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17.12.2004
 

„Eine Lösung, die keine ist“
Der Auftrag des Rats – und die Alternativen dazu

Für welchen Weg wird sich der „Rat für Rechtschreibung“ entscheiden? Horst Haider Munske beschreibt für die F.A.Z. »drei Möglichkeiten: zwei kurzfristige und ein längerfristiges Konzept.«


»Die letzte Chance
Was der Rat für Rechtschreibung tun muß / von Horst Haider Munske

Am heutigen Freitag findet im Institut für Deutsche Sprache in Mannheim die konstituierende Sitzung des neuen Rats für Rechtschreibung statt. Er soll, wo er es für nötig hält, Änderungen an dem neuen, bereits mehrfach korrigierten und uminterpretierten Regelwerk vorschlagen, damit es wie geplant zum 1. August 2005 verbindlich eingeführt werden kann. Eigentliche Aufgabe dieses neuen Gremiums ist es aber, den Konflikt um die Rechtschreibreform friedlich zu beenden. Das wirft Fragen auf.

Ist ein Gremium von 36 Personen, die von über dreißig Verbänden und Institutionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz delegiert wurden, überhaupt arbeitsfähig? Können sie innerhalb eines halben Jahres zu einem tragfähigen Ergebnis kommen? Ist diese Auswahl, die die Beamten der Kultusministerkonferenz getroffen haben, repräsentativ - und zwar im Hinblick auf den Konflikt?

Das Gremium ähnelt in seiner Zusammensetzung (2:1:1 für die drei Länder) der jetzt aufgelösten zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung und deren Beiräten. Neu dabeisein sollte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (zwei Sitze), doch hat sie eine Teilnahme abgelehnt, nachdem namhafte Schriftsteller, darunter Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, zum Boykott aufgerufen hatten. Vertraut ist auch die organisatorische Anbindung an das Institut für Deutsche Sprache, das seit seiner Gründung im Jahre 1964 ein Motor der Rechtschreibreform war. Und sogar die Aufgabenstellung beider Gremien gleicht sich bis in den Wortlaut hinein. Von der ehemaligen Rechtschreibkommission hieß es in der Präambel der Gemeinsamen Erklärung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung vom 1. Juli 1996: "(Sie) wirkt auf die Wahrung einer einheitlichen Rechtschreibung im deutschen Sprachraum hin. Sie ... beobachtet die künftige Sprachentwicklung. Soweit erforderlich, erarbeitet sie Vorschläge zur Anpassung des Regelwerks." Das klingt nachträglich wie Hohn, haben doch gerade die Mitglieder dieser Kommission die deutsche Einheitsorthographie ihrem Reformeifer geopfert.

Ganz ähnlich verkündet die KMK, was der neue Rat zu tun habe: "(Er) hat die Aufgabe, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren. Er wird die Entwicklung der Schreibpraxis beobachten und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthographischen Regelwerks im notwendigen Umfang weiterentwickeln." Diese Textverwandtschaft weist auf eine weitere Gemeinsamkeit hin. Sie liegt in der Arbeitsgruppe Rechtschreibreform der KMK, die die politischen Vorgaben an die Sprachexperten weitergab und die politische Umsetzung organisiert hat. Diese aus verschiedenen deutschen Bundesländern abgeordneten Kultusbeamten sind in einem Jahrzehnt zur treibenden und bestimmenden Kraft der Rechtschreibreform geworden. Sie blieben als die Stichwortgeber der Kultusminister stets im verborgenen, sie diskutieren mit keinem Kritiker, werden aber gewiß auf der konstituierenden Sitzung des Rats wieder dabeisein.

Nur eines unterscheidet den Rat grundlegend von der Vorgängerkommission: der Vorsitzende. Damals wurde er aus dem Kreis der Kommission gewählt, diesmal schlägt ihn die KMK selbst vor und erwartet, daß der Rat ihren Kandidaten, den ehemaligen bayerischen Kultusminister Zehetmair. auch wählt. Er steht, wie er wiederholt erklärt hat, für die Einsicht, "daß die Politik keine Rechtschreibung verordnen sollte", eine späte Einsicht zwar, denn Zehetmair hat 1996 die sofortige Einführung der neuen Regeln in den Schulen Bayerns angeordnet. Aber gerade darum ist diese Wahl zu begrüßen. Überdies erklärt Zehetmair, er sehe sich nicht "als Erfüllungsgehilfe der Kultusminister".

