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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Vormachen und Nachmachen«
Dieser Kommentar wurde am 19.02.2018 um 06.08 Uhr verfaßt.

Die Erde lief schon um die Sonne, als noch keine Menschen es erkannt hatten. Aber daraus folgt nicht, daß die Proposition, die das „ausdrückt“, schon wahr war. Die Proposition ist ein menschliches Verhalten unter der Steuerung von Faktoren wie – in diesem Fall – dem Lauf der Erde um die Sonne. Dieses Verhalten hat es nicht gegeben, als es noch keine Menschen gab.
Der Mensch erkennt den Lauf der Erde, nicht die in einem Ideenreich existierende Proposition, sondern diese ist seine Reaktion darauf. (Auch gegen Spaemanns kindischen „Gottesbeweis aus der Grammatik“.)

Aus Wikipedia:

Unter einem Satzradikal versteht man in der Sprechakttheorie die gemeinsame Beschreibung eines Sachverhaltes (Proposition) in verschiedenen Satztypen mit gleichem lexikalischem Inhalt, d. h. denselben Lexemen mit derselben syntaktischen Verknüpfung. Das Gegenstück zu diesem Begriff ist der Satzmodus, etwa: Frage- (oder Interrogativ), Aussage- (oder Deklarativ) oder Aufforderungssatz (oder Imperativ). Das Begriffspaar Satzradikal/Satzmodus stammt von dem finnischen Philosophen Erik Stenius, der sich dabei auf eine Begriffsbildung von Ludwig Wittgenstein beziehtm [s.u.]. Die entsprechende theoretische Unterscheidung geht auf Gottlob Frege zurück. Während im Satzradikal der wahrheitsfunktionale Inhalt eines Satzes oder seine Proposition wiedergegeben wird – man kann sie in einer wahrheitswertfunktionalen Semantik erfassen – zeigt der Modus eines Satzes den jeweiligen Typ oder was der Fall ist des Sprechaktes an.
Beispielsweise enthalten die Sätze:
Lola rennt.
Rennt Lola?
Lola, renn!
als gemeinsames Satzradikal (der deskriptive Gehalt der Versprachlichung) „das Rennen von Lola“, ausgedrückt durch die Lexeme „Lola“ und „rennen“ sowie ihre Verknüpfung als Subjekt (hier auch Agens) und Prädikat. Sie unterscheiden sich jedoch im Satzmodus (Modus, der den Sinn des Satzes bestimmt): Im ersten Fall handelt es sich um einen Aussagesatz, im zweiten um einen Fragesatz, im dritten um einen Aufforderungssatz.


(Die nominalisierende Umschreibung „das Rennen von Lola“ ist nicht richtig, da nicht satzförmig; sie widerspricht ja auch der Erklärung.)

Die Herauslösung eines Satzes, der nur angeführt, nicht behauptet wird, ist ein Fall von Verstellung. Man tut so, als sage man etwas aus, meint es aber nicht, sondern führt es nur vor. - So läßt sich der Platonismus der heute weithin herrschenden Fregeschen Theorie naturalisieren.

Denken wir uns ein Bild, einen Boxer in bestimmter Kampfstellung darstellend. Dieses Bild kann nun dazu gebraucht werden, um jemand mitzuteilen, wie er stehen, sich halten soll; oder, wie er sich nicht halten soll; oder, wie ein bestimmter Mann dort und dort gestanden hat; oder etc. etc. Man könnte dieses Bild (chemisch gesprochen) ein Satzradikal nennen. Ähnlich dachte sich wohl Frege die »Annahme«. (Wittgenstein PU 22)

Vgl. auch Skinner:

Diese Beschäftigung mit der Form hat nicht zu einer zufriedenstellenden Behandlung des Inhalts unseres Denkens geführt, aber die „Tatsachen“, „Propositionen“ und andere „Bezugsgrößen von Aussagen“ werden durch die steuernden Variablen angemessen repräsentiert. (VB 451) (usw.)



