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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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22.05.2007
 

FAZ-Hausorthographie
Ein interne Handreichung

Die FAZ hat mir freundlicherweise ihre interne "Handreichung" zur Verfügung gestellt:

Allgemein folgen wir den Vorschlägen des Wahrig-Wörterbuchs. Wo die reformierte Rechtschreibung Varianten zulässt, wählen wir die bisher verwendete Schreibung.
So schreiben wir beispielsweise weiterhin „selbständig“.

In einigen Fällen entscheiden wir uns für die bisherige Schreibung, auch wenn sie als Variante nicht mehr zugelassen ist (siehe unten; diese Wörter werden in die Schreibweisenliste im Intranet eingefügt).

Darüber hinaus ist in Zitaten auf die Übereinstimmung mit dem Zitierten zu achten.

Was ist besonders zu beachten?


ss/ß-Regel

Nach kurzem Vokal wird das „ß“ durch ein „ss“ ersetzt: dass, Russland. Überprüfen lässt sich das durch geeignetes Beugen: Kuss – Küsse; blass – blasse; Maß – Maße.


Groß- und Kleinschreibung

Nach der Reform der Reform werden wir hier weitgehend schreiben wie bisher:

von neuem, bei weitem, recht haben (aber: ein Recht haben), aufs angenehmste (adverbial),

Tausende und Dutzende,

auswärtige Kulturpolitik, schwarzes Brett, grüne Minna, blauer Brief, gelbe Tonne, grüne Welle, olympisches Feuer (keine Eigennamen),
Auswärtiges Amt, Ewige Stadt (Rom), Dreißigjähriger Krieg, Zweiter Weltkrieg, Grüne Woche, Olympische Spiele (Eigennamen oder Quasi-Eigennamen).

Beim Ohmschen Gesetz wollen wir den durch die Reform eingefügten Apostroph nicht hinzufügen (weil es ein Eigenname ist), während wir die brechtschen Werke kleinschreiben (adjektivisch gebraucht, aber kein Eigenname).

Personalpronomen werden (sofern nicht am Satzanfang) kleingeschrieben – also auch du, dein, dir, dich, ihr, euer, euch, wenn diese nicht in einem wiedergegebenen Brief o.ä. großgeschrieben werden.


Zusammen- und Getrenntschreibung

Auch hier werden wir Zusammenschreibung bevorzugen: haltmachen, achtgeben, selbstgebackene (Kekse).
Das betrifft auch eingedeutschte Substantive wie Knowhow, Comeback, Speeddating, Jobsharing, Hotdog, Fastfood, Feedback, Rushhour, Turnaround, Jointventure
(aber: Make-up, Sit-in)
Dabei sind selbstverständlich Sinn und Zusammenhang zu beachten: „Sie waren zusammengekommen, um über die Rechtschreibung zu reden. “ – „Sie waren zusammen gekommen und zusammen gegangen.“


Bindestriche

benutzen wir mitunter – aber nicht ausufernd -, um eine bessere Lesbarkeit zu erreichen (L,
oder zur Koppelung in Namen: Fazit-Stiftung, Friedrich-Ebert-Straße (aber: Ebertstraße, Zweidrittelmehrheit).


Drei aufeinanderfolgende Laute

werden stets geschrieben: Schifffahrt, Brennnessel, Stillleben, fetttriefend, Fetttropfen.


Eindeutschungen

werden – weil im Fluss!!! – unterschiedlich gehandhabt (und erstmal so wie bisher):

Foto, fotografieren – aber Photovoltaik,
Mikrofon, Megafon, Telefon – aber: Phono,
Grafik, Infografik – aber Geographie,

Differential – aber: differenzieren,
substantiell – aber: Substanz,
Lizentiat – aber: Lizenz,

Räson, Porträt – aber: Malaise, Mayonnaise, Necessaire,

Varieté, Exposé.


Trennungen

von Fremdwörtern orientieren wir uns wie bisher an den Bestandteilen, aus denen sie zusammengesetzt sind:
Ma-gnet, Chir-urg, Hekt-ar, Psych-iater, Inter-esse.

„ck“ wird, wo es für ein k-Laut steht, nicht mehr getrennt: me-ckern
Einzelne Buchstaben trennen wir nicht ab: Abend, Acker.

„st“ wird nach Sprechsilben getrennt: läs-tern, fas-ten.


Interpunktion

Sowohl ein angeführter Satz als auch der Begleitsatz behalten ihr Ausruf- oder Fragezeichen, dem Abführungszeichen wird der Begleitsatz mit Komma angeschlossen :
„Kommst du morgen?“, fragt er.
Fragtest du: „Wann beginnt der Film?“?


