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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Ivan Panchenko zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2021 um 23.40 Uhr verfaßt.

Ich kann mir etwas unter einem unfreien Willen vorstellen: Man hat die Absicht, etwas zu tun, aber diese Absicht ist einem Zwang geschuldet, zum Beispiel einer Strafandrohung. Nun ist Freiheit ein relativer Begriff, bei dem der Bezugspunkt (frei WOVON?) oft nicht extra genannt wird, wobei unterschiedliche Sprecher unterschiedliche Bezugspunkte nehmen können (vgl. unsere Diskussion über Modallogik); ich schreibe diesen Beitrag hier „frei“willig, könnte man sagen, tatsächlich schreibe ich ihn aber nur aufgrund der Diskussion hier. Die Frage, ob der Mensch vielleicht eine Marionette seines eigenen Körpers ist, erscheint mir recht konfus, denn natürlich tut ein Mensch genau das, was er tut; von Willens„freiheit“ kann die Rede sein, weil es um die Freiheit von etwas Bestimmtem (implizit) geht. Damit ist die Sache für mich auch schon abgefrühstückt, ganz ohne Hirnforschung. Jetzt könnte man sich noch fragen, was mit Wille gemeint ist. Vielleicht helfen diese sprachanalytischen Betrachtungen weiter:

https://reducing-suffering.org/why-free-will-is-not-an-illusion/

https://reducing-suffering.org/dissolving-confusion-about-consciousness/

(Zugegebenermaßen verwirrt mich das Thema Qualia immer noch.)


Manfred Riemer zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2021 um 21.36 Uhr verfaßt.

Was heißt, nicht lebensnotwendig? Das Bewußtsein wäre dann noch nicht einmal notwendig, um vernünftig zu handeln wie ein Mensch. Wir würden ohne das nutzlose Bewußtsein genauso leben und handeln, wie jetzt, wir würden sogar über den freien Willen und das Bewußtsein diskutieren wie jetzt, nur daß es tatsächlich kein Mensch bemerken würde, niemandem wäre diese Diskussion bewußt. Ich wüßte nicht, daß ich dies schreibe.

Aber es kommt mir doch so vor, als wüßte ich es. Dann muß das Bewußtsein für irgendetwas doch gut und notwendig sein, sonst hätte es die Evolution nicht geschaffen. Wofür ist es notwendig?


Manfred Riemer zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2021 um 18.33 Uhr verfaßt.

Ein unfreier Willen wäre genaugenommen ein Widerspruch in sich, nicht vorstellbar, ebenso wie ein freier Willen eigentlich eine Tautologie ist. Aber man darf m. E. diese Ausdrücke nicht allzu wörtlich nehmen, sondern so, wie sie gemeint sind.

Ein unfreier Willen wäre für mich etwas, das nur scheinbar mein Willen ist, sich wie mein Willen anfühlt, aber keiner ist. Ich hätte die Illusion, genau das zu denken und zu tun, was ich in meinem Bewußtsein selbst bestimme. Ich würde mich darin irren zu glauben, daß ich Herr meiner Gedanken und meines Tuns bin.

Letztlich würde es bedeuten, daß der Mensch eine Marionette ist, gesteuert von zufälligen Teilchenbewegungen. Das Bewußtsein wäre nichts als eine nutzlose Attrappe, nicht lebensnotwendig.

Das widerspricht all meinen Erfahrungen und Anschauungen, ich finde, es wäre eine sehr pessimistische Sichtweise. Irgendwie muß das Bewußtsein bestimmte Gehirnfunktionen steuern, d.h. auf die Materie zurückwirken können.

Ich weiß, das klingt ein bißchen märchenhaft, aber liegt die umgekehrte Richtung, wie Materielles überhaupt bewußt werden kann, die Entstehung eines Bewußtseins, nicht noch genauso im dunkeln? Dennoch zweifelt an dieser Richtung niemand.


Theodor Ickler zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2021 um 16.46 Uhr verfaßt.

Aus sprachkritischer Sicht gibt es viele Probleme, die sich aufgelöst haben oder auflösen lassen, ohne gelöst zu werden - weil letzteres gar nicht möglich ist ("Scheinprobleme"). Sie lassen sich natürlich auch nicht wissenschaftlich formulieren und dann lösen.

Wissen wir wirklich, was mit der Frage nach dem freien Willen gemeint ist? Ich glaube zu wissen, wie solche Fragen aufkommen, aber nicht, was damit gemeint ist.

Können Sie sich einen unfreien Willen vorstellen?


