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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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02.08.2007
 

Gut fürs Geschäft
Weniger gut für Ratsuchende: Eisenbergs neues Werk

WAHRIG Grundregeln der deutschen Rechtschreibung. Die deutsche Orthografie auf einen Blick. Von Peter Eisenberg. Bertelsmann Lexikon Institut 2007

Wie schon im Wahrig-Universalwörterbuch will Eisenberg „dem kompetenten Sprachteilhaber vor Augen führen, nach welchen Regeln er im Allgemeinen schreibt und liest“. Auch im Text selbst wird immer wieder auf das Übliche verwiesen, als seien die reformierten Regeln aus dem Schreibbrauch abgelesen. Das trifft aber für zahlreiche Neuschreibungen gerade nicht zu.

14: Die Umlautschreibungen werden relativ ausführlich dargestellt, die Augstschen Etymogeleien (schnäuzen, einbläuen usw.) sind jedoch ausgespart.

24f.: Die Besonderheit des ck wird weder hier noch bei der Silbentrennung angemessen dargestellt. Da Eisenberg sich den Reformern anschließt, die die Ligatur ck nicht als Verbindung zweier k-Buchstaben erkennen, sondern es mit Behelfsschreibungen wie ch, sch, ng (für jeweils ein Phonem) gleichsetzen, kommt er zu der absurden Folgerung, daß im Silbengelenk eigentlich verdoppelt werden müßte (backcken), was aber durch die bekannte Sonderregel ausgeschlossen werde. In Wirklichkeit ist ck aber bereits die Gelenkschreibung für k. Die Schreibweise dass, für Eisenberg einst die "schlechtestmögliche Lösung", wird nur noch als schlichte "Ausnahme" registriert. Man streckt sich halt nach der Decke.

32: Eisenberg scheint selbständig für eine orthographische Variante von selbstständig zu halten.

38: Die Getrennt- und Zusammenschreibung von Pronominaladverbien mit Verben soll von der Betonung abhängen. Es werden gegenübergestellt: ihr dürft gerne dazúkommen vs. ich werde wohl nicht dázu kommen, dass .... Die Gegenüberstellung funktioniert aber nur (einigermaßen), wenn das Pronominaladverb korrelativ und nicht anaphorisch konstruiert ist, vgl. es ist leider nicht dazú gekommen.

Gleich anschließend wird ein altes Problem der Rechtschreibreform eher verunklart als gelöst. In früheren Versionen der Reform wurde der Eindruck erweckt, daß die synkopierten Formen der Pronominaladverbien auf jeden Fall mit den Verben zusammengeschrieben werden müßten. (Näheres zu dem komplizierten Befund in meinem „Kritischen Kommentar“.) Eisenberg greift das auf und behauptet: „Beim selbstständigen Adverb bleibt (zumindest in der geschriebenen Sprache) die volle Form erhalten (wir werden daran arbeiten).“ In diesem Beispiel entsteht ohnehin kein Problem, denn ein daránarbeiten gibt es ohnehin nicht. Die Behauptung stimmt aber nicht einmal, denn wir arbeiten dran, arm dran sein usw. ist sehr oft auch in gedruckten Texten zu finden (rund 600 Belege in einem Jahrgang der SZ).

40: „Verbindungen mit fest-, voll-, oder tot- bilden eine Sondergruppe.“

(Das überzählige Komma im Original!)

„Hier ist fast ausschließlich Zusammenschreibung belegt. Diese Verbindungen sollen grundsätzlich zusammengeschrieben werden.“

Diese Regel, die sich außerdem systemwidrig auf eine statistische Auswertung von Belegen stützt, ist von Eisenberg frei erfunden. Im amtlichen Regelwerk hat sie keine Entsprechung; der Rechtschreibrat hat eine entsprechende Vorlage Eisenbergs diskutiert, aber dann doch nicht beschlossen. Sie findet sich aber auch in anderen Schriften Eisenbergs.

Die von Eisenberg eine Zeitlang vertretene Unterscheidung von Objekts- und Subjektsprädikativen spielt keine Rolle mehr, man muß außerdem wohl annehmen, daß auch bei reflexiven Konstruktionen wie sich sattessen (fakultativ) zusammengeschrieben wird, aber sicher kann man nicht sein, weil Eisenberg keine entsprechenden Beispiele anführt – ein empfindlicher Mangel für jeden Benutzer.

Wie schon in früheren Schriften behauptet Eisenberg, daß jemand, der krankgeschrieben wird, davon nicht krank werde; daraus folge obligatorische und nicht nur fakultative Zusammenschreibung. Das ist nicht richtig, denn der Patient wird tatsächlich erst durch das ärztliche Attest „krank“ im Sinne des Gesetzes. Das Krankschreiben, Heiligsprechen usw. sind performative Sprechakte.

42: Es gibt zwar feine Unterschiede zwischen eislaufen und Auto fahren, aber schon bei Schlittschuh laufen oder Probe turnen sind sie nicht mehr so überzeugend darzustellen. Daß Eis „deshalb“ mit dem Verb zusammengeschrieben werden müsse, leuchtet nicht ein. Zur Unklarheit trägt dann noch die Liste möglicher Doppelschreibungen wie brustschwimmen/Brust schwimmen bei; man fragt sich vergeblich, warum eislaufen/Eis laufen hier nicht ebenso gut unterkommen könnte. Dieser Liste sind außerdem noch Verbindungen wie danksagen/Dank sagen, gewährleisten/Gewähr leisten, staubsaugen/Staub saugen beigemischt, die auf ein ganz anderes Thema führen (ich staubsauge/sauge Staub usw., also trennbare vs. untrennbare Verben). Eisenberg erklärt auch nicht, wie die Beispiele in Distanzstellung zu schreiben sind: ich leiste gewähr/Gewähr, halte maß/Maß? Nach dem Muster sie läuft eis muß man auch die Kleinschreibung für zulässig halten, was einigermaßen gewöhnungsbedürftig ist: er saugt staub.
Die Liste Auto fahren usw. scheint nachträglich um das irrelevante Bankrott machen (statt neuschreiblich Bankrott gehen, revidiert bankrottgehen; dies und pleitegehen spart Eisenberg völlig aus) ergänzt worden zu sein, denn dieser Eintrag ist nicht in die Kolumne eingefügt, sondern mit Komma neben Auto fahren gesetzt.

46f.: Nach dieser Liste muß man annehmen, daß Aufsehen erregend und aufsehenerregend unterschiedlos verwendbare Varianten sind. Ein erstaunlicher Rückschritt.

49: Eisenberg versucht die Einzelfallregelungen der Getrennt- und Zusammenschreibung mehrteiliger englischer Fremdwörter nachzuzeichnen, aber es gelingt nicht in plausibler Weise. Warum sollten bei Hotspot/Hot Spot zwei Betonungsweisen möglich sein, bei Soft Skills aber nur eine?

52: In der Zusammenfassung zur Getrennt- und Zusammenschreibung wird auch das revidierte leidtun angeführt, in dem angeblich ein ehemaliges Substantiv steckt. Derselbe Irrtum S. 72 in der Übersicht zur Groß- und Kleinschreibung: leid sein (angeblich „desubstantiviert“).

