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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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23.08.2005
 

Heraus mit der Sprache!
Deutsch für In- und Ausländer

Seinen erfolgreichen Versuchen, den Deutschen die Lyrik wieder näherzubringen, läßt Andreas Thalmayr ein Buch über die Sprache folgen.

Angeblich handelt es sich bei Thalmayr um ein Alter ego Hans Magnus Enzensbergers. Seinen nonchalanten Schnelldurchlauf durch die Gefilde nicht nur der deutschen Sprache bespricht Sabine Franke in der Frankfurter Rundschau.



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Kommentare zu »Heraus mit der Sprache!«
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 31.08.2005 um 18.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1604

Zwischenbemerkung

Ich danke an dieser Stelle Professor Jochems für seine Großzügigkeit und seine Hilfe. Ich hatte ihm mit einem Beitrag unrecht getan, geradezu Unrecht. (Das soll aber kein Lob der neuen Rechtschreibung sein.)


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 28.08.2005 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1590

Besser geht´s nicht


Aus Begleitbroschüren des Schweizer Bundesrates und des Kantons Basel-Landschaft zu den bevorstehenden Abstimmungen:

1. Der Gemischtwarenladen political correctness

Arbeitgebende, Arbeitnehmende (Regierungsrat BL)
Arbeitgeber/innen, Arbeitgeber, Zahnärzte (Initiativkomitee)
Arbeitgebende ( Initiativkomitee)
Abwasserverursacherinnen und Abwasserverursacher,
Abwasserlieferantinnen und Abwasserlieferanten (Regierungsrat BL)
Gemeinden als Schulträger (Regierungsrat BL)
Arbeitgeber (nur so), Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Bundesrat)
Ausländer, Lohndrücker, Billigarbeiter (nur so -
Referendumskomitee) SchweizerInnen, MigrantInnen. (Referendumskomitee)
Arbeitnehmer, Arbeitgeber - nur so/ Bundesbeschluß, Abstimmungstext)

2. Aus den Niederungen der reformierten Rechtschreibung

15- bis 16jährige (Regierungsrat BL)
gegenüber gestellt, gegenüber stellen, gegenübergestellt (Regierungsrat BL) auseinandersetzen (Regierungsrat BL)
allgemeinverbindlich (Referendumskomitee und Bundesrat)
allgemein verbindlich (Abstimmungstext/Bundesbeschluß)



Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 28.08.2005 um 11.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1587

Genaugenommen ist es gleichgültig, ob man "Quentchen" oder "Quäntchen" schreibt - aber nur, solange man sich nicht auf eine etymologische Herleitung der neuen Schreibung beruft.
"Heute zu.." (Wobei im stillschweigend immer hinzuzufügen ist: Das hat der Oberrreformer sich augstgedacht) bedeutet nichts anderes als die Kappung der eytymologischen Wurzel . In der Geschichtswissenschaft entspricht dem die Geschichtsklitterung, also Geschichtsfälschung. Im übrigen gebe ich W. Wrase völlig recht: Man lernt einmal, wie ein Wort geschrieben wird, und damit hat es sich. Aber wer will heute noch Fakten lernen, wo man doch alles aus Regeln ableiten kann...?


Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 27.08.2005 um 10.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1583

"Roma Locuta": Nicht nur Lieschen Müller erliegt der Versuchung, scheinbar dunklen Wörtern einen Sinn zu unterlegen, den klanglich verwandte Wörter suggerieren. [...]
Niemand von uns würde ohne die Nachhilfe durch Friedrich Kluge oder Hermann Paul je von einer mittelhochdeutschen Maßbezeichnung quintin (mittelniederdeutsch quentin) gehört haben [...]. Wer sich ohne Hilfsmittel einen Reim auf "Quentchen" zu machen versucht, könnte darin leicht ein "Quäntchen" sehen. [...] Die Aufnahme von "Quäntchen" in eine sag und schreibe "amtliche" Rechtschreibregelung ist folglich eine Narretei, aber auch kein Grund zur Aufregung. "Stängel", "behände" und "gräulich" sind schlimmer, und "überschwänglich" war sogar überfällig [...].


Ich widerspreche heftig den Bewertungen, die "Rom" in den beiden letzten Sätzen vornimmt. Zunächst stimme ich vollkommen zu. Ich gehe ebenfalls davon aus, daß Gerhard Augst recht hatte, als er behauptete, die meisten Deutschsprachigen könnten Quentchen etymologisch nicht einordnen, würden es zumeist eher mit Quantum in Verbindung bringen und von sich aus eher die Schreibung mit ä wählen (hinzuzufügen wäre: wenn sie nicht schon die Schreibung mit e gelernt haben).

