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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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01.02.2008
 

Tunfisch
Nicht nur kulinarisch bedenklich

Im Magazin der Süddeutschen Zeitung wird heute ein Rezept für "Tunfisch" (mit Schweinebauch!) vorgestellt. Ich war ein bißchen überrascht, denn in derselben Zeitung hatte ich zuvor nicht ohne Genugtuung "im übrigen" gelesen, das sich ja immer mehr durchsetzt, obwohl es nicht "erlaubt" ist.
Der Vorsatz der Reformer, schon angebahnte Eindeutschungen zu fördern, trifft auf "Tunfisch" nicht zu, denn dies wurde und wird fast immer mit h geschrieben. Die "Spagetti" sind ja auch weitgehend wieder verschwunden, nur in Schulbüchern findet man Fisch und Nudel noch in Augstscher Schreibweise. Bei der Süddeutschen muß jemand im Hintergrund gegen die Wiederkehr der Vernunft tätig sein. Der "Rauputz" in derselben Nummer sieht auch recht putzig aus. Wie sonderbar, das angestammte h aus "rauh" zu vertreiben, während zugleich entlegenste Etymologien ausgekramt werden ("behände, Stängel")! Zukunft hat das alles nicht, aber die Zeitungen werden wie Fehldrucke bei Briefmarken eines Tages als Raritäten Höchstpreise erzielen. Also bitte aufbewahren, man weiß ja nie!



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Kommentare zu »Tunfisch«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2013 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#23212

Schweine haben zweifellos Schweinebäuche – was denn sonst? Trotzdem sagt man das nicht, sondern all diese appetitanregenden Wörter werden erst sozusagen ab Schlachthof verwendet.
*Der Hund biß in den Schweinebauch statt dem/das Schwein in den Bauch.
*Er lehnte sich gegen die Pferdelende.
*Der Schäfer klopfte liebevoll auf die Lammschulter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2012 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#21597

Im SZ-Magazin stellt der Koch Tim Raue sein Rezept für Bouletten vor. Die reformierte Rechtschreibung kennt nur Buletten. Übrigens würzt Raue mit „Fleur de Sel“, also einem Meersalz, das man zum Fünfhundertfachen des Preises für gewöhnliches Salz (im Grunde ebenfalls Meersalz) erwerben kann. Vielleicht schmeckt ein besonders sensibler Mensch im Doppelblindversuch den Unterschied zwischen diesen Salzarten, aber daß er ihn ausgerechnet aus diesen Buletten (die u. a. Tabasco und weißen Speck enthalten, der ja auch kräftig gesalzen zu sein pflegt) herausschmeckt, halte ich für völlig unmöglich. Das Ganze wird als „Berliner Klassiker“ bezeichnet, was dem Unsinn die Krone aufsetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2010 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#15876

Was auch kaum akzeptiert ist (immer mit der Ausnahme von Schulbüchern, die aber gewissermaßen durch die Hände der Kultusministerien gegangen sind und eigentlich als Quellen nicht in Betracht kommen): leidtut, pleitegeht, bankrottgeht. Wenn man diese Formen in die Suchmaschine eingibt, fragt sie unschuldsvoll zurück: „Meinten Sie leid tut“ usw.?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.03.2010 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#15873

Thun ist schließlich alter böhmischer Adel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2010 um 08.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#15869

Da gerade weltweit über den (von sog. Feinschmeckern verhinderten) Schutz des Blauflossen-Thunfisches berichtet wird, habe ich noch einmal die Presse durchgesehen. Der Thun hat fast durchgehend sein h wiederbekommen, nur der "Standard" schreibt ohne h, aber die Leserbriefschreiber beharren auch in Österreich auf "Thunfisch". Die Kurzform "Blauflossentun" muß man mit der Lupe suchen. Die Reformschreibung muß als nicht akzeptiert gelten. Ob die Rechtschreibräte das registrieren und bei ihren nächsten Vorschlägen berücksichtigen?
 
 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 09.09.2009 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#14954

Übrigens war die Redaktion der SZ im Sommer 2004 einhellig der Meinung, die Rückkehr der Zeitung zur herkömmlichen Rechtschreibung sei beschlossene Sache. Das wurde mir damals brühwarm, geradezu euphorisch mitgeteilt. Irgend jemand muß dann eingegriffen haben.

Wer sagte damals noch gleich "Daraus wird nichts. Daraus wird gar nichts."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.09.2009 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#14952

Heute bringt die Süddeutsche Zeitung einen längeren Bericht über den Thunfischfang, der Tunfisch ist wohl endgültig vergessen.
Gut so, aber es dauert quälend lange.

Übrigens war die Redaktion der SZ im Sommer 2004 einhellig der Meinung, die Rückkehr der Zeitung zur herkömmlichen Rechtschreibung sei beschlossene Sache. Das wurde mir damals brühwarm, geradezu euphorisch mitgeteilt. Irgend jemand muß dann eingegriffen haben.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 01.02.2008 um 22.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#11334

Urs Bärlein macht diese trübe Zeit noch schwerer:
Allein die Erwähnung von Eckernförde kann Depressionen auslösen, so gut der (Thun)fisch dort auch schmecken mag.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 01.02.2008 um 22.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#11333

Nur ganz am Rande, und im klaren Bewußtsein, daß das nicht viel mit dem Thema zu tun hat: Die Kombination von Fisch und Schweinefleisch kommt nicht nur in der chinesischen Küche vor, sondern ebenso in der europäischen, z.B. bei der Paella, jedenfalls wenn man sie nicht in Valencia, sondern etwa in Asturien ißt. Und in Eckernförde habe ich mir jüngst ganz ausgezeichneten Butt mit gebratenen Speckwürfeln servieren lassen. Zugegeben, Thunfisch mit Schweinebauch würde selbst ich mir nicht bestellen. – Pardon.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 01.02.2008 um 21.04 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=960#11332

Wer Fisch mit Schweinefleisch kombiniert, hat sicher einen in jedem Sinne ausgefallenen Geschmack.

Folgen wir dem jeder Wortherkunft kundigen Augst, wissen wir nun, wer die Tunwörter – auch die ungetunten – erfindet: der "Tunfisch" (seit des Hl. Antonius kaum noch bekannter Predigt). Ein paar Thune sollten also in einem Reservat geschützt werden, um drohender Sprachverarmung vorzubeugen, denn Machenwörter werden nicht mehr erfunden, weil ihr Schöpfer bereits verschieden.
 
 

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