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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Stämme und Wörter«
Dieser Kommentar wurde am 14.12.2018 um 08.29 Uhr verfaßt.

Als es noch keine historische Sprachwissenschaft gab, hatte man auch noch keine Vorstellung davon, daß ein Wort (ein Stamm, eine Wurzel...) etymologisch auf genau ein anderes zurückzuführen sei, aus dem es sich gleichsam mechanisch (lautgesetzlich) entwickelt haben mußte. (Sonderfälle wie volksetymologische und analogische Veränderungen lasse ich beiseite.) Man spekulierte über die Bedeutung des Wortes und seiner Bestandteile, auch einzelner Laute, sogar numerologisch aus den Buchstaben, und je mehr schöne Vorstellungen sich damit assoziieren ließen, um so besser; daß die Erklärungen einer widersprachen oder aufhoben, sah man nicht und hätte diesen Einwand nicht verstanden, weil alles und jedes unendlich deutbar war.
Dem Interesse der Kirche kam es zum Beispiel entgegen, caelebs (ehelos) als caelo beatus (im Himmel selig) zu erklären (Isidor). Diese schon im „Kratylos“ exzessiv vorgeführte Methode herrschte über 2000 Jahre, obwohl alle wichtigen Daten zur Entwicklung der historischen Methode vorlagen. Aber vielleicht waren sie zu vertraut, als daß sie den entscheidenden Gedanken zugelassen hätten, der erst aufkam, als das Sanskrit hinzukam – das auch nichts wesentlich anderes bot als die bekannten Sprachen, aber eben unvertraut und mit seinen Entsprechungen überraschend war.
Obwohl jeder weiß, wie dem Kind sein Name gegeben wird, findet man nichts dabei, aus diesem Namen den Charakter oder das Schicksal abzuleiten usw.
Dies alles zeigt, daß die Menschen über ihre Sprache vergleichsweise wenig aufgeklärt waren und recht kindlich dachten, verglichen nämlich mit ihren naturwissenschaftlichen und mathematischen Fortschritten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war dieses Mißverhältnis geradezu grotesk angewachsen (aus heutiger Sicht). Man findet es heute noch bei vielen Menschen.


Theodor Ickler zu »Substantivgroßschreibung«
Dieser Kommentar wurde am 14.12.2018 um 08.18 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1312#16344

(Eugen Wüster)

Dazu folgende Meldung:

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20181212_OTS0169/wuester-nachlass-geht-an-universitaet-wien-bild

Wüsters Arbeiten zur Rechtschreibreform sind auch erwähnt. Im Archiv würde man vielleicht eine interessante Quelle der unseligen Reform finden.


Theodor Ickler zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 14.12.2018 um 07.57 Uhr verfaßt.

Eigentlich sollen wir jede Menschengruppe so bezeichnen, wie sie sich selbst nennt. Beim "Islamischen Staat" hört die "Höflichkeit" (Holenstein) auf, da hat man sich anscheinend auf "IS-Terrormiliz" geeinigt.

Diese Gruppe reklamiert möglichst jeden Mordanschlag auf Unbeteiligte für sich selbst, was besonders einleuchtet, wenn der Täter mit einem "Allahu akbar" ans Werk geht und entweder beabsichtigt oder in Kauf nimmt, dabei auch selbst in die ewige Seligkeit einzugehen.

Entgegen vielen Voraussagen hat sich das religiöse Leben in der Gegenwart stark belebt.


Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2018 um 18.44 Uhr verfaßt.

Wie ich sehe, sind auch die Bücher des alten Scharlatans "Cheiro" noch im Handel und werden bei Amazon gekauft und mit der höchsten Punktzahl bewertet, besonders die "Numerologie".
Die Wikipedia-Einträge deutsch und englisch über ihn sind erstaunlich zurückhaltend, was Kritik am offensichtlichen Unsinn betrifft.


Theodor Ickler zu »Ein Jüngling liebt ein Mädchen«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2018 um 16.32 Uhr verfaßt.

In dem erwähnten Büchlein von Bocheñski "Was ist Autorität?" heißt es

Schönheit ist eine Eigenschaft einer Blume. (18)

Schönheit ist keine Eigenschaft. Pater Bocheñski hätte sich beim hl. Thomas Rat holen sollen: Pulchra sunt quae visa placent.

