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18.11.2005
Nicht du mußt – ES muß schreiben
Microsoft weiß es besser

Als Rechtschreibung der Zukunft, meint der Wirtschaftswissenschaftler Gert Wagner, wird das übrigbleiben, was die Rechtschreibprüfung von Microsoft Word nicht beanstandet.

Je nun. Orthographie ist für Wagner reine Gewöhnungssache, richtig ist alles, was nicht ungewohnt erscheint, und wenn nur Word weiß, »in welchen Fällen man "ss" schreibt und in welchen "ß"«, dann reicht das.

Von wem aber weiß es Word? Wer legt fest, nach welchen Regeln das Programm korrigiert und nach welchen nicht? Darüber macht Wagner sich in seinem merkwürdig zerstreuten Artikel keine Gedanken. Als ob es nicht eben darum ginge.



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Kommentare zu »Nicht du mußt – ES muß schreiben«
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Kommentar von Wetzlarer Neue Zeitung, verfaßt am 02.09.2006 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#4792

Wetzlarer Neue Zeitung, 28. August 2006, S. 9

Unter der Überschrift "Schreiben nach neuen Regeln" berichtet die Zeitung unter anderem:

"Besser als Schüler, die ihre Aufsätze und Diktate ohne Wörterbücher schreiben müssen, haben es die Bediensteten der Kreisverwaltung in Wetzlar. Stadt-Pressesprecherin Barbara Bayani sagt. 'Die Rechtschreibhilfe unseres Textverarbeitungsprogramms zeigt mögliche Fehler rot unterkringelt an.' Darüber hinaus würden Bescheide und viele Standardbriefe gar nicht mehr frei formuliert, sondern mit Hilfe fertiger Textbausteine verfasst. Auch die Kreisverwaltung setze auf eine computergesteuerte Rechtschreibhilfe, die mögliche Fehlerquellen rot markiert: 'Die roten Kringel auf dem Bildschirm helfen sehr gut, sich zu erinnern, wie das Wort richtig geschrieben wird', sagt eine Mitarbeiterin."

 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 28.11.2005 um 16.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2384

Warum richtet WORD so etwas nicht? Sparen Werbeagenturen am falschen Ende?

War eben einkaufen, nahm eine Flasche Haarpflegemittel zur Hand. Las: „… das Haar läßt sich leichter kämmen …“ Aha.
Nichts Aha. Drei Zeilen darunter in Fettdruck: „Für regelmässige Anwendung.“

Nach der Rechtschreibung von vor 1996 ein s-Fehler, nach der neuen gleich zwei. Volltreffer!

 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 26.11.2005 um 09.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2366

Dem Beitrag von Prof. Gert G. Wagner in der taz kann man auf weiten Strecken sogar etwas abgewinnen. Der Karren ist so verfahren, daß es wirklich am vernünftigsten wäre, sich den staatlichen Normierungs- und Änderungsversuchen der Orthographie endlich zu verweigern und - von beiden Seiten - Toleranz gegenüber der s-Schreibung zu üben. Dann könnte sich mit der Zeit herausbilden, was Chr. Schäfer so richtig betont, die Frage nach besser oder schlechter (lesbar). Dies ist nämlich die einzige Frage, die zu sinnvollen Schreibweisen führt. Ein Kulturbruch, wie er zweifellos durch die Heysesche s-Schreibung provoziert wird, könnte ebenfalls abgemildert werden, wenn in den Schulen weiterhin „daß“ geschrieben werden darf, neben „dass“. Der Inhalt des elterlichen Bücherschranks muß dann nicht mehr gemieden werden. Unsere öffentlichen Büchereien bleiben aktuell.
Richtig ist, daß der Computer das Schriftbild der Schreibenden stark beeinflußt. Doch niemand kann in die Zukunft schauen. Niemand weiß, welches Schreib- und Leseverhalten sich aus dem maschinellen „Geschriebenwerden“ entwickelt. Es wird etwas Neues entstehen, aber was es ist und ob es sich im Sinne der Höherentwicklung unserer Kultur bewährt, kann niemand vorhersagen.

