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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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20.04.2008
 

„Haben Sie sich an die neue Rechtschreibung gewöhnt?“
Die Mehrzahl der Deutschen hat Probleme mit der neuen Rechtschreibung

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie des Instituts TNS Emnid; Südwest-Presse, Augsburger Allgemeine und Berliner Zeitung berichteten.

Auf die Frage „Haben Sie sich inzwischen an die neue Rechtschreibung gewöhnt?“ antworteten 62 Prozent aller Befragten mit Nein, nur 36 Prozent mit Ja. In Westdeutschland liegt der Anteil derer, die sich nicht an die Rechtschreibreform gewöhnt haben mit 64 Prozent höher als in Ostdeutschland (54 Prozent).

Probleme mit der Reform gestanden 67 Prozent der befragten Männer ein, hingegen nur 57 Prozent der Frauen. Während in den Altersgruppen ab 30 Jahren die Anzahl derer, die sich nicht an die Rechtschreibreform gewöhnt haben zwischen 63 und 69 Prozent liegt, sinkt er bei den jungen Deutschen zwischen 14 und 29 Jahren auf 45 Prozent. Dies ist die einzige Altersgruppe, in der eine Mehrheit (55 Prozent) angibt, sie sei mit der Rechtschreibreform vertraut.



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Kommentare zu »„Haben Sie sich an die neue Rechtschreibung gewöhnt?“«
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Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 19.07.2008 um 01.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=584#6954

Ich bin kein Lyriker, ich wäre wohl gern einer, viel lieber noch als ein Prosaist, doch manchmal fällt mir auch was ein, und das möchte ich der Sprachforschung natürlich nicht vorenthalten. Zur Frage: Haben Sie sich an die neue Rechtschreibung gewöhnt? Ich hab sie mir längst wieder abgewöhnt – gewogen und für zu leicht befunden! Nun also die Früchte des heutigen Abends; es geht, wie man sich leicht denken kann, um die "x-Jährigen":

Armig, Selig

Sprach der Füßige zum Beinigen:
Ich will mich nicht mehr peinigen!
Der Strich tut weh, es bohrt der Schmerz,
drum laß mich mit der meinigen,
der 100, meinem Schwesterherz,
doch bald wieder vereinigen.


Kommentar von Sauerland Nachrichtenmagazin, 5. 3. 2008, verfaßt am 02.05.2008 um 16.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=584#6722

»Ein wichtiger Aspekt bei der Rückkehr zu den alten Werten sei auch das Brechen von Tabuthemen, stellte Hahne klar. Das gelinge nur, wenn offen über alles geredet werde. Als Beispiele nannte er Rechtschreibreform. „Wir lernen nicht, Kommas zu setzen, wir setzen sie ab. Irgendwann können wir Schifffahrt mit so viel „f“ schreiben, wie wir Zeit haben.“ Doch nicht nur die Bildungskatastrophe sei tabuisiert, sondern auch die Ausbildungskatastrophe: „Nur jeder dritte Jugendliche ist ausbildungsfähig.“«

(http://www.my-sauerland.de/sauerland.php?kat=90&id=19631)


Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.04.2008 um 19.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=584#6715

Ein Kollateralschaden der mißglückten Rechtschreibreform, die auch als Test für die "Reformfähigkeit der Deutschen" gemeint war, ist das durch sie entstandene grundsätzliche Mißtrauen der Bevölkerung gegen jede sogenannte "Reform", die ja für sie in Wirklichkeit auch wieder nur eine Verschlechterung sein könnte.


Kommentar von Bild am Sonntag, 19. 4. 2008, verfaßt am 28.04.2008 um 21.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=584#6709

Gedanken am Sonntag
von Peter Hahne

Über unsere Rechtschreibung und eine Reform gegen das Volk

An unsinnige Neuerungen kann ich mich nur schwer gewöhnen. Ich bin erleichtert, dass ich da nicht der Einzige bin. Die BamS-Sonntagsfrage heute auf der letzten Seite bestätigt mir, dass zwei Drittel meiner Altersgenossen genauso denken wie ich: „An die neue Rechtschreibung, die seit August 2006 gilt, haben wir uns nicht gewöhnt.“ Von allen Befragten sind es 62 Prozent, die sich damit schwertun.

Die von unseren Volksvertretern umjubelte Reform ist am Volk vorbeigerauscht. Es geht ja nicht um die Frage, ob man die neuen Regeln akzeptiert. Aber wenn sich nach eineinhalb Jahren die Mehrheit noch nicht einmal daran gewöhnt hat, ist das Jahrhundertwerk eine Pleite.

