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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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17.05.2006
 

Im Labyrinth der Alphabetschrift
Von Kategorienfehlern und dem Ort der Logik in der Rechtschreibung

»Die Orthographie ist im Kern verkannt, wenn man sie als Regelwerk begreift.«

Zu diesem Schluß gelangt Christian Stetter, Professor an der RWTH Aachen, in einem Aufsatz, der soeben in der Zeitschrift Valerio (Nr. 3) erschienen ist.



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Kommentare zu »Im Labyrinth der Alphabetschrift«
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Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 11.06.2006 um 00.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4237

Daß ausgerechnet dem jämmerlichsten Beitrag in "Valerio" Nr. 3 in der Besprechung des Darmstädter "Echos" die meisten Zeilen eingeräumt werden, hängt natürlich auch damit zusammen, daß dessen Verfasser die Kritik an der Reform als Kampf um mediale Aufmerksamkeit zu begreifen versucht. So etwas finden Medienleute immer noch am interessantesten. Dennoch ist die Bewertung des Heftes, wenn man die Borniertheiten des Journalisten einmal abzieht, nicht unangemessen. Sie zeigt, wo die Darmstädter Akademie inzwischen in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit angekommen ist. Weitere, im selben Stil wohlwollende Rezensionen werden vermutlich nicht lange auf sich warten lassen.


Kommentar von Echo online, 9. 6. 2006, verfaßt am 10.06.2006 um 20.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4234

»„Niemand hat das letzte Wort. Sprache – Schrift – Orthographie“ von Peter Eisenberg (Hg.)
Ein Band der Akademie verblüfft durch seine gelassene Haltung


Ach, hätte es dieses Büchlein doch nur ein paar Jahre früher gegeben! Und hätten die Teilnehmer an der Debatte um die Rechtschreibreform es gelesen und beherzigt: Eine Menge an überflüssigem Ärger hätte vermieden werden können.

Der Überdruss an dem Thema freilich, darauf weist Peter Eisenberg hin, ist so alt wie die Sache selbst. Über die Orthographiedebatte schrieb der Sprachforscher Johann Christoph Adelung, es sei „über diesen Gegenstand seit anderthalb hundert Jahren so viel gesprochen und geschrieben worden, dass man es einem ehrlichen Manne kaum zumuten kann, noch eine Zeile mehr darüber zu lesen. Das war 1788.

Die Reform der Reform ist beschlossene Sache, jedenfalls für die Schulen, und wie sich die schreibende Öffentlichkeit zu ihr verhält, wird sich zeigen. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat spät in die Diskussion eingegriffen und das zunächst durch Heftigkeit wettzumachen versucht. Ihr brauchbarer Kompromissvorschlag für einen Teil der Reform wurde nicht sehr beachtet.

Und wenn man sich daran erinnert, mit welch heftigen Worten der von Hans Zehetmair geleitete Rechtschreibrat von dem Akademiepräsidenten Klaus Reichert attackiert wurde, um die Verweigerung der Mitarbeit zu begründen, ist man erstaunt über die moderaten Töne, die in der jüngsten Publikation der Akademie zu diesem Thema angeschlagen werden.

Reichert erläutert überzeugend, weshalb die Akademie dem Rat dann doch beigetreten ist. Zwar lehnt man die Reform ab, aber zur Mitwirkung an dem Kompromiss sah man schließlich doch keine Alternative.

Die Emotionen sind verklungen, nun ist Gelegenheit für einen sachlichen Überblick. In der jüngsten Ausgabe ihrer Schriftenreihe „Valerio“ erläutert die Akademie die Wandlungen ihrer Haltung und lässt unterschiedliche Positionen zu Wort kommen, auch solche, in denen sie selbst kritisiert wird.

Der Linguist Clemens Knobloch beispielsweise, der den Kampf um die Rechtschreibung minutiös nachzeichnet und die Motive der einzelnen Akteure untersucht, geht ins Gericht mit dem Vergleich zum Nationalsozialismus, den der Historiker und damalige Akademiepräsident Christian Meier angeführt hatte, um vor dem Bundesverfassungsgericht das Reformvorhaben abzuwerten – für Knobloch ein „historiographischer Boulevard“, der die Akademie fachlich ins Zwielicht gerückt habe.