In der Gegenwart haben wir eine unglückliche Situation. Wie befreiend wäre es, wenn Deutschland als ersten Schritt aus der selbstverordneten Agonie durch bürokratischen Überregulierungswahn die amtliche Anmaßung der Rechtschreibbevormundung hinter sich ließe! Das hätte u. U. Signalwirkung auf andere Bereiche gesellschaftlichen Lebens.

 

Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 26.11.2005 um 00.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2364

Inhaftnahme: „LehrerInnen sind Ese“ (ein Glößchen)

Als Lehrer – selbst in weiblicher Ausprägung – wäre es mir niemals in den Sinn gekommen, unser an Rohstoffen armes Wirtschaftssystem zu schwächen. Schließlich war mir eine Art von patriotischer/patriarchalischer oder materieller/matriarchalischer Verpflichtung zueigen.

Gleichwohl dachte ich auch nach – und hätte das sicherlich auch in der „Innen-Form“ gemacht – über ein angemessenes Entgelt, über Werthaltigkeit, letztendlich über staatsübergreifende Gerechtigkeit. Und selbst über Kapazitäten, die durch Bildung erreicht werden können, hatte und hätte ich mir Gedanken gemacht.
Dabei empfinde/hätte empfunden und empfand ich es bereits als ungerecht, daß ein Individuum der nördlichen Hemisphäre übervorteilt wird, schon alleine deshalb, weil es der „Bildung“ nicht ausweichen kann. (Der Zwang zum Bildungsgehalt zählt hierzulande offensichtlich mehr als jegliche freie und persönliche Entfaltung und Selbsterfahrung.)

Den Ausweg aus jenem pädagogischen Dilemma muß ein weiblicher oder männlicher Erzieher im übrigen jeweils selbst finden. Hier gibt es nur die Kategorien „kalt“ oder „heiß“. Die Kategorie „lauwarm“ führt den Lehrerberuf dagegen ad absurdum.
Denn:
- Als Lehrer/In kann ich vorwiegend auf den Leistungsgedanken setzen (das ist scheinbar ungerecht gegenüber denjenigen, die verminderte individuelle Entwicklungsmöglichkeiten besitzen).
- Als Lehrer/In kann ich vorwiegend auf den Entwicklungshelfergedanken setzen (das ist mutmaßlich ungerecht gegenüber denjenigen, die vermehrte individuelle Entwicklungsmöglichkeiten besitzen.)
- Als Lehrer/In kann ich meine Entscheidung delegieren auf eine andere, angeblich höher angesiedelte Dienststelle (das ist ungerecht gegenüber dem eigenen – in dieser Angelegenheit ausschließlich kompetenten Neutrum: „Dienstgrat/Rückgrat“).

Sobald ich allerdings innerhalb des pädagogischen Personals mein innerpersönliches Dilemma nicht eigenständig löse, bleibe ich ein imitationsunwürdiges (jedoch von Staats wegen förderungswürdiges) „Es“.

 

Kommentar von nos, verfaßt am 25.11.2005 um 13.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2351

Es ist verfügt: "Es muß schreiben!"


Am Mittwoch, 23. November 2005, führte Günther Jauch in seiner Sendung „Stern TV“ (RTL) ein bürokratisches Musterbeispiel vor, das an Absurdität kaum zu überbieten ist.
Jauch präsentierte einen Schüler, der im sog. „Blindschreiben“ außerordentliche Fähigkeiten entwickelt und bei durchschnittlich 400 Anschlägen/Minute nahezu fehlerlose Ergebnisse liefert.

Die Leistungen jenes Schülers, der im Laufe der Sendung zu einem Schreibvergleich gegen eine mehrjährig praktizierende Chefsekretärin antrat – (... diesen Vergleich sowohl bezüglich der Anschlagsmenge als auch der Fehlerzahl haushoch für sich entschied) – wurden von seiner derzeitigen Lehrkraft mit der Beurteilung „ungenügend“ bewertet, wobei diese Beurteilung in einem ersten gerichtlichen Verfahren als rechtmäßig bestätigt wurde.

