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05.11.2004
 

Mit schlechtem Beispiel voran
Die Tagespresse aus Korrektorensicht

»Geben Sie mir irgendeine überregionale deutsche Zeitung«, sagt Olaf Krause, »und ich finde mehr als hundert Fehler«.

Olaf Krause ist Germanist und Korrektor in Hannover. Für die Hannoversche Neue Presse hat er voriges Jahr eine Fehleranalyse [PDF-Datei] erstellt, die in Reformkritikerkreisen zu einigem Ruhm gelangt ist. Die Zeitungen, die er meint, sind die reformiert schreibenden.

Doch Krause ist kein Reformkritiker. Ihm wäre jede Art von Orthographie recht, wenn sie denn nur funktionierte – in dem Sinne, daß sie den Korrektor entlastet. Was die sogenannte neue deutsche Rechtschreibung, wie Krause gestern auf einer Veranstaltung in Darmstadt erläuterte, aber nicht tut. Im Gegenteil.



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Kommentare zu »Mit schlechtem Beispiel voran«
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.06.2013 um 15.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#9397

Die Formulierung "vertritt dort die Interessen von XY" ist bestimmt ohne tieferen Sinn gewählt worden. Vermutlich spontan und aus Gewohnheit. Der VFLL stellt sich nach außen und nach innen permanent als Verband dar, der die Interessen seiner Mitglieder (und der sonstigen Lektoren) vertritt. Es gehört dort zur gedanklichen Routine, die Arbeit in einem Gremium mit "Interessen vertreten" gleichzusetzen.


Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 19.06.2013 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#9396

Die Mitgliederliste des Rechtschreibrates ist zuletzt Anfang Februar 2013 auf den neuesten Stand gebracht worden (siehe mitgliederliste.pdf).


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2013 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#9395

Schlobinski ist also schon wieder draußen, was ich ihm nicht verdenken kann. Stutzig macht mich die Formulierung, Olaf Krause vertrete die Interessen der Gesellschaft für deutsche Sprache. Diese Gesellschaft hat eigentlich keine Interessen zu haben, anders als Krause persönlich, der ja nach eigener Aussage an der reformbedingten Unsicherheit Geld verdient.


Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.06.2013 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#9394

Soeben erhalte ich einen Newsletter des VFLL (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren), in der vorrangig mitgeteilt wird, daß es eine neue Pressesprecherin gibt. In einem weiteren Absatz heißt es:

Und es gibt noch ein Gremium, in dem wir inzwischen mit einem Verbandskollegen präsent sind: der Rat für deutsche Rechtschreibung. Olaf Krause aus Hannover vertritt dort die Interessen der Gesellschaft für deutsche Sprache. Nach eigenem Bekunden wird er auch seine Erfahrungen aus dem Lektorats- und Journalistenberuf (auch Mitglied im DJV) mit einbringen.


Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 03.12.2010 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#8349

Da ist etwas dran, aber so schlimm ist es auch wieder nicht.

Erstens wird ja auch in Zeitungen und Büchern einige Sorgfalt auf den Text verwendet, nur nicht so konsequent und pingelig. Der Werbelektor dient in erster Linie dazu, die lukrative Geschäftsbeziehung zwischen Werbeagenturen und deren Auftraggebern abzusichern, denn die kann sich wegen ein paar Fehlerchen in einen Rosenkrieg verwandeln und unheilbar kaputtgehen. Deshalb lohnt sich die Investition, und der Werbelektor spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle, die ihm auch allseitig gedankt wird, wenn die Geschäftsbeziehung mit seiner Hilfe langfristig unfallfrei bleibt.

Zweitens werden auch Zeitungen nur zu einem geringen Teil gelesen, oft nur Überschriften und vielleicht ein, zwei Artikel. Viele Ausgaben bleiben komplett ungelesen, nicht nur wenn der Abonnent im Urlaub ist.

Außerdem haben Werbetexte auch ihre attraktiven Seiten. Das ist nicht nur Schaumschlägerei, sondern in erster Linie Information über Angebote und Produktvorteile, die den Adressaten mehr interessieren können als mancher Zeitungsartikel. Gute Werbetexte sind geschliffen formuliert, und über Mangel an Unterhaltung, Abwechslung und Humor kann sich ein Werbelektor nicht beklagen.


Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 01.12.2010 um 20.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#8348

Den Beruf Korrektor stelle ich mir ziemlich deprimierend vor.

Woanders las ich, viele Korrektoren werden in die Werbung „gesteckt“. Dort scheint noch genug Geld vorhanden zu sein, ausgerechnet bei dem Schrifttum, welches zu 99 % ungelesen im Altpapier landet bzw. zum Anzünden des offenen Kamins verwendet wird.

Für die Korrektur des eigentlichen Lesestoffs sind Korrektoren vielfach zu teuer, und wenn sie schon eingesetzt werden, müssen sie auf eine Schreibweise verbessern, die allen bedeutungsgeleiteten Schreibern ein Graus ist.

Eigentlich eine Indikation für Frühpension, um Magengeschwüren zu entgehen …


Kommentar von B Janas, verfaßt am 01.12.2010 um 11.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#8347

Im spanischen Sprachraum braut sich genau dasselbe zusammen, in ungleich größerem Maßstab.Ein Freund in Spanien informierte mich, daß die Reform vor wenigen Tagen in Kraft trat, beschlossen auf einer Konferenz der 22 (!) beteiligten Akademien:

http://heinrich-erlo-ger.blogspot.com/search/label/Rechtschreibreform

Ob man denn, fragte ich ihn, das abschreckende Beispiel der deutschen Reform nicht wahrgenommen habe: Nein.
Wir werden also mit unserem Exempel wohl bald in den Schatten gestellt werden und irren uns gründlich, falls wir noch immer von einem speziell deutschen Phänomen reden. Eigentlich beruhigend ... oder doch irgendwie alarmierend?


