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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Manfred Riemer zu »Überflüssige Wörter«
Dieser Kommentar wurde am 05.07.2026 um 17.54 Uhr verfaßt.

"Das ist Jonas Vingegaard, und der hat seinen Mitkonkurrenten im Kampf um die Gesamtwertung natürlich längst im Blick."

(Sportmoderator im Ersten zur Tour de France, heute gegen 17 Uhr)


Theodor Ickler zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 05.07.2026 um 17.53 Uhr verfaßt.

Von Christoph Perels gibt es einen lesenswerten Aufsatz über Goethes Mignon; darin sagt er:

Als Germaine de Staëls Mignon-Interpretation erschien, war Goethe sehr unzufrieden mit ihr: »Sie habe Mignon als Episode beurteilt, da doch das ganze Werk dieses Charakters wegen geschrieben sei«, so am 29. Mai 1814 zum Kanzler von Müller. Ob damit Goethes abschließendes und entscheidendes Wort über die Funktion Mignons im Roman gesagt ist, sei dahingestellt. Die Frage, welcher Art denn Mignons »Charakter« ist, ist aber nicht abzuweisen, und die französische Frühromantikerin hat mehr wahrgenommen, als Goethe ihr zubilligt. (https://www.wallstein-open-library.de/openaccess/9783835335448-001.pdf)

Mir scheint, daß der große Gelehrte hier das Wort „Charakter“ mißverstanden hat. Goethe hat wohl die Figur gemeint, nicht deren Charakter. päter heißt es:

Goethe, wie schon oben zitiert, bemerkt in seiner Kritik an Germaine de Staël, es sei ihm insbesondere auf Mignons »Charakter« angekommen. Dieser Begriff hat bei Goethe viele Facetten; eine davon trifft jedoch den hier dargestellten Sachverhalt, nämlich die Vergleichbarkeit der Situationen Hamlets und Mignons, genau (…)

Und weiter: Mignons »Charakter« ist davon gezeichnet.

Das bestätigt meine Vermutung eher noch.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 05.07.2026 um 17.40 Uhr verfaßt.

Noch einmal zur Psychologie narkoleptischen Verhaltens: Trump erklärt, daß er bei Kabinettssitzungen so oft einschlafe, weil es so langweilig ist. Rubio steht als stiller Dulder daneben und hört es sich an.

Langeweile ist nur ein anderer Ausdruck für die Überforderung durch das Zuhörenmüssen. Darum schaltet er ab. So anscheinend auch jetzt wieder hinter seiner Panzerglasscheibe. Er belebt sich augenblicklich, wenn er selbst reden kann.

Beobschter wundern sich, wofür Trump Zeit hat - nur nicht für die Regierungsgeschäfte. Die beschränkt er auf seine weltbekannte und jeweils in die Kameras zu haltende Unterschrift.


Wolfram Metz zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 05.07.2026 um 10.14 Uhr verfaßt.

Für Trump und seine Anhänger ist auch schon die soziale Marktwirtschaft europäischer Prägung eine Form von Kommunismus. Das ist auch der Grund, warum zum Beispiel in Deutschland großes Elend herrscht. Das hat Trump allerdings erst so richtig erkannt, nachdem Merz es einmal gewagt hatte, ihn sanft zu kritisieren.


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 05.07.2026 um 04.50 Uhr verfaßt.

„Der Kommunismus ist eine tödliche Gefahr für die amerikanische Freiheit“, fügte Trump hinzu und sagte: „Er ist die größte Bedrohung für unser Land, größer als der Erste Weltkrieg, der Zweite Weltkrieg, Pearl Harbor oder sogar [!] der 11. September.“ (euronews 4.7.26)

Ausgerechnet heute, wo es gar keine kommunistischen Staaten mehr gibt, soll der Kommunismus die USA bedrohen?

Aggressive Rede zum Unabhängigkeitstag: Trump beschimpft Demokraten und Einwanderer als „kommunistische Bedrohung“ (Tagesspiegel)

Ach so!

