zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


26.01.2007
 

Trüber Morgen
Ex bavariam lux

Eigentlich könnte die Welt ganz hübsch aussehen, mit Schnee, Sonnenschein.
In der Süddeutschen steht allerdings über Stoiber: "Ex bavariam lux". Der große Beitrag von Heribert Prantl gibt auch sonst nicht viel her. Davon könnte man sich in der Cafeteria des Studentenwerks erholen, aber dort lese ich den Aushang: "Kaffee2go". Und wir machen uns Sorgen wegen der Orthographie! Lieber ziehe ich mich mit einem Buch zurück, das gar nicht alt genug sein kann.



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Trüber Morgen«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2021 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47396

Für Klimaschutz und Corona-Bekämpfung haben die Rechtsradikalen nur Hohn und Spott übrig. Es ist aber nicht klar, wie beides mit ihrem einzigen genuinen Programmpunkt (Ausländer raus und Grenzen dicht) zusammenhängt, und bei der AfD konnte man ja auch sehen, daß sie anfangs nicht wußte, wie sie sich zu Corona stellen sollte. Sie hat sich dann zwar ebenso wie ihre inoffiziellen Lautsprecher (Tichy usw.) zu den "Skeptikern" (Verschwörungserzählern) gesellt, aber der Riß bleibt: Man polemisiert sowohl gegen die energische Coronabekämpfung als auch gegen die schlappe Coronabekämpfung; Gauland hat sich impfen lassen, Weidel nicht (Chrupalla wahrscheinlich auch nicht, er ist zur Zeit in Quarantäne nach positivem Test).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2021 um 04.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47383

Roland Tichy und seine Mannen trauern Julian Reichelt (BILD) nach – ein erhellender Rückblick auf die schöne Harmonie dieser Medien.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2021 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47332

Armut ist heute empörend und kein „großer Glanz“, der fromme Gefühle weckt. „Armut ist eben gewiß kein großer Glanz von innen, wie Vater Rilke das nannte, sondern eine einzige Sauerei.“ (Tucholsky) Oder so:
„The good lord must indeed love the poor, since he made so many of them.“

Daß es Armut nicht geben sollte, hat man früher anscheinend nicht so empfunden. Gibt es aus der Antike etwas in der Richtung? Eigentum als Diebstahl...? Mir fällt nur Petronius ein (schon zitiert):
Agamemnon sagte: "Ein Armer und ein Reicher waren verfeindet –", da unterbrach ihn Trimalchio mit den Worten: "Was ist ein Armer?" – "Sehr witzig", sagte Agamemnon.

Zur Geschichte der Armut scheint es auch nur Regionales zu geben (Geremek usw.). Neben der Geschichte der Kindheit, des Todes und anderen Modetiteln hätte eine Weltgeschichte der Armut ihren Platz. Eigentlich ist sie das Problem Nummer 1, aber die Leute wissen es noch nicht, sonst wäre der Teufel los.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2021 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47330

(E)-1-(2,6,6-trimethyl-2-cyclohexen-1-yl)-2-buten-1-one, 2,4-DIMETHYL-3-CYCLOHEXENE CARBOXALDEHYDE, 3,4,5,6,6-pentamethylhept-3-en-2-one, CYCLAMEN ALDEHYDE, BENZYL SALICYLATE, CARVONE, GERANIOL, ISOEUGENOL, LINALOOL, Nerol, HELIOTROPINE, UNDECYLENAL

Was ist das? (Man kann es kaufen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2021 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47323

Armin Laschet entgleitet die Nachfolgersuche (Tagesspiegel 11.10.21)

Komische Auffassung von Demokratie (Thronfolge?).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2021 um 17.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47320

Sollen wir jetzt etwa über Hanf diskutieren, und ist das die große Frage der deutschen Politik? Also Leute, reißt euch zusammen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2021 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47319

Zu dem Fall des verlorenen und wiedergefundenen achtjährigen Mädchens: Die Berichte haben ganz alte Erinnerungen in mir wachgerufen. Wir haben als Kinder oft Tageswanderungen in den nordhessischen Wäldern gemacht (die ich anderswo schon gepriesen habe), auch ohne Erwachsene. Das war damals noch möglich. Andererseits waren die Wälder, obwohl natürlich Staatsforsten und keine Wildnis, noch längst nicht so "erschlossen". (Nach 60 Jahren wieder mal auf dem Hohen Meißner, war ich doch ziemlich erschrocken über die Autostraßen und den ganzen Verkehr.) Was ich sagen wollte: In einem unbekannten Wald kann man sich gerade als Kind sehr leicht verlaufen. Wir hatten damals auch oft den Eindruck: Waren wir hier nicht schon mal, sind wir im Kreis gelaufen? Und es gibt Wälder, da braucht ein Kind nur ein paar Minuten in die falsche Richtung zu laufen, schon ist es außer Rufweite der Erwachsenen. Wer jetzt so schlau rät, wie die Eltern, das Kind und die Suchtrupps sich hätten verhalten müssen, der ist wohl lange nicht in einem richtigen Wald gewesen.
Man steht am Rand einer Fichtenschonung, eines uralten Buchenwaldes, lauscht nach allen Seiten, hört es rauschen und plätschern und sonst nichts - das ist sehr schön, aber für Kinder auch sehr gefährlich. Und ein Kind wiederzufinden kann auch verdammt schwer sein. Und dann wird es auch langsam dunkel und kühl. Man beschließt, morgen weiterzumachen, aber das Kind ist immer noch irgendwo da drin... Gruselig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2021 um 10.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47315

Die FDP will nicht mehr neben der AfD sitzen. Aber die Union will es auch nicht. Da ist guter Rat teuer. Man könnte die AfD hinter alle anderen setzen. Das wird sie zweifellos ablehnen. Bleibt nur: vor allen anderen. Da kann der Bundestagspräsident sie auch am besten im Blick behalten – wie der Dorfschullehrer, der die schlimmsten Bengel in die erste Reihe setzt. Aber ablehnen kann sie es auch schlecht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2021 um 18.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47282

Als der Schauspieler Liefers sich über die Corona-Maßnahmen lustig machte (#allesdichtmachen), wurde er von den rechten Medien und Foren gefeiert. Nach seinem Bericht über die schlimmen Eindrücke beim Besuch einer Intensivstation wird er von den Lesern derselben Medien heruntergemacht, der Korruptheit verdächtigt usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.10.2021 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47271

In den öffentlichen Leihbüchereien New Yorks werden die Mahngebühren abgeschafft, angeblich um der sozialen Geichstellung willen, weil arme Menschen nicht zahlen können, während es reichen nichts ausmacht. Nebenbei sollen in anderen Städten nach Abschaffung der Gebühren die Rückgaben zugenommen haben. Nur bei Verlust soll der Ausleiher haften.
Man sollte die moralische Begründung weglassen. Es ist eine rein psychologisch-ökonomische Angelegenheit. Die Bücher müssen irgendwie zurück.

Wenn ein anderer das Buch nicht zurückgibt, kann ich es nicht ausleihen – ist das gerecht? Wer ein Buch für immer behält, ohne es zu vernichten, kann nicht gezwungen werden, es zurückzugeben. Das läuft aufs Verschenken hinaus – ist das gerecht?
Arme gehen lieber ins Gefängnis, als eine Geldstrafe zu zahlen. Ganz Reiche zahlen weder Strafe, noch gehen sie ins Gefängnis... Ist das gerecht?
An der Erlanger UB zahlen Studenten, die die Leihfrist überziehen, Strafgebühren, Professoren nicht. Ich habe noch nie eine Forderung erhalten, obwohl ich oft überzogen habe. Für diese Nachsicht gibt es keine Rechtsgrundlage. Allerdings werden die Bücher, die ich ausleihe, normalerweise von niemandem sonst gelesen, so daß sie bei mir ebenso gut aufgehoben sind wie im Magazin der UB und dabei noch Nutzen stiften. (Das Thema erledigt sich inzwischen, weil die UB fast nur noch elektronische Medien vermittelt. Ich brauche die UB kaum noch, weil ich am Bildschirm nicht gern lese und sowieso schon alles weiß.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.10.2021 um 00.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47269

Die Union sucht ja gerade nach einem deutschen Sebastian Kurz. Warum nicht Diana Kinnert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2021 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47264

Zum 25. Jahrestag der „Frankfurter Erklärung“ bringt die SZ einen echt abgeklärten, also gewohnt oberflächlichen Rückblick auf die Rechtschreibreform. Verfasserin ist die Schriftstellerin Nele Pollatschek, die damals acht war. (SZ 5.10.21)
Deutschlandfunk, Kölner Rundschau usw. wissen auch nicht mehr, worum es eigentlich ging (nicht um Delfin und Schifffahrt jedenfalls).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.10.2021 um 12.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47263

Na ja, es klang bei mir fast, als wollte ich Laschet verteidigen. Die Union versucht halt jetzt (beide Parteien auf ihre Weise), zu retten, was zu retten ist.

Aber es war natürlich auch von Anfang an klar, daß die Union mit der Nominierung von Laschet statt Söder politischen Selbstmord betrieben hat.

Je nachdem, wie lange die Koalitionsverhandlungen nun dauern und wie sich die Diskussion und Stimmung in der Union ändert, kann er ja immer noch einen Rückzieher machen und jemand anders vorlassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2021 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47260

Ich finde es außerdem relevant, daß sich die Union ihrem schlechten Wert von oben genähert hat, die SPD ihrem fast gleich schlechten Wert von unten.
Gestern wurde berichtet, daß Laschets Umfragewerte seither mit jedem Tag schlechter werden. Das gilt auch für seine Parteigenossen und die Unionspolitiker, die jetzt von ihm abrücken.
Ich wollte nur, was ohnehin geschehen wird, mit der Zähigkeit konfrontieren, die aufgewandt wird, um es zu verhindern. Gruppendynamik interessiert mich sehr.

Am Wahlabend fragten die ersten, ob Laschet jetzt "den Schröder machen" will. Er leitete ja aus seiner Niederlage unmittelbar einen Regierungsauftrag ab. Das schoß ein entscheidendes Quentchen über die kluge Strategie hinaus, die Möglichkeit einer Jamaikakoalition zu ventilieren – nachdem aus unerfindlichen Gründen schon die Option einer Fortsetzung der Groko a limine ausgeschlossen worden war. (Mit implizitem Eingeständnis: Wir waren so schlecht, daß ein "weiter so!" nicht in Frage kommt. – Ist das etwa klug?)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.10.2021 um 02.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47259

1,6 Prozentpunkte sind bei Wahlergebnissen von um die 25 Prozent nicht lächerlich, selbst wenn man nicht berücksichtigt, daß die SPD gegenüber der letzten Bundestagswahl um ein Viertel zugelegt und die Union über ein Viertel verloren hat. 2005 haben der Union 0,9 Punkte Vorsprung genügt, um einen »eindeutigen Regierungsauftrag« zu postulieren, und das bei Ergebnissen für Union und SPD um die 35 Prozent, was umgerechnet auf die heutigen Verhältnisse einem Vorsprung von etwa 0,6 Punkten entspricht.

Es ist schon in Ordnung, daß jetzt die Möglichkeiten für Jamaika ausgelotet werden. Die Wähler konnten sich auf dieses Szenario einstellen. Allerdings wurde ihnen das nicht leichtgemacht. Die Signale aus den vier Parteien waren höchst inkonsistent. Die FDP hatte kurz vor der Wahl vorsorglich darauf hingewiesen, daß sie einem schwarz-grün-gelben Bündnis auch dann nicht abgeneigt wäre, wenn die Union nur auf Platz 2 landen würde. Die Grünen haben sich wohlweislich lange zurückgehalten, was ihre Präferenzen angeht, aber in der TV-»Schlussrunde« kurz vor dem Wahltag machte Annalena Baerbock deutlich, daß sie die Union nach der Wahl lieber in der Opposition sähe. Und die Union war in dieser Frage gespalten. Während Laschet und seine Leute bis zum Schluß auf Sieg setzten, wie es sich für Wahlkämpfer gehört, bestanden Söder und Dobrindt darauf, daß Platz 2 für die Union Opposition bedeute.

»Hinschmeißen« wäre angesichts des Wahldebakels, für das Laschet maßgeblich mitverantwortlich ist, ein durchaus naheliegender Schritt gewesen und hätte ernsthaften Verhandlungen über Jamaika nicht im Wege gestanden, eher im Gegenteil. Wie will er denn in dieser Lage noch irgend etwas herausholen für die Union? Ein Mann, der für alle sichtbar obsessiv an dem Ziel festhält, irgendwie Kanzler zu werden, hat in Verhandlungen keine Chance.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.10.2021 um 23.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47258

"Man wundert sich auch wieder, wie zäh Laschet an seiner Rolle klebt"

Was soll er sonst machen? Hinschmeißen und sagen, macht mal die Regierung unter Euch aus?

Daß die Union im Nachteil ist, dichten ihr im Moment vor allem die Medien an. Wegen lächerlichen 1,6% Differenz zur SPD? Im Prinzip haben beide jetzt die gleiche Chance. Laschet ist seiner Partei und unserer Demokratie geradezu schuldig, bis zur Entscheidung für oder gegen "Jamaika" bei der Stange zu stehen. Er würde es sonst Gelb und vor allem Grün ja gar zu leicht machen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.10.2021 um 23.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47257

Ausstieg aus der Pandemie – das bedeutet, daß man auch einmal in die Pandemie eingestiegen ist. Ein Eingeständnis?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2021 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47253

Vom Treiben der Psychologen, Coaches usw. halte ich im allgemeinen nicht viel, aber dieser neue Podcast (auch aus Anlaß der Koalitionsverhandlungen) hat mir gut gefallen, auch wegen seiner Einblicke in die Polizeipraxis, die das Ganze erdet:

https://www.ndr.de/media/17-Verhandlungsexperte-Matthias-Schranner,audio979530.html
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 02.10.2021 um 16.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47250

Laut ZDF-Instagram-Kanal "Around the World" (instagram.com/aroundtheword) sind "entrümpeln" und "Drittes Reich" vorbelastete Wörter.
https://twitter.com/JSevincBasad/status/1444012924914311171
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 02.10.2021 um 13.57 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47249

Die Öffentlich-Rechtlichen haben so einiges unter dem Radar laufen, was mal ans Tageslicht müßte. Alexander Kissler schreibt heute über das "funk"-Netzwerk von ARD und ZDF:
https://nzz.ch/feuilleton/linke-politik-und-gerechter-sex-das-oeffentlichrechtliche-jugendangebot-funk-wird-fuenf-jahre-alt-ld.1648108

Man könnte noch erwähnen erwähnen, daß auf manchen Kanälen gern Kinder instrumentalisiert werden.
https://youtube.com/watch?v=YZY3m5GfSxg
https://youtube.com/watch?v=044KC06Osnw

Die Bundesverdienstkreuzträgerin Mai Thi Nguyen-Kim kommt auch aus der funk-Ecke, hat sehr früh auf dem Bekloppten-Kanal "Auf Klo" mitgewirkt und ist sich auch für sonst nichts zu schade:
https://youtube.com/watch?v=6CPdNlal9WA
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 02.10.2021 um 12.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47248

Wie man Haß nicht den Feinden der Demokratie überläßt: https://deutschlandfunkkultur.de/umgang-mit-rassismus-hassen-ja-aber-das-richtige.1005.de.html?dram:article_id=462197
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 02.10.2021 um 12.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47247

Die Öffentlich-Rechtlichen machen immer mehr Politpropaganda auf irgendwelchen Seitenkanälen, die sich an Jugendliche richten sollen. Hier wieder ein Beispiel:
https://tiktok.com/@tagesschau/video/7013787629346934022
Auch hier: https://twitter.com/KevinLiberalis/status/1443664155668590593
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2021 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47240

Was Stimmungen und Stimmen betrifft, so fällt mir gerade ein, daß die hochrangig besetzte Kartoffelkloß-Sitzung, von der ich berichtet habe (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29230), in Wirklichkeit eine Tagung war, auf der wir mit Heinrich Oberreuter über dessen damals neues Buch "Die Stimmungsdemokratie" diskutierten. Vgl. auch http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1024#39570.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.10.2021 um 18.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47237

[Ich habe im letzten Absatz den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht. So ist der Gedankengang etwas sauberer formuliert:]

Wenn es mit Jamaika nichts wird, müßte Laschet schmachvoll von der politischen Bühne abtreten, denn den Fraktionsvorsitz wird sich Brinkhaus nicht nehmen lassen, jedenfalls nicht von einem Laschet, der gerade auch noch seine letzte Chance vertan hat. Laschet könnte sich dann auch nicht als Parteivorsitzender halten, was ihn aber nicht davon abhalten dürfte, bis zur allerletzten Sekunde auch an diesem Amt festzuhalten. Sollte die SPD, wenn auch die Ampel scheitert, der Union ein neues Bündnis anbieten, werden die Karten dort neu gemischt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 01.10.2021 um 18.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47236

Zum Druckmittel »Neuauflage der großen Koalition«:

SPD und Union haben sich vor der Wahl gegenseitig als mehr oder weniger unwählbar dargestellt und die Unterschiede maßlos übertrieben, weil sie sich davon eine Polarisierung erhofft haben, die Wählerstimmen einbringt. Sie haben damit auch die Erwartungen der Medien bedient, die monatelang nicht müde wurden zu betonen, daß die Gemeinsamkeiten aufgebraucht seien und das Land endlich wieder eine Regierung mit klarer politischer Ausrichtung brauche, egal ob progressiv oder konservativ, Hauptsache eindeutig, mit einer Opposition, die für das Gegenteil steht. (Ich vereinfache, aber nicht stark.) Gleichzeitig wurde so getan, als ob das Wahlvolk der großen Koalition vollkommen überdrüssig geworden wäre, obwohl die Zufriedenheit der Bürger mit der Arbeit der Bundesregierung nach den Umfragen, an denen man sich sonst so gern orientiert, schon seit längerem ungewöhnlich hoch ist und ein Bündnis aus SPD und Union als Option für die Zeit nach der Bundestagswahl in der Bevölkerung, je nach Umfrage, nicht nennenswert beliebter oder unbeliebter war als die anderen Koalitionsmodelle.

Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, daß die bisherigen Partner bis auf weiteres ostentativ auf Distanz zueinander bleiben, alles andere würde im Moment unglaubhaft wirken. Das Druckmittel einer Neuauflage der großen Koalition ist damit aber nicht weg, es wird nur noch nicht offen eingesetzt. Jedenfalls nicht von SPD und Union. Statt dessen machen sich die Führungen von FDP und Grünen das Schreckgespenst selbst zunutze, indem sie damit die eigene Basis schon einmal auf schmerzliche Zugeständnisse einschwören. Egal ob die SPD oder die Union der dritte Partner sein wird, nur eine Regierung unter »Führung« von Grünen und FDP, so die Botschaft an die eigenen Leute, sei in der Lage, den so dringend benötigten »Aufbruch« zu organisieren, deshalb gelte es, die Fortsetzung der großen Koalition unter allen Umständen zu verhindern.

Sollten die Ampel und Jamaika scheitern, wird die SPD nicht zögern, eine große Koalition unter ihrer Führung einzustielen. Neuwahlen wären in dieser Situation für sie, aber auch für die anderen vier Parteien, mit unkalkulierbaren Risiken verbunden, und die Sozialdemokraten könnten ihren Sinneswandel wieder mit ihrer staatspolitischen Verantwortung rechtfertigen. Die Union wird sich da schon schwerer tun, weil die Rolle als Juniorpartner in einer Bundesregierung ihrem Selbstverständnis noch mehr widerspricht als der Gang in die Opposition.

Die Interessenlage der CDU kann sich aber rasch ändern, und im Moment weiß man dort wohl selber nicht so genau, was man eigentlich will. Laschet will nur Kanzler oder gar nichts werden. Den Weg zurück nach NRW hat er sich aus Einsicht in die Notwendigkeiten selbst verbaut. Er wußte, daß man ihm seine Berliner Ambitionen sonst nicht abnehmen würde, das hatte er bei Röttgen studieren können. Wenn es mit Jamaika und der Ampel nichts wird, müßte Laschet schmachvoll von der politischen Bühne abtreten, denn den Fraktionsvorsitz wird sich Brinkhaus nicht nehmen lassen, jedenfalls nicht von einem Laschet, der gerade auch noch seine letzte Chance vertan hat. Laschet könnte sich dann auch nicht als Parteivorsitzender halten, was ihn aber nicht davon abhalten dürfte, bis zur allerletzten Sekunde auch an diesem Amt festzuhalten. Sollte die SPD in dieser Lage der Union ein neues Bündnis anbieten, werden die Karten in der Union neu gemischt.
 
 

Kommentar von , verfaßt am 01.10.2021 um 12.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47235


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2021 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47234

Sie spielen mit der Bedeutung von "Sieger". Ich verstehe darunter den Wahlsieger. Aus den Koalitionsverhandlungen geht kein Sieger hervor. Die Koalitionspartner ("Kontrahenten" im eigentlichen Sinne) werden dem Kanzler viel Erfolg wünschen, aber sie werden ihm doch nicht als Sieger gratulieren! Das würde ja bedeuten: "Wir haben die Koalitionsverhandlungen verloren."

So verstehen es auch sämtliche Beteiligten, wie ich seit Sonntag täglich lese.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.10.2021 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47232

Gratuliert Laschet Scholz jetzt schon, wirkt das doch wie ein Eingeständnis, daß er den weiteren Kampf im Grunde aufgibt. Gratuliert er noch nicht, deutet er damit an, daß der Kampf ums Kanzleramt für ihn noch nicht entschieden ist. Ich halte das nicht für unhöflich. Die Ehre gebührt dem, der auch am Ende noch Sieger ist.

Natürlich hat Scholz gerade die besseren Aussichten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.10.2021 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47231

Ich zähle Wahl UND Koalitionsverhandlungen zum Kampf um die Regierungsmacht. Wenn der "Sieger" nachher nichts zu sagen hat, wird er sich für die Gratulation schön "bedanken".
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 01.10.2021 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47229

Muß man zu allem und jedem immer gratulieren? Wenn die Verhältnisse nach der Wahl klar sind und der Sieger (nächste Kanzler) feststeht, wie z.B. 1972 (Sieger Brand, SPD/FDP) oder 2005/09/13 (Sieger Merkel, CDU immer mit den meisten Stimmen), dann gehört es sich wohl so.

Aber wenn Laschet jetzt Scholz zum Wahlsieg gratulierte und sich unmittelbar darauf mit Hilfe von Grün/Gelb zum Kanzler küren ließe, dann würde das wohl zynisch wirken. Deshalb empfand ich Söders Gratulation an die SPD vor dem Ende der Koalitionsverhandlungen nur als gönnerhafte Selbstdarstellung und Stichelei gegen Laschet.

Ich weiß nicht mehr, wie es 1969 oder 1976 war, hat damals die SPD auch Kiesinger bzw. Kohl zum Wahlsieg gratuliert, obwohl Brand bzw. Schmidt die Kanzlerschaft aufgrund der Einigung mit der FDP schon in der Tasche hatten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2021 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47227

Wenn ich die Zahlen richtig lese, könnten CDU und SPD ihre große Koalition auch einfach fortsetzen. Der Vizekanzler würde Kanzler, was ja nicht abwegig ist. Die beiden arbeiten seit langem zusammen (erfolgreich, wie viele sagen würden), so daß gerade dies nicht als völlig undenkbar bezeichnet werden kann. Ich wundere mich schon lange, daß sie sich diese Option nicht offenhalten, schon als Druckmittel gegen Grüne und FDP für den Fall, daß diese übermütig werden und zu weitgehende Forderungen stellen. (Ich spreche nicht von meinen eigenen Wünschen, sondern nur als Beobachter.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2021 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47226

Zwei Stimmungen, viele Stimmungen sind besser als eine. Das spricht für die Briefwahl.

Was ich sagen wollte: Gewählt werden Abgeordnete und Parteien. Hier gibt es also Gewinner und Verlierer – absolut und relativ zur vorigen Wahl. Merkel und Söder zum Beispiel gratulierten Scholz, das ist in Ordnung.

Koalitionen werden nicht gewählt. Jede ist demokratisch legitimiert, wenn die Partner es sind, aber gewählt ist sie nicht. Ich sehe nicht, wo da ein Widerspruch sein könnte.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 30.09.2021 um 23.34 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47225

Die Parteien des linken Spektrums hatten dazu aufgerufen, SPD zu wählen. Mir geht es aber nur ums Grundsätzliche, nicht um die konkrete Situation im Wahlkreis 196.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.09.2021 um 22.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47224

"Diese"? Welche?

Was heißt "taktisches" Wählen? Daß man seine Stimme aus irgendeinem Grund nicht dem eigenen Favoriten (Politiker oder Partei) gibt?

Ich glaube nicht, daß so etwas im Falle Maaßen eine Rolle gespielt hat. Wer ihn gewählt oder nicht gewählt hat, war sicher wirklich für oder gegen ihn. Ich halte es aber für sehr wahrscheinlich, daß er so manchen potentiellen CDU-Wähler ungewollt abgeschreckt und an die SPD verloren hat, während er umgekehrt die AfD um nicht wenige Stimmen gebracht hat. Insgesamt hat er also ungewollt der SPD zum Direktmandat verholfen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 30.09.2021 um 21.27 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47223

Diese Option des "taktischen" Wählens wäre übrigens ein Argument gegen die Briefwahl, da man dafür die Stimmung am Wahltag abschätzen muß.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.09.2021 um 16.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47222

Hans-Georg Maaßen wurde ja als AfD-nah beschimpft, seine Kandidatur in Thüringen wurde deswegen sogar innerhalb der Union kritisiert. Tatsächlich war er aber der beste Helfer der SPD. Ohne ihn wären seine Stimmen vermutlich vor allem der AfD zugute gekommen. Durch die Halbierung der rechten Stimmen siegte aber die SPD in seinem Wahlkreis – einer der wenigen roten und schwarzen Flecken im blauen Meer von Thüringen und Sachsen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.09.2021 um 14.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47221

Widersprechen Sie sich hier nicht selbst?

In http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1024#47213 schreiben Sie:
"Nach einer Wahl gesteht man ein, daß es nicht gereicht hat, bedankt sich bei allen Unterstützern, gratuliert dem Sieger ..."

Aber wer ist der Sieger und für wen hat es nicht gereicht?
Richtig, "gewählt werden Parteien, nicht Koalitionen", aber regieren tun Koalitionen, nicht Parteien.

Ist dann der eigentliche Sieger die Partei mit den meisten Wählerstimmen, oder ist es die Partei, die den Kanzler stellt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2021 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47217

In der rechten Blase schreibt jemand:

Der Wähler hat Union, FDP und AfD mit einer stabilen Mehrheit ausgestattet. Daß das nicht zustande kommt, ist eine Mißachtung des Wählerwillens und Ausdruck der tiefsitzenden Überzeugung, es besser zu wissen als das gemeine Wahlvolk.

Gewählt werden Parteien, nicht Koalitionen. Jede Koalition kann sich auf den Wählerwillen berufen. Der Wähler erteilt auch keinen „Regierungsauftrag“, entgegen dem allgemeinen Geplapper.

Der "cordon sanitaire" (BHL gestern in der SZ) um die AfD wird halten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2021 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47185

Unter den drolligen Redensarten meines Schwiegervaters, die er berlinernd vorzutragen pflegte, war auch der Schweppermann:

"Und jeder Mann bekommt ein Ei,
Der brave Schweppermann kriegt zwei."

Ich bin der Sache erst jetzt mal nachgegangen (s. Wikipedia) und habe auch Fontanes "Cécile" noch einmal gelesen – auch dazu gibt es einen Wikipedia-Eintrag, der fast so lang ist wie der Roman selbst. Er erschien mal in der "Fischer Bibliothek der hundert Bücher", die ich damals fast alle gelesen habe. Das liegt nun fast so weit zurück, wie die Erstveröffentlichung zurücklag, als die "Exempla classica" erschienen.

Eigenartiges Gefühl, wenn man etwas nach 100 Jahren wiederliest. Das Buch ist dasselbe, man selbst nicht.

Eduard Engel, der viel zu Fontanes Ruhm beigetragen hat, ärgerte sich über das Französeln seines Freundes, aber so war das eben in Berlin. Die Redensarten, wie eben der Schweppermann, erinnern ein bißchen an Kempowski.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2021 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47179

Auch die FAS (Justus Bender) kritisiert die Briefwahl, aber seine Gründe sind schwach.
Das Wahlgeheimnis soll hunderttausendfach verletzt worden sein, aber nicht wegen Fälschungen (wie andere ohne Grund vermuten), sondern weil die Wahlunterlagen „auf dem Wohnzimmertisch lagen“. Nun, wer im Familienkreis keinen Wert auf Geheimhaltung legt, wird das auch bei der Urnenwahl nicht tun. Ich zum Beispiel habe immer gewußt, was meine Frau wählt (nämlich das gleiche wie ich...). Wir wählen übrigens nie per Briefwahl, obwohl ich, wie erwähnt, lange Zeit Briefwahlhelfer war und keine Bedenken gegen die Briefwahl habe.
Außerdem macht Bender geltend, ein Ereignis unmittelbar vor der Wahl könne das Stimmungsbild noch verschieben, zu spät für einen Wähler, der seine Stimme schon vier Wochen früher abgegeben hat. Das kann man aber auch positiv sehen: Das Wählerurteil sollte sich doch über mindestens vier Jahre bilden und nicht einem Augenblicksereignis folgen. Die Stimmung am Wahltag könnte durch die Stimmung vier Wochen vor dem Wahltag ein wenig ausgeglichen werden.
Natürlich wird der Wahlkampf, wenn viele schon gewählt haben, „immer vergeblicher“. Aber das ist doch gut, wiederum deshalb, weil das politische Urteil aus der Politik und nicht aus dem Wahlkampf abgeleitet werden sollte.
Zwischendurch stellt Bender fest, die Briefwahl schade vor allem der AfD. Ach so!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2021 um 07.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47177

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#21676

Im Interview mit dem SZ-Magazin erzählt Peter Handke zwei Witze, die ihm Freude machen, aber so abgestanden sind, daß ich sie nicht wiedergeben kann. Im Kontext hat es mich überrascht, aber andererseits paßt es zu ihm.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2021 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47172

„Gemeinsam für ein modernes Deutschland“ – das Plakat gefällt mir. Ich bin nicht dafür, daß jeder für sich ein zurückgebliebenes Deutschland bewahrt. Ich werde die Partei wählen, die gemeinsam ein modernes Deutschland will. Aber welche war es noch mal? Auf dem Weg zum Wahllokal radele ich morgen wieder vorbei, dann werde ich versuchen, es mir zu merken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2021 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47149

Der Ärztefunktionär Andreas Gassen (ein Orthopäde) hat wieder mal eine "Diskussion angestoßen" - wie alle paar Wochen. Als die Pandemie kaum begonnen hatte, sagt er deren bevorstehendes Ende voraus, und seither fordert er in regelmäßigen Abständen das Ende aller Maßnahmen, nun für Oktober. Im Frühjahr werde Corona auslaufen usw. Vgl. schon Tagesschau vom 28.10.20. Festlegen läßt er sich aber auch nicht, ähnlich wie sein Verbündeter Streeck.

Was "die" Kassenärzte wirklich denken, wissen wir nicht, nur einzelne haben diesem vermeintlichen "Ärzte-Chef" bisher widersprochen. Das ist das Problem mit den Standesvertretern. Gassens Forderungen sind politisch, nicht medizinisch, und gefragt hat er die von ihm Vertretenen auch nicht; trotzdem kommen seinen Thesen an als Meinung "der" Kassenärzte.
 
 

Kommentar von , verfaßt am 21.09.2021 um 03.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47147


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2021 um 04.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47145

Als im Triell (wie schon im vorigen) Scholz sich bereit erklärte, mehr Steuern zu zahlen, mahnte Laschet, man solle nicht immer nur an sich selbst denken. Eine goldene Wahrheit, aber hier auf einen besonderen Fall von Egoismus gemünzt. (Laschet selbst bringt seine Person regelmäßig ins Spiel, wenn es um seine einfache Herkunft geht.)

(Anschließend malte er die Folgen höherer Steuern für den "Bäckermeister" aus, auch dieser ein alter Bekannter aus sämtlichen früheren Veranstaltungen – vielleicht weil der immer so früh aufstehen muß.)

Übrigens hat das Verhalten der beiden Moderatorinnen meine Abneigung gegen diese Spezies weiter verstärkt. Das wiederholte Einblenden der Redezeit und das Reden darüber war wie schon bei den anderen Triellen dumm genug (die gerechte Verteilung der Redezeit sollte sich im Hintergrund abspielen), aber nicht nur mir fiel ein Ausrutscher der Moderatorin v. Brauchitsch (früher CDU) auf: Als sich herausstellte, daß Laschet viel länger geredet hatte als Baerbock, fordert sie diese (!) auf, sich kürzer zu fassen. Überhaupt zeigten die Moderatorinnen mit ihren Interventionen, daß sie den inhaltlichen Verlauf überhaupt nicht wahrzunehmen schienen, sondern einen Punkt nach dem anderen abhakten. Dazu gehört ja auch wieder die Sache mit der Redezeit, wodurch das ohnehin schwache inhaltliche Interesse immer wieder abgewürgt wurde. Es erinnerte mich an eine betagte Dame, die die Erzählungen ihrer Tochter alle paar Minuten mit Bemerkungen unterbrach wie: „Du mußt mal was mit deinen Haaren machen“ oder „Du siehst so müde aus.“ Das schlägt schwer aufs Gemüt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2021 um 03.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47137

Um Bilder vom verpackten Arc de Triomphe verkaufen zu können, muß man doch in unserem digitalen Zeitalter den Arc de Triomphe nicht mehr verpacken. Das ist rückständig und ökologisch bedenklich.

Außerdem kann es den verpackten Reichstag nicht toppen.

Was könnte man jetzt noch verpacken? Die Pyramiden? Den Fujiyama?

Hätte man das WTC rechtzeitig verpackt, wäre die Weltgeschichte vielleicht anders verlaufen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 15.09.2021 um 14.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47106

Kanzlerkandidaten lassen sich von Kindern befragen.
https://youtube.com/watch?v=UxQP9a-R_6U
https://youtube.com/watch?v=EWbDI5CMA1w
Bin heute zufällig darauf gestoßen und kann es mir nicht in Gänze ansehen, weil es mir zu viel Schmerzen bereitet.

Irgendwie wirkt das auf mich geskriptet. Alles zu glatt, um echt zu sein. Dazu ungewöhnliche Kameraeinstellungen, z.B. Nahaufnahmen. Ich hatte mich hier neulich schon gewundert, für was Politiker sich hergeben. Das Ende unserer Zivilisation kann nicht mehr weit sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2021 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47083

Zur "Fahrt ins Blaue" paßt eine andere Sache, die mit Recht als "veraltend" bezeichnet wird: das Hasenbrot. Der Ausdruck muß nach den verschiedenen Einträgen als unerklärt gelten.

Den Begriff “Hasenbrot” hört man heute nur noch selten, was wohl größtenteils daran liegt, dass die Reste des übrig gebliebenen Proviants heute meist auf dem Müll landen und nicht mehr nachträglich verspeist werden.

Das düfte zutreffen. Hinzu kommt, daß die Kinder heute Geld statt Proviant mitbekommen.

Am Hasenbrot schien für uns Kinder noch etwas von Wald und Wiese zu haften, die wir an ewig langen Sommertagen durchwandert hatten. Wenn es sich wegen Austrocknung bog, war es eine "Schaukel".

Brotdose und Feldflasche (mit Filz überzogen) waren anfangs noch aus Beständen der Wehrmacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.09.2021 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47082

Meine Bemerkung über das feministisch zusätzlich verdorbene Bahn-Magazin "Mobil" bringt mich auf zwei "historische" Bemerkungen.

Erstens ist die Bahn schlechter geworden. Da wir seit genau 30 Jahren unseren Urlaub auf derselben öden Sandbank in der Nordsee verbringen und immer mit Kind und Kegel per Bahn hinfahren, kann ich mit Bestimmtheit sagen, daß diese außergewöhnlich lange innerdeutsche Reise (11 Stunden) früher stets reibungslos funktionierte und selbst von quirligen Kindern genossen werden konnte. Seit einigen Jahren gibt es jedesmal Schwierigkeiten, und die letzte, vor vier Wochen hin und gestern zurück, war so voller kleiner Katastrophen, daß wir es nur geschafft haben, weil wir noch jung (77) und fit sind.

Zweitens wird im besagten Magazin, das ja nur völlig Verzweifelte zur Hand nehmen, daran erinnert, daß die Bahn früher "Fahrten ins Blaue" anbot. Da fiel mir erst ein, daß ich das gut kannte und nun seit vielen Jahren nicht mehr gesehen habe. Es waren keine "Kaffeefahrten", wie sie heute noch von Busunternehmen angeboten werden, also verdeckte Verkaufsveranstaltungen (inzwischen unter dringend notwendiger rechtlicher Beschränkung der Kaufverträge), sondern kurze, wirklich fidele Gesellschaftsreisen für Menschen, die noch nicht mit eigenen Autos jederzeit überall hin fahren konnten.
Zur sprachlichen Seite: https://gfds.de/fahrt-ins-blaue/

Heute ist, wie gesagt, die Ungewißheit über den Ausgang einer längeren Bahnfahrt so alltäglich, daß es fast immer eine Fahrt ins Blaue ist. Danke, Herr Scheuer, es war wieder sehr lustig! Corona haben Sie ja auch schon gemeistert.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 13.09.2021 um 19.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47076

"Im deutschen Filmkanon sind postkoloniale und postmigrantische Perspektiven nicht vertreten." Vermutlich, weil Angst Seele aufessen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 13.09.2021 um 19.21 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47075

Die Neuen deutschen Medienmacher*innen (ehemals Neue deutschen Medienmacher) machen sich breit:
https://neuemedienmacher.de/ndmuseumsmacherinnen
https://neuemedienmacher.de/projekte/neue-deutsche-filmemacherinnen/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2021 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47074

„Man muss die ursprüngliche Vorstellung des gemeinsamen Urnengangs des gesamten Wahlvolks – mit demselben Kenntnisstand – nicht überhöhen. Aber auch eine geheime Wahl ist bei der Briefwahl nicht garantiert. Das Leitbild des Grundgesetzes ist die Urnenwahl. Wählt jeder zweite per Brief, ist das eine andere Wahl – nicht nur für Demoskopen.“ (Reinhard Müller, FAZ 10.9.21)

Abgesehen vom makabren „Urnengang“ – hat Müller Daten zur Brechung des Wahlgeheimnisses? Dann sollte er seinen Verdacht untermauern. (Bei den Rechten klingt es ähnlich.)
Statt „Kenntnisstand“ könnte man auch „Augenblicksstimmung“ sagen. Die kann sich durch den Wahlkampf (was für ein Wort!) noch verschieben, aber das ist eigentlich nicht wünschenswert. Das politische Urteil sollte sich während der Legislaturperiode oder über noch längere Fristen bilden und tut es ja auch im wesentlichen. Die sportiven Darbietungen der letzten Tage und Wochen vor der Wahl sind naturgemäß oberflächlich.
(Ich bin als langjähriger Briefwahlhelfer natürlich etwas empfindlich. Ich sehe mich nicht gern als Helfershelfer einer unsauberen Angelegenheit.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2021 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47073

„Was Experten sagen...“ So könnte eine Gattung von Witzen beginnen. Zum Beispiel sagen sie zur Wahlwerbung, was man sich zur Wahlwerbung denken könnte. Söder ist mit dem Fahrrad allein (!) in der bayerischen Natur unterwegs. Medienwissenschaftler Christian Schicha sieht da ein Problem: „Man stellt sich schon die Frage, ob die Kandidaten überhaupt teamfähig sind.“ (SZ 11.9.21)
Hat jemand diese Frage gestellt, oder hat der Experte sie sich nur ausgedacht? Natürlich letzteres. Er hält es offenbar für ausreichend, und in seinem windigen Fach mag das zutreffen. Die Kollegen machen es ebenso, die Zeitungen drucken es, und es nährt seinen Mann – was will man mehr?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2021 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47060

Malermeister Chrupalla (AfD) will, daß die Schüler wieder mehr deutsche Gedichte auswendig lernen, kann aber kein einziges nennen. Daß er Heine als seinen Lieblingsdichter bezeichnet, hat nicht viel zu bedeuten, denn auch von diesem kennt er nichts, sondern hat nur den Namen mal gehört.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 06.09.2021 um 21.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47036

Wolfgang Herles (der auch für Tichys Einblick schreibt) hat Talkshows oft als Kasperletheater beschrieben, in dem die Gäste nach ihren Rollen als Krokodil, Oma, Polizist usw. gecastet werden. Statt Bundestagsdebatten zu übertragen, sendet man lieber diese fingierten Talk-Formate. Dort findet vermeintlich die politische Debatte statt.

Mir scheint es allerdings eine neue Entwicklung zu geben. Formate, in denen Politiker in unangenehme Situationen gebracht werden, und möglichst schlagfertig "performen" müssen. Vor ein paar Tagen habe ich hier mal reingeschaut:
https://youtube.com/watch?v=7PWeg3NLBXg
Ich dachte erst, das sei deep fake, aber es ist tatsächlich echt.

Oft auch zwei Gegner, die gegeneinander antreten und alberne Spielchen durchexerzieren müssen:
https://youtube.com/watch?v=e1NbhTcsaYY
(Ähnliches gibt es auch mit Politikern.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2021 um 19.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47034

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27579

Nur mal zwischendurch: Heute bekam ich folgende Einladung:

Der Dekan der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie lädt ein zu einem Festakt ...

Der Galimathias ist also unverändert und hat offenbar Hunderten von Professoren und anderem Volk keinen Grund geboten, sich zu schämen. Oder, wahrscheinlicher: sie wehren sich nicht, weil ihnen sowieso alles egal ist, die Rechtschreibreform, das Genderbüro, die "Charta der Vielfalt"...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2021 um 12.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47030

Til Schweiger nennt Impfung bei Kindern „entsetzlich“
Der Schauspieler Til Schweiger hat sich in einem Trailer zu einem Film gegen die Corona-Impfung von Kindern positioniert. Schweiger sagt in dem Video: „Für Kinder ist dieses Virus absolut harmlos und die Gefahr von so einer Impfung, die man nicht erforscht hat, ist ungleich höher als der Virus selber, deswegen halte ich persönlich das für entsetzlich, entsetzlich finde ich das.“
(WELT 6.9.21)

„Die Impfung ist nicht erforscht“ = „Ich habe mich damit nicht beschäftigt.“

Das Coronavirus und die Biochemie der Impfstoffe sind erforscht wie nur irgend etwas. Man braucht es nur nachzulesen.

Warum werden immer wieder Prominente des Show-Business zu Themen befragt, von denen sie keine Ahnung haben? Man sollte so einflußreichen Menschen ein gewisses Verantwortungsbewußtsein zutrauen, aber das ist selten. Die Medien machen sich mitschuldig an der Volksverdummung, indem sie den Unterschied zwischen Prominenz und Kompetenz verwischen. Das sieht man auch an der Einladungspolitik der Talkshows.

Vor 65 Jahren hatte „Elvis for president“ eine gewisse Aussicht auf Verwirklichung, wie später bei Trump. Der King wies das jedoch zurück („I am a singer“), weil er meinte, der Fähigste sollte es machen (er war für Stevenson).

Bei der großen Zahl von infizierten Kindern gibt es auch unter ihnen kritische Fälle. Für Kinder unter zwölf ist bisher leider kein Impfstoff zugelassen, aber Jugendliche sollten ebenso wie alle Erwachsenen gerade zum Schutz der Kinder geimpft werden. Das sagt auch Christian Vogelberg, Kinder-Pneumologe, in einem Interview der FAS (5.9.21).

Schweigers Expertise wird denn auch sogleich vom rechtsradikalen „Tichys Einblick“ weiterverbreitet.

Zu Til Schweiger: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#21598 (Nutella für unsere Jungs in Afghanistan)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.09.2021 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47007

Ich habe schon erwähnt, daß der unentzifferbare Diskos von Phaistos überraschenderweise in Stempeltechnik angefertigt worden ist. Stempel ("bewegliche Lettern") macht man ja wohl nur, wenn man sie mehrmals verwenden will.

Aber was ich bemerken wollte: Eine eigenartige Parallele findet man in den ältesten Höhlenmalereien, wo es bekanntlich die vielen Handabbildungen in Sprühtechnik gibt. Man hat also entweder direkt mit dem Mund oder durch ein Röhrchen die eigens angefertigte Farbe über die auf den Fels gelegte Hand gesprüht. Darauf muß man erst mal kommen. Der Zweck des Ganzen ist so unbekannt wie bei der ganzen Höhlenmalerei. Jedenfalls steht eine Technik, die man für spät halten könnte, hier wie dort am Anfang.
Bemerkenswert ist noch, daß naturgetreue Tierbilder neben sehr abstrakten Menschendarstellungen stehen. Der Grund wird immer unbekannt bleiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.08.2021 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47005

Wenn man den Kandidaten Laschet nicht verhindern kann, muß man die ganze CDU/CSU verhindern, das erklärt deren gegenwärtigen Abstieg. Laschet wäre nach Kiesinger der zweite Bundeskanzler, der nicht aus dem Kreis der Bundestagsabgeordneten kommt. Ein ganz anderer Bundeskanzler wäre möglich, es kann sogar ein mandatloser Privatmann sein, etwa ein Wissenschaftler oder ein Popstar. Oder ich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.08.2021 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#47004

Wer in Bayern Merkel gut fand, konnte sie trotzdem nicht wählen, weil er dann die CSU hätte wählen müssen.
Wer die CSU gut findet, kann sie trotzdem nicht wählen, weil er dann Laschet wählen müßte.
Ist das nicht komisch?

Und um noch einmal auf das Thema Schattenkabinett zurückzukommen: Wenn man Laschet wählt, wählt man dann auch Merz, Maaßen, Amthor oder wie? Das würde mancher wohl gern wissen. Ebenso natürlich bei Scholz (Kühnert usw.).
Sie beteuern, das Wahlergebnis abwarten zu wollen oder zu müssen. Aber das hat doch nichts damit zu tun, welche sie Mitarbeiter vorgesehen haben, die ja nicht selbst irgendein Mandat gewinnen müssen. (Auch der Bundeskanzer strenggenommen nicht.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2021 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46991

Stets zu Diensten – Wie das Bundesverfassungsgericht zum Erfüllungsgehilfen der Politik wurde (CICERO-Titel)

NEUE EHRFURCHT VOR ALTEM WISSEN
Wie uns indigene Kulturen und vergangene Epochen jetzt weiterbringen – persönlich und gesellschaftlich.
(Titel von ZEIT Wissen)

Paßt für mein Gefühl zusammen. Zangenangriff von Verschwörungstheorie und Esoterik.

Zu letzerer gestern bei ARTE eine schauderhafte sogenannte Doku über die Mayas und ihre angeblichen Erben von heute mit ihrer uralten Weisheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.08.2021 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46981

Im Interview mit der SZ erzählt Scholz, wie er den Wehrdienst verweigerte. Andererseits erklärt er, daß die Bundeswehr zu Auslandseinsätzen wie in Afghanistan fähig und bereit sein muß. Die Interviewer haken nicht nach, wie das zusammenpaßt und ob Scholz seine Meinung zum Militär geändert hat. Bezeichnend für die Gemeinplätzigkeit des ganzen Gesprächs, die den ohnehin nicht mitreißend profilierten Kandidaten noch weiter verschwimmen läßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.08.2021 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46980

Je blasser die Kanzlerkandidaten, um so wünschenswerter wären Schattenkabinette, damit man weiß, wen oder was man überhaupt wählt. Wie ich sehe, meinen das auch viele andere. Der Verzicht darauf scheint mir nicht klug zu sein. So viele Katzen in Säcken anzubieten... Das hat es in diesem Ausmaß wohl noch nie gegeben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.08.2021 um 04.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46969

In einem Überblick der SZ über die Versuche der USA, "Nation building" mit militärischen Mitteln zu erzwingen, heißt es am Ende, das sei nur zweimal erfolgreich gewesen: bei Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg. Das ist natürlich Unsinn. Deutschland war längst eine "Nation", nur in falsche Hände geraten, und überhaupt nicht mit Afghanistan oder den postkolonialen afrikanischen Konglomeraten zu vergleichen. Die Kontinuität, mit der Deutschland weiterfunktionierte, war sogar ein bißchen zu mächtig.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.08.2021 um 22.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46968

Der Enkeltrick mal ganz anders! Toll. Vielen Dank, Herr Fleischhauer!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2021 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46967

Bei einem Soziologen (Peter L. Berger?) habe ich mal gelesen, was die beliebte Formel "schnell und unbürokratisch" bedeutet: Korruption. Eine weitere Bestätigung findet man im massenhaften Abrechnungsbetrug mit Corona-Schnelltests. Ermöglicht durch den Verzicht auf ordentliche Buchführung und Kontrolle. So geht es überall, wo Geld verteilt wird: Flüchtlingshilfe, Fluthilfe...
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 26.08.2021 um 11.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46962

Haben Sie auch schon lange keinen Brief mehr von Ihren Enkelkindern bekommen? Das muß sich ändern, meint diese Kampagne von Fridays for Future und anderen Klimaschutz-Organisationen.
https://enkelkinderbriefe.de
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2021 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46944

Laschet am Holocaust-Denkmahl. ... Die CDU instrumentalisiere das Holocaust-Mahnmahl für ihren Wahlkampf. (stern.de 24.8.21)

Das darf nicht länger falsch sein. Augst, übernehmen Sie!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2021 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46940

Taliban drohen uns mit Krieg in Kabul (BILD 24.8.21)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.08.2021 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46936

Und noch einmal:

Mediziner begrüßen Abkehr von 50er-Inzidenz

Ärzte befürworten Abkehr von 50er-Inzidenz


Usw.

In Wirklichkeit ein einziger Ärztefunktionär, Gernot Marx.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2021 um 08.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46930

Kürzliche glossierte das "Streiflicht" der SZ die "Tür" und insbesondere die "Hintertür", durch die bekanntlich die Impfpflicht eingeführt werden soll oder schon eingeführt ist.
Die Rechten polemisieren gegen Impfpflicht und Lockdown, die sie zu diesem Zweck herbeiphantasieren müssen. "Hintertür" und "indirekt" gehören zu den rhetorischen Mitteln.

Gerade lese ich, daß Trump von seinen Anhängern ausgebuht worden ist, weil er zur Impfung riet.

Übrigens sind in meinem Bekanntenkreis inzwischen fast alle geimpft, und keiner hat Nebenwirkungen beklagt über gelegentliches Fieber und ein Ziehen an der Einstichstelle hinaus. Nur mal so als Erfahrung mitgeteilt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.08.2021 um 00.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46928

Das Wort Impfpflicht ist halt auch wieder ein sehr dehnbarer Begriff. Im Prinzip hätten wir sie ja schon, sobald die sogenannte 2G-Regel für öffentliche Räume eingeführt würde, was zumindest schon diskutiert wird. Andererseits gäbe es noch eine weite Spanne von 2G bis hin zu einer evtl. Impfzwangsvollstreckung. Soll die Impfpflicht dann auch die regelmäßige Auffrischungsimpfung enthalten?

Bei Masern wird ja auch teilweise schon von Impfpflicht gesprochen, obwohl diese im wesentlichen nur bedeutet, daß ungeimpfte Kinder nicht in die Kita dürfen und ungeimpfte Erwachsene in Kitas und Schulen nicht arbeiten dürfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2021 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46925

Die aktuelle Entwicklung wird es wohl nicht zulassen, ein oder zwei Jahre zu warten (mit ungewissem Ausgang), bis Corona sich nach Art der Grippe "normalisiert" hat. Ich tippe auf die USA, die mit einer gesetzlichen Impfpflicht den entscheidenden Präzendenzfall liefern könnten.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 22.08.2021 um 11.32 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46922

Der Einzeller des Jahres 2021 hat 720 Geschlechter und kein Gehirn (laut Welt kompakt).

Ist das die Rückkehr zur Normalität?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.08.2021 um 11.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46920

Stellvertretend für die vielen Grippe/Corona-Vergleiche im Internet möchte ich diesen Punkt von www.helios-gesundheit.de anführen, auf den man so ähnlich fast überall stößt:

Die Gefahr von Covid-19 liegt darin, dass die Erkrankung neu aufgetaucht ist und neue, bis dahin unbekannte Oberflächenmerkmale aufweist. In der Bevölkerung fehlt die Grundimmunität gegen dieses Virus – und das ist einer der entscheidenden Unterschiede zur Grippe.

Genau das meinte ich auch in meinem vorletzten Beitrag (#46913). Ich schätze, in ein bis zwei Jahren wird genau dieses Problem nicht mehr bestehen. Dann wird analog zur Grippe auch eine Masken- und Impfpflicht nicht mehr notwendig und durchsetzbar sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2021 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46918

Auch Grippe ist gefährlich, und durch saisonales Tragen von Masken wie in Ostasien üblich ließen sich viele Todesfälle vermeiden. Covid ist aber in vieler Hinsicht gefährlicher; daher der weltweite Kampf dagegen. (Detaillierte Vergleiche im Internet)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.08.2021 um 02.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46917

Ich habe nicht gesagt, daß der Gipfel schon erreicht ist. Aber Sie sagten doch, die Sterblichkeit in Israel sei aktuell relativ hoch. Ich meine halt nur, "aktuell" sieht sie gegenüber früheren Wellen noch nicht besonders hoch aus.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 22.08.2021 um 01.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46916

Die Sterblichkeit nur um ein Drittel zu senken, wäre schon erklärungswürdig. Abgesehen sieht es ist nicht so aus, daß der Gipfel der Daily Deaths schon erreicht ist, man muß einen Zeitversatz berücksichtigen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.08.2021 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46913

Wenn sich Corona nicht irgendwann von selbst (bzw. auch durch die hohe Anzahl "vollständig" Geimpfter) ausrottet, dann nützt auch eine einfache Impfpflicht nichts, sondern es müßte eine ständige Pflicht zur einmal jährlichen Impfung geben. Das kann ich mir kaum vorstellen.

Wenn wir künftig ständig mit Corona leben müßten, wie mit Schnupfen oder Grippe, für die bisher auch keine Masken vorgeschrieben waren, warum sollte dann die Maske gegen Corona alltäglich werden?

Corona war neu, niemand hatte es bisher, vielleicht waren die Todeszahlen und andere schwere Verläufe deswegen so hoch. Aber je mehr Antikörper die ganze Bevölkerung durch Impfungen und überstandene Ansteckungen hat, umso mehr wird die Kramkheit wahrscheinlich ihren Schrecken verlieren. In noch mal ein oder zwei Jahren wird es wohl wirklich niemand mehr interessieren, ob er nun eine leichte Grippe oder eine leichte Corona hat. Die wenigen schweren Fälle, die es auch bis jetzt bei Grippe gibt, werden wie bisher schon für Grippe keine allgemeine Maskenpflicht mehr rechtfertigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2021 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46912

Ich rechne mit einer gesetzlichen Impfpflicht spätestens nach der Wahl. Dazu bringt mich folgende Überlegung: Die Parole, man müsse eben mit Corona leben wie mit Schnupfen und Grippe, klingt zunächst plausibel. Es würde aber bedeuten, daß Maske und Abstand und weitere Einschränkungen in geschlossenen Räumen in Zukunft zum Alltag gehören. Das wird sich nicht durchsetzen lassen und ist auch nicht wünschenswert. Hinzu kommt der hohe Krankenstand, der die Wirtschaft schädigt. Bei gleichbleibendem Anteil von Impfverweigerern und einer gewissen Zahl von infektionsgefährdeten Geimpften läßt es sich aber nicht vermeiden. Folglich wird man doch auf die weitgehende Ausrottung der Krankheit hinarbeiten müssen. Das bedeutet Impfpflicht. In anderen Ländern werden offenbar ähnliche Überlegungen angestellt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.08.2021 um 14.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46911

Die "4. Welle" bei den "Daily New Cases" ist schon fast gleichauf mit der 3. Welle. Aber die 4. Welle bei den "Daily Deaths" hat nur etwa ein Drittel der Höhe der 3. Welle. Ist das nicht genau die Entkopplung, die Sie suchen?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.08.2021 um 14.34 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46910

Wenn man mit den beiden vorausgehenden Wellen vergleicht, sieht man nur einen geringen Unterschied. Also keine deutliche Entkopplung der Sterblichkeit von der Inzidenz.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.08.2021 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46909

Ist sie denn hoch? Nach dieser Quelle liegt die Anzahl der täglichen Toten relativ zu den täglich Neuinfizierten bei weit unter 1%.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 21.08.2021 um 10.00 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46908

Gibt es eigentlich Erklärungen für die aktuell relativ hohe Sterblichkeit in Israel?
https://worldometers.info/coronavirus/country/Israel
(Dort der fünfte Graph)

In unseriösen Quellen stößt man auf Spekulationen über einen ADE-Effekt bei der indischen Variante. (ADE: https://de.wikipedia.org/wiki/Infektionsverstärkende_Antikörper)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2021 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46907

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46710

Noch einmal das gleiche:

Hausärzte beklagen "Gruppendruck" bei Kinderimpfungen (20.8.21)

Daraus wird im Text zunächst der Hausärzteverband und dann der bereits genannte Vorsitzende des Hausärzteverbands. Es sind also wieder mal nicht die 60.000 Hausärzte, sondern es ist die Privatmeinung eines einzigen Mannes. Diese tägliche Irreführung wird kaum noch bemerkt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2021 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46906

Das große Erstaunen gilt der Tatsache, daß sich die Taliban in Afghanistan offenbar bewegen wie der berühmte Fisch im Wasser. Das versucht der Afghanistan-Kenner Conrad Schetter in der SZ vom 19.8.21 zu erklären. Drei Hauptpunkte: Besonderheiten des afghanischen Islams, Geschlechterrollen in der traditionellen Gesellschaft, soziale Gerechtigkeit. Als vierter Punkt (außerhalb der Dreigliederung) kommt zur Sprache: die Abneigung der Afghanen gegen den Staat und erst recht gegen auswärtige Mächte. Schetter wendet sich dagegen, die Taliban, die ja nicht von selbst verschwinden werden, einfach als „Steinzeitfundamentalisten“ abzutun. Das wäre in der Tat ein Verzicht auf den Versuch, die Ereignisse zu verstehen.
Dieser Beitrag ist viel besser als die denkfaulen Schlagzeilen der Boulevardpresse.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2021 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46905

Auch der bekannte Virologe Oskar Lafontaine nennt es unverantwortlich, Kinder gegen Corona zu impfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2021 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46889

Paul Street, scharf wie immer, vor ein paar Tagen:

The assumption that the United States has the right to invade, attack, and occupy other nations is taken for granted in mainstream US media and politics. “The American people,” candidate Obama sanctimoniously told the Chicago Council on Foreign Relations in 2006, “have seen their sons and daughters killed in the streets of Fallujah.” The most remarkable thing about this comment wasn’t just that Obama left out the American Empire’s savage decimation of that key Iraqi city, replete with the use of radioactive munitions that sparked an epidemic of child leukemias, but that Obama just normatively assumed that American troops had any right to be patrolling the streets of a major Iraq metropolis!

(https://www.counterpunch.org/2021/08/17/the-united-states-afghanistan-and-the-doctrinal-boundaries-of-permissible-reflection/)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2021 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46888

Dazu nochmals

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1024#43082
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.08.2021 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46887

Mädchenschulen oder andere Motive, das deutsche Versagenslamento wirkt auf mich wie enttäuschter Größenwahn.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 19.08.2021 um 14.11 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46886

Die eigentliche Mission wurde unter anderem hier dargestellt:
https://youtube.com/watch?v=btkJhAM7hZw
Mit viel Standing Ovations. Deutschland war auch durch die Ausrufung eines Bündnisfalls verpflichtet (abgesehen natürlich von der "bedingungslosen Solidarität").

Die Mädchenschulen brauchte man, um es dem dummen Volk zu vermitteln. Mädchen gegen immer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2021 um 13.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46885

Mädchenschulen. Dorfbrunnen, Umerziehung – alles schön und gut, aber gehört diese "Mission" zu den Aufgaben der Bundeswehr?

Übrigens: Heute in den News:

Die Teufel lassen die Korken knallen (t-online.de 19.8.21 über die siegreichen Taliban)

Trinken die Islamisten jetzt Champagner? Bei t-online.de fällt immer mehr ein Bildzeitungs-Ton auf.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.08.2021 um 11.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46884

Ich erinnere mich an Kettenmails aus der Zeit der letzten Talibanherrschaft, in denen die grausige Situation der afghanischen Frauen beklagt wurde. Als dann Amerikaner, Deutsche und andere „reingingen“, war die zivilisatorische Mission gewiß nicht der einzige Grund, aber man bemühte sich doch zwanzig Jahre lang mehr oder weniger klug um Stabilität, um eine wehrhafte afghanische Demokratie und um Frauenrechte. Nun pfeifen die Taliban wieder aufs Gender-Mainstreaming, und auch die bitteren Anklagen sind zurück. Wieder mal versagt bei der Weltgenesung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2021 um 07.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46883

„Was sagen Sie einer jungen Frau, die unter den Taliban nicht leben will?“
Es gibt auf der Welt zahllose Menschen, die unter ihrer Regierung nicht leben wollen und doch müssen. Was soll ich ihnen sagen? Man muß auch seine Grenzen kennen. Frau Baerbock muß den Frauen in Afghanistan nicht unbedingt etwas sagen. Deutschland muß sie auch nicht ausfliegen; so weit geht keine internationale Verpflichtung.
Wenn man den Rechtsradikalen glaubt, wollten viele unter Merkel nicht leben und behaupteten, auswandern zu wollen (was sie dann aber doch nicht taten, weil sie es vorzogen, weiterhin gut und gerne zu leben). Ob sie das Scheißsystem unter Scholz besser ertragen, wird sich zeigen.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 18.08.2021 um 23.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46880

Australien betreibt eine harte Corona-Politik, aber die Regierung kümmert sich rührend um das Wohlergehen der Bevölkerung.
https://playsafe.health.nsw.gov.au/2020/11/05/is-mutual-masturbation-the-safest-sex-during-covid-19/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.08.2021 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46874

Lügenpresse? Ach was! Stärker als die ideologische Schlagseite stört mich das Mißverhältnis zwischen sebstsicheren Kommentaren und tatsächlicher Unwissenheit.

Jetzt sitzen sie plötzlich alle über die westliche Afghanistan-Politik und -Strategie zu Gericht. In den Jahren zuvor hielten fast alle an der zivilisatorischen Mission fest. Es ist mir aufgefallen, weil ich die Sache anders sah.

Lauter Afghanistan-Experten, von denen manche kaum geboren waren, als die amerikanische Intervention begann und Verbündete hinterherschlitterten.

Aber das ist nur ein Beispiel, und zur Sache selbst will ich hier nichts sagen. Es kommt mir vor, als seien viele Menschen dazu erzogen worden, im vollen Bewußtsein ihrer Unwissenheit dennoch eine "Meinung" zu haben, die ebenso beachtenswert sei wie alle anderen "Meinungen". Morgen ist ja sowieso alles vergessen, und die nächsten Meinungen stehen an.

Hätten andere Staaten 1933 Deutschland besetzen sollen, um "die Deutschen" vor "den Nazis" zu schützen? Abwegiger Gedanke, aber dahinten in Afghanistan, noch hinter der Türkei, da kann man es ja mal versuchen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2021 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46865

Das müßte der Kontext ergeben.

Natürlich gibt es auch in normalen Zeiten Hunderttausende von Ortskräften aller Art, z. B. auch Botschaftspersonal. Als mein Vater nach dem Krieg als Koch bei der amerikanischen Besatzungsarmee arbeitete, war er auch Ortskraft. Ohne die geht es gar nicht. Ich glaube, die Abgrenzung von sicherheitsrelevanten Bereichen ist immer ein Problem, weil manche Staaten wohl die Ortskräfte zu Spionagezwecken einsetzen.

Die Briten haben Indien einst mit Hilfe von "Ortskräften" beherrscht, wozu allerdings auch Maharadschas gehörten...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.08.2021 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46863

Gibt es nicht die verschiedensten afghanischen Ortskräfte, nicht nur bei deutschen Institutionen angestellte, sondern auch afghanische Ortskräfte vieler anderer Länder, insbes. der USA? Diese sind aber sicher nicht alle gemeint, wenn es jetzt bei uns heißt, daß Deutschland die afghanischen Ortskräfte ausfliegen will.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2021 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46859

Bei einem kurzen Aufenthalt im Bildungsland Bremen haben wir uns auch den antikolonialen Backsteinelefanten angesehen. Die Bronzetafel davor spricht von einem "Ehrenmahl", vier Zeilen später dann vom "Ehrenmal". Hier kann man es sehen:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/aa/Antikolonialdenkmal_Bremen_insignia1.jpg

Es scheint bisher niemandem aufgefallen zu sein. Einen Grammatikfehler gibt es auch noch. Der Eingang zur Krypta war vermüllt, der Wasserabfluß verstopft, und ein paar Obdachlose kampierten auf den Bänken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2021 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46858

Verspäteter Hinweise (weil auf Reisen):

Die sogenannten Mittlerorganisationen, zum Beispiel das Goethe-Institut, beschäftigen seit je "Ortskräfte" und "Entsandte". Sie werden auch verschieden bezahlt. (Als DAAD-Lektor war ich vor 45 Jahren entsandt.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.08.2021 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46857

Ich halte das Wort Ortskraft für zu allgemein, wußte aber nicht, daß es schon ein etablierter Terminus ist. Vielen Dank für Ihren Hinweis!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.08.2021 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46856

Ich glaube nicht, daß es da allzu große Verständnisschwierigkeiten gibt. Der Kontext ist ja allgemein bekannt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.08.2021 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46855

Der Bezug zu dem Staat oder der Organisation, für den/die eine Ortskraft arbeitet, ist vielleicht nicht aus dem Wort als solchem ersichtlich, aber er ist wesentlicher Bestandteil der Wortbedeutung. Es handelt sich um einen Terminus, der jedenfalls in der Welt der Diplomatie fest etabliert ist. Das Auswärtige Amt spricht heute auch von »lokal Beschäftigten«. Wie ich sehe, gibt es einen Wiki-Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Ortskraft
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.08.2021 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46854

Man kann sie natürlich Ortskräfte nennen, wenn das Wort noch spezifiziert wird. Wenn man z.B. schreibt, daß unsere Auslandsvertretung in dem und dem Land von Ortskräften unterstützt wird, oder daß die deutschen Truppen in Afghanistan auch Ortskräfte angestellt haben, dann ist völlig klar, was gemeint ist. Wenn es aber wie zuletzt heißt, daß die letzten Deutschen sowie Ortskräfte gerettet bzw. ausgeflogen werden sollen, dann ist m. E. nichts klar.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.08.2021 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46853

Ja, eben, als neutral sehe ich es auch, etwa wie Einwohner. Sind nicht alle Afghanen Ortskräfte? Enthält das Wort Ortskraft schon einen Hinweis auf die Art ihres Einsatzes?

