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02.10.2005
 

Der Duden für den Duden
Vorsicht – für Jugendliche nicht geeignet!

Die reformierte Rechtschreibung ist Schrott. Niemand weiß das besser als die Duden-Redaktion.
Für den eigenen Gebrauch und für alle, die mit diesem Schrott ebenfalls ihre Schwierigkeiten haben, hat der Duden-Verlag ein Nachschlagewerk herausgegeben, mit dessen Hilfe die größten vorgeschriebenen oder erlaubten Dummheiten vermieden werden können: „DUDEN – Wörterbuch neue Rechtschreibung. Was Duden empfiehlt“. Der Verlag warnt allerdings, es sei für den Schulgebrauch nicht geeignet. Eulenspiegel nimmt das Werk unter die Lupe.



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Kommentare zu »Der Duden für den Duden«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2005 um 06.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1974

Der Duden-Newsletter drückt sich um die schwierigen Fälle und läßt die gesamte neue Regelung zu den Fremdwörtern plausibler erscheinen, als sie ist. Vorgestern stieß ich in der FAZ auf die "Mementi" aus der Feder des höchstgebildeten Dietmar Dath. Warum nicht? Die Sprachgeschichte kennt noch ganz andere Dinger. Aber dann fiel mir auch noch ein, daß man schon ziemlich gut Latein können muß, um nach der Neuregelung "Memento mori" richtig zu schreiben. Denn die übliche, durchaus sinngemäße, aber eben nicht buchstäbliche Übersetzung lautet ja "Gedenke des Todes!", was viele zu der Annahme führen könnte, sie hätten es mit dem Genitiv eines Substantivs "morus" zu tun. Daraus würde folgen und folgt tatsächlich "Memento Mori".

Das Problem ist natürlich nicht aufs Lateinische beschränkt, da die Neuregelung keinerlei Eingrenzung auf bestimmte Sprachen vorsieht. Der erste Stolperstein, den ich vor neun Jahren gefunden habe, war der "Herpes zoster". Die Wörterbuchredaktionen haben sich inzwischen schlau gemacht. Aber mit "Chapeau claque", "Café crème", "Just-in-time-Produktion" usw. haben sie nach wie vor ihre Schwierigkeiten.


Kommentar von Martin Gerdes, verfaßt am 08.10.2005 um 00.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1973

Wenn man die enorme Hürde der Fremdsprachenkenntnis erstmal genommen hat :-), ist die Neuschreibung solcher Wendungen an sich völlig einfach – für den Duden-Newsletterer aber offenbar schon zu schwer.

Zunächst gilt es festzustellen, ob die fremdsprachliche Wendung substantivisch verwendet wird oder nicht. Der Duden-Newsletter murmelt diesbezüglich etwas von "festen adverbiellen Wendungen" (aber erst hinterher).

Der zweite Fall ist der einfachere – bei nicht-substantivischer Verwendung neuschreibt man alle fremdsprachlichen Wörter klein (wie in der Ursprungssprache).

Bei substantivischer Verwendung neuschreibt man all die Wörter groß, die in der Ursprungssprache Substantiva sind und dazu das erste Wort unabhängig von seiner Wortart.

Außer natürlich, es handelt sich um Fachsprache. Dann schreibt man wie die entsprechenden Fachleute. Das ist auch gut so. Mit dem Latein wird es in Medizinerkreisen bekanntlich immer weniger, und doch bekäme der eine oder andere die Wendung "Musculus biceps Bracchii" noch gebacken (das zweiköpfige Mäuschen des Armes). Biceps ist Adjektiv, ergo klein; Bracchii ist Substantiv, ergo groß. Weiß einer, ob das Wort "m/Masseter" in der Bezeichnung "Musculus masseter" Substantiv oder Adjektiv ist? Sind vielleicht passende Fachleute hier? Nein. Macht nix, das schreibt man nach Neuschreibregeln wie früher. "Fachsprache" sagt der Reförmler – und drückt sich um die Antwort.



Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 07.10.2005 um 22.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1972

Aus dem neuesten DUDEN-Newsletter (Es geht um die Groß-und Kleinschreibung in fremdsprachigen Wendungen): "Umgekehrt ist darauf zu achten, dass nicht substantivische Bestandteile in solchen Fügungen kleingeschrieben werden." - Gemeint ist aber: ... daß nicht-substantivische Bestandteile in solchen Fügungen klein geschrieben werden. - Außerdem hat Prof. Ickler ja schon darauf hingewiesen, daß es dann z.B. im Satzinneren ultima Ratio heißen müßte. Wer auf diesem Gebiet sicher sicher sein will, muß über umfassende Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Dabei soll die reformierte Schreibung doch gerade dem weniger Gebildeten dienen.


Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 06.10.2005 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1956

Zu Kratzbaum: Auch bei der WELT begegnet einem in der elektronischen Gratis-Ausgabe vorwiegend neue Rechtschreibung, oft fehlerhaft.

Das hängt nach meinem (persönlichen und subjektiven) Eindruck davon ab, wann man dort hineinschaut. Eilmeldungen der Agenturen werden offensichtlich schnell mal ungefiltert in "Neuschreib" dort eingestellt und erst später korrigiert.



Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 05.10.2005 um 18.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1954

Das Übliche

"Feminin" - Das Magazin für die modebewusste Frau

"Beautytips" stimmt noch hoffnungsvoll - aber ach! dann geht´s los: Die Redakteurinnen Simone und Claudia frönen einer exzessiven Kommasetzung. Nach FEMININ steht immer eines. Dafür fehlt es dann da, wo es stehen müßte: "weiß aber nicht, welcher (Selbstbräuner) der Richtige ist"; "Anpassungsfähigkeiten, wie die Zuchtperle"; "schöner, als Komplimente"; "übernimmt für Sie, eine Orientierungsfunktion". - "Wir möchten, das ..."; "die Kundin weiss heute, das ..."; "Fusspflegestudio"; "verstehe ich, das 'frau' ..."; "einzelnd"; "stellt entsetzt fest, das ..."; "zu hause"; "gewinnen Sie Muse"; "Göckens´s Schlafoase" (der Mann heißt Göcken).



Kommentar von Jürgen Langhans, verfaßt am 05.10.2005 um 14.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1951

... Auch im Eulenspiegel entdeckt; Autor ist Alfred Salamon aus Ilmenau:

"Schreibwaisen

Das konnte ja nicht gutgehen - Bayern wehrt sich völlig zu Recht: In einem Land, in dem man das Wort Oachkoatzelschwoaf denken und Eichhörnchenschwanz schreiben kann, dürfen nicht die gleichen Orthographiegesetze gelten wie anderswo. Wie z. B. in Berlin, wo man icke denkt und auch schreibt. Völlig unverstanden werden die Bayern aber trotzdem nicht bleiben: Sie könnten sich nämlich noch mit den Sachsen verständigen. Die denken Hitsche und schreiben Fußbank."



Kommentar von Martin Gerdes, verfaßt am 05.10.2005 um 13.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1950

> Auch bei der WELT begegnet einem in der elektronischen Gratis-Ausgabe vorwiegend neue Rechtschreibung, oft fehlerhaft.

Ich kann das so eigentlich nicht bestätigen. Alle Medien weisen heute erheblich mehr Fehler als früher auf, besonders dort, wo ihren Machern das wortbasierte Rechtschreibwörterbuch nicht weiterhilft. Spiegel-online schreibt heute beispielsweise "kränkt" statt "krängt". Hier hilft das Wörterbuch allein nicht weiter, aber die Hamburger Auslautverhärtung tut ihr Teil dazu.

ß-Fehler finde ich in der Online-Welt sehr selten, Getrenntschreibungsfehler etwas häufiger, gelegentlich rutscht auch ein "Tipp" durch. Aber im großen und ganzen ist die Online-Version der Welt in Altschreib gehalten (wie die Online-Version der FAZ).



Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 05.10.2005 um 13.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1949

Auch bei der WELT begegnet einem in der elektronischen Gratis-Ausgabe vorwiegend neue Rechtschreibung, oft fehlerhaft. Weiß jemand, wie es in der gedruckten Fassung aussieht? Die Springer-Zeitungen sind doch rückumgstellt. - Heute sah ich in einem Supermarkt ein Rechtschreibwörterbuch von L. Mackensen: "Entspricht in vollem Umfang..." usw. Kostet statt 8.95 nur noch 3.95. Welches Erscheinungsjahr, konnte ich von außen nicht erkennen, da eingeschweißt.



Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 05.10.2005 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1948

Daß bei Relativsätzen das Komma fortgelassen wird, ist mit zunehmender Tendenz überall zu beobachten, auch da, wo man es nicht vermutet.



Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 05.10.2005 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1947

Auch mit der Kommasetzung klappt's beim SPIEGEL nicht mehr so recht. Er berichtet über Sicherheitsprobleme beim Airbus A380:

»USA und Europa streiten über Sicherheitsvorschriften

Einige US-Beamte forderten Lücken die um 40 bis 50 Prozent über dem Maximal-Abstand von fünf nautischen Meilen liegen, die für die Boeing 747 verlangt werden.«

Außerdem:

»Piloten warnen vor Risiko beim A380

Dann hat das größte je gebaute Verkehrsflugzeug Probleme die Zulassung von den europäischen und amerikanischen Luftfahrtbehörden zu erhalten.«

Ob es in der gedruckten Ausgabe besser aussieht?



Kommentar von spiegel-online, verfaßt am 04.10.2005 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=345#1943

Auch beim SPIEGEL weiß man, daß die reformierte Schreibung Schrott ist. Aber sie wird trotzdem konsequent angewendet. Was man beim SPIEGEL offenbar nicht weiß: welcher zusätzliche Schrott sich aus dem Schrott ergibt. Aktuelles Beispiel:

»Doch auch wenn es Heulen und Zähneklappern genug geben wird - für mich, schrieb der bekannte Kolumnist Mehmet Ali Birand überschwänglich, ist "heute der schönste Tag meines Lebens. Seit 42 Jahren beobachte ich das Verhältnis zwischen der Türkei und Europa. Trotz aller Widerstände hab ich immer daran geglaubt, dass die Türkei eines Tages Mitglied der EU sein wird. Jetzt ist der Zug gestartet und bislang ist noch jedes Beitrittsland auch angekommen. Ich hoffe das ich den Tag noch erlebe, an dem Türkei das Ziel erreicht."«

Oder soll das Zitat etwa suggerieren, die Türken könnten kein Deutsch? Eher werden eines Tages die Türken ein besseres Deutsch schreiben als der SPIEGEL.




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