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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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25.07.2008
 

Herr Zierrat feiert
Zehn Jahre Rechtschreibreform

Vor zehn Jahren, am 1. August 1998, hat der Zierrat neben dem Commerzienrat und dem Geheimen Hofrat auf der Ehrenbank der überflüssigen Titelträger Platz genommen.

Hans Krieger hat es sich nicht nehmen lassen, ihm dazu in der Bayerischen Staatszeitung zu gratulieren.



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Kommentare zu »Herr Zierrat feiert«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.07.2015 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#10112

„Ebenfalls als Simplizia gelten mittlerweile die ursprünglichen Derivate (...) Zierrat (...)“ (Hilke Elsen:Grundzüge der Morphologie des Deutschen. 2. Aufl. Berlin 2014:91)
Konsequenter wäre: „Das ursprüngliche Derivat Zierrat gilt mittlerweise als Kompositum.“ Es gibt nicht nur "Wörterbuchzynismus" (vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=105), sondern dasselbe auch in Grammatiken.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2009 um 09.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#8045

Schönbohm schreibt ohne Zierrat. (SZ 16.12.09, Besprechung von Schönbohms Autobiographie)


Kommentar von Schwäbisches Tagblatt, 5. August 2008, verfaßt am 11.08.2008 um 23.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7271

Zehetmair: Warum nicht "Spagetti"?

Zehn Jahre nach dem Start der Rechtschreibreform an deutschen Schulen erwägt der Vorsitzende des Rechtschreibrates, Hans Zehetmair, weitere Korrekturen. "Wir werden uns mit den Wörterbuchverlagen unterhalten, ob sie in der nächsten Ausgabe einzelne Änderungen übernehmen", sagte Zehetmair dem "Münchner Merkur". Dies sei ein ganz normaler Prozess. Ein Augenmerk hat der Rat für deutsche Rechtschreibung unter anderem auf die Eindeutschung von Fremdwörtern. "Ich denke da etwa an die Spaghetti ohne h", sagte Zehetmair. Insgesamt sei die Rechtschreibreform sicher nicht verfehlt. "Wenn, dann kann man die Frage stellen, ob die Reform überhaupt hätte gemacht werden sollen. Das ist aber Schnee von gestern." dpa

http://tagblatt.de/35681939/Nachrichten/Kultur


Kommentar von suedkurier.de, 5. August 2008, verfaßt am 11.08.2008 um 21.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7270

Reformer sind erschöpft
Vor zehn Jahren wurde die Rechtschreibung der deutschen Sprache reformiert. Der Rat für deutsche Rechtschreibung arbeitet noch. Die Zeiten des erbitterten Streits um die Rechtschreibreform scheinen mittlerweile vorbei zu sein.

1 Haben sich heute, zehn Jahre nach der Rechtschreibreform, die Wogen wieder geglättet?

Am 1. August 1998 wurde das Regelwerk an Deutschlands Schulen eingeführt - begleitet von heftigen Kontroversen und großem Unmut. Heute herrscht zumindest an den Schulen eine erschöpfte Ruhe. Zwar ist kaum jemand wirklich glücklich mit der Reform, aber eine erneute Auseinandersetzung wünscht sich auch niemand.

2 Warum wurde die deutsche Sprache reformiert?

Die Befürworter der Reform hatten zum einen die Anpassung der Regelung an die Erfordernisse des Alltags im Blick. Zum anderen sollte eine Vereinfachung der in vielen Teilbereichen der Rechtschreibung im Laufe der Zeit kompliziert gewordenen Regeln durchgesetzt werden. Ziel sollte unter anderem eine einheitliche Worttrennung, Interpunktion und die Anpassung der Schreibweise ganzer Wörter sein.

3 Ging die Reform reibungslos vonstatten?

Keineswegs. Selten hat eine Reform so erbitterte Auseinandersetzungen hervorgebracht wie die der deutschen Rechtschreibung. Der Riss ging quer durch alle Berufe, die mit der Sprache befasst sind: Lehrer, Schriftsteller, Professoren, Journalisten rangen Monate lang um die neue Rechtschreibung. Verlage sortierten die Regeln aus. Der Rat für deutsche Rechtschreibung um den Vorsitzenden Hans Zehetmair erarbeitete Nachbesserungsvorschläge, die schließlich am 1. August 2006 an den Schulen eingeführt wurden. Zwei Jahre später ist der Rechtschreibrat zwar nicht abgeschafft, erfüllt seine Aufgaben aber ohne großes öffentliches Interesse.