Das rechtfertigt aber noch lange nicht eine staatlich verfügte Änderung der Rechtschreibung mit all ihren Konsequenzen, allein schon an diesem einen relativ seltenen Wort zu erleben. Eine solche Reform bedeutet nämlich zunächst einige Jahrzehnte lang den sehr ärgerlichen Zustand, daß sich die Angehörigen der Schreibgemeinschaft nicht mehr einig sind, wie man dieses Wort schreiben soll. Es kommt, allein dieses seltene Wort betreffend, millionenfach zu Irritation, Stirnrunzeln, Nachschlagen, Nachfragen, vieltausendfach zu Auseinandersetzungen. Vor allem ist es außerordentlich ärgerlich, daß der Staat hier sogleich die neue Schreibung als allein zulässig einstuft, die alte sei mithin als falsch anzusehen. Eine absurde Anmaßung. Höchst lächerlich - eine gigantische Narretei - ist darüber hinaus die Behauptung, die hinter dieser Manipulation steckt: Die Rechtschreibung werde dadurch erleichtert. Man lernt einmal, wie das Wort geschrieben wird - mit e -, und dann hat es sich. Es ist eine kleine Schwierigkeit, gewiß, aber gemessen an den gesamten Schwierigkeiten der deutschen Rechtschreibung, intelligenterweise multipliziert mit der Häufigkeit des jeweiligen Auftretens, vielleicht ein Millionstel.

Wenn der Staat sich schon anmaßt, das Volk mit einer Rechtschreibreform zu beglücken, dann hätte es ja - relativ sinnvoll - auch so aussehen können, daß im einzelnen nachgefragt wird: "Känguruh wäre ohne h für die Kinder leichter zu lernen. Wollt ihr, daß hier die Norm geändert wird? Quentchen künftig mit ä zu schreiben wäre eine gewisse Erleichterung, weil die meisten von uns das mit Quantum assoziieren. Wollt ihr, daß wir die Rechtschreibung in diesem Punkt ändern? Oder sollen wir es so lassen, wie es bisher war?" Vielleicht könnte man auch schon ein solches viel besseres Vorgehen als Narretei bezeichnen, weil vorhersehbar die Antwort der Betroffenen gelautet hätte: "So lassen." Immerhin: Daß der Staat die Bürger ernst nimmt, das wäre eine Sensation gewesen, etwas ganz Neues, Erfreuliches. Insofern hätte diese Fragerunde ihr Gutes gehabt.

Deshalb ist schließlich das Ärgernis - ob nun mit Quäntchen oder ohne Quäntchen - darin zu sehen, daß der Staat solche Änderungen autoritär verfügt, gegen den massiven Mehrheitswillen des Souveräns, mit der voraussehbaren Folge allgemeiner Verwirrung, allgemeinen Verdrusses und offensichtlicher Nutzlosigkeit trotz erheblicher Aufwendungen.

[Mit Zustimmung des Verfassers geändert am 31. 8. 2005, 15.56]


Kommentar von Ursula Morin, verfaßt am 27.08.2005 um 00.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1581

Noch einmal zu "Quäntchen" .... (und Roma Locuta): Es ist bestimmt kein wichtiges Wort und ich habe es sicher auch selten benutzt, aber ich habe mich schon immer dafür interessiert, wo Wörter herstammen und wie sie zu dem geworden sind, was sie heute sind. Es gibt da sicher sehr viele Unregelmäßigkeiten, jedoch lassen sich auch bestimmte Muster erkennen.

So ist es z.B. höchst unwahrscheinlich, daß ein Wort, das mit "ä" geschrieben wird, sich aus einem Wort mit "i" ableitet. Normal (nach den Gesetzen der Lautwandlung) wäre eben "e" wie in Quentchen. Den Schülern, die nun heute den verballhornten Duden zur Hand nehmen - oder ganz einfach "Quäntchen" als "richtig" schreiben müssen, werden dadurch Hindernisse auf den Weg zu einem wahren Verständnis der Etymologie und Sprachgeschichte gelegt.

Das finde ich schade ... denn aus heute gebrauchten Wörtern auf ihre Herstammung zu schließen, ist - wie schon oben erwähnt - eine sehr interessante Beschäftigung für den Sprachinteressierten und zudem sehr nützlich beim Lernen von Fremdsprachen. Wenn man einige Jahre Latein in der Schule gehabt hat, braucht man auch keine besondere Nachhilfe, um die mögliche Herkunft von "Quentchen" zu deuten. Das gilt auch für viele andere Wörter, deren Sinn und Herkunft sich erschließen, wenn man die übliche Lautwandlung beachtet.

Und was soll in diesem Zusammenhang der Hinweis auf "Quantum"? Warum sollte eine unbestimmte Menge zu einer kleinen Menge werden? Da unterstellt man der Sprache eine Begriffsstutzigkeit, die ihr eigentlich nicht zu eigen ist. Eher noch hätte "quintus" zu "Fisimatenten" werden können als zu "Quäntchen".

