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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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30.03.2006
 

MPK spendet Segen
„Endgültige Korrektur“

dpa meldet das erwartete Ergebnis der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin.

Rechtschreibreform wird endgültig korrigiert

Berlin (dpa) - Die umstrittene Rechtschreibreform von 1996 wird endgültig geändert. Die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer beschlossen am Donnerstag in Berlin einstimmig Korrekturen, die vom Rat für deutsche Rechtschreibung in einjähriger Arbeit erstellt worden waren.

Mit Beginn des neuen Schuljahres zum 1. August werden nun wieder bundesweit im Unterricht einheitliche Schreibregeln gelten. Für die Änderungen gilt ein einjährige Übergangsfrist. Abweichungen von den neuen Schreibweisen sollen von den Lehrern als falsch markiert, nicht aber als Fehler gewertet werden.

Den Gegnern der Rechtschreibreform gehen die Korrekturen immer noch nicht weit genug. «Mit diesem angeblichen Kompromiss kann kein Rechtschreibfriede erreicht werden», hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Vereins für deutsche Rechtschreibung». Auch nach der Reform der Reform blieben «innere Widersprüche», die umfassendere Korrekturen verlangten. Der Verein plädiert deshalb für eine «Rückkehr ins vertraute und vor allem funktionsfähige Heim der bewährten Schreibweisen» vor 1996.

Nach den Korrekturen der Rechtschreibreform soll künftig wieder mehr zusammengeschrieben werden - vor allem dann, wenn ein einheitlicher Wortakzent vorliegt. Bei feststehenden Begriffen wie «der Blaue Brief», «der Runde Tisch», «das Schwarze Brett» soll wieder «dem allgemeinen Schreibgebrauch» gefolgt und groß geschrieben werden.

Spätere Fassung:

Berlin - Die umstrittene Rechtschreibreform von 1996 wird endgültig geändert. Die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer billigten am Donnerstag in Berlin einstimmig und ohne weitere Aussprache eine Fülle von Korrekturen, die vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagen worden waren.

Damit gelten ab Beginn des neuen Schuljahres im Herbst bundesweit wieder einheitliche Regeln. In einer einjährigen Übergangsfrist sollen Abweichungen von den Lehrern zwar als falsch markiert, nicht aber als Fehler gewertet werden. Den Gegner der Rechtschreibreform gehen die Änderungen allerdings immer noch nicht weit genug.

Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) sprach von "erheblichen Verbesserungen". Es sei an der Zeit, sie in Kraft zu setzen, sagte der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz. Gleichwohl zeigte Rüttgers Verständnis dafür, dass immer noch nicht alle mit den neuen Schreibregeln zufrieden seien.

Nach Billigung seiner Korrektur-Vorschläge setzt der Rat für deutsche Rechtschreibung jetzt auf eine behutsame Weiterentwicklung der Schreibregeln. Das Gremium werde "ohne Aufgeregtheiten und Zeitdruck in eine neue Phase der Sprachbeobachtung" eintreten, sagte der Ratsvorsitzende Hans Zehetmair der dpa. "In ruhigem Fahrwasser werden wir künftig weitere, auch grundsätzliche Fragen der deutschen Rechtschreibung diskutieren, ihre Einheitlichkeit wahren und von Zeit zu Zeit auch Anpassungen des orthografischen Regelwerkes vorschlagen." Zehetmair war früher Wissenschaftsminister in Bayern.

Der Rat werde künftig in etwa die Rolle einnehmen, die bis zum Beschluss über die Rechtschreibreform im Jahre 1996 der private Duden Verlag inne gehabt hatte. Eine Rückkehr zu dieser alten Regelung werde es nicht geben, sagte Zehetmair. Die Mitglieder des Rates seien bis 2010 gewählt. Der Rat wolle "wissenschaftlich fundiert und unter Einbeziehung gesellschaftlich relevanter Personen" weiterhin die Entwicklung der Rechtschreibung beobachten.

Dabei werde die Kultusministerkonferenz überprüfen müssen, wie weit sie den Rat für deutsche Rechtschreibung besser ausstatten könne, sagte Zehetmair weiter. Rückblickend auf seine bisherige Arbeit als Ratsvorsitzender sagte Zehetmair: "Es hat auch mir ein Stück innerer Befriedigung gebracht, vieles von dem zu entkrampfen und neu gestalten zu können, über das bei der Reform so erbittert gestritten worden ist."

Nach den Korrekuren soll künftig wieder mehr zusammengeschrieben werden - vor allem dann, wenn ein einheitlicher Wortakzent vorliegt wie "abwärtsfahren", "aufeinanderstapeln" oder "querlesen". Bei feststehenden Begriffen wie "der Blaue Brief", "der Runde Tisch", "das Schwarze Brett" soll wieder "dem allgemeinen Schreibgebrauch" gefolgt und groß geschrieben werden. Die verabschiedete Rechtschreibreform sah hierbei nur noch wenige Ausnahmen vor ("Heiliger Vater"). Verbindlichere Komma-Regeln sollen wieder für ein besseres Leseverständnis sorgen. Die Anrede "Du" in Briefen kann auch wieder groß geschrieben werden.

Den Gegnern der Rechtschreibreform gehen die Korrekturen aber immer noch nicht weit genug. "Mit diesem angeblichen Kompromiss kann kein Rechtschreibfriede erreicht werden", hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Vereins für deutsche Rechtschreibung". Auch nach der Reform der Reform blieben "innere Widersprüche", die umfassendere Korrekturen verlangten. Der Verein plädiert deshalb für eine "Rückkehr ins vertraute und vor allem funktionsfähige Heim der bewährten Schreibweisen" vor 1996.

Mit deutlicher Kritik reagierte auch die Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS), in der prominente Reformgegner wie der Erlanger Germanist Theodor Ickler und der Schriftsteller Reiner Kunze organisiert sind. Nunmehr sei "die orthografische Spaltung endgültig in die offizielle Schreibregelung" eingezogen. Das neue Regelwerk bringe "keine einheitliche und sprachrichtige Rechtschreibung zurück, wie sie das Deutsche besaß, bevor die funktionierende Regelung 1996 zerschlagen wurde."



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Kommentar von Südtirol, 10. April 2006, verfaßt am 11.04.2006 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3927

Reform der Rechtschreibreform gilt in Südtirol ab 1. August 2006

An Südtirols Schulen und für die öffentlichen Verwaltungen wird ab dem 1. August 2006 die neue deutsche Rechtschreibung mit den Änderungsvorschlägen des Rates für deutsche Rechtschreibung verbindlich.

Mit dieser Entscheidung folgt die Südtiroler Landesregierung dem Beispiel Deutschlands und Österreichs, wo sich die zuständigen Gremien auch für diesen Schritt entschieden haben. In ihrem Beschluss sieht die Landesregierung eine zweijährige Übergangsfrist vor, während der Schreibweisen, die durch die Neuregelung überholt sind, von den Lehrpersonen zwar markiert, aber nicht als Fehler bewerteten werden.

Im Auftrag der Landesregierung werden die Generaldirektion, die Schulämter und die für die Berufsausbildung zuständigen Abteilungen in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich für die Umsetzung des Beschlusses sorgen und entsprechende Rundschreiben zu erlassen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung, in dem Deutschland Österreich, die Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein und das Land Südtirol zusammenarbeiteten, hatte im Februar – nach umfassenden Anhörungen und Diskussionen - eine Anpassung der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung empfohlen, die mit diesem Beschluss auch in Südtirol zur Anwendung kommt.

Sie betrifft die vier Bereiche: Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung, Zeichensetzung sowie Worttrennung am Zeilenende. Südtirol ist im Rechtschreibrat durch den Direktor des Pädagogischen Instituts, Rudolf Meraner, vertreten.

(Online bei www.dolomiten.it, www.provinz.bz.it)


Kommentar von F.A.Z., Briefe an die Herausgeber, 8. 4. 2006, verfaßt am 09.04.2006 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3900

Wie der grobe Unfug möglich wurde

Im Anschluß an die Berichterstattung der F.A.Z. über die unselige Rechtschreibreform möchte ich als pensionierter Deutschlehrer einige Beobachtungen mitteilen, die zur Beantwortung der Frage beitragen können, wie es möglich war, daß ein derart unseriöses Machwerk an deutschen Schulen weitgehend widerstandslos durchgesetzt wurde.

Für die Mehrheit der rot-grünen Mitglieder des mir bekannten Lehrerkollegiums hatte die Rechtschreibreform – wohl wegen des Grundwortes "Reform" – von Anfang an den Reiz des Progressiven und Emanzipatorischen. Deshalb wurde sie mit freudiger Beflissenheit und manchmal auch mit dogmatischer Sturheit den Schülern aufgenötigt – ein interessanter Vorgang bei doch eigentlich "antiautoritär" sozialisierten und eher staatsskeptischen Alt- und Jungachtundsechzigern, die sich freilich nur zu gern auf die ministeriellen Erlasse beriefen.

Gerne stützte man sich auch auf das vor allem von Vertretern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschft (GEW) in den Medien verbreitete Argument, die Reform sei schülerfreundlich und helfe Fehler vermeiden. Daß dies nicht stimmt und man gerade schwachen Schülern mit der Reform einen Bärendienst erwies, habe ich immer wieder festgestellt. Als Beispiel diene hier nur die Schreibung der S-Laute: "Neue" Fehler wie "Strasse", "heiss", "weiss", "Mass" und so weiter häufen sich jetzt, ebenso "neue" Interpunktionsfehler.

Da ich mich durch den Beamteneid nicht dazu verpflichtet habe, den Schülern groben Unfug zu vermitteln – in diesem Falle eine Reform, deren wissenschaftliche Dürftigkeit, Inkonsequenz und Widersinnigkeit hinlänglich erwiesen sind –, habe ich in der Oberstufe diese Reform im Unterricht thematisiert und mich bemüht, den Schülern so auf "subversive" Weise die Einschätzung der Reform zu erleichtern und kritisches Sprachbewußtsein zu fördern. Im übrigen habe ich bei der Einreichung von Abiturthemen auf den amtlichen Formblättern (Erwartungshorizont, unterrichtliche Voraussetzungen und so weiter) immer die bisherige Rechtschreibung benutzt und auch die Gutachten zu den Abiturklausuren so abgefaßt. Ironischerweise – oder doch ein Zeichen von Einsicht? – hat kein Dezernent der Bezirksregierung Köln diese Praxis je beanstandet.

