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10.06.2006
 

Wiener Zeitung
Klare Bevorzugung der alten Rechtschreibung

Agenturen halten sich im Zweifel an Varianten vor 1996

Wien. (red) Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen apa, afp, ap, ddp, dpa, epd, Dow Jones, kna Reuters und sid werden im Zweifelsfall bei den Varianten der Rechtschreibung vor 1996 bleiben. Das ist der Wunsch der von den Agenturen befragten Kunden.

Um ihre Meinung gefragt wurden 80 österreichische und 197 deutsche Kunden. Gegenüber 123 Antworten aus Deutschland kamen aus Österreich 20 Antworten.

Aus ihnen geht hervor, dass die Kunden die Schreibung innerhalb des Regelwerks, also die sogenannte neue Rechtschreibung, bevorzugen. In jenen Fällen allerdings, in denen die alte und die neue Schreibweise möglich sind, haben sich die Kunden mit großer Mehrheit für die alte Schreibweise ausgesprochen.

Während die prinzipielle Anwendung des neuen Regelwerkes sowohl in Österreich als auch in Deutschland außer Frage steht, würden in jenen Fällen, in denen sowohl eine alte als auch eine neue Schreibweise möglich ist, in Österreich nur ein Kunde und in Deutschland lediglich 19 Kunden die progressive Variante bevorzugen.

Das bedeutet, dass von den Agenturen etwa zulässige Verbkombinationen wie „kaltstellen“ zusammengeschrieben werden und auf Umlaute in der Laut-Buchstaben-Zuordnung verzichtet wird (es wird also „aufwendig“ statt „aufwändig“ geschrieben.)

Diese künftige Vorgangsweise der Agenturen entspricht jener der „Wiener Zeitung“, in der im Fall von Alternativen schon jetzt die traditionelle Schreibung bevorzugt wird.

(Wiener Zeitung, 10. Juni 2006)



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Kommentare zu »Klare Bevorzugung der alten Rechtschreibung«
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Kommentar von GL, verfaßt am 17.06.2006 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4324

Akademien diskutieren nicht, sie entscheiden. Sobald sie eine Entscheidung getroffen haben, belieben sie über jeden Einwand mit Hochmut hinwegzusehen.

Aus: Die Heilung durch den Geist von Stefan Zweig


Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 16.06.2006 um 22.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4323

Vorzug

Es ist ja nun mal so, daß man bevorzugen täte, wenn dem persönlichen Vorzug stattgegeben würde. Nur, das ist nicht so, weil Staatlichkeit vor Persönlichkeit geht.
Schluß! Amen! Basta!
Ein Konkordat (Amen mit Schluß und Basta) hat im übrigen etwas Unwiderdiskussionsbares!

Einige wenige Beispiele (davon gibt es hunderte), um die Silbengelenksfunktion des „ß“ zu verdeutlichen: „Messergebnis, Schlosserkundung, Schusserfolg, Fassinhalt, Misserfolg, Abschlussabend ...“
Einige wenige Beispiele (davon gibt es hunderte), wie einst die Silbengelenksfunktion gekennzeichnet war: „Meßergebnis, Schloßerkundung, Schußerfolg, Faßinhalt, Mißerfolg, Abschlußabend ...“
Einige Beispiele (davon gibt es hunderte minus eins) wie man den geschaffenen Mißstand (Missstand, Miss-Stand) theoretisch beheben könnte: „Mess-Ergebnis, Schloss-Erkundung, Schuss-Erfolg, Fass-Inhalt, Miss-Erfolg, Abschluss-Abend ...)

Eine rationale Schlußfolgerung (Schluss-Folgerung, Schlussfolgerung):
Man kann nichts bevorzugen, wenn der Vorzug ausgeschaltet ist.
Schluß! Basta! Amen!



Kommentar von Ballistol, verfaßt am 16.06.2006 um 21.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4322

...Die Verwechslung von Pragmatismus mit Wurschtigkeit steht aber mit Hollabrunn in keiner besonderen Beziehung.


