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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Was ist ein Wort? Was ist EIN Wort?«
Dieser Kommentar wurde am 11.08.2020 um 11.17 Uhr verfaßt.

Ein alter Herr erzählt, daß er als Kind keinen Fisch mochte, aber - nach damaliger Pädagogik - so lange am Tisch sitzen bleiben mußte, bis er alles aufgegessen hatte. Da kamen ihm wie im Märchen die kleinen Tiere zu Hilfe, und er beobachtete fasziniert, wie die Wespen Stückchen für Stückchen vom Fisch davontrugen. Das hat er ihnen nie vergessen.

Übrigens bestand er dann bei seinen eigenen Kindern ebenfalls darauf, daß sie alles aufessen, und wenn sie den ganzen Nachmittag vor ihrem Teller sitzen mußten. Heute verfährt man eher so, daß die Kinder sich nur so viel nehmen sollen, wie sie glauben bewältigen zu können. Schlagen darf man sie ja auch nicht mehr, und das ist sogar amtlich, obwohl es auch nicht grausamer ist als die schwarze Eßpädagogik. Seelische Grausamkeit ist allerdings schwerer meßbar als "in die Fresse" (Nahles).


Manfred Riemer zu »Was ist ein Wort? Was ist EIN Wort?«
Dieser Kommentar wurde am 10.08.2020 um 21.29 Uhr verfaßt.

Aufgeschnappt in einem Düsseldorfer Biergarten nach anfänglich erfolgreicher Wespenvertreibung:

"Dat is komisch, sobald de an ze essen fängst, sin de Viehcher wieder do."


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 10.08.2020 um 17.26 Uhr verfaßt.

Schon Hahnemann litt darunter, daß seine Zeitgenossen das "Verschütteln" einfach als "Verdünnen" bezeichneten, was es ja in jeder Hinsicht auch ist. Die magische Handlung des Verschüttelns kommt allein durch die sprachliche Umhüllung zustande. Dazu gehört aber - noch viel wichtiger - die Rede vom "Potenzieren": Durch das Verdünnen wird die vermeintliche Arznei immer mächtiger. Aber:

Homöopathische Arzneimittel haben keine Nebenwirkungen. (https://www.netdoktor.de/homoeopathie/mercurius-solubilis/)

Wie kann das sein?

Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) empfiehlt bei der Selbstbehandlung für alle homöopathischen Medikamente die Potenz C12.(https://www.homoeopathie-online.info/mercurius-solubilis-quecksilber/)

C12:

Entspräche etwa einem Tropfen im Volumen des Atlantiks
Bei dieser Potenz enthalten in einem idealisierenden Gedankenexperiment nur etwa die Hälfte aller 1-Liter-Flaschen D24-Lösung ein Molekül einer einmolaren Urtinktur; dementsprechend wird ab hier bei weiterer Zugabe von Lösungsmittel nicht mehr verdünnt, sondern Lösungsmittel mit Lösungsmittel gemischt.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Potenzieren_(Hom%C3%B6opathie)#Beispielverd%C3%BCnnungen)

Warum solche Mittel, wenn sie keine Nebenwirkungen haben, nur in Apotheken verkauft werden dürfen, ist nicht klar. Vielleicht dient es ebenfalls zur Erhöhung der Magie. Erstaunlich bleibt, daß akademisch ausgebildete Ärzte und Apotheker mitmachen. Der Gesamtumsatz ist nicht so bedeutend, aber ein Zubrot nimmt man gern mit, auch wenn man dafür seine Seele verkaufen muß.


Theodor Ickler zu »Sex«
Dieser Kommentar wurde am 10.08.2020 um 10.07 Uhr verfaßt.

Zum vorigen vgl. den unkritischen Artikel bei Wikipedia:

https://en.wikipedia.org/wiki/Oppositional_defiant_disorder


Theodor Ickler zu »Etymogelei hoch zwei«
Dieser Kommentar wurde am 10.08.2020 um 09.18 Uhr verfaßt.

Auf ihrer Kinderseite stellt die SZ heilkräftige Wildkräuter vor, samt Stängeln. Andererseits soll man den Blattstil des Gierschs beachten. Der ist nämlich stilvoll dreieckig im Querschnitt.

(Den Giersch soll man an die Eltern verfüttern: "Die müssen auch was essen." Eine witzige und lobenswerte Doppelseite.)


Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 09.08.2020 um 22.41 Uhr verfaßt.

Fremde Sprachen können doch sehr überraschend sein. Hier müßte man sich eigentlich über die Wortreihenfolge wundern. Sollte
da da tan tan
nicht eher mit
schlagen, schlagen, verhandeln, verhandeln
übersetzt werden? Aber für die chinesische Verbverdopplung ist tatsächlich
schlagen, verhandeln, schlagen, verhandeln
die treffendere Übersetzung. Fast ein Paradoxon.