Dr. Bernd Wolter, Bonn


Kommentar von BRF, 6. 4. 2006, verfaßt am 08.04.2006 um 00.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3860

Neue deutsche Rechtschreibung bald auch in DG

Unmittelbar nach dem einstimmigen Votum der deutschen Ministerpräsidenten in gleicher Sache hat sich auch die Regierung der DG für die Änderung der umstrittenen Rechtschreibreform von 1996 und eine Annahme der neuen Regelung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ausgesprochen. 'Die Entscheidung erfolgte im Sinne einer einheitlichen Rechtschreibung im deutschen Sprachraum', erklärte Unterrichtsminister Oliver Paasch, der von der Regierung mit der weiteren Umsetzung beauftragt wurde. Noch vor den Sommerferien soll dem Parlament ein Dekretentwurf zur Abstimmung unterbreitet werden, mit dem Ziel, sämtliche Änderungen in die bestehenden Regelwerke einfließen zu lassen.


Kommentar von Echo Online, 6. 4. 2006, verfaßt am 06.04.2006 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3836

Reformierte Reformen

Alles ist im Fluss, nichts bleibt, wie es mal war. Oder heißt es jetzt wieder: Alles ist im Fluß? Keine Ahnung. Die Rechtschreibung wird schon wieder geändert. Wie und für wie lange – das weiß wohl keiner so genau. Jedenfalls wird einiges von dem wieder zurückgenommen, was man sich mühsam (gegen den gesunden Menschenverstand) angeeignet hat.

Was soll’s? Warum sollte es der Rechtschreibreform anders gehen als den anderen Reformen? Ihre Halbwertszeiten verkürzen sich von Reform zu Reform. Klar, dass dann keiner mehr weiß, wovon die Rede ist, wenn beispielsweise von der Gesundheitsreform gesprochen wird. Geht es noch um die Kritik an der Vorigen oder schon um das Zerr-Reden der nächsten?

Ist es nicht mit allen Reformen so: Ein Kompromiss zwischen allen Interessen („jeder soll sich wiederfinden können“) führt schließlich zum Kompro-mies. Oder im Klartext: Nix Halbes, nix Ganzes. Hauptsache kompliziert muss die Lösung aussehen, damit nicht auf Anhieb zu erkennen ist, wie faul sie in Wirklichkeit ist. Und nebenbei untauglich, wie sich allzu oft (nicht erst) im Nachhinein herausstellt.

Vielleicht liegt es auch in der Natur der Sache, dass viel zu oft an kranken Systemen herumgedoktert wird. Wie sollte es auch anders sein, wenn das System Politik selbst keine Reformen zulässt? Nicht unten, sondern oben sollte man ansetzen: An den kompliziert verflochtenen und widersprüchlichen Zuständigkeiten und den zu vielen Bundesländern auf dem Anspruchsniveau der Hansezeit aus dem 14. Jahrhundert.

Und nicht an den Kreisen und Kommunen, die am Ende die Belastungen bezahlen müssen, die die Bundes- und Landesparlamente beschlossen und in Hochglanzbroschüren den Bürgern versprochen haben.

Manfred Giebenhain

(Echo Online, Darmstadt)


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 02.04.2006 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3783

Technique is inborn (Vladimir Horowitz, Pianist)

Ziel der Reformer war nicht in erster Linie eine Verbesserung der deutschen Rechtschreibung. Die sollte eher als angenehmer Nebeneffekt (Stichworte: logischer, weniger Ausnahmen) abfallen. Vielmehr wurde die ungleiche Verteilung der orthographischen Fähigkeiten in der Bevölkerung als Skandal empfunden bzw. hochstilisiert. Zwar wurde in der Öffentlichkeit so gut wie nie über diesen vermeintlichen Notstand berichtet oder diskutiert. Doch das Vorgehen entsprach dem klassischen Muster: Entdecken oder Erfinden eines gesellschaftlichen Problems, Suche nach Ursachen oder, besser noch, nach Schuldigen, Angebot einer Lösung. Warum es unter allen an der Schule vermittelten Fächern gerade die Rechtschreibung traf, liegt vielleicht an der (wie sich zeigt, irrigen) Annahme, richtiges Sprechen und Schreiben seien wie das Atmen oder die lebenserhaltenden Funktionen des vegetativen Nervensystems dem Menschen so selbstverständlich eigen, ein elementares Menschenrecht sozusagen, daß mangelhafte Fähigkeiten eigentlich nur auf zu beseitigenden Hindernissen beruhen könnten. Als Haupthindernis wurde die Schwierigkeit der deutschen Orthographie ausgemacht. Aber man unterzog sich nicht der Mühe, empirisch sauber die Hauptfehlerquellen zu erfassen und dann auf Abhilfe zu sinnen. Vielmehr wurde eher zufällig hier und da verändernd eingegriffen. Am augenfälligsten zeigt sich dieses verspielte Basteln wohl in den "volksetymologischen" Scherzen eines G. Augst. - Die Ungleichheit in der Verteilung von Rechtschreibfähigkeiten hat sich - soviel läßt sich wohl beim derzeitigen Stand schon sagen - nicht verringert. Dies führt zu dem Schluß, daß die Route falsch gewählt war. Wie jeder Wanderer weiß, ist die Abkürzung bekanntlich die längste Verbindung zwischen zwei Punkten. Wer nicht abstürzen will, tut gut daran, auf markierten Wegen zu bleiben. Und nicht jeder will aufs Matterhorn


Kommentar von mephisto 97,6, verfaßt am 02.04.2006 um 13.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3782

Stadtelternrat begrüßt Ende der Debatte um Rechtschreibreform

In der Debatte um die Rechtschreibreform hat der Stadtelternrat die Einigung begrüßt.

Der Vorsitzende vom Leipziger Stadtelternrat Falk Wenzel sagte, er sei froh, dass die Debatte beendet sei. "Es wird Zeit, dass es eine einheitliche Regelung gibt und das Hin und Her beendet wird." Das größte Problem für die finanzschwachen Schulen sei nun, neue Bücher anzuschaffen.
Die Änderungen der Rechtschreibreform treten im Herbst endgültig bundesweit in Kraft. Darauf hatten sich gestern einstimmig alle Ministerpräsidenten geeinigt.


Kommentar von Helmut Jochems, verfaßt am 02.04.2006 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3781

Tomorrow, and tomorrow, and tomorrow,
Creeps in this petty pace from day to day,
To the last syllable of recorded time ...

Wie denken wir heute über die zehn Jahre unserer Auseinandersetzung mit der Rechtschreibreform? Kein Kommentator von Rang hat in den Medien etwas Wesentliches zum vorläufigen "Schlussstrich" vom letzten Donnerstag gesagt. Geht es uns anders? Das waren Jahre immer wieder enttäuschter Hoffnungen, die uns so sehr verbittert haben, daß wir uns inzwischen nicht einmal mehr über einen nicht unwesentlichen Erfolg freuen können: Die Refomer rühmten sich, zum erstenmal in der Geschichte der deutschen Rechtschreibung die Getrennt- und Zusammenschreibung plausibel geregelt zu haben. Seit Donnerstag gehört das Herz- und Renommierstück ihres Regelwerks jedoch endgültig der Vergangenheit an, dies freilich um den Preis der Anerkenntnis seiner Unregulierbarkeit. Die hochgestochene Diktion der neuen Regeln sollte niemanden täuschen: Es ist wieder so, daß bewußte Schreiber wie früher mit gutem Gewissen ihrer Intuition folgen können, die weniger Geübten sich nicht vor eklatanten Fehlern zu fürchten brauchen, die Ängstlichen aber wie alle ihre Vorgänger beständig das Rechtschreibwörterbuch wälzen müssen. Am 22. Juli wird Professor Ickler die 24. Auflage des Duden in der F.A.Z. rezensieren. Seine Bilanz wird für viele Einsichtige auf beiden Seiten ernüchternd sein. Das deutsche Rechtschreibdilemma entzieht sich einer konsensfähigen Lösung. Das hätte man seit Jahrzehnten wissen können, wenn Sprachwissenschaftler sich schon vor 1996 die Mühe gemacht hätten, die jeweils neueste Duden-Auflage kritisch zu analysieren. "Normen" hinterfragt man aber nicht, dafür ist ihre gesellschaftliche Funktion zu wichtig. Professor Augst sagte Ende Januar 1998, es sei nur gut, wenn die Deutschen endlich einsähen, daß ihre Rechtschreibung nicht sakrosankt ist. Diese "Deutschen" als homogenes Gebilde gibt es nicht, das übersah auch der Bundestag mit seinem "Die Rechtschreibung gehört dem Volk". Im Usus einer Sprachgemeinschaft gibt es allerdings aus guten praktischen Gründen immer Ausgleichstendenzen, und die werden auch in unserem Problemfalle wirksam werden. "Konvergenz" nennt man so etwas, aber die ideale Einheitlichkeit lag immer und liegt weiterhin "tomorrow, and tomorrow, and tomorrow" ...


Kommentar von Allgemeine Zeitung (Mainz), verfaßt am 01.04.2006 um 14.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3772

Auch Lehrer haben das Recht auf Notwehr
Merkwürdige Zustände an manchen Schulen/Neues von Gasprom-Gerhard und andere Bürgerverunsicherungen

[. . .] Von Reinhard Breidenbach

[. . .] Die Rechtschreibreform, genauer gesagt: die ungefähr 17 Varianten, in denen das Thema durchgenudelt wurde, ist nicht Teil des sozialen Kernproblems an den deutschen Schulen. Aber so richtig hilfreich war die Diskussion auch nicht. Nun ist sie abgeschlossen. Angeblich. Wer jetzt immer noch Schreib-Probleme hat, kann einem leidtun, leid tun, Leidtun. [. . .]


Kommentar von Mannheimer Morgen, 31. März 2006, verfaßt am 01.04.2006 um 11.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3769

Das Schweigen der Männer zu den neuen Regeln der Orthografie

RECHTSCHREIBUNG: Ministerpräsidentenkonferenz segnet in Berlin die Änderungen der Reform ohne Aussprache ab und beklagt "Chaos" und "Fiasko"

Von dpa-Mitarbeiter Karl-Heinz Reith

Eigentlich wollte keiner der 16 Ministerpräsidenten noch etwas von der leidigen Rechtschreibreform wissen. Sichtlich genervt vom jahrelangen Dauerstreit winkten die Länder-Regierungschefs gestern bei ihrem Treffen in Berlin eine Vorlage der Kultusminister einstimmig und ohne weitere Aussprache durch, nach der die umstrittene Reform von 1996 in wesentlichen Punkten wieder korrigiert wird.

