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01.03.2005
 

Theodor Ickler im Rat für deutsche Rechtschreibung
Im Auftrag des P.E.N.-Zentrums

»Das P.E.N.-Zentrum Deutschland hat sich angesichts der jüngsten Entwicklung entschlossen, seinen Sitz im „Rat für deutsche Rechtschreibung“ anzunehmen, und mich mit der Vertretung seiner Interessen beauftragt.« Theodor Ickler

Das ist die beste Nachricht seit Jahren. Im Rückblick mag es scheinen, Herr Ickler hätte 1997 Herrn Wernstedts Einladung zur Mitarbeit in Mannheim annehmen sollen. Damals konnten die Vernünftigen freilich noch hoffen, die Aufdeckung der absurden Züge des Schildbürgerstreichs werde genügen, um die Kultusminister zur Einsicht zu bringen. Aber das ist nun alles der Schnee von gestern. Daß die KMK sich im letzten Jahr zu einem Kurswechsel und zum Eingeständnis wenigstens des Hauptfehlers gezwungen sah, ist einzig Herrn Icklers Verdienst. Die Dickköpfigkeit dieses Gremiums und die andauernde und sich eher verstärkende Apathie in der Öffentlichkeit schienen aber darauf hinzudeuten, daß fürs erste nicht mehr zu erwarten sei.

Herrn Icklers Mitgliedschaft im Rat für deutsche Rechtschreibung könnte nun doch die Wende bringen. Als erstes wird es mit der Geheimniskrämerei hinter verschlossenen Türen vorbei sein. Dann aber geht es wirklich an die Substanz. Vermutlich wird Herr Ickler einige Sondervoten verfassen müssen, für die aber jetzt schon Unterstützung unter den Ratsmitgliedern zu erwarten ist. Vielleicht hilft sogar bei den wirklich Verstockten etwas Nachhilfe, um den Weg aus der Sackgasse mitzugehen. Frau Ahnen hat an diese "Pluralität" wohl nicht gedacht, aber nun bekommt die andere Seite wirklich ihr "breites Gespräch".

Wünschen wir Herrn Ickler eine glückliche Hand bei allem, was er unter den neuen Bedingungen für die gute Sache tun wird. Helmut Jochems



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Kommentare zu »Theodor Ickler im Rat für deutsche Rechtschreibung«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2005 um 10.25 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#475

Bisher hatte ich geglaubt, daß DUDEN nur fünfmal im Rat vertreten sei (Wermke, Hoberg, Sitta, Gallmann, Lindauer). Dabei war mir entgangen, daß der Vorsitzende des VdS Bildungsmedien zugleich Geschäftsführer der DUDEN-Paetec GmbH ist. Er sitzt zwar nicht selbst im Rat, aber es ist kaum denkbar, daß der VdS dort etwas anderes betreiben kann als die Durchsetzung der Reform im Sinne des Verbandes. Damit kommt DUDEN an die massenhafte Vertretung von Bertelsmann bei der Mannheimer Anhörung heran. Der Rat sollte sich in "DUDEN-Vertriebsgesellschaft" umbenennen.

Die vom Vorsitzenden angestrebte Staatsferne des Rates zeigt sich u. a. darin, daß die drei Schweizer und mehrere österreichische Stammmitglieder (mit drei m, wie sie es verdienen) unmittelbar von ihren Regierungen entsandt worden sind (wobei man über Herrn Hauck geradezu froh sein muß), und unter den Deutschen befindet sich auch Herr Tangermann, der als Beamter beim Berliner Schulsenator dienstlich auf die Durchsetzungspolitik verpflichtet ist.


Kommentar von Helmut Jochems, verfaßt am 08.03.2005 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#439

Zu den skurrilsten Ereignissen in der deutschen Rechtschreibgeschichte gehört der Federstrich, mit dem der braune Erzverderber 1944 höchstpersönlich die NS-Rechtschreibreform in den Orkus schickte. So geschehen auf dem Obersalzberg, wenige Wochen nach dem mißglückten Attentat. Was wäre aus der deutschen Rechtschreibung geworden, wenn Hitler nicht überlebt hätte?