Wo sollte der Rat mit seiner Arbeit beginnen? Zunächst muß er sich die Situation der Rechtschreibung ungeschönt vor Augen führen: Die meisten Schriftsteller und belletristische Verlage, viele Fachverlage und zahlreiche Zeitungen weigern sich, die für Schulen verordneten Regeln anzuwenden. Bei den Schülern herrscht Verwirrung, bei den Lehrern Frust. Die Mehrzahl der Bürger war nie für eine Rechtschreibreform, sie erduldet sie nur. Die Geltung deutscher Schriftkultur im Ausland und bei uns selbst ist bedroht. Und schließlich kommt eines hinzu, was bisher kaum bedacht wurde: Computer und Internet haben die Welt schriftlicher Kommunikation grundlegend verwandelt. Rechtschreibung muß in erster Linie den Ausdrucksbedürfnissen professioneller Schreiber und von Millionen Lesern gerecht werden, nicht den Schreiblernern und den Wenigschreibern.

Was kann der Rat in dieser Lage tun, um seine Aufgabe zu erfüllen? Ich sehe drei Möglichkeiten: zwei kurzfristige und ein längerfristiges Konzept. Die erste Alternative nenne ich die KMK-Lösung, weil sie der bisherigen Strategie entspricht. Kurz gefaßt lautet sie: Die Rechtschreibreform ist beschlossene Sache, daran wird grundsätzlich nicht gerüttelt. Es darf nur "Präzisierungen" oder "Anpassungen" geben, allenfalls kleinere Änderungen am Regelwerk. Das Instrument solcher Anpassung und des vorübergehenden Entgegenkommens gegenüber der Kritik ist die Einführung unzähliger Varianten, wie sie im letzten Kommissionsbericht vorgeschlagen und von der KMK gebilligt wurden. Diese Lösung, die keine ist, scheint in der Aufgabenstellung und der Auswahl der delegierenden Institutionen des neuen Rats angelegt. Auch seine schiere Größe paßt zur Erwartung des Abnickens. Die Folgen wären fatal: Das Schisma der deutschen Rechtschreibung würde damit verfestigt.

Die zweite kurzfristige Lösung ist dazu völlig konträr. Ich nenne sie die Akademie-Lösung, denn sie ähnelt dem Kompromißvorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung: Beibehaltung der neuen ss-Schreibung als das Erkennungszeichen der Reformwilligkeit, aber Streichung fast aller inkriminierten sogenannten Neuregelungen: in der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Groß- und Kleinschreibung, der Zeichensetzung, der Fremdwortschreibung, der Stammschreibung, der Silbentrennung. Das ist gar nicht schwer, da im wesentlichen die seit hundert Jahren gültige Einheitsschreibung wiederhergestellt würde. Zu korrigieren sind aber zweifelhafte Entscheidungen der Duden-Redaktion, vor allem die hohe Regeldichte. Diese Kleinarbeit kann und muß nicht sofort bewältigt werden. Es genügt, wenn dies in der nächsten Auflage der Rechtschreibwörterbücher unter Mitwirkung des Rats geschieht.

Kurioserweise kann sich auch diese Lösung auf die KMK berufen. Denn sie war es, die den eifrigen Reformern in den achtziger Jahren die Einführung der sogenannten gemäßigten Kleinschreibung, von "Al" und "Keiser" ( statt Aal und Kaiser) sowie die Gleichschaltung von "das" und "daß" ausgeredet hat. Dieser zweite Weg könnte den Rechtschreibfrieden wiederherstellen.