"Die Politik sollte sich zukünftig aus der Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung heraushalten", ließ Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff verlauten. "Viel Chaos", ja "ein einziges Fiasko" sei angerichtet worden und die "orthografische Krise" in Deutschland trotz des Kompromisses immer noch nicht überwunden.

Dabei hatte gerade Wulff selbst nicht unwesentlich bei dem Streit mitgemischt und sich noch im vergangenen Jahr wochenlang als Reformrebell feiern lassen. Mit der alten Indianerweisheit "Steige ab, bevor das Pferd tot ist" hatte Wulff dann aber geschickt seinen Rückzug eingeleitet; wohl wissend, dass im Fahrwasser der anderen 15 Bundesländer lediglich eine kleine Reform der Reform - und nicht eine Totalrevision - durchzusetzen war.

Auch der nordrhein-westfälische Regierungschef Jürgen Rüttgers zeigte sich mit den kleinen, aber doch sichtbaren Korrekturen an den Schreibregeln halbwegs zufrieden. Noch als Oppositionsführer hatte Rüttgers vollmundig angekündigt, dass im Fall eines CDU-Wahlsieges das bevölkerungsreichste Bundesland wieder vollständig zu den alten Schreibweisen zurückkehren werde. Ohne weitere Kommentare verließ Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber das Treffen in Berlin. Stoiber hatte 1996 den umstrittenen Beschluss mitgetragen.

Die vom Rat für deutsche Rechtschreibung unter der Leitung des früheren bayerischen Wissenschaftsministers Hans Zehetmair in einjähriger Arbeit gefundenen Kompromisse werden nun zweifelsohne den aktuellen Streit deutlich entkrampfen - auch wenn die Reformgegner immer noch nicht zufrieden sind und ihre Proteste fortsetzen wollen. Ein wesentliches Ziel wurde aber erreicht: Mit Start des neuen Schuljahrs im Herbst gelten in allen Bundesländern bei der Korrektur von Klassenarbeiten wieder die gleichen Regeln.

Der von den Kultusministern eingesetzte Rat für deutsche Rechtschreibung, bestückt mit Gegnern wie Reformbefürwortern, wird nun nach Abschluss der Reform der Reform auch auf Dauer die Rolle eines neuen deutschen Sprachwächters einnehmen. Ob es bei den denkbaren weiteren Änderungen ganz ohne die Politik zugehen wird, ist fraglich. In fünf Jahren wird der Rechtschreibrat seinen nächsten Reformbericht vorlegen.

Vor 50 Jahren hatte sich dies die "Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder" noch sehr leicht gemacht: Unter der Rubrik "Sonstiges" im Bundesanzeiger vom 15. Dezember 1955 hatte die KMK lapidar mitgeteilt, dass fortan in Zweifelsfällen der Sprache "die im Duden gebrauchten Schreibweisen und Regeln verbindlich sind". Damit wurde zugleich ein Verlags-Monopol begründet, das gut 40 Jahre halten sollte - bis zur Verabschiedung der Zwischenstaatlichen Vereinbarung über die Rechtschreibreform vom Juli 1996.

Das Duden-Verfahren funktionierte in der Praxis recht simpel: Tauchten im öffentlichen Sprachgebrauch extrem oft abweichende Schreibweisen auf, wurde dies im wissenschaftlichen Beirat des Mannheimer Verlages geprüft. In vielen Fällen tauchten dann die abweichenden Schreibweisen in der nächsten oder übernächsten Duden-Ausgabe als neue, zulässige Variante auf - und wurden so peu à peu auch in den regulären Sprachgebrauch eingeführt. Gerade mit dieser Praxis wollte die Rechtschreibreform aber brechen.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 31.03.2006 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3767

Ich möchte vorschlagen, den tiefergehenden Gedankenaustausch im Diskussionsforum fortzusetzen: Diskussion > Sprache und Politik > Wie weiter?


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 31.03.2006 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3766

Beamte

Es wird nicht so leicht sein, aus dem Beamtenrecht eine Dienstpflicht zur Anwendung falscher Rechtschreibung abzuleiten. Die Amts- und Gesetzessprache, auch die Gerichtssprache, ist Deutsch, selbstverständlich richtiges, also allgemein übliches Deutsch. Ein Verwaltungsbeamter, der die herkömmliche Rechtschreibung verwendet, könnte einem Disziplinarverfahren gelassen entgegensehen. Es würde dann endlich einmal zur Anhörung unabhängiger sprachwissenschaftlicher Gutachter kommen. So leicht wie in der Schule, also einfach per Anordnung, ließe sich Falsches hier nicht als richtig etablieren. Aber gemach: Dazu wird es nicht kommen. Wenn man die amtlichen Schriftstücke betrachtet, mit denen man selber zu tun hat, so ist da alles mögliche an Reformtreue bzw. -mißachtung zu finden. Das BVG hat ja bekanntlich entschieden, daß außerhalb der Schule jedermann weiter so schreiben kann wie bisher.


Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.03.2006 um 13.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3765

Auch das Fernsehen täuscht die Zuschauer: In der ARD-Tagesschau wurde gesagt: "Das schreibt man jetzt wieder ...." und "Das darf man jetzt wieder ... schreiben" Mit "man" wird der Eindruck erweckt, alle müßten oder dürften jetzt so schreiben. Viele werden das jetzt wieder behaupten. Das ist ja auch die Absicht der Reformer.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 31.03.2006 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3764

A propos das Jahr 2000: Ausschlaggebend für die «FAZ» sei, «was die Wörterbücher im Detail daraus machen», sagte Nonnenmacher. (siehe Beitrag #3738) Nun war sicherlich die damalige Dudenrezension von Herrn Ickler nur ein Mosaiksteinchen in dem (Schreckens-?) Bild, das die FAZ zur Rückumstellung auf die herkömmliche Rechtschreibung gebracht hat, aber sicherlich eines, mit dem man jenen Schritt nach außen hin gut begründen konnte. So etwas könnte auch jetzt wieder hilfreich sein...


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 31.03.2006 um 12.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3763

Im Zusammenhang mit der Reform von "Krieg", Friede", "Waffenstillstand" zu sprechen, führt meiner Ansicht nach in die Irre. Viel eher passen Begriffe wie "Anschlag", "Nötigung", "Räuberische Erpressung", auch "Amtsanmaßung". Es handelt sich um einen Übergriff der Staatsmacht auf ein elementares bürgerliches Freiheitsrecht. Leider ist dieses nicht im Grundgesetz garantiert; wer von dessen Schöpfern hätte sich einen solch beispiellosen Vorgang auch nur im Traume vorstellen können? Das BVG konnte folglich auch nicht die Verfassung auslegen, sondern wagte sich an eine freischwebende Konstruktion, die entsprechend ausgefallen ist. Die Richter übernahmen sich gewaltig, aber sie wollten ja unbedingt "Neuland" betreten, auch in Verfahrensfragen. Jedenfalls geht es um die Abwehr nicht legitimierter staatlicher Gewalt. - Nicht hoch genug kann man in diesem Zusammenhang das Manifest junger deutscher Schriftsteller preisen, die unmißverständlich klargestellt haben, wer über die Sprache gebietet: Die sie benutzen, nicht die sie verordnen.


Kommentar von jms, verfaßt am 31.03.2006 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3762

Die klassische Orthographie an der Schule zu sanktionieren, wird künftig schwieriger sein. Es sollte genug intelligente und mutige Schüler geben, die die Rechtschreibreformreform schlicht ignorieren und wieder "daß" und "Schiffahrt" schreiben. Sie können sich dabei auf ihr Gefühl von Ästhetik und auf die erfolgreichen jungen deutschen Schriftsteller berufen, deren Protest die richtigen Maßstäbe setzt. Lehrer, die die klassische Rechtschreibung schlechter benoten, machen sich doch nur lächerlich.


Kommentar von R. M., verfaßt am 31.03.2006 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3761

Eine Presseschau in memoriam www.genios.de:

Der Trierische Volksfreund greift einen Begriff aus der FDS-Presseerklärung auf: »Orthografische Spaltung. Gegner immer noch nicht zufrieden mit der Reform der Reform«. Schon in solchen Überschriften -- mancherorts ist auch vom »Fiasko« (Ch. Wulff) die Rede -- wird deutlich, was in Berichten, die »Endlich Gewissheit« (Thüringer Allgemeine aus Erfurt) oder »Jetzt ist's amtlich« (Konstanzer Südkurier) betitelt sind, meist gegen Ende hervorgehoben wird: daß die Kritik nicht verstummt ist.

Das wird auch im Kommentar des Südkuriers deutlich: »Nun ist sie beschlossene Sache: Die Reform der Reform der Rechtschreibung. Doch weiterhin sorgt das Reförmchen für Ärger. [...] Auf der Bühne der Rechthaber rangeln Verlage und Politiker. Schriftsteller meinen, Sprache kenne keine Kompromisse. Eben doch. Denn Sprache verändert sich ständig. Nur muss ihr Regelwerk einheitlichen Standards genügen. Der Rat für Rechtschreibung hat nun Schreibregeln vorgelegt, die eine lebendige Schriftkultur gewährleisten.« Überschrift: »Kleinlicher Streit«.

Zu Kommentaren haben sich nur noch wenige Journalisten aufraffen können, verständlicherweise. Michael Jacobs schreibt in der Mainzer Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift »Riss in der Reform zur Rechtschreibreform«: »Nach zehn Jahren, in denen es einem "Angst und Bange" werden konnte vor so viel Rechthaberei, sollen die nun wieder Recht haben, die "angst und bange" nicht mehr an die Großschreib-Glocke hängen wollen. Mit der Reform der Reform der Rechtschreibung haben die Kultusminister der Länder einen Schlussstrich unter ein beispielloses Gezerre um eine verbindliche Normierung der deutschen Sprache gezogen, dessen Schrammen und Blessuren auch nach den Korrekturen durch den Rat für deutsche Rechtschreibung nicht so schnell verheilen werden. [...] Solange aber Verlage, Schriftsteller und Zeitungen eigene Wege gehen, wird ein Reform-Riss bleiben -- auch wenn er jetzt kleiner geworden ist.«

Einen »Sieg der Vernunft« bejubelt die der F.A.Z gehörende Frankfurter Neue Presse: »Jeder bastelte sich seine eigene Schreibweise zurecht. Die Rechtschreibreform hat zu einer kulturellen Verunsicherung ohnegleichen geführt. [...] Die Rechtschreibreform war ein kopfloses Desaster. Die jüngsten Korrekturen haben nicht allen Unfug beseitigt [...]«.

