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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Manfred Riemer zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 23.04.2019 um 02.24 Uhr verfaßt.

Auch der Philosoph Fred Dretske behauptet, daß natürliche Zeichen etwas bedeuten ...
Folglich ist alles Zeichen, der Begriff hat nichts Unterscheidendes mehr. ...
... die Zeicheninflation macht die ganze Theorie zunichte
1240#39915

Wie viele Zeichen gibt es eigentlich insgesamt? Wenn es theoretisch unmöglich ist, eine vollständige Liste aller Zeichen anzugeben, was ich annehme, dann kann es unendlich viele geben. Haben wir also nicht sowieso schon eine "Zeicheninflation"? Wenn alles, was eine Bedeutung hat, ein Zeichen wäre, wenn alles für irgendetwas stünde, dann wäre es eben so. Eine Zeicheninflation allein wäre weder eine Widerlegung dieses Zeichenbegriffs noch machte sie ihn sinnlos. (Solange der Autofahrer Auto fährt, braucht er nur die für ihn interessanten Zeichen zu beachten, die unendlich vielen anderen stören ihn überhaupt nicht.)

Der Saussuresche Zeichenbegriff besagt m.W. u.a. nur, daß jedes Zeichen eine Bedeutung hat, aber nicht, daß hinter jeder Bedeutung ein Zeichen steckt. Z. B. zeigen rote Flecken nicht eindeutig Masern an, sind also auch kein entsprechendes natürliches Zeichen. (Eines unter vielen Anzeichen für Masern vielleicht, wenn man Anzeichen so definiert.)

M. E. muß man den zweiseitigen Zeichenbegriff so verstehen, daß die Bedeutung eines Zeichens eindeutig festgelegt ist. Dann kann man auch nicht jede beliebige Sache ein Zeichen nennen.


Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 22.04.2019 um 08.41 Uhr verfaßt.

Gegen die "Zeicheninflation", die herkömmliche Zeichentheorien unbrauchbar macht (ich habe es am Beispiel Rudi Kellers gezeigt) muß man immer wieder auf der genetisch-historischen Perspektive bestehen. So sehen es auch die Biologen:

An important distinction can be made between a cue and a signal. Like signals, cues can provide information to others. For instance, the rustling of a mouse as it forages in the undergrowth is a cue that may convey information to a predator about the mouse´s location. However, this information is purely a by-product of the mouse´s foraging activity: the rustling was not shaped by natural selection to convey that information. In contrast, signals have been shaped by natural selection for the specific purpose of conveying information and thereby influencing others´ behavior, ultimately impacting both the signaler´s and the recipient´s fitness. (Mark E. Laidre/Rufus A. Johnstone: Animal signals. Current Biology Vol 23 No 18, R829-R833 - https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982213009317)

"Cue" könnte man hier mit "Anzeichen" übersetzen, "signal" mit "Zeichen".
Aus der Sicht des "Empfängers" gibt es keinen Unterschied, aber für eine naturalistische Analyse ist die Unterscheidung das A und O.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 22.04.2019 um 06.18 Uhr verfaßt.

Selenskyj, der neue Präsident der Ukraine, hielt seine Rede nach der Wahl auf Ukrainisch, das er laut Wikipedia erst seit 2017 lernt. Wegen des Relativsatzes muß man die Sprachbezeichnung hier wohl groß schreiben.

Übrigens ist es voreilig, Selenskyj (über den ich gar nichts weiß), als "Narr" zu bezeichnen, wie es eine deutsche Zeitung für richtig hält. Er hat Jura studiert und arbeitet als Schauspieler und Komiker - na und? Ob er seine Sache gut oder schlecht machen wird, ist ganz offen.

Der Fall ist nicht ganz unwichtig, weil man sich ja fragt, ob einige jener Machthaber, die mit dem großen Geld hinter sich unschlagbar scheinen, überhaupt noch abgelöst werden können. Rein machttechnisch kann niemand den "Apparat" schlagen. Da bleibt nur die Hoffnung auf die Charismatiker, die allerdings auch schlimme Demagogen sein können, beides heute unter "Populisten" zusammengeworfen.

