätigung. Das ließe sich anhand einer Fülle von Einzelbeobachtungen belegen, was hier zu weit führen würde. Als Beispiel deshalb nur die Bezeichnung herkömmlicher Schreibungen in reformierten Wörterbüchern als „veraltend“.


(Eine Bitte an Sie, liebe(r/s?) „Wermke“: Könnten Sie sich nicht wenigstens noch einen – möglichst unverfänglichen – Vornamen zulegen? Ich rede ungern Leute nur mit einem Nachnamen an; das hat so etwas Paternalistisches. Außerdem wüßte man dann, ob es Herr oder Frau Wermke heißen muß, und man könnte, ohne großen Aufwand, auf die Gefahr einer Verwechslung mit dem Duden-Mann anders als mit Gänsefüßchen reagieren.)


Kommentar von wermke, verfaßt am 13.06.2009 um 21.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7697

Es ist erstaunlich schwer – warum eigentlich? – sine ira et studio über Rechtschreibdinge zu reden. Der Diskurs hat fast immer die Züge einer Glaubenskontroverse, und höchst selten scheint jemand ein Argument der Gegenseite zu akzeptieren, geschweige die Seiten zu wechseln.
Nüchternen Sinnes sollte jeder, denke ich, über die Auswirkungen der Reform ins Grübeln geraten, der etwa heute in der FAZ (auf S. 3) die Überschrift liest "Fertig gemacht wie einst im Heim" (über das Schicksal von Heimkindern). Ob aber wirklich viele an so einer Stelle aufmerken – ich weiß es nicht.
Herr Bärlein hat, und dem sollte jeder bei einiger Kenntnis der Materie objektiv beipflichten können (stäken wir nicht in einer Glaubenskontroverse), glänzend gezeigt, wie herum ein Schuh wird aus der Macht- oder Herrschaftsfrage in Sachen Orthographie. Von der wirklichen oder angemaßten Obrigkeit ist leider auch in anderen Fällen zu sagen: "Und er bleibt auf dem eingeschlagenen Weg mit so sturer Unbeirrbarkeit und Blindheit gegen die bereits sichtbaren und absehbaren Folgen seiner Eingriffe, dass einen das kalte Grausen überkommt." (Marius Reiser in "Forschung & Lehre" 6/09, S. 420 über die Bolognareform). Quousque tandem, res publica, abutere patientia nostra?


Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.06.2009 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7696

Die Schweizer brauchen sich nicht an der Eindeutschung von Fremdwörtern abarbeiten, weil sie die Originalschreibweisen verwenden dürfen. Deshalb haben sie mehr Zeit für die eigentlichen Rechtschreibprobleme.


Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 11.06.2009 um 22.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7695

Sehr richtig, Herr Bärlein. Und genau das wäre es doch eigentlich wert, von einem philosophischen Kopf einmal gründlich durchdacht zu werden. Aber dafür fehlt Habermas natürlich sowohl das Potential (ich habe keine Ahnung, ob er nun angepaßt "Potenzial" schreibt) als auch die kritische Distanz.

Und eigentlich bedarf es auch der Analyse – um mal wieder ganz langweilig auf das Thema der Ausgangsnachricht zurückzukommen –, warum ausgerechnet die Schweiz den deutschsprachigen Ländern ein Lehrstück gibt. Ansätze zu dieser Diskussion hatten wir hier schon einmal.


Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 11.06.2009 um 22.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7694

Bemerkenswert ist nicht nur, daß die Reformer ihre Orthographie nach dem Bild entworfen haben, das sie von der herkömmlichen hatten (nämlich als "Regularium", wie "Wermke" es nennt), sondern auch, daß die Legitimität ihres Konstrukts sich in seiner faktischen Durchsetzung erschöpft. Die Reformorthographie ist tatsächlich das Herrschaftsinstrument, als das ihre Urheber die herkömmliche Rechtschreibung fiktionalisiert hatten, und die Rede von der "Staatsraison" eine bloße Umschreibung der Tatsache, daß orthographische Fragen heute in erster Linie Machtfragen sind. Soweit sie sich zugleich als Gesellschaftsreformer verstanden, haben die Rechtschreibreformer die Situation erst hergestellt, die zu beseitigen sie angetreten waren. Erbärmlicher kann man nicht scheitern.


Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 11.06.2009 um 21.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7693

Wermke (ich lasse die Anrede mal ganz bewußt und unhöflich beiseite, um nicht wieder Erinnerungen an jenen Herrn aus Mannheim zu wecken) ignoriert dabei, daß Habermas auf diesen Seiten kein Unbekannter ist. Egal, was auch immer das jeweilige Thema Habermas' sein mag, er war und ist stets nur ein nachlaufender Sammler von Ideen und Theorien, die schon längst im Umlauf waren und sind. Originell sind seine Kompilationen und Versuche einer Zusammenschau dabei auch nicht immer zu nennen.

Dazu paßt denn auch seine freiwillige – obgleich keineswegs konsequente (Portrait, Biographie etc.) – Selbstgleichschaltung an eine vermeintlich reformierte Rechtschreibung. Wie man diese brave Anpassung nachher ideologisch rechtfertigen möchte, ist dabei völlig nebensächlich. Es ist eben viel bequemer, mitzulaufen und dabei ein bißchen zu kritteln und sich publikumswirksam als Querdenker darzustellen als tatsächlich gegen den Strom zu denken. Denn dabei besteht natürlich immer die Gefahr, daß man sang- und klanglos im Wasser untergeht oder gar nicht mehr wahrgenommen wird. Und genau das scheint mir Habermas' größte Sorge zu sein.

Sloterdijk, den ich als angeblichen Philosophen auch nicht sonderlich schätze, ist da wenigstens orthographisch nicht angepaßt. Er hat damit noch eher den Mut, sich zumindest gelegentlich seines eigenen Verstandes zu bedienen.


Kommentar von Maria, verfaßt am 11.06.2009 um 20.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7692

Daß ich vom Zwang befreit bin, richtig zu schreiben, tue ich durch ss kund. Heil der Beliebigkeit!


Kommentar von Wermke, verfaßt am 11.06.2009 um 20.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7691

Zu den Leitmotiven, die Jürgen Habermas umtreiben – heute 80 geworden –, gehören unerkannte Herrschaft und illegitime Gewalt, wobei es stets das Interesse der Ausübenden ist, daß sich keine Erkenntnis der Zusammenhänge verbreitet. Zumindest die lange Zeit undurchschaute und hingenommene Macht eines antiquierten Regulariums, der hergebrachten Orthographie und einer sie vermeintlich tragenden, ja verkörpernden Institution namens Duden, ist dank der Reform offengelegt und ihre Faktizität und Geltung in der Folge gebrochen worden. So erklärt sich wohl die quasi aufatmende Akzeptanz einer Regel, ob verstanden oder nicht, die das Überwinden eines vorher nur ganz vage empfundenen Zwanges am besten sichtbar macht: klares ss schlägt verkniffenes ß – andersherum kann es nicht laufen. Das, und das heißt auch "dass", wird nun verteidigt, ob bewußt oder nicht, und dahinter führt kein Weg zurück. Weiterer Wandel kann sich jedenfalls nur herrschaftsfrei vollziehen.


Kommentar von Maria, verfaßt am 11.06.2009 um 20.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7690

Zu K.Bochem:

Das klingt schön und gut - doch wieviele dieser 90 % verwenden die Rechtschreibung auch beruflich? Und wenn sie es nicht tun: warum nicht?


Kommentar von K.Bochem, verfaßt am 11.06.2009 um 19.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7689

Zum Thema "Widerspenstige" (Marias Renitenten):

Letztes Jahr ergab eine Allensbachumfrage - wie hier berichtet und diskutiert - , daß es 9% Reform-Befürworter gibt, fast 90% lehnen sie ab bzw. kümmern sich nicht drum.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 11.06.2009 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7688

Die Zustimmung zur Rechtschreibreform ist umgekehrt proportional zur Kenntnis über diese, einschließlich des Pols über Kenntnis Null.