Das Kapitel zur Groß- und Kleinschreibung läßt es in auffallender Weise an den versprochenen Begründungen fehlen. Das ist kein Wunder, denn Eisenberg lehnt einen wesentlichen Teil dieser – hauptsächlich auf den Schweizer Gallmann zurückgehenden – Großschreibungen ab. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als sie kommentarlos aufzulisten, auch jenes im Allgemeinen, im Folgenden, im Wesentlichen, die er in seinem eigenen Entwurf für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung noch als „nicht akzeptabel“ bezeichnet hatte. Ja, er selbst schreibt jetzt sogar ohne Weiteres (80), obwohl dies der Wahrig-Empfehlung widerspricht! Für die Akademie hatte er auch Pleite gehen und Diät leben zurückgewiesen; hier erwähnt er solche Fälle nicht einmal, womit aber dem ratsuchenden Benutzer auch nicht gedient ist. Man erfährt leider auch nicht, was Eisenberg wirklich von der obligatorischen Großschreibung Einzelnes ist unklar und der fakultativen Kleinschreibung die meinen, die unseren hält.

69: Der Blaue Planet ist eigentlich kein Eigenname, sondern eine Antonomasie, die obligatorische Großschreibung ist kaum begründet.

72: In der schon erwähnten Übersicht scheint ein Versehen unterlaufen zu sein: sie ist ihm fremd (als angebliche „Desubstantivierung“). Wahrscheinlich ist freund oder feind gemeint.

76: Die Regel, wonach in Fremdwörtern Muta cum liquida abgetrennt werden kann, sollte laut Eisenberg „besonders dann angewendet werden, wenn die vorausgehende Silbe betont ist wie in (...) Hydrant, monströs, Nitrat“. Gerade hier ist sie aber unbetont.

79: Der Reichspropagandaminister hieß Joseph Goebbels und nicht Josef Göbbels. (Das kommt davon, wenn weder Duden noch Wahrig die Nazigrößen anführen.)

Die Schreibweise ham’s als Wiedergabe von Dialektrede (= haben Sie) ist nicht normgerecht, im amtlichen Regelwerk wird nehmen S’ angeführt.

80: Die Behauptung, der Apostroph zu Abgrenzung des Genitiv-s bei Eigennamen sei „standardsprachlich nicht korrekt“, sondern nur zur Hervorhebung der Grundform „sinnvoll“, geht über das amtliche Regelwerk hinaus. Dort steht nur, daß er „gelegentlich“ zu diesem Zweck gebraucht werde. Folglich ist er korrekt. Auch sind Eisenbergs Beispiele wenig überzeugend: Was gibt es denn bei Anika’s oder Udo’s hervorzuheben?

82ff.: Vom Komma sagt Eisenberg nun erstmals, daß es Hauptsätze oder die Glieder einer Aufzählung verbindet – und nicht trennt, wie die Reformer stets in sehr konventioneller Art behauptet haben. Ich habe vor zehn Jahren und dann immer wieder auf die funktionale Gleichwertigkeit von Komma und koordinierenden Konjunktionen hingewiesen. Eisenberg schließt sich nun an und kann daher völlig sachgerecht angeben, daß zwischen Hauptsätzen das Komma „zusätzlich zur Konjunktion“ und nicht etwa im Widerspruch zu ihr gesetzt werden kann.

89: Hier deckt Eisenberg, ohne es ausdrücklich zu sagen – denn Kritik an der amtlichen Neuregelung unterdrückt er in diesem Buch gänzlich, während er sich privat keineswegs zurückhält –, eine Schwäche der revidierten Neuregelung auf. Es stellt sich nämlich heraus, daß in Sie scheint(,) das Match zu gewinnen ein Komma stehen kann; Eisenberg rät selbstverständlich ab, aber das Regelwerk hat hier eine bedauerliche Lücke. Überhaupt müssen die Kommaregeln noch einmal überarbeitet werden, gerade was die satzwertigen Infinitive betrifft. Es ist nämlich nicht einzusehen, warum nur bei bestimmten Bezugselementen im Obersatz ein Komma stehen soll.

Eisenberg hat seit 1996 jede Wendung der sogenannten Rechtschreibreform mitgemacht und in vermarktbare Publikationen gegossen. Sie sind alle recht fehlerhaft. Gemeinsam ist ihnen weiterhin, daß der Verfasser jedesmal seine bessere Einsicht unterdrückt und mithilft, die Rechtschreibreform doch noch irgendwie durchzusetzen – gemäß seinem Diktum: „Die Sache jetzt zu kippen, hätte kulturpolitisch und ökonomisch unabsehbare Konsequenzen.“ (AP/dpa 23.9.1997) Er selbst jedenfalls ist bei den Konkurrenten Duden und Bertelsmann gleichermaßen gut im Geschäft. Bewundernswert ...

Das vorliegende Büchlein aber muß sofort zurückgezogen und noch einmal überarbeitet werden.



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Kommentare zu »Gut fürs Geschäft«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.09.2007 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10082

Eisenbergs Regel 60 lautet: „Erkennt oder weiß ein Schreiber nicht, welche morphologischen Bestandteile im Sinne der morphologischen Trennungsregel ein Wort enthält, so kann er nach der silbischen Trennungsregel trennen.“ (76; ähnlich in der Übersicht S. 77)

Während das amtliche Regelwerk die Undurchschaubarkeit eines Wortes als sozusagen objektive sprachliche Tatsache behandelt, macht Eisenberg sie zur Sache des individuellen Vermögens einzelner Schreiber. Daraus folgt, daß Schreiber, die ein solches Wort morphologisch durchschauen, nicht silbisch trennen dürfen! Jedenfalls erkennt man an den Trennungen stets, ob der Schreiber zu den Gebildeten gehört oder nicht. Das kann natürlich nicht der Sinn einer orthographischen Regel sein; deshalb wäre es am besten, die Trennmöglichkeiten einfach nebeneinanderzustellen.

Übrigens ist die Einführung des Fachwortes „morphologisch“ in einem solchen populär gehaltenen Büchlein eine Erschwerung gegenüber dem amtlichen Originaltext. Dort kommt das Wort nur einmal vor (Getrenntschreibung mit „morphologisch komplexen“ Adjektiven), eine Neuerung gegenüber 1996, die ebenfalls auf Eisenberg zurückgeht.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 24.08.2007 um 19.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10028

Theodor Ickler stellt fest:

"Wie schon in früheren Schriften behauptet Eisenberg, daß jemand, der krankgeschrieben wird, davon nicht krank werde; daraus folge obligatorische und nicht nur fakultative Zusammenschreibung. Das ist nicht richtig, denn der Patient wird tatsächlich erst durch das ärztliche Attest „krank“ im Sinne des Gesetzes. Das Krankschreiben, Heiligsprechen usw. sind performative Sprechakte."

Nach der Deform wird zwar nicht mehr gut geschrieben. Banken haben – ganz umgekehrt – noch gestern diesem und jenem etwas gutgeschrieben.