Die dritte Lösung ist nur mit einer Verlängerung der Übergangszeit, einem Moratorium, realisierbar. Ich nenne dies die Reform der Reform. Alles müßte auf den Prüfstand, jede Regelung müßte auf ihre Auswirkungen im Gesamtwortschatz, auf die deutsche Grammatik, die Praxis der Schule, der Buch- und Zeitungsverlage, der elektronischen Medien überprüft werden. Alles, was in der bisherigen Reformgeschichte versäumt oder falsch gemacht wurde, wäre nachzuholen. Eine langwierige Aufgabe.

Wenn sich nun viele Mitglieder des Rats in die Probleme der Rechtschreibung einarbeiten, sollten sie folgende Maximen beachten. Erstens: Die Rechtschreibregeln müssen dem tradierten Wortschatz und seinem grammatischen Gebrauch entsprechen (zum Beispiel keine Tilgung von Wörtern aus den Wörterbüchern wegen neuer Getrenntschreibung, keine Beseitigung semantischer Differenzierung). Zweitens: Die Regeln müssen mit der Sprachentwicklung übereinstimmen und offen sein für den Sprachwandel, ohne daß Reformen erforderlich sind (Beispiel: Großschreibung substantivischer Ausdrücke wie Grüner Punkt und Erste Hilfe, Kleinschreibung adverbialer Ausdrücke wie im allgemeinen, des öfteren.) Drittens: Nur wo sich die Sprache verändert, sind Schreibvarianten zulässig. Sie können ein Mittel sein, Überregelungen und beckmesserische Regeldichte zu vermeiden. Viertens: Bei alledem ist eines zu bedenken: Normen des richtigen Schreibens sind in allen Schriftkulturen konservativ, denn sie dienen der Bewahrung und Weitervermittlung des Geschriebenen.

Der Autor lehrte Germanische und Deutsche Sprachwissenschaft und Mundartkunde an der Universität Erlangen-Nürnberg.«


( Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2004, Nr. 295 / Seite 33 )



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Kommentare zu »„Eine Lösung, die keine ist“«
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Kommentar von Helmut Jochems, verfaßt am 17.12.2004 um 13.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=169#131

Leider steht die Einsetzung des Rates für deutsche Rechtschreibung nicht für einen Neubeginn, sondern für die Fortsetzung der unaufgeklärten und an Winkelzügen reichen Tätigkeit der Vorgängereinrichtungen. Herrn Zehetmair wird es kaum gelingen, mit diesem Gremium der Rechtschreibreform die „Zähne zu ziehen“ - er wird sich eher an seiner „Truppe“ (wie Herr Niehl zu sagen pflegte) die Zähne ausbeißen. Für Kontinuität sorgt schon jetzt ungeniert die österreichische Delegation, und bei der deutschen wird das nicht anders aussehen. Vielleicht fällt die KMK-Arbeitsgruppe Rechtschreibung der KMK-Reform zum Opfer aber auch das ist ungewiß. Nach wie vor wagt niemand eine nüchterne Bestandsaufnahme. Die Meinung der Mehrheit im Kulturausschuß des Bundestags, dazu sei es nach acht Jahren zu spät, ist kaum mehr als eine faule Ausrede. Der größte Trumpf der Reformdurchsetzer ist nach wie vor das Schweigen der deutschen Hochschulgermanisten. Wozu leistet sich Deutschland dieses Riesenheer von Forschern und Hochschullehrern, wenn es sich seiner ureigensten Aufgabe entzieht, nämlich Hüter der deutschen Sprache zu sein? Die Ausnahmen kann man bekanntlich an den Fingern einer Hand abzählen. Einer von ihnen, Horst Haider Munske, meldet sich nun mit vier Maximen zu Wort, die hoffentlich nicht so schnell in Vergessenheit geraten wie die „Zehn Maximen“ Harald Weinrichs, die 1997 ebenfalls in der FAZ zu lesen waren. Herr Munske gibt zu bedenken:

Erstens: Die Rechtschreibregeln müssen dem tradierten Wortschatz und seinem grammatischen Gebrauch entsprechen (zum Beispiel keine Tilgung von Wörtern aus den Wörterbüchern wegen neuer Getrenntschreibung, keine Beseitigung semantischer Differenzierung).