Kommentar von Paul Westrich, verfaßt am 11.06.2009 um 14.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7687

zu Maria:
"wird sie von den Renitenten auch zur Kenntnis genommen?"

Von mir seit über einem Jahr und sehr heftig.
Ich habe seit vielen Monaten auch auf meiner Hilfe-Seite
www.wildbienen.info/ibn/benutzung.php
unten einige Bemerkungen zur Problematik der Rechtschreibreform und einen Link auf diese Website (Sprachforschung.org) gesetzt. Noch kein einziges Mal bin ich darauf angesprochen worden, auch nicht darauf, daß ich konsequent bei der klassischen Rechtschreibung bleibe. Nur dann, wenn ich in Fachkollegenkreisen bei einem gemeinsam zu erstellenden Text auf die Problematik hinweise, schlägt mir ein heftiger Anpassungswind entgegen. Zivilcourage = null. Dabei ist keiner der Kollegen auch nur halbwegs sicher in der Handhabung des Neuschriebs, geschweige denn die Behörden, für die die Texte erstellt werden.


Kommentar von Maria, verfaßt am 11.06.2009 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7686

Zu Pt und Horst Ludwig:

Meine Befürchtung ist auch seit einiger Zeit, daß sehr viele, z. B. auch Übersetzer, sich die mit der ss-Schreibung einhergehende Beliebigkeit zunutze machen, weil sie in der Rechtschreibung unsicher sind.

Abgesehen davon erstaunt mich noch immer, wie leichtfertig von vielen (auch im Ausland) der Umstand übersehen wird, daß die Mehrzahl der guten Bücher weiterhin in Rechtschreibung erscheint.

Diskutiert werden müßte also vielmehr, warum sich ein Teil der Bevölkerung weiterhin gegen die Rechtschreibung sträubt.

(Wenn zu diesem Teil nicht hin und wieder Menschen gehörten, von deren Entscheidungen der eigene Broterwerb abhängt, könnte und wollte ich ihn ja getrost ignorieren ... So aber ist Überzeugungsarbeit gefragt, und die wird z. B. auf dieser Website massenhaft und meisterhaft geleistet – nur wird sie von den Renitenten auch zur Kenntnis genommen?
An die Red.: Wie stark werden diese Seiten denn frequentiert? Kann man ohne Gesichtsverlust die Zahlen bekanntmachen?)


Kommentar von Neue Zürcher Zeitung, 6. Juni 2009, verfaßt am 11.06.2009 um 01.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7685

Aufruf wider das Chaos in der Rechtschreibung

Die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK), ein Verein, dem Fachleute von Presse und Medien, Verlagen und dem Schulbereich, aber auch der Politik angehören, hat in den letzten Jahren an vorderster Front gegen die Fehlleistungen der diversen deutschen Rechtschreibereformen angekämpft und sich für eine einfache, widerspruchslose und sprachrichtige Orthographie eingesetzt. Seither hat sich fast die gesamte Deutschschweizer Presse den Empfehlungen dieses Fachgremiums angeschlossen. Deren Leitlinie ist es, dass man bei Unklarheiten über die Schreibweise eines Wortes die ursprünglichen, vor den verunglückten Reformen von 1996, 2004 und 2006 geltenden Regeln anwenden soll. Dass diese Empfehlungen bei der Presse so viel Anklang finden, ist zweifellos ein grosser Erfolg der SOK.

Wesentlich weniger erspriesslich ist die Situation im Bereich der Schulen und der Behörden, wo man aus verschiedenen Gründen vor einer Rückkehr zur Einfachheit und Klarheit der früheren Rechtschreibung zurückschreckt. Da am kommenden 31. Juli die dreijährige Übergangsfrist, während der die klassische Schreibweise noch toleriert wurde, ausläuft und die Schulen sich an ein verwirrendes, nicht selten chaotisches amtliches Regelwerk halten müssen, tritt die SOK mit dem Appell an die Öffentlichkeit und die politischen Behörden, über den 1. August hinaus den bisherigen Zustand zu belassen.