Man kann ohne die – zuhauf mißgedeuteten – "performativen Sprechakte" auskommen und feststellen, daß in Eisenbergs (Diskurs)welt offenbar nur physische Resultate möglich sind. Einst war das besonders bei den nur "BRD" Sagenden sehr beliebte Ländchen namens "DDR" von den Malediven anerkannt, nachdem es endlich vom Inselreich ~ worden war. Dieser gemütsbewegende Erfolg machte dann der Helbig-Grammatik im Rahmen von "Zustandspassiv" einige Schwierigkeiten, die aber andernorts auch heute noch anhängig zu sein scheinen. Eisenberg muß von dieser Historie nichts wissen, denn sie ist ihm seinerzeit erspart geblieben.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 23.08.2007 um 18.01 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10024

Schön wär’s
„Und besäßen wir von den besten Köpfen aller Wissenschaften je eine Kritik der Terminologie ihres Spezialfaches, so wäre dadurch langsam eine Kritik der Sprache angebahnt worden, die auf umfassende Vorstudien sich berufen könnte.“ (Fritz Mauthner [1913]: »Beiträge zu einer Kritik der Sprache«. Bd. 4 – Sprache und Logik, Kap. VII – Termini technici der induktiven Wissenschaften, Abschn. Neovitalismus)
 
 

Kommentar von B. Eversberg, verfaßt am 23.08.2007 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10023

Es liegt eine Ironie darin, daß der Korrektor gerade deshalb auch für Neuschrieb unbrauchbar ist, weil er viele reformogene Neufehler nicht erkennt.
Ansonsten denke ich, beschränkt sich der Nutzen einer Korrektursoftware auf das Erkennen von Flüchtigkeitsfehlern wie Buchstabendreher oder falsche/fehlende Einzelbuchstaben. Das leistet nach wie vor WinWord ganz gut. Die Orthographie ist nicht vollständig algorithmisch zu beherrschen, die neue noch weniger als die alte. Man sieht das auch an der enormen Größe von 236 MB, die aber offenkundig beiweitem nicht reicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.08.2007 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10022

"... *unbrauchbar* für alle, die nicht reformiert schreiben wollen."

Wenn ich lese, was hier alles über dieses sogenannte Korrekturprogramm ans Licht kommt, so denke ich, es ist überhaupt unbrauchbar, auch für die, die, auf welchem Stand auch immer, reformiert schreiben wollen.

Und abgesehen von den vielen Fehlern: Selbst wenn das Programm im Sinne der reformierten Schreibung keine Fehler machen würde, so kann es für eine unbrauchbare Sache sowieso kein brauchbares Werkzeug geben.
 
 

Kommentar von GL, verfaßt am 23.08.2007 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10021

Drei Fragen rund um den „Korrektor“ beunruhigen mich:

Wer garantiert in diesem Fall keinen Zugriff seitens Unbefugter auf Daten eines Benutzers?
Was geschieht mit Daten bei einem möglichen Zugriff?
Wie würde ein Missbrauch gehandhabt?

Technisch ist heute fast alles machbar und kann entsprechend rekonstruiert werden. Ob soviel unbeantworteten Fragen verlasse ich mich dann doch lieber auf meinen gesunden Menschenverstand. Im schlimmsten Fall hätte ich noch immer eine neue elektronische Schreibmaschine im Keller liegen.

Worauf ich noch warte? Auf weniger Herzflattern!
 
 

Kommentar von B. Eversberg, verfaßt am 23.08.2007 um 08.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10020

Der triftigste Grund für eine Abmahnung ist die unvollständige und irreführende Information der Werbung: Das Produkt ist *unbrauchbar* für alle, die nicht reformiert schreiben wollen. Denen hilft auch die Einstellung "konservativ" nicht, die Bezeichnung suggeriert etwas anderes als es ist. Eigentlich sollte Duden sogar verpflichtet werden, in der Werbung zu erwähnen, daß niemand außerhalb der Schulen reformiert schreiben muß. Werbung unterliegt bei anderen Produkten viel strengeren Regeln.
Wer ebenfalls öffentlich etwas zum Produkt sagen sollte, ist natürlich der RfdR.
 
 

Kommentar von GL, verfaßt am 22.08.2007 um 16.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10019

Garantierte Zufriedenheit?

- verbindlicher Stand mit Gültigkeit - per 01.08.2006 - ??
- keine Nachnahmegebühr, dafür ein Nachname!
- 4,- EUR für Porto und Verpackung für einen Nachnamen?
- EUR? Kreiert DUDEN jetzt auch noch neue Währungen?

Sicher können mich die Bastler aus dem Hause DUDEN aufklären!
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 22.08.2007 um 13.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10018

... und geliefert wird ohne Nachname ...
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 22.08.2007 um 11.54 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10017

Offenbar streut das sich "auf dem NEUSTEN STAND
DER RECHTSCHREIBEREFORM" fühlende "Topprogramm" keine Kommata ein in Sätze wie:
"Diese Aufgabe übernimmt Ihr neuer Helfer DUDEN KORREKTOR und zwar wesentlich schneller als Sie von Hand."
Die Großschreibung von Possessiva nimmt in dem Machwerk ein Zufallsgenerator vor:
"[...] die DUDEN KORREKTURBOX aufgrund [b]Ihrer[b] KINDERLEICHTEN HANDHABUNG eignet sich [...]".

So strahlt die Solidität des "Duden-Teams" am Schrifthimmel.
 
 

Kommentar von M. Schuchardt, verfaßt am 22.08.2007 um 10.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10015

Wenn ich mir bloss ansehe, dann sollten die Herren und Damen "Rechtschreibprofis" vom Dudenverlag einmal selbst ihr Programm anwenden. Das nenne ich die eigene Unfähigkeit auch noch zu betonen.
 
 

Kommentar von jueboe, verfaßt am 22.08.2007 um 10.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10014

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Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 21.08.2007 um 19.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10011

Germanist (885#10004) stellt zur herkömmlichen Rechtschreibung fest:
"Aber sie war nicht so gut wie sie hätte sein können, weil der Dudenverlag im Alleingang viel zu viele Einzelfestlegungen gemacht hatte, die kein System erkennen ließen."
Das ist im Prinzip richtig. Die Menge dieser Kaprizen des Hauses Duden waren allerdings peanuts im Vergleich mit der Masse der Irrsinnigkeiten im (neube)amtlich inszenierten Tohuwabohu.
Jedes Jahr eliminiert der RfdR wenige der abstrusesten Dummheiten, um weiterhin jedes Jahr ein Reförmchen der Deform zusammenzuflicken. Dieses auch in Halbwertszeiten erfaßbare Schneckentempo des Zerfalls der deformierten deutschen Graphie sichert bis etwa 2100 Schreibunsicherheit als deutsches Markenzeichen.
Über 100 Jahre gab es eine recht hohe Schreibsicherheit für nicht völlig "Schriftferne". Das störte ein paar Gutmenschen und Revolutionäre. Sie läuterten die Schreibung des Deutschen zu den "Sprachfernesten" hinab. Auf diese Weise gelang ihnen das von aller Welt belächelte Dauerchaos "zu beiden Ufern des Rheins".
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 21.08.2007 um 18.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10009