Dabei hatte man es doch so gut gemeint. Wollte das Schriftbild dem Klang der Sprache anpassen, schwierige Schreibweisen erleichtern und komplizierte Kommaregeln korrigieren. Das ist gründlich danebengegangen.

Sprache bleibt durch Schreiben lebendig, nicht durch die toten Buchstaben von Regeln. Wenn man blödsinnige Buchstabenhaufen à la Flussschifffahrt sieht oder Majonäse und Ketschup schreiben kann, dann sehe ich, was dabei herauskommt, wenn sich Bürokraten unserer Sprache bemächtigen.

Die eingedeutschte Schreibweise von Fremdwörtern ist lächerlich, die neuen Getrennt- und Zusammenschreibungen unverständlich, und warum „überschwänglich behände Gämse“ plötzlich mit „ä“ geschrieben werden, aber Eltern nicht auch vom Wortstamm her „Ältern“ heißen, wer soll sich daran schon gewöhnen?

Hätte man nur vorher auf Volkes Stimme gehört, als man Volkes Schreibe regelte! Sprache und Schreibe gehören zu den wenigen Gemeinsamkeiten, die ein Volk einen. Diese Gemeinsamkeit hat man uns ohne Not genommen, indem nun Alte und Junge, Dichter und Schüler nach unterschiedlichen Regeln und Gewohnheiten schreiben, und jeder schließlich macht, was er will.

Wenn Sprache nicht mehr verbindlich ist, verbindet uns auch nichts mehr. Sprache gilt es zu pflegen, zu kultivieren. Die Bürokraten, die sich mit wirrer Regelwut an der Schreibe versündigten, hätten auf Loriot hören sollen: „Die Pflege der Sprache ist so wichtig wie Umweltschutz.“

(Bild.de)


Leserbriefe:

Die Sprache allein kann’s nicht sein
Wenn Sprache nicht mehr verbindlich ist, verbindet uns auch nichts mehr. Sind nicht auch andere Dinge für den Zusammenhalt eines Volkes wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, wie Kultur, Religion, Mentalität, ethnische Prägung, Erziehung, Tradition und so weiter? Wenn es allein um die Sprache ginge, so wären viele Deutsche bereits Engländer. Die Sprache allein kann es also nicht sein.
Ehrhard Hartmann, Bad Münder

Blödsinnige Reform
Wie immer: Nagel uff‘n Kopp getroffen. So was Blödsinniges wie diese Rechtschreibreform kann auch nur in Deutschland und Ösien und Schwyz passieren. Niemand sonst würde seine Sprache so vergräßlichen. Abgesehen von den SS- und ß-Regeln, die finde ich gut. Leid tun mir nur die Schüler, die diesen Schmarrn aufgezwungen kriegen, und die Lehrer, die ihn lehren müssen. Aber auch für das Leiden mit dem Namen Kultusministerium gibt es leider sowieso und überhaupt keine Therapie, nicht allopathisch, nicht chinesisch, naturheilkundlich oder sonst was Heilendes. Bürokraten, hier wie sonstwo, sind keine wirklichen Denker und Versteher, die dem Volk aufs Maul schauen, sondern manische Veränderer, die dem Volk nur was auf dasselbe geben wollen. Also, kein Daumen hoch für Tschikago, Los Endscheles, Oberschienen und Greppfruut!
Ilse Schmeller per E-Mail

Viele haben damit keine Probleme
Denke, aus Ihnen spricht die Haltung derjenigen, die mit zunehmendem Alter aus mangelnder Flexibilität, aus Bequemlichkeit sagen: Einen alten Baum verpflanzt man nicht! Die Mehrheit der 14- bis 29-Jährigen, 55 Prozent, hat damit keine Probleme. Sie brauchen sich doch gar nicht an die neue Rechtschreibung zu gewöhnen, sie zu akzeptieren. Die neue Rechtschreibung ist doch nur für Schulen und Behörden und Ämter verbindlich. Ich finde es gut, wenn man nicht mehr überlegen muss, wie man Pappplakat oder Sauerstoffflasche richtig schreibt. Dass man nicht mehr überlegen muss, ob dem Doppelbuchstaben ein Vokal oder Konsonant folgt. Aus welchem Grund war die Schreibung damals davon abhängig? Warum soll man nicht Majonäse statt Mayonnaise schreiben? Schreiben Sie immer noch Bureau oder schon Büro? Bahlsen hat damals aus Cakes einfach Keks gemacht, und alle haben es akzeptiert. Was ist an der eingedeutschten Schreibweise von Fremdwörtern lächerlich?
Viel wichtiger wäre es allerdings gewesen, wenn man die gemäßigte Kleinschreibung eingeführt hätte. Auch die Sonderbuchstaben ö, ä, ü und das Eszett könnten wegfallen, statt ß schreibt man eben ss oder sz, dann kann man Masze und Masse auseinanderhalten.
Hans-Joachim Knillmann per E-Mail