Sinngemäße Begründung für die Beurteilung und das nachfolgende Urteil: „Der Lehrplan schreibt das Zehnfinger-Tastschreiben vor. Der Schüler hingegen schreibt lediglich mit vier Fingern. Somit erfüllt er nicht die notenrelevanten Vorgaben.“

Schön zu wissen, daß der Schüler in Zweiter Instanz sein Recht einzuklagen versucht, denn gegen die Borniertheit der Ministerialbürokratie scheinen nur die Kräuter „Zivilcourage“, „Effektivität“ und „Außergewöhnlichkeit“ gewachsen.
(Die Sendung wurde ausgestrahlt am 23.11.05, von 22.15 bis 24 Uhr. Sie trug den Code 789-217).


 

Kommentar von taz, 26.7.2005, verfaßt am 25.11.2005 um 12.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2350

»"Word" wird's schon richten
Die große Rechtschreibreform war überflüssig. Die Schüler wären auch mit den alten Regeln weiter zurechtgekommen. Und als Erwachsene schreiben sie sowieso anders - nämlich wie Microsoft will
VON GERT G. WAGNER


Wenn Schüler keine Noten in Rechtschreibung bekämen, wäre die Sache mit der Orthografie ganz einfach: Für Millionen von Menschen sind im Alltag die gültigen Rechtschreibregeln schlicht und einfach diejenigen, die der automatischen Rechtschreibprüfung des Textverarbeitungsprogramms "Word" zugrunde liegen. Was "Word" nicht moniert, wird akzeptiert. Dies gilt auch für professionelle Handwerker des Schreibens - vermutlich nicht nur für den Autor dieses Artikels.

Wer "Word" benutzt, muss sich keine Gedanken machen, in welchen Fällen man "ss" schreibt und in welchen "ß". Auch das Auseinander-Schreiben von Worten ist kein Problem: "Word" motzt - oder auch nicht.

Über die Probleme, die der Rat für Rechtschreibung noch wälzt, muss man sich im Alltag des Schreibens keinen Kopf machen: also Getrennt- und Zusammenschreibung ("kennen lernen/kennenlernen") und Silbentrennung ("A-bend/Abend"). Und erst recht nicht bei der Zeichensetzung (freiwilliges Komma bei Infinitiv sowie bei mit "und" verbundenen Sätzen). Hier darf im Moment sowieso Toleranz geübt werden: Jeweils beide Versionen sind zulässig. Am besten wäre, wenn dies auf Dauer so bliebe.

Für nahezu alle Schreiber ist die Rechtschreibung nur ein Instrument, um das man sich nicht weiter kümmert, solange es funktioniert. Insofern besteht eigentlich nie ein Anlass für eine offizielle Rechtschreibreform. Denn im Alltag entwickelt sich mit der gesprochenen und geschriebenen Sprache auch die Rechtschreibung allmählich weiter. Vornehmer ausgedrückt: Sprache und Rechtschreibung entwickeln sich evolutionär. Dabei ist es - so lehrt die Erfahrung - unvermeidbar, dass im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten auch innerhalb desselben Kulturkreises die gesprochene und geschriebene Sprache sich kräftig verändert und es Mühe macht, entsprechend alte Texte zu lesen. Realistisch betrachtet: Seitdem Zeitungen nicht mehr gesetzt und von spezialisierten Korrekturlesern auf Orthografie geprüft werden (das machen heute mit Ausnahme der taz die Redakteure zusammen mit dem Computer), hat die ästhetische Bedeutung der Rechtschreibung im Alltag faktisch nachgelassen. Ob man will oder nicht (im Übrigen wird auch nur noch selten so gut sprachlich redigiert wie bei der taz).

