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21.07.2005
„Bärgöttin und Vogelgöttin sind wirklich die Bärgöttin“
Urwörter vom Balkan

Ein amerikanischer Keltist glaubt, erstmals einen Satz in der Vinca-Schrift der alteuropäischen Kultur zu entziffert zu haben.

Herausgekommen ist eine theologische Aussage von zweifelhaftem Wert. Die Neue Zürcher Zeitung spricht zurückhaltend von »spektakulären und auch etwas spekulativen Forschungen«. Toby D. Griffen ist jedenfalls zuversichtlich, auf den ältesten jemals geschriebenen Satz gestoßen zu sein.



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Kommentare zu »„Bärgöttin und Vogelgöttin sind wirklich die Bärgöttin“«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2013 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=306#9473

Eine Schwäche des berühmten "Buchenarguments" beruht darauf, daß oft nicht genau bekannt ist, welcher Gegenstand mit einem bestimmten Wort bezeichnet wurde, sowie auf der bekannten Tatsache, daß Auswanderer neue Objekte mit den vertrauten alten Namen bezeichnen. Ich sehe gerade, daß Wikipedia einen sehr umfangreichen Eintrag zum "Lachsargument" hat, während man sich mit dem Buchenargument auf anderen Seiten vertraut machen kann.

(An Paul Thiemes "Der Lachs in Indien" mußte ich denken, wenn unser Koch in Neu-Delhi uns "Lachs" auftischte – ich weiß bis heute nicht, was das eigentlich für ein Fisch war, wir haben es auch bald aufgegeben, weil Fisch dort eine etwas bedenkliche Speise ist.)

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 01.08.2013 um 18.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=306#9472

Manche Indogermanisten wie z.B. Robert Schmitt-Brandt versuchen, das Ursprungsgebiet der Indogermanen anhand nicht gemeinindogermanischer Wörter einzugrenzen. Die frühen Indogermanen hatten noch kein Wort für die Buche, die sie vermutlich nicht kannten. Das würde auf das heutige Gebiet der Ukraine und Weißrußlands zutreffen, weil die Buche nach der letzten Eiszeit aus dem Mittelmeerraum nach Mittel- und Westeuropa eingewandert ist.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2013 um 11.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=306#9471

„Die indo-europäische (in Deutschland ‘indogermanisch’ genannte) Sprachfamilie ist vergleichsweise jung, gemessen an dem vermuteten Alter der Menschensprache von mehr als 100.000 Jahren.
(...)
Eine überraschende Wende hat die Frage der Indogermanisten bzw. der Streit zwischen den Theorien durch eine kürzlich berichtete Untersuchung bekommen, die von denselben Daten wie die Glottochronologie ausgeht, aber hoch verfeinerte Computer-Methoden der evolutionären Biologie anwendet. Danach kann der Streit um die Heimat der Indogermanen als gelöst betrachtet werden, und zwar zugunsten der Anatolien-Theorie bzw. im Sinne des Kompromisses von Cavalli-Sforza u.a.
(...)
(Die den Sprachen gemeinsamen Wörter, wie Pronomina, Körperteilwörter u. a., wurden hauptsächlich auf der Grundlage der Swadesh-Liste identifiziert)“
(Dieter Wunderlich)

Die "hoch verfeinerten Computer-Methoden" können, wenn man sie auf die windigen Grundannahmen der Glottochronologie anwendet, auch nichts Genaueres herausbringen. So ähnlich versuchen uns die Klimapropheten mit ihren Supersupercomputern zu beeindrucken, und dann kommt alle drei Wochen heraus, daß sie ganz wesentliche Faktoren ausgelassen haben. Letzte Woche erst wurde berichtet, daß Erdbeben ungeheure Mengen Methan im Meer freisetzen, die man bei Klimaprognosen bisher nicht beerücksichtigt hat.

Zur "Anatolien-Hypothese" s. Wikipedia. Diese umfassenden Theorien stammen übrigens auffälligerweise von lauter Nichtlinguisten.

Beim Alter des Indogermanischen kann es sich allenfalls um eine angenäherte Datierung jener Stufe handeln, die man mit den Mitteln der historisch-vergleichenden Methode rekonstruiert.

Interessant ist die Frage, ob man ein solches Rekonstrukt realistisch deuten darf (also als wirklich gesprochene Sprache) oder nur als praktische Formel für die Methode selbst. Manche nehmen an, daß diese älteste Stufe nur einen Vokal und bis zu 12 "Laryngale" hatte, aber solche Sprachen sind sonst nicht bekannt und typologisch unwahrschenlich bis ausgeschlossen. "Macht nichts!" sagen die Methodiker, es ist ja nur ein Konstrukt.

Es hat auch schon Theoretiker gegeben, die sagten: Selbst wenn sich herausstellen sollte, daß es diese Laryngale nicht gegeben hat, bleiben wir bei ihrer Annahme, weil sie zu einer Vereinfachung der Rekonstruktion beiträgt. Ich glaube nicht, daß das bei einer empirischen Wissenschaft zulässig ist.

 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 31.01.2012 um 19.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=306#8880

Der "neue Forschungsansatz" ist, wenn ich nicht irre, die von mir schon (hier) erwähnte Variante der gar nicht so neuen Glottochronologie, alter Wein in neuen Schläuchen also. Leider liest und hört man aber immer wieder diese unsinnigen Behauptungen, diese oder jene Sprache (beliebte Kandidaten waren immer Hebräisch oder Arabisch) sei die älteste der Welt oder besonders alt. Nachvollziehbar ist, daß die betreffende Sprache durch dieses Prädikat geadelt werden soll. Ansonsten rätsele ich auch jedesmal, was die Leute sich dabei denken. Natürlich ist Latein älter als Italienisch, wie auch Althochdeutsch älter als Neuhochdeutsch. Aber um solche Banalitäten geht es offenbar nicht. Vielleicht werden manche Sprachen als sich immer gleich bleibend gedacht, oder spielt die alte Vorstellung vom "Eintritt in die Geschichte" eine Rolle? Auf jeden Fall macht es sich immer gut in der Presse, und das Publikum ist beeindruckt.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 29.01.2012 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=306#8879

Siehe auch Prof. Vennemanns Baskentheorie.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2012 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=306#8877

Meldung vor einiger Zeit:

„Die Anthropologen Alec Knight und Joanna L. Mountain von der Stanford-University sind davon überzeugt, dass die Khoisan-Sprache auf die älteste Sprache der Menschheit zurückgeht. Auf der 51. Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Humangenetik in San Diego stellten sie ihren neuen Forschungsansatz zur Diskussion.“

Aber alle anderen Sprachen gehen doch ebenfalls auf die älteste Sprache oder die ältesten Sprachen zurück! Niemand glaubt, daß es damals Menschengruppen gab, die keine Sprache hatten, und alle haben sie von ihren Vorfahren übernommen.

Ein Sprachwissenschaftler teilt mit:

„Die vor ca. 40.000 Jahren in beinahe ganz Europa Eingewanderten brachten Sprachen mit, die sehr viel älter waren als die etwa 9.000 Jahre alten idg. Sprachen. Das Baskische ist wohl ein Nachfahre dieser voridg. „alteuropäischen“ Sprachen (und erscheint daher heute isoliert und fremdartig).“

Was haben denn die Vorfahren der Indogermanen gesprochen? Anscheinend wird hier das rekonstruierbare Idg. mit dem Alter der Sprache verwechselt.

 

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