Aber was soll's - warum sollten sich Schüler mit so etwas beschäftigen, wenn schon eine Gymnasiallehrerin (in einem anderen Diskussionsstrang) die Meinung äußern kann, daß Sprache nichts mit Gedanken zu tun hat. Und Latein liegt ja auch nicht mehr im Trend, obwohl es mir beim Erlernen von Englisch und Französisch stundenlanges Vokabelpauken erspart hat ...



Kommentar von Helmut Jochems, verfaßt am 26.08.2005 um 22.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1579

Pavel Nemec entwickelt in seinem heutigen Beitrag eine Theorie des Gebrauchs syntaktischer Konstruktionen in der Textart "orthographische Regel". Den Duden-Redakteuren ist dergleichen gewiß vertraut, sie verstellen sich also nicht, wenn sie mit "man"-Aussagen und Passivkonstruktionen operieren, beides natürlich im Präsens. Sehen wir uns zwei Beispiele aus dem Leipziger Großen Duden des Jahres 1967 an:

"Man schreibt getrennt, wenn jedes der nebeneinanderstehenden gedanklich zusammengehörigen Wörter seine eigene Bedeutung hat." (K 125)
"Tritt zu einem Teil der Zusammensetzung eine nähere Bestimmung, so wird das ganze Wort wieder getrennt geschrieben." (K 127)

Beide Aussagen setzen voraus, daß der dargestellte Usus tatsächlich existiert, d. h. von allen Schreibenden so praktiziert wird. Gleichzeitig wird aber suggeriert, daß sich die Schreiber auch künftig an diesen Usus halten sollten. Daß es sich nicht um statische Beschreibungen handelt, zeigt hier die "wenn-dann"-Struktur. Der Schreiber erfährt nicht nur, welchen Solidaritätsakt die Schreibgemeinschaft von ihm erwartet, sondern auch die Bedingungen, unter denen die beschriebene orthographische Handlung stattfinden soll.

Dies alles ergibt sich aus der Grundorientierung der Sprachwissenschaft als deskriptives Unternehmen. Harald Weinrich hat darauf hingewiesen, daß die umfassende Beschreibung zugleich die Erklärung des jeweils in Frage stehenden sprachlichen Phänomens ist. Didaktisch gewendet wird daraus "Präskription". In der Fremdsprachendidaktik gab es in den 70er Jahren eine lautstarke Polemik gegen diesen Begriff, und man verwies auf Chomskys "generative" Regeln, die die Genese der jeweiligen Konstruktion steuern, nicht jedoch als Handlungsanweisungen zu verstehen sind. Dabei wurde übersehen, daß selbst die zur extremen Abstraktion neigenden Richtungen in der neueren Linguistik nie die Tatsache aus dem Auge verloren, daß sie es mit einem vorgegebenen und gesellschaftlich verbindlichen Sprachusus zu tun haben.

Pavel Nemec ist recht zu geben, wenn er sagt, daß Sprachwissenschaftler nicht als sprachliche Wirklichkeit ausgeben sollten, was nur in ihrer Wunschvorstellung existiert. Unter diesem Gesichtspunkt ist manches in der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung mit einem Fragezeichen zu versehen. Der Anfang von § 36 lautet: "Substantive, Adjektive, Verbstämme, Adverbien oder Pronomen können mit Adjektiven oder Partizipien Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie zusammen. Dies betrifft (1) Zusammensetzungen, bei denen der erste Bestandteil für eine Wortgruppe steht." Diese Regel schließt Komposita wie "metallverarbeitend", "notleidend" oder "zeitsparend" aus, die doch jedem Schreiber geläufig sind. (In § 36 stoßen wir übrigens auf eine dritte für die Textart "Rechtschreibregel" charakteristische Konstruktion, nämlich die im engeren Sinne linguistische Deskription, die zunächst von Sprachbenutzern absieht.) Der Eingriff der Reformer in den Usus, den sie aus Gründen der Vereinfachung für notwendig hielten, besteht also schlicht im Ausblenden von Bedingungen, die die gesamte Skala der üblichen Schreibungen ermöglichen würden. Im Leipziger Duden von 1967 heißt es unter K 128 so: "Man schreibt zusammen, wenn eine Dauereigenschaft ausgedrückt wird. Diese Regel gilt vor allem für zusammensetzte Adjektive und Partizipien." Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich nicht aufraffen können, an dieser Stelle ebenso für klare Verhältnisse zu sorgen wie bei den zusammengesetzten Verben. Er hat lediglich das Abschiedsgeschenk der Zwischenstaatlichen Kommission bestätigt, nämlich die Wiederzulassungen der Zusammensetzungen neben den weiterhin zum Gebrauch empfohlenen Getrenntschreibungen. Im übrigen sollten wir nicht übersehen, daß das neue Regelwerk keineswegs nur die vorgesehenen Veränderungen präsentiert. Die Merkwürdigkeit besteht jedoch darin, daß stellenweise bislang Unübliches als schon existierender neuer Usus ausgegeben wird.