Die SOK stellt fest, dass nach den drei bisherigen Reformen die Unzufriedenheit mit den verordneten Sprach-Usanzen stetig gewachsen ist. Sie fordert, dass alle herkömmlichen Regeln wieder anerkannt werden und dass auf die Bevorzugung von Reformschreibungen verzichtet wird. Sie bietet daher auch praktische Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Empfehlungen an, indem sie diese jetzt als Rechtschreibe-Hilfe für Textverarbeitungsprogramme zur Verfügung stellt.

Jürg Dedial

(Die SOK-Experten fordern Moratorium, NZZ vom 6.6.2009)


Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 10.06.2009 um 22.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7684

Ach, lieber Pt, Sie und die meisten von uns hier haben in dieser Frage schon so lange so gute Ideen für die Allgemeinheit und alle der menschlichen Bequemlichkeit Verfallenen. Aber wir müssen leider einsehen: Den Bequemen ihre Tätigkeit ganz zu nehmen erfordert offenbar Hundsarbeit und ist vielleicht gar nicht möglich. Denn derartige Umstellung griffe doch sicher zu unbequem in ihre Art Bequemlichkeit ein. Das müssen wir auch verstehen.


Kommentar von Pt, verfaßt am 10.06.2009 um 20.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7683

Kleiner Hinweis:

Vielleicht sollte man sich die menschliche Bequemlichkeit zunutze machen und zu den klassischen Schreibweisen zurückkehren, anstatt seine Zeit in endlosen Diskussionen über die Überarbeitung des Regelwerks zu verschwenden.


Kommentar von www.sok.ch, verfaßt am 10.06.2009 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7682

SOK fordert Rechtschreibmoratorium

Die Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) ruft die politisch Verantwortlichen in Bund und Kantonen auf, die Rechtschreibreform am 1. August 2009 in den Schulen nicht notenwirksam werden zu lassen. Am 31. Juli 2009 geht die dreijährige Übergangsfrist, während der die herkömmlichen Schreibungen noch toleriert wurden, zu Ende.

In einer an der Frühlingstagung vom 4. Juni 2009 in Zürich einstimmig gutgeheissenen Resolution fordert die SOK ein Moratorium für Schule und Verwaltung. Das amtliche Regelwerk von 2006 und die Lehrmittel seien widersprüchlich und mit Fehlern behaftet. Alle herkömmlichen Schreibungen müßten wieder anerkannt und auf die Bevorzugung von Reformschreibungen müsse verzichtet werden.

Die Unzufriedenheit mit dem mittlerweile dritten amtlichen Regelwerk sei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung packe die anstehenden Verbesserungen nicht zügig genug an. Zeitungen, Verlage und Verwaltungen gäben sich Hausorthographien mit ganz unterschiedlichen Schreibweisen. 2008 haben die Chefredaktorenkonferenz und der Verband Schweizer Presse beschlossen, sich die Empfehlungen der SOK (www.sok.ch) zu eigen zu machen. Die SOK sei bereit, bei einer Überarbeitung des Regelwerks 2006 für schweizerische Bedürfnisse mitzuwirken.

An der Tagung nahmen neben Sprachwissenschaftern u. a. Chefredaktoren und Chefkorrektoren, Verleger, Lektoren und Schriftsteller, National-, Kantons- und Gemeinderäte, Mitglieder des Rats für deutsche Rechtschreibung sowie Gäste aus Deutschland und Österreich teil.

Prof. Rudolf Wachter (Universitäten Basel und Lausanne) wies in seinem Referat nach, wie die Rechtschreibreform langfristige Entwicklungstendenzen in der Groß-/Klein- und der Zusammen-/Getrenntschreibung mutwillig ignoriert oder sogar umzukehren versucht hat.

Gymnasiallehrer Stirnemann zeigte anhand von Wörterbüchern und Beispielen aus der Literatur, daß den Reformern auch einfachste Sachverhalte entgangen sind. Deswegen steht die neue Rechtschreibung bis heute im Widerspruch zur Sprachwirklichkeit.