Wortliste: Abweichungen

behende
belemmert
einbleuen
Greuel, greulich
leid tun
numerieren
plazieren
Quentchen
rauh
schneuzen
Stengel
Tolpatsch
verbleuen



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Kommentare zu »FAZ-Hausorthographie«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2016 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#33864

Ganz meine Meinung!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.11.2016 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#33863

Pft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2016 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#33855

Die FAZ feiert heute den 150. Jahretag ihrer Gründung, gewissermaßen. Wir gratulieren. Sie ist die einzige Zeitung mit einer leicht erkennbaren Hausorthographie, gleich weit entfernt vom alten Duden wie von der Rechtschreibreform.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2016 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#33775

Bis etwas passiert, dass größer ist als sie alle. (FAS 6.11.16)

So schreibt die FAS über Foer, den sein deutscher Verlag so vorstellt:

Jonathan Safran Foer wurde am 21. Februar 1977 in Washington D.C. geboren und wuchs dort als Mittlerer von drei Söhnen auf. (http://www.kiwi-verlag.de/autor/jonathan-safran-foer/492/)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2016 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#31515

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#28240

Litfasssäulen (FAZ 3.2.16, ebenso 3.11.15, 25.10.14, 18.6.14 usw.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.08.2015 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#29785

Infolge des Gravitationslinseneffekts wird das Licht der hinter dem Schwarzen Loch verborgenen Sterne so umgelenkt, das es im Vordergrund sichtbar wird. (FAZ 18.2.15)

Denn für die Erzeugung einer einzigen Walnuss braucht es ... 4 bis 9 Gallonen Wasser. Dass sind 15 bis 34 Liter Wasser. (FAZ 8.4.15)

Dort, wo dass Licht auftrifft, werden die Harzmoleküle chemisch reaktiv. (FAZ 8.4.15)

Ein Gemeinwesen, dass gewiss noch mehr Flüchtlinge aufnehmen könnte. (FAZ 4.5.15)

Dahinter steht, das der Flächentarifvertrag an Bindekraft verloren hat. (FAZ 18.6.15)

Griechenland war das erste Land, dass einen deutschen Präsidenten zum Staatsbesuch empfing. (FAZ 17.7.15)

das Urteil, dass sich andere Frauen über sie erlauben (FAZ 24.8.15)

ein Tor, dass Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Minutentakt öffnen und schließen (FAZ 25.8.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2015 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#28297

Noch zum vorigen:

Wenige Tage später erscheint in derselben Zeitung gleich noch eine Rezension desselben Buchs. Oliver Jungen ist etwas weniger begeistert, fühlt sich streckenweise wie auf einer Antifa-Website.

Solche als Romane aufgemachten Bücher über selbsterlebte Geschichte prägen das Bild, das man sich von der Geschichte macht, deshalb scheint mir die Frage nach dem Wahrheitsgehalt noch dringender als bei Kehlmann usw. Sobald das buchmessentaugliche Hochjubeln verklungen ist, sollte man sich einmal damit beschäftigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2015 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#28273

Es ist ein Fehler, das er sich mitunter in die Fiktion flüchtet... (FAS 8.3.15)

Der Satz stammt übrigens aus einer Besprechung Volker Weidermanns zu Peter Richters Roman "89/90", den er "grandios" findet. Eine Woche zuvor hatte er "Robert Kischs" Bericht "Möbelhaus" meisterhaft gefunden.

Kohl am 19. September 1989 in Dresden: „Gott segne unser deutsches Vaterland. DAS war der Satz, den die Leute hören wollten, das war der Satz, bei dem die Hölle losbrach.“ (Richter)
Weidermann fährt fort: „Jetzt geschieht: die andere Geschichte. Die bei der offiziellen Version der friedlichen Revolution meist nicht miterzählt wird. Jetzt werden Linke gejagt oder solche, die so aussehen. Jetzt werden Schwarze gejagt, Vietnamesen, Obdachlose, Hippies, Gruftis.“
Nazis aus dem Westen wollten Dresden zu einer neuen Hauptstadt der Bewegung machen. (Anderswo hat Richter den Rechtsradikalen Kühnen beim Namen genannt – aber wie repräsentativ war das?)

War das wirklich so? Wie haben Erwachsene es erlebt? (Richter war 16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2015 um 03.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#28240

Ich habe aus den Zufallsfunden mal herausgefiltert, wie die FAZ mit der reformierten s-Schreibung zurechtkommt:

das mir meine Behinderung auch noch peinlich ist (FAZ 8.8.08)

Koch will untermauern, das es ihm um höhere Gesichtspunkte als die seiner Parteihaftigkeit geht. (FAZ 10.3.09)

ein Ereignis, dass für viele abschreckend gewesen (FAS 5.10.08)

Auf drei DVDs erklärt der einstige Theoriepopstar Gilles Deleuze die Welt in sechsundzwanzig Buchstaben – Einführung in ein linksaristokratisches Denken, dass aus der Entwurzelung seine Bewegung schöpft. (FAZ 27.12.09)

Neunzehn Jahre später erschien der Erstling noch einmal, vom Autor gründlich überarbeitet und mit einem überaus interessanten Nachwort versehen. Es enthält Kernsätze der Mosebachschen Poetik: „Verfälschen, um der Wahrheit von etwas näherzukommen, dass sich der einfachen Mitteilung verweigert, ist vielleicht ein Wesenszug der Literatur.“ (FAZ 8.6.07)

