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09.05.2005
 

Lückenbüßer Hjalmar
Die Entnazifizierung des Dudens

Der erste Nachkriegsduden 1947 mußte behutsam an die veränderten politischen Verhältnisse angepaßt werden.

So trat der Vorname Hjalmar (Ex-Reichsbankpräsident Schacht war gerade in Nürnberg freigesprochen worden) an die Stelle der Abkürzung HJ. Diese nicht mehr ganz frische Geschichte stellt Judith von Sternburg in der SPD-eigenen Tageszeitung Frankfurter Rundschau dar.



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Kommentare zu »Lückenbüßer Hjalmar«
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Kommentar von R. M., verfaßt am 28.05.2005 um 01.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=254#731

Meinen Leserbrief hat die FR am 12. 5. leicht gekürzt gedruckt.

Politischer Duden

»Angesichts der Lektüre des Kriegsdudens« verliere die Kritik an der Rechtschreibreform »wegen inhaltlicher Irrelevanz stark an Fahrt«, schließt Judith von Sternburg ihren Bericht über die Nazifizierung und Entnazifizierung des Dudens. Dieses Urteil beruht auf einer Überschätzung dieses Wörterbuchs, die in Deutschland Tradition hat. Tatsächlich aber hatte die politisch motivierte Auswahl [und Erläuterung der Lemmata] in den Duden-Ausgaben von 1934 und 1941 keine nennenswerten Auswirkungen auf den Sprach- und Schreibgebrauch. Die neuen Wörter und Wertungen waren ja längst üblich und blieben es teils noch nach Kriegsende. Deshalb haben Abkürzungen wie HJ und SS auch weiter Platz in jedem Wörterbuch, das Sprache so darstellt, wie sie ist und nicht, wie sie politisch erwünscht ist. Der Duden zählt nicht zu ihnen. 1947 wurde der Eintrag »Hitler« gestrichen, und es ist seither dabei geblieben – ein klassischer Fall von hilflosem Antifaschismus. Im neuesten Duden fehlen darüber hinaus Wörter wie »Handvoll«, deren Existenz nach Jahrhunderten auf einmal fraglich geworden ist – auf politische Weisung hin. Die Kritik an solchen Manipulationen ist weiterhin sehr nötig.



Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 10.05.2005 um 12.08 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=254#705

Die Serie „Speer und Er“, 1. Teil in der ARD am 9.5.2005, bietet eine Erklärung dafür, warum Hitler die Fraktur und deutsche Schrift abschaffte und mithin sich der Duden im gleichen Jahr in einer zweiten Ausgabe anpaßte: Deutsch war als „Lingua franca“ für die abhängigen Vasallenstaaten vorgesehen. Seltsamerweise galt dennoch später die deutsche Schrift als vorrangiges Indiz für verfassungsfeindliches Verhalten. Am gleichen Tage wurde im NDR die Tagesschau vom 9.5.1985 wiederholt, mit Erwähnung des „Verfassungsschutzberichts 1984“. Unter verfassungsfeindlichen rechten Aktivitäten wurde an dritter Stelle eine Gruppe genannt, die Sommerlager veranstalte, wo Jugendlichen die deutsche Schrift und Antisemitismus gelehrt würden. Bildbeweis: Eine Schmuckschrift „Sei deutsch!“


Kommentar von Reinhard Markner, verfaßt am 09.05.2005 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=254#703

Der kritische gemeinte Schlusssatz läuft schon deshalb ins Leere, weil die politisch motivierte Auswahl und Erläuterung der Lemmata in den Duden-Ausgaben von 1934 und 1941 keinen nennenswerten Einfluß auf den Sprach- und Schreibgebrauch im Deutschen Reich hatte. Die neuen Wörter und Wertungen waren ja längst kurrent und blieben es teils noch nach Kriegsende. Deshalb haben Abkürzungen wie HJ und SS natürlich auch weiterhin Platz in einem Wörterbuch, das einen deskriptiven und nicht einen naiven volkspädagogischen Anspruch hat.



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