In einem Podium unter der Leitung von Kantonsrätin Eva Nietlispach (SG) führte Nationalrätin Kathy Riklin aus, daß ihr 2004 eingereichtes und vom Bundesrat zustimmend beantwortetes Postulat – die Möglichkeit der Bedeutungsdifferenzierung in der Zusammen- und Getrenntschreibung wieder einzuführen – nicht wunschgemäß umgesetzt worden sei. Die Autoren Gisela Widmer und Jürg Amann erzählten von den Schwierigkeiten, die die Variantenflut und die Unsicherheit selbst bei Lektoren und Korrektoren bei der Arbeit mit verschiedenen Verlagen mit sich bringt. Alt Chefredaktor Gottlieb F. Höpli vom St. Galler Tagblatt und Suzann-Viola Renninger von den Schweizer Monatsheften berichteten von den guten Erfahrungen bei der Umstellung ihrer Medien auf die SOK-Rechtschreibung. Peter Müller von der SDA schließlich kündigte eine Rechtschreibhilfe nach SOK-Empfehlungen für Textverarbeitungsprogramme an.

In der SOK sind Vertreter der Presse, der Literatur und der Sprachwissenschaft vereinigt. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, die Sprachrichtigkeit und Einheitlichkeit der Rechtschreibung in Presse und Literatur zu fördern.


Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 09.06.2009 um 10.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7681

Es hat zwar mit der Rechtschreibung nicht zu tun, aber wer sich über einige leicht übersehene Fakten zu Caesar informieren möchte, findet etwas bei Wikipedia unter dem Stichwort "Divus Iulius".


Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 08.06.2009 um 17.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7680

Ich habe übrigens eine der Vorläuferinnen der hier benutzten Quelle, die "Encarta 98 Enzyklopädie" (so geschrieben!), deren Artikel "Gaius Julius Caesar" fatale Ähnlichkeit mit dem immerhin fast sehr guten Machwerk der 11. Klasse hat. Die einzelnen Kapitel lauten dort: "Die frühen Jahre" (mit Hinweis auf den "Flamen dialis", der somit ein Problem von Micrososft ist), "Das 1. Triumvirat", "Der Bürgerkrieg", "Diktatur und Ermordung", "Privatleben" und "Wertung und Wirkung". Viel Eigenleistung steckt somit nicht in dem Traktat, was die Note um so rätselhafter erscheinen läßt. Sollte das etwa eine 2+ für die schöne Kompilation sein?

Aber falls es sich hierbei tatsächlich um eine Schulnote und nicht etwa ein Abstimmungsergebnis (voting) handelt, ist weniger der Schüler, als vielmehr der Lehrer zu tadeln. Denn der hat das Plagiieren aus diversen Quellen schließlich honoriert.


Kommentar von rrbth, verfaßt am 08.06.2009 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7679

Ha, jetzt weiß ich auch, wie diese „Bewertungen“ zustande kommen, es besteht also nicht unbedingt Anlaß zur Verzweiflung ...

Vielen Dank!
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Das „Anmelden“ habe ich nicht versucht, auch wollte ich beileibe nicht abstimmen („Abstimmen“?).


Kommentar von rrbth, verfaßt am 08.06.2009 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7678

Na, die Nutzer dieses Textes sind jedenfalls auch der (angeblichen) Meinung des Lehrers:

Bewertung der Besucher: 2+ (Genauer Wert: 1.88 bei 228 Bewertungen)


Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 08.06.2009 um 15.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7677

Wenn dieser unglaubliche Blödsinn tatsächlich mit einer 2+ bewertet wird, dann ist die Kennzeichnung von Zitaten durch Anführungsstriche das geringste Problem, das in der Universität ausgebügelt werden muß.

Wer zum Kuckuck hat dem Schüler (generisch!) denn verkauft, daß man Partizipien groß schreibt? ("Es wurde ihm sogar Bescheinigt..." "Der Geburtsmonat ist durch Inschriften Gesichert...") Und was soll diese gespreizte Ausdrucksweise "und lauschte den Reden der wichtigsten Politiker"?