Haß gegen Minderheiten zu schüren kann bekanntlich zur Machtergreifung und -erhaltung dienen, aber ob dieses Rezept auch funktioniert, wenn man die Hälfte der Bevölkerung gegen die andere aufhetzt? Man wird sehen.


Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 05.07.2026 um 04.38 Uhr verfaßt.

Gauger hat in seinen Schriften zur Synonymik beobachtet, daß es in der psychologischen Sprache den identifizierbaren und bloß verschieden benannten Gegenstand gar nicht gibt. Die Ethnopsychologie findet in verschiedenen Regionen psychologische Systeme, die sich nicht vergleichen oder zur Deckung bringen und daher auch nicht übersetzen lassen, zum Beispiel Seelenmodelle, die alle auf ihre Weise das menschliche Verhalten in Gesellschaften zugleich beschreiben und steuern. Jede erfindet ihr eigenes Seelen-Inventar, und man kann nicht sagen, daß den Konstrukten (zum Beispiel Kundalini, Qi oder den Freudschen Fiktionen) gar nichts Wirkliches entspreche. Sie haben durchaus eine Funktion, nur ist es nicht die der Benennung. Das ist die semiotische Besonderheit der psychologischen Sprache. Vgl. Emil Abegg: Einführung in die indische Psychologie. Zürich 1945. Kurt Danziger: Naming the mind. Cambridge 1990. Legt man ein naturalistisches Sprachverständnis zugrunde, das im Benennen oder Referieren nicht das Grundverhältnis des Zeichens zu seinem Auslöser sieht, läßt sich die Sache ganz anders darstellen. Wörter wie „Trieb“ oder „Gefühl“ takten nicht die entsprechenden Gegenstände (die es insofern tatsächlich nicht gibt), sondern sind konventionelle Reaktionen auf vielfältig bedingte Zustände und Ereignisse, die dadurch eingeordnet und bewältigt werden. Die Beteiligten sehen es naturgemäß nicht so. Auch der Fromme teilt ja nicht den Blick des Religionswissenschaftlers auf seine eigene Religion.


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 05.07.2026 um 04.10 Uhr verfaßt.

Auch die FAZ zieht das Brandenburger Tor heran, aber meistens wird der geplante Triumphbogen mit dem Arc de Triomphe verglichen, was auch darum sachgerecht ist, weil Trump selbst daran Maß nimmt und seinen Überbietungsfimmel daran auslebt. Triumphbögen wurden von der Antike bis zu Napoleon zur Verewigung militärischer Siege errichtet, während Trump der Meister der retuschierten Niederlagen ist. Nur in der Beschaffung von Geld auf die krumme Tour hat sich seine Familie als erfolgreich erwiesen. Viel Gold am Triumphbogen wäre daher genau richtig: Sieg der kleptokratischen Plutokratie.

Man wird schon jetzt überlegen, was nach Trump mit seinen Hinterlassenschaften geschehen soll. Man könnte die Gewinne der Familie Trump konfiszieren und damit das Weiße Haus in seinen früheren Zustand zurückversetzen usw.

Zur Zeit beschäftigt die Medien das Schicksal jenes ehemaligen Olympiasportlers, der mit zehn Jahren Haft bedroht wird, weil er in den Reflecting Pool gefaßt und damit dieses nationale Monument – länger als das Empire State Buildung hoch ist – zerstört haben soll.

Wenn mich nicht alles täuscht, sind meine rechtsradikalen Freunde im Lobpreis Trumps etwas stiller geworden.


Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 04.07.2026 um 17.53 Uhr verfaßt.

Demonstrationen und "Proteste", wie es schönfärberisch u. a. in der Tagesschau heißt, sind natürlich legitim, die Blockaden (siehe Zitat in http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#58121) sind jedoch gesetzeswidrig und demokratiefeindlich. Diese "*innen" entlarven sich also nicht nur sprachlich.