Kommentar von R. M., verfaßt am 16.06.2006 um 21.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4321

Ich meinte das Mißverständnis, Herr von Heyl sei ehedem ein Gegner der Rechtschreibreform gewesen.


Kommentar von Ballistol, verfaßt am 16.06.2006 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4320

--> R. M.:

Nein, das Mißverständnis ist jetzt erst entstanden. Der Satz mit dem "s" in "Hochkommata", das dadurch ein "Zitat" sein soll, ist aus der Heylseite entnommen. Ich habe leider versäumt, dieses lustige Fundstück ebenfalls in "Hochkommata" zu stellen.


Kommentar von Walter Lachenmann, verfaßt am 16.06.2006 um 16.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4319

R.M.: Die Verwechslung von Pragmatismus mit Wurschtigkeit hat übrigens in Mitteleuropa eine bemerkenswerte Tradition.

Sehr richtig, derartiges gilt in gehobeneren Kreisen sogar als salomonische Weisheit und Kulturleistung. Den Vogel abgeschossen hat in dieser Weisheitsdisziplin die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit ihrer Publikation (Valerio 3): «Niemand hat das letzte Wort» (als ob es darum je gegangen wäre bei der Rechtschreibdiskussion!). Zugleich tritt das Büchlein selbstbewußt den Gegenbeweis für die Titelthese an: das letzte Wort beansprucht selbstverständlich sie bzw. Peter Eisenberg. Immerhin übernimmt sie bzw. er damit - nicht ohne Stolz - auch die Verantwortung für den jetzt erreichten kläglichen Zustand des sogenannten Rechtschreibfriedens.

Welchen Beitrag konsequentere Reformgegner dafür geleistet haben, daß die Reform durch beharrliche Kritik und Öffentlichkeitsarbeit wenn nicht zu Fall gebracht, so doch kräftig als das Pfuschwerk, das sie ist, bloßgestellt wurde, wird so gut wie garnicht gewürdigt. Die aufmüpfigen Kollegen in den eigenen Reihen bezeichnet ihr Präsident Reichert als Irregeleitete, die sich von «Rückkehrern, die die alte Rechtschreibung fetischisierten und vor keinem Mittel der Agitation zurückscheuten» in einer «Nacht-und-Nebel-Aktion» hätten instrumentalisieren lassen «ohne die Zusammenhänge zu durchschauen» (und das lassen die sich offenbar auch noch gefallen!) Prof. Ickler wird immerhin in einer freundlichen Nebenbemerkung von Hans-Martin Gauger erwähnt, und die FDS (horribile dictu!) kommt zwar nicht namentlich, so doch durch ihr teuflisches Wirken mehrfach vor. Generell jedoch rümpft man über Teilnehmer der Diskussion, die Kritik nicht nur äußern, sondern auch fordern, daraus Konsequenzen zu ziehen, vornehm die Nase -- Georg Büchner, in dessen Namen die Akademie jährlich ihre Preise vergibt, würde diese Akademie zweifellos zu den Palästen rechnen, denen er den Krieg angesagt hat und er würde dabei ganz gewiß vor keinem Mittel der Agitation zurückscheuen; Gruß an Herrn Reichert, falls dem jemand der hier Lesenden mal begegnen sollte.