Die Hauptquelle (oder sogar die einzige?) scheint ja Microsoft Encarta Encyclopädie XP zu sein. Da muß man übrigens nicht abschreiben, sondern kann markieren und kopieren (cut and paste). Was also genau der "Gällische Krieg" ist, bleibt somit ein Rätsel. Die abstruse Groß- und Kleinschreibung der lateinischen Begriffe mag noch auf die Encarta zurückgehen, aber die stilistisch wüste Mixtur, die sich mit aufgeblähten Binsenweisheiten mischt ("Was viele nicht wussten ist das Julius Cäsar Epileptiker war"), ist doch wohl Marke Eigenbau. Die tolle Orthographie und Interpunktion dieses Satzes wohl auch. Und das ist nun der Bildungsstand der 11. Klasse!

Die Quellenangabe ist übrigens besonders wohlgeraten:

"Quelle: Geschichtsbuch Geschichte und Geschehen Oberstufe I Ausgabe A (Klett Verlag) De bello Gallico - G. Julius Caesar (Reclam Verlag) Caesar Hans Oppermann Große illustrierte Poetz, Band 8 ( Von Rom zu Karl dem Weltgeschichte Großen) Rom - Gilbert Picard Die Germanen - Felix Dahn, Band 1 Weltgeschichte Alan Bullock Fernsehprogramm: Kleopatra VOX Video: Wir Deutschen Teil 1 Römer und Germanen Computer Lexikon : Microsoft Encarta "

Wer bitte ist "Karl der Weltgeschichte Große"? Da habe ich wohl damals in Geschichte nicht aufgepaßt!


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2009 um 07.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7676

Wichtiger als die Fehler, die beim Abschreiben unterlaufen sind, scheint mir, daß der Lehrer offenbar nicht auf die Pflicht hingewiesen hat, wörtliche Zitate zu kennzeichnen. Die allgemeinen Quellenangaben genügen nicht. Unter solchen Laxheiten leiden wir dann an der Universität immer noch.


Zum "Flamen dialis" fällt mir meine alte Notiz wieder ein, die ich zur Erheiterung der Leser noch einmal einrücke:

Marianne Fredriksson: Marcus und Eneides. (Übs. aus dem Schwedischen). Fischer TB 3. Aufl. Juni 2000. Frankfurt. „Die Übersetzung wurde gefördert durch das Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.“

Fehler in der Reihenfolge des Auftretens:

flammendrot, langgehegt, daß, wußte, daß, furchteinflößende, sein eigen war, stehengeblieben, dabeigewesen, als ersten, daß, die einzigen, daß, das einzige, mußte, wohlbekannt, „Schweig!“ zischte sie (so durchweg, Komma fehlt bis auf zwei oder drei Fälle), behende, leuchtendlila, eine Zeitlang, du hast recht, daß, dass es jetzt das Wichtigste wäre zu trauern, es tat mir so leid, du tust mir leid, wußte, jedesmal, frischgebackenes Brot, vielbesungen, einzelner, schwindelerregend, schrägstehend, daß, nahestand, (Kleinschreibung nach Doppelpunkt); furchterregend, mußte, mußten, daß, sogenannten, gefangengenommen, daß, genußvoll, daß, diensthabenden, mußte, daß, daß, daß, kennenlernst, My-stik, daß, schwindelerregend, blaßrosa, bewußt, mußte, mußte, schwindelerregend, ewigjung, als erstes, daß, kennenlernen, kennenzulernen, kennenlernen, weitentfernt, daß, als erstes, Stengel (zweimal), eine Zeitlang, hochgewachsen, schrägstehend, riß, daß, wußte, im großen und ganzen mußte, daß, daß, daß, läßt, zum besten, hat recht, aufeinandertrafen, muß, er ist es gewohnt zu saugen, mußten, dunkel-sten, noch mal, stehenblieb, daß, fremdklingenden, übelriechenden, daß, langgestreckten, im übrigen, feingeschnittenen, auf aramäisch, hilfesuchend, im übrigen, der das Königreich Davids wieder errichten soll, als erster, leid getan, stehengeblieben, für eine Zeit lang (!), im übrigen, immerwährende, aneinandergebaut, auseinandersetzen, es tut mir leid, darauffolgenden, sehr nahegestanden, daß, umschloß, den einzigen, kennenzulernen, seine Gedanken weiter zu spinnen, wieviel, daß, daß, jedesmal, erfaßt, wieviel, letzteres, mußte, der einzige, fertiggestellt, allzuhoch, hochgewachsen, flammendrote, braungebrannt, gutaussehend, rotumrandet, frischverlobt, daß, im allgemeinen, der einzige, wußte, es sei nicht notwendig zu heiraten, kennengelernt, der erste, stillzustehen, hochgewachsen, fertiggestellt, muß, stehenzubleiben, muß, neuentwickelten, kennenzulernen, als erstes, wußte, frischgeschlüpftes, leid taten, staunenerweckend, leerstehendes, das beste daran, schrägstehenden, strahlendleuchtenden, darauffolgenden, auseinandergingen, eine Zeitlang, stehenblieb, das gleiche, muß, Einfluß, Entschluß, darauffolgenden, Entschluß, heute abend, ich weiss, die ersten, daß, als einzige, das gleiche

