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Manfred Riemer zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2026 um 14.11 Uhr verfaßt.
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Mit Bedeutung und Wahrheitswert hatte ich nicht das gleiche gemeint. Das Komma, das ich dazwischen gesetzt habe, möge bitte als und verstanden werden.
"Es riecht nach Veilchen" drückt wie "es sieht blau aus" nicht nur eine subjektive Empfindung aus, sondern (und meiner Meinung nach vor allem!) einen experimentell überprüfbaren Fakt. Die Strahlungsfrequenz von blauem Licht kann man messen, ebenso kann man Duftmoleküle in der Luft chemisch bestimmen. Beides ergibt einen objektiven Nachweis.
"Ich rieche/er riecht Veilchenduft" ist dagegen vor allem eine unüberprüfbare subjektive Aussage, die auch wahr sein könnte, wenn objektiv gar kein Veilchenduft vorhanden ist.
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Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2026 um 07.02 Uhr verfaßt.
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Bei Putnams Gedankenexperiment mit der Zwillingserde ist nicht klar, ob eine Welt, in der Wasser anders zusammengesetzt ist, überhaupt möglich wäre – und damit das Gedankenexperiment selbst. Man kann nicht alles gleich lassen und nur eine Einzelheit ändern, deren Bedeutung für das Ganze nicht überschaubar ist. Eine Flüssigkeit, die in jeder Hinsicht die gleichen Eigenschaften hätte wie unser Wasser, aber chemisch ganz anders aufgebaut wäre – das würde die ganze Chemie auf den Kopf stellen, damit auch die Physik und überhaupt alles. Klarer wird das vielleicht, wenn man sich eine Welt ausdenkt, die sonst wie unsere ist, aber keinen Magnetismus kennt. Oder eine Welt, in der die Lichtgeschwindigkeit unendlich groß wäre. Anders gesagt: Das „Gedankenexperiment“ wäre nicht einmal in Gedanken möglich, es bleibt Gerede. Ich habe es auch schon mit Eschers unmöglichen Gegenständen und Gebäuden verglichen: Es genügt, den Zeichentrick zu durchschauen, dem im Sprachlichen die Konstruktion des Geredes entspricht. Das ist schlecht für die Philosophie, aber es ist ja nicht meine Aufgabe, sie zu retten.
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Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2026 um 07.00 Uhr verfaßt.
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Die Objektivierung ist nur eine scheinbare. "Es riecht nach Veilchen" ist immer noch eine subjektive Kundgabe, auch wenn der Bezug auf den Sprecher nicht ausgedrückt ist.
Auch haben zwei Sätze mit dem gleichen Wahrheitswert (was ich hier aber auch bezweifele) nicht die gleiche Bedeutung, jedenfalls nicht im Sinne der sprachlichen Semantik. Der Logiker kann natürlich festlegen, was er will, und Frege hat es ja auch in eigentümlicher Weise getan ("das Wahre" als Bedeutung des Behauptungssatzes, der als Eigenname aufgefaßt wird.). Sprachwissenschaftlich uninteressant.
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Manfred Riemer zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2026 um 06.30 Uhr verfaßt.
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Das Setzen in die dritte Person anstelle der ersten bringt m. E. nichts, sondern man müßte den Satz ganz unpersönlich ausdrücken. Damit wird die unüberprüfbare subjektive Aussage sozusagen objektiviert.
Der Satz "Es riecht nach Veilchen" hat dieselbe Bedeutung, denselben Wahrheitswert wie der Satt "Es ist wahr, daß es nach Veilchen riecht."
oder:
"A" ist identisch mit "A ist wahr".
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Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2026 um 06.30 Uhr verfaßt.
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Wissenschaftsministerin Dorothee Bär setzt auf Fusionsreaktoren und will den ersten in Deutschland laufen sehen.
Wie gesagt, ich bin natürlich für Fusionsforschung, finde es aber unklug, die Energiepolitik auch nur im entferntesten darauf zu bauen und den Bürgern etwas zu versprechen, was vielleicht nie funktionieren wird - oder nur zu so hohen Kosten, daß es besser wäre, die Speichertechnik auszubauen und den unvergleichbar günstigen Windstrom und den immer billiger werdenden Solarstrom zu nutzen. Das sagen auch die meisten, die nicht so fachfremd sind wie Bär (und ich).