4 Findet die Reform heute breite Unterstützung?

Davon kann nicht ohne weiteres die Rede sein. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach vom April 2008 lehnen 55 Prozent der Befragten die Rechtschreibreform ab, 31 Prozent ist sie egal, und nur neun Prozent sind dafür.

79 Prozent aller Befragten stimmten der Aussage zu: Durch die Rechtschreibreform weiß man bei vielen Wörtern gar nicht mehr, wie sie richtig geschrieben werden.

5 Haben die Schulen ihren Frieden mit der Reform gemacht?

"Das Thema ist an den Schulen vollständig durch, da kräht kein Hahn mehr nach", sagt die Schulexpertin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer. Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, meint, dass sich die große Aufregung um die Reform längst gelegt habe. Diese Gelassenheit liegt aber nicht in der Überzeugungskraft der Reform begründet.

6 Ist mit einem Wiederaufflammen des Streits zu rechnen?

Nach Ansicht des Lehrerverbandes wohl nicht. Niemand werde Energie und Mut aufbringen, diese Reform noch einmal anzupacken, sagt Verbandschef Josef Kraus. Wer da noch Diskussionsbedarf habe, werde verständnislos angesehen, heißt es. Das Thema habe sich zumindest in der Schule "wahrscheinlich für eine ganze Generation erledigt." (nik/AFP)

http://www.suedkurier.de/nachrichten/politik/;art3333,3352695,0


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2008 um 06.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7189

Für den Protest an der Rechtschreibreform war es schon zu spät, als es den Reformern gelungen war, die Staatsmacht (in Gestalt einiger Ministerialräte) auf ihre Seite zu ziehen. Davon konnte aber die Öffentlichkeit nichts bemerken. Man braucht sich also keine Vorwürfe zu machen.
Nachdem jene Entscheidung gefallen war, konnte nichts und niemand das Vorhaben mehr stoppen. Sogar im Rechtschreibrat, der ja satzungsgemäß auf die Durchsetzung der Reform festgelegt ist, wurden nur noch Alibiveranstaltungen durchgeführt, z. B. Anhörungen, bei denen von vornherein feststand, daß ihre Ergebnisse absolut folgenlos in die Schublade wandern würden. Güthert referierte die Eingaben und erklärte im Sinne des Vorsitzenden abschließend, daß kein Handlungsbedarf bestehe.
Geändert wurde das Regelwerk, weil es so krasse Fehler enthielt, daß auch der verbohrteste Reformer auf die Dauer nicht darüber hinwegsehen konnte - obwohl auch hier das Leugnen zunächst heftig versucht wurde, u. a. mit Unterstützung des unseligen IDS.


Kommentar von Badische Zeitung vom Freitag, 1. August 2008, verfaßt am 03.08.2008 um 20.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7188

LEITARTIKEL:
Geschichte eines Scheiterns
Von Bettina Schulte

Als man dachte, es sei vollbracht, fing alles erst an. Heute genau vor zehn Jahren trat die Reform der deutschen Rechtschreibung in Kraft — nach 18 Jahren mühseliger Kleinarbeit in unzähligen Expertenrunden und politischen Gremien. Doch im Rückblick auf den Lauf der Ereignisse danach muss man es so formulieren: Das Regulierungswerk sollte in Kraft treten — denn so, wie die neue Orthografie des Deutschen gedacht war, wurde sie nie verwirklicht. Die Geschichte dieser Reform ist die Geschichte ihres Scheiterns.

Kein anderes Gesetzesvorhaben in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte war so umstritten wie die Rechtschreibreform. Befürworter und Gegner lieferten sich Kämpfe, die bisweilen an Glaubenskriege erinnerten. Angesichts der zwei Prozent des deutschen Sprachguts, die von der Reform berührt waren, mochte die Verbissenheit der Kontrahenten manchem Zeitgenossen als absurd erscheinen. Andererseits ist das Sprachgefühl ein sensibles mentales Territorium, in Sprachtraditionen und -gewohnheiten von Staats wegen einzugreifen, ein riskantes Unterfangen. Das immerhin hat das endlose Hin und Her um die Rechtschreibreform in aller Klarheit belegt. Bis heute ist sie in den Köpfen der Menschen nicht angekommen. Die jüngste Allensbacher Umfrage hat im April erst ergeben, dass nur neun Prozent der Deutschen die Reform bejahen, die Mehrheit (55 Prozent) aber nach wie vor lieber nach alter Väter Sitte schreiben würde — und es vermutlich auch tut.

