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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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07.08.2004
 

Bernd Graff
Zurruek ien dat zukunpft

Ein jeder, wie er will und mag: Verlage sagen nein zur neuen Rechtschreibung – die einen früher, die anderen später. Irgendwann erwischt es wohl jeden. Bis dahin müssen vor allem die Schüler leiden – denn die werden nicht verstehen, warum man ihnen schon bald als falsch anstreicht, was doch bei SZ-Spiegel-FAZ-Welt schwarz auf weiß gedruckt steht.

Mit dem 1. August 2005 ist der Übergangszeitraum der Rechtschreibreform beendet.

Dann gilt, was die Kultusministerkonferenz beschlossen hat, nicht mehr als grobe Richtungsanweisung, sondern als verbindlich. Und das, obwohl sich einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge etwa dreiviertel der Befragten gegen die Reform geäußert haben.

Der Widerstand richtet sich weniger gegen den Inhalt der neuen Regeln als vielmehr gegen deren diffuse Auslegbarkeit. Bei vielen / Vielen(?) ist die alte Schreibung mit neuer durchsetzt und umgekehrt, weil niemand so genau weiß, was eigentlich gilt: Die Konturen dieser neuen Rechtschreibung blieben und sind unscharf, in der Praxis ebenso wie in der Theorie.

Darum sprach sich etwa Kulturstaatsministerin Weiss für Änderungen, sprich: die Rücknahme der Reform aus.

Ein jeder schreibt, wie er will oder immer schon wollte
Ihrer Auffassung nach wäre es ein Fehler, neue Schreibregeln gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. Die seit fünf Jahren anhaltende Debatte zeige, so Weiss, dass der Widerstand gegen die Rechtschreibreform ungebrochen sei. Die meisten Bürger hätten die Änderungen weder verinnerlicht, noch wendeten sie die neuen Schreibregeln an. Sprache könne, so Weiss, nicht von der Politik verordnet werden. Die Praxis gibt ihr recht (?) / Recht.

Ein jeder schreibt also, wie er will oder immer schon wollte. Durch Verlagshäuser geht der Rechtschreibriss intern genauso wie durch die deutsche Verlagslandschaft überhaupt.

Die FAZ schreibt schon länger wieder alt. SZ, Springer und Spiegel werden folgen. Ein paar Agenturen werden auch einknicken. Sicher. Was aber ist mit den Schülern, die "Deutsche Rechtschreibung" erlernen sollen?

Wunderliche Beispielsätze
Seit 1996 sind die Lehrer gehalten, eine orthodoxe Auslegung der neuen Rechtschreibung zu unterrichten, die außerhalb der Schulen praktisch unbekannt ist.

In den meisten Schul- und Kinderbüchern werden Regeln angewandt, die von irgend einem kalten unbehausten Stern zu kommen scheinen, aber nicht aus einer lebendigen Sprache. Die SZ zitierte bereits einen der wunderlichen Beispielsätze: „Er traf sich mit meiner Schwester und deren Freundin war auch mitgekommen.“ Aha.

Reinhard Markner, Vorsitzender der Forschungsgruppe Deutsche Sprache, etwa schrieb bündig in der Süddeutschen: „Das von der Kultusministerkonferenz beschlossene Update der Reform ist ein Patch, das kaum einen Programmierfehler wirklich behebt. Die Prognose, dass die Popularität der Reform auch weiterhin auf niedrigem Niveau stagnieren wird, dürfte daher kaum zu beanstanden sein. Niemand sehnt sich nach der amtlich verordneten Freiheit, künftig bei Weitem oder bei weitem, 8fach oder 8-fach, Leid tun oder leidtun schreiben zu dürfen.“ Eben.

Darum wird man es bundesdeutschen Eltern nachsehen müssen, dass sie künftig keine „5“ (?) / „fünf“(?) / „Fünf“ (?) im Diktat ihrer Lieben mehr ernstnehmen / ernst nehmen? und akzeptieren werden. Wer aber behält dann recht / Recht - notfalls auch vor deutschen Gerichten?


Quelle: Süddeutsche Zeitung online
Link: http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/715/36679/


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