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2010 um 09.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#8346

Zum Geschäftlichen, das Herr Wrase erwähnt, ein frühes Zitat:

»Die Rechtschreibhilfen sind schon heute Verkaufsrenner. Richtig spannend wird es aber, wenn der Dudenverlag in den Ring steigt. Die Neuauflage seiner "Rechtschreibung", eben der Duden, soll am 29. September, einen Tag nach der entscheidenden Sitzung der Kultusministerkonferenz, ausgeliefert werden. Das ganz große Geschäft steht ins Haus, ein Experte schätzt den möglichen Absatz des Reform-Dudens auf 20 Millionen Exemplare.
Die Rechtschreibreform kann ein wirtschaftlicher Faktor werden. Bis alle Schulbücher umgestellt sind, werden Milliarden verplempert worden sein. PC-Programme müssen ausgetauscht werden, ein Markt für Schulungsmaßnahmen ist im Entstehen, Lehrerfortbildungen werden konzipiert. Und das alles, weil einige Wörter nicht mehr länger so geschrieben werden sollen, wie sie der alte Konrad Duden vor knapp hundert Jahren fixiert hat.«
(Wolfgang Sauer in der WELT, 31.8.1995)


Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 01.12.2010 um 08.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#8345

"Denn persönlich habe ich als Lektor und Korrektor sehr von der Einführung der neuen Schreibung profitiert. Dadurch, dass selbst Schreibende, die vorher sicher im Umgang mit der Rechtschreibung waren, jetzt ebenfalls verunsichert sind, konnte sich meine Berufsgruppe völlig neue Märkte erschließen." (Olaf Krause)

Wenn Lektoren die Reform gut finden, weil es nunmehr kaum noch jemanden gibt, der ohne Lektor korrekt schreiben kann, haben sie ein charakterliches Defizit. Entweder sie können etwas – dann bekommen sie auch ohne Reform genügend Aufträge und brauchen ihre Meinung über den Reformkrampf nicht am eigenen Profit auszurichten. Oder sie sind auf die künstlich herbeigeführte Schreibschwäche ihrer Mitmenschen angewiesen, um befriedigend viel Umsatz zu machen. Dann taugen sie nichts und sind im falschen Beruf unterwegs.

Nun braucht man sich um ein paar schief gewickelte Lektoren nicht weiter aufzuregen. Bedeutsam war derselbe Mechanismus, als es ums große Geld ging. Dann ist man beim Kern des Pudels: "Die Reform ist ein prima Geschäft für uns Schulbuchverlage, für uns Kinderbuchverlage, für uns Wörterbuchverlage. Wir werden den Leuten Angst einjagen, bis sie alle ihre Kinderbücher in den Müll werfen und für ihre Kinder neue, reformierte Bücher kaufen. Die Bibliotheken müssen sich neu eindecken, die Schulbüchereien müssen neue Bücher kaufen, jeder braucht neue Wörterbücher, privat und im Büro. Großartig! Wir finden die Reform gut! Laßt sie uns durchpeitschen. Erzählen wir den Leuten, daß sie ihren Kindern schaden, wenn sie gegen die Reform sind. Das funktioniert. Bei uns muß die Kasse stimmen, alles andere ist uns scheißegal."


Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2010 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#8344

Olaf Krause ist übrigens derselbe, den ich in meinem Eintrag über den Absentiv angebe, und interviewt wird er von Prof. Schlobinski, der jetzt im Rechtschreibrat die Gesellschaft für deutsche Sprache vertritt. Schlobinski wird ja wohl nicht ohne weiteres Hobergs Position fortführen, allerdings wird der Rat mit ein paar skeptischen Stimmen leicht fertig, solange die Zusammensetzung so bleibt. Aber es ist eigentlich sowieso egal, denn beschließen dürfen die Herren ja ohnehin nichts.


Kommentar von Romantiker 2.1, verfaßt am 28.11.2010 um 23.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=130#8343

Da das Interview mit Herrn Olaf Krause auf dessen Seite kürzlich (27.09.2010 ) aktualisiert wurde, stelle ich hier mal die Adresse ein, sehr lesenswert. Für mich ein Paradebeispiel.

www.mediensprache.net/de/interview/krause/

Kleine Kostprobe:
"Denn persönlich habe ich als Lektor und Korrektor sehr von der Einführung der neuen Schreibung profitiert. Dadurch, dass selbst Schreibende, die vorher sicher im Umgang mit der Rechtschreibung waren, jetzt ebenfalls verunsichert sind, konnte sich meine Berufsgruppe völlig neue Märkte erschließen."

Der Schlußsatz wirft (fein jonglierte) Fragen auf:
"Wenn man den Menschen einen Teil ihrer Identität nimmt, muss man damit rechnen, dass einem massiver Widerstand entgegenschlägt."

Eigentlich ein recht kritischer Mensch, er zeigt den Irrsinn, aber die Kritik geht nur so weit, wie er Vorteile einheimsen kann, immer auf der Hut, immer das richtige Wort – ein ganzer Artist. Diese Doppelmoral treffe ich bei so ziemlich all meinen Kollegen, guten wie schlechten. Kapital schlagen konnten und können sie alle damit.

Interessant (oder leidlich) dabei finde ich, daß die jüngeren Lektoren/Korrektoren das völlig übernommen haben. Was da selbstverständlich, selbstsicher und überzeugt schon bei knapp 30jährigen Berufsanfängerinnen so hervorsprudelt ...

Auf in die Moderne, zu den Networkern
oder
alles Marketing oder was:
http://wasmitbuechern.de/



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