Dafür kämpfen
Sie haben mir mit Ihrem Beitrag aus der Seele gesprochen. Ich werde weiter für die herkömmliche Rechtschreibung kämpfen. Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da.
Wolfgang Lückert per E-Mail


Kommentar von (Red.), verfaßt am 24.04.2008 um 15.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=584#6696

Folgende Kommentare stammen aus dem Diskussionsforum; unsere Teilnehmer waren schneller als die Redaktion:

Paul Westrich schrieb am 20.04.2008 um 20.15 Uhr:

Trotz intensiver Suche im Netz konnte ich außer den Pressemeldungen keine weiteren Details zu dieser Studie finden. Die Berliner Zeitung merkt noch an, daß laut der Studie junge Deutsche zwischen 14 und 29 Jahren die einzige Altersgruppe sind, in der eine Mehrheit (55 Prozent) angibt, sie sei mit der Rechtschreibreform vertraut. Daß diese Altersgruppe wirklich mit der "Reform" und ihren Regeln vertraut ist, mag ich nicht glauben. Auf der anderen Seite habe ich den Eindruck, daß sich viele Junge überhaupt nicht um eine korrekte Schreibung bemühen. Es scheint geradezu "cool" zu sein, x-beliebig zu schreiben. Ich bin beruflich viel in Foren unterwegs, in denen diese Altergruppe einen hohen Anteil hat. Es gibt kaum eine Nachricht, die fehlerfrei ist. Verwechslungen von s, ss und ß sind an der Tagesordnung. Kommas fallen ganz weg. Bei der Getrennt- und Zusammenschreibung herrscht ein Chaos. In der Zeitung, deren Link ich genannt hatte (Südwest-Presse), finde ich täglich viele Beispiele für die falsche Anwendung selbst der RSR. So viele Fehler habe ich vor der RSR hierin nicht festgestellt. Ihr Chefredakteur hat das Thema schon lange abgehakt. Ich bin gespannt, ob die Meldung morgen auch in der gedruckten Ausgabe kommt und ob es danach hierzu Leserbriefe gibt. Ich werde aber Ihre Fragen, Herr Ludwig, gerne als Anregung aufgreifen, um mich in dieser Weise gegenüber dieser Zeitung zu äußern.

Horst Ludwig schrieb am 20.04.2008 um 16.50 Uhr:

Hier ist mit Leserbriefen an die Papierausgaben der Zeitungen, die diese Meldung bringen, einzuhaken mit den Fragen,
A. warum denn die Leute Schwierigkeiten hätten
und
B. ob sie (die Leute [We, the People]) dächten,
a. daß das ganze Durcheinander einfach durch ein Auslassen der Reform hätte vermieden werden sollen,
und
b. daß sie wegen der Reform glücklicher geworden sind, den Kultusministern also dankbar für deren Arbeit in dieser Sache sind, also die Kosten dieser politikinspirierten Reform für sinnvoll ausgegebenes Geld halten.
Anfragen könnte man auch, ob diese Zeitung, da sie ja diese dpa-Meldung gebracht hat, nicht selbst eine "repräsentative Studie" mit diesen wirklich relevanten Fragen in Auftrag geben möchte. So etwas könne doch die Wißbegier der Leser steigern und also der Zeitung nutzen. Denn warum sonst hätte sie die dpa-Meldung abgedruckt, wenn sie annehme, sie wäre für Leser nicht interessant. (Ich hoffe, mir wird diese "*BamS*-Studie" hier irgendwie im genauen Wortlaut zugänglich.)

Paul Westrich schrieb am 20.04.2008 um 11.18 Uhr:

Warum werden wir hier wieder für dumm verkauft? Warum steht hier nicht "die für Schulen und – sofern angeordnet – für Behörden geltende Rechtschreibung"? Daß so viele Menschen mit der RSR Probleme haben, ist ja nicht verwunderlich, wenn quasi jede Zeitung die "Regeln" der RSR anders oder falsch anwendet (oder anwändet?), von einer Einsicht in die Notwendigkeit ihrer Einführung mal ganz abgesehen. Was wir aber wohl als Resultat aus der Umfrage (leider) nicht erwarten können, ist eine Einsicht der "Reformer" oder der Politiker, die die RSR den Schulen aufoktroyiert haben.



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