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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Was ist ein Substantiv?«
Dieser Kommentar wurde am 28.06.2017 um 05.18 Uhr verfaßt.

Nach einigen Jahren habe ich die Einzelheiten der Neuregelung nicht mehr im Kopf. Das ist gut so, denn es bringt mich wieder näher an die Situation von Otto Normalverbraucher. Nun denn, wie war das mit der Groß-und Kleinschreibung bei jung und alt usw.? Also § 58.

In meinem Kritischen Kommentar hatte ich geschrieben:

"Wenn (3) für „nichtdeklinierte oder deklinierte“ Adjektive gilt, kann die Spezifikation wegfallen, denn etwas Drittes gibt es ja nicht. In Wirklichkeit rafft die Formulierung unterschiedliche Klassen zusammen, die in den Beispielgruppen angedeutet werden. Die erste Klasse ist offen (von fern usw., nichtdekliniert); dabei wäre noch einmal zu unterscheiden zwischen den Typen von fern und von nah und fern, letztere unterliegen als artikellose erschöpfende Aufzählungen (traditionell fälschlicherweise oft auf Paarformeln eingeschränkt) besonderen Gesetzen. Die zweite Klasse ist geschlossen (von neuem, dekliniert), wird aber nicht vollständig aufgelistet, obwohl dies nach Gallmann leicht möglich und auch besser gewesen wäre. Es handelt sich nämlich nach seiner Zählung nur um ein glattes Dutzend:
seit kurzem, binnen kurzem, seit langem, seit längerem, vor längerem, von nahem, von neuem, seit neuestem, von weitem, bei weitem, ohne weiteres, bis auf weiteres
Warum hier allerdings Kleinschreibung vorgeschrieben wird, bleibt angesichts der Fülle neuer Großschreibungen unerfindlich. Auch scheint eine intensionale Definition der Ausnahmen nicht möglich zu sein, denn die naheliegende Bestimmung „flektiertes Adjektiv mit Präposition ohne Artikel“ trifft zum Beispiel auch auf in Folgendem zu, das jedoch nur noch groß geschrieben werden soll. Nirgendwo zeigt sich deutlicher, daß der Unsinn nicht einmal Methode hat.
Im Wörterbuchteil des Duden-Taschenbuchs (Gallmann/Sitta 1996a) heißt es, das Adjektiv werde hier „in Anlehnung an den bisherigen Gebrauch“ klein geschrieben. In Augst et al. (1997, S. 232) wird Gallmann noch etwas deutlicher:
„Die Sonderbehandlung der zweiten Fallgruppe paßt ausgesprochen schlecht in die Systematizität der Neuregelung. Beim Erlernen der Groß- und Kleinschreibung wird man hier auch weiterhin nur mit Auswendiglernen zum Ziel kommen.“
In einer Fußnote macht Gallmann seinem Ärger über den Mitreformer Nerius Luft:
„Daß diese Inkohärenz auch von Ewald/Nerius (in diesem Band) kritisch herausgestrichen wird, erstaunt allerdings doch ein bißchen – gehörte er“ (sc. Nerius; seine Schülerin fällt unter den Tisch) „doch zu denjenigen, die bis zum Schluß hartnäckig an der Kleinschreibung dieser Fallgruppe festgehalten haben, das heißt auch noch zu einem Zeitpunkt, da die Großschreibung anderer Lexikalisierungen (wie etwa im Allgemeinen, im Trüben fischen) bereits beschlossene Sache war.“ (Augst et al. [Hg.] 1997, S. 232)

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Zurückgeblieben ist eine vergrößerte Unsicherheit. Der Rechtschreibrat könnte weitere sechs Jahre tagen und würde das Problem nicht lösen.


Wolfram Metz zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 27.06.2017 um 22.56 Uhr verfaßt.

Aus der heutigen 20-Uhr-Tagesschau:

»Armin Laschet ist neuer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Der CDU-Politiker erhielt heute bereits im ersten Wahlgang die notwendige Zahl von 100 Stimmen. Das entspricht exakt der Menge der Abgeordneten von CDU und FDP im Düsseldorfer Landtag.«

Die Summe aus der Zahl der CDU-Abgeordneten und der Zahl der FDP-Abgeordneten würde man im normalen Sprachgebrauch wohl kaum als »Menge« bezeichnen. Es drängt sich der Verdacht auf, daß hier eine Wiederholung des Wortes »Zahl« partout vermieden werden sollte.


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 27.06.2017 um 15.01 Uhr verfaßt.

„Angela Merkel räumt die Unionsposition zur Ehe für alle. Die Kanzlerin spricht plötzlich von einer Gewissensentscheidung - dabei ist ihre Wende kurz vor der Wahl ein rein taktisches Manöver.“ (Spiegel)

Das stimmt, aber die Eile der SPD ist auch ein taktisches Manöver: es muß noch in dieser Woche sein, weil sonst die Gefahr besteht, daß die Union ebenfalls dafür ist – und was dann?
Außerdem ist es ja nicht Merkels „Gewissensentscheidung“, sondern sie hat nur angeregt, in dieser Frage keinen Fraktionszwang gelten, sondern die Abgeordneten nach ihrem Gewissen stimmen zu lassen. Durch Weglassen des Bezugs wird der Satz zur halben Lüge.

(Gestern hat der SPIEGEL Schulz einen Pluspunkt gutgeschrieben, weil er die Kanzlerin mit dem Vorwurf "Anschlag auf die Demokratie" getroffen habe. Wenige Stunden später wußte jeder, daß dies ein schwerer Mißgriff gewesen war.)