Diesen "Kulturverfall" - wenn er denn einer sein sollte - hält keine Rechtschreibkommission auf. Im Gegenteil: Man hat den Eindruck, dass Rechtschreibräte die Neigung haben, von oben herab (top down, wie man heute gerne sagt) das Tempo der Rechtschreibentwicklung unnötig zu beschleunigen - und damit nicht nur den "Kulturverfall", sondern auch Probleme bei Schülern und vor allem Lehrern.

Eine Sprache gehört sicherlich zu einem bestimmten Kulturkreis dazu. Aber sie ist trotzdem nur ein Instrument und folgt - in die Zukunft gerichtet - keinem höheren Ziel. Zumal die Sprachwissenschaft - zumindest bislang - nicht sagen kann, welche Rechtschreibung uns wirklich leichter fällt. Insofern sind alle Regeln, die Schreibräte für Schulen vorgeben, völlig normativ, also willkürlich. Solange wir uns - unter freundlicher Mithilfe der von "Word" gesetzten Regeln - verständigen können, funktioniert die Rechtschreibung offensichtlich. Die große Rechtschreibreform war überflüssig. Die Schüler wären auch mit den alten Regeln weiter zurechtgekommen. Als Erwachsene schreiben sie sowieso anders - nämlich wie WORD es will.

Mit dem Aussetzen der Reform durch die großen Länder Bayern und NRW ist die Situation jetzt auf den ersten Blick grotesk. Immerhin führt sie aber - vom Rechtschreibrat nicht gewollt - zu mehr Liberalität: Alte und neue Regeln gelten weiterhin. Warum lassen wir es nicht dabei und machen den "Schwebezustand" permanent? Zumal sogar in Österreich, das die Reform scheinbar durchzieht, Lehrer bei einigen Regeln auch im neuen Schuljahr weiterhin Toleranz walten lassen. Die alten Schreibweisen sind für Schüler genauso richtig wie die neuen.

Wenn die alten und neuen Regeln parallel gelten, wird auch die Mobilität von Schülern und Eltern zwischen Bundesländern nicht behindert. Lediglich die Lehrer müssen mehr Regeln als in der Vergangenheit beherrschen. Zumal die Behörden zwar verpflichtet sind, mit dem 1. August 2005 auf die neue Rechtschreibung umzustellen. Tun sie dies aber nicht, hat das freilich keine Auswirkungen: Auch Bescheide mit Rechtschreibfehlern sind voll und ganz gültig.

Prof. Gert G. Wagner lehrt Volkswirtschaft an der Technischen Universität Berlin und ist Mitglied im Wissenschaftsrat.«


(taz Nr. 7725 vom 26.7.2005, Seite 12)


 

Kommentar von Ruth Salber-Buchmüller, verfaßt am 21.11.2005 um 18.41 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2332

Beim Durchblättern des SPIEGEL vom 01.10.05, Nr. 40 bleibe ich irritiert an der Unterschrift zu einer Bilderfolge, die sich über die Doppelseite erstreckt, hängen:

"Äußerer Druck schweißt die Familien als Hort der Geborgenheit wieder enger zusammen - oder zerstört sie ein für alle Mal"

Warum geht "ein für allemal" nicht mehr?


 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 21.11.2005 um 00.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2329

@Ursula Morin
(ein Nachtrag #2328 wg. zeitlicher Überschneidung):

Gottbehüte!!!! Ein Programm automatisch korrigieren lassen?!!!!!

Tschuldigung für mein Ausrutscher... :-)

Nein, ich bezog mich wirklich nur auf die automatisch mitlaufende Unterkringelung... die "echte" Rechtschreibprüfung habe ich noch nie aktiviert – eine alte Angst aus den Zeiten, in denen WinWord 2 bei solchen Gelegenheiten gerne abstürzte, um die geöffnete Datei mit in den Tartaros zu reißen.

Allerdings: sowohl "Kurzheckbagger" als auch "Anbaugeräte" werden bei mir von Word 2003 (11.6568.6568 SP2) und WordPerfect 12 (12.0.0.499 SP2) als korrekt erkannt. Die gefälschten "Kurzheckbager" und "Anbaugeröte" werden hingegen bemosert.