Der Jupiterpriester heißt Flamen Dialis (wie Vor- und Familienname behandelt: „Flamens Gesicht“; „Flamen saß auf einem Stuhl ohne Lehne, platziert auf einem Podest“ usw.). In der Familie Dialis geht es zu wie bei Fredrikssons: Der Mann unterhält sich mit Gästen, die Frau klopft an die Tür und bittet zum Imbiß usw.


Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 07.06.2009 um 22.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7675

Ich bin gerade auf ein schönes Beispiel für das hiesige Chaos gestoßen. Sehen Sie sich mal an, wofür man in Deutschland in der 11. Klasse noch eine 2+ bekommt:

http://www.schulnote.de/Gaius Julius Cäsar_33_hausaufgabe_referat.html


Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 07.06.2009 um 18.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7674

"Dagegen ist das Beharren auf der immer noch bekannten und - wie wir gerade gesehen haben - von allen namhaften Schriftstellern befolgten herkömmlichen Rechtschreibung ein sehr solider Hauptweg, den man nicht als Marotte abtun kann."

Das, was Herr Ickler schreibt, ist für mich tatsächlich ein Hauptindiz für das unwissenschaftliche Vorgehen der Reformer. Die Rechtschreibung, die sich bei namhaften Schriftstellern findet, war schon immer wichtig für die Belegsammlungen aller bedeutender Lexikographen, von Adelung über die Grimms bis zu Paul. Und gerade dieses Vorgehen wurde von den Reformern komplett auf den Kopf gestellt. Das offenbart ein geradezu bizarres Bildungs- und Kulturverständnis. Wie Herr Ickler schreibt: "Noch immer sind die Reformer begründungspflichtig, nicht die Bewahrer."


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2009 um 06.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7673

Von einem "Sonderweg" der Schweiz könnte man nur sprechen, wenn der "Hauptweg" definierbar wäre. Das ist gerade nicht der Fall. Das Provisorium von 2006 kann es ja wohl nicht sein. Dagegen ist das Beharren auf der immer noch bekannten und – wie wir gerade gesehen haben – von allen namhaften Schriftstellern befolgten herkömmlichen Rechtschreibung ein sehr solider Hauptweg, den man nicht als Marotte abtun kann. Noch immer sind die Reformer begründungspflichtig, nicht die Bewahrer.


Kommentar von 1234, verfaßt am 06.06.2009 um 14.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7672

Ich verstehe nicht, warum immer vom ''deutschen Sonderweg'' gesprochen wird, ist es doch hier die Schweiz, die einen solchen für sich beansprucht.


Kommentar von Red., verfaßt am 05.06.2009 um 15.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=617#7671

Diese Nachricht findet sich auch in der Thurgauer Zeitung ("Feler, lautter Fehler") und im Liechtensteiner Vaterland ("Chaos in der deutschen Rechtschreibung").



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