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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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21.06.2005
 

Stefan Stirnemann
Neue Rechtschreibung bleibt unverbindlich
Warum die Lehrer ab August Probleme haben werden

In der heutigen Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung beschreibt Stefan Stirnemann, welche Folgen die teilweise vorläufig endgültige Einführung der Rechtschreibreform für die Schulen haben wird.

Lesen Sie den Beitrag des St. Galler Gymnasiallehrers und Mitglieds der FDS hier.



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Kommentare zu »Neue Rechtschreibung bleibt unverbindlich«
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Kommentar von Gabriele Ahrens, verfaßt am 23.06.2005 um 11.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=279#1007

Unbedingt anrufen: 030 - 2327 6001! Der Berliner Kurier meldet heute folgendes: "Bildungssenator Klaus Böger (SPD) wird heute wie ein Abiturient bei der mündlichen Abschlussprüfung "gelöchert". Denn: Von 14 bis 15.30 Uhr wird er Fragen der KURIER-Leser zum neuen Schuljahr beantworten. [...] Nicht zuletzt: Ab August tritt die Rechtschreibreform in Kraft. Muss ich meinem Kind unbedingt einen neuen Duden kaufen? Was wird im Diktat neuerdings als Fehler angestrichen? Gibt es Übergangsregeln? Fragen über Fragen. Bildungssenator Klaus Böger beantwortet sie heute von 14 bis 15.30 Uhr unter Telefon 030 - 23276001."


Kommentar von R. M., verfaßt am 23.06.2005 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=279#1006

Vgl. auch Südkurier Konstanz, 10. 6. 2005:

Auf verlorenem Posten
Günther Faller, Leiter des Klettgau-Gymnasiums, zur Rechtschreibreform

Waldshut-Tiengen - Am 1. August tritt die Rechtschreibreform in Kraft, einige Teile davon sollen aber noch verändert werden. Damit bleibt das, was die einen als epochaler Schritt gefeiert haben, für die anderen unzumutbar. Günther Faller, der Direktor des Klettgau-Gymnasiums Tiengen, sieht die Schulen auf verlorenem Post und fordert Verlässlichkeit.


Kommentar von Oskar Baldinger, verfaßt am 21.06.2005 um 22.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=279#988

Die Leute die den Rechtschreibeschwachsinn ausgelöst haben leben im universitären Glashaus oder in andern wirtschaftsabgewandten Gewächshäusern. Die Wirtschaft ist dabei völlig untervertreten. Sie armer Herr Stirnemann stehen offenbar händeringend vor dem anscheinend unlösbaren Problem angesichts divergierender Regeln nicht die richtigen Noten Ihren Schülern geben zu können. Ich sehe kein Problem! Die Lösung ist doch äussert einfach:

Selbst im Präzisionsmaschinenbau oder in der Bauwirtschaft, oder wo auch immer Sie wollen, man muss immer innerhalb gewisseer Toleranzgrenzen arbeiten sonst funktioniert es nie. Warum soll es bei der Sprache anders sein. Worum geht es denn eigentlich bei der Sprache? Das haben anscheinend ein paar wirklichkeitsfremde Professoren völlig vergessen. Es geht doch darum das ich mich andern Menschen gegenüber emotionell und sachlich verständlich mitteilen kann. Und dabei spielt es doch überhaupt keine Rolle ob ich Schifffahrt, Schiffahrt oder schiffahrt schreibe. Der INHALT ist doch das Allerwichtigste. Was soll denn diese unsägliche Kleinkarriertheit. Und wenn man schon minimalste Regeln braucht, dann hätten man festlegen können: es gibt in der Deutschen Rechtschreibung nur ZWEI gleiche Buchstaben nacheinander. Das wäre nicht nur wirtschaftlich sondern wäre auch ökologisch sinnvoller. Vielleicht kann sich mal ein Germanistik-Doktorand dahinter klemmen und dies untersuchen. In England jedenfalls verzichtet man seit Jahren darauf, einen Punkt nach dem Vornamen einzugeben, Bsp: W H G Jones. Schon drei Punkte eingespart!


Kommentar von Dr. N. Bernhard, verfaßt am 21.06.2005 um 20.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=279#987

Sehr geehrter Herr Stirnemann

Gratulation zu Ihrem Artikel gegen die neue Rechtschreibung. Wir haben uns bei unserer Zeitschrift (PRIVATE - Das Magazin für Vermögensberatung und Private Banking) von Anfang an entschieden, diesen analphatischen Schwachsinn nicht mitzumachen, und wir werden uns auch nach dem ominösen 1. August 2005 an die alte, richtige Rechtschreibung halten.

Wir lassen uns nicht von irgendwelchen von uns Steuerzahlern besoldeten Konferenztouristen vorschreiben, wie wir zu schreiben haben. Liebe Kultusminister, Erziehungsdirektoren und andere Besserwisser: vergessen Sie's!

Mit freundlichen Grüssen
Dr. N. Bernhard

Chefredaktor PRIVATE
www.private.ag



Kommentar von Bernhard Eversberg, verfaßt am 21.06.2005 um 16.32 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=279#986

Vielleicht kommt's ja so, oder ist in weiten Teilen außerhalb der Schule schon so, daß als richtig gilt, bes. mangels aktueller Wörterbücher, was die jeweilige Software durchgehen läßt. Und das ist eine Menge, falsche Getrenntschreibungen allemal (deswegen sieht man dabei so viele Fehler), falsches ß eher nicht, deshalb sieht man da wenige.