Die Thüringische Landeszeitung (Online-Ausgabe) vom 17. August verkündet frohgemut: "Der Streit um die Rechtschreibreform ist beigelegt. Die Kritiker konnte eine Änderungen an der Reform noch durchsetzen." (Bei dem Satz hat offenbar das hauseigene Korrekturprogramm versagt.) Aber ansonsten sei natürlich alles ganz endgültig ... Weiter wird eine Lernsoftware vorgestellt, die das Haus Duden zusammen mit dem Goethe-Institut (!) entwickelt hat: Duden-Rechtschreibtrainer für ca. 30 Euro.
Wenn man dann nach fleißigem Üben alles "richtig" gelöst hat, darf man sich ein persönliches Duden-Zertifikat ausdrucken.
So unverfroren ist man offenbar heute: Erst wird den Deutschen ihr Sprachgefühl gewaltsam durcheinandergebracht, und dann dürfen sie den Schwachsinn für teures Geld auch noch üben, auf daß sie nachher nicken wie "rechnende" Pferde. Mir kommt das vor, wie wenn ein Arzt einen Patienten mit seiner Quacksalberei krank macht und selbigem Patienten dann anbietet, zur "Genesung" in das Privatsanatorium des Arztes zu kommen, damit er sich dann dort weiteren Kurpfuschereien unterziehen möge.
Interessehalber habe ich mal die kostenlose Demo-Version dieses Rechtschreibtrainings getestet. Es ging um die Groß- und Kleinschreibung. Die Aufgabe lautete, die Begriffe EUROPÄISCHE UNION, DEUTSCHER BUNDESTAG, GASTHOF ZUR ALTEN POST, SCHWARZE WITWE, TECHNISCHER DIREKTOR, DER ERSTE MAI, ZWEITER WELTKRIEG, GRÜNER VELTLINER, NEUES JAHR, SAURE SAHNE, KÜNSTLICHE INTELLIGENZ, OLYMPISCHES FEUER den drei Spalten " Großschreibung bei wirklichen Eigennamen, "Großschreibung bei Quasieigennamen" und "Kleinschreibung bei festen Begriffen und Adjektiven auf -isch" zuzuordnen. (Was die Adjektivendung mit der Kleinschreibung zu tun haben soll, ist mir ein Rätsel.)
Trotz ungefähr sieben Anläufen ist es mir nicht gelungen, die obige Aufgabe zu lösen. Selbst wenn ich mir diese Software kaufen sollte, müßte ich wohl für alle Zeiten auf das ersehnte Duden-Zertifikat verzichten. (Durch die Deutschprüfung des Goethe-Instituts würde ich wohl erst recht durchfallen.)
Ist diese lächerliche Erbsenzählerei nun die große Erleichterung für die arme Klientel von Frau Demmer?
 
 

Kommentar von Karin Pfeiffer-Stolz, verfaßt am 21.08.2007 um 16.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10006

Ja, Herr Eversberg, das ist so etwas, was auch mich ständig beschäftigt. Es kann doch nicht sein, daß niemand unter den Gebildeten merken sollte, daß es einfach so nicht gehen kann. Ist es Gleichgültigkeit? Oberflächlichkeit? Verbortheit?
Außerdem wird eine "Maschine" nie in der Lage sein, eine lebendige Sprache vollständig zu beherrschen oder zu korrigieren. Um dies zu erreichen, müßte man die Sprache umbringen.
 
 

Kommentar von B. Eversberg, verfaßt am 21.08.2007 um 15.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10005

Der Testtext hat ca. 520 Wörter. Gut 50, also 10%, werden vom Duden-Korrektor in keiner der 5 Einstellungen als falsch oder reformrelevant problematisch erkannt! Etliche davon sind aber typische, reforminduzierte Neufehler! Wenn das nicht reicht, den Reformklüngel und die Ratsarbeit als empörend und völlig daneben zu demaskieren, dann weiß ich es nicht. Wenn ein solchermaßen unzureichendes Produkt keinen Bedarf für Besseres erzeugt, dann haben wir hier immerhin ein interessantes Versagen der Marktmechanismen wie auch ein exquisites Beispiel für das Funktionieren der "Schweigespirale". Ökonomen und Medienkundler, schaut auf dieses Exempel!
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 21.08.2007 um 14.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10004

Die Duden-Rechtschreibung vor 1996 war besser als die jetzige, denn der Dudenverlag hätte sich nie getraut, die Heyse-Schreibung und die anderen Unsinnigkeiten auch nur als Varianten anzubieten. Aber sie war nicht so gut wie sie hätte sein können, weil der Dudenverlag im Alleingang viel zu viele Einzelfestlegungen gemacht hatte, die kein System erkennen ließen. Im Prinzip ist ein Rechtschreibrat in Ordnung, aber nur mit verlagsunabhängigen und wirklich wissenschaftlich anerkannten Persönlichkeiten ähnlich wie in der Schweizer SOK (Schweizer Orthographische Konferenz). Der jetzige Rechtschreibrat muß in seiner ganzen Lächerlichkeit bloßgestellt und durch geeignetere Personen ersetzt werden. Weder Verlage noch Politiker dürfen die Entscheidungen beeinflussen. Wir haben ja das Schweizer Vorbild.
 
 

Kommentar von MG, verfaßt am 21.08.2007 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10003

| So läuft eben die Privatisierung der Rechtschreibung.
| Aber weil sie jeder Bürger täglich braucht, gehört sie
| zur öffentlichen Grundversorgung und nicht in die Hände
| von Verlagsvertretern und Korrekturprogrammverkäufern.

Wenn ich mich recht entsinne, ist die aktuelle Verwirrnis dadurch entstanden, daß der Staat (genauer mehrere Staaten in konzertierter Aktion) sie angefaßt und an ihr herumgeschraubt haben. Meiner Einschätzung nach war die Rechtschreibung des Deutschen zu den Zeiten, da sie mehr oder minder unter der Obhut eines deutschen Privatverlags war, erheblich weniger variant -- mit einem Wort: besser.

Täusche ich mich da?
 
 

Kommentar von B. Eversberg, verfaßt am 20.08.2007 um 14.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10002

Lieber Herr Kratzbaum, eine "Umkehr der Politiker" wäre ja mal was Neues. Die ziehen sich doch jetzt auffällig unauffällig zurück und überlassen dadurch alles dem "Markt". Bei der KMK finde ich das Reformwort gar nicht mehr, die einzige Stelle, wo noch irgendwas steht, ist diese:
http://www.kultusministerkonferenz.de/schul/home1.htm
Und dort verweist man auf den "Rat". Der hat die verräterische Adresse www.rechtschreibrat.com und redet tatsächlich auch nur noch von einer "so genannten" Reform. Immerhin steht auf der Startseite doch noch, man habe langfristig (!) die "Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren". Vielleicht schafft er das langfristig wirklich besser durch Nichtstun? Vielleicht will Duden längerfristig, nach einer Phase pentagrammatischer Verwirrung, plötzlich eine neue Variante auf den Markt werfen, die dann den angeheizten Bedarf für Einheitlichkeit optimal befriedigen soll. Vielleicht auch nicht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.08.2007 um 14.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10001

Die Aufsplitterung der Rechtschreibung in bis zu 6 Korrekturprogramm-Varianten kann ja wohl nicht die Endlösung, sondern nur ein Übergang sein. Nach angemessener Zeit muß ein Vereinigungskonzil folgen, das die häufigst benutzten Schreibweisen zu Soll-Vorschlägen macht. Der Rechtschreibrat scheint dazu aber weder wissenschaftlich geeignet noch überhaupt gewillt zu sein, weil er von anderen Interessen gesteuert wird. So läuft eben die Privatisierung der Rechtschreibung. Aber weil sie jeder Bürger täglich braucht, gehört sie zur öffentlichen Grundversorgung und nicht in die Hände von Verlagsvertretern und Korrekturprogrammverkäufern.
 