Das wäre kein Wunder: Inzwischen weiß wohl kaum noch jemand, wie im Zweifelsfall richtig geschrieben wird — schon allein deshalb, weil sich der Gegensatz zwischen "richtig" und "falsch" im Zulassen von Varianten aufgelöst hat. Nicht weniger als 3000 orthografische Alternativen bietet der Duden in seiner jüngsten, der 24. Auflage an. Ob man "Polyphonie", "Phantasie" oder Choreographie mit "f" schreibt oder nicht, ob man "Stengel" oder das hässliche "Stängel" verwendet, ob man "leicht verdauliche" oder "leichtverdauliche" Kost bevorzugt, bleibt jedem jetzt selbst überlassen. Selbst das einzige unstrittige Reformergebnis, "ß" bei kurzem vorangegangenen Vokal durch "ss" zu ersetzen, wird oft genug falsch umgesetzt. Bei den Interpunktionen waltet, wenn der Eindruck nicht trügt, das komplette Chaos. Die Intervention von Gremien mit bürokratisch aufgeschwollenen Namen wie "Zwischenstaatliche Kommission" und "Rat für deutsche Rechtschreibung" sorgte dafür, dass die Verwirrung immer größer wurde — und am Ende die Erkenntnis übrigblieb, dass man sich das Herumzuppeln an der Sprache am besten hätte sparen sollen. Dazu aber war es längst zu spät: Millionen Schulbücher waren in der neuen Rechtschreibung gedruckt, der Reformbetreiber Duden machte beste Geschäfte.

Die Geschichte der Reform der Reform der Reform liest sich wie ein gigantischer Schildbürgerstreich, in dem Landespolitiker wie Linguisten, Journalisten wie Schriftsteller ihren Part gespielt haben. Als erstes scherte das Land Schleswig-Holstein per Volksentscheid aus der Rechtschreibreform aus. Es folgten mit ministerpräsidentiellem Machtwort von oben Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen. An der Medienfront tat sich besonders die FAZ hervor, die ihren aktiven Widerstand gegen die Bemühungen der Kultusminister, die deutsche Sprache zu vereinfachen, zu einem Akt zivilen Ungehorsams stilisierte. Andere — von Bild bis Spiegel — folgten. Spät wachten die eigentlichen Wächter der Sprache auf: Die Akademie für Sprache und Dichtung und die Schriftstellervereinigung PEN bliesen zum Kampf gegen die Reform, als die Sprache schon in den Brunnen gefallen war.

Oder auch nicht: Daran mögen sich die Geister bis heute scheiden. Doch wollen sie es noch? Die Schlacht ist geschlagen, unter hohem Einsatz mentaler Mittel, die Reform mit Zugeständnissen an ihre Kritiker seit einem Jahr verbindlich. Nun hält sich an sie, wer will. Oder: Sucht sich aus ihr heraus, was er will. Die Hausorthografie feiert vielerorts eine fröhliche Wiederkehr. Wie es euch gefällt, lautet die Devise. Und warum auch nicht? Die wahren Gefahren drohen der Sprache von anderswo. Die Dominanz der elektronischen Medien und des optischen Signals werden ihrer Schönheit und Eleganz — früher nannte man das Stil — schon noch den Garaus machen.


Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 01.08.2008 um 12.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7168

Herr Zehetmair ist für das Amt, das man ihm anvertraut hat, genau der Richtige, da er die Gabe hat, sich mit dem Gestus des seiner Sache sicheren und über alle etwaigen Zweifel an seiner Integrität erhabenen Philologen und Staatsmannes so verschwommen, unklar und mißverständlich auszudrücken, daß er hinterher alles gesagt haben kann, denn ein Gegenteil kann es bei einer solchen Diktion ja nicht geben.