Die schlauesten Beiträge sind immer die, die herausgefunden haben, daß es EIGENTLICH um etwas ganz anderes geht. Die Ehre, den Schlauesten zu repräsentieren, wurde einem Herrn Clemens Knobloch zuteil, der also das Ganze als «Verschiebebahnhof» identifiziert, wo es nur um die Zuständigkeiten geht. Ein bißchen recht hat der damit ja schon, und so schreibt er ja auch ein bisschen reformiert. Ein gerissener Kerl! Daß «das eigentlich Fiasko der Rechtschreibreform sich an der Zuständigkeitsfrage entzündet» hat, ist mir jedenfalls völlig entgangen! Ich hielt immer die neuen Schreibweisen und das Resultat der Reform in der Öffentlichkeit für ein Fiasko – und so ging es uns doch allen! Haben wir uns eben getäuscht. Habe ich, als ich anfing, mich lautstark an der Diskussion zu beteiligen, und sogar vor keinem Mittel der Agitation zurückschreckte, die «populistischen Potentiale» (hier so!) des Themas entdeckt, mit dem ich mich «öffentlich als Volksfreund profilieren» konnte? Vielleicht ist das wirklich so und ich habe das nur selbst nicht gemerkt! Oder ich habe mich – ohne die Zusammenhänge zu durchschauen – von einem hinterlistigen Populisten instrumentalisieren lassen? Vielleicht hoffte ich auf einen Kabinettsposten in dessen künftiger Orthographiekratie? Wird schon so sein, nur welchen?
Jedenfalls ist die Sache rein «interdiskursiv» zu sehen, und da kann jemand so viel recht haben, wie er will, im Grunde hat er eben doch nicht recht. Der «NS-Vergleich» zum Beispiel, ist natürlich nicht falsch, aber an dieser Stelle schon falsch, und Knobloch weiß genau, daß ihm ein Prozeß droht, wenn er behauptet, die Arbeit «Rechtschreibreform und Nationalsozialismus» sei im Auftrag der Darmstädter Akademie entstanden, und so schreibt er halt, diese habe die Arbeit «wohlwollend begleitet», was für den Leser die gleiche Wirkung hat. Knobloch darf diese nun wirklich völlig unpolemische, sachliche, wissenschaftlich seriöse, jede ideologische Parallelität der Reformen expressis verbis ausschließende Arbeit aber ungestraft als «Pamphlet» und als eine «Art historiographischen Boulevard» bezeichnen. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, daß Herr Knobloch diesen Boulevard entweder nie gelesen oder nicht den geringsten Anspruch an die Seriosität seiner eigenen Arbeit hat, weshalb sich die weitere Lektüre jedenfalls dieses Aufsätzchens, ob von der Akademie «wohlwollend begleitet» oder nicht, endgültig von selbst verbietet.

Fazit: «Niemand hat das letzte Wort» kann nicht ernst genug genommen werden, als enttäuschende Nachlese des historischen, hilflosen Versagens einer Akademie, deren ureigenste Aufgabe es gewesen wäre, die Orthographie und die Sprache vor den anmaßenden und kulturzerstörerischen Übergriffen des Staates zu schützen, so wie der Namensgeber ihres als höchste deutsche literarische Auszeichnung bezeichneten Literaturpreises sich leidenschaftlich gegen staatliche Willkür und Dummheit gewehrt hat. Dieser unter Entbehrungen und Lebensgefahr – von den Akademievertretern wäre nur ein bißchen Zivilcourage und Beharrlichkeit gefordert gewesen. Man sollte keine Büchnerpreise mehr entgegennehmen.



Kommentar von R. M., verfaßt am 16.06.2006 um 13.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4318

Vielen Dank für die Klarstellung, mir schien da auch ein Mißverständnis vorzuliegen. Die Verwechslung von Pragmatismus mit Wurschtigkeit hat übrigens in Mitteleuropa eine bemerkenswerte Tradition. (Gruß zurück nach Hollabrunn!)


Kommentar von Julian von Heyl, verfaßt am 16.06.2006 um 11.02 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4315

Um den Kommentar des von mir sehr geschätzten (http://raum.net/surftipp/surftipps/schriftundrede.shtml) Herrn Prof. Dr. Theodor Ickler ein wenig zu relativieren: Ebenso wie ich nie entschiedener Gegner der Rechtschreibreform war, bin ich auch heute kein entschiedener Befürworter. Als Korrektor neigt man wohl eher zu einem pragmatischen Standpunkt. Und als solcher arbeite ich weiterhin selbständig, ohne explizit "bei Duden untergeschlüpft" zu sein. Die Diskussionen hier verfolge ich - immer mal wieder - mit Interesse und es freut mich, dass meine Seiten hier zum Quell der Heiterkeit gereichen. Herzliche Grüße, Julian von Heyl.