 

Kommentar von B. Eversberg, verfaßt am 20.08.2007 um 13.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#10000

Der "Rat" sollte, das gehörte zum Gründungsauftrag, die "Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung bewahren". Auf seinen eigenen, mageren Seiten findet man diese Formulierung nicht mehr, auf denen der KMK auch nicht, selbst der "Rat" kommt da nirgends vor oder nur sehr versteckt.
Gleichwohl, wenn die Aufgabenstellung noch besteht, muß Z. aktiv werden, Denn die angestrebte Einheitlichkeit wird ja durch die neue Fünffaltigkeit gründlichstens vereitelt. Hätte man eine Software mit nur EINER Variante rausgebracht, sie hätte vermutlich eine zwar dürftige, aber doch einigende Wirkung gehabt. (So wie vermutlich schon in der vorreformatorischen Zeit das Gates-Produkt die Einheltlichkeit besser gefördert hat als der Duden.) Das ist nun aber verspielt.

canoo.net hat natürlich noch andere Vor- und Nachteile. Ich habe mal meinen Text entsprechend ergänzt, sowie auch um die "alte" MS-Word-Prüfung. Immerhin sagt einem canoo.net, welche Wörter früher mal anders geschrieben wurden. Hier noch einmal der Link:
www.allegro-c.de/formate/duktest.htm
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.08.2007 um 19.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9997

"Regenschirm tut Not" Wenn es die vergiftete Waffe des Regenschirmmörders ist, ist "Not" ein Akkusativobjekt, das dem vom Regenschirm Getroffenen widerfährt. Andernfalls ist es ein Adverb wie in der Redensart "Das tut doch nicht nötig". Hier ist das Volk schlauer als die Sprach-Verwahrloser.
 
 

Kommentar von Canoo.net, verfaßt am 17.08.2007 um 18.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9991

Auf Canoo.net sind folgende Möglichkeiten differenziert:

# Alt
The correct spelling before the spelling reform is accepted.

# Neu ohne Variantenwahl
All spelling variants that are correct after the reform are accepted.

# Neu + Konservativ
When both an old and a new spelling variant are correct after the reform, the old variant is accepted.

# Neu + Gemäßigt konservativ
When there are more than one correct spelling variants after the reform, the preferred variant is accepted. When the variants are equally correct, the old variant is accepted.

# Neu + Gemäßigt progressiv
When there are more than one correct spelling variants after the reform, the preferred variant is accepted. When the variants are equally correct, the new variant is accepted.

# Neu + Progressiv
When both an old and a new spelling variant are correct after the reform, the new variant is accepted.

 
 

Kommentar von David Weiers, verfaßt am 17.08.2007 um 11.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9987

Wenn ein Korrekturprogramm vier verschiedene "Arten" von Orthographie anbietet, kann das doch gar nicht im Sinne der Kultusminister sein, die ja immer wieder zum einen auf das Fortschrittsdenken pochen (Schüler müssen mit Computern umgehen können), zum anderen jedoch so besorgt darum sind, daß die Schüler im orthographischen Dschungel aufwachsen könnten, weshalb sie die Einheitlichkeit der Orthographie ja unbedingt nach ihren Maßstäben wünschen.
Wie erklärt denn nun der Dudenverlag vor den lieben Ministern und Gremien seine "Erfindung"? Das dürfte ihm doch schwerfallen; oder beruft er sich darauf, daß er jetzt endlich Klarheit für all diejenigen schafft, die nicht zur Schule gehen? Fragen die Minister und Reformtreiber überhaupt bei Duden nach?
Und wie bringt man einem Schüler bei, sich nicht von den drei für ihn unter gar keinen Umständen zu benutzenden Orthographien beeinflussen zu lassen?
Und: was tut man denn in den Reihen der Reformer eigentlich dafür, um die "Reinheit der Orthographie" bei allen Schülern zu gewährleisten? Immerhin werden Schulkinder von jedem, der vor ihren Augen nicht reformiert schreibt -- was "reformiert" nun auch immer sein mag -- aufs tiefste verunsichert und geradezu mißhandelt... Oder sehen das die Damen und Herren der Reform dann doch nicht so streng?

Plant Wahrig eigentlich keine derartigen Korrekturprogramme?
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 16.08.2007 um 21.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9985

Danke für die Aufklärung über "Batch", das für mich ein völlig neues Wort war. Auch das Englisch-Lexikon bot keine echte Hilfe. - Der Journalist, der dieses Produkt aus dem Hause Duden beschreibt, scheint aber zu glauben, daß jeder wissen müßte, was damit gemeint ist, während die eigene Muttersprache für einen Deutschen offenbar so schwer ist, daß er sich unbedingt diese "Hilfe" kaufen sollte.
Der Test von B. Eversberg beweist mir nur ein weiteres Mal, daß man lieber nicht "auswärts" denken lassen sollte, sondern am besten - gemäß dem Motto von Hercule Poirot - die kleinen grauen Zellen einschaltet.
 
 

Kommentar von B. Eversberg, verfaßt am 16.08.2007 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9984

Duden-Korrektor getestet:
http://www.allegro-c.de/formate/duktest.htm
Jeder mag für sich einschätzen, ob er sich mit dem Produkt sicher fühlen wird und seine Texte in Batchverarbeitung alle unbesehen umstellen lassen will.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.08.2007 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9983

zu Herrn Bluhme:
"Batch-/Stapelverarbeitung und Hintergrundverarbeitung sind grundlegend verschiedene Dinge..."

Ja, klar, ich habe das hier unzulässig verallgemeinert. Was ich meinte, war nur, daß Batchverarbeitungen sehr häufig im Hintergrund laufen, und daß mir scheint, daß sehr oft, wenn von Batchverarbeitung die Rede ist, eher der Aspekt der Hintergrundverarbeitung gemeint ist.

Wie das bei diesem Duden-Programm genau ist, weiß ich nicht, ich habe es noch nicht benutzt, denn alle Rechtschreibkorrekturprogramme sind mir generell ein Greuel. Sämtliche automatischen Korrekturen abzuschalten ist immer das erste, das ich nach einer Neuinstallation von Word, Outlook usw. mache.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 15.08.2007 um 19.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9981

Die revolutionierten Kommasetzungsregeln hat schon vor Jahren Antoni Dębski in einem Aufsatz im Detail untersucht und ihre hinfälligen Formulierungen wie peinlichen Widersprüche minutiös aufgezeigt. Im von Theodor Ickler angesprochenen Punkt 89 der "Grundregeln" von Eisenberg wird wieder die (in jeder Bedeutung) überkommene und ohne Not aufrechterhaltene Misere deutlich.

