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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 13.08 Uhr verfaßt.

Meine jüngste Tochter, selbst Chorsängerin, schlägt Dom-Spätzle vor, mit zugehörigem Spezialitäten- bzw. Spätzialitäten-Restaurant.


Christof Schardt zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 11.56 Uhr verfaßt.

Domseln? Dann würde ich aber noch die Konsonanten etwas umsortieren, damit es auch dem Stand der akademischen Forschung nach Hornscheidt entspricht:
ens Regensburgens Dolmens

Die einschlägigen Gender-Ratgeber fordern ja immer wieder, daß man sprachlich kreativ vorgehen sollte. Schön, daß man hier in der Gruppe diese Ermunterung beherzt aufnimmt und kreativ-iterativ zu perfekten Lösungen kommt.



Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 11.33 Uhr verfaßt.

Vielleicht könnte man sie Regensburger Domseln nennen (in Anlehnung an die Amsel).


Wolfram Metz zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 09.32 Uhr verfaßt.

Was ist eigentlich mit Orchesternamen wie »Berliner Philharmoniker« oder »Bamberger Symphoniker«? Müssen die nicht auch endlich verzeitgeistigt werden? Auf Auslandstourneen wäre so auch dem Rest der Menschheit schnell klarzumachen, wie fortschrittlich man in Deutschland »unterwegs« ist: Berliner Philharmoniker*innen, Bamberger Symphonikerinnen und Symphoniker. Es gibt noch viel zu tun.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 07.22 Uhr verfaßt.

Windmühlen und Mühlen überhaupt waren bis vor kurzem Spitzentechnologie, die größten und komplexesten Maschinen. Gegenüber heutigen Windrädern, Verbrennungsmotoren und erst recht Computern sind sie vorsintflutlich. Künftige Historiker könnten fast glauben, eine genetische Veränderung habe die Menschheit ergriffen. Jedenfalls läßt sich hier viel eher von einer „kognitiven Revolution“ sprechen als vor rund 70.000 Jahren, als die Faustkeile nach sehr langer Zeit raffinierter wurden. Dabei ist die Entwicklung vom Nürnberger Ei bis zum PC durchaus nachvollziehbar und keineswegs mysteriös.

Luther hätte sich zur Goethezeit zurechtgefunden und umgekehrt („Iuvat vivere!“), aber Goethe wäre im heutigen Frankfurt verloren.


Theodor Ickler zu »Böse Buben«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 06.36 Uhr verfaßt.

Ich bin auf einen kleinen Text gestoßen, von dem ich leider nicht mehr weiß, ob er irgendwo veröffentlicht worden ist. Solche Zusammenfassungen sind aber oft nützlich, darum setze ich ihn hierher:

„Wichtig vor allem zu lernen ist Einverständnis.“

Wie man eine Rechtschreibreform durchsetzt


Gewalt bricht den Widerstand der Beherrrschten, Macht holt sie ins Boot. Man kann hundert Millionen Menschen nicht zu einer neuen Rechtschreibung zwingen, man kann sie aber mit List und Tücke zum Mitmachen bewegen.
Nach Erfahrungen mit mehreren gescheiterten Reformplänen stand fest, wie vorzugehen war: Man mußte die Schüler als Geiseln nehmen, um dann mit dem unwiderstehlichen Argument „Unsere Kinder schreiben schon reformiert“ den Dingen ihren Lauf zu lassen. Dazu genügte es, eine Handvoll Ministerialräte in den Kultusministerien zu gewinnen.
Die flankierende Propaganda arbeitete mit dem bewährten Mittel: Falsche Behauptungen aufstellen und unermüdlich wiederholen, bis sie geglaubt werden.
„Die bisherigen Rechtschreibregeln werden von 212 Duden-Regeln auf 112 verringert, die Komma-Regeln von 52 auf 9.“ (Hess. Kultusministerium VI A - 601/83 - 246 und unzählige andere Quellen bis in die Gegenwart)

Die Duden-Richtlinien wenden sich an ein anderes Publikum und gehören einer anderen Textsorte an als der Erlaß der Kultusminister. Die Neuregelung ist umfangreicher als die 171 (nicht 212) auf die Rechtschreibung bezogenen Duden-Richtlinien, und die neue Kommaregelung umfaßt wie die alte zehn DIN A4-Seiten. Nur die neue Numerierung der Paragaphen täuscht eine verminderte Regelzahl vor. Dazu schrieb die Dudenredaktion in einer internen Anweisung: „Die inhaltlich falsche, aber politisch wirksame Formel ,aus 212 mach 112‘ muß auch im Duden ihren angemessenen Ausdruck finden.“ Man durchschaute also die Täuschung von Anfang an und bekannte sich zur Mitwirkung.