Eine Fiktion gaukeln uns jedoch die Regelwerke von 1901 wie von 1996 vor: Sie widmen den in der Schreibgemeinschaft entstandenen Usus in eine staatliche Norm um, bei deren Nichtbefolgung widerborstigen Schreibern Sanktionen drohen. Das steht seit 1948 in einem eklatanten Widerspruch zu unserer freiheitlichen Gesellschaftsordnung. Ein solcher Zustand verhindert zugleich die natürliche Weiterentwicklung der Schriftform unserer Sprache, die ja ihrem Wesen nach auf Konsens und Akzeptanz, und eben nicht auf Bevormundung beruht. Wer es mit unserer Sprache gut meint, sollte nicht nach dem Staat rufen, wenn Mitglieder der Schreibgemeinschaft neue Wege gehen möchten. "Quäntchen" und "platzieren" als staatlichen Oktroi sollten wir uns verbitten. Was aber, wenn solche Schreibungen im normalen Schreibvolk Anhänger finden? Und wie steht es mit "dass" und "muss"? Wollen wir so etwas jungen Schreibern mit Gewalt auszutreiben versuchen, wenn einmal alle Rechtschreibzwänge aufgehoben werden? Gerade die Auflösung des gegenwärtigen Rechtschreibdilemmas wird sich als Lackmusprobe für die demokratische Gesinnung unserer Gesellschaft erweisen.



Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 26.08.2005 um 20.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1578

Kleiner Nachtrag: Besser wäre natürlich die Unterscheidung zwischen "amtlich" und "richtig" gewesen.


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 26.08.2005 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1577

Ich weiß nicht mehr, in welchem Kommentar zur reformierten Schreibung ich neulich die Unterscheidung zwischen "amtlich" und "falsch" gelesen habe. Jedenfalls erschien sie mir überaus nützlich und fruchtbar. Als Lehrer könnte man sich damit wunderbar aus der Klemme zwischen Beamtenloyalität und pädagogischem Ethos helfen. Und für die Schüler wäre es eine elementare Lehrstunde in kritischem Geist und innerer Freiheit. Wäre ich Deutschlehrer, so würde ich davon exzessiv Gebrauch machen. Wer wollte mich deswegen disziplinarisch belangen? Wenn ein Kultusminister befiehlt, das Richtige als falsch anzustreichen, so muß er, nicht der Befehlsempfänger sich das zurechnen lassen.


Kommentar von Roma Locuta, verfaßt am 26.08.2005 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1570

Vor ein paar Wochen schrieb Alexander Smoltczyk: "Augst mag das Volk. Er hat das Standardwerk zur 'Volksetymologie' geschrieben, also zur Art und Weise, wie Lieschen Müller sich Wörter herleitet. Das Volk habe recht, auf seine Weise..." Der SPIEGEL-Redakteur hat gewiß niemanden beleidigen wollen, aber etwas genauer kann man das schon sagen. Nicht nur Lieschen Müller erliegt der Versuchung, scheinbar dunklen Wörtern einen Sinn zu unterlegen, den klanglich verwandte Wörter suggerieren. Der Leser überprüfe sich doch selber: Wie erklärt er sich das Wort "Hochstapler"? Ein Blick in ein etymologisches Wörterbuch wird ihn etwas zögerlicher machen, Lieschen Müller zu verachten.

Niemand von uns würde ohne die Nachhilfe durch Friedrich Kluge oder Hermann Paul je von einer mittelhochdeutschen Maßbezeichnung quintin (mittelniederdeutsch quentin) gehört haben, die ursprünglich das "Fünftellot", später das "Viertellot" bezeichnete. Wer sich ohne Hilfsmittel einen Reim auf "Quentchen" zu machen versucht, könnte darin leicht ein "Quäntchen" sehen. Mehr steht in Gerhard Augsts "Standardwerk" auch nicht. "Volksetymologie", die sich nur in den Köpfchen abspielt, aber keinen schriftlichen Niederschlag findet, ist eben schwer zu ermitteln. Es gibt nicht nur kein entsprechendes "Standardwerk", sondern praktisch gar nichts. Ebensowenig wie es ein "Standardwerk" zur Geschichte der deutschen Rechtschreibung gibt. Von der Güte ist eben die deutsche Germanistik. Die Aufnahme von "Quäntchen" in eine sag und schreibe "amtliche" Rechtschreibregelung ist folglich eine Narretei, aber auch kein Grund zur Aufregung. "Stängel", "behände" und "gräulich" sind schlimmer, und "überschwänglich" war sogar überfällig - Adelung schrieb übrigens so.