Und das ist etwas, dass Ihnen wie in Ihr Gehirn hineingestickt wird. (FAS 2.5.10)

Als der Theologiestudent Joachim Gauck Ernest Hemingways Roman „Wem die Stunde schlägt“ zum ersten Mal aufschlug, blickte er in ein Buch, dass genauso alt war wie er selbst. (FAZ 30.6.10)

Auch die Tatsache, das Fujimori später mit Haftbefehl gesucht wurde, war keine Genugtuung. (FAZ 7.10.10)

ein Gottvertrauen, dass Katholiken auch heute haben sollten. (FAZ 25.2.11)

Das sechs Monate alte Bärenbaby, dass einer der Männer auf dem Arm hält, ist in Gefangenschaft geboren und soll nun in mehreren Stufen ausgewildert werden. (FAZ 20.2.11)

Das so ein Kredit nicht unbemerkt bleibt, davon musste er ausgehen. (...) Man hegt als Beobachter die Befürchtung, das mit dieser Legende noch viel mehr zum Einsturz kommen könnte. (FAZ 19.12.11)

dass wäre so als würde man Christen sagen „Hängt doch diese Kreuze aus euren Kirchen“. (FAZ 11.5.12)

Nach dem Amoklauf des amerikanischen Soldaten bei Kandahar ist das ein Signal, dass aus innen- wie außenpolitischen Gründen kaum zu vermeiden war. (FAZ 15.3.12)

sie beklagen das Unrecht, dass ihnen widerfahren sei (FAS 22.4.12)
Jedes Kind bekam ein Gedicht zugeteilt, dass es jeden Morgen vor dem Unterricht aufzusagen hatte. (FAS 16.12.12)

Das duale Ausbildungssystem, dass mit seiner typischen Mischung zwischen Schul- und Werkbank außer in Deutschland auch in Österreich und der Schweiz bekannt ist, mutiert zum globalen Hoffnungsträger. (FAZ 23.2.13)

ein Bild, dass Amis mitgeprägt hat (FAZ 12.4.13)

...das jetzt aber keiner glaubt, dass sei bereits eine Verabredung... (FAZ 24.5.13)

Die Kopie hing Jahrzehnte an der Wand, bis sich herausstellte, das die Kopie gar keine Kopie war, sondern echt und schlappe 1,2 Millionen Euro wert. (FAS 24.3.13)

„Wir haben das Gefühl, das Bürgerbeteiligung ein schönes Deckmäntelchen ist.“ (FAZ 4.6.13)

„Gehen sie davon aus, dass das ein Thema sein wird, dass die Bundeskanzlerin mit Herrn Obama nächste Woche auch besprechen wird.“ (FAZ 11.6.13)

ein Interview, dass der „Spiegel“ veröffentlicht (FAZ 8.7.13)

Wer der Glaubensrichtung des fürsorglichen Staates anhängt, muss nicht das zweiseitige Papier mit der Überschrift „Bayern kann das!“ zur Hand nehmen, dass die SPD auf ihrem Parteitag beschloss. (FAZ 22.7.13)

Nicht, das ansonsten schlecht gesungen worden wäre, weder im „Rheingold“ noch in der „Walküre“. (FAZ 29.7.13)

Hinzu kommt, das wir bislang kein tragfähiges Geschäftsmodell sehen. (FAZ 31.7.13)

Wussten Sie, das der Durchschnittsdeutsche das Toilettenpapier sorgfältig faltet? (FAZ 6.8.13)

eine Art Doping-Gesetz, dass Staatsanwälten die Chance gibt, sich Athleten im Dopingfall zur Brust zu nehmen (FAZ 8.8.13)

Dieses Manöver, dass Moskau und Minsk immer wieder gemeinsam abhalten... (FAZ 10.9.13)

Dass wollte keiner ... Das solche Stunden anstanden ... (FAZ 11.9.13)

Davon profitiert auch Frankreich, dass in dieser Woche mehrere Anleihen aufgestockt hat. (FAZ 17.10.13)

Physiker der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg haben nun ein Oxid entdeckt, dass ebenfalls Quasikristalle ausbildet. (FAZ 23.10.13)

ein fachspezifisches Rating, dass auch qualitative Aspekte einbezieht (FAZ 30.10.13)

Es scheint ein interessantes Muster zu geben, dass Sie immer wieder beschreiben. (FAZ 5.11.13)

das es allen besser gehen soll (FAZ 28.11.13)

Sie haben ein Bergungsschiff reserviert, dass die Costa Concordia huckepack nehmen kann. (FAZ 30.11.13)

Die Frau des amerikanischen Präsidenten besuchte ein Reservat für Pandabären, wo sie die Tiere mit Äpfeln fütterte - gleich neben einem Schild, dass das Füttern der Tiere verbot. (FAZ 27.3.14)

Hier ist ein Menschenbild berührt, dass das Schlimmste befürchten lässt. (FAZ 10.6.14)

Dass sei ein verheerendes Signal. (FAS 29.6.14)

