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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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11.11.2007
 

Das Öftere
Stiller Widerstand?

Beim Zeitunglesen fiel mir auf, daß "des öfteren" doch ziemlich oft klein geschrieben wird, "des weiteren" ebenfalls, aber nicht ganz so oft. Eigentlich müßte die automatische Rechtschreibkontrolle dafür sorgen, daß dieser leicht erkennbare Fall stets nach dem Wunsch der Kultusminister "korrigiert" wird.
Offenbar werden nicht alle Texte automatisch bearbeitet. Die sinnvollere Kleinschreibung leuchtet den Journalisten eher ein, wobei zu bedenken ist, daß die Großschreibung bei "das Weitere" oder "alles Weitere" und daher auch bei "des Weiteren" näher liegt als bei der rein adverbialen Wendung "des öfteren".
Ich nehme an, daß der Rechtschreibrat sich mit solchen Erscheinungen nicht beschäftigen will, zumal dort solche Großschreibungsfanatiker (also eigentlich verkappte radikale Kleinschreiber) wie Gallmann das große Wort führen.



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Kommentare zu »Das Öftere«
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Kommentar von R. M., verfaßt am 16.12.2017 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37327

Stattdessen holprig Schiller sagt in Die Räuber zu schreiben simuliert allenfalls philologische Genauigkeit. Wer studiert schon die Lesartenapparate der historisch-kritischen Ausgaben?

Es ist bezeichnend, daß germanistische Zeitschriften meistens genaue Vorgaben haben, wie die Sekundärliteratur zu zitieren ist, nicht jedoch für die Anführung archivalischer Quellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37325

Einverstanden. Aber gerade an das philologsche Zitieren wurden früher oft nicht so strenge Anforderungen gestellt. Das betrifft nicht nur die Auszeichnungen, sondern auch die Flexion: Schiller sagt in seinen Räubern...
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.12.2017 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37323

Zur guten typographischen Praxis gibt es Literatur, bessere und schlechtere. Ein anerkanntes Regelwerk gibt es bekanntlich auch nicht für die englische Orthographie. Man orientiert sich eben an den besten Vorbildern, wie wir immer schon gesagt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 03.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37316

Bei "(Homo sapiens) ist barbarisch" ist der Klammerausdruck als ganzer angeführt, aber nicht ausgezeichnet...
"Kompetenz" setzt ein allgemein anerkanntes Regelwerk voraus, das man beherrschen kann oder auch nicht. Wo stehen wir heute in dieser Hinsicht?
Und noch mal: Schrift-Ästhetik ist ein Wert, aber wie verhält sie sich zur philologischen Genauigkeit?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.12.2017 um 20.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37315

Amerikanische Bücher sind im allgemeinen besser gesetzt als britische; auch das Papier ist besser. Zum Ausgleich haben sie dafür die häßliche Reformorthographie Websters.

(z. B. Homo sapiens) ist richtig
(Homo sapiens) ist barbarisch
 
 

Kommentar von Bienenfreund, verfaßt am 15.12.2017 um 19.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37314

Als Biologe und Verfasser zahlreicher Publikationen war und bin ich regelmäßig mit dem Auszeichnen von wissenschaftlichen Namen befaßt. Der Kursiv-Schnitt dient primär dem Lesen und dem schnelleren Erfassen dieser Namen ("Augensprünge" in einem längeren Text). Gleiches gilt für Autorennamen, wenn diese in Kapitälchen (hoffentlich echte!) gesetzt werden. Aus diesem Grunde werden hierzulande die Klammern nicht kursiv ausgezeichnet, da in den Klammern ja auch Kombinationen wie "siehe z.B. Bemerkung über Homo sapiens" (dabei Homo sapiens in Kursivschrift) oder der beschreibende Autor mit Jahreszahl in Normalschrift oder in Kapitälchen dabei stehen kann. "Die Amerikaner" scheinen dies nicht konsequent zu handhaben. In meiner Bibliothek steht ein wissenschaftliches Werk eines in der Fachwelt renommmierten Amerikaners, in dem auch die Klammern durchweg kursiv gesetzt sind. Aber "Die Amerikaner" nehmen es mit solchen Dingen ohnehin nicht so genau, was auch für die wissenschaftliche Terminologie gilt. Letzteres liegt wohl daran, daß Latein und Griechisch nicht mehr beherrscht wird.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.12.2017 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37313

Klar, für Unterstreichungen gelten wieder andere Regeln. Verbindlich? Kompetente Schriftsetzer gibt es ja praktisch keine mehr, und die Fachhochschule spucken viele Designer (m/f, aber meistens f) aus, die häufig nicht einmal Apostroph von Prim unterscheiden können
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2017 um 10.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37310

Hier ist eine Ausnahme für biologische Begriffe angegeben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Typografie

Ich hatte eher an philologisches Zitieren im weiteren Sinn, also auch das Anführen von Objektsprache in linguistischen Zusammenhängen gedacht.
Bei der alten Schreibmaschine habe ich auch nur den Ausdruck in der Klammer unterstrichen, nicht die Klammern selbst.