Und was sagt die andere Seite? Die Badische Zeitung berichtet von einem Vortrag von Andreas Digeser in der Realschule zu Weil am Rhein. Von »eindrucksvollen Beispielen« ist die Rede, aber für was? Die Überschrift »"Wildwuchs" nun geregelt« läßt annehmen, daß Digeser einem zehn Jahre altem Skript folgte.


Kommentar von Reutlinger General-Anzeiger, verfaßt am 31.03.2006 um 11.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3760

Verwirrung um die deutsche Sprache
VON ROLAND BENGEL

Niemand sollte sich etwas vormachen: Die jetzt auf den Weg gebrachte Rechtschreibreform ist nicht der ganz große Wurf. Eine Reform der Reform verweist zwangsläufig auf zahlreiche Mängel. Das jahrelange Hin und Her um die »richtigen« Schreibregeln hat mehr geschadet als genützt. Eine Alternative zur Korrektur gab es trotzdem nicht. Denn schließlich krankte die 1998 in Kraft getretene Reform an etlichen Ungereimtheiten.

Geblieben ist seitdem Verwirrung. Selbst die Profis in Sachen Schreiben und Sprache, von den Deutschlehrern über die Journalisten bis zu den Literaten, wissen die Regeln nicht immer richtig anzuwenden. Und auch vielen Schülern kann es angesichts des mehrfach geänderten Regelwerks angst und bange werden (oder wird es ihnen womöglich Angst und Bange?). Schämen müssen sie sich für ihre Unkenntnisse nicht. Denn schließlich ist beim Grammatik-Test so mancher Ministerpräsident gescheitert. Und die Lebenserfahrung lehrt, dass mancher Rat kläglich scheitert, wenn er um Rat gefragt wird. Heißt es nun Friedrich List Gymnasium (wie es in großen Lettern an einer bekannten Reutlinger Schule steht), oder müsste es nach dem Regelwerk nicht besser Friedrich-List-Gymnasium heißen? Was für die einen ein sprachlicher Verstoß gegen eine elementare Regel ist, ist den anderen ein Streit um Kaisers Bart.

Der Rat für Rechtschreibung legt großen Wert auf den Sinnzusammenhang. Deshalb merzte er zahlreiche Ungereimtheiten in der seit 1998 gültigen Rechtschreibreform aus. Insbesondere bei der Getrennt- und Zusammenschreibung brachten die Experten Korrekturen an. Künftig sollen die Schreibregeln die Verständlichkeit eines Textes unterstützen. Warum nicht gleich so! Den Anwendern der deutschen Sprache wäre manche unnötige Aufregung erspart geblieben.


Kommentar von Helmut Jochems, verfaßt am 31.03.2006 um 11.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3759

Dies war der letzte Streich der Handvoll Kultusbürokraten, die seit 1987 aus der Anonymität heraus die Deutschen an der Nase herumgeführt haben. In fünf Jahren werden auch die letzten im Ruhestand sein, und ohne sie stehen dann Ahnen, Wolff und Schavan orientierungslos da. Es hat wenig Sinn, auf Österreicher und Schweizer als Miturheber der Verwerfungen zu verweisen. Selbst der Kreis um Professor Augst hätte auf Bestellung vernünftigere Vorschläge geliefert, wenn an der Schnittstelle zwischen Experten und Politik nicht die beamteten Betonköpfe gesessen hätten. Wir sollten nicht nachträglich die inzwischen etablierten Versionen der deutschen Rechtschreibung als "modern" und "altmodisch" voneinander abgrenzen. Daß ausgerechnet die barocken Züge unserer Orthographie - das "ß" und die Substantivgroßschreibung - ein Zeichen von Modernität sein sollen, leuchtet gewiß nicht allen Schreibgenossen ein. "Modernität" ist in der Schreibkultur ohnehin eine Feindin der Tradition, und die sollte zum Wohle der Kontinuität der schriftlichen Überlieferung im Vordergrund stehen. Da die Öffentlichkeit fehlerhafte Schülerarbeiten und orthographisch verwirrte Privatbriefe nur selten zu sehen bekommt, wird künftig fast nur das Vorherrschen von "ß" oder von "ss" für unsere jetzt festgezurrten zwei Rechtschreibungen bestimmend sein.
Man könnte sich nur wünschen, daß alle Schülerinnen und Schüler so selbstbewußt wären wie Josephine Ahrens aus Elsfleth in der Wesermarsch. Andererseits ist nicht anzunehmen, daß Lehrer so verbohrt sein werden, aus dem ss/ß-Streit eine Glaubenssache zu machen. Auch in der Schule (und bei den Behörden) hat kaum jemand Nachteile zu erwarten, der Eigenständigkeit zeigt. Niemand sollte in der Auseinandersetzung um die richtige Rechtschreibung noch auf die Gerichte setzen – sie werden nichts zu tun bekommen. Ein Rechtschreibfriede ist gewiß gestern nicht beschlossen worden, aber die neue Situation sieht sehr nach einem Waffenstillstand aus. Mit einem solchen Zustand sind die Deutschen von 1945 bis 1990 sehr gut gefahren ...


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2006 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3758

Man kann jetzt überall lesen, ab 1. August werde die wiederum geänderte Rechtschreibung für Schulen "und Behörden" verbindlich. Meiner Ansicht nach gilt das für Behörden nicht automatisch, sondern müßte jeweils angeordnet werden. Wie die Bediensteten über den neuen Schildbürgerstreich denken, kann man sich ausmalen. Schon bisher war von dieser Seite viel von Hohn und Verdrossenheit zu hören. Ich erinnere mich noch an vertrauliche Mitteilungen aus der bayerischen Staatsregierung.
Die Beamten gehören ja zu den Gebildeten, die anspruchsvolle Zeitungen lesen und im allgemeinen über die Hintergründe dieses traurigen Spiels sehr gut informiert sind.
Was die Lehrer von ihren Dienstherren halten, wird wohl nie umfassend dokumentiert werden, aber man kann es sich denken.


Kommentar von Süddeutsche Zeitung, 31. 3. 2006, verfaßt am 31.03.2006 um 10.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3757

Einstimmiger Beschluss der Ministerpräsidenten
Rechtschreibung ist geändert
Künftig wieder bundesweit einheitliche Regeln in Schulen

Berlin (dpa) - Die umstrittene Rechtschreibreform von 1996 wird offiziell geändert. Die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer billigten am Donnerstag in Berlin einstimmig und ohne Aussprache eine Fülle von Korrekturen, die vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagen worden waren. Damit gelten ab Beginn des neuen Schuljahres im Herbst bundesweit wieder einheitliche Regeln. In einer einjährigen Übergangsfrist sollen Abweichungen von den Lehrern zwar als falsch markiert, nicht aber als Fehler gewertet werden. Den Gegnern der Rechtschreibreform gehen die Änderungen allerdings immer noch nicht weit genug.

Nordrhein-Westfalens Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) sprach von "erheblichen Verbesserungen". Es sei an der Zeit, sie in Kraft zu setzen, sagte Rüttgers, der derzeit der Konferenz der Ministerpräsidenten vorsitzt. Nach Billigung der Korrektur-Vorschläge setzt der Rat für deutsche Rechtschreibung auf eine behutsame Weiterentwicklung der Schreibregeln. Das Gremium werde "ohne Aufgeregtheiten und Zeitdruck in eine neue Phase der Sprachbeobachtung" eintreten, sagte der Ratsvorsitzende Hans Zehetmair.

"Mit diesem angeblichen Kompromiss kann kein Rechtschreibfriede erreicht werden", hieß es in einer Erklärung des Vereins für deutsche Rechtschreibung". Mit Kritik reagierte auch die Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS), in der prominente Reformgegner organisiert sind. Mehrere junge Schriftsteller wie Daniel Kehlmann, Christian Kracht oder Feridun Zaimoglu hatten zuvor bereits angekündigt, an der alten Rechtschreibung festhalten zu wollen. "Der Staat gehört nicht zu den Instanzen, denen Literatur sich unterwirft. Sie wird sich um dessen Vorgaben umso weniger scheren, als diese die Intelligenz des Lesers beleidigen und die Tradition obsolet machen", heißt es in einer Erklärung. [. . .]

Vertagt wurde die Entscheidung über die Fusion der Bundeskulturstiftung mit der Kulturstiftung der Länder. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sagte, zunächst solle die Verabschiedung der Föderalismusreform abgewartet werden. (Feuilleton)


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 31.03.2006 um 10.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3755

Herr Wrase, man kann in der Tat in einen inneren Zwiespalt geraten, wenn man sich fragt, ob "die Politik" sich weiter mit der Rechtschreibung befassen oder sich lieber endgültig aus der Regelung dieser Materie verabschieden sollte. Nach allem, was die Obrigkeit da angerichtet hat, sollte man sich wohl lieber das zweite wünschen. - Aber man muß wohl unterscheiden: Die Politiker können und dürfen nicht aus ihrer Verantwortung für die mißlungene Reform, die es ohne ihr Handeln nicht gäbe, entlassen werden. Das heißt, sie dürfen sich erst dann entspannt zurücklehnen, wenn sie in ihrem Machtbereich, der Schule, Ordnung geschaffen haben. Danach aber wollen wir ihnen gern in jeder Hinsicht Entlastung erteilen.


Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 31.03.2006 um 10.11 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3754

Fast die ganze Nation hat 2000 die Rückkehr der FAZ ins Reich der Schreibkultur bejubelt, besonders die Schriftsteller. Jetzt täte es not, daß diese sich zusammentun, um ein Abgleiten der Zeitung in die Zehetmairsche Pennäler- und Medienschreibe zu verhindern. Zur Einheit der deutschen Rechtschreibung gehört doch auch, daß ihr Werk oder gar Lebenswerk nicht ausgegrenzt wird. Die FAZ bildete da bislang eine wichtige Mittlerfunktion auf gleicher Augenhöhe.

Einem ähnlichen Ziel dient auch das Streben des Deutschen Elternvereins und der Bürgerinitiativen, der klassischen Rechtschreibung an den Schulen wieder Anerkennung zu verschaffen. Dies wird auch juristisch verfolgt und es wäre den Herausgebern der FAZ zu wünschen, daß sie den langen Atem haben, um die in diesem Bereich üblichen Zeiträume zu überbrücken.



Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 31.03.2006 um 01.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3752

Jetzt sagen sie alle: Die Politik muß sich künftig strikt heraushalten, der Rat für Rechtschreibung ist dafür zuständig. Dabei ist der Rat – von der Zielvorgabe bis hin zur Besetzung – ein Instrument derselben Politiker, die sich für unzuständig erklären.