Grillo verwies auf ein weiteres transatlantisches Problem, dass europäischen Unternehmen zunehmend zu schaffen mache. (FAZ 11.7.14)

dass russische Außenministerium (FAZ 9.8.14)

und das in einem Ausmaß, dass nicht allein durch den 19xy-Effekt zu erklären ist.(FAS 3.8.14)

ein Gesetz, dass die Wirtschaftspolitik auf den Prüfstand stellen soll (FAZ 8.9.14)

die Erkenntnis, das Asteroiden alles andere als homogen aufgebaut sein können (FAZ 12.2.14)

Dann gibt es noch ein Gerät, dass mit einer Tastatur verbunden dem iPad das Fürchten lehren soll. (FAZ 19.9.14)

dass Gemecker (...) auf das alles so bleibe (FAZ 10.10.14)

Man konnte sicher sein, das mit keinen unangenehmen Details aus der Nazizeit zu rechnen war. (FAZ 17.10.14)

Nüchtern betrachtet erzählt „Heidi“ von einem Mädchen, dass mehr oder weniger brutal zurechgestutzt werden soll. (FAZ 18.10.14)

Das liegt auch daran, das ihnen niemand ehrlich sagt, dass in einer veränderten Welt in Frankreich nicht alles beim Alten bleiben kann. (FAZ 21.10.14)

Dass liegt daran ... (FAZ 6.11.14)

Litfasssäule (FAZ 11.11.14)

Dass ist nicht ohne. (FAZ 29.11.14)

Es geht also um ein Szenario, dass die meisten Experten keineswegs für den wahrscheinlichsten Ausgang der Verhandlungen halten. (FAS 8.2.15)

Die beiden könnten ein Duo werden, dass die Welt verblüfft. (FAZ 2.3.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2015 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#28230

Heute druckt die FAZ eine Seite Briefwechsel Rühmkorf/Reich-Ranicki ab, alles auf Reformschreibung umgestellt. "Frankfurt schreibt..."
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.11.2014 um 22.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#27248

FAZ, 1./2. Nov. 2014, Seite C1:
Obwohl er die [eiskalte Dusche] eigentlich gar nicht nötig hätte, springt er doch schon beim ersten Klingeln des Weckers behänd aus dem Bett.

Mit der FAZ-Hausorthographie klappt's wohl auch nicht immer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2014 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#26539

Darüber hat sich Reiner Kunze schon selbst geäußert:
http://sprachforschung.org/index.php?show=news&id=638

Wegen der sicherlich gewollten Zweideutigkeit und ihrer Beseitigung durch die Reformschreibung hatte ich das Zitat gebracht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.08.2014 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#26538

Nun ist Reiner Kunze aus vielen Gründen mein Lieblingslyriker, das will ich hier nicht im einzelnen begründen. Aber was ich, ehrlich gesagt, nicht so recht verstehe, ist die von ihm gepflegte allgemeine Kleinschreibung, außer am Satzanfang. Warum? Ist es vielleicht Ausdruck einer besonderen Bescheidenheit, oder sollen seine Gedichte dadurch leiser, irgendwie eingängiger klingen? Ich weiß es nicht.

Die Reformer wollten ursprünglich etwas Ähnliches einführen, gemäßigte Kleinschreibung, und ich nehme an, selbst Reiner Kunze als entschiedener Reformgegner wäre im allgemeinen (außerhalb seiner Lyrik) auch gegen diesen Punkt. Unter anderem entstehen dadurch Zweideutigkeiten.

Zum Beispiel könnte hier mit "der einzelne" entweder
der einzelne (Mensch)
oder
der Einzelne
gemeint sein. Ob das einen Sinnunterschied ausmacht, und wenn ja, ob diese Mehrdeutigkeit dann beabsichtigt oder nur in Kauf genommen wurde, ...
Ich bin nicht so gut im lauten Interpretieren von Gedichten, genieße sie lieber für mich im stillen. Zweifle aber ein wenig an der allgemeinen Kleinschreibung.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 14.08.2014 um 08.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#26535

Und immer wenn der Mensch im Mittelpunkt steht ist da was faul!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2014 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#26534

Im Mittelpunkt steht der Mensch, nicht der Einzelne. - So wird Reiner Kunze neuerdings oft zitiert, auch in einem orthographisch normalisierten Leserbrief an die FAZ vom 14.8.14. Original:

Ethik

Im mittelpunkt steht
der mensch

Nicht
der einzelne


(Sensible Wege. Hamburg 1976:35)
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 11.06.2014 um 11.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#26022

Im Jahr x nach der Unterwerfung unter das, was man in Frankfurt am Main für Schulorthographie hält, klappt immer noch nichts. Wozu braucht es da Hausorthographien, Redaktionshandreichungen und ein gelegentlich mal plaziertes geballtes Fäustchen, das in der Tasche eh keiner sieht.