Kommentar von borella, verfaßt am 15.06.2006 um 21.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4313

Selbst wenn es kein scheinbares Silbengelenk ist, wird ss fallweise als solches interpretiert. In der auflagenstärksten deutschen Fotozeitschrift las ich die Trennung: Mes-sfeld


Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.06.2006 um 18.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4312

Das ss in Schlossallee möchte ich als Schein-Silbengelenk oder scheinbares Silbengelenk bezeichnen. Dafür gibt es sicher massenhaft Beispiele. Es fehlt ein Warnhinweis!


Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 15.06.2006 um 18.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4311

Gerade bin ich beim Redigieren einer Lernhilfe für die Förderung der Sprachfertigkeiten von Grundschulkindern beschäftigt. Das Wort "Schloßhalle" kommt im Text vor. Ich muß "Schlosshalle" setzen und denke spontan: die Buchstabenkombination -ssh- irritiert sogar mich beim Lesen. Wie mag es erst Kindern gehen, die ohnehin "schwach" auf der Lesebrust sind? (vgl. bisschen - ich hatte schon als Kind kurzzeitig mit "bißchen" Probleme, weil mir nicht klar war, zu welcher Silbe das ch gehörte ... wie ist das erst mit -ssch-?)
Noch schlimmer ist die "Schloßallee" alias "Schlossallee". Damit kommt kein rechtschreibschwacher Schüler mehr klar.
So ergeht es mir fortwährend. Und immer denke ich: das kann nicht gutgehen.

Ich wühle mich in "Kanalarbeiterart" voran. Auch Kleinvieh macht Mist. Dieses Forum bestärkt und kräftigt das einsame Handeln.


Kommentar von Ballistol, verfaßt am 15.06.2006 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4310

Da muß man sich schon sehr gut am Sessel festhalten:

Das -s-, in Hochkommata gestellt, ist ein Zitat!

Bei Heyl kommt man ja aus dem Brüllen gar nicht mehr heraus! Herr Markner, einen Tusch bitte!


Kommentar von Beyer Sprichwörterlexikon, verfaßt am 15.06.2006 um 11.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4309

"Wes Brot ich ess', des Lied ich sing." Und: "Es ist nicht jeder ein Schreiber, der an der Feder kaut."


Kommentar von R. M., verfaßt am 15.06.2006 um 11.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4308

Wenn man selbst rat- und ahnungslos ist, sollte man doch wenigstens davon absehen, anderen helfen zu wollen. Das gilt für alle Lebenslagen, nicht nur für Fragen der »Rechtsscheibreform«. Vielen Dank an den Finder! Sehr spaßig.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.06.2006 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4306

"zum Brüllen": Ja, unter "korrekturen.de" findet man viel Stoff zum Lachen. Und Julian von Heyl hat früher mal unseren Kampf gegen die Rechtschreibreform unterstützt, wenn ich mich recht erinnere. Inzwischen ist er bei Duden untergeschlüpft und verfaßt dort zusammen mit Christian Stang Rechtschreibratgeber. (Dieses Auslagern redaktioneller Arbeiten auf schnell und billig arbeitende Laien könnte zum Niedergang des Verlags beigetragen haben. Die Leute merken das doch, wenn sie eingehender mit solchen Produkten zu arbeiten versuchen.)