Die Reformbetreiber behaupteten außerdem, die Reform habe „nachweislich deutliche Erleichterungen gebracht“. Ein solcher Nachweis ist nie erbracht worden. Das „Mogeldiktat“, mit dem die Reformer 1997 die Vorzüge der Neuregelung beweisen wollten, wird schon seit 20 Jahren nicht mehr erwähnt. Allzu bekannt ist dagegen eine stete Abnahme der Rechtschreibleistungen deutscher Schüler. Daß die Reform (durch ihren Inhalt und durch die angerichtete Verwirrung) ihren Anteil dazu beigetragen hat, haben Untersuchungen von Uwe Grund wahrscheinlich gemacht.

Da die Zunahme der Fehler in Schülertexten, aber auch in Zeitungen und Druckwerken aller Art nicht zu bestreiten ist, verfielen die Reformbetreiber darauf, den Reformkritikern die Schuld zuzuschieben: Durch die von ihnen erzwungenen Revisionen sei die heutige Verunsicherung entstanden. Aber der Unglücksbote ist nicht am Unglück schuld, und es genügt hier der Hinweis, daß die Reformer zugleich mit der Reform einen Sammelband mit dem erstaunlichen Titel „Zur Neuregelung der deutschen Orthographie. Begründung und Kritik (!)“ herausbrachten. Darin artikulierten sie ihre Unzufriedenheit mit dem eigenen Werk und versäumten auch nicht, in Briefen die Verantwortung für verschiedene Mängel den Kollegen zuzuweisen, mit denen sie Kompromisse hätten schließen müssen. Daß die Reformgegner noch vieles andere fanden, was objektiv falsch war, bestätigten die Zwischenstaatliche Kommission und dann der Rat für deutsche Rechtschreibung durch zahllose Rückbaumaßnahmen.

Diese Korrekturen oder Reparaturen wurden niemals als solche benannt. Stattdessen sprechen die Reformer von„Präzisierungen“, „Anpassungen“, „Arrondierungen“ oder dem „Glätten evidenter Unebenheiten“. Diese Unwahrhaftigkeit wird nun schon über zwei Jahrzehnte strikt durchgehalten.

Viele einflußreiche Menschen glaubten, die Reformschreibung sei für jeden Bürger verbindlich. Der ADAC begründete die eigentlich ungewollte Umstellung seiner Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ damit, daß laut Bundesverfassungsgericht „die neue Rechtschreibung ab dem 01.08.1998 in Kraft zu treten hat. Ab dem 31.07.2005 ist die neue Rechtschreibung Pflicht und die bisherige Schreibweise nicht mehr zulässig.“ Das stellt den Inhalt des Urteils auf den Kopf. Bei einer Auflage von 13 Millionen haben solche Fehlinformationen ihre Wirkung. Einen ähnlichen Putativgehorsam zeigten das Deutsche Ärzteblatt, Bild der Wissenschaft, DIE WELT, Geo und viele andere. Die Reformbetreiber ließen es gern geschehen. Noch bemerkenswerter als der Rechtsirrtum ist die stillschweigende Voraussetzung, daß der Staat überhaupt befugt sein könnte, in die Sprache der ganzen Gesellschaft einzugreifen, und dies wiederum steht tatsächlich im Karlsruher Rechtschreiburteil.

Die FAZ war besser informiert und widersetzte sich jahrelang, bis sie nach entsprechender Bearbeitung durch den Vorsitzenden des Rechtschreibrates doch noch nachgab, dabei aber auf eine paradoxe Lösung verfiel: Angeblich um der Schüler willen folgt sie einer reformierten Hausorthographie, die gerade in solchen Fällen wie „rauh“ (statt reformiert „rau“) den Prunkstücken der Neuregelung widerspricht. Damit ist weder den Schülern noch den Lesern gedient, aber man bezeugt grundsätzliche Unterwerfungsbereitschaft. Mehr brauchten die Kultusminister nicht für ihren Triumph – sie zählen ohnehin nur die „ss“.