Der Ausdruck Kollaborateure ist wohl schon negativ belegt. In http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1194#46846 hatte ich afghanische Helfer geschrieben. wobei natürlich auch nur aus dem Zusammenhang klar ist, um wessen Helfer es geht. In Ortskraft ist dies aber noch nicht einmal angedeutet.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.08.2021 um 13.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46852

Aber »Ortskraft« ist ja keine neue Wortschöpfung, sondern die gängige, neutrale Bezeichnung. Wenn zum Beispiel ortsansässige Dolmetscher, Juristen usw. von einer deutschen Auslandsvertretung, egal in welchem Land, angestellt werden, spricht man von Ortskräften. Ich sehe nicht so recht das Problem. Welches Wort würden Sie im Fall von Afghanistan bevorzugen? Kollaborateure?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.08.2021 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46851

Eine interessante Wortschöpfung ist das jetzt häufig in den Nachrichten vorkommende "afghanische Ortskräfte".
Gemeint sind ja damit nur Afghanen, die auf der Seite der westlichen Kräfte standen und diese aktiv unterstützt haben.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 16.08.2021 um 08.49 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46850

Man hatte immerhin die besten Absichten
https://af.undp.org/content/afghanistan/en/home/ourwork/womenempowerment/successstories/AStepTowardsAddressing-GenderGap.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.08.2021 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46849

Ein Bundeswehrsoldat berichtet aus Afghanistan: Ein Kamerad hatte mit seinem Jeep auf einer Schotterpiste die Geschwindigkeitsbegrenzung überschritten, wurde von deutschen Feldjägern angehalten, zur Zahlung von 2000 Euro verurteilt und um einen Monat früher nach Hause geschickt, was weitere Nachteile mit sich brachte. Ordnung muß sein, aber nun ist es ja vorbei, und der Mann kann zusammen mit den Angehörigen von 3600 Gefallenen der westlichen Interventionsmächte darüber nachdenken, was es mit der Rhetorik der zivilisatorischen Mission auf sich hatte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2021 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46802

Bei FOX News preist Tucker Carlson das Ungarn Orbans als Insel der Freiheit und Demokratie und Vorbild für die USA. Der Rest der EU sei "Deutsches Reich".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2021 um 04.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46798

In GB ist die Inzidenz immer noch zehnmal so hoch wie in Deutschland.

„Zwar sei das Infektionsgeschehen eines Landes nicht eins zu eins auf andere übertragbar, aber laut Schmidt-Chanasit mache es Hoffnung, zu sehen, was Impfungen erreichen würden. Denn trotz Aufhebung fast aller Corona-Maßnahmen und einer hohen Inzidenz sei das Gesundheitssystem in Großbritannien nicht überlastet.“ (9.8.21)

Die Belastung des Gesundheitssystems ist ein schwacher Trost für die Kranken. Nicht krank zu werden ist besser als einen Krankenhausplatz zu finden. Auch deshalb und nicht nur wegen der Gefahr neuer Mutanten ist die Inzidenz ein wichtiger Parameter. Darum wird ja auch nicht die Kapazität der Friedhöfe herangezogen. – Auch die Wirtschaft leidet unter einem hohen Krankenstand.

Außerdem werden fast jeden Tag neue Erkenntnisse über Langzeitfolgen bei Genesenen berichtet. Neuerdings auf der Ebene der Mitochondrien.

Man beruft sich gern auf andere Länder, aber nur, wenn es paßt. Lockerungen werden gepriesen, Lockdowns verschwiegen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2021 um 19.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46789

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46623

Die Sängerin Nena legt mit einem erneuten Protest gegen die Corona-Regeln auf ihren Konzerten nach. Sie sagte, sie freue sich, dass die Menschen alle dicht beieinander stehen.

Ist das nicht wunderbar? Corona soll ja auch sehr gesund sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2021 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46742

Die WHO findet es problematisch, daß die reichen Länder sich schon eine dritte Impfung leisten wollen, während die armen noch nicht einmal mit der ersten durch sind.

Mit diesem Argument könnte man alles lahmlegen. Darf man etwas Gutes essen, wenn viele Menschen noch nicht einmal etwas Schlechtes haben? Darf ich mir ein Intensivbett leisten, wenn anderswo Kinder an Malaria sterben?

Abgesehen von den logistischen Problemen: an die Ursachen der weltweiten Ungleichheit kommt man so nicht heran. Die Spitzenfunktionäre internationaler Organisationen meinen es ja auch in Wirklichkeit gar nicht so.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 05.08.2021 um 09.38 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46733

Vieles könnte man einfach unter Rhetorik verbuchen.

Vielleicht auch den Piekser aus:
http://sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46627
http://sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46679

Wenn man sich die Kampfbegriffe um die Ohren schleudert, kommen nur noch solche Argumentationen heraus:
https://twitter.com/DrKissler/status/1418896506246078470
"Impfverweigerer" ist ein Wort, das mit der Rede vom "Impfangebot" nicht in Einklang zu bringen ist.

Meines Erachtens wäre mehr gegenseitiges Verständnis angebracht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2021 um 08.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46730

Mit der Zwangsimpfung fällt die letzte Schranke vor der Unfreiheit. (Roland Tichy 4.8.21)

Dann wären alle Staaten mit Impfpflicht Diktaturen. Aber den Blick über die Grenzen verbietet man sich. Immerhin eine originelle Idee: Impfen als letzte Hürde vor der vollendeten Zwangsherrschaft.

Eine „angedrohte Impfpflicht“ sieht FDP-Vize Kubicki in den neuen Ankündigungen der Bundesregierung. Dabei habe diese immer geschworen, es werde keine Impfpflicht geben. (FAZ 4.8.21)

Wann hat die Bundesregierung das geschworen? Einige haben es gesagt, aber die Entscheidung muß doch immer von den Umständen abhängig gemacht werden.

Das geplante Ende kostenloser Tests sei „extrem unsozial“. (Kubicki ebd.)

Dazu der bayerische Gesundheitsminister Holetschek:

„Gratis-Tests für Impfverweigerer oder Impfmuffel sollte es aber nicht dauerhaft geben. Es kann und darf nicht sein, dass die Freiheit des Einzelnen, sich nicht impfen zu lassen, von allen Mitgliedern der Solidargemeinschaft finanziert wird.“ (ebd.)

Und das jedesmal, wenn sie ihren Latte macchiato trinken wollen... Wenn die Impfverweigerer für die Freiheit (Bequemlichkeit) kämpfen, meinen sie nur ihre eigene.

Ich würde eine Impfpflicht begrüßen, weil ich mich auf das Heulen und Zähneklappern der Impfmuffel freue, wenn sie zur Schlachtbank geführt werden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 04.08.2021 um 02.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46714

Facebook schlägt mir vor:

"Bücher wie der ´Steppenwolf´ und die ´Buddenbrooks´ enttäuschen heute manche Leserinnen und Leser wegen des darin herrschenden Frauenbilds. Wir haben Klassiker auf den Prüfstand gestellt". (Deutschlandfunk Kultur)

Oha, ich drück beiden die Daumen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2021 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46710

„Hausärzte kritisieren Beschluss zu Kinder-Impfung“

Natürlich nicht. Geäußert hat sich der „Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt“. Die Hausärzte sind nicht gefragt worden. Wie üblich sprechen Verbandsvertreter für alle, manchmal für Hunderttausende. Diese Anmaßung wird flächendeckend hingenommen. Wir haben es bei der Rechtschreibreform erlebt: Fast jeder war dagegen, aber die Verbandsvertreter und damit die überwältigende Mehrheit waren dafür.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2021 um 14.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46708

Nach den Berliner Krawallen ist die Hauptfrage der Rechten: Wie kann man die tierische Wut der Polizisten erklären? Da hat sich unter Merkel etwas angestaut...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2021 um 14.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46706

Die Rechten lästern gern über RKI, Stiko und andere Fachleute, aber wenn die Bundesregierung sich herausnimmt, deren Empfehlungen einmal nicht zu folgen, ist erst recht der Teufel los. Die Kommission müsse jetzt zurücktreten usw. Dabei gehört es trivialerweise zum Wesen solcher Kommissionen, daß ihre Empfehlungen nichts weiter sind als das – sonst würden ja die Experten regieren und nicht die gewählten Politiker. Das haben die Experten übrigens selbst immer wieder gesagt: die Entscheidungen liegen bei den Politikern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2021 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46705

In Berlin standen wieder einmal harmlose „Querspaziergänger“ (Tichy) unbeschreiblich brutalen Polizeikräften gegenüber. Passend zur Merkeldiktatur eben. Alles ist futsch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2021 um 04.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46694

Noch zu Aiwanger und unseren bayerischen Verhältnissen. Wie die SZ im Wirtschaftsteil feststellt, behindern die Pandemie und die Quertreiber wie Aiwanger den wirtschaftlichen Aufschwung. Sie rät Söder unverblümt, diesen Wirtschaftsminister zu entlassen, und gerde eben lese ich, daß Aiwanger den Konflikt noch weiter zuspitzt, als habe er es auf seine Entlassung angelegt. Eine Zeitlang konnte man noch glauben, Söder lasse den Mann gewähren, weil er potentielle AfD-Wähler zurückgewinnt, aber inzwischen geht das nicht mehr.

In der Tat haben auch viele Unternehmer längst erkannt, daß es ohne Eindämmung der Infektionen (ja, der Inzidenz!) keine wirtschaftliche Erholung geben kann. Darum befürworten sie das Impfen. Sie sehen in Aiwanger keinen Vertreter ihrer Interessen mehr. Aber auch bei den Freien Wählern haben viele schon die Entfernung von der regionalen und lokalen Basis mit Mißtrauen beobachtet und können sich auch kaum auf eine gemeinsame Bundespolitik einigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2021 um 09.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46685

Der DLF fragt eine Medizinethikerin, früheres Mitglied des Ethikrats, nach ihrer Meinung zu den neuen Einreisebestimmungen (Coronatests). Und eine Meinung ist es denn auch, genau wie die Meinung des Mannes auf der Straße oder die etwas andere seiner Begleiterin. Der Interviewer scheint aber wieder nichts zu bemerken; das Groteske einer Expertisierung der Moral ist ihm nicht bewußt. Dieser Unsinn ernährt viele.

(Die Ethikerin findet das Testen unsozial, wenn jetzt die Familien aus dem Urlaub kommen und die Kinder im Auto quengeln, weil sie nach Hause wollen usw. usw. – es ist eine Qual.)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 01.08.2021 um 06.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46683

Vielleicht Novavax? Der könnte von der Wirkung her vergleichbar sein, ist aber ein klassischer Impfstoff.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2021 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46679

Der bayerische Minister Aiwanger denkt sich alles mögliche aus, um dem Piekser zu entgehen: Er wolle auf die Entwicklung besserer Impfstoffe warten... Das klingt gar nicht so wissenschaftsfeindlich. Etwas Besseres als den Impfstoff von Biontech dürfte es aber kaum geben (verglichen mit allen bisherigen Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten).
Bedauerlich ist Aiwangers Wirkung auf die ebenso unwissende oder unwillige Bevölkerung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2021 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46678

Ein befreundeter Arzt berichtet: Nachdem er sich gegen Corona hatte impfen lassen, kam eine freundliche Nachbarin mit einem Metalldetektor, um seinen Körper auf schädliche Nebenwirkungen zu scannen. Er ist ziemlich verzweifelt über die Dummheit der Menschen. Ihnen selbst kommt es nicht so vor:

Die Daten der Niederlande zeigen, wie harmlos die Delta-Variante ist. (Tichy) Usw.

Die ganze Welt mit ihrem Kampf gegen Corona spielt verrückt, nur man selbst durchschaut den Humbug.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2021 um 13.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46653

Bekanntlich vergeht die Zeit immer schneller, je älter man wird.

Es gibt noch andere Täuschungen. Zum Beispiel kommt es mir so vor, als sei die Entfernung von 3 bis 4 größer als die von 13 bis 14.

Manchmal bin ich überrascht über die Länge von Wörterbuchstrecken. Intuitiv komt es mir so vor, als gäbe es im Englischen doch eine ganze Menge Wörter, die mit y oder z anfangen. Es sind in einem mittelgroßen Wörterbuch aber nur zwei Seiten mit y und knapp eine Seite mit z.

Zur Rechnung mit dem Tropfen Kuhharn (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1505):

In 2014, a teenager was caught on camera urinating into a reservoir in America. The local water authority therefore took the decision to drain the reservoir and clean it at an estimated cost of $36,000. The volume of water drained was about 140 million litres. The volume of urine was perhaps about a tenth of a litre. So the ratio of urine to water in the reservoir was less than one part in a billion. There were dead birds and debris in the reservoir, and presumably plenty of animals had urinated into it without anyone noticing. But such was the ´yuck´ reaction many people felt, the fact that a single human was known to have peed in the reservoir was enough to get it drained and cleaned. Is that sensible? What would you have done if you’d been in charge of the reservoir?

Every time you drink a glass of water, there’s a high chance you’ll drink at least one molecule that passed through the bladder of Julius Caesar. (Dawkins)

Es folgt die bekannte Rechnung. Ein Glas Wasser enthält billionenmal mehr Moleküle, als sämtliche Ozeane Gläser Wasser enthalten.

Ich habe es aber nicht nachgerechnet. Dawkins hat auch mal berechnet, daß pro Sekunde 400 Billionen rote Blutkörperchen gebildet werden, aber bei Wikipedia lese ich, daß es nur 2 Milliarden sind. Sagen wir: sehr viele.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2021 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46639

Ein Gericht hat sich nach Jahren endlich dazu durchgerungen, die Strafbarkeit von Cum-Ex-Geschäften festzustellen.
Der Fall ist auch für uns lehrreich. Es ist grundsätzlich unmöglich, einen Text so eindeutig zu formulieren, daß nicht ein Jurist darin eine "Lücke" ausfindig machen könnte. Die Hermeneutik kennt das. In der Rechtswissenschaft wird stets betont, daß es darauf ankommt, den Gesetzeszweck zu berücksichtigen und den Willen des Gesetzgebers gegebenenfalls auch historisch zu rekonstruieren. Der Buchstabe muß gelegentlich zurückstehen.
Wer sich Steuern erstatten läßt, die er gar nicht gezahlt hat, begeht ein Verbrechen und weiß es auch – daher die Verschleierung.

Man könnte die dumme Geschichte mit den tabuisierten Wörtern vergleichen. Der überzeugte Antirassist kann das N-Wort noch so heftig verurteilen – wenn er es zitiert, hat er schon verloren: Sieg des Buchstabens über den Geist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2021 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46627

In vielen Staaten Europas und in der ganzen Welt gibt es eine Impfpflicht, teils bis zu einem Dutzend Krankheiten betreffend (meistens Polio, Masern, Diphtherie), dazu regionale oder gruppenspezifische Impfpflichten. Eine nennenswerte Diskussion darüber scheint nicht stattzufinden, jedenfalls nicht mit der Vehemenz der Deutschen, die bei dieser Gelegenheit gern den Begriff von "Körperverletzung" hervorkramen, wie deutsche Juristen ihn definiert haben (Reichsgericht 1894 usw.). Aber selbst dieser Begriff läßt selbstverständlich eine Impfpflicht zu, weil dem Piekser die überwältigende Evidenz eines Notstandes gegenübersteht. Eine Pandemie wie diese hat es seit 100 Jahren nicht gegeben, und wir haben glücklicherweise die Mittel, sie einzudämmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2021 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46623

Die bekannte Epidemiologin Nena hält weitere Maßnahmen gegen Corona für unnötig. "Ich habe die Schnauze voll davon", heißt es in ihrem Gutachten, das allerdings noch nicht peer-reviewt wurde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2021 um 11.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46617

Vielleicht ist mit der Bezeichnung auch die Rolle ausgestorben. Heutzutage bestellt man einen ordentlich bezahlten Animateur. Abiturklassen schaffen es ja schon lange nicht mehr, eine Abschlußfeier zu veranstalten, sie beauftragen einen Event-Veranstalter damit. Daß zwei Menschen gesittet miteinander diskutieren, ist undenkbar, sie brauchen unbedingt einen Moderator. Wer bewegt sich noch sportlich ohne einen Coach? Anschließend geht man zu "seinem Therapeuten"; den können sich nur arme Leute (pfui!) nicht leisten. (Letzteres gilt für Amerika, wir haben da noch Nachholbedarf.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.07.2021 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46615

Gestern abend habe ich jemanden kennengelernt, der die etwas mufflige Runde mit Fragen und amüsanten Kommentaren in Schwung brachte. Heute morgen fällt mir auf, daß ich das Wort "guter Gesellschafter" schon ewig nicht mehr gehört habe. Wie nennt man sowas heute?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2021 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46593

Im "P.M.Magazin" stand mal (über Neurotheologie):

Eine seltene Variante, die Herd-Epilepsie, ließ Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr.), den bedeutendsten Arzt der Antike, den Begriff von der »heiligen Krankheit« prägen. Denn die Patienten haben während ihrer Anfälle Begegnungen mit Göttern, Geistern und Gespenstern, so berichten sie. Damals wie heute.

In Wirklichkeit schrieb Hippokrates über Epilepsie:

Mit der sogenannten heiligen Krankheit verhält es sich folgendermaßen: sie ist nach meiner Ansicht keineswegs göttlicher oder heiliger als die anderen, sondern wie die anderen Krankheiten so hat auch sie eine natürliche Ursache, aus der sie entsteht (...) Ich meine nun: diejenigen, die zuerst die Krankheit für heilig erklärt haben, waren Menschen, wie sie auch jetzt noch als Zauberer, Entsühner, Bettelpriester und Schwindler herumlaufen und beanspruchen, äußerst gottesfürchtig zu sein und mehr als andere zu wissen. Diese Menschen nahmen die göttliche Macht als Deckmantel ihrer Ratlosigkeit, weil sie nicht wußten, wie sie den Kranken helfen sollten; und damit ihre Unwissenheit nicht offenbar würde, brachten sie auf, daß diese Krankheit heilig sei (...)
Schuld an diesem Leiden ist das Gehirn, wie auch an den wichtigsten Krankheiten sonst.


Für diese aufklärerische Haltung ist er ja berühmt. Erfrischend zu lesen. Damals wie heute.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2021 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46589

t-online gibt Wahlempfehlungen:

Darum haben es Rentner bei der Wahl besonders leicht

Der legendäre Gründungschefredakteur des "Focus" beauftragte seine Wirtschaftsredakteure vor Bundestagswahlen regelmäßig mit einer Titelgeschichte, Überschrift: "Wen würde Ihr Geldbeutel wählen?" ...


Ich habe mich nicht mit den Rentenplänen selbst beschäftigt, finde es aber bemerkenswert, daß den Rentnern unterstellt wird, sie ließen sich bei der Wahl ausschließlich von den Auswirkungen auf ihren Geldbeutel leiten – sie sind gewissermaßen Geldbeutel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2021 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46567

Zu Laschets Heiterkeit: Wenn Politiker zu Katastrophenorten mit vielen Todesopfern reisen, erfüllen sie eine formale Pflicht und sollten sich den Gepflogenheiten fügen. Ihre Auftritte ähneln denen bei einer Beerdigung oder Trauerfeier. Wer nicht bedenkt, daß die Fernsehkamera ihn erfaßt, auch wenn er gerade nicht selbst am Rednerpult steht, verhält sich unprofessionell.

Merkel hat wenigstens gesagt, sie wolle die Rettungsarbeiten nicht stören.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2021 um 19.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46556

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46510

Kraus nennt übrigens die "Sorgen jüdischer Mitbürger" zusammen mit anderen Mißständen – Freudscher Fehler?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.07.2021 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46524

Ein Artikel, der an Asterix dem Gallier eine ganz neue Seite entdeckt, nämlich eine kolonialistische. Man stutzt zunächst, denn die gallischen Helden des Comics haben niemals Anstalten gemacht, irgendwen, womöglich gar ein ganzes Volk zu unterjochen. Sie leisten im Gegenteil dem imperialistischen Rom Widerstand. Des Autors Geistesblitz besteht darin zu entlarven, daß Asterixlesern, die als Angehörige eines kolonialistischen Unterdrückervolkes eigentlich Büßerhemden tragen sollten, gestattet wird, sich stattdessen mit "Freiheitskämpfern" zu identifizieren. Noch schlimmer: im Comic kämpfen „Weiße" gegen „Weiße". Dies habe den "Kampf um Dekolonisation, der 1961 südlich des Mittelmeers tobte" zu einer "rein innereuropäischen Angelegenheit" entstellt. Es fällt einem wie Schuppen von den Augen: was Uderzo und Goscinny tatsächlich im Sinn hatten, war eine infame Täter-Opfer-Umkehr! Da ist es doppelt schändlich, daß der schwarze Piratenausguck ("Die ´öme´, die ´öme!´") auch noch Schlauchbootlippen hat.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/asterix-neu-gelesen-zwanghafte-pruegeleien-und-ein-bisschen.1270.de.html?dram:article_id=500168
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.07.2021 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46519

So wichtig war mein Eintrag ja nicht, hätte auch zusammen mit der Korrektur gelöscht werden können. Ich wollte ihn nur nicht in der Luft hängen lassen.
Kein Problem, wie auch immer.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 15.07.2021 um 15.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46518

Manchmal versucht man etwas vor dem Runterfallen zu bewahren und stößt dabei etwas anderes vom Tisch, und zurück bleiben Scherben.

Oder kurz – mit Loriot: "Das Bild hängt schief!"
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 15.07.2021 um 15.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46517

Danke für die Korrektur, trotz des kleinen Malheurs. Man kann es ja wieder zurechtbiegen.

Aber wo wir gerade dabei sind: Manchmal verschwinden hier Beiträge, und es bleibt nur ein Komma im Namensfeld. Ist das ein technisches Problem?

Die Autovervollständigung finde ich auf dem kleinen Touchscreen sogar hilfreich. Mir fällt es nach Jahren noch schwer, die Buchstaben präzise genug zu treffen – deshalb spare ich mir gern unnötige Anschläge. Bin ich einfach ein Grobmotoriker? Oder ist das so gewollt? Ich stelle nur Fragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2021 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46516

Ich hatte mir erlaubt, den Fehler zu korrigieren und Herrn Fleischhauers damit überflüssig gewordene Erklärung zu löschen – ohne zu bemerken, daß damit Herrn Riemers nächster Eintrag in der Luft hing.

Manchmal versucht man etwas vor dem Runterfallen zu bewahren und stößt dabei etwas anderes vom Tisch, und zurück bleiben Scherben.

Eigentlich sollte ich jetzt Herrn Riemers Eintrag löschen und dann diesen hier auch noch...

Entschuldigung!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.07.2021 um 13.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46515

Meine Anmerkung bezog sich auf #46512, das inzwischen korrigierte elektrisch/elektronisch, laut Herrn Fleischhauer durch einen versehentlich übernommenen Editor-Vorschlag.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.07.2021 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46514

Wenn es nur Vorschläge wären, ginge es ja noch, aber mich hat es eine Zeitlang zur Weißglut gebracht, wenn richtig eingetippte Wörter im nachhinein durch eine andere Schreibweise oder ganz andere, völlig unpassende Wörter ersetzt wurden. Bis ich endlich in den Einstellungen gesucht und jegliche automatische Änderung abgeschaltet habe.
Manche "intelligenten" Funktionen und "Hilfen" sind einfach nicht zu gebrauchen.
Auch am PC (Word u. a.) nervt mich das ständige Unterkringeln. Ich schalte immer alle Korrekturen und Prüfungen ab. Was ich schreibe, bestimme ich selbst.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 15.07.2021 um 07.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46512

Bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen werden künstlich erzeugte "Motorgeräusche" doch schon lange diskutiert. Gibt es das noch nicht?

Beim Fußgängerüberweg ist es doch so, daß man die Fahrzeuge beobachtet und darauf achtet, ob sie vom Gas gehen. Vorher geht man doch nicht rüber.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2021 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46510

Der immer enthemmter auftretende ehemalige Lehrer und Verbandsfunktionär Josef Kraus hat ein neues Buch herausgebracht: Der deutsche Untertan. Darin wütet er gegen

die Preisgabe nationaler Souveränität; die schleichende Umwandlung der Demokratie in eine Demokratur; der (Selbst-)Hass gegen alles Deutsche, gepaart mit deutschem Sündenstolz; den Weg in eine EU-Schulden- und -Transferunion; den Ökoscheinheiligenschein der „Grünen“; die schleichende Umwandlung des Bundestages und der Landtage in Akklamationsvolkskammern; die Abwertung aller Lebenserfahrung als eine Gesinnung „alter weißer Männer“; die Pathologisierung Andersdenkender (als islamo-/xeno/-afro-/ homo-/transphob); die Diskreditierung aller Positionen einen Millimeter rechts von Merkel als „rrrächts“; das Anbiedern der Politik an pubertäres Gehabe; den fortschreitenden Verlust des antitotalitären Grundkonsenses; die staatliche Alimentierung von Antifa-Kräften; Toleranz gegenüber Intoleranz; Parallelgesellschaften; die Duldung massenhaften Asylmissbrauchs; die fortschreitende Islamisierung der Republik durch deren geduldete Schariaisierung; die Schändung christlicher Symbole; das Beschweigen von Straftaten und die Bagatellisierung von Gewalttaten von „Flüchtlingen“ als Einzelfälle psychisch Auffälliger; die Laisser-faire-Rechtsprechung; die Sorgen jüdischer Mitbürger um Hab und Gut, Leib und Leben; den Verfall der Bundeswehr; die 100000-fache Tötung ungeborenen Lebens; das Hofieren von 0,1-Prozent-Minderheiten; den Verfall des Bildungswesens; die permanente Herrschaft des Unrechts (Grenzöffnung, Schulschwänzerei); den Öko-/CO2-/ Klima-Populismus; die Zerstörung von Kulturlandschaften durch Windräder; den Verzicht auf die weltweit sichersten Atomkraftwerke; die Zerstörung wichtiger Industriezweige (zum Beispiel Automobilindustrie); die explodierenden Energiepreise; die Enteignung des Ersparten durch Nullzinspolitik; die Besetzung politischer und medialer Spitzenämter mit Nieten; die zwangsgebührenfinanzierte Indoktrination; die klammheimliche Zensur in den neuen Medien und, und, und.

Besonders bezeichnend ist das abschließende „und, und, und“. Kraus durchschaut und verwirft schlechterdings alles. Ungeschoren bleibt eigentlich nur die Agenda der Rechtsradikalen, aber das muß und kann sich der Leser selber denken. Kein Wunder, daß Kraus Dauergast bei „Tichy“ ist (wo ich auch den Buchauszug gefunden habe).

Wie man sieht, wird vieles dem deutschen Michel zugeschrieben, was in Wirklichkeit weltweit stattfindet. Das ist überhaupt eine Eigenart dieser Wüteriche. Und überhaupt: "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen." So macht man Auflage.

Vor 25 Jahren dachten wir, Kraus sei ein Verbündeter im Kampf gegen die Rechtschreibreform. Das war aber nur Zufall, weil er eben gegen alles ist. Er hat ja dann auch bald reformiert geschrieben, wie andere Maulhelden.

Der Universal-Grantler, der auf alles und noch mehr schimpft, wird ja vor allem mit der bayerischen Rasse in Verbindung gebracht, und zweifellos findet man dort oben immer wieder Prachtexemplare. Am Stammtisch wirken sie bodenständig und stilvoll und sind auf jeden Fall unterhaltsam. Im Druck dagegen machen sie einen erstaunlich unreifen Eindruck.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2021 um 04.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46509

Meistens erkennt ein Autofahrer, ob jemand die Straße überqueren will oder nur so dasteht. Darauf wiederum verläßt sich der Fußgänger.
Das Problem mit den Elektrorollern und ungleich schneller als ich fahrenden E-Bikes ist auch jetzt schon ungelöst, da hat Herr Metz recht.
Wahrscheinlich müssen sowohl die Straßen als auch die Radwege grundlegend verändert werden, damit wir uns den Maschinen anpassen können.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.07.2021 um 21.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46506

Bis es soweit ist, gibt es allerdings noch ganz andere Probleme zu lösen. Zum Beispiel hat es mich beim Radfahren in Holland schon so manches Mal buchstäblich fast aus der Bahn geworfen, wenn urplötzlich ein Elektromotorroller mit hoher Geschwindigkeit auf dem Radweg mit einem Abstand von wenigen Zentimetern an mir vorbeiraste. Man hört die verdammten Dinger einfach nicht, und geklingelt wird in Polderland beim Überholen sowieso nicht. Übrigens haben sich die eingeschüchterten Fußgänger in Holland an Zebrastreifen schon immer so verhalten, wie Herr Ickler es sich für eine Zukunft mit selbstfahrenden Autos ausmalt: stehen bleiben, bis kein Auto mehr zu sehen ist, und erst dann die Straße überqueren. Das empfehle ich auch meinen Gästen aus Deutschland, wenn sie zu Besuch da sind.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 19.37 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46505

Das Auto könnte vielleicht kommunizieren, wen es sieht; möglicherweise auch durch akustische Signale, wenn es von hinten kommt. Ich würde mir da wenig Sorgen machen. Es dürfte ein großes Interesse daran bestehen, solche Probleme zu lösen. Und die werden ja sicher nicht schlagartig in Verkehr gebracht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 18.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46502

VW will stark in selbstfahrende Autos investieren.

Es mag ja sein, daß nach einiger Zeit die selbstfahrenden Autos statistisch sicherer sind als die von Menschen gesteuerten.

Ich hatte schon mal gefragt, was aus uns Radfahrern und Fußgängern wird (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40957). Modisch ausgedrückt: Was macht das mit uns? Vertreibt es vielleicht gerade diejenigen von der Straße, die man andererseits umwirbt? Diese Seite der Sache wird meiner Ansicht nach bisher überhaupt nicht besprochen.

Ich wäre auf dem Rad nie sicher, ob das Auto mich "sieht", wenn es mich überholt. Ich würde als Fußgänger auch an Zebrastreifen (wenn es die dann noch gibt) stehen bleiben, bis überhaupt kein Auto mehr zu sehen ist, denn Blickkontakt gibt es ja nicht.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.07.2021 um 05.19 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46482

Manche sehen in der Heyseschen s-Schreibung ein Ende der Demokratie.

Eine Impfpflicht besteht meines Erachtens gar nicht.

Die Gurtpflicht ist auf bestimmte Situationen beschränkt, niemand ist ununterbrochen angeschnallt.

Die Impfung ist in gewisser Weise eine Körperverletzung. Wir haben es außerdem mit Neuentwicklungen zu tun, es gibt keine Langzeiterfahrung (Stichwort unknown unknowns). Das ist übrigens der Grund, warum die Stiko die Impfung nicht bei Minderjährigen empfiehlt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2021 um 03.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46479

Manche sehen in der Impfpflicht das Ende der Demokratie, in der Wehrpflicht aber deren Grundpfeiler.

In der Vergangenheit haben sie zum Beispiel in der Gurtpflicht und Helmpflicht das Ende der bürgerlichen Freiheit gesehen, und der nächste Schlag droht mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen. Dabei kann es ja in Deutschland kaum noch schlimmer werden, als es ist ("Alles futsch" – wie die Rechten so treffend sagen).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.07.2021 um 00.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46465

Siehe dazu auch: https://www.welt.de/debatte/kommentare/plus232404659/Kristina-Schroeder-Ich-schaetze-ARD-und-ZDF-aber-so-geht-das-nicht.html
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 07.07.2021 um 13.52 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46413

Nochmal "Liebelein":
Liebelein, die Rundfunkbeiträge hängen nicht davon ab, wie gut dir unsere Beiträge gefallen. Schau dir einfach andere an.
https://twitter.com/quarkswdr/status/1412466659969966084
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 07.07.2021 um 10.07 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46406

Ich wundere mich immer wieder, was für einen lockeren Stil manche staatlichen Stellen auf Twitter pflegen, z.B.

@polizeiberlin
Wer sich bei seiner #Festnahme in Muttersprache über Tat & Beute unterhält, muss davon ausgehen, dass wir das verstehen. Das wissen jetzt auch 4 Verdächtige aus #Friedenau. Von der Beschlagnahme ihres Autos mit 4 geklauten Motorrädern erfährt jetzt auch der Haftrichter.
^tsm [= Team Social Media]


WDR / Quarks & Co. hat noch einen spezielleren Stil. Diskussion von gestern:

@quarkswdr
Die Inzidenz ist höher als in der Woche davor, mehr Menschen sind im Krankenhaus – trotzdem dürfen nochmal 15.000 Fans zusätzlich ins Stadion.
https://pbs.twimg.com/media/E5lyW2DXoAQot4V?format=png&name=large

@tomdabassman
Gut so. Schluss mit dem Stuß. Nicht Johnson ist der Geisterfahrer, wir sind es.

@quarkswdr
Wenn dir unsere Beiträg nicht gefallen, schau dir andere an.

@ost_seh
Das einzig absurde ist, dass eine Wissenschaftssendung meint uns vorschreiben zum müssen, welche Prioritäten wir im Leben haben müssten.
Jeder Gefährdete hatte eine Impfangebot und wer immer noch Angst hat, kann eine FFP2-Maske tragen und weiter in seiner AHA-Welt leben.

@Mrbidee1
Die Nicht-Gefährdeten können/werden die Gefährdeten von morgen sein, insbesondere bei einem sich schnell verbreitenen, mutationsfreudigem Virus, wenn man das oben gezeigte Verhalten beibehält. Das blenden Sie in Ihrem Ego-Trip aus, oder?

@ost_seh
Es tut mir leid, dass Ihnen so eine Sichtweise vorgeben wurde. Ohne Wissen über adaptive Immunität, Mutationen, virale Evolution und die Abhängigkeitsverhältnisse beider Interaktionspartner ist man verängstigt und befürchtet das Schlimmste - was natürlich niemals eintreten wird.

@Mrbidee1
Ein paar Fachbegriffe kann ich auch rausballern - kann ja keiner ahnen, dass auch ich Ahnung habe. Und ich frage mich noch immer, wer mir eine Sichtweise vorgibt? Ihrer Family dann mal viel Glück.

@HikariGoi
Seine Sichtweise ist der gesunde Menschenverstand, der bis Anfang 2020 unseren überaus erfolgreichen Umgang mit Atemwegserkrankungen bestimmte. Das man jetzt Zwangsneurosen auf ein State of the Art Level erhoben hat, ist nicht seine Schuld.

@quarkswdr
Interessant. Wie hast du den "gesunden Menschenverstand" denn ermittelt? Gibt es eine feststehende Definition dafür?

@HikariGoi
Naja, ich arbeite schon mal nicht beim ÖRR und lasse mich von anderer Leute Geld zwangsfinanzieren. Und, ach ja, ich stelle auch keine hirnrissigen Hypothesen auf. Wie war das noch mit 10.000 "Infektionen" / Tag im Mai?

@quarkswdr
Liebelein, du hast da was falsch verstanden. Wir bei Quarks stellen keine Hypthesen auf, wir berichten über wissenschaftliche Erkenntnisse.

@HikariGoi
Ihre respektlose Anrede lasse ich jetzt mal außen vor, Anstand hat man oder eben nicht, aber mit wissenschaftlichen Erkenntnissen meinen Sie solche Vorhersagen, wie das mit den 10.000 Infektionen/Tag im Mai? Kommt Ihr euch nicht dumm vor?

@quarkswdr
Wenn dir unsere Anrede hier nicht gefällt, dann komentier nicht auf unserem Kanal.

@HikariGoi
Es ist ja nicht euer Kanal, sondern der Kanal der Beitragszahler. Insofern also auch meiner. Und deshalb darf ich hier nicht nur kommentieren, sondern eben auch angemessenen Umgang mit mir bemängeln. Und was ist jetzt mit eurer wissenschaftlichen Vorhersage für den Mai?

@quarkswdr
Beschwerden? Immer hierher:
https://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/serviceangebot/kontakt/publikumsstelle-104.html


Kann man solche offiziellen Accounts überhaupt ernstnehmen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2021 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46405

Die Betrüger werden zwar immer raffinierter und machen auch keine so primitiven Rechtschreib- und Grammatikfehler mehr wie früher, aber wenn ich in der Mail etwas finde, was mit "Wichtig!" anfängt, frage ich mich, wie blöd man sein muß, um so etwas zu verschicken (und um es dann auch noch zu öffnen). Ein gewisser Trost immerhin.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.07.2021 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46389

Vor allem die Wortwahl ist wieder mal ganz falsch. Das sind keine Strafen, sondern Gebühren bzw. Kosten, die die Krankenkassen nicht übernehmen. Die Kassen zahlen für medizinisch begründete Kosten, aber keine Versäumnisgebühren oder Kosten für fahrlässige Verschwendung.

Das ist genauso unsinnig wie früher schon die Diskussion, ob Paare, die keine Kinder haben oder keine bekommen können, dafür mit höheren Steuern "bestraft" werden können. Natürlich ist es keine Schuld, keine Kinder zu haben, aber Kinderlose haben eben auch weniger Kosten. Es geht nicht darum, sie zu bestrafen, sondern man muß Familien mit Kindern steuerlich entlasten, da sie ihren gesellschaftlichen Beitrag eben zum großen Teil über die Kinder leisten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2021 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46386

Impfschwänzer bestrafen oder Impfstreber belohnen? (SPIEGEL 5.7.21) – Eine schwere Irreführung, denn es geht beim Vorschlag Lauterbachs und anderer nicht um die Impfwilligkeit, sondern um die Wahrnehmung eines Arzttermins. Wenn man einen Termin nicht rechtzeitig absagt, wird man zahlungspflichtig, das ist unabhängig vom Impfen so. Arztpraxen sind meist kulant (jedenfalls bei uns Privatpatienten) und vereinbaren einen neuen Termin, aber Konventionalstrafen bei Nichterfüllung eines Vertrags sind auch anderswo üblich und gerechtfertigt. Wer seinen Vertrag erfüllt, ist kein „Streber“. Die vielen Schlagzeilen über Strafen für „Schwänzer“ suggerieren eine weitere Zwangsmaßnahme der Merkel-Diktatur, ganz im Stil der Rechtsradikalen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.07.2021 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46371

Leider gehen Drosten und Ciesek jetzt in die Sommerpause. Wir haben alle Folgen des Podcasts gehört, und ich habe jedesmal bedauert, nicht Virologe geworden zu sein.
Nicht nur die Forschung am Virus, sondern auch die Impfstoffentwicklung und -herstellung faszinieren mich so sehr, daß ich es schon deshalb nicht erwarten konnte, mich impfen zu lassen. Inzwischen ist die ganze Familie geimpft. Wir nehmen aber immer noch auf andere Rücksicht und tragen brav unsere Masken. Das ist ja auch, wie Herr Kekulé gestern sagte, eine durchaus zumutbare kleine Einschränkung. In unserer Gegend halten sich praktisch alle daran, ich habe auch noch nie jemanden darüber jammern hören.

Impfen und Antisepsis gehören sicher zu den größten Wohltaten der Medizin, und ich würde mir schön dumm vorkommen, wenn ich sie nicht dankbar nutzte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2021 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46359

Im FOCUS verkündet Jan Fleischhauer, Jens Spahn habe mit einer einzigen Äußerung die Union für ihn unwählbar gemacht.

Das zeugt denn doch von einer gewissen Unreife.

Abgesehen davon: Spahns ungeheuerliche Aussage scheint darin bestanden zu haben, daß er wegen "Delta" die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen nach den Sommerferien auch an den Schulen für möglicherweise wieder notwendig erklärt hat. In meinen Augen vollkommen richtig. Aber das nur nebenbei.

Das Dauerrederecht, das Journalisten gewissermaßen genießen, verführt sie zu unbedachten Äußerungen.

Das gegenwärtige Modethema sind die seelischen Verwüstungen, die nicht etwa die Seuche, sondern deren Bekämpfung angerichtet habe. Irgendwie stimmt das sogar, wenn auch in anderem Sinne, als es gemeint ist...
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 30.06.2021 um 23.24 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46351

Eine neue Aufklärung steht bevor, und der Tagesspiegel macht uns schon einmal vertraut mit den wichtigsten Losungen einer aufstrebenden Wissenschaft, der Critical Race Theory.

Dazu gibt es jetzt einen Gastartikel aus dem Promotionskolleg rechtspopulistische Sozialpolitik und exkludierende Solidarität an der Universität Tübingen.

https://tagesspiegel.de/27371688.html

Der Tonfall ist neu und ungewohnt – ich weiß nicht, woran es mich erinnert, vielleicht alte Artikel der konkret? Aber es geht auch um viel: Tieferliegende rassistische Strukturen müssen politisch verändert werden.

Natürlich sind auch Widerstände auszuräumen.

Wenn der „Spiegel“, „Bild“ und Boris Palmer innerhalb weniger Tage vor dem Untergang des Abendlandes warnen

Das ist ja wie damals bei der Rechtschreibreform. Aber das kennt man ja.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 29.06.2021 um 09.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46338

Die Rechtsradikalen von Tichys Einblick mögen offenbar keine soziale Gesellschaft.
https://tichyseinblick.de/daili-es-sentials/bildungsministerium-chinesisches-sozialpunktesystem-fuer-deutschland
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2021 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46313

Manche – ich zum Beispiel – verheiraten ihre Töchter mit wunderbaren Ungarinnen. (Das darf aber mein ungarischer Schwiegersohn nicht lesen, stolzer Vater meiner zwei Enkelinnen, eine davon ein strammer Junge.)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 24.06.2021 um 14.56 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46311

Katharina Barley twittert übrigens:
Für die vielen wunderbaren UngarInnen tut es mir leid. Ihre Mannschaft hat sich echt gut geschlagen.
Aber allein wegen des Faschistenblocks im Stadion und des feigen Diktators freue ich mich über das Ergebnis

https://twitter.com/katarinabarley/status/1407808635254808578

Passenderweise ohne Genderstern.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 24.06.2021 um 10.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46309

Hier mal eine ganz vernünftige Stellungnahme, Gerhard Papke (FDP) im Interview:
https://tagesspiegel.de/27311910.html

Fußball-Länderspiele werden ja schon länger für politische Botschaften genutzt, wann fing das eigentlich an? Und warum laufen die Mannschaften nicht mehr mit Kindern auf den Platz? Sind die jetzt nicht mehr so wichtig?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2021 um 10.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46308

„Durch jede Kneipe geht ein Zug von Homosexualität.“ (Karl Abraham)

(Damals war "Kneipe" natürlich noch eher Männersache.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 24.06.2021 um 09.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46307

Mit »Profi-« meinte ich die Funktionäre, die genau wissen, daß in ihrem eigenen Verantwortungsbereich noch mehr als genug zu tun ist, und trotzdem meinen, ausgerechnet bei diesem Thema anderen Vorhaltungen machen zu dürfen. »Disziplin« ist mißverständlich, das ist mir erst nach dem Einstellen des Beitrags aufgefallen. Ich meinte keine anderen Sportdisziplinen, sondern Bereiche ganz allgemein, auch wenn vermeintliche »Macho«-Sportarten wie Fußball und Eishockey für viele nach wie vor besonders schlecht mit Homosexualität zusammenpassen. Der Hinweis, daß die Entkrampfung bei diesem Thema in vielen Gesellschaftsbereichen noch nicht so weit fortgeschritten ist, wie gern getan wird, ist sehr berechtigt.
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 24.06.2021 um 08.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46304

Homosexualität ist im deutschen Profifußball immer noch ein Riesenproblem.

Das habe ich öfter gehört. Ich kenne mich nicht gut aus mit dem Thema, aber ist es bei Boxern, Eishockeyspielern und Rennfahrern anders? Oder bei Lehrern? Bei katholischen Priestern?

Natürlich wäre es besser, wenn niemand Spott wegen seiner Homosexualität fürchten müßte, aber was kann "der Profifußball" dafür?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2021 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46302

In der Debatte um einen Mann, der im Gefängnis sitzt, weil er weder Rundfunkgebühren zahlen noch seine Vermögensverhältnisse (zwecks Pfändung) offenbaren will, läuft etwas schief. Die Rundfunkansalt argumentiert, es sei unsolidarisch gegenüber den braven Gebührenzahlern, wenn jemand nicht zahle, und überhaupt wird der Mann mit einem Schwarzfahrer verglichen, was ja auch zutreffen mag. Wer eine Leistung in Anspruch nimmt, soll dafür zahlen. Aber wo bleiben die über 1 Million Bürger, die nicht fernsehen und trotzdem zahlen müssen? Wer ist mit ihnen solidarisch?

Über den Konstruktionsfehler einer Gebühr, die völlig unabhängig von der Nachfrage erhoben wird, gibt es anscheinend gar nichts zu sagen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 23.06.2021 um 15.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46301

Vielleicht sollte man auch erst mal vor der eigenen Tür kehren, bevor man andere moralisch zurechtweist. Homosexualität ist im deutschen Profifußball immer noch ein Riesenproblem. Vor dem Fußball würden mir andere Disziplinen einfallen, die sich mit mehr Recht zu diesem Thema äußern könnten.

Und ist es nicht auch billig, sich mit Hurra auf jenen einen zu stürzen, den sowieso alle doof finden? Wenn man dafür wenigstens etwas riskiert hätte. Aber nein, man fragt brav bei der UEFA nach, ob man darf, und wenn die sagt, nein, ihr dürft nicht, soll das eine völlig inakzeptable Reaktion sein und außer dem Mann in Ungarn nun auch die UEFA von allen Menschen guten Willens geächtet werden. Das war doch alles abzusehen.

Wenn das Anliegen so wichtig ist, warum macht man es dann nicht einfach ohne den Segen der UEFA und trägt die Konsequenzen? Und hat sich jemand mal überlegt, wie sich die ungarischen Fußballer in der Höhle des moralischen Löwen fühlen müssen? Sportliche Fairness sieht für mich anders aus.

Wen genau wollte man mit der Aktion eigentlich überzeugen? Ritualisierte Gesinnungs- und Solidaritätsbekundungen, die bei Ausbleiben der freundlichen Genehmigung des Veranstalters pikiert abgeblasen werden, sind doch peinlich und nützen niemandem. Ich verstehe auch nicht, warum jetzt alle meinen, die UEFA sei der große Verlierer dieses Vorgangs. Verloren haben zunächst mal die naiven »Antragsteller«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2021 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46300

Sport ist auch politisch, aber muß man das noch forcieren? Was würden die Deutschen sagen, wenn bei einem Fußballspiel im Ausland der dortige "Gastgeber" die Gelegenheit nutzte, gegen die deutsche Innenpolitik zu polemisieren?

Wenn man ein bißchen in der Welt herumgekommen ist, muß man doch wissen: Viele sind gern bereit, ihr eigenes Land zu kritisieren, aber aus dem Mund von Ausländern hören sie das gleiche nicht so gern. Gilt übrigens auch von Witzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2021 um 07.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46295

Den Jugendlichen ("Kids") wird eingeredet, sie seien die eigentlichen Leidtragenden der Pandemie und ihnen sei bei deren Bekämpfung ein großes Unrecht geschehen. Deshalb hätten sie jetzt aber wirklich ein "Recht auf Party" (FAZ).

Man kann es auch anders sehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2021 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46293

Wenn wir kleine Insekten beobachten, wie sie navigieren usw., staunen wir vielleicht über die Miniaturisierung. Aber das gleiche findet in unseren vergleichsweise klobigen Körpern statt. Die Erbsubstanz, das Nervengeflecht mit seinen Billionen Synapsen... Kurze Strecken und entsprechend kurze Reaktionszeiten. Daraus resultierend ein schwindelerregend komplexes Zusammenspiel, zu dessen mechanischer Simulation eine Maschine von der Größe des Weltalls nicht ausreichen dürfte. (Notiert beim Betrachten des Nachtgeziefers, das durch die offene Terrassentür hereinfliegt. Ich weiß übrigens, daß die Nacktschnecken gerade unseren Vorgarten kahlfressen, rege mich aber nicht mehr darüber auf. Es ist eben so. „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein.“)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.06.2021 um 00.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46229

Mag einer entsprechend zweideutig sein, aber die gesamte Wendung einer/der eine oder der andere ist nach meinem Sprachgefühl nie mit irgend einer gleichzusetzen.

Wer das sagt, geht m. E. zunächst immer von einigen oder irgend welchen aus, also jedenfalls vom Plural, wobei sich dann natürlich auch als Spezialfall mal nur ein einziger ergeben kann.

Wer aber sagt irgend einer, der meint auch erstmal nur (mindestens) einen. Da sind dann eher mehrere die Abweichung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2021 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46224

Windmühlen und Mühlen überhaupt waren bis vor kurzem Spitzentechnologie, die größten und komplexesten Maschinen. Gegenüber heutigen Windrädern, Verbrennungsmotoren und erst recht Computern sind sie vorsintflutlich. Künftige Historiker könnten fast glauben, eine genetische Veränderung habe die Menschheit ergriffen. Jedenfalls läßt sich hier viel eher von einer „kognitiven Revolution“ sprechen als vor rund 70.000 Jahren, als die Faustkeile nach sehr langer Zeit raffinierter wurden. Dabei ist die Entwicklung vom Nürnberger Ei bis zum PC durchaus nachvollziehbar und keineswegs mysteriös.

Luther hätte sich zur Goethezeit zurechtgefunden und umgekehrt („Iuvat vivere!“), aber Goethe wäre im heutigen Frankfurt verloren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2021 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46207

einer ist zweideutig: 1. irgendeiner, 2. ein gewisser.

In gewissen (!) anderen Sprachen ist das zum Teil nicht so, z. B. im Altgriechischen, wo es dann zu der schon besprochenen Fehlübersetzung kommt, auch weil die Lehrer es ihren Schülern nicht richtig beibringen: philosophos tis heißt eben nicht "irgendein Philosoph", sondern "ein gewisser Philosoph" (den ich Sprecher im Sinn habe).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.06.2021 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46206

Ist nicht einer im Grunde schon dasselbe wie irgend einer? Der Zusatz irgend betont nur die Beliebigkeit, aber führt sie nicht ein.

Entsprechend würde ich einer oder der andere oder auch der eine oder der andere nicht mit „irgend einer“, sondern mit „einige“ gleichsetzen. M. E. ist die Wendung immer im Plural gemeint.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2021 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46204

Grammatisch nicht ganz stimmig ist die Wendung

einer oder der andere (statt entweder der eine oder der andere oder einer oder ein anderer)

Es gibt verschiedene Varianten davon, auch mit und:

Besonders aber würde ich mich freuen, wenn dadurch einer oder der andere junge Naturforscher zu einer ähnlichen Reise angeregt würde. (Ernst Haeckel)

Es ist wahrscheinlich, daß spätere Entdeckungen uns noch mit einer oder der anderen Art bekannt machen werden. (Alfred Brehm)

Paul bemerkt dazu:

Eine begriffliche Einheit bildet einer und der andere, sowie einer oder der andere = „irgend einer“. Bei dem ersteren unterbleibt zuweilen die Flexion von ein. (Dt. Gramm. III)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.06.2021 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46203

Die Macher und Sprecher des hier verlinkten Podcasts sind derart von sich, von ihrer Gutmenschlichkeit und ihrem Gerechtigkeitswahn eingenommen, daß es einem zwar nicht an Gegenargumenten, aber an jeglicher Lust fehlt, auf all das dumme und naive Geschwätz einzugehen. Ebensogut könnte man versuchen, einer Kuh das Furzen auszureden. Man kann nur hoffen, daß die Vernunft sich schließlich doch irgendwann wieder durchsetzt, und man muß zusehen, wenigstens selbst bei Vernunft zu bleiben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.06.2021 um 13.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46202

Hey Leute, wir haben mit der Klimakrise die größte Bedrohung der Menschheit, und ihr habt nichts Wichtigeres zu tun, als mit viel Tamtam und einem Riesenaufwand erwachsenen Menschen kindische Grammatikspielchen aufzuzwingen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 14.06.2021 um 11.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46200

Hey Leute, wir haben mit der Klimakrise die größte Bedrohung der Menschheit, und ihr habt nichts Wichtigeres zu tun, als euch über eine simple Anpassung unserer Sprechweise aufzuregen?
»Hier spricht der Kapitän der Titanic. Wir haben gerade einen Eisberg gerammt! Alle Passagier*Innen in die Rettungsboote!«
»Nein! Solange der Kapitän diese Sprache verwendet, steige ich nicht ein.«
Hallo? Das ist genau das Verhaltensmuster, gegen das wir beim unzureichenden Handeln in der Klimakrise permanent ankämpfen.


Hallo? Das Klima ist auch wichtiger als herkömmliche Unterwäsche. Die Podcaster sollten dringend genug Veränderungswillen aufbringen, es in Spitzenhöschen zu retten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2021 um 11.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46199

Ich nehme Ihre Ansichten respektvoll zur Kenntnis, bitte nur zu beachten, daß es sich auf beiden Gebieten um keine deutsche Spezialität handelt und daß "Angriff auf die Wirtschaft" eine ganz einseitige Sicht ist.

(Ich belasse es aber ganz bewußt dabei, hier nur gelegentliche Meinungsäußerungen stehenzulassen und keine Diskussion zu führen, die besser anderswo geführt würde. Ganz steril soll es nicht werden, aber ich weiß nur zu gut, wohin selbst unter Freunden und Familienangehörigen solche Themen leicht führen.)
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.06.2021 um 09.20 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46198

Hier noch ein Beispiel dafür, wie sich die Klimawissenschaft selbst ein Bein stellt:
https://youtube.com/watch?v=Q-H2dy9HcCQ

Ich habe bei Diskussionen mit Skeptikern lange Zeit gern auf den Klimatologen Stefan Rahmstorf verlinkt, aber das fällt mir zunehmend schwer, da er sich immer stärker auf fragwürdige Leute der Aktivistenszene einläßt. Merkt er nicht, daß er damit seine wissenschaftliche Integrität beschädigt?
 
 

Kommentar von Stephan Fleischhauer, verfaßt am 14.06.2021 um 09.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46197

Ich kann die Skepsis gegenüber der Wissenschaft gut verstehen. Zunächst einmal glaube ich nicht, daß diese Leute sich in eine Art Fundamentalopposition begeben haben, sie wettern ja z.B. nicht gegen die Existenz schwarzer Löcher.

Was aber durchaus wahrgenommen wird, ist eine Politisierung wissenschaftlicher Disziplinen und ein zunehmender Einzug politisch geförderter Pseudowissenschaften in die Universitäten.

Ein anderes Problem sind die Medien, die lange Zeit Außenseitern der Wissenschaft nachgelaufen sind, dann aber – wie eine konzertierte Aktion – umgeschwenkt sind auf Greta, junge Mädchen, Tränen und dramatisierende Rhetorik (wie Erderhitzung).

Gut möglich, daß ich Klimaskeptiker wäre, wenn ich mich davon stärker beeinflussen ließe und weniger physikalisch vorgebildet wäre.

Etwas ähnlich sehe ich das Problem bei Drosten. Er wirkt auf mich manchmal etwas wichtigtuerisch, zweifelt öffentlich die Expertise anderer an, ist manchmal etwas vorschnell (es sei klar bewiesen, daß die britische Variante tödlicher sei), verteidigt auf Twitter den "Volksverpetzer", ist mehr auf dem SJW-Trip. Warum eigentlich die frühe Solidaritätserklärung mit den chinesischen Wissenschaftlern? Und wenn wir zwischen den Zeilen hören, macht Drosten keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen die Labor-These. Ich finde seine Begründung, die er für die seiner Meinung nach geringe Wahrscheinlichkeit gibt, überdies auch nicht überzeugend.

Alexander Kekulé ist nicht so verhaßt, obwohl er sicher mehr bei Drosten ist als z.B. bei Streeck. Er hat meines Erachtens mehr Augenmaß und betreibt weniger virtue signalling.

Was beide Themen noch verbindet: Die Schließung der Geschäfte und der Umbau des Energiesystems sind beide natürlich ein Angriff auf die Wirtschaft und insofern auch nicht ungefährlich. Daß es da zu heftigem Widerstand kommt, finde ich auch aus diesem Grund nicht verwunderlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2021 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46195

Daß man das Klima nicht „retten“ kann in dem Sinne, daß es auch morgen noch ein Klima gibt, ist eine Wortklauberei, für die man sich zu schade sein sollte. Das versteht sich aber anscheinend nicht von selbst. Ich erlebe übrigens immer wieder, daß dieselben Leute, die mir unentwegt den Unterschied von Wetter und Klima erklären zu müssen glauben, jede kalte Nacht triumphierend als Widerlegung der Erderwärmung nutzen. Das Niveau der sogenannten „Skeptiker“ ist auch sonst beklagenswert; sie gehen jedem Außenseiter auf den Leim. Ausnahmen wird es geben, ich kenne aber keine.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2021 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46172

Warum sollte es Drosten „peinlich“ sein, daß manche die Quelle des Virus in einem chinesischen Labor sehen? Er hat doch selbst ausführlich dargelegt, daß er so etwas nicht ausschließen kann, aber für nicht sehr wahrscheinlich hält. Aber die rechten Dreckschleudern schreiben flink: „Ich glaube nicht, dass Menschen wie Drosten irgendetwas peinlich ist.“ Usw.
Very little achievement is required in order to pity another man’s shortcomings. (George Eliot)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2021 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46161

In einer Studie schneidet die AfD besser ab als die anderen Parteien, was den Kampf gegen Islamisten angeht. (WELT 11.6.21)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2021 um 11.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46130

Maaßen schrieb am Samstagabend auf Twitter: "Annalena Charlotte Alma Baerbock = ACAB = All Cops Are Bastards. Zufall oder Chiffre?" (t-online.de 7.6.21)

Natürlich kein Zufall, sondern eine Chiffre für die Zustände in Hans-Georg Maaßens Hirn.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2021 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46118

In einem kritischen Artikel über Wegwerf-Kleidung schreibt die SZ:

Hans Christian Andersens „Des Kaisers neue Kleider“. Eine Parabel, die von Konsumrausch, Maßlosigkeit und der Suche nach dem nächsten ultimativen Modekick handelt – und heute aktueller denn je erscheint.

Und wir dachten, sie handelte von der Rechtschreibreform!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2021 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46116

Fernsehpfarrer Jürgen Fliege macht jetzt bei der "Basis" mit, hält die Corona-Maßnahmen für übertrieben und empfiehlt die Stärkung des Immunsystems durch Vitamin D und Waldläufe.

Darauf will ich nicht eingehen, aber die "Stärkung des Immunsystems" bzw. der "Abwehrkräfte" scheint mir in den Medien und in der Volksmedizin eine ähnliche Rolle zu spielen wie die "Entschlackungskur" und die "Blutreinigung". Früher wurden die ohnehin geschwächten Kranken "zur Ader gelassen".

(In Deutschland dürfen auch Esoterik-Vermarkter ihr Unwesen treiben. Zuviel des Guten ist allerdings, daß sie im gebührenfinanzierten Fernsehen Geld machen können. Mal sehen, ob die AfD und "Tichy" auch auf diesen Zugewinn stolz sein werden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2021 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46105

Im Laufe der Pandemie ist der Status von Anthony Fauci, ähnlich seinem deutschen Pendant Christian Drosten, immer kultiger geworden. (t-online.de 2.6.21)

Kultig wäre das letzte Wort, das mir zu Drosten einfällt. Aber so redet es daher, das Modemaul.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2021 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46095

Nach Ansicht der Rechtsradikalen offenbaren die Grünen nun ihre "soziale Kälte". Es geht um die geplante Benzinpreiserhöhung...
Andererseits wollen sie die Mieten deckeln. Das ist nun wieder zuviel der sozialen Wärme.
Überhaupt ist es mal zu kalt und mal zu warm, wie Schopenhauers Stachelschweinen. Daraus läßt sich im Wahlkampf was machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2021 um 18.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46071

Wenn das Bundesverfassungsgericht im Sinne der Rechtsradikalen urteilt, wird es gelobt ("Es gibt noch Richter in Deutschland"). Im gegenteiligen Fall mutieren dieselben Richter zu merkelhörigen Wurmfortsätzen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.05.2021 um 13.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46022

Zahlen über Langzeit-Covid sind schwer zu bekommen. In Deutschland, heißt es, leide etwa jeder siebente Genesene an Langzeitfolgen. Dazu zählen aber auch leichte Symptome wie z.B. ein dreiwöchiger Ausfall des Geruchsinns und ähnliches. Zahlen zu wirklich schweren Fällen kenne ich leider nicht. Ich halte aber einen Anteil von 5% solcher schweren Fälle an allen Covid-Langzeitkranken für plausibel. Hochgerechnet ergäbe das weltweit etwa 1 Million schwer Covid-Langzeit-Kranke (neben 3 Millionen Toten).

Zum Vergleich: Jährlich sterben weltweit etwa 60 Millionen Menschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2021 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46018

Ich muß gestehen, daß mich die Berichte von "genesenen" Covid-Kranken beinahe mehr bewegen als die Todesopfer. Nach drei Wochen im Krankenhaus sich auf nichts mehr konzentrieren zu können ist eine schreckliche Vorstellung. Die Langzeitfolgen sind so unterschiedlich. Nachts keine Luft kriegen, nicht mehr wandern können usw. Man weiß gar nicht, wie viele Menschen darunter leiden, es müssen Millionen sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2021 um 08.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#46008

Früher gab es die "rauchenden Schlote", das war schön.
Heute wird die Landschaft durch Windräder verschandelt. Den mir wohlbekannten Ebersberger Forst (18 Quadratkilometer) wollen sie auch für Windräder roden, ist das nicht furchtbar?

Weil ich gerade beim Wald bin: Dieses Jahr habe ich weder ums Haus herum noch an den anderen Stellen im Wald auch nur einen einzigen Pirol gehört. Was ist da los? Haben die Italiener sie alle in der Pfanne enden lassen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.05.2021 um 12.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45993

Gerade die Nachricht erhalten, daß mein gebuchter Griechenlandflug gestrichen ist, Umbuchung nur per Hotline. Jetzt höre ich die Warteschleife seit 50 Minuten singen: „Condor – wir lieben Fliegen, wir lieben Fliegen“. Wenn man wenigstens erführe, ob es sich um Stubenfliegen, Schmeißfliegen, Eintagsfliegen oder Toilettenfliegen handelt!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2021 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45982

Noch zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45915

Die Rechtsradikalen haben ihre heiße Liebe zu Israel und den Juden entdeckt. So können sie besser auf die Muslime eindreschen. Allerdings ziehen nicht alle mit, denn man hat doch noch seine alten Vorstellungen von den Drahtziehern und Profiteuren der Globalisierung usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2021 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45973

Drahthose war mir bisher neu. Gemeint ist der Verbißschutz um Jungbäume, aber neuerdings sieht man sie auch um stattliche Bäume in Anlagen, entlang Uferwegen usw. Und zwar wegen der Biber, die sich überall ansiedeln. Im Stadtgebiet von Erlangen soll es schon wieder 40 geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2021 um 09.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45954

Ausgerechnet die FAZ (FAS) nimmt Baerbock gewissermaßen in Schutz, die wohl im Eifer des Gefechts die soziale Marktwirtschaft als eine Schöpfung der SPD dargestellt hatte.
Es wird gezeigt, daß, wenn man von der Wortprägung absieht und mehr auf das blickt, was wir heute als soziale Marktwirtschaft verstehen, viele daran mitgewirkt haben. Der Sozialstaat ist längst nicht mehr das, was Erhard und seine Mitstreiter im Sinn hatten. Das kann man verschieden beurteilen, aber ganz falsch lag Baerbock nun auch wieder nicht. Geschichtsvergessenheit kann man auch ihren heftigsten Kritikern nachsagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2021 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45927

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#45925

Es gibt Gründe, China zu meiden, und es gibt Gegengründe.

Ich erinnere mich an Zeiten, als manche sagten: "Ich fahre grundsätzlich nicht in die Ostzone", andere: "Ich fahre so oft wie möglich in die Ostzone."

Aus meiner eigenen Erfahrung würde ich eher sagen: Man tut den gewöhnlichen Chinesen keinen Gefallen, wenn man ihr Land und ihre Produkte meidet. Druck aufs Regime kann man so nicht ausüben. Das beweist auch die ganze Sanktionspolitik anderswo in der Welt. Boykottaufrufe klingen allerdings immer so schön einfach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2021 um 16.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45919

Der DLF erinnert an die magnetischen Turbulenzen, die vor genau 100 Jahren durch Sonnenaktivität ausgelöst wurden und ziemliche krasse Folgen hatten. Um wieviel mehr ist die heutige Welt in dieser Hinsicht verwundbar! Sind wir darauf vorbereitet? Wohl noch viel weniger als auf Pandemien.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2021 um 15.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45915

Haben die Grünen ein Israel-Problem? (Welt 12.5.21)

Jeder hat ein Israel-Problem, nicht zuletzt die Springer-Presse.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.05.2021 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45890

Mit dem klitzekleinen Impfrisiko ist es so eine Sache. Ältere Menschen und auch jüngere mit Vorerkrankungen sollten sich m. E. auf jeden Fall impfen lassen. Aber bei den in letzter Zeit viel diskutierten allgemeinen Impfungen für Kinder und Jugendliche sollte man vorsichtig sein. Das Risiko, sich mit Corona zu infizieren und schwer zu erkranken oder zu sterben, ist für diese Altersgruppe viel kleiner als das Impfrisiko. Die Impfung würde also ihr Risiko erhöhen!