 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 20.11.2005 um 23.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2328

@Horst Ludwig:

Jede Zeit hat ihre Werkzeuge... wobei auch in unserer Zeit noch mit Klöpfel und Meißel gemetzt wird. Mein Beispiel war also nicht ganz treffend – Tschuldigung.

Was ich damit eigentlich sagen wollte ist: Nur auf das Ergebnis kommt es an!
Wenn man etwas nur für sich selbst macht (=schreibt/steinmetzt), dann mag auch der Spruch gelten: "Der Weg ist das Ziel". Sind aber andere die Adressaten, dann dürfen diese vom verwendeten Weg nichts bemerken – das ist die Pflicht eines guten Autors/Texters/Steinmetzen.

Ich bin mit meiner Rechtschreibung nicht wirklich zufrieden und die von mir über mehrere Jahre befolgte Unlogik der NRS hat alles nur noch verschlimmert;
daher bin ich für jede (auch technische) Hilfe dankbar. Nur darf man das, was Word oder WordPerfect einem vorschlagen, nicht kritiklos übernehmen. Jede rote oder blaue Schlangenlinie hat irgendwo ihre Berechtigung... und wenn sich mein WordPerfect einmal irrt, dann freut mich, daß ich das erkannt habe. Man sollte die elektronische Rechtschreibprüfung immer auch als Chance sehen, selbst noch etwas über Rechtschreibung und Grammatik zu lernen.

Bleibt noch die Frage: Korrigiere ich beim schreiben (neudeutsch: in Echtzeit)? Nur, wenn ich Forumsbeiträge für Rechtschreibprofis schreibe und sie nach abschicken des Textes nicht mehr korrigieren darf – da will ich keinen Fehler übersehen. Tippe ich jedoch regulär, dann will ich erst einmal meine Gedanken loswerden und verschiebe die Korrektur auf viel viel später... jeglicher "laute" Gedanke, ob ein Wort nun groß oder klein geschrieben werden muß, könnte mich sonst bremsen oder gar aus dem Satz (der Bahn) werfen (*) – allerdings tippe ich blind, und brauche meine Sätze daher nur ganz "leise" zu denken, damit sie wie gewünscht auf dem "Papier" landen ;-)

(*) Das ist übrigens mein Hauptärgernis mit der NRS... natürlich korrigiert man unweigerlich unterbewußt immer mit... und natürlich bleibt man bei den schlimmsten Patzern der neuen Rechtschreibung immer hängen, wenn man sie denn einmal gelernt und angewendet hat.

 

Kommentar von Ursula Morin, verfaßt am 20.11.2005 um 23.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2327

Sehr geehrter Herr Lindner,
ich weiß ja nicht, was Sie normalerweise schreiben. Mir ging es aber hier um den zeitlichen Aspekt. Ich muß das, was ich als Übersetzung diktiert habe, sowieso mindestens einmal lesen, was ich dann gleich bei der Bearbeitung tue, die ja bei einer Rohübersetzung immer nötig ist. Danach ist keine Korrektur mehr nötig (außer der späteren Satzkorrektur).

Wenn ich nun anschließend die Word-Rechtschreibprüfung darüberlaufen ließe, müßte ich den Text noch einmal korrigieren, um die Fehler von Word zu entfernen. Gerade bei technischen Texten sind das recht viele, da Word einen begrenzten Wortschatz hat (da kann man natürlich nachhelfen, indem man die gewünschten Wörter in das Programm eingibt, aber dazu habe ich nun wirklich nicht die Zeit – da ich fast täglich unterschiedliche Fachbereiche bearbeite).

Oder schauen Sie doch mal, welche Vorschläge Ihnen Word bei den Begriffen "Kurzheckbagger" oder "Anbaugeräte" macht ... viel Spaß mit den Vorschlägen (die sind ja immer ganz erheiternd, aber das ist meiner bescheidenen Meinung nach der einzige Vorzug dieses Programms)!


