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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Bilder«
Dieser Kommentar wurde am 21.10.2018 um 09.43 Uhr verfaßt.

Bilfinger baute schlüsselfertig Brücken, Straßen, Tunnel. (FAS 21.10.18)


Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 21.10.2018 um 06.48 Uhr verfaßt.

Die Phänomenologen unterstellen dem gemeinen Mann eine "vortheoretische Einstellung". Indem sie diese Einstellung in Worte fassen, machen sie sie zu einer theoretischen und schieben das ganze auf ein falsches Gleis. Ich habe das schon an der Zweideutigkeit von "Voraussetzung" erläutert. Wenn ich gemeiner Mann aus dem Haus gehe, setze ich voraus, daß der Gartenweg nicht unter mir nachgeben wird. Ich setze aber nicht voraus: Der Gartenweg wird nicht nachgeben. Anders gesagt: die Voraussetzung, die mein Verhalten hat, ist keine Voraussetzung, die ich mache.
Mit dieser Verwechslung fangen die phänomenologischen Wortspielereien an, und der ganze Irrsinn nimmt seinen Lauf, letzten Endes bis zu Husserls Anspruch, das "europäische Menschentum" zu retten.

Man würde es leichter durchschauen, wenn es nicht durch einen Wust von Neologismen vernebelt wäre, die bekanntlich ein eigenes "Wörterbuch der phänomenologischen Begriffe" notwendig gemacht haben.


Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 21.10.2018 um 06.33 Uhr verfaßt.

Warum die Annahme "kognitiver Karten" nichts erklärt:

The discoveries of Hubel and Wiesel are admirable. But to discover a mapping is not to discover a map. To use a map as a map, there has to be a map – and there are none in the brain; one has to be able to read the map – but brains lack eyes and cannot read. (Bennett/Hacker)

Weiteres unter dem Stichwort Planimeter, Wüstenameisen



Theodor Ickler zu »Vormachen und Nachmachen«
Dieser Kommentar wurde am 21.10.2018 um 06.17 Uhr verfaßt.

Die Zeitung berichtet über die Kultur des Nüsseknackens bei Schimpansen, die in einzelnen Gruppen vor allem von den Weibchen „weitergegeben“ werde. (Wieder wird auf Christophe Boesch verwiesen, siehe Haupteintrag.) Schimpansen stellen in beschränktem Umfang auch Werkzeug her (Zweige zum Termitenangeln herrichten). Es wird zugegeben, daß sie bis zu zehn Jahren brauchen, bevor sie das Nüsseknacken etwa mit einem Stein beherrschen, und daß ihnen das Nachahmen schwerfällt. (Man legt heute Wert darauf, mechanisches Nachmachen von einem funktional verstandenen zu unterscheiden.)
Aber Schimpansen geben ihre Tradition nicht weiter, weil sie nicht vormachen, daher nicht lehren. Statt von weitergeben sollte man von weiternehmen sprechen. Darum dauert es auch so lange. Die anekdotischen Belege für Lehren sind inzwischen fast 30 Jahre alt und anscheinend nicht wesentlich vermehrt worden.
Lehren durch Vormachen ist eine Spezialform des Verstellungsspiels. Man tut so, als knacke man eine Nuß, und dazu gehört auch, daß man sich vergewissert, ob und wie gut der Lehrling es schon kann, und sich dann wieder entsprechend verhält. Darauf beruht der ganze menschliche Fortschritt, auch die Beherrschung einer Sprache. (Übrigens: Affen sollen eine Zeichensprache lernen, aber zum Nüsseknacken zehn Jahre brauchen – nach manchen Autoren gar zwanzig Jahre?)
Einige Autoren wollen auch nicht von Nachahmung sprechen, sondern eher von stimulus enhancement o. ä. (s. o. zu Emulation) - Junge Affen, deren Mütter Nüsse knacken, beschäftigen sich ebenfalls mit den herumliegenden Nüssen und Steinen und kommen allmählich von selbst auf das Knacken, aber es kann lange dauern. So haben auch die englischen Meisen das Öffnen von Milchflaschen gelernt.

(Ich widerhole mich, aber das tun die Primatenforscher auch, wie man gerade wieder sieht.)


Theodor Ickler zu »Stilistische Pracht«
Dieser Kommentar wurde am 21.10.2018 um 05.16 Uhr verfaßt.