Das Impfen von Kindern und Jugendlichen gilt ja vor allem dem schnelleren Erreichen einer "Herdenimmunität". Diejenigen, die für sich ein höheres Coronarisiko sehen, sollten sich jedoch vor allem selbst impfen lassen, anstatt sich auf Kosten von Kindern und Jugendlichen zu schützen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2021 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45889

Daß die Privatärzte bisher keinen Impfstoff bekommen haben, ist kein neuer Klassenkampf, wie die Rechten behaupten (wobei sie die Betriebsärzte nicht erwähnen, denen es genauso geht), sondern ein verwaltungstechnisches Problem, das bald behoben sein wird. Und die Werbung der Ärzte für das Impfen dient auch nicht dem Zweck, den überschüssigen Impfstoff (heilige Einfalt!) in unsere Körper zu entsorgen, sondern unserem Schutz.
Komisch wird es, wenn Impfgegner gleichwohl kritisieren, daß Asylbeweber sich nicht impfen lassen wollen und die deutsche Impfstoffbeschaffung unzulänglich sei.
Ich kenne Impfgegner, die das klitzekleine Impfrisiko anführen und sich auch in kein Flugzeug setzen, aber ihr ganzes Leben munter Auto gefahren sind. Die Mathematik dahinter ist ihnen durchaus zugänglich, aber es gibt eben Kräfte, die stärker sind. Heilung ist möglich, wie ich im weiteren Bekanntenkreis erlebt habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2021 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45854

Vor vielen Jahren hatte ich mal zwei Bücher von Trollope gelesen. Kürzlich fiel er mir wieder in die Hände, und inzwischen habe ich die sechs Bände der Barchester-Serie durchgelesen. Ich bin erstaunt, wie ausgedehnt die Trollope-Gemeinde im Internet ist. Wahrscheinlich wie bei Dickens, an dessen Romanfiguren ja die Leser während des Erscheinens der Fortsetzungen schon so lebhaft Anteil nahmen, daß Dickens manchmal die Handlung ihnen zuliebe verändern mußte. (In einem seiner schlechten Filme starb Elvis Presley am Ende, was die Fans so verstörte, daß er es nie wieder tat.)
Also nun Lily Dale und John Eames! Die eine Hälfte der Fans (zu denen Expremier John Major gehört) hält an Lily fest, die andere verurteilt sie als ziemlich dusselig, weil sie immer noch den Crosbie liebt, statt sich dem einstigen Hobbledehoy Johnny zuzuwenden, der sie wirklich liebt ud den sie ja eigentlich auch liebt. Daß sie sich mit ihren 19, im letzten Band 23 Jahren für eine Witwe erklärt, die nie wieder lieben will, macht mich richtig wütend. Trollope war anscheinend auch nicht einverstanden. Andererseits hatte sie dieses unwiderstehliche Grübchen.
Manche spekulieren, ob zwischen ihr und dem blöden Crosbie etwas Ernsteres gewesen ist, was uns Trollope verschwiegen hat (damals im Park, ihr wißt schon), aber das würde den braven Johnny gewiß nicht abschrecken, zumal auch sonst schnuckelige junge Witwen weggehen wie warme Semmeln.
Tja, das „identifizierende“ Lesen! Eigentlich kann ich es nicht mehr, sondern muß immer wieder darüber nachdenken, was ja eigentlich nicht vorgesehen ist.
Die Handlung könnte im Groschenroman die gleiche sein, aber das ist ja in der ganzen Weltliteratur so. Man kann sich heute noch an der Erzählkunst freuen, auch den berühmten Zwischenbemerkungen. Ich bewundere auch die Charakterisierung der Personen durch die feinen Dialoge (die oft noch von ihrem „Hersteller“ kommentiert werden).
Es gibt noch 41 weitere Romane, und die Autobiographie soll auch lesenswert sein.

Im Ernst: Hier wie auch sonst werden literarische Figuren psychologisch studiert wie wirkliche Menschen. Freud hat das ja ebenso gemacht und die Methode mächtig angeheizt. Die Naivität ist kaum zu fassen.

Ich stoße auch immer wieder auf neuere amerikanische Romane, denen man anmerkt, daß ihre Verfasserinnen (oft Hausfrauen) Schreibkurse besucht und mit Lektorenhilfe etwas handwerklich Untadeliges zu Papier gebracht haben. Aber warum sollte man es lesen? Daran denkt anscheinend keiner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2021 um 09.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45840

Nachtrag zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45768

In Indiens Hauptstadt Neu Delhi ist die Stimmung in der Bevölkerung bedrückt. Jeder scheint jemanden zu kennen, der schwer an Covid-19 erkrankt oder gar in der Folge gestorben ist. (FAZ 3.5.21)

Das schreibt Till Fähnders – aus Singapur, über 4000 km entfernt von Neu Delhi. Das ist, als berichtete jemand aus Frankfurt über die Stimmung in Timbuktu. Das ist wie bei "Wippchen", nur nicht so lustig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2021 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45814

Ein Fehler oder Irrtum läßt sich entdecken und beheben, aber die Gedankenlosigkeit, mit der gelehrt klingende Wörter wie System, Struktur, Phänomen über die Texte verteilt werden, erzeugt einen Nebel, in dem unendlich viel Zeit und Kraft mit fruchtlosem Herumstochern vergeudet werden. Der gutwillige Hörer oder Leser gibt die Hoffnung nicht auf, irgendwann doch noch einen Sinn zu entdecken. Mancher wird darüber alt oder stirbt gnädigerweise ohne die Erkenntnis, daß er sein Leben mit Unsinn dahingebracht hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2021 um 05.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45813

In der Tat, "fast". Was so ein Wörtchen alles umfassen kann!

Viele sagen ja: Keine Einschränkungen, solange genug Klinikbetten vorhanden sind! Dann vervielfältigt sich eben das, was die Doku zeigt – na und? Aber können wir das wirklich wollen? Für das "Recht auf Party" (FAZ) usw.?

Die anderen (zu denen ich mich zähle) sagen: Runter mit der Inzidenz, das ist das Wichtigste!

Mit Ihrem letzten Satz, lieber Herr Riemer, "relativieren" Sie, wie man heute sagt. Einen anderen Zweck kann das Aussprechen einer solchen Selbstverständlichkeit in meinen Augen nicht haben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.05.2021 um 00.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45812

Ich habe es mir komplett angesehen.
Ja, wirklich sehenswert, ungeschminkt, realitätsnah, anrührend und auch sehr lehrreich! Man kann sich glücklich schätzen, so etwas nur aus Filmen zu kennen.

Allerdings hätte man fast die gleiche Doku über Alltag, Freud, Leid und Schicksale auf Intensivstationen durchaus auch schon vor Corona drehen können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2021 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45804

Sehenswert: "Charité intensiv", vierteilige Dokumentation in der ARD-Mediathek

https://www.ardmediathek.de/sendung/charite-intensiv/staffel-1/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvY2hhcml0ZS1pbnRlbnNpdg/1/

Ich widerstehe der Versuchung, ein Wort an die mutigen Bekämpfer der Corona-Bekämpfung anzufügen. Man erreicht sie ja doch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2021 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45796

Aus dem Papierkorb:
Der frühere Trump-Berater Larry Kudlow hat – seines Meisters würdig – davor gewarnt, daß Biden den Amerikanern pflanzliches Bier aufzwingen will. Darüber wird viel gelacht. Friedrich Merz wird zur Zeit verspottet, weil er offenbar elementare Kenntnisse in Volkswirtschaftslehre vermissen läßt. Als „Wirtschaftsexperte“ der CDU hätte er Habeck nicht die „Wissenslücken“ vorwerfen sollen, die er nun selbst verrät. Boris Johnson gerät nicht wegen seiner Politik in die Krise, sondern wegen einer wirklichen oder vermeintlichen Äußerung, die eigentlich ein Vogelschiß sein sollte. Kardinal Marx hat auf öffentlichen Druck das Bundesverdienstkreuz abgelehnt. Er hätte es vorher tun sollen, abgesehen von der jetzigen Begründung (ungeklärte Vorwürfe wegen Mißbrauchsvertuschung). Würdenträger zu würdigen ist sowieso geschmacklos. Aber in der Kulturszene ist es genauso: Wer schon Preise hat, kriegt noch einen, da ist man auf der sicheren Seite. Auch der vierzehnte Ehrendoktor kommt sozusagen von selbst.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.04.2021 um 00.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45781

zu #allemalneschichtmachen
(Gegeninitiative zu #allemaldichtmachen)

Wie soll man sich denn auf der Intensivstation eines Krankenhauses ein realistisches Bild über das allgemeine Infektionsgeschehen und die Schwere der Pandemie machen können?

Auf der Intensivstation erlebt man die Krankheit konzentriert und in ihrer extremsten Form. Das ist natürlich nicht lustig. Ich bewundere die Ärzte und Pfleger, die sich für jeden aufopfern und ihr bestes geben. Aber die Anstrengungen und das Leid auf den Intensivstationen stehen nun einmal quantitativ im krassen Gegensatz zur Situation der Gesamtbevölkerung.

Im Verhältnis zu den wirklichen Seuchen des Mittelalters, die richtig große Bevölkerungsteile dahinrafften, können wir uns heute in Ruhe zurücklehnen und hoffen, daß die Politiker nicht noch alles Maß verlieren.

Der Mensch ist sterblich. Das wird kein noch so wohlmeinender Politiker ändern. Eine entsprechende Kritik an überzogenen Maßnahmen, ob nun in ernster Form oder als Satire, kann weder rechtsextrem noch coronaleugnerisch noch irgendwie frivol sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2021 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45777

Skeptiker, die der „Schulwissenschaft“ mißtrauen, gehen jedem Schlangenöl-Verkäufer auf den Leim. Mit ihrem Geld tun sie wieder und wieder, was einer der Crash-Propheten ihnen empfiehlt (der als einziger damit reich wird).

Die Pseudo- und Parawissenschaften pflegen die Erzählung vom Außenseiter, der die "Schulwissenschaft" der Lächerlichkeit preisgibt, aber in Wirklichkeit gibt es gar nicht so viele Beispiele, und selbst diese halten oft einer genaueren Betrachtung nicht stand.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2021 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45772

„Das, was da jetzt im Netz steht, passiert, wenn man Schauspielern das Drehbuch wegnimmt.“ (Regisseur Adolf Winkelmann)

Daß immer mehr Unterhaltungskünstler zur Besinnung kommen, sich mißbraucht fühlen und ihre Beiträge zur Posse zurückziehen, kann doch wohl nur auf den Einfluß unserer kommunistischen Diktatorin zurückgehen?

Coronaleugnung und Klimaskepsis sind im Augenblick anscheinend nicht mehr so in, da verbringt man seine Zeit lieber mit der Schauspielergeschichte. Wie gesagt, Satyrspiel. Die "wahrhaftigste Tragödie" (Platon) spielt anderswo.

Dr. Cihan Celik hat gestern in seinem regelmäßigen Interview für die FAS sehr interessant berichtet, was in seiner Darmstädter Klinik zur Zeit abläuft. Keine Panikmache, aber er sagt am Schluß in seiner maßvollen Art auch noch ein Wort zu den Schauspielern (von denen sich andererseits keiner zu den Opfern der Seuche geäußert hat).

An den Erlanger Universitätskliniken werden zur Zeit schon wieder Operationen zurückgestellt; auch hier wird bis zur Erschöpfung an der Rettung von Menschenleben gearbeitet. Da bleibt kaum Kraft für ein deutliches Wort an die frivolen Spaßmacher.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.04.2021 um 14.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45771

Das ZDF macht auch mit. Gestern im »heute journal« ein Beitrag über die Musikhochschule Nürnberg. Dozenten sprechen über die Schwierigkeiten des Onlineunterrichts, über die Unersetzlichkeit räumlicher Nähe bei der Beurteilung von Klangnuancen bei Gesangs- und Orchesterproben usw. Das alles ist richtig und nachvollziehbar. Die durch die Pandemie erschwerten Bedingungen setzen Lehrern und Studenten sicher sehr zu. Aber der larmoyante Tonfall, in dem die Offsprecherin ihren Text vorliest, und die Weltuntergangsstimmung, die in dem Beitrag verbreitet wird, erscheint mir völlig unangemessen. Wer kein Deutsch versteht und das Ganze nebenher mithört, muß denken, es sei jemand gestorben. Zum Schluß heißt es über einen jungen angehenden Dirigenten, der seit über einem Jahr kein vollzähliges Orchester mehr gesehen hat: »Er müßte längst an seiner Karriere basteln und fürchtet, daß alles umsonst war.« Er brauche ein Orchester, denn er sei Dirigent, sagt er dann selbst noch mit verkniffener Miene, bevor sich die noch immer sehr betroffen wirkende Sprecherin zu dem Fazit versteigt: »Und so sind heute Musikerkarrieren vielleicht schon beendet, bevor sie überhaupt angefangen haben.«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2021 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45770

„Bekommen Geimpfte ihr Leben zurück?“ (BILD)

Zu dieser fortschreitenden Verblödung und Vergiftung gehört auch, sieben Nachtstunden Ausgangssperre (außer mit Hund!) für eine so grundstürzende Aufhebung der Menschenrechte zu erklären, daß nur ein Bürgerkrieg noch helfen kann.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.04.2021 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45769

Man braucht gar nicht so weit in die Ferne zu schweifen, das fängt schon hier in Mitteleuropa an. Oft muß ich den Kopf schütteln, wenn ich höre, was in Brüssel stationierte Korrespondenten öffentlich-rechtlicher Fernsehsender berichten, wenn hier in Holland mal was los ist. Sie fahren dann schnell rüber nach Den Haag, um vor der Kulisse des Binnenhofs irgendwelche Fakten aufzusagen, die an sich zwar korrekt sind, nach meinem Eindruck aber oft am Kern der Sache vorbeigehen. Woher sollen sie den auch kennen, wenn ihre Recherchen großteils in der Lektüre von Agenturmeldungen bestehen? Der Moderator im Studio bedankt sich gleichwohl stets mit gespielter Wißbegierde für die »interessante Einordnung«, und die Zuschauer haben das beruhigende Gefühl, rundum informiert zu sein.

Bei den Zeitungskorrespondenten sieht es oft nicht viel besser aus. Das Bild von den lockeren, toleranten und obrigkeitskritischen Holländern wird auch von ihnen nur allzu gerne gepflegt. Die Wirklichkeit ist sehr viel komplizierter, wenn man ein zweites und ein drittes Mal hinschaut oder eben nicht nur ein halbes Jahr hier studiert, sondern viele Jahre in diesem Land verbringt. Seit mir diese Diskrepanz aufgefallen ist, kann ich Reportagen aus anderen Ländern nur noch mit größter Skepsis lesen. Wobei sich Deutschland und Holland ja in vielen Dingen sehr ähnlich sind, viel ähnlicher, als es den Deutschen bewußt und den Holländern angenehm ist. Wie muß es erst sein, wenn es um ferne Länder mit völlig anderen Kulturen und Gesellschaftssystemen geht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2021 um 08.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45768

Zu den hautnahen Reportagen der FAZ über Corona in Indien (aus Singapur) kommen ebensolche der SZ aus Bangkok. Es ist lustig zu sehen, wie beide Zeitungen sich bemühen, diese peinliche Tatsache in den Texten selbst zu verschleiern. Der deutsche Michel wird schon nichts merken.

Ist China so viel wichtiger als Indien, Peking so viel angenehmer oder gar billiger als Delhi?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2021 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45758

In der FAS vom 25.4.21 gibt Jörg Thomann eine gute Beschreibung des Spuks. Und er kommt zu der bemerkenswerten Einsicht:

"Einen großen Fehler haben wir, die Journalisten, schon vorher begangen: Wir haben die Schauspieler darin bestärkt, sich als Welterklärer zu fühlen – eine Rolle, der manche von ihnen nicht gewachsen sind. Wir haben sie nicht nur nach ihren Filmen gefragt, sondern nach Werten, nach Weltanschauung, nach dem richtigen Leben."

Thomann erinnert mich erst wieder daran, daß die Springer-Presse sich nicht verändert hat. Sie redet von „Merkels Einsperr-Gesetz“ usw., wortgetreu wie die Rechtsextremen. Die Rechten meinen allerdings wirklich, was sie sagen, die BILD-“Journalisten“ treiben nur ihr zynisches Spiel. Vor langer Zeit erklärte mir ein Journalist, bei allem, was sich gegen BILD sagen lasse – dort lerne man jedenfalls das „journalistische Handwerk“. So kann man es sehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2021 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45756

Jetzt diskutieren sie über die coronapolitischen Darbietungen von Schauspielern und Schaustellern. Man ist beim Satyrspiel angelangt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2021 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45744

In der Schule haben wir auch das „epische Theater“ Brechts durchgenommen. Dazu gab es Lesehefte mit „Theorie“; habe ich kürzlich erst entsorgt. Wenn ich mich recht erinnere, sollen die Zuschauer die politische Meinung der Schauspieler zu hören bekommen, natürlich marxistisch aufgeklärter Schauspieler, die sich so wenig verstellen, daß sie den Text „im Gestus des Zeigens“ vortragen. Man soll sich nicht mit irgendwas „identifizieren“, sondern das Theater, über Schillers moralische Anstalt hinausgehend, als erweiterten Seminarraum (für ML-Kurse...) erleben. Echt? Ach was, alles nur gespielt.

Das ist vorbei, aber warum hat man es auf den Lehrplan gesetzt? Vielleicht weil es für die Lehrer so faßlich war. Die Handreichungen dazu sind von ernüchternder Banalität; sie machen der Kunst endgültig den Garaus, nehmen aber noch gern an deren altem Ansehen teil, sonst würde man es ja nicht beachten. (Dabei kannten wir fast gar nichts vom Theater und hätten in der Zeit ein paar Dramen lesen können.)

Das fiel mir gerade ein, weil auch heute wieder die politische Meinung von Schauspielern so stark beachtet wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2021 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45730

Ich teile Ihre Ansichten. In Bayern ist die wirkliche Politik teils besser, teils schlechter, als die Ankündigungen der jeweiligen Spitzenpolitiker vermuten lassen. Ich bin kein Fan eines der genannten Politiker, sondern beklage nach wie vor die Unfähigkeit aller Parteien, wählbaren Nachwuchs hochkommen zu lassen (die Grünen teilweise ausgenommen, die sind ja auch immer noch jung und relativ wenig etabliert, eingesessen, vernetzt, verfilzt...).

Söders Maulheldentum habe ich schon öfter kritisiert, andererseits den Opportunismus (mal Kruzifix, mal "Bienen"!) als Ideologiefreiheit ausgemacht.

Von Laschet wußte ich fast gar nichts (außer der lustigen Erfindung von 35 Klausurnoten für 28 verschlampte Klausuren oder so ähnlich – war das nicht Urkundenfälschung? Schwamm drüber!). Sein Taktieren in der Coronafrage, mit dem sonderbaren "Beirat" im Hintergrund, hat uns mißfallen, ebenso der recht gut gespielte nette Opa, dem vor allem meine Frau nicht über den Weg traut. Aber das soll uns nicht hindern, mit kühlem Blick die Dynamik der öffentlichen und der veröffentlichten Meinung zu beobachten.

Von Baerbock weiß ich praktisch gar nichts, nur daß man mit Klima allein ein Land nicht regieren kann; da muß noch mehr kommen. Darauf sind die Grünen in ihrem (wahrscheinlich flüchtigen) Glück nicht vorbereitet.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 22.04.2021 um 22.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45728

Noch zu #45714: Das macht die Sache aber nicht besser, es bleibt ein gravierendes Manko, so wie es eben auch bei Trump ein gravierendes Manko war. Manche versuchen es zu relativieren, indem sie auf den kritikwürdigen Umgang erfahrener Regierungspolitiker mit der Coronakrise verweisen. Das ist so, als würde man den Nutzen von Spielpraxis und hartem jahrelangem Training bestreiten, wenn eine Bundesligamannschaft gerade ein wichtiges Spiel verloren hat. Erfahrung ist nicht alles, kann aber gerade bei einem so anspruchsvollen Amt wie dem des Bundeskanzlers nicht durch Neugier und Lernfähigkeit ersetzt werden. Daß jeder in dem Amt wachsen kann, ist allerdings auch richtig.

Immerhin ist es ein Fortschritt, daß überhaupt wieder über die Eignung der Kandidaten für das Amt gesprochen wird. Bei Söder und Laschet wurde ja so getan, als ob die überragende Eignung beider Herren zweifelsfrei feststünde, so daß man notgedrungen auf ein anderes Kriterium ausweichen müsse, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Das sollten dann nach Söders Willen plötzlich Umfragen sein, von denen er, angesprochen auf seinen Vorsprung vor Laschet, noch vor wenigen Monaten gesagt hatte, sie seien für ihn »kein Maßstab und keine Kategorie«. Ich hätte mir von beiden Rivalen etwas mehr Ehrlichkeit gewünscht, aber die war nicht zu erwarten.

Söder hat einen Achtungserfolg erzielt. Er hat sich eine gute Ausgangsposition für einen eventuellen zweiten Anlauf verschafft. Es fällt auf, wie ruhig seine glühenden Anhänger sich jetzt verhalten. Ich könnte mir vorstellen, daß er selbst von ihrer Reaktion ein wenig enttäuscht ist. Vielleicht hatte er darauf gehofft, daß sie jetzt noch ein bißchen Unruhe verbreiten, damit er dann noch mal staatstragend zur Einigkeit der Union aufrufen kann. Ich kenne übrigens niemanden, der Söders Rückzug als noble Geste wahrgenommen hat. Ich kenne nur Kommentare, in denen gemutmaßt wird, daß andere das so sehen könnten. Schon diese Mutmaßung kann allerdings günstig für ihn sein.

Die Medien hatten auf das Traumduell Söder gegen Baerbock gehofft. Dazu wird es jetzt nicht kommen. Die Zustimmung zu Laschet wird wachsen, wenn auch mit Verzögerung und nur moderat. Viel wird davon abhängen, wie die Grünen sich im Wahlkampf schlagen. Bisher haben sie es noch immer geschafft, sich kurz vor dem Wahltermin selbst ein Bein zu stellen. Außerdem waren sie bei vielen Wahlen in den Umfragen bis zum letzten Moment deutlich besser als am Wahltag, als es darauf ankam. Das kann diesmal anders sein, aber ich bin nicht sicher, daß Söder die Grünen besser in Schach halten könnte als Laschet. Er dürfte zwar viele Konservative, für die die CDU unter Merkel zu »sozialdemokratisch« geworden ist, eher ansprechen als »der Armin«, aber es gibt auf der anderen Seite nicht wenige, die seine Art abstoßend finden. Er hat diesbezüglich auch noch keine Erfolge vorzuweisen. Als er im März 2018 Ministerpräsident wurde, stand die CSU in den Umfragen bei 43, die Grünen bei 11 Prozent. Am Wahltag dann, sieben Monate später, entschieden sich 37 Prozent der bayerischen Wähler für die CSU und fast 18 Prozent für die Grünen.

Ich bin übrigens weder ein Fan von Laschet, noch spreche ich Frau Baerbock irgendwelche Fähigkeiten ab, weil sie eine Frau ist, noch halte ich Söder für den skrupellosen Machtpolitiker, der das Land ins Verderben stürzen würde. Ich versuche nur, mir einen Reim auf die Ereignisse zu machen und lerne, wie die meisten, jeden Tag dazu ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2021 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45726

Daß jemand ein Gesetz erklärtermaßen ablehnt und trotzdem dafür stimmt, ist nicht der ungeheure Skandal, den manche darin sehen wollen, sondern politischer Alltag und unvermeidlich. Gesetzentwürfe sind Kompromisse, fast alle hätten sich in der einen oder anderen Richtung mehr oder etwas anderes gewünscht. Man gibt sich mit etwas zufrieden, damit die Sache überhaupt vorankommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2021 um 06.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45717

Die recht unentschlossenen Maßnahmen gegen Corona hierzulande sollen „grundrechtswidrig“ sein, die Angst vor Corona „gegenstandslos“. Aber was ist dann mit allen anderen Staaten der Welt? Den Blick nach draußen vermeiden die Merkelhasser.

Wenn man sehr abgeschieden lebt, kann man sich über die Angst vor Corona lustig machen und auf die Schutzmaßnahmen schimpfen. Am heimischen PC hat sich noch keiner angesteckt, das ist unbestreitbar. In einer Medizinstadt mit Tausenden von Klinikbetten, wo rund um die Uhr Krankenwagen und Rettungshubschrauber zu hören sind, erfährt man schon etwas mehr.

Das Herunter- und Wegrechnen der Seuche ist gemeingefährlich, keine harmlose Spinnerei wie der Kreationismus u. ä.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2021 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45716

Die namentliche Abstimmung dient der Kontrolle der Abgeordneten durch die Fraktionsführung und widerspricht dem freien Mandat. Die Rechtsradikalen rufen denn auch schon dazu auf, sich diejenigen zu merken, die gegen das „Ermächtigungsgesetz“ gestimmt haben, und ihnen einen Ehrenplatz im Geschichtsbuch zu sichern. (Es geht, kaum zu glauben, um das bißchen Seuchenschutz.)
Übrigens: Hatte es nicht immer geheißen, das Parlament solle beteiligt und eine gesetzliche Grundlage des Seuchenschutzes müsse geschaffen werden? Das geschieht nun, und es ist auch wieder nicht recht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2021 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45714

Auch Trump hatte "keine Regierungserfahrung" und hatte nach vier Jahren Amtszeit immer noch keine. (Twittern ist nicht Regieren.) Das hat seine deutschen Bewunderer nicht gestört.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2021 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45698

Ein „Punktsieg“ Laschets innerhalb der CDU bringt ihn der Kanzlerschaft nicht unbedingt näher. Einige in der Partei machen die Rechnung eben ohne den Wähler, während andere, vor allem nun einige Landesverbände, nicht nur den Parteifrieden, sondern den Wähler im Blick haben und das Schlimmste befürchten. Die zahlenmäßige Überlegenheit der CDU gegenüber der CSU hat nichts mit demokratischer Mehrheit zu tun, sondern ist so vereinbart. Der Kanzlerkandidat der gesamten Union kann nicht in Gremiensitzungen der CDU bestimmt werden, das war der Grundfehler. Nur deshalb erscheint es vielen nun als „Verrat“, wenn CDU-Abgeordnete sich für Söder aussprechen.
Andernfalls wäre mit der Wahl des CDU-Vorsitzenden vorab entschieden gewesen, wer Kanzlerkandidat der gesamten Union wird. Das kann aber doch nicht sein.

Die von Laschet überfahrenen CDU-Abgeordneten werden einen Groll zurückbehalten. „Daß du ihn schwach gesehen, vergibt er nie.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2021 um 13.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45690

Interessant. – Jedenfalls wurde seine Ankündigung im Hochsauerlandkreis stark bejubelt. Er will im Kabinett Laschet Minister und damit heimlicher Kanzler werden – in wohl zutreffender Einschätzung von Laschets Führungsstärke. Es sei denn, die CDU stellt ihn nach einem Verzicht Laschets doch noch gegen Söder auf.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.04.2021 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45689

Ich würde die Vorsilbe stink- dann doch zugunsten von Herrn Merz eher als Verstärkung zur Mitte (dem Normalen) hin interpretieren, also:
(schwach) normal = rechtsradikal
stinknormal = rechts
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2021 um 11.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45688

Wer ist der Normalste im ganzen Land? Nachdem die Rechtsradikalen ihre Liebe zum Normalen verkündet haben, bekennt sich Friedrich Merz ausdrücklich zum "Stinknormalen". Ist das mehr oder weniger?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 16.04.2021 um 09.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45666

Weshalb Helmut Schmidt ja immer wieder auf Alexander den Großen verwiesen hat.

Gestern in den Fernsehnachrichten: Der Abzug der Truppen werde, so sei zu befürchten, die Verbesserungen, die für Frauen und Mädchen in Afghanistan erreicht worden sind, zunichte machen. Dabei sprach man »korrekt« von den Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Mit anderen Worten: die Politik, über die berichtet wird, schadet den Frauen in Afghanistan, aber die Berichterstattung darüber nützt den Frauen in Deutschland (so zumindest die Theorie). Man kann das für geschmacklos halten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2021 um 08.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45665

Bei uns wenig bekannt: Schon in englischen Romanen des 19. Jahrhunderts ist "Afghanistan" eine Chiffre für ein sehr fernes Land, in dem man sich ein blutige Nase holt, modern gesprochen: aus dem man an Leib und Seele traumatisiert zurückkommt. Diese Erfahrung haben seither Hunderttausende machen müssen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2021 um 07.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45655

Die CDU-Spitze hat beschlossen, daß Laschet Kanzler wird. Es gibt nur noch ein kleines Problem, und das heißt nicht Söder. Allerdings scheinen auch manche Journalisten es bereits als ungehörig zu empfinden, daß es überhaupt einen zweiten Kandidaten und eine Art Wettbewerb gibt.
Jeder weiß, daß die CDU-Führung Laschet nicht aus Überzeugung zum Kanzlerkandidaten bestimmt hat, sondern weil sie nicht daran vorbeikonnte, wenn sie ihren frischgewählten Vorsitzenden nicht „demontieren“ wollte, wie z. B. Merz es nun zu Unrecht Söder nachsagt. Söder kann Laschet so wenig demontieren, wie die CDU ihn montieren kann. Merz selbst hat übrigens ausdrücklich gesagt, daß Laschet aus dem genannten Kalkül und nicht wegen seiner Qualifikation aufgestellt worden ist – eine nicht besonders versteckte Verächtlichmachung des Konkurrenten.

Wenn man die Parteien über die Jahrzehnte hin beobachtet, hat man immer den Eindruck, daß sie erstens das Problem haben, überhaupt genug Führungspersonal hochkommen zu lassen, und zweitens nach dem Motto verfahren: Bloß keinen starken Vorsitzenden! Man einigt sich also darauf, unter dem ohnhin blassen Nachwuchs den blassesten zu wählen, weil er am wenigsten Feinde hat (am wenigsten „polarisiert“, wie der Fachausdruck lautet). Dabei bedenkt man aber nicht, daß das Wahlvolk ganz andere Maßstäbe anlegen könnte, daß man sich also auf den typischen Verlierertyp geeinigt haben könnte – und was nützt dann die schönste Einigkeit?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2021 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45643

Tichys Trumpist vom Dienst enthüllt:

Leitender CNN-Mitarbeiter: „Unser Fokus war es, Trump aus dem Amt zu bringen“

Der linksgerichtete US-Fernsehsender CNN wird seit Jahren wegen seiner stark Trump-kritischen Berichterstattung als voreingenommen kritisiert. Das unterfüttert nun ein neu enthülltes Untercover-Video. Ein CNN-Mitarbeiter bezeichnet die Berichterstattung des Senders dort selbst als "Propaganda".


Haha! Da gibt es nichts zu enthüllen ("Untercover"). Man brauchte bloß zwei Sekunden CNN zu sehen, die Leute haben doch nie ein Hehl daraus gemacht. Allerdings waren sie Waisenkinder gegenüber FOX-News, Tichys demagogischem Vorbild.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2021 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45641

Einige Gerichte binden Schutzmaßnahmen an den strengen Beweis ihrer (erwartbaren) Wirksamkeit. Masken, Testpflicht, Ausgangssperren, Schließungen? „Sind alle anderen Maßnahmen geprüft worden?“ Usw. – Damit kann man alles unterbinden. Die Richter macht niemand für die Folgen verantwortlich, sie sind ja keine Epidemiologen, sondern haben nur das Recht geschützt.

Im harmloseren Fall der Rechtschreibreform haben sie auch schon das Recht geschützt, mehr nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.04.2021 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45608

Das Impfzentrum, wo ich heute meinen ersten Schuß bekommen habe, ist bestens organisiert und arbeitet schnell und menschenfreundlich. Nur eben die übergeordnete Online-Anmeldung kann es mit der Corona-Politik an Konfusion aufnehmen. Sprachlich ist interessant, daß der Personalbogen, den man am Bildschirm ausfüllen soll, von Fachsprache strotzt, so daß er von der Hälfte der Bevölkerung ohne Hochschulabschluß kaum korrekt auszufüllen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2021 um 16.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45593

Als ich bei Trollope auf den Namen "Dr. Fillgrave" für einen Arzt stieß (ein typischer Scherz dieses Autors, nicht immer sehr subtil), fiel mir ein, daß der Familienname "Füllgrabe", der mir seit meiner Studentenzeit in Marburg bekannt ist ("Schade und Füllgrabe" - längst aufgesogene Lebensmittelkette mit bewegter Geschichte), vielleicht ebenfalls ein solche Übername für einen Arzt (oder einen Leichenbestatter?) sein könnte. "Vollgraf" und andere Varianten hätten dann nichts mit dem Adel zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2021 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45570

Immer wieder höre ich Demonstranten sagen, sie protestierten gegen den Impfzwang. Sie scheinen wirklich nicht zu wissen, daß es keinen gibt. Es hätte wenig Sinn, sie aufzuklären; sie würden gleich etwas anderes erfinden, gegen das sie sein könnten. Der Wahn findet sein Objekt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2021 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45562

Gestern erhielt ich zwar die Einladung zur Vereinbarung eines Impftermins, weil ich "dran bin", aber das ist nicht so einfach. Der Online-Kontakt ergibt, daß kein Termin frei ist und ich mich in einigen Tagen wieder einloggen soll. Aber warum sollte es dann anders sein? Es werden ja immer mehr Leute eingeladen. Anrufen soll man aber auch nicht.

Da wir schon einige Erfahrung haben und auch aufgrund von Insidertips haben wir heute trotzdem angerufen und sofort die beiden Termine bekommen. Ich werde also nächste Woche mit Biontech geimpft.

Die Telefone sind mit sehr freundlichen Menschen besetzt, es sollen Schauspieler vom Stadttheater sein, die auf diese Weise etwas verdienen können.

Um so krasser fällt der Gegensatz zur schwerfälligen Bürokratie auf. Wir waren nicht besonders verzweifelt, weil andernfalls auch unser Hausarzt uns impfen würde, sobald der Impfstoff da ist, aber wir wissen von vielen Seiten, daß man mit der Online-Anmeldung ziemlich aufgeschmissen ist.

Vielleicht kann dieser Bericht anderen helfen. Also: Immer wieder anrufen!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.04.2021 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45556

Man kann die Lösung natürlich googeln, was ich später auch getan habe. Aber am Anfang habe ich mir immer wieder die Augen gerieben oder dachte, ich hätte mich verhört, wenn der Kommentator ständig von der "Ever Given" sprach, während auf dem gezeigten Schiff deutlich der große Schriftzug EVERGREEN zu lesen war.
Seltsam, daß beim Fernsehsender niemand darauf kommt, daß das den Zuschauer irritieren muß.

Die Ever Given wurde übrigens auch "Havaristin" genannt, wie eine lebende Person. Aber für Schiffe verwenden m. W. sogar die Briten das Pronomen "she".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2021 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45554

Nordstream 2 ist unsicher, halten wir uns lieber an den Suez-Kanal, da weiß man, was man hat!

Aber mal im Ernst: Wie der Tagesspiegel berichtet, könnte die Blockade durch den Bernoulli-Effekt erklärt werden. Das ist eigentlich kein großes Geheimnis. Aber natürlich müßte die Schiffsführung das gelernt haben, und ein Manövrierfehler bleibt es allemal. Dasselbe Schiff soll ja auch in Blankenese schon mal einen Totalschaden an einem kleineren verursacht haben.

Bei dieser Gelegenheit stoße ich auf eine Umfrage:

Bringt der internationale Freihandel der deutschen Wirtschaft eher mehr Schaden oder mehr Nutzen? (Tagesspiegel)

Solche Fragen werden gestellt, ohne daß man sich vergewissert, ob die Befragten den Sachverhalt kennen – über das Schlagwort hinaus. Was wissen sie über den Umfang des Welthandels, die jeweils gehandelten Güter usw.? – So aber fördert man nur den Zeitgeist, der jedem eine Meinung zu allem zutraut und abfragt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2021 um 11.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45545

Ich werde hier keinen Aprilscherz machen, sondern nur von einem berichten. Wie man sich denken kann, ist meine ganze Familie von sehr schlichtem Gemüt, arglos und des Himmelreichs gewiß. Darum haben wir jahrzehntelang immer denselben Aprilscherz gemacht. Beim ersten Sehen am Morgen mit besorgter Miene sagen: "Du blutest ja!" Und auch wenn Sie es nicht glauben: Es hat immer gewirkt wie beim erstenmal!

(Außerdem ist es das reinste Beispiel für die Abtönungspartikel ja. Einzelheiten hier: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1610#25522)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2021 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45538

Wie Anders Tegnell für die Tagesschau den schwedischen Weg der Corona-Bekämpfung beschreibt, ist er zwar etwas anders, aber nicht weniger rigide als der deutsche (der ja vergleichsweise unentschlossen war und nicht mit den härteren Maßnahmen in anderen Ländern zu vergleichen).

ARD: Schwedens Weg wird oft als Sonderweg beschrieben. Was halten Sie von dem Begriff?
Tegnell: Das ist in weiten Teilen ein Mythos. Wir haben unser Verhalten hier in der Bevölkerung auf eine sehr radikale Art verändert. Wir haben sehr viel weniger physischen Kontakt miteinander, als wir es früher hatten. Das lässt sich auf viele Arten belegen.
(tagesschau.de 31.3.21)

Und Schweden steht insgesamt nicht gut da, das hat auch der König kritisiert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2021 um 11.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45523

Wer sich ein wenig auskennt, wird darüber schmunzeln, wie genau solche Predigten dem Handbuch folgen. Man wähle ein zur Saison passendes Thema, hier also "Hoffnung", und wiederhole den Begriff so oft wie möglich. Dazu suche man in der Bibel nach einer brauchbaren Stelle, wozu man auch in entsprechenden Hilfsbüchern nachschlagen kann. Hier bietet sich "Noah" an. Zum Schluß noch eine konkrete Geschichte aus dem Alltag: ein Gärtner will die Balkone eines Altersheims mit Vergißmeinnicht bepflanzen, das ist rührend.

Das haben andere natürlich auch schon so gemacht, z. B. hier:
https://www.sonntagsblatt.de/artikel/glaube/predigt-zum-pfingstmontag-hoffnung-kommt-von-huepfen

Auch dort wird „Hoffnung“ am Beispiel Noahs verhandelt: „Unsere Sintflut heißt Corona.“ Usw.

There is, perhaps, no greater hardship at present inflicted on mankind in civilised and free countries than the necessity of listening to sermons. (Trollope)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2021 um 07.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45522

Heribert Prantl wendet sich in einer Predigt "zum Palmsonntag" (SZ 27.3.21) und anscheinend auch im TV-Streitgespräch mit Karl Lauterbach gegen „Katastrophenverliebtheit“, „Schwarzseherei“ usw., und will „Hoffnung“ machen – das ist das Stichwort seiner mit viel Bibel und etwas Dante geschmückten Botschaft. Natürlich will er Corona "nicht bagatellisieren", tut es aber doch. Es ist peinlich zu lesen und in seiner Herzensgüte ziemlich schlimm. Und die Unterstellung von „Katastrophenverliebtheit“ usw. ist eine jener goldenen Unverschämtheiten, die uns solche Menschen gerade ins Gesicht sagen, ohne sich zu schämen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.03.2021 um 08.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45508

Im Niederländischen heißt der Reisende übrigens »reiziger« (reizen = reisen; reis = Reise; rijst = Reis). Ach ja, die Reisende heißt auch so, und niemand regt sich drüber auf.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.03.2021 um 08.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45507

So war mein Beitrag auch gemeint. An Kraus’ Kritik ist was dran, aber sie ist sehr einseitig und auch angreifbar. Mir fallen jedenfalls zunächst andere Argumente gegen diese Marotte ein.

Daß das Wort »Reisender« keine Erfindung der Bahn ist, ändert nichts daran, daß ich es nach wie vor als Fremdkörper (das Wort paßt gut) empfinde. Ich habe ja ausdrücklich meine persönliche Wahrnehmung geschildert, die zunächst mal nichts mit Grammatik zu tun hat. Zum erstenmal begegnet ist mir das Wort nicht in der Literatur (dort hätte ich es, vor allem im Singular, womöglich als vornehm verbucht) und schon gar nicht im ungezwungenen Gespräch, sondern in einer Zugdurchsage vor 35 Jahren, die mir auch ansonsten recht künstlich vorkam. Vielleicht rührt daher meine Abneigung und auch die Zuordnung zu einer distanziert-bürokratischen Sprechweise. Und von so etwas kann man sich dann auch nicht mehr lösen. Es war für mich eine Art Schlüsselerlebnis, und ich erkläre mich unumwunden für befangen (siehe auch http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=2#2843).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2021 um 03.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45505

Ich wollte den gendernden Gebrauch des Partizips I natürlich nicht rechtfertigen und habe ja auch von Anfang an geltend (! wie komisch!) gemacht, daß dieses Partizip im Deutschen immer ein Fremdling geblieben ist. Nur ist es nicht ganz so einfach, wie Kraus es sich vorstellt. Wir Reformkritiker haben den Gebrauch seinerzeit unabhängig von der feministischen Marotte diskutiert, und zwar wegen Fleisch fressend usw. Die fleischfressende (karnivore) Hund sitzt Fleisch fressend vor seiner Hütte. D.h. in solchen Fällen hat das Partizip I eher seine aktuelle und nicht die klassifiziernde Bedeutung, und gerade darin zeigt sich die Fremdheit dieser Konstruktion. Adjektivisch umgedeutet wie in reizend, entzückend usw. erregt es keinen Anstoß.
Im Auszubildenden sehe ich entgegen den neueren Grammatiken kein Partizip, sondern die Substantivierung des "Gerundivs" (auch eines Fremdkörpers im Deutschen, vom Infinitiv abgeleitet).

Der Reisende und der Handlungsreisende sind schon 200 Jahre alt.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 26.03.2021 um 23.46 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45504

"Reisende" habe ich noch nicht so bürokratisch empfunden, wie Sie es beschreiben, Herr Metz. Was wären die Alternativen: "Reiser"? Geht nicht, Brandgefahr. "Reiserinnen und Reiser"? Geht auch nicht, 66,7% politisch korrekt aber noch 50% Brandgefahr. "Reiser:innen"? 100% politisch korrekt, aber entzündliches Material in Innenräumen ist nicht ratsam. Bleiben wir dann besser doch beim Partizip.
Jetzt aber ganz ohne Satire, Herr Metz: Hervorragender Beitrag.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.03.2021 um 22.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45503

»Reisende« habe ich lange vor dem Erscheinen der ersten Genderleitfäden, in denen solche Partizipien empfohlen werden, als Unwort empfunden. Allerdings eher aus stilistischen Gründen. Für mich ist das bürokratischer Bahnsprech, der nichts mit normaler, lebendiger Sprache zu tun hat. Aus einem Lautsprecher im Zug lasse ich mir das Wort gefallen, es bringt mich manchmal immer noch zum Schmunzeln, auch wenn ich mich nach und nach daran gewöhnt habe, aber ich selbst würde es nicht so schnell verwenden. Die »Reisenden« kommen für mich aus derselben Schublade wie die »Auszubildenden«. Solchen Wortschöpfungen haftet etwas extrem Distanzierendes an, ich habe fast das Gefühl, die Bahn möchte mit den »Reisenden« so wenig zu tun haben wie der Firmenchef mit den »Auszubildenden«.

An »Teilnehmende« usw. stört mich vor allem, daß diese Wörter wie künstliche Ad-hoc-Bildungen wirken, die ohne Not den Lesefluß stören (übrigens auch den Vorlesefluß, denn ich lese auch oft Texte vor). Hier werden vorsätzlich sprachliche Stolperfallen ausgelegt, und zwar aus rein ideologischen Gründen. Gängige Personenbezeichnungen sollen neutralisiert werden, um irgendein »Bewußtsein« zu schaffen. Wenn Texte nicht mehr der Erzählung, sondern der Erziehung dienen, sage ich: da mache ich nicht mit, schon weil der Versuch so beleidigend plump ist.

Das Argument von Herrn Kraus und anderen ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen. Wenn bisher unauffällige Allerweltswörter wie »Fußgänger« urplötzlich durch Partizipien ersetzt werden, kann man als Leser nicht umhin, über diese neuen Gebilde nachzudenken (was man bei geläufigen Wörtern nicht tut), und da drängt sich die Vorstellung von der Verlaufsform nun mal auf. Wenn sich die Eiferer durchsetzen, werden wir irgendwann vielleicht nicht mehr laut loslachen, wenn wir in einem Text »toten Radfahrenden« begegnen. Wir bekommen so aber Schritt für Schritt eine aufgeblähte und nur noch schwer zu verstehende Bürokratensprache, die gerade »bildungsferne« Menschen kaum noch erreicht. Und das soll ein Dienst an einer Gesellschaft mit gleichberechtigter Teilhabe aller Gruppen sein? Aber das wird von den Betreibern des Gendersprechs ja auch nicht ernsthaft angestrebt. Wer mitmacht, tut das nicht, um irgendwem zu helfen, sondern um den »woken« Mitbewohnern (»Mitbewohnenden«) der eigenen Blase Glaubensfestigkeit zu demonstrieren und von ihnen möglichst viel Anerkennung einzuheimsen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2021 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45501

Josef Kraus schreibt in seinem selbstgewählten Milieu gegen das Gendern an:

Aus Mitarbeitern werden Mitarbeitende, aus Antragstellern Antragstellende, aus Bewerbern Bewerbende, aus Studenten Studierende. Damit werden Konstruktionen möglich wie die folgenden: „Im Hörsaal sitzen schlafende Studierende“ Ja, was denn nun, schlafen sie oder studieren sie? Oder betreiben sie Hypnopädie? Oder nehmen wir den makabren Satz: „In unserer Stadt hatten wir letztes Jahr drei tote Radfahrende.“ Also doch nicht tot oder auferstanden? „Studierend“ und „radfahrend“ ist ein Partizip Präsens: Da tut eine Person gerade eben etwas. Also kann sie nicht schlafend oder tot sein. Außerdem gibt es in Köln ab sofort „Einwohnende“! Klingt dummerweise ein wenig nach dem bekannten “Einsitzende“.

Nun, „Student“ ist auch ein Partizip Präsens. Und was ist mit „Reisenden“? Die reisen auch nicht immer. Und fleischfressende Tiere fressen auch nicht immerzu, weil gerade Fleisch sehr nahrhaft ist.

Krausens blinder Eifer schadet der guten Sache.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2021 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45477

Die Sherlock-Holmes-Erzählungen im Anschluß an Poes Dupin dürften wegen ihrer weiten Bekanntheit unser Verständnis von wissenschaftlicher Arbeit mitgeprägt haben. Schon in der frühen „Study in scarlet“ sehen wir Holmes mit Lupe und Maßband ganz objektiv und vorurteilsfrei „Daten sammeln“, anschließend folgert er „deduktiv“ die erstaunlichsten Erkenntnisse, und auch die Begründung wird, wie bei Poe, mitgeliefert. Der Leser mag ahnen, daß das ein fauler Zauber ist, aber etwas bleibt doch hängen.
Wie weit auch heutige Fernsehkrimis wirksam sind, kann ich mangels Erfahrung nicht sagen. Ich sehe nur ständig, wie ernst etwa der „Tatort“ genommen wird, allerdings weniger wegen der kriminalistischen Methode als wegen der vermeintlichen Auskunft, die er auch nach Meinung seriöser Zeitungen über unsere Gesellschaft gibt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.03.2021 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45473

Ich wußte doch, daß ich schon mal einen Hinweis darauf gesehen hatte! Es unterstellt dem Leser ein Stirnrunzeln, dem der Autor begegnet, indem er sich tapfer zu einer gewagten Aussage bekennt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2021 um 03.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45469

Stimmt (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1611#44911). Es breitet sich immer noch weiter aus und wird erst aufhören, wenn eine neue Albernheit es ersetzt. Bessere Schreiber benutzen es nicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.03.2021 um 22.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45468

Das geht mir auch so. Mein Eindruck ist, daß "[und] ja" eingeschoben wird, um Zeit zu gewinnen, so ähnlich, wie man früher ein "äh" einschob. Dieses soll nur kaschiert werden und etwas vornehmer klingen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 20.03.2021 um 18.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45467

In letzter Zeit lese ich an jeder Ecke „und ja,“. So gehäuft wirkt es affig, und ja, es geht mir auf den Keks.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2021 um 15.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45420

Nicht bei Königs.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.03.2021 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45419

Also ich finde es schon sehr bemerkenswert, wenn ein Mann sich in die eigene Frau verliebt, denn der Normalfall ist doch genau umgekehrt, getreu dem Spruch "Verliebt, verlobt, verheiratet".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.03.2021 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45416

Wenn wir schon bei der Psychopathia sexualis sind: Dazu gehört ja auch der Drang des Königs Kandaules, seine Frau dem Blick eines anderen Mannes (Gyges) zu exponieren, und diese Neigung spielt in Anthony Powells Roman eine ziemlich bedeutende Rolle. Der Verfasser kannte auch die psychoanalytischen Deutungen der Gyges-Geschichte. (Die verschiedenen Versionen des Mythos und seine Nachwirkungen recht gut bei Wikipedia "Gyges".) Powell beschreibt mit großer Kunst ein (nicht existierendes) Gemälde und dessen Wirkung auf verschiedene Personen.

Herodot schreibt:

König Kandaules „hatte sich nun in sein eigenes Weib verliebt. In seiner Liebe glaubte er, das bei weitem allerschönste Weib zu besitzen.“

Οὗτος δὴ ὦν ὁ Κανδαύλης ἠράσθη τῆς ἑωυτοῦ γυναικός, ἐρασθεὶς δὲ ἐνόμιζέ οἱ εἶναι γυναῖκα πολλὸν πασέων καλλίστην.

Meine Frau glaubte sich verhört zu haben, und auch Schülern muß man wohl erklären, was daran bemerkenswert sein soll, daß ein Mann sich in seine eigene Frau verliebt...

Tja, wer die Vorzüge seiner Frau preist, hat die Ehe schon gebrochen in seinem Herzen... (das fehlt in der Bibel)

Diese intuitive Einsicht liegt wohl zugrunde, wenn ungebildete Männer von ihrer Frau scheinbar herabsetzend reden: "meine Alte" usw. - das ist eher apotropäisch zu verstehen und nicht als Symptom einer schlechten Beziehung.

Thukydides läßt Perikles sagen, die beste Frau sei diejenige, von der weder im Guten (!) noch im Schlechten viel die Rede ist.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.03.2021 um 18.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45413

Ich frage mich, ob man die Liebhaber von Splatterfilmen vielleicht in ihrer Kindheit zu fürsorglich von gruseligen Märchen ferngehalten hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2021 um 18.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45412

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34862

Es gibt einen Hang im Menschen, sich in die Vorstellung von fürchterlichen Leiden, Unglücksfällen und Grausamkeiten zu versenken. Die brünstige Vertiefung in das Leiden der Madonna als Pietà, die Kalvarienberge, die schlimmen fleischerhaften Martyriengemälde der Spätrenaissance und des Barock zeigen diesen Hang ins Religiöse umgeschlagen. Niedrige Äußerungen dieser Seelengegend sind der Massenkonsum von Kriegsgreueln, der Grand Guignol, der Film oder der Unglücksteil der Zeitung als bevorzugter Lesestoff. (Franz Dornseiff: Sprache und Sprechender. Leipzig 1964:269)

Seit wir mehr über die Psychopathia sexualis wissen und offen darüber reden können, sind solche Sachen in die Abteilung Pornographie abgedrängt worden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2021 um 09.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45408

In der Ecke der (rechten) Verschwörungstheoretiker war Bill Gates bisher der schwarze Mann, dem man alles mögliche andichtete. Nun ist er plötzlich ein Befürworter der Atomkraft und rückt sofort in die Rolle eines unantastbaren Kronzeugen gegen den Atomausstieg (und gegen seine Freundin Merkel, das absolute Haßobjekt).
 
 

Kommentar von , verfaßt am 10.03.2021 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45402


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2021 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45399

Hunderte oder gar Tausende von Menschen am Klang ihrer Stimme zu unterscheiden ist schon eine erstaunliche Leistung. Wie gesagt, gelingt das am besten an natürlicher Alltagsprosa, schon beim Vorlesen und bei gebundener Rede wird es schwächer, beim Singen und am Telefon natürlich erst recht.

Zur "physiognomischen" Wahrnehmung und zu einer Beobachtung von Herrn Riemer (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1642#39123):

Wir treffen bei unseren morgendlichen Gängen durch Wald und Feld immer die gleichen Personen, darunter viele Jogger, Läufer und Radfahrer. Oft sehe ich auf dem ziemlich weit entfernten Höhenweg jemanden entlanglaufen, wie einen Schattenriß gegen den Horizont, und erkenne am Auf-und-ab-Wippen der winzigen Gestalt eine bestimmte Person.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.03.2021 um 09.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45369

Petra Gerster (Gerster*in?), eigentlich unter den sprachmoralischen Klassenbesten, erklärte in den Nachrichten gestern „die Bewohner der Alten- und Pflegeheime“ zu den „besonders Schützenswerten in der ersten Impfgruppe“. Die weniger Schützenswerten nannte sie nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2021 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45328

Trumps 30.000 Lügen wären im Lügendetektor bestimmt nicht aufgefallen, weil es für ihn gar keine Lügen gibt, sondern nur mehr oder weniger nützliche, im Augenblick gerade passende Aussagen und Geschichten. Bei kleinen Kindern fehlt zeitweise die Unterscheidung von Erfindung und Bericht, ebenso bei Frauen: eine schöne Geschichte muß nicht in allen Einzelheiten stimmen, es gibt andere Kriterien des Gelingens als die nackte Tatsächlichkeit (eine Erfindung der prosaischen Neuzeit).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2021 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45321

Vorgestern haben wir mal wieder die Tagesschau auf dem Computer gesehen. Anschlag von Hanau mit Bundespräsident Steinmeier, dann noch manches andere, was ich vergessen habe, zum Schluß haben wir uns über eine große Kundgebung von Fridays for Future mit Greta Thunberg geärgert: alle ohne Masken. Erst beim Wetterbericht wurden wir stutzig, und dann stellten wir fest, daß es die Tagesschau von vor einem Jahr gewesen war.
Ich erzähle den lächerlichen Vorfall, weil es zeigt: Wer eine Tagesschau gesehen hat, hat alle gesehen. Jeden Abend das Bundeskanzleramt, Hände, Schritte und Worte von immergleichen Funktionären usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2021 um 04.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45308

Demo am AfD-Stand in Nürnberg:

Eine Frau hält ein Plakat in die Höhe: "Wir verlangen unsere Grundrechte zurück". Auf die Frage, welche Grundrechte ihr denn besonders wichtig sind, wehrt sie ab: Sie gebe keine Interviews. Ihre Nachbarin meint dagegen: "Na, die Grundrechte eben." (nordbayern.de 20.2.21)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2021 um 09.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45307

Die Lebensverbote der Herrschenden müssen aufhören (Wolfgang Herles 20.2.21)

Das meint ja auch Laschet, der allerdings zu den Herrschenden gehört und noch mehr gehören will und mir das Leben schon verboten hat.

Und will die AfD, Verteidigerin der Grundrechte, wirklich das Grundrecht auf Masturbation einschränken, wie gestern zu lesen war?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2021 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45303

John Nash hat im Rückblick auf seine Schizophrenie gesagt, daß ihm die Wahnideen auf die gleiche Weise kamen wie seine mathematischen Intuitionen – wie hätte er sie unterscheiden sollen? Die (scheinbaren) Bestätigungen, die ja im Fall politischer oder gesellschaftlicher Überzeugungen niemals die strenge Form mathematischer Beweise annehmen können, kamen in großer Zahl, wie es auch im Alltag bei Vorurteilen bekannt ist, die sich durch selektive Wahrnehmungen immerzu selbst bestätigen. Wie hätte man Nash überzeugen können, daß die New York Times keine geheimen Botschaften an ihn enthielt?

Das Teuflische ist, daß jeder Versuch, mit dem Kranken "vernünftig" zu sprechen, sogleich in dessen Wahnsystem eingebaut wird. Ähnlich geht es einem ja mit den Verschwörungstheorien heute, der kollektiven und daher "anerkannten" Form der Geisteskrankheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2021 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45297

Kein Zufall ist dagegen, daß ich eben die erste Amsel dieses Jahres gehört habe. Voriges Jahr war es der 15. Februar, und manchmal läßt sie sich bis zum 21. Zeit, je nach Wetter. Aber die Genauigkeit ist trotzdem erstaunlich. Sie scheint die Helligkeit zu einer bestimmten Zeit zu "mesen" – aber wie?

Beobachten Mistkäfer wirklich die Sterne? Die Frage wird wegen der "Lichtverschmutzung" wieder diskutiert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2021 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45291

Gestern abend haben wir Rush Limbaugh zur Hölle gewünscht, der in einem neuen Buch von Stuart Stevens vorkommt (It Was All a Lie: How the Republican Party Became Donald Trump), und heute morgen lese ich, daß er tatsächlich gestern zur Hölle gefahren ist. Zufall?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.02.2021 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45278

Zum vorigen:

Das mit dem Urknall werde ich nie verstehen, aber interessant finde ich folgendes: Demokrit, Leukipp, Lukrez mußten annehmen, daß im gleichmäßigen Fließen der Atome doch winzigkleine Unregelmäßigkeiten oder Turbulenzen auftraten, sonst wäre gar nichts entstanden. So auch heute in den Annahmen über den Urknall und die Folgen. In der Anisotropie der Hintergrundstrahlung glaubt man noch eine Spur davon auszumachen, wenn ich es recht verstanden habe. Sonst gäbe es uns nicht und auch sonst nix.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.02.2021 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45277

Auf der ersten Seite (!) der SZ stand gestern, daß „Ehrfurcht“ nach neuesten Erkenntnissen ein Heilmittel gegen dies und das sein soll; sie erzeuge Demut usw. Ist das die neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird? Werden jetzt Dutzende von Ehrfurchtsbüchern über den Ladentisch gehen? Die Halbwertszeit der psychologischen Schlagwörter verkürzt sich.
Im Experiment wurden „Natur-Dokus“ zur Ehrfurchtserzeugung eingesetzt, weil das Ehrfurchtsparadigma schlechthin (unser blauer Planet vom Mond aus gesehen) nicht jedem zugänglich ist. Wir Gebildeten erinnern uns an die Klassiker („Über das Erhabene“), aber andererseits jagt uns auch Covid-19 einen heiligen Schauer über den Rücken. Ich meine nicht die klinischen Folgen, sondern die Biochemie dahinter. Im Elektronenmikroskop ist nicht viel zu erkennen, aber wenn es durch die plausiblen bunten Modelle verdeutlicht wird, sehen wir etwas, was unsere Vorfahren nicht sehen konnten: Milliarden Jahre, in denen die Erde zwar wüst, aber nicht leer war und in denen diese Millionen von Virenarten und alles übrige entstanden. „Ehrfucht“? Eher ein leichter Schwindel. Wie auch beim Lesen über „Galaxien-Superhaufen“. (Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1589#39902) Oder dies: Die Vorfahren von Mensch und Schimpanse trennten sich vor gut 6 Mill. Jahren. Das Licht, das uns heute vom Rande des Universums erreicht, ist aber schon 2.000mal so lange unterwegs.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.02.2021 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45276

Durch einen Zeitungsartikel werde ich darauf aufmerksam, daß "Scoperty" ungefragt an jedes Haus in Deutschland ein Preisschildchen geklebt hat, als stünde es zum Verkauf. Unser altes Reihenhäuschen soll erstaunlich viel wert sein. Vielleicht sollten wir verkaufen, bevor Anton Hofreiter die Preise in den Keller schickt.

(Die Grünen wiederholen unermüdlich ihren Veggie-Day-Fehler.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.02.2021 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45273

Über das "System" wurde hier schon diskutiert.
Jetzt also die "systemrelevanten Berufe" (Tagesschau). Wer keinen hat, hat es gerade schwer, über Tschechien oder Tirol noch einzureisen.
Bei dem Wort Systemrelevanz bekomme ich ein mulmiges Gefühl.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2021 um 06.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45265

Auf amerikanischen Sendern berichten junge Leute, wie ihre Eltern zu QAnon abgedriftet sind, wahrscheinlich für immer verloren. Es ist nicht viel anders, als wenn nahe Angehörige in eine paranoide Schizophrenie abgleiten (ich habe beides in meiner Umgebung erfahren und kann es vergleichen), nur einmal kollektiv gestützt und einmal privat (aber bei aller Einzigartigkeit doch auch wieder bestimmten Mustern folgend).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2021 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45243

Ein ähnlich hohle Forderung richtet sich auf "einheitliche Regelungen" in ganz Deutschland. Wozu soll das gut sein?

Hätte man sie, würde sie als "pauschale Gleichmacherei" beschimpft und eine "Differenzierung" nach Regionen gefordert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2021 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45241

Wer gar nichts beizutragen hat, fordert (von anderen) eine „Strategie“. In der Seuchenbekämpfung setzt das die Berechenbarkeit der weiteren Entwicklung voraus. Damit sind wir bisher schnell an Grenzen gestoßen (Mutanten, kollektives Verhalten).

Eingebildete Planbarkeit führt zu Großsprecherei. Damit kann jeder Winkelpolitiker und -journalist sich aufplustern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2021 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45232

Drüben in Nürnberg ist der Katastrophenfall ausgerufen worden, weil ein Kraftwerk gebrannt hat. In der rechtsextremen Ecke wird die Nachricht zu einer Polemik gegen die erneuerbaren Energien genutzt. Es gibt zwar keine logische Verbindung, aber das macht nichts, jeder Aufhänger ist recht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2021 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45216

Die SZ (6.2.21) zeichnete auf vier Seiten Corona-Impfstoffentwicklung und Beschaffungspolitik nach. Die Politik stand vor großen Ungewißheiten, und nachträglich erkennt man natürlich, daß manches hätte besser laufen können. Damals wußten die heutigen Besserwisser aber auch keinen Rat. Um so unnachsichtiger urteilen und verurteilen sie heute. Das kennen wir ja von uns selbst, es ist ein Teil der (unbewußten) Bemühungen, unser Selbstbild zu retten: kräftig schimpfen auf das, woran wir nicht mehr erinnert werden wollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2021 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45215

Die Homöopathie entzieht sich der Beweispflicht durch die Behauptung, die von ihr angenommenen Beziehungen, Entsprechungen und Wirkungsweisen seien völlig verschieden von denen, die die „Schulmedizin“ zugrunde legt. Die „Schulmedizin“ (schon die Bezeichnung ist pejorativ) ist von langer Hand herabgesetzt worden, wird auch „mechanistisch“ geschimpft usw. - Homöopathen haben ihre eigenen Zeitschriften, ihre eigene, z. T. auf die Alchemie zurückgehenden Fachausdrücke und kapseln ihre Welt möglichst vollständig von der übrigen Wissenschaft ab. Nur in den Regalen der Apotheken begegnen sich die beiden Welten.

Ähnlich verfahren die Coronaskeptiker (um sie mit einem möglichst neutralen zusammenfassenden Wort zu bezeichnen). Sie veröffentlichen nicht in den üblichen Fachzeitschriften, die sie für korrupt oder eingeschüchtert halten, sondern wenden sich stets direkt an die Öffentlichkeit, an die Presse also, die sich gern auf „alternative“ Meinungen stürzt und damit „Ausgewogenheit“ und „Offenheit“ demonstriert. Laien, auch anderweitig gebildete, können oft nicht unterscheiden, was seriös ist und was nicht. Akademische Titel tun ein übriges. Ein Erkennungsmerkmal ist allerdings der ressentimentgeladene, ja haßerfüllte Ton der vermeintlichen Aufklärer.

Diese Woche sanken die Ansteckungszahlen wie die Belegung der Intensivstationen, die Impf-Strategie der Bundesregierung scheitert, die Kurzarbeit steigt so schnell wie das Mißtrauen in die Bundesregierung. Vor allem: Es wurde klar, dass der Bundesinnenminister die Wissenschaft dazu gebracht hat, die Gefährlichkeit hochzusetzen, um „repressive Maßnahmen“ durchsetzen zu können.

Usw.

Daß die ganze Welt mit Kontaktvermeidung usw. gegen die Seuche kämpft, erwähnt der Verfasser nicht. (Ist es ein Zufall, daß er sowohl Ralph Brinckhaus als auch Melanie Brinckmann schreibt, also falsch? Schaum vor dem Mund beeinträchtigt die Sehschärfe.)

(Nachtrag: Im Laufe des Vormittags hat er den Namen Brinkhaus und den der "Horror-Virologin" Brinkmann korrigiert.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2021 um 06.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45172

Mit Recht sprechen einsichtige Menschen von einem "Impfwunder", auch die SZ meinte neulich in einem nicht unkritischen Artikel ("Impfen statt schimpfen"), daß dies besser treffe als "Impfkatastrophe". Gestern sagte Drosten in seinem Podcast es ähnlich.
Ein Glücksfall ist schon, daß die Molekularbiologie gerade jetzt so weit ist, daß ein Impfstoff gegen die Seuche hergestellt werden kann, und das auch noch in so astronomischen Mengen.
Politiker glauben, daß die Produktion durch Zwang (Söder, Grüne und Linke) oder Prämien (Lindner) beschleunigt werden kann. Das halte ich für Unsinn. Die Unternehmen werfen aus Eigeninteresse alles an die Front (um mich mal so martialisch auszudrücken). Biontech hat schon mit der Planung für die Produktion in Marburg begonnen, als Herr Lindner noch im Bett lag, von internationalen Kooperationen ganz zu schweigen. Viele Politiker aus der zweiten Reihe liegen so furchtbar daneben, daß es schon wehtut.

Natürlich hätte die Regierung voriges Jahr noch viel mehr Geld in die Förderung von Impfstoffen stecken können, aus denen dann doch nichts wurde. Man kann sich denken, wer dann heute am lautesten über die Versenkung von Steuergeldern lamentieren würde.
Wenn einem Politiker oder Zeitungsschreiber gar nichts einfällt, sagt er: "Ich vermisse eine langfristige Perspektive." Das klingt staatsmännisch und ist nie verkehrt. Bisher hat noch niemand ein Verbot von Mutationen gefordert, aber das kommt auch noch.

Nachtrag: Weil überall berichtet wird, Drosten erwarte von den Impfungen, die er so enthusiastisch begrüßt, noch bis Ostern wenig Besserung, will ich den Grund nachtragen, der meistens nicht erwähnt wird. Es liegt gerade daran, daß zunächst die alten Menschen geimpft werden, die aber selten jemanden anstecken, sondern eher selbst angesteckt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2021 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45159

Das Publikum muß sich immer wieder daran erinnern, daß Journalistenmeinungen nur Journalistenmeinungen sind. Von den Journalisten selbst ist diese Einsicht nicht mehr zu erwarten. Manchmal kann man miterleben, wie jemand vom Volontär in der Lokalredation zum Weltenrichter aufsteigt, dem dann auch große Wörter wie „Staatsversagen“ flott von der Hand gehen. Man könnte wirklich meinen, sie hätten alles schon vorher gewußt (wenn nur die Archive nicht wären!).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2021 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45137

Aufschlußreich ist, daß die leicht sinkenden Infektionszahlen noch nicht dem Impfen zu verdanken sind, aber sicher auch nicht einer wachsenden Einsicht und Veranwortungsbreitschaft (Stichwort "Corona-Müdigkeit"!), sondern ausschließlich den mäßig verschärften Verordnungen.

Der Rückgang der Zahlen würde nun normalerweise ebenfalls exponentiell verlaufen (etwa bei gleicher "Halbwertszeit"), wenn bloß die Mutanten nicht wären!

Lieber Herr Riemer, auf Ihren letzten Eintrag möchte ich nicht eingehen. Ich habe ja nicht gesagt: Tut, was ihr wollt, aber wenn ihr es tut, seid ihr Schmarotzer. Ich habe vielmehr ziemlich genau gesagt, was ich meine. (Jetzt bin ich doch darauf eingegangen...)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.01.2021 um 13.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45136

Wenn man den Menschen eine bestimmte Freiheit läßt, was ja, wie gerade besprochen, auch seinen Sinn hat (jeder mag selbst Nutzen und Risiko abwägen), sollte man sie aber nachher nicht als Schmarotzer bezeichnen, wenn sie von dieser Freiheit, wie auch immer, Gebrauch machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2021 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45133

So wird es ja auch gehandhabt. Es ist ein ständiges Abwägen und Ausgleichen. Manches war umstritten, was heute selbstverständlich ist. Zum Beispiel das Rauchverbot in Gaststätten – heute kaum noch vorstellbar, daß man dort im Zigarettenrauch sein Essen zu sich nehmen konnte! An den mündigen Bürger wurde unfehlbar appelliert, aber wir haben auch gelernt, ihm nicht zu viel zuzutrauen.