Um die Folgsamkeit der Akademiker machten sich die Reformer mit Recht keine Sorgen. Als im Frühjahr 1998 rund 1000 Hochschullehrer der philologischen Fächer um ihre Unterschrift unter eine reformkritische Petition gebeten wurden, kamen zwar in wenigen Tagen 800 Bestätigungen zusammen – ein traumhafter Rücklauf. Davon wurden 580 dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt, das ihnen allerdings keine Beachtung schenkte (das Urteil stand vor der Anhörung fest). Aber die protestierenden Bekenner schwenkten mit ganz seltenen Ausnahmen sehr bald auf die Reform um. (Laut Allensbach ist heute immerhin jeder vierte von ihnen der Ansicht, an den Hochschulen solle die Verweigerung des Genderns nicht zulässig sein!) Auf der Website der Humboldt-Universität liest man: „Die Humboldt-Universität zu Berlin ist als Einrichtung öffentlichen Rechts dazu verpflichtet, die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung anzuwenden.“ Der Reformbetreiber Peter Eisenberg stimmt zu: Reformverweigerer begingen „Dienstpflichtverletzungen, die disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen können.“Auf diese Pflicht will er sogar die DFG, die ARD usw. festlegen. Von der höchstrichterlichen Beschränkung auf die Schule ist nichts mehr übrig.

Die Hochschullehrer gaben den Druck an ihre Studenten weiter: „Es gelten die amtlichen Schreibungen“ oder „Es gilt die neue Rechtschreibung“, heißt es in ihren Hinweisen für die Gestaltung von schriftlichen Arbeiten. Selbst wenn Studenten bei der als „alt“ diffamierten Rechtschreibung bleiben wollten – womit bei ihrer Vorliebe für alles „Neue“ selten zu rechnen ist –, sind sie sich ihrer schwachen Position bewußt und fügen sich, kennen ja inzwischen aus ihrer Schulzeit auch nichts anderes mehr. Man benutzt ohnehin das Korrekturprogramm oder übernimmt Bausteine aus der reformfreudigen Wikipedia.

Auf die „Radfahrer“-Mentalität war auch anderswo Verlaß: Als einige Zeitungen sich entschlossen, zur üblichen Schreibweise zurückzukehren, hackte niemand gehässiger auf sie ein als die Journalistenkollegen, die es nicht geschafft hatten. Daß die Zeitungen dann auch alle Leserbriefe und sogar bezahlte Familienanzeigen auf Reformschreibung umstellten, entsprach der Strategie der Reformer, die „alte“ Schreibweise völlig dem Vergessen anheimzugeben.

Minister Hans Zehetmair, hauptverantwortlich für die Reform, hat gelegentlich Zerknirschung zur Schau gestellt, aber dann wieder alles verdorben durch Bemerkungen wie diese: „Es mag Verbesserungswürdiges geben, aber die Leute setzen sich wieder mit ihrer Sprache auseinander. Sprache ist wieder zum Thema geworden. Warum ist dies so erfreulich?“ (FAZ 1.8.2003) Es gibt erfreulichere Anlässe, sich mit der Sprache zu beschäftigen, als dieses Beispiel staatlicher Machtausübung. Übrigens sagte derselbe Zehetmair als Vorsitzender des Rechtschreibrats: „Es brüsten sich zu viele Hochschullehrer auch damit, daß sie sich nicht umstellen, sie bleiben bei dem, was sie hatten, und das führt natürlich dazu, daß da manche Beliebigkeiten einkehren.“ (Pressekonferenz am 22.6.2007)

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hatte sich zunächst gewehrt und auf der Passauer Frühjahrstagung 1997 einstimmig ein Gegenprogramm zur Rechtschreibreform verabschiedet, bevor sie sich von ihrem neuen Mitglied Eisenberg im Januar 1999 zum Mitmachen überreden ließ. „Angesichts der Machtverhältnisse“, so die denkwürdige Formulierung – ein seltsamer Maßstab für eine Sprach- und Literaturakademie.