Der SPIEGEL ist auch nicht mehr, was er mal war, zu viel Meinung, zu wenig Recherche.


Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 27.06.2017 um 14.32 Uhr verfaßt.

Denn würde sich der gründende Grund selber dazu machen, gründend zu sein, so wäre er als sich selbst gründender Grund eo ipso gegründet; und das aus sich ausgehende Aus wäre zugleich ausgegangenes Aus. Somit können der gegründete Grund sowie das ausgehende Aus nur dann der für sie ruinösen Konsequenz entnommen werden, im Gründen gegründet bzw. im Ausgehen ausgegangen zu sein, wenn der gründende Grund aufgrund des schon gegründet habenden Grundes und das ausgehende Aus aufgrund des schon Ausgang seienden Aus gründend bzw. ausgehend sind.
(Falk Wagner: Christentum in der Moderne. Tübingen 2014:296)


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 27.06.2017 um 08.16 Uhr verfaßt.

Gestern hörte ich ein Interview mit der Vorsitzenden des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Sie hatte das Gendern unfehlbar verinnerlicht, versäumte niemals die Doppelform. Das kann man bei vielen Funktionären und Politikern beobachten, und es ist gewisser Weise bewundernswert, weil ja die Spontansprache der weniger gebundenen Menschen es anders macht. Lehrer sind allerdings besonders gelehrig; ein Wink der Obrigkeit genügt, auch bei Professoren.

Gestern fand ich auf der Website unserer Universität:

Das Forum für Integration und interkulturellen Dialog „FAU INTEGRA“ versteht sich als zentrale Vernetzungsstelle für alle Aktivitäten der FAU in Bezug auf Geflüchtete. Initiiert wurde die Koordinationsstelle aus Mitteln des interdisziplinären Masterstudiengangs „Ethik der Textkulturen“.
FAU INTEGRA verbindet das Programm „Studienorientierung für Geflüchtete“ mit einer wissenschaftlichen Begleitung des Integrationsprozesses und der Kommunikation der Universität mit der städtischen Öffentlichkeit.



Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 27.06.2017 um 04.10 Uhr verfaßt.

Zur "Glaubwürdigkeit" auch: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#35112
(Gänswein)


Theodor Ickler zu »Überflüssige Wörter«
Dieser Kommentar wurde am 26.06.2017 um 17.41 Uhr verfaßt.

Man hat darauf hingewiesen, daß die Germanen manche lateinischen Wörter gewiß zusammen mit der Sache entlehnt haben, Kulturgegenständen, die sie vor der Begegnung mit den Römern nicht kannten: Mauer, Ziegel, Pflaster, Kreide, Öl, Flasche, Seide, Wein, Esel. Aber Käse, Mühle, Insel, Fenster, kurz, mager? Hier ist eher anzunehmen, daß sie die heimischen Wörter zugunsten der prestigehaltigen fremden aufgegeben haben, wie wir es heute noch tun.


Theodor Ickler zu »Stilistische Pracht«
Dieser Kommentar wurde am 26.06.2017 um 16.26 Uhr verfaßt.

Die beliebte Rede von "Sprachsünden" ist so harmlos wie verfehlt. Meistens geht es um Fehler (Versehen, Irrtümer) oder einfach um Verstöße gegen eine Schulnorm.
Es gibt nur ein wirkliche Sprachsünde: den Betrug durch einschüchternde oder einlullende Ausdrucksweise, also das Imponieren einerseits, die Wonnen der Erbaulichkeit andererseits.
Sünde ist es, weil dafür keine weltlichen Strafen vorgesehen sind, sondern nur das ewige Schmoren in der Hölle.
(So verstehe ich Eduard Engel und schließe mich an.)


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 26.06.2017 um 16.10 Uhr verfaßt.

Brainporn:

"Unser Gehirn ist darauf programmiert, neue Dinge zu lieben"
Virtual-Reality-Shops und kassenlose Supermärkte sollen die übersatte Gesellschaft bei Kauflaune halten. Dem Gehirn gefällt das, sagt der Konsumexperte Sebastian Haupt.
(Zeit 26.6.17)

= Der Mensch liebt Abwechslung.


R. M. zu »Störende Homonymie«
Dieser Kommentar wurde am 26.06.2017 um 11.48 Uhr verfaßt.

Stimmt, sonus und suus gehören in eine Gruppe mit sunt. Die beiden Nasale liegen aber sehr nahe beieinander.


Theodor Ickler zu »Störende Homonymie«
Dieser Kommentar wurde am 26.06.2017 um 11.41 Uhr verfaßt.

Das wesentliche Argument (der Junggrammatiker) war, daß solcher Zusammenfall den mechanischen Lautwandel nicht verhindert. Die Sprecher weichen eher auf andere Wörter aus ("Homonymenflucht") oder sorgen sonstwie für Eindeutigkeit.
Kraß ging es auch im Chinesischen zu, wo die Schriftzeichen viel eindeutiger sind als die zusammengefallenen gesprochenen Morpheme; die Eindeutigkeit wird durch "Synonymkomposita" oder andere lexikalische Mittel herbeigeführt.


Wolfgang Wrase zu »Störende Homonymie«
Dieser Kommentar wurde am 26.06.2017 um 10.44 Uhr verfaßt.

Lateinisch sonus und suus ergeben französisch son. Das wird mit einem anderen Nasal ausgesprochen als etwa französisch sang oder sans. Man kann aber festhalten, daß für lateinisch sonus und suus dasselbe gilt wie für die zuvor genannten Beispiele: Im Französischen sind daraus Homophone geworden.


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