Auf der Seite N1 der Rubrik "Natur und Wissenschaft" der FAZ-Ausgabe vom 11.6.2014 springt einem sofort die Überschrift "WM-Anstoss durch die Kraft der Gedanken" ins Auge. Wo früher vielleicht mal ein kluger Kopf saß, reicht heute nicht einmal die Kraft der Gedanken. (Und die Rechtschreibsoftware hat offensichtlich auch versagt.)

Hier wurden schon die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zeitung erwähnt. Recht so, ich werde ihr nicht nachweinen, wenn sie demnächst nicht mehr erscheint.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 19.05.2014 um 08.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#25851

Natürlich ist das Diktat eine Verhöhnung derjenigen, die sich den 1996er Regeln unterworfen haben, aber nicht nur wegen der 2004 und 2006 vorgenommenen Änderungen, sondern auch, weil es viele der 1996 aufgestellten Fallen enthält:

kurzerhand; ein Dutzend Mal; Sie war es leid; eingebläut; No-Go; welcher Beruf der richtige sein könnte; war ihm dies alles eins; Daran war das Inserat schuld; über kurz oder lang; durch dick und dünn; im Allgemeinen in Informatik; der klügste seiner Schüler; Ihm wäre es demgegenüber nicht recht, wenn er das bisschen, das er in Englisch draufhatte; zum Besten geben; kein Entweder-oder; nolens volens; alles oder nichts.

Darüber hinaus scheint es sich teilweise um einen Test der Englischkenntnisse der Teilnehmer zu handeln.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.05.2014 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#25850

Mir scheint es ein Merkmal für einen Charakter haben oder nicht haben, wenn man zugibt, sich geirrt zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.05.2014 um 15.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#25849

Der Test ist wieder eine einzige Verhöhnung der Menschen , die sich arglos den 1996 verkündeten, damals allein "richtigen" Neuschreibungen unterworfen hatten und nun mit einem "Ätsch!" mangelhafter Rechtschreibkompetenz überführt werden. Damals waren "Kopf stehen, halb gebildet, falsch liegen" usw. vorgeschrieben.
Wenn ich so etwas lese, habe ich Lust, den Veranstaltern eine Ohrfeige zu verpassen.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 18.05.2014 um 07.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#25848

Auch 2014 fand die Duden-Werbeveranstaltung "Frankfurt schreibt" wieder statt, an der sich die F.A.Z. beteiligte und unter dem Titel "Über kurz oder lang kann jeder einmal falschliegen" (http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/diktatwettbewerb-frankfurt-schreibt-ueber-kurz-oder-lang-kann-jeder-einmal-falschliegen-12943629.html) berichtete.

Einige Zitate:

- "Die Reise entführte in die entlegensten Galaxien des Duden-Universums – und darüber hinaus."

- "Und dann, nachdem auch die letzten orthographischen Gewissheiten erschüttert sind, sagt sie noch einen unschuldigen Satz, der ihren Zuhörern ein süßsaures Lächeln auf die Lippen zaubert: 'So schön kann Sprache sein.'"

- "Vorausgesetzt, er macht so weiter, kann Boos [Buchmesse-Chef Jürgen Boos] frohen Mutes auf das Jahr 2037 blicken, wenn er beim Jubiläumswettbewerb "25 Jahre Frankfurt schreibt" als erster Teilnehmer aller Zeiten einen fehlerlosen Text abliefern wird."

- Werner Scholze-Stubenrecht (Duden) wird zum "obersten Orthographiehüter" erklärt.

Hier ist der Text des Diktates:

Als er die Augen aufschlug, fiel ihm siedend heiß ein: Er hatte sich kurzerhand genau ein Dutzend Mal als Informatikingenieur beworben und war zum Assessment eingeladen. Seine Mutter stand kopf. Sie war es leid, seinem laxen In-den-Tag-hinein-Leben zuzusehen, und hatte ihm darüber hinaus eingebläut: "Piercings und Tattoos sind ein absolutes No-Go!"

Er hatte x-mal hin und her überlegt, welcher Beruf der richtige sein könnte. Während sich die halbgebildeten Loser seiner Klasse über trashiges Reality-TV die Köpfe heißredeten, wobei es ihm angst und bange wurde, war ihm dies alles eins. Er hatte über höhere Mathematik nachgedacht, über brillante Algorithmen, Arithmogriphen, das Gauß-Newton-Verfahren und Billiarden von y-Achsen.

Daran war das Inserat schuld, das er unter einem äußerst aufsehenerregenden Artikel über Bypass-OPs gelesen hatte. Seiner Karriere als IT-Spezialist würde über kurz oder lang nichts entgegenstehen. Sein Rechner begleitete ihn zeit seines Lebens durch dick und dünn. Zudem hatte er im Allgemeinen in Informatik nie das Gefühl hinterherzuhinken. Laut seinem Lehrer war er stets der klügste seiner Schüler, der nie falschlag oder dazwischenrief.

Ihm wäre es demgegenüber nicht recht, wenn er das bisschen, das er in Englisch draufhatte, auch noch rhetorisch ausgefeilt zum Besten geben müsste. Aber da gab es kein Entweder-oder mehr, dem Frage-und-Antwort-Spiel musste er sich nolens volens stellen. Er verwarf den Gedanken, krankzufeiern. Jetzt ging es um alles oder nichts.