Das ist so, wie wenn die Kanzlerin sagen würde: "Für Politik bin ich nicht zuständig. Die Minister sind verantwortlich." Oder die Minister: "Aus der Politik müssen wir uns heraushalten. Das ist Sache der Fachreferenten in den Abteilungen." Oder die Geschäftsführer eines Unternehmens: "Für die Produkte unseres Unternehmens können wir keine Verantwortung übernehmen. Das fällt in die Zuständigkeit unserer Angestellten, Arbeiter und Maschinen." Oder ein Chefredakteur: "Was in der Zeitung steht, damit darf ich nichts zu tun haben. Dafür sind die Leiter der Ressorts da."

Jedoch: Die Medien beten diesen Spruch eins zu eins nach. Es klingt ja irgendwie sehr vernünftig, wenn die Politiker sagen, sie dürften auf die Rechtschreibung keinen Einfluß nehmen. So vernünftig wie die Reformer, die sich schon immer für die Einheitlichkeit der Rechtschreibung einsetzen wollten.


Kommentar von Münchner Merkur, 31. 3. 2006, verfaßt am 31.03.2006 um 00.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3749

Länderchefs nicken Reform ab
Ab Herbst gelten schon wieder neue Rechtschreibregeln

Berlin - Eigentlich wollte keiner der 16 Ministerpräsidenten noch etwas von der leidigen Rechtschreibreform wissen. Sichtlich genervt vom jahrelangen Dauerstreit winkten die Länder-Regierungschefs am Donnerstag bei ihrem Treffen in Berlin eine Vorlage der Kultusminister einstimmig und ohne Aussprache durch. Die missglückte Reform von 1996 wird in wesentlichen Punkten wieder korrigiert.

"Die Politik sollte sich zukünftig aus der Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung heraushalten", ließ Niedersachsen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) verlauten. "Viel Chaos", ja "ein einziges Fiasko" sei angerichtet worden und die "orthografische Krise" in Deutschland trotz des Kompromisses immer noch nicht überwunden.

Dabei hatte gerade Wulff wesentlich mitgemischt und sich noch im vergangenen Jahr wochenlang als Reformrebell feiern lassen. Mit der alten Indianerweisheit "Steige ab, bevor das Pferd tot ist" hatte Wulff dann geschickt seinen Rückzug eingeleitet -- wohl wissend, dass im Fahrwasser der anderen 15 Länder lediglich eine kleine Reform der Reform, keine Totalrevision, durchzusetzen war.

Auch NRW-Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) zeigte sich mit den kleinen Korrekturen an den Schreibregeln halbwegs zufrieden. Noch als Oppositionsführer hatte Rüttgers vollmundig angekündigt, dass das bevölkerungsreichste Bundesland vollständig zur alten Schreibweise zurückkehren werde. Ohne Kommentare verließ Bayerns Regierungschef Edmund Stoiber das Treffen in Berlin. Stoiber hatte 1996 den umstrittenen Beschluss mitgetragen.

Die vom Rat für deutsche Rechtschreibung unter Leitung des früheren bayerischen Wissenschaftsministers Hans Zehetmair gefundenen Kompromisse werden nun zweifelsohne den aktuellen Streit deutlich entkrampfen. Zufrieden sind die Reformgegner immer noch nicht. Ein wesentliches Ziel wurde aber erreicht: Mit Start des neuen Schuljahrs im Herbst gelten in allen Bundesländern wieder die gleichen Regeln. Der Kultusministerkonferenz bleibt ein weiterer Gesichtsverlust erspart. Das Tauziehen um die Rechtschreibreform war kein Vorzeigestück eines selbstbewussten Länder-Bildungs-Föderalismus.

Der von den Kultusministern eingesetzte Rat für deutsche Rechtschreibung -- Gegner wie Reformbefürworter -- wird nun nach Abschluss der Reform der Reform auch auf Dauer die Rolle eines neuen deutschen Sprachwächters einnehmen. Doch ob es bei den denkbaren weiteren Änderungen so ganz ohne die Politik zugehen wird, ist fraglich. In fünf Jahren wird der Rechtschreibrat seinen nächsten Reformbericht vorlegen. Nach den bisherigen Absprachen soll dieser erneut vor seinen Umsetzung von den Kultusministern und den Ministerpräsidenten gebilligt werden.

Zehetmair sagte, das Gremium nun "ohne Aufgeregtheiten und Zeitdruck in eine neue Phase der Sprachbeobachtung" eintreten: "In ruhigem Fahrwasser" werde man weitere, auch grundsätzliche Fragen diskutieren und "von Zeit zu Zeit auch Anpassungen vorschlagen".

KARL-HEINZ REITH (dpa)

(Mit etwas anderem Text auch im Wiesbadener Kurier)


Kommentar von jms, verfaßt am 31.03.2006 um 00.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3748

Schade, daß es keine richtigen Bösewichte aus Fleisch und Blut gibt, die man für den ganzen Schwachsinn haftbar machen kann. Von A(hnen) bis Z(ehetmair) hat man es im Grunde nur mit einer glibbrigen Politikerkaste zu tun, deren Protagonisten ständig wechseln und die letztlich gesichtlos bleiben. Es ist kafkaesk.


Kommentar von Martin Gerdes, verfaßt am 30.03.2006 um 22.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3746

Th. I.: Weiß Zehetmair überhaupt noch, was er daherredet? Warum wird er nicht von Journalisten in die Zange genommen?

Es ist anzunehmen, daß er weiß, was er will, und als Politiker richtet er seine Rede nach seinem Ziel aus. Und wie Sie wiederum richtig angemerkt haben, fühlt sich ein Politiker im Zweifelsfall für alles zuständig. Die Reform hat gezeigt, in welchem Zustand sich unser Staat befindet (nämlich im Zustand einer Demokratie nach Lesart der SED) – sie hat aber auch gezeigt, in welchem Zustand sich die 'freie' Presse befindet: Sie ist gleichgeschaltet. Als Korrektiv für eine Oligarchie von Gleicheren hat sie versagt.

Wie Schafe trotten sie alle den amtlich vorgeschriebenen Weg. Zwar blökt das eine oder andere gelegentlich wütend, aber hinterher trottet es in der gleichen Richtung weiter.

Zehetmair erklärt unermüdlich, daß ein Großteil der Reform zurückgenommen sei, und der Blätterwald hallt es getreulich wider. Wir hier wissen, daß das in der Sache nicht stimmt, aber gegen das vielstimmige Unisono hat die Wahrheit keine Chance. Kein einziger nennenswerter Journalist hat sich getraut zu schreiben: "Halt, das stimmt ja überhaupt nicht! Nur in einem kleinen Teil hat die Politik ja überhaupt Änderungen zugelassen, und dort werden in Zukunft die bewährten Schreibungen allenfalls als Varianten erlaubt, das 'neu Geschaffene' aber keineswegs abgeschafft. Der Hauptteil durfte nach Weisung der Kultusminister nicht angetastet werden."

Wenn ich den heutigen Meldungen glauben darf, wird sich selbst die bisher aufrichtige FAZ gegen ihre Leser entscheiden und dem Druck der Politik beugen.

Wir Kinder haben damals unsere Eltern gefragt: Wie konnte das passieren? Warum haben denn alle mitgemacht, obwohl doch erkennbar war, daß der Weg ins Verderben führt?

Jetzt weiß ich, warum. Die Mechanismen sind noch die gleichen. Deutschland ist und bleibt halt Obrigkeitsstaat.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 30.03.2006 um 21.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3745

Nach Ansicht von Wulff sollte die Politik die Kompetenz für die Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung künftig beim Rat für Rechtschreibung belassen.

Die (Selbst-)Ermächtigung über die Rechtschreibung, die die Zwischenstaatliche Kommission 2004 nicht schaffte, soll nun also dem Rat zuteil werden – und damit gewissermaßen doch noch der Kommission, von der leicht veränderten Zusammensetzung mal abgesehen. Chapeau – und gute Nacht!

«Es ist viel Chaos angerichtet und bisher keines der Ziele der ursprünglichen Absichten erreicht worden», sagte er. Die Rechtschreibung sei nicht klarer und einfacher geworden, es gebe nicht weniger, sondern mehr Fehler. «Jetzt haben wir einen Kompromiss, bei dem zumindest die Richtung stimmt, um die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung annäherungsweise zu erhalten", fügte Wulff hinzu.

Chaos, Zielverfehlung, Fehlervermehrung, Uneinheitlichkeit: Dies in die Ohren der EDK!


Kommentar von DEV, 30. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 21.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3744

Deutscher Elternverein e.V.
Der Vorsitzende des Bundesvorstands
Dr. Ulrich G. Kliegis


Gegen die Kinder
Gegen die Mehrheit der Bevölkerung

Zur Rechtschreib-Entscheidung der Ministerpräsidenten

"Gegen die Kinder und gegen die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gerichtet, und von der Sache her von Grund auf falsch," nannte Ulrich Kliegis (52), Vorsitzender des Deutschen Elternvereins e.V., und Vater zweier schulpflichtiger Söhne, heute in Kiel die Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz, die selbst von den Kultusministern mit kritischen Äußerungen bewerteten Empfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung vom 1. August an an den Schulen verbindlich werden zu lassen.

Mit der Feststellung, "Die Ministerpräsidenten haben die Chance verpaßt, dem Rechtschreibfrieden an den Schulen und in der Gesellschaft eine Chance zu geben. Ihre Entscheidung ist unklug und schadet der Kultur des Landes." schloß Kliegis seine Stellungnahme.

Der Deutsche Elternverein wird seine vor wenigen Tagen begonnene bundesweite Unterschriftenaktion unter dem Motto 'Klassisch schreiben heißt richtig schreiben' intensiv fortsetzen.

Die Forderung des Deutschen Elternvereins, "Der Gebrauch klassischer Schreibweisen darf an den Schulen nicht länger als fehlerhaft diskriminiert werden.", bekräftigte Kliegis heute noch einmal.

Unterschriftenblätter und alle Informationen zu der Aktion gibt es im Internet auf der Webseite des Elternvereins: http://www.DeutscherElternverein.de

Ziel der Aktion ist es, der klassischen Rechtschreibung wieder den ihr gebührenden Platz an unseren Schulen zu verschaffen.

