Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 30.08.2025 um 06.45 Uhr verfaßt.
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Wie wenig der Mithörer in der Sprachwissenschaft oder sonstwo berücksichtigt worden ist, sieht man daran, daß er in keinem Buchtitel vorkommt. Am nächsten kommt noch John L. Locke mit „Eavesdropping“, das ich hier mehrmals erwähnt habe.
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Theodor Ickler zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 30.08.2025 um 04.34 Uhr verfaßt.
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Trotzdem ist es so. Anpassung beginnt mit Zufallstreffern. Darauf folgt die "Verstärkung" - phylogenetisch durch den Fortpflanzungserfolg.
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Manfred Riemer zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 30.08.2025 um 02.19 Uhr verfaßt.
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Ja, wenn man den ersten Schuß, der überhaupt irgendwo im Weißen der Scheibe gelandet ist, schon als Treffer bezeichnet und spätere Verbesserungen bis in die Mitte des Schwarzen hinein nur als Zielen, dann kommt tatsächlich das Treffen vor dem Zielen. Das finde ich aber doch recht trickreich ausgedrückt.
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Wolfram Metz zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 30.08.2025 um 00.34 Uhr verfaßt.
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In Würzburg treffen sich die Spitzen der Regierungsfraktionen im Bundestag zu einer Klausurtagung. Vor Beginn stehen der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch, der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn und der Chef der CSU-Landesgruppe Alexander Hoffmann der Presse Rede und Antwort. Hoffmann äußert sich ausführlich zur Stimmung unter den Teilnehmern des Treffens und greift dabei auch zu einer Sportmetapher: »Wir haben gestern abend bei einem guten Glas Frankenwein auch über Sport und Hobbys geredet, haben festgestellt, daß wir alle drei leidenschaftliche Spartler sind. Und ich will es genau so beantworten. Wenn Sie eine Fußballmannschaft zusammenbauen am Sonntag und Sie schicken die am Montag in ein Turnier, ohne daß sich die Spielerinnen und Spieler kennen, dann wird dieses erste Turnier schwierig. Wenn du dann dir Zeit nimmst für ein Trainingslager, wenn du dir Zeit nimmst für Teambuildingmaßnahmen und du gehst vier, fünf Wochen später mit etwas Zeit ins nächste Turnier, dann ist das im Zweifel deutlich erfolgreicher. Und genau in diesem Geist sind wir sehr zuversichtlich, daß wir diese zwei Tage hier in Würzburg verbringen werden.«
Politiker geben sich gern volkstümlich und bemühen deshalb immer wieder Metaphern aus der Sportwelt. Wer aber aus den »Spielern« mittels der antrainierten Austauschmechanik die »Spielerinnen und Spieler« macht, bringt die schöne Illusion selbst zum Platzen. Außerdem treten normalerweise weder Spieler gegen Spielerinnen noch Spielerinnen und Spieler gegen Spielerinnen und Spieler an. Wenn Hoffmann uns unbedingt in Erinnerung rufen wollte, daß es außer dem Männer- auch noch den Frauenfußball gibt, hätte er sagen müssen »Spielerinnen oder Spieler«. Das Streben nach Einklang mit dem Zeitgeist hat aber stets Vorfahrt vor dem Bemühen um Logik oder Orientierung an der Wirklichkeit.
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Manfred Riemer zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 29.08.2025 um 14.06 Uhr verfaßt.
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Schon, aber wo ist die paradoxe Reihenfolge? Die fleißige Biene ist ja auch erst im Zusammenhang mit der attraktiven Blüte entstanden. Eine wechselseitige Verstärkung.
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Theodor Ickler zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 29.08.2025 um 12.30 Uhr verfaßt.
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"Blind variation and selective retention" (wie schon oft zitiert und ausgeführt. Das ist durchaus nicht so wie mit Henne und Ei.
Zuerst findet die Biene die Blüte aus irgendeinem Grund attraktiv, dann wird die Blüte aus ebendiesem Grund immer attraktiver. (Die anderen Blüten werden nicht so oft angeflogen.)
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Manfred Riemer zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 29.08.2025 um 11.37 Uhr verfaßt.
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zu #56116:
Das hat etwas von der Geschichte mit der Henne und dem Ei.
"Erst entgeht das zufällig veränderte Insekt dem Vogel, dann entwickelt es die Mimikry."
Kam nicht vor dem Entgehen noch die zufällige Veränderung, also zumindest ein Ansatz von Mimikry?
"Erst zieht die Pflanze den Bestäuber an, dann bildet sie die Blüten aus, die ihn anziehen." Womit hat sie ihn den erst angezogen?