 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 20.11.2005 um 21.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2326

Zu Morin und Lindner:
Offenbar handelt es sich hier um zwei verschiedene Wege, die nach Rom führen sollen, und wir stehen vor einer Glaubensfrage. "Korrigiert denn irgendein Profi seine Texte sofort bei/nach der Eingabe?" fragt Lindner, — und meine Antwort ist anders als seine: Na, klar, wir alle lesen schon beim Verfassen der Gedanken mit und prüfen dabei, was wir schreiben und wie wir es schreiben wollen oder sogar müssen. Was uns natürlich nicht hindern darf, das Ganze mehrmals Korrektur zu lesen und wenn möglich, auch durch andere Korrektur lesen zu lassen. Von einer "Nachkorrektur" halte ich nichts, von jeder guten Korrektur jedoch alles. Ich meine daher auch, daß jemand, der richtig schreiben will, die Korrekturprogramme erst einmal abschaltet. Nach dem eigenen (und mehrmaligen und intensiven) Korrekturlesen sollte man sie jedoch verwenden, weil wir, wie wir alle wissen, obstinat Sachen übersehen — und sie dann einem gleich schmerzhaft ins Gesicht springen, wenn's für eine Korrektur zu spät ist. Das hat nichts mit mittelalterlicher Selbstkasteiung zu tun, sondern einfach damit, wie ich meine Handwerkzeuge verwende.
Übrigens sähe eine von Michelangelo preßluftgehämmerte Skulptur sicher anders aus als die, die wir von ihm haben. Ich würde sie also erst mal sehen wollen, bevor ich sie meisterhaft und bewundernswert nennte. Denn es geht auch mir um das Kunstwerk und nicht um Herstellungsmethode oder das Prestige des Herstellers. Leider verraten aber programmkorrigierte Texte zu oft sehr schnell, wes Geistes Kind sie sind.


 

Kommentar von Calva, verfaßt am 20.11.2005 um 18.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2325

"Ganz zu Schweigen von der sprachbildenden Kraft .."

Dagegen ist auch Word machtlos.

 

Kommentar von nos, verfaßt am 20.11.2005 um 14.30 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2324

"Kopfstand"

Tatsache ist doch, daß in den meisten geschriebenen Texten durch die Neuregelung (besonders in den Bereichen der GZS, GKS, Laut-Buchstaben-Zuordnung und Zeichensetzung) einige Differenzierungen, feine Nuancen, Klarheiten und bedeutsame visuelle Signale verlorengingen.
Deswegen erscheint es reichlich paradox für einen adressatenbewußten und um Ausdruckstärke bemühten „Autor“, wenn er ein neues Rechtschreibprogramm verwendet. Bezeichneter Schreiber müßte nämlich logischerweise möglichst viele Unterringelungen von seinem Rechtschreibprogramm abfordern.
Motto: „Je röter, desto ausdrucksstark!“
Das aber stellt das einstige Qualitätsurteil: „Je röter, desto ausdrucksschwach!“ geradezu auf den Kopf.


 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 20.11.2005 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2323

@ Frau Morin:

Das waren jetzt aber harte Worte...

Ich leser lieber einen Roman oder eine Bedienungsanleitung voller Rechtschreibfehler (oder in NRS), die dafür aber spannend oder lehrreich sind, als orthographische Meisterwerke, denen Seele oder tieferer Nutzen fehlen.