Kommentar von Wolfgang Scheuermann, verfaßt am 26.08.2005 um 11.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1569

"Wegen Rechtschreibreform und Denglish-Panik will der Autor sich nicht ereifern" - so Sabine Franke zu dem von ihr als "nett" eingestuften Buch von Andreas Thalmayr (ganz offenbar tatsächlich das Pseudonym von Enzensberger).
Das ist schon erstaunlich. Wer die geballte Sprachmacht und hohe Emotion, die Enzensberger gegen die Rechtschreibreform einsetzt, kennengelernt hat, muß sich schon wundern, daß er als Thalmayr das alles komplett fallenlassen kann.
Es ist klar, das ist auch ein wesentlicher Sinn eines Pseudonyms, aber welchen Nutzen hat es, als Thalmayr Gleichmut vorzugeben - bei einer Sache, die einen in Wirklichkeit umtreibt?
Das Hoffmann-Interview zeigt einmal mehr, daß die WELT sich mit der Rückumstellung einigermaßen schwertut (während andere Periodika aus dem Springerverlag das offenbar spielend bewältigen).


Kommentar von Martell, verfaßt am 26.08.2005 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1568

Fischers SouveränIn enthält ja auch ein Quentchen eben jener Arroganz, die ihm im Herbst wohl mehr als eine Stimme kosten dürfte.

"Wir achten den Souverän. Aber wir achten den Souverän nicht, wenn dieser irrt." (Aus Anlaß der parlamentarisch gesegneten EU-Verfassung.)


Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 26.08.2005 um 08.26 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1566

Unbelegte Rechtfertigungen wie "Heute wird ..." für vom Zaun gebrochene Änderungen sind ein Symptom für die mangelnde wissenschaftliche Absicherung der gesamten Reform. Weder sind die verordneten Neuschreibungen wenigstens statistisch als tatsächlich vorkommend begründet, noch hat man über die vielfältigen, weitreichenden und langandauernden Auswirkungen der gesamten Unternehmung irgendwelche Studien angestellt oder unabhängige Gutachten eingeholt. Oder doch?


Kommentar von Ursula Morin, verfaßt am 25.08.2005 um 23.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1565

Zu Duden: "Heute wird das Wort eher mit „Quantum" in Verbindung gebracht; daher die neue Schreibung mit "ä"." Nun genau das verärgert an den neuen Reform-Duden. "Heute wird ..." von wem und wie oft?

Mir wäre nie der Gedanke gekommen, "Quentchen" käme von "Quantum" - oder bilde ich mir das nur ein, und es gab möglicherweise vor der Reform schon viele, die dabei an Quantum gedacht haben? Natürlich will sich der Duden gleichzeitig auch allwissend geben und verleugnet daher die tatsächliche Herkunft des Wortes nicht. Ich denke, gerade diese Duden-Kommentare sind an Heuchelei kaum zu übertreffen.


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 25.08.2005 um 19.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1564

Mit der politischen Korrektheit kann man es auch übertreiben: Vorhin war in einer Rückblende im DLF J. Fischer im Bundestag zu hören, wo er im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen den "Souverän, die Souveränin" beschwor. - Ja, so ist das mit den bedingten Reflexen.


Kommentar von Duden, verfaßt am 25.08.2005 um 19.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1563

"Regelungen und Hinweise" im reformierten Rechtschreibduden

Die richtige Schreibung eines Wortes kann häufig aus der Schreibung verwandter Wörter abgeleitet werden (Regelabschnitt A, Vorbemerkung (2.2). [...]

[D] Dabei wird nach der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung nicht nur die sprachgeschichtliche Verwandtschaft, sondern in einigen Fällen auch eine inhaltliche Verwandtschaft zugrunde gelegt.
Quäntchen (Eigentlich zu „Quent", dem Namen eines früheren deutschen Handelsgewichts, das seinerseits auf das lateinische „quintus" [fünfter Teil] zurückgeführt werden kann. Heute wird das Wort eher mit „Quantum" in Verbindung gebracht; daher die neue Schreibung mit "ä".)
(K 133)


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 25.08.2005 um 18.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1562

Sehr erfrischend, was der alte, noch sehr wache Kämpfer H.H. da zu sagen hat. Aber was mag ein "Hemmschuhträger" sein?


Kommentar von www.welt.de, verfaßt am 25.08.2005 um 17.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1561

"Kunst bereichert jeden Einzelnen"
Hilmar Hoffmann wird heute 80 Jahre alt. Der Politiker findet, daß sich das Land mehr Kultur leisten muß

DIE WELT: Um mit einer Provokation zu beginnen: Können wir uns angesichts der Probleme der Sozialsysteme und fünf Millionen Arbeitslosen die Ausgaben für Oper, Theater, Kunst überhaupt leisten?