Zuletzt habe ich oft gelesen, Impfverweigerer sollten nicht geächtet werden. Warum denn nicht? Endet hier plötzlich die gepriesene Meinungsfreiheit? Ich ächte sie hiermit als Sozialschmarotzer.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.01.2021 um 10.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45132

Impfzwang halte ich auch nicht grundsätzlich für falsch. Bei Pocken, Kinderlähmung u.ä. (solange noch aktuell) gäbe es für mich gar keine Diskussion. Bei Masern, Grippe, Corona ist es schon anders, das muß m. E. jeder selbst bzw. die Eltern wissen.

Ich denke immer noch an das Geimpftwerden auf Befehl in der DDR-"Volksarmee". Ein Pfiff gellte durch den Flur, raustreten in Sportsachen! Dann ab zur Sanistelle, niemand wurde gefragt, aber irgendwann kriegten wir mit, daß es zum Impfen geht. Wogegen, wußten wir nicht, wahrscheinlich gegen Grippe. Wir haben dazu immer unsere Witzchen gemacht, von Hängolin-Spritzen und so.

Man muß nicht alles gesetzlich verordnen. Über Fahrradhelm, Grippeimpfung, auch gegen Corona, sollte ein mündiger Bürger noch selbst entscheiden können. Gurtpflicht im Auto und Helmpflicht auf Motorrädern finde ich noch richtig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2021 um 07.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45131

Warum plärren Leute in die Welt hinaus, daß sie sich auf keinen Fall impfen lassen werden? Sollen wir sie dafür bewundern, daß sie es sich unter dem Schutzschirm der Geimpften bequem zu machen gedenken?

Die überlebenden Opfer der Kinderlähmung waren in meiner Kindheit noch allgegenwärtig. Der Impfzwang bei Pocken war ein Segen, das wird wohl niemand bestreiten. Auch sonst sind wir froh, unsere Töchter wenigstens durch diese Gefahren hindurchgesteuert zu haben, es gab noch genug anderes.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2021 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45128

Kinder kann man staunen machen, wenn man ihnen im Wassertropfen die Infusionstierchen zeigt. (Ich erinnere mich noch an den schwer tilgbaren Geruch der Jauche, die ich angesetzt hatte, um das Wunder in meinem ersten Mikrosköpchen (150fach) zu betrachten; ich wollte immer alle Versuche aus dem Schulunterricht auf dem Küchentisch nachbauen, zur Verzweiflung meiner Mutter.). Später lernen wir, daß auch die Luft um uns voller Viren, Pilzsporen und Bakterien ist. Manchen wollen es leider nicht glauben oder halten es für bloße Theorie, die sie nichts angeht.
Unser Körper wehrt sich jede Sekunde gegen all diese Angreifer und sogar gegen die zerstörerische Wirkung des Sauerstoffs. Nach dem Tod beginnt sofort unsere Zersetzung und Remineralisierung; wir werden zu Dünger. (Das ist keine Verschwörungstheorie.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2021 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45127

Hier sieht man noch einmal die verdrehte Logik der antiantisemitischen Wichtigtuer:

Anetta Kahane von der Amadeu Antonio-Stiftung erklärte, "Verschwörungsideologien haben immer ein antisemitisches Betriebssystem. Weil der Antisemitismus die älteste Verschwörungstheorie überhaupt ist. Sie behauptet, dass die Juden irgendwelche bösen Absichten haben und immer hinter allem Bösen und Schlechten in der Welt stecken."
(tagesschau.de 27.1.21, der Beitrag ist wieder von Patrick Gensing)

Ich habe viel Unsinn über Corona gelesen, aber antisemitische Zungenschläge habe ich nicht wahrgenommen, auch nicht im abseitigen „Tichys Einblick“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2021 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45121

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44935

Der Hintergrund der halsbrecherischen Logik ist hier zu besichtigen:

https://www.ndr.de/nachrichten/info/Synapsen-Der-ewige-Antisemitismus,podcastsynapsen158.html

Verschwörungstheorien über Bill Gates usw. als Drahtzieher der Corona-Krise sollen verkappt antisemitisch sein, weil es schon früher antisemitische Verschwörungstheorien über Drahtzieher gegeben hat.
Ein völlig unglaubwürdiger Einstieg, nach dem es dann recht konventionell weitergeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2021 um 05.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45110

Die Impfberichterstattiung könnte in den Sportteil geschoben werden. Unsere Journalisten sehen nur noch den Wettbewerb um Rekorde und die ersten Tabellenplätze: USA hängen Deutschland beim Impfen weiter ab usw.; Israel ist Spitzenreiter. (Gerade sehe ich, daß die Süddeutsche Zeitung ihre Tabelle als Balkendiagramm auf die erste Seite gesetzt hat. In Europa führt das gesegnete Großbritannien!)

Mit der Wirklichkeit von Krankenstand und Toten hat das nichts zu tun und hält wie so vieles andere nur davon ab, eine gemeinsame Anstrengung zu unternehmen.

Unsere Medien lügen nicht, sie wählen aus, und wie!

Irgendwo herrscht immer „Chaos“, „Katastrophe“, „Desaster“: beim Impfen, auf den Straßen, in den Schulen...

Tagelang wurde in Text und Bild über ein Grubenunglück in China berichtet. Warum gerade dieses? Vielleicht weil eine Agentur vor Ort war oder jemand jemanden kennt oder aufgrund eines anderen Zufalls.

Während der achtjährigen Amtszeit Barack Obamas zählte die britische Organisation Bureau of Investigative Journalism 1.878 Drohnenschläge. Unter Trump waren es zwischen Januar 2016 und Januar 2020 mindestens 12.567 – vor allem in Afghanistan.

Davon haben wir so gut wie nichts erfahren. Aber hundertmal: „Trump hat keinen Krieg angefangen.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2021 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45108

Zur Gedächtnisakrobatik im Alltag:

Wir hatten vor über 60 Jahren einen Lehrer, der schon meine Mutter unterrichtet hatte, zwischendurch strammer Nazi gewesen war und nun wieder Religion und Biologie (auch Heimatkunde, soviel ich mich erinnere) unterrichtete. Eigentlich ein unangenehmer Typ, dessen salbungsvolles Reden meine Mutter schon parodierte. Er konnte aber interessant erzählen, z. B. vom westfälischen Bauernhof seiner Kindheit. Seither ist mir der Schrankspruch im Gedächtnis, vielleicht weil er mit meiner besonderen Vorliebe für Leinöl zusammentrifft. Vielleicht auch, weil mich die grammatische Inkonzinnität schon damals gejuckt hat...:

Geblüht im Sommerwinde,
Gebleicht auf grüner Au,
Ruht still es nun im Spinde
Als Stolz der deutschen Frau.


Daran erinnern sich viele in verschiedenen Versionen, auch Kempowski zitiert es. Unnützes Wissen? In diesem Fall nicht. Es steckt soviel drin, wogegen uns der Mann gegen seine Absicht immunisierte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2021 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45075

Der Aberglaube gibt sich wissenschaftlich, und so hat auch die „Signaturenlehre“ noch ihre Vertreter:

Die Signaturenlehre, die Lehre von der Zeichensprache der Natur, ist ein uralter Erkenntnisweg, vielleicht sogar die Wurzel aller Heilkunst. Auf ihr basieren nicht nur die Heilsysteme vieler Naturvölker. Auch für die traditionellen Naturheilverfahren – wie zum Beispiel Kräuterheilkunde, Homöopathie sowie in der anthroposophisch und astrologisch orientierten Medizin – erweist sich die Signaturenlehre als überaus hilfreich.
(https://www.natura-naturans.de/phytotherapie/signaturenlehre-heilmittelerkenntnis-aus-der-zwiesprache-mit-der-natur-von-margret-madejsky/)

Das Denken in „Entsprechungen“ nutzt eher Ähnlichkeiten als Anzeichen oder gar wirkliche Zeichen. Die Walnuß ähnelt dem Gehirn, also ist sie gut fürs Gehirn usw. Aber auch aus dem Namen (Frauenmantel) wird eine Heilwirkung abgeleitet. Uralte Weisheit von Kräuterweiblein samt phantasiertem Hexentum wird wiederbelebt.

Die Osterluzei (Aristolochia labiata) zum Beispiel wurde schon in der Antike wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Uterus in der perinatalen Medizin genutzt. Ob der Name mit dem Wochenbett zusammenhängt, ist unklar. Heute nicht mehr als Arznei zugelassen, wegen vielfältiger Vergiftungsgefahr. Interessant ist wieder mal der verschlungene Weg der Etymologie: Osterluzei < aristolocheía.

Zufallstreffer (Walnüsse sind ja nicht schlecht für das Gehirn) werden heute noch zur Verteidigung angeführt, sind aber eigentlich Widerlegungen. Wenn die "Naturheilkunde" ernst genommen werden will, muß sie sich davon lösen, aber das schafft sie nicht.

Früher wußte man es nicht besser, heute ist es unverzeihlich. Das ist aber nur ein winziger Ausschnitt des Irrationalismus. Kann die Schule denn gar nichts dagegen tun? Warum ist die wissenschaftliche Bildung so unwirksam?

„Die Signaturenlehre (...) ist die Lehre von den Zeichen in der Natur, die als Merkmale auf Ähnlichkeiten, Verwandtschaften und innere Zusammenhänge hinweisen. Analogien bestehen demnach zwischen Form, Farbe, Charakter, Geruch, Geschmack, Standort, Entstehungszeit, humoralpathologischen und astrologischen Zuordnungen und vielen weiteren Aspekten.“ (Wikipedia)

Die Definition beweist, daß die Signaturenlehre entgegen ihrer Bezeichnung nicht zur Semiotik gehört. Sie kann freilich theologisch zu einer Zeichenlehre überhöht werden, etwa wenn der bedeutende Botaniker William Coles die Signaturen als Hinweise Gottes auf den Nutzen der Pflanzen deutet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler , verfaßt am 20.01.2021 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45071

Früher waren Begnadigungen ein Ausdruck von "clementia", einer besonderen Herrschertugend. Das ging natürlich nur, wenn man nicht ausgerechnet die eigenen Kumpane und Komplizen begnadigte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2021 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45066

„Ich kann es nicht mehr hören.“ Aber damit verschwindet es nicht. Fatigue – ein Wort muß ja her.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2021 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45048

Josef Kraus wird immer apokalyptischer (falls man das steigern kann):

https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/buecher/eine-vision-die-immer-realer-wird-1984-von-george-orwell/
Inspiriert war Orwell bei „1984“ wohl auch von Hayeks Klassiker „The Road to Serfdom“ (deutsch: „Der Weg zur Knechtschaft“, 1944). Womöglich war Orwells „1984“ auch eine ironische Replik auf den Zukunftsroman des führenden US-Behavioristen B. F. Skinner, der mit „Walden Two“ (deutsch: „Futurum Zwei“) eine ideale, angeblich aggressionsfreie Gesellschaft skizziert hatte – eine Gesellschaft, die sich rühmt, die Geschichte abgeschafft zu haben.

Das halte ich für bloßes name-dropping. Inspiriert war Orwell dagegen von Ogdens „Basic English“ und der sprachkritischen „Allgemeinen Semantik“. Ich könnte wetten, daß Kraus keine Zeile von Skinner gelesen hat. Entdifferenzierung bei wütenden alten Männern, denen das Ganze nicht paßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2021 um 07.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45027

Roland Tichy persönlich:

„Illegaler Kindergeburtstag“ – Medien und Polizei im Dauereinsatz gegen Bürger (14.1.21)

Beieinander stehen, keine Masken: Die Corona-Politik hat neue Formen der Gewaltkriminalität entwickelt. Die Polizei greift durch. Viele Bürger sind erstaunt, denn sie wussten gar nicht mehr, dass es überhaupt noch Polizei gibt. Aber im Einsatz gegen die eigenen Bürger ist dem Staat nichts zu schade.


Kindergeburtstage sind nicht illegal, aber die Versammlung von 30 Personen in geschlossenen Räumen sorgt höchstwahrscheinlich für weitere Ansteckungen; darum ist sie zur Zeit verboten, was die Feiernden auch genau wußten. Die weiteren rhetorischen Spitzen brauche ich nicht zu kommentieren. Auch nicht die Bemühungen von Millionen Menschen, besonders des medizinischen Personals, der Seuche Herr zu werden. In keinem anderen Land scheint die niederträchtige Gegenpropaganda solche Ausmaße zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2021 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#45010

In der rechten Blase ist man sich sowieso einig, daß der (zarte) Lockdown nur den Zweck hat, die Merkeldiktatur zu verewigen (gerade wieder bei "Tichy" zu besichtigen), aber auch Franziska Augstein bleibt unbeirrt auf ihrem Kurs:
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/fortgeworfen-vom-staat-a-1f15a237-154f-4118-a015-e75df6ec633a

Für beide scheint es keine anderen Länder zu geben, auf die man auch mal einen Blick werfen könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2021 um 06.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44987

Während auf der Rechten beklagt wird, daß die Bundesregierung den Impfstoff nicht für Deutschland reserviert, sondern der Verteilung über die EU zugestimmt habe, jammert der SPIEGEL, Deutschland habe Impfstoff "auf Kosten anderer Staaten" nachbestellt.

Anscheinend macht die Bundesregierung es richtig.
 
 

Kommentar von , verfaßt am 09.01.2021 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44983


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2021 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44982

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44736

Auch der gute alte Josef Kraus schreibt:

Trump hat zwar keine Kriege angefangen wie sein Vorgänger Obama. Aber: „So what! Passt doch!“ (https://www.tichyseinblick.de/meinungen/fuehrend-in-sachen-angst-wenn-demokratie-zu-demophobie-und-phobokratie-wird/)

Wenn es nur dies ist, was zugunsten Trumps ins Feld geführt werden kann, und die gerade ihren Höhepunkt erreichende Präsidentenkarriere gar nicht erwähnt wird, dann kommt mir das doch etwas dürftig vor.

Der ganze Text ist von einer intellektuellen und sprachlichen Roheit, die bei einem altgedienten Lehrer überrascht. Freilich hat er sich über die Jahre immer mehr in diese Richtung entwickelt, und ich habe aufgehört, ihn zu lesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2021 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44967

Schamvoll gestehe ich, daß ich auf Özlem Türeci und Uğur Şahin richtig ein bißchen stolz bin. Eigentlich sollten das unsere rechten Patrioten erst recht sein: deutscher Impfstoff für die Welt! Abziehen muß man natürlich die Impfgegner, die denn auch gleich auf Impfschäden hingewiesen haben.

Aber es gibt noch ein Hindernis: natürlich die Namen, die allzu deutlich auf einen Mihi schließen lassen. Die beiden werden denn auch selten als die Vorbilder genannt, die sie sind.

Übrigens werden die diakritischen Zeichen oft weggelassen, was ich nicht verkehrt finde. In den USA vereinfachen Zuwanderer selbst ihre slawischen oder sonstigen exotischen Namen, nicht nur Filmstars, die wie Issur Danielowitsch Demsky gleich auf Künstlernamen umschalten. Das kann natürlich jeder halten, wie er will, die Aussprache geht sowieso darüber hinweg. Dabei kommen Türken immerhin besser weg als Chinesen, die ihre Namen aus unserem Mund nicht wiedererkennen, vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1082#38207. Herr Sahin ist bestimmt nicht beleidigt, wenn man ihn falsch schreibt und ausspricht. Der letzte Konsonant in Türeci ist stimmhaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2021 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44966

Ziel der gewaltsamen Proteste war die Bestätigung der US-Wahlergebnisse am Sitz des amerikanischen Kongresses. (SPON 7.1.21)
Das ist mißverständlich: „Ziel“ = Zielscheibe, nicht Zweck.

Trumps Aufforderung an seine Anhänger, sich den Wahlbetrug nicht gefallen zu lassen, kann nur als Aufruf zur Straßengewalt verstanden werden („stand by!“), denn wie sonst könnte es außerhalb von Neuwahlen geschehen? Trump hat auf verschiedene Weise auf einen Staatsstreich hingearbeitet und wird wohl dafür noch zur Rechenschaft gezogen werden. Viele amerikanische Kommentatoren meinen ja, daß die begründete Angst vor straf- und zivilrechtlichen Verfahren Trump zu seinem desperaten Verhalten treibt. Die Frage ist nur, wie viele er mit in den Abgrund reißt.
Seit Jahren steht fest, daß die Bedeutung der USA in der Welt sich relativieren und China mit seiner über viermal so großen und halbwegs entfesselten Bevölkerung die Nummer eins werden wird. (Laut WWF hat China die USA als Nummer eins der Volkswirtschaften schon vor drei Jahren überholt.) Nur der Weg dahin war naturgemäß nicht genau bekannt. Daß es solche Brandbeschleuniger wie Trump geben würde, konnte sich niemand vorstellen. Corona schon eher, aber beides ist Weltgeschichte, die uns jeden Morgen mit erhöhter Spannung in die Nachrichten schauen läßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2021 um 05.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44965

Für unsere Trump-Verehrer etwa bei „Tichy“ stand vorab fest, daß die Wahl in Georgia, wenn die Demokraten gewinnen, ebenfalls gefälscht war. Wenn nicht, dann nicht. Komisch nur, daß da nach der „offensichtlich“ gefälschten Präsidentenwahl nicht besser aufgepaßt wurde; wie raffiniert müssen das die Linken angefangen haben! Aber man traut ihnen alles zu. Handfester waren die Boys, die Trumps Aufruf gefolgt waren und es „wild“ zugehen ließen (ohne Masken natürlich, das kostet wieder Menschenleben). Wir haben uns im Video angesehen, daß es genau so gekommen ist, wie wir es erwartet hatten.

Wenn etwas offensichtlich falsch ist, nennt man es „offensichtlich“. Damit gibt man nebenbei zu verstehen: Alle wissen es, nur ihr Blödmänner nicht. Das muß man auch nicht beweisen, es ist ja offensichtlich.

Wie kommt Trump da raus? Ein halbwegs würdiger Abgang ist nicht mehr möglich, eine Entrückung auch nicht sehr wahrscheinlich. Eher eine Flucht ins Exil mit dem Versprechen, zu gegebener Zeit zurückzukommen. Das Zwischenziel, die Regierung Biden mit der permanenten Behauptung des Wahlbetrugs zu delegitimieren, haben die Anhänger offen ausgesprochen. Mitch McConnell hat es ihnen mit sehr ernsten Worten in letzter Minute auszureden versucht.

(Beweist die amerikanische Demokratie gerade ihre oft beschworene Stabilität oder im Gegenteil ihre Fragilität? Das wird wohl immer unentschieden bleiben.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2021 um 05.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44964

Nachtrag zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44958

Die Kliniklogopäden sind jetzt doch zur Impfung eingeladen worden. Es geht eben alles etwas holprig, aber wir haben viel Verständnis.

Natürlich wird genug Impfstoff da sein, nur eben nicht sofort für alle, das ist selbstverständlich; es gibt auch nicht genug Personal, alle Deutschen binnen einer Woche zu impfen. Christian Lindner ruft seit Wochen zu dem auf, was ohnehin geschieht. Biontech zum Beispiel hat schon ein halbes Jahr früher mit dem Bau neuer Produktionsstätten begonnen. Damals wußte niemand, welches Impfstoffunternehmen erfolgreich sein würde – und wann. Daher die europäische und deutsche Bestellpolitik.

Während die Rechten verkünden, Merkel habe abermals ihren Amtseid gebrochen, weil sie nicht so viel Impfstoff wie möglich für Deutschland reserviert habe, finden andere es richtig, daß sie der europäischen Verteilung zugestimmt hat. Das ist der Frontverlauf, auch in dieser Frage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2021 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44963

Niemand stirbt "an" etwas, sondern immer an und mit allerlei anderem, Atemnot, Sepsis, Herzversagen usw. An Krebs stirbt man ja auch nicht, allenfalls mit Krebs. Ich weiß nicht, worauf diese – mit Verlaub – Wortklauberei hinaus soll. Wir haben es mit einer weltweiten sehr gefährlichen Seuche zu tun, da gibt es nichts kleinzureden und wegzurechnen. Wenn man Kontakt mit Kliniken, Heimen und Pflege hat, vergeht einem die Lust am Disputieren.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.01.2021 um 15.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44962

Wir wissen, daß 1000 aller gestrigen Toten mit SARS-Cov-2 infiziert waren, aber konkrete Zahlen von wirklich "an" der Krankheit Verstorbenen gibt es leider nicht.

Die Übersterblichkeit im gesamten Jahr 2020 gegenüber dem Durchschnitt von 2016 bis 2019 liegt wohl bei etwa 4% (meine Schätzung auf Grundlage der bisher verfügbaren Daten), worin allerdings auch der kurze, signifikante Anstieg von Hitzetoten im Sommer 2020 mit einfließt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2021 um 10.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44961

Jeder weiß, daß die genauen Zahlenangaben (1 Person, 15 km usw.) in den neuen Corona-Maßnahmen nur ein pragmatischer Kompromiß sind, mit dem eine komplette Ausgangssperre umgangen werden soll. Man könnte darüber spotten, wenn man etwas Besseres wüßte. Hauptsache ist die Kontaktreduzierung. Darum bemühen wir uns schon lange sehr konsequent.

Kleine Kinder zählen nicht. Trotzdem können wir theoretisch unsere Enkelin nicht sehen, dann dazu müßte unsere schwangere Tochter sich mit der Kleinen von ihrem Mann herfahren lassen. Das wären dann aber schon 2 Erwachsene aus einem anderen Haushalt. Dagegen werden wir also gelegentlich verstoßen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Es kommt auf den Geist des Zusammenhaltens an. Aber da liegt der Hase im Pfeffer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2021 um 07.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44958

Sehr trüber Morgen.

Die Bilder von der Nichtdenker-Demo in Nürnberg, also fast in Sichtweite, schlagen mir aufs Gemüt. Sie werden einige das Leben und viele die Gesundheit kosten.

In der rechten Blase wird so getan, als sei die Corona-Pandemie eine rein deutsche Erfindung, nämlich ein Mittel unserer Diktatorin, das Volk zu disziplinieren und sich an der Macht zu halten. Nur gelegentlich wird zum Beispiel auf Israel verwiesen, weil es vorbildlich durchimpft. Aber wogegen eigentlich? Gegen den saisonalen Schnupfen?

„Polizeieinsatz gegen das Volk“ – die Merkeldiktatur treibt uns das letzte bißchen Lebensfreude aus. Darum sind Silvesterböller, Skilaufen und verordnungswidrige Restaurantöffnung Teile unseres Freiheitskampfes!

Ich versuche mir 1000 Särge aufgereiht vorzustellen; das ist derzeit die Tagesausbeute.

Unsere jüngste Tochter muß – natürlich in voller Schutzkleidung – auch in die Intensivstation, vor allem wegen der Schlaganfälle, Schluckstörungen, Mundpflege usw. Die Kliniklogopäden versuchen ihre Gleichstellung mit dem anderen Personal bei der Impfordnung zu erreichen. Hier hätten die Demonstranten ein Thema und könnten ihr heiliges Demonstrationsrecht ausleben, aber sie denken nur an sich und ihre entgangenen Feierfreuden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2020 um 15.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44937

Die Leserzuschriften der Giftzwerge enden gern mit einem süffisanten „Finde den Fehler!“ oder mit „Schönen Abend noch!“, was wie das Zuschlagen einer Tür wirkt und jedenfalls zum Ausdruck bringt, daß man nicht die Absicht hat, Perlen vor die Säue zu werfen und sich etwa auf eine Diskussion mit den Vollidioten von Lesern einzulassen. Sehr liebreich ist das alles nicht, aber groß in Mode.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2020 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44935

Wenn man sich das Vertragswerk von EU und GB näher ansieht, fragt man sich am Ende: Und das soll nun die vielgepriesene „Souveränität“ sein? Solche Schlagworte erweisen sich als emotional aufgeladene Dummies, und das ist eigentlich das Wesen aller politischen Schlagworte und Fetische, die man anbeten oder einander um die Ohren hauen kann. Am anderen Pol der Semantik steht die Formalisierung – als inhaltliche Entleerung der Worte bis hin zu Leibnizens „Rechenpfennigen“.

Und noch ein Wunder an Scharfsinn, zu den Legenden um Corona:

Alle Verschwörungslegenden funktionieren nach diesem Prinzip – und sie knüpfen nahtlos an antisemitische Mythen wie die gefälschten "Protokollen (sic) der Weisen von Zion" an. Daher sprechen Fachleute von einer antisemitischen Struktur – auch wenn sich die Legende nicht explizit gegen Juden richtet. (Patrick Gensing, tagesschau.de 30.12.20)

Was sind denn das für „Fachleute“? Weil es antisemitische Vorurteile gibt, sind alle Vorurteile antisemitisch? Mit solcher Begriffsakrobatik bringt man den wirklichen Antisemitismus zum Verschwinden. Das ist antisemitisch!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.12.2020 um 04.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44930

Daß Impfgegner im Falle einer Infektion nicht behandelt werden wollten oder kein Recht darauf hätten, ist nicht logisch!

Impfgegner bezweifeln weder die Gefahr einer Coronainfektion noch die Gefahr einer Coronaerkrankung, sondern sie bestehen ganz im Gegenteil genau auf diesen aktuell bekannten Zahlen und Gefahren. Diese sind aber ihrer Meinung nach relativ gering und rechtfertigen nicht die Gefahren von Nebenwirkungen der Impfung.

Wenn ein Impfgegner trotzdem schwer an Corona erkrankt, was ja trotz der relativ geringen Wahrscheinlichkeit nicht ausgeschlossen ist, dann hat er wie jeder andere, der regelmäßig seine Krankenkassenbeiträge zahlt und somit der Allgemeinheit dient, auch das gleiche Recht auf die übliche Hilfe.

Etwas ganz anderes haben wir bei Nichtorganspendern. Wer sich hier der Allgemeinheit verweigert, verzichtet logischerweise auch darauf, ggf. ein fremdes Organ bevorzugt vor Spendewilligen zu bekommen. Der Nichtspender müßte sich, wenn er doch will, gerechterweise hinten anstellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2020 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44928

Hauptsorge der Deutschen scheint jetzt zu sein, daß Geimpfte keine "Sonderrechte", "Privilegien" genießen.

Ausgenommen das Privileg, alte Menschen zu pflegen und in Krankenhäusern zu arbeiten. Darum werden sie ja vorrangig (!) geimpft.

Den Kommunisten wiederum mißfällt, daß die Schöpfer des Impfstoffs daran verdienen; sie erwägen staatlichen Zwang zur Vergesellschaftung der Produktion. Herr Lindner schließt sich an, was wiederum Verwunderung bei Minister Spahn auslöst, der sich die Marktwirtschaft anders vorgestellt hat.

In der rechten Blase wird vorgerechnet, daß "unter Trump" schon eine Million Amerikaner geimpft wurden, während man bei das schöne Geld den Migranten in den Hintern schiebt. Andererseits kann das auch nicht so schlimm sein, denn Covid ist ja nicht schlimm. So jedenfalls rechnet ein 18jähriger, den Tichy alle paar Tage von der Leine läßt, obwohl er von der Sache nichts versteht.

In Oberfranken hat es eine Panne beim Impfstofftransport gegeben (wie bei einer so gigantischen Aktion zu erwarten und vorhergesagt). Bei der WELT prasseln sofort 700 Zuschriften von Überschriftenlesern ein, die man nicht eigentlich wütend nenen kann, denn sie sind gar nicht betroffen, sondern müssen nur ihr tägliches Quantum Gehässigkeit ablassen, gegen Bayern, gegen Deutschland und wieder gegen die Migranten. Dabei ist Corona doch gar nicht schlimm, und Impfen hilft sowieso nicht? Wie es gerade kommt...

Komische Leute...

Nachtrag: Ein Mitglied des Ethikrats hat – wohl nur halb ernst – vorgeschlagen, daß Coronaleugner und Impfgegner (nicht Ungeimpfte) eine Art Patientenausweis bei sich tragen sollen, in dem festgelegt ist, daß sie im Falle einer Infektion nicht behandelt werden wollen. Rechtlich nicht möglich, aber konsequent wäre es. Trittbrettfahrer werden nicht sehr geschätzt, dagegen können sie nichts machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.12.2020 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44918

Wer hätte gedacht, daß ich Roland Tichy einmal zustimmen würde! Nämlich seiner Philippika gegen das „Bedarf anmelden“ der Rundfunkanstalten: https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/lieber-tom-buhrow-einfach-aufhoeren-mit-bedarf-anmelden/

Andererseits bestätigt der „Einblick“, was ich mir heute morgen notiert hatte, daß es nämlich rechts wie links immer um das gleiche geht: „Vom Ich zum Wir.“ Dieses Jahr lautet der Text so:

Warum wir Weihnachten brauchen

Weil wir ohne Hoffnung nicht leben können.
Weil wir das Licht brauchen, und es in der Finsternis umso heller leuchtet.
Nicht wegen Glühwein und Geschenken.
Sondern weil wir Gemeinschaft brauchen.
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Er braucht das Wir.
In diesem Sinne wünscht Ihnen das Team von TE fröhliche Weihnachten
Und wir danken Ihnen für das Wir unserer Gemeinschaft!

(Tichys Einblick 24.12.20, Kommafehler im Original)

Dazu paßt:

Das Wir in der Krise (tagesschau.de 24.12.20)

Man lebt in verschiedenen Beziehungen, sehr engen zu den eigenen Kindern und Enkeln, weniger engen zu anderen Leuten, aber wenn das zum großen WIR überhöht wird, werde ich skeptisch. Menschenketten, Schunkeln, Gleichschritt, Volksgemeinschaft kommen mir in den Sinn, lauter unangenehme Assoziationen.

(Das "Wir unserer Gemeinschaft" kommt mir doppelt gemoppelt vor. Und wie kann er dafür "danken"? "Ich danke Ihnen für uns" würde man kaum sagen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2020 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44909

Begnadigungen sind ein Fremdkörper im Rechtsstaat, eine Ohrfeige für die Richter. Der König von Gottes Gnaden steht über dem Gesetz, der Premierminister oder Präsident eigentlich nicht. Zu rechtfertigen wären sie allenfalls, wenn die Justiz einen Härtefall geschaffen hätte, weil sie zwar dem Buchstaben des Gesetzes gefolgt ist, aber nicht dem Gerechtigkeitsempfinden.

Trump begnadigt seine Kumpane. Seit Monaten wird diskutiert, ob er am Ende auch sich selbst begnadigen könnte. Das wird also immerhin für möglich gehalten; die Staatsrechtler zweifeln nur, ob es rechtens wäre.

Allerdings sind weder er selbst noch seine Familienmitglieder (außer dem bereits begnadigten Schwiegervater seiner Tochter) bisher verurteilt. Es wäre ein weiteres Novum, wenn Politiker sich vorbeugend straffrei stellen könnten.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.12.2020 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44893

Die Urne oder der Sarg kommt in einen Tresor.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.12.2020 um 15.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44891

Lebenslang mit anschließender Sicherungsverwahrung – wie wird das wohl jemand verstehen, der nicht weiß, was Juristen damit meinen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2020 um 04.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44887

Die geplante "Paketabgabe" ist der nächste Schritt im Kleinkrieg gegen Amazon usw. - vgl. schon http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=831#26826 und Laschets Kriegserklärung http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#44869

Abgesehen von der mutmaßlichen Verfassungswidrigkeit der bürokratischen Monstrosität, die da im Entstehen ist: Wenn man die Innenstadt wiederbeleben will, muß man weiter zurückgehen. Die Einzelhandelsgeschäfte schwanden ja nicht erst durch den Onlinehandel (den manche von ihnen übrigens ebenfalls betreiben), sondern schon mit der Auslagerung auf die grüne Wiese. Dort einzukaufen müßte ebenfalls mit einer Sonderabgabe verteuert werden. Hinzu kommt die Zusammenfassung Dutzender von Geschäften in "Arcaden" und ähnlichen Anlagen; die Folgen für die Einkaufsstraßen konnte man hier im kleinen Erlangen unmittelbar beobachten. Warum soll das Liefernlassen bestraft werden, das Vollpacken des eigenen Autos aber nicht?
Aber was die "Ursache" des Mißstands war, ist deshalb nicht "Schuld", die bestraft werden müßte. Wie kann man auf solche Ideen kommen? Und das ausgerechnet mitten im Lockdown, wo man manches gar nicht anders als im Versand bekommt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2020 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44879

Zum Ausklang der Ära Trump, die noch Generationen beschäftigen wird, gehört auch der folgende hübsche Text, den vielleicht nicht jeder gleich gefunden hat:

The Cyber Hack is far greater in the Fake News Media than in actuality. I have been fully briefed and everything is well under control. Russia, Russia, Russia is the priority chant when anything happens because Lamestream is, for mostly financial reasons, petrified of...discussing the possibility that it may be China (it may!). There could also have been a hit on our ridiculous voting machines during the election, which is now obvious that I won big, making it an even more corrupted embarrassment for the USA.
Donald J. Trump (@realDonaldTrump) December 19, 2020

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2020 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44872

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43494

Die Corona-App hätte einigermaßen funktionieren können, wenn die Infektionen sich in Grenzen gehalten hätten. Das ist längst vorbei, die Gründe sind bekannt.

Ich habe sie nicht heruntergeladen. Das abgelegte Smartphone, das meine Liebsten mir überlassen haben, muß irgendwo herumliegen, ich habe es nie benutzt und daher auch die App nicht heruntergeladen. Wir leben sehr isoliert, treffen nur die Kinder und ihre Ehepartner und halten sonst Abstand.

Gerade von diesen erfahren wir aber, wie es im wirklichen Leben zugeht, vor allem in Kliniken und Seniorenheimen, wo sie arbeiten. Kraß! Was soll da diese Warn-App?

Das SZ-Magazin brachte gestern das Protokoll eines achtwöchigen Kampfes um das Leben eines Corona-Patienten am Beatmungsgerät. Auch kraß. Aber die Rechtsextremen (bei Tichy zum Beispiel) bringen es immer noch fertig, vom "Corona-Schnupfen" zu faseln und im übrigen so zu tun, als seien Lockdowns eine Spezialität der dummen und bösen deutschen Regierung.

Was mir auch auffiel: Wenn in Alaska ein Allergiker eine heftige Reaktion auf die Impfung zeigt, macht die deutsche Presse daraus eine Schlagzeile. Ebenso jede alternativmedizinische Wortmeldung eines Außenseiters, auch wenn er sich schon längst durch unsägliche Aktionen disqualifiziert hat. Meine ohnehin nicht sehr hohe Meinung von den Journalisten hat dieses Jahr weiter gelitten.

Impfungen und Antibiotika sind die größten Wohltaten der Medizin (daneben noch die Anästhesie und Antisepsis). Daß es besonders bei Lebendimpstoff zu Impfschäden kommen kann und Allergiker aufpassen müssen, weiß doch jedes Kind. Die Antibiose wird durch Reistenzen stumpf, die Impfung durch Unaufgeklärtheit. Das sollte jedes Kind ebenfalls lernen, und die Presse hat hier auch eine große Verantwortung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.12.2020 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44860

Wenn sich Dogmatiker selbst Skeptiker nennen, ist das genauso ein Mißbrauch, nur von der entgegengesetzten Seite her.

Viele sogenannte Skeptiker sind aber im wahren Sinne des Wortes tatsächlich Skeptiker. Indem sie von ihren Kritikern in polemischer Weise Skeptiker genannt werden, geschieht dies leider oft unter Anspielung auf die negative Assoziation des Wortes Skeptiker, die ich vorhin anfangs erwähnt habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2020 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44859

Genau, daher auch:

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1024#41017

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#41298
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.12.2020 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44858

Einerseits ist der Zweifel ein im positiven Sinne wissenschaftliches Prinzip, andererseits hat er zuweilen ein negatives Image. Wer zweifelt, der weiß es halt nicht so genau, wohl weil er nicht ganz auf der Höhe der Zeit oder ein bißchen dumm ist.

Letzteres kann man nun ganz prima ausnutzen, um Gegner einer bestimmten Theorie oder Politik verächtlich zu machen. Sie werden dann schnell als Leugner bezeichnet, das schon fast so gut wie Lügner klingt, oder eben etwas abgemildert als Skeptiker, Zweifler, was aber, genau betrachtet, ebenso zweckdienlich ist.

Warum sollte ein Zweifler irgendwie randalieren, vor Wut irgendwas kaputtmachen? In dem Wort Zweifel steckt doch schon, daß er gar nicht sicher ist, welche Seite er bekämpfen soll, daß er gar keine Wut hat. Darin kann ich McEwan also nur zustimmen, außer, daß ich jemanden, der Überzeugungen hat, eben nicht Zweifler nennen würde.

"Klima-Leugner" oder "-Skeptiker" werden oft unter propagandistischer Ausnutzung der Doppeldeutigkeit so genannt. In Wirklichkeit sind sie sehr wohl von ihrer Sache überzeugt, für die sie demonstrieren, manche von ihnen zünden Autos an, eben weil sie KEINE Zweifler sind. Man sollte sie also, wie schon gesagt, immer beim richtigen Namen nennen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2020 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44857

„Nie sieht man eine Gruppe von Skeptikern die Straße hinablaufen und Autos anzünden. Sie töten nicht für ihre Überzeugungen, sie nehmen keine Geiseln.“ (Ian McEwan)

Daran könnte man zweifeln angesichts der Demonstrationen von Klima- und Coronaskeptikern. Zwar sind es bisher meist die "Gegendemonstranten", die Autos anzünden, aber die selbsternannten Skeptiker sind auch nicht ungefährlich.

Ebenso gefährlich sind Leute wie der bayerische Minister Aiwanger, ein Typ, der in Bayern besonders gut ankommt:

Dass Bayern im März noch Starkbierfeste erlaubte, hat laut einer Studie erheblich zur Ausbreitung des Coronavirus beigetragen. (...) Noch Anfang März hatte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bei einer Veranstaltung mit mehreren Hundert Teilnehmern gesagt, Starkbierfeste seien „der natürliche Feind des Coronavirus“. Bis Mitte März fanden solche Feste statt. (SPIEGEL 11.12.20)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.12.2020 um 13.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44844

Überall wird gemeldet, die Kanzlerin sei gestern im Bundestag emotional gewesen. Emotional ist das neue Wort für jedwedes Gefühl, man fragt sich deshalb, wie genau die Kanzlerin bewegt war. War sie aufgeregt? Aufgewühlt, bestürzt, betroffen, ergriffen, erregt, erschüttert, gerührt, überwältigt, entrüstet, erbost, erzürnt, gereizt, verdrossen, wütend, betreten, entgeistert, entsetzt, fassungslos, verstört, verzückt, entzückt, berauscht, hingerissen, mitgerissen oder trunken? Das ZDF verrät es. Es sei ein „verzweifelter Appell“ gewesen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.12.2020 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44835

Die AfD sollte die Erhöhung der Rundfunkgebühr fordern. Das wäre der sicherste Weg, sie zu verhindern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2020 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44834

Kann man die Erhöhung der Rundfunkgebühren ablehnen, wenn das schon die AfD tut?
Die Medien verteidigen die Erhöhung mit dem Hinweis, sie sei die erste seit zehn Jahren. Dabei wird unterschlagen, daß sich die Anstalten in der Zwischenzeit durch die Ausweitung auf Nicht-Kunden saftige Mehreinnahmen verschafft haben.
Alle Kulturschaffenden befürworten die Erhöhung der Rundfunkgebühren, weil sie hoffen, daß ein wenig davon auch für sie abfällt. Irgendwie arbeitet ja jeder zumindest gelegentlich für die Anstalten. Die selbst prangern die Verhinderung der Erhöhung sehr ausführlich an – als wenn die Verhinderer nach Art der Coronaskeptiker die Naturgesetze leugneten. Sie „müssen“ nun natürlich vor das Bundesverfassungsgericht ziehen (Tom Buhrow). Vielen Bürgern ist der Sinn für das Anmaßende dieses Zweigs der Unterhaltungindustrie schon längst aberzogen worden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2020 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44778

Alleine an der Grenze zwischen Punjab und Delhi hatten sich bis zu dem Zeitpunkt Zehntausende Demonstranten eingefunden. (SZ 28.11.20)

Na ja, so etwa 400 km muß man schon noch fahren, bis man von Delhi durch Haryana an die Grenze von Punjab kommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2020 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44777

Iranischer Atom-Mullah ausgeschaltet (BILD 28.11.20 über die Ermordung eines Physikers)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.11.2020 um 01.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44748

Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Anlasses schwindet mit der Anzahl der erlebten Kontrollen und liegt bald bei null. Zum Vergleich: Ich bin in meinem ganzen Leben nicht ein einzigesmal kontrolliert worden. Das Mädel heißt übrigens nicht wirklich Dörte, aber sehr ähnlich. Ich hätte auch Maike oder Maibrit schreiben können.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.11.2020 um 21.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44747

Woher wußte Dörte denn, daß sie ohne Anlaß kontrolliert worden ist? Es könnte doch sein, daß die Polizei in Sachen einer Straftat unterwegs war und ein Zeuge eine weibliche, schwarze Person gesehen und beschrieben hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2020 um 19.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44746

Nervus rerum: in der heutigen FAS ein großer Artikel über "Das Geschäft mit den Querdenkern". Eins muß man Michael Ballweg lassen: er kann rechnen. Darum gelangen die Spenden auf sein Privatkonto. Er hütet sich, einen Verein zu gründen, weil dann gesetzlich Transparenz herrschen müßte. Außerdem geht es um Merchandising (Attila Hildmann und andere) sowie Busunternehmen, die Tausende von Demonstranten durchs Land fahren, ein riesiges Geschäft, von dem andere nur träumen können. Die Leichtgläubigen sterben nicht aus, darauf kann man sich bei aller Querheit verlassen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.11.2020 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44745

Auch die „Struktur“ erweist sich gerade als unbestimmt. Während „das System“ rechts als herrlich diffuses Feindbild dient, bekämpft man links anstelle des einstigen „Schweinesystems“ heute strukturellen Rassismus. Den ortet man etwa bei der Polizei, weil in ihren Reihen rassistische Chatgruppen aufgeflogen sind, vor allem aber wegen des (verbotenen) polizeilichen Racial Profilings. Gegenüber meinem Jüngsten habe ich kürzlich die Hoffnung geäußert, daß dieses Mittel nur bei berechtigtem Verdacht angewendet werde. Kurz darauf telefonierte er mit einer Freundin, einer braven schwarzen Studentin namens Dörte, und fragte sie, wann sie zuletzt ohne Anlaß von der Polizei kontrolliert worden sei. „Gestern“, sagte sie. Das Problem besteht demnach durchaus, aber ist es strukturell?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 22.11.2020 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44743

Diese Unbestimmtheit bietet auch das „Schulsystem“, das gleichfalls von unterschiedlichsten Gruppen abgelehnt wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2020 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44741

Das „System“ ist, wie schon früher, hinreichend unbestimmt, so daß sich im Haß auf das „System“ die verschiedensten Gruppen zusammenfinden, auch wenn sie sonst wenig miteinander zu tun haben: Neonazis, Impfgegner, Anthroposophen, Vegetarier, Verschwörungstheoretiker... Auch das ist nicht neu. Die esoterische Mutter mit ihrem Kind nimmt in Kauf, daß auch Reichsbürger in derselben Reihe stehen, weil es doch dem guten Zweck dient. Das „System“ ist noch besser als die überlebte Wendung „die da oben“, die ja immer noch nach Klassenkampf riecht und nicht nach Volksgemeinschaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2020 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44736

Sonntagmorgen. Leider können wir die Töchter und die Enkelin auch heute nicht treffen.

Von der Seuchenbekämpfung die Aushebelung der Demokratie zu erwarten hat etwas Unproportionales und wirkt wie ein künstlich heraufbeschworener Vorwand. Bei vielen Rechten kommt die Phantasie von einer weltweiten Verschwörung aller Regierungen (außer Trump?) hinzu, die Menschen zu entrechten.

Daß Trump noch keinen Krieg angefangen hat, wie seine deutschen Verehrer ununterbrochen rühmen (in den USA spielt dieses Lob keine Rolle), wird mit seinem Desinteresse an Außenpolitik zusammenhängen, und seine Leistung für den Frieden im Nahen Osten, die ihn nobelpreiswürdig erscheinen läßt, ist eine Leistung für Israel auf Kosten der Palästinenser. Ob das dauerhaft für Frieden sorgt, ist noch nicht entschieden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 19.11.2020 um 10.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44725

Die Ausrottung ganzer Präsidentenfamilien war in den USA bisher nicht üblich. Nun ertappt man sich aber beim bösen Gedankan daran.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2020 um 08.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44724

Die Ablösung einer Regierung durch die nächste war immer ein Problem. Oft wurde es durch Mord gelöst, auch unter Ausrottung der ganzen Familie des Vorgängers.

Die demokratische Art könnte ganz schön sein: Der Unterlegene gratuliert dem Wahlsieger, ebnet ihm die Weg und hofft auf das nächste Mal. Wer sich ohne Murren wieder zurückzog, wurde schon von den Alten als Held gefeiert (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1024#32616), was zeigt, wie ungewöhnlich das ist. Platon meint, der ideale Herrscher (ein "Philosoph") müsse zum Regieren gezwungen werden.

Das amerikanische Wahlsystem konnte bei aller Seltsamkeit funktionieren, solange der Grundkonsens unbestritten war. Das ist offensichtlich vorbei. Jetzt wird sogar mit faithless electors in entscheidendem Umfang gerechnet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2020 um 17.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44722

Für Germanisten sind auch die Merseburger Zaubersprüche Denkmale. Und dann die Monumenta Germaniae Historica...
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.11.2020 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44721

Es kommt darauf an, was man unter einem Denkmal versteht. Sind die (teils vielleicht noch unentdeckten) sogenannten Hitler-Glocken mit entsprechenden Inschriften, Reliefbildern und Symbolen nicht auch welche?
Eines der bekanntesten Beispiele ist wohl die Glocke in Herxheim.

Denkmäler müssen nicht unbedingt dem positiven Andenken dienen, Sie können auch historische Anschauung sein und mahnen und so in anderem Sinne eine positive Funktion haben. Da kommt es außerdem auf die Art und Weise der Präsentation an, z. B. im Museum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2020 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44720

Elizabeth Alexander, Präsidentin der Mellon-Stiftung, wird in der SZ (17.11.29) von Andrian Kreye interviewt. Sie fragt: „Stimmt es eigentlich, dass es in ganz Deutschland kein einziges Hitler-Denkmal gibt?“ Kreye antwortet: „Die Nazi-Monumente wurden gleich nach dem Krieg abgeräumt.“ Er weiß anscheinend nicht, daß Hitler keine Plastiken von sich wünschte. Es gab also auch keine abzuräumen (Ausnahmen ausgenommen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2020 um 04.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44704

Biden hat mit demselben Vorsprung von 306:232 Wahlmännern gewonnen wie Trump 2016, aber er hat auch tatsächlich 5 Mill. Wählerstimmen mehr als Trump, während Trump 3 Mill. weniger hatte als Clinton. Auch das neue Ergebnis spiegelt nicht den wirklichen Anteil, aber das liegt eben am Mehrheitswahlrecht. Unser Rechtsempfinden ist in diesem Punkt ganz anders; wir versuchen den Proporz auch anderswo herzustellen.

Wenn Trump seine Kandidatur für 2024 ankündigt, impliziert er, daß er 2020 verloren hat. Er hatte allerdings bei Wahlveranstaltungen (u. a. in Charlotte) in Aussicht gestellt, zwölf (weitere) Jahre im Amt zu bleiben. Das würde nur nach einer Verfassungsänderung oder einem Staatsstreich gehen. Nach seiner Niederlage entließ er Verteidigungsminister Esper, der gegen den Einsatz des Militärs im Inland ist, sowie weitere Spitzenbeamte des Ministeriums. Welchen Sinn hat das in den letzten Wochen seiner Amtszeit.

Überraschend auch, wie schnell sich die Niederlage anderswo auswirkt, vor allen in London. Aber auch unsere rechtsextremen Trump-Verehrer müssen schlucken.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 14.11.2020 um 00.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44698

Im neuen "Spiegel" kommt eine Karikatur zu Trump. Er wütet an seinem Schreibtisch gegen das Wahlergebnis. Zwei Männer sehen sich das an. Der eine fragt: "Wie lange wird er brauchen, um das Resultat zu akzeptieren?" Der andere antwortet: "Vier weitere Jahre!"
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.11.2020 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44695

Das Praktische an Verschwörungstheorien ist, daß sie nie widerlegt werden können. Wenn etwa ein gewisser Herr seinen Gegnern pauschal vorwirft, alles daranzusetzen, ihm den Sieg zu nehmen, kann keine Nachzählung und keine Untersuchung der Welt diesen Vorwurf je entkräften, wer auch immer an den Aufklärungsmaßnahmen mitwirkt. Wenn die Überprüfung ergibt, daß es keinen Wahlbetrug gegeben hat, ist das für ihn nur der Beweis, daß eben auch die Überprüfer korrumpiert worden sind. Eigentlich ist es ein Jammer, wie viele Zeitgenossen im Moment wertvolle Lebenszeit verschwenden müssen, nur weil jemand es nicht ertragen kann, daß nicht alle ihn so liebhaben, wie er es braucht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2020 um 06.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44691

Unter https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Deutsche_Rechtschreibung/Beteiligte_der_Reform_von_1996 werden u.a. Christa Meves, Dieter Hömig und Wilhelm E. Süskind (gestorben 1970) als Kritiker der Rechtschreibreform angeführt. Da ist wohl etwas durcheinander gegangen. Interessant wäre eine Liste von Personen, die sich kritisch geäußert, aber dann klein beigegeben haben. Sie wäre sehr lang.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2020 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44688

Ob Maske oder Aufmärsche – es ist mir schon immer unangemessen vorgekommen, gegen punktuelle und vorübergehende Maßnahmen die Grundrechte in Stellung zu bringen, besonders wenn das von solchen Leuten kam, die gar nicht daran denken, von Grundrechten wie "Meinungsfreiheit" Gebrauch zu machen (über das Stänkern im Netz hinaus, und das ist ihnen ja unbenommen).

So auch jetzt wieder das "Grundrecht auf Bildung" gegen einzelne Schulschließungen und ähnliche Maßnahmen. Der Seuchenschutz gilt schließlich auch einem Grundrecht, und "Bildung" kann auf viele Weisen gefördert werden, nicht unbedingt durch ununterbrochenes Offenhalten von Schulen, an denen sich das Virus rasend ausbreitet und dann in die Familien getragen wird, um dort den sowieso schon ziemlich alten Opa unter die Erde zu bringen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2020 um 06.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44685

“The @US_FDA and the Democrats didn’t want to have me get a Vaccine WIN, prior to the election, so instead it came out five days later – As I’ve said all along!”
(Trump per Twitter)

Trump scheint zu glauben, daß die weltweite Arbeit an einem Impfstoff sich um seine Person drehe. Er kann sich nicht vorstellen, daß es noch andere wichtige Themen gibt.

Auf der anderen Seite wird in amerikanischen Medien nur Pfizer, nicht Biontech als Schöpfer des Corona-Impfstoffs erwähnt. Also auch so gesehen eine rein amerikanische Angelegenheit.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 10.11.2020 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44683

Nicht minder scharfsinnig (ebenfalls SPON, 10.11.20):

»Der künftige US-Präsident steht vor großen innen- und außenpolitischen Problemen, prophezeit der britische Historiker Timothy Garton Ash«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2020 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44682

"Für Joe Biden geht die Arbeit jetzt erst richtig los" (SPON 9.11.20)
Ist das nicht scharfsinnig?

In den USA erleben wir jetzt das seltene Schauspiel einer Amtsübernahme ohne Amtsübergabe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2020 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44666

Steve Bannon fordert, Professor Faucis Kopf auf eine Stange zu spießen, und die deutschen Querdenker zeigen Professor Drosten in Sträflingskleidung. Auf ihren T-Shirts steht nicht etwa „Gib Covid keine Chance“, wie man erwarten sollte, sondern „Gib Gates keine Chance“. Fauci kann nur noch mit Bodygards an die frische Luft. Verkehrte Welt.

An den Kliniken herrschen stellenweise schon heute schlimme Zustände, und die FAS berichtete, daß eine katastrophale Zuspitzung in den nächsten Wochen nicht mehr aufzuhalten ist, weil die Intensivkranken von morgen heute schon infiziert sind. Aber das Klinikpersonal (soweit noch vorhanden) gehört nicht zu denen, die sich am lautesten vernehmbar machen und „Entschädigungen“ kriegen. Schlimm sieht es auch bei Hebammen aus. Manche werden aus der Quarantäne geholt und müssen nach der Arbeit gleich wieder zurück.

Übrigens leiden auch Genesene oft an bleibenden Schäden, auch neurologischen Störungen. Das Ausmaß ist mangels Erfahrung noch nicht zu beurteilen.

Die SZ berichtet über Drostens Schiller-Rede, ohne zu erwähnen, daß Schiller Mediziner war, was die Wahl des Festredners ja erst plausibel macht. Mein leider verstorbener Urlaubs-Freund Karl August Neuhausen hatte sich mit Schillers lateinischer Dissertation (De discrimine febrium inflammatoriarum et putridarum) befaßt und erzählte mir davon bei einem unserer Treffen im „Kiebitz-Eck“ auf Juist, das es auch nicht mehr gibt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 08.11.2020 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44663

In einem dürften sich die Anhänger beider Bewerber einig sein: Trump kann nicht gegen den »worst candidate ever to run in the history of a presidential election« verloren haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2020 um 16.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44662

Auch deutsche Trump-Verehrer reden in entsprechenden Foren unentwegt von Betrug und "Unregelmäßigkeiten", die untersucht werden müßten.

Bei der Auszählung von Millionen Stimmen unterlaufen immer auch Fehler, und zwei Zählungen ergeben niemals genau dieselben Summen. (Ganz zu schweigen von Entscheidungen über die Gültigkeit jeder irgendwie abweichenden Stimme, wo immer Ermessen im Spiel ist.) Die Unterschiede sind aber in der Regel so gering, daß sie für den Wahlausgang keine Rolle spielen. Darum sind fast überall sehr großzügige Bedingungen gesetzt, z. B. wenn nur bei einer Differenz von 0,5% oder weniger nachgezählt wird.

Aber um die Sache geht es den betreffenden Leuten gar nicht, sie wollen bloß Mißtrauen säen und den verhaßten Sieger mit einem ewigen Verdacht belasten. Daher das im Grunde nichtssagende Gemunkel von "Unregelmäßigkeiten"; bei einem Sieg ihres Matadors wäre davon keine Rede gewesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2020 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44647

Wenn jemand Briefwahlunterlagen zugeschickt bekommt, kann er damit auch in den USA noch längst nicht wählen. Man könnte Briefwahlunterlagen der Tageszeitung beilegen oder mit Luftballons über dem Land abwerfen, das würde immer noch keinen Verdacht auf Wahlbetrug begründen. Die Trump-Fans auch bei uns tun so, als wüßten sie das nicht, und viele wissen wahrscheinlich wirklich nicht, wie eine Briefwahl abläuft.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.11.2020 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44646

Trump hat früh klargemacht, daß er die Wahl für überflüssig hält, indem er behauptete, daß er sie nur durch Betrug verlieren könne. Der Wählerwille stand für ihn also fest und hätte gar nicht ermittelt zu werden brauchen. Formale Wahlen stören ihn nur in seiner wichtigen Arbeit für das amerikanische Volk, mit dem er sich gegen das Washingtoner »Establishments« verbündet hat. Nun gilt es also, die unerwünschten Konsequenzen eines überflüssigen formalen Akts mit formalen Mitteln abzuwenden. Hunderte von Anwälten stehen bereit, ihn in dieser Schlacht zu unterstützen. Sollte auch die Justiz versagen, hat er immer noch die Möglichkeit, mit Hilfe einiger »faithless electors« – große Patrioten (good people?) – zum Ziel zu gelangen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2020 um 06.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44643

Biden holt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Wisconsin und Michigan und geht damit in Führung. Ursache ist die extreme Verzerrung durch die Briefwahl-Ergebnisse. Das wirft Fragen auf. (Tichys Einblick, Redaktion)

Die amerikanischen Kommentatoren berichten ohne Überraschung von der ihnen wohlbekannten "Verschiebung" der Ergebnisse mit zunehmender Auszählung der Briefwähler und early voters. Von Verzerrung oder gar extremer Verzerrung sprechen sie nicht. Das tun nur Trump selbst und seine deutschen Verehrer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2020 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44639

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37856

m Zusammenhang mit Corona-Verschwörungstheorien begegnet man auch einem alten Bekannten aus der Esoterikszene, Rüdiger Dahlke, der schon zusammen mit dem (seither verstorbenen) Spinner Thorwald Dethlefsen den Unsinn „Krankheit als Weg“ verfaßt hatte (https://de.wikipedia.org/wiki/Thorwald_Dethlefsen und https://de.wikipedia.org/wiki/Krankheit_als_Weg). Zusammen mit seiner Lebensfährtin deutet er auch Füße... Das war im Grunde harmlos, aber was solche Leute nun zu Covid 19 verbreiten, ist es nicht mehr.
Nebenbei eine kleine Bildungskatastrophe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2020 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44634

Trumps Gewohnheit, den Konkurrenten nicht beim bürgerlichen Namen, sondern stets mit einem Spitznamen (Sleepy Joe) zu benennen – die Verächtlichmachung als Normalfall – bringt einen neuen Ton in den politischen Umgang. Er erinnert an die Methode der Nazis, jüdische Politiker stets mit einem erfundenen antisemitischen Spottnamen zu bezeichnen. Die Vernichtung der bürgerlichen Person war der erste Schritt zur tatsächlichen Vernichtung. In beiden Fällen paßt es zum faschistischen Regierungsstil durch ein fiktives unmittelbares Verhältnis des Führers zu den Geführten, Umgehung der demokratischen Institutionen zugunsten eines unmittelbaren Appells an die eigenen Leute (Stand by!)...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2020 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44626

Ein Schicksal, dass vielleicht auch einmal Staaten wie Ungarn und Polen in der EU ereilen könnte.

...dass sei so, als ob man einen Regenschirm wegwerfe, nur weil es gerade nicht regne.
(SZ 2.11.20)

Beide Beispiele im selben Artikel, der zwar schlecht geschrieben, aber trotzdem ganz lesenswert ist, als Kontrast zu meinem Eintrag (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44601). Das Wahlsystem der USA bietet viele Möglichkeiten, Wählerstimmen auszuschließen, und der Wille dazu ist vorhanden und rüstet auf wie nie zuvor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2020 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44616

In diesem offenen Forum tragen sich mindestens einmal wöchentlich anonyme "Illuminaten" ein, deren Werbebotschaften ich frühmorgens per Hand entferne, so daß die anderen Besucher nichts davon merken. Ich erwähne es nur deshalb, weil unser Lebensgefühl doch auch von dem Bewußtsein mitbestimmt wird, daß wir vernünftigen Menschen in einem Meer von Verrückten (Querdenkern usw.) herumschwimmen:

Leicht aufzuritzen ist das Reich der Geister,

Sie liegen wartend unter dünner Decke,

Und leise hörend stürmen sie herauf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2020 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44601

Wer sich mit der Briefwahl nicht so auskennt: Bei der Auszählung geht es zunächst darum, daß die Anonymität gewahrt bleibt; das betrifft hauptsächlich die Vorstufe der Auszählung, also die Beschaffenheit des Umschlags usw. Auf dem Wahlzettel selbst habe ich noch nie den Namen des Wählers gefunden.
Zum Wahlzettel selbst: Hier ist der oberste Gesichtspunkt, daß der "Wählerwille" eindeutig zu erkennen ist. Fehler, die man mit gutem Willen übersehen könnte, führen dazu, daß der Zettel auf den Haufen der zweifelhaften Fälle kommt, die in einem gesonderten Umschlag dem Landeswahlleiter zur Entscheidung zugestellt werden. Über alles wird Protokoll geführt. Das Verfahren ist formal streng geregelt, berücksichtigt aber auch die Fehlbarkeit des Menschen, und die ist wirklich sehr bunt!

Der Auszählraum ist wie nebenan bei der Urnenwahl offen für jeden Bürger, und tatsächlich pilgern manche, vor allem Partei- und Gemeinderatsmitglieder, ab und zu durch die Räume. Alles ist transparent, und nie geht es darum, bestimmten Wählern ein Bein zu stellen.
Das ist meine langjährige Erfahrung und der Grund, warum mir manche Meldungen aus den USA so exotisch vorkommen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 26.10.2020 um 14.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44561

Hier in Holland hatte die größte Supermarktkette des Landes vor einigen Tagen mit einer landesweiten Störung des Kartenzahlsystems zu kämpfen. Filialen, die nur noch Selbstbedienungskassen haben, mußten schließen. In den Medien wurden die Leute aufgefordert, ausnahmsweise mit Bargeld zu zahlen. Das dürfte für viele eine echte Herausforderung gewesen sein. Es gibt hier kaum noch Geldautomaten, und die Schlangen vor den wenigen verbliebenen Automaten werden auch an Tagen ohne technische Probleme an den Kassen immer länger. In den meisten Geschäften kann man noch mit Bargeld zahlen, aber immer mehr Läden, von Restaurants über Pommesbuden bis hin zu Marktständen, akzeptieren nur noch Plastikgeld, ebenso einige Museen. Kommunen, die für sämtliche Bürgerdienstleistungen eine »PIN only«-Politik eingeführt haben, wurden von der Innenministerin dafür gerüffelt, nachdem die EZB auf Anfrage mitgeteilt hatte, daß der gänzliche Ausschluß von Barzahlungen nicht mit EU-Recht vereinbar sei. Danach sind die meisten dieser Kommunen zurückgerudert.

Elektronisches Bezahlen ist hierzulande zwar viel verbreiteter als in Deutschland, es gibt aber inzwischen auch eine Bewegung, die sich für den Erhalt des Bargelds einsetzt. Kinder, ältere Menschen und Geringstverdiener, die entweder ihren Wochenlohn immer noch in bar ausgezahlt bekommen und gar kein Bankkonto haben oder aber bewußt nur einmal in der Woche einen bestimmten Betrag am Geldautomaten abheben, um den Überblick über ihre Ausgaben nicht zu verlieren, werden auch künftig nicht elektronisch zahlen wollen oder können. Und je weniger Geschäfte übrigbleiben, in denen man noch mit Scheinen und Münzen zahlen kann, desto lukrativer wird es für diese Geschäfte, die genannten Käufergruppen zu bedienen. Die Zukunft des Bargeldes wird sich aber nicht an dieser Frage entscheiden. Im Hintergrund spielen natürlich ganz andere Interessen eine Rolle (Geldwäsche, Steuerbetrug usw.).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.10.2020 um 13.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44560

Ja, so denke ich auch oft, darf mich ja, seit ich dieses Jahr Rente bekomme, auch schon zu den Älteren zählen.

Mein Großvater war auch mal jung, verrückt und unternehmungslustig. Das äußerte sich z. B. darin, daß er von seiner Wanderschaft quer durch das damals riesige Deutschland und vom ersten selbstverdienten Geld ganz stolz ein Grammophon mit nach Hause nach Ostpreußen brachte. Wahrscheinlich hat er dann, bis es irgendwann kaputt war, sonntags immer die gleichen 2 bis 3 Platten aufgelegt. Bis zum Ende seines Lebens Anfang der neunzehnhundertsiebziger Jahre ist an technischen Dingen nicht mehr als ein großes Röhrenradio dazugekommen.

Meinem Vater, Bergmann, "gelernter Gärtner", hätte ich Internet, Mediathek, Blutooth und Navigationsgerät noch halbwegs erklären können, er hätte es zwar nicht benutzen können, aber wenigstens noch einigermaßen kopfschüttelnd das Prinzip im groben verstanden.

Und das sind ja nur die technischen Dinge. Auch z. B. moralisch-ethische Normen haben sich total verändert. Die Welt heute ist, schon verglichen mit der Zeit meiner Kindheit, nicht wiederzuerkennen. Für meine Großeltern, einfache, gutgläubige, rechtschaffene Christen, wäre sie wohl so unverständlich wie ein Zauberreich.

Seltsam, aber ich denke, das gleiche werden meine Enkel, wenn sie mal im Rentenalter sind, von mir nicht sagen können. Oder ist das doch nur Selbstüberschätzung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2020 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44559

In Unternehmensverträgen, Versicherungspolicen und ähnlichen Texten werden heute Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung, US-Sanktionen ausdrücklich erwähnt, die vor wenigen Jahren keine Rolle spielten.

Eine logische Bombe ist ein trojanisches Pferd in Form einer Zeitbombe. – Solche Sätze hätte man noch vor wenigen Jahren für verrückt gehalten.

Wenn wir durch Wald und Wiesen wandern, treffen wir viele Menschen, die scheinbar laut vor sich hinsprechen, natürlich in ein unsichtbares Mikrofon.

Als nächstes steht die Abschaffung des Bargeldes an, das ist auch eine gigantische Kulturrevolution, obwohl wir schon seit langem an die Virtualisierung gewöhnt worden sind (eigentlich die Aufhebung einer Illusion).

Wenn man als älterer Mensch mal einen Augenblick innehält und zurückdenkt, kommt man sich vor, als habe man schon in der Steinzeit gelebt. Was das Geld betrifft, sind die Euros im Portemonnaie immer noch dasselbe wie Kaurimuscheln auf einer Schnur.

Nun stellt auch noch Corona alles auf den Kopf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2020 um 19.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44469

Zeitungen, die die schwarze Fliege auf dem weißen Haar des Vizepräsidenten Pence erwähnen, müssen sich von den Trump-Freunden fragen lassen, ob sie denn nichts anderes zu berichten hätten. Doch, haben sie und tun sie auch ausgiebig. Aber soll man die Fliege einfach übergehen? Solche Vornehmtuerei wäre auch wieder ungewöhnlich. In den Medien der USA wird sie ebenfalls kommentiert.
Auf einer DVD mit Beethovens letzter Klaviersonate hängt dem berühmten Pianisten längere Zeit ein Schweißtropfen an der Nasenspitze und leuchtet im Gegenlicht wie ein Edelstein. Er kann ihn nicht wegwischen, weil beide Hände ununterbrochen beschäftigt sind. Man kann nur weggucken, aber dafür hat man die DVD nicht erworben.
Natürlich schäme ich mich dafür, Tropfen oder Fliege zu beachten, aber ich bin auch nur ein Mensch.
Es hat berühmte Leute gegeben, die ihre Gäste mit einem Furzkissen schockierten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2020 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44463

Stellenausschreibung der örtlichen Kita: Die Erzieherinnen sollen „Werte vermitteln“. Eigentlich geht es um Verhaltensänderung. Da wüßte man auch, wann das Ziel erreicht ist, bei „Werten“ weiß man es nicht. Die einfachsten Dinge werden ins Wesenlose verschoben. Der Wechsel von der Windel zum Töpfchen läßt sich natürlich auch als Wertewandel beschreiben... Das Geschwätz lebt von dieser Veruneigentlichung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.10.2020 um 02.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44445

Die zuletzt genannten Faktoren 5mal (Schweden) und 5,5mal (USA) beziehen sich natürlich nur auf die im Zusammenhang mit Corona Gestorbenen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.10.2020 um 01.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44444

Ich bin nun mal ein Mensch, der viel von nackten Fakten hält. Auf https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Sterbefaelle-Lebenserwartung/Tabellen/sonderauswertung-sterbefaelle-pdf.pdf?__blob=publicationFile gibt es eine schöne Statistik aller Sterbefälle in Deutschland von 2016 bis 2020, völlig ohne Berücksichtigung der konkreten Todesursache.

