zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Sie sehen die neuesten 12 Kommentare

Nach unten

Durch Anklicken des Themas gelangen Sie zu den jeweiligen Kommentaren.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 22.08.2019 um 06.55 Uhr verfaßt.

Der Paritätische Gesamtverband kritisiert, dass Berufssoldaten freie Fahrten bekommen. Besser sollten junge Menschen in Freiwilligendiensten kostenlose Tickets erhalten, die für „400 Euro im Monat echten Einsatz für unser Gemeinwesen leisten“. (FAZ 22.8.19)

Das war zu erwarten. Es kann aber doch nicht sein, daß jeder Bufdi dieselbe Ehrung erhält wie ein Soldat! Vielleicht könnte man andere Formen der Respektbezeugung wiedereinführen. Zivilisten sollten den Gehsteig verlassen und grüßen, wenn ihnen ein Uniformierter entgegenkommt usw. Vergessen wir doch die Schnapsidee vom "Bürger in Uniform"! Freilich hat die Bundeswehr selbst zum Mißstand beigetragen, weil sie den Dienst am Vaterland jahrzehntelang wie einen interessanten technischen Beruf beworben hat.


Theodor Ickler zu »Umfragen II«
Dieser Kommentar wurde am 22.08.2019 um 06.28 Uhr verfaßt.

Allensbach füllt wieder eine ganze Seite der FAZ mit Umfragen wie dieser: Was halten wie viele Deutsche von der Inklusion Behinderter in Regelschulen? usw.

Das wird in schönen Säulendiagrammen dargeboten.

Nie wird zuvor ermittelt, was die Befragten sich überhaupt dabei denken, was sie von den tatsächlichen Verhältnissen wissen usw. Vielleicht haben sich die meisten noch nie darüber Gedanken gemacht, bevor sie eine "Meinung" zum besten geben, weil die Interviewer sie dazu zwingen.


Theodor Ickler zu »leidtun«
Dieser Kommentar wurde am 22.08.2019 um 06.08 Uhr verfaßt.

Ungefähr zehn Jahre lang wurde den Deutschen eingebleut: Leid tun, Recht haben. Und so steht es dann millionenfach in den Büchern: wie Leid es mir tut, wie Recht du doch hast usw. - So auch in einem Krimi, der hier herumliegt: Dan Turèll: Mord am Rondell. Bergisch Gladbach (Bastei Lübbe) 2004.

Duden 2019:
„recht oder Recht haben; aber nur: wie recht sie hat!; du hast ja so recht!; damit hat er völlig recht“

Man sollte erwarten: recht haben, wegen wie recht sie hat! usw. Auch wegen du hast nicht recht, aber nicht du hast kein Recht (in dieser Bedeutung), wie übrigens Konrad Duden schon 1876 klarstellte.

Bei Leid tun haben sich die belämmerten Reformer wieder eine andere Reparatur ausgedacht, um nicht kleinlaut zur unverstandenen herkömmlichen Schreibweise zurückkehren zu müssen. Warum sollte man solchen Dilettanten folgen?


Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 22.08.2019 um 05.17 Uhr verfaßt.

Man hat daran erinnert, daß zwischen dem ersten Bogen (Jagdbogen) und der ISS nur etwa 20.000 Jahre liegen. Der Mensch hat sich körperlich seither so gut wie nicht verändert, d. h. auch der Steinzeitmensch hätte grundsätzlich über Intelligenz und Geschicklichkeit verfügt, zum Mond zu fliegen und Smartphones zu bauen, wie heute die Angehörigen ähnlich lebender Völker.
Den Fortschritt nehmen wir als selbstverständlich hin, aber das Beharren wird um so erklärungsbedürftiger. Ich vermute also, daß es der Preis der Stabilisierung durch Rituale, Tabus, Rangordnung war, und interessiere mich für die sprachliche Seite dieses Konservatismus (Verteilung des Rederechts usw., weniger die Struktur der Rede). Vgl.: Stanley H. Ambrose: „Paleolithic technology and human evolution“ (Science 291, 2001:1748-1753) .

An der Verbreitung des Smartphones (von Null auf zwei Milliarden in zehn Jahren) kann man auch sehen, welche Dynamik das kapitalistische Wirtschaften entfesselt. Prämierung des Neuen.


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 21.08.2019 um 15.17 Uhr verfaßt.