Wie man sieht, ist dank der Reform alles viel einfacher geworden.


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2013 um 08.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#24607

Die FAZ druckt ein Gedicht von Jan Koneffke ab, der eigentlich in herkömmlicher Rechtschreibung veröffentlicht, und so heißt es auch hier "muß", "vermißt", aber auch "Brennnesseln". Vielleicht hat das Programm zugeschlagen, oder es ist die allgemeine Verunsicherung.
(Ob die Stolperverse Absicht sind, kann ich nicht sagen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.11.2013 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#24463

Der Diktatwettbewerb "Frankfurt schreibt", zu dem außer den üblichen Verdächtigen auch die FAZ und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ihren Namen hergeben, dient ganz überproportional dem Einüben der Reformschreibungen, ist also verkappte Reformpropaganda (weshalb ja auch der Dudenverlag mitmacht und das Material geliefert haben dürfte). Die "Regeln", die dort zum Einüben geboten werden, enthalten die bekannten linguistischen Irrtümer, vor allem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung über den verlorengegangenen Zusammenhang mit vermeintlichen Substantiven. Die Veranstaltung ist also auch Volksverdummung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2013 um 18.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#23686

in Bbezug auf einen Staat (FAZ 16.7.13)

Man sieht dem Kampf der Programme zu ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2013 um 10.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#23410

FAZ-Redakteur Jürgen Kaube sagte 2005 in einem Interview:

Ich würde es nicht akzeptieren, daß man meine Positionen oder die der FAZ als "konservativ" abfertigt. Manchmal mögen sie es sein, manchmal nicht. Ich erinnere mich an ein lustiges Telefon-Interview mit einer Journalistin der BBC, als wir zur "alten" Rechtschreibung zurückkehrten. Die Dame wollte wissen, wie das sein könne, und ob das daran läge, daß wir so eine konservative Zeitung seien. Ich habe ihr geantwortet: bei der Rechtschreibreform nicht mitzumachen sei nicht „konservativ“, sondern anarchistisch. Wenn man überhaupt einen politischen Begriff dafür verwenden will, dann nur diesen; der Staat sagt: „Macht bitte Folgendes!“ und wir machen es nicht. (das Helium – Hochschulmagazin 2005)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2013 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#22738

Zu den Ergebnissen von "Frankfurt schreibt":

»Effeff? Welch hanebüchenes Wort. Woher genau die Redewendung „etwas aus dem Effeff beherrschen“ kommt, wissen selbst die Germanisten beim Duden nicht genau. Womöglich lässt sie sich darauf zurückführen, dass bestimmte Waren im Kaufmännischen früher mit dem Zusatz „f“ für „fein“ bewertet wurden, gesteigert nur noch durch „ff“. Und weil sich die Schreibweise nach den Regeln der neuen Rechtschreibung an die Aussprache anlehnt, wird daraus das etwas seltsame „Effeff“.« (FAZ 1.3.13)

(Der Beitrag ist wieder von Julia Kern, die im Regionalteil der FAZ für Reformpropaganda und Dudenwerbung zuständig ist. Effeff wurde bekanntlich vor der Reform schon ebenso geschrieben.)

»Bei den Schülern errang Tilman Jacob von der Musterschule mit 19 Fehlern den Sieg für die Gastgeber des Stadt-Finales. Bei einem Durchschnitt von 33,23 Fehlern kann er sich nun zu Recht als Rechtschreib-Koryphäe bezeichnen. Das Fremdwort, das einen „herausragenden Experten“ beschreibt, geht auf das Griechische zurück, wird aber trotz seiner ursprünglichen Bedeutung des „Chorführers“ mit „k“ geschrieben.«

(Das klingt doch so, als habe es etymologisch etwas mit „Chor“ zu tun, was natürlich abwegig wäre; es bedeutet aber auch andere Arten von Leuten, die an der Spitze stehen.)

»Das „Schlafittchen“ hingegen ist ein urdeutsches Wort, das sich vom „Schlagfittich“ ableitet. So wurden die Schwungfedern der Gänse bezeichnet, an denen man die Tiere zum Transport packte.«

(Das ist sehr umstritten, zumal der „Schlagfittich“ anscheinend gar nicht belegt ist. Erstaunlich wiederum, mit wie vielen Fehlern man bei dieser Veranstaltung noch sehr gut davonkommen konnte.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.02.2013 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#22724

Nachdem man im FAZ-Artikel gleich im ersten Satz "... stand gestern Abend in der Aula der Frankfurter Musterschule die Welt Kopf" gelesen hat, verliert man alle Lust zu erfahren, was da geprüft und als falsch und richtig gewertet wurde.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 28.02.2013 um 17.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#22722

Greulich, greulich

Die FAZ folgt der Schulorthographie ja bekanntlich nur teilweise. Inzwischen hat sie auch einige der in diesem Eintrag aufgeführten Ausnahmen aufgegeben, aber eine hundertprozentige Schulorthographie ist es immer noch nicht geworden. Da verwundert es doch sehr, daß die Zeitung jetzt berichtet, daß einer ihrer Herausgeber (Werner D'Inka, wir erinnern uns!) stolz darauf ist, "Guillotine" richtig schreiben zu können.