Wie verbindlich sind solche Regeln eigentlich?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.12.2017 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37309

Die Klammer paßt sich dem Inhalt an, damit z. B. ein f nicht mit der folgenden Klammer kollidiert und alles überhaupt harmonisch aussieht; entsprechend bei Ausrufe- und Fragezeichen. Das hat nichts mit wissenschaftlich oder nichtwissenschaftlich zu tun. (Welche Wissenschaft überhaupt?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2017 um 09.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37308

"Wenn innerhalb der Klammern auch gerader Text steht, sind sie gerade.

Wenn sie ausschließlich kursiven Text enthalten, sind sie kursiv – nicht aber in wissenschaftlichen Werken."
(Forssman, sekundär zitiert)

Hier handelt es sich um wissenschaftliche Werke, zumindest fachliche; da möchte ich schon zum Ausdruck bringen, was ich sagen will, und habe es auch bisher immer versucht (nicht hier im Tagebuch, das stimmt).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.12.2017 um 08.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37307

Die Typographie hat ihre eigenen Gesetze, die nicht aus einer vermeintlichen Sprachlogik abgeleitet sind. Näheres dazu bei unserem Freund Forssman.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2017 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37303

Im vorigen Eintrag habe ich das Duden-Zitat leicht verändert. Dort steht nämlich "Adjektiv (kurz)" usw., d. h. auch die Klammer ist kursiv gedruckt. Meiner Ansicht nach ist diese überall anzutreffende Gepflogenheit falsch, weil die Klammer zum umgebenden Text und nicht zum angeführten Material gehört. Streng genommen gehört übrigens auch ein Komma zwischen an- oder vorgeführten Ausdrücken nicht zu diesen selbst und sollte nicht kursiv gesetzt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2017 um 03.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#37302

Duden online:

„Von Duden empfohlene Schreibung: ohne Weiteres
Alternative Schreibung: ohne weiteres
Vor Kurzem / vor kurzem ist eine Wendung, die aus einer Präposition (vor) und einem deklinierten Adjektiv (kurz) besteht. Da das Adjektiv dekliniert ist, kann es groß- oder kleingeschrieben werden [Regel 72]“

Es ist unklar, wie das Kurze überhaupt in die Darstellung geraten ist, denn es geht ja um das Weitere, und auch in der angeführten Regel 72 wird das Weitere und nicht das Kurze als Beispiel gegeben.

Daß Duden die Gallmannsche Großschreibung empfiehlt, war zu erwarten. Es bezeugt wie immer das tiefe Unverständnis der Dudenredaktion für den Sinn der orthographischen Entwicklung.

Nachtrag: Aus irgendeinem Grunde stört mich die Duden-Empfehlung bei Weitem ganz besonders.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2017 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#34405

Der Rechtschreibrat, ausschließlich mit Reformern und Reformbetreibern besetzt, könnte zufrieden feststellen, daß die Großschreibung des Weiteren fast überall befolgt wird (natürlich wegen der leichten Programmierbarkeit). Das ist also von der Sprachgemeinschaft "akzeptiert", ein voller Erfolg.

Ein Pyrrhussieg. Die primitive ausschließliche Berufung auf "Substantivierung" ist und bleibt ein Rückschritt.

Viele dürften das spüren, auch wenn man ihnen jahrelang die Sache mit der Substantivierung eingeredet und die Einsicht in die wirklich moderne Rechtschreibung vorenthalten hat. Aber wer wird wegen einer solchen Kleinigkeit auf die Barrikaden gehen? Mitläufer haben es leichter.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.03.2009 um 10.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#14171

Ein ähnlich seltenes Wort wie das Öftere und etwas ganz anderes als die Stille ist ein ominöses, abstraktes Stilles, von dem heute der Mannheimer Morgen schreibt. Der Artikel auf S. 13 heißt:
"Schüler genießen Triumph im Stillen".