Ich habe ihn auch so verstanden, daß der Rat prüfen will, ob sich die Schreibung »Spagetti« durchgesetzt hat. Dazu braucht man keinen Expertenrat, es genügt, eines der Kinder in den nächsten Tengelmann zu schicken und sich das Teigwarenangebot anzusehen. »Spagetti« findet man da nicht. Bei »Jogurt« wird es schwieriger, die frommen Andechser schreiben es, wie die Reformer wollen, andere, etwa die Bergbauernmilch, bleiben beim Joghurt (schmeckt gleich viel besser, übrigens). Rolladen- und Rauhfaserfabrikanten spielen auch nicht so recht mit, wie man, wenn man mit offenen Augen durch Deutschlands Straßen geht oder die Transparentwerbung in den Fußballstadien sieht, feststellen kann. Undsoweiter.

Herrlich finde ich folgende Aussage des Herrn Z.:

»Insgesamt ist die Rechtschreibreform sicher nicht verfehlt. Wenn, dann kann man die Frage stellen, ob die Reform überhaupt hätte gemacht werden sollen.« - Wie bitte? Wenn was? Und nur wenn (was auch immer) kann man sich diese Frage stellen? Genial, dieses kleine Signal des inneren, fast völlig auf Null gesunkenen Restvorbehaltes, den man aber jederzeit wieder aktivieren kann, sollte sich die Stimmung ändern.

Einem solchen Menschen, der mit der Sprache so schlampig und nebulös, möglicherweise sogar bewußt verantwortungslos umgeht, wird die Leitung des Gremiums anvertraut, das so weitreichende Entscheidungen über das Schicksal unserer Sprache treffen darf, wie der Rat für deutsche Rechtschreibung!

Traurig.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2008 um 11.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7167

Sollte Zehetmair mißverstanden worden sein? Nach allem, was ich von ihm weiß, erwägt er nicht die endgültige Streichung des h in "Spaghetti", sondern im Gegenteil die volle Wiederherstellung der italienischen Schreibweise. Das Ganze ist natürlich ein Ablenkungsmanöver, aber eher aus Unwissenheit. Zehetmair weiß nach wie vor nicht viel über den Inhalt der Reform.


Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 01.08.2008 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7164

Da ist er wieder: der alte Trick. Ein Kinkerlitzchen wie das "H" in "Spaghetti" wird vorgeschoben, um das Wesentliche der Reform zu verschweigen. Und wieder einmal fällt die Journaille drauf rein.


Kommentar von Der Tagesspiegel, verfaßt am 01.08.2008 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7160

Zehetmair erwägt Änderungen

Es könnte mal wieder Korrekturen bei der deutschen Rechtschreibung geben. Dafür spricht sich zumindest Hans Zehetmair, der Vorsitzende des Rechtschreibrates, aus.

München - Zehn Jahre nach dem Start der Rechtschreibreform an deutschen Schulen erwägt der Vorsitzende des Rechtschreibrates, Hans Zehetmair (CSU), weitere Korrekturen. "Änderungen sind möglich. Wir werden uns mit den Wörterbuchverlagen unterhalten, ob sie in der nächsten Ausgabe einzelne Änderungen übernehmen", sagte Zehetmair dem "Münchner Merkur" (Mittwochsausgabe). Dies sei allerdings ein ganz normaler Prozess. Ein Augenmerk hat der Rat für deutsche Rechtschreibung unter anderem auf die Eindeutschung von Fremdwörtern. "Ich denke da etwa an die "Spaghetti" ohne "h"", sagte Zehetmair.

Insgesamt sei die Rechtschreibreform sicher nicht verfehlt. "Wenn, dann kann man die Frage stellen, ob die Reform überhaupt hätte gemacht werden sollen. Das ist aber Schnee von gestern." Forderungen aus der Schweiz nach weitreichenden Korrekturen sieht Zehetmair gelassen entgegen. "Ich selbst werde daran nicht mehr beteiligt sein. Sie können mir glauben: Noch einmal nehme ich diese Qual nicht auf mich", sagte der CSU-Politiker der Zeitung. Zehetmair will den Vorsitz des Rechtschreibrates bis 2010 behalten. Der Vorsitz habe zu den größten Herausforderungen seiner politischen Laufbahn gehört: "Wenn ich es nüchtern betrachte, war es wohl die verantwortungsvollste Aufgabe." (sg/dpa)

(Link)

(Hinweis: Das Zehetmair-Interview mit dem Merkur ist hier zu finden. – Red.)