Warum nur berichtet die Zeitung so ausführlich – und auch zum Mitmachen! – über den Diktatwettbewerb "Frankfurt schreibt"? Für das, was in der FAZ steht, bekommen Schüler doch noch Fehler angestrichen. Da ist man also nun umgefallen und somit dabei, aber dann doch wieder noch anders und auch stolz darauf. Ich habe die Audiodatei ausgeschaltet, als der unvermeidliche zierende Rat kam.

Wer es sich antun will: www.faz.net/aktuell/rhein-main/das-diktat-die-kunst-der-rechtschreibung-12097162.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2012 um 08.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#20507

Sie beklagen das Unrecht, dass ihnen widerfahren sei. (FAS 22.4.12)

Im selben Beitrag: Stop-loss-Order - Hier weiß man nicht, ob die GKS Absicht ist (weil die FAZ ja zum Schaden der Schüler nur die halbe Reform durchführt) oder ein weiteres Versehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.09.2010 um 01.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#16831

Die folgenden Fundstücke stammen alle aus einem einzigen (!) Artikel der FASZ vom 5.9.2010, Doppelseite WISSENSCHAFT (Seiten 62 und 65); Hervorhebungen sind von mir:

Appositionskasus und überflüssiges Komma:
Es ist genauso möglich wie alles andere, dass die thermische Gleichförmigkeit des CMB, und damit die Lösung des Horizontproblems, dem dritten Argument für Inflation, auf das Konto der Quantengravitation geht.

Hier dagegen hätte es der Dativ sein dürfen:
Zurück vor den Urknall gehen etwa Ideen aus der Schleifen-Quantengravitation, einer der Ansätze, Gravitations- und Quantentheorie zu vereinen.

Flexion:
Vor der Inflationsphase hätte es dann ein Stadium gegeben, in welcher der Kosmos extrem unregelmäßig war und in der sich der eigentliche Urknall ereignet habe.

Die Hintergrundstrahlung ... ist einer der wichtigsten Erkenntnisquellen der modernen Kosmologie.

Zwei Bestandteile verloren dabei früh die Fähigkeit zu merklicher direkter Wechselwirkungen miteinander ...

In den Flecken, die sich erst nach sorgfältigen Korrektur verschiedener Störeinflüsse zeigten, ...

Mal – mal, als – wie:
W-Map ist 45 Mal so empfindlich wie Cobe und kann die Temperaturfluktuationen 33 Mal so gut auflösen. ... Planck ist eine europäische Sonde, ... Sie erreicht eine 10 Mal so hohe Empfindlichkeit und eine dreimal so gute Auflösung als W-Map.

In der Inflationsphase muss das Universum mehr als zehn Milliarden Mal heißer gewesen sein als alle Materiezustände, die sich in Beschleunigern erforschen lassen.

dass – das:
Bei Guth sollte dies ursprünglich ein Feld sein, dass eine Rolle bei der Vereinigung zweier fundamentaler Kräfte der Natur spielen könnte.

fehlende Kommas:
Das Horizontproblem besteht darin, dass die kosmische Hintergrundstrahlung bis auf die Fluktuationen, die ihr die beginnende Verklumpung der Materie aufgeprägt hat (siehe „Schwappendes Plasma“) überall am Himmel etwa gleich aussieht.

Was diese Flecken so wichtig macht ist, dass sie Informationen aus der Zeit vor Entstehung des CMB enthalten.

... Modelle wie das String-Gas ..., die nicht so tun, als ließe sich ohne Quantengravitation mehr über den Ursprung des Kosmos sagen als die gewöhnliche Urknalltheorie es vermag.

„Das beobachtete Fehlen von Monopolen ist genauso gut ein Argument gegen die betreffenden Elementarteilchentheorien wie es ein Argument für die Inflation ist“, schrieben John Earman ... und ... in einer 1999 erschienenen Arbeit

überflüssige Kommas:
Nur im ersten Augenblick, wird dieses Muster in der Reaktion der Seeoberflache [!] erkennbar bleiben.

Ihre Temperaturflecken bewahrte sie daher, die ganzen 13,7 Milliarden Jahre hindurch, die seither vergangen sind.

Präposition – Konjunktion:
..., dass es dieses ominöse Etwas geben muss und dass es auf keine bekannte physikalische Kraft reagiert außer der Gravitation.

Das Universum in einem Superuniversum? – eine sehr gewagte Theorie:
..., dass das Universum im Großen und Ganzen so gleichförmig ist, ...

..., dass das sichtbare Universum im Großen insgesamt keine bislang messbare Raumkrümmung aufweist.