Die demokratische Rechtschreibreform überbietet die des Obergruppenführers Rust an Absurdität. Insofern haben die Reformer von 1996 nicht bei ihren Vorgängern abgeschrieben. Und daß im demokratischen Gemeinwesen Entscheidungen sich nicht mit einem Federstrich aus der Welt schaffen lassen, gehört eher zu seinen Tugenden. Zweifel kommen freilich auf, wenn man erkennt, daß heutzutage Unvernunft an die Stelle von Willkür getreten ist.

Gerade wird bekannt, wie sich der Verbandsvertreter-Expertenrat für deutsche Rechtschreibung mehrheitlich den weiteren Gang der Dinge vorstellt: Sollte sich herausstellen, dass die neuen Getrennt- und Zusammenschreibungen auch nach endgültiger allein verbindlicher Einführung keine breite öffentliche Akzeptanz finden, müsste langfristig über einen neuen, grundlegend anderen Ansatz in diesem Bereich nachgedacht werden. Nach dem 1.8.2005 hat der Rat genügend Zeit, ggf. notwendige grundsätzlichere Korrekturen/Umarbeitungen vorzunehmen, die detailliert und ausgewogen mit aller ggf. hinzuziehbaren Sachkenntnis erarbeitet und überprüft werden sollten. Dies könnte auf der Basis von empirischer Beobachtung der Sprachentwicklung (...) geschehen. Auf diese Weise könnten auch langfristig tragbare und konsensstärkende Konzepte entwickelt werden. [Hervorhebung hinzugefügt]

Genau so hatte sich Herr Augst das auch vorgestellt: Die Gegner der Neuregelung behaupten: Die Erwachsenen werden zur neuen Rechtschreibung gezwungen. Richtig ist: Von der neuen Rechtschreibregelung wird eine Vorbildfunktion ausgehen. Aber wie die Erwachsenen außerhalb der Schule und der Behörden die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung aufnehmen, wird sich erst zeigen. Wenn ein Vorschlag, z. B. die Eindeutschung von Portemonnaie zu Portmonee, sich überhaupt nicht durchsetzt, wird die Kommission ihn nach einigen Jahren wieder tilgen. [...] Von Zwang kann also keine Rede sein. Die Schule setzt die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung in die Praxis um. Was aber die Schreibgemeinschaft nicht annimmt, wird die Schule wieder aus ihrem Lehrplan streichen. So war es auch nach dem Erlass von 1902. [Hvh. hzgfgt.] Und so steht es seit Oktober 1997 auf den Internetseiten der Zwischenstaatlichen Kommission.

Im Führerstaat gab es kein Verfassungsgericht, da es ja bekanntlich auch keine Verfassung gab. Diese Einrichtung kennt nur die Demokratie - was sie freilich nicht vor Torheit schützt. Die skurrilste Prognose in bezug auf die Weiterentwicklung der neuen deutschen Rechtschreibung steht im Rechtschreiburteil von 1998 unseres BVerfG: Allenfalls auf lange Sicht läßt sich vorstellen, daß einzelne Schreibweisen von neuen - im hier behandelten Regelwerk enthaltenen oder später hinzugetretenen - abgelöst werden, sofern sich diese im Schreibusus der Schreibgemeinschaft durchsetzen. Ist das die "endgültige großdeutsche Rechtschreibung", von der Hanno Birken-Bertsch und Reinhard Markner in ihrer Studie Rechtschreibreform und Nationalsozialismus berichten? Der "Rheinpfälzer Dichterfilosof" Jakob Faber-Kaltenbach sagte sie 1944 voraus - für 2005! Wenn nicht vor allem Kinder und Jugendliche die Opfer dieses Possenspiels wären, käme man aus dem Lachen nicht heraus. Das aber bleibt einem allmählich im Halse stecken.


Kommentar von Mannheimer Morgen, verfaßt am 07.03.2005 um 14.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#438

»Rat mit kritischer Verstärkung
RECHTSCHREIBUNG: Arbeitsgruppe diskutiert Reform


Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist fast komplett. Nachdem die reformkritische Autorenvereinigung P.E.N. zunächst zögerte, den für sie reservierten Sitz in dem Gremium einzunehmen, hat der deutsche P.E.N. nun mitgeteilt, dem Rat doch noch beitreten zu wollen (wir berichteten kurz). Den P.E.N. soll der Sprachwissenschaftler Theodor Ickler vertreten, einer der entschiedensten Kritiker der Orthografiereform. Diese soll durch den Rat, der am Mannheimer Institut für Deutsche Sprache seinen Sitz hat, den letzten Schliff erhalten, bevor sie am 1. August in Schulen und Behörden verbindlich wird.