Oder findet neuerdings das Komasaufen noch eine Generation früher statt, veranstaltet man jetzt sogar Wettbewerbe im Stillen?
"Mit fünf Spielen in drei Tagen in den Knochen genossen auch seine Jungs den Titel eher im Stillen." Stillende Jungs - nein, es muß doch was anderes gemeint sein.
Also das Stille, was und wo auch immer das ist, die Zeitung verrät es nicht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.03.2009 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#14115

Nach der Reform-Unlogik, daß ein Substantiv durch einen Artikel oder eine Präposition mit eingebautem Artikel gekennzeichnet wird, muß in "Des hot damit nix zum doa" (Das hat damit nichts zu tun) der Infinitiv "doa" großgeschrieben werden: "Des hot damit nix zum Doa".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2009 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#14100

Wieder mal auf "des Öfteren" gestoßen. Die Großschreibung erinnert in unangenehmer Weise daran, daß es der Genitiv von "das Öftere" sein müßte, was es aber praktisch gar nicht gibt. Das amtliche Wörterverzeichnis kennt auch die Variante "des Öftren", die ich zwar gelegentlich in Texten, aber nicht in den Dudenwörterbüchern finde. Ist das vielleicht außerhalb Deutschlands bekannter, so daß die Aufnahme in das knappe Wörterverzeichnis gerechtfertigt wäre?
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 24.11.2007 um 10.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10751

"Bernhard fliegt als Erster raus"
So betitelt der ORF das Ergebnis der ersten Ausgabe einer neuen Performance-Show. Und ich dachte bisher, daß bei solchen Sendungen immer der Letzte zuerst rausfliegt.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 22.11.2007 um 13.33 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10744

Um etwas mehr Klarheit in die Diskussion um "Leid" und "leid" (von leid tun; im Rechtschreibwörterbuch von Ickler unter § 15 (6) als "prädikativ oder adverbial gebrauchte Adjektive" aufgeführt, vgl. 4., erweiterte Auflage, St. Goar, S. 48) zu bringen, gebe ich einfach mal ein bekanntes Beispiel für das von Ickler ebd. erwähnte gleichlautende Substantiv.

In der 7. Strophe von Goethes Erlkönig (1782 zuerst gedruckt) heißt es:

Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!

(Text nach: J. W. Goethe: Sämtliche Werke. Briefe, Tagebücher und Gespräche. Die Frankfurter Ausgabe, hrsg. von Friedmar Apel [u.a.], Bd. 1: Sämtliche Gedichte. 1756–1799, hrsg. von Karl Eibl, Frankfurt a. M.: Deutscher Klassiker Verlag 1987, S. 304. Diese Ausgabe behält die Interpunktion sowie die Groß- und Kleinschreibung der historischen Ausgaben bei, was ja hier wichtig ist.)

Auffallend ist hier, daß Goethe (und so verwendet man das Wort noch immer) "Leid" mit einem Dativobjekt ("mir") gebraucht.
Ich kann jemandem ein Leid (altmodisch etwa ähnlich wie "Schmerz" zu verwenden) tun oder antun. Dann erhält das Substantiv Leid natürlich – wie auch bei Goethe – einen Artikel.

Ganz anders dagegen Heinz tat ihr leid. Hier ist leid nach Ickler und auch der alten Grammatik von Duden (und anderen Verlagen) adverbial. Wir können fragen: Wie tat Heinz ihr? Antwort: Er tat ihr leid.
Wenn man hierbei versucht, der deformierten Schreibung "Leid tun" einen Artikel zu verpassen, merkt man erst, wie blödsinnig das ist. Es tut mir ein Leid. Sofort will ich nämlich wissen, wer oder was dieses es ist, das hier Schmerzen, bzw. ein Leid zufügt.

Das ist das von Herrn Riemer erwähnte (#10742) "leid tun".

Aber mal ehrlich, ist nicht gerade diese Diskussion hier schon tausendmal geführt worden? Und hoffentlich ist Herr Schäbler nun überzeugt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.11.2007 um 12.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10743

Bei "Es macht mir (sehr) Spaß" gibt es zwei Verneinungen: "Es macht mir nicht Spaß" (adverbial verneint zum Prädikat "Spaß machen") und "Es macht mir keinen Spaß" (attributiv zum Substantiv).

Wenn man nun sagen könnte "Es tut mir sehr Leid", dann müßte man auch verneinen können "Es tut mir kein Leid." So redet aber niemand, das gibt es nicht. Es wird hier auschließlich mit "nicht" verneint, deshalb ist nichts anderes als "Es tut mir leid"/"Es tut mir nicht leid" möglich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.11.2007 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10742

Ich denke mir das so:
Auch wenn ganz unmittelbar vor dem Substantiv Vater steht, so "gehört" es doch nicht zum Substantiv, sondern zum Prädikat Vater sein. Man kann damit also nicht "sehr Leid tun" begründen, denn man sagt auch nicht "Leid tun", sondern "leid tun". Aber es gibt zum Beispiel die Redensart "Es macht mir sehr Spaß." Hier gehört sehr auch nicht zum Substantiv Spaß, sondern als Modalbestimmung zum Prädikat Spaß machen.
 