Ähnlich naiv analysiert er Eva gibt dem Adam einen Apfel als dreistellige Relation. geben ist ein dreistelliges Verb, aber das Geben selbst ist viel komplexer und bezieht u. a. Besitzverhältnisse ein, also gesellschaftliche Normen, zu deren Darstellung man weit ausholen müßte.

Kategorien gibt es grundsätzlich drei: Dinge, Eigenschaften und Beziehungen.

Und wo bleiben Vorgänge, Verhalten, Funktionen?


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2018 um 15.25 Uhr verfaßt.

Ohne rotes Fleisch sinkt unser Risiko für schwere Herzleiden bereits nach 30 Tagen

Darmbakterien produzieren bei der Verdauung von rotem Fleisch Stoffe, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkts und Schlaganfall fördern. Wer bei seiner Ernährung auf rotes Fleisch verzichtet, kann diese schädlichen Stoffe innerhalb von drei bis vier Wochen stark senken und somit auch das Risiko für Herzkrankheiten. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung der Cleveland Clinic, eines der besten Krankenhäuser Amerikas.


Untersucht wurde allerdings nur das Vorkommen gewisser Stoffe abhängig von bestimmten Diäten. Das Krankheitsrisiko wurde daraus errechnet, nicht etwa in Langzeitstudien empirisch ermittelt. Das bedeutet die Formulierung „und somit das Risiko“, und so steht es auch in der Originalveröffentlichung.

Laien denken leicht, sie könnten innerhalb von 30 Tagen etwas Wesentliches für ihre Lebenserwartung tun.


Theodor Ickler zu »Der moderne Mensch«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2018 um 15.18 Uhr verfaßt.

Der Europäische Gerichtshof hat erwartungsgemäß den Rundfunkbeitrag gebilligt. Die Möglichkeit der Verschlüsselung von Fernsehsendungen wurde anscheinend nicht erörtert. Sie wäre freilich das Ende des öffentlichrechtlichen Fernsehens.


Theodor Ickler zu »Astrologie und Orthographie«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2018 um 14.48 Uhr verfaßt.

Da haben Sie auch wieder recht. Wie dem auch sei, ich habe bei "bräuchten" gestutzt, das sah doch eindeutig kriminell aus. Aber nur an dieser Stelle, Gott bewahre!


R. M. zu »Astrologie und Orthographie«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2018 um 13.10 Uhr verfaßt.

Die Aussage »Das Finanzamt hat mich noch nie so angeschrieben, immer nur im strikten Indikativ« bezog sich also nur auf das Verb brauchen?

Das Finanzamt wird in der Regel benötigen schreiben und nicht brauchen.

Google Ngrams beruht übrigens auf Büchern, nicht auf allgemeinen Suchergebnissen.


Theodor Ickler zu »Astrologie und Orthographie«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2018 um 12.59 Uhr verfaßt.

Jetzt versteckt sich der Teufel im Detail "akzeptabel". Was ständig gebraucht wird, ist natürlich akzeptabel; als Grammatiker kann man es nur zur Kenntnis nehmen und seine Beobachtungen höchstens insofern verfeinern, als man die Vorkommensorte oder Register aueinanderhält.
Ein Konjunktiv würde mir in einem förmlichen Anschreiben nicht auffallen, "bräuchte" aber schon. Freilich lockern sich die Sitten, heute reden einen ja wildfremde Absender auch in Firmen gleich mit "Lieber..." oder "Hallo" an.


Manfred Riemer zu »Vormachen und Nachmachen«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2018 um 12.01 Uhr verfaßt.

Spaemanns vermeintlicher Beweis beruht darauf, wie er selbst schreibt, daß Wahrheit (und Vernunft) Gott voraussetzten. Sein Futurum exactum usw. ist nur ein effektvolles Aufblasen dieser Annahme. Er hätte statt dessen Gott mit Wahrheit gleichsetzen sollen, aber das war ihm zu atheistisch.


R. M. zu »Astrologie und Orthographie«
Dieser Kommentar wurde am 13.12.2018 um 11.58 Uhr verfaßt.

Hier sind offenbar zwei Dinge auseinanderzuhalten, zum einen die Frage, ob in einem amtlichen Schreiben ein Konjunktiv zu erwarten ist, zum anderen die Frage, inwieweit bräuchte akzeptabler Konjunktiv II von brauchen ist.


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