Wie es zu gehen pflegt, beugte sich ihr Präsident Klaus Reichert nicht nur nach oben, sondern trat nach unten. Als einige Mitglieder um den Lyriker Wulf Kirsten gegen den Kotau zu protestieren wagten, zog er sie wie Schuljungen am Ohr. Später stellte er das so dar: „Hinter unserem Rücken hatte sich aber eine Gruppe von Leuten zusammengetan, die die nicht mehr zu kippende Reform dennoch zu kippen planten und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion Mitglieder der Akademie mit der Suggestivfrage angerufen hatten, ob sie nicht auch dafür wären, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren. (...) Ich erwähne das so ausführlich, um zu zeigen, welchem Zwei-Fronten-Krieg die Akademie ausgesetzt war: Da waren die Reformer, mit Rückendeckung durch die Ministerien, die keinen Deut von ihren unsinnigen Entscheidungen abzuweichen bereit waren, und da waren die Rückkehrer, die die alte Rechtschreibung fetischisierten und vor keinem Mittel der Agitation zurückscheuten und dabei auch Schriftsteller und Journalisten auf ihre Seite brachten, die mangels Kenntnissen nicht wissen konnten, wie kompliziert die Sache der deutschen Rechtschreibung in Wirklichkeit war.“

Die Zurechtgewiesenen, denen Reichert einen solchen Grad von Ignoranz unterstellte, waren keine ganz Namenlosen: Wulf Kirsten, Michael Krüger, Reiner Kunze, Guntram Vesper (Erstunterzeichner), außerdem Hans Bender, Elisabeth Borchers, Vicco von Bülow, Karl Dedecius, Tankred Dorst, Ralph Dutli, Joachim Fest, Christoph Geiser, Georges-Arthur Goldschmidt, Günter Grass, Walter Grasskamp, Peter Gülke, Erich Hackl, Michael Hamburger, Peter Hamm, Ludwig Harig, Thomas Hürlimann, Elfriede Jelinek, Joachim Kaiser, Prof. Friedhelm Kemp, Thomas Kling, Günter Kunert, Siegfried Lenz, Hans Maier, Odo Marquard, Christoph Meckel, Oskar Pastior, Arnold Stadler, Martin Walser, Michael Walter, Harald Weinrich, Hans Wollschläger, Bernhard Zeller. – Die Akademie nahm später ihre beiden Sitze im Rat für deutsche Rechtschreibung ein und wirkte an der Rettung der Reform mit – bis auf Uwe Pörksen, der unter Protest zurücktrat. Die Mitglieder, die man vertrat, wurden nie wieder gefragt.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 06.09 Uhr verfaßt.

Die Regensburger Domspatzen nehmen jetzt auch Mädchen auf. Schon überlegt man, wie sie in Zukunft heißen sollen. "Domnachtigallen" wurde verworfen, weil die Spatzen-Marke weltbekannt sei. "Domspätzinnen" hat wohl auch keine Chance. Da ist guter Rat teuer.


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 05.45 Uhr verfaßt.

In einer Mathearbeit hatte ich mal geschrieben, der gefundene Wert bewege sich zwischen x und y. Das strich der nette Lehrer naturgemäß an: Der Wert war zwar richtig, bewegt sich aber nicht, sondern liegt. Wirklich? - Komisch, daß ich das nicht vergessen habe.


Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 04.38 Uhr verfaßt.

Das fundamentum inconcussum („unhintergehbar“), auf das die Philosophen ihre Gebäude gegründet haben, sind Sätze wie:

Ich existiere.
Ich bin mir meiner selbst bewußt.
Es fühlt sich für mich irgendwie an...


Man kann sie aus logischen oder pragmatischen Gründen nicht negieren, also sind sie weder wahr noch falsch. Ihr Sinn besteht darin, exemplarische Bekenntnisse zur transgressiven Sprache der Innerlichkeit (Erlebnissprache) zu sein. Oder, wie ich gern sage: Sie exemplifizieren die Geschäftsordnung der Alltagssprache. Daher das Einleuchtende, aber auch irgendwie Leere.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 04.19 Uhr verfaßt.