"Der Soli wird weitgehend abgeschafft." Alle sprechen es nach. Aber es stimmt nur, was die Zahl der Zahlungspflichtigen betrifft. In Wirklichkeit wird nur die Hälfte der Einnahmen gestrichen, die andere Hälfte zahlen die "Gutverdienenden", wie bisher schon. Besonders die Sozis nutzen die Gelegenheit zur Umverteilung. Das steht, wenn überhaupt, im Kleingedruckten.


Theodor Ickler zu »Großbuchstaben statt Definitionen«
Dieser Kommentar wurde am 21.08.2019 um 07.21 Uhr verfaßt.

Es hat wenig Sinn, mugan mit „dispositionell“, sculan mit „deontisch“ und wellen mit „volitiv“ zu umschreiben. (Schrodt, Ahd. Grammatik II, 2004, S. 6)

Die "semantische Dekomposition" ("Semanalyse") gibt sich meistens mit irgendwelchen Assoziationen zufrieden oder verfährt wie hier nach dem Muster ignotum (oder sogar notum) per ignotius.

Wer würde darauf kommen, die Wortbildungsbedeutung von feindlich als „explikativ“ zu bestimmen (Altmann/Kemmerling)? Was erklärt ein solches Etikett?



Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 21.08.2019 um 04.19 Uhr verfaßt.

Denmark is a very special country with incredible people, but based on Prime Minister Mette Frederiksen’s comments, that she would have no interest in discussing the purchase of Greenland, I will be postponing our meeting scheduled in two weeks for another time....
— Donald J. Trump (@realDonaldTrump) August 20, 2019


Damit ist endgültig klar, daß Trump es ernst meint.
Full spectrum dominance nicht durch Militäreinsatz, sondern durch Immobilienkauf zu gewinnen ist ja eine vergleichsweise sympathische Idee.


Theodor Ickler zu »Der False-belief-Test«
Dieser Kommentar wurde am 21.08.2019 um 03.50 Uhr verfaßt.

Manche Kinder drehen schon mit 18 Monaten ein Bilderbuch so, daß der Erwachsene die Bilder richtig herum sehen kann. Auch sich selbst drehen sie so, daß man ihren Pferdeschwanz bewundern kann usw. - Kognitivisten würden daraus folgern, daß die Kinder eine ToM haben bzw. „sich in den anderen versetzen“ können, was eine Metapher ohne Erklärungswert ist. Empiristen würden nachsehen, wie die Kinder das Verhalten gelernt haben.



Theodor Ickler zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 21.08.2019 um 03.47 Uhr verfaßt.

Die Eindeutschung von Fremdwörtern führte zu Synonymenpaaren, aber auch das Umgekehrte findet statt: Beauty neben Schönheit, Body neben Körper, Tool neben Werkzeug usw.


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 21.08.2019 um 03.37 Uhr verfaßt.

Psychologen lieben über alle Maßen Versuche mit Spielsituationen, weil sie überschaubar und leicht reproduzierbar sind und immer zahlenmäßige Ergebnisse hervorbringen, die man gut veröffentlichen kann: „Hier hast du zehn Cent, dafür kannst du dir heute ein Bonbon oder morgen zwei Bonbons kaufen“ (usw.).
Das Weglassen der wirklichen Lebensumstände mit wirklichen Personen führt zu einem grundsätzlichen Fehler. Kinder wissen bereits, daß es im wirklichen Leben nicht arithmetisch zugeht, sondern menschlich; daß es also immer unvorhersehbare Chancen und Verhandlungsmöglichkeiten gibt. Dieselbe „ökologische Unangemessenheit“ haftet den „False-belief“-Tests an.


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 21.08.2019 um 03.23 Uhr verfaßt.

Schönes Beispiel, auch wenn die Beziehungen hier auf "künstlicher" Vereinbarung beruhen.


Manfred Riemer zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 21.08.2019 um 02.23 Uhr verfaßt.

zu #41980:
Besonders anschaulich wird das bei dem Spiel, das wir als Schüler in Pausen gespielt haben:

Zwei Spieler formen auf Kommando (1 - 2 - 3) mit den Fingern einer Hand die Figuren Stein, Schere und Papier. Stein schleift Schere (St>Sch), Schere schneidet Papier (Sch>P) und Papier wickelt Stein ein (P>St). Das Zeichen > kann man als "gewinnt gegen" lesen.

Auch bei diesem Spiel folgt aus A>B und B>C nicht A>C.



Die neuesten Kommentare

Zurück zur Übersicht | nach oben


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM