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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Manfred Riemer zu »Glauben und wissen«
Dieser Kommentar wurde am 04.01.2026 um 10.42 Uhr verfaßt.

Wenn Tiere einfach tun würden, dann wäre ihr Tun rein zufällig, in den wenigsten Fällen ergäbe es einen Sinn. So verhalten sich Tiere aber nicht. Ihr Verhalten ist klar zweckgerichtet und sinnvoll, erlernt.

Was lernen sie, wenn sie anschließend nichts wissen? Warum verhalten sie sich nach dem Lernen anders als vorher? Etwas muß mit ihrem Körper vorgegangen sein. Sie haben danach ein Wissen (dazu gehören auch motorische Fähigkeiten), das sie vorher nicht hatten.


Theodor Ickler zu »Sehen und Sprechen«
Dieser Kommentar wurde am 04.01.2026 um 08.28 Uhr verfaßt.

Wie man eine rauhe Oberfläche in der Stockspitze zu fühlen glaubt und nicht in der Hand, die den Stock führt, so glauben auch Blinde, ihre Umgebung durch "facial vision" wahrzunehmen.

„Blinde berichten, daß es sich ein bißchen wie Berührung auf dem Gesicht anfühlt. In einem Bericht ist von einem blinden Jungen die Rede, der mit seinem Fahrrad in der Nähe seines Hauses recht schnell um den Block fahren konnte und sich dabei auf die »Gesichtsvision« berief. Experimente zeigten, daß »Gesichtsvision« in Wirklichkeit jedoch nichts mit Berührung der Gesichtsfläche zu tun hat, obgleich die Empfindung auf das Gesicht übertragen werden kann, so wie der Schmerz auf ein Scheinglied (abgetrenntes Glied). Es hat sich herausgestellt, daß die Orientierung über das Gehör erfolgt. Blinde benutzen, ohne sich dessen bewußt zu werden, Echos ihrer eigenen Schritte und anderer Töne, um Hindernisse aufzuspüren. (Dawkins: Der blinde Uhrmacher S. 35)


Theodor Ickler zu »Glauben und wissen«
Dieser Kommentar wurde am 04.01.2026 um 06.32 Uhr verfaßt.

In einer distinktiven Synonymik des Deutschen müßte stehen: Wissen unterscheidet sich von glauben nicht, wie die Wörterbücher wollen, durch einen höheren Grad an Gewißheit und nicht durch das Einhergehen mit einer Begründung, sondern dadurch, daß es ein faktives Verb ist, also einen impliziten Kommentar des Sprechers enthält („autoklitisch“). Es ist also ein Unterschied in der Bezeichnungstechnik, nicht im Gegenstand. Wissen kann also auch nicht anderswo „gespeichert“ sein als Glauben, denn der Unterschied liegt gar nicht auf der Seite des Wissenden oder Glaubenden.

Beide Verben drücken Annahmen aus, aber bei "wissen" gibt der Sprecher zu verstehen (ohne es ausdrücklich zu behaupten, daher nicht direkt widerlegbar), daß die Annahme wahr ist.


Theodor Ickler zu »Glauben und wissen«
Dieser Kommentar wurde am 04.01.2026 um 05.12 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1581#25395

Jemand könnte sagen: "Ich kenne den Wahrheitswert von Einsteins berühmter Formel (nämlich "wahr"), aber ich verstehe sie nicht, weiß also nicht, was sie bedeutet." Das ist gar nichts Besonderes, wir verlassen uns ständig auf Wahrheiten, die wir nicht verstehen.

Tiere wollen und wissen nicht, sondern tun einfach. Man kann ihnen ebenso wie Maschinen ein Wollen und Wissen zuschreiben, das ist weder nützlich noch schädlich, sondern einfach irrelevant (also in einem höheren Sinn doch schädlich). (S. Planimeter)

Das Naturalisierungsprojekt befreit auch den Menschen von Konstrukten wie Wollen und Wissen und führt die Psychologie wieder auf die Verhaltensanalyse zurück, aus der sie stammt. Die psychologischen Verben waren ja ursprünglich Bezeichnungen für Verhaltensweisen, bevor sie "transgressiv" ("metaphorisch") verschoben wurden.

