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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Hinter verschlossenen Türen«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2019 um 15.26 Uhr verfaßt.

Zum Haupteintrag:

KMK-Präsidentin Anke Brunn vor dem BVerfG am 12.5.1998:

Die Länder stellen aufgrund von Beobachtungen der Schulaufsicht fest, daß die Einführung der neuen Regeln im Unterricht problemlos verläuft, was in Diskrepanz zu aufgeregten und teilweise spitzfindigen Debatten in Teilen der Öffentlichkeit steht. Die Reaktion von Lehrern, Eltern und Schülern auf die neuen Regeln ist in der Regel positiv. (...) Grund der positiven Aufnahme ist die gesteigerte Regelhaftigkeit und die geringere Fehlerquote.

(Genannt werden Institutionen, die sich weitgehend mit der „Verbändeallianz“ der Schulbuchverleger decken. Ein Druckfehler (Jugenbuchverlage) steht immer noch auf der Website der KMK)

Solche dummdreisten Äußerungen der Kultusminister zur Rechtschreibreform findet man heute immerhin nicht mehr. Aber sie stehen da, schwarz auf weiß.


Theodor Ickler zu »Tiefenkasus«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2019 um 09.39 Uhr verfaßt.

Zum Mißbrauchsskandal fragt die FAZ (13.12.19), welche Bischöfe "sich die Hände in Unschuld gewaschen haben".

Der Pertinenzdativ bringt nicht genau dasselbe zum Ausdruck wie das Possessivum: "seine Hände in Unschuld waschen". Dieses klingt objektivierend, distanzierend, wie Wäsche eben, ohne eigene Betroffenheit.


R. M. zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2019 um 07.24 Uhr verfaßt.

Jeremy Corbyn fand es nötig kundzutun, daß seine Pronomina he und him seien.

Hat wohl nicht geholfen.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2019 um 05.59 Uhr verfaßt.

Die Bundesregierung soll eigentlich dem ganzen Volk dienen, das sie gewählt hat und auf dessen Wohl sie vereidigt ist. Ein "Bundeministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend" schließt jedoch eine gar nicht so kleine Gruppe aus (die Hälfte der Erwachsenen), die schon in der Selbstbezeichnung conspicuously absent ist. Man könnte von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sprechen. Wahrscheinlich sogar von Verfassungswidrigkeit. So ja auch die Bevorzugung von Frauen (= Zurücksetzung der Männer) "bei gleicher Eignung".


Theodor Ickler zu »Schwierige Vereinfachung«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2019 um 05.35 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1490#39071

Die Ministerialbeamten konnten anfangs nicht begreifen, daß eine mangelhafte Reform nicht durchsetzbar war. Mangelhafte Lehrpläne waren doch auch durchsetzbar. Sie wollen es bis heute nicht wahrhaben, und selbst der sich reuig gebende ehemalige Kultusminister Zehetmair hat die wahren Gründe des Scheiterns bis heute nicht ganz verstanden.
Die Kultusminister hatten zuerst auch nicht gesehen, was Korrekturen an der gerade erst bekannt gewordenen, aber vorzeitig in die Schulen gedrückten Reform für das ohnehin prekäre Ansehen der KMK bedeutete. Als sie es merkten, zogen sie die Notbremse (Gründung des Beirates, dann des Rates, rechtswidriges Veto gegen weitere Korrekturen).
Munske erinnert noch einmal daran, daß die KMK im Jahre 1987 zwar das IDS mit Reformplänen beauftragte, jedoch weil das IDS unter seinem Präsidenten Heinz Rupp darum gebeten hatte. (Hermann Zabel schrieb mal treffend, man habe sich „den Auftrag geholt“.) Alle mit den Reformplänen befaßten Gremien, auch in den anderen deutschsprachigen Staaten, waren ausschließlich mit Reformwilligen besetzt. Weil keine skeptischen Stimmen gehört wurden, hatte man freie Bahn, brauchte sich aber später nicht zu wundern, daß die Ergebnisse auf breite Ablehnung stießen. Theoretische Grundlage war ein Buch des DDR-Schmalspurgermanisten Nerius, das schon im Titel das Ziel Rechtschreibreform ankündigte.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2019 um 04.53 Uhr verfaßt.