Manfred Riemer zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2021 um 14.48 Uhr verfaßt.

Über die Frage des freien Willens haben sich ja schon lange Philosophen und Naturwissenschaftler den Kopf zerbrochen. Sie alle und auch wir wissen, was damit gemeint ist. Dann muß es doch eine Möglichkeit geben, dieses Problem in wissenschaftliche Worte zu fassen, statt einfach zu sagen, es existiert gar nicht.

Steuert der Mensch sein Denken und Handeln selbst oder registriert er nur die rein physikalischen Bewegungen der materiellen Teilchen seines Körpers und hält das irrtümlich für das Ergebnis eigenen, bewußten Denkens?

Denken und entscheiden wir selbst, haben wir die Möglichkeit, so oder anders zu handeln, oder ist jede Bewegung unabhängig vom Bewußtsein vorbestimmt, wir haben in Wahrheit gar keine Wahl?
Denkt und entscheidet etwas Unbewußtes in uns?


Theodor Ickler zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2021 um 10.55 Uhr verfaßt.

Zu einem Aufsatz von Eddy Nahmias: https://www.eddynahmias.com/wp-content/uploads/2015/01/Nahmias-Free-Will-in-Scientific-American-2015.pdf
dt. in Spektrum Spezial: Neue Fronten der Hirnforschung:

Wie frei ist der Mensch?

Zusammenfassung:

Wollen oder Müssen

1. Die meisten sozialen Institutionen beruhen auf moralischen und rechtlichen Regeln, die voraussetzen, dass Menschen einen freien Willen besitzen.
2. In den letzten Jahrzehnten haben raffinierte Experimente ergeben, dass das Gehirn bereits Aktivität zeigt, bevor uns bewusst wird, dass wir eine Entscheidung gefällt haben. Das scheint die Willensfreiheit in Frage zu stellen.
3. Vermutlich ist unser Wille weniger frei, als wir meinen. Aber das bedeutet nicht, er existiere überhaupt nicht. Wie sozialpsychologische Versuche demonstrieren, haben bewusste Überlegungen und Intentionen einen deutlichen Einfluss auf unsere Handlungen.

(S. 79)

Eine solche Frage kann man nicht durch Versuche oder überhaupt durch Forschung beantworten.
Wer die gesamte folkpsychologische Begrifflichkeit von bewußtem Denken, Intentionalität, Wille, Entscheiden usw. übernimmt, kann damit nicht die Willensfreiheit widerlegen oder beweisen. Daß man sich entscheiden kann, braucht nicht bewiesen zu werden, es ist mit Begriffen wie „Entscheidung“ schon gegeben. Natürlich ist der Mensch nicht „willenlos“ (außer gerade in Ausnahmefällen wie Ohnmacht oder unter Anästhesie oder Drogen). Nahmias’ Aufsatz ist von keiner Sprachkritik berührt und hat eigentlich keinen Sinn.


Theodor Ickler zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2021 um 05.34 Uhr verfaßt.

Berlin plant eine Migrantenquote von 35 Prozent für die Verwaltung Die Quote soll für die komplette Landesverwaltung und für alle Landesunternehmen wie BSR und BVG gelten, aber auch für Stiftungen, Staatsanwaltschaften und Gerichte. Das Gesetz soll möglichst noch bis zur Wahl im September vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen werden. (Tagesspiegel 16.1.21)

Wie vorhergesehen, zieht eine Quote die nächste nach. Das Ganze diene der Chancengleichheit. Identitäre Politik drängt das demokratische Leistungsprinzip in den Hintergrund, wo es als Formel („bei gleicher Eignung“) ein Schattendasein fristet. Ich kann mich anstrengen und ein guter Jurist werden, aber keine Anstrengung kann mir einen Migrationshintergrund verschaffen. Wer hätte aber auch gedacht, daß Posten eines Tages wieder nach der Herkunft vergeben werden!
Man wird unter den Migranten nach Herkunft differenzieren müssen, damit nicht zu viele Türken oder gar EU-Bürger die Afghanen verdrängen usw. Zuvor müßte die Qualifikation im gleichen Verhältnis erreicht werden. Vielleicht noch wichtiger ist die Religionszugehörigkeit; da herrscht noch längst kein Proporz.

Ein Zyniker könnte bemerken, daß in Berlin die Qualifikation noch nie ein Rolle gespielt hat...