Der Autor beschreibt auch die Rolle der Zeitungen; die „Zentralorgane des gehobenen Kampagnenjournalismus“ schilt er für ihren Populismus. „Die Rechtschreibreform“, schreibt Knobloch, „ist keine Sachfrage, sondern eine überdimensionierte und aufgeblasene Symbolfrage.“

Hans-Martin Gauger schildert die Debatte aus der Sicht des Romanisten, Christian Stetter erläutert die vielfach übersehene Differenz zwischen Schrift und Sprache, und bei Harald Weinrich findet sich der wunderbare Satz: „Eine pluralistische Gesellschaft muss auch mit Torheiten leben können.“ Die Gelassenheit, die aus der Summe aller Beiträge in diesem interessanten Band spricht, hätte man sich wirklich früher gewünscht.«


(Darmstädter Echo, 9. Juni 2006)


Kommentar von Ursula Morin, verfaßt am 23.05.2006 um 16.21 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4036

"Wird die Logik der Sprache erkannt, können selbstständig Bezüge hergestellt werden statt stur Regeln zu lernen."

Schade, das war in "vorreformierten" Zeiten möglich. Die korrekte reformierte Schreibung bedingt gerade das sture Pauken von Regeln, da eine Logik nicht zu erkennen ist.

Schade auch, daß die vielen kleinen Anpassungen, die von sicheren Stilisten im Laufe der Zeit vorgenommen wurden und das vorreformierte Deutsch zum bisher in sich schlüssigsten gemacht haben, nun verdrängt werden von Schreibweisen aus dem 18./19. Jahrhundert. Das ist ein Rückschritt, der möglicherweise erst in Jahrzehnten wieder aufzuholen ist.

Ganz besonders zu bedauern ist, daß Leute wie Frau Röber, die die Rechtschreibung offensichtlich als "chaotisch wahrnehmen", das Sagen haben. Da tummeln sich leider viele "Böcke" (BöckInnen) im Garten der deutschen Sprache.


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 23.05.2006 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4035

Frau Röber tut so, als ob sie umstürzende neue Erkenntnisse vermittelt (Rechtschreibung ist systematisch – wer hätte das gedacht?). Was sie erzählt, trifft allerdings eher auf die gewachsene Rechtschreibung zu, deren Systematik von den Reformern nicht begriffen und mutwillig zerstört wurde. Außerdem liegt es natürlich an der mangelhaften Vermittlung, daß die Segnungen der Reform nicht recht angekommen sind. Das typische Denken von Didaktikern, vergleichbar der Parteienrhetorik, nach der das begriffsstutzige Volk die wunderbaren Wahlprogramme auch immer bloß nicht recht verstanden hat.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.05.2006 um 06.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4034

"Es wurde ein revolutionär anderer Ansatz entwickelt, der zeigt, dass die Orthographie absolut systematisch ist." Das klingt wie Reklame für ein neues Haarwuchsmittel. Dabei vertreibt Röber den revolutionär neuen Ansatz seit Jahren in vielen Schriften.

Wahrscheinlich wird Frau Röber zeigen, daß die reformierte Rechtschreibung noch systematischer geworden ist, und dabei besonders auf die Umlautschreibung und Heyse eingehen. In ihrer Werbung bemüht sie auch PISA. Wer mit der Rechtschreibreform Geld verdienen will, muß sie natürlich loben, das hat ein anderer Freiburger Professor, der Germanist Dittmann, auch so gemacht. Vor allem muß man nun aber hervorheben, daß die jetzt erreichte Rechtschreibung der "Empfehlungen" endgültig ist; das dient dem Geschäft. Erst in einigen Jahren wird sich mit neuer Verunsicherung neues Geld machen lassen.


Kommentar von Badische Zeitung vom Freitag, 19. Mai 2006 , verfaßt am 22.05.2006 um 18.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4032

Lehrer und Erzieher lernen Rechtschreiben

BZ-INTERVIEW mit Christa Röber, Freiburger Professorin

“Rechtschreibung am Samstag” lautet eine am Samstag startende Fortbildungsreihe an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. BZ-Mitarbeiterin Anita Rüffer hatte drei Fragen an die Leiterin, Professorin Christa Röber.

BZ: Was ist Ihr Zielpublikum?
Röber: Das sind in erster Linie Lehrerinnen und Lehrer. Aber es gibt eine wachsende Zahl von Menschen, die sich ebenso intensiv um Lese- und Schreibfähigkeiten von Kindern kümmern, nämlich die Legasthenie-Therapeuten. Auch Erzieherinnen sind willkommen und natürlich Eltern, die maßgeblich am Lese- und Schreiblernprozess ihrer Kinder beteiligt sind.

BZ: Was können sie Neues lernen?
Röber: In den vergangenen zehn Jahren hat sich der wissenschaftliche Blick auf die Rechtschreibung stark verändert, was die Didaktik erst jetzt wahrzunehmen beginnt. Es wurde ein revolutionär anderer Ansatz entwickelt, der zeigt, dass die Orthographie absolut systematisch ist. So lässt sie sich viel leichter lernen, als wenn sie nur als chaotisch wahrgenommen wird. Wird die Logik der Sprache erkannt, können selbstständig Bezüge hergestellt werden statt stur Regeln zu lernen.