Hilmar Hoffmann: Natürlich können wir und natürlich müssen wir uns Kultur leisten. Kultur ist ein langfristiger Beitrag zur Selbstfindung des Menschen und zur Stabilisierung der Gesellschaft. Wer seinen Verstand an den Äußerungen der Kunst schärft und sich durch Kunst fortbildet, läuft weniger leicht Gefahr, zu scheitern. Kraft seiner kulturellen Sozialisation ist er in der Lage, sich selbst eine Existenz zu schaffen. Kultur ist ein wesentliches Ferment dessen, was Dilthey die Ichwerdung nannte. Kunst bereichert nicht nur den Einzelnen, sie ist geistiger Humus für die ganze Gesellschaft. Kunst schult ja, um nur ein Beispiel zu nennen, das innovative Denken - und gerade das braucht die Wirtschaft dringender denn je als Ressource für den Wettbewerb.

DIE WELT: Welchen Spielraum hat Kulturpolitik heute noch?

Hoffmann: Es ist eine Mär, früher hätte es mehr Geld für Kultur gegeben. Es war nie genug Geld dafür im Etat. Man hat es immer erkämpfen müssen. Ein Ergebnis meiner produktiven Liaison mit Frankfurts Oberbürgermeister Walter Wallmann war zum Beispiel die Museumslandschaft am Mainufer mit elf Museen in neun Jahren.

DIE WELT: Dieser Museums-Boom fiel allerdings in Zeiten voller öffentlicher Kassen. Sie haben ihren Amts-Nachfolgern bis heute enorme Folgelasten auferlegt.

Hoffmann: Das ist die zweite Mär, die es zu tilgen gilt. Damals wurde doch von allen Dezernenten viel Geld in Projekte investiert, der Baudezernent hat neue Straßen gebaut, der Schuldezernent Kindergärten, der Sozialdezernent Sozialstationen. Sollte die Kultur der einzige Bereich sein, der hilflos mit Bescheidenheit brilliert? Wenn das Geld anderweitig ausgegeben worden wäre, hätte Frankfurt heute keine Alte Oper, keine Schirn und nur halb so viele Stadtteilbibliotheken und Bürgerhäuser.

DIE WELT: Durch die Folgekosten hat die Kulturpolitik heute aber keine Spielräume mehr.

Hoffmann: Spielräume schafft man nicht mit Geld, sondern mit Ideen. Ich würde jederzeit wieder die Defizite der kulturellen und urbanen Infrastruktur begleichen, um dem Leben in der Metropolenhektik einen Sinn zu geben. Um die Folgekosten sollen sich meine Nachfolger kümmern. Nebenbei: Weil der Kulturetats durch die zahlreichen Kulturinstitutionen Frankfurt weitgehend festliegen, kann die Stadt den Kulturetat heute nur schwer kürzen. Gut für die Kultur.

DIE WELT: Welche Folgen wird die höhere Abhängigkeit der Kultur von privaten Mäzenen haben?

Hoffmann: Die Kultur darf nicht abhängig werden von Sponsoren. Die ausreichende Unterhaltung der bestehenden Institutionen fällt als verdammte Pflicht und Schuldigkeit der öffentlichen Hand anheim. Für besondere Projekte, Auftritte, Ankäufe bei Firmen oder Mäzenen Bares zu sammeln ist legitim, solange keine inhaltlichen Auflagen damit verbunden sind.

DIE WELT: Kulturpolitik spielt im Wahlkampf eine erstaunlich große Rolle. Was halten Sie von den Plänen mancher Unionspolitiker aus dem Kulturstaatsminister einen Bundeskulturminister zu machen?

Hoffmann: Wenn ein autonomes Ministerium den Künsten und der Kultur den Stellenwert erkämpft, den wir zur Zukunftssicherung dringend brauchen, bin ich dafür. Aber Kulturpolitik ist abhängig von Personen. Wenn an der Spitze eine Flasche sitzt, passiert unten nix. Gefragt ist eine intellektuelle Figur mit Ideen, Charisma, Durchsetzungswillen, die so viel eigene Kultur besitzt, daß sie bei Künstlern und Institutionen Autorität besitzt.

DIE WELT: Was halten Sie als ehemaliger Präsident der Goethe-Institute von dem Vorschlag, diese dem Außenministerium zu entziehen und sie dem künftigen Bundeskulturministerium zuzuordnen?

Hoffmann: Das wäre grundfalsch. Die Goethe-Institute sind mit ihrer intimen Kenntnis der Kulturen und Mentalitäten der Gastländer ein wichtiger Partner der Botschaften und Konsulate bei der Feinjustierung ihrer bilateralen Beziehungen. Neben Politik und Wirtschaft ist Kultur als affektive Komponente die dritte Säule der Außenpolitik. Mit Hilfe unserer Künste und Literatur hat die deutsche Diplomatie die Sympathiewerte für unser Land ganz wesentlich gesteigert. Und ganz pragmatisch gedacht: Ein Außenminister und Vizekanzler bringt am Kabinettstisch eine ganz anderes Pfund für die Goethe-Institute ins Gewicht als ein noch so schöngeistiger Kulturminister. Außerdem haben 90 Prozent der Goethe-Crews Pässe der Gastländer. Allerdings sollte ein Außenminister auf seinen Reisen regelmäßig die Institute mit einem Gespräch beehren und nicht nur ein einziges Mal in sechs Regierungsjahren. Der Kanzler war immerhin schon zweimal (!) da - um Fußballstars vorzustellen.