Diese Verschiebung dürfte auf der unabweisbaren Erfahrung der inneren Rede beruhen, des stummen Vorsichhinsprechens, das uns eine "innere Welt" suggeriert, in der es ähnlich zugeht wie zwischen Personen. So wurde die Logik aus der Steuerung von Dialogen (wie noch bei Vater Aristoteles) eine Steuerung des "Denkens".


Theodor Ickler zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 03.01.2026 um 17.58 Uhr verfaßt.

Kann ein Sonderkommando der USA den venezolanischen Präsidenten "verhaften"? Dann könnte ich auch meinen Nachbarn verhaften. In den amerikanischen Meldungen heißt es "capture", meist in Anführngszeichen.
Seltsam klingt auch, was die Justizministerin Bondi sagt: Maduro werden den ganzen Zorn der amerikanischen Justiz zu spüren bekommen. Vance ist so frei, die Geschichte mit der Drogenbekämpfung zu relativieren: Es gehe auch um "das Öl, das sie uns gestohlen haben".


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 03.01.2026 um 14.55 Uhr verfaßt.

„Was ich in die Rente eingezahlt habe, das kriege ich nie raus.“ Das sagt ein Schauspieler, der Fernsehzuschauern anscheinend gut bekannt ist. Solche Äußerungen deuten auf ein Mißverständnis hin. Die Rentenversicherung ist kein Sparschwein. Man muß sich schon ein wenig damit beschäftigen, bevor man es verurteilt oder Alternativen vorschlägt.


Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 03.01.2026 um 14.54 Uhr verfaßt.

Die rechtsradikalen Medien nehmen das „christlich-jüdische Abendland“ für sich in Anspruch und setzen die Kreuzzüge gegen den Islam fort, heute aber perfekt getarnt als Kampf gegen den Antisemitismus. „Deus lo vult“ ist bekanntlich wieder aktuell. Jetzt ist der New Yorker Bürgermeister das ideale Ziel. Auch die WELT wirft Mamdani erwartungsgemäß schon am ersten Tag antisemitische Maßnahmen vor (3.1.26). Der Mann muß doch kleinzukriegen sein!

Meldungen, die nicht ins „Narrativ“ passen, werden von den Rechtsradikalen nicht weitergegeben. Zum Beispiel: „In Norwegen sind im vergangenen Jahr fast nur noch reine Elektroautos neu zugelassen worden.“ Oder: „Insgesamt stammten 2025 rund 59 Prozent der deutschen Nettostromerzeugung aus erneuerbaren Energien.“ Oder Erfreuliches von der Integration der Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt. Oder die Brandkatastrophe in der Schweiz, wo es ja leider keinen Hinweis auf muslimische Brandstiftung gibt; da hält sich unser Mitgefühl in Grenzen.



Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 03.01.2026 um 14.50 Uhr verfaßt.

„Alexithymie, auch Gefühlsblindheit, bezeichnet Einschränkungen bei der Fähigkeit, Emotionen wahrzunehmen, zu erkennen und zu beschreiben. Emotionen sind bei Betroffenen prinzipiell vorhanden, werden jedoch als rein körperliche Symptome interpretiert.“ (Wikipedia)

Klingt wie die Definition von Behaviorismus. Als Krankheit bisher nicht anerkannt, daher auch nicht einheitlich definiert. Möglicherweise sind wir alle alexithym – je nachdem, wie weit man den Kult der Gefühle treiben will. In der Neubildung klingt übrigens an, daß auch Gefühle „gelesen“ werden, also wie bisher schon die Gedanken.


Theodor Ickler zu »Stilistische Pracht«
Dieser Kommentar wurde am 03.01.2026 um 14.47 Uhr verfaßt.