Im Deutschen Elternverein e.V. werden die Interessen der Landeselternvereine, die in vielen Bundesländern als schulartübergreifende Interessenvertretung der Eltern aktiv sind, gemeinsam vertreten. Alle Eltern, denen an der gemeinsamen bildungspolitischen Vertretung der Elterninteressen gelegen ist, sind eingeladen, in ihrem jeweiligen Landeselternverein Mitglied zu werden und dort entsprechend ihren Möglichkeiten mitzuarbeiten.

(Online-Pressemitteilung)


Kommentar von LVZ, 30. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 20.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3743

IM DIALOG

Überflüssig wie ein Kropf

In einem langen Brief kritisiert Marc Renger aus 04105 Leipzig die jüngsten Empfehlungen des Rechtschreibrats, auf deren Basis die Rechtschreibreform von 1996 in mehreren Punkten geändert wurde. „Schreiben Sie wieder in alter Orthographie, jedenfalls so lange, bis der Rechtschreibrat seine Empfehlungen so nachgebessert hat, daß sie im Sinne einer guten Rechtschreibung übernahmereif erscheinen", appelliert er an uns. Und: „Drucken Sie doch einmal an ein oder zwei Tagen Ihre Zeitung in alter Rechtschreibung und warten Sie die Reaktion Ihrer Leser ab!"

Chefredakteur Bernd Hilder antwortet

Lieber Herr Renger, wenn es nach mir persönlich ginge, hätte es die unglückselige Rechtschreibreform überhaupt nicht geben dürfen. Sie war überflüssig wie ein Kropf und hat mehr zur Konfusion als zur Klärung beigetragen. Aber weder Sie noch ich haben darüber entschieden. Es waren die Kultus-Politiker, die sich mit dem Reform-Hickhack, mit dem Vor- und Zurück, kräftig blamiert haben.
Die Frage ist nur, ob wir uns als Zeitung der Rechtschreibreform überhaupt entziehen konnten. Trotz des ersten Reform-Schocks hat sich nur eine Minderzahl der Zeitungen und Verlage eindeutig zur alten Rechtschreibung bekannt. Wir von der LVZ sind der Reform überwiegend gefolgt: In den Schreibweisen haben wir uns angepasst, bei der Zeichensetzung sind wir weitgehend bei den alten Regeln geblieben. Wir haben dies getan, weil wir gerade Sie, unsere Leser, nicht zusätzlich verwirren wollten – und vor allem nicht die Schüler, die ja in der Schule die neue Rechtschreibung pauken müssen. Außerdem waren ziemlich schnell auch die Nachrichtenagenturen auf die neue Schreibweise umgestiegen. Wären wir bei der alten geblieben, hätte dies sehr viel mehr Arbeitsaufwand in der Redaktion bedeutet.
Deswegen schließen wir uns nun auch der Reform der Reform an, die ja einige Wieder-Verbesserungen bringt. Das tun, übrigens auch – mit wenigen Ausnahmen – die Zeitungen, die bisher den neuen Regeln nicht gefolgt waren. Meine Meinung ist: Auch die Reform der Rechtschreibreform ist nicht das Gelbe vom Ei. Aber um nicht unnötig Verwirrung zu stiften, machen wir – wieder – mit.

(Hier mit Bild.)


Kommentar von Berliner Zeitung, 31. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 20.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3742

Länderchefs billigen neue Schreibregeln
Rechtschreibreform tritt am 1. August endgültig in Kraft

Torsten Harmsen

BERLIN. Die umstrittene Rechtschreibreform von 1996 wird endgültig korrigiert. Nach den Kultusministern haben nun auch die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer gestern einstimmig die Änderungen gebilligt, die der Rat für deutsche Rechtschreibung Ende Februar vorgelegt hatte. Es gab keine Aussprache. Damit können die neuen Regeln am 1. August 2006 in allen deutschen Schulen und Ämtern in Kraft treten.

Nach Meinung von Reformgegnern gehen die Korrekturen nach wie vor nicht weit genug. Die Forschungsgruppe Deutsche Sprache, der Kritiker wie Theodor Ickler oder Adolf Muschg angehören, nannte es eine "widervernünftige Machtdemonstration", dass Worte wie "behände" und "Flussschifffahrt" nun gegen alle Widerstände durchgesetzt würden. Die Korrekturen brächten die Spracheinheit von vor 1996 nicht zurück. "Der nächste Duden wird schätzungsweise 2 000 Varianten aufführen, die Silbentrennung nicht eingerechnet", so die Kritiker. Der Rechtschreibrat will nach Aussagen seines Vorsitzenden Hans Zehetmair die Entwicklung weiter beobachten und von Zeit zu Zeit Anpassungen des Regelwerks vorschlagen. Der Rat werde die Rolle spielen, die vor 1996 der Duden Verlag inne hatte. Die Kultusministerkonferenz müsse nun überlegen, wie sie ihn besser ausstatten könne.

(berlinonline.de)


Kommentar von ddp, 30. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 20.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3741

Ministerpräsidenten segnen Rechtschreibung ab

Zum neuen Schuljahr wieder einheitliche Regeln

Die endgültige Fassung der Rechtschreibreform kann jetzt von den Ländern an den Schulen umgesetzt werden. Die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer segneten auf ihrer Konferenz in Berlin die Schreibregeln ab, wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Donnerstag sagte. Es sei an der Zeit, die Reform in Kraft zu setzen.


Berlin (ddp). Die endgültige Fassung der Rechtschreibreform kann jetzt von den Ländern an den Schulen umgesetzt werden. Die Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer segneten auf ihrer Konferenz in Berlin die Schreibregeln ab, wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Donnerstag sagte. Es sei an der Zeit, die Reform in Kraft zu setzen. Die Änderungen seien eine «erhebliche Verbesserung», betonte er. Damit wird es erstmals seit der Reform von 1996 wieder eine deutschlandweit einheitliche Rechtschreibung geben. Damit die Änderungen am 1. August in Kraft treten können, müssen die Länder noch entsprechende Verordnungen erlassen.

Rüttgers und sein niedersächsischer Amtskollege Christian Wulff (CDU) betonten, es sei zu hoffen, dass über künftige Änderungen der Rechtschreibung nicht mehr die Politik entscheiden müsse. Wulff nannte die gesamte Diskussion um die Rechtschreibreform «ein Fiasko».

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte Anfang März den Änderungsvorschlägen des Rates für deutsche Rechtschreibung zugestimmt. Die Empfehlungen, darunter vor allem Regelungen zur Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Silbentrennung und Zeichensetzung, hatte der Rat unter Vorsitz des ehemaligen bayerischen Kultusministers Hans Zehetmair (CSU) in einem Zeitraum von rund einem Jahr ausgearbeitet.

Nach Ansicht von Wulff sollte die Politik die Kompetenz für die Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung künftig beim Rat für Rechtschreibung belassen. «Es ist viel Chaos angerichtet und bisher keines der Ziele der ursprünglichen Absichten erreicht worden», sagte er. Die Rechtschreibung sei nicht klarer und einfacher geworden, es gebe nicht weniger, sondern mehr Fehler. «Jetzt haben wir einen Kompromiss, bei dem zumindest die Richtung stimmt, um die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung annäherungsweise zu erhalten", fügte Wulff hinzu.

Die »orthographische Krise« ist nach Wulffs Ansicht damit aber nicht überwunden, der Rechtschreibfrieden noch nicht hergestellt. »Letztlich können wir nur hoffen, dass sich in den nächsten Jahren in der Arbeit des Rates für Rechtschreibung häufig die seit Jahrzehnten bewährte Rechtschreibung wieder durchsetzten wird«, sagte Wulff.

Die Brandenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche betonte, die ursprüngliche Rechtschreibreform sei »ein großer Fehler« und habe bisher in den Schulen und bei der Bevölkerung nur zu Verwirrung und Unsicherheit geführt. Zwar kranke auch die jetzige Reform an Ungereimtheiten, es sei aber richtig, die Korrekturempfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung zu beschließen, um den Zickzack-Kurs zu beenden.

(Online bei freiepresse.de, Fuldainfo)


Kommentar von Tagesspiegel, 31. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 20.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3740

Neue Rechtschreibung auf dem Weg
Rüttgers: Künftige Änderungen ohne die Politik / Länder einig bei Staatsreform

Berlin - Die Ministerpräsidenten der Länder haben am Donnerstag in Berlin die umstrittene Rechtschreibreform endgültig auf den Weg gebracht. „Das Thema wurde letztmals in diesem Kreis beraten“, kündigte Jürgen Rüttgers, Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz und Regierungschef von Nordrhein-Westfalen, an. Der CDU-Politiker hofft, dass für weitere Rechtschreibänderungen ein Verfahren gefunden werde, an dem die Politik nicht mehr beteiligt sein müsse. Rüttgers forderte, sich an anderen Ländern zu orientieren, in denen Rechtschreibung kontinuierlich verändert werde. Er betonte aber, das Ergebnis der Rechtschreibreform, die nun zum neuen Schuljahr gelte, bringe eine Verbesserung. [. . .]

(tagesspiegel.de)


Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.03.2006 um 19.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3739

"wissenschaftlich fundiert (Duden: begründet) und unter Einbeziehung gesellschaftlich relevanter (Duden: wichtiger) Personen". Soll das der bis 2010 berufene jetzige Rat sein oder neue Alibi-Personen hinzukommen? Die Mehrheitsverhältnisse im Rat sind jedenfalls längst festgelegt. Oder ist es nur eine neue Lüge?


Kommentar von netzeitung.de, 30. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3738

«FAZ» erwägt «Hausrechtschreibung»

Angesichts der Reform der Rechtschreibreform will sich auch die «FAZ» den neuen Regeln nicht gänzlich verweigern. Er selbst werde aber nie nach der neuen Rechtschreibung schreiben, sagte Herausgeber Nonnenmacher der Netzeitung.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ) erwägt die Einführung einer «Hausrechtschreibung». Das sagte FAZ-Herausgeber Günther Nonnenmacher am Donnerstag der Netzeitung. Die Ministerpräsidenten der Länder haben am Donnerstag erwartungsgemäß einer Reform der umstrittenen Rechtschreibreform von 1996 zugestimmt, die ab dem 1. August für Schulen und Verwaltungen gelten soll. Die Länder folgten dabei den Korrekturempfehlungen des Rates für deutsche Rechtschreibung. Inwieweit nun die Zeitung, die anders als die meisten anderen deutschen Tageszeitungen im Jahr 2000 zur alten Schreibweise zurückgekehrt war, die Änderungen übernimmt, wollen die Herausgeber in den kommenden Wochen entscheiden.