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Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2026 um 05.35 Uhr verfaßt.
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„Beachtenswert ist es auch, daß der Satz ‚ich rieche Veilchenduft‘ doch wohl denselben Inhalt hat wie der Satz ‚es ist wahr, daß ich Veilchenduft rieche‘. So scheint denn dem Gedanken dadurch nichts hinzugefügt zu werden, daß ich ihm die Eigenschaft der Wahrheit beilege. Und doch! ist es nicht ein großer Erfolg, wenn nach langem Schwanken und mühsamen Untersuchungen der Forscher schließlich sagen kann ‚was ich vermutet habe, ist wahr‘?“ (Frege: Der Gedanke)
Die beiden Sätze haben nicht denselben Inhalt. Der erste ist eine Aussage über einen Gegenstand, der zweite eine Aussage über eine These (oder Proposition, d. h. einen Satz und seine Paraphrasen und Übersetzungsäquivalente). Das deutet Frege selbst an. Klarer wäre es, wenn man eine Aussage in der dritten Person statt in der ersten untersuchte. „Ich rieche Veilchenduft“ kann man als eine Bekundung ansehen, die weder wahr noch falsch sein kann. (Wenn jemand behauptet, er rieche etwas, obwohl er es nicht riecht, ist das eine bestimmte Art von Verstellung. Vgl. „mir ist kalt“ - wenn mir gar nicht kalt ist. Man würde kaum sagen: Du hast unrecht/irrst dich, dir ist gar nicht kalt!) Auch in der ersten Person gehört „Ich rieche Veilchenduft“ gerade nicht zu den Aussagen, deren Wahrheit „nach langem Schwanken und mühsamen Untersuchungen“ festgestellt werden könnte.
Der metasprachliche Charakter des zweiten Satzes kann in einen autoklitischen überführt werden: „Ich rieche wirklich Veilchenduft“, „Ich RIECHE Veilchenduft“.
Schwer diskutierbar ist auch Freges Annahme einer nicht-sinnlichen Welt: der Gedanke sei etwas Nichtsinnliches usw.
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Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2026 um 05.20 Uhr verfaßt.
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Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1106#52527
Zum hiesigen Elite-Studiengang "Ethik der Textkulturen" gibt es Erfreuliches zu berichten:
"Der Elite-Masterstudiengang wird mit Wirkung zum Wintersemester 2026/2027 aufgehoben."
Sonst liest man ja immer nur von einer Vermehrung der Glasperlenspiele.
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Theodor Ickler zu »Schwarzrotgold«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2026 um 18.16 Uhr verfaßt.
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Die Geburtenrate ist die Flammenschrift an der Wand, die jeder sieht und keiner lesen will. Sie liegt in allen europäischen Ländern weit unter der Erhaltungsrate (2,1), in Deutschland leicht unter dem Durchschnitt (1,35). Die niedrigste Geburtenrate hat Taiwan (0,72), noch hinter Südkorea (0,75). Ihr Schicksal ist nicht mehr abzuwenden.
Übrigens: Die jeweils 10 beliebtesten Vornamen für die neugeborenen Jungen und Mädchen von 2025 sind allesamt ausländischer Herkunft, zum Teil zusätzlich verfremdet (Matteo). Theo ist jetzt am vierthäufigsten, wer hätte das gedacht! Herbert, Helmut oder Wolfgang gibt es kaum noch. – Sind die Migrantenkinder (30 Prozent der Neugeborenen) nicht berücksichtigt? In Berlin ist Mohammed der häufigste Jungenname.
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Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2026 um 18.09 Uhr verfaßt.
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„US-Präsident Donald Trump will Zölle in Höhe von zehn Prozent gegen europäische Staaten erheben, die sich seiner Forderung nach einem Anschluss Grönlands an die USA entgegenstellen.
