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06.04.2005
 

Fasil a lir é a konprandr
Montréal hilft Legasthenikern

Die französische Orthographie gilt als diffizil und gemeinhin auch als unreformierbar.

Wie das Journal de Montréal berichtet, hat das der Stadtverwaltung der Hauptstadt von Québec keine Ruhe gelassen. Ihr Angebot eines orthographisch modifizierten Accès simple zu den Informationen auf ihres Portail officiel richtet sich an Nutzer mit Lernbehinderungen aller Art: Se sit s'adrês o pêrsone ki on dê z’inkapasité intélêktuêl. Offen bleibt, ob damit auch die anglophone Minderheit Québecs angesprochen werden soll.



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Kommentare zu »Fasil a lir é a konprandr«
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Kommentar von Fritz Koch, verfaßt am 07.04.2005 um 17.38 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=231#548

Französischlehrer warnen dringend davor, in Quebec Französisch lernen zu wollen oder sich das dortige Französisch anzueignen, weil dort kein richtiges Französisch gesprochen werde, sondern dialecte québécois.

Die vielen Schreibweisen für den Laut [o] sind in Frankreich ein Dauerthema für Spott.

Wenn man Südfranzosen zuhört, lernt man erst, wieviele stumme e es im Nordfranzösischen gibt, den die Südfranzosen sprechen sie alle deutlich aus. Allerdings bekommen Schüler mit südfranzösischer Aussprache im deutschen (Nord-)Französischunterricht große Probleme.

Der Zirkumflex gilt als die Strafe für das verlorene s.


Kommentar von Helmut Jochems, verfaßt am 07.04.2005 um 13.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=231#543

Wer bislang geglaubt hat, orthographische Schildbürgerstreiche gäbe es nur bei uns, wird jetzt eines besseren belehrt. In Montreal hat man entdeckt, daß 50 % der Einwohner Leseschwierigkeiten haben und deshalb - obwohl sie Computer besitzen - mit den Informationen auf den Webseiten der Stadtverwaltung nichts anzufangen wissen. Das soll bald "wußten" heißen, denn Bürgermeister Gérald Tremblay verschafft ihnen jetzt mit einer "Ortograf altêrnativ" einen einfachen Zugang: "Ce site s'adresse aux personnes qui ont de la difficulté à lire et à celles qui ont des incapacités intellectuelles." Hoffentlich verirrt sich kein halbwegs der französischen Orthographie Mächtiger auf die städtische Webseite, denn über diese Einschätzung seiner "intellektuellen" Qualitäten wird auch ein Fastanalphabet nicht glücklich sein. "Un sit fasil a lir é a konprandr" - wer diese schlichte Lautschrift lesen kann, traut sich auch an "normale" Texte. Die Leser von "Schrift & Rede" - gewiß sans incapacités intellectuelles sollten es ihrerseits einmal mit der Lektüre versuchen:

Biinvenu dan le sit Internet de la Ville de Montréal . Prené le tan de vizité se sit pour avouar dê z’informasion sur la Ville de Montréal. La Ville de Montréal travay for pour vou z’ofrir dê nouvo sêrvis par Internet. Sur le sit Internet de la Ville de Montréal vou trouveré bokou d'informasion: sur lê pêrsone ki dirij la vil, sur le fonksioneman de la vil ...

Wohlgemerkt, in Kanada plant man keine Rechtschreibreform. Immerhin zeigt dieser "Ortograf altêrnativ", wie verheerend die Folgen wären, wenn man das heutige Französische allen Ernstes phonetisch schriebe. Im Englischen wäre das nicht anders. Hat nicht der kanadische Kommentator recht, wenn er meint, Molière würde sich hierüber im Grabe umdrehen?


Kommentar von Simon Bauer, verfaßt am 07.04.2005 um 11.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=231#542

Erstaunlich.
Eine Übertragung "unserer" Reformmerkmale auf andere Sprachen erscheint mir als eine noch schlimmere "Vergewaltigung" des Schriftbildes.
Ca ne marche pas!



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