Im Februar 2006 schrieb v. Heyl auf seiner Internetseite:
»Es deutet sich an: Bild & Co. haben einen willkommenen Anlass gefunden, ihren unzeitgemäßen und immer einsamer werdenden Windmühlenflügelkampf gegen die Rechtschreibreform endlich einzustellen. So im Nachhinein fällt mir auch auf, dass sich die Bild-Zeitung in den letzten Monaten mit ihrer üblichen Polemik gegen die "Schlechtschreibung" auffallend zurückgehalten hatte.«
Na also, es geht doch!


Kommentar von Fungizid, verfaßt am 15.06.2006 um 08.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4304

Früher gab der Duden das Maß in Zweifelsfällen. Heute plädiert er nur noch.

Der Verfall eines alten, unrasierten Mannes.


Kommentar von taz, 13. 6. 2006, verfaßt am 14.06.2006 um 23.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4303

»Nicht verzagen, Duden fragen

MANNHEIM dpa Im neuen Duden wird es erstmals Empfehlungen bei Wörtern geben, für die künftig verschiedene Schreibvarianten zulässig sind. Die Empfehlungen der Dudenredaktion werden in der am 22. Juli erscheinenden 24. Auflage des Standardwerkes gelb hinterlegt. Der Vorstandssprecher der Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Alexander Bob, sagte: "Wir glauben, dass die Brauchbarkeit und Benutzbarkeit des Duden dadurch gewaltig gesteigert wird." Bei rund 3.000 der 130.000 Einträge wird es demzufolge eine Empfehlung geben. Bei der Frage "Grafik" oder "Graphik" etwa plädiert der Duden künftig für erstere Variante, weil diese die gebräuchlichere sei.«


(taz vom 13.6.2006, S. 5)


Kommentar von Zum Brüllen..., verfaßt am 14.06.2006 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4301

...ist das hier.


Kommentar von Klaus Malorny, verfaßt am 13.06.2006 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4294

Natürlich sei niemand verpflichtet, sich an die Empfehlungen des Duden zu halten, betonte er.

Zudem ist niemand verpflichtet, sich überhaupt an den Duden zu halten. Das kann man nicht oft genug erwähnen.

Ich für meinen Teil versuche bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Duden als das hinzustellen, was er ist: Ein Haufen Mist. "Maschendrahtzaun" und "downgeloadet" reicht meist dazu aus, die Leute zu überzeugen. Auf die Selbstverleugnung in Sachen RSR (z.B. "einbläuen") braucht man dabei noch nicht einmal zu sprechen kommen.



Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 13.06.2006 um 13.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4288

"endgültig geändert"? Wer hat das denn gesagt? Abmahnen, wenn es in der Duden-Werbung steht. Hinweise auf Risiken und Nebenwirkungen sowie Verfallsdaten sind bei Lebens- und Arzneimitteln selbstverständlich. Wird Zeit, daß es auch bei Nachschlagewerken so kommt. Irreführende und übertreibende Aussagen sind völlig inakzeptabel, in der Buchbranche aber an der Tagesordnung.
Die gelbe Markierung ist natürlich erstens fragwürdig und auf Abmahnwürdigkeit zu überprüfen, aber zweitens könnte, wer das Vorwort nicht liest (und wer tut das schon), dies auch als "VORSICHT" deuten und lieber eine der anderen Varianten wählen. Den bisher üblichen Rotdruck haben ja die meisten auch als "Jetzt ungültig" gedeutet und diese Varianten gemieden. (Bis auf Journalisten – die gehören zu den Vorwortlesern)


Kommentar von David Weiers, verfaßt am 13.06.2006 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4286

Die Empfehlungen der Dudenredaktion werden in der am 22. Juli erscheinenden 24. Auflage des Standardwerkes gelb hinterlegt.

Bei der 25. Auflage werden dann Varianten, die keiner so recht mochte, aber trotzdem reformgestützt sind, grün hintelegt. Die 26. Auflage (die kommt dann übernächstes Jahr) wird rosa unterlegte Stellen haben, für besonders reformfreundliche Varianten, die aber vom Rechtschreibrat erst im zweiten Durchgang gebilligt worden sind. Dann kommen noch Silbentrennungen dazu, in mindestens zwei Varianten, die werden dann blau markiert. Und ab der 27. Auflage bringt Duden dann Comics raus, mit pädagogischem Gehalt, der zwar höchst zweifelhaft ist, aber immerhin wird das Ganze dann schön bunt.