"Erst bekommt das Kind etwas, dann will es haben." Das ist (wegen des Passivs) nicht ganz das gleiche wie in den anderen Beispielen. Entsprechender wäre: Erst hat das Kind etwas, dann will es haben. Dem ersten Haben liegt auch schon eine Art Besitzergreifung (Wollen) zugrunde.
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Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 29.08.2025 um 06.03 Uhr verfaßt.
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„Mohammed häufigster Name unter Bürgergeld-Beziehern
Die AfD wollte von der Bundesregierung wissen, welche Vornamen bei Bürgergeld-Empfängern am häufigsten vorkommen.“ (BILD)
Das namenkundliche Interesse einer Partei ist zwar schmeichelhaft für die sonst wenig beachtete Sprachwissenschaft, aber es kommt trotzdem keine reine Freude auf. Die Unschuldsmiene, mit der solche Anfragen eingebracht werden, ist allzu durchsichtig.
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Theodor Ickler zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 29.08.2025 um 05.55 Uhr verfaßt.
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Zwei Kinder zusammen können albern sein, und der Erwachsene kann es zusammen mit Kindern, sonst nicht. Wer keine Kinder und Enkel hat, ist nur erwachsen und nicht alles zugleich und abwechselnd: Erwachsener und Kind usw. - alle Lebensphasen. Das mag einer der Gründe sein, warum Beziehungen oft einschlafen, sobald einer der Beteiligten Kinder hat und der andere nicht; ihre Welten driften auseinander.
Es gibt allerdings auch Menschen, die zu ihren Kindern und Enkeln keinen Zugang finden, weil sie selbst sich nicht von den Konflikten ihrer Kindheit lösen konnten und ihre Erwachsenenfassade und -würde nur mit Mühe aufrechterhalten. „Des Lebens ernstes Führen“ nimmt sie zu sehr in Anspruch, als daß sie sich den verspielten Rückfall leisten könnten. Von Kindern fühlen sie sich eher gestört oder allenfalls zu strengen pädagogischen Grundsätzen angeregt.
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Theodor Ickler zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 29.08.2025 um 05.10 Uhr verfaßt.
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Warum gibt es Filme „über“ den Bürgerkrieg, aber keine Bilder? Gegen Dennett und die anderen zitierten Autoren sind Bilder eben keine „things about things“. Der Grund muß sein, daß Filme etwas mitteilen (eine wahrheitsfähige Aussage machen), Bilder aber nicht. Vgl. Wittgensteins Abbildung eines Mannes in Boxerpose: Zeigt es, was man tun soll, was man nicht tun soll, was jemand getan hat...? Ein Film über den Bürgerkrieg behauptet (zeigt), wie es gewesen ist. Er kann also wahr oder unwahr sein. Fiktionale Filme (über Odysseus) werfen nur das Problem des Verstellungsspiels auf, aber innerhalb dieses Spiels gilt das gleiche. (Ich weiß nicht mehr, ob Nelson Goodman das berücksichtigt.)
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Theodor Ickler zu »Intentionalität und Sprache«
Dieser Kommentar wurde am 29.08.2025 um 04.51 Uhr verfaßt.
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Paradox, aber wahr: Das Treffen kommt vor dem Zielen. Das Erreichen des Ziels geht genetisch und lerngeschichtlich dem Zielen voraus. Erst bekommt das Kind etwas, dann will es haben. Die Wunscherfüllung geht dem Wunsch vorher. Phylogenetisch: Erst zieht die Pflanze den Bestäuber an, dann bildet sie die Blüten aus, die ihn anziehen. Erst entgeht das zufällig veränderte Insekt dem Vogel, dann entwickelt es die Mimikry. Der Zufallserfolg wirkt auf das Subjekt zurück, vgl. den ersten Satz von Skinners „Verbal behavior“. So geht auch das Verstehen dem Meinen voraus: Wir fangen an, etwas zu meinen, nachdem wir die Erfahrung gemacht haben, daß andere uns verstehen. Weil wir planen, gibt es Zukunft. Es scheint uns andersherum zu sein. Diese Erlebnisperspektive ist nicht falsch im gewöhnlichen Sinn, sie hat sogar ihren guten Sinn. Man darf sie bloß nicht für die Wissenschaft reklamieren.
Durch die Umkehrung der Perspektive verschwindet die Metaphysik der Intentionalität (Referenz, Repräsentation).
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Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 29.08.2025 um 04.25 Uhr verfaßt.
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In einem Beitrag über die Risiken von Bezahlsystemen spricht der DLF von "Herstellerinnen und Herstellern", obwohl bloß Firmen gemeint sind, andererseits von "Betrügern", die zwar wirklich Personen sind, es aber nicht verdienen, gegendert zu werden.
Und das sollen wir klaglos hinnehmen, weil es eben Sprachwandel ist?
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