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11.02.2006
 

Glottochronologie
Wie alt ist das Indoeuropäische?

Über die Gestalt der gemeinsamen Ursprache der meisten europäischen und nordindischen Völker sind sich die Forscher in den Grundzügen einig.

Auf welchem Wege sie nach Europa gelangte und mit welchen Methoden ihr Alter zu bestimmen sei, ist hingegen weiter umstritten, wie die Welt berichtet.



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Kommentare zu »Glottochronologie«
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Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 13.02.2006 um 14.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=400#2930

Aus Die Welt, 11.02.2006:
Der Chicagoer Indogermanist Darden hat eine andere Lösung. Er schlägt vor, Wörter für praktische Gegenstände wie das "Rad" mit deren Auftreten in den archäologischen Funden in Beziehung zu setzen. Tatsächlich gelten die Wörter für das Rad in den indogermanischen Sprachen mit Ausnahme von Anatolisch als verwandt, es heißt etwa "chakras" in Sanskrit und "kuklos" im Griechischen. Das Rad ist nicht eher als vor 6000 Jahren erfunden worden. "Deshalb können sich die Sprachen unmöglich davor getrennt haben", sagt Darden.

Alter und Stammbaum der menschlichen Sprachen mit quasi-genetischen Methoden zu bestimmen, ist eine schöne Vorstellung - wohl eine zu schöne, um wahr zu werden: Der Zeitraum seit der Ankunft des modernen Menschen in Europa ist relativ kurz, die Entwicklungsgeschwindigkeit von Sprachen zu unterschiedlich, um sich in dieser kurzen Zeit wieder zu nivellieren bzw. zu einer durchschnittlichen Geschwindigkeit verallgemeinern zu lassen (vgl. etwa das Isländische), und sprachliche Interferenzen lassen sich rückblickend kaum noch feststellen und berücksichtigen. Ich bin also skeptisch, lasse mich also aufgrund meiner Neugier gerne eines Beßren belehren.

Widersprechen möchte ich der Schlußfolgerung, jene Sprachen, die sich verwandte Wörter für das 'Rad' teilen, könnten sich unmöglich vor der Erfindung des Rades (vor frühestens 6000 Jahren) getrennt haben: Wörter werden meist nicht zusammen mit Gegenständen erfunden, sondern von anderen Wörtern abgeleitet. Um im Bild zu bleiben: Den "Wagen" gab es lange vor der Erfindung des Autos, und auch ge"fahren" sind wir schon Jahrhunderte vorher. Die Metapher ist ein mächtiger Motor der Bedeutungsentwicklung, und naheliegende Metaphern können auch parallel in schon getrennten Sprachen auftreten - in der Evolutionsbiologie nennt man das "Konvergenz". Außerdem finden Lehnbedeutungen ebenso wie gänzlich neue Wörter unter mobilen Steppenvölkern ideale Wanderungsbedingungen.



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