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15.02.2006
 

„Bollwerk“ bricht nicht
Schirrmacher dementiert

dpa bringt eine »Schirrmacher-Klarstellung«.

»[...] FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher betonte am Mittwoch jedoch zugleich, seine Zeitung sehe derzeit keinen Anlass, von ihrer bisherigen Schreibung abzugehen.« Die positiven Äußerungen über Zehetmair und seine Arbeit »seien jedoch nicht als Ankündigung eines Schwenks der FAZ zu verstehen, sagte er dpa. Vielmehr fühle sich die Zeitung dadurch bestätigt, dass Zehetmair und der Rat in vielen Punkten zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt seien.« dpa zitiert: »Wir werden in Ruhe prüfen, was jetzt noch alles kommt.« Möglicherweise werde die FAZ zu einem späteren Zeitpunkt einzelne Neuerungen übernehmen.



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Kommentare zu »„Bollwerk“ bricht nicht«
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Kommentar von R. M., verfaßt am 17.02.2006 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2967

Die Ente gebracht haben Welt, Berliner Morgenpost und Hamburger Abendblatt (ausgerechnet), Tiroler Tageszeitung, Badische Zeitung, Tagesspiegel, Hannoversche Allgemeine. In der HAZ steht heute das Dementi. Die Rheinische Post und die Leipziger Volkszeitung hatten es schon in ihre Meldungen integriert. Für den Rheinischen Merkur selbst kam es natürlich zu spät. Er wird in der Nacht vom Dienstag auf den Mittwoch gedruckt.


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 16.02.2006 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2965

Wie stets nach Interviews des Vorsitzenden bleibt eine gewisse Ratlosigkeit, ein zwiespältiger Eindruck. So verstehe ich z.B. nicht das Beispiel "gang und gäbe". Hält Herr Z. das für falsches Deutsch? - Die Arbeit der Kommission als "kein Ruhmesblatt für die Politik" zu bezeichnen, trifft es nicht ganz. Sie war zunächst einmal kein Ruhmesblatt für die Kommission selbst. Der Sündenfall der Politik bestand in der völlig überhasteten, unbedachten Einführung der Reform in den Schulen. - Daß die Politik sich in Zukunft aus der Regelung der Rechtschreibung strikt heraushalten solle, hört sich gut an. Darüber soll nicht vergessen werden, daß die Politik doch noch einmal, ein einziges Mal tätig werden muß: in der Abschaffung der reformierten Orthographie in der Schule. - Am Schluß wird es noch einmal interessant, wenn Herr Z. vorsichtig die Möglichkeit eines Rechtschreibrates völlig anderer Zusammensetzung andeutet. Nur: Wer soll den etablieren? Die KMK doch bestimmt nicht. Schon der jetzige, in seiner großen Mehrheit linientreue hat ihr doch die eine oder andere unangenehme Überraschung bereitet.


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 16.02.2006 um 08.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2964

Ein Kultusminister a.D. spricht

Herr Z. kann sich einfach nicht vorstellen, daß Printmedien sich über Jahrzehnte einer andereren Rechtschreibung als die Schule bedienen. Das Umgekehrte, daß die Schule wieder zur allgemein üblichen Rechtschreibung findet, ist für einen ehemaligen Kultusminister, der sich schon in seiner ersten Antwort als Auftragnehmer der KMK sieht, wohl völlig undenkbar. – Könnte das Verquere der kultusbürokratischen Denkweise besser illustriert werden?


Kommentar von jms, verfaßt am 16.02.2006 um 08.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2963

Was Herr Zehetmair im Merkur-Interview sagt, ist angesichts der Situation klug und taktisch meisterhaft. Wenn die Politik sich künftig tatsächlich heraushält, kann der Rat mit kompetenten Leuten in Ruhe weitermachen. Wenn die FAZ und Springer bei ihrer Linie bleiben, ebenso die Schriftsteller und Verlage, wird in ca. 5 bis 10 Jahren ohne großes Getöse die gesamte Rückumstellung vollzogen sein. Aber es gilt die Devise: weiter wachsam bleiben. Es gibt noch viel zu tun.


Kommentar von UMR, verfaßt am 16.02.2006 um 01.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2962

Auch Beschwerden beim Rheinischen Merkur wären angebracht. 0228/ 884-0


Kommentar von Karl-Erich Kreuter, verfaßt am 16.02.2006 um 01.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2961

Ich stimme Herrn Wagner zu. Das Dementi der FAZ ist nicht entschieden genug. Daß Berichte über einen Schwenk „nicht den Tatsachen entsprechen“ gibt nur den gegenwärtigen Sachstand wieder. Die Redaktion hat über den künftigen Kurs der Zeitung in Sachen Orthographie noch nicht abschließend befunden. Eine deutliche Klarstellung dazu wäre wünschenswert – auch als Signal an Springer und die Buchverlage.


Kommentar von Mika Sander, verfaßt am 16.02.2006 um 00.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2960

R. M.: "Wenn auch nur die Hälfte unserer Mitleser die F.A.Z. in ihrer Haltung bestärkte, wäre das übrigens auch hilfreich."

Ich habe, kaum daß ich die Meldung gelesen hatte, zum Telephon gegriffen und bei der F.A.Z. angerufen. Ich habe deutlich gemacht (im Vorzimmer von Frau Schmoll?), daß bei einer Umkehr die Glaubwürdigkeit der F.A.Z. in jeder Hinsicht beim Teufel wäre; daß es eine Desavouierung aller Autoren und aller Beiträge wäre, die bisher zum Thema Reform bei der F.A.Z. erschienen sind; daß die F.A.Z. gar nicht anders könne, als bei ihre seriösen Haltung zu bleiben - aus Verantwortung gegenüber der deutschen Schriftsprache.