DIE WELT: Was wäre die wichtigste Aufgabe eines Bundeskulturministers?

Hoffmann: Dafür zu sorgen, daß die Kultur wie Sport und Soziales als Staatsziel die Verfassung schmücken wird.

DIE WELT: Wird der Föderalismus in kultur- und bildungspolitischen Fragen mehr und mehr zum Hemmschuh? Beispiel Rechtschreibreform.

Hoffmann: Es sind weniger die Statuten des Föderalismus als die Hemmschuhträger, die mit Kultur Politik machen. Nicht wenigen mangelt es leider an der notwendigen Phantasie und Leidenschaft. Manche Kultusminister sind nicht glaubwürdig, weil sie zu Fragen der Kunst und der Bildung persönliche Kompetenz vermissen lassen. Die Rechtschreibreform muß dem bürokratischen Ehrgeiz der Kultusministerkonferenz entzogen und einem Fachgremium zugeordnet werden.

DIE WELT: Welches waren Ihre wichtigsten kulturpolitischen Entscheidungen?

Hoffmann: Zu Beginn: Die Gründung der Oberhausener Kurzfilmtage. In Frankfurt dann: Das Museumsufer, der Wiederaufbau der Alten Oper, der Bau von einem Dutzend Stadtteilbibliotheken. Mit Blick auf die Goethe-Institute bin ich stolz darauf, verhindert zu haben, daß noch mehr Institute geschlossen wurden und daß ich private Mittel für die Kulturprogramme beschaffen konnte.

DIE WELT: Sie hatten zu ihrer Zeit 45 Millionen gesammelt. Gut. Aber was ist Ihnen nicht gelungen?

Hoffmann: Ein Fehler war das Engagement von Rainer Werner Fassbinder für das "Theater am Turm". Erst wurde ich gelobt, weil ich ihn für eine Gage von nur 3000 Mark monatlich kriegte. Aber sein Ensemble bestand nicht aus Bühnen-, sondern aus Filmschauspieler. Deshalb mußte das Experiment so schnell scheitern, wie es begonnen hatte.

Das Gespräch führte Uwe Wittstock


Artikel erschienen am Do, 25. August 2005
(http://www.welt.de/data/2005/08/25/764872.html)


Hilmar Hoffmann
In der Bundesrepublik kommt ihm an Rang und Würde kaum ein Kulturpolitiker gleich. Nach Kriegsgefangenschaft in Amerika studierte er an der Folkwangschule in Essen. Er begann seine Berufskarriere als Regieassistent. Mit 26 Jahren wurde er Leiter der Volkshochschule Oberhausen und gründete die Internationalen Kurzfilmtage. Von 1965 bis 1970 war er Kultur- und Sozialdezernent in Oberhausen. Es folgten 20 Jahre als Dezernent für Kultur und Freizeit in Frankfurt am Main. In seiner Amtszeit investierte die Stadt 1,4 Milliarden Mark in die kulturelle bauliche Infrastruktur. Von 1993 bis 2002 war er Präsident der Goethe-Institute. 1999 erschien seine Autobiographie "Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten". Heute wird Hoffmann achtzig Jahre alt.

(http://www.welt.de/data/2005/08/25/764875.html)


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 25.08.2005 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1560

Wenn Naturwissenschaftler und Mediziner Forschungsergebnisse verfälschen oder gar frei erfinden, wieso sollten dann Germanisten und Lexikographen ein höheres Ethos haben? Wahrscheinlich lesen wir in nicht ferner Zukunft tatsächlich in einem etymologischen Wörterbuch: "Quäntchen" - heute zu "Quantum", wie es ja der korrupte Duden schon vormacht. Auf solchen Machwerken solte dann allerdings der Hinweis stehen: Herausgeber und Verlag übernehmen keine Gewähr für die Richtigkleit der Angaben und können für sich daraus ergende Schäden nicht haftbar gemacht werden. Überhaupt könnte man sich analog zu den Warnungen auf Tabakwaren vorstellen, daß z.B. auf reformierten Schubüchern stünde: Achtung! Die Lektüre dieser Texte kann Grammatikschäden hervorrufen! Auch das Berufsbild des Sprachheiltherapeuten könnte um eine ganz neue Variante erweitert werden.