Betroffen davon sind nach Aussage Trumps Dänemark, Deutschland, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland. Gültig würden die Zölle ab dem 1. Februar, erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social. Ab dem 1. Juni sollen sie demnach von zehn auf 25 Prozent steigen, wenn kein Abkommen für einen US-Kauf der Insel erzielt werde.“ (tagesschau.de 17.1.26)
Einerseits fallen die wechselnden Begriffe auf, mit denen Trumps Pläne beschrieben werden: Kauf, Anschluß, Annexion, militärische Eroberung. Entsprechend vage bleibt, welche Position mit Strafzöllen geahndet werden soll (Zölle oder Bomben – etwas anderes kennt er nicht).
Interessant ist die Frage, was eine demokratische Nachfolgregierung mit den eroberten Gebieten und anderen Trumpschen Hinterlassenschaften machen wird: Grönland zurückgeben? Den Ballsaal abreißen? Die Deportierten zurückholen? Nicht alles läßt sich wiedergutmachen.
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Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2026 um 17.57 Uhr verfaßt.
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Söder versucht es nach der nicht sehr erfolgreichen Kruzifix-Verordnung nun mit Patriotismus: verbindliches Absingen von Bayern-, Deutschland- und EU-Hymne in den Schulen. (Beides ist Leitkultur zur Abwehr von Fremden, aber das können andere besser.) Am Marktstand der CSU zur Kommunalwahl spreche ich den netten Vertreter dieser Partei darauf an. Er wiegelt ab: das sei mehr für die Oberbayern bestimmt, und Söder wolle nun mal Aufmerksamkeit erregen. Ich nenne es Fischen am rechten Rand. – Aber was ist von einer Partei zu halten, die ihren Chef, um sich zu ihm zu bekennen, selbst nicht ernst nehmen kann? Das ist ja das eigentliche Problem. Ich lasse mir noch ein Paar Nürnberger Bratwürscht im Weckla schmecken, eigentlich Wählerstimmenkauf wie bei Trump/Musk, aber ich nehme ja auch die Geschenke der anderen an den Nachbartischen mit, ein Tütchen Samen von der ÖDP vor allem, die wahrscheinlich auch dieses Jahr nicht aufgehen werden. Sentimentale Erinnerung an die Zeit, als ich an der gleichen Stelle stand und für den Landtag kandidierte.
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Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2026 um 07.53 Uhr verfaßt.
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Ob die Hominiden die Kunst des Feuermachens nun vor 50.000 Jahen oder viel früher erworben haben (wie man jetzt von Neandertalern in England zu wissen glaubt) – sie müssen den Unterhalt des Feuers schon weit über eine Million Jahre vorher beherrscht haben. Es wird allgemein angenommen, daß sie dazu spontan bei Gewittern entstandenes Feuer genutzt haben. Das sagt sich leicht, aber gerade in unseren Breiten, wo man das Feuer dringender braucht als in den Tropen, kann man lange warten, bis der Blitz mal ein Feuer entfacht. Ich habe schon manchen vom Blitz gespaltenen Baumstamm gesehen, aber noch nie ein Feuer. Dieses Problem wird nie besprochen. Damals lebten ein paar tausend Leute in unendlichen Wäldern, was die Sache auch nicht einfacher macht. Feuer über Jahre zu unterhalten und gar in Töpfen umherzutragen setzt auch manches voraus, wovon wir nichts wissen.
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Theodor Ickler zu »Sprechende Hunde«
Dieser Kommentar wurde am 16.01.2026 um 07.33 Uhr verfaßt.
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„Herrchen vom eigenen Hund totgebissen“ – solche Schlagzeilen gehen immer wieder mal durch die Medien. Der Vorfall bestätigt die These, daß der Hund seinen Herrn so wenig „sieht“ wie die Schlange die Maus. Er "bindet" die Merkmale nicht, an denen er jemanden erkennt und auf die reagiert. (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php)show=news&id=1401#45464). Wenn der Hund anschließend die Leiche „bewacht“, wird sein Verhalten als „widersprüchlich“ bezeichnet. Das zeigt die Naivität unserer Psychologie. Organismen verhalten sich, wie sie sich eben verhalten, die Widersprüchlichkeit liegt in unserer Deutung. In der Natur gibt es keine Widersprüche.
Wie wir das Verhalten der Tiere von Grund auf falsch deuten, so auch unsere Beziehung zu ihnen, die Freundschaft, gar Liebe...
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