Wo es nicht einmal mehr Wahlen gibt wie in China, sondern nur einen gewaltigen Überwachungsapparat, ist die Macht allerdings vorläufig ewig.


Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 22.04.2019 um 06.05 Uhr verfaßt.

Ein kleinerer Zwischenfall bei einem dieser türkischen „Hochzeitskorsos“, der es normalerweise kaum in die Lokalnachrichten schaffen würde, ruft bei welt.de über 800 einschlägige Leserzuschriften hervor. Auch die sachlich haltlose Verbindung zu Merkels Flüchtlingspolitik wird immer wieder beschworen und Hoffnung auf die 13 Prozent der Bevölkerung geweckt, die das undeutsche Treiben nicht wollten.

Ich will diese Menschen hier nicht. Nicht als Mitbürger. Nicht als Nachbarn. Nicht als feierwütige Egomanen. Dieser ganze multikulti-wir-haben-uns-alle-lieb-Scheiß! Ich WILL DAS NICHT!

Dazu gehört auch die ständig wiederholte Unterstellung, daß Kritik nicht erlaubt sei oder von der Redaktion wegzensiert werde.
Diese geschlossene Haßgesellschaft lauert den ganzen Tag auf Meldungen, an die sich ein giftiger Kommentar anschließen läßt, und kein Vorfall ist so entlegen, daß nicht eine Verbindung zu AM (Angie) möglich wäre.
Gemeinsam ist ihnen: Sie lesen nicht gern und wissen nicht viel.
Zu den Anschlägen auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka schreibt ein Leser:

Wieder nur halbe Information! Buddhisten tun so etwas nicht und es gibt für Aufständische keinen Grund Kirchen anzugreifen. Dies schreit nach islamischem Terror. Warum wird darüber nicht berichtet?

Vielleicht weil man zunächst noch nichts Genaueres wußte. Was die Friedfertigkeit der Buddhisten betrifft (die auch andere Leser behaupten), sind die Rohingyas wohl anderer Meinung.

Mehrere Leser kritisieren, nur in ausländischen Medien werde berichtet, daß srilankische Politiker schon zehn Tage früher vor Anschlägen einer radikalislamischen Gruppe gewarnt hätten; aber genau dies stand in dem Artikel, zum dem sie sich äußern und den sie wohl nicht gelesen haben. Und warum hätte eine solche Mitteilung (die übrigens niemandem genutzt hätte) unterdrückt werden sollen?
Immer wieder wird gefragt, wo der Aufschrei, der Protest, die Beileidskundgabe bleibe – hier, wo es um ermordete Christen geht? Dabei war die ganze Presse voll davon, aber man kann ja mal das Gegenteil behaupten; wer prüft das schon nach.




Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 22.04.2019 um 05.49 Uhr verfaßt.

FAS 21.4.19: Volker Zastrow scharf gegen Ratzingers Text über Mißbrauch. Die 68er Revolution, die Benedikt beschuldigt, habe im Gegenteil die Machtstrukturen in der Familie aufgeweicht und damit mehr als alles andere den Mißbrauch von Frauen und Kindern erschwert.
Sexueller Mißbrauch steht am Anfang der Reformpädagogik und hatte auch in der katholischen Kirche immer seinen Platz. Zastrow erinnert an Chorleiter Georg Ratzinger. Otto Köhler schrieb darüber:
Daß die Kirche im Alltagsleben nicht über dem Staat stehen sollte, bewies keiner so gut wie der ältere Ratzinger-Bruder Georg, der als Kapellmeister der Regensburger Domspatzen selbst Kinder mißhandelt hatte. »Grün und blau« habe er zwar nie einen Knaben geschlagen, erklärte er der Passauer Neuen Presse. Doch er sei froh gewesen, als zu Anfang der achtziger Jahre körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber verboten wurden. »Daran habe ich mich strictissime gehalten, und ich war innerlich erleichtert!« behauptete Bruder Ratzinger. Ohne staatliches Gebot hätte er sich weiter verhalten wie bis dahin. Der Regisseur und Komponist Franz Wittenbrink, der als Neunjähriger bei den Regensburger Domspatzen interniert war, erklärte laut Spiegel, es habe dort ein »ausgeklügeltes System sadistischer Strafen verbunden mit sexueller Lust« bestanden. (Ossietzky 4.4.10)

Zastrow bestreitet nicht, daß Pädophile sich an die Studentenbewegung angehängt haben, aber das war nur eine Marginalie und für die weltweite Bewegung nicht wesentlich. Dagegen habe ich in der deutschen Reformpädagogik mit ihrer Schwärmerei für abgeschlossene "pädagogische Provinzen" oft etwas Schwüles empfunden.