Theodor Ickler zu »Geschichte und Wahrheit«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2021 um 05.24 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1507#32688
und http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37979

Vorgefertigtes Spielzeug nimmt dem Kind einen Teil seines Phantasie-Spielraums weg, einen „healthy youngster“ stört das, während ein modernes Medienkind womöglich nichts anderes erwartet. Ähnlich wirkt die Verfilmung eines Romans; fast nie sind wir damit zufrieden. Besonders die Identifikation mit dem Helden, der ja im Buch oft absichtlich unbestimmt gelassen wird, leidet unter der Konkretisierung durch einen Schauspieler. So gern ich Mia Wasikowska an sich sehe – Jane Eyre hatte ich mir anders vorgestellt, werde es aber nun nie wieder können. Dagegen stört es mich nicht, dieselbe Schauspielerin in Tim Burtons „Alice in Wonderland“ zu sehen, weil dieser Film klugerweise darauf verzichtet, sich eng an die Vorlage zu halten (deren Sprachakrobatik sich nicht visualisieren läßt). Text und Film bleiben in meiner Vorstellung getrennt, wie ich kürzlich beim Wiederlesen feststellen konnte.


Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 15.01.2021 um 19.53 Uhr verfaßt.

mdrAKTUELL berichtete gerade über den 20. Jahrestag der Wikipedia-Gründung. Fast alle Beitragsschreiber seien Männer. Und dann:

„Nur jede zehnte Autorin ist eine Frau.“


zu »Non leguntur«
Dieser Kommentar wurde am 15.01.2021 um 17.55 Uhr verfaßt.




Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 15.01.2021 um 07.51 Uhr verfaßt.

Roland Tichy persönlich:

„Illegaler Kindergeburtstag“ – Medien und Polizei im Dauereinsatz gegen Bürger (14.1.21)

Beieinander stehen, keine Masken: Die Corona-Politik hat neue Formen der Gewaltkriminalität entwickelt. Die Polizei greift durch. Viele Bürger sind erstaunt, denn sie wussten gar nicht mehr, dass es überhaupt noch Polizei gibt. Aber im Einsatz gegen die eigenen Bürger ist dem Staat nichts zu schade.


Kindergeburtstage sind nicht illegal, aber die Versammlung von 30 Personen in geschlossenen Räumen sorgt höchstwahrscheinlich für weitere Ansteckungen; darum ist sie zur Zeit verboten, was die Feiernden auch genau wußten. Die weiteren rhetorischen Spitzen brauche ich nicht zu kommentieren. Auch nicht die Bemühungen von Millionen Menschen, besonders des medizinischen Personals, der Seuche Herr zu werden. In keinem anderen Land scheint die niederträchtige Gegenpropaganda solche Ausmaße zu haben.


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 15.01.2021 um 07.33 Uhr verfaßt.

Sowohl die englische als auch die deutsche Wikipedia definieren das (biologische) „Ornament“ auf widersprüchliche Weise, wenngleich unterschiedlich:

A biological ornament is a characteristic of an animal that appears to serve a decorative function rather than a utilitarian function. Many are secondary sexual characteristics, and others appear on young birds during the period when they are dependent on being fed by their parents. (Weitere Funktionen werden erwähnt.)

Warum sollte man alles „Ornament“ nennen, wenn es für uns zunächst dekorativ aussieht, sich aber doch als funktional herausgestellt hat? Es ist doch biologisch irrelevant, wie weit unsere Unwissenheit zunächst geht. Wirkliche nichtfunktionale Elemente werden nicht angeführt.

Als Ornament bezeichnet man in der Verhaltensbiologie die sexuell selektierten Körpermerkmale von Lebewesen, die bei der Balz eine Rolle spielen.

Diese Einschränkung (abgesehen´von "Verhaltensbiologie", was auch nicht stimmt) widerspricht aber der weiteren Ausführung, die nicht nur Balzsignale umfaßt. Zum Beispiel:

Olfaktorische Ornamente sind in der freien Natur weniger häufig als visuelle oder akustische Ornamente zu beobachten. Der Sender signalisiert jedoch über das Absetzen eines Duftstoffes seine Anwesenheit beziehungsweise sogar seinen Gesundheitszustand.

Das Dekorative wird hier mit Recht nicht erwähnt, aber das zeigt nur, daß „Ornament“ hier nur eine irreführende und überflüssige Ersetzung von „Signal“ ist. Der Hund, der seinen Urin absetzt, „verziert“ doch den Baumstamm nicht.

Zahavis Handicap-Theorie wird zwar erwähnt, nicht aber die Kritik daran. Der deutsche Eintrag ist außerdem bibliographisch sehr mager.


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