Kommentar von AFP, verfaßt am 30.07.2008 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7118

Erschöpfte Ruhe nach jahrelangem Streit

Frankfurt/Main (AFP) — Der Rat für deutsche Rechtschreibung arbeitet noch - nur nimmt davon kaum noch jemand Notiz. Denn die Zeiten des erbitterten Streits um die Rechtschreibreform scheinen vorbei zu sein. Vor zehn Jahren, am 1. August 1998, wurde das Regelwerk an Deutschlands Schulen eingeführt - begleitet von heftigen Kontroversen und großem Unmut. Schlichtend wirkte erst die Arbeit des Rechtschreibrates, dessen Empfehlungen vor zwei Jahren zu erneuten Änderungen an der Reform führten. Heute herrscht an den Schulen eine erschöpfte Ruhe. Zwar ist kaum jemand wirklich glücklich mit der Reform, aber eine erneute Auseinandersetzung wünscht sich auch niemand.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung wurde als Konsequenz aus der anhaltenden Kritik an der Reform eingerichtet. Die Expertenrunde um ihren Vorsitzenden Hans Zehetmair erarbeitete Nachbesserungsvorschläge, die schließlich am 1. August 2006 an den Schulen eingeführt wurden. Zwei Jahre später ist der Rechtschreibrat zwar nicht abgeschafft, erfüllt seine Aufgaben aber ohne großes öffentliches Interesse. Dabei sollen Schreibweisen nun keineswegs ewig in Stein gemeißelt bleiben. "Änderungen sind möglich", sagte Zehetmair dem "Münchner Merkur". Das sei allerdings ein ganz normaler Prozess. Denkbar sind unter anderem Eindeutschungen von Fremdwörtern. Er denke da etwa an Spaghetti ohne h, nennt der frühere bayerische Kultusminister ein Beispiel.

In der Öffentlichkeit und an den Schulen wird das vermutlich nicht mehr für große Aufregung sorgen. "Das Thema ist an den Schulen vollständig durch, da kräht kein Hahn mehr nach", sagt die Schulexpertin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer. Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, meint, dass sich die große Aufregung um die Reform längst gelegt habe.

Diese Gelassenheit liegt aber nicht in der Überzeugungskraft der Reform begründet, sondern vor allem in der Wirkung der jahrelangen Auseinandersetzung. An den Schulen sei man des Streits müde, sagt der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Lehrer und Schüler seien des Themas überdrüssig, pflichtet die stellvertretende GEW-Vorsitzende Demmer bei.

Eine rundum positive Bilanz zieht nach zehn Jahren Rechtschreibreform niemand. Auch Zehetmair blickt kritisch zurück: "Insgesamt ist die Rechtschreibreform sicher nicht verfehlt. Wenn, dann kann man die Frage stellen, ob die Reform überhaupt hätte gemacht werden sollen. Das ist aber Schnee von gestern." Meidinger kritisiert, dass nach wie vor einige Dinge unbefriedigend geregelt seien und es noch eine Menge Widersprüche gebe.

Unabhängig von der Kritik an einzelnen Änderungen sind die Lehrer aber vor allem über das jahrelange Wirrwarr und die lähmende Wirkung der Auseinandersetzung verärgert. In dieser Zeit wären an den Schulen wichtigere Dinge zu tun gewesen, erzürnt sich Lehrerverbandspräsident Kraus. So werde etwa in keinem Industrieland der Muttersprache im Unterricht so wenig Gewicht beigemessen wie in Deutschland.

Die Debatte darum und um andere Probleme an Deutschlands Schulen wird weitergehen. Ein erneuter Streit um die Rechtschreibung ist dagegen nicht in Sicht. Niemand werde Energie und Mut aufbringen, diese Reform noch einmal anzupacken, sagt Kraus. Wer dies dennoch wagt, wird nach Ansicht Demmers nur auf "ungläubiges Staunen" stoßen. Das Thema habe sich "wahrscheinlich für eine ganze Generation erledigt."

(In gekürzter Fassung z. B. in der Lausitzer Rundschau erschienen.)