Theodor Ickler zu »Friede sei mit euch!«
Dieser Kommentar wurde am 21.04.2019 um 07.39 Uhr verfaßt.

Noch mal zum Index pellicularum prohibitarum:

Die aktuelle Liste nicht feiertagsfreier Filme (ab 1980) umfaßt ungefähr 700 Filme und damit nur einen winzigen Teil der Produktion. In den 50er Jahren waren 60 Prozent aller Filme nicht feiertagsfrei.
Verboten sind Gewalt und Sex, die man ohnehin nur zähneknirschend „ab 18“ zugelassen hatte. Also „Terminator“ und „Liebesgrüße aus der Lederhose“ (mehrere Fortsetzungen – was es alles mal gab!). Außerdem Kinderfilme und alles, was die Zuschauer zum Lachen bringen könnte. Hallervorden zum Beispiel geht gar nicht. Nicht freigegeben sind etwa:

Der zerbrochene Krug
Der Krieg der Knöpfe
Manche mögen´s heiß
Die Zürcher Verlobung
Charlys Tante
Quax, der Bruchpilot
Die Sklavenkarawane (ab 6, Prädikat „wertvoll“) - wegen des Titels vermutlich als Porno mißverstanden (wie „Sklavenmarkt der weißen Mädchen“)

Lachen ist sowieso des Teufels. Jesus lacht nie, obwohl der Theologe Klaus Berger kürzlich ein Buch über den Humor Jesu herausgebracht hat. Angesichts des bevorstehenden Weltendes gab es auch keinen Grund zum Lachen. (Berger zitiert schon im Titel das Gleichnis vom Nadelöhr; allerdings scheint das eine alte jüdische Redensart gewesen zu sein, unabhängig davon, ob mit „kamelos“ (kamilos) nun ein Kamel oder ein Ankertau gemeint war. In einer Bußpredigt wirkt es jedenfalls eher erschreckend als erheiternd.)

Daß erwachsene Menschen sich ab und zu treffen, um die Liste fortzuführen, ist ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke. Ob sie all die Klamotten wirklich gesehen haben?


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 21.04.2019 um 05.24 Uhr verfaßt.

"The processing of ideas in the neocortex" - so reden sie daher, in aller Unschuld. Das Gehirn verarbeitet keine Ideen, es steuert Muskeln. Einige dieser Bewegungen werden in bestimmten gesellschaftlichen Zusammenhängen als "Ideen" oder als "Äußerung von Ideen" interpretiert. Das ist aber nicht mit der Sprache der Neurologie in Verbindung zu bringen. Die Koppelung wie in der zitierten Wendung ist sinnlos.


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 21.04.2019 um 05.04 Uhr verfaßt.

Die FAZ bespricht ein neues Buch von Maryanne Wolf. Darin scheint sie auch wieder über das Gehirn zu sprechen: „Schnelles Lesen, langsames Lesen: Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen“ (2019)

Das werde ich nicht lesen, nach dem Unsinn in ihrem vorigen Werk, auch wenn ich ihr in der pädagogischen Tendenz zustimme.


Theodor Ickler zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 21.04.2019 um 04.38 Uhr verfaßt.

sich räuspern müßte eigentlich mit eu geschrieben werden (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=850), da hatte Augst recht.

Im Augenblick interessiert mich etwas anderes. Das Räuspern scheint im Gegensatz zum Husten etwas Kommunikatives zu sein. Hunde können husten, aber sich nicht räuspern. Es wird angegeben, daß man durch Räuspern auf sich aufmerksam machen kann. Das gibt es wohl nur als Wortmeldung, als Einleitung zu einer Äußerung.