Die nächste Plenumssitzung des 36-köpfigen Rats für deutsche Rechtschreibung unter Vorsitz von Hans Zehetmair findet am 8. April in München statt. Dort soll über Vorschläge zur Nachbesserung der umstrittenen Getrennt- und Zusammenschreibung abgestimmt werden. Erarbeiten wird diese Vorschläge eine Arbeitsgruppe, die sich am heutigen Montag trifft. Ihr gehört neben sechs Ratsmitgliedern auch der Potsdamer Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg an. Auch er ist ein profilierter Kritiker der Rechtschreibreform, deren Anfänge er selber noch aktiv begleitet hat. Eisenberg, Mitglied der reformkritischen Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, hat für jene vor zwei Jahren einen Reformkompromiss erarbeitet, der öffentlich nicht breiter diskutiert wurde.

Die Absicht von Ratsvorsitzendem Hans Zehetmair, die beiden reformkritischen Institutionen doch noch zur Mitarbeit in dem von der Kultusministerkonferenz eingesetzten Gremium zu bewegen, ist mithin aufgegangen. Allerdings besteht die Akademie auf der Feststellung, die Zusammenarbeit bedeute keine Mitgliedschaft im Rat. Eisenberg betonte gegenüber der dpa, das "Riesengremium" sei einfach nicht der richtige Ort, um die "misslungene Reform" zu diskutieren. Einfacher wird die Arbeit im Rat durch die zwei Institutionen nicht werden. Ob sie überhaupt Erfolge verbuchen kann und wenn ja, welche, wird man frühestens am 8. April erfahren.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung soll sich nach der Getrennt- und Zusammenschreibung noch mit der Eindeutschung von Fremdwörtern und der Zeichensetzung beschäftigen, was aber weniger Diskussionsbedarf ergeben dürfte. Etwaige Änderungsvorschläge müssten noch durch die Kultusministerkonferenz abgesegnet werden, und das alles vor dem 1. August. Es sei denn, die bislang verworfene Idee, die Übergangszeit, in der alte und neue Schreibungen gelten, würde doch noch verlängert . . . tog«


( Mannheimer Morgen, 07.03.2005 )


Kommentar von Helmut Jochems, verfaßt am 07.03.2005 um 12.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#437

Bei aller Freude darüber, daß durch Herrn Icklers Eintritt in den Rat für deutsche Rechtschreibung die in den Vorgängereinrichtungen gepflegte Kultur des Verschweigens, Verdrehens, Verschleierns und plumpen Lügens ein Ende hat, sollten wir uns nicht unsererseits der Täuschung hingeben, nun sei eine Lösung des Dilemmas in Sicht. Der politische Wille zur Umkehr fehlt weiterhin und kann sich auch nicht einstellen, da keines der beiden politischen Lager sich in dieser Sache durch die Desavouierung des anderen einen Vorteil im Kampf um die Macht ausrechnet. Selbst wenn der Rat ausschließlich aus den erfahrensten Rechtschreibexperten zusammengesetzt wäre und diese sich ausnahmsweise sogar auf einen konsensfähigen Standpunkt einigen könnten, wäre das gegenwärtige Dilemma nicht aus der Welt.

Daß die gesamte Schuljugend gezwungenermaßen und viele Erwachsene freiwillig heute Schreibungen verwenden, die unüblich oder nach sprachwissenschaftlichen Kriterien falsch sind, verweist doch nur auf das eigentliche Problem: Bei uns maßt sich der Staat das Recht an, in seinem Machtbereich eine Rechtschreibnorm festzulegen und durchzusetzen, die auf den Schreibusus der Mehrheit seiner Bürger keine Rücksicht nimmt. Dem Götzen "amtliche Rechtschreibung" opfert man hierzulande jedoch nicht erst seit 1996. An der Perversion dieses Machtanspruchs sind wir alle mitschuldig. Eine dauerhafte Abkehr von der deutschen Rechtschreibobsession wäre folglich nur zu erreichen, wenn mit der Rücknahme der überheblichen "Rechtschreibreform" zugleich der staatliche Anspruch auf Rechtschreibnormierung aufgehoben würde. Daß der Staat 1901 beim Ausgleich der regionalen Varianten der deutschen Rechtschreibung behilflich war, sollte kein Freibrief für eine Fortsetzung der Gängelei sein.