Natürlich sei niemand verpflichtet, sich an die Empfehlungen des Duden zu halten, betonte er.

Lesen die hier mit?


Kommentar von Agenturen, verfaßt am 13.06.2006 um 11.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4285

Duden gibt erstmals Empfehlungen

Mannheim - Im neuen Duden wird es erstmals Empfehlungen bei Wörtern geben, für die künftig verschiedene Schreibvarianten zulässig sind. Die Empfehlungen der Dudenredaktion werden in der am 22. Juli erscheinenden 24. Auflage des Standardwerkes gelb hinterlegt. Der Vorstandssprecher der Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Alexander Bob, sagte am Montag in Mannheim dazu: "Wir glauben, dass die Brauchbarkeit und Benutzbarkeit des Duden dadurch gewaltig gesteigert wird."

Nach dem Hin und Her um die Rechtschreibreform gebe es ein Bedürfnis nach Orientierung, erläuterte Bob. Die umstrittene Reform von 1996 wird zum 1. August endgültig geändert. "Die meisten Nutzer wollen einfach nur Klarheit", sagte Bob. Natürlich sei niemand verpflichtet, sich an die Empfehlungen des Duden zu halten, betonte er.


(Der Standard, 12. Juni 2006; Swissinfo, 12. Juni 2006)


Kommentar von Sauerländer, verfaßt am 13.06.2006 um 11.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4284

Aus dem Impressum der Abi-Zeitung des Städt. Gymnasiums Marsberg:

"Wir haben uns bemüht, die alte Rechtschreibung zu verwenden, um ein Zeichen zu setzen gegen eine Schnapsidee, die selbst von den verantwortlichen Politikern nur noch aus Gründen der "Staatsraison" aufrechterhalten wird.
Es gibtim deutschsprachigen Raum keine Zeitung, die in der Lage ist, konsequentdie reformierte Schreibung zu benutzen - was daran liegen könnte, daß es keine eindeutige reformierte Schreibung gibt. Die meisten schreiben einfach irgendwie oder beschränken sich auf das Doppel-S.
Übrigens ignorieren auch fast alle bedeutenden Schriftsteller (z.B. Grass, Jelinek, Enzensberger) die Reform, weil sie nach dem einhelligen Urteil der Fachwissenschaft völlig mißraten ist, den Schreibenden zu Grammatikfehlern zwingt und seine Ausdrucksmöglichkeiten einschränkt.
Wir als mündige Bürger sehen keinen Grund, uns diesem staatlich verordneten Unfug zu unterwerfen. Es gibt außerhalb der Schulen keinen Grund dazu.
Wenn jemand doch noch Schreibweisen der neuen Rechtschreibung in unserer Zeitung findet, so möge er großzügig darüber hinwegsehen. Wir haben die alte nie wirklich gelernt und kennen sie nur aus Büchern. Es kann sein, daß jemand ausdrücklich darauf bestanden hat, seinen Text in einer reformierten Schreibung abzudrucken. Darauf haben wir natürlich Rücksicht genommen und wir wollen auch kein Dogma daraus machen."

Und das nach acht Jahren gymnasialer Schullaufbahn!


Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 13.06.2006 um 10.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4283

Dann wäre es nur konsequent, wenn wir das Anlaut-S wieder einführen. Unicode macht's möglich! In einem zweiten Schritt könnten wir daraus wieder das ß gewinnen, um es in einem dritten Schritt abzuschaffen. Dann wären wir wieder da, wo wir schon einmal waren; alle Reformer sollten damit konform gehen und der Rechtschreibfrieden ist (zumindest in dieser Frage) wieder hergestellt ;-)


Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 12.06.2006 um 23.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4282

Gerade die ss-Schreibung bringt sehr viel Änderungen mit sich, auch im Zeilen- und Seitenumbruch. Die Texte werden länger.