Im Moment sind die Tabellen natürlich nur bis August 2020 gefüllt. Aber damit kann man ja auch schon etwas anfangen.

Vom 1.1. bis 31.8.2020 sind danach 634677 Menschen gestorben.
Im gleichen Zeitraum (Jan. bis Aug.) der vier Jahre 2016 bis 2019 sind im Durchschnitt 630167 Menschen gestorben, wie sich anhand der Tabellen sehr leicht nachrechnen läßt.
Wir liegen also in diesem Jahr bis jetzt um ganze 0,7% über dem Durchschnitt des gleichen Zeitraums der vier vorhergehenden Jahre!

Zum Vergleich:
Wenn wir einmal das Jahr 2018 isolieren, da gab es eine heftige Grippeepidemie, und statt dessen den gleichen Durchschnitt über die vier Jahre 2016, 17, 19, 20 bilden, dann liegt 2018 um 4,9% über diesem Durchschnitt.
Die Abweichung war also 2018 in Deutschland 7mal (siebenmal!) so groß wie 2020!

Und nun sehen Sie es sicherlich auch in ganz neuem Licht, wenn z. B. Schweden aktuell 5mal so viele und die USA aktuell 5,5mal so viele Tote (bezogen auf die gleiche Bevölkerungsanzahl) wie Deutschland haben. Auch das liegt noch völlig im Rahmen der normalen Grippewellenschwankungen der letzten Jahre, über die vor Corona niemand sich groß aufgeregt hat!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2020 um 08.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44442

Sehenswert:
Trump hat sich selbst aus dem Krankenhaus entlassen und stellt sich auf den Balkon des Weißen Hauses, salutiert militärisch (!). Das Teleobjektiv vereitelt seinen Plan. (Die meisten Kommentare übergehen das.) Man sieht, wie schwer er atmet und sich zusammenreißt. Seine Miene ist vollkommen starr, nichts Triumphierendes wie sonst. Fast könnte man Mitleid haben. Ein offensichtlich kranker Mann, der keinesfalls das Krankenbett hätte verlassen dürfen. Die Botschaft soll ja sein: „Habt keine Angst vor Covid!“ (Twitter) Aber die Bilder sagen etwas anderes. Wahrscheinlich geht alles gut, bei diesem Aufgebot an Medizin, aber insgesamt ist der Eindruck gespenstisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2020 um 03.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44440

In Deutschland gab es keinen Lockdown, und die Maßnahmen waren viel weniger rigoros als in einigen Nachbarländern. Sehen Sie sich die menschenleeren Straßen in Madrid heute an! Alle Welt ist sich einig, daß Deutschland es verhältnismäßig gut gemacht hat. Was heißt da "irrational"? Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, das ist alles. Drosten hat hundertmal gesagt, die politische Entscheidung müssen die Politiker treffen, nicht die Wissenschaftler. Streeck redet mehr über Politik als über Wissenschaft; daher der deprimierende Eindruck seiner gesammelten Äußerungen.

In Schweden ging es nie so locker zu, wie von einigen behauptet. Man hat in Kauf genommen, daß nicht viel weniger Menschen starben als im mehr als achtmal so großen Deutschland. Ich hatte meinen "eugenischen" Verdacht artikuliert. Aber wozu das noch mal aufrollen?
Streeck will unentwegt aus dem "Panikmodus" herauskommen. Andererseits macht er keine Hoffnung, daß wir Corona je wieder loswerden. Panisch muß man da nicht werden, es wird ja auch keiner, aber Sorgen kann man sich schon machen. (Unsere Jüngste heiratet am Wochenende; so prächtig wie bei der vorigen im letzten Jahr wird es nicht werden... Wir haben auch einen Pflegefall in der weiteren Familie, sehr schwierig wegen Corona.)
In Berlin stecken sich jetzt täglich so viele Menschen an wie im Juni in ganz Deutschland. Schuld ist die von einigen propagierte Leichtfertigkeit.

Trump hat immer behauptet, Corona sei eher harmlos und werde von selbst verschwinden, während er sich zugleich brüstete, millions and millions von Landsleuten durch seine einzigartig frühen und beherzten Maßnahmen (die besten der Welt) das Leben gerettet zu haben.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.10.2020 um 23.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44438

»Leibarzt Conley sagte, er sei nicht sicher, ob Trump auch am Samstag mit Sauerstoff versorgt wurde, aber wenn, dann nur "sehr, sehr begrenzt".« (spiegel.de)

Also entweder »Leibarzt« oder ahnungslos. Was für ein Schmierenstück!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.10.2020 um 23.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44437

Auch ein schwedischer Arzt (Sebastian Rushworth, https://heise.de/-4909231) behauptet, in Schweden sei Herdenimmunität vielleicht schon erreicht. Dort haben sich offiziell knapp 1% der Bevölkerung infiziert, also ebenfalls ein für Herdenimmunität undiskutabler Wert.

Aber das Beispiel Schweden zeigt ganz gut, daß man auch ohne "Panik" gut durch die Pandemie kommen konnte. Ich fand die staatlichen Anordnungen in Deutschland Anfang dieses Jahres schon teilweise panisch, allenfalls zu rechtfertigen mit einer gewissen Unsicherheit und Unerfahrenheit im Umgang mit dem Virus. Rational (auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhend) war dieser weitgehende Lockdown der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens nicht.

In Schweden schon von Herdenimmunität zu sprechen, wäre wohl genauso übertrieben wie anderswo, aber die Lage ist dort heute ähnlich entspannt wie bei uns.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2020 um 20.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44435

Im Gespräch mit Wolfram Weimer erzählt Streeck, was dieser hören will. Am Ende meint er, in Ländern wie Indien sei schon eine gewisse Herdenimmunität festzustellen. Bei 0,5 Prozent Infizierten? Auch Brasilien und die USA, die er nennt, ermutigen nicht gerade.
Und wie immer: Wir sollen endlich aus dem Panikmodus heraus. Waren wir denn je drin?
Aber insgesamt kann er auch nichts anderes sagen, als seine Kollegen, obwohl er ständig versucht, sich abzuheben.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 05.10.2020 um 13.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44433

Anstelle von Mißgunst könnte natürlich auch sozialer Überschwang der Grund für Trumps erbitterten Kampf gegen Obamacare sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2020 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44431

Karikaturisten haben es schwer. Nicht alle Gesichter haben so auffällige Merkmale, daß auch ein minderbegabter Zeichner sie erkennbar abbilden kann. Aber ein Biden, den man nur identifizieren kann, weil "Biden" draufsteht, ist ein ziemlich jämmerlicher Anblick. Ich denke dann immer: Man hätte den Rest auch noch weglassen und das Ganze in Worten ausdrücken können.

Ich kann überhaupt nicht zeichnen und bestaune bildende Künstler, die so etwas können, wie höhere Wesen. Aber ich habe mich auch nie um eine Stelle als Zeichner beworben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2020 um 07.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44429

In den USA wird über die Fotos diskutiert, die Trump bei der "Arbeit" im Krankenhaus zeigen sollen und mit denen offenbar einiges nicht stimmt. Das fiel mir auch gleich auf, aber die Experten haben auch die jedem Digitalbild beigegebenen Daten analysiert. Anscheinend recht dilettantisches Illusionstheater. Das Wahlkampfteam wird wahrscheinlich sagen: "Na und?" Die Inszenierung ist mindestens so viel wert wie die Wahrheit. Wie gesagt: stilbildend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.10.2020 um 07.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44427

Der Leibarzt bekennt sich dazu, die Öffentlichkeit zunächst belogen zu haben, um die vom Weißen Haus gewünschte optimistische Stimmung nicht zu stören. Er findet das auch richtig so. Meister Trump hat es vorgemacht.
Die Praxis ist lange bekannt, die Offenlegung ist neu und könnte stilbildend wirken.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.10.2020 um 23.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44425

Wem "gönnt" Trump die Krankenversicherung nicht?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 04.10.2020 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44422

Heute früh sind gleich zehn Leibärzte fürs Bulletin aufmarschiert. Man sollte Trump wirklich nichts Unverdientes wünschen. Er verdient die medizinische Behandlung des ärmsten Coronakranken, dem er die Krankenversicherung nicht gönnt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2020 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44421

Trump hat einen „Leibarzt“. Das Wort wirkt archaisch, wir haben bloß einen „Hausarzt“. Der wohnt nicht bei uns im Haus, wie man meinen könnte, aber Praxis und Privatwohnung sind nicht weit entfernt, und er würde im Notfall jederzeit rüberkommen. Das hat sich schon bewährt. Bei Mißerfolg droht ihm ja auch nicht mehr, was im schönen Wikipedia-Eintrag über frühere Leibärzte zu lesen ist: „Entlassung, Verbannung, Kerkerhaft, Folter, Verstümmelung oder gar die Todesstrafe“.
Gestern gab Trumps Leibarzt bekannt, daß es dem Präsidenten ausgezeichnet gehe, wenig später updatete er, der Präsident sei noch nicht über den Berg. Das alte Dilemma: Der Herrscher darf nicht krank sein, aber manchmal läßt es sich nicht verschweigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2020 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44399

An Vertragstexten sieht man das Bemühen, lückenlose Regelungen für alle erdenklichen Fälle zu formulieren, aber es ist unmöglich. So werden gewiefte Anwälte auch in Gesetzestexten immer eine Lücke oder ein Schlupfloch entdecken, vor allem wenn sie sich nicht gehalten fühlen, außer dem Buchstaben auch den Geist des Gesetzes zu beachten. Darauf beruhen Steuervermeidungsmodelle, die dem Staat und damit der Allgemeinheit den ihnen zugedachten Anteil vorenthalten. Wer es schafft, durch geschickt verteilte „Verluste“ überhaupt keine Steuern zu zahlen und dadurch immer reicher zu werden, gilt als „smart“ (Trump über sich selbst).

Ich verkenne nicht, daß es sich nicht nur um ein Formulierungsproblem handelt, sondern in vielen Fällen die Begünstigung der herrschenden Kreise schon mehr oder weniger heimlich vorgesehen war. Schließlich werden Gesetzestexte immer öfter von den „Betroffenen“ selbst geschrieben und den Parlamentariern von der Lobby zur Absegnung vorgelegt.

Die legale Form der Korruption ist die feinste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2020 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44347

Der patriotische Geschichtsunterricht, den Trump jetzt an amerikanischen Schulen einführen will, erinnert mich stark an die "Schlußstrich-Debatte", die mich mein ganzes bewußtes Leben lang begleitet hat. In den letzten Jahren war sie abgeflaut, ist dann von der Rechten ein wenig wiederbelebt worden ("Vogelschiß"), wurde zum Teil auch überlagert von der deutschen Wiedervereinigung samt neuem Schlußstrich vs. Vergangenheit, die nicht vergehen will.

Volkserziehung durch Geschichtsschreibung ist aus kommunistischen Diktaturen bekannt, aber auch Indien leistet sich neuerdings Krasses zwecks Marginalisierung der Muslime und des westlichen Einflusses.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.09.2020 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44344

Es ist alles nicht so schlimm gekommen wie vorausgesagt. Die staatlichen Stellen vernebeln die wirklich relevanten Zahlen, aber Stefan Aust „fischt sie heraus“. Danke, Querdenker (Opfer des Präventionsparadoxes)!

Die Erlanger sind vernünftige Menschen. Auf dem Markt stehen eine Handvoll Querdenker mit einem Megaphon. Niemand beachtet sie. Sie wissen zum Beispiel, zu welchem Arzt man gehen und was man dort sagen muß, um ein Attest zu bekommen, das einem das Maskentragen erspart.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2020 um 17.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44310

Gegen eine Dokumentation des Pestizideinsatzes im Südtiroler Obstanbau ziehen die dortigen Bauern unter Führung ihres Provinzministers nun vor Gericht. Ein Dokumentarfilmer hätte zum Beispiel nicht schreiben dürfen, ein bestimmtes Mittel sei "krebserregend", sondern nur "wahrscheinlich krebserregend". Und so weiter (ich zitiere aus dem Gedächtnis).
Anscheinend haben Juristen schon vergeblich vor dem ganzen Vorgehen gewarnt, das drei Jahre zurückliegende Vorgänge wieder in die Medien bringt.
Wie kann man so dumm sein! Wer die Südtiroler Monokulturen kennt, weiß, daß sie für die fortwährende Besprühung mit Pestiziden (sechsmal so viel wie anderswo im Land) durchrationalisiert sind. Mehrere der kritisierten Spritzmittel sind inzwischen von der EU verboten. Was hoffen die armen Tröpfe denn zu gewinnen? Je länger die Gutachterschlacht dauert, desto mehr bleibt hängen.

"Thematisierung" mag ein unschönes Wort sein, aber wie soll man das kommunikative Desaster sonst benennen? Solange man nichts Genaueres wußte und nicht dauernd daran denken mußte, konnte man sich einbilden, die Landschaft um Meran usw. sei schön.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2020 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44286

Zu "Trump und der Wehrdienst" schreibt ein Fan:

Tatsächlich haben viele unserer Verteidigungsminister sich vor dem Wehrdienst gedrückt. Trotz Wehrpflicht damals. Das hat sie später nicht davon abgehalten den obersten Dienstherrn zu geben.

Wirklich?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.08.2020 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44195

Deutschland-Spezialist und DDR-Nostalgiker Victor Grossman spricht bei Counterpunch (26.8.20) über Vizekanzler Olaf Koch, und der Rest ist auch nicht besser.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2020 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44157

Ich träume, daß ich in einer Fischhandlung einen Sterlet kaufe (ausgenommen, ohne Kopf; ich habe übrigens noch nie einen gesehen geschweige denn gekauft). Während die Verkäuferin ihn abwiegt, erkläre ich ihr, daß er zu den Hechten gehört, und sie bewundert meine Sachkenntnis. Ich wache auf und geniere mich doppelt wegen meines Irrtums und wegen meiner Klugscheißerei.

Der Traum soll eine Wunscherfüllung sein, aber welchen Wunsch habe ich mir hier erfüllt? Ein Psychoanalytiker würde es herausfinden, wie er alles herausfindet.

In "Making Monsters" von Ofshe/Watters gibt es ein sehr interessantes Kapitel über die Erfindung der "multiplen Persönlichkeit".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2020 um 18.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44155

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43466

Durch die jetzt bekannt gewordenen E-Mails der schwedischen Epidemiologen Tegnell und Giesecke fällt ein neues Licht auf den "schwedischen Weg".

Schon vor einigen Wochen ist folgender Beitrag erschienen, der in eine ähnliche Richtung geht wie meine Überlegungen zur "eugenischen Tradition":
https://www.thebigq.org/2020/07/21/what-does-swedens-covid-strategy-tell-us-about-swedish-exceptionalism/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2020 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44126

Über den Fußboden läuft ein schwarzbraunes Viech. Mir fällt ein, daß es ein "Speiseinsekt" ist. Das Wort ist erst neuerdings bekannter geworden und hat sicher eine große Zukunft, wie die Viecher selbst.

Die Wanderheuschrecken sind in Afrika eine furchtbare Plage, andererseits könnte man eine Lebensmittelindustrie darauf gründen, wenn sie bloß regelmäßiger aufträten.

Jedenfalls verändert sich unser Blick darauf. Wenn man schon älter ist, hat man einen solchen Wandel der Einstellung auf mehreren Gebieten erlebt. Das betrifft vor allem die "Entsorgung" in eine damals unendlich scheinende Umwelt ("Aus den Augen – aus dem Sinn"). Heute buddeln wir alles wieder aus und machen es wirklich unschädlich. Es geht ganz allmählich, und dann reibt man sich irgendwann die Augen und versteht nicht mehr, wie man so dumm sein konnte. Das sollte uns aber auch nachsichtiger machen im Urteil über Frühere und Fernere.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.08.2020 um 04.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44107

Ich hatte mich beiläufig schon oft über die Häufigkeit des italienischen Familiennamens Esposito gewundert, war aber nicht auf die naheliegende Ursache gekommen. So nannte man eben Findelkinder, und in deren Versorgung war Italien Spitzenreiter, seit Papst Innozenz III. die Einrichtung von Babyklappen angeordnet hatte.
Manchmal wird das harte Los der Findelkinder beklagt, aber es war wohl im Durchschnitt ungleich besser als das mancher Kinder von "gefallenen Mädchen" in späteren Zeiten (Tuam usw.).
Das bekanntest Findelkind seit Moses war d’Alembert, in Deutschland Philipp Rösler.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.08.2020 um 22.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44068

Fremde Sprachen können doch sehr überraschend sein. Hier müßte man sich eigentlich über die Wortreihenfolge wundern. Sollte
da da tan tan
nicht eher mit
schlagen, schlagen, verhandeln, verhandeln
übersetzt werden? Aber für die chinesische Verbverdopplung ist tatsächlich
schlagen, verhandeln, schlagen, verhandeln
die treffendere Übersetzung. Fast ein Paradoxon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2020 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44066

Beim Blättern in diesem Strang stoße ich noch einmal auf http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30085

Das mit dem "chinesischen Sprichwort" war kein Scherz, sondern das gibt es wirklich: da da, tan, tan. Es wird Mao zugeschrieben, aber ich vermute, daß es schon älter ist. Im Grunde ja die universale Taktik: Schlagen, verhandeln, schlagen, verhandeln...

"Schlagen" bedeutet heute oft "Sanktionen".

Oder aus dem Bundestag: "Wer rausgeht, muß auch wieder reinkommen."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2020 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44061

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41616

Hier noch mal aus einer typischen Anzeige:

Arzneimittelbild - Natrium muriaticum

mögliche Ursache, auslösende Umstände:
Verlust der nahestehenden Bezugsperson (Mutter oder Vater) eines Kindes oder Geliebten (sei es durch Todesfall oder Umzug)

auffällige seelische/ emotionale Veränderungen und Symptome:
sehr feinfühlige Menschen, nehmen Beleidigungen lebenslänglich übel, wollen nicht getröstet werden
schreckhaft, hastig, zornig über Kleinigkeiten

auffällige allgemeine Veränderungen und Symptome:
oft durch starkes Verlangen nach Salz auffallend

auffällige körperliche Veränderungen und Symptome:
Kopfschmerzen oder Hautausschläge durch Sonne (Sonnenallergie)
aufgesprungene Lippen mit Rissen (mittig) darin und Herpesbläschen um den Mund
Atemnot bei nächtlichen Schmerzen

schlimmer durch (Umstände oder Einflüsse):
10 Uhr morgens oder abends 22 Uhr, Hinlegen, alle 2 Tage

besser durch (Umstände oder Einflüsse):
am Meer, im Freien, Schwitzen, Aufrichten vom Liegen


(https://www.remedia-homoeopathie.de/natrium-muriaticum/a200656)

Es handelt sich um Kochsalz, verdünnt bis zum Gehtnichtmehr (buchstäblich!) und dann für teures Geld verkauft. Kann man auch nur einen Augenblick diskutieren, ob dies in die Ausbildung von Ärzten und die Erstattung durch Krankenkassen gehört?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2020 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44049

Bisher hatte ich über Greta Thunberg nur gelesen, jetzt habe ich sie in einigen Gesprächen (mit Trevor Noah, Ellen DeGeneres und nun auch – inzwischen siebzehn – mit Stephen Colbert) gesehen und bin beeindruckt. Sehr klar im Kopf und im Ausdruck (immerhin in einer Fremdsprache), auch witzig und ironiefähig, was ja im allgemeinen bei Autismus gerade ausfällt. Ich weiß nicht, in welcher Hinsicht sie „behindert“ sein soll. Höchstens ihre Art, immer gleich zur Sache zu kommen, weshalb sie auch ein Gespräch mit Trump für „a waste of time“ halten würde. Wenn das „verhaltensauffällig“ ist, wünscht man sich mehr davon.

https://www.youtube.com/watch?v=2xorl5kbeJU (Colbert)
https://www.youtube.com/watch?v=rhQVustYV24 (Noah)
https://www.youtube.com/watch?v=rsNskDfd5CM (DeGeneres)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.08.2020 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44034

Cancel Culture.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.08.2020 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44033

Noch zu #44021 und #44022 : In diesem Kommentar wird alles gesagt, was dazu zu sagen ist: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-dfg-loescht-einen-beitrag-des-kabarettisten-dieter-nuhr-16886992.html.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2020 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44032

Auch unter Corona-Bedingungen wird es nie langweilig.

„Inspiriert von Ihrem Browserverlauf“ zeigt mir Amazon allerlei Überraschendes: Reclam-Bändchen über Mafia, Langeweile, Plastik, Schlaf und dazu ein Ladekabel. Womit habe ich das verdient?

Wenn man Handwerker ins Haus holt, erlebt man immer wieder, daß sie ein Werkzeug oder ein anderes Teil vergessen haben und noch einmal zurück „in die Firma“ müssen (so heißt das). Die Firma liegt nicht gerade um die Ecke, aber eine volle Stunde müßte es auch nicht dauern. Immerhin sind sie gerade rechtzeitig wieder da, um in die Frühstückspause zu gehen.
Neulich kam ein Türen- und Fensterspezialist später als angekündigt und berichtete strahlend, er habe seinen Inbusschlüssel vergessen (das einzige, was er bei uns wirklich brauchte) und sich unterwegs im OBI einen besorgt, ganz billig. Den hätte er sich auch von mir leihen können, denn selbst an unserem Haushalt ist die technische Revolution nicht gänzlich vorbeigegangen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.08.2020 um 18.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44022

Er sieht nicht im Klimawandel, sondern in Greta Thunberg die größte Gefahr für die Welternährung? Wo hat er das gesagt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2020 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44021

Auch die SZ macht sich darüber lustig, daß die DFG ausgerechnet mit Dieter Nuhr für Wissenschaftsförderung wirbt, der nicht im Klimawandel, sondern in Greta Thunberg die größte Gefahr für die Welternährung sieht. Die DFG hat diesen Einfall inzwischen zurückgezogen. Interessant ist etwas anderes: Ich nehme an, daß die DFG, wie es heute im akademischen Bereich üblich ist (s. den Fall Streeck), eine Agentur beauftragt hat, die dann naturgemäß mit allem aufwartet, was gut und teuer ist, also der Fernsehprominenz. So dreht sich das selbstreferentielle System im Kreis.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2020 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44004

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35188

Angesichts der doch recht pauschalen Kommentare in den meisten Medien ist diese Detailrechnung ganz aufschlußreich:

https://www.tagesschau.de/faktenfinder/trump-deutschland-truppenabzug-verteidigungsausgaben-101.html

Amerikanische Diplomaten wie der Verteidigungsminister bemühen sich, Trumps schlichtes Gedankengut als einigermaßen rational darzustellen - was er aber durch allzu eindeutige Worte immer wieder durchkreuzt.

Und weil ich gerade bei Trump bin: https://en.wikipedia.org/wiki/Stella_Immanuel

Das ist die Dame, der er mehr vertraut als Dr. Fauci.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2020 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#44000

Hat die Regierung bei Urlaubsrückkehrern gepennt? (t-online 28.7.20, Link. Im Text selbst dann:)
Hat Spahn beim Thema Urlaubsrückkehrer geschlafen?

Die Gaunersprache dient hier nur als Anreiz, wie bei BILD.

In der Tagesschau und einigen Medien wird von Urlaubsrückkehrenden gesprochen, weil auch Frauen darunter sind.

Die Freiburger Serienvergewaltiger werden zur Schonung ihrer Gefühle als Geflüchtete bezeichnet, womit allerdings unterstellt wird, sie seien tatsächlich geflüchtet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2020 um 10.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43986

Mein Großvater (der einzige, den ich kannte) war aus Meißen und sprach reines Sächsisch. Ein phonetisch begabter Kommilitone, der das nicht wußte, sagte mir auf den Kopf zu, daß er bei mir einen leichten sächsischen Akzent hörte. Ähnlich überrascht wie ich damals reagiert meine Frau, wenn man ihr Deutsch für bairisch gefärbt erklärt. Ihre Familie stammt aus Berlin und Thüringen, aber Schulzeit und Studium in Oberbayern färben eben ab. Ich selbst höre das bei ihr nicht, vielleicht wegen übergroßer Vertrautheit (über 40 Jahre).

Dialektfärbung beschäftigt mich immer wieder, weil es kaum zu fassen ist, welche nichtfunktionalen Feinheiten auf die Kinder übertragen werden.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 26.07.2020 um 19.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43985

Die Obersachsen nennen sich Sachsen nach ihrem Herrscherhaus. Die Niedersachsen waren diejenigen, die sich bei der Eroberung Englands wohl als Messermänner aufgeführt haben.

Die Russen heißen so nach den schwedischen Wikingern, die die Kiewer Rus gegründet haben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.07.2020 um 18.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43984

Ich bin Sachse und wußte es nicht, so wie meines Erachtens fast alle. Und die Finnen wissen es noch weniger als die eigentlichen Sachsen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.07.2020 um 17.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43983

Das würde bedeuten, daß die Finnen Deutschland als Messermännerland betrachten. Auf einzelne Stadtteile der größeren Städte paßt die Beschreibung ja schon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2020 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43982

Ob die Sachsen wissen, daß sie eigentlich "Messermänner" heißen? (Sahs, Sax) Ihr Ruf war nicht der beste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.07.2020 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43981

Der Schauspieler Möhring, den anscheinend viele Fernsehzuschauer kennen, hat sich ungewöhnlich dumm über das Impfen geäußert:

Wir tun ja geradezu so, als würde es Viren und Bakterien als Krankheitserreger gar nicht geben", so Möhring. Er halte diese Weltsicht für falsch und meint: "Viren sind Teil unserer Welt und das waren sie schon immer. Unser Köper wehrt zig Angriffe aufs Immunsystem am Tag ab und man muss akzeptieren, dass Krankheiten zum Leben dazugehören."
Der Schauspieler und Musiker verweist auf die "große Pharmalobby" und darauf, dass "der Einfluss der Industrie auf das Impfverhalten" ein Gedanke sei, der zugelassen werden müsse. "Ich bin in einer Zeit großgeworden, in der Kinderkrankheiten total normal waren. Wenn einer Mumps hatte oder Masern, dann sind wir da alle hingerannt, damit wir es kriegen. Das war eine andere Haltung. Aber sie macht auch etwas mit der Stärkung des Immunsystems.
(t-online 24.7.20)

Infektionskrankheiten „machen etwas“ mit Kindern, z. B. haben sie bis vor kurzem jedes zweite tot gemacht, viele andere verkrüppelt. „Das war eine andere Haltung", in der Tat. Die Bekämpfung der Kindersterblichkeit war bisher der größte Erfolg der Medizin und ist der Schlüssel für Wohlstand und alles andere. Hans Rosling hat es ausführlich dargelegt. Die Prominenten und ihre medialen Multiplikatoren sind dagegen ein großes Übel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2020 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43958

Ein "Jugendforscher" beugt sich (aus der Ferne) über die Randalierer, schafft es auch, deren "Migrationshintergrund" nicht zu erwähnen. Eigenlich ist die Gesellschaft schuld, die zu wenig Räume zum "Feiern" zur Verfügung stellt. Und wenn die lebensfrohen jungen Menschen Lust aufs Werfen haben und nur leere Flaschen zur Hand sind, dann kommt es eben, wie es kommen muß. Nur die uneinsichtige Polizei winkt ab; die meisten Festgenommenen sind ihr schon länger bekannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2020 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43947

Frank Pasemann MdB (AfD) auf Twitter:

Präsident @realDonaldTrump bemüht sich um die hispanischen Amerikaner und Zuwanderer. Er teilt die Solidaritätsaktion für die von #Antifanten unter Bann gestellte hispanische #Goya-Kette. Das ist der Antitrump-Journaille natürlich auch nicht recht.

Auch die AfD bemüht sich ja um Zuwanderer. Die unerschütterliche Trump-Verehrung dieser Patrioten ist trotzdem schwer zu verstehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2020 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43927

Weil ich gerade bei Erinnerungen an Witzenhausen bin, der Kirschenstadt in Nordhessen, will ich hier Links zu Videos einfügen, auf denen man meine Kusine Ulrike sehen kann, wie sie den berühmten Spuckekuchen zubereitet; https://www.youtube.com/watch?v=W_CGZZJaMzY
(Im selben Haus bin ich aufgewachsen.)

Dazu ein linguistischer Irrtum:

„Der Spuckekuchen wird auch Spitzekuchen genannt, weil man dabei den Mund zum Ausspucken der Kirschsteine schön spitz machen muss“, wusste Brigitte Braedt gleich zu Beginn der Aufzeichnungen in der kleinen, aber feinen Caféküche zu berichten. (https://www.hna.de/lokales/witzenhausen/witzenhausen-ort44473/witzenhaeuser-herzdamen-zeigen-wie-spuckekuchen-zur-kirmes-zubereitet-wird-90008053.html)

spitzen ist dasselbe wie spucken (engl. spit) und hat mit dem spitzen Mund nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2020 um 16.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43926

Über einem der Eingänge unserer Volksschule stand der Spruch:

O Mensch, bedenke, wer du bist und bleib doch ja nicht stehn,
Man muß aus einem Licht fort in das andre gehen.


Daß mir das nach fast 70 Jahren noch in Erinnerung ist (nicht ohne Rehearsal alle paar Jahre), finde ich erstaunlich. Welche Veränderungen an wie vielen seither oft beanspruchten Synapsen haben sich so lange erhalten, daß sie noch jetzt dieses Sprachverhalten steuern?

Zweitens stimmt es gar nicht. Die richtige Fassung lautet:

Freund, so du etwas bist, so bleib doch ja nicht stehn:
Man muß aus einem Licht fort in das andre gehn.


Ich glaube, "Angelus Silesius" war auch angegeben, aber sicher bin ich jetzt nicht mehr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2020 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43919

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32343

Meine Zweifel werden durch eine neue Blumenberg-Biographie bestätigt: In den Drägerwerken wurden nie "Teleskope für U-Boote" (oder Periskope) hergestellt, sondern Belüftungsanlagen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.07.2020 um 21.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43915

„‚Sie hätten die Pest stoppen können, sie hätten sie stoppen können, Sie haben sie nicht gestoppt‘, so Trump weiter. Man hätte dafür gesorgt, die Ausbreitung des Coronavirus aus der Provinz Wuhan in andere Teile Chinas zu stoppen – nicht aber die weitere Verbreitung aufgehalten.“

Ein gruseliges Beispiel für einen falschen Konjunktiv, wie er inzwischen fast die Regel ist. Er quält hier besonders, weil ein echter Irrealis vorangeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2020 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43909

Einen Effekt auf die Ausbreitung von Viren haben Stoffmasken also auf jeden Fall – und wohl auch einen schützenden Effekt für den Träger. Denn ob und wie krank ein Mensch wird, der mit Sars-CoV-2 in Berührung kommt, hängt von der Zahl der Viren ab. "Meistens ist ein Viruspartikel nicht ausreichend, um eine Infektion zu verursachen", sagt Sars-Mitentdecker Yuen Kwok-yung. "Es braucht 40 bis 200 Viruspartikel, die auf das Nasenepithel, in die Augen oder den Rachen gelangen." Fachleute gehen davon aus, dass Menschen, die weniger Sars-CoV-2-Viren abbekommen, weniger schwer oder gar nicht erkranken. (SZ 11.7.20)

Der Artikel beruft sich wieder auf Zastrow, um die WHO und besonders seinen Erzfeind Wieler/RKI zu kritisieren. Seine eigenen Fehleinschätzungen sind ihm wohl entfallen:

Nehmen wir mal an, sie haben eine Million Viren auf der Hand, das ist nicht viel. Und jetzt spülen sie durch Wasser und Seife 950.000 davon runter. Dann haben sie immer noch 50.000. Diese reichen allemal, um eine Infektion hervorzurufen. Es reicht im Prinzip auch ein Virus, weil die Vermehrung bei dieser Erkrankung in der Mundhöhle stattfindet“, erklärt Zastrow. (28.3.20)

Was ist eigentlich aus dem Gurgeln geworden, das Zastrow im April als Patentlösung propagiert hatte?

Donald Trump erhebt in der Corona-Krise abermals schwere Vorwürfe gegen China. Laut Berichten der Bild wirft der US-Präsident der chinesischen Regierung um Präsident Xi Jinping vor, die Verbreitung des Virus, dass er dabei als „Pest“ bezeichnete, nach Amerika und Europa nicht gestoppt zu haben. „Sie hätten die Pest stoppen können, sie hätten sie stoppen können, Sie haben sie nicht gestoppt“, so Trump weiter. Man hätte dafür gesorgt, die Ausbreitung des Coronavirus aus der Provinz Wuhan in andere Teile Chinas zu stoppen – nicht aber die weitere Verbreitung aufgehalten. (merkur.de 11.7.20)

Das hätte nur durch ein sofortiges Ausreiseverbot für alle Chinesen geschehen können. Aber kein Land verhängt ein Ausreiseverbot, um andere Länder zu schützen, vielmehr ist es an diesen selbst, sich durch Einreiseverbote zu schützen. Die Europäer sind noch früher von den „chinesischen“ Viren befallen worden und haben die Krise mehr oder weniger im Griff, jedenfalls viel besser als die USA mit ihrer ausgezeichneten medizinischen Forschung und klinischen Ausrüstung. Die Schuld liegt also nur bei den Politikern. Inzwischen ist auch klar nachgewiesen, daß die USA weder bei den Tests pro Million Einwohner an der Spitze liegen noch die hohe Zahl der nachgewiesenen Infektionen an der Menge der Tests liegt, sondern auch relativ zur Bevölkerungszahl um ein Vielfaches höher ist als in vergleichbaren Staaten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2020 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43903

„Ich habe nichts gegen XY, aber...“ Schon reingetreten!

Ich sitze in der Mitte der Gesellschaft, also genau dort, wo der Rassismus „angekommen ist“ bzw. „zum Alltag gehört“, ebenso die XY-Phobie und alle anderen unverzeihlichen Sünden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2020 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43880

Der Vorwurf gegen Trumps Nichte, sie wolle mit ihrem Enthüllungsbuch nur Geld verdienen, ist recht komisch. Von einem Dealmaker wäre eher die Entlarvung des Losers zu erwarten, der nicht genug Geld damit zu machen verstehe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.07.2020 um 11.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43848

Wie es mit der Strafanzeige gegen Streeck und andere weitergeht, wird man sehen, aber der Bericht in "Capital" (https://www.capital.de/wirtschaft-politik/neue-ungereimtheiten-bei-der-heinsberg-studie) ist schon lesenswert. Unterm Strich bleibt: Laschet hat bestellt, Streeck hat geliefert. Nur die Rolle der Agentur bleibt etwas im dunkeln. Ebenso die Hintergründe der BILD-Kampagne und das befremdliche Entgegenkommen der FAZ und FAS.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.07.2020 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43836

Der von den üblichen Verdächtigen gegründete Verein MWGFD wird auch seine Anhänger finden (und hat offensichtlich schon Spender gefunden; die Mitgliedschaft ist beitragsfrei). Ich treffe immer noch gebildete Menschen, die es genießen, den "Corona-Hype" als Humbug durchschaut zu haben. Diskussion zwecklos, wie bei Kreationisten usw.

Der Aufruf an die Ärzte, falsche Atteste gegen die Maskenpflicht auszustellen, dürfte allerdings strafbar sein. Viele Äußerungen sind allerdings anonym, der ganze Auftritt hat etwas Geisterhaftes.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2020 um 03.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43827

Manchmal schweift die Fernsehkamera durch die Unterkünfte der ausländischen Schlachthofarbeiter bei Tönnies usw. Die Stimme aus dem Off kommentiert nicht, was man sieht. Das ist auch nicht nötig. Gerade wird im Vergleich mit der Schweiz darauf hingewiesen, daß die Wohnverhältnisse wahrscheinlich einen größeren Unterschied machen als die Arbeitsplatzverhältnisse.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.06.2020 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43817

Hans Rosling berichtet in seiner Autobiographie, wie er als einziger Arzt in einem riesigen ländlichen Gebiet des bitterarmen Mosambik zu arbeiten begann. Anfangs glaubte er, zu Fuß oder mit dem Fahrrad von seiner Wohnung zur Klinik gelangen zu können, statt sich (oft verspätet) mit dem Auto abholen zu lassen. Er mußte einsehen, daß dies seine Autorität unheilbar beschädigen und damit auch seine Arbeit als Arzt unmöglich machen würde. So prinzipientreu er war, er mußte nachgeben. – Ähnliches berichten andere, die in der Entwicklungshilfe tätig waren.

Übrigens lesenswert, auch wenn das Elend (besonders die Kindersterblichkeit) schwer an die Nieren geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.06.2020 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43810

Testen, testen, testen - aber gezielt. (Jens Spahn (@jensspahn) June 29, 2020)

Das geht nicht, es muß heißen: Testen, aber gezielt. Dagegen heißt es in Bayern Testen, testen, testen. Aber das lehnt Spahn ja ab, als "nicht zielführend". Was geht es ihn an? Die bayerischen Ziele kennt er ja auch gar nicht.

Noch ein bißchen Corona-Politik:

Lindner und Laschet sind die Lieblinge der FAZ (Politikredaktion), daher auch „Laschets Hausvirologe“ (FAS) Streeck, mit dem die FAS am 28.6.20 schon wieder ein Interview führt. Darin sagt er:

„Wenn ein Atemschutz nicht gewaschen wird, können sich Bakterien und Pilze ansiedeln.“

Gibt es denn Gründe, immer wieder auf diesen Punkt hinzuweisen? (Vgl. schon KStA vom 10.6.20: "Virologe Streeck: ´Masken sind ein wunderbarer Nährboden für Bakterien und Pilze´") Hat sich jemand durch ungewaschene Masken eine Krankheit zugezogen?

„Da man nicht wusste, wie weit der Ausbruch [bei Tönnies] sich schon verbreitet hatte, war es gut, erst einmal begrenzte Beschränkungen einzuführen. Jetzt, wo sich abzeichnet, dass die Infektionen vor allem Mitarbeiter von Tönnies getroffen haben, kann das vielleicht auch wieder zurückgenommen werden.“

Zur gleichen Zeit wird gemeldet: Corona-Ausbruch im Kreis Gütersloh – Mindestens 75 Fälle ohne Bezug zu Tönnies (t-online,de 27.6.20)

„Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Schüler stärker infektiös sind als Erwachsene.“

Hat das jemand behauptet? Das Problem mit den Schulen ist, daß wegen der flächendeckenden Schließung noch wenig Erfahrung mit dem Infektionsrisiko gesammelt werden konnte.

Im Fernsehen forderte Streeck ein zentrales bundeseinheitliches Vorgehen, aber was soll das bringen? Höchstens ein Verdecken der NRW-Schlamperei (Laschets bösartiges Wort „Stigmatisierung“ wäre dann gegenstandslos).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.06.2020 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43800

Schock-Fund bei Spaziergang: Mann entdeckt Schlange im Gebüsch

Es handelte sich um eine 80 cm lange Ringelnatter; die Feuerwehr wurde gerufen, ein Experte aus einer anderen Stadt geholt, die Schlange eingefangen und anderswo (warum eigentlich?) wieder ausgesetzt. Die Zeitungsleute in ihrem Gehäuse machen daraus eine Sensationsmeldung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2020 um 12.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43793

Von Laschets "Expertenrat" hat man lange nichts mehr gehört. Eigentlich müßte eine so hochrangig beratene Regierung doch eine sehr gute Corona-Politik betreiben. Es gibt freilich andere Räte, die sich ganz und gar verbergen, etwa den Rat für deutsche Rechtschreibung oder den Deutschen Sprachrat.

Wenn solche Un-räte auch noch gezwungen sind, per Konferenzschaltung zu tagen, dann darf man vermuten, daß sie es lieber ganz bleiben lassen, zumal bei besagtem Expertenrat schwer vorstellbar ist, daß die Mitglieder einander etwas zu sagen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2020 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43790

Trump sinniert vor seinen Fans und den Fernsehkameras der Welt darüber nach, was das 19 im Namen Covid 19 bedeuten könnte, kommt aber nicht darauf:

"Kung flu, yeah. Kung flu. Covid. Covid-19. Covid. I said, What´s the 19? Covid-19. Some people can´t explain what the 19 – give me the – Covid-19. I said, That´s an odd name. I could give you many, many names."

Eigentlich geht es ihm wieder mal darum, die Wissenschaftler herabzusetzen, die sich so verdammt schwierige Namen ausdenken, statt "Kung flu" oder "China-Virus"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.06.2020 um 08.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43764

Er sei schon immer vom christlichen Menschenbild geprägt gewesen. "Der Glaube gibt einem privat Halt und Demut und als Politiker auch wichtige Koordinaten." Es sei seine Überzeugung, dass Politik vom christlichen Menschenbild geleitet werden sollte. (Philipp Amthor 2019 nach seiner katholischen Taufe)

Nachtrag: „Ex-Manager von Augustus Intelligence sagen, das Unternehmen habe kein Produkt, keine Kunden und keine Umsätze.“ (Handelsblatt) Registriert ist es übrigens in Delaware, vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36991
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.06.2020 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43755

Die FAS brachte gestern einen Bericht über mäßige bis schlechte Erfahrungen mit Corona-Apps in anderen Ländern. Minister Spahn scheint ja auch nicht mehr so recht überzeugt. An sich ist die Idee ja gut, aber es gibt viele Hindernisse; man wird das Scheitern vermutlich auf den übertriebenen Datenschutz schieben.

Die Erfassung von Kontakten ist ein Fremdkörper in unserer Gesellschaft. Wir sind weder technisch noch rechtlich noch psychologisch darauf vorbereitet.

Abstand und Maske sind das A und O und werden es bleiben: wirksam und praktisch kostenlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2020 um 04.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43677

Wolfram Weimer behauptet Ende Mai:

„Die Wirtschaft fährt die Produktion wieder hoch, Schulen füllen sich, Restaurants öffnen und Geschäfte habe alle wieder auf – auf die Infektionszahlen hat all das, entgegen vieler Mahnungen, keine negativen Auswirkungen.“

Anschließend legt er selbst dar, daß sich das vorsichtige Verhalten (Abstand, Maskenpflicht) nicht verändert hat – also bestehen die Einschränkungen tatsächlich weiter. Außerdem ist die nachlässige Aufzählung irreführend, weil sich die Schulen in Wirklichkeit nicht „füllen“, auch die Restaurants und Geschäfte nur teilweise. Von Normalität sind wir auf allen Gebieten weit entfernt. Und ob die Infektionszahlen nach den Lockerungen nicht steigen, ist nicht ausgemacht und war es vor einer Woche schon gar nicht. – Typisch ist auch das Heraussuchen einer eher abseitigen Meinung (Karol Sikora).

-

Im Focus vom 26.03.2020 schrieb Weimer:

"Die Coronavirus-Pandemie zeigt, dass Deutschland seine Führungsrolle als Apotheke der Welt unnötig verspielt hat. Jahrelang wurde die Pharmabranche politisch verteufelt, bis sie das Land verlassen hat. Nun leiden wir darunter und müssen um lebenswichtige Medikamente aus Indien betteln."

Die Pharmaunternehmen produzieren aus Kostengründen im Ausland, nicht weil sie hierzulande verteufelt worden wären. Weimer zählt auf: Merck, Behringer (!), Schering, Bayer und Hoechst. – Über die Firmengeschichte kann man sich informieren. Auf Verteufelung in Deutschland wird man dabei nicht stoßen. Das phantasiert er sich zurecht wie so manches andere. (Z. B. die gesetzliche Pflicht, die reformierte Rechtschreibung zu verwenden...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2020 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43650

Bei dieser Gelegenheit habe ich gelernt, daß es "Eigentliche Störche" gibt, auch "Eigentliche Paradiesvögel" usw. Man erkennt, daß die Taxonomie nachträglich verfeinert worden ist. So auch die vielen "Katzenartigen", "Regenpfeiferartigen" usw. Die Terminologie hat etwas Ungelenkes.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2020 um 07.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43644

Zur Zeit kann man viel über Störche lernen, weil sie überall gerade ihre Jungen aufziehen. Hier sind 532 Storchen-Webcms verlinkt: http://www.storchenelke.de/storchen_webcams.htm
Am besten hält man sich an die mit Live-Übertragung, zum Beispiel hier in der Nähe in Röttenbach und Höchstadt.

Wie man sieht, füttern die Elterntiere hauptsächlich mit Fischen, nicht Fröschen. Die Eltern wechseln sich ab, manchmal sind beide ausgeflogen. Die Jungen "üben" das Fliegen, werden aber nicht darin unterrichtet und ahmen nicht nach.

In Erlangen hat kürzlich ein fremdes Paar versucht, ein eingesessenes aus dem Nest zu vertreiben, und schon mal die Eier zerstört. Die Einheimischen blieben zerzaust, aber sieghaft zurück und fingen gleich wieder an, den Nachwuchs zu ersetzen.

Ähnliches wird von anderen Vogelarten berichtet, die eigentlich keine Brutschmarotzer sind, sich aber gelegentlich wie Kuckucke aufführen (Dawkins über Schwalben).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2020 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43640

Noch berichten alle Medien über einen Fall wie jetzt in Leer, wo ein "Super-Spreader" (das Wort dürfte bleiben) viele angesteckt hat, ebenso über die Baptistengemeinde in Frankfurt. Daran werden wir uns gewöhnen müssen.
In anderen Weltgegenden trägt man mit Selbstverständlichkeit Mundschutz, bei uns rennen sie auf Demonstrationen wg. Abschaffung des Grundgesetzes... Mir fallen andere Verstöße ein, nicht nur eingebildete.

Nachtrag: Daß sich in Frankfurt bei einer einzigen religiösen Veranstaltung über 100 Menschen angesteckt haben, finde ich erstaunlich und erschreckend. Es deutet auf die Gefährlichkeit der Aerosole hin, denn Tröpfchen können es kaum gewesen sein. Es gibt auch aus anderen Ländern Berichte, wonach offenbar ein ständiger virusbelasteter Luftzug einen ganzen Saal voll Menschen erreicht hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2020 um 15.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43628

Aus dem Thesenpapier von Schrappe et al. vom 5.4.2020 (aus der Lockerungsecke):

„SARS-CoV-2/Covid-19 wird durch Tröpfchen-Infektion übertragen.“

Schmierinfektion wird in Erwägung gezogen, aber für unwahrscheinlich gehalten, Aerosole werden gar nicht erwähnt (inzwischen werden sie für 40 % der Infektionen verantwortlich gemacht). Die Thesen werden sehr selbstbewußt vorgetragen, pompös mit einer „Präambel“ usw., die ganze Pracht der Professorentitel, entsprechen aber nicht dem Stand des Wissens.

Heute fordern die einen die sofortige Öffnung aller Kitas und Schulen, andere sehen in den Schulen "Todeslager für unsere Kinder". Je weniger Tatsachen, desto stärkere Worte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2020 um 15.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43627

Auf Porträts stützen Geistesarbeiter gern ihren Kopf. Bei Handwerkern usw. sieht man das eher selten. Ist diese Ikonographie schon bearbeitet worden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2020 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43622

Vier medizinische Fachgesellschaften haben Bund, Länder und Kommunen gemeinsam dazu aufgerufen, Kindergärten und Schulen trotz der Corona-Pandemie umgehend und vollständig zu öffnen. (NOS 18.5.20)

Auf den Inhalt will ich nicht eingehen, vielleicht haben sie recht, vielleicht auch nicht. Aber "Verbände" rufen nicht auf, das tun nur einzelne Menschen. Vertreten sie die Meinung der Verbandsmitglieder? Wie viele haben sich dazu geäußert? Das alte Problem. Wir haben die "Verbändeallianz" der Schulbuchverleger noch in bester Erinnerung. Damals haben angeblich die deutschen Lehrer, Eltern, Schüler, Zeitungen usw. sich geschlossen für die Rechtschreibreform ausgesprochen, nur 93 Prozent der Bevölkerung lehnten sie ab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2020 um 06.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43615

In China herrscht eine Diktatur, keine Frage, auch wenn man in solchen Fällen immer genau hinsehen muß, um nicht in ein pauschales Wüten zu verfallen.

Was die Vorwürfe wegen Corona betrifft, ist es ganz interessant, ein frühes Interview mit Prof. Drosten nachzulesen:

https://www.tagesschau.de/inland/coronavirus-interview-101.html

Ich möchte auch noch einmal daran erinnern, daß alle Regierungen ein Interesse daran haben, Katastrophen zunächst herunterzuspielen (Ruhe als erste Bürgerpflicht), auch wenn sie daran überhaupt keine Schuld tragen. Wie anderswo erwähnt, ist uns die Reaktion der bayerischen Regierung auf Tschernobyl unvergeßlich. In diesem Fall kann man die Verbandelung mit der heimischen Atomlobby anführen. Auf die AKWs sollte kein Schatten fallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2020 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43612

Die neuen Schätzungen über Corona-Infektion sehen so aus: 40 % Tröpfchen, 40 % Aerosol, 10 % Schmierinfektion u.ä. – Das wirft ein neues Licht auf die Verhaltensempfehlungen der letzten Wochen.

Den älteren Menschen gehen durch die Seuche auch nicht sechs Monate verloren, so daß man sie sozialverträglich hops gehen lassen könnte (Boris Palmer), sondern 9 bis 11 Lebensjahre.

Daß jeder Kranke behandelt wird, gehört zu den Grundlagen unserer Gesellschaft – wie das Vertrauen der Soldaten darauf, daß Verwundete und Tote geborgen werden.

Das Virus hat sich erstaunlich schnell über die ganze Erde verbreitet. Wenn man sich ein wenig damit beschäftigt, kommen einem manche "Narrative" recht abenteuerlich vor. Die geplanten Aufmärsche dürften Folgen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2020 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43601

Die Abneigung gegen Zahlen ist bei manchen Menschen so groß, daß sie behaupten, RKI-Direktor Wieler "widerspreche sich pausenlos", nur weil sie immer wieder andere Zahlen aus seinem Mund hören. Kubicki bestärkt sie darin: „Ich weiß nicht, was ich mit der R-Zahl von 1,1 oder 1,13 anfangen soll.“

In Wirklichkeit hat sich Wieler noch nie widersprochen. Aber wenn man den Leuten das erklären will, hören sie schon wieder weg. Schon die geringste Komplexität macht sie wütend. Die Welt ist einfach, und das soll sie auch bleiben. (Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=344#42208)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2020 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43595

Elon Musk sorgt alle paar Tage für Aufreger, aber seine größte Untat, völlig legal, bleibt unerwähnt: Er bevölkert den nahen Weltraum zur Zeit mit Zehntausenden von Minisatelliten für das Internet. Mit jeder Rakete werden 60 weitere hochgeschossen. Schon jetzt ist der Himmel für Astrofotografen mit unzähligen feinen Strichen überzogen, und auch die Weltraumfahrt wird schwer gefährdet. Dieser Schaden ist nicht wiedergutzumachen. Aber das Interesse der Öffentlichkeit an Astronomie war schon immer gering, und so bleiben die Demos aus, die heute bei jeder Nichtigkeit veranstaltet werden und die Kameras auf sich ziehen, als seien es weltbewegende Tatsachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2020 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43583

FAS 10.5.20: Schon wieder eine ganze Seite über den Virologen Streeck, wieder von Peter-Philipp Schmitt (vgl. FAZ 16.3.20). Diesmal will die Heldenverehrung uns auch für Privates interessieren: daß er ein hübscher Kerl ist („wie ein Model, nicht wie ein Wissenschaftler“; allerdings sollen Frauen Drosten anziehender finden), musikalisch begabt und mit einem Mann verheiratet, daß ein Golden Retriever namens Sam auch mit zur Familie gehört usw. Sein Podcast im „Haussender“ der CSU (Bayerischer Rundfunk) sei abgewürgt worden, weil seine Botschaft Söder weniger paßte als die Drostens – dieses Gerücht, eigentlich ein unerhörter Vorwurf im Stil der rechten Verschwörungstheorien, wird ungeprüft weitergegeben.
Die unglückliche Geschichte mit der PR-Agentur Storymachine (über die Connection auch zur Landesregierung von NRW ist gerade mehr herausgekommen) wird zwar erwähnt – aber woher kannte Streeck Westerwelles Lebensgefährten Mronz schon lange vorher (wie er selbst zu seiner Rechtfertigung beteuerte)? Schmitt ist seit Jahren für Homosexualität, Aids und Design zuständig.
Er behauptet übrigens fälschlicherweise, daß der NDR weiterhin „täglich“ Drostens Podcast ausstrahle (in Wirklichkeit zweimal wöchentlich). Der ganze freundschaftliche Artikel ist ein ziemliches Desaster für die Zeitung; mein Abo läuft aber sowieso aus (nach über 50 Jahren, mit einer Unterbrechung).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2020 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43567

Ganz anders sieht das offenbar Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. „Ich glaube nicht an eine zweite Welle. Es gibt aber führende Infektiologen, die warnen dringend vor einer zweiten Welle. Als Wirtschaftspolitiker hoffe ich nicht und ich richte meine Politik auch darauf aus, dass keine zweite Welle kommt, denn wenn ich jetzt mit einer zweiten Welle rechnen würde, dann dürfte ich die Gastro nicht öffnen. (Merkur 8.5.20)

Für meine Frau ist Aiwanger seit Jahren die personifizierte Bauernschläue.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2020 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43565

Ausnahmsweise mal Tagesschau gesehen.

Der Versuch mit dem Grundeinkommen in Finnland ist gescheitert und wird nicht fortgesetzt. Es habe den Empfängern „gut getan“, ist alles, was die Regierung dazu sagen kann. Man kann sich denken, daß es gut tut, sich nicht mehr um eine Arbeit bemühen zu müssen. Arbeitslose blieben arbeitslos. Das deutsche Fernsehen pickt sich eine Frau heraus, die ein Café gründete (das aber dann unter Corona litt). Dieser Ausnahmefall nimmt den Hauptteil des Berichts ein, so daß der Eindruck überwiegt, der Versuch sei ein Erfolg gewesen. Es ist nichts falsch, aber richtig ist es auch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2020 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43557

Der große Epidemiologe Wolfram Weimer (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1032) meint:

„Tegnell hat in Schweden einen mutigen Sonderweg durchgesetzt. (...) Dass nun die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den schwedischen Weg ausdrücklich lobt, ist daher politisch für viele Regierungen Europas brisant.“

Nicht die WHO hat Schweden gelobt, sondern Direktor Mike Ryan. Übrigens nicht so eindeutig, wie es in deutschen Zeitungen scheint. Vgl. auch:

Ryan has provided answers to common questions about strategies to combat the COVID-19 pandemic and find a vaccine. Based on his experience in the Democratic Republic of the Congo with Ebola, Ryan has said that while physical distancing, lock-downs, and movement restrictions will stop the spread of COVID-19, eradicating the virus will require large scale public health interventions with a focus on the central tenets of containment: community-based surveillance, contact tracing, isolation, and quarantine. (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2020 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43555

In der letzten FAS (3.5.20) wurde auf drei vorzüglichen Seiten ausgebreitet, was dem medizinischen Laien über das Corona-Virus erklärt werden kann. Wenn man versucht, sich ein wenig hineinzuarbeiten, kommen einem die forschen Sprüche an der neuen Einheitsfront (Laschet, Lindner, Kubicki, Gauland) ziemlich frivol vor. Gerade der besondere Zungenschlag dieser Herren, ein gewisseer polemischer Überschuß, entlarvt sie.

Man erkennt auch die traditionelle Ambivalenz den Wissenschaftlern gegenüber. Einerseits werden sie verehrt, ihre Biographien verfilmt usw. Andererseits haßt man sie, weil man die Komplexität haßt. Da kann es dann schon mal zu Exzessen kommen (Kulturrevolution, Pol Pot), mit Vernichtungsfeldzügen gegen die Eierköpfe und Brillenträger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2020 um 19.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43554

Die vielen schönen Ankündigungen der "Rückkehr zur Normalität" haben etwas Kindisches. Jeder weiß, daß es die Normalität vorläufig nicht geben wird, weil das Virus ja nicht verschwunden ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2020 um 19.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43553

Der Streit darüber, ob jemand an oder mit Corona gesorben ist, erinnert mich an einen Satz, den ich zu grammatischen Zwecken schon zitiert habe:

An Altersschwäche zu sterben, ist überall auf der Welt ungesetzlich. (Sherwin B. Nuland: Wie wir sterben. München 1995:80)

Nuland wollte damit sagen, daß die Obduktion immer eine besondere Ursache feststellt, ein spezifisches Organversagen. So könnte man auch sagen, daß niemand an Corona stirbt - das ist ja auch gar nicht möglich. Man stirbt ja auch nicht an einer Gewehrkugel, sondern an Blutverlust usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2020 um 16.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43551

Die Politik muss begreifen, dass sie nach dem machtvollen Moment, da ihr Befehl alle Räder stillstehen ließ, nun den schrittweisen Machtverlust zulassen muss... (Johannes Leithäuser, FAZ 4.5.20)

Damit wird unterstellt, daß „die Politik“ eigentlich die Macht, die sie mit den Einschränkungen ausübt, nicht wieder abgeben will. Die Corona-Krise als Mittel zum Zweck oder wenigstens als günstige Gelegenheit zur Machtausweitung... So stellen es ja auch die Radikalen von rechts und links dar. Wenn das die Meinung ist, sollte der Redakteur es offen sagen und auch ein wenig begründen. Schließlich ist es ein ungeheuerlicher Vorwurf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2020 um 07.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43545

In Laschets Expertenrat sitzt naturgemäß auch der Psychologe und Marktforscher Stephan Grünewald, dem wir hier vor Jahren schon begegnet sind.
Es ist immer wieder erstaunlich, wofür alles solche Leute für zuständig gehalten und befragt werden.
Vgl. https://www.horizont.net/planung-analyse/nachrichten/stephan-gruenewald-zu-seiner-aufgabe-im-expertenrat-corona-wir-sind-mitten-in-der-sozialen-fastenzeit-182080
Grünewald sieht – um nur ein Beispiel zu nennen – in der Coronakrise "Freiheitsfreunde gegen Staatsgläubige" aufgestellt. Er bringt seine politischen Ansichten "als Psychologe" an den Mann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2020 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43544

Mitte April verkündete Prof. Zastrow, daß es eine phantastisch einfache Methode gibt, Corona unschädlich zu machen: Gurgeln.

"50 bis 60 Personen, die mit Erkrankungen aus Skireisen nach Italien heimgekommen sind", schätzte Zastrow, seien dem Vorschlag gefolgt. Dabei habe es sich herausgestellt, dass es in der Folge bei diesem Personenkreis kaum schwere Krankheitsverläufe gegeben habe.

https://www.infranken.de/regional/coburg/coronavirus-mildert-das-gurgeln-mit-mundspuelungen-den-krankheitsverlauf;art214,4993209

Der Rest der Welt ist noch nicht darauf gekommen. Zwar haben andere Mediziner gleich dargelegt, warum Mundspüluungen das Virus im Rachen nicht erreichen, aber das sind eben Vollidioten, genau wie die RKI-Mannschaft. Die ganze Forschung ist unsagbar lächerlich, wenn man schon weiß, wie es geht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2020 um 04.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43538

Zur Zeit wird die (auch im Ton überraschend) heftige Kritik verbreitet, die der Krankenhaus-Hygieniker Prof. Klaus-Dieter Zastrow am RKI übt, wo er selbst früher beschäftigt war. Besonders die subversiven Medien RT Deutsch (Russia Today), Sputnik und Epoch Times interviewen ihn gern.

Am 22.1.2020 wurde gemeldet:

Chefarzt Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow über Corona-Virus: "Nicht besonders gefährlich"
Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow schätzt den derzeit grassierenden Corona-Virus als nicht besonders gefährlich ein. Mit Mundschutz und einem Desinfektionsmittel für die Hände könne man sich gut schützen. Gefährlich sei der Virus nur für Menschen mit Vorerkrankungen und für Babies.


Am 28.3.2020:

„Händewaschen bringt gar nichts“, empört sich dagegen der Hygieneexperte Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow im Sputnik-Interview. „Mit Wasser und Seife können sie vielleicht Schmutz und ein paar Tausend Viren und Bakterien abschwemmen von ihrer Hand. Aber sie sind nicht tot, sondern leben vielleicht dann noch im Waschbecken und auf dem Wasserhahn fröhlich weiter. Und sie können auch nicht alles abschwemmen. Nehmen wir mal an, sie haben eine Million Viren auf der Hand, das ist nicht viel. Und jetzt spülen sie durch Wasser und Seife 950.000 davon runter. Dann haben sie immer noch 50.000. Diese reichen allemal, um eine Infektion hervorzurufen. Es reicht im Prinzip auch ein Virus, weil die Vermehrung bei dieser Erkrankung in der Mundhöhle stattfindet“, erklärt Zastrow. (sputniknews)

Soweit ich weiß, hängt das Infektionsrisiko sehr von der Virenkonzentration ab, „ein Virus“ reicht nicht aus. Das Händewaschen gehört auf der ganzen Welt neben Abstand und Maske zum Grundbesteck der Corona-Bekämpfung. Zastrows Rat, immer ein Fläschchen mit einem Desinfektionsmittel aus der Apotheke, nicht aus dem Drogeriemarkt bei sich zu tragen, dürfte in weiten Teilen der Menschheit unrealistisch sein. Es ist schon schwer genug, das Händewaschen zu verbreiten. Die Behauptung, dies bringe "gar nichts", könnte gefährliche Folgen haben.

Epoch Times schreibt:

Seit Monaten richtet Hygiene-Experte Professor Klaus-Dieter Zastrow seinen Appell an die Öffentlichkeit: Händedesinfektion und Mund-Nasen-Schutz. Zunächst erfolglos. Elf Wochen später setzt sich in den Bundesländern nach und nach eine Maskenpflicht durch. Dabei hat sich an den wissenschaftlichen Erkenntnissen nichts geändert.

Das klingt so, als sei Zastrow ein leider ungehörter früher Warner gewesen. So war es aber nicht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 29.04.2020 um 14.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43528

Wie gesagt, es ging nicht um die konkrete Situation auf weitläufigen Verkaufsflächen, sondern um die Steuerung des Publikumszulaufs insgesamt. Wer erst mal in der Stadt oder im Einkaufszentrum ist, läuft dort herum. Man kann aber genausogut umgekehrt argumentieren: Diejenigen, die sich jetzt in den kleineren Läden gegenseitig auf die Füße treten – dort ist es ja trotz Zutrittssteuerung am Eingang oft kaum möglich, Abstand zu halten –, würden zeitweise auch die größeren Geschäfte besuchen, wenn die öffnen dürften. So könnte es zu einer gewissen Entzerrung kommen. Es ist aber ohnehin nicht davon auszugehen, daß die Leute ihre Entscheidung von einer formalen Vorgabe abhängig machen, die ihnen wenig sagt. Wer hat schon eine Vorstellung davon, wie groß eine Fläche von 800 Quadratmetern ist? Welcher Laden hat nun auf, welcher zu? Wer nach Wochen erzwungener Abstinenz (so empfinden es viele ja) hört, daß die ersten Geschäfte wieder öffnen, rennt los, um sich erst mal selbst ein Bild zu machen, so einfach ist das.

Steuerungsmaßnahmen werden nur dann auf Dauer erfolgreich sein, wenn die Leute sie für sinnvoll halten. Das »ouderenuurtje«, das die Supermärkte hier in Holland eingeführt haben, ist so eine Maßnahme. Die Läden öffnen eine Stunde früher als sonst und reservieren diese Stunde für ältere Kunden über 70. In einigen Supermärkten gibt es inzwischen auch spezielle Seniorenkassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2020 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43526

Diese Begründung war mir nicht bekannt, und sie ist ja auch wirklich weltfremd. In weitläufigen Märkten oder beim Autohändler stehen die Kunden einander nicht gerade auf den Füßen.

Beachtenswert scheint mir der Vorschlag, die Kinder tageweise in kleineren Gruppen in die Schulen gehen zu lassen, damit sie neben dem häuslichen Lernen auch Kontaktphasen haben, wie beim Fernstudium erprobt.

Die Schulen waren am schlechtesten vorbereitet, aber wenn Herr Laschet (bei Anne Will) die gesamte Verantwortung auf die Kommunen abwälzt, macht er es sich zu einfach. Es geht ja in der gegenwärtigen Situation nicht nur um die sachliche Ausstattung, sondern zu allererst um ein Unterrichtskonzept, und das ist durchaus Sache der Kultusminister. Sie lassen es sich ja auch nicht nehmen, über das weitere Vorgehen zu beschließen.

Mir ist noch etwas aufgefallen: Laschet und Lindner haben in sehr schlichter Weise argumentiert: Die Wissenschaftler widersprechen einander doch bloß dauernd, da muß die Politik eingreifen und entscheiden. Lauterbach hat es richtigzustellen versucht, aber ob es ankommt?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.04.2020 um 22.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43509

Die Bundesregierung hat die 800-Quadratmeter-Grenze nicht damit begründet, daß in großen Geschäften die Ansteckungsgefahr höher wäre oder die Hygieneregeln schwerer umgesetzt werden könnten, sondern damit, daß diese Geschäfte eine besonders große Anziehungskraft auf die Leute ausüben, so daß sich die Städte und Einkaufszentren insgesamt zu schnell wieder füllen. Es sollten nicht auf Knopfdruck gleich alle Geschäfte wieder öffnen dürfen, sondern erst mal nur ein Teil. Das gewählte Kriterium war aber zu offensichtlich willkürlich gewählt. Genausogut hätte man beschließen können, daß per Losentscheid jeder zweite Laden wieder öffnen darf, unabhängig von der Fläche. Deshalb verwundern die Gerichtsentscheidungen in der Tat nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2020 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43507

Das Bayerische Verwaltungsgericht hat die unintelligente 800-Quadratmeter-Beschränkung für Läden gekippt, wenn auch zunächst ohne Folgen. Das war vorauszusehen. Es kommt doch nicht auf die Fläche an, sondern auf das, was darauf stattfindet.

Wir haben von Anfang an gesagt, daß man die Gelegenheiten sortieren muß, bei denen man sich am ehesten ansteckt. (Waldwege gehören nicht dazu...)
 