Theodor Ickler konstatiert zur Kommasetzung in Sätzen wie Sie scheint(,) das Match zu gewinnen: "Es ist nämlich nicht einzusehen, warum nur bei bestimmten Bezugselementen im Obersatz ein Komma stehen soll."
Statt "Bezugselementen" z.B. zu Relativsätzen könnte hier auch "Oberverben" stehen.

Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde ein Komma vor dem abhängigen erweiterten Infinitiv (IK) von einem Korrektor meist gestrichen. Das ließ indes allein deshalb erst langsam und dann schnell nach, weil nicht zu begründen war, wieso bei scheinen und wenigen anderen Infinitiv mit zu fordernden Modalisierungs-, Phasen- und Absichtsverben trotz einer Erweiterung kein Komma zu setzen ist. Schließlich sind sie allesamt Oberverben, von denen der erweiterte Infinitiv abhängig ist. Müssen also deutsche Schreiber eine genaue Klassifikation der Hilfsverben und ihrer Subklassen im Kopf haben, um Kommata richtig setzen zu können? Irgendwo hier im Forum wurden Lehrer einmal der Beckmesserei verdächtigt. Diese Kommasetzungs"regel" fällt unter selbe.

Die Verbiegung von scheinen zum Kopulaverb oder gar zum Vollverb hat mit dem Verbot des Kommas nichts zu tun, denn die elidierte zweite (d.h. die echte) Kopula mit zu darf dann nicht erscheinen: Sie scheint vor Heimweh krank (zu sein). Aber wer weiß ..., vielleicht ist diese Vorschrift aus irgendeinem dunklen Zusammenhang mit so geschriebener Grammatik "hergeleitet".

In Treue zu seiner Grammatikschreibung rettet Eisenberg also – sicher zur Freude der Schülerschar – eine Quelle für Fehler, die den wenigen verbliebenen sattelfesten Korrektoren nicht entgehen werden.
 
 

Kommentar von B. Eversberg, verfaßt am 15.08.2007 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9980

Gibt es überhaupt irgendeinen Erlaß irgendeines KuMi zur Umsetzung der "endgültigen" Version 2006? Eine Handreichung, eine Durchführungsbestimmung gar? Falls nicht, wird man den Kindern wohl oder übel alles durchgehen lassen, außer natürlich ß am Wortende.
 
 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 15.08.2007 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9979

Daher ist für Batch-Verarbeitung neben Stapelverarbeitung auch die Übersetzung Hintergrundverarbeitung geläufig.

Verzeihung, aber Batch-/Stapelverarbeitung und Hintergrundverarbeitung sind grundlegend verschiedene Dinge...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.08.2007 um 14.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9977

Um den Ausdruck "Neue Duden-Korrektursoftware mit schneller Batch-Prüfung" richtig verstehen zu können, sollte der Erläuterung von Herrn Scheuermann vielleicht noch hinzugefügt werden, daß ein wesentlicher Punkt der Batch-Verarbeitung auf dem Computer der ist, daß die Abarbeitung dieses Stapels dann zum jeweils festgelegten Zeitpunkt (z.B. auch sofort) automatisch und ohne weiteres interaktives Eingreifen durch den Benutzer erfolgt. Der Stapel wird sozusagen nebenbei, also im Hintergrund, abgearbeitet. Daher ist für Batch-Verarbeitung neben Stapelverarbeitung auch die Übersetzung Hintergrundverarbeitung geläufig.
 
 

Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 15.08.2007 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9976

Welche Einstellungen muß ein Schüler an der Duden-Korrektursoftware vornehmen, um eine schulkonforme Korrektur vorgesetzt zu bekommen? Vermutlich wird keine der vorhandenen zum Ziel führen, oder weiß jemand etwas anderes?
 
 

Kommentar von Wolfgang Scheuermann, verfaßt am 15.08.2007 um 13.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9975

Ein "batch" ist ein Stapel oder eine Ladung und in der Computerei eine Liste oder eine Liste von Dateien, bei der auf eine Anweisung hin alle Listeneinträge nacheinander der gleichen Prozedur unterzogen werden.
Was für Duden konservativ, was progressiv ist?
Nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist progressiv sicher die Rechtschreibreform in ihrer (in der Sprachentwicklung ein Vierteljahrtausend zurückspringenden) Urform von 1996 und konservativ ist dann ungefähr, was der Wahrig aus der ZER gemacht hat.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 15.08.2007 um 12.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9974

Was versteht dieses Duden-Programm denn unter der Orthographievariante "konservativ"? Richtiges Schreiben oder eine die erste Reformstufe "konservierende" Schreibung? - Und was um Himmels willen ist eine Batch-Prüfung? Wird einem da was um die Ohren geklatscht?
 
 

Kommentar von B. Eversberg, verfaßt am 15.08.2007 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9972

Aber auch Mischmasch ist erlaubt - oder steht irgendwo, daß ich nicht im selben Text mal diese, mal jene Variante wählen sollte?
Natürlich ist die Konsequenz, daß ein (fast unbewußtes) Lernen anhand fleißigen Lesens - früher die gängige Methode und sehr ökonomisch dazu - nun wirklich nicht mehr möglich ist. So wird z.B. das Problem der Übergeneralisierungen und falschen Analogien vollends unbeherrschbar, wird eine formelle Meisterschaft im schriftlichen Ausdruck unerreichbar. (Zugegeben, es war auch nicht das Ziel der Reform, daß jeder gut schreiben könne, sondern daß jeder irgendwie akzeptabel schreiben könne. Daß gutes Schreiben nun nicht mehr lernbar ist, ist bloß ein Kollateralschaden.)
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 15.08.2007 um 10.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9971

"Geschmackssache" sprach der Affe und biß in den Duden

Nachdem die staatlichen Großkopfeten die deutsche Graphie als Scherbenhaufen hinterlassen haben, teilt der Duden jetzt diesen Müllhufen in vier Einzelhaufen, indem er vier deutsche Orthographien installiert, die sich am Geschmack des Schreibers orientieren. Nach dieser Sabotage gibt es die deutsche Orthographie nicht mehr. So ist vom Staatsorgan "Haus Duden" der endgültige Bankerott der ein gutes (oder schlechtes?) Jahrzehnt währenden Haupt- und Staatsaktion erklärt.

Nach dem Hause Duden dürfen sich nun die Schüler entscheiden, wie abgeschmackt sie auf ihrem Computer schreiben möchten. Die voll durchdemokratisierten und antiautorisierten Leher(innen) müssen nun gewaltig aufpassen beim Korrigieren, um nicht z.B. eine(n) "tolerant" schreibende(n) Schüler(in) ungerecht zu korrigieren und so einem Nervenfieber auszuliefern..