Nicht nur das. Der Zeilenumbruch wird mit all diesen Dreifachkombinationen zur Qual und zeitaufwendig. Und da bekanntlich Geld Zeit ist, letzteres aber im Verlagsgeschäft nicht mehr so reichlich vorhanden ist, erhält man, wie jeden Tag im Buchladen zu bestaunen, minderwertige Produkte. Es ist außerdem nicht nur die Pseudo-Heyse-Schreibung, die mehr Platz benötigt. Auch die vielen zerrissenen Wörter und die vermehrte Großschreibung fordern mehr Raum. Ich habe zwar noch nicht nachgerechnet, wie groß der Mehrbedarf ist, aber gerade bei Zeitungstexten dürfte der reformbedingte Kürzungsaufwand nicht unerheblich sein. Weniger Inhalt bei insgesamt schlechterer Qualität also.

Im übrigen sollte man immer darauf hinweisen, daß die Heyse-Schreibung nur für die Frakturschrift gedacht war. Strenggenommen liegt die ss/ß-Schreibung, wie sie vor der Reform in den Schulen gelehrt wurde, fast auf einer Linie mit Heyse, denn das ß der Antiquaschriften ist, genau wie das "Heyse-ss", aus zwei s-Buchstaben gebildet, während das "Eszett" in Fraktur- und Kurrentschrift aus s und z bestand. Nur vor t wollte Heyse das (allerdings lange) s verdoppeln, wie es auch die Reform vorsieht, aber auf der I. Orthographischen Konferenz entschied man sich bekanntlich anders. Anders gesagt: man entschied sich für Heyse abzüglich der Verdoppelung von s vor t, und nach dem Zusammenfallen der Heyseschen Ligatur und "Eszett" im ß der Antiqua landet man damit genau dort, wo wir vor der Reform schon einmal waren. Soll die reformierte s-Schreibung also doch noch ein Erfolg werden, müßten sich die Reformer eine neue Ligatur ausdenken...


Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 12.06.2006 um 22.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4281

Sobald das Neue durch Gewöhnung seinen Reiz verliert, kommen auch die Nachteile ins Bewußtsein. Warte, warte noch ein Weilchen ... die unzufriedenen Stimmen werden sich mehren. Und vielleicht wird es unter den Schülern, wie David Weiers meint, wirklich "chic", nach Adelung zu schreiben.
Unbeschreiblich dumm ist es von der Redaktion der FAZ, etwas einzuführen, was - da möchte ich wetten! - keinen dauerhaften Bestand haben wird, weil es eben nicht funktioniert: Heyse. Haben die das noch immer nicht begriffen?
Man sollte die Verlage guter Literatur ermutigen, mit der Umstellung zu warten. Gerade die ss-Schreibung bringt sehr viel Änderungen mit sich, auch im Zeilen- und Seitenumbruch. Die Texte werden länger. Liebe Verlage, es kommt wieder anders, und dann habt ihr doppelte Arbeit und doppelte Kosten!


Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 12.06.2006 um 22.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4280

Nicht nur schreibschwache Schüler, sondern auch viele Lehrer (solange es sich nicht um GEW-Funktionäre handelt) würden sich bedanken, wenn die herkömmliche ss/ß-Schreibung wieder eingeführt würde. Wie mir eine Lehrerin dieser Tage bestätigte, muß unverhältnismäßig viel Zeit für das Erlernen von Pseudo-Heyse aufgewandt werden. Sie berichtete sogar von Schülern einer siebten Klasse, die aus lauter Frust eine Liste mit Wörtern aufgestellt haben, bei denen die Neuregelung ins Leere läuft (falls ich diese Liste bekomme, stelle ich sie hier ein). Auch ansonsten erweisen sich die "Flussschifffahrt" oder "Nussschokolade" wohl als Fehlerquellen ersten Ranges, vom "dass" gar nicht zu reden. Und beim Schreiben von Wörtern mit drei "m" oder "n" hilft nur noch, was man Anfängern im Lesen der Kurrentschrift gerne beibringt: Beinchen zählen.


Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 12.06.2006 um 21.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4279

Was wohl geschehen würde, würde man alle herkömmlichen Schreibweise "legalisieren" und zur Wahl stellen?


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2006 um 12.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4247

Da die Reformer wenigstens bei der GZS selbst erklärt haben, sie wollten einer Tendenz der Sprachgemeinschaft (! – also nicht etwa der Dudenredaktion) entgegentreten, ist der Fall auch in diesem Sinne geklärt. Man muß der Sprachgemeinschaft ab und zu auf die Finger klopfen, damit sie die Sprache nicht weiterentwickelt, diese Rasselbande ...


Kommentar von David Weiers, verfaßt am 11.06.2006 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4245

Die Sache mit der Progressivität:

Meiner (vielleicht ein wenig bescheidenen) Erfahrung nach empfinden gerade schreibschwache Schüler es als äußerst progressiv, "daß" statt "dass" zu schreiben. Da kann man sich nämlich den Unterschied besser merken: man sieht ihn ja auch deutlich.
Und "Schloßstraße" statt "Schlossstraße" wird da auch gerne bevorzugt. Überhaupt finden die durch intellektuelle Herausforderungen doch angeblich so mißhandelten Schüler es als überflüssig, dreimal denselben Konsonanten zu schreiben... wie rebellisch!

Die vermeintliche Modernität zeigt sich besonders angesichts so mancher historisch-kritischer Ausgabe ganz gut: in den 1880er Jahren stand beispielsweise bei Fontane noch munter "hat Recht", "kennen lernen", "Jeder" und "das Alles". Im Laufe der 1890er Jahren heißt es dann schon "hat recht", "das alles", aber immer noch "kennen lernen", das allerdings anderenorts auch recht bald zugunsten von "kennenlernen" verschwindet.
Was ist jetzt also progressiver? Diese Frage kann doch wohl sogar ein Idiot beantworten – Zeitungsredakteure aber anscheinend nicht.


Kommentar von jms, verfaßt am 11.06.2006 um 11.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4242

Die Nachrichtenagenturen haben also ihre Kunden befragt, das nennt sich Marktforschung. Die Zeitungen selbst hielten dies bei ihren Kunden, den Lesern, noch nie für nötig. Wie heißt es so richtig? "Das einzige was stört, ist der Kunde". Ganz zu schweigen von unserem Staat. Hat er etwa seine "Kunden" bei Einführung der Rechtschreibreform befragt? Das einzige was stört, ist der Bürger. Nur auf diese Weise konnte etwas durchgesetzt werden, was niemand wollte, wonach niemand gefragt hat und was sich als völlig unbrauchbar erwiesen hat. Und so humpelt die Reformkarawane weiter und weiter.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2006 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=474#4239

Es ist praktisch unmöglich, den Zeitungsschreibern die gedankenlose Rede von der "progressiven" Reformschreibung auszutreiben. Schon in der Berichterstattung über die Zürcher Konferenz wurden die beiden Professoren, die sich für die moderne Orthographie und gegen die rückwärtsgewandte Reform aussprachen, als "konservativ" bezeichnet. Dieses Klischee sitzt so tief, daß es nach meiner Erfahrung völlig aussichtlos ist, dagegen anzukämpfen. Das ist sehr zu bedauern, denn gerade dieser rhetorische Trick sichert den Reformern den meisten Zulauf, und auch die Nachrichtenagenturen unter Führung der dpa haben bei ihrer tatkräftigen Reformdurchsetzung davon profitiert.



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