Das Ergebnis wäre kein orthographisches Chaos. Wie man heute deutsch schreibt, ist aus den Druckwerken der letzten hundert Jahre abzulesen. Der Schwierigkeitsgrad unserer im Usus erfaßbaren Rechtschreibung ist jedoch so groß, daß es auch weiterhin Rechtschreibwörterbücher geben muß. Zwischen ihnen kann es keine wesentlichen Abweichungen geben, wenn sie sich auf die Darstellung und Beschreibung des tatsächlich Üblichen beschränken. Erklärende Regeln haben sowohl im Vorspann der Wörterbücher wie im Rechtschreibunterricht der Schulen ihren Platz. "Generative" Regeln jedoch, solche also, die neben den üblichen auch ungebräuchliche und kontraintuitive Schreibungen erzeugen, sollten nach dem fehlgeschlagenen Experiment von 1996 für immer in der Versenkung verschwinden. Damit wäre bei uns auch der endgültige Abschied vom amtlichen Regelwerk und vom amtlichen Rechtschreibwörterbuch verbunden. Geringfügig entwickelt sich die Schreibung des Deutschen ohnehin weiter. Dies haben die Wörterbücher natürlich zu dokumentieren und gelegentlich mit Empfehlungen zu versehen. Souveräne Deutschlehrer benötigen dagegen keine Nachhilfe bei ihren Entscheidungen, was sie als unüblich, aber möglich, und was sie als falsch kennzeichnen.

Wenn der Staat sich mit einer spektakulären Aktion von seiner "Rechtschreibanmaßung" verabschieden möchte, gäbe es eine Möglichkeit: die Einberufung einer großen Berliner Orthographischen Konferenz, auf der sich die wirklich Sachkundigen auf ein knapp gefaßtes und für jedermann verständliches deskriptives Regelwerk der deutschen Rechtschreibung einigten. Kein Kultusminister hat seine Unterschrift darunterzusetzen. Wenn es ganz feierlich zugehen soll, wären die Bundespräsidenten der drei deutschsprachigen Länder dazu einzuladen. Aber sie würden für uns unterschreiben und nicht, wie zuletzt in Wien, gegen uns.



Kommentar von Bernd Glebe, verfaßt am 05.03.2005 um 11.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#426

»Frühere Gegner sitzen mit im Boot

Die Runde der Sprachwächter ist fast komplett. Fünf Monate vor der offiziellen Einführung der neuen Schreibregeln wird damit die Arbeit des Rates für deutsche Rechtschreibung aber nicht einfacher. Zwar erklärten sich mit dem Schriftstellerverband PEN und der Akademie für Deutsche Sprache die letzten beiden vorgesehenen Expertenorganisationen zu einer Zusammenarbeit bereit. Beide gelten aber auch als die schärfsten Gegner der Rechtschreibreform.

"Die Mitarbeit des PEN-Zentrums widerlegt, dass Kritiker in dem Rat nur bedingt zu Wort kommen und unsere Meinung bereits feststeht", betonte der Vorsitzende des Expertengremiums, der frühere bayerische Kultusminister Hans Zehetmair. Der erste Schritt der Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Richtung Zusammenarbeit werde zudem die Kritik künftig innerhalb des Gremiums bündeln.