Die Europäische Metropolregion Nürnberg lädt zum 14. Wissenschaftstag ein:

Unter dem Motto „Raum für Vielfalt –Zeit für Zukunft“ greifen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen im Dialog mit der Praxis aus Unternehmen, Institutionen und Gesellschaft in fünf Panels aktuelle Herausforderungen auf. (...) Wissenschaftliche Gastgeber sind in diesem Jahr die Hochschule Ansbach, die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, dieAugustana-Hochschule Neuendettelsau, die Hochschule fürangewandtes Management Treuchtlingen sowie der kunstoff-campus bayern. Öffentliche Partner sind der Bezirk Mittelfranken, die Stadt Ansbach sowie die drei Landkreise Ansbach, Neustadt a.d. Aisch/Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen. (...) Wir danken den Premiumpartnern Siemens und der Sparkasse Ansbach sowie den lokalen Sponsoren GEKA und Oechsler für die Unterstützung des diesjährigen Wissenschaftstages.

Es lebe das generische Maskulinum!


Wolfram Metz zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 16.06.2021 um 01.17 Uhr verfaßt.

Voll im Trend: alles durcheinander

»Unsere Musiker*innen im Porträt
Wer sind die Menschen hinter dem Orchestermitglied? Was bewegt sie, weshalb sind sie ausgerechnet Musikerin geworden und nicht Arzt oder Lehrerin? Wie lebt es sich in der Gemeinschaft Orchester?
Lernen Sie unsere Musikerinnen und Musiker von einer ganz persönlichen Seite kennen in den Porträts von Melanie Kollbrunner.«
(https://www.tonhalle-orchester.ch/orchester/musiker-innen/)

Hier will jemand es mal wieder allen recht machen, aber so kann es niemals funktionieren. Dröseln wir es mal auf:

Weiblich:
Frau Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Arzt?
Frau Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Lehrerin?

Männlich:
Herr Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Arzt?
Herr Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Lehrerin?

Divers:
Bernd/Christa/Helge Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Arzt?
Bernd/Christa/Helge Müller, weshalb sind Sie Musikerin geworden und nicht Lehrerin?

Ich will den Autoren nicht unterstellen, daß sie das generische Femininum durch die Hintertür einführen wollen, so weit reichen ihre Gedanken vermutlich gar nicht. Aber es fällt mir doch auf, daß nach unseren heutigen Sprachregeln, die trotz aller Störmanöver immer noch weithin anerkannt sind, und nach dem mutmaßlichen Sprachgefühl der überwältigenden Mehrheit einzig die Fragesätze unter »Weiblich« einen Sinn ergeben. Weiter fällt auf, daß nicht nur Männer, sondern auch nichtbinäre Personen sich geradezu verhohnepipelt fühlen müssen, wenn sie diese Sätze lesen. Wer nicht als Mann oder Frau »gelesen« werden möchte, muß sich mit dem hingeworfenen Genderstern in der Überschrift begnügen und ansonsten im Haupttext tapfer alle explizit weiblichen und männlichen Formen überlesen und damit viel mehr »Angriffen« standhalten, als je von der alle inkludierenden generischen Form ausgehen könnten. (Explizit weiblich oder männlich sind die Personenbezeichnungen, weil es nicht gleichzeitig ein generisches Femininum neben einem generischen Maskulinum geben kann.)

Der wohlmeinende Leser erkennt das Bemühen um »gendersensiblen« Sprachgebrauch, muß aber doch, wenn er gewisse Mindestanforderungen an den Informationsgehalt und die Verständlichkeit von Texten stellt, zu dem Schluß kommen, daß dies keine Zukunft hat.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 15.06.2021 um 18.08 Uhr verfaßt.

Auch wer gendert, beweist durch den ausschließlichen Gebrauch von die Amerikaner (= die USA), die Russen (= Rußland) und natürlich auch die Autohersteller Tag für Tag, daß das generische Maskulinum entgegen der Behauptung klaglos funktioniert. Niemals liest man: Die Chinesinnen und Chinesen treiben ihr Projekt Neue Seidenstraße voran. - Ob es mal jemandem auffällt?


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