Ausschlaggebend für die «FAZ» sei, «was die Wörterbücher im Detail daraus machen», sagte Nonnenmacher. An seiner Haltung zur Reform habe sich nichts geändert, so der Herausgeber. «Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff hat etwas ganz Richtiges gesagt: Das Ganze ' ist ein ein[z]iges Fiasko'. Nur die Konsequenz, das abzustellen, hat er leider nicht gezogen.»

Nonnenmacher stört sich insbesondere an der so genannten etymologischen Rechtschreibung und daraus resultierenden Schreibweisen «wie gräulich mit ä. Das ist gräulich. Das werden wir nicht übernehmen.» Wahrscheinlich sei, dass für die Arbeit im Hause eine Wortliste mit Abweichungen von der reformierten Schreibung erstellt würde. «Wir werden eine Hausrechtschreibung einführen», kündigte er an.

Herausgeber und Literaturredakteure der «FAZ» würden die neuen Wörterbücher prüfen und beraten, in welchem Umfang die Zeitung der Rechtschreibreform folgt. Für ihn selbst stehe fest: «Ich werde in meinem Leben nicht mehr nach der neuen Rechtschreibung schreiben. Da bin ich mir ganz sicher», so Nonnenmacher.

Neben der «FAZ» war 2004 auch der Springer-Verlag («Bild», «Welt», «Hörzu») zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt. Dieser hatte Anfang März angekündigt, bis zum 1. August eine «reformkonforme Rechtschreibung» einzuführen.


(www.netzeitung.de)


Kommentar von Die Welt, 31. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3737

Ministerpräsidenten nicken Änderungen an Rechtschreibreform ab
Niedersachsens Regierungschef Wulff (CDU) moniert "Chaos" und verlangt Zurückhaltung der Politik – Neuer Staatsvertrag für Zulassung zu Medizinstudium

Berlin - Die Ministerpräsidenten der Länder haben bei ihrer gestrigen Konferenz in Berlin einstimmig Korrekturen an der Rechtschreibreform gebilligt. Bereits Anfang März hatte die Kultusministerkonferenz den vom Rat für deutsche Rechtschreibung empfohlenen Änderungen zugestimmt. Sie betreffen die Groß- und Kleinschreibung, die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Zeichensetzung und die Worttrennung am Zeilenende.

Die neuen Regeln sollen ab August in allen deutschen Schulen und Verwaltungen eingeführt werden. Während einer einjährigen Übergangsfrist sollen die Neuerungen bei der Notengebung noch nicht berücksichtigt werden. Nach Korrektur der umstrittenen Reform aus dem Jahre 1996 werden bundesweit wieder einheitliche Regeln im Unterricht gelten.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) forderte die Politik auf, sich in Zukunft aus der Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung herauszuhalten. Es sei "viel Chaos angerichtet" worden, sagte Wulff gestern in Hannover. Die gesamte Diskussion um die Reform sei "ein einziges Fiasko". Deutschland müsse in Zukunft auf den Rat für Rechtschreibung setzen. Die "orthographische Krise" sei trotz des jetzt gefundenen Kompromisses noch nicht überwunden.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung setzt derweil auf eine behutsame Weiterentwicklung der Schreibregeln. Das Gremium werde nach Abschluß der notwendigen Änderungen nun "ohne Aufgeregtheiten und Zeitdruck in eine neue Phase der Sprachbeobachtung" eintreten, sagte der Vorsitzende des Rates, Hans Zehetmair. In "ruhigem Fahrwasser" werde der Rat weitere, grundsätzliche Fragen der Rechtschreibung diskutieren und von Zeit zu Zeit "Anpassungen des orthographischen Regelwerkes vorschlagen", sagte der frühere bayerische Wissenschaftsminister.

Zehetmair bestätigte, daß der Rat für deutsche Rechtschreibung nach Abschluß dieser Arbeiten künftig in etwa die Rolle einnehmen werde, die bis 1996 der Duden Verlag innegehabt hatte. Eine Rückkehr zu dieser alten Regelung werde es nicht geben, sagte Zehetmair. Die Mitglieder des Rates seien bis 2010 gewählt.

Kritik an der gestrigen Entscheidung kam von der Forschungsgruppe Deutsche Sprache in Berlin. Mit der jetzt abgesegneten "Reform der Reform" sei die "orthographische Spaltung endgültig in die offizielle Schreibregelung eingezogen". So werde der nächste Duden an die 2000 "Varianten" aufführen, die Silbentrennung nicht eingerechnet. Es handele sich um eine "Orthographie des Sowohl-als-auch". Besonders hart geht die Forschungsgruppe mit den Auswirkungen an den Schulen ins Gericht. "Schüler machen in den von der Reform betroffenen Bereichen mehr Fehler denn je, Texte von Erwachsenen sind nur noch im Ausnahmefall fehlerfrei." In einem offenen Brief geloben daneben 20 deutsche Schriftsteller, ihre Bücher "weiter in der Schreibweise drucken zu lassen, die wir für richtig halten". [. . .]

(www.welt.de)


Kommentar von F.A.Z., 31. 3. 2006, S. 12, verfaßt am 30.03.2006 um 19.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3736

Ein Fiasko

Nm. [Günther Nonnenmacher] Der "Rat für deutsche Rechtschreibung" ist berufen worden, um die völlig mißglückte Rechtschreibreform von 1996 zu reformieren mit dem Ziel, "die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung . . . im unerläßlichen Umfang weiterzuentwickeln". An diesen Zielen gemessen, ist er gescheitert. Zwar wurde ein Teil des groben Unfugs aus dem Jahr 1996 verhindert, aber der Preis dafür sind immer mehr Varianten – von einer einheitlichen Rechtschreibung kann keine Rede mehr sein. Warum die Neuschreibungen in der jetzt von den Ministerpräsidenten verabschiedeten Reform der Reform "unerläßlich" sein sollen, bleibt das Geheimnis der Reformer. Für die Politik ging es nur noch darum, ein Projekt durchzuboxen, das irgendwann einmal begonnen wurde – niemand weiß oder versteht heute mehr, warum dies eigentlich geschah. Der Ministerpräsident von Niedersachsen, Wulff, beklagt "ein einziges Fiasko" und will die Politik aus der Weiterentwicklung der Rechtschreibung künftig heraushalten. Das sind richtige Einsichten. Die einzig richtige Konsequenz daraus wäre allerdings gewesen, das ganze Unternehmen abzublasen.

(www.faz.net)


Kommentar von F.A.Z., 31. 3. 2006, S. 1, verfaßt am 30.03.2006 um 19.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3735

Rechtschreibreform gebilligt

löw. [Stephan Löwenstein] BERLIN, 30. März. Die Regierungschefs der Bundesländer haben am Donnerstag in Berlin die Rechtschreibreform in der vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagenen Fassung gebilligt. Sie wird damit – nach einem weiteren Übergangsjahr – verbindliche und für Fehler relevante Schreibweise an den Schulen in Deutschland. Das gilt auch für Nordrhein-Westfalen, wo im vergangenen Jahr die "Umsetzung" der Reform zunächst ausgesetzt wurde, wie Ministerpräsident Rüttgers (CDU) mitteilte. Die Forschungsgruppe Deutsche Sprache, ein Zusammenschluß von Reformgegnern, äußerte die Sorge, "daß nunmehr die orthographische Spaltung endgültig" Einzug halte. Außerdem beschloß die Ministerpräsidentenkonferenz einen neuen Staatsvertrag für die Studienzulassung zu den Numerus-Clausus-Fächern Medizin, Psychologie, Pharmazie und Biologe. Das sei notwendig, damit kein "rechtsfreier Raum" bis zum etwaigen In-Kraft-Treten [!] der Föderalismusreform entstehe, sagte Rüttgers. Die Entscheidung über eine Fusion der Bundeskulturstiftung mit der Kulturstiftung der Länder, wie sie Staatsminister Neumann (CDU) vorgeschlagen hatte, ist hingegen auf Wunsch der unionsregierten Länder vertagt worden.


Kommentar von faz.net, verfaßt am 30.03.2006 um 17.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3734

Lesermeinungen zum Beitrag

Das war zu erwarten
Dr. Uwe Kühneweg (kuehneweg)
30.03.2006, 16:28
Nun also wird zurückreformiert, das war zuletzt zu erwarten, aber vor zehn Jahren hätte man erstaunt den Kopf geschüttelt. Von echter Weitsicht und wahrem Mut hätte allerdings gezeugt, diese ganze "Reform" nunmehr einfach zurückzunehmen und zu den bewährten Regeln zurückzukehren.
Was bleibt von der hochgelobten und doch ungeliebten, vielgeschmähten Rechtschreibreform? Am Ende sehr wenig: Die Regel "ss nach kurzem Vokal", gegebenenfalls drei gleiche Konsonanten, ein paar Kommata weniger, eine Wörterliste mit einigen widersinnigen Neuschreibungen ("behände", "Stängel" usw.), vor allem aber mit wieder oder neu eröffneten orthographischen Möglichkeiten, die die Verwirrung eher noch steigern. Weniger Regeln, mehr Variationsbreite, schlechtere Lesbarkeit regelkonform erzeugter Texten, das ist die Frucht einer jahrzehntelangen Kommissionsarbeit - zugleich ein Sinnbild für den Zustand unseres Staates und seiner Reformbemühungen überhaupt.
Alles in allem trägt dieses Reformwerk nicht dazu bei, die deutsche Schriftsprache zu vereinfachen. Aus eigener Lehrer-Erfahrung kann ich nur sagen: Schüler machen keineswegs weniger Fehler, kamen vielmehr z.B. mit dem Wort "daß" früher besser zurecht als heute mit "dass". (Vielleicht liegt es an dem stärkeren optischen Unterscheidungsmerkmal, das das "ß" bildet?) - Wie auch immer: Daß namhafte Schriftsteller bei der bewährten Rechtschreibung zu bleiben gedenken, ist ein gutes Signal. Hoffentlich bleibt auch die FAZ dabei.

Die Reform ist tot. Requiescat in pace!
Gerhard Duennhaupt (dunnhaupt)
30.03.2006, 16:00
Nach zehnjaehriger kostspieliger Experimentiererei sind wir nun also wieder am Anfang angelangt: Alles bleibt beim Alten (wer schreibt da noch "alten"?).

Unsere italienischen Nachbarn haben ein auszezeichnetes Sprichwort, das man sich verschiedenenorts hinter die Ohren schreiben sollte: "Se non e rotto, non si tocca."
Was nicht kaputt ist, sollte man nicht reparieren!