Ich erinnere mich an den Ratschlag einer Gesangslehrerin, nicht das schädliche Husten, sondern ein schonendes Räuspern anzuwenden, um den Atemtrakt freizukriegen, allerdings mit geschossenen Lippen. Nun lese ich bei Wikipedia:

„Räuspern stellt eine weitaus größere mechanische Belastung für die Stimmbänder dar als Husten.“

und bin etwas im Zweifel..

Zur Synonymik wäre hüsteln heranzuziehen. Das scheint mir ebenfalls kommunikativ (zeichenhaft) zu sein, auch wenn man natürlich einsam vor sich hin sowohl hüsteln als auch sich räuspern kann. Das Hüsteln könnte etwas stärker auf eine Unterbrechung oder einen wortlosen Kommentar hindeuten, weniger als Zeichen einer Wortmeldung verstanden werden. Man kann daher auch anzüglich hüsteln. Diese Hypothese muß aber noch geprüft werden, der Ostersonntag ist ja noch lang.


Theodor Ickler zu »Lectio facilior«
Dieser Kommentar wurde am 20.04.2019 um 08.06 Uhr verfaßt.

In der "Frankfurter Anthologie" wird ein Gedicht von H. C. Artmann besprochen. Ob er Sarkopharg um des Reimes auf arg willen entstellt hat? Die falsche Form ist unendlich oft belegt.


Theodor Ickler zu »Zensur II«
Dieser Kommentar wurde am 20.04.2019 um 05.09 Uhr verfaßt.

Die Sprachregelungen des Deutschen Presserats befeuern Verschwörungstheorien. Das konspirative Verschweigen von Einzelheiten, denen man wider besseres Wissen abspricht, die Öffentlichkeit zu interessieren, untergräbt das Vertrauen und ermöglicht eine gefährliche Kultur des Verdachts.

Seit der Presserat die entsprechende Formulierung im Pressekodex im vergangenen März geändert hat, können Redaktionen die Herkunft eines Täters nennen, wenn ein „begründetes öffentliches Interesse“ besteht. In ergänzenden Leitsätzen hat der Presserat formuliert, wann dieses zutrifft: „Ein begründetes, öffentliches Interesse kann sein ein schwerwiegendes Verbrechen, das kann die Existenz eines Haftbefehl sein, dann wird polizeilich nach jemandem gesucht, und dann kann die Presse darüber berichten.“ (https://www.deutschlandfunk.de/berichterstattung-ueber-straftaten-pressekodex-in-der-kritik.2907.de.html?dram:article_id=409994)
Es wird also weiterhin vorausgesetzt, daß im Normalfall kein öffentliches Interesse an der Herkunft eines Straftäters besteht, sondern nur in Ausnahmefällen.
Die Folge ist, daß auf rechtsgerichteten Internetseiten voller Hohn der „Mann“ oder die „Männer“ aus den Polizeiberichten genannt werden, die vermutlich „Hans“ heißen usw., so daß man allmählich das Wort „Mann“ kaum noch verwenden möchte, weil es unversehens die Bedeutung „ausländischer Verbrecher“ anzunehmen beginnt.


Theodor Ickler zu »Für Nachwuchsgermanisten«
Dieser Kommentar wurde am 20.04.2019 um 04.52 Uhr verfaßt.

Auch zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=914#28224

Ein malender Affe müßte doch durch zufällige Annäherung an Figürliches „verstärkt“ (belohnt) werden und dadurch seine Produkte immer stärker an gegenständliche Darstellung annähern. Das geschieht aber nicht. Vielleicht hat die Erkennbarkeit von wirklichen Gegenständen nichts Verstärkendes für ihn. Aber auch die in der Dressur üblichen äußeren Belohnungen, durch die er alles mögliche wie Fahrradfahren lernt, scheinen nicht zu fruchten.
Er lernt, Holzkisten aufeinanderzustapeln, um daran hochzuklettern (oder zu -springen), aber er lernt nicht, sie ordentlich zu zentrieren und dadurch den Nutzen zu erhöhen. Das ist schwer zu verstehen. Fehlt dem Affen die „natürliche Physik“, bei sonst hochgradigem "Sinn" für Gleichgewicht usw.?

Was bedeutet das für die Sprachfähigkeit?


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