Zweitens: Die Regeln müssen mit der Sprachentwicklung übereinstimmen und offen sein für den Sprachwandel, ohne daß Reformen erforderlich sind (Beispiel: Großschreibung substantivischer Ausdrücke wie Grüner Punkt und Erste Hilfe, Kleinschreibung adverbialer Ausdrücke wie im allgemeinen, des öfteren.)

Drittens: Nur wo sich die Sprache verändert, sind Schreibvarianten zulässig. Sie können ein Mittel sein, Überregelungen und beckmesserische Regeldichte zu vermeiden.

Viertens: Bei alledem ist eines zu bedenken: Normen des richtigen Schreibens sind in allen Schriftkulturen konservativ, denn sie dienen der Bewahrung und Weitervermittlung des Geschriebenen.


Zur Erinnerung: Harald Weinrich schrieb am 29. 11. 1997 in der FAZ unter anderem:

Rechtschreibung (Orthographie) ist guter Sprachgebrauch beim Umgang mit der Schrift. Sie steht im Dienst der Schreibkultur. Ihr oberstes Gebot ist gute Lesbarkeit der geschriebenen, gedruckten oder elektronisch verarbeiteten Texte. (These I)

Ein wesentliches Element der Schreibkultur im deutschen Sprachraum ist die gleiche Verbindlichkeit der Rechtschreibung für alle Schreiber der deutschen Sprache (Schriftsteller, Lehrer, Journalisten, Politiker, Juristen, Wissenschaftler, Pfarrer ...). Sprachlernende im In- und Ausland müssen mit einer gewissen Anstrengung an die Rechtschreibung herangeführt werden.
(These II)

Die Norm der Rechtschreibung ist ablesbar an der üblichen Schreibweise derjenigen Schreiber, die mit Sprachkultur schreiben, mit besonderer Berücksichtigung der Schriftsteller. (These III)

Zur Feststellung der orthographischen Norm sind diejenigen sprachwissenschaftlichen Institute und Wörterbuch-Redaktionen berufen, die auf der Grundlage eines umfangreichen Corpus von exemplarischen Texten der deutschen Gegenwartssprache lexikographisch tätig sind. (These VI)

Da sich mit der Sprache auch die Schreibung der Wörter ständig ändert, müssen die maßgeblichen Wörterbücher von Zeit zu Zeit dem Wandel der Schreibnorm behutsam angepaßt werden. Neue Schreibungen werden jedoch nicht vorgeschrieben, sondern dem guten Sprachgebrauch der Schreibenden nachgeschrieben.
(These VII)




Kommentar von Tagespiegel, verfaßt am 17.12.2004 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=169#130

Zähne ziehen

Reform der Reform? Der neue Rat für deutsche Rechtschreibung tritt heute erstmals zusammen

Wenn sich heute Nachmittag im Mannheimer Institut für Deutsche Sprache der nach aller Kritik an der Rechtschreibreform von den Kultusministern ins Leben gerufene »Rat für deutsche Rechtschreibung« zur konstituierenden Sitzung trifft, dann steht wohl nur zweierlei von Anbeginn fest: Das nominell aus 18 deutschen sowie je neun österreichischen und Schweizer Vertretern gebildete Gremium wird den ehemaligen bayerischen Wissenschaftsminister Hans Zehetmair zu seinem Vorsitzenden wählen. Und der neue Rat wird zwar nicht sogleich die Verwirrung um die inzwischen von Teilen der Presse bereits zurückgenommene und auch im jüngsten Duden (23. Auflage, 2004) schon wieder modifizierte Rechtschreibung beenden können.