Der Schriftstellerverband PEN will künftig den Hochschulprofessor Theodor Ickler in das 36-köpfige Expertengremium entsenden, in dem Sprachwissenschaftler, Vertreter von Verlagen, Schriftsteller- und Journalistenverbände, Lehrerorganisationen sowie des Bundeselternrates um eine Reform der Rechtschreibreform ringen. PEN-Generalsekretär Wilfried Schoeller bremste jedoch bereits im Vorfeld der nächsten Sitzung die Erwartungen. Diskussion über alle strittigen Punkte: Ja. Unbedingt die Rechtschreibreform umsetzen: Nein.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ist derweil mit einem Bein im Boot der Sprachwächter. Der Professor für Deutsche Gegenwartssprache an der Universität Potsdam, Peter Eisenberg, wird mit einem Mandat der Akademie in der siebenköpfigen Arbeitsgruppe sitzen, die sich am Montag mit den besonders strittigen Fälle der Getrennt- und Zusammenschreibung befassen wird.

Ob aus der Zusammenarbeit eine Mitgliedschaft in dem Rechtschreibrat wird, ist nach Angaben einer Akademiesprecherin aber noch offen. Eisenberg, der 1996 mit dem Deutschen Sprachpreises ausgezeichnet wurde, will dafür nach eigenen Angaben auch nicht zur Verfügung stehen. Das Gremium sei einfach nicht der Ort, um die "misslungene Reform" zu diskutieren.

Bei dem inhaltlichen Ringen um eine Glättung der umstrittensten Fälle bei der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Eindeutschung von Fremdwörtern und der Interpunktion läuft dem Expertengremium zudem die Zeit davon. Am 1. August 2005 werden die neuen Schreibweisen in Schulen und Behörden verbindlich eingeführt. Bis dahin will der Rat Vorschläge vorlegen.«

( Wiesbadener Tagblatt, 5. 3. 2005 )




Kommentar von Reinhard Markner, verfaßt am 04.03.2005 um 23.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#425

Hans Zehetmair hat am Beispiel auseinander_setzen erläutert, daß er eine neue Norm will. Es stellen sich zwei Fragen: 1. Findet er jemanden, der sie ihm in einen Regeltext gießt? 2. Findet er für die Veränderungen eine Mehrheit?


Kommentar von Helmut Jochems, verfaßt am 04.03.2005 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#423

Herr Ickler hat gerade seine erste Vorlage für den Rat für deutsche Rechtschreibung ins Netz gestellt (www.rechtschreibreform.com, Forum): "Worauf ist bei der Revision der refomierten Getrennt- und Zusammenschreibung zu achten?" Er beschränkt sich auf die Behandlung der Verbzusatzkonstruktionen im § 34 und der Verbindungen mit Partizipien im § 36 der Neuregelung. Daraus ergeben sich für ihn zwei Konsequenzen: "Das ganze Kapitel muß jedoch von Grund auf neu durchgearbeitet werden, um den Charakter eines nur widerstrebend unter dem Druck der Kritik angefertigten Flickwerkes loszuwerden", und: "Am besten wäre es, den in langen Zeiträumen gewachsenen Bereich mit seinen Übergangszonen, aber auch seinen grammatisch gebotenen Beschränkungen so darzustellen, wie er sich in sorgfältig redigierten Texten selbst darbietet." Jedermann wird klar sein, daß so etwas nicht in wenigen Wochen zu leisten ist. Der neuerlichen Forderung nach einem Moratorium kann eigentlich niemand widersprechen.

