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15.09.2008
 

Der Verband Schweizer Presse unterstützt die Empfehlungen der SOK

Auf seiner Mitgliederversammlung am 11./12. September 2008 in Montreux hat sich der VSP – wie zuvor schon die Konferenz der Chefredaktoren – für die Unterstützung der Empfehlungen der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK) ausgesprochen.
Das Communiqué des VSP ist hier als PDF-Datei verfügbar; siehe außerdem hier.

Ferner liegt inzwischen zum entsprechenden Beschluß der Konferenz der Schweizer Chefredaktoren (wir berichteten) eine dreiseitige Begründung vor. Darin heißt es einleitend:

„Die Konferenz der Chefredaktoren empfiehlt ihren Deutschschweizer Mitgliedern, im Interesse einer lesefreundlichen, sprachrichtigen und einheitlichen Rechtschreibung die Vorschläge der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK) umzusetzen. Diese Empfehlung erfolgt übereinstimmend mit dem Verband der Schweizer Presse (VSP) und koordiniert mit der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA).“



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Kommentare zu »Der Verband Schweizer Presse unterstützt die Empfehlungen der SOK«
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 25.09.2008 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7376

Ich muß mich präzisieren (vergenauigen): Daß bedeutungsverschiedenen ähnlichen deutschen Wörtern völlig verschiedene fremdsprachige Wörter entsprechen, gilt in dieser ausgeprägten Form für Fremdsprachen aus anderen Sprachfamilien wie romanischen und slawischen Sprachen. Innerhalb einer Sprachfamilie sind fremdsprachige Wörter meist sehr ähnlich und haben nur unterschiedliche Formen. Z.B. kann man Französisch fast Wort für Wort in Italienisch umsetzen; innerhalb der slawischen Sprachen gilt das gleiche. Die deutschen Mundarten zählen zur deutschen Sprachfamilie.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.09.2008 um 14.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7373

Von den Schweizern lernen heißt richtigschreiben (orthographein) lernen.


Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 23.09.2008 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7372

Eine kleine Google-Suche ergab, daß auf www.nzz.ch die antiquierte Schreibweise "heute Abend" noch weit überwiegt, während auf "www.tagblatt.ch" die Schreibweise "heute abend" mittlerweile wohl eine knappe Mehrheit hat.


Kommentar von M. Schuchardt, verfaßt am 23.09.2008 um 12.30 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7371

Zu GERMANIST #7369:

Klar bin ich froh, daß wenigstens in der Schweiz nicht alles kritiklos hingenommen wird und ich wünsche der SOK auch alles Gute. Aber vergessen wir nicht, daß auch die Schweiz viele zuvor alles mitgemacht hat - zuletzt im Zehetmair-Rat (ich weiß, daß der Rat nicht repräsentativ war - das war er in Deutschland und Österreich aber auch nicht). Und es liegt immer an wenigen, die entscheiden, ob es Opposition gibt oder nicht. Gäbe es in Deutschland noch einen A. Springer oder einen Mann vom Schlage Joachims Fests und nicht nur eine Springer-Witwe (befreundet mit der Bundeskanzlerin), dann wäre es auch hier anders gekommen.

Und was dieser "Superpolitiker" über die Demokratiefähigkeit der Deutschen gesagt hat, ist doch nur die Wiedergabe des Vorurteils, das vorwiegend in den angelsächsischen Ländern gegenüber den Deutschen herrscht. Darin zeigt sich bloß eine anpasserische Haltung, sonst nichts. Ich habe mir gerade ein Buch von John Ramsden dazu zu Gemüte geführt ("Don't mention the war"), das die Dinge recht gut offenlegt.


Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 23.09.2008 um 11.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7370

Wenn man von Heyse absieht, gibt es auch viele bundesdeutsche Texte, bei denen Neuschrieb nur sehr schwierig festzustellen ist. Insofern fallen Deutsche und Schweizer nicht weit auseinander.
In Deutschland wird vielfach davon ausgegangen, daß der Leser Neuschrieb erwartet; es wird als Kundendienst begriffen, ihm Neuschrieb zu liefern. Dazu kommt noch der Glaube, Neuschrieb sei vorgeschrieben.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.09.2008 um 11.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7369

Ich sehe den Erfolg der SOK ist auch darin begründet, daß es in der Schweiz mehr wirkliche Pressefreiheit und weniger Ogrigkeitshörigkeit gibt, in der Form, daß keine obrigkeitshörige Meute geifernd über die noch nicht angepaßten und gleichgeschalteten Verlage herfällt wie seinerzeit in Deutschland über die FAZ und die Bildzeitung und daß kein Prof. Zehetmair als Teufelsaustreiber im Dienste der Obrigkeit unterwegs ist. Als es vor Jahrzehnten in Deutschland eine Debatte um mehr Basisdemokratie gab, erklärten hohe, um ihre Macht besorgte sogenannte Staatsmänner, für eine Demokratie wie in der Schweiz seien die Deutschen nicht geeignet. Vererbung oder Erziehung?


Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 22.09.2008 um 23.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7368

Lieber Glasreiniger,

es ist aber doch sehr bezeichnend, daß gerade die Schweiz es auch ohne den so auffälligen Reformtrüffel geschafft hat, sich sehr klug von der angeblichen Rechtschreibreform zu emanzipieren. Als Nicht-Schweizer brauche ich immer recht lange, um zu erkennen, ob ein helvetischer Text nun in Reformschrieb steht oder nicht. Das bedeutet doch wohl, daß bereits die anderen deformierten Unsäglichkeiten im Land der Eidgenossen so viel Schaden angerichtet haben, daß man sie dort lieber wieder loswerden möchte. Und gerade weil die Schweizer aber auch ohne Heyse den übrigen Quatsch von 1996 nicht haben wollen, kann man daran sehr gut erkennen, daß das vielgepriesene Gesamtkunstwerk mit dem Libretto aus dem Mannheimer Haus Wahnschrieb einfach nicht funktioniert. Es hat nämlich auch gar zu viele Mißtöne!

Da hilft nun auch der Ausruf "Che gelida manina! Se la lasci riscaldar" nicht mehr. Das Händchen der vermeintlichen Reform ist und bleibt kalt. In der Schweiz hat sie schon mehrmals Blut gehustet und zeigt so ihr Ende an. Aber Colline scheint in Deutschland dann doch mehr als einen Mantel zu haben, den er bereitwillig ins Pfandhaus trägt, um das schwindsüchtige Reförmchen zu wärmen. In der Heimat Hans Castorps hat man für Lungenkranke eben mehr Verständnis. "Mi chiamano riforma, ma il mio nome è catastrofe", könnte man ihr als Text noch zubilligen. Aber damit steht ja auch der nächste Satz schon fest: "La storia mia è breve." Und so wird es auch kommen. Wie viele Mäntel kann Colline als hungernder Philosoph in Deutschland schon besitzen!


Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 22.09.2008 um 21.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7367

Die Mehrsprachigkeit der Schweiz ist m.E. kein geeigneter Erklärungsansatz. Denn die Mehrheit der deutschsprachigen Schreiber ist inzwischen auch effektiv zweisprachig. Der Hauptgrund für die Möglichkeit des Widerstands ist der Umstand, daß man dort von Pseudo-Heyse nicht betroffen ist.


Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 22.09.2008 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7366

Wenn tatsächlich eine solche sprachliche Sensibilität vonnöten ist und wenn Mehrsprachigkeit aufzeigt, daß differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten mit der Reform erschwert werden, sehe ich auf Deutschland bezogen schwarz, daß verbreitet der Unsinn des Neuschriebs auffällt.
Zum einen werden Hinweise darauf, daß mit der Reform Ungleiches gleich und mithin mißverständlich geschrieben wird, als nervtötende Spitzfindigkeit ewiggestriger Elfenbeinturmakademiker abgetan; zum anderen wird die Erkenntnis, daß mehrere fremdsprachliche Begriffe (scheinbar) einem deutschen entgegenstehen, im Volksmund gegen die deutsche Sprache verwandt und nicht gegen die Schreibweise. Schließlich ist es hierzulande chic, gegen alles Deutsche zu wettern.
Im übrigen ist die Rechtschreibreform den meisten Leuten schon so stark aus dem Bewußtsein entschwunden, daß sie nichts mehr damit in Verbindung bringen.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.09.2008 um 14.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7365

Herrn Höher ist zuzustimmen. Gerade die ja von Haus aus mehrsprachigen Schweizer scheinen die reformierte deutsche Schriftsprache oder jedenfalls ihre Handhabung durch die Druckmedien als großen Verlust an Ausdrucksgenauigkeit zu empfinden. Für Mehrsprachige war die frühere deutliche Unterscheidungsschreibung bedeutungsverschiedener ähnlicher deutscher Wörter besonders hilfreich, da diesen deutschen Wörtern völlig unterschiedliche fremdsprachige Wörter entsprechen. Früher konnte man z.B. schriftlich eindeutig unterscheiden zwischen "sieben mal sieben ist neunundvierzig" und "siebenmal sieben ergibt ganz feinen Sand".


Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 21.09.2008 um 16.11 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=604#7363

Es ist doch tatsächlich interessant zu beobachten, daß die Schweiz – die ja bekanntlich nicht einmal ein ausschließlich deutschsprachiges Land ist – Deutschland und Österreich seit einiger Zeit ein Lehrstück in Sachen vernünftiger Orthographie gibt. Die Erfolge dieses Lehrstücks immer wieder nur damit begründen zu wollen, daß gerade der Reformtrüffel in der Konföderation der Eidgenossen keine Anwendung findet, scheint mir inzwischen zu kurz zu greifen.

Womöglich muß sich dort die deutsche Schriftsprache neben den anderen gesprochenen und geschriebenen fremden Sprachen und vor allem natürlich neben den verschiedenen gesprochenen schweizerdeutschen Varietäten als besonders lesefreundlich und semantisch korrekt behaupten. Dem Reformschrieb ist das offensichtlich zuvor nicht gelungen.

Das Vernünftige setzt sich eben nur dann durch, wenn sich der Blödsinn bei großem Konkurrenzdruck nicht bewährt hat.

Ein paar 'neuerdings Gestrige' gibt es natürlich auch an den Ufern des Sees, dessen von "Mutter Natur" geschaffener "Erfindung Pracht" als "schön" und "[a]uf die Fluhren zerstreut" zu preisen war und ist. Es bleibt freilich zu hoffen, daß etwa der nach einem griechischen Weisen benannte Verlag sich noch besinnen und seinen Weg in die orthographischen Tiefen des 19. Jahrhunderts aufgeben wird. Schließlich verirrte sich auch jener Quedlinburger, der am 30. Juli 1750 die erwähnte, Literaturgeschichte schreibende Fahrt auf der "Zürcher See" unternahm, in den Wahn einer Orthographiereform. Und er war dabei keinesfalls allein. Bedeutende Dichter, wie etwa der Sänger der "Lenore", folgten ihm auf diesem Irrweg kurzzeitig, kamen jedoch – genau wie der Initiator selbst – wieder zur Besinnung.

"Reizend klinget des Ruhms lokender Silberton/ In das schlagende Herz, und die Unsterblichkeit/ Ist ein grosser Gedanke,/ Ist des Schweisses der Edlen werth."

Es ist daher nicht zu spät, sich als schweizer Verlag der SOK noch anzuschließen und somit hoffentlich "des Schweisses der Edlen werth".



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