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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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18.12.2007
 

Bestechende Imitation
Thomas von Kempen in reformierter Rechtschreibung

"Von der 'Nachfolge Christi', dem bekanntesten Werk des Thomas von Kempen, existieren rund 3000 Auflagen in fast allen Sprachen der Welt. Eine der neueren ist die 2003 von der Kempener Thomas-Stiftung herausgegebene Ausgabe, die durch blauen Ledereinband mit Goldschnitt und neue Rechtschreibung besticht."

Der Goldschnitt bleibt, aber die amtliche Rechtschreibung wurde seither schon zweimal verändert. Warum glaubte die Herausgeberin A. Janssen, diesen Text ändern zu müssen? Schullektüre ist er ja wohl nicht gerade. Und was findet die Journalistin daran "bestechend"?



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Kommentare zu »Bestechende Imitation«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2007 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=938#11029

Was die Kirchen betrifft, so sind sie wegen des prekären Religionsunterrichts auf das Wohlwollen der Kultusminister angewiesen. Das mag den Eifer zum Teil erklären.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 18.12.2007 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=938#11028

Nicht nur die Klöster und Kirchen (übrigens beider Konfessionen) haben sich in tiefster Devotion (ja vor was eigentlich?) angepaßt.

Neuerdings weiß es sogar der Internetauftritt des Vatikans besser als der Papst selber. Joseph Ratzinger ist ja bekannterweise ein Anhänger der klassischen Orthographie.

Entsprechend uneinheitlich zeigt sich der Vatikan daher nun im Internet. "Ehrung der Mariensäule auf dem Spanischen Platz in Rom anlässlich des Hochfestes der Unbefleckten Empfängnis der Sel. Jungfrau und Gottesmutter Maria (8. Dezember 2007)" lautet der Titel der Ansprache, deren Text dann freilich wieder in ganz normaler Rechtschreibung folgt.

Nachzulesen hier: www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2007/december/index_ge.htm

Man darf daher gespannt warten, wie lange es noch dauern wird, bis nicht nur die Titel, sondern auch die Texte des Papstes "angepaßt" werden. Derartige Hemmungen, wie sie die unmittelbare Umgebung des Pontifex offensichtlich noch hat, hat sein deutscher Verleger ja längst über Bord geworfen.

Der Unterschied zwischen dem amtierenden Papst und Thomas a Kempis ist eben der, daß der erstgenannte anscheinend seine Texte noch persönlich korrigiert, bevor sie im Internet erscheinen. Der Mystiker des 15. Jahrhunderts ist leider allein durch sein Todesdatum schon zum Freiwild der Reformer geworden. Armer Thomas, dabei steht auf dem Stein seines Monuments in Zwolle "HIER LEEFDE THOMAS VAN KEMPEN IN DEN DIENST DES HEEREN EN SCHREEF ZUN NACHVOLGING VAN CHRISTUS". Als Jpg-Bild bei Wikipedia zu sehen.
 
 

Kommentar von K.Bochem, verfaßt am 18.12.2007 um 14.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=938#11027

Auch unsere Kirchen, Klöster usw. hatten schon vor Jahren nichts Eiligeres zu tun, als sich ohne Bedenken in Wochenplänen, Traktaten und Internetauftritten auf die Seite der "Schriftmodernisierer" zu schlagen. Ob das mit "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!" seine Rechtfertigung finden soll?
 
 

Kommentar von Kelkin, verfaßt am 18.12.2007 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=938#11026

Ganz einfach: Die amtlichen Rechtschreibregeln müssen irgendwas mit Bestechung zu tun haben.
 
 

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