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13.08.2005
 

Sprache der Realisten
Das Pirahã erlaubt keine Phantastereien

Die menschliche Sprache befähigt dazu, über etwas zu reden, was gerade nicht vorhanden, nicht gegenwärtig oder überhaupt nicht existent ist.

Aber vielleicht nicht jede Sprache? Der Linguist Daniel L. Everett von der University of Manchester glaubt, ein brasilianisches Idiom gefunden zu haben, welches es nicht gestattet, über Dinge zu sprechen, die sich jenseits der persönlichen Erfahrung befinden.



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Kommentare zu »Sprache der Realisten«
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Kommentar von Edzard Klapp, Vaihinger Straße 19, 71144 Ste, verfaßt am 27.08.2005 um 16.34 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=324#1585

Was der wackere neuweltliche Linguist da über eine gewisse Sprache in Brasilien herausgefunden hat, das entspricht haargenau der "Neu-Spra" in George Orwells "1984" - man lese nach im Anhang jenes Romans, was dort über die neue Sprache ["Neu-Spra"] ausgeführt wird : Der Satz "dieser Acker ist frei von Raupen" läßt sich in Neu-Spra korrekt wiedergeben, er befaßt sich mit dem Begriff der Freiheit lediglich in formalem Sinn : ein anderer ist in Neu-Spra für "Freiheit" nicht vorgesehen.

Ist es dieses Merkmal, das Daniel L. Everett an jenem brasilianischen Sprach-Denkmal so bemerkenswert findet? Oder habe ich ihn da falsch verstanden?

In diesen Tagen habe ich mich über den Stichwort-Artikel "Hexerey" in Zedlers Universal-Lexikon hergemacht. Mir ist - abgesehen von zahllosen Schreibweisen, die von unser heutigen abweichen, aufgefallen, daß die Begriffsinhalte der dort verwendeten Wörter mitunter kraß von dem heutigen Verständnis abweichen. Es macht mir keine Schwierigkeit, den Text zu verstehen, doch man kommt bei Vermittlung an Unkundige nicht um gelegentliche Erläuterungen herum ... Bis vor kurzem hatte ich gemeint, es gäbe keine Hexen mehr, doch habe ich mich belehren lassen müssen, daß in anderen Teilen unserer heutigen Welt der Glaube an das Wirken von Hexen noch weit verbreitet ist.

Auf schlicht narrative Stränge wird man sich angesichts dieses Phänomens nicht berufen dürfen. Steckt hinter der von Everett erörterten Sprache vielleicht eine kollektive, allgemeinverbindliche Furcht?


Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 15.08.2005 um 18.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=324#1462

Aus dem Kladdentext von Arnold Gehlens „Der Mensch“:
In diesem philosophischen Originaltext entwickelt Gehlen einen anthropologischen Begründungsversuch der Wissenschaft vom Menschen. Gehlens „anthropologisches Schema“ wählt die Handlung als methodischen Ansatzpunkt, um von hier den traditionellen Dualismus Leib-Seele aufheben zu können. Die biologische „Mängelausstattung“ des Menschen wird als Quelle und Antrieb seiner Daseinsbeherrschung, seiner Umarbeitung der Natur zu einer menschlichen Welt gesehen. Die zweite zentrale Kategorie des Gehlenschen Ansatzes ist die Entlastung. Zentrales Medium hierbei ist die Sprache, die „entlastete“, d.h. gedankliche Handlungen, phantasierte Gestaltungen der Wirklichkeit und imaginierte Verhaltensabläufe ermöglicht.

Kommentar zur Untersuchung:
Es spricht generell nichts gegen neuartige Entdeckungen, Erhebungen und Erfindungen. Außerdem ist es jederzeit gut möglich, daß sich menschliche Kulturen entwickeln, in gleichem Maße, wie Kulturen degenerieren.
Mathematik und Sprache standen ehemals in Entwicklung, waren zunächst angewiesen auf konkrete Handlungsebenen, entwickelten jedoch nahezu im Zeitraffertempo dank der zahlreichen Gleichgesinnten und Fortschrittswilligen einen Wissensstand, der sich sehr bald auf einer abstrakten und methodisch nachvollziehbaren Ebene bewegte.

Man hüte sich also insbesondere vor jenen wissenschaftlichen Untersuchungen, die ihre Erkenntnisse anpreisen, wie die Ersterfindung des Rades und die inmitten einer Leistungsgesellschaft die frühmenschliche Emanzipation als Leitbild der Gesellschaft propagieren.
All jenen Widerstreitern – insbesondere aber allen derzeitigen Kultusministern – sei die Lektüre Gehlens ans Herz gelegt.



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