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Nachrichten rund um die Rechtschreibreform

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28.10.2004
 

Walter Lachenmann
„Sanft vollzog sich früher Fortschritt im Allgemeinen“

Dieser tiefschürfende Satz, über den nachzusinnen immer wieder ohne Erkenntnisgewinn vom Allgemeinen zu Sanft zurückführt, steht in einer Fundsache vom 7. August, als die Springer-Presse ihre Rückkehr zu den »alten« Regeln ankündigte.

Er ist typisch dafür, wie Journalisten, die zu gescheit sind, um nicht zu verkennen, wie mißlungen die Rechtschreibreform ist, dennoch meinen, sie als so etwas ähnliches wie eine eigentlich ganz charmante, läßliche Sünde verteidigen zu müssen. So fiel auch Michael Naumann, der zufällig das Brot der ZEIT ißt (stünde er bei der FAZ auf der Gehaltsliste, würde er seine intellektuellen Ressourcen dafür zur Verfügung stellen, deren Reformkritik in seinen eigenen klugen Worten zu unterstützen), die rhetorische Pirouette ein, BILD möge doch »anstatt zur alten Rechtschreibung besser zu richtigem Deutsch zurückkehren«. Im Glashaus der ZEIT sitzend, wo richtiges Deutsch aufgrund der falschen Rechtschreibung gar nicht möglich ist, ist dieser Steinwurf schon recht kühn.

Aber – hierüber herrscht als Quintessenz aller reformtoleranter Intellektueller ziemliche Übereinstimmung – es geht in Wirklichkeit ja niemandem, den Reformkritikern schon gar nicht, um die Rechtschreibung, sondern um völlig andere Dinge. So drücken sich bekanntlich um Sachargumente verlegene Diskutanten schon seit der Antike um direkte Antworten herum. Kern des Problems, so wird unterstellt, sei

»dass sich die vierte Macht (Presse) mit einer neuen (fünften) Macht verbündet hätte. Ihr gemeinsames Ziel sei es, die handlungsunfähige, geschwächte Politik zu korrigieren. Beide haben sich zunächst zwei Felder ausgesucht. Zum einen wollen sie die Solidarität der Politiker- und Managereinkommen mit denen der abhängig arbeitenden Bevölkerung erzwingen, zum anderen wollen sie die künstlich aufgezwungene Rechtschreibreform rückgängig machen. Ersteres ist löblich, letzteres eher fraglich.«

Weder wird begründet, weshalb das eine löblich und das andere fraglich ist, noch wird überhaupt eine konkrete Aussage getroffen. So schwimmt es sich herrlich im großen Strom der Meinungen oder, genauer, der Meinungslosigkeit, mit der unsere Journalisten heute hier, morgen bei der Konkurrenz ihre Brötchen verdienen. Verdienen?



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