 

Kommentar von Ivan Panchenko, verfaßt am 27.04.2020 um 10.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43505

Vorsicht, Psiram findet man unter psiram.com, dagegen ist psiram.science ein Spiegel-Fake, auf dem Werbung angezeigt wird und „Lügen sind unser Geschäft“ im Seitentitel (siehe Titelleiste des Browsers) auftaucht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2020 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43502

Noch einmal zu Schweden:

Tugendhafte Menschen brauchen keine Polizei, weil sie von sich aus das Richtige tun.

Der wundersame Bericht über Schweden, den die "Freie Welt" kürzlich brachte, bringt uns nahe, was Zivilisiertheit und wahrer Gemeinsinn bedeuten. (https://www.freiewelt.net/nachricht/was-schweden-anders-macht-10080828/) Nur eins macht stutzig:

Die Kontrolle geht anders: »Die Person bricht aber mit den gemeinsamen Regeln und Normen und muss einen Ausschluss aus der Gemeinschaft befürchten.«

Also doch Kontrolle und sogar Furcht? Jeder paßt auf, daß der andere sich nicht danebenbenimmt. Wo bleibt da die Vernunft?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2020 um 07.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43500

Meine Sorge ist nicht besonders groß, aber die demonstrative Frechheit mancher Leute geht mir gegen den Strich. Dabei wäre es so einfach, ein Minimum an Rücksicht walten zu lassen. Ich bin ja ein ziemlich ausgeglichener und ausgleichender Mensch, aber was ich da manchmal erlebe, übersteigt meine emotionalen Möglichkeiten. Es ist, als wenn Ihnen jemand ins Essen spuckt.

Die Einschränkungen usw. sind sicherlich zum Teil inkonsistent und kopflos, aber andererseits stecken sich immer noch Tausende an.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 27.04.2020 um 06.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43499

Lieber Herr Ickler, Sie beschreiben zum wiederholten Mal Ihre Sorge, sie könnten von Menschen angesteckt werden, die auf einem Feld- oder Waldweg an Ihnen vorbeigehen: Spaziergänger, Gassigeher, Walker, Jogger. Ich frage mich: Ist diese Befürchtung nicht übertrieben?

Überlegen Sie, wie viele solche Begegnungen mit kürzestzeitiger Unterschreitung des Abstands von anderthalb Metern es seit Corona jeden Tag pro Person gegeben hat. Vor allem in den Städten, auf den Wegen zum Einkaufen oder zur Arbeit zum Beispiel. Viele nutzen auch nach wie vor den öffentlichen Nahverkehr. Da ist die Gefahr doch jedesmal tausendmal größer, weil ein im wesentlichen geschlossener Raum von Dutzenden Menschen genutzt wird, und zwar jedesmal sehr viel länger als eine Sekunde oder wenige Sekunden. Dasselbe beim Einkaufen. In den Geschäften hatten bis zuletzt viele Kunden und sogar viele Mitarbeiter keine Maske im Gesicht, vor allem weil es noch kaum welche zu kaufen gegeben hatte. Folglich müßte längst halb Deutschland infiziert sein, wenn es die von Ihnen unterstellte Gefahr in nennenswertem Ausmaß gäbe.

Zum Beispiel hätten sich auch längst jene Walker gegenseitig angesteckt, die ihre ganzen Wanderstrecken mit anderen Walkern gemeinsam zurücklegen und sich dabei unterhalten, wie Sie es beschreiben. Deren Kontakt mit vielleicht zwei Meter Abstand dauert schließlich nicht nur eine Sekunde wie bei der Begegnung mit Ihnen, sondern bei jedem Walking vielleicht eine Stunde.

Warum wohl erstreckt sich die Maskenpflicht, die ab heute überall herrscht, nicht auf Wald und Wiesen? Und die geplante App zur Erfassung von Kontakten soll enge Kontakte ab einer Dauer von 10 Minuten erfassen, habe ich gelesen. Wenn es nach Ihren Vorstellungen ginge, müßte die App schon Kontakte ab einer Dauer von einer Sekunde erfassen – das wären die Fälle "Passant kommt auf demselben Gehweg entgegen" sowie "in derselben Richtung vorbeilaufender Jogger". (Falls man auch noch den Fall "eng vorbeilaufender entgegenkommender Jogger" integrieren wollte, müßte man bei der App die Mindest-Kontaktzeit auf Sekundenbruchteile herabsetzen.) Das ist aber offensichtlich nicht geplant.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2020 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43498

Näheres zu der von Pt verlinkten Seite s. hier:
https://www.psiram.science/de/index.php/Alles_Schall_und_Rauch

Ich habe schon mehrere solche Einträge gelöscht, weil in meinem Tagebuch keineswegs Meinungsfreiheit herrscht (die gibt es bei der AfD). Eine Plattform für rechtsradikale und obskurantistische Thesen möchte ich denn nun doch nicht bieten. Warum suchen Sie sich nicht ein anderes Forum und ersparen mir die Reinigungsarbeiten?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.04.2020 um 20.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43497

Wenn man sich über die aktuelle Einheitsmeinung informieren will, führt an den »Qualitätsmedien« nun mal kein Weg vorbei.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 26.04.2020 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43496

Man sollte sich, wenn man sich eine Meinung über ein Thema bilden will, nicht nur auf die sogenannten "Qualitätsmedien" verlassen, denn da ist nicht mal die Qualität ihrer Lügen hoch. Und es sollte zu denken geben, wenn mit Ärzten mit Sachverstand und gegenteiliger Meinung als der sog. Mainstream wie im folgenden Blogbeitrag verfahren wird:

Wie Dr. Thomas Binder in der Psychiatrie landete

Hier ein Ausschnitt:

"Genauso wie die Regierungen auf den Coronavirus reagiert, der ihn keinem Verhältnis zur Gefahr steht, wurde auch Dr. Binder auf brutalste Art verhaftet. Gestapo-Methode beschreibt das viel zu gering. In einer Demokratie und einem Rechtsstaat würde man einen unbescholtenen Bürger und dann noch als bekannten Arzt eine freundliche Einladung zu einem Gespräch bei der Polizei schicken, um die Beschuldigungen abzuklären. Nein, hier wurde eine Lektion an alle die eine andere Meinung haben erteilt.

Die Botschaft, wagt es ja nicht den Mund aufzumachen und uns zu widersprechen, sonst ergeht es euch auch so ... und das in der Schweiz!!! Der Doktor wurde ins Zentralgefängnis Lenzburg verbracht."

Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Wie Dr. Thomas Binder in der Psychiatrie landete http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2020/04/wie-dr-thomas-binder-in-der-psychiatrie.html#ixzz6Kja1xv3P

Wenn so mit Kritikern umgegangen wird, dann würde ich prinzipiell davon ausgehen, daß mit der Prämisse (Corona-Virus) etwas nicht stimmen kann.

Sehr lesenswert sind auch die Kommentare!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2020 um 08.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43495

Kurzes Nachtreten: Im amerikanischen Fernsehen wird Trumps "Sarkasmus"-Ausrede mit seinem Auftritt am Tag zuvor konfrontiert. Krasser hat selten ein Politiker gelogen. Aber wie gesagt: Nach Zahavis "Handicap-Prinzip" beweist das nur, daß jemand, der sich das leisten kann, wirklich ein starker Mann sein muß, der wiedergewählt werden sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2020 um 06.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43494

Die FAZ polemisiert seit Jahren gegen „übertriebenen Datenschutz“ und propagiert jetzt die Corona-App, auf die meiner Ansicht nach übertriebene Hoffnungen gesetzt werden („der Generalschlüssel“ laut FAS am 26.4.20: „Daten gegen Leben“). „App oder Tod“ scheint mir nicht die Alternative zu sein. Aber viele wollen schon den Zwang zur App, mit der Folge, daß auch der Besitz und das Mitführen eines Smartphones Pflicht wird. Das hatte sich schon lange vor Corona abgezeichnet. Wie der Erste Weltkrieg die Meldepflicht verbreiten half, so liefert nun die Krankheit den Anlaß für die weitere bürokratische Erfassung. Solche „Ausnahmeregelungen“ werden nie wieder abgeschafft. Ist es nicht der Krieg, ist es die Krankheit; ist es nicht die Krankheit, ist es die Kriminalität. Für unsere Sicherheit opfern wir die Freiheit oder „informationelle Selbstbestimmung“, die für die allermeisten Menschen ohnehin keine Bedeutung hat. Auch die Meinungsfreiheit hat ja für die meisten Menschen keine Bedeutung, weil sie sich nie öffentlich zu Wort melden. Am verbreitetsten war schon immer: „Wer eine reine Weste hat (wie ich zum Beispiel), hat nichts zu befürchten.“
Die Behörden wünschen sich natürlich eine umfangreiche Datenerfassung ohne Anonymisierung. Solche Register kann man immer gebrauchen (Kirchenbücher, Ahnenpaß...). Der Albtraum der Behörden und ihrer Unterstützer ist, daß ein Impfstoff auf den Markt kommen könnte, bevor das App-Projekt in trockenen Tüchern ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2020 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43491

Es gibt zahlreiche Videos, die zur Herstellung einer Maske aus einem alten T-Shirt anleiten, sogar ohne Nähen. Besonders einfach:
https://www.youtube.com/watch?v=K3mOrhxGiIU

Bei der Überwachung der Corona-Einschränkungen ist die Polizei vielerorts zu weit gegangen, aber ich würde nicht vom Polizeistaat sprechen und halte auch die Rede vom Verfassungsbruch für übertrieben. Gestern erhob der Rechtsprofessor Lepsius in der FAZ gleich mehrmals diesen Vorwurf. Dann soll er halt klagen, statt die Leute aufzuhetzen.

Was mir sauer aufstieß: Auch Mediziner leugneten den (offensichtlichen) Nutzen von Masken, solange es zu wenig gab.

In Wald und Feld tummeln sich jetzt viel mehr Stadtleute als sonst. Ungefähr jeder zehnte weigert sich, Abstand zu halten. Am schlimmsten sind naturgemäß die Walker mit ihren Stöcken. Genau wie schon zu Friedenszeiten nehmen sie die ganze Breite des Wegs ein, wenn sie nebeneinander gehend plaudern. Wir drücken uns in die Büsche, um sie vorbeizulassen. Dann kommen gleich die Hundehalter. Und zwischendurch immer mal wieder ein hechelnder Jogger, bei dem man die herausgeschleuderten Viren geradezu sehen kann. Ich brauche immer eine Weile, um meine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wieder loszuwerden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2020 um 14.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43490

Um von Trump abzulenken, holen jetzt manche einen Versprecher hervor, der Frau Baerbock anscheinend mal unterlaufen ist (Sept. 2019): Kobold statt Kobalt. Nun, das ist nicht so weit hergeholt, da die beiden Wörter eigentlich identisch sind, vgl. schon http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1210#38095

Immerhin hat sie nichts Gesundheitsschädliches empfohlen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2020 um 04.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43487

Manche legen Kritik an ihren Meinungen als Einschränkung der Meinungsfreiheit und damit als verfassungswidrig aus. Auch die Schutzmasken sind schon als Verstoß gegen die Menschenwürde und damit verfassungswidrig bezeichnet worden, verbunden mit der Forderung nach Amtenthebung der Kanzlerin. Da kann man nichts machen.
Merkel hätte auch etwas anderes sagen können, es wäre ihr im Mund herumgedreht worden. Man erkennt das Niveau eines Politikers daran, ob er sich nicht zu schade ist, sich an einzelnen Ausdrücken des Gegners abzuarbeiten.
Rem tene, verba sequentur. Das ist der Ratschlag an Redner, aber auch dem Hörer müßte man entsprechend raten, sich an die Sache zu halten. Dem bösen Willen ist allerdings nicht zu raten, der ist taub und blind.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 25.04.2020 um 01.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43486

Nein, von Sarkasmus keine Spur. Er referiert in rührender Naivität über etwas, was er offensichtlich nicht ganz verstanden hat, und bringt durch seine Nachfragen die Experten, auf die er sich beruft, in peinliche Bedrängnis. Und wieso überhaupt Sarkasmus? Wartet in dieser ernsten Situation irgend jemand in den USA auf sarkastische Äußerungen des Präsidenten? Wie groß müssen die Verzweiflung über diesen Auftritt und die Verachtung des Publikums sein, wenn man so etwas suggeriert?

In Deutschland lasst sich Merkel derweil in einem Anflug von Trotz mit einem Wort vernehmen, das die Kommentatoren sogleich an ihrer Verfassungstreue zweifeln läßt. (»Öffnungsdiskussionsorgien« geht gar nicht; »Überbietungswettbewerb« hätte sie vermutlich gerade noch sagen dürfen, ohne in der Luft zerrissen zu werden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2020 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43485

Das Video mit Trumps schildbürgerhaften Ideen ist inzwischen zu sehen. Sie sind zweifellos nicht sarkastisch gemeint, wie das Weiße Haus jetzt abwiegelt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2020 um 11.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43481

https://www.bbc.com/news/world-us-canada-52407177
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 24.04.2020 um 10.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43480

Ich hatte schon recht, als ich zu Trumps Amtsantritt notierte:

Früher war das Leben trist
In der Presse nix wie Mist
Jeden Tag die alte Leier
Das ging allen auf die Eier
Merkel, Scholz und Göring–Eckardt
Immer wurde nur gemeckert
Damit ist es endlich aus
Denn nun gibt es jeden Morgen
Neues aus dem Weißen Haus
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2020 um 08.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43478

Sonnenlicht tötet Viren (falls man das so sagen kann, denn irgendwie leben Viren nicht einmal). Wie kriegt man das Licht in die Lunge? Die Schildbürger, zu denen ich ja eine besondere Beziehung habe, wissen Rat.
Einfacher ist der Vorschlag, Sterillium nicht auf die Hände zu reiben, sondern gleich in die Vene zu spritzen. Das kann jede Sprechstundenhilfe.

Vielleicht habe ich Trump mißverstanden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2020 um 05.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43477

Nachdem ich gerade von der Bundeskanzlerin gehört habe, wieviel Geld sie in die Corona-Hilfe der EU stecken will, lese ich bei t-online:

„Merkel gegen Corona-Hilfe der EU“

Im übrigen prasselten nach Merkels Rede etwa bei FOCUS und WELT im Sekundentakt die Haßmails herein, so daß man den Eindruck bekommen mußte, fast 100 Prozent der Deutschen seien AfD-Anhänger. Dieses Phänomen hat sich in den letzten Jahren immer stärker herausgebildet, ist aber anscheinend noch nie besprochen worden, oder?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2020 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43470

COVID-19: WHO-Studie findet kaum Belege für die Wirksamkeit von Eindämmungsmaßnahmen

Diese Überschrift (zu einer Studie von drei Soziologen aus dem Jahr 2019, daher nicht zu Corona!) wird u. a. über Google News weiterverbreitet. Soll der Ruf der WHO endgültig ruiniert werden? So wird der mühsam erreichte Erfolg der vielbewunderten deutschen Eindämmungspolitik untergraben.

Ein anderer mahnt:

„Nur weil man einen Mundschutz trägt, darf man nicht das Gefühl haben, dass man jetzt sicher ist und dass niemandem mehr etwas passieren kann.“

An wen wendet sich der Mann?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2020 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43466

Vor einigen Jahren wurde viel über spät aufgedeckte eugenische Traditionen in Schweden geschrieben. Es wundert mich, daß niemand daran erinnert.

Die Vorstellung, durch Opferung weniger lebenswerten Lebens die Volksgesundheit zu verbessern, ist nicht so weit hergeholt. In der "Durchseuchungs"-Strategie lebt sie wieder auf.

Mit der Beseitigung der Kranken und Alten können sich auch hierzulande manche befreunden, aber offiziell wird es perhorresziert. Es wäre nicht das erstemal, daß die schlimme Vergangenheit aus den Deutschen Musterknaben macht.

Nachtrag:

Die Zahl der Toten in Schweden erreicht eine neue Schwelle. Noch bleibt die Regierung bei ihrem moderaten Kurs. Doch der Premier droht mit schärferen Maßnahmen. (Tagesspiegel 23.4.20)

Je nach Standpunkt könnte man den bisherigen Kurs auch radikal nennen: die Bevölkerung der Durchseuchung überlassen und auf Herdenimmunität der Überlebenden hoffen. Das wäre dann eine verjüngte und um die Vorerkrankten bereinigte Gesellschaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2020 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43460

Gestern notiert, als wieder ein Tag mit Corona und viel Verwirrung zu Ende ging:

„Länder wie Schweden, Südkorea oder Taiwan haben mit dem Lockdown-Verzicht klug gehandelt. Die Virologen führten Bevölkerung und Politik mit ruhiger Hand durch die Krise, statt sie durch ständige Kurswechsel zu verunsichern. Das Coronavirus wurde ohne Schaden für Grundrechte und Arbeitsplätze erfolgreich eingedämmt. Deutschland sollte sich diese Politik zum Vorbild nehmen."
Professor Stefan Homburg ist Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen an der Universität Hannover
(WELT 15.4.20)

Das wird von einschlägigen Kreisen gern zitiert, aber aus dem Volksheim kommt wenig Ermutigung, dafür der Protest von 2000 schwedischen Wissenschaftlern gegen den schwedischen Weg (von dem Regierungsmitglieder sagen, er sei gar nicht so verschieden). Es ist nicht ausgemacht, ob Schweden die Herden-Immunität erreicht, bevor die Zahl der Toten unerträglich wird. Übrigens:

Wenn Kinder nicht mehr mit Freunden spielen dürfen, es keine unbefangene Geselligkeit mehr geben darf und die Demokratie ausgehebelt wird damit 80 Jährige eine geringfügig längere Lebenserwartung haben stimmt etwas nicht. (Markus H., welt.de Leserforum)

So denken viele, sagen es aber meist nicht so deutlich. Wir sterben ja gern, damit ihr auf der Wiesn unbefangen gesellig sein könnt:

„Die Feste sind für die Schausteller von existenzieller Bedeutung und für die einheimische Bevölkerung zentraler Anker ihres gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenlebens“, hieß es. Die Wiesn-Absage dürfe „kein Indikator sein, andere Volksfeste ab Ende August in Deutschland zwingend und voreilig abzusagen“. (Deutscher Schaustellerbund zur Absage des Oktoberfestes)

Ähnlich sorgen sich die Kulturschaffenden, die ohnehin privilegierten Zugang zu den Medien haben und überproportional die Themen setzen, um die Kultur, in Wirklichkeit um ihre Einkünfte, was ja an sich berechtigt wäre, wenn sie es nur auch so nennen würden. Aber die vielgenannten Ballettabende, Ausstellungen usw. sind sicher eine Zeitlang nicht von existenzieller Bedeutung.

Viele fordern, daß die Einschränkungen wegen Corona, z. B. Verbot von Gottesdiensten in größeren Gruppen, nur vorübergehend sein dürfen. Als wenn die Regierung vorhätte, Gottesdienste und andere Veranstaltungen für immer zu verbieten. Selbst zur Absage des Münchner Oktoberfestes fällt WELT-Lesern noch ihr „Danke, Frau Merkel!“ ein.

Und manche Politiker glauben Punkte sammeln zu können, indem sie gegen Beschlüsse stänkern, die sie selbst gerade gefaßt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2020 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43432

Warum Deutschlands Lockdown falsch ist – und Schweden vieles besser macht (Welt 15.4.20)

10 Prozent Sterberate: Schwedens lascher Sonderweg in Corona-Krise droht zu scheitern (Focus 17.4.20)

Erst Antreiber, jetzt Bremser (SPIEGEL über Söder)
Erst ist er für Schließung, dann gegen Öffnung – so ein Wendehals!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2020 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43425

Es kehrt an das, was Kranke quält, sich ewig der Gesunde nichts!

Leider wahr, auch wenn Platens Gedicht sich halsbrecherisch am Reimlexikon entlanghangelt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2020 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43409

Jürgen Kaube entlarvt die Empfehlungen der Leopoldina zur Lockerung der Corona-Maßnahmen als leeres Stroh (FAZ 14.4.20). Die Verfasser mögen „Experten“ sein, wie auch die FAZ sie nennt, aber eben auf anderen Gebieten. Zur Schamlosigkeit in Gremien vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1416#18238
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2020 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43406

Weil wir sowieso alle zu Hause herumsitzen, noch dies:
Der amerikanische Jurist Jeff Rosen (Nachkomme von Holocaust-Opfern) zeigt in einem Vortrag (https://www.youtube.com/watch?v=wtV5ev6813I), was es mit der Zahl der Gefängnisinsassen in den USA seit den 90er Jahren auf sich hat. In den USA sitzen zehnmal so viele Menschen hinter Gittern wie bei uns, darunter überproportional viele Arme und vor allem arme Schwarze. Er lobt das deutsche Gefängnis, das die Menschenwürde wahrt und auf Resozialisierung setzt. Rosen erklärt seinen Zuhörern, daß von den Freigängern aus deutschen Gefängnissen nur ein verschwindender Teil nicht zurückkommt. Auch die strikte Trennung jugendlicher Straftäter von den abgebrühten erwachsenen scheint in Amerika nicht praktiziert zu werden.
Die lebhafte Diskussion darunter ist auch ganz interessant. Mir wird vergleichsweise patriotisch zumute, obwohl ich Verbrecher eigentlich nicht leiden kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2020 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43404

In der FAS (12.4.20) faselt der einschlägig bekannte Rainer Hank über „die gute Hirtin Angela“ und „Die Kanzlerin und der deutsche Polizeistaat“. Der herabsetzende Gebrauch des Vornamens kennzeichnet Niveau und Tendenz dieses selbsternannten Ökonomen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2020 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43390

Naturgemäß gibt auch die FAZ Flankenschutz, indem sie nicht nur frühzeitig Streeck das Wort erteilt hat, sondern auch kritiklos ein alternatives „Thesenpapier zur Pandemie durch Sars-CoV-2/Covid-19“ wiedergibt:
Harsches Urteil über Corona-Politik der Bundesregierung (Andreas Mihm, 9.4.20)

Gesundheitsfachleute halten die Präventionsmaßnahmen der Bundesregierung für ineffizient. Sie entscheide auf Basis unzureichender Daten. Auch für den bisher vorgenommenen „partiellen Shutdown“ zeigen sie nur ein gewisses Verständnis.

Dazu natürlich auch:
https://deutsch.rt.com/inland/100725-dramatisiert-und-uberschatzt-wachsende-kritik-datenbasis-corona-krise/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2020 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43389

Zum vorigen jetzt auch

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-04/heinsberg-studie-coronavirus-hendrik-streeck-storymachine-kai-diekmann

Zur FDP-Connection (Mronz) auch Lindners viele Äußerungen, der zwar in der Klimadebatte nur Experten und keine Kinder zu Wort kommen lassen will, in der Coronadebatte aber auch nicht die RKI-Experten, sondern lieber Leute wie Streeck. Dazu auch:

Für die FDP sei es wichtig, dass Entscheidungen auf die Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse gestellt werden. Sie habe sich daher soeben in einer digitalen Fraktionskonferenz mit dem Virologen Prof. Hendrik Streeck ausgetauscht, der über seine Feldforschungen im Kreis Heinsberg berichtet habe. Es zeige sich, dass es großen Nachholbedarf beim Erheben wichtiger Daten, ihrer Auswertung und sachgerechten Aufbereitung für die Öffentlichkeit gebe.

"Hier müssen Bundesregierung und Robert Koch-Institut dringend nachbessern", forderte Buschmann. "Denn transparente Informationen sind eine wichtige Grundlage für eine faktenbasierte Debatte über eine differenzierte Öffnungsstrategie."

/sk/DP/stk (finanztreff.de 8.4.20)

Streeck hat im März schon angedeutet, welche Ergebnisse er von künftigen Studien erhoffte. Sehr "transparent".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2020 um 08.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43372

t-online.de:

Ich wünsche Ihnen einen liebreizenden [!] Tag.
Herzliche Grüße,
Ihr
Florian Harms
Chefredakteur t-online.de


Harms titelt über den Virologen Streeck: Dieser Mann könnte zum Helden werden. Jeder kann zum Helden werden, aber solange er es nicht ist, sollte man ihn nicht damit belasten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2020 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43356

Eine alte Frau auf dem Feldweg weigert sich, Abstand zu halten: „Wissen Sie, ich habe keine Angst!“ Um so mehr Angst müssen wir vor einer solchen Virenschleuder haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2020 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43351

Durch Alan Posener bin ich auf einen kleinen, aber bezeichnenden Vorfall gestoßen:

https://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-politics/trump-germany-coronavirus-ww2-enemy-allies-russia-putin-a9435906.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2020 um 06.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43346

Ähnlich wie bei der biologischen Evolution werden die Kulturphänomene nicht mehr bewertet; auch die hochentwickelte Technik ist nicht „besser“ als „primitive“ Technik, sondern nur „anders“.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Soziokulturelle_Evolution)

Ein Virologe ist nicht besser als ein Virus, nur anders. So spricht der wohlerzogene Mensch in uns, aber wir glauben es nicht wirklich. Kleiner Versuch (auch in Gedanken hinreichend): Man zeige einem Faustkeilbenutzer ein Taschenmesser. Man zeigen einem Taschenmesserbenutzer einen Faustkeil.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2020 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43341

Die deutschsprachigen Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler, die dem italienischen Wunsch nach Eurobonds nachzukommen auffordern, schreiben u. a.:

„Die Lage verlangt konkrete, sofortige Solidarität, sprich: Corona-Bonds zu etablieren, gemeinsame, von den Euro-Staaten emittierte Anleihen.“

Wieso „sprich“? Ökonomen machen doch gerade geltend, daß Eurobonds keineswegs der einzige Weg sind, Solidarität zu üben. Man staunt über die ökonomischen Einsichten der offensichtlich inspirierten Verfasser:

„Die beschlossenen nationalen Wirtschafts- und Finanzinstrumente wie Konjunkturpakete, Notkredite, Anleihenkäufe, Finanzspritzen werden nicht ausreichen, auch keine aktualisierten Varianten des ESM, des Europäischen Rettungsfonds, keine "vorsorgliche Kreditlinien" für nationale Haushalte.“

Woher wissen sie denn das? Und wenn es im „ureigenen“ deutschen Interesse liegt (wie es die Schriftsteller bemerkenswert phrasenhaft formulieren), warum müssen sie dann dafür werben?

Die ganzseitige Anzeige der italienischen Bürgermeister war widersprüchlich. Wenn die Italiener nicht an unser Geld wollen, wie sie beschwichtigend sagen – warum appellieren sie dann an unser Schuldbewußtsein? Aber Schriftsteller usw. spricht Moral unwiderstehlich an, da unterschreiben sie ohne näheres Hinsehen, besonders wenn die Freunde X und Y auch schon unterschrieben haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2020 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43335

In der Empörungswirtschaft (vgl. Heils Wutrede) spielt zur Zeit die Aussetzung von Mietzahlungen für Gewerbeimmobilien eine Rolle. Diese Stundung (bis 30.6.20) ist jedoch zulässig aufgrund eines Gesetzes vom 25.3.20 zur Bewältigung der Corona-Krise. Politiker, die an diesem Gesetz mitgewirkt haben, sollten sich nicht so aufspielen, wenn es angewandt wird, auch wenn die Medien noch so zetern. Um keine Marktanteile zu verlieren, entschuldigt sich Adidas in ganzseitigen Anzeigen, artig gegendert übrigens, wie es sich für Unterwerfungsgesten gehört. Peinlich zu lesen.

Ich muß es wissen, denn ich bin durch eine winzige Einlage in einem Immobilienfonds betroffen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie eine Einzelheit, die man leicht in griffige Behauptungen fassen kann, hochgespielt wird, während anderes im Schatten bleibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2020 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43334

Lieber Herr Schardt,
ich bin hier zwar auch nur Gast, aber bedenken Sie bitte, daß es sich nicht um ein kommerzielles Unternehmen mit entsprechenden Mitarbeitern handelt.

Das Problem kenne ich als Dauerbeiträger natürlich auch. Seit einiger Zeit werden Einträge mit gewissen Sonderzeichen nicht angenommen (einfache Anführungszeichen zum Beispiel, die ich in Akzentzeichen umwandele). Warum das so ist und andererseits griechische oder chinesische Zeichen keine Probleme machen, weiß ich nicht.
Den verlorenen Eintrag können Sie durch Rücktaste wiederauffinden, um dann die Änderungen vorzunehmen und es nochmals zu versuchen. Mit der Suchfunktion klappt es ja auch nicht ganz, Umlaute und ß werden nicht angenommen.

Ich habe mich daran gewöhnt und ärgere mich sowieso nicht leicht.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 01.04.2020 um 23.47 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43333

Ich habe gerade eine Antwort auf die "Feldwegepisode" geschrieben. Längerer Beitrag.
Nach Klick auf "Kommentar eintragen" war der Beitrag weg.

Das ist mir schon öfters passiert. Ich wollte es schon mehrfach melden und habe es an alle auf dieser Seite publizierten Emails gesendet. Ebenso als Forumsbeitrag. Niemals kam eine Antwort, nicht einmal eine Empfangsbestätigung.

Das ist unprofessionell, höchst ärgerlich und demotivierend und untergräbt die Lust an der Mitarbeit und dem Austausch.

GIBTS DEN NIEMANDEN HIER, DER SICH ZUSTÄNDIG FÜHLT?????
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2020 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43332

Die allermeisten halten sich an die Regeln. Heute morgen kamen uns zwei Frauen entgegen, die praktisch den ganzen Feldweg einnahmen. Als meine Frau sie höflich um Abstand bat, folgte die jüngere widerstrebend, aber die ältere rief uns ein herzhaftes "Bekloppt!" nach. Die beiden sahen ganz normal aus, aber in solchen Zeiten lernt man die Menschen wirklich kennen.

Die Leserforen habe ich ja schon oft erwähnt. Auch wenn sich da eine Negativauslese breitmacht, staunt man doch über die Aggressivität vieler Menschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2020 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43329

„Ich hatte das Gefühl, dass es sich um eine Pandemie handelte, lange bevor sie als Pandemie bezeichnet wurde.“ (Trump)

Auch Baba Wanga hat Corona vorhergesagt, aber das ist keine Nachricht, weil es sich von selbst versteht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer , verfaßt am 31.03.2020 um 19.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43322

Interessant: Hatschi! geht auf polnisch Apsik!
Durch die Coronakrise gelernt! Und ich dachte immer, alle Menschen niesen gleich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2020 um 18.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43320

WHO gegen allgemeines Mundschutztragen

So? Das ist wohl zu verstehen wie OECD empfiehlt..., wo man gleich weiß, daß Andreas Schleicher empfiehlt. Dr. Ryan, der nun abrät, vermischt den medizinischen Hinweis ständig mit dem Hinweis auf die Knappheit der Masken. Ein unvollkommener Schutz ist besser als gar keiner. Und warum sollten zwei Meter Abstand helfen, ein Tröpfchenfänger vor dem Gesicht aber nicht? Spinnen die Ostasiaten?

Immerhin bemerkenswert, daß nicht einmal in einer so einfachen Frage Einigkeit besteht. Entsprechend oft höre ich von einer gewissen Sorte Menschen: Alles Quatsch! Nicht einmal die Fachleute können sich einigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2020 um 17.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43316

Im Internet sind viele Betrüger unterwegs, die z. B. Atemschutzmasken anbieten, dafür kassieren, aber nicht liefern. Es gibt auch ehrliche Anleitungen zum Selbermachen, aber wer nicht gut nähen kann, sollte sich mal umsehen: Manche Schneidereien stellen schon zusätzlich Schneiderinnen ein, weil sie längst auf Masken umgestellt haben und sie auch, bei sonstigem Stillstand, verkaufen dürfen. Diese einfachen Masken schützen kaum den Träger, wohl aber die anderen vor Tröpfcheninfektion. Es ist zu erwarten, daß bald Maskenpflicht herrscht, also deckt euch ein (von waschbaren braucht man nur zwei).
Vermummung gehört ja nicht zu Leitkultur, aber auch das entfällt nun. Es gibt aber immer noch viele, die den Ernst der Lage nicht erkannt haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2020 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43277

Es muß sehr befriedigend sein, ein weltumspannendes Ereignis, wie man es seit dem Weltkrieg nicht erlebt hat, für gar nicht existent zu erklären: Corona ist einfach eine Grippe, die von Politikern mit Hinterabsichten hochgespielt wird. Auch damit findet man ein Publikum; in manchen Leserforen wiederholen Anhänger die These Tag für Tag.
Es erinnert an die plötzliche Erleuchtung und den triumphierenden Ton mancher Naturheilkundler, die ein ganz simples Hausmittel gegen Krebs gefunden zu haben glauben.
Man könnte auch die Spanische Grippe vor 100 Jahren für ein statistisches Artefakt erklären, denn von den Opfern würde heute sowieso keiner mehr leben.

Die FAZ hat zu Corona in den letzten Tagen mehr Juristen und Ökonomen zu Wort kommen lassen als Mediziner und andere Epidemiologen, dazu gleichsinnige Leserbriefe. Zwar wurde Trumps Spruch, die Medizin dürfe nicht mehr schaden als die Krankheit, nicht wörtlich übernommen, aber doch dem Sinn nach. Zuerst kommt immer die Sorge um die Anleger. Wenn man sich auch als Laie eine Weile mit Viren und mit Corona befaßt hat, kommt einem das doch recht frivol vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.03.2020 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43273

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27854

Vor sechs Jahren, als die EZB Negativzinsen für Banken einführte, erinnerte Christian Siedenbiedel in der FAZ an Silvio Gesells "Schrumpfgeld". Wie berechtigt das war, sieht man heute, wo es Negativzinsen auch für Privatleute gibt, noch deutlicher. Die Wirtschaftswissenschaftler tun zwar so, als hätten sie auch für diese Entwicklung einen Platz in ihren Theorien, aber in Wirklichkeit sind sie ratlos. ("Marktwirtschaft ohne Zins und Kapital"? – So ein Buchtitel von vor der Krise.)
Wie die FAZ gerade aufdeckte, hat Finanzminister Scholz elementar irrige Vorstellungen von Geldschöpfung. Kann das gutgehen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2020 um 18.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43265

Wenn man den heutigen Bericht des FAZ-Korrespondenten über Indien liest, hat man unbedingt den Eindruck, daß er mit jungen Leuten in Bombay usw. persönlich gesprochen hat, aber er sitzt, wie hier schon bemerkt, in Singapur, 4000 km Luftlinie entfernt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2020 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43240

Die Überdetailliertheit der neuen Ausgehregeln zeigte sich auch daran, daß die Bundeskanzlerin sich bei ihrer Verkündung vor laufender Kamera verlas (was bei ihr selten vorkommt). Sie ließ nämlich ein entscheidendes "nicht" aus. Während wir noch versuchten, den Satz trotzdem zu verstehen, fragte ein Journalist nach, und ihre Selbstkorrektur kam so prompt, daß man den Eindruck hatte, sie habe es selbst schon beim Lesen bemerkt.

Ich meine, man sollte nicht so genau festlegen, wer mit wem ins Freie darf (was kein Polizeiapparat kontrollieren kann, der im übrigen Wichtigeres zu tun hat), sondern auf Abstandhalten dringen und auch die Betriebe aller Art möglichst am Laufen halten und dabei in intelligenter Weise die Kontaktmöglichkeiten eingrenzen. Aber gut, 14 Tage werden wir erst mal mitmachen und es aushalten.

Und Söder lag richtig, auch wenn ich ihn persönlich kritisch sehe – immerhin hat Bayern zwei oder drei Tage gewonnen, und nur darauf kommt es an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2020 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43237

Die Ausgangsbeschränkungen hier in Bayern sind zwar unangenehm, aber ich habe bisher niemanden getroffen (na ja, also gesprochen...), der sie nicht richtig findet und sich daran hält. Söder soll sich mit Laschet gezofft haben, aber er braucht sich nichts vorwerfen zu lassen. Bis man wieder zwei Tage das Verhalten der Bürger beobachtet und dann weiter darüber diskutiert, was zu tun sei, vergeht kostbare Zeit. Die Menschen finden sich drein und werden erfinderisch.
Der Vorschlag, Restaurants mit Essen-Lieferdienst zu beschäftigen wie bisher schon die Pizzerien, scheint mir sinnvoll. Hier am Ort organisiert die kirchliche Jugend Einkaufsdienste.
Die Stichwahl nächsten Sonntag wird als Briefwahl organisiert. Wahlhelfer möchte ich aber diesmal nicht sein, da sitzt man einen oder gar zwei Tage eng beisammen. Das wird man in Zukunft sowieso elektronisch machen, kommt leider zu spät.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2020 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43236

Ich habe gerade Vorschriften erwähnt, die nicht eingehalten werden, weil die Obrigkeit es nicht will. Aber nun:

Zur Eindämmung der Corona-Krise sollen Ansammlungen von mehr als zwei Personen grundsätzlich in ganz Deutschland verboten werden.

Ausgenommen Familien oder sonstige im gleichen Haushalt lebende Personen.

Regeln, deren Einhaltung absehbarerweise nicht kontrolliert werden kann, schaden eher. Es gibt Maßnahmen, die mehr bewirken als das Verbot von minimalen "Ansammlungen". Man sollte überlegen, wo die wirklich gefährlichen Kontakte stattfinden. Dazu gehört meiner Ansicht nach das Einkaufen, das ja aus gutem Grund nicht ganz unterbunden wird, wo es aber, wie gesagt, erhebliche Lücken in der Hygiene gibt.

Ebenso in den Krankenhäusern; nicht einmal dort ist Mundschutz selbstverständlich..
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2020 um 16.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43235

Der Fotograf der Erlanger Nachrichten hat einen frustrierten Radfahrer, dem vor Kummer schon die Haare ausgefallen sind, vor das verschlossene Tor des beliebten Schloßgartens gestellt – als könne er wegen Corona nicht weiter. Den Einheimischen kann das zum Schmunzeln bringen, denn Radfahrer dürfen sowieso nicht in den Schloßpark, und das deutliche Verbotsschild hat nichts mit Corona zu tun. Und noch komischer ist, daß sich noch nie ein Radfahrer durch dieses Verbot vom Durchqueren des Parks hat abhalten lassen, auch ich nicht. In Erlangen gibt es auch Straßen und Fußgängerzonen, durch die keine Autos fahren dürfen. Das tun sie aber trotzdem und werden nie von der Polizei belästigt. Jeder hier weiß das.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2020 um 07.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43233

Hab ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen! Ist doch die Stadt wie gekehrt! wie ausgestorben!
Das gibt schöne Erinnerungsfotos (wenn wir es überleben). Die Spielplätze sind geschlossen und mit gegenderten Schildern versehen wg. Kindern und Kinderinnen. Tatsächlich dürften die Stangen und Geräte ebenso gefährlich sein wie die engen Kontakte der Rotznasen untereinander. Aber den Park zu schließen scheint mir nicht sinnvoll, weil die Menschen dort ebenso kontaktfrei herumlaufen wie im Wald, wo einzelne Jogger oder wandernde Paare sich fit halten (letztere müssen zum gleichen Haushalt gehören). Die Behörden gehen manchmal zu weit, sind aber vielleicht lernfähig.
Wie bei der Krankenhaushygiene werden Lücken übersehen. Bargeldlos zahlen ist ja gut, aber wenn man dann doch eine verschmierte Tastatur betätigen muß oder die Kassiererin die Karte selbst in die schmutzigen Hände nimmt, wie beobachtet, dann doch lieber Bargeld! Die Kassiererinnen tragen zwar jetzt Handschuhe, aber den ganzen Tag dieselben. Es erinnert mich an indische Kliniken, die medizinisch spitze waren, wo aber Frauen, die man im Kastendünkel gar nicht wahrnahm, mit dem Besen Staub aufwirbelten, den man dann ebenfalls nicht wahrnahm.
Schwer ist es für meine Tochter, die als freiberufliche Übersetzerin zu Hause arbeitet, aber ihr Kind nicht mehr zur Tagesmutter bringen kann. Und wir dürfen ihr auch nicht helfen, weil wir eine Risikogruppe sind. Ob sie als „Solo-Selbstststständige“ etwas bekommt?
Manche sollen sich wie in Italien Hunde ausleihen, um Gassi gehen zu können. Und dann gehen sie in munteren Gruppen durch die Gegend, Haushalt hin – Haushalt her.
Das „Essen auf Rädern“, das ich bei betagten Freunden schon in Friedenszeiten kennengelernt habe, war durchweg von schauderhafter Qualität, Fertig- oder Halbfertiggerichte aus der Tiefkühltruhe wären besser. Aber was ich jetzt beobachte: Die Warmhalteverpackung aus Kunststoff dürfte gegebenenfalls ziemlich verseucht sein, bis sie beim Kunden ankommt. Man soll ja sogar Postpakete einen Tag stehen lassen, bevor man sie öffnet.
Trotz allem sind die Ausgangsbeschränkungen sinnvoll, eigentlich bleibt keine andere Wahl. Das hat Herr Söder richtig gemacht, auch wenn er sich nebenbei als Kanzlerkandidat profilieren wollen mag. Natürlich wird ganz Deutschland nachziehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2020 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43231

Ein beschämendes Dokument ist auch diese Landtagsdebatte (wo die "Falschen" die Rechtschreibreform kritisierten und daher die "Richtigen" viel Falsches sagten):

https://www.lpk-bw.de/sites/default/files/kammer/ges-grundlagen/hbkg-aenderung-erste-lesung.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2020 um 07.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43198

Beim Ausmisten wiedergefunden:

1999 teilte mir Klaus Heller, der Geschäftsführer der Zwischenstaatlichen Kommission, brieflich mit, daß auch die Kommission selbstverständlich von der Notwendigkeit einer gründlichen Revision der Neuregelung überzeugt sei, aber leider seien ihr die Hände gebunden. Ungefähr gleichzeitig schrieb mir der Berliner Schulsenat, daß die Rechtschreibkommission an einer Reform der Reform arbeite, wobei auch die neu entwickelten Hausorthographien der Zeitungen sowie meine Korrekturvorschläge berücksichtigt werden sollten. - Offiziell wurde all dies stets bestritten.

Heller hat die neuen Regeln mehrmals in Buchform erläutert und muß die ganze Zeit gewußt haben, daß er eigentlich fürs Altpapier arbeitete. Das wußten auch die anderen Reformvermarkter wie Peter Eisenberg. Sie arbeiteten ja selbst an der Revision mit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2020 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43179

Wegen Corona haben einige gegen die Durchführung der bayerischen Kommunalwahlen polemisiert. Das schien mir übertrieben. Außer den Wahlzetteln brauchte man nichts anzufassen; man konnte auch seinen eigenen Stift mitbringen. Die SPD hatte im letzten Moment vor den Wahllokalen plakatiert, daß jeder, der seinen Stift vergessen hat, von der Partei einen geschenkt bekomme. Das Plakat hatte den vorgeschriebenen Mindestabstand von 30 m vom Wahllokal, aber dahinter habe ich keinen Spender entdecken können, vielleicht lag er noch im Bett.

Heute morgen lese ich:

Die Universitätsbibliothek ist an allen Standorten vom 14. März zunächst bis 19. April geschlossen

Für mich ist das eträglich, weil die meisten Bücher sowieso nur Unsinn enthalten, aber unsere Jüngste steckt gerade in der Schlußphase ihrer Master-Arbeit. Das wird wohl nicht ohne Streckung der Termine gehen.

Die Nordseeinseln sollen abgeriegelt werden, das ist schon härter.

Wenn die Leute nur einsähen, daß solche Maßnahmen unsere einzige Hoffnung sind! Aber Krisenerfahrungen liegen so weit zurück, daß die Nachkriegsgenerationen kein Gefühl für die Bedrohung mehr haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2020 um 03.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43163

Einen Tag vor den Kommunalwahlen in Bayern möchte ich noch einmal auf die Beobachtungen zurückommen, die ich jahrzehntelang als Wähler, Wahlhelfer und auch als Kandidat angestellt habe.

Während die örtliche Gruppierung, die zur Zeit die Bürgermeisterin stellt, rein sachlich ihr Erfolge und Aufgaben aufzählt, wirken die Plakate der Parteien abstrakt und nichtssagend:

Wissen, was passiert – mehr Transparenz

Radwege endlich ausbauen.

Augenmaß

Gemeinsam für Spardorf


usw.

Es wirkt weitgehend so, als seien die Texte von einer ortsfremden Parteizentrale verordnet. Wie gegenstandslos sie sind, will ich hier nicht ausführen, jeder Dorfbewohner weiß es. Diese Momentaufnahme scheint mir sehr aufschlußreich, was den Zustand der Parteiendemokratie betrifft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2020 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43149

Wer ist Schuld? fragt die FAZ heute, und sie schreibt auch prog-nostizieren, wie das Gesetz es empfahl. Andererseits kämpft sie Tag für Tag gegen das Sterbehilfe-Urteil, mal hochgelehrt, mal vulgär, es ist jedenfalls das zweitwichtigste Thema nach Corona. Der missionarische Anspruch und das orthographische Geschmier passen nicht recht zusammen (oder doch?).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2020 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43109

Beim Lesen notiert:

Wie Diogenes Laertius erzählt, bat Platon einen Besucher, seinen Sklaven auszupeitschen; er selbst sei gerade zu zornig. Diese Haltung galt als preiswürdige Bändigung der Leidenschaften. An die Selbstverständlichkeit der Sklavenhaltung können wir uns kaum gewöhnen. Das schlechte Gewissen der Neuzeit fehlt vollständig. Würden diese Texte noch gelesen, wären sie wohl der Kritik unserer Vergangenheitsreiniger ausgesetzt.

Die Homosexualität der Alten müßte unseren Zeitgenossen eigentlich gefallen, wenn sie echt und nicht nur eine Mode der höheren Stände gewesen wäre. Manchmal muß man plötzlich umdenken, wenn man nach längeren Ausführungen oder vielen Versen feststellt, daß das Objekt der Begierde, von dem dauernd die Rede war, ein männlicher Teenager ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2020 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43046

In his speech, Trump also cited a famous 19th century Hindu monk – often quoted by Modi himself – Swami Vivekananda, but it came out as „Vivekamumund“, to the delight of the crowd.
Trump also stumbled over the names of Modi’s home state of Gujarat and its biggest city Ahmedabad – where he was speaking – as well as the names of two Indian cricket heroes, Sachin Tendulkar and current team captain Virat Kohli. (Reuters)
-
Maybe Trump was expecting dancing Vestal Virgins…" He reportedly referred to the Indian philosopher Swami Vivekananda as Swami Vivekamanan, and called the Vedas—ancient Hindu religious texts—“Vestas.""
— Jeffrey St. Clair (@JSCCounterPunch) February 24, 2020
-

Die Videos dazu sind mal wieder sehenswert, auch wegen Trumps Gesicht während dieser sprachlichen Übungen. Wir kennen den Spickzettel, auf dem Kennedys "Ich bin ein Berliner" in Umschrift zu lesen war. Elvis mußte in einem albernen Film "Muß i denn..." singen und hat sich ganz achtbar aus der Affäre gezogen, wie er denn auch für andere Filme spanische Wörter recht gut gelernt hat (wie sein "Lehrer" versichert, mit dem meine Frau noch darüber gesprochen hat). Trump gibt sich überhaupt keine Mühe, auch nur ein einziges Wort richtig wiederzugeben.

Da ich mich gerade mit Paul Deussen beschäftige, hatte ich auch wenige Tage zuvor über dessen Freundschaft mit dem indischen Mystifax Vivekananda gelesen. Der war ja mal sehr berühmt und hat die westliche Verklärung indischer Weisheit stark gefördert, was bis heute nachwirkt.

Übrigens gehört der Abschnitt "Deussen und der Advaita Vedanta" zum Blödesten, was ich in Wikipedia gelesen habe. Postkolonialistisches Gutmenschentum als hohe Warte, von der aus man diesen Pionier der Indologie aburteilen zu können glaubt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2020 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#43009

Zum Thema Auswandern (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30744 usw.):

Zum Anschlag auf den Faschingszug in Volkmarsen schreibt jemand auf welt.de:

Wir bewegen uns auf schwierige Zeiten zu. Politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich... kein Wunder, dass immer mehr Akademiker den Weg ins Ausland suchen.

Das ist sicher ein automatisch generierter Kommentar, den man auch zu anderen Meldungen schon oft gelesen hat. Zur Meldung selbst paßt er gar nicht, aber die Absicht ist klar.

Übrigens kommt es mir recht kindisch vor, wegen des Vorfalls alle Karnevalszüge in Hessen abzusagen. Und warum nur in Hessen? Und warum nur Karneval? Man sollte alles absagen, das wäre auch wegen Corona nützlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2020 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42997

Man kann den ganzen Tag über beobachten, wie Menschen mehr oder weniger ratlos vor den Fahrkartenautomaten im Bahnhof stehen. Viele fragen ihre Mitmenschen, manche geben es auf und reihen sich lieber in die Schlange vor dem Schalter ein.

Dummerweise sind die Fahrkartenschalter bei der Bahn anders gebaut und programmiert als beim Bus, und alle wieder verschieden in München und in Berlin. Außerdem gibt es so viele Optionen, daß man von Pontius zu Pilatus geschickt wird und mehrmals zurück auf Anfang muß, um den mißverständlich bezeichneten Irrweg beim nächstenmal zu vermeiden.

Ich benutze die erstgenannten Selbstgeißelungsinstrumente zu selten, um eine Routine zu erwerben. Neulich bat mich eine ältere Frau auf englisch, ihr zu einer Fahrkarte von Erlangen nach Nürnberg zu verhelfen. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich, selbst in Eile, keinen Erfolg hatte und sogar mein Englisch fast ganz blockiert war.

Manchmal gelingt es nach vielen Versuchen – aber dann nimmt der Automat den Geldschein nicht an...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2020 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42995

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28347

Jemand hat wieder mal die Orestie verwurstet, die Zeitung berichtet ausführlich darüber. Statt neun Stunden (Peter Stein) oder der altgriechischen ganztägigen Tortur nur noch dreieinhalb. Die Chöre sind natürlich weggelassen, aber der Rezensent weiß immerhin noch, daß sie bei Aischylos zwei Drittel der Redezeit haben. Das Bühnenfoto reizt auch nicht dazu, sich zu den paar hundert Leuten zu gesellen, die das Ganze sehen werden.

Wenn die Konflikte noch die unseren sind – warum dann überhaupt der Rückgriff auf so alte Texte, die dann aber doch nicht als heute noch verdaulich behandelt werden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2020 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42981

„Von Aquin betont, dass der intellectus agens keine separate Substanz sei, sondern ein Vermögen der menschlichen Seele, das mit dem intellectus possibilis ein und dieselbe Substanz bilde.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/De_anima)

Ob der Verfasser versteht, was Herr von Aquin da gesagt hat?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.02.2020 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42965

Ich wache morgens mit dem Gedanken auf, daß ich mich über Koloquinten kundig machen sollte. Das kommt mir selber ein bißchen verrückt vor. Erst Stunden später fällt mir der Grund ein: Ich hatte am Nachmittag zuvor ein paar Seiten Seneca gelesen, allerdings Briefe und nicht die ihm zugeschriebene „Apocolocyntosis“, an die ich überhaupt nicht bewußt gedacht habe, aber es muß unbewußt gewirkt haben. So haben auch unsere scheinbar frei wuchernden Gedanken eine Ursache, die nur meistens unentdeckt bleibt. Bei Musik fällt es mir öfter auf: mir geht eine Melodie im Kopf herum, weil ich Stunden vorher einen anderen Satz derselben Sonate gehört habe usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2020 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42956

Noch einmal zum Kirchenaustritt (Schlinks Beitrag ist stark beachtet worden):
In Freiburg wurde die vom Staat erhobene Austrittsgebühr "aus sozialen Gründen" halbiert (von 38 auf 19 €). Sonst könnten Ärmere es sich nicht leisten, aus der Kirche auszutreten.

Portal der Stadt Erlangen:

Die Gebühr beträgt 35 €.
(25 € Austrittsgebühr + 10 € optionale Austrittsbescheinigung)


Auf einer Austrittsbescheinigung sollte man bestehen. Es ist bekanntlich vorgekommen, daß die Kirche jemanden zur Nachzahlung herangezogen hat, der seinen Jahrzehnte zurückliegenden Austritt nicht nachweisen konnte. Das ist nicht gut für das Seelenheil.

Für die Aufnahme wird von den Kirchen kein Entgelt erhoben (anders als für die staatliche Beurkundung der Austrittserklärung) (https://de.wikipedia.org/wiki/Kircheneintritt)
-
Aber auch für den Austritt wird die Gebühr nicht von den Kirchen erhoben, sondern vom Staat, und zwar für den Austritt und für dessen Beurkundung.

Was kostet mich der Eintritt?
Nichts. Der Eintritt in die evangelische Kirche ist kostenlos. Sofern Sie Lohn- oder Einkommensteuer zahlen, werden Sie im Anschluss als Mitglied Kirchensteuer bezahlen.

https://www.ekd.de/evangelisch-werden-kircheneintritt-13007.htm

Austrittsgebühren: In Berlin, Brandenburg und Bremen ist der Austritt kostenlos. In den anderen Bundesländern müssen Sie zwischen 10 und 60 EUR mitbringen.

Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1319#24523

Nach meinen Erwägungen dort treten jetzt immer mehr Menschen auch deshalb aus der Kirche aus, weil es gebührenpflichtig ist. Durch die Parteilichkeit des Staates wird die Mitgliedschaft andeutungsweise eine Zwangsgemeinschaft, der Austritt eine Befreiung. Im frömmsten Staat der Erde gibt es das nicht, dafür ein reges Gemeindeleben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2020 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42915

Der Gedanke, Kritiker zu besänftigen, indem man ihnen ein Pöstchen gibt (z. B. im Aufsichtsrat), ist an sich nicht verkehrt. Im Rat für deutsche Rechtschreibung saßen immer Leute, die mal ein kritisches Wort zur Reform gesagt hatten und inzwischen domestiziert sind, heute z. B. Olaf Krause. Auch daß die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die sich nie für Rechtschreibung interessiert hat, gleich mit zwei Stellen bedacht worden ist, erklürt sich nur aus dieser Strategie. Sie hat freilich Mühe, zwei Vertreter aufzutreiben, die nicht gleich wieder hinwerfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.02.2020 um 18.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42885

Die Enkelin (2;10) spielt mit ihrem Arztkoffer, spricht vor sich hin: "Wie heißt noch mal das Stethoskop? Ah, Stethoskop!"
Das Unlogische stört sie nicht, auch scheint sie sich an schwierigen Wörtern zu freuen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2020 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42858

Nach dem schon mehrmals zitierten Forsthoff-Theorem haben die allgemeinsten Interessen die geringsten Durchsetzungschancen, weil sie am wenigsten organisiert sind. Die Anwendung auf die Umwelt- und Klimadiskussion liegt nahe.

In dieser Situation kann der Staat große Teile der Bevölkerung in die Tasche stecken, indem er einfach irgendwelche Organisationen schafft oder schon vorhandene selbsternannte Verbände, d. h. deren Vorsitzende, ermächtigt, für das Ganze zu sprechen. Wir haben das bei den Organisationen erlebt, die sich heranziehen ließen, um die Rechtschreibreform "demokratisch" zu legitimieren. Welche Schüler oder Eltern wußten überhaupt, daß sie Landes- und Bundesvertreter hatten, sogar gewählte? Eine Frau, an deren Namen sich niemand mehr erinnert, artikulierte angeblich den Wunsch von 20 Millionen Eltern, die Rechtschreibreform schnell und unnachsichtig in die Schulen zu bringen. Usw.

Wenn es mal fraglich wird, was "die" Muslime in Deutschland wollen, dann aus anderen Gründen. Normalerweise werden die Meinungen der Organisationsspitzen nicht angefochten. Man ist froh, überhaupt jemanden zu haben, mit dem man verhandeln kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2020 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42831

Rechtschreiben heißt schreiben wie die anderen. Neue Schreibweisen können von noch so dummen, skrupellosen Reformern eingeführt worden sein – wenn sie sich hinreichend verbreitet haben, sind sie das Übliche, und der Kritiker hat keine Handhabe mehr gegen sie. Tollpatsch ist letzten Endes nicht besser und nicht schlechter als Tolpatsch. Es war eine Unverschämtheit, Zierrat auch von Menschen zu verlangen, die es besser wußten, aber das geht vorüber. „Das Weltgericht fragt euch nach den Gründen nicht.“ Auch wenn die Bedeutung eines Wortes sich durch volksetymologische Nachdeutung etwas verschieben sollte, so wäre das nichts Unerhörtes. Leberkäs muß außerhalb Bayerns Leber enthalten, weil jemand nicht wußte, wie das Wort entstanden ist.
Damit wird der Kampf gegen schlechte Reformen nicht sinnlos. Natürlich war es zu kritisieren, wenn diensteifrige Reformbetreiber wie Eisenberg schon 1996, neun Jahre vor dem Ende der Übergangsfrist, verkündeten, der Kampf sei vorbei und es komme nur noch darauf an, die Neuregelung möglichst schmerzlos in die Schulen zu bringen. Er selbst hat dann einen Teil des Regelwerks auf den Kopf gestellt, und auch dies wurde dann wieder möglichst schmerzlos in die Schulen gedrückt. Das muß man nicht kommentarlos geschehen lassen.
Das stumpfsinnige Festhalten an der Reform von 1996 (Schmachthagen usw.) ist sogar in gewisser Weise berechtigt, wenn man die Verunsicherung durch die vielen punktuell wieder für zulässig erklärten Varianten bedenkt. Schlecht, aber wenigstens konsequent – wer das für besser hält, hat auch ein Argument. Es gibt ja viel Unzweckmäßiges, was sich aber dennoch hält und verteidigen läßt, weil es das Gewohnte ist und so viel anderes daran hängt. Die chinesische Schrift ist der helle Wahnsinn und der Hauptgrund dafür, daß dieses in leeren Riten erstarrte Volk es niemals zu etwas bringen wird – so haben wir es bei unseren Gelehrten gelesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2020 um 06.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42820

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29206

Nachdem ich gerade auf das Rezept für Crêpe Suzette gestoßen bin, sehe ich noch mal im Duden nach. Er muß notgedrungen den Krepp, sogar maskulin, anführen, empfiehlt ihn aber nicht. Bei Google kann ich den maskulinen Krepp Suzette nicht finden. Warum streicht der Rechtschreibrat ihn nicht endlich? Gibt das berühmte Korpus von 3 Mrd. Belegen etwas anderes her? Natürlich kann man Zeit, Geld und Arbeit auf die automatische Durchsuchung riesiger Korpora verschwenden und dabei das Offensichtliche übersehen.

Eine Anfrage beim Rat würde wahrscheinlich die Standardantwort zeitigen: Man werde die Angelegenheit bedenken und vielleicht in fünf Jahren bei nächsten Schub von zwei Dutzend Streichungen auch diesen Eintrag korrigieren...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2020 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42802

Viele Pressefotos zeigen Schulkinder, die gemeinsam mit heller Begeisterung in einen gelben (offensichtlich nagelneuen) Rechtschreibduden blicken. In anderen Zusammenhängen sitzen sie strahlend vor einem Bildschirm, als sei es das erstemal in ihrem Leben („neues Lernen“!).
Das sind wahrscheinlich "Symbolfotos" und daher keine Lügen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2020 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42796

Gestern brachte die FAZ einen langen Artikel über die Neuordnung Europas nach dem Ersten Weltkrieg (Pariser Konferenz). Darin wurde gezeigt, wie wenig die immer müder werdenden Politiker der Siegermächte von dem Gebiet wußten, über das sie entscheiden sollten. Folglich kamen die Geographen und anderen Experten zum Zuge. Mich erinnert das an die Rechtschreibreform: Keiner der Kultusminister und Ministerpräsidenten hatte eine Ahnung von Rechtschreibung, zum Zuge kamen die Experten, die den Fuß in der Tür hatten, d.h. sich das Gehör der Ministerialräte zu verschaffen gewußt hatten. Natürlich waren das die Reformaktivisten. Man kann das mit dem klassischen Lobbyismus vergleichen, auch wenn die Reformer überwiegend keine wirtschaftlichen Interessen hatten, sondern nur den Ehrgeiz eines Gerhard Augst (von ihm selbst so dargestellt).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.01.2020 um 11.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42785

Gutmenschen sind weder gute noch böse Menschen, es sind vor allem einfältige Menschen, die glauben, gut zu sein.

Darüber, wie Flüchtlinge besser behandelt werden könnten, gehen die Meinungen sehr auseinander. Viele, die das wollen, sind in meinen Augen sehr vernünftig, Gutmenschen sind allerdings auch darunter.
Organspende hat für mich erstmal nichts mit Gutmenschen zu tun, obwohl es natürlich u.a. auch Gutmenschen tun.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.01.2020 um 10.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42784

Nach meinem Verständnis gibt es nun zwei Arten von "Gutmenschen": Den bösen, der die Flüchtlinge besser behandelt haben möchte, und den guten, der seine Organe zur Verfügung stellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2020 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42783

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42747

Kaesers Hilflosigkeit offenbarte sich in dem plumpen Angebot eines Aufsichtsratspostens für die junge Frau. Diese freihändige Vergabe von Kontrollämtern brachte nicht nur Aktionäre auf die Palme. Kaeser blitzte auch bei der Umworbenen ab. (Sven Astheimer, FAZ 18.1.20)

Das greife ich nur wegen seiner exemplarischen Bedeutung noch einmal auf. Man kann sich über den taktischen Fehler wundern, aber er scheint weniger verwunderlich, wenn man annimmt, daß in gewissen Kreisen alles nur für eine Frage des Preises gehalten wird. Jeder ist käuflich, man muß ihm nur genug bieten. Schon immer hat ein Diogenes ("Geh mir aus der Sonne!") die Mächtigen irritiert.

Die Einladung an mich, bei der Reparatur der Rechtschreibreform mitzumachen, mußte ich mir auch gut überlegen, und tatsächlich haben manche hinterher behauptet, ich hätte die Beschlüsse des Rates (als er noch etwas bewirken konnte), "mitgetragen". Das habe ich aber, wie ich glaube, erfolgreich zurückweisen können, allerdings nur durch meinen theatralischen Austritt nebst doppelseitiger Enthüllungsstory in der FAZ: "Aus dem Leben eines Rechtschreibrates".

Ich will mich aber nicht mit den Klimaaktivistinnen vergleichen, für mich gab es ja kein Risiko.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2020 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42781

Ich verstehe die Frage nicht.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.01.2020 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42780

Ist das die Rehabilitation des "Gutmenschen"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2020 um 15.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42779

Ich hatte versucht, eine weithin herrschende Meinung (Weltanschauung) und auch das herrschende Recht in Worte zu fassen. Meine eigene Ansicht, über die ich mir auch gar nicht ganz klar bin, interessiert hier nicht. Der Akt der Nächstenliebe ist in den letzten Tagen auch oft erwähnt worden, mit dem Hinweis, daß er der Widerspruchslösung entgegensteht. Diese besagt ja im Grunde: Dein Körper gehört der Allgemeinheit, wenn du nicht ausdrücklich widersprichst. Gegenposition: Dein Körper gehört niemandem, nicht einmal ganz dir selbst.

Wie gesagt: Ich plädiere gar nicht für eine der beiden Seiten, sondern für Zurückhaltung angesichts der Tatsache, daß man keine der beiden durchdrücken kann, ohne schweren gesellschaftlichen Unfrieden zu stiften.

Es gibt ja auch Situationen, in die man einfach nie zu geraten hoffen kann, mehr nicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.01.2020 um 14.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42778

Man kann alles immer von zwei Seiten betrachten. Die einen sprechen etwas boshaft vom menschlichen Ersatzteillager, die andern sehen darin einen Akt von Nächstenliebe und Menschlichkeit.

Die Berücksichtigung des Eigenbeitrags bei der Spendenvergabe, wofür ich eintrete, führt nicht zum Ersatzteillager. Man soll sich ja schon jetzt nach dem Wunsch der Politiker bewußt und freiwillig möglichst für die eventuelle Spende entscheiden, also ist das Ersatzteillager weitgehend bereits vorhanden und akzeptiert.
Es geht jetzt nur noch um die richtige Logistik, durch die das ganze überhaupt erst funktionieren kann.

Zur Ware werden Organe nur durch kriminelle Machenschaften. Die meisten Spendewilligen bekommen nie etwas für ihre Haltung, die meisten Spendewilligen nehmen ihre eigenen Organe mit ins Grab. Von Warenhandel sind wir da weit weg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2020 um 04.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42777

Was Sie sagen, ist sehr plausibel und entspricht einem elementaren Gerechtigkeitsempfinden. Ich will mich auch gar nicht zum Advocatus diaboli machen, sondern wiederhole nur noch einmal, daß sehr viele Menschen ein anderes Menschenbild vertreten und daß man diese (anscheinend die Mehrheit) überfahren würde, wenn man ihnen die Vorstellung aufdrücken würde, daß der menschliche Körper ein Ersatzteillager ist. Für unsereinen mag gelten "tot ist tot", aber es gilt eben nicht für jeden. Darum kommt der Verstorbene nicht in den Sondermüll usw. Vielleicht ändert sich das mal, aber zur Zeit ist es eben so.
Wir haben die Technik der Transplantation – aber daraus folgt nicht, daß nun jederzeit die Organe zur Verfügung gestellt werden müssen, wie es manche Mediziner gern hätten. "Spenderherz" – wer hätte denn bis vor wenigen Jahren gedacht, daß das überhaupt möglich ist?
Die Maßstäbe verschieben sich. So gewöhnen wir uns ja auch langsam daran, daß, wie ich mal geschrieben habe, mißliebige Menschen ("Böse"!) überall auf der Welt von Staats wegen umgebracht werden, ohne das menschenrechtlich zugesicherte Gerichtsverfahren und außerhalb von Kriegshandlungen... Sehr viele finden das richtig. Andere meinen, auch ein Hitler hätte vor Gericht gestellt werden müssen, wäre man seiner habhaft geworden. Stattdessen kehrt das Faustrecht wieder (die Negation des Rechts).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.01.2020 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42776

Ich bin keineswegs dafür, nur dem zu spenden, der auch selbst spendet. Aber der Nichtspender muß eben merklich länger warten.

Solange es nicht genug Spender gibt, gibt es zwangsläufig harte Wartezeiten für Kranke und so manchen, der diese Zeit nicht überlebt.
Wenn zwei gleichalte Menschen mit gleichen Überlebenschancen je ein Jahr auf ein Organ gewartet haben, ist es dann gerecht, wenn der, der immer gesagt hat, ich will meine Organe nicht spenden, als erster ein gespendetes Organ bekommt, und der andere, der bereit war zu spenden, muß noch länger warten und womöglich sterben?

Das kann mir keiner erklären, das ist einfach ein Unding. Deshalb muß dringend gesetzlich sanktioniert werden, daß die eigene Spendebereitschaft auf irgend eine Weise bei der Wartezeit berücksichtigt wird.