 

Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 22.11.2007 um 04.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10741

Herr Höher beweist, daß die/das Partikel „ganz“ direkt vor ein Substantiv treten kann. (Auch an der verkürzten Satzkonstruktion „Er ist ganz Vater“ wäre nichts zu rütteln.)
Bedeutet das aber, daß das Ausschlußverfahren mit „ganz“ oder „sehr“ völlig ungeeignet ist?
Das täte mir sehr Leid.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 21.11.2007 um 22.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10740

Zu #10739: Beiläufig wäre hier zu klären, wie man die Wörter bezeichnet, die ähnlich wie die Wörter „sehr“ und „ganz“ beim Vergleichen und Messen helfen. Sind das vielleicht „indefinite Komparationswörter“?

"Sehr" und "ganz" gehören zu den Partikeln, die sowohl zu Verben, Adverbien und Adjektiven (ich arbeite sehr gernBritta ist ein sehr hübsches Mädchen), als auch zu Substantiven treten können (Heinz ist ganz sein Vater).
Das bedeutet, Partikeln wie "sehr" können durchaus vor Substantiven stehen.

Tatsächlich haben Partikeln häufig graduierenden Charakter, d.h. sie intensivieren wie etwa in meinem Beispiel ein sehr hübsches Mädchen oder ich arbeite sehr gern. In den 70er und 80er Jahren war das "ach" als Abtönungspartikel von Loriot noch recht bekannt.

Etwas anders sieht das in dem Satz Heinz ist ganz sein Vater aus, da es sich hierbei zugleich um einen verkürzten Vergleichssatz handelt (Heinz ist ganz wie sein Vater). Aber auch hier wirkt die Partikel "ganz" verstärkend.

Eine wesentlich verständlichere Darstellung der Partikeln als in der alten Grammatik von Duden bietet die "Deutsche Grammatik" von Gerhard Helbig und Joachim Buscha (mein Exemplar ist die 11., unveränderte Auflage, Leipzig: VEB Verlag Enzyklopädie 1988), die im Untertitel "Ein Handbuch für den Ausländerunterricht" heißt.
Auf den Seiten 481 bis 484 findet sich dort auch eine Liste der wichtigsten Partikeln mit ihren semantischen Funktionen.

Den Rest hat Herr Konietzko (# 10738) bereits erläutert.
 
 

Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 21.11.2007 um 20.12 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10739

Der Hase im Pfeffer

Ein Adjektivattribut ist laut letzter Vereinbarung ein Adjektiv, das einem Substantiv beigefügt ist, um dieses u.a. näher zu bezeichnen. Ein Adjektiv kann – muß aber nicht – ein „Namenwort“ begleiten.

Ein Adjektivattribut ist somit keineswegs ein Wort, das einem Adjektiv beigefügt ist, etwa um jenes zu steigern oder zu messen. (Beiläufig wäre hier zu klären, wie man die Wörter bezeichnet, die ähnlich wie die Wörter „sehr“ und „ganz“ beim Vergleichen und Messen helfen. Sind das vielleicht „indefinite Komparationswörter“?)

Der Einfachheit halber sei aber formuliert: Vor Namenwörtern (Substantiven) können Wörter wie „sehr“ oder „ganz“ nicht stehen. Das würde zumindest die fälschliche Großschreibung bei Begriffen wie „Wert, Dank, Kraft, Schuld, Leid und Recht“ ausschließen.

Ob man aber „des Öfteren“ groß oder klein schreibt, ist mir so „wurscht“, wie wenn in China ein Reissack umfällt.
Gedanken mache ich mir allerdings über Regelangelegenheiten w.z.B. "R. 208" im alten Duden (unter Bezug auf, mit Bezug auf, in bezug auf, in betreff ...). Da liegt doch der gepfefferte Hase.
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 21.11.2007 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10738

Na gut, man könnte einwenden, verkorkst sein kein Adjektiv, sondern das Partizip 2 des Verbs verkorksen, aber für mein Sprachgefühl hat es sich schon aus dem verbalen Paradigma ausgeklinkt. Man könnte in meinen Beispielen verkorkst durch überflüssig ersetzen.
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 21.11.2007 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10737

Ein Adjektivattribut ist ein Adjektiv (Eigenschaftswort), das als Attribut (Beifügung) gebraucht wird, z.B. verkorkst in die verkorkste Reform. In dem Satz Die Reform ist verkorkst ist verkorkst hingegen kein Adjektivattribut, sondern ein Prädikatsnomen. Man kann also nicht sagen, dieses oder jenes isolierte Wort sei ein Adjektivattribut; es kommt vielmehr darauf an, wie es in einem konkreten Satz gebraucht wird.
 