Theodor Ickler zu »Valenz«
Dieser Kommentar wurde am 19.02.2018 um 03.31 Uhr verfaßt.

Hans Mommsen lobt den Verzicht, die Vorgänge zu dramatisieren. (FAZ 29.11.02)

Der SPD-Parteichef erklärt darin den Verzicht, in die Regierung einzutreten. (NZZ 9.2.18)

Das Korrelat darauf fehlt meinem Eindruck nach immer häufiger.


Theodor Ickler zu »Abfall für alle«
Dieser Kommentar wurde am 18.02.2018 um 06.09 Uhr verfaßt.

Klaus Deterding: Mithilfe Ihrer Mithilfe, Herr Minister!: Die Spätfolgen der Rechtschreibreform für die deutsche Sprache und Literatur. Berlin 2017.

Meine Amazon-Rezension:

Aus der Zeit gefallen

Der Verfasser kritisiert und verspottet viele einzelne Reformschreibweisen, teils mit Recht, teils ohne, aber durchweg unsystematisch und seinem subjektiven Geschmack folgend. Schwerer fällt ins Gewicht, daß er nur verschiedene Dudenausgaben heranzieht, deren Verbindlichkeit ja aufgehoben ist, und weder die Arbeit der zwischenstaatlichen Kommission noch die des Rates für deutsche Rechtschreibung zur Kenntnis nimmt. Daß es eine über 20 Jahre anhaltende fachliche Diskussion zu diesem Gegenstand gibt, wird nirgendwo erkennbar. Hinzu kommen viele Fehler im einzelnen.



Theodor Ickler zu »Heilige Texte«
Dieser Kommentar wurde am 18.02.2018 um 06.02 Uhr verfaßt.

Gestern druckte die FAZ einen langen Leserbrief des Bamberger Emeritus für Psychologie Dietrich Dörner ab. Das hätte sie dem verdienten Mann nicht antun sollen, denn aus dem wirren Gerede wird man nicht klug. Es sollten nach Platon die herrschen, die es ungern und nur als Pflichterfüllung tun. Und die Moral der Bhagavadgita wird zitiert, vg. aber http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1544#27634

Auch Merkel wird irgendwie kritisiert, obwohl man ihr die genannten disqualifizierenden Eigenschaften gerade nicht nachzusagen pflegt: Dummheit und Verfallenheit an Leidenschaften (Nägelkauen zählt nicht). Belegte, aber aus dem Zusammenhang gerissene Zitate vieler Geistesgrößen imponieren dem oberflächlichen Leser.




Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 18.02.2018 um 05.47 Uhr verfaßt.

Brauchen wir den Import von Sozialhilfeempfängern? (Broder in der „Welt“)
Natürlich nicht. Kein Land kommt zu der Einsicht, daß es zu wenige Sozialhilfeempfänger hat. Politik kann so einfach sein.


Theodor Ickler zu »Vormachen und Nachmachen«
Dieser Kommentar wurde am 18.02.2018 um 05.05 Uhr verfaßt.

Das logische Verhältnis von Vormachen, Nachmachen, Verstellung muß geklärt werden. (Ich meine hier immer das lehrende Vormachen: Zeigen, wie es geht; vgl. "Homo docens".)

Vormachen konnte evolutionär oder kulturell (das bleibt noch zu untersuchen) nur seligiert werden, wo es Nachmachen gibt. Sonst würde es gleichsam wirkungslos verpuffen.