Was sind eigentlich Mädchen*, Trans*personen? Wenn man solche Texte liest, wundert einen auch die Gomringer-Affäre an der Alice-Salomon-Hochschule nicht mehr. Bleibt nur noch hinzuzufügen: „Gefördert vom Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend“.
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2019/12/Broschu%CC%88re-GR-P%C3%A4dagogik-GMF.pdf

"Treibt man etwas auf die Spitze, so übertreibt man und hat die Lächerlichkeit." (Fontane) - Das ist die letzte Hoffnung.

Übrigens tun die Korrekten recht daran, ihre Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit groß zu schreiben und GMF abzukürzen. Das sind zwei Schritte zur Sinnaustreibung.



Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2019 um 00.15 Uhr verfaßt.

Ebenfalls von dieser Internet-Seite:

Diskriminieren Mädchen* und Jungen* anders?

So habe ich den Genderstern auch noch nicht gesehen. Die werden immer irrer.



Theodor Ickler zu »Zahlenblind«
Dieser Kommentar wurde am 12.12.2019 um 14.07 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1524#28540

Auch dieses Jahr jongliert der Paritätische Wohlfahrtsverband in seinem Armutsbericht wieder mit den Prozentzahlen, ohne daß man die wirklichen Lebensbedingungen erfährt. Die zahlenblinden Journalisten sprechen es nach.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 12.12.2019 um 05.01 Uhr verfaßt.

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/projekte/fachstelle-gender-und-rechtsextremismus/

Die Amadeu-Antonio-Stiftung schließt Antifeminismus mit Rassismus zusammen, alles unter „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Es ist nicht ratsam, den Feminismus zu kritisieren.



Manfred Riemer zu »Aufgelesen«
Dieser Kommentar wurde am 11.12.2019 um 14.38 Uhr verfaßt.

Ob nun zu Ostern oder im Advent ...
Da soll einer nicht stutzig werden, wenn er am Ochsenkopf im Fichtelgebirge vor der Weißmainquelle steht, wie die Quelle des Weißen Mains heißt, oder wenn er ein Stück weiter an den Weißmainfelsen vorüber wandert, und wenn er dann im nächsten Gasthof zur Erfrischung plötzlich ein "Weismainer" Bier vorgesetzt bekommt.

Wieder zu Hause, gibt es zum Glück Google, und man erfährt, daß dort, wo sich Weißer Main und Roter Main längst zum gemeinsamen Fluß Main vereinigt haben, tatsächlich auch noch die Weismain dazufließt. Sie entspringt an der Weismainquelle und fließt durch das Städtchen Weismain, wo schließlich das Weismainer gebraut wird. Man lernt doch nie aus.

Zu guter Letzt noch dieser Wikipedia-Satz unter dem Stichwort Weißmainfelsen:
Der Name der Felsengruppe wurde früher „weisen Männern“, den Druiden zugeordnet, weshalb man ihn „Weißmannsfelsen“ nannte.
Jetzt alles klar?


R. M. zu »Neues aus dem Rat«
Dieser Kommentar wurde am 11.12.2019 um 12.02 Uhr verfaßt.

Ursprünglich ist Konrad Duden durchaus so verfahren, wie Nerius es beschreibt, vor dem Hintergrund primär der preußischen Regeln.

Erst nach dem 2. Weltkrieg hat sich der Duden endgültig von den »amtlichen Regeln« gelöst und die eigenen an deren Stelle gesetzt, allerdings unter der Prämisse, die bestehende Rechtschreibregelung bloß fortzuschreiben.


Theodor Ickler zu »Neues aus dem Rat«
Dieser Kommentar wurde am 11.12.2019 um 11.51 Uhr verfaßt.

Die Hinwendung des Rechtschreibrates zur Empirie (Sprachbeobachtung durch Korpusanalyse) klingt ansprechend, bis man sich gewisse Widersprüche klar macht.
Erstens beruhte die ganze Rechtschreibreform nicht auf Sprachbeobachtung, wie es noch beim alten Duden angestrebt war und in meinem Rechtschreibwörterbuch programmatisch der Fall ist. Die Reformer haben Regeln gesetzt und Einzelwortschreibungen festgelegt, die keine Grundlage im Sprachgebrauch hatten und manchmal nicht einmal angebahnt waren. Mit einigen neuen Regeln wollten sie der Sprachentwicklung sogar ausdrücklich „entgegenwirken“ (so etwa der Tendenz zur Zusammenschreibung). Auf dieser Wirklichkeitsfremdheit beruhte ein großer Teil der Ablehnung.