 
 

Kommentar von Wolfgang Scheuermann, verfaßt am 15.08.2007 um 08.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9970

So hatte der Staatsminister a. D., Herr Senator E. h. Dr. h.c. mult. Hans Zehetmair, sich das früher einmal nicht vorgestellt: Nach seiner selbstlosen Aufopferung für die Rettung der deutschen Schriftsprache bietet allein das Haus Duden etliche Deutsch-Varianten an, von denen jeweils eine für die andere einen Fehler darstellt.
Aber ist das nicht herrlich? Jetzt kann man schon allein anhand der Schreibweisen erkennen, ob jemand wirklich "progressiv" ist - auf den Inhalt kommt es da gar nicht mehr an.
Wähle ich die Voreinstellung "Presse" - so wird man daraus wohl ableiten, daß ich alle Progressivität habe fahren lassen, um mich den (bescheideneren) Ansprüchen der Massen zu unterwerfen. Und feige bin ich dann u.U. obendrein, denn durch die Einstellung "konservativ" hätte ich doch gleich bekennen können, welch Geistes Kind ich wirklich bin.
Das ist wirklicher Fortschritt!
Welche Möglichkeiten birgt dieses Programm allein für Schriftsteller! (Burdos, ein aus Ägypten stammender Maler, der froh ist, in Deutschland zu leben, äußert sich nur "konservativ"; für Agnieszka, seine aus Polen stammende Freundin, sind nur progressive Schreibweisen angemessen, für ihren russischen Kumpel Boris stelle ich "Pressse" ein - welch Gewinn an feinsinniger Differenzierung!)
 
 

Kommentar von heute.de (ZDF), verfaßt am 14.08.2007 um 20.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9969

Rechtschreibung in Geschmacksvarianten
Neue Duden-Korrektursoftware mit schneller Batch-Prüfung

Nach der Reform der Rechtschreibreform hat der Duden-Verlag auch seine Korrektursoftware neu aufgelegt. Das nützliche Werkzeug für Microsoft Office oder Works lässt den Verfassern von Texten die Wahl zwischen fünf Geschmacksrichtungen: Voreingestellt ist die "Duden-Empfehlung", daneben gibt es noch die Varianten "konservativ", "progressiv", "Presse" und "tolerant".

Alle Voreinstellungen prüfen Texte auf ihre orthografische Richtigkeit. Was nach der konservativen Linie als korrekt betrachtet wird, kreidet die progressive Einstellung jedoch als Fehler an. Weniger Unterschiede gibt es zwischen der Duden-Empfehlung und den Presse-Schreibweisen.

Wenige Ausnahmen

Letztere entsprechen weitgehend der Vereinbarung der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen, die diese getroffen haben, um trotz der von der Rechtschreibrefom offen gelassenen Varianten eine Einheitlichkeit in den Schreibweisen zu gewährleisten. Allerdings will der Duden-Korrektor auch in der Einstellung "Presse" Änderungen machen, wenn man ihm die Wörterliste der Nachrichtenagenturen zur Prüfung vorlegt.

Statt "allein seligmachend" schlägt die Software "allein selig machend" vor. Auch "strenggenommen" will das Duden-Programm wieder getrennt schreiben. Das sind aber die einzigen Ausnahmen. Wenn es Bedeutungsunterschiede bei verschiedenen Schreibweisen gibt, wird der Nutzer darauf aufmerksam gemacht und aufgefordert, dies zu überprüfen.

Zuverlässiger Korrektor

Der Korrektor überprüft auch die Zeichensetzung und macht zuverlässig auf fehlende Kommata aufmerksam. Nützliche Hilfestellungen gibt es auch zur Grammatik. So mahnt die Software höflich: "Bitte überprüfen Sie, ob der Satzgegenstand (Subjekt) und die Satzaussage (Prädikat) in Person und Zahl übereinstimmen." Wenn das zu kompliziert klingt, liefert die Schaltfläche "Erklären" eine Erläuterung mit Beispielen. Um die Prüfung fortzusetzen, klickt man auf "Ändern", "Ignorieren" oder "Regel ignorieren".

Wenn man anschließend dann doch wieder ins Grübeln kommt, wäre es hilfreich, das Korrekturfenster würde auch die Funktion "Zurück" anbieten. Der Prüfvorgang wurde in der neuen Version beschleunigt, was sich besonders bei der "Batch-Prüfung" bemerkbar macht: Hier erfolgt die Korrektur nicht interaktiv mit dem Nutzer, sondern automatisch in einem Durchgang und auf Wunsch auch mit mehreren Dateien.

Statistik soll Kenntnisse verbessern

Anschließend werden alle Fehler und Anmerkungen markiert und am Rand als Kommentare angezeigt. Außerdem werden eine Fehlerstatistik und auf Wunsch auch ein Fehlerbericht erstellt. Dies soll den Nutzern dabei helfen, "ihre Fehler zu analysieren und dadurch gezielt ihre Rechtschreib- und Grammatikkenntnisse zu verbessern". Bei der Arbeit mit Office kann man den Duden-Korrektur als Ersatz für die Microsoft-Rechtschreibprüfung verwenden, so dass bereits bei der Texteingabe mögliche Fehler mit einer roten Wellenlinie markiert werden.

In der neuesten Version Office 2007 verbergen sich die Schaltflächen für den Korrektor im "Ribbon" mit der Bezeichnung "Add-Ins". Außerdem kann man die Funktionen der Software über ein Icon in der Taskleiste erreichen. Von dort aus lassen sich einzelne Wörter im Duden nachschlagen. Hierfür wird die eigenständige Software der Office-Bibliothek bereitgestellt.

Die Version "Korrektor Plus" enthält neben dem Rechtschreibduden auch die Nachschlagewerke "Das Fremdwörterbuch", "Richtiges und gutes Deutsch" und "Das Synonymwörterbuch". Die Software benötigt Windows (ab 2000) und Office (ab 2000) oder Works (ab 8.0). Den Korrektor gibt es aber auch für OpenOffice sowie für Mac und Linux. Die Standardversion kostet 19,95 Euro, die Plus-Ausgabe mit der Batch-Prüfung und den zusätzlichen Nachschlagewerken kostet 49,95 Euro oder bei einem Update 29,95 Euro.

von Peter Zschunke, AP

(Link)
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 13.08.2007 um 15.28 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9968

Germanist bringt es graphemisch auf den Punkt:

"Daher ist die zum Verbzusatz verkürzte Form dem Sinn nach eher ein Adverb, könnte folglich auch in den finiten getrennten Formen kleingeschrieben werden."

So könnte man verfahren. Es gab (bis zur Deform) in wenigen Fällen etwa gleich häufige parallele Schreibungen. Aber warum sollten wir uns der Möglichkeit begeben, diese recht spezifischen Adverbialia durch Kleinschreibung und graphemische Integration deutlich von anderen Adverbialia und von Objekten abzuheben? Darüber hinaus bewirken die Univerbierungen, daß die so unselbständig gewordenen Infinitformen nicht mehr in einem Paradigma verbaler Alternativen stehen und daher nicht rhematisch / mit Unterscheidungsakzent gelesen werden können

"Andere Sprachen unterscheiden das [Objekt vs. Modus /Medium] genauer und benutzen sogar den Instrumental, falls vorhanden."

So ist es. Eben deshalb ist der Streit, ob man autofahren oder Auto fahren schreiben soll, hinfällig, weil hier im Deutschen nicht exklusiv zu entscheiden, sondern alternativ zu wählen ist.

