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09.11.2007
 

Debatte über neue Rechtschreibung in Wien

Erstmals tagt der Rat der deutschen Rechtschreibung in Wien. Diskutiert wird etwa die Forderung von rund 700 österreichischen Autoren: Sie wollen, daß ihre Schreibweise in den Schulbüchern erhalten bleibt.

Autoren für Gesetzesänderung

Künftig gibt es keine Gnade mehr: Ab dem Schuljahr 2008/09 gilt die neue und immer noch umstrittene Rechtschreibung endgültig an den österreichischen Schulen.

Nun gibt es eine Initiative von österreichischen Autoren, die eine Gesetzesänderung erwirken wollen, damit ihre Originalschreibweise in den Schulbüchern beibehalten wird.

Nur bei Einverständnis Schreibweise ändern

Rund 700 Unterschriften hat die IG Autorinnen Autoren zusammengetragen, um den Gesetzgeber zur Änderung des österreichischen Urhebergesetzes aufzufordern. Beachtet werden sollen auch weiterhin die Originalschreibweisen, wie sie zwischen den Autoren und Verlagen vertraglich geregelt sind.

"Diese Schreibweisen sollen auch durch Neuerungen in der offiziellen Rechtschreibung erst dann verändert werden dürfen, wenn ein dementsprechendes Einverständnis des Urhebers bzw. des Rechteinhabers vorliegt", heißt es in einem Schreiben der Interessengemeinschaft.

Die österreichische Rechtssituation sehe eine solche Einwilligungsnotwendigkeit bei Publikationen für Schul- und Unterrichtszwecke nicht vor.

Prominente Autoren unterschrieben

Zu den Unterzeichnenden zählen namhafte österreichische Schriftsteller wie Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Gert Jonke, Anna Mitgutsch, Alfred Komarek, Friederike Mayröcker und Ferdinand Schmatz.

Keine ähnliche Initiative aus Deutschland

Laut Ludwig M. Eichinger, Leiter des Instituts für deutsche Sprache, gibt es zu diesem Thema verschiedene Meinungen, aus Deutschland sei eine ähnliche Initiative bisher nicht gekommen. Man werde diskutieren, er verstehe jedoch, dass die individuellen Schreibweisen - insbesondere die Satzzeichensetzung - einiger Autoren für die Schüler verwirrend sein könnten.

Getrenntschreibung ein Hauptthema

Zu der Sitzung des Rates lud Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) ein. Die Forderung der Autoren ist nur eines von mehreren Themen.

Das Hauptaugenmerk liegt auf der Beobachtung des Schreibgebrauchs bei der Getrennt- und Zusammenschreibung als auch der Zuordnung von Lauten und Buchstaben wie "Gämse" und "Gräuel". Man wolle sich ein Bild über die Diskussionslage verschaffen, zumal man im Jahr 2010 einen Bericht abgeben werde, in dem man über Trends berichten wird, hieß es.


Link: http://wien.orf.at/stories/234389/


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Kommentare zu »Debatte über neue Rechtschreibung in Wien«
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Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 31.01.2008 um 13.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6457

Die Abstimmung bei ORF ist immer zugänglich.
Daß meine Stimme eine Änderung von 0,02 Prozent erzeugt hat, läßt auf bisher etwa 5000 Teilnehmer schließen.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 06.12.2007 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6250

Auch auf der Ankündigungsseite mit den Terminen der weiteren Sitzungen (http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/aktuell/termine.html) werden nur noch die betreffenden Tage angegeben, ohne Numerierung. Nach der 8. Sitzung wurden sie also nicht weiter gezählt – dann zählen sie offenbar nicht.

(Wer nachzählt, kommt zu folgendem Befund: 9. Sitzung am 22. September 2006 [mit anschließendem Mittagessen auf dem Oktoberfest, vgl. www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=605], 10. Sitzung am 22. Juni 2007, 11. Sitzung am 9. November 2007 [Termine festgelegt auf der 9. Sitzung, vgl. www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=689].)


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2007 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6249

War das neulich in Wien nicht schon die 11. Sitzung des Rechtschreibrates? Auf der Internetseite des Rates hat Frau Güthert die Dokumentation aber nur bis zur 8. Sitzung fortgeführt. Was soll uns das zu verstehen geben?


Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.12.2007 um 23.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6244

Wenn Texte lebender Schriftsteller in Schulbücher in deren originaler "alter" Rechtschreibung übernommen werden, dann müssen die Schüler sie auch als wörtliche Zitate in originaler "alter" Rechtschreibung abschreiben dürfen, ohne daß ihnen dafür Fehler angestrichen werden. Bei der Gelegenheit lernen sie auch gleich in "alter" Rechtschreibung zu schreiben. Ermuntern wir sie zu wörtlichen Zitaten dieser Schriftsteller!