Die Sprachauffassung, die der Reform zugrunde lag, habe ich in meinem „Schildbürger“-Buch mit einem Zitat gekennzeichnet:

„Ein weiteres Merkmal des Orthographiewörterbuchs besteht darin, daß es im Unterschied zu vielen anderen Wörterbuchtypen nicht primär auf der Exzerption von Texten, d. h. auf der Deskription eines im Sprachgebrauch gegebenen Zustandes beruht. Jedenfalls gilt das in Hinsicht auf seinen Hauptzweck: die Angabe der normgerechten Schreibung, nicht so sehr natürlich für die Auswahl des Wortmaterials. Vielmehr handelt es sich beim Orthographiewörterbuch in erster Linie um die Anwendung bestehender oder neu entwickelter orthographischer Regeln, also der Fixierungen von Normen, auf mehr oder weniger große Teile des Wortschatzes. Die Hauptaufgabe dieses Wörterbuches ist somit nicht die Deskription, sondern die Präskription, die Vorschrift, wie die in ihm enthaltenen Teile des Wortschatzes regelgerecht und damit richtig zu schreiben sind.“ (Nerius in HSK „Wörterbücher“, S. 1298)

Aus dieser Darstellung folgt überraschenderweise, daß der Duden niemals ein Rechtschreibwörterbuch gewesen ist, denn er ist ja gerade umgekehrt verfahren. Es folgt weiterhin, daß die Rechtschreibreform, da sie sich nicht am Gebrauch ausrichtet, sondern an den Ideen einer Expertengruppe, nichts anderes als ein zäher Kampf gegen die Sprachgemeinschaft sein kann, die selbstverständlich ihre in Jahrhunderten gewachsenen Gewohnheiten gegen diese Zumutung verteidigt.

Welche Wende das Herstellen von Wörterbüchern durch die Reform genommen hat, drückt die Verfasserin eines der neuen Werke sehr gut aus:

„Vor diesem turbulenten orthographischen Hintergrund ein Wörterbuch der deutschen Sprache zu bearbeiten, kehrt die lexikographische Tätigkeit, die sich üblicherweise mit der Vergangenheit und der Gegenwart des Sprachgebrauchs befasst, in ihr Gegenteil. Die heute alles beherrschende Frage lautet: Wie schreibt man in Zukunft?“ (Renate Wahrig-Burfeind in: dtv-Wahrig 2002)

Tatsächlich beschäftigen sich die Wörterbuchredaktionen nicht mehr mit der Erfassung des Sprachgebrauchs, sondern mit der Deutung und Anwendung von Regeln, die eine „Expertengruppe“ erfunden hat und ständig revidieren muß.

Soweit meine Darstellung von 1997. Nachträglich haben die Reformer und ihre Unterstützer oft gesagt, es sei Zeit, nach hundert Jahren die deutsche Rechtschreibung an den Sprachwandel anzupassen – was oberflächlich plausibel klingt, denn schließlich haben sich auch Autos und Telefone in dieser Zeit sehr verändert. Aber die deutsche Sprache hat sich keineswegs in orthographisch relevanter Weise verändert, der Duden brauchte bloß den Wortschatz nachzuführen und hat es leidlich korrekt getan. Wenn es am Duden etwas auszusetzen gab, dann waren es präskriptive Einzelheiten, die sich als Antwort auf Nutzerfragen ergeben hatten. Da hätte eine unaufwendige Bereinigung (wie in meinem Wörterbuch) genügt. Aber die Reformer wollten die Sprachgemeinschaft selbst belehren, wie eine bessere Orthographie auszusehen habe, und das ging schief.

Zweitens ist die Wendung zur Sprachbeobachtung nicht mehr möglich, weil die Texte, die es zu beobachten gibt, alle schon durch die Reform mitbestimmt sind: einerseits als Schülertexte, die notenrelevant der Reform folgen müssen, sowie amtliche Texte weisungsgebundener Verfasser; andererseits die Ergebnisse der automatischen Rechtschreibkorrektur, die auch private Texte unerbittlich im Sinne der Reformschreibung zensiert. „Entwicklung“ kann unter diesen Umständen nur noch als Gehorsamsverweigerung vorkommen. In ihren Berichten geben die Ratsmitglieder auch zu, daß es dies ist, was sie nun beobachten und statistisch auswerten, also nicht Sprachbeobachtung, sondern Reformdurchsetzungsbeobachtung.


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