Hier sei daran erinnert, daß die Zwischenstaatliche Kommission zuletzt die Getrennt- und Zusammenschreibung für unregelbar hielt und daraus didaktische Konsequenzen zog: "Darüber hinaus möchte die Kommission festhalten, [...] dass der Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung äußerst schwierig in Regeln zu fassen ist, weil sich ständig neue Entwicklungen ergeben. [...] In diesem Sinne muss der Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung in ganz besonderer Weise (ähnlich wie die Entwicklung der Fremdwortintegration) sowohl offen als auch außerhalb jeder rigiden Ahndung im schulischen Bereich bleiben. Getrennt- und Zusammenschreibung kann auf Grund seiner [sic!] Komplexität, Kompliziertheit und Offenheit nicht Gegenstand eines eng normierenden schulischen Rechtschreibunterrichts bzw. schulischer Fehlerkorrektur sein." Diesen Erkenntnisstand hatte Prof. Augst nur scheinbar schon 1998 erreicht, als er schrieb: "Eine linguistische Theorie, die nicht die üblichen Schreibungen erzeugt, ist falsch." Dies steht auf Seite 48 von Augst/Dehn, Rechtschreibung und Rechtschreibunterricht, auf der Folgeseite jedoch heißt es: "Neben den Eigenregeln der Schreiber, den Beschreibungen der Linguisten und Sprachpsychologen in Theorie a, b, c ... und den verschiedenen didaktischen Theorien (Lehrbücher) a, b, c ... gibt es bei der Rechtschreibung noch etwas, was es sonst in der Sprache nicht gibt: eine amtlich verordnete Normierung. Ist sonst für alle sprachlichen Theorien der sprachlich kompetente Erwachsene das Maß aller Dinge, so ist es in der Rechtschreibung das amtliche Regelbuch. Ja, der Schreiber selbst kann und darf sich im kritischen Entscheidungsfall nicht trauen, auch er muss im amtlichen Regelbuch oder in einem daraus abgeleiteten Rechtschreibwörterbuch nachschlagen." Hier wird der ganze Jammer der deutschen Rechtschreibung öffentlich ausgebreitet - die Überhöhung des Schreibusus und der aus seinen Regularitäten abgeleiteten Hilfsregeln durch die staatlich verordnete Norm. Herr Ickler wird mit seiner Berufung auf den Usus einen schweren Stand im Rat für deutsche Rechtschreibung haben. Nicht einmal die Gegner der Reform folgen ihm geschlossen. Hier sind sich übrigens Herr Ickler und der resignierende Herr Augst einig: Vorläufig beschreiben läßt sich zwar die GZS des Deutschen, der Normierung jedoch entzieht sie sich, es sei denn, man akzeptierte künstliche, kontraintuitive Schreibungen.

Tut Normierung denn überhaupt not? Auf diesen Seiten wurde kürzlich argumentiert, kreatives Schreiben benötige eine subtile Norm, um feine Bedeutungsdifferenzierungen schriftlich ausdrücken zu können, darüber hinaus aber auch, um durch Verletzung der Norm sprachschöpferische Effekte zu erzielen. Wer für das Kunstprodukt "Rechtschreibnorm" plädiert, verfestigt zugleich den staatlichen Zugriff auf die Sprache. Herr Ickler ist als Anwalt der freien Schreibentwicklung und ihres Niederschlags im Schreibgebrauch der Schreiberinnen und Schreiber in den Rat für deutsche Rechtschreibung gegangen. Diese Aufgabe ist schwierig genug. Hüten wir uns davor, von ihm die Konstruktion einer zwar weniger artifiziellen, immerhin aber festgeschriebenen Gegennorm zu erwarten.



Kommentar von Werner Matussat, verfaßt am 04.03.2005 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#421

Dem Vorschlag von Herrn Kreuter kann ich viel positives abgewinnen. Gelänge es, kompetente Verfechter aus den Reihen der Akademie (und davon gibt es sicherlich einige) zu gewinnen, wäre das ein tauglicher Schritt. Eine hochwertige und artikulationsfähige Minderheitsfraktion kann nicht so einfach totgeschwiegen werden wie eine Einzelperson, die ohnehin das Stigma des üblichen Verdächtigen trägt. Drei Personen statt einer können in diesem Gremium die Puppen schon ganz anständig zum Tanzen bringen.


Kommentar von dpa, verfaßt am 03.03.2005 um 18.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#420

»Kritiker vor
Ickler für den P.E.N. im Rechtschreib-Rat


Einer der schärfsten Kritiker der Rechtschreibreform, der Schriftstellerverband P.E.N., hat jetzt doch noch seine Mitarbeit im Rat für Deutsche Rechtschreibung angekündigt. Es habe verschiedene Gespräche gegeben, nach denen auch die Gegner der Rechtschreibreform in dem Expertengremium zu Wort kommen sollen, erklärte der Generalsekretär des P.E.N., Wilfried F. Schoeller. Der P.E.N. entsendet mit dem Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler einen der profiliertesten Kritker der Rechtschreibreform in das umstrittene Gremium. Bislang hatten der Schriftstellerverband sowie die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine Mitarbeit in dem Rat mit der Begründung abgelehnt, das Gremium sei einseitig mit Reformbefürwortern besetzt. Im Rechtschreibrat sitzen Sprachwissenschaftler, Vertreter von Verlagen, Schriftsteller- und Journalistenverbänden, Lehrerorganisationen sowie des Bundeselternrates. Bis zur verbindlichen Einführung der neuen Schreibweisen in Schulen und Behörden zum 1.August dieses Jahres soll sich die Gruppe mit den drei Komplexen Getrennt- und Zusammenschreibung, der Eindeutschung von Fremdwörtern und der Interpunktion befassen. Bis zum nächsten Treffen des Gremiums am 8.April in München will eine siebenköpfige Arbeitsgruppe Regeln für die besonders strittigen Fälle der Getrennt- und Zusammenschreibung ausarbeiten. Weitere Sitzungen sind am 3.Juni und 1.Juli jeweils in Mannheim geplant. dpa«