Kommentar von wien.orf.at, verfaßt am 30.11.2007 um 15.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6241

Der im WWW veröffentlichte ORF-Text ist inzwischen verändert worden, er lautet jetzt folgendermaßen:

Keine Maßnahmen gegen eigenwillige Autoren

Der Rat der deutschen Rechtschreibung hat nichts gegen eigenwillige Autoren. Rund 700 österreichische Schriftsteller hatten zuletzt gefordert: Sie wollen, dass ihre Schreibweise in den Schulbüchern erhalten bleibt.

Kein Eingriff in Urheberrecht

"Es ist wichtig, dass Sprache nicht allein von Regeln lebt" sagte der Vorsitzende des Rechtschreibrates, Hans Zehetmair nach einer Sitzung des Rates. "Wir haben nicht den Auftrag, kreative Menschen in ein Korsett zu zwingen", sagte der Vorsitzende. Vielmehr sei es Aufgabe des Rates, Sprachregeln für den normalen Bürger nachvollziehbar zu machen.

Dass Autorentexte künftig mit vermeintlich "falscher" Rechtschreibung und Zeichensetzung im Schulbuch stehen könnten, ist für den Vorsitzenden kein Problem.

In besonders extremen Fällen könne mit einer Fußnote auf die korrekte Schreibweise hingewiesen werden. Autorentexte nach den Regeln der Rechtschreibreform umzuschreiben, bezeichnete Zehetmair als einen Eingriff in das Urheberrecht und die Vielfalt der Sprache.

Namhafte Autoren unterzeichneten

Hintergrund der Diskussion war eine Initiative von rund 700 österreichischen Autoren, die ihre Texte trotz Reform in Originalschreibweise in Schulbüchern gedruckt sehen wollen.

"Neuerungen in der offiziellen Rechtschreibung dürfen erst dann verändert werden, wenn ein dementsprechendes Einverständnis des Urhebers bzw. des Rechteinhabers vorliegt", hieß es in einem Schreiben. Die österreichische Rechtssituation sehe eine solche Einwilligungsnotwendigkeit bei Publikationen für Schul- und Unterrichtszwecke nicht vor.

Dieses Anliegen wurde unter anderem auch von namhaften Schriftstellern wie Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek unterstützt.

Keine ähnliche Initiative aus Deutschland

Laut Ludwig M. Eichinger, Leiter des Instituts für deutsche Sprache, gibt es zu diesem Thema verschiedene Meinungen, aus Deutschland sei eine ähnliche Initiative bisher nicht gekommen. Man werde diskutieren, er verstehe jedoch, dass die individuellen Schreibweisen - insbesondere die Satzzeichensetzung - einiger Autoren für die Schüler verwirrend sein könnten.

Getrenntschreibung ein Hauptthema

Zu der Sitzung des Rates lud Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) ein. Die Forderung der Autoren war nur eines von mehreren Themen.

Das Hauptaugenmerk lag auf der Beobachtung des Schreibgebrauchs bei der Getrennt- und Zusammenschreibung als auch der Zuordnung von Lauten und Buchstaben wie "Gämse" und "Gräuel". Man wollte sich ein Bild über die Diskussionslage verschaffen, zumal man im Jahr 2010 einen Bericht abgeben werde, in dem man über Trends berichten wird, hieß es.


In den Text eingefügt ist ein Kasten zur Beteiligung an einer Abstimmung, wobei nicht klar ist, ob weitere Voten überhaupt berücksichtigt werden. Als Ergebnis wird angegeben:

Nach wiederholten Reformen der Regeln: Wie sicher fühlen Sie sich mit der neuen Rechtschreibung?
22,08 % Überhaupt kein Problem
29,77 % Kenne die Regeln kaum
48,15 % Lehne neue Rechtschreibung ab

(http://wien.orf.at/stories/234389/1094333/result)


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2007 um 20.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6235

Von der Süddeutschen Zeitung habe ich die Jahrgänge 1994 bis 1999 auf CD-Rom – in der Tat eine interessante Lektüre. Das Abwürgen nach der Umstellung im August 1999 kann man gut beobachten.


Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.11.2007 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6234

Nachsicht (#6230)

Es wäre gut, wenn alle Beiträge zu "Deutschland kehrt zurück" gespeichert irgendwie in einer deutschen Bibliothek gelagert und damit der Forschung zugänglich bleiben könnten. Ich fand auch mal die Diskussion der Rechtschreibreform bei der SZ ganz aufschlußreich — und auch aufschlußreich, wie sie dann abgewürgt wurde —, und auch bei der wäre es ganz gut, wenn sie in ihrer Gänze (soviel elektronischen Platz nimmt das in einer Bibliothek nun wieder auch nicht ein) aufgehoben und zugänglich wäre. So fair sollte die SZ im Interesse der Forschung nun doch schon sein. Und die anderen großen Zeitungen auch; aber bei der SZ habe ich eben genauer mitgelesen und etwas mitgemacht, und deshalb erlaube ich mir hier diesen Vorschlag.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2007 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6232

Es geht in der Tat nicht um Beobachtung, sondern um Marktberuhigung. Zehetmair hat es doch selbst mehrmals gesagt, und der gute Platz des Duden auf der Bestsellerliste gibt ihm recht.
Heute hat übrigens die "Süddeutsche" wieder einmal eine ganze Seite in herkömmlicher Rechtschreibung. Ob so etwas auch "beobachtet" wird?


Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 16.11.2007 um 17.16 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6231

Permanente Hypokrisie:

»Das Hauptaugenmerk liegt auf der Beobachtung des Schreibgebrauchs bei der Getrennt- und Zusammenschreibung als auch der Zuordnung von Lauten und Buchstaben wie "Gämse" und "Gräuel". Man wolle sich ein Bild über die Diskussionslage verschaffen, zumal man im Jahr 2010 einen Bericht abgeben werde, in dem man über Trends berichten wird, hieß es.«

Wichtig ist also die "Beobachtung des Schreibgebrauchs" ex post, d.h. nachdem man die allgemeine Verunsicherung per Prikaz durchgeprügelt hat, ohne vorher zu "beobachten". Vielleicht geht es aber gar nicht um Beobachtung (während einer Konferenz?) durch irgendjemanden, denn: "Man wolle sich ein Bild über die Diskussionslage verschaffen". Die Diskussionslage liegt dann wohl im Schreibgebrauch. Und wer schafft wann anhand wessen "einen Bericht [...], in dem man über Trends berichten wird." Der "Bericht" "berichtet" dann über Trends. Oder nur über einen (evtl. fehlenden) Trend unter den Schreibern, sich dem Diktat zu unterwerfen?
Selbst solche kurze Statements verbreiten den unangenehmen Geruch peinlicher Verlogenheit.


Kommentar von DKZ, verfaßt am 15.11.2007 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6230

Die Redaktion möge mir bitte die nachfolgende Ankündigung nachsehen...

Die Webseite "Deutschland kehrt zurück" wird in Kürze ihren Betrieb einstellen. Sollte jemand gerne den Domainnamen übernehmen wollen, so möge er sich bitte kurzfristig unter mail[at]deutschland-kehrt-zurueck.de melden.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.11.2007 um 21.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6229

Die Lafontaine-Partei behauptet, sie "befinde sich in Übereinstimmung mit der Bevölkerungsmehrheit". Bei der Rechtschreibreform will sie es aber besser wissen als das Volk.
Das berechtigte Geschrei wegen der Demontage der Pressefreiheit hat einen dunklen Fleck: Bei der Rechtschreibreform gab es auch keine Pressefreiheit, aber die Presse hat sich darüber kein bißchen beklagt.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 14.11.2007 um 16.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6228

jueboe: >>Das Gute an der Sache ist, daß aus dieser Ecke mit keiner Unterstützung der Reform mehr zu rechnen ist.<<

Warum sollte das so sein? Haben Sie Andrea Nahles vergessen?


Kommentar von jueboe, verfaßt am 14.11.2007 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6227

In der linken Ecke ist es überhaupt sehr still geworden. Wahrscheinlich hat man dort inzwischen die eklantante Diskrepanz zwischen Reformpropaganda und Realität selber festgestellt.

Sollte nicht das Proletariat (oder neuerdings Prekariat) vom Joch des Herrschaftswissens befreit werden?
Wie sieht denn diese Befreiung heute aus? Wenn der Prekariatsangehörige mit Hartz IV kein Geld für den neuesten Duden hat, kann er an seiner eigenen Befreiung nicht teilhaben. Tolle Leistung!

Die linken Gruppierungen haben mit dem vermeintlichen Herrschaftswissen ein Hirngespinst bekämpft und dafür ein neues reales Joch geschaffen, nämlich das von Duden, Bertelsmann und den Schulbuchverlagen.
Das heißt, die linken Gruppierungen und Medien haben mit ihrer Propaganda dabei geholfen, erzkapitalistischen und millionenschweren Verlagen die Taschen zu füllen. Oder anders formuliert, sie haben sich zu nützlichen Idioten des Großkapitals machen lassen und es selber nicht einmal begriffen. Das ist ein Fall von rekordverdächtiger Dummheit!