Ich hatte den Eindruck, daß ich nicht der erste Anrufer war.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 15.02.2006 um 23.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2959

Es reichte die Ankündigung von SPIEGEL und Süddeutscher, rückumstellen zu wollen – und viele dachten über Monate hinweg, sie hätten es wirklich getan. Deshalb habe ich für eine klare Kante plädiert.

Die F.A.Z. in ihrer Haltung zu bestärken, ist unabhängig davon natürlich sehr wertvoll.


Kommentar von R. M., verfaßt am 15.02.2006 um 23.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2958

Es wäre der F.A.Z. möglich gewesen, auf professionellere Weise ihre Position kundzutun, aber immerhin hat sie es getan, und damit können wir vorläufig zufrieden sein. Eine Prüfung der Zehetmairschen Vorschläge ergibt geradezu zwangsläufig ihre Untauglichkeit. Die FDS ist bei der Prüfung behilflich.

Wenn auch nur die Hälfte unserer Mitleser die F.A.Z. in ihrer Haltung bestärkte, wäre das übrigens auch hilfreich.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 15.02.2006 um 23.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2957

Das Dumme daran ist aber, daß die Reformbefürworter nun losziehen und damit Werbung machen können, daß ja sogar die F.A.Z., deren Position wohlbekannt ist, bereit zu sein scheint, sich mit den Ratsvorschlägen anzufreunden – ganz egal, wie sie sich wirklich entscheiden wird: Wenn erst einmal diese Stimmung erzeugt ist, wer will dann noch an der herkömmlichen Schreibweise festhalten? Päpstlicher als der Papst geht nicht, und wenn der (in Gestalt der F.A.Z.) mitmacht, dann machen die anderen auch mit.

Es bedarf jetzt rasch eines sehr, sehr deutlichen Gegenkurses seitens der F.A.Z., um dieses falsche Bild zum Verschwinden zu bringen, damit die Stimmung nicht doch noch in die falsche Richtung kippt.

Nochmal: Es geht hier um eine Entscheidung in und anhand einer bestimmten Stimmungslage, und da genügt das jetzige Dementi nicht – eine positive Aussage bleibt eine positive Aussage, und das allein ist für die Stimmung relevant.

Die Materie ist doch so kompliziert geworden, daß keiner mehr durchblickt, der sich nicht monate- wenn nicht gar jahrelang akribisch damit beschäftigt hat. Da kann man nicht erwarten, daß eine faktenbasierte Entscheidung getroffen wird. Allen hängt das Thema zum Hals heraus, und da braucht nur einer das falsche Signal zu geben, um etwas völlig Absurdes in Gang zu setzen. Erst wenn seitens der F.A.Z. ganz klar gesagt wird, daß das meiste, was der Rat abgeliefert hat, Mist ist (und vor allem ist der größte Mist bei dem zu suchen, was er nicht bearbeitet hat), und daß das wenige Gute demgegenüber vernachlässigbar ist, erst dann werden alle anderen glauben, daß die F.A.Z. es wirklich ernst meint.


Kommentar von R. M., verfaßt am 15.02.2006 um 22.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2956

Das Dementi ist nun auch in den Vorspann zu dem Gespräch mit Zehetmair eingeflossen, der Auslöser der ganzen Verwirrung war.


Kommentar von jms, verfaßt am 15.02.2006 um 18.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2954

Die FAZ ist die einzige Zeitung, die seriös über die Rechtschreibreform informiert und gute Gründe dafür genannt hat, sie nicht mehr anzuwenden. Auch die jetzigen Änderungsvorschläge des Zehetmair-Rates sind keine Lösung, die langfristig Bestand haben wird. Der Glaubwürdigkeitsverlust für die FAZ bei einem jetzigen Umschwenken wäre ungleich schlimmer als bei anderen Zeitungen. Man denke nur an die vielen Leserbriefe gegen die gerade durchgeführten, relativ marginalen Veränderungen des Layouts, etwa wegen des Auftauchens roter Farbe. Man kann sich vorstellen, welcher Sturm der Entrüstung bei der Übernahme etwa des "dass" oder der "Schifffahrt" über die Redaktion hereinbräche. Herausgeber und Redaktion sind gescheit genug um zu wissen, daß sie ihren Lesern verpflichtet sind und nicht Herrn Zehetmair, den Kultusministern und schon gar nicht den Bertelsmännern. Oder wollen sie das Schicksal von ZEIT, Süddeutscher Zeitung oder SPIEGEL teilen, von gebildeten Lesern als Qualitätszeitung nicht mehr ganz ernst genommen werden zu können?



Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2006 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=404#2949

Vielleicht war das Ganze nur ein Versuchsballon, mit dem die Stimmung getestet werden sollte. Das Ergebnis ist eindeutig, bei der FAZ standen seither die Telefone nicht mehr still. Die FAZ und Springer können nichts gewinnen, wenn sie kippen, sondern nur verlieren. Die Leute sind heute der Reformschreibung eher noch überdrüssiger als vor sieben Jahren.

Zehetmairs Leistung wird überschätzt, das wird sich aber noch deutlicher zeigen, je mehr die Empfehlungen des Rates bekannt werden. Wäre die Revision von 2004 ins allgemeine Bewußtsein gedrungen, würde man sofort sehen, daß Zehetmair fast gar nichts erreicht, aber vieles noch schlimmer gemacht hat, vor allem was die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten betrifft. Er hat den Interessenvertretern ein Forum geboten und ihnen viel zuviel Macht gegeben.



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