Ich verstehe wirklich nicht, wie man das negieren und gleichzeitig die zu geringe Spendenbereitschaft beklagen kann. Wenn so ein Gesetz alle Spendenprobleme löste, wer hätte davon einen Nachteil? Selbst die Nichtspender hätten keinen, weil es plötzlich gar keine Wartezeiten mehr gäbe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2020 um 10.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42775

Ich habe auch die längeren Artikel, die seit Jahren zum Thema erschienen, nicht gelesen, weil sie mich langweilen wie alles, wo nur Meinung gegen Meinung stehen kann.

Nachdem ich heute morgen hier meinen Eintrag verfaßt hatte, kam die FAZ ins Haus mit der Kommentarüberschrift "Nicht leichtgemacht", und das trifft es meiner Ansicht nach, auch wenn man über die Zusammenschreibung streiten könnte.
Wie schon am Beispiel der Blutspende gesagt: Körperteile sind keine Waren, eigentlich kann man nicht darüber verfügen, nicht einmal als "Inhaber". Andererseits: "Mein Bauch gehört mir" – auch in diesem Zusammenhang war das schon mal Thema. Was soll man dazu sagen? Mir fällt nichts Vernünftiges ein.

Kennen Sie das Problem der "Triage"? Auch nicht befriedigend lösbar. Selbstmord ebenso...

Zu Ihrer Anregung, nur dem zu spenden, der auch selbst spenden würde: Soll man jemanden nicht aus dem brennenden Haus retten, der selbst nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen wollte? Vertretbar wäre es. Übrigens alles schon in der Antike durchdiskutiert worden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.01.2020 um 09.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42774

Auch Ihre Anregung eines "do ut des" ist ja keineswegs undiskutiert geblieben.

Na ja, ich habe es einige Male ansatzweise gehört, aber immer wurde das gleich mit ein, zwei Sätzen und ohne wirklich einleuchtende Argumente abgebügelt. Eine richtige Diskussion darüber habe ich nie mitbekommen, jedenfalls lange nicht so, wie über "Widerspruchs-" und "Zustimmungslösung" diskutiert wurde, als ob es gar keine andere Möglichkeit gäbe.

Fast jeder, dem ich das erzähle, sagt, ja, eigentlich hast du recht, aber niemand weiß richtig, warum es nicht so gemacht wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2020 um 03.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42772

Lieber Herr Riemer, ich persönlich teile Ihre Ansicht, aber ich würde nicht so weit gehen, Andersdenkende als Moralapostel usw. zu beschimpfen. Ich glaube, daß es sich um eine schwierige Frage handelt, über die sich die Streitenden sehr wohl ihre Gedanken gemacht haben und über die ganz verschiedene Ansichten möglich sind. Das hängt mit unserem Verhältnis zum Tode zusammen und auch mit unserem Verhältnis zur Religion. Wenn ich meine ("materialistische", wie Sie sagen würden) Ansicht verabsolutieren würde, müßte ich die Hälfte meiner Mitmenschen für doof halten. Auch "Totenruhe" usw. sind dann absurde Begriffe.
Auch Ihre Anregung eines "do ut des" ist ja keineswegs undiskutiert geblieben. Ich will das nicht alles hier nachzeichnen, sondern nur sagen, daß es nicht so einfach ist. Ich bin sicher, daß eine Widerspruchslösung am Bundesverfassungsgericht gescheitert wäre. Bleibt zu hoffen, daß die freiwillige Organspende immer üblicher wird.
Wenn man älter wird (gerade erfahre ich vom Tod des zweiten Klassenkameraden), findet man sich eher damit ab, daß manche Probleme einfach keine glatte Lösung haben.
Es fängt ja schon bei der harmlosen Blutspende an. Wenn bei meinen Kommilitonen das Geld nicht reichte, gingen sie zum Blutspenden – obwohl es nicht zulässig ist, sein Blut zu "verkaufen". Das wurde dann anders benannt – eine nette Heuchelei zum Wohle aller Beteiligten.

Gestern hat Bernhard Schlink auf einer Seite der FAZ dargelegt, warum der Kirchenaustritt im Pfarramt und nicht im Standesamt oder Amtsgericht erklärt werden sollte. Ganz meine Meinung. Aber zweierlei hat er übergangen. Erstens kann man nicht von einer freien Mitgliedschaft wie bei anderen Vereinigungen sprechen: Die allermeisten treten der Kirche nicht bei, sondern sind über ihr Köpfchen hinweg zu beitragspflichtigen Mitgliedern gemacht worden. Und zweitens: Schlink erwähnt die vom Staat verlangte Verwaltungsgebühr für den Austritt, aber nicht die Gebührenfreiheit des Eintritts oder Wiedereintritts. Scheinbar eine Marginalie, aber in Wirklichkeit ein Indiz für die Parteilichkeit des angeblich weltanschaulich neutralen Staates.

Das scheint mir hierherzugehören, weil es ein Teil der Ausgangslage ist. Das Verhältnis von Staat und Kirche ist sozusagen "unsauber" und wird sich in den nächsten Jahrzehnten klären, aber es dauert eben länger, als mancher (ich zum Beispiel) wünschen würde.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.01.2020 um 21.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42771

Widerspruchslösung, Zustimmungslösung, so ein Irrsinn das alles. Wieder hat der Bundestag mit großem Klamauk letztlich beschlossen, daß weiterhin Kranke sterben müssen, denen geholfen werden könnte.

Wir sind ja gute Menschen, deshalb lassen wir lieber Kranke sterben als moralische Zweifel aufkommen.

Wem würde denn geschadet, wenn es plötzlich genügend Organspender für alle gäbe, sogar für die, die nicht selbst spenden wollten?

Wir bräuchten nur dafür zu sorgen, daß ab sofort per Gesetz die Wartezeit auf ein Spenderorgan für diejenigen dreifach angerechnet wird, die sich vor der eigenen Bedürftigkeit als Spender registrieren lassen haben.

Sofort würde jeder seinen Organspendeausweis als eigene Lebensversicherung betrachten, die Leute würden danach Schlange stehen. Es wären in kürzester Zeit genug Spendeorgane für alle da.

Aber es gibt leider diese Moralapostel, die aus was weiß ich für moralischen Gründen Spender genauso lange warten lassen wie Spendenverweigerer. Diese Moralapostel sind die eigentlichen Verursacher der Organknappheit.

Solange es ungenügend viele gespendete Organe gibt, wäre es nicht mehr als gerecht, wenn ein potentieller Organspender im Falle eigenen Bedarfs gegenüber einem Nichtspender bevorzugt wird?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2020 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42749

Der Tusch bei Büttenreden (die "Prunksitzung" des Karnevalsvereins wird zur Zeit wieder auf Plakaten angekündigt) war ein Vorläufer des "canned laughter".

Ich erinnere mich aus meiner Kindheit, als wir noch lange kein Fernsehen hatten: Aus den Fenstern der Nachbarhäuser hörte man nur diesen Tusch, auch doppelt und dreifach nach besonders gelungenen Witzen. Das ganze deutsche Volk war vereint.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 13.01.2020 um 19.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42748

Das erkennbare Ansteuern der Pointe gehört zu den Kunstgriffen des Vortrags wie die Pause nach dem Gag, die dem trägen Publikum signalisieren soll, daß da was Witziges gesagt wurde. (Peinlich nur, wenn dann doch kein Lacher kommt.) Meine Fernsehzeitung kritisiert oft den Ausgang von Filmen als vorhersehbar, deren Reiz gerade darin besteht, daß "sie sich am Ende kriegen" – unausweichlich trotz größter Widrigkeiten. Alles natürlich nicht jedermanns Sache.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2020 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42747

Die Medien rechnen uns überflüssigerweise vor, was die Studentin Neubauer mit einer Sinekure im Aufsichtsrat von Siemens verdient hätte. Es ist doch klar, daß die junge Frau den Job nicht für eine Million hätte annehmen können. If you can’t beat them, buy them – das ging hier wirklich nicht, und Kaeser hätte es wissen müssen. (Oder ist das in der Welt der Aktionäre nicht so klar?)
Er hätte also auch wissen müssen, daß er Frau Neubauer mit dem unanständigen Angebot erst recht zur Heldin ihrer Anhänger machen würde. Hat er wirklich nicht einmal diese zwei Züge vorausgedacht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2020 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42741

Auch australische Umweltaktivisten reagierten empört auf den Beschluss von Siemens. Die Entscheidung sei "nichts weniger als schändlich" und ruiniere das Image der Firma, hieß es von der Australian Conservation Foundation. (spiegel.de 13.1.20)
(„nothing short of shameful“)

Eine Meldung der WELT über Luisa Neubauer vs. Siemens ruft in kürzester Zeit 1000 Leserzuschriften hervor; nach weiteren drei Stunden sind es 1.400 (am Abend rund 2.000). Praktisch nur Männer, wie schon bei Greta, alle mehr oder weniger gehässig. Frau Neubauer ist ja zusätzlich auch noch recht hübsch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2020 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42740

Nuhrs Pointen sehe ich nicht voraus, aber ich sehe, wie er darauf lossteuert. Aber wie gesagt, ich habe nur ein paar Minuten gesehen und kann nicht mehr dazu sagen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 05.01.2020 um 13.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42715

Wenn ich es recht verstehe, sehen Sie Nuhrs Pointen voraus. Ich nicht, wie ich zugebe, zumindest nicht immer, und das macht ja das Vergnügen aus. Vielleicht gefällt Ihnen George Carlin?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.01.2020 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42705

Könnte auch aus dem Englischen sein wie das bekannte »in Front«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2020 um 07.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42704

Diese Sommermonate, von Mitte Juni an, waren durch die Fülle von Besuch oft reizend, meist junge Frauen aus der Berliner Verwandtschaft, plauderhaft und heiter. Das Haus war dann, auf Wochen hin, total verändert, und Scherz und Schalkhaftigkeit, die sich bis zur Ausgelassenheit steigerten, herrschten vor.

Das Wort total in diesem Sinn fiel mir als überraschend modern auf. Der Rest ist natürlich nicht von heute, das merkt man gleich. Es handelt sich um Fontanes "Meine Kinderjahre". Wahrscheinlich hat Fontane es aus dem Berliner Großstadtjargon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2020 um 04.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42702

Das auch, aber man kann dem Spaßvogel doch auch dabei zusehen, wie er die Jagd nach der Pointe betreibt ("Witz, komm raus, du bist umzingelt!").
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 02.01.2020 um 11.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42696

Nuhr gehört ja auch weniger zu den Predigern als zu den Pointenhaschern. Allerdings kann man Pointen eigentlich nicht haschen; sie wollen geschrieben werden. Gehascht wird dann nach Publikumslachern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2020 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42695

I don’t think he’s a very nice man. I hate people who ask you to decline nouns for them. (Peter Wimseys Söhnchen)

Recht hat er. Wenn wohlmeinende Verwandte und Bekannte mir pädagogisch wertvolle Fragen stellten, habe ich mich eher dumm gestellt als die Entwürdigung hinzunehmen, und später war es mir sehr peinlich, meine eigenen Kinder solcher Mißhandlung ausgesetzt zu sehen. Abfragen geht in der Schule, nicht im zivilen Leben, auch nicht mit Kindern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2020 um 17.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42690

Das Publikum hat aber gar sehr gelacht (oder kam das aus der Konserve?). Das ist es ja, was ich nicht verstehe. Aber diese Welt ist mir sowieso fremd, ich habe auch von Mario Barth nur den Namen gehört.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.01.2020 um 16.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42689

Vor allem gilt er der Gutmenschengemeinde als böse rechts. Ein freier Mitarbeiter des ZDF twittert: "Adolf Hitler, für mich der Dieter Nuhr unter den Faschisten." Auch manche Kabarettisten halten nichts mehr von Pointenhascherei und tragen lieber mahnende Predigten vor. Da hat das Publikum nichts zu lachen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.01.2020 um 14.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42688

Nuhrs Publikum hält ihn für vornehm im Vergleich mit Mario Barth.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2020 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42686

Ein Freund verlinkt einen gewissen Dieter Nuhr, den ich denn auch ein paar Minuten lang angesehen habe, war mir bisher nur dem Namen nach bekannt. Soll das Kabarett sein oder was? Das Genre liegt mir sowieso nicht, wegen der Pointenhascherei. Aber diesen Wasserfall von Dummheiten hatte ich nicht für möglich gehalten, und alles von meinem Geld! Scheint aber sehr bekannt und daher auch beliebt zu sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.12.2019 um 10.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42680

Daß es Menschen gibt, die wahrsagen können, ist hinreichend erwiesen.
Jede Woche können einige alle sechs Lottozahlen richtig vorhersagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2019 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42678

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32846

Im selbstreferentiellen System unserer Medien werden auch zu Silvester 2019 die Prophezeiungen der "Baba Wanga" wieder hervorgekramt. Ob doch etwas dran ist? Usw. – So sondert sich die Spreu vom Weizen.

Das ist zwar primitiv, aber auf einem anderen Niveau geschieht dasselbe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2019 um 05.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42670

Erst jetzt stoße ich zufällig auf einen Beitrag des verstorbenen Slawisten Ronald Lötzsch (IM "Heinz", vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Lötzsch).

Er zitiert mich, hat aber nicht verstanden, was ich mit der Leserorientiertheit meine. Esperantisten haben eben eine andere Sicht. Ich erwähne ihn hier, weil sich an seinem Beitrag (https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Utopie_kreativ/85-6/85_6_Loetzsch.pdf) zeigen läßt, wie leicht es für einen Sprachwissenschaftler ist, dem Deutschen eine schlüssige Orthographie auf den Leib zu schneidern. Natürlich ist sie rein phonologisch, s. o.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2019 um 16.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42664

Nach dem tödlichen Lawinenabgang in Südtirol wird gemeldet:

Laut dem Sprecher der Carabinieri habe keine Lawinengefahr bestanden. (Tagesspiegel 30.12.19)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2019 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42634

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39220

Vgl. http://rechtschreibung.com/Forum/showthread.php?threadid=1251 (Milliarde Neger)

Ich finde ja die ganze Political correctness bedenklich und hätte nichts gegen die Beibehaltung der herkömmlichen Bezeichnungen gehabt. Das ist leider verpaßt worden. Von der genannten Website habe ich mich vor rund 15 Jahren trennen müssen.

Wer früher sein ganzes Leben dem Studium der Zigeuner- oder Negersprachen widmete, konnte wohl kaum rassistisch verdorben sein, auch wenn die Afrikanisten eine gewisse paternalistische Haltung nicht verleugneten. (Ich habe selbst noch hochbetagte, oft mit der Mission verbundene Vertreter kennengelernt.)

Natürlich kann man auch die Migrationspolitik kritisieren, aber hier kommt doch ein ganz anderer Zungenschlag hinzu. Damit will ich nichts zu tun haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2019 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42628

Die Geschichte des modernen Westens ist eine Geschichte der Widersprüche und der Ungleichzeitigkeiten. (Winkler: Werte und Mächte 15)

In der Natur gibt es keine Widersprüche und Ungleichzeitigkeiten. Winklers Standpunkt ist nicht-naturalistisch, teleologisch, metaphysisch. Man glaubt zu wissen, „wie spät es ist“ oder „was die Stunde geschlagen hat“ – „Ursprung und Ziel“ der Weltgeschichte. Das kann Heilsgeschichte sein oder die säkularisierte marxistische Form, auch Kreislauflehren gehören hierher.

In solchen Werken hängt alles Geschichtliche irgendwie sinnvoll zusammen. Das prägt auch die Sprache. Sie stellt Kohärenz zwischen den Tatsachen her.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2019 um 11.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42621

Manche Leute schreiben über ein Vorwort Statt eines Vorworts oder Anstelle eines Vorworts (bitte googeln!). Das sieht überlegt ("reflektiert") aus und ist ja auch nicht verkehrt, denn an welcher Stelle soll ein Vorwort stehen, wenn nicht an der Stelle eines Vorworts?
Statt eines Buchs über den Rat für deutsche Rechtschreibung schreibe ich gerade ein Buch über den Rat für deutsche Rechtschreibung und hoffe, daß viele es anstelle vieler Leser lesen werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.11.2019 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42504

Warum schleppt das amtliche Wörterverzeichnis noch Krepp "Eierkuchen" mit? Das zu tilgen wäre doch ganz leicht gewesen. Was tut der Rat eigentlich den lieben langen Sitzungstag?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2019 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42470

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42343

Wie erwartet:

Trump mit Gattin und Pence haben dem Hund Conan eine Medaille und ein Zertifikat überreicht.

Er hat IS-Anführer persönlich aufgespürt und zur Strecke gebracht: Militärhund Conan. Jetzt wurde dem Vierbeiner gar ein Besuch im Weißen Haus und eine Auszeichnung von US-Präsident Donald Trump zuteil. (web.de 26.11.19)

Die "Strecke" wird länger, der Krieg auch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2019 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42459

Das ohnehin schon verhehrende Ergebnis der Union bei der EU-Wahl ... (zeit.de 23.11.19)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2019 um 09.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42442

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35869

Zum Beispiel das zehnjährige Jubiläum der Rechtschreibreform wurde mindestens 2006, 2008, 2015 und 2017 begangen, wahrscheinlich noch öfter, und nun hatten wir schon mehrmals das zwanzigjährige und werden es spätestens in sechs Jahren wieder haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2019 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42417

Herzogin Meghan hat noch keine britische Staatsangehörigkeit. Hat die Queen sie denn? Bekanntlich hat sie keinen Paß, weil der im Namen der Queen ausgestellt wäre. Bis vor 40 Jahren waren die Briten einfach Untertanen der Krone, aber für die königliche Familie selbst traf das nicht zu, oder?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.11.2019 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42403

Stimmt, hier bekommt man den Text mit der Rücktaste wieder, aber im Diskussionsforum geht das nicht, da ist der Text endgültig weg.
 
 

Kommentar von Paul Westrich, verfaßt am 14.11.2019 um 15.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42402

Ich hatte vor einiger Zeit schon einmal angeregt, im Header der Seiten charset=iso-8859-1 durch charset=utf-8 zu ersetzen. Möglicherweise löst dies das Problem. Erklärungen zur Zeichenkodierung siehe
http://floern.com/webscripting/umlautproblem
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2019 um 14.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42401

Verloren ist der Text nicht, man kommt durch den Rückwärtspfeil zur Eingabe zurück und kann dann die versehentlich noch verwendeten Hochkommas durch Akzentzeichen ersetzen, dann geht es wieder. Aber das sind Notbehelfe, nicht sehr einladend, das finde ich auch.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.11.2019 um 11.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42400

Vielleicht steht es auch im Zusammenhang mit anderen alten Problemen.
Im Diskussionsforum kann man ja schon lange keine Umlaute und Eszett mehr benutzen. Es ist wohl das lästige Umschreiben oder daß der eingegebene Text oft verloren geht, was schon fast ganz zum Einschlafen des Diskussionsforums geführt hat.

Aber auch hier im Tagebuch funktioniert die Suche nach Wörtern mit Umlaut oder Eszett nicht.

Außerdem kann man im Tagebuch schon lange kein Hochkomma (Apostroph) mehr benutzen. Es führt dazu, daß der ganze mühsam eingegebene Text verloren ist.
Gibt es niemanden, der das beheben kann? Vor 10 oder 15 Jahren hat das alles noch funktioniert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2019 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42394

Mea culpa?

Ich habe den Verdacht, daß der ab und zune Kollaps dieser Website auf mich zurückgeht. Manchmal (aber längst nicht immer), wenn ich einen älteren Eintrag korrigiert oder ergänzt habe, stelle ich hinterher das Malheur fest. Ich werde also einstweilen von meinen Administratorrechten keinen Gebrauch mehr machen (außer beim morgendlichen Löschen von Troll-Vandalismen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2019 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42384

Unter „Jugend schreibt“ liest man in der FAZ (11.11.19), in den 50er Jahren habe eine Hemingway-Übersetzerin joystick als Liebesstängel wiedergegeben. Wenn schon, dann wohl Liebesstengel. Aber in Wirklichkeit dürfte es sich um eine falsche Erinnerung an Freudenspender statt Steuerknüppel (aus „Fiesta“) handeln, worüber in der ZEIT berichtet worden war. (https://www.zeit.de/1994/04/hymne-an-den-freudenspender/komplettansicht)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2019 um 08.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42343

(Auch zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28039 und http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28048)

Die FAZ (31.10.19) erörtert aus gebührender Distanz die Tötung Bagdadis und vergleicht sie mit der Tötung Bin Ladins vor acht Jahren. Im Falle Bin Ladins scheint sich inzwischen die Auffassung durchgesetzt zu haben, daß die Aktion der USA illegal war. Allerdings bezieht sich die Verfasserin nur auf das Völkerrecht, nicht auf die Menschenrechte.

Die Metapher vom „war on terror“ soll nach Absicht der USA wörtlich verstanden werden, aber dazu fehlt es an vielem. Al Qaida hatte kein Staatsgebiet, keine militärischen Strukturen, Bin Ladin war kein Befehlshaber, wurde nicht bei Kampfhandlungen umgebracht usw.

Daß Bagdadi „seiner gerechten Strafe zugeführt“ worden sei (wie seinerzeit Bin Ladin), kann man im wörtlichen juristischen Sinn auch nicht sagen, denn ohne Gerichtsverfahren wird nicht bestraft, sondern „liquidiert“ oder „ausgeschaltet“ (BILD u.a.).

Seither kann man den Mächtigen dabei zuschauen, wie sie dabei zuschauen, wie der Feind erledigt wird. Das kann man obszön finden.

Trump feiert den „Schäferhund, der den IS-Chef zur Strecke brachte“. Ein Bildnis des Hundes ist veröffentlicht; es wäre nicht unpassend, ihm einen Orden zu verleihen.

Natürlich sind die USA selbst nicht von ihren Metaphern verführt, sondern haben diese Ausdrucksweise zu Propagandazwecken erfunden. Wir andern sind es, die darauf hereinfallen sollen, wie es unsere Medien ja denn auch bereitwillig tun.
Den besiegten Gegner zusätzlich zu demütigen (sub iugum mittere) verspricht nichts Gutes für die Zukunft. Die Erinnerung daran vergeht nicht, und der Haß derer, die die Toten als Helden verehrten, schlägt irgendwann zurück. Herodots Cantus firmus: Die heute triumphieren, werden morgen „winseln“ (Trump) und umgekehrt. Kann man auch bei Kant nachlesen. Manche lernen es spät, aber wenn sie sich mit dem vermeintlichen Erbfeind versöhnt haben, ahnen sie zumindest, wie dumm das Ganze war.

Sollten die Amerikaner (oder die Chinesen) zu der Erkenntnis kommen, daß auch in Deutschland Terroristen leben, denen die deutschen Behörden nicht energisch genug entgegentreten, könnten sie uns die schmutzige Arbeit abnehmen und uns von diesem Ungeziefer befreien.

A propos „winseln“: Mir scheint vieles an der Liquidierung Bagdadis unklar. Der wirkliche Ablauf wird sich um so schwerer rekonstruieren lassen, als die USA das Gelände anschließend bombardiert haben. Angeblich, um keine Kultstätte entstehen zu lassen. (Womit anerkannt wird, daß es sich nicht um eine gewöhnliche Verbrecherbande handelt, sondern um eine ideologisch gegründete Bürgerkriegspartei.)

Die "Kultstätte" braucht auch kein Terrain, sie kann in den Köpfen entstehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2019 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42305

Jetzt ist wieder Igelzeit.

ZEIT ONLINE: Was darf man ihm als erste Notration geben, wenn er eindeutig unterernährt ist?

Fraaß: Bloß keine Milch! Davon bekommt er starke Durchfälle.


Als wir noch in einem hessischen Dorf wohnten und einen großen Garten hatten, stellten wir einer Igelfamilie abends rohe Milch (direkt von der Kuh) hin. Nötig war das nicht, aber lustig. Sie standen alle mit ihren schmutzigen Füßchen in der Milchschale, und dann trieben sie die leere Schale noch mit Geklapper über die Terrasse. Von Durchfall war nie etwas zu merken. Das könnte eine Legende sein.

Hier in Spardorf haben wir mal zwei magere Igel aufgegriffen und im Keller überwintern lassen, wo sie auf den Winterschlaf verzichteten. Ihre Lieblingsspeise war gekochtes Hühnerfleisch (billiges Suppenhuhn). Aber das Ganze war eine schmuddelige Angelegenheit, weil sie nicht aufs Klo gehen, und nach dem Auswildern im April mußten wir den Kellerboden gründlich schrubben.

So klein der Garten jetzt ist, gibt es doch immer wieder Gäste unter den Reisighaufen, die wir ihnen zugedacht haben.

Ich will bei dieser Gelegenheit anmerken, daß es in den Gärten kaum noch Vögel gibt, wegen der unzähligen Katzen, die manche Nachbarn halten. Die Vögel werden nicht durch Windräder dezimiert, sondern durch die Landwirtschaft, den Verkehr, 15 Millionen Katzen und Glasfassaden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2019 um 09.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42299

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42214

Die "Schote" ist ein weiteres Zugeständnis an den Laien, denn die Cucurbitaceen tragen ja Beeren. Unwahrscheinlich genug, wenn man den "Atlantic Giant" sieht, der in unserem Vorgarten liegt (nachdem uns ein freundlicher Pferdehalter eine Fuhre Mist geschenkt hatte). Eher schon beerenhaft der Hokkaido-Kürbis, der sich während unseres Urlaubs in sechs Meter Höhe auf einem Baum entwickelt hat und nach dem Abwelken der Ranke wie ein botanisches Wunder anzuschauen war, das alle vorübergehenden Eltern ihren Kindern zeigten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2019 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42257

Laut FAZ ist der Fall Baberowski/HU „symptomatisch für einen Wissenschaftsbetrieb, der seit der Bologna-Reform, dem rapiden Wachstum des universitären Prekariats und der Überflutung der Lehrstühle mit Projektanträgen zunehmend verkommt.“ (18.10.19)

Das stimmt nicht. Vor 50 Jahren war das schon genau so. Der linke studentische Pöbel hatte praktisch die Macht ergriffen, übte das Niederbrüllen als bevorzugte, auch gänzlich risikolose Kommunikationsweise und konnte unter den wohlwollenden Blicken des Universitätspräsidiums jeden Vorlesungsbetrieb lahmlegen. Auch damals war z. B. in Marburg der ASTA von höchstens acht Prozent der Studentenschaft gewählt wie heute der RefRat in Berlin (an der naturwissenschaftlichen Fakultät lag die Wahlbeteiligung bei zwei bis drei Prozent), aber weil es kein Quorum gab, konnte man die Machtergreifung der „Marxisten-Leninisten“ nicht verhindern. Die Alternative war der RCDS, auch nicht gerade berückend. Hätte man den Status der „Studentenvertretung“ durch höhere Beteiligung quasi legitimieren sollen?
(S. auch http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1575#25809)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2019 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42217

Warum Trump die Kurden ihrem Schicksal überläßt:

"They didn’t help us with the Second World War. They didn’t help us with Normandy."

Ich habe auch noch nie etwas von Kurden in der Normandie gehört. Allerdings auch nicht von Uiguren, denen Trump nun mit Wirtschaftssanktionen gegen China zu Hilfe kommt.
Übrigens dürften unter den Invasionstruppen in der Normandie auch US-Soldaten kurdischer Herkunft gewesen sein, auch wenn Zahlen dazu nicht auffindbar sind. Eine andere „Hilfe“ von Kurden war ja auch schwer möglich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 09.10.2019 um 10.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42214

Kürzlich hat der Kabarettist Dieter Nuhr von einem Globuli gesprochen. Der kennt den Singular natürlich ebenfalls, aber er will verstanden werden. Ich selbst kaufe ab und zu eine Zucchini(-Schote).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2019 um 06.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42213

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40559

Der Massenmörder von Kitzbühel war ein "Einheimischer", was für einen WELT-Leser sofort "die Frage aufwirft, wie lange er denn schon einheimisch war".

Der Lkw-Fahrer von Limburg ist wenigstens Syrer. Allah sei Dank, daß dort die Welt noch in Ordnung ist!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2019 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42211

Zucchino „besonders fachsprachlich, selten“ (Duden)

Na ja, fachsprachlich... (Welches Fach? Nicht meins) Ich weiß, wie die Frucht auf italienisch heißt, will aber dem Gärtner am Marktstand und den übrigen Kunden nicht mit meiner Bildung auf die Nerven gehen und sage lieber eine Zucchini, zwei Zucchinis. Weil es aber herablassend ist, fühle ich mich damit auch wieder nicht ganz wohl. Vielleicht denkt der Händler: Herr Ickler weiß, wie es richtig heißt, aber mir zuliebe verleugnet er es.
Lieber nehme ich gleich gelbe Rüben. Die würde ich zwar eigentlich Möhren nennen, aber das weiß der gute Mann ja nicht. Oder doch?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2019 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42197

Zur Erleichterung des Geschichtsunterrichts wird die KMK anordnen, daß die Berliner Mauer am 3. Oktober gefallen ist. Das ist dieselbe Logik wie bei der Anordnung der volksetymologischen Schreibweisen (einbläuen) zur Erleichterung des Schreibens. Irgendwie war ja auch erst am 3. Oktober das Ende der deutschen Teilung und damit der eigentliche Mauerfall. Die falsche Datierung ist auch schon so verbreitet, daß die wenigen Kritiker sich nicht so elitär zieren sollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2019 um 04.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42195

Auch dieses Jahr wieder dieselbe historische Taschenspielerei mit dem Nationalfeiertag. Das Google-Doodle zum 3.10.2019 zeigt stilisiert Menschen, die auf der Berliner Mauer sitzen oder tanzen. In den Kommentaren (auch tags zuvor in der FAZ) wird durchweg der Mauerfall gefeiert, daneben an Genschers Balkonrede erinnert, samt Fotos, obwohl die Verfasser es besser wissen. Bilder von der Vertragsunterzeichnung sind nicht zu sehen. Der Tag verschmilzt im Bewußtsein der Deutschen unaufhaltsam mit den Ereignissen fast ein Jahr früher. Selber schuld.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2019 um 03.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42114

Zu den Schrecknissen des Alltags gehören Textilgeschäfte, besonders die Abteilung für Herrenoberbekleidung. Schon der Geruch...

Ich sollte mal was Neues bekommen für die Hochzeit einer meiner Töchter, wurde also in ein solches Etablissement geschleppt.

Der Angestellte entwickelte eine bemerkenswerte Beredsamkeit, wußte nicht, daß ich mich dafür mehr interessierte als für das Gewebe.

Anscheinend hat sich, quasi naturgesetzlich wie der Klimawandel, etwas verändert. Man trägt jetzt braune Schuhe und offenes Hemd. Die braunen Schuhe seien zuerst in Italien beobachtet worden, inzwischen sind sie über die Alpen gewandert.

(Ich habe trotzdem meine 40 Jahre alten schwarzen Schuhe getragen, aber auf den Schlips gern verzichtet. Die ganze Hochzeitsgesellschaft hat sich dann bei 32 Grad im Schatten alsbald des steiferen Zeugs entledigt.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2019 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42068

Übrigens:

Ina Seidel und Agnes Miegel (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1040#42067) sind mir aus meiner Kindheit als beliebte Lesebuch-Autorinnen in Erinnerung. Beide in der jungen Bundesrepublik hoch geehrt. Näheres in ihren Wikipedia-Biographien. Noch heute sind Schulen und Straßen nach den beiden benannt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.08.2019 um 00.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42036

Ich bezweifle, daß sich der Zeitgeist grundlegend verändert (hat). Ich sehe eher die Gefahr, daß die konstant relativ wenigen geistig zurückgebliebenen Politrowdies, die man gleichwohl nie völlig ausschließen kann, von den sich um die politische Mitte drängenden und um Machterhalt besorgten etablierten Parteien instrumentalisiert werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2019 um 19.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42035

Das ist zwar nicht meine Sorge, aber ein gewisser Zeitgeist ist inzwischen so verbreitet, daß ich mit dem Schlimmsten rechne. Das will ich wenigstens rechtzeitig zur Sprache gebracht haben.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.08.2019 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42034

"Qui tacet, consentire videtur."
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.08.2019 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42033

Lieber Prof. Ickler,
ich wundere mich oft, daß Sie solchen sich selbst disqualifizierenden Kommentaren in der WELT oder in anderen Online-Medien überhaupt soviel Aufmerksamkeit geben. Ich lese so etwas gar nicht erst. Es hat schon immer gering bemittelte Menschen gegeben, die dummes und beleidigendes Geschwätz von sich geben. Ich glaube nicht, daß es heutzutage mehr geworden sind, sie werden nur jetzt im Internet häufiger wahrgenommen. Trotzdem glaube ich nicht, daß sie sich dadurch vermehren. Deswegen würde ich sie einfach ignorieren. Klar, manchmal denkt man schon, ob es nicht besser wäre, solche Dummheiten stärker zu unterdrücken. Aber dann ist wieder die Frage, wo genau soll man die Grenze ziehen, ab wann ist Meinungsfreiheit in Gefahr. Ich denke, es gibt halt solche Menschen, dagegen kann man nichts machen, sollen sie ihre Spielwiese haben, wer vernünftig ist, nimmt sie sowieso nicht für voll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2019 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42030

Ich würde ein Kind mit Asperger-Syndrom nicht unbedingt „eine kluge junge Frau mit einem klaren Ziel“ nennen. (Ein WELT-Leser, der damit seine eigene Intelligenz unter Beweis stellt.)

Viele Herren nehmen Greta Thunberg auch übel, daß sie nicht so sexy aussieht, wie es sich für eine 16jährige gehört. Da rutscht einem schon mal Klima-Bettnässer oder das etwas inkonsistente zopfgesichtige Mondgesicht heraus.

Wie nennt man eigentlich die Neigung zu unflätigen Entgleisungen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.08.2019 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42012

Nachtrag zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41967

Nach Angaben der Deutschen Bahn sind im Fernverkehr 38 % der Züge technisch voll funktionsfähig (bezogen auf Juni 2019), bei den ICE geschätzt 25 %. Jeder zehnte Defekt betrifft die Türen.

(Meine Frau ist mir mit Tochter und Enkelin nachgereist und erlebte Aufregendes. Zweimal blieben die Züge wegen Überfüllung stehen. Ein Zugführer sagte durch, er werde unter diesen Umständen nicht weiterfahren, sondern seine Sachen packen und nach Hause gehen. Usw.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.08.2019 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42009

Der Paritätische Gesamtverband kritisiert, dass Berufssoldaten freie Fahrten bekommen. Besser sollten junge Menschen in Freiwilligendiensten kostenlose Tickets erhalten, die für „400 Euro im Monat echten Einsatz für unser Gemeinwesen leisten“. (FAZ 22.8.19)

Das war zu erwarten. Es kann aber doch nicht sein, daß jeder Bufdi dieselbe Ehrung erhält wie ein Soldat! Vielleicht könnte man andere Formen der Respektbezeugung wiedereinführen. Zivilisten sollten den Gehsteig verlassen und grüßen, wenn ihnen ein Uniformierter entgegenkommt usw. Vergessen wir doch die Schnapsidee vom "Bürger in Uniform"! Freilich hat die Bundeswehr selbst zum Mißstand beigetragen, weil sie den Dienst am Vaterland jahrzehntelang wie einen interessanten technischen Beruf beworben hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.08.2019 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41991

„Wie ticken die Klimaschützer?“ Wir kennen schon „Wie ticken die Gegner der Rechtschreibreform?“ So hat man was zu forschen und zu veröffentlichen, ohne sich selbst die Hände schmutzig zu machen. Die Sache selbst „interessiert uns nicht“ (so der Germanist Oskar Reichmann über die Rechtschreibreform).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2019 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41988

Ein Hongkong-Chinese, mit dem wir 1986 in Tianjin Tür an Tür wohnten, bemühte sich schon damals um die Auswanderung nach Australien, weil er voraussah, daß die relative Autonomie Hongkongs nicht von Dauer sein werde. Das meinten auch viele andere – elf Jahre vor der Übergabe an die VR. – Daran muß ich jetzt wieder denken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.08.2019 um 04.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41967

In einer Zuteilungswirtschaft, wie sie den Linken und einem Teil der SPD (Kühnert) vorschwebt, ist es nicht möglich, sich für mehr Geld mehr zu kaufen, als man unbedingt braucht. Darum wäre es konsequent, die erste Klasse in der Bahn abzuschaffen. (Ich bin gerade ausnahmsweise erster Klasse gefahren, es hat mir aber nichts genutzt, denn der gesamte ICE blieb auf der Strecke, ich verpaßte alle Anschlüsse und mußte in der Provinz zwangsübernachten... Auch fehlte zwischendurch nicht das gewohnte Schild: die Klimaanlage sei ausgefallen, und man möge doch einen anderen Wagen aufsuchen, unter Wegfall der Reservierung.)

Wenn ich Frau Kramp-Karrenbauer recht verstehe, soll nicht das Verteidigungsministerium für die Freifahrten der Soldaten zahlen, sondern die Deutsche Bahn AG – also eine Wohltat auf Kosten Dritter. Der Wehrbeauftragte erwähnt die „Staatsnähe“ des Unternehmens, aber das erklärt nicht, warum Tickets nicht vom eigentlichen Arbeitgeber gezahlt werden sollen. Man könnte ebenso fordern, daß Soldaten kostenlos parken und Fischbrötchen bekommen sollten. Eine Grußpflicht gegenüber Uniformierten wäre sogar kostenlos zu haben.
Sind eigentlich Polizisten nicht derselben Anerkennung würdig? Krankenschwestern? Geldwerte Vorteile (hier im Wert einer BahnCard 100: 7435 € in der ersten Klasse, wie sie unseren Soldaten und Politikern zusteht und aus diesem Grunde doch beibehalten werden muß) müssen übrigens versteuert werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2019 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41949

In letzter Zeit ist man hierzulande über Ai Wei-wei nicht mehr so begeistert, der "Tagesspiegel" zum Beispiel hat ihn erst kürzlich kritisiert. Vielleicht ist es kein Zufall, daß er nun umziehen will, aber das Getöse, mit dem er es begleitet, löst mit Recht nur Kopfschütteln aus. Er hat sich mit Berliner Taxifahrern gestritten, u. a. wegen Parfüm und offenen Fenstern; man geniert sich fast, es zu erwähnen. Sein Risiko besteht darin, daß diese Windbeutelei ein Licht auf frühere Leistungen werfen könnte. Ich bezweifele, daß er anderswo größere Anerkennung finden wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2019 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41930

Haben die Iraner schon wieder einen Tanker "gekapert", wie u. a. die FAZ schreibt? Oder haben sie ihn unter dem Vorwurf des Ölschmuggels beschlagnahmt?

"Kapern" bedeutet ja eher erbeuten, und das machen Seeräuber.

Manipulieren die Chinesen den Yuan? Oder hören sie gerade mit dem Manipulieren (der künstlichen Stützung) auf?

Je nachdem, wie man es sehen will.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2019 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41923

Man kann es gewiß verstehen, daß ein großer Gelehrter wie Wilamowitz sich nicht mit der Weimarer Republik anfreunden konnte (aber auch nicht mit den aufkommenden Nazis). Aber nachträglich schmerzt es doch, wenn man ihn in Nebensätzen über die "Ochlokratie" klagen hört (noch im Spätwerk über den Glauben der Hellenen); gerade das Beiläufige deutet an, wie hoffnungslos die Lage der Republik war. Unübertreffliche Kennerschaft der antiken Verhältnisse hatte offenbar nichts anderes hervorgebracht als diese gelehrte Verdammung, die nicht einmal begründet wurde, sondern als scheinbar selbstverständlich auftrat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2019 um 17.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41900

Ich habe gar nichts von ihr gelesen und bin nach den lexikographischen Auskünften auch nicht neugierig, war nur immer wieder erstaunt über die breite Resonanz in den USA, eigene Gesellschaften, deren Websites usw.

Daher meine Vermutung, daß der enorme Unterschied in der Rezeption etwas mit tiefersitzenden Unterschieden zwischen unseren Ländern zu tun haben könnte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.07.2019 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41899

Ich bin mir nicht sicher, ob man Ayn Rand wirklich als anspruchsvolle Schriftstellerin oder eher als Autorin von Trivialliteratur in einer Reihe mit Karl May oder Stephen King betrachten sollte. The Fountainhead fand ich recht unterhaltsam, den dicken Wälzer Atlas Shrugged jedoch ziemlich langweilig. Das waren meine ersten beiden Bücher, die ich auf englisch gelesen habe.

Bei Ayn Rand geht es immer wieder um die Problematik von Altruismus, gegen den sie sich richtet, weil er die Gesellschaft nicht voranbringe. Sie ist mehr für einen gesunden Egoismus. Vielleicht ist sie darum besonders in Amerika populär, aber auch viele Gutmenschen bei uns könnten sich davon eine Scheibe abschneiden.
Und dann spielt am Ende von The Fountainhead noch die Macht der Medien eine große Rolle, woran mich auch das aktuelle Geschehen in Deutschland öfter erinnert.
Sogar ihr Privatleben wurde verfilmt, dabei kokettiert sie gern mit ihrer selbstbewußten Lebensweise. Ihr Mann hatte feste Zeiten zu akzeptieren (was er auch tat), in denen sie sich mit ihrem Liebhaber traf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2019 um 12.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41894

Vielleicht sollte man, um die USA besser zu verstehen, Ayn Rand lesen. Drüben hat sie immer noch eine Riesenauflage und eine große Anhängerschaft, hierzulande ist sie praktisch unbekannt. Das ist ein verblüffender Unterschied, viel zu wenig beachtet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2019 um 12.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41884

„Nochmal für alle zum Mitschreiben: es gibt keinen Klimawandel! Im langjährigen Mittel wird es eher kälter als wärmer. Und auch die Alpengletscher haben in den letzten Jahrzehnten deutlich an Masse zugelegt. Das hat mittlerweile auch die Wissenschaft erkannt.“ (Leser bei welt.de 28.7.19)

(Denselben Textbaustein hat er schon im Juni eingetragen. - Es gibt eigene Websites, auf denen unermüdlich nachgewiesen wird, daß das Klima sich nicht wandelt, sondern kälter wird.)

Mit Menschen, die „noch mal für alle zum Mitschreiben“ sagen, kann man erfahrungsgemäß nicht diskutieren. Sie wiederholen einfach, was sie schon immer gesagt haben, und dabei bleibt es. Man könnte es den "Basta-Stil" nennen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.07.2019 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41879

Und das schreibt er, nachdem die Gegner Trumps und Johnsons gerade vernichtende Niederlagen erleiden mußten. Wer gibt für solche »Analysen« Geld aus?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2019 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41877

Nachdem wir gefühlt tausendmal vom Narzißmus Trumps, Johnsons und aller anderen Politiker gelesen haben, überrascht uns die FAZ mit der Erkenntnis:

Trumps und Johnsons Ideologie ist der Narzissmus. (Berthold Kohler, 25.7.19)

Neu ist, daß man so etwas als „Ideologie“ bezeichnen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2019 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41828

Die Tagesschau hatte weitergegeben:

Iran wollte offenbar britischen Tanker kapern (11.7.19)

Inzwischen ist nicht mehr vom "Kapern", sondern nur noch von „Belästigung“ des Tankers die Rede. Vielleicht waren die iranischen Boote einfach in der Nähe. Ist ja auch egal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2019 um 05.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41827

Er [Trump] beklagte sich, dass die Medien oft auf Rechtschreibfehlern in seinen Tweets herumritten. Dabei sei er eigentlich gut in Rechtschreibung. "Aber die Finger sind nicht so gut wie das Hirn." (t-online.de 12.7.19)

Ungefähr die Hälfte von Trumps Fehlern sind Tippfehler (die normalerweise aus Regierungsverlautbarungen herausredigiert werden), die anderen sind Rechtschreibirrtümer und Bildungslücken.

"Not only is covfefe a word, it’s the greatest word ever uttered." pic.twitter.com/kWhfLrFaKn
— Zach Braff (@zachbraff) May 31, 2017
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.07.2019 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41825

Entstehung einer Tatsache:

Britisches Kriegsschiff soll Tankerüberfall durch Iran verhindert haben (welt.de 11.7.19)

Britisches Kriegsschiff verhindert Tankerüberfall durch Iran (welt.de 3 Stunden später)

(Ist es denkbar, daß iranische Boote in Sichtweite eines britischen Kriegsschiffs einen britischen Öltanker überfallen wollten? Klingt eingebettet, stammt auch von Fox News.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2019 um 08.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41815

FAS 7.7.19: Namenforscher Jürgen Udolph erklärt den Familiennamen Rackete (Rokete usw.) und meint mit Recht, daß die Namengebung nach der Wohnstätte des Namensträgers heute kaum noch möglich wäre – in unserer „administrativ verwalteten Welt“. Letzteres ist allerdings doppelt gemoppelt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.07.2019 um 04.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41807

Übrigens kommt der seltsame Familienname der jetzt oft genannten Kapitänin Rackete aus dem Slavischen, wo es eine Weidenart bezeichnet. Dagegen ist die Rakete eine Rück-Entlehnung aus dem Italienischen, s. Grimms Wörterbuch unter Rocken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2019 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41789

Das rechte Pack hat sich einen neuen Spottnamen für Merkel ausgedacht: Zitterraute. Es erinnert an die Gemeinheiten der Nazis gegenüber den Juden. Selbst wenn man Haßrede eindämmen könnte – diese Niedertracht würde buchstäblich unten durchrutschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.06.2019 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41762

Ganz Schlaue sinnen über Mißstände nach, die zum Absturz zweier Eurofighter geführt haben könnten. Wir Älteren erinnern uns des Starfighters – eine unfaßbare Geschichte eigentlich, die man sich ab und zu noch einmal vor Augen halten sollte. Eine Zeitlang stürzte durchschnittlich alle zwei Wochen eine Maschine ab. ("Danke, Herr Strauß!" hätte man im Stil der heutigen Zeit sagen müssen.)

Ähnlich ungläubig nehmen jüngere Leute zur Kenntnis, daß wir uns vor 50 Jahren, bei sehr viel weniger Straßenverkehr, mit fast 21.000 Verkehrstoten jährlich abgefunden haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2019 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41713

Nach den hunderttausend Haßbriefen über Greta Thunberg war es etwas still geworden, aber nun wurde bekannt, daß sie ein sehr gutes Abschlußzeugnis bekommen habe, und schon fallen sie wieder über das Mädchen her. Welcher Lehrer würde es wagen, der heiligen Greta eine schlechte Note zu geben usw. Den Zuschriften merkt man an, daß ihre Verfasser keine besonders guten Noten gehabt haben dürften, aber das erklärt nicht die ganze Enthemmtheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2019 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41697

Eigentlich ist heute ja der eigentliche Tag der deutschen Einheit. Die Zeitungen wissen schon gar nichts mehr davon. So schnell geht das.

Der Fall der Mauer darf es auch nicht sein, sondern der Tag, an dem Kohl – was war es noch mal?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2019 um 14.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41675

Welt-Leser zu Kramp-Karrenbauer:

Da ist wenigstens mal eine Frau, die eine Meinung vertritt. Sie muss ja nicht jedem gefallen. Merkel war die Fahne im Wind, ohne rechte Aussage und einem immerwährenden, gestellten lächeln.

Komisch, nach meiner Erinnerung lächelt Merkel selten, und dann wirkt es nicht gerade gestellt. Der Unterschied zu Heidi Klump oder dem Dalai Lama fällt auf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2019 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41650

Trump, sitting next to a visibly uncomfortable taoiseach, Leo Varadkar, waded into the Brexit debate minutes after Air Force One touched down at Shannon airport on Wednesday afternoon.
“I think it will all work out very well, and also for you with your wall, your border,” he said at a joint press conference. “I mean, we have a border situation in the United States, and you have one over here. But I hear it’s going to work out very well here.”

Varadkar interjected that Ireland wished to avoid a border or a wall, a keystone of Irish government policy.

“I think you do, I think you do,” Trump said. “The way it works now is good, you want to try and to keep it that way. I know that’s a big point of contention with respect to Brexit. I’m sure it’s going to work out very well. I know they’re focused very heavily on it.”
(https://www.theguardian.com/us-news/2019/jun/05/ireland-visit-donald-trump-arrives-leo-varadkar-discussions)

(Man kann die lustige Szene auch ansehen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2019 um 13.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41644

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34650
und Herrn Riemers Anmerkungen dazu:

The phrase ‘I was like’ (meaning ‘I said’), which would have been incomprehensible as recently as 20 years ago, is now commonplace. So is ‘cool’ as a term of approval. (Richard Dawkins 2011)

Das bestätigt unsere Vermutungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2019 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41631

Über Politiker im EU-Hoodie (vgl. http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=208#1964) machen sich die Medien schon lustig. Das Modell „mit ohne“ einen Stern (Achtung, Botschaft!) kostet 60 €. Manche Berufsjugendlichen sehen etwas rausgewachsen aus.
S. auch die Modenschau hier: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/vorgeknoepft-die-modekolumne/europa-outfit-wahl-87312

Warum sehe ich Politiker nicht so gern im ewigen Freizeit-Look?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.06.2019 um 01.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41618

Ob Homöopathie oder Horoskop, das ist alles eins. Zwar nicht in Zeitungen wie FAZ und SZ, aber in den meisten regionalen Tageszeitungen gibt es wöchentlich oder sogar täglich ein Horoskop. Da muß es wohl auch Leute geben, die diesen Schrott lesen.

In der DDR haben sich die Agitatoren über den Wunderglauben im Westen lustig gemacht. Ich habe das damals nicht geglaubt, weil man eben gar nichts glauben konnte, was der Kommunistenadel (z. B. Karl Eduard von Schnitzler) so abgesondert hat. Manche Überraschung über den wirklichen Westen gab es nach der Wende also schon, auch für die, die nicht auf die SED-Geiferer hereingefallen waren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2019 um 15.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41617

Was Herr Virch sagt, ist in den Augen jedes vernünftigen Menschen ein schlagendes Argument. Der würde auch erkennen, daß die Anerkennung auch nur einer einzigen der geheimnisvollen Kräfte oder Energien, von denen unsere Schulweisheit sich angeblich nichts träumen läßt, unser ganzes Weltbild umstoßen würde. Niemand würde sich mehr in ein Flugzeug oder auch nur Auto setzen. Aber genau dies sehen die Eingeweihten nicht.
So auch die Wundergläubigen. (Wieso "auch"? Sie sind es!)

Wenn die Kassen in falsch verstandener Toleranz die Medizin nicht mehr von der Paramedizin unterscheiden zu dürfen glauben, dann ist das Schicksal der Wissenschaft besiegelt. Das Privileg, die Wirksamkeit seiner Mittelchen nicht nach den sonst gültigen Kriterien nachweisen zu müssen, muß fallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2019 um 15.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41616

Natrium muriaticum ist eines der wichtigsten homöopathischen Mittel für die Behandlung chronischer Krankheiten. (...) Um das homöopathische Mittel Natrium muriaticum herzustellen, wird Steinsalz in kochendem Wasser gelöst. Die gefilterte Lösung wird zum Verdunsten gebracht. Das zurückgebliebene Salz wird dann homöopathisch potenziert – also mehrfach verdünnt und „verschüttelt“. So erhält man die verschiedenen Natrium muriaticum-Potenzen. (https://www.netdoktor.de/homoeopathie/natrium-muriaticum/)

Das schreibt eine Ärztin.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 01.06.2019 um 14.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41615

Ein Drittel der Bevölkerung glaubt an Homöopathie, allerdings nicht, wenn es um Verhütung geht. Auch Gebete gelten nicht als zuverlässiges Mittel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2019 um 12.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41614

Manuela Schwesig ist Schirmherrin eines Homöopathen-Kongresses (SZ Mai 2019). Paßt.

Die Barmer erklärte gegenüber dem Bundesverband Patienten für Homöopathie auf Nachfrage: „Es gibt derzeit keine Pläne, unseren Versicherten homöopathische Leistungen nicht mehr wie bisher zu erstatten.“ Die Begründung: „Wir leben in einer zunehmend pluralen und selbstbestimmten Gesellschaft, in der die Vorstellungen von Gesundheit, Gesunderhaltung und Therapie nicht einheitlich gestaltet und vorgegeben werden sollten.“

Die Merchants of doubt nutzen auch hier ihren Spielraum. Ein Drittel der Bevölkerung glaubt an Homöopathie. Es wird bedient. Homöopathische Hersteller von „Heilmitteln“ bedrohen Kritiker mit Unterlassungsklagen. Einige Gerichtsurteile wären wünschenswert. Ob sie ebenfalls mit den „Vorstellungen von Gesundheit“ argumentieren werden?

Bevor die Schulen digitalisiert werden, sollten sie lieber ihrer Pflicht zur Aufklärung nachkommen.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 22.05.2019 um 23.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41536

Auch schön: Unwucht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.05.2019 um 19.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41535

»Reine« Negation liegt beispielsweise vor in Unsterblichkeit, aber nicht in Unmensch. Dem Unmenschen wird seine Menschlichkeit abgesprochen, aber nicht sein Menschsein.

Wenn in Unmenge etwas negiert wird, dann vielleicht die Bestimmbarkeit dieser Größe. Aber Menge selbst ist ja auch schon unbestimmt.

Wer entscheidet darüber, was ein Präfix »in Wirklichkeit« bedeutet?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.05.2019 um 12.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41533

Meiner Ansicht nach geht es bei der Vorsilbe Un- auch bei den Wikipedia-Beispielen Unzahl, Unsumme, Unmenge, Untier nur scheinbar um ein Augmentativ. In Wirklichkeit handelt es sich immer um eine Negation.

Natürlich ist auch das Untier eigentlich ein Tier, und auch der Unmensch ist eigentlich ein Mensch. Aber darum geht es überhaupt nicht. Wenn man Untier, Unmensch sagt, dann meint man, es sei so schrecklich, abwegig usw., daß es eben irgendwie kein Tier oder Mensch ist. Man sagt das ja auch ganz wörtlich, z. B. so: "Das sind keine Menschen mehr, die so etwas tun." Also Nichtmenschen, Unmenschen, wie Nichttiere, Untiere. Das hat nichts mit der Größe zu tun, es ist reine Negation.

Genauso ist das mit unvorstellbaren, erschreckenden Zahlen, Summen, Mengen, keine, mit denen man gewohnt ist umzugehen, also eigentlich gar keine richtigen Zahlen, Summen, Mengen.
Die einzige Eigenschaft, mit der eine Zahl, Summe, Menge erschrecken kann, ist eben ihre Größe. Deshalb wirkt das Un- hier zufälligerweise wie ein Augmentativ. Aber bei den anderen, gleichgelagerten Beispielen (Untier, Ungeheuer, Ungeziefer, Unmensch, Unhold, Unkraut, Untat ...) kommt es gar nicht auf die Größe an.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.05.2019 um 01.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41530

"Negation und negative Konnotation sind nicht dasselbe."

Dasselbe nicht, aber ist nicht eine negative Konnotation auch eine Negation?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2019 um 20.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41529

Nee, es ist eher eine Lücke. Immerhin gibt es
Un...[art usw.].
Aber Unkosten gibt es natürlich. Und mein Wörterbuch ist deskriptiv.
Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1225#23021
und weitere Einträge dort.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 21.05.2019 um 19.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41528

Im Icklerschen Rechtschreibwörterbuch gibt es die "Unkosten" nicht. Zu recht, denn die gibt es gar nicht. Weder als Verneinung noch als Vergrößerung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2019 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41526

Wie man sieht, wäre eine Definition wünschenswert. Vgl. übrigens unsere frühere Diskussion unter http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1464#24381 und vorangehenden Einträgen.
Auch zu "Steigerungsbildungen": http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34077 mit weiteren Verweisungen.

Werte auf Skalen unterzubringen gibt es viele Möglichkeiten.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.05.2019 um 13.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41521

Unkraut ist wohl eher „Ungemüse“ als Monstergewächs – ungenießbares Kraut eben. Das augmentative „Un“ findet sich häufig in grausigen Untiefen, die natürlich das Gegenteil von seicht sein sollen. Der Seemann sieht das anders.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.05.2019 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41520

Negation und negative Konnotation sind nicht dasselbe. Ein Untier mag ein schreckenerregendes Tier sein, aber es ist immer noch ein Tier.
 
 

Kommentar von manfred Riemer, verfaßt am 20.05.2019 um 23.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41517

Wikipedia:
»Die im Deutschen gebräuchliche Vorsilbe Un, wie z. B. bei Unzahl, Unsumme, Unmenge oder Untier, wird in diesen Beispielen nicht zur Negation gebraucht, sondern als augmentatives Präfixoid mit der semantischen Bedeutung „groß“.«

Untat und Unkraut fallen mir dazu gerade noch ein.
Von wegen nicht zur Negation! Alle diese Beispiele bedeuten nicht einfach nur eine große Zahl, Summe, Menge, Tat oder ein großes Tier, Kraut, sondern alle haben eine ausgesprochen negative bis sogar schreckliche Konnotation. Die drei letzteren müssen dazu gar nicht einmal besonders groß sein.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.05.2019 um 20.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41515

In erster Linie letzteres, aber wie beim Diminutiv kann man sich natürlich die Frage stellen, wie in Sprachen, die keine entsprechenden morphologischen Elemente kennen, die Skala zwischen Kleinerem und Größerem ausgedrückt wird.

Die Wortbildungstechnik kann ja im übrigen auch uneigentlich verwendet werden, z. B. ahorrita im mexikanischen Spanisch. Ist das ein Diminutiv oder sozusagen bloß ein Diminutivoid?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2019 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41509

Jetzt fehlt nur noch eine Definition. Ist es ein rein semantisches Verhältnis oder eine Wortbildungstechnik?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.05.2019 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41508

Abertausend und Unsumme mögen unterschiedlich entstanden sein, aber das spricht ja noch nicht dagegen, sie gleichermaßen als Augmentative aufzufassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2019 um 16.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41507

Danke für den Hinweis! Ich dachte schon, ich hätte einen Hammer übersehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.05.2019 um 16.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41506

Es gehört zur selben Art von Quiz auf welt.de, man bekommt immer neue angeboten. Ich habe darunter auch die mit den von Ihnen erwähnten Fragen gefunden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2019 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41505

War das im selben Quiz? Ich finde "meins" gar nicht mehr, es war vom Februar.

Nochmals bzw. "abermals" zum Augmentativ:

abertausend ist entstanden aus Wendungen wie tausend und aber tausend (= nochmals tausend).
Das ist multiplikativ wie zehntausend, vieltausend, mehrtausend(fach).

Duden (auch korrekturen.de) empfiehlt: es sind Abertausend Sterne am Himmel – aber warum Großschreibung?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.05.2019 um 14.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41504

Im Deutschquiz der Welt heißt es auch:

Rechtschreibung ist nicht jedermanns Sache. Besonders dann nicht, wenn Wörter selbst im Duden als „rechtschreiblich schwierig“ aufgeführt werden.

Wo sonst?
Die Welt scheint zu glauben, selbst die Dudenautoren hätten mit diesen Wörtern Schwierigkeiten und kennzeichneten sie deshalb entsprechend.

Ich fand auch noch ein paar andere Fragen nicht ganz korrekt formuliert, z. B. ob ein Schulterbruch schwer oder schwierig ist.
Schwierig (die einzige richtige Lösung laut Welt) könnte er zu behandeln sein, aber im Hinblick auf den Grad der Verletzung würde ich eher von einem schweren Schulterbruch sprechen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.05.2019 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41503

Nur weil irgendein anonymer Idiot wegessen als Augmentativ bezeichnet hat, muß man doch nicht gleich das ganze Konzept verwerfen. Tausend ist kein Augmentativ zu hundert, aber Abertausende ist eins zu Tausende. Damit kann man arbeiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2019 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41501

Aus einem Deutschquiz der WELT:

Phonem: „kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit des gesprochenen Wortes“
Besser wäre: „morphemunterscheidende“. Verschiedene Morpheme oder Wörter können dieselbe Bedeutung haben (und umgekehrt). Kleinste bedeutungsunterscheidende Einheiten sind semantische Merkmale.
-
Er hat es trotz der großen Anstrengung nicht zu der Veranstaltung geschafft.

Hier soll trotz der großen Anstrengung eine Kausalbestimmung sein. Sie steht aber an der Stelle eines Konzessivsatzes, der nur mit einiger Mühe als Sonderfall des Kausalsatzes verstanden werden kann. (Das haben auch Leser schon eingewandt.) Man beachte auch, daß Kausalsätze ein Korrelat haben können (deshalb, weil), Konzessivsätze nicht.
-
Übergröße soll ein Augmentativ sein (gegenüber Diminutiv Häschen)
Das ist auch ziemlich schief. Was wäre etwa Übermaß, Sondergröße? Der entsprechende Eintrag bei Wikipedia nennt sogar wegessen als Beispiel für ein Augmentativ. Ist Fluß gegenüber Bach augmentativ? Tausend gegenüber hundert? Hier scheint eine ziemliche Begriffsverwirrung zu herrschen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2019 um 07.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41495

Zum vorigen:

In einem Leserbrief von Sven Tern (FAZ 17.5.19) wird endlich einmal ausgesprochen, daß nicht das Krebsrisiko, sondern die Umweltfolgen das eigentliche Problem mit Glyphosat sind. Hier gibt es aber keinen Kläger: Die allgemeinsten Interessen haben die geringsten Durchsetzungschancen, weil sie nicht organisiert sind und keine Lobby haben (Forsthoff-Theorem).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2019 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41478

Monsanto hat eine Liste von Glyphosat-Kritikern geführt, die „überwacht“ (monitored) oder „erzogen“ (educated) werden sollten.

Erzogen ist nicht ganz richtig. In der Sache geht es darum, die Kritiker mit „Informationen“ zu versorgen, die Zweifel an der Schädlichkeit des Glyphosat säen und bestätigen. Dazu stehen viele merchants of doubt bereit, wie wir in den Berufungsverfahren wieder sehen werden. Tatsächlich ist es ja unmöglich, im Einzelfall eine Kausalität nachzuweisen, woraus die Zweifelshändler in bewährter Weise ableiten, das Mittel sei unschädlich. (Die Begrenzung auf das Krebsrisiko habe ich schon besprochen; die Folgen für den Ackerboden weltweit werden kaum thematisiert und bisher nicht vor Gericht verhandelt.)
Übrigens bekommen die Anwälte der Opfer ein Drittel des erstrittenen Schadensersatzes.

Daß der Erwerb von Monsanto ein tödlicher Fehler war, haben wir Laien schon gesagt, als es erst geplant war. Aber Totalherbizid und Saatgut aus einer Hand, das ist ja fast die Weltherrschaft. So hat man es sich wohl gedacht.

Um die großen Desinformationen aufzudecken, braucht man mehr recherchierende, nicht-eingebettete Journalisten und weniger supergescheite Kommentatoren. Das Recherchieren müßte lukrativer sein als die Hofberichterstattung (Weitergabe von Pressemitteilungen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2019 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41429

Ganz Witzige deuten den Namen des neuen englischen Prinzen Harrison als "Harrys Sohn", aber wo ist da der Witz? Es ist doch nicht anzunehmen, daß die Eltern über die Bedeutung des Namens keinen Augenblick nachgedacht haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2019 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41377

Ungeachtet gesetzlicher Auflagen arbeitet die Werbung mit rhetorischen Mitteln, die allen Aufklärungsbemühungen der Schule entgegenwirken.

Während die Entwicklungsländer den Industriestaaten nacheifern, um möglichst schnell aufzuholen, huldigt man dort aus dem Überfluß heraus der ärmlichen medizinischen und diätetischen Praxis der ersteren, beruft sich auf Ayurveda, Feng shui usw. – In der Werbung ist ausdrücklich von „Ritualen“ die Rede, die religiöse Konnotation ist beabsichtigt. Wer sich ayurvedische Cremes auf die Haut schmiert (nach der magischen Vorstellung, daß gesunde Lebensmittel auch gut für die Haut sein müssen), tut es im Bewußtsein einer kultischen Handlung. Hilft es nicht der Haut, hilft es doch der Umwelt, denn das Produkt ist vegan, tierversuchsfrei, mit Windenergie hergestellt usw. (Geht nicht die Kraft des Windes oder des Meeres irgendwie in die Körperlotion ein?)
Unabhängig von diesem Exotismus ist der Kult um die „Probiotika“, wo der Umsatz in keinem Verhältnis zur kaum nachgewiesenen, in vielen Fällen geradezu unmöglichen Wirksamkeit steht. (Nur weniges passiert den Magen lebend.)

In zahllosen Anzeigen wird "natürliches Silikon" angepriesen, obwohl Silikone in der Natur nicht vorkommen. Wieso dürfen die das?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2019 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41370

ideal wird automatisch zu idealtypisch aufgepeppt (nach Max Weber), und vor dieses schleicht sich oft ein geradezu:

Meine beiden Doktoranden ergänzten sich geradezu idealtypisch. (Randolf Menzel: Die Intelligenz der Bienen. München 2016:138)

Hunderte von Belegen.

Das wird schon immer so gelaufen sein, aber bei älteren Sprachstufen wissen wir nicht mehr, wo eine überzufällig häufige Verbindung (ein Phraseologismus) herkommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2019 um 07.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41360

Die Sensationsmeldung, eine Araberin sei nach 27 Jahren im Koma in einer deutschen Klinik aufgewacht und habe den Namen ihres Sohnes gerufen, habe ich mir gleich als Fake vorgemerkt. Inzwischen hat der behandelnde Arzt die Sache richtiggestellt, die sich außerdem schon vor fast einem Jahr zugetragen hat.

Man sieht fast täglich dem Entstehen von Legenden zu. Viele werden nie korrigiert, sondern immer weiter ausgeschmückt. Wie oft habe ich nun schon, auch in seriösen Texten, die Geschichte vom vergrößerten Hippocampus der Londoner Taxifahrer gelesen! (Hier an verschiedenen Stellen erwähnt und kommentiert.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.04.2019 um 10.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41340

Ganz so schnell geht die Änderung, auf die sich u. a. die Grünen so freuen, nun doch wieder nicht. Es ist ja noch keine vier Jahre her. Die Verantwortlichen wird man dafür nicht mehr zur Rechenschaft ziehen können.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 24.04.2019 um 09.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41339

Das fromme Mädchen heißt zwar jetzt Robert Habeck, aber auch der hat den triumphalen Einzug der AfD in den Bundestag bisher nicht freudig begrüßt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.04.2019 um 20.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41336

Wer war das noch mal, und warum sollte sie das nicht wieder sagen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.04.2019 um 18.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41335

Wir haben das Dilemma ja schon einmal angesprochen. Ich bezweifle, daß Katrin Göring-Eckardt heute sagen würde: „Unser Land hat sich geändert, und zwar drastisch. Und ich freue mich darüber!“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2019 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41333

Wirklich nicht. Judenhaß ist nach allem, was man erfährt, eine Spezialität der Muslime, was aber oft nicht beim Namen genannt wird.

(Ich bin übrigens nicht xenophil und sehe die Massenzuwanderung mit Unbehagen.)