BZ: Lässt sich nach dem Reformpoker der vergangenen Jahre überhaupt noch eine sichere Rechtschreibung vermitteln?
Röber: Jetzt erst recht. Die Reform hat gute Seiten, die nur nicht richtig vermittelt wurden. Rechtschreibung heißt viel mehr als nur die Reihenfolge der Buchstaben in einem Wort zu kennen, sondern die dahinter verborgene Systematik zu erkennen.

Seminar: 20. Mai 9.30-13 Uhr, PH Freiburg, KG IV, Raum 103 (10 Euro für Berufstätige), Interessenten können an diesem Tag ohne Anmeldung kommen. Info: Zentrum für Weiterbildung und Hochschuldidaktik, 0761/682544.

(Dieser Artikel ist online nur für angemeldete Abonnenten verfügbar.)


Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 21.05.2006 um 18.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4030

Das mit der unangebrachten "Wohltat": Daß die Kultusminister und deren Beamtete nicht viel von der Verschriftung des Deutschen verstehen, ist klar. Wenn sie aber mal ehrlich glaubten, kultur*politisch* in damit Verbundenes eingreifen zu müssen, hätte eine Anweisung, in den Schulen Rechtschreibfehler zur Beurteilung für staatliche Zeugnisse und andere staatliche Berechtigungserklärungen nicht mehr so ins Gewicht fallen zu lassen, völlig ausgereicht. (Auch dabei wäre jedoch eine öffentliche Diskussion durchaus abgebracht gewesen; Journalisten und andere in der Mitteilungsarbeit, Leute in den Rechtsberufen, Lehrer, Übersetzer, Studierende usw. sollten wohl sicher schon so schreiben können, daß Leser es so leicht wie nur möglich lesen können.) Mit einer derartigen "Regelung von oben" wären unserm Volk jedenfalls die horrenden Geldkosten erspart geblieben, die die Reform bisher schon verursacht hat und weiterhin verursachen wird — und die man sicher "für Wichtigeres" hätte verwenden können, um eine gängige Floskel mal richtig zu verwenden. In ihrer Art haben die Kultusminister dem Volk jedoch nur geschadet. Aber das passiert eben, wenn man ignorante Leute in die Führung einsetzt.


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 21.05.2006 um 09.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4029

Rechtschreibung für Blöde

Eine Folge der Reform ist wahrscheinlich eine zunehmende, schichtenspezifische Aufspaltung der praktizierten Orthographie. Wenn wir erfahren, daß ausgewiesene Verfechter der Reformschreibung diese selbst keineswegs gebrauchen (Valerio), so wird uns klar, wohin die Reise geht. Es wird vermutlich in Zukunft erstens die in der Schule vermittelte, rudimentäre Reformschreibung geben. Zweitens wird die große Masse wie schon immer, wenn sie nicht gerade dazu genötigt ist, sich wenig um Normen kümmern, wie man es z.B. auf dem ebay-Markt oder in Chat-Foren studieren kann. Schließlich wird eine Elite sich die Rechtschreibung nach ihren Bedürfnissen zurechtfeilen, und diese wird eher der herkömmlichen, weil einfach besseren, als der reformierten nahekommen. Die Pointe liegt drin, daß die Reform für jene gemacht wurde, die mit dieser Wohltat gar nichts anfangen können. Statt vorher zwei, haben wir dann lediglich drei Rechtschreibebenen.


Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 21.05.2006 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4028

Gestern abend seit langer Zeit wieder einmal an einem Volkslauf teilgenommen. Bereits heute früh konnte ich die ERGEBNISSLISTEN einsehen und mich über eine Plazierung freuen.
Besonders in Österreich und unter Läufern scheinen "Ergebnisslisten" weit verbreitet zu sein, wie ein kleiner Google-Spaziergang zeigt.

Man möchte allen Neuschreibern zurufen: "Wenn die neue ss-Schreibung so gut und einfach ist, weshalb macht ihr dann so viele Fehler?" Ich sehe sie schon schauen und dumm gucken. Denn offensichlich fällt das kaum jemandem auf, am wenigsten jenen, die im Eifer des Gefechts danebenzielen. Der einzige Ausweg dieser hartnäckigen Fehlinterpretation der Rechtschreibregeln wird wohl eine vom Duden abgesegnete, hochoffizielle "Erlaubniss" sein, wie ehedem wieder "Ergebniss", "Zeugniss", Hinderniss" etc. schreibe zu DÜRFEN.


Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 17.05.2006 um 21.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4027

Partitur: Ich verstehe Herrn Professor Stetter so, daß er das "Bild" von der Partitur für einen kategorialen Irrtum hält.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.05.2006 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4026

So viele Buchstaben gibt es gar nicht, auch nicht mit Buchstabenkombinationen und Sonderzeichen. Siehe das Englische. Die Forderung "je Laut ein Zeichen" hat zuletzt Vuk Karadzic für das Serbokroatische versucht, mit 30 Zeichen für die serbische Cyrillica und 30 für die Latinica. Das war nur möglich, weil die serbokroatische Sprache und Schreibung erstmalig festgelegt wurden und er Zeichen neu erfinden konnte. Erst 1918 wurde es die jugoslawische Staatssprache.


Kommentar von R. M., verfaßt am 17.05.2006 um 19.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4025

Eine Partitur läßt Raum für Interpretation. In ähnlicher Weise hat die Buchstabenschrift keine eineindeutige Entsprechung in den Lauten der Sprache, wie sie von unzähligen Sprechern geäußert werden.


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 17.05.2006 um 19.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4024

Partitur?

Ich verstehe Herrn Prof. Stetter so, daß das Bild von der "Partitur" durchaus stimmig ist, die Folgerung daraus jedoch illusionär war.


Kommentar von Ursula Morin, verfaßt am 17.05.2006 um 18.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4023

"Orthographische Regeln sind zweifellos kulturelle Produkte. Eben deswegen sind sie nicht auf die Weise willkürlich, wie der Mythos von der Alphabetschrift als Lautschrift uns glauben machen will. Genauer betrachtet erweisen sie sich als Hypothesen über die logischen Typen, in denen wir unser Denken artikulieren, als Versuche, deren Unterschiede formal zu verdeutlichen."

Dem ist voll und ganz zuzustimmen, aber was wird werden, wenn umgekehrt das Denken, das einen ja erst zum entsprechenden Artikulieren und Differenzieren im schriftlichen Ausdruck zwingt, gar nicht mehr vorhanden ist (z.B. bei unseren reformgeschädigten Schülern)? Gibt es hier womöglich ein Feedback, d.h. wird auch das Denken weniger differenziert, weil es die Differenzierungsmöglichkeiten in der Schriftsprache nicht mehr gibt?


Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 17.05.2006 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4021

Ist – bei Stetter – nicht vielmehr gemeint: das Mißverständnis von der »Schriftsprache als 'Partitur'«?


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 17.05.2006 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4020

Uns allen, die wir seit Jahr und Tag, sei es als Wissenschaftler oder auch bloß als sprachliebende Laien, Kritik an der verfehlten und offensichtlich unheilbaren Reform üben, war schon immer mehr oder weniger deutlich klar, daß das Unternehmen auf einem fundamentalen Mißverständnis von Orthographie beruht. Da tut es wohl, von Prof. Stetter dies noch einmal auf hohem gedanklichen Niveau herausgearbeitet zu sehen. Ganz besonders die Verkennung des kategorialen Unterschieds zwischen Sprechen und Schreiben, ja die Verwechslung oder doch Parallelisierung von beidem (geschriebene Wörter bestehen aus Buchstaben wie gesprochene aus Lauten) ist in hohem Maße ursächlich für so viele weitere Irrtümer und Fehler, die das Reformwerk durchziehen. Das Bild von der Schriftsprache als "Partitur" trifft die Beziehung zwischen Sprechen und Schreiben m. E. sehr gut. Schließlich die Gefährdung des begrifflichen Denkens. Die Juristen, deren Handwerk ohne strenge Begrifflichkeit nicht zu denken ist, haben schon früh auf die Beschädigung ihres Werkzeugs durch Entdifferenzierung hingewiesen. — Mit meiner wiederholt vorgetragenen Forderung nach "abgestufter Kompetenz" in Sachen Orthographie sehe ich mich zu meiner Zufriedenheit in bester gelehrter Gesellschaft. — Prof. Stetter hält aber auch Trost bereit: Die Sprache und mit ihr die Rechtschreibung steht in keinem Augenblick still. Stets unfertig, ewig sich wandelnd, überzeitlich und überpersönlich, entzieht sie sich allen armseligen, dummen, plumpen und frechen Versuchen, sich ihrer zu bemächtigen.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.05.2006 um 16.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=468#4019

In Bayern gibt es einen norddeutschen [Könich], aber einen bayerischen [König]. Auch bayerische Rundfunk- und Fernsehsprecher machen angeblich diesen Unterschied. Siehe Südd. Zeitg. v. 17.5.06, Bayern, "Neues vom Könich Ludwich".



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