Aber unter dem Aspekt der maschinellen Verarbeitbarkeit ganz allgemein, insbesondere Übersetzbarkeit und Suchbarkeit, ist der Zustand, die Konsistenz des deutschen Textkorpus einfach schlechter als es ohne Reform heute wäre. Der des Englischen dagegen hervorragend. Die Schreibvarianten zwischen Britisch und Amerikanisch mischen sich innerhalb eines Textes so gut wie nicht, d.h. sie können sogar dazu dienen, beide per Software voneinander zu unterscheiden.

Hier hat uns die Reform einen Bärendienst getan, der als solcher noch kaum erkannt ist.


Kommentar von Helmut Jochems, verfaßt am 21.06.2005 um 15.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=279#985

Wilhelm Raabes Der Hungerpastor besitze ich in der 39. Auflage aus dem Jahre 1911 - in der Rechtschreibung von vor 1901: Auch Moses hatte seine Todten drunten im Thal...; eine handschriftliche Widmung besagt, daß dieses Buch am "13. Jan 24" einer Irmgard Maaß geschenkt wurde, nach (fast) einem Vierteljahrhundert "einheitlicher" deutscher Rechtschreibung. Ich kann nicht überprüfen, ob es die Schreibungen des Manuskripts von 1864 bewahrt hat, auch so versetzt es mich schon durch seinen äußeren Eindruck in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ähnlich wird es künftigen Lesern mit allem ergehen, das zwischen 1901 und 1996 in "traditioneller" deutscher Rechtschreibung gedruckt wurde. Wie einst die "th"s bei Raabe werden die vielen "ß" im Auslaut, die stärkere Verwendung der Kleinschreibung, der Zusammenschreibung bei Verben und Partizipien und natürlich Schreibungen wie Schiffahrt als Indikatoren für Texte des 20. Jahrhunderts empfunden werden. Da im Deutschen die Anhänglichkeit an überlieferte Schreibformen nur mäßig ausgebildet ist, bezeichnen bei uns eben auffällige Änderungen in der Schreibpraxis stärker als sonstwo tatsächliche oder vermeintliche Epochenumbrüche.

Wie man weiß, schwebten dem Reformerkreis um Gerhard Augst auch gesellschaftliche Veränderungen vor, die auf dem Wege über eine egalitäre Rechtschreibung erreicht werden sollten. Ob er aber wirklich davon überzeugt war, dieses Ziel mit ein paar Retuschen hier und da zu erreichen, ist eher unwahrscheinlich. Schon in der Behauptung, nun sei das Schreiben einfacher geworden, steckte ein Trugschluß. Gelegentlich sagte Herr Augst, man habe die vielen verwirrenden Einzelfalllösungen der Dudenredaktionen aufheben müssen, um die Klarheit der Regeln von 1901 wiederherzustellen. Tatsächlich ließ die 2. Orthographische Konferenz aber die Finger von den Problembereichen, die die Reformer von 1996 zum erstenmal und unzulänglich regelten, von der Neuverteilung von "ss" und "ß" ganz zu schweigen. Ob der Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert ein Epochenumbruch war, wird sich erst in Jahrzehnten erweisen. Eine Vorahnung, daß es so sein könnte, haben wir jedoch schon heute. Die Frage ist nur, ob unter diesen Umständen eine neue Rechtschreibung für das ganz andere 21. Jahrhundert angebracht ist, und natürlich, ob die Neuregelung von 1996 mit ihren Rückgriffen ins frühe 19. und sogar ins 18. Jahrhundert für diese Aufgabe taugt.

Der kleine Reformerkreis hat nur einen Stein ins Rollen gebracht. Daß sich die deutsche Rechtschreibung gegenwärtig in einem unbefriedigenden Zustand befindet, ist dagegen das Werk und die Schuld vieler. Es wäre außerordentlich unrealistisch, jetzt an schnelle und vor allem konsensfähige Lösungen zu glauben. Man kann nur mit Rührung auf die kraftlosen Aktivitäten des neuen Rats für deutsche Rechtschreibung blicken, die allenfalls die Fossilierung des jetzigen Zustands hinauszögern werden. Ein wirklicher Durchbruch ist nicht zu erwarten. Nicht einmal die naheliegende Einsicht stellt sich ein, daß der Schreibgebrauch des Deutschen trotz aller Normierungsversuche einen Kompliziertheitsgrad erreicht hat, der sich der präskriptiven Beschreibung in einem übersichtlichen Regelwerk entzieht. Einheitlichkeit läßt sich in den Problemfeldern der deutschen Rechtschreibung nur noch über das amtliche Wörterbuch erreichen. Da dies keine Lösung für das Gros der Schreiber sein kann, bliebe eigentlich nur die Freigabe der Sonderbereiche bei gleichzeitigem Festhalten an der Verbindlichkeit der traditionellen Wortschreibung - nach Aufhebung der Verhunzungen, die die Reformer hier ganz peripher angerichtet haben.


Kommentar von SKD, verfaßt am 21.06.2005 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=279#984

Hinweis

Der Sprachkreis Deutsch SKD verschickt gerade in großer Auflage seine Mitteilungen 2/2005.

Inhalt: Scherbenhaufen Rechtschreibreform: Was sagen die Schweizer Reformer? (Stefan Stirnemann). Leitsätze der Schweizer Orthographiekonferenz von 1963 (Horst Haider Munske). Im Hinterzimmer der Rechtschreibreform (Gustav Korlén). Der Schwindel mit der Fehlerverminderung. Ein Schweizer Rechtschreiber dichtet Reiner Kunze um. Fragen an die Erziehungsdirektoren. Dazu: Goldschmiedekunst und –kennerschaft des Wortes (Christine Schmitz). Das Wortschatzprojekt – Schützenhilfe für die deutschen Klassiker in den Schulstuben (Sarah Weiss und Hans-Christian Leiggener).

Verein Sprachkreis Deutsch SKD, CH-3000 Bern. info@sprachkreis-deutsch.ch



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