Gestern las ich, was ein Leser bei welt.de schrieb:

Dass dort Krieg und Terror geherrscht hat, ist eine innere Angelegenheit Syriens und damit nicht unser Problem. Meines Erachtens hätte man daher keinen einzigen von denen bei uns reinlassen dürfen.

Die Nazi-Herrschaft war zunächst auch eine innere Angelegenheit Deutschlands, niemand hätte die deutschen Flüchtlinge aufnehmen sollen. Usw.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 23.04.2019 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41332

Ob es schlimm ist oder nicht, wenn ein Schüler „Scheißjude“ sagt, hängt von den jeweiligen Umständen ab. Auch ich kenne keinen (jugendlichen) Antisemiten persönlich, habe aber unerfreuliche Berichte über gemobte jüdische Kinder gelesen. Noch zur Schulzeit meiner Söhne gab es das Schimpfwort „Scheißjude“ an deren Schulen nicht. Bemerkenswert finde ich in dem Zusammenhang, daß das Aufkommen des Antisemitismus in Deutschland mit der Migrationszunahme und dem gleichzeitigen Aufleben der Rechten einhergeht. Kein Grund für übertriebene Xenophilie, oder?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2019 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41329

Zu Michel Friedman: Wir werden ständig ermahnt, Äußerungen von Schülern nicht ernst zu nehmen. Aber wenn einer „Scheiß Jude“ sagt, ist es ein nationales Drama? Schüler sagen vieles, auch Unsägliches, einfach weil man es nicht sagt. Schlechte Manieren sind noch kein Antisemitismus.
Ich kenne gar keine Antisemiten, habe auch seit meiner Studentenzeit, als noch viele lebten, keinen mehr getroffen. Aber ich kenne Muslimhasser und überhaupt Fremdenfeinde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2019 um 14.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41328

Daimler will nicht mehr an Parteien spenden, sondern mehr für Kultur, Naturschutz usw. ausgeben. Aufschrei der CDU: Spenden generell zu stoppen sei „letztendlich verantwortungslos, Demokratie gefährdend, dumm“. Das findet die FAZ auch, die es zitiert. (Mit Großspenden aus der Wirtschaft ist aber doch Einfluß verbunden, der nicht minder „Demokratie gefährdend“ ist? Die Beschimpfung des Konzerns, von dem man sich bisher gern hat füttern lassen, scheint mir auch nicht undumm. Nach den Fernsehgebühren soll wohl auch die Parteispende eine „Demokratieabgabe“ sein? Das erklärt die exzessive staatliche Förderung solcher Gaben.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2019 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41325

Düster rauschende Gretamagie
Von Wolfgang Büscher
(WELT 15.3.19)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2019 um 06.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41321

Selenskyj, der neue Präsident der Ukraine, hielt seine Rede nach der Wahl auf Ukrainisch, das er laut Wikipedia erst seit 2017 lernt. Wegen des Relativsatzes muß man die Sprachbezeichnung hier wohl groß schreiben.

Übrigens ist es voreilig, Selenskyj (über den ich gar nichts weiß), als "Narr" zu bezeichnen, wie es eine deutsche Zeitung für richtig hält. Er hat Jura studiert und arbeitet als Schauspieler und Komiker – na und? Ob er seine Sache gut oder schlecht machen wird, ist ganz offen.

Der Fall ist nicht ganz unwichtig, weil man sich ja fragt, ob einige jener Machthaber, die mit dem großen Geld hinter sich unschlagbar scheinen, überhaupt noch abgelöst werden können. Rein machttechnisch kann niemand den "Apparat" schlagen. Da bleibt nur die Hoffnung auf die Charismatiker, die allerdings auch schlimme Demagogen sein können, beides heute unter "Populisten" zusammengeworfen.

Wo es nicht einmal mehr Wahlen gibt wie in China, sondern nur einen gewaltigen Überwachungsapparat, ist die Macht allerdings vorläufig ewig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2019 um 04.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41294

Philip Plickert twittert:

Linker Harvard-Architekturhistoriker: Der Brand von #NotreDame war wie "ein Akt der Befreiung", weil das Gebäude so mit christlicher Bedeutung "überfrachtet war"...

Da kann man sehen, wie die Linken ticken! Der Rechte Plickert hat es entdeckt, wahrscheinlich bei Breitbart:

Harvard University Professor Patricio del Real told Rolling Stone this week that the burning of the Notre-Dame cathedral in Paris was an “act of liberation.”

„Rolling Stone“ wird Plickert wohl nicht täglich lesen, Breitbart schon eher, oder einfach die BILD, die sich diesen Leckerbissen von Böhmermannscher Qualität auch nicht entgehen ließ.

Jürgen Kaube kritisiert die AfD, die gleich den Verdacht eines islamischen Anschlags streute.

Zur Zeit wird ein Kurzschluß vermutet. „Kurzschluß“ – haha! Der wird wohl einen Namen haben, vielleicht Ahmed?

Der Vatikan gibt kein Geld für den Wiederaufbau, weil die Kirche dem französischen Staat gehöre und dieser genug Geld habe. Trennung von Staat und Kirche – bitte sehr, könnt ihr haben! Wenn andere nicht so denken und kräftig spenden, sind sie selbst schuld.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2019 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41284

Die hohen Spenden für den Wiederaufbau von Notre Dame lassen einige Zeitgenossen nicht ruhen: Es gibt so viele hungernde Kinder in der Welt, und warum spenden die Leute nicht für Irak oder Syrien?

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat den Wiederaufbau von Notre-Dame in Paris auf Twitter als ein Herzensanliegen von seiner Seite her bezeichnet. Zugleich kommen von ihm auch nachdenkliche Töne. „Dabei dürfen aber nicht die abgebrannten Wohn- und Krankenhäuser in Aleppo, Mossul, Palästina, Nigeria, Jemen und die Menschen dort vergessen werden“, schrieb Schick am Mittwoch auf dem Kurznachrichtendienst.

Jeder kann, nach Abzug der Steuern, sein Geld ausgeben, wofür er will.

Es ist eigentlich eine Neuauflage von "Brot statt Böller". Dazu bedarf es keiner abgebrannten Kirche. (In Deutschland brennt jede Woche eine, wie die FAZ mitteilt.) Warum fahren Sie im Urlaub nach Italien, statt das Geld für die armen Rohingya zu spenden? Usw. – Übrigens gibt es keine Anzeichen, daß die Leute für andere gute Zwecke nun weniger spenden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2019 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41279

Obwohl mich mit Notre Dame sehr frühe Erinnerungen verbinden, würde ich nicht spenden, weil das wirklich die Franzosen machen. Inzwischen dürfte schon eine Milliarde Euro zugesagt sein.

Die Erinnerung an die Zerstörung deutscher Kirchen usw. durch die alliierten Bomber liegt nahe.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.04.2019 um 21.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41277

Von dem Geld, das jetzt schon für die Reparatur von Notre Dame gespendet worden sein soll, hätte man viermal die Dresdner Frauenkirche samt Enttrümmerung wiederaufbauen können! Kein Neid, im Gegenteil, das Geschehen in Paris berührt mich sehr.

Aber da Vergleiche manchmal ganz interessant sind, noch einer: Ein Kilometer (1 km!) Stadtautobahn in Berlin oder 10 km deutsche Durchschnittsautobahn kosten auch fast soviel wie die ganze Dresdner Frauenkirche.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2019 um 13.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41273

In Paris brannte gestern ein über 800 Jahre altes Gotteshaus, das den Wirren der Geschichte und selbst Hitlers Zerstörungslust getrotzt hatte. (welt.de 16.4.19)

Einer der ersten Opfer war der 96 Meter hohe hölzerne Vierungsturm aus dem 13. Jahrhundert. Er brach unter den Flammen und dem Stöhnen der Bevölkerung am Seine-Ufer in sich zusammen. (welt.de 16.4.19)

Der Genusfehler ist wohl durch „Turm“ verursacht. „unter den Flammen und dem Stöhnen“ ist eine Katachrese wie „mit einer Gabel und mit Müh“ (Wilhelm Busch).

Ich wußte gar nicht, daß die „Flèche“ aus dem 19. (nicht 13.) Jahrhundert aus Holz war, mit Blei verkleidet. Er war auch nicht 93m hoch, wie es überall heißt, sondern erreichte diese Höhe über dem Erdboden. Vielleicht sollte man ihn beim Wiederaufbau weglassen.

Manche kritisieren, daß das deutsche Fernsehen die brennende Kathedrale Notre Dame nicht in voller Pracht gezeigt habe oder so ähnlich. Trump, in der Bekämpfung kalifornischer Waldbrände bewährt, riet der Pariser Feuerwehr, sich zu beeilen, was sie dankbar befolgte. Friedrich Merz rief zu Spenden auf, hat sicher auch selbst schon aus seinem frisch erworbenen Reichtum gespendet. Zweifellos werden aber die Franzosen den Wiederaufbau spielend finanzieren; das zeigen schon die ersten Millionenspenden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2019 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41270

Bei welt.de dürfte es inzwischen mindestens 20.000 Zuschriften geben, die mehr oder weniger haßerfüllt auf Greta Thunberg eindreschen. Mir ist nichts Vergleichbares in Erinnerung. Sie hat doch weder Autos angezündet noch sonst jemandem etwas getan. Wenn ein Bischof sie mit Jesus vergleicht, ist das seine Sache, wird aber ebenfalls dem Mädchen angekreidet. Der Papst reicht ihr die Hand: 600 Zuschriften! Ein Leser schreibt immerhin:

Es macht überhaupt keinen Sinn mit Menschen hier zu diskutieren, die dem Anschein nach überhaupt keine Ahnung vom Menschen gemachten Klimawandel haben. Greta Thunberg wird in über 2000 Kommentaren hier zerrissen, verbal denunziert, beleidigt und für verrückt erklärt von Menschen, die das nur in der Anonymität wagen. Respekt vor einer jungen Frau, die sich öffentlich für ein Thema engagiert, welches uns alle betrifft – eingeschlossen all diejenigen, die sich aufregen und lustig machen. (welt.de 14.4.19)

Das ist auch meine Meinung, und ich bleibe bei meinem Maßstab für Zivilisiertheit (vulgo Anstand): „Würden Sie das dem Mädchen auch ins Gesicht sagen?“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2019 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41269

Die Europäische Union lebte jahrzehntelang in dem Gefühl, sie sei die beste aller Welten. (Ulrich Ladurner, ZEIT 15.4.19)

Anfang eines Kommentars über den Brexit. Schwungvoll formuliert, aber ist das denn auch wahr? Wer lebte in diesem Gefühl? Ich nicht, meine Bekannten auch nicht, und kein mir bekannter Politiker hat es gesagt. Der selbstsichere Ton vieler heutiger Journalisten nervt, soweit man es überhaupt noch bemerkt.
Der ganze Meinungsjournalismus bis hin zur Agitation (Hetze) beruht auf solchen Übertreibungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2019 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41264

Gibt es Fortschritt oder nur Veränderung? Sind wir fortgeschrittener als die Steinzeitkulturen?

Ähnlich wie bei der biologischen Evolution werden die Kulturphänomene nicht mehr bewertet; auch die Hochtechnologie ist nicht „besser“ als „primitive“ Technologien, sondern nur „anders“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Soziokulturelle_Evolution)

Immerhin sollte man die Gerichtetheit berücksichtigen. Wer eine Kettensäge besitzt, möchte nicht zu steinernen Klingen zurückkehren, dagegen wäre der Papua froh, wenn er all das moderne Gerät hätte, das er bei den Zugereisten sieht. Daß ein „Naturvolk“ die fremde Technik als „nur anders“ neben die eigene stellt, wurde wohl noch nie berichtet.

Viele Anthropologen und Sozialtheoretiker betrachten den Evolutionismus nun als westlichen politischen Mythos, der selten auf festen empirischen Grundlagen basiert. Kritische Theoretiker betonen, dass die Annahmen der sozialen Evolution einfach nur Rechtfertigungen für die Macht der gesellschaftlichen Elite sind. Schließlich zerstörten die verheerenden Weltkriege zwischen 1914 und 1945 das europäische Selbstvertrauen. Nach Millionen von Toten, dem Völkermord und der Zerstörung der industriellen Infrastruktur Europas erschien die Idee des Fortschritts sehr zweifelhaft. (ebd.)

Man sieht hier, wie moralische Bewertung sich einmischt. Warum sollten Weltkrieg und Völkermord nicht zum Fortschritt gehören? (Was mit der Zerstörung der industriellen Infrastruktur Europas gemeint ist, weiß ich nicht.)

Die fortschrittskritische Kulturanthropologie zweifelt nicht an ihren eigenen Fortschritten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2019 um 16.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41263

Wenn in indischen Buchhandlungen, wie die FAZ schreibt, überall Hitlers „Mein Kampf“ herumliegt, dann wohl nicht wegen der Sehnsucht der Inder nach starken Männern, sondern weil Hitler gegen England Krieg geführt hat. So habe ich es immer wieder gehört, und andere starke Männer der Geschichte werden dort ja nicht so in Ehren gehalten.

(Auch die netten Iren beglückwünschen den deutschen Besucher manchmal mit einem Kompliment zu Hitler, wozu man dann wohl eine etwas säuerliche Miene aufsetzt.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2019 um 09.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41230

Die BBC macht schöne Naturfilme, aber Musikunterlegung fehlt nie. Für selbstgemachte Videos gibt es lizenzfreie Musikkonserven zum Herunterladen, zum Beispiel „epidemicsound.com“ (treffender Name!). Man kann ja auch nicht wandern ohne den Knopf im Ohr; es ist eine Art Horror vacui. Olfaktorisch entspricht die Parfümwolke am Strand, im Wald und im Gebirge.

Lästig wirkt auch der übermäßige Gebrauch des Zeitraffers, besonders für dahinrasende Wolken. Fast kein Film ohne diesen billigen Effekt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2019 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41200

Gestern wurde berichtet, daß der "gefühlte Antisemitismus" zunehme. Es kommt zur "gefühlten Unsicherheit" hinzu.

Was wird da noch alles folgen? Gefühltes läßt sich herbeireden, und dann wird nachgewiesen, daß es in der Mitte der Gesellschaft sitzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2019 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41194

Genau, an diesem Versatzstück erkennt man das Genre. Dazu braucht man gar nicht auf die Straße zu gehen: Die Grünen fahren ihre Kinder mit dem SUV umher, das versteht sich von selbst.

Bloß nicht nachdenken oder sich auf etwas ernsthaft einlassen! Das könnte die täglichen Pointen nur stören.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 04.04.2019 um 09.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41193

Schröder verspottet ja eigentlich nicht Greta Thunberg, sondern die Erwachsenen, die ihr applaudieren und auf diese Weise eine saubere Gesinnung zeigen, ohne sich ändern zu müssen. Allerdings ist er als Kabarettist selbst recht bieder (die Kinder werden mal wieder mit dem SUV zur Demo gefahren).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2019 um 04.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41190

Seehofer hat die Todsünde begangen, Deutschland eines der sichersten Länder der Welt zu nennen. Da kriegt er aber was zu hören! Das wurde nach rund 1000 Zuschriften sogar der WELT zuviel, und sie erinnerte an die Tatsachen. Helfen wird es nicht. Die Leute wissen besser über alles Bescheid als die Medien, aus denen sie ihr vermeintliches Wissen haben.

Aber es bleibt ja noch die "gefühlte Unsicherheit"! Sie wird in Umfragen ermittelt und durch ebensolche auch wieder verstärkt. Man kann sie in Talkshows aus der Tasche ziehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2019 um 16.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41188

Zum vorigen:

Gibt’s noch jemanden, der die junge Umweltaktivistin Greta Thunberg nicht mag? Nein, alle mögen Greta! (Usw. mit überlegenem Hohn Florian Schroeder, ndr.de 3.4.19)

Es gibt viele Meta-Kommentare dieser Art, leeres Stroh über die „heilige Greta“ usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2019 um 05.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41168

Ovationen für Greta Thunberg bei der Goldenen Kamera (welt.de)

Sofort wieder 1500 Leserzuschriften. Ich kann mich an keine Person erinnern, die so schnell so viele haßerfüllte Reaktionen hervorgerufen hätte wie dieses Mädchen. Was sind denn das für Ehrenmänner, die so über eine junge Frau herziehen? Würden sie ihr all das ins Gesicht sagen, was sie hinter ihrem Rücken im Schutz der Anonymität über sie verbreiten? Dieser Test zeigt, wie weit man noch zur zivilisierten Gesellschaft gerechnet werden kann. Der immergleiche Haufen bei welt.de besteht ihn großenteils nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2019 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41167

Die Übertreibung macht’s. Niemand sagt zu den Schülern, daß Gesetze sie nicht zu kümmern brauchen, und das gibt man ihnen auch nicht durch die gelegentliche Duldung zu verstehen, im Gegenteil – das ist ja gerade der Witz der Sache.

Aber ich merke, daß ich schon zuviel darüber geschrieben habe. Nur weil das Schuleschwänzen die braven Deutschen bis in die Talkshows hinein beschäftigt wie fast nichts sonst.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.03.2019 um 22.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41165

"Schlichte Kriminalität" ist sehr schön und wohl mit Absicht so ironisch formuliert. Dazu nur eine Überschrift aus dem letzten Mannheimer Morgen:
Anwohner in Angst vor jugendlichen Randalierern (S. 9).
Aus dem Text:
Dreist seien die Teenager gewesen, hätten gepöbelt: "Sie wussten, dass ihnen nichts passiert."
Der sogenannte Rechtsstaat kapituliert immer wieder vor sich selbst. Er schafft Gesetze und Regeln, die sich widersprechen. So erzieht man die Jugend nicht zur Demokratie, sondern zu Randalierern und Trinkern.

Demonstriert nur während des Unterrichts, sagt man zu den Guten, Gesetze brauchen euch nicht zu kümmern. Das lassen sich aber nicht nur die Guten, sondern auch die Verwahrlosten nicht zweimal sagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2019 um 21.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41163

Nebenbei: Das Partizip beschwört (haben), das Herr Achenbach gebraucht, wirft ein interessantes Licht auf den gegenwärtigen Zustand der Konjugation dieses Verbs. Man kann ihn wohl als ziemlich zerrüttet bezeichnen. Das gilt auch für das Grundverb (bitte mal unter schwörtest googeln), aber das Präfixverb ist zuätzlich auch semantisch abgedriftet, so daß die Überführung in die schwache Konjugation leichter fällt. Der Duden weiß noch nichts davon, aber Belege sind massenhaft vorhanden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.03.2019 um 19.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41162

Korrespondiert die Beschwörung des Rechtsstaats mit dem habermasianischen Grundgesetzkult?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 31.03.2019 um 17.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41161

Das mag daran liegen, daß er im "Neuland" nicht viel zu melden hat.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 31.03.2019 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41160

Kaum ist eine Zeitung zu lesen, ohne daß irgendwo der Rechtsstaat beschwört, wenn nicht sogar der Rechtsstaat als gefährdet angesehen wird.

Das Wort Rechtsstaat scheint mir seit einigen Jahren immer häufiger gebraucht zu werden. Deshalb kann ich heute den ständigen Gebrauch des Worts schon nicht mehr hören.

In meiner Jugend habe ich es noch so gelernt, daß im Rechtsstaat das Recht nicht nur den Bürgern, sondern auch den Staatsorganen unterliegt.

In den Medien geht es heute dabei aber fast nur noch um schlichte Kriminalität. Damit wird der Begriff Rechtsstaat weitgehend verwässert und banalisiert.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.03.2019 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41159

Ach neische du Schmerzensreische . . .
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 31.03.2019 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41157

Mädcheninszenierung, ja! Ich erinnere mich aus den Siebzigern an einen bekannten Frankfurter Liedermacher, der gern erklärte, man müsse um der guten Sache willen in die Mädchen eindringen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2019 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41153

Das Schuleschwänzen ist vor allem ein Problem prekärer Familien, die wenig Sinn für die allgemeine Schulpflicht haben, wie sie hierzulande herrscht.

Die Protestschwänzer haben oft genug gezeigt, daß sie sich intensiv mit dem Gegenstand ihres Interesses beschäftigt haben. Das Eintreten für die Umwelt (das ich hier inhaltlich gar nicht kommentieren will) ist für sehr viele ein enormes Bildungserlebnis. Manche werden später mainstream werden und milde lächelnd auf solche Jugendsünden zurückblicken, andere werden dranbleiben.

Meine Frau sagte gestern wieder einmal, sie sei nie wieder im Leben über so vieles so gut informiert gewesen wie zur Zeit ihres Abiturs.

Kurzum, ich wehre mich dagegen, die demonstrierenden Schüler mit den verwahrlosten in einen Topf zu werfen.

(Die eigentliche Verwahrlosung sehe ich in den unzivilisierten Anwürfen gegen Greta Thunberg. Was da hochkommt, ist wirklich zum Speien. Und es geht anders als der jugendliche Überschwang nicht vorbei.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.03.2019 um 00.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41151

Manche Leute haben ja Medieninszenierung immer schon so ausgesprochen, als wäre von Mädcheninszenierung die Rede.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.03.2019 um 00.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41150

"Die paar Freitagsdemonstrierer" finde ich nun wieder stark untertrieben. Das hat sich mittlerweile doch zu einer ziemlich starken, deutschlandweiten, sogar fast internationalen Bewegung gemausert und ist Thema in den Hauptnachrichtensendungen.

Ich habe in diesem Zusammenhang mit dem Wort Schulschwänzer im Grunde gar nicht die nur mittelbar beteiligten Schüler gemeint, sondern die Dulder, Nutznießer und Befürworter des Schwänzens.

Die eigentlichen Schulschwänzer, also Schüler, sind schließlich noch unmündige Kinder. Es kam ja auch niemand auf die Idee, Schülern die Schuld an der RSR zu geben, sie wurden einfach in Geiselhaft genommen, angeblich, um ihnen das Schreiben zu erleichtern. Auch am Schulschwänzen tragen sie keine "Schuld", sie tun doch nur, was ihnen erlaubt wird. Sie möchten eben schon "groß" sein, fühlen sich mitverantwortlich, wollen Gutes tun, wollen es den Erwachsenen gleichtun. Das ist doch alles wünschenswert, genau in diese Richtung soll die Erziehung ja gehen.

Aber sie sind nun mal noch nicht volljährig, die Erwachsenen tragen allein die volle Verantwortung. Es gibt eine allgemeine Schulpflicht, Kinder bestimmen, bis sie 18 sind, nicht über sich selbst, und der Staat hat dafür zu sorgen, daß die Gesetze eingehalten werden. Alles andere ist verkehrte Welt. Wo soll es hinführen, wenn Kinder die Gesetze machen? Wo ist die Grenze?

Deshalb subsumiere ich alle Nutznießer und Befürworter des Schulschwänzens, seien es nun die, denen die Parolen auf den Freitagsdemos ganz gut in ihren Kram passen, oder die, die eine angebliche Schuld von Schülern deklarieren und politisch für sich ausnutzen, und schließlich auch die, denen das alles egal ist, mit unter Schulschwänzer.

Das ganze halte ich für eine schlimme Tendenz in unserer Gesellschaft. Man könnte noch so einiges über den drohenden Bildungsverfall, das ständige Herumdoktern an Lehrmethoden und -inhalten, erschlichene Doktortitel und so weiter sagen, all das gehört im weitesten Sinne zum Schulschwänzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2019 um 05.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41146

"Es betrübt mich einfach, daß unsere Politik zunehmend von Schulschwänzern bestimmt wird."

Meinen Sie damit wörtlich oder metaphorisch noch weitere Personen als die paar Freitagsdemonstrierer? Ich kann mir sonst kaum vorstellen, daß Sie solche Übertreibungen ernst meinen.

Bei welt.de zieht Fräulein Thunberg Tausende von haßerfüllten oder mitleidheuchelnden Leserzuschriften auf sich. Auch psychologische Ferndiagnosen nach Art der AfD:

„Ein krankes Kind, denn es ist bekannt, dass Greta Thunberg am Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus leidet. Der Fall Greta ist von höchster Symbolkraft für die wahnhafte Klimarettungspolitik im Ganzen.“ (Marc Jongen, MdB)

Dazu fällt mir nichts mehr ein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.03.2019 um 00.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41145

Stört das Schulschwänzen mein Rechtsbewußtsein? Nein, so würde ich das auf keinen Fall ausdrücken wollen.

Es geht dabei nicht um Recht. Es geht um meinen Glauben an die Vernunft und an einen funktionierenden demokratischen Staat, sozusagen an einen Staat, der das Gegenteil von Schilda ist.
In einem solchen Staat lernt man in der Schule, was gut und richtig ist, anstatt gut und richtig danach auszurichten, was angeblich am einfachsten gelernt werden kann (siehe schon die RSR). In einem solchen Staat zeigen uns die fähigsten Wissenschaftler, wie man am besten und am schonendsten mit der Natur umgeht, nicht naseweise Schüler, die glauben, wer es nur am besten meint, der wisse es auch schon automatisch am besten. Es betrübt mich einfach, daß unsere Politik zunehmend von Schulschwänzern bestimmt wird. Wir leben in einer verkehrten Welt. Mein Rechtsempfinden ist hiervon weniger betroffen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2019 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41144

Ehemalige Bundespräsidenten und -kanzler dürfen aus ihrem steuerfinanzierten Büro (usw.) keine Privatangelegenheiten erledigen? So der Bundesrechnungshof. Aber da ihnen vom GG „weder Aufgaben noch Kompetenzen“ zugewiesen sind, gibt es eigentlich nur noch Privatangelegenheiten. Eine Apanage steht ihnen zu und sei ihnen gegönnt. Andere Privilegien stören das Rechtsbewußtsein vielleicht mehr als das Schulschwänzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2019 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41142

Schon wieder ein langer Leitartikel über das staatsgefährdende Schulschwänzen (Reinhard Müller in der FAZ 29.3.19). Müller sieht in der Duldung die Erosion des Rechtsstaates, ist in diesem Zusammenhang auch gegen die Verweigerung der Rundfunkgebühr. Wo kämen wir hin? Ordnung muß sein. (Lenins „Bahnsteigkarte“ wäre ein bißchen hochgegriffen, aber wer hat denn damit angefangen?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.03.2019 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41113

Ja, und jetzt diskutieren Freund und Feind darüber, was sie zur Kernenergie sagt – als ob sie wie der Papst ein Lehramt hätte und jede ihrer Äußerungen genau abgeklopft werden müßte. Das lenkt von den Sachfragen ab, auf die sie verdienstvollerweise aufmerksam gemacht hat. Manche jener Fachleute und auch die genannten Politiker sind vielleicht neidisch, weil sie selber mit all ihrer Überlegenheit nicht soviel Beachtung gefunden haben. Ein neuer Artikel der WELT über Greta Thunberg ruft gleich über 1600 Leserzuschriften hervor. Das ist bemerkenswert. Nur die Migration kann da mithalten.

Das gute Mädchen interessiert mich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht, und ich finde es geschmacklos, sich über sie lustig zu machen oder gar Haßtiraden gegen sie vom Stapel zu lassen.

Seit wir mehr über die "merchants of doubt" wissen, lassen sich die Sachfragen besser diskutieren. Es geht nicht um kleine Mädchen.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 24.03.2019 um 00.04 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41109

...die FAZ läßt ausgewachsene Wirtschaftswissenschaftler auf die sechzehnjährige Greta los, weil sie in ihrem blauäugigen Idealismus keine vollständig durchgerechnete Lösung des Klimaproblems parat hat.

Der Spiegel dagegen sendet seine Reporter nach Schweden, um ihre Stellungnahme zum deutschen Kohleausstieg zu erfragen.

So die Extreme. Was ist wohl sinnvoller?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2019 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41107

Auch die FAZ läßt ausgewachsene Wirtschaftswissenschaftler auf die sechzehnjährige Greta los, weil sie in ihrem blauäugigen Idealismus keine vollständig durchgerechnete Lösung des Klimaproblems parat hat.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 16.03.2019 um 21.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41079

Die Gelben Westen in Frankreich opfern immerhin ihre Samstage, um gepflegt zu demonstrieren/randalieren, die wohlerzogenen besorgten Gymnasiasten bestehen auf ihr Recht auf Freizeit und "streiken" lieber freitags morgens.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.03.2019 um 18.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41078

Ja, irgendwie müssen die demonstrierenden Schüler wohl so denken, daß sie vor allem durch den Schulboykott mehr Aufmerksamkeit erregen. So klingt es ja auch auf der Seite
de.wikipedia.org/wiki/Fridays_For_Future an.

Zumindest ist dies der einzige mir halbwegs verständliche und plausible Grund dafür, daß die Schülerproteste unbedingt freitags um 11 anstatt z. B. 14 Uhr oder am Wochenende stattfinden müssen. Vielleicht sind sie nicht überall genau um 11, aber die Unterrichtszeit ist schon eines der markanten allgemeinen Kennzeichen dieser Demos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2019 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41077

Ich will das Thema nicht zu Tode reiten – aber glauben Sie das wirklich? Die Schüler fügen sich wie beim Hungerstreik einen Schaden zu, um Aufmerksamkeit zu erregen? Der empfundene Schaden hält sich wohl in Grenzen... Auch die Sache mit der Instrumentalisierung unschuldiger Kinder durch finstere Mächte ist ja gleich am ersten Tage aufgekommen (von "Merchants of doubt" gesät).

Ich möchte daran erinnern, daß solche Sachen tatsächlich vorkommen, aber anders aussehen: Krawalle, Plünderungen, Vermummungen, Sachbeschädigung und Körperverletzung.
In Bayern 5 haben wir einige dieser Schüler gehört. Besonnener und wohlerzogener geht es nicht. Überhaupt müßte das Manierliche der ganzen Aktion doch anerkannt werden, aber es scheint gerade besonders aufreizend zu sein.

Aber das soll mein letztes Wort sein, wenn nicht noch etwas Unerhörtes geschieht. Ich müßte sonst begründen, warum ich das Anliegen dieser "Jugendbewegung" für berechtigt und die Mittel für vertretbar halte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.03.2019 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41076

Es hat etwas mit einem Hungerstreik gemein. Den richtet man auch gegen sich selbst, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Aber hier betrifft es Kinder, und die Frage ist, wieviel Selbstbestimmung ihnen schon zugestanden werden darf.

Und gibt es womöglich Leute, die das unschuldig-naive Streben der Schüler für ihre eigenen politischen Zwecke ausnutzen?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.03.2019 um 12.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41073

Frau Merkel hätte dieser Gedanke gar nicht erst kommen können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2019 um 11.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41072

Kramp-Karrenbauer, die ja auch schon einen Bundesarbeitsdienst einführen will, hat messerscharf erkannt:

"Es bleibt die Tatsache, dass sie dafür die Schule schwänzen." Wären ihre Kinder im Alter, um an den Protesten teilzunehmen, würde sie ihnen keine Entschuldigung für die Fehltage schreiben. (zeit.de 15.3.19)

Vielleicht wollen die Kinder gar keine Entschuldigung. Aber man sieht, welche Gedanken unser Führungspersonal wirklich umtreiben und zu welchen geistigen Höchstleistungen es angeregt wird.

Immerhin könnten nun weltweit Milliarden von unentschuldigten Fehlstunden verbucht werden. Wer erklärt als erster den Krieg gegen das Schulschwänzen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2019 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41069

Nachtrag:

Studenten haben ja auch schon sehr oft "gestreikt", was terminologisch zu kritisieren war, denn wenn jemand die Privilegien, die ihm der Staat gewährt, nicht wahrnimmt, kann man nicht von "Streik" sprechen.

Aber den Streit um Worte sollte man auch mal hinter sich lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.03.2019 um 05.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41067

Die Schüler mögen es "Streik" nennen, aber was sie eigentlich wollen, haben sie oft und deutlich genug gesagt. (Zusammenfassung unter https://de.wikipedia.org/wiki/Fridays_For_Future) Sie wollen niemanden "treffen", die Analogie zu Arbeitsverhältnissen gilt nicht und sollte nicht künstlich bemüht werden, nur um zu einer negativen Beurteilung zu kommen.

Wie gesagt, ich glaube nicht, daß es sich um ein beschönigtes Schwänzen handelt, wie eine wenig wohlwollende Deutung einfach so behauptet. Ich plädiere einfach für mehr Fairness, ohne mich zu den Zielen der jungen Leute zu äußern.

Gestern abend wurde ich in einem Gemeindehaus zufällig Mithörer einer Gruppe von Sechzehnjährigen über ein anderes Thema. Es war erstaunlich kenntnisreich und ernsthaft, Respekt! Viele Schüler machen sich auch in Umweltfragen kundig und wissen weit mehr darüber als die meisten Erwachsenen.

Ich bin selber schon ziemlich alt und sollte die Altersweisheit schätzen, ich weiß, aber soweit bin ich noch nicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.03.2019 um 22.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41066

Ja, genau, man sagt jetzt beschönigend Streik, weil Schwänzen nicht so recht seriös klingt.
Wen wollen oder sollen die neuen Streiker mit ihrem Streik eigentlich treffen?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.03.2019 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41065

Streiks sollten grundsätzlich in der Freizeit der Streikenden stattfinden!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2019 um 18.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41064

Anscheinend wird das unterschiedlich gemacht. Aber Demonstrationen in der unterrichtsfreien Zeit hätten mir keinen Anlaß für meine kleine Betrachtung gegeben.

Ich nehme aber auch nicht von vornherein an, daß es den Schülern ums Schwänzen geht – dann hätten sie wohl etwas anderes unternommen. Auch wenn sie, einigen Politikern zufolge, lauter junge Dummköpfe sein sollten, wirken sie doch irgendwie idealistisch – oder ist das dasselbe?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.03.2019 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41063

Mal davon abgesehen, wie man nun offiziell mit den Schülerdemos während des Unterrichts umgeht – warum "demonstrieren" die Kinder eigentlich nicht in der Freizeit? Ist die ihnen dafür dann doch zu schade?

Warum nicht zum Beispiel am Freitag nachmittag?
Warum muß es unbedingt (wie in Karlsruhe) um 11 Uhr sein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2019 um 15.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#41061

Wegen "Fridays for Future" ein paar Stunden unentschuldigtes Fehlen im Zeugnis zu haben könnte sich bei Bewerbungen als Pluspunkt herausstellen. Jedenfalls eher als unentschuldigtes Fehlem, weil der Ferienflieger wieder mal Verspätung hatte.
Außerdem soll ja der Unterricht an deutschen Schulen so schlecht sein, daß jede andere Beschäftigung besser wäre...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2019 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40981

Der "Bewußtseinsstrom" ist den Leuten so lange eingeredet worden, bis sie ihn für evident hielten. Ich kann in mir eigentlich keinen feststellen, wenn ich ehrlich bin. Stattdessen ein unendliches Geplapper. Das kann man leicht verwechseln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2019 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40957

Das "Naturrecht" wurde nach der Gründung der Bundesrepublik noch lange bemüht, um die vom GG festgelegte Gleichberechtigung der Frau zu hintertreiben. Ungläubig liest man es und begreift sozusagen ruckartig, wie sich der Geist der Zeiten gewandelt hat: in kaum merklichen Schrittchen.

Als wir Kinder waren, kam beim hinfälligen Nachbarn gelegentlich die "Gemeindeschwester" vorbei, das war etwas Besonderes. Heute kurven den ganzen Tag die Kleinwagen der Pflegedienste durchs Dorf und halten gefühlt vor jedem dritten Haus.

Es ist schwer, den Kindern oder gar den Enkeln zu vergegenwärtigen, wie wir damals gelebt haben. Fotos aus der Nachkriegszeit bringen uns selbst schockartig zu Bewußtsein, wie sehr sich das Lebensgefühl verändert hat.

Bald werden vielleicht selbstfahrende Autos die Straßen sicher machen. Das wird für uns Fußgänger und auch Radfahrer eine enorme Veränderung des Alltags bedeuten, jetzt noch gar nicht auszumalen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2019 um 15.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40939

An der Scholastik wurde und wird noch immer die unvergleichliche logische Schulung gerühmt, wenn schon auf dem Gebiet der empirischen Wissenschaften der Fortschritt nicht beeindruckt. Aber wie kann es sein, daß mit solcher Schulung der naturalistische Fehlschluß namens „Naturrecht“ das Rückgrat der kirchlichen Lehre wurde? So sehr, daß Päpste fürchteten, mit dem Verfall ihrer Sexualmoral werde auch der Glaube zugrunde gehen? (Belege bei Garry Wills; dort auch Hinweis auf den päpstlicherseits falsch verstandenen Onan, der nicht wegen Interruptus und schon gar nicht wegen Masturbation von Gott getötet wurde, sondern wegen Nichterfüllung seiner Pflichten aus der Leviratsehe mit Tamara.)

Das Naturrecht hat die Päpste in die größte Glaubwürdigkeitskrise geführt, als sie aus der unbestreitbaren Tatsache, daß die beiden Geschlechter um der Fortpflanzung willen existieren, das Verbot der Empfängnisverhütung und jeglicher sexuellen Betätigung, die nicht „offen für die Fortpflanzung“ ist, ableiteten (Casti Connubii, Humanae Vitae). Die Empfehlung der Rhythmus-Methode (Knaus-Ogino), die intensive Beschäftigung weltfremder zölibatärer Kleriker mit Körpertemperatur und Vaginalsekret der Frauen brachte einen so krassen Biologismus in die ehelichen Beziehungen und machte den Ehepartnern so viele Schwierigkeiten, daß ihre faktische Mißachtung nicht aufzuhalten war. Es stellte sich heraus, daß katholische Ehepaare ebenso flächendeckend verhüteten wie andere. (Zugleich beklagen die Päpste den "Biologismus", der ihrer Ansicht nach den Sexualkundeunterricht an deutschen Schulen beherrscht.)

Da das Naturrecht zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Regionen zu ganz verschiedenen Moralvorstellungen geführt hat, erklärte die katholische Kirche den Papst für den einzigen berufenen Ausleger. Naturrecht war fortan die jeweilige päpstliche Lehre – eine originelle Deutung des Naturbegriffs.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.02.2019 um 13.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40841

»In den Medien hat sich aber mit wenigen Ausnahmen der Eindruck durchgesetzt, es sei von den Grünen.«

Die Altmedien möchten eben den Eindruck durchsetzen, es sei von den Grünen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2019 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40839

Das bayerische Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt samt Gesetzentwurf stammt von der ÖDP. In den Medien hat sich aber mit wenigen Ausnahmen der Eindruck durchgesetzt, es sei von den Grünen. Diese selbst haben sich erklärtermaßen nur "angeschlossen", ebenso wie andere. Irgendwann kam noch ein Flyer der SPD ins Haus, die auch dafür ist.

In der FAS erwähnte Timo Frasch zunächst ganz korrekt die Urheberschaft der ÖDP, dann war aber nur noch von den Grünen die Rede, die auch interviewt wurden. In einem Kommentar der FAZ nannte Frasch die ÖDP überhaupt nicht mehr. In der rechten Szene wurde das Volksbegehren auch deshalb abgelehnt, weil diese Zeitgenossen vor Wut außer sich geraten, wenn sie etwas Grünes zu sehen glauben. Dabei ist die ÖDP ja sehr konservativ.

Die flächendeckende ungerechte Zurücksetzung könnte mich bewegen, diese kleine Partei zu wählen, die ja schon andere Erfolge hatte, z. B. die Abschaffung des bayerischen Senats und den Nichtraucherschutz.

Ich muß hier auch einmal den Karikaturisten Horst Haitzinger rühmen, der mit seinem Poster "Auch ein kleiner Reißnagel kann einen großen Hintern bewegen" (nämlich den des bayerischen Löwen) eine der besten Werbekampagnen beflügelt hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2019 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40813

Dazu auch "Wir haben verstanden".
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 12.02.2019 um 09.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40812

Klang nicht Warschauer Pakt immer etwas abschätzig? Ist wohl lange genug her.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.02.2019 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40811

Dem Publikum scheint das zu gefallen. Es war ja auch stets angetan, wenn Merkel, Söder, Bosbach oder sonstwer erklärte, die Griechen müßten "ihre Hausaufgaben machen“. Erwachsene Politiker schmieden derweil Pakte: den Migrationspakt, den „Pakt für den Rechtsstaat“, den Digitalpakt und so fort. Zuweilen müssen sie auch zu harten Mitteln greifen, dann tun sie es nicht unter einer Offensive: einer digitalen Bildungsoffensive oder einer Milliardenoffensive oder Offensiven für Kinderbetreuung, Mädchenfußball und Nachhaltigkeit. Bestimmt gibt es auch Achtsamkeitsoffensiven. Hausaufgaben gemacht, Lektion gelernt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2019 um 06.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40810

Gefühlt dreimal täglich hört man von Politikern: „Wir haben unsere Lektion gelernt.“ Wie Schulbuben von der letzten Bank, die damit angeben, sich eine wohlverdiente Watschn eingefangen zu haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.02.2019 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40806

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39674
„Einladungspolitik“ ist so sehr zum Markenzeichen von Reinhard Müller (FAZ) geworden, daß es schon fast komisch wirkt. Man erwartet es auch heute wieder, und da steht es schon! (11.2.19, Seite 1) – Im übrigen scheint sich in den Medien allmählich „Kontrollverlust“ für denselben Gegenstand einzubürgern.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.02.2019 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40799

Waldmeister ist im englischsprachigen Raum heute weithin unbekannt. Das Wort woodruff ist aber sehr alt und stammt also aus Zeiten wesentlich stärkerer Bewaldung der britischen Inseln.
 
 

Kommentar von Theodor ickler, verfaßt am 09.02.2019 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40798

Letzte Nacht träumte ich, daß englisch woodruff „Kopfschuppen“ bedeutet. Nach dem Aufwachen fiel mir sofort ein, daß ich die wirkliche, etymologisch undurchsichtige Bezeichnung dandruff mit griechisch dendron „Baum“ (wie in Rhododendron usw.) in Verbindung gebracht haben könnte. Eine solche Etymologie würde ich mir im Wachzustand nicht einfallen lassen, aber im Traum kalauern wir ja oft, da hatte Freud durchaus recht. Eigentlich kannte ich woodruff („Waldmeister“) auch bisher gar nicht, mußte nachschlagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2019 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40752

„Kennen Eure Majestät denn schon das Alte?“

Das soll ein Wissenschaftler, ein Barbier oder jemand anders König Friedrich II., Friedrich Wilhelm IV., Kaiser Wilhelm II. usw. auf die Frage geantwortet haben, was es Neues gebe. – Typische Wanderanekdote, bestimmt frei erfunden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2019 um 07.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40747

In einem Beitrag der FAZ (2.2.19) über Sprachkritik bespricht Hans Martin Gauger auch sehr ausführlich die Betonung von Konsens. Der Duden kenne wirklichkeitsfremd nur die Betonung auf der zweiten Silbe. Das stimmt aber nur, wenn man sich auf den Rechtschreibduden beschränkt, in Fragen der Aussprache nicht die erste Adresse. Im Ausspracheduden ist auch die Anfangsbetonung verzeichnet. Gauger erwähnt weder die Schweizer Neigung zur Anfangsbetonung noch die Reihenbildung Konflikt, Kontakt usw. mit unangefochtener Endbetonung; das sind alles keine deutschen Komposita. „Was soll, könnte man polemisierend sagen, die arrogante humanistische Bildungshuberei, mit der nur die sogenannten Ungebildeten diskriminiert und eingeschüchtert werden sollen?“ Das scheint mir etwas zu hoch gegriffen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2019 um 04.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40724

Das Buch „Wahrnehmung und Erfahrung“ (Original „Perception through experience“) von M. D. Vernon ist 1974 auf deutsch erschienen und steht fast ebenso lange in meinem Regal, immer wieder mal gelesen. Es ist gestaltpsychologisch beeinflußt und streckenweise ein sehr interessanter Überblick. Allerdings geht weder aus dem englischen noch aus dem deutschen Titel hervor, daß es praktisch nur vom Sehen handelt. Auch nicht, daß es von einer Frau verfaßt ist, was ich erst jetzt zufällig entdeckt habe; aus irgendwelchen Gründen hatte ich immer einen männlichen Verfasser vor Augen, vielleicht wegen der Dominanz von Männern unter den Gestaltpsychologen. Frau Vernon hat auch ein Buch über das Lesen geschrieben.

Einen breiten Raum nehmen die optischen Täuschungen ein. Im Internet und natürlich in Lingelbachs „Scheune“ findet man inzwischen noch schönere Darstellungen, z. B. zur Poggendorff-Täuschung: https://de.wikipedia.org/wiki/Poggendorff-T%C3%A4uschung (Dort auch der geteilte Kreis! Unbedingt den Versuch mit der Kopfneigung machen!) – https://www.die-scheune.info/die-poggendorff-tauschung/

Die Erklärungsversuche laufen meist darauf hinaus, einen evolutionären Sinn der Täuschbarkeit auszumachen, oft schon auf der Ebene der Retina (nach Hubel/Wiesel usw.), was im Falle der Müller-Lyer-Täuschung oder der Mondillusion auch ganz plausibel klingt. Der "geteilte" Kreis ist besonders schwer zu erklären, scheint Nebenprodukt von etwas anderem (eben Poggendorff) zu sein.

Uns Sprach-Freaks würden akustische Täuschungen interessieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2019 um 18.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40721

Daß mein Hausarzt alles über mich weiß, überrascht mich nicht, er durchschaut mich buchstäblich bis auf die Knochen. Aber es geht noch weiter:

Der Fahrradsitz, auf dem ich heute zum Belastungs-EKG Platz nahm, hatte sich vom letztenmal die Sitzhöhe gemerkt und korrigierte mich automatisch, als ich es mir bequem gemacht hatte, um etwa zwei Millimeter.

Da ich gerade beim Gesäß bin: Das dient gar nicht dem Sitzen, sondern dieser starke Muskel war nötig, um beim aufrechten Gang den Körper vor dem Vornüberkippen zu bewahren. Bei der Frau mußte das Becken breiter werden, damit der große Kopf des Kindes hindurchpaßt. Dadurch wurden die Gesäßmuskeln in die Breite gezogen, also flacher, und wurden mit einem Fettpolster überzogen, damit das spezifisch Menschliche und dadurch für Männer Attraktive erhalten bleibt: „Das ausladende Becken wird zum einladenden Erkennungszeichen der Weiblichkeit beim Menschen.“ (Valentin Braitenberg) Aber es hindert die Frau am schnellen Laufen. Daraus folgt dann wieder alles mögliche an Aufgabenteilung und Wesensunterschieden zwischen den Geschlechtern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2019 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40673

Das Kartellrecht soll den Wettbewerb vor Preisabsprachen usw. schützen. Die Bestimmungen sind im einzelnen sehr kompliziert, und große Firmen beschäftigen ganze Rechtsabteilungen, um ihnen gerecht zu werden, weil die Strafen sehr hoch ausfallen können.

Das Ganze ist auch ein Kommunikationsproblem. Zunächst einmal wird man sich hüten, schriftliche oder digitale Spuren zu hinterlassen. Mündliche Absprachen zwischen Tür und Angel oder über Dritte sind schwer zu kontrollieren. Aber wenn z. B. ein Unternehmen ankündigt, es werde im kommenden Frühjahr die Preise für ein Produkt (z. B. die Beförderung von Paketen) erhöhen, dann kann das eine verdeckte Preisabsprache sein. Denn wenn die Wettbewerber nicht mitziehen, kann man die Maßnahme auch wieder abblasen. Das ist nur ein Beispiel von Tausenden. Erlaubt ist wiederum, sich an den Preisen des Marktführers zu orientieren. Jeder weiß auch, daß auf dem Wochenmarkt für viele landwirtschaftliche Produkte Einheitspreise verlangt werden.

Wenn irgendwo, dann ist hier die Redeweise von einer Hydra angebracht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2019 um 17.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40650

Im Dritten Reich wurden die Hollerith-Automaten missbraucht, weil sich mit ihrer Hilfe die rassistischen Kriterien der Nürnberger Rassengesetze erfassen ließen. (https://www.planet-wissen.de/technik/computer_und_roboter/geschichte_des_computers/pwiehollerithundderlochkartencomputer100.html)

Aber die Hollerithmaschine war nicht für einen bestimmten Zweck und nur für diesen gedacht, sondern zur Erfassung beliebiger Daten. Darum kann nicht von einem Mißbrauch gesprochen werden. Sonst würde auch die Schrift mißbraucht, wenn damit jemand einen Erpresserbrief schreibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.01.2019 um 16.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40639

Ja, es ist zum Verrücktwerden und gehört eigentlich unter "Kopfrechnen", aber zur Rechenschwäche hinzu kommt der böse Wille, gegen den kein Kraut gewachsen ist.
Inzwischen weiß man, wie gefährlich das Schlechtreden und Schlechtrechnen politisch ist, aber die gescheiten Gegenschriften (Hans Rosling u. a.) dringen nicht durch.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 21.01.2019 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40638

Das dumme Gerede von „gefälschten” Statistiken ist aus den Hirnen der „einfachen” Leute nicht rauszukriegen. Tatsächlich werden Statistiken meist nicht gefälscht, sondern zielgerichtet „aufbereitet” oder grafisch präsentiert. Dabei wird gern verschwiegen, wieviele und welche Rohdaten erhoben wurden und ob sie repräsentativ sind. Auch Suggestivfragen sind beliebt, um etwa ein gewünschtes Meinungsbild zu erzwingen. Oder es werden nur Studien mit entsprechendem Wunschergebnis zitiert, die anderen ignoriert.

Ein banales Beispiel: Die einen vergleichen Gewalttaten einer Personengruppe nicht mit einer Vergleichsgruppe gleichen Geschlechts und Alters, sondern mit der Gesamtbevölkerung. Die anderen dagegen mischen Mord, Vergewaltigung, Körperverletzung, Totschlag usw. mit kleineren Delikten, wie Ladendiebstahl (wer stiehlt eigentlich einen Laden?!?), wobei die kleine Zahl in der großen untergeht und die Gesamtzahl von Verbrechen vielleicht sogar abnimmt.

Auch Balkendiagramme mit logarithmischen Skalen oder gar unten abgeschnitten können ganz „spannend” (eines von Herrn Icklers Lieblingsworten...) aussehen, sind aber tatsächlich total nichtssagend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2019 um 04.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40625

Wer mit AfD-Anhängern spricht, wird bald die Erfahrung machen, daß sie alle positiven Nachrichten (Kriminalstatistik usw.) als gefälscht abtun. Im Augenblick hat man dann natürlich nichts in der Hand, was dieses Argument entkräften könnte – und außerdem würde ihm dasselbe Schicksal drohen. Da hilft nur tschüs sagen und weggehen. – So halte ich es seit langem, es geht gar nicht anders.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.01.2019 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40624

Doch lieber BuzzFeed?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2019 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40622

Ich falle nicht auf die Fake news unserer gleichgeschalteten Lügenpresse rein, sondern informiere mich bei RT Deutsch. (Wohltätige Abkürzung!)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2019 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40592

Fürs Protokoll:

Heute las ich zum erstenmal in der Zeitung, was ich mir schon lange gedacht habe: Söder kann Bundeskanzler werden. Und zwar mit derselben Strategie, die ihm schon bisher Erfolg gebracht hat. Das hat mich sehr früh interessiert, deshalb beobachte ich ihn seit 20 Jahren wie keinen anderen Politiker.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2019 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40578

Bei Braitenberg stoße ich auf die Beobachtung, daß auf fetten Wiesen nur gelbe Blumen stehen (und weiße, genauer gesagt, nämlich Doldenblütler; steht auch bei Wikipedia). Außerdem haben gefleckte Kühe nie weiße Ohren.
Dalmatiner sind oft ganz oder halb taub. Das ist nicht zu vermeiden, weil das Hörvermögen auf demselben Gen beruht wie die Flecken. – Der Tag fängt ja gut an!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2019 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40577

Neulich war davon die Rede, daß ein Wolf das Innere eines gerissenen Schafs schnurpst.

schnurpsen:

(DWDS, nicht im Duden)

"landschaftlich, umgangssprachlich etw. mit knackendem Geräusch abbeißen und zerkauen
Beispiel:
frische Brötchen, einen Apfel schnurpsen"

In manchen Texten werden Brötchen oder Kekse geschnurpst, aber meinem Sprachgefühl nach paßt es besser auf Dinge, die fest und auch etwas feucht sind, etwa Knorpel oder Karotten. Wunderschönes deutsches Wort!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2019 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40559

Man kennt die Anekdote vom Studenten, der jede Prüfungsfrage auf den Maikäfer umzulenken weiß, den einzigen Gegenstand, zu dem er etwas memoriert hat.
Bei welt.de hat fast jede Meldung Hunderte von Leserzuschriften zur Folge, und fast immer geht es irgendwie zur fürchterlichen Merkel zurück.

Gasexplosion in einer Pariser Bäckerei. Reaktionen von welt.de-Lesern:

Kennt man schon den Vornamen des Gases? Ich habe da so meine Vermutungen... (von mir erfunden)

Man denkt sofort an einen Einzelfall. (echt)

Es ist entsetzlich wie sehr wir von den ganzen Anschlägen konditioniert sind. (echt)

Neulich überraschte uns einer mit der Erkenntnis, Merkel habe die Grenzen für die "industrielle Reservearmee" geöffnet. Ausgerechnet das FDJ-Mädel!

Über den Anschlag auf den AFD-Politiker hieß es: "Wenn das einem Politiker der Altparteien gegolten hätte, wäre es auf den ersten Seiten der Medien berichtet worden." Aber es ist doch auf den ersten Seiten berichtet worden? Macht nichts, die Medien sind alle gleichgeschaltet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2019 um 04.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40544

Nichts macht mich so trübsinnig, als wenn dem Aberglauben amtlicherseits auch nur ein Fußbreit Boden eingeräumt wird. Ich denke dann: "Es war alles umsonst!" Hoffentlich stimmt die Meldung nicht. Aber es bleibt noch genug Unsinn übrig.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.01.2019 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40542

Die Menschheit hat leider die Chance vertan, die Jahre mit der vollen Jahrhundertanzahl 13 auszulassen. Dadurch wäre ihr (neben der Gefahr durch die Zahl 13) auch die Verwirrung erspart geblieben, daß z. B. die 17-hunderter Jahre zum 18. Jahrhundert gehören, die 18-hunderter zum 19. usw. Und die heutigen Jahre 20xx gehörten, wunderbar leicht zu merken, auch zum 20. Jahrhundert. (Außer dem einen Jahr 2000, aber das ist wieder ein anderes Problem.)

Aber die 12-hunderter Jahre wären auch dann weiterhin das 13. Jahrhundert geblieben, und dieses 13. Jahrhundert hätte man auch mit noch so vielen weiteren Auslassungen nicht wegbekommen können.

So wird auch Heils neues Sozialgesetzbuch "Nr. 14" auf ewig das 13. bleiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2019 um 18.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40541

Die Zahl 13 ruft bei einigen Menschen Unbehagen hervor. Daher soll das neue geplante Sozialgesetzbuch die Nummer 14 tragen. Sozialminister Heil will die vermeintliche Unglückszahl offenbar auslassen. (SPON 11.1.19)

Bei mir ruft Heil auch Unbehagen hervor, vielleicht sollte man ihn Hohl nennen oder Unheil?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.01.2019 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40511

Der Artikel ist nicht online, aber doch immerhin die Abbildung dazu:
https://www.huzlers.com/wp-content/uploads/2014/11/090719-fake-moon-landing.jpg
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2019 um 14.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40509

Was der Herr Lauer sonst noch gemacht hat, weiß ich nicht, aber in die Akte v. Braun mal hineingeleuchtet zu haben wäre an sich schon verdienstvoll. Der deutsche Hintergrund der Mondlandung war ja ein wichtiger Teil unseres kollektiven Seelenhaushalts nach dem Krieg.
Mich amüsiert es immer, wenn jemand mein Gedankenexperiment in die Tat umsetzt: Wie lange kann ich mich durchmogeln, wenn ich eine Professur für Posaune erschlichen habe, ohne jemals eine Posaune in der Hand gehabt zu haben? Mustergültig war jener Postangestellte als erfolgreicher (!) Chefarzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2019 um 14.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40508

Der 20jährige hessische Hacker mit seinem Datenklau scheint dagegen wirklich toll zu sein: Keine IT-Ausbildung und doch so ausgezeichnete Computerkenntnisse. Auch verhilft er den minderbemittelten Datensicherheitsleuten zu wertvollen Einsichten in Sicherheitslücken. Er soll geständig und hilfsbereit sein. Ich war immer der Meinung, daß die Behörden sich das Wissen und Können solcher jungen Leute zunutze machen sollten. Natürlich war die Veröffentlichung nicht in Ordnung, aber anders als auf dem Skandalweg hören die Trottel ja nicht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.01.2019 um 12.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40507

Also eine echte Konifere auf diesem Gebiet.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 08.01.2019 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40506

Wernher von Braun war wohl Gegenstand seiner Bachelorarbeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2019 um 11.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40505

Offenbar derselbe.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.01.2019 um 08.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40503

Christopher Lauer, Troll des Jahres 2012?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2019 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40502

CDU-Vorstand NRW kippt Europapolitiker Brok (8.1.19)

Dazu:

https://lobbypedia.de/wiki/Elmar_Brok

Ob die gesamte, auch innerdeutsche Lobbyarbeit des Bertelsmann-Konzerns schon aufgearbeitet ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2019 um 04.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40484

Wie es der Zufall will:

In der FAS 6.1.19 schreibt Christopher Lauer über den Hochstapler Wernher von Braun, der nicht entlarvt wurde, weil er nach gescheiterten Versuchen, eine Rakete zu bauen (alle vier explodierten), nur noch als Organisator und Manager tätig war und damit auch in den USA verbergen konnte, daß er nichts von Raketen verstand. Weder technisches Zeichnen noch Physik beherrschte er in ausreichendem Maße.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.01.2019 um 08.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40476

Beim Blättern in gar nicht so alten Notizen:

Berlin – Die SPD bleibt nach den Worten der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer unter allen Umständen bei ihrer Entscheidung, nicht in Koalitionsgespräche mit der Union einzutreten.
Die Festlegung der SPD, in die Opposition zu gehen, sei «unumstößlich», sagte die SPD-Politikerin der Funke-Mediengruppe. «20,5 Prozent sind kein Wählerauftrag, um eine Regierungsbildung anzustreben.»
(welt.de 1.10.17)

Dutzende ähnliche Äußerungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2019 um 14.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40469

Sowieso, alles geklaut, sogar ganze Ingenieure!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.01.2019 um 11.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40468

Waren das nicht die Amerikaner, die mit deutscher Technik auf dem Mond gelandet sind?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.01.2019 um 09.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40467

Wie jeder weiß, ahmen die Chinesen alles nach. Klavier spielen können sie wie Horowitz, auf dem Mond landen wie die Amerikaner usw.

Wenn die Zeitung titelt Chinesen gelingt historische Mondlandung auf der Rückseite – mit deutscher Technik, dann weiß man gleich Bescheid. Nicht mal das schaffen sie ohne uns.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2018 um 10.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40445

Nancy Isenberg: White Trash – The 400-Year Untold History of Class in America.

Mit Gegenwartsbezug im neuen Vorwort.

Materialreich und ziemlich brutal. Untold oder wenigstens unterbelichtet, daher lesenswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2018 um 10.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40444

Ich höre mir Anekdoten aus Familiengeschichten an, die ich schon oft gehört habe, samt Stilisierung bis in den Wortlaut. Das spielt für die Menschen offenbar eine große Rolle. Auch die schweren Zeiten, in denen sich die eine oder andere Hausfrau "totarbeitete", sind doch irgendwie "besonnte Vergangenheit".

A propos Schleich (Carl Ludwig Schleich: Besonnte Vergangenheit. Berlin 1931): Man erfährt kaum etwas über die anscheinend zerrüttete Ehe der famosen Eltern. Schleich vermutet, der Vater habe ihn ins Internat geschickt, um die Mutter zu kränken. Das kommt ganz unvermittelt und läßt einen die Katastrophen hinter den altersmilden Geschichten ahnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2018 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40429

Aus einer sprachwissenschaftlichen Dissertation:

Danksagung
Im Laufe der Jahre, in denen diese Dissertation entstanden ist, habe ich vor allem gelernt, dass Disziplin, Organisation und Motivation, aber auch Mut, Selbstbewusstsein und Kreativität die wichtigsten Voraussetzungen für ein solches Projekt sind.


Der Flug zum Mond war auch keine Kleinigkeit. Jedenfalls ist der Leser auf Großes vorbereitet.

Wann ist eigentlich dieser Ton aufgekommen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2018 um 03.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40418

Die Herbstzeitlose wird gern mit Bärlauch verwechselt.

Man sieht hier noch einmal, wie das Adverb gern seine "Orientierung" verliert. Es ist ja nicht gemeint, daß die Herbstzeitlose es gern hat, wenn man sie verwechselt.

Im Duden wird dem Wort Herbstzeitlose nur der Hauptakzent auf der ersten Silbe gegönnt, nicht der Nebenakzent auf der dritten. Der ist aber wesentlich, weil er besonders kraß die Vermeidung des Betonungshiats zeigt. Die Gattung heißt Zeitlose, selbstverständlich mit dem Akzent auf der ersten Silbe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2018 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40405

Heisst der Mann wirklich McGurk? Dann ist er gestraft genug und braucht nicht auch noch Twitter-Spott. (Leserin bei welt.de zur Entlassung des amerikanischen Diplomaten)

Die vielen Irischstämmigen dieses Namens fühlen sich nicht gestraft. Nebenformen sind Quirk, Cuirc usw. Sie gehen auf Corc "Herz" zurück, einen gälischen Jungennamen, das Ganze mit Mac oder O’ heißt also "Sohn des Corc".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2018 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40309

Vor dem Gesetz steht ein Türhüter und hält die Hand auf. Er heißt Dumont und ist ein großes Verlagshaus. Die Open Knowledge Foundation will erreichen, daß Gesetzestexte ohne Urheberrechtsbeschränkung frei zugänglich sind, nämlich auch für Such-, Druck- und Kopierfunktionen.
Wir hatten schon bei den Rechtschreibreformern einen undurchsichtigen Fall von Berufung auf das Urheberrecht, das es angeblich nicht erlaube, eine revidierte Buchstabenstrecke zu veröffentlichen, bevor sie ein Wörterbuchverlag vermarkten konnte (Dokumente in meinem Buch „Rechtschreibreform in der Sackgasse“).
Um so mehr scheint es mir bei Gesetzestexten geboten, sie dem Volk zur uneingeschränkten Nutzung zu überlassen. Es ist schließlich durch seine Abgeordneten der eigentliche Urheber.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2018 um 08.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40302

Trüber Morgen, noch trüberer Abend: Auch wir ziehen uns gilets jaunes über, wenn wir auf dunklen, regennassen Straßen Rad fahren. Allerdings nenne ich sie immer grün, während meine Frau auf gelb beharrt wie die Franzosen. Nicht daß unsere cohabitation darüber zerbräche, aber sonderbar ist es doch. Wie kann man grüne Westen gelb nennen?
Genau genommen, sind sie ja eher gelb. Aber nicht so richtig gelb, weshalb man sie eben grün nennen sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2018 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40291

Thales von Milet ist nicht nur durch seine Mathematik und eine nicht besonders gut bekannte Kosmologie in die Philosophiegeschichten eingegangen, sondern auch durch jene Anekdote, die u. a. Platon im "Theaitetos" erzählt. Als rechter Hans-guck-in-die Luft fiel er in einen Brunnen, als er entweder die Sterne oder irgendwelche meteorologischen Erscheinungen betrachtete, woraufhin eine thrakische Magd ihn auslachte: Du guckst in den Himmel und übersiehst dabei, was vor deinen Füßen liegt. Hans Blumenberg hat die verschiedenen Versionen in seinem Büchlein "Das Lachen der Thrakerin" vollständig versammelt und in Blumenbergscher Weise verarbeitet, worauf ich nicht eingehen will. (Kurt Flasch geht in seinem umfangreichen Blumenberg-Buch auch nicht darauf ein.)

Nun sind die Attribute, die Platon und andere der Thrakerin beilegen, nicht ganz eindeutig: War sie nur "witzig" oder auch attraktiv? Blumenberg erklärt sie mit Heidegger für hübsch und erwähnt wenigstens beiläufig auch die mögliche erotische Deutung der Geschichte. In anderen Versionen ist sie alt, zum Teil auch böse, denn sie läßt den Weisen absichtlich in die Grube stürzen. Das verdirbt aber die Pointe und kann darum nicht wahr sein.
Ich glaube, daß sie hübsch war. Warum eigentlich ausgerechnet eine Thrakerin? Nun, wie Xenophanes in seiner bekannten Religionskritik beiläufig erwähnt, waren die Thraker blond und blauäugig, was für die Griechen sicher ein besonderer Reiz war. Mit einem späteren "me too" hätte Thales nicht rechnen müssen, weil die Schöne sicherlich nur eine rechtlose Sklavin war.
Ich rede hier natürlich ganz unphilologisch und zitiere nur aus dem Gedächtnis.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2018 um 05.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40286

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39133

Aus derselben Quelle:

Sprache: das ist vor allem auch Sprachkompetenz, um die bahnbrechende Erkenntnis von Chomsky nochmals explizit zu erwähnen, die Fähigkeit also, dieses Zeichensystem (wie auch immer es aussieht) zu erlernen und mit diesem System erfolgreich umzugehen, also es in den Dienst des Überlebens zu stellen.

(Vom Überleben ist bei Chomsky allerdings nicht die Rede, um so mehr vom Geist.)

Man kann also eine Sprache nur lernen, wenn man es kann, das ist Chomskys bahnbrechende Erkenntnis. Der Rest ist ähnlich scharfsinnig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2018 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40248

Den wahrhaft trüben Morgen (aber den Dauerregen haben wir ja herbeigesehnt) hellt ein Bericht der FAZ über "die langsamsten Journalisten der Welt" auf. Das Medienunternehmen "Delayed Gratification" wird vorgestellt. Ein Labsal gegenüber den flinken Federn unserer journalistischen Rasselbande. Die Konferenz von Buenos Aires war noch nicht zu Ende, da verkünden sie schon: Der große Erfolg von Trumps Rüpel-Diplomatie (Welt 2.12.18). Sie können sich allerdings auf das kurze Gedächtnis der Leser verlassen.
Zu allem sofort eine Meinung zu haben ist die neue Form der Dummheit, zielstrebig herangezüchtet von unseren Bildungsplanern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2018 um 05.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40240

Immer mehr Pazifikinseln verbieten die Benutzung von Sonnencremes, die tonnenweise ins Meer gelangen und die Korallenriffe zerstören.
Das erinnert an die öffentlichen Bäder im alten Rom, die keineswegs für die Reinlichkeit der Römer sprachen, sondern so verdreckt waren, daß ihre Schließung durch christliche Kaiser wahrscheinlich einen Segen für die Volksgesundheit bedeuteten, auch wenn das Motiv ein anderes war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2018 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40233

Über diesen dramatischen Enthüllungen vergißt man ganz zu fragen, ob die Kanzlerin im halbleeren Flugzeug