Wolfram Metz zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 04.07.2026 um 17.28 Uhr verfaßt.

Man liest jetzt oft, der von Trump geplante Triumphbogen solle »fast dreimal so hoch wie das Brandenburger Tor« werden. Ein etwas provinzieller Vergleich, wenn man weiß, wie klein das Brandenburger Tor ist. Berlinbesucher aus Frankreich wundern sich beim ersten Anblick regelmäßig, wie lütt das Ding ist. Hier würde sich doch eher der Vergleich mit dem Pariser Vorbild anbieten, aber da kommt man leider nur auf den Faktor 1,5. Zwar ist es richtig, den Lesern einen Vergleich mit einem Objekt zu liefern, das ihnen aus ihrer Heimat vertraut ist, aber ich wage die Vermutung, daß die meisten Leser eine ganz gute Vorstellung von der beeindruckenden Größe des Arc de Triomphe haben, und sei es nur von Bildern. Auch andere landesspezifische Vergleiche wie das berühmte »eine Fläche so groß wie das Saarland« sagen den Lesern womöglich nicht so viel, wie die Autoren glauben.


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 04.07.2026 um 16.43 Uhr verfaßt.

Keine Rentenakrobatik kann über das factum brutum hinwegtäuschen, daß zu wenige Kinder geboren werden. Jeder Generation fehlt mehr als ein Drittel des bestandserhaltenden Minimums. Auf welchen Umwegen auch immer: bald muß ein Erwerbstätiger einen Ruheständler mitversorgen, was wegen der steigenden Pflegekosten mehr als die Hälfte seines Einkommens ausmachen wird; die freilich weniger werdenden Kinder müssen auch noch versorgt werden. Dieser Zustand kommt mit mathematischer Sicherheit und noch früher als die Klimakatastrophe.
In Deutschland gibt es ebenso viele Hunde wie Kinder unter 14. Obwohl eine Statistik fehlt und Hunde natürlich auch in Familien mit Kindern leben, gibt es eine Tendenz, sich Hunde anstelle von Kindern anzuschaffen, anders als früher auch mehrere; manche führen hier ein ganzes Rudel aus, und als Radfahrer oder Wanderer hat man Mühe, daran vorbeizukommen.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 04.07.2026 um 16.38 Uhr verfaßt.

Die nach Erfurt gereisten Demonstranten sind für die Rechtsradikalen natürlich ein innerer Reichsparteitag. Die Genugtuung, die aus ihren Kommentaren spricht, ist berechtigt.

Warum muß der Bundeskanzler sich jeden Tag zum Fußball äußern? Das ist nicht das, wofür ich ihn nicht gewählt habe.

Frankreich hat nicht, wie es jetzt heißt, zum Zwecke der Dekarbonisierung auf AKWs gesetzt. Übrigens geht deren Anteil an der Stromerzeugung auch in Frankreich langsam zurück, und die Erneuerbaren werden ausgebaut, wie überall in der Welt. – Italien setzt angeblich nun auf Kernkraft, aber dort laufen seit 36 keine AKWs mehr und werden auch in den nächsten 36 Jahren keine laufen. Warum sollte man sich solche teuren Klötze ans Bein binden?


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 04.07.2026 um 16.32 Uhr verfaßt.

Wis­sen­schaft­le­r*in­nen halten am Tag vor dem Parteitag in Erfurt eine Konferenz zu den Gefahren des Faschismus ab. Ein Bündnis aus Nachbar*innen, Gewerkschafter*innen, Eltern, Schü­le­r*in­nen und La­den­be­sit­ze­r*in­nen sowie Menschen aus über 80 Ortsgruppen in ganz Deutschland will unter dem Namen „Widersetzen“ den Parteitag blockieren. (taz 3.7.26)

Die armen Toren wissen gar nicht, wie sie ihr Stimmchen schwächen durch diese Sprachverhunzung.


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