Die Linken haben sich deshalb beim Thema Reform offenbar selber Gedächtnisschwund verordnet.

Das Gute an der Sache ist, daß aus dieser Ecke mit keiner Unterstützung der Reform mehr zu rechnen ist.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.11.2007 um 11.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6226

Leserbriefschreiber und Auftraggeber von Todesanzeigen haben noch keine Autorenrechte. Da ist gleiches Recht für alle zu fordern.

Immerhin haben die Beschimpfungen Andersschreibender wohl aufgehört, erst recht mit dem Weggang von Franz Müntefering ("Hochwohlgeborene"). Die Ideologie von der Schreiberleichterung für Wenigschreiber muß endgültig widerlegt werden.


Kommentar von GL, verfaßt am 14.11.2007 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6225

„Autorentexte nach den Regeln der Rechtschreibreform umzuschreiben, bezeichnete Zehetmair als einen Eingriff in das Urheberrecht und die Vielfalt der Sprache.“

Dann kann mir der Vorsitzende des Rates sicher meine Fragen vom 21.04.2007 (sehen Sie auch den Kommentar #8310 zu »Rowohlt (und KiWi)«) seriös beantworten!

„Vielmehr sei es Aufgabe des Rates, Sprachregeln für den normalen Bürger nachvollziehbar zu machen.“

Was versteht die Galionsfigur des Rates unter „normaler Bürger“?

Unter dem Strich zeichnet heute der Rat nichts anderes als ein Bild von Schwätzern. Eine unfähige und peinliche Theatervorstellung, die nicht nur unnötig kostet, sondern auch des Geldes wegen, um die Taschen der Reformer füllen zu können. Wenn wenigstens einer dieser Spracherneuerer die neue Reform bzw. die neuen Reformen beherrschen würde!


Kommentar von T.P., verfaßt am 13.11.2007 um 19.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6224

Und Heyse verliert.

"Geradezu liebevoll nennt der Kölner-Privatsender RTL seinen Garbertshausener Kandidaten einfach nur Furthi. Der hat seinen TV-Auftritt einem befreundeten Paar zu verdanken, dass ihn im Frühjahr bei RTL einfach für die Sendereihe angemeldet hat."

http://www.donaukurier.de/lokales/schrobenhausen/art603,1767416


Kommentar von Traktor, verfaßt am 13.11.2007 um 11.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6223

Nun, mir liaben holt die Traditionen;-) Un jetz kimm bloß kana doher und sogt, mir san rückständig.


Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 13.11.2007 um 11.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6222

Die Sendung "Bauer sucht Frau" am gestrigen Abend in RTL war durchweg mit Untertiteln und sonstigen Einblendungen in Adelungscher s-Schreibweise versehen.

(Ich habe die Sendung nur zufällig gesehen, als ich von der Arbeit kam; die vielen "ß" fielen mir dann aber auf...)


Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 12.11.2007 um 06.32 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6220

Eine Lektion in Machtpsychologie

Die Zitate Zehetmairs zeigen unverhüllt Macht und Arroganz der heute in unserer real existierenden „Demokratie“ die Mehrheitsmeinung geschickt nutzenden Politiker:

„Ich bin ein Befürworter der individuellen Kreativität.“

Damit drückt Zehetmair aus, daß die eigentlich richtige, aber staatlich auf den Index gesetzte Rechtschreibung eine Art Minderheitenschutz genießen soll. Sie wird rhetorisch höchst geschickt in den Hobbyraum der Nation verbannt, wo eine Handvoll kreativer Menschen (Sonderlinge?) damit werkeln dürfen. Sie soll man großzügig gewähren lassen:

„Wir haben nicht den Auftrag, kreative Menschen in ein Korsett zu zwingen.“

Negationen aus Politikermund, die so beginnen: Wir wollen nicht … Wir haben nicht vor … Unsere Absicht ist nicht … usw. lassen ungewollt die wahre Absicht des Sprechenden durchscheinen: Was verneint wird, ist von den „Opfern“ oder „Gegnern“ einer Maßnahme zu keinem Zeitpunkt angedacht worden. Ja, diese erfahren erst jetzt, welchem Unheil man doch durch väterlichen Schutz des Mächtigen entgangen ist: in ein Korsett zwingen! Schreibverbot!!! Zehetmair hilf!
Das Gute an der Dummheit der Politiker ist: sie verplappern sich gern. Durch Beschwichtigungen aller Art, die einer Auseinandersetzung vorauseilen, wird man über die eigentlichen Zielsetzungen der Mächtigen bestens informiert. Man streiche im obigen Falle das Wort „nicht“.