Wer sind „sie“ „miteinander“?
Doch ohne Inflation war die Materie weit auseinanderliegender Himmelsregionen nach den Gleichungen der Allgemeinen Relativitätstheorie damals nicht in Kontakt miteinander, so dass es rätselhaft bleibt, warum sie gleich heiß gewesen sein sollen.

Druckfehler:
die- (statt die- se), gleichformigen, Köpers (statt Körpers), Seeoberflache, sei (statt sein), fehlender Punkt am Satzende (s.o. nach „Arbeit“)
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 30.05.2007 um 11.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#8723

Dennoch schreibt die FAZ nicht alles konsequent "traditionell". Nach den geltenden Regeln von 2006 ist erlaubt:

- gefangen nehmen
- gefangen genommen oder gefangengenommen

Dagegen ist "gefangennehmen" verboten, "Gefangennahme" hingegen korrekt.

Und es sind "gefangenzunehmen" und "gefangennehmend" offensichtlich undefiniert.

Der Onn-Lein-Duden unterschlägt die Variante "gefangengenommen". Volksverdummung?

Jedenfalls schriebt die FAZ "gefangen genommen", obwohl (soweit ich mich erinnere) "gefangengenommen" die traditionelle Schreibweise wäre.
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 28.05.2007 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#8685

Zu Theodor Icklers Beitrag vom 27.05.2007:

An einem hessischen Gymnasium wurde kürzlich die Jahrgangsstufe 13 für einen Tag vom Unterricht freigestellt, um sich Vorträge zum Thema „Trialog der Kulturen“ anzuhören. Steckt das Kultusministerium dahinter, vielleicht sogar unser Lieblingsministerialrat Christoph Stillemunkes? Oder war es die neue Schulleiterin? Da sie in ihrem ersten Elternbrief die Schulleitung kurzerhand in „Schulleitungsteam“ umtaufte, war nicht allzuviel von ihr zu erwarten. Jetzt schreibt sie in einer Mitteilung an die „[l]iebe[n] Eltern“ und die „liebe[n] Schülerinnen und Schüler“: „Bis dahin gibt es noch Vielerlei zu erleben und zu tun: [...]“ Angeblich ist sie Deutschlehrerin ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2007 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#8684

In der FAZ vom 26. Mai liest man nicht nur heisst, sondern in ein und demselben Wirtschaftsartikel auch das nunmehr allein "korrekte" des Weiteren, im Allgemeinen, im Speziellen, zum Ersten, das Gleiche, im Übrigen. Es wirkt antiquiert, und ich kann mir nicht vorstellen, daß die Herausgeber es gut finden. Ebenso die hohnersche Jugendstilvilla. Solche Bezugsadjektive stehen den Genitivattributen nahe, es ist die Villa der Familie Hohner gemeint, und an der ist nichts Hohnerisches.
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 27.05.2007 um 14.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#8681

An stst:

Dahinter steckt ein Köfferchen Bimbes für den Verkauf einiger Verlage aus der FAZIT-Stiftung an Bertelsmann (und für die unprotokollierten Nebenabreden in Sachen RSR) sowie hinterher die Belobigung Schirrmachers durch einen Preis.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2007 um 12.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#8680

Die FAZ trennt jetzt ziemlich konsequent "res-pektieren" usw. Ist es bloß Humanistendünkel, wenn ich mich davon veralbert fühle?
In englischsprachigen Arbeiten über Kasustheorie hat es sich eingebürgert, den Nutznießer (!) einer Handlung als "benefactor" zu bezeichnen, in deutschsprachigen als "Benefizient". Also ich weiß nicht ...
 
 

Kommentar von stst, verfaßt am 26.05.2007 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#8666

Wie es scheint, wird sich die FAZ auch zukünftig für einen Alleingang bezüglich Orthografie entscheiden. Was sind aber die Vorteile dieses Alleingangs? Agenturmeldungen können nicht 1:1 übernommen werden; die Ankündigung, schulkonform schreiben zu wollen, wird wieder durchbrochen; und die FAZ-Neuorthografie ist weder mit der bewährten noch mit der amtlichen ident. Die Unterschiede zur neuen Agenturorthografie wird allerdings auch kaum jemand merken und die schlagartig mit der Jännerumstellung eingeschleppte Verwechslung von das und dass wird dadurch ebenfalls nicht verschwinden (hier versagt "geeignetes Beugen" offenbar doch). Was also steckt wirklich dahinter?
 
 

Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 22.05.2007 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#8632

"Drei aufeinanderfolgende Laute werden stets geschrieben:"

Mitttag, dennnoch, Dritttel

"Beim Ohmschen Gesetz wollen wir den durch die Reform eingefügten Apostroph nicht hinzufügen (weil es ein Eigenname ist)"

Weil es ein Eigenname ist, kommt kein Apostroph?

"von neuem, bei weitem, recht haben (aber: ein Recht haben), aufs angenehmste (adverbial)"

heute abend (auch adverbial)?
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 22.05.2007 um 18.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=844#8630

Oho! Was für ein subversives Blatt! Jetzt schnell die taz gekündigt und die faz abonniert. Da schreiben noch Leute, die sich wirklich was trauen!
 
 

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