Die Versuchung ist groß, ab und zu schmucke Ausdrücke wie proton pseudos einfließen zu lassen. Man stellt sich dann in eine Bildungstradition und ist schon mal nicht mehr so allein. Eine kleine Stufe höher ist deuteros plous (wie z. B. Platonleser Hartmut von Hentig sein Machwerk zur Rechtschreibreform nannte). Dies hat noch eher Zitatcharakter als das zum Allgemeinbegriff gewordene proton pseudos. Von all solchen Geschmacklosigkeiten sollte man sich fernhalten.


Manfrfd Riemer zu »Konjunktiv«
Dieser Kommentar wurde am 20.10.2018 um 19.13 Uhr verfaßt.

Einverstanden, ich kann mich mit Ihrer Sicht durchaus auch anfreunden.


Erich Virch zu »Konjunktiv«
Dieser Kommentar wurde am 20.10.2018 um 15.30 Uhr verfaßt.

Die indirekte Rede läßt immer offen, ob das Gesagte stimmt, da sie den geäußerten Inhalt als referiert kennzeichnet. Ob er als Behauptung, Vorwurf, Anschuldigung, Meinung oder schlichte Äußerung deklariert ist, spielt dabei keine Rolle. Der Konjunktiv I ist durchaus auch für das Referieren von Vorwürfen vorgesehen.


Manfred Riemer zu »Konjunktiv«
Dieser Kommentar wurde am 20.10.2018 um 13.57 Uhr verfaßt.

Das Verb im Hauptsatz heißt vorwerfen, es geht also im Nebensatz nicht um etwas Gesagtes, sondern um einen Vorwurf.

Der Konjunktiv I dient dazu, etwas Gesagtes in indirekter Rede neutral auszudrücken.
Ein Vorwurf wird jedoch nicht im Konjunktiv ausgedrückt, dazu ist der Konjunktiv nicht vorgesehen. Der Konjunktiv läßt nicht offen, ob das Gesagte stimmt, denn von einem Gesagten ist hier gar nicht die Rede, es geht um einen Vorwurf. Wenn dennoch der Konjunktiv verwendet wird, gehört er also direkt mit zum Vorwurf.

Der Vorwurf im fraglichen Satz lautet also:
"S. habe Gelder unterschlagen."

Da der Konjunktiv I die indirekte Rede kennzeichnet, kann man das auch so ausdrücken:
Der Vorwurf lautet:
"Jemand sagt: »S. hat Gelder unterschlagen.«"

Und das ist wiederum das gleiche, wie der Vorwurf:
"S. soll Gelder unterschlagen haben."
Also ebenso kein Vorwurf an S., sondern an denjenigen, der das sagt.

Das Problem entsteht dadurch, daß letztlich vorwerfen auch als Verb des Sagens verstanden wird, daher mischen sich hier mit den zwei Bedeutungen auch zwei grammatische Formen. Es gibt dafür leider keine exakte Lösung, außer man umschreibt es mit dem Infinitiv.

Im Prinzip gebe ich Ihnen natürlich recht, daß der Satz im Konjunktiv üblich ist und auch kaum in dem Sinne, wie ich ihn hier fast ein wenig "böswillig" auslege, mißverstanden wird. Die Grammatik ist eben nicht ganz vollständig im Sinne absoluter Widerspruchsfreiheit, da muß die Sprache Kompromisse eingehen.




Erich Virch zu »Konjunktiv«
Dieser Kommentar wurde am 20.10.2018 um 11.45 Uhr verfaßt.

Worin der Vorwurf (oder ein Lob oder eine Behauptung oder was auch immer) besteht, besagt der zweite Teil des Satzes, wobei der Konjunktiv offen läßt, ob das Gesagte stimmt oder nicht. Was ist daran unklar?


Manfred Riemer zu »Konjunktiv«
Dieser Kommentar wurde am 20.10.2018 um 11.22 Uhr verfaßt.

Wir kommen nicht weiter, wenn wir nicht klären, was "der besagte Vorwurf" ganz genau und konkret ist.
Also nicht "der besgte", sondern der Vorwurf ist: "...".


R. M. zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 20.10.2018 um 10.14 Uhr verfaßt.

Hat CNN nicht gerade gemeldet, daß Trump selbst die Säge geführt hat?


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 20.10.2018 um 09.44 Uhr verfaßt.

Wie Saudi-Arabien mitteilt und Trump gern glauben möchte, ist Khashoggi nach einem Streit im Konsulat verstorben. Wahrscheinlich wurde darüber gestritten, ob er sterben wolle oder nicht. Eigentlich wollte er ja bloß ein paar Papiere abholen; aber darum kann es wohl nicht gegangen sein.
Nach einer früheren Version hat er sich während seiner Vernehmung versehentlich selbst zerlegt, nach einer anderen soll er noch gelebt haben, als er zersägt wurde.


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