Der baldige Zerfall der Präpositionaladverbien auf da- und der Entfall der wandernden Betonung ist mehr Vorhersage als Extrapolation. Die kommunikativ ganz brauchbare Distanzstellung wie in Da kommt nicht nur Otto, sondern auch der Stockfisch her ist seit langem gesamtdeutsch, auch wenn ihr zu Unrecht süddeutsche Herkunft nachgesagt wird, denn ab Ruhrgebiet nach Norden kann man ebenso "distanziert" hören Da ist auch Otto für / gegen oder Da ist auch Stockfisch gut gegen. Wir wissen, wogegen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.08.2007 um 12.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9966

Von der Indogermanistik her betrachtet ist die Verbform Infinitiv aus einem Substantiv entstanden und daher eigentlich eine Rückbildung. In manchen Sprachen war er als Verbform ursprünglich vorhanden und ist später wieder außer Gebrauch gekommen (Neugriechisch, Serbisch, Bulgarisch). Daher kommt wohl auch die unwillkürliche Neigung, zusammengesetzte Infinitive wie ihre Verbalsubstantive zusammenzuschreiben.
Verbzusätze der Art und Weise sind verkürzte adverbiale Ausdrücke, heute kurz Adverbiale genannt. Daher ist die zum Verbzusatz verkürzte Form dem Sinn nach eher ein Adverb, könnte folglich auch in den finiten getrennten Formen kleingeschrieben werden.
Aus Objekten entstandene Verbzusätze sind dem Sinn nach Substantive und leben in den finiten getrennten Formen als Substantive wieder auf und können folglich in diesen durchaus großgeschrieben werden.
Schwierig zu entscheiden ist es bei den zusammengesetzten Verben mit "fahren", weil sie (im Deutschen) nicht unterscheiden, ob man als Lokführer "die Bahn fährt" (als Objekt) oder als Fahrgast "mit der Bahn fährt" (als Mittel). Andere Sprachen unterscheiden das genauer und benutzen sogar den Instrumental, falls vorhanden.
In den finiten getrennten Formen muß ausnahmsweise ein Kompromiß geschlossen oder Toleranz zugelassen werden. Ich bevorzuge letzteres.

Die mit dem Präfix "da" zusammengesetzten Adverbien sind in der gesprochenen Sprache bereits in Auflösung begriffen. Irgendwann werden sie auch schriftlich getrennt zugelassen. "Da nicht für." Dann erübrigt sich die Betonungsfrage.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 12.08.2007 um 18.31 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9963

An Wahrigs neuem Bestseller bemängelt Theodor Ickler zu Recht:

"Eisenberg erklärt auch nicht, wie die Beispiele in Distanzstellung zu schreiben sind: ich leiste gewähr/Gewähr, halte maß/Maß? Nach dem Muster sie läuft eis muß man auch die Kleinschreibung für zulässig halten, was einigermaßen gewöhnungsbedürftig ist: er saugt staub."

Das Problem der Distanzstellung von gewährleisten besteht wahrscheinlich nicht (mehr), denn man kann sagen und schreiben Wir gewährleisten Ihnen in diesem Falle vollen Wertausgleich (s.a. http://cronimus.apinc.org/tc/tcgewaehrl.htm).

Das von Eisenberg nicht erfaßte Problem scheint zu sein, daß Nomen im Satz auf sehr verschiedene "Elemente" des Außersprachlichen Bezug nehmen. Im Falle von brustschwimmen, eislaufen, probetu(r)nen, radfahren, autofahren, schlittschuhlaufen, maßhalten, pleitegehen, bank(e)rottgehen werden ja nicht die Namen von Handlungsobjekten graphemisch integriert, sondern wird der Vollzugsmodus, das Vollzugsmedium i.w.S. bzw. das Resultat (am Handlungssubjekt oder -objekt) mit einem Nomen spezifiziert. Nach dieser Scheidung sähen Verben wie staubsaugen, fensterputzen, ofenheizen, ziegelputzen bzw. ihre Flexionsformen in Distanzstellung nicht nur ungewöhnlich aus, sie würden den Leser auch direkt irreführen, denn er ist daran gewöhnt, die Handlungsgegenstände als Objekte – d.h. als Nomina, und nicht als Wortelemente – im Satz vorzufinden, so u.a. in ein Auto fahren / führen / tunen, das Maß halten, Walzer tanzen, Klavier spielen, bis hin zu verbalen Gefügen / Funktionsverbgefügen mit unspezifischer Verbbedeutung.

Sackhüpfen dagegen gibt es nur als Handlungsname. Wie lange noch?
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 12.08.2007 um 12.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=885#9960

Fester Wortakzent? – Im Prinzip ja, aber ...

"38: Die Getrennt- und Zusammenschreibung von Pronominaladverbien mit Verben soll von der Betonung abhängen. Es werden gegenübergestellt: ihr dürft gerne dazúkommen vs. ich werde wohl nicht dázu kommen, dass .... Die Gegenüberstellung funktioniert aber nur (einigermaßen), wenn das Pronominaladverb korrelativ und nicht anaphorisch konstruiert ist, vgl. es ist leider nicht dazú gekommen."

Theodor Icklers Kommentar zu Punkt 38 in Eisenbergs Werk ruft ein aus der deutschen Grammatikschreibung ausgeblendetes Problem ins Bewußtsein (an dem DaF-Lernende folglich scheitern).

Zwei völlig verschiedene Dinge werden von Eisenberg durcheinandergebracht:

(1) Die Verweisadverbien des Deutschen haben keinen festen Akzent. Er wechselt in Abhängigkeit von der Stellung des Verweisadverbs (Thema, Rhema usw.) und von der Funktion (kataphorisch oder nicht). Vgl.:
Dafür hat er sich früher auch heftig interessiert. vs.
Seit einigen Jahren interessiert er sich überhaupt nicht mehr dafür. vs.
Er interessiert sich eigentlich nur dafür, was ihm wirklich Spaß macht.

(2) Die Zusammenschreibung eines Verweisadverbs mit einer Infinitform des Verbs hat mit dieser akzentorischen Besonderheit nichts zu tun, denn zur Integration taugt nur das auf der Präposition betonte Verweisadverb (Dabeisein ist alles). Integriert werden kann es, wenn es keine eigentliche Verweisfunktion hat. In ihr dürft gerne dazúkommen liegt ein Beispiel dafür vor. Der Akzent auf der Präposition (d.h. nicht auf dem verweisenden da) allein reicht zur Signalisierung der nicht-verweisenden Funktion nicht aus (s. Bsp, oben). Erst die Zusammenschreibung mit der Infinitform des Verbs stellt das klar. Ob der Schreiber so auf ein lexikalisiertes (und evtl. lexikographisch erfaßtes) Verb zurückgreift oder gerade ein neues kreiert, spielt für die Graphie keine Rolle.

Zu (1): Jeder deutschen Muttersprachler erkennt jeden Nichtmuttersprachler in der Rede u.a. daran, daß dieser Verweisadverbien unsicher akzentuiert. Daß von ihrem wechselnden Wortakzent nichts in Muttersprachgrammatiken steht, ist eine systematische Beschreibungslücke, richtet aber lediglich in einer Mißregelung der Graphie, nicht aber unter den Sprechern des Deutschen Schaden an. Daß davon aber in Lehrwerken für das Deutsche als Fremdsprache und deren Mini-Grammatiken generell nicht die Rede ist, zeitigt prosodische Defizite bei den Lernern. Es zeigt zugleich aber auch, daß die deutschen Autoren solcher Werke die Spezifika des Deutschen nicht hinreichend kennen und somit außerstande sind, diese zu vermitteln.
 
 

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