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2008 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7091

In dem Bericht fehlt der Hinweis darauf, daß die Arbeit des (ohnehin mehrheitlich widerwilligen) Rechtschreibrates gewaltsam abgebrochen wurde, ebenso darauf, daß die Zeitungen die weitere Diskussion unterdrückten, indem sie kein Leserbriefe und Beiträge zum Thema mehr druckten.


Kommentar von AP, verfaßt am 29.07.2008 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7090

Zehn Jahre Rechtschreibreform in Deutschland - Konflikt weitgehend beendet - Mehrheit lehnt neue Schreibregeln weiter ab
Von Guido Rijkhoek
«Der Pulverdampf hat sich gelegt»

Die Aufregung hat sich gelegt, die Unzufriedenheit bleibt. Vor zehn Jahren, am 1. August 1998, begann die Einführung der Rechtschreibreform in Deutschland. Nach zahlreichen Protesten und Änderungen hat sich nur ein kleiner Teil des Reformwerks durchsetzen können. In ihrer Mehrheit lehnen die Deutschen die neue Rechtschreibung nach wie vor ab. «Man wollte eine sehr grundsätzliche Reform machen», sagte Ludwig Eichinger, der Leiter des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in der Rückschau: «Das ist zumindest sehr schwierig bei einer Sprache, die eine sehr lange Schreibtradition hat.»

Die komplizierte, von zahlreichen Regeln und fast ebenso vielen Ausnahmen bestimmte deutsche Rechtschreibung sollte einfacher und logischer werden. Dies war der Grundgedanke der Reform. Die Vorarbeiten für die neue Rechtschreibung hatten bereits in den 80er Jahren begonnen. Am 1. Juli 1996 unterzeichneten dann staatliche Vertreter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Wien eine gemeinsame Absichtserklärung. Danach sollten die neuen Regeln ab dem 1. August 1998 in Behörden und Schulen gelten.

Als Nachteil erwies sich bald, dass über die Arbeit am neuen Regelwerk von den Medien kaum berichtet worden war. So erfuhr die Öffentlichkeit von der Tragweite der Reform erst, als sie bereits beschlossene Sache war. Umso heftiger begann ab Herbst 1996 die Diskussion in Deutschland. Zu einer schweren Hypothek für die Reform wurde dabei, dass sich nahezu alle namhaften deutschen Schriftsteller, aber auch angesehene Institutionen wie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung gegen die Reform stellten.

Große Medien wandten sich von Reform ab

Die Reformgegner stellten die neue Rechtschreibung grundsätzlich in Frage und forderten eine Rückkehr zur traditionellen Schreibweise. «Die Kritik war berechtigt», sagt noch heute der Reformgegner Theodor Ickler. Die Reform habe zur Verunsicherung und nicht zu mehr Sicherheit im Umgang mit dem Schriftdeutsch geführt. Die Zahl der Problemfälle, in denen sich leicht Fehler einschleichen, habe sich verzehnfacht, schätzt der Erlanger Germanistikprofessor.

Doch trotz aller Kritik blieb die Politik zunächst standhaft. Als sich in Schleswig-Holstein 1998 die Bürger in einem Volksentscheid mehrheitlich gegen die Reform stellten, ließ die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) das Ergebnis per Landtagsbeschluss wieder aufheben. Auch die Kultusminister erklärten immer wieder, dass es bei der Reform kein Zurück gebe. Dass die «Frankfurt Allgemeine Zeitung» 2000 zur alten Rechtschreibung zurückkehrte, blieb zunächst folgenlos. Erst im Sommer 2004 änderte sich die Situation schlagartig. Zum einen stellte sich der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) öffentlich gegen die Reform und erhielt dafür Beifall von zahlreichen CDU- und FDP-Politikern. Wenige Wochen später kündigten mit der Axel Springer AG und dem Spiegel-Verlag zwei der größten und einflussreichsten deutschen Medienhäuser an, dem Beispiel der FAZ folgen zu wollen. Damit war die Rechtschreibreform in eine Existenzkrise geraten.

