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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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12.01.2008
 

Detlef Kraus
Eine Erinnerung

Fast unbeachtet von den Medien, ist der bedeutende Pianist Detlef Kraus am 7. Januar verstorben. Wir haben ihn von unserer Ferieninsel Juist her in Erinnerung, wo er alljährlich zur selben Zeit wie unsere Familie Urlaub machte und auch bis ins hohe Alter jeweils einen Klavierabend gab, soweit es die schwindenden Kräfte zuließen.

1997 kam ich mit ihm in der Inselbuchhandlung ins Gespräch, und zwar über mein gerade erschienenes Schildbürger-Büchlein. (Ich habe dann auch im Kurhaus einen Vortrag zum Thema gehalten.) Kraus war gut informiert und äußerte seine entschiedene Ablehnung des Reformunternehmens. Dieser Zuspruch hat mir damals gutgetan und mich in meiner Hoffnung bestärkt, die Rechtschreibreform werde rechtzeitig an ihrer Lächerlichkeit zugrunde gehen.



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Kommentare zu »Detlef Kraus«
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Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 14.01.2008 um 12.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=949#11152

Womöglich sind diese verfälschten Zitate – Herr Eversberg würde sie wohl Kollateralschäden nennen – aber auch nur wieder Teil jener eigenartigen Gleichschaltung, um nicht als unerlaubt dumm oder für seinen Beruf nicht taugend (H. C. Andersen) dazustehen.

Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft praktiziert das zu meinem großen Ärger ebenfalls seit geraumer Zeit. Auch wenn ein Titel dort mit ß geschrieben wird, steht er trotzdem im Text der WBG mit ss da. Ebenso verfährt man dort mit Rezensionsauszügen aus den 80er und frühen 90er Jahren. Schließlich haben Buchdeckel von Lizenzausgaben eine vom Inhalt des Buches abweichende Schreibung. Eigentlich hat die WBG damit das Adjektiv "wissenschaftlich", das sie im Namen führt, verspielt.

Ähnliches meinte ich auch mit meinem Hinweis auf Kafka und Stach. Wenn man wissenschaftlich oder, bei Zeitungen, seriös schreiben will, greift man nicht in die Textvorlage ein. Vielleicht steht dahinter aber auch inzwischen ein zunehmendes Nicht-Verständnis der Interpunktion, das ja mit der Zerstörung der Rechtschreibung einherging. Die Anführungszeichen bei einem Zitat haben schließlich zwei Funktionen. Einmal kennzeichnen sie ein Zitat optisch als solches, und sodann schaffen sie auch Distanz zum Schreiber. Es sind eben nicht seine Worte, sondern die des Zitierten. Durch nicht gekennzeichnete Eingriffe in das Zitat entsteht nun ein ungesundes und zugleich bedrohlich nah an den Schreiber herangekommenes Amalgam. Streng genommen könnte man so auch auf die Anführungszeichen verzichten. Kommata setzt man inzwischen ja auch nach Geschmack, oder gar nicht.

Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß ein Kind zu Hause bei den Eltern, die ihre Privatbibliothek noch nicht zum Wohle des Kindes gesäubert haben, ein Buch in normaler Rechtschreibung zur Hand nimmt und ausruft: "Aber das steht da ja ganz anders!"
 
 

Kommentar von Wolfgang Scheuermann, verfaßt am 14.01.2008 um 09.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=949#11146

Im Feuilleton der heutigen FAZ würdigt Ellen Kohlhaas Herrn Kraus in sehr angemessener Weise.
Sie zitiert dort aus seiner 1986 erschienenen Monographie: "Johannes Brahms als Klavierkomponist. Wege und Hinweise zu seiner Klaviermusik" den von Kraus herausgearbeiteten Gegensatz zwischen »bewusste(m) Formen« und »starken Emotionen«.
Verlangt die FAZ solche "modernisierten" Zitierweisen selbst von verdienten freien Mitarbeitern wie Ellen Kohlhaas?
Oder hat sie das nur angenommen?
(Und auf der Seite direkt daneben steht weiterhin Enzenbergers "Hammerstein" – mit mindestens 12 solcher "unmoderner" Eszetts [auf zusammen vielleicht gerade mal anderthalb Zeitungsspalten].)
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 12.01.2008 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=949#11128

Wenn die Lächerlichkeit von oben verordnet wird, kann man sie nun ja wohl auch "Staatsraison" nennen. Und in diesem Zusammenhang bietet sich wieder (Herr Scheuermann schrieb dazu im Kommentar vom 14.03.2006, 453#3353) der Vergleich mit Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" an.

Bei Andersen löst sich alles durch den Kommentar eines Kindes auf. Womöglich kannte einer der "Kult-Oberen" (Dank an Christoph Schatte für diesen Ausdruck) dieses Märchen doch recht gut. Immerhin nahm man ja die Kinder als Geiseln, um ihnen gar nicht die Möglichkeit zu ähnlichen Kommentaren zu geben. Und fleißige Eltern säubern eifrig die Schulbüchereien und vermeiden so jede Vergleichsmöglichkeit der angeblich so viel besseren Schulorthographie mit normaler Rechtschreibung.

So ändern sich mit den Zeiten auch die Rollen, denn bei Andersen weiß der Vater immerhin, daß sein Kind die Wahrheit spricht: "O Himmel hört die Stimme der Unschuld!" (H. C. Andersen's sämmtliche Märchen. Übersetzt von H. Denhardt. Erster Theil. Leipzig: Reclam o. J. [1875].) Heute sind Eltern vielmehr stolz darauf, wenn eine Säuberung erfolgreich abgeschlossen ist, bzw. keine Bücher in angeblich alter Rechtschreibung mehr an Kinder ausgegeben werden.
 
 

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