Und schon geht es weiter im Zehetmair-ABC:
„In besonders extremen Fällen könne mit einer Fußnote auf die korrekte Schreibweise hingewiesen werden.“

Die Minderheit, egal ob sie ein gerechtes Anliegen hat oder nicht, ist in der real praktizierten Form der Demokratie eben nur eine „Fußnote“ wert. Ausgestattet mit den Stimmen einer Mehrheit läßt es sich bequem regieren, wenn die Doktrin lautet: Die Mehrheit hat immer recht! (Die Partei hat immer recht!) Selbst Kaiser und Könige früherer Zeiten würden angesichts dieser bequem zu handhabenden Machtfülle neidvoll erblassen.

Und dies nun ist die Wurzel der staatlichen Arroganz: man genießt die Arbeitsfrüchte der „kreativen Menschen“. Gleichzeitig gestattet man ihnen in väterlichem Tone – vielleicht! – eine Fußnote, die den gehorsamen, beim Lesen selbst Masseninvasionen von s-Lauten tapfer schluckenden Massenbürger der Demokratie darauf hinweist, daß da so ein komischer Paradiesvogel einer seltsamen Minderheit (haha!) sich nicht an die einzig korrekte Schreibweise halten mag, worüber man doch bitte großzügig hinwegsehen solle.

Ein nämliches gilt für die Situation kleiner und mittlerer Unternehmer, von deren Arbeitskraft und Kreativität die Gesellschaft profitiert, während der Staat die Unternehmer unter Berufung einer mit Steuergeldern angefackelten und geschickt gesteuerten Wählermehrheits-Neidbewegung (Profite sind böse!) höchstlegal drangsaliert und bis zur Grenze der unternehmerischen und zuweilen auch menschlichen Existenz ausbeutet. All dies hat keine Presse, Wissen dieser Art wäre auch für die Bildung von Mehrheiten hinderlich. (Ich spreche nicht vom Staatskapitalismus und den mit der Politik eng verflochtenen Großunternehmen. Das wird gern in einen Topf geworfen, was für die Sicht der Dinge fatal ist.)

Es könnte einen schon ekeln, aber es ist die Realität.


Kommentar von dpa, 10. 11. 2007, verfaßt am 11.11.2007 um 19.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=559#6219

Rat für Rechtschreibung hat nichts gegen eigenwillige Autoren

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat nichts gegen Autoren einzuwenden, die die Rechtschreibreform verweigern. „Es ist wichtig, dass Sprache nicht allein von Regeln lebt" sagte der Vorsitzende des Rechtschreibrates, Hans Zehetmair nach einer Sitzung am Freitag in Wien. Hintergrund ist eine Initiative von rund 700 österreichischen Autoren, die ihre Texte trotz Reform in Originalschreibweise in Schulbüchern gedruckt sehen wollen. Dieses Anliegen, das unter anderem auch namhafte Schriftsteller wie Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek unterstützen, war Thema in der Sitzung des Rates.

„Ich bin ein Befürworter der individuellen Kreativität", sagte Zehetmair. „Wir haben nicht den Auftrag, kreative Menschen in ein Korsett zu zwingen", sagte der Vorsitzende. Vielmehr sei es Aufgabe des Rates, Sprachregeln für den normalen Bürger nachvollziehbar zu machen. Dass Autorentexte künftig mit vermeintlich „falscher" Rechtschreibung und Zeichensetzung im Schulbuch stehen könnten, ist für den Vorsitzenden kein Problem. In besonders extremen Fällen könne mit einer Fußnote auf die korrekte Schreibweise hingewiesen werden. Autorentexte nach den Regeln der Rechtschreibreform umzuschreiben, bezeichnete Zehetmair als einen Eingriff in das Urheberrecht und die Vielfalt der Sprache.

In Österreichs Schulen wird die neue Rechtschreibung ab dem Schuljahr 2008/2009 verbindlich – ein Jahr später als in Deutschland. Die Autoren wollen mit ihrer Initiative eine Änderung des österreichischen Urhebergesetzes erwirken, nach der sie vor Rechtschreib-Neuerungen in ihren Texten um Einverständnis gefragt werden müssen. Nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA sieht das österreichische Recht eine solche Einwilligung bei der Verwendung von Texten in Schulbüchern nicht vor.

(Links: literaturkritik.de, Basler Zeitung [leicht gekürzt], monstersandcritics.de [ohne den letzten Absatz; Überschrift "Eigenwillige Autoren werden auch 'falsch' gedruckt"])



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