Und gerade für einen Profischreiber, der seine Seiten mit 500+ Anschlägen in der Minute füllen kann, sind blaue oder rote Schlangenlinien eine gute erste (kleingeschrieben!) Hilfe, um hinterher noch einmal, von Hand oder mit einem Profiprogramm wie zum Beispiel Corrigo, die Nachkorrektur zu machen. (*)

Ein Profi, der auf einfachste Hilfsmittel verzichtet, macht sich das Leben unnötig schwer (das ist ja wie "Programmieren ohne Klassendesigner" ;-)... wir leben nicht mehr im digitalen Mittelalter und Selbstkasteiung ist auch in unserer Zeit nur eine Aufgabe für Mönche.
Sicherlich, hätte Michelangelo seinen David mit einem Preßlufthammer gemetzt, unsere Hochachtung für ihn wäre nicht die gleiche... aber dennoch, es wäre das gleiche meisterhafte und bewundernswerte Kunstwerk. Und um das Kunstwerk (Buch), und nicht den Künstler (Autor), geht es.

Was ich Prof. Wagner nur vorwerfen kann ist, daß er von der Beschränktheit von Word und Co anscheinend gar keine Ahnung hat...

(*) Korrigiert denn irgendein Profi seine Texte sofort bei/nach der Eingabe? Das kann ich mir nicht vorstellen.

 

Kommentar von Ursula Morin, verfaßt am 19.11.2005 um 23.26 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2320

Vielleicht schaut Herr Gert Wagner sich diese Seite an - dann wäre ihm zu empfehlen, sich wirklich wie die "professionellen Handwerker der Sprache" zu verhalten, nämlich die Rechtschreibprüfung abzuschalten.

Wenn man Fachtexte schreibt, zumal technische, ist das Prüfprogramm einfach zu zeitaufwendig. Man kann nicht alle ein bis zwei Sätze die dümmlichen Fragen beantworten ... Meinten Sie? ... Und die Zeit, dem Programm alle die Wörter beizubringen, die man in den Fachsprachen braucht, hat man nun wirklich nicht.

Daher besteht die erste Handlung eines professionellen Schreibers darin, die Rechtschreibprüfung abzuschalten, um nicht ständig durch rote Wellenlinien auf dem Bildschirm irritiert zu werden. Außerdem, wer das Prüfprogramm wirklich zum Schreiben braucht, sollte sich vielleicht doch lieber auf Privates beschränken.

 

Kommentar von Wolfram Metz, Den Haag, verfaßt am 19.11.2005 um 15.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2318

Köstlich! Wagner hat den blöden alten Spruch „Wozu Atomkraftwerke? Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose!“ einfach auf die Rechtschreibdebatte umgemünzt. Ähnlich sind die Autoren des Regelteils im amtlichen Rechtschreibwörterbuch der Niederlande verfahren, die dem Kapitel zur Worttrennung die allgemeine Bemerkung voranstellten, wer sich eines niederländischen Textverarbeitungsprogramms bediene, brauche sich um die Worttrennung kaum zu sorgen, da der Computer nur wenig Fehler mache: „Wie gebruik maakt van een Nederlandstalig tekstverwerkingsprogramma, hoeft zich weinig zorgen te maken over de afbreekregels. De computer breekt desgewenst woorden af en maakt weinig fouten.“ (Woordenlijst Nederlandse taal, Leidraad, Hoofdregel 18). Allerdings folgen dann, anders als bei Wagner, inhaltliche Aussagen zur Materie.
Der Hinweis auf die wachsende Bedeutung von Textverarbeitungsprogrammen und die Gleichgültigkeit der breiten Masse gegenüber Rechtschreibfragen ist richtig – übrigens auch hilfreich, weil dieser Aspekt in der Debatte viel zu wenig berücksichtigt wird. Herr Wagner teilt jenes Desinteresse, und das ist sein gutes Recht. Damit ist aber auch klar: Er taugt nicht als Verbündeter, welcher Seite auch immer.


 

Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 18.11.2005 um 23.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2312

Professor Gert G. Wagner lehrt Volkswirtschaft an der TU Berlin. Er ist Mitglied im Wissenschaftsrat (und war zuvor Mitglied im Zuwanderungsrat und diversen anderen Beratungsgremien).

Dieser Nachsatz sagt doch eigentlich alles... (abgesehen davon, daß ich den ganzen Text für eine schlecht gemachte Glosse halte).