 

Kommentar von Norbert Schäbler, verfaßt am 21.11.2007 um 18.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10736

Sind "Adjektivattribute" vielleicht solche Wörter wie "sehr" oder "ganz"?
Daß das immer wieder so schwierig ausgedrückt werden muß...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 21.11.2007 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10735

Ob ein Wort ein Substantiv ist, zeigt die Erweiterungsmöglichkeit mit einem Adjektivattribut (eine notwendige aber nicht hinreichende Bedingung). Notwendig bedeutet: wenn ein Wort nicht durch ein Adjektivattribut erweiterbar ist, ist es kein Substantiv. Gegenbeweise erbeten.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 16.11.2007 um 15.44 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10704

Das Ofte ante portas!
Alle anhand von Schreibungen wie "des Öfteren" generierbaren Witze belegen folgendes: Den Deformern der deutschen Graphie ist bis heute nicht klar, daß der Sinn (d.h. die Semantik) die Verschriftung von Äußerungen steuert, und nicht die taxonomische Morphologie (samt ihren Wähnungen wie jemandem Leid tun). Kurz: Es ist für die Verschriftung gleichgültig, ob ein Wort sich einem Nomen verdankt oder nicht. Entscheidend ist, ob das evtl. einem Nomen frappierend ähnliche Wort auf eine Größe Bezug nimmt oder nicht und ob es die Größe direkt oder als Pronomen anspricht. Die Schreibentwicklung war in diesem Bereich (ganz ohne die Duden-Redaktion und Pädagogen) auf dem richtigen Weg, bis die Morpho-Orthographen die amtsunterworfenen Schreiber zwangen, graphemische Haken zu schlagen. Dieses Diktat versucht man nun, als Konvention zu bezeichnen, um so zugleich die Bedeutung des Wortes Konvention zu zerstören.
 
 

Kommentar von (P. S.), verfaßt am 13.11.2007 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10686

Ja, auch "Morbus" gehört zu diesen beliebten Vornamen. Bekannte Ärzte wie z. B. Bechterew, Parkinson und Basedow hießen so.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 12.11.2007 um 14.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10685

Bis Dato?
Dato ist schon besetzt, als Vor- und als Nachname. Ein lebender Namensträger: Dato Barbakadse, berühmtester lebender Dichter Georgiens. Lateinische Wörter sind in vielen Ländern auch als Namen beliebt.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 12.11.2007 um 11.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10683

Heute stieß ich in einer Zeitung auf die Formel "bis dato". Müssen wir damit rechnen, daß dieses bald "bis Dato" geschrieben wird? Schließlich ist Datum ja wohl eher ein Substantiv als das Öftere oder das Übrige.
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 12.11.2007 um 08.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10678

Ich denke, das ist eher ein Fall von "ignorance is bliss". Hat nicht unlängst jemand eine Kölner Zeitung darauf aufmerksam gemacht, wie inkonsequent sie die Getrennt- resp. Zusammenschreibung von "sogenannt" verwendet? Mit dem Ziel, die Redaktion auf die im Sinne der herkömmlichen Rechtschreibung richtige Unterscheidung hinzuweisen, aber mit dem Ergebnis, daß die Zeitung fürderhin durchweg getrennt schrieb.

Also besser die Redaktion nicht darauf aufmerksam machen, keine schlafenden Hunde wecken, und den Dingen ihren natürlichen Lauf hin zur besseren Schreibweise lassen.
 
 

Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 11.11.2007 um 11.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=921#10672

Daß die Automaten der Endkorrektur oft nur die Reform-ss erfassen, konnte man am 29.10.07 in den „Kieler Nachrichten“ vermuten. In der zweiten Fortsetzung in Heyse-Schreibung des Romans von Benno Hurt „Eine Reise ans Meer“ war zu lesen: Meide die Weide, denn sie nimmt Krankheiten auf, mahnte des öfteren meine Mutter. Die Veröffentlichung im Dasssystem war aber anscheinend nur auf die Beflissenheit des Druckers zurückzuführen oder einen falschen Tastendruck. Mit der nächsten Fortsetzung erschien der Roman wieder in richtiger, traditioneller Rechtschreibung – wohl nach Protest der Rechtsinhaber.
 
 

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