Das Vormachen ist eine Art von Verstellung. Wenn ich dem Kind zeige, wie man Schuhe bindet oder Buchstaben malt, tue ich selbst nur so, als bände ich Schuhe oder schriebe Buchstaben, aber dieses Verhalten ist aus seinem funktionalen Zusammenhang herausgelöst und wird nur vorgeführt. Verstellungsspiel, Pretence play ist bekanntlich bei höheren Tieren allgegenwärtig, erst recht beim Menschen (ab etwa 8 Monaten, wie hier schon vielfach erörtert). Aber nur beim Menschen wird es "in den Dienst" des Lehrens gestellt. Also ein Fall von Exaptation: Umfunktionieren einer anderweitig entstandenen Verhaltensweise.
Zum lehrenden Vormachen gehört, um es noch einmal zu sagen, die Rückkoppelung: Ich beobachte, wie weit das Kind mit dem Nachmachen ist, und forme sein Verhalten durch weiteres Vormachen und entsprechende Hinweise (Shaping).

Wir müssen ganz runter zu den Elementen des Verhaltens, dürfen uns nicht vom kulturellen Überbau der akkumulierten Fertigkeiten und Artefakte blenden lassen.


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 18.02.2018 um 04.51 Uhr verfaßt.

Viele Leser nutzen den Bericht über eine Massenschlägerei auf einem australischen Kreuzfahrtschiff, um gegen die deutsche Flüchtlingspolitik und den Familiennachzug zu polemisieren. Das Stichwort „Familie“ oder gar „Großfamilie“ stellt den Bezug her. Diese Leute sind so geladen, daß sie bei weit hergeholten Anlässen explodieren.


Manfred Riemer zu »Sprechende Hunde«
Dieser Kommentar wurde am 17.02.2018 um 22.15 Uhr verfaßt.

Es ist mir schon bewußt, daß ich mit der Rede vom Denken keinen behavioristischen Begriff benutze, Nur läßt mir der Behaviorismus leider keine andere Wahl, wenn ich ausdrücken möchte, daß das Denken oder die Vernunftbegabung des Menschen ein nicht zu vernachlässigendes Element einer vollständigen Beschreibung der Natur ist.

Meiner Ansicht nach ist das Denken nichts Mystisches, es ist eine Eigenschaft der Natur. Die Eigenbewegung der Materie hat unser Planetensystem, das biologische Leben auf der Erde und schließlich die menschliche Vernunft hervorgebracht. Warum sollte eine naturalistische Erklärung der Sprache unbedingt ohne den Begriff des Denkens bzw. der Vernunft auskommen müssen?




Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 17.02.2018 um 09.59 Uhr verfaßt.


Da wir keine Sinnesorgane für Introspektion haben, müssen einschlägige Aussagen etwas anderes bedeuten, als sie zu bedeuten scheinen.Wir müssen nachsehen, wie sie funktionieren, und nicht philosophierend etwas in sie hineinlesen. Ich hatte schon angefangen mit „ich will das tun“, was eben keinen inneren Zustand des Wollens oder gar den Besitz einer Wollung bedeutet (alles schon behauptet worden!), sondern ungefähr „ich werde das tun (kann aber noch durch Einrede davon abgehalten werden)“. (Das ist nur eine bestimmte Möglichkeit, um des Arguments willen.)

Die vermeintlichen inneren Zustände sind oft oder immer in stereotype Handlungsabläufe eingebettet. Ich kann mich schämen oder verlegen sein oder schuldig sein oder etwas bereuen – lauter negativ besetzte „Zustände“, in denen ich aber nicht einfach sein kann, ohne daß eine „Geschichte“ eines bestimmten Typs vorhergegangen ist. Man sagt auch, dies sei der „kognitive“ Gehalt des Gefühls oder der Stimmung (meinetwegen! - Nötig ist es nicht).
Es ist einfach praktisch, die Umstände nicht immer wieder explizieren zu müssen. Wenn ich sage „ich schäme mich“, dann weiß jeder, welche Art von Geschichten dazugehört, das Konstrukt „Scham“ faßt es zusammen.


Theodor Ickler zu »Stoppt Duden!«
Dieser Kommentar wurde am 17.02.2018 um 08.03 Uhr verfaßt.