Eine zentrale Rolle sollte nun dem von der Kultusministerkonferenz einberufenen Rat für deutsche Rechtschreibung zufallen, der sich am 17. Dezember 2004 konstituierte. Bis Anfang 2006 überarbeitete das Expertengremium das Reformwerk und nahm zahlreiche Änderungen in besonders umstrittenen Bereichen vor, etwa bei der Groß- und Kleinschreibung oder der Getrennt- und Zusammenschreibung. Die neuen Regeln wurden von der Kultusministerkonferenz gebilligt und zum 1. August 2006 in den Schulen eingeführt.

Nur neun Prozent für neue Rechtschreibung

Auch wenn Gegner der Rechtschreibreform mit dem im Rat gefundenen Kompromiss unzufrieden sind, ist doch nicht zu verkennen, dass die Arbeit des Gremiums den Konflikt weitgehend beendet hat. Nach Spiegel und Springer schwenkte zum 1. Januar 2007 auch die FAZ auf die nunmehr reformierte neue Rechtschreibung um. Da sich auch alle deutschen Nachrichtenagenturen auf das reformierte Regelwerk einigten, ist zumindest in den Massenmedien eine weitgehende Einheitlichkeit der Schriftsprache wieder hergestellt. «Es ist so gekommen, wie man hoffen konnte», sagt IDS-Chef Eichinger: «Der Pulverdampf hat sich gelegt.»

Doch trotz der wieder gewonnenen Einheitlichkeit ist die neue Rechtschreibung auch zehn Jahre nach ihrer Einführung nicht populär geworden. Eine im Juni veröffentlichte Allensbach-Umfrage ergab, dass nur neun Prozent der Bevölkerung die neuen Regeln positiv bewerten. 55 Prozent lehnen sie weiterhin ab.


Kommentar von Martin String, verfaßt am 29.07.2008 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7089

Der reformierte Reiher

Der Reiherin schrieb jüngst der Reiher:
„Ich liebe Dich! Dein rauher Freier.“
Sie schrieb zurück: „Du bist nicht schlau:
man schreibt doch rau wie blau und grau.
Nein, niemals werd’ ich deine Frau!“

Der Reiher dachte: Weiß der Geier,
bin ich denn jetzt ein rauer Reiher?“
Und der Verfloßnen schrieb er so:
„Am Weier ste’ ich frü schon fro;
se’ ich ein Fischlein, ess’ ich’s ro.
Um dich mach’ ich mir wenig Müe,
friss roe Mören wie die Küe!“

Epilog:
Was sagt der Rechtschreibrat? – „Mein Lieber,
Du generalisierst ja über!“


Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 28.07.2008 um 14.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7058

Lieber Herr Mahlmann,
Ihre Herleitung entspricht zwar einer möglichen Wortbildung analog zu Hausrat oder Unrat, ich bezweifle aber den Bedarf an einem derartigen Wort und darum seine Existenz außerhalb einer Metadiskussion (vgl: Papp-Plakat)


Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 28.07.2008 um 14.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7057

Ich bitte um Entschuldigung, daß meine Definition mißverständlich war. Ich meine wie Herr Konietzko, daß der Zierat die Zierde ist - nur eben nicht die abstrakte Zierde, der Vorgang der Zierde, sondern das, woraus die Zierde besteht.

So ist der "Zierat" der tatsächlich angebrachte Zierstreifen an der Tür; der "Zierrat" hingegen ist der Vorrat an Zierstreifen beim Tischler.


Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 28.07.2008 um 14.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7056

Zierat heißt soviel wie Zierde, ist also nicht das, was verziert wird, sondern die Verzierung selbst.


Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 28.07.2008 um 13.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7055

Ich frage mich, ob es nicht bei "Zierat" und "Zierrat" so ist wie bei vielen anderen Beispielen: zwei verschiedene Sachen werden nun gleich geschrieben.
Nach alter Lesart ist "Zierrat" eine Sammlung von Utensilien zur Zierde, während der "Zierat" der Gegenstand der Zierde ist.


Kommentar von Klaus D. Bätz, verfaßt am 28.07.2008 um 13.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=596#7054

"I am reading" hat mit dem englischen Gerund nichts zu tun; es handelt sich vielmehr um die sogenannte "Verlaufsform", hier "Present contiuous", die mit dem Partizip Präsens, hier: "reading", gebildet und anfangs immer als "ich tue/lese GERADE" zu übersetzen erklärt wird, währenddessen die "-ing-Form" als Gerund immer als Substantiv behandelt wird.



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