Kommentar von Nikolaus Lohse, verfaßt am 25.08.2005 um 09.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1559

Die ausführlichste (mir im Moment zugängliche) Darstellung findet sich in der Neubearbeitung des Deutschen Fremdwörterbuchs von Schulz/Basler, 2. Aufl, Bd.5, 2004. Der Artikel ist viel zu lang, um ihn hier komplett zu zitieren, aber wenigstens ein paar Stellen:

"vom 15. bis ins 17. Jh. selten, erst im Laufe des 19. Jhs. kontinuierlich nachgewiesene Entlehnung ungeklärter Herkunft [...], wohl im Sinne einer Verspottung bürokratischen Sprechens, Denkens und Handelns ironisch umgedeutet zu 'dummes Zeug, Nichtigkeiten' [...], dann oft in (dialektalen, verballhornten) Formen wie 'Fissemadenten, Fiselmatentchen, Fisimatentcher, Füselmatenten, Physimatenten, fislimatentli, Figmenten, Fisterment', bis heute auch 'Fisematenten'.

Ugs. verwendet in der Bed. 'dummes Zeug, Nichtigkeiten, Albernheiten, das Darumherumreden; (leere, unnütze) Flausen; Lügen; Ausflüchte, Täuschungen, Vorspiegelungen; etwas, was unnötigerweise etwas anderes verzögert, überflüssige Schwierigkeiten, (lächerliche) Umstände, Scherereien' (vgl. 'Firlefanz, Kokolores, Mätzchen, Possen, Schnickschnack, Sperenzien, Zeremonien'), in Wendungen wie 'bürokratische, demokratische, juristische, pädagogische Fisimatenten, macht nicht so viele Fisimatenten!, nur keine Fisimatenten! [...]"

Dazu zahlreiche Beispiele vom 15. bis ins 21. Jahrhundert.


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 25.08.2005 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1558

Wir sagten zuhause früher auch "Fisematenten". Meistens liest man aber im Wörterbuch "Fisimatenten".


Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 25.08.2005 um 00.10 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1557

Fisematenten = Ausflüchte

Wohlgemerkt mit "e" und nicht mit "i"

...aus dem "neuen Sass / Plattdeutsches Wörterbuch" von 2002.

Leider ist mein Platt nicht so gut, als daß ich die Richtigkeit aus eigener Erfahrung bestätigen könnte ;-)


Kommentar von Kai Lindner, verfaßt am 25.08.2005 um 00.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1556

In meinem Kluge (24. Auflage von 2002) steht wohl noch der Zierat, mein Dornseiff (8. Auflage von 2004) aus dem gleichen Verlag ist aber größtenteils schon reformiert...

...größtenteils, weil es dort noch den Zierat gibt. Aber viele andere Worte -- insbesondere jene mit ß/ss -- sind nach den neuen Regeln eingetragen.

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis de Gruyter seine Datenbanken vollständig umgestellt hat (ohne eine rot/schwarz Trennung von Neu und Alt).


Kommentar von R. M., verfaßt am 24.08.2005 um 23.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1555

Man könnte als Synonym für Fisimatenten auch Mätzchen vorschlagen – auch schön, denn wer weiß schon, was ein Matz ist?


Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 24.08.2005 um 22.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1554

Nachtrag zu W. Sauer: Möglicherweise tut man dem Verfasser unrecht und die falschen Schreibungen stammen vom Rechtschreibkorrekturprogramm der Redaktion. – Jedenfalls hoffe ich, daß ich im "sturzsoliden" Kluge nie werde "Zierrat" lesen müssen, denn dann wäre es wirklich zum Verzweifeln.


Kommentar von Ursula Morin, verfaßt am 24.08.2005 um 21.12 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=328#1553

Gibt es noch ein Volk außer den Deutschen – mit Ausnahme der Norweger möglicherweise – das mit seiner Muttersprache dermaßen gestraft ist?

Ich versuche, so gut es geht, reformierte Texte zu vermeiden. Aber es bleibt einem nicht ganz erspart, z.B. bei der Besprechung oben in der Frankfurter Rundschau: ... einmal außer Acht gelassen (sofort stellt sich bei mir die sinnlose Assoziation "außer Neun" ein ...)

Oder hier beim Eintrag über die Etymologie von "Fisimatenten" (das man als Schwabe eher mit "Unfug" übersetzen würde): "... die Wahre ..." – sofort denke ich an "Ware", merke aber, daß das nicht paßt und komme dann darauf, daß sich "die Wahre" auf Version bezieht, also "die Wahre Version" – und weiter gehen die Grübeleien ...

... beim Bestellen eines Wörterbuchs unter amazon.de wird mir angeboten: Duden – Deutsche Rechtschreibung kurz gefasst. Nun kann es ja sein, daß dieser Titel zutrifft, denn den neuesten Duden bekommt man wohl auch nur kurz zu fassen, bevor der nächste erscheint – aber muß das wirklich sein?

Sind die Leute, die solches schreiben, von allen guten Geistern verlassen? Gibt es neben dem verfassungsgemäßen Recht auf körperliche Unversehrtheit, nicht auch das Recht auf seelische Unversehrtheit?



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