( F.A.Z., 04.03.2005, Nr. 53 / Seite 35 )



Kommentar von Nordwest-Zeitung, verfaßt am 03.03.2005 um 18.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#419


»Reformgegner gibt weder auf noch nach
INTERVIEW: Prominenter Kritiker über seinen Sitz im neuen Rat für deutsche Rechtschreibung

Der Erlanger Sprachwissenschaftler Theodor Ickler beteiligt sich im Auftrag des PEN. Er will „Schlimmes verhindern“.


Frage: Gegen den Rat für deutsche Rechtschreibung hatten Sie stets fast genauso viele Einwände wie gegen das Reformwerk selbst. Nun sitzen Sie selber mit am Tisch. Wie kommt das?

Ickler: Der deutsche PEN hat mich dazu aufgefordert. Ich habe mich gern bereit erklärt, weil ich mir überlegt habe, dass es besser ist, im Rat zu sein, als ihn nur von außen zu beobachten.

Frage: Hat sich an Ihren Ansichten etwas geändert?

ICKLER: Ich habe natürlich nach wie vor meine festen Ansichten und Absichten. Die decken sich übrigens mit denen des PEN. Der Vorsitzende Johano Strasser hat ja mehrmals und in derselben Schärfe wie meine Freunde und ich zur Rechtschreibreform Stellung bezogen und lehnt sie ab. Es hat sich herausgestellt, dass es auch im Rat Gegenstimmen gibt, Leute, die kritisch sind, ohne aber in der Sache immer die notwendigen Detailkenntnisse zu haben ...

FRAGE: ... und die wollen Sie entsprechend informieren...

ICKLER: Zu deren Unterstützung möchte ich beitragen. Da gibt es einige, die bereit sind, nicht einfach zu allem Ja und Amen zu sagen.

FRAGE: Was versprechen Sie sich davon?

ICKLER: Man kann Schlimmes verhindern, etwa dass Beschlüsse gefasst werden, die die Schwierigkeiten noch ver mehren. Ich möchte also auch auf diesem zweiten Weg mein Ziel verfolgen.

FRAGE: Sie geben nicht auf.

ICKLER: Auf keinen Fall. Ich habe alle Mitglieder des Rates in den vergangenen Wochen unter die Lupe genommen und viel Zeit darauf verwendet, die Interessen der Schulbuchvertreter aufzudecken und gewisse Drahtzieher zu identifizieren, die die Rücknahme der Reform verhindern wollen. Diese Tatsachen will ich den Ratsmitgliedern jetzt zur Kenntnis bringen, damit sie sich nicht unfreiwillig zu Handlangern fremder Interessen machen lassen. Außerdem möchte ich auf ein Moratorium hinarbeiten.

FRAGE: An welchen Aufschub dachten Sie?

ICKLER: Der 1. August (Datum für das endgültige Inkrafttreten der Reform, Anm. der Red.) kann keinesfalls eingehalten werden. Die nächsten Treffen des Rates sind am 8. April, am 3. Juni und am 1. Juli. Am 31. Juli aber müsste ja schon Schluss der Debatte sein. Das ist ganz unmöglich. Da muss ein Moratorium her.

FRAGE: Fürchten Sie nicht, dass man Sie aus dem Rat ausschließen könnte?