„Was wir wissen - und was nicht“ Das ist eine beliebte journalistische Formel für Überschriften, wohl auch weil sie bedeutsamer klingt als „was wir wissen“. Man könnte sie zu den „Neutralisationsverweigerungen“ stellen, zu denen auch das Gendern gehört. Eigentlich umfaßt „was wir wissen“ auch das, was wir nicht wissen. „Wie alt du bist“ geht auch, wenn du noch sehr jung bist usw.
Das Aufblähen („Klimaforscherinnen und Klimaforscher“) ist grammatisch nicht falsch, nur eben stilistisch unbeholfen und leserfeindlich.


Manfred Riemer zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 03.01.2026 um 13.25 Uhr verfaßt.

Kann man eigentlich noch zwischen Feuerwerk und Brandstiftung unterscheiden? Feuerwerk ist Brandstiftung! Jedenfalls so, wie es heutzutage in den Zentren der großen Städte praktiziert wird.
In Mannheim am Wasserturm und an der Kurpfalzbrücke herrschen in der Silvesternacht kriegsähnliche Zustände. Mit Silvesterraketen wird gezielt geschossen, Böller werden in die Menge geworfen. Selbst schuld, wer da noch hingeht. Mit Feiern hat das nichts mehr zu tun.
In Mannheim-Schönau wurden gezielt Straßenbahnwagen beschossen, Haltestellen völlig zerstört. Der Sachschaden nur für die Stadt Mannheim nach ersten Schätzungen um die 100000 €.


Wolfram Metz zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 03.01.2026 um 12.45 Uhr verfaßt.

Wer meint, daß man in bestimmten Kreisen über Anschläge auf christliche Symbole nur ungern spricht, kann das kritisieren, das ist sein gutes Recht. Aber der Polizei in Ländern wie Deutschland und den Niederlanden vorzuwerfen, sie würden Ermittlungserkenntnisse unterdrücken, ist starker Tobak. Statt dessen ohne jeden Beleg, nur weil es so schön ins eigene Weltbild paßt, zu behaupten, die Vondelkirche sei angezündet worden, ist journalistisch so unprofessionell und unseriös, daß man sich nur wundern kann. Bisher kenne ich nur Zeugenaussagen von Anwohnern, die gesagt haben, es sei Feuerwerk im Spiel gewesen. Aber das sind wahrscheinlich auch alles Fälschungen der Polizei, womöglich gar von höchster Stelle angeordnet. Wer weiß, was hier in holländischen Großstädten in der Silvesternacht abgeht – und in diesem Jahr war es besonders schlimm, die Zahl der Notrufe bei der Feuerwehr hat alle Rekorde gebrochen –, der wird Feuerwerk und Funkenflug nicht sofort als Ursache ausschließen, im Gegenteil. Sollte sich herausstellen, daß es doch Brandstiftung war, geht es an die Motivsuche. Daß das alles seine Zeit braucht, ist nicht so schwer zu verstehen. Aber man muß auch verstehen wollen.


Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 03.01.2026 um 05.08 Uhr verfaßt.

„Wieder ist eine Kirche angezündet worden. Wieder heißt es, die Brandursache wäre unbekannt. Die Polizei würde ermitteln. Der Brand der Vondelkirche in Amsterdam reiht sich in eine Kette von Anschlägen gegen Kirchen, Kapellen und Kreuze und andere christliche Symbolik. Prominentestes und symbolträchtigstes Beispiel ist Notre Dame in Paris.“ (Tichy 1.1.25)

Der Text suggeriert, auch im weiteren Verlauf, die Vondelkirche sei wie Notre Dame einem muslimischen Anschlag zum Opfer gefallen - worauf es aber in beiden Fällen keine Hinweise gibt. (Die Vondelkirche ist übrigens schon lange „profaniert“ und kein passendes Objekt für antichristliche Anschläge). Vance wird gepriesen, weil er die bevorstehende Islamisierung Europas deutlich ausspreche. So muß man es machen, die Früchte sind bald erntereif.


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