Prof. Wagner lehrt Volkswirtschaft – also jenes Fachgebiet, das unsere Politiker so sehr lieben und das uns dank Auseinanderdriften von wirtschaftlicher Realität und wirtschaftswissenschaftlichem Wunschdenken so gut wie in den Ruin getrieben hat. (*)
Und Prof. Wagner ist Berater in so manchem Debattierklub, welche von den Politikern natürlich offiziell hoch geachtet, in der Realität jedoch gerne ignoriert werden.

Daß sich solch einer nun auch noch zur Rechtschreibung äußert... naja... solch einer äußert sich sicherlich zu allem. Wahrscheinlich (der Text läßt es vermuten) kennt sich seine Sekretärin besser mit Word (und Chatprogrammen) aus, als er selbst... (was bei uns in der Physik üblicherweise anders ist, weswegen ich mir diesen Spott erlaube ;-)

(*) BTW: War es nicht ein volkswirtschaftlicher Nobelpreisträger, der sein gesamtes Vermögen nach seiner wissenschaftlichen Strategie (für die er den Preis letztlich erhielt) in Aktien investierte, und danach bankrott war?


 

Kommentar von borella, verfaßt am 18.11.2005 um 18.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2309

Obwohl ich in einigen Bereichen durchaus mit Hrn. Wagner übereinstimme, die Fähigkeiten von Word überschätzt er aber wohl sehr.

Word prüft jedes Wort lediglich formal. Also Zeit-, Fall-, und Personenfehler erkennt Word nicht. Auch bei Interpungierung sowie Differenzierung zwischen Wörtern, die es in mehreren Schreibweisen gibt (recht/Recht, das/dass), ist Word noch strohdumm.

 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 18.11.2005 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2308

Von wem aber weiß es Word? Wer legt fest, nach welchen Regeln das Programm korrigiert und nach welchen nicht?

Ganz am Anfang stellt Prof. Wagner klar: Am besten wäre, die amtliche Regulierung würde ganz aufgegeben und auch in den Schulen einfach nur Wörterbüchern gefolgt, wie dem Duden [...], die sich schon immer am Sprachgebrauch orientiert haben.

Bis dahin ist der Artikel doch ganz vernünftig. Daß der Rest kaum etwas taugt, dürfte daran liegen, daß der Herr Professor zu sehr das Umfeld der Sache abgrast, anstatt sich der Sache selbst zu widmen. Da könnte man ihm doch ganz einfach noch ein paar passende Informationen liefern, und es sollte m.E. möglich sein, in ihm einen Verbündeten zu gewinnen.

 

Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 18.11.2005 um 15.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2307

Richtig ist, was Word durchgehen läßt? Microsoft wird damit für viele zu einem jener "Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben".
I. Kant in "Was ist Aufklärung?", siehe z.B.
http://www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm

 

Kommentar von Dr. Konrad Schultz, verfaßt am 18.11.2005 um 15.49 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2306

Wenn der Text am richtigsten geschrieben ist, der am meisten der Gewöhnung entspricht, dann gewinnt der langweiligste Text. Aber über die Funktion eines Textes, Bedeutung herüberzubringen, und zwar eine bestimmte und nicht irgendeine, hat Wagner nicht reflektiert.
Seinerzeit schrieb die "Freie Presse", Organ der Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, in einer Überschrift den schönen Satz "Die Partei weißt uns den Weg". Damals stand Microsoft nicht zur Verfügung, wohl aber ein Korrektor. Was der Korrektor unabsichtlich übersehen hat, wäre von Word sicher als korrekt angesehen worden.
Wer nur das Gewohnte für gut und richtig hält, ist halt ein Zeremonienmeister. Nachdenken ist besser.

 

Kommentar von Jens Stock, verfaßt am 18.11.2005 um 15.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=357#2305

Es ist prima, wenn Word weiß, wie richtig geschrieben wird. Ich persönlich interessiere mich ganz nebenbei noch dafür, ob die geschriebenen Texte auch für Menschen gut lesbar sind.

 

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