ICKLER: Das dürfte nicht leicht sein. Die Kultusministerkonferenz hat Institutionen eingeladen, nicht Personen. Der PEN hat mich ordnungsgemäß angemeldet, und ich habe mit der Geschäftsführerin bereits Einzelheiten meiner Mitarbeit besprochen. Ich kann mir denken, dass einige nicht sehr glücklich sind, ausgerechnet mich dabeizuhaben. Aber ich bin ja kein Unmensch - nur in der Sache unnachgiebig. «


( Nordwest-Zeitung / Regina Jerichow, 3. 3. 05 )


Kommentar von dpa, verfaßt am 03.03.2005 um 12.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#417

»Dichter machen mit

Einer der schärfsten Kritiker der Rechtschreibreform, der Schriftstellerverband PEN, hat seine Mitarbeit im Rat für Deutsche Rechtschreibung angekündigt. Auch die Reform-Gegner sollten in dem Gremium zu Wort kommen, sagte PEN-Chef Wilfried Schoeller. "Dabei geht es uns nicht darum, stur Nein zu sagen", sagte er. Bis zur verbindlichen Einführung der neuen Schreibweisen am 1. August soll das Gremium nach Verbesserungen suchen.«


( Badische Zeitung, 3. März 2005 )



Kommentar von Borghild Niemann, verfaßt am 03.03.2005 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#415

Bitte nicht!!! Die Akademie hat sich durch ihr Rumlavieren "angesichts der Machtverhältnisse" (Originalzitat von Peter Eisenberg) disqualifiziert. Erst auf der letzten Herbsttagung haben meines Wissens Mitglieder intern richtig Klartext geredet, unterstützt von Elfriede Jelineks öffentlichem Appell, kein Mitglied in den Rat zu entsenden. Dabei sollte es auch bleiben. Bei Professor Ickler wissen wir alle, Gegner und Mitläufer der "RSR", daß er sich nicht vereinnahmen läßt.


Kommentar von Karl-Erich Kreuter, verfaßt am 02.03.2005 um 23.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#412

Wäre es angesichts dieser Entwicklung nicht sinnvoll, wenn die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung die ihr angebotenen zwei Sitze doch noch einnähme? Das wären zwei Stimmen mehr für das von Herrn Prof. Ickler verfochtene Anliegen, mit denen die Stimmen der Vertreter des Beamtenbundes und der Gewerkschaft ver.di neutralisiert werden könnten. Diese haben mit Sprachpflege doch überhaupt nichts zu tun, sondern sitzen nur im „Rat“, um mit ihren Stimmen der Reformerclique die Mehrheit zu sichern.


Kommentar von Borghild Niemann, verfaßt am 02.03.2005 um 08.32 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#411

Hurra, lieber Herr Ickler!
Das ist eine gute Nachricht. Ist es möglich, daß die Sitzungen öffentlich werden? Es wäre doch sehr gut, wenn einige von uns mit gespitzten Ohren auf dem Zuhörerbänkchen sitzen könnten.


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2005 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=214#409

Nein, lieber Herr Jochems, 1997 war eine "Mitarbeit" in der Kommission für jeden Mann von Ehre ausgeschlossen. Wernstedt hatte Augst gezwungen, bei mir anzufragen, aber die Bedingungen waren unzumutbar. Die Austritte von Munske und Eisenberg hatten ihre Gründe.
Heute ist die Lage eine ganz andere. Die Bevölkerung hat in der breitesten Weise erfahren, was die Rechtschreibreform bedeutet. Der Leidensdruck ist groß, übrigens auch bei vielen Sympathisanten der Reform und vor allem Mitläufern. Wir bieten eine sanfte Lösung an, und ich möchte wirklich mal hören, was sich dagegen einwenden läßt. Sogar zum Gesichtwahren reichen wir notfalls die Hand, obwohl die Reformerclique das nicht im mindesten verdient hat.
Natürlich weiß ich, daß die amtliche Seite der Sache letzten Endes von jenen Ministerialbeamten entschieden wird, die auch die unsäglich falsche und dreiste Ablehnung der Petitionen in Niedersachsen vor wenigen Tagen zu verantworten haben. Aber wir können diese Ministerialbeamten bloßstellen, wie sie es bisher noch nicht erlebt haben, schon wegen der weitgehenden Anonymität, in der sie sich verstecken konnten.



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