Na also - geht doch: Zurück zur klassischen Rechtschreibung!
Bernhard Finge (BernhardFinge)
30.03.2006, 15:08
Irgendwann wird die deutsche Sprache wieder da angekommen sein, wo sie schon mal war, denn eine bessere Rechtschreibung als die von 1901/1902 gibt es nicht, insbesondere dann nicht, wenn sogenannte Experten am Werk waren. Unter meinen Schriftstücken steht:
Dieser Text entspricht den seit 1901 gültigen Rechtschreibregeln.
Nach der sogenannten Neuen Rechtschreibung ist wegen der vielen Varianten, möglichen Unklarheiten und Regelwidersprüche und wegen des Fehlens eines verläßlichen Bezugswerkes ein fehlerfreies Schreiben nicht möglich.
Verwenden Sie gerne diesen Text oder modifizieren Sie ihn nach Ihrem Geschmack!

Rolle rückwärts.
Niko Akathari (NikoA)
30.03.2006, 13:44
Die Ministerialen beschließen sich da seit Jahren etwas zusammen, daß es - wäre es nicht so ernst - nur komisch anmuten könnte. Aber wenigstens geht es jetzt in die richtige Richtung. Am Ende hat die deutsche Sprache 10 Jahre verloren. Aber so ist das mit der Politik: Immer ein Verlustgeschaft für alle anderen.


(www.faz.net)


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2006 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3733

Zehetmair kennt doch nun seinen Rat, und er weiß auch, zu welchem Zwecke er erfunden worden ist. Außerdem hat er selbst dazu beigetragen, daß der Rat zuletzt übergangen und kaltgestellt wurde und die Wörterbuchredaktionen den Rest erledigten. Wie kann er glauben, dieser Rat werde in Zukunft die Rolle der Dudenredakton einnehmen? Die Dudenredaktion macht Wörterbücher, das ist seit je ihre Hauptaufgabe. Der Rat macht keine Wörterbücher und kann es auch gar nicht, der bloße Gedanke daran ist absurd. Weiß Zehetmair überhaupt noch, was er daherredet? Warum wird er nicht von Journalisten in die Zange genommen?


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2006 um 17.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3732

Das Bundesverfassungsgericht hält die Politiker für zuständig, weil die Korrektur von Fehlentwicklungen der Sprache ein Gemeinwohlbelang ist. Schon Leo Weisgerber war ja der Ansicht, der Staat müsse einschreiten, wenn die Sprachgemeinschaft der Pflicht nicht nachkommt, ihre Sprache in Ordnung zu halten. So etwas kann hierzulande geäußert werden.
Die Politiker selbst darf man gar nicht fragen, die fühlen sich für alles zuständig.


Kommentar von Deutschlandradio Kultur, verfaßt am 30.03.2006 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3731

Das Interview mit Iris Hanika auf DLR Kultur steht nun zum Herunterladen über eMule und das ed2k-Netzwerk bereit (Installation der betreffenden Programme vorausgesetzt). Ein Ausschnitt aus der Berichterstattung, ohne Hanika, hier.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 30.03.2006 um 15.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3729

Der Tagesspiegel wählt als Überschrift „Korrektur der Korrektur“ – immerhin.


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 30.03.2006 um 15.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3728

Die Appelle an die MPK waren ehrenwert, wenn auch vorhersehbar wirkungslos. Darauf kommt es aber auch gar nicht so sehr an. Wichtig ist, daß die Stimmen der Kritiker und Verweigerer hörbar bleiben. - Fragte man einen Besucher vom Mars, nachdem er in die deutsche Rechtschreibung eingeführt wurde, welche Instanz er wohl für Begründung und Normierung als zuständig ansehe - würde er je ausgerechnet auf Ministerpräsidenten oder überhaupt Politiker kommen? Was mögen die Herren denken, wenn sie solche Beschlüsse fassen? Beschleicht sie auch nur eine Ahnung ihrer totalen Unzuständigkeit und Inkompetenz? Sie wissen nicht, was sie tun, wollen es nicht wissen und dürfen trotzdem nicht aus der Verantwortung wegen mildernder Umstände entlassen werden.An der Suppe werden sie weiter zu löffeln haben, ob sie wollen oder nicht .


Kommentar von tagesschau.de, 30. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3727

Korrigierte Rechtschreibreform gebilligt
Einheitliche Regeln oder das Ende der Verzweiflung

Nach jahrelangem Hin und Her scheint es nun geschafft. Vom 1. August an sollen in deutschen Schulen wieder einheitliche Schreibregeln gelten. Dies sieht der Beschluss der Ministerpräsidenten aller Bundesländer vor. Einstimmig billigten sie die Änderung der umstrittenen Rechtschreibreform von 1996. Die Korrekturen waren vom Rat für deutsche Rechtschreibung in einjähriger Arbeit erstellt worden.

Keine Angst vor Fehlern

Für die Änderungen gilt eine einjährige Übergangsfrist. Abweichungen von den neuen Schreibweisen sollen von den Lehrern als falsch markiert, nicht aber als Fehler gewertet werden.

Öfter groß und zusammen

Nach den Korrekturen der Rechtschreibreform soll künftig wieder mehr zusammengeschrieben werden - vor allem dann, wenn ein einheitlicher Wortakzent vorliegt. Bei feststehenden Begriffen wie "der Blaue Brief", "der Runde Tisch", "das Schwarze Brett" soll wieder "dem allgemeinen Schreibgebrauch" gefolgt und groß geschrieben werden.

Reformgegner finden keinen Frieden

Den Gegnern der Rechtschreibreform gehen die Korrekturen immer noch nicht weit genug. So erklärte der Verein für deutsche Rechtschreibung: "Mit diesem angeblichen Kompromiss kann kein Rechtschreibfriede erreicht werden." Auch nach der Reform der Reform blieben "innere Widersprüche", die umfassendere Korrekturen verlangten. Der Verein plädiert deshalb für eine "Rückkehr ins vertraute und vor allem funktionsfähige Heim der bewährten Schreibweisen" vor 1996.

(www.tagesschau.de)


Kommentar von Spiegel online, 30. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 14.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3724

RECHTSCHREIBREFORM

Länderfürsten beschließen Korrekturen

Zehn Jahre und ein Ende? Die seit 1996 umstrittene Rechtschreibreform wird zum hoffentlich letzten Mal geändert. Die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen heute einstimmig die vom Rat für deutsche Rechtschreibung durchgesetzten Korrekturen.


Berlin - Ab 1. August, mit Beginn des neuen Schuljahres, sollen nun wieder bundesweit einheitliche Schreibregeln im Schulunterricht gelten. Für die heute von den Länderfürsten einstimmig abgesegneten Änderungen der Rechtschreibreform gilt eine einjährige Übergangsfrist. Abweichungen von den neuen Schreibweisen sollen von den Lehrern als falsch markiert, nicht aber als Fehler gewertet werden.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hatten die letzten Korrekturen der heftig umstrittenen Reform in einjähriger Arbeit zusammengestellt und Anfang März der Kultusministerkonferenz vorgelegt , die den Vorschlägen zustimmte. Mit dem heutigen Beschluss der Ministerpräsidenten könnte der zehnjährige Streit nun endlich beigelegt werden.

Den Gegnern der Rechtschreibreform gehen die Korrekturen allerdings immer noch nicht weit genug. "Mit diesem angeblichen Kompromiss kann kein Rechtschreibfriede erreicht werden", hieß es heute in einer Erklärung des Vereins für deutsche Rechtschreibung. Auch nach der Reform der Reform blieben "innere Widersprüche", die umfassendere Korrekturen verlangten. Der 1997 gegründete Verein plädiert deshalb für eine " Rückkehr ins vertraute und vor allem funktionsfähige Heim der bewährten Schreibweisen", die vor 1996 gegolten haben.

bor/dpa

(www.spiegel.de)


Kommentar von finanzen.de, 30. 3. 2006, verfaßt am 30.03.2006 um 14.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3723

Kurt Beck hält Streit über Rechtschreibung für nicht zeitgemäß

Berlin (AP) Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hält den jahrelangen Streit über die Rechtschreibreform für nicht mehr zeitgemäß. Er hoffe, dass jetzt auch die Ministerpräsidenten der Reform zustimmten, sagte Beck am Donnerstag in Berlin vor Journalisten. «Ich muss Ihnen ehrlich sagen, ich kann es nicht mehr hören. Es ist wirklich ein Anachronismus, was man sich da geleistet hat.»

Die Ministerpräsidenten der Länder wollen auf ihrer Konferenz (MPK) die Rechtschreibreform endgültig billigen. Die Kultusministerkonferenz hatte den vom Rat für deutsche Rechtschreibung empfohlenen Änderungen bereits Anfang März zugestimmt.

Die geplanten Änderungen der Rechtschreibreform betreffen die Groß- und Kleinschreibung, die Getrennt- und Zusammenschreibung, die Zeichensetzung und die Worttrennung am Zeilenende. Die neuen Regeln sollen ab August in allen deutschen Schulen und Verwaltungen eingeführt werden. Während einer einjährigen Übergangsfrist sollen die Neuerungen bei der Notengebung noch nicht berücksichtigt werden.

Weitere Themen der MPK sind unter anderen die Föderalismusreform, Überlegungen für eine gemeinsame Kulturstiftung von Bund und Ländern sowie die Studienplatzvergabe.

(www.finanzen.de)


Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 30.03.2006 um 14.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3722

Wenn das genau so gesagt wurde, darf jetzt ein Jahr überhaupt gar kein Fehler gewertet werden! Ist doch prima, das wird sich an den Schulen schnell rumsprechen.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2006 um 13.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=449#3721

Als Faust aufs Auge titelt die Mitteldeutsche Zeitung gleich sehr passend: "In Zukunft geht man wieder 'Eislaufen'". So wird es kommen. Die einjährige Übergangszeit wird den Politikern Gelegenheit geben, sich genauer anzusehen, was sie angerichtet haben - unter anderem eine Sprachspaltung.
Bezeichnenderweise wußte alle Welt schon, daß kein anderes Ergebnis zu erwarten war. Die großen Wörterbuchverlage sind ja mit der Arbeit praktisch fertig, Duden verkündet seit Wochen auf seiner Homepage, daß die Empfehlungen von "den" politisch zuständigen Stellen gebilligt worden seien usw. Nun warten wir die neuen Wörterbücher ab und besichtigen dann die Zehetmair-Eisenbergsche Neuschreibung, von der weder Kultusminister noch Ministerpräsidenten wissen wollten, wie sie eigentlich aussieht.



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