Theodor Ickler zu »Noch mal zum ss«
Dieser Kommentar wurde am 09.08.2020 um 04.59 Uhr verfaßt.

die Erkenntnis, das die Welt eben mehr ist

ohne das es jemand merkt

ein Bisschen


(alles aus demselben Beitrag in der SZ 8.8.20)


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 08.08.2020 um 16.02 Uhr verfaßt.

Beim Blättern in diesem Strang stoße ich noch einmal auf http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30085

Das mit dem "chinesischen Sprichwort" war kein Scherz, sondern das gibt es wirklich: da da, tan, tan. Es wird Mao zugeschrieben, aber ich vermute, daß es schon älter ist. Im Grunde ja die universale Taktik: Schlagen, verhandeln, schlagen, verhandeln...

"Schlagen" bedeutet heute oft "Sanktionen".

Oder aus dem Bundestag: "Wer rausgeht, muß auch wieder reinkommen."


Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 08.08.2020 um 12.33 Uhr verfaßt.

Vor tausend Jahren wurde manchmal der Biologieraum verdunkelt, und dann spielte der Lehrer nach einigen Schwierigkeiten mit der Technik einen flimmerigen Film aus dem IWF in Göttingen ab. Erinnerungsgesättigt auch ein Streifen, auf den ich im Zusammenhang mit Wahrnehmung un Mimikry gestoßen bin:

https://av.tib.eu/media/28873

Nähere Beschreibung z. B. in "Signale in der Tierwelt" (dtv).

Während die Schmetterlinge insgesamt hier fast verschwunden sind, sehe ich den Kaisermantel noch recht oft.

Wenn man die schwachsinnige Flugtechnik der Schmetterlinge sieht, würde man nicht glauben, daß sie irgendein Ziel mit Erfolg ansteuern könnten. Das tun sie aber trotzdem, und man muß sich schon eingehender mit ihrer Neurophysiologie beschäftigen, um das zu verstehen. Beim Betrachten eines Rapsfelds mit Tausenden von Kohlweißlingen notiert.


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 08.08.2020 um 11.15 Uhr verfaßt.

Im Juni lagen die täglichen Neuinfektionen mit Corona bei 350, im Juli waren sie doppelt so hoch, und heute sind wir seit Tagen über 1000. Laut Streeck ist das aber "kein deutlicher Anstieg". Es ist auch keine zweite Welle, sondern das Auf und Ab einer "Dauerwelle". Aber was folgt daraus? Die "Umcodierung" muß doch einen Zweck haben.


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 08.08.2020 um 05.53 Uhr verfaßt.

Die Handschrifterkennung durch Google-Software soll Fortschritte machen. Leider wird auch geich wieder eine Verknüpfung zur Parawissenschaft der Graphologie hergestellt.

Dabei fällt mir auf, daß heute bei Bewerbungsschreiben kaum noch handschriftliche Lebensläufe verlangt werden, wie es früher die Regel war. Das ist ein erfreuliches Zeichen zunehmender Rationalität.

Wenn der Empfänger Ihrer Bewerbung Sie also quasi um eine handschriftliche Probe bittet, arbeitet dieser aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Schriftexperten (Grafologen) zusammen.

Ein Grafologe ist darauf spezialisiert, die Handschrift zu analysieren und daraus Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Bewerbers zu ziehen, die Rede ist hier von einem grafologischen Gutachten. Allgemein sagt man beispielsweise, dass eine nach links geneigte Handschrift ein Zeichen von Selbstbezogenheit ist. Kein gutes Zeichen für einen Arbeitgeber, der sich eine harmonische Zusammenarbeit unter seinen Arbeitnehmern wünscht. Allerdings kommen Grafologen in der Regel erst in der letzten Runde des Auswahlprozesses zum Einsatz, also für die Spitzenkandidaten einer zu besetzenden Position.

(https://www.die-bewerbungsschreiber.de/handschriftlicher-lebenslauf)

Man sieht hier die ganze Fragwürdigkeit. Naturgemäß ist bei einer Bewerberauswahl die Unsicherheit groß, und man greift nach jedem Strohhalm, der sie verringert. Dabei fällt man immer wieder auf die Alltagspsychologie zurück ("Selbstbezogenheit").

Es geht aber zurück.


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 08.08.2020 um 04.23 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1106#39250

Erst 2020 beendet Baden-Württemberg die Förderung der Freiburger Spökenkiekerei aus Steuermitteln. Eine Klage gegen das Land wäre längst fällig gewesen.


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