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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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06.10.2006
 

Frankfurter Erklärung 1996
Zum Jahrestag

Die „Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform“ wird von dpa im Kalenderblatt für den 6. Oktober erwähnt.

Unter „Historische Daten“ wird vermerkt:

1996 - In der «Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform» appellieren Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler an die Politik, die im Juli 1996 beschlossene Reform zu stoppen.

Nur in Österreich scheinen die Uhren anders zu gehen, der „Standard“ erwähnt sie erst am 7. Oktober.



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Kommentare zu »Frankfurter Erklärung 1996«
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Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 01.11.2006 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=513#5390

Das Deutschlandradio Kultur hat im „Länderreport“ am 30. Oktober 2006 im Rahmen der Reihe „60 Jahre Deutsche Länder“ über Niedersachsen berichtet. Unter anderem wird folgendes erwähnt:

»In der Amtszeit Gerhard Schröders fordert das Volk der Niedersachsen auch den Gottesbezug in der Verfassung - was bereits 1994 zu einer Ergänzung um eine entsprechende Präambel führt. Außerdem äußern sich die Bürger mittels Volksbegehren zur Rechtschreibreform. 1997 erklärt das Oberverwaltungsgericht Lüneburg die vorzeitige Umsetzung der Reform für rechtswidrig.«


Kommentar von R. M., verfaßt am 27.10.2006 um 22.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=513#5384

Ich bin auch über die erste Seite nicht hinausgekommen. Die Mauer ist also ein Zaun? Komisch, ich habe Bilder gesehen, auf denen das Ding ziemlich massiv aussah. Ein Betonplattenzaun? Da staunt der Berliner. Orthographisch alles prima, aber diese Sprache ist trotzdem verbogen.


Kommentar von WL, verfaßt am 27.10.2006 um 18.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=513#5383

Ich weiß nicht, ob ich einen Text, und sei es zur Israelproblematik und sei er von Wolf Biermann, und sei er in unreformierter Rechtschreibung geschrieben, weiterlesen soll, wenn ich solchen arroganten Sottisen begegne wie: "Die simpleren Durchschnittsdeutschen ...", "die gröberen Deutschen ...", "die feineren Deutschen ...", "das gebildete Elite-Pack ..." - alle haben natürlich unrecht und sind Antisemiten, wenn auch zum Teil verkappte!
Was er da von sich gibt, ist rechthaberisches Grobzeug und auch nicht gescheiter als alles, was er für dummes Zeug hält. Die Thematik ist zu heikel für derlei Holzhammerpolemik.


Kommentar von jms, verfaßt am 27.10.2006 um 14.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=513#5382

Bemerkenswert: DIE ZEIT veröffentlicht einen Beitrag von Wolf Biermann in klassischer Orthographie: "Deutschland verrät Israel." Wohl einer der wichtigsten Beiträge zur politischen Lage seit langem. Herausragend in jeder Hinsicht.
Unbedingt lesen.


Kommentar von Friedrich Denk, verfaßt am 18.10.2006 um 12.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=513#5077

Der Hinweis auf die "Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform" im Kalenderblatt von dpa am 6. Oktober war kaum mehr zu erwarten gewesen. Er wurde immerhin von einigen, freilich eher kleineren Zeitungen übernommen. Die F.A.Z. hüllte sich in Schweigen. Und der "Münchner Merkur", in dessen Einzugsbereich Weilheim liegt, eine der Brutstätten des Widerstands, brachte - möglicherweise nicht ohne Absicht - einen Hinweis auf den am 6. Oktober 1996 an Vargas Llosa überreichten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ...


Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 13.10.2006 um 17.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=513#5065

Die von jms vorgeschlagenen Dramatisierung des Peinlichen und Aberwitzigen dieses Machwerks und seiner Folgen ist jedenfalls "gesellschaftlich" (und so) hoch vonnöten (Hoch von Nöten / hoch Von nöten / hochvonnøten - weiß der Geier). Zweckdienlich und von der Materie legitimiert wären auch Stilanleihen bei Gogol, Bulhakov, Ionescu und Mrozek (Mrożek).


Kommentar von jms, verfaßt am 12.10.2006 um 11.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=513#5055

Anregung für einen zeitgenössischen Dramatiker: Da Personen und Handlung ja bekannt sind – wie wäre es, das Drama Rechtschreibreform mal auf die Bühne zu bringen, in der Art von Ionesco oder Becket und mit einem Schuß Hochhuth? Nett wäre auch eine Schlußszene, in der ihren Propheten die Köpfe abgeschnitten werden. Oder muß der Autor dann die Fatwa der Kultusminister fürchten?