Aber die Einsetzung des Rechtschreib- Rats bedeutet immerhin das Ende des unseligen Wirkens einer »Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung«. Diese einst von den Kultusministern berufene und jahrelang kaum kontrollierte Versammlung wenig bekannter Sprachdidaktiker und Linguisten hatte die Rechtschreibreform selbst in ihren unsinnigsten Auswüchsen mit unerschütterlicher Ignoranz und Arroganz vertreten und – von Medien, Kulturbetrieb und Politik sträflich unbeachtet – ins Werk gesetzt. Hans Zehetmair, ein liberaler Konservativer und gedankenoffener Mann, möchte nun nach ersten Presseerklärungen »kein Erfüllungsgehilfe der Kultusminister« sein. Er will Absurditäten der neuen Getrennt- oder Großkleinschreibung korrigieren (die Marine soll dann wieder »hierzulande« statt »hier zu Lande« flottieren); kurzum, der Rats-Chef möchte bis zum 1. August 2005, wenn in den Schulen wieder eine einheitliche Rechtschreibung gelten soll, der Reform »die schlimmsten Zähne ziehen«.

Das Problem des Rats ist allerdings: Ihm fehlen auch heute noch drei Mitglieder. Das sind die Positionen für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und das deutsche PEN-Zentrum, um die Zehetmair noch werben will. Doch bis auf weiteres bleiben die wesentlichen deutschen (Sprach-)Wissenschaftler und Poeten dem Reformwerk abhold – weil sie entweder seine Notwendigkeit oder die Funktionsfähigkeit des neuen Rats nicht erkennen können. Man befürchtet immer noch eine Majorisierung durch hartleibige »Reform-Lobbyisten«. Insbesondere die Darmstädter Akademie kritisiert, dass der Rat mit 36 Personen zu groß und so besetzt sei, dass ein vernünftiger Kompromiss etwa zwischen alter Orthografie und der Übernahme der neuen »ss/ß«-Regelung zweifelhaft sei. Tatsächlich fragt man sich, warum ausgerechnet der Deutsche Beamtenbund und der DGB im Sprach-Rat vertreten sind, und ob mit den Autoren Ludwig Laher oder Monique R. Siegel aus Österreich und der Schweiz bereits die deutschsprachige Gegenwartsliteratur repräsentiert ist.
Peter von Becker



Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 17.12.2004 um 02.26 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=169#129

Zu Munskes Lösungsvorschlägen: Seine "Akademie-Lösung", also ein dem Kompromißvorschlag der DAfSD ähnelnder Reegelungsversuch, ist natürlich nicht so einfach, wie Munske es darstellt ("Das ist gar nicht schwer"). Mit einer Streichung "inkriminierter" Neuregelungen ist es ja nicht getan. Die Regelung der GZS z.B., die Eisenberg versucht hat, dürfte eine Einheitsschreibung kaum wiederherstellen, man könnte sie als fehlgeschlagen bezeichnen. Was sagt Munske dazu? Nichts. Wenn man auf eine allgemein anerkannte wissenschaftliche Regelung zurückgreifen könnte, wäre die Sache vielleicht einfacher. Um aber zu einer Regelung zu kommen, muß zunächst eine Sichtung des Schreibbrauchs vorausgehen. Oder meint Munske: den alten Duden abschreiben? Oder den Ickler? "Zu korrigieren sind aber zweifelhafte Entscheidungen der Duden-Redaktion, vor allem die hohe Regeldichte. Diese Kleinarbeit kann und muß nicht sofort bewältigt werden." - aha, den Duden also, vorübergehend jedenfalls! Aber was denn, Regelwerk oder Wörterverzeichnis? "... gar nicht schwer"? Nun müßte es doch einmal dämmern: Der Rat muß ein Wörterverzeichnis vorlegen - ein "dekriminiertes" freilich. Es dämmert nicht. Munskes "dritte Lösung" - die ehrgeizigste - zäumt den reformierten Gaul noch einmal von hinten auf: Die Regeln auf den Prüfstand, natürlich auch den elektronischen, der neuen Medien zuliebe. Munske spricht desgleichen von Sprachwandel, führt auf: "Grüner Punkt", "Erste Hilfe". Bei Werdin sehe ich Jeans in "Karotten Form". Augen auf, im Internet gibt's noch mehr.
Warum mischt Munske nicht mit im Rat? Die suchen noch Reformkritiker.




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