Um es noch schärfer auszudrücken: Duden empfiehlt, von zwei verschiedenen Ausdrücken (nicht Schreibweisen desselben Ausdrucks) nur den einen zu verwenden.

Das steht einem Rechtschreibwörterbuch sicher nicht zu und geht noch über den Fall der immerhin gleichbedeutenden, nur verschieden gebildeten Wörter selbständig/selbstständig hinaus.


Wolfgang Wrase zu »Stoppt Duden!«
Dieser Kommentar wurde am 17.02.2018 um 07.52 Uhr verfaßt.

Im Beitrag #4885 vom 18.07.2006 steht eine längere Liste von Dudenempfehlungen zur Zusammen- und Getrenntschreibung. Welcher Murks mit diesen Dudenempfehlungen verbunden ist, kann man beim Überfliegen kaum ahnen. Ich greife ein Beispiel heraus: die Empfehlung, halb automatisch getrennt zu schreiben.

So auch heute bei Duden online nachzulesen: Von Duden empfohlene Schreibung: halb automatisch. Beispiel: halb automatische Getriebe, Waffen. Anschließend erfährt man aber, daß sich die Aussprache unterscheidet: halbautomatisch mit Betonung auf der ersten Silbe, halb automatisch mit Betonung auf der dritten Silbe des zweiten Wortes.

Problem Nummer 1: Wenn die Betonung von der Schreibweise abhängt, dann hängt auch die Schreibweise von der Betonung ab. Jedenfalls wenn eine bestimmte Betonung üblich ist, was etwa bei halbautomatische Waffen zutrifft. Demnach ist die allgemeine Dudenempfehlung, halb automatisch getrennt zu schreiben, gar nicht möglich. Vielmehr müßte anstelle der Dudenempfehlung stehen: "Die Getrennt- und Zusammenschreibung ist von der Betonung abhängig." Das müßte dort stehen, um die Angaben in sich widerspruchsfrei zu halten.

Problem Nummer 2: In aller Regel ist halbautomatische Waffe ein Standardbegriff, mit festgelegter Bedeutung, mit entsprechender Betonung. Es ist deshalb grotesk, daß die Dudenempfehlung ausgerechnet an diesem Beispiel vorgeführt wird: halb automatische Waffen. Eine Neukonstruktion des Begriffs mit eigenständigen Wörtern halb + automatisch ist zwar grammatisch möglich, die Schreibweise ist aber unüblich. Empfohlen wird also eine Schreibweise, die dem Üblichen und der Intuition des Schreibers zuwiderläuft.

Problem Nummer 3: Bei vollautomatisch gibt es nur Zusammenschreibung. Das heißt, Duden weist an, vollautomatisch zu schreiben, empfiehlt aber zugleich, halb automatisch getrennt zu schreiben: vollautomatische Waffenhalb automatische Waffen. Dieses Nebeneinander verdeutlicht nochmals den Unsinn der Dudenempfehlung.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 17.02.2018 um 05.29 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34540

Pseudowissenschaften werden allgemein viel zu nachsichtig behandelt. Man fragt sich, was die Schule hier versäumt hat, daß ihre Absolventen so leichtgläubig alles schlucken, was sie lesen.

Soweit einige grundlegende Beobachtungen der Psychodontologie. In wie weit Sie diese Aussagen für zutreffend befinden, können Sie selbstverständlich gerne an sich selbst oder Ihrem Gegenüber prüfen. (https://zhkplus.de/psychodontologie/)

Der Verfasser wissen doch (hoffentlich), daß es Unsinn ist - warum sagen sie es nicht? Die Leisetreterei macht in zwei Zeilen 12 Jahre Schulbildung zunichte.

Mindestens die Hälfte meiner Bekannten rückt, wenn ich nicht aufpasse, irgendwann damit heraus, daß es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt usw. - Mir wird davon übel, weswegen ich eben aufpasse, daß das Gespräch nicht in diese Bahn gerät.


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