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2006 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=513#5053

Noch ein Jubiläum:


Wo waren die Dichter in den letzten Jahren?

von Hermann Unterstöger

SZ 12.10.1996

(Auszug:)

"Wie verhält es sich mit dem Vorwurf (der Frankfurter Erklärung), man könne erst jetzt die Reform in ihren Auswirkungen abschätzen? Bayerns Kultusminister Hans Zehetmair war darüber so erstaunt, daß er richtiggehend sarkastisch wurde und der Vermutung Ausdruck verlieh, die Unterzeichner kämen womöglich gerade von einem längeren Auslandsaufenthalt zurück. Schön gesagt. Sollten die guten Leute aber nicht im Ausland gewedsen sein, so ist ihnen hier einiges entgangen, etwa der ‚Vorschlag zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung’ (1988) oder Wolfgang Mentrups feines Handbuch ‚Wo liegt eigentlich der Fehler?’ (1993)."


Unterstöger hatte sich schon früher von Mentrup beraten lassen (wie Dieter E. Zimmer bei der ZEIT), vgl. "Mission leicht gebremst", SZ vom 13.5.1989. Er war derjenige, der sich bei der SZ ständig mit diesem Thema zu beschäftigen hatte, und tut daher so, als müsse die gesamte Bevölkerung ebenso gut darüber informiert gewesen sein. Gerade deshalb mußte er aber auch wissen, daß die Vorlage von 1988 eine andere war als die von 1996 und daß die Überrumpelung zur Strategie der Reformer gehörte. Eine Beurteilung der Reform war vor dem Erscheinen der Wörterbücher nicht möglich.

Unterstöger hätte wissen müssen, daß Zehetmair vom Inhalt der Reform keine Ahnung hatte (das gilt ja bis heute); das „schöne gesagte“ Wort vom Auslandsaufenthalt - eine Kränkung, die sich zum Beispiel in Frankreich kein Minister gegenüber der intellektuellen Elite leisten würde – dürfte übrigens von Toni Schmid stammen.

Gegen Herbert Heckmanns Befürchtung, nun müsse die ganze Literatur umgeschrieben werden, sagt er:

"Ganz so böse wird’s nicht kommen, weil die Reform für das belletristische Verlagswesen ja in keiner Weise bindend ist. Wer Goethe im Sortiment hat, kann ihn getrost noch hundert Jahre im gewohnten Rock laufen lassen: Das dann veraltete ‚daß’ statt des neuen ‚dass’ werden die paar Goetheaner schon richtig zu lesen wissen."

In den Schulen sitzen nicht nur ein paar Goetheaner, und es dauerte folglich nicht hundert Jahre, sondern nur ein paar Monate, bis Reclam den Faust (RUB 1) umgestellt hatte. Das hätte selbst Unterstöger voraussehen können.

Immerhin wußten die Leser dank Unterstöger, daß sie von der Süddeutschen Zeitung nicht viel zu erwarten hatten. Thomas Steinfeld konnte das Ruder nicht herumwerfen. Seit August 1999, nachdem sie umgestellt hatte, brachte die Zeitung keine Beiträge und keine Leserbriefe zum Thema mehr. Die SZ hat andere Verdienste, aber ihr Verhalten in Sachen Rechtschreibung ist eine Schande.

Unterstögers Bemerkungen über die "paar Goetheaner" (und "Wilhelm Denk" mit seinen "Dichtern") lassen nur in Spuren die Bildungsfeindlichkeit durchschimmern, die auch der Rechtschreibreform zugrunde liegt. Sehr deutlich ist sie bei Mentrup und Augst sowie in den Verlautbarungen des IDS.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2006 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=513#5052

Das erinnert mich an ein persönliches Jubiläum – siehe hier. Diesen von Thomas Steinfeld am Mittwoch bestellten Artikel, der mir mehr (ausnahmslos zustimmende) Briefe eingebracht hat als jeder andere, habe ich mit Lust und Laune am Donnerstagmorgen verfaßt. Zum Schluß fiel mir noch ein, das Ganze in die Vergangenheitsform zu setzen, dann mußte ich es schnell rüberfaxen, und am nächsten Tag erschien es in der F.A.Z. Es ist alles nicht ganz so gekommen, wie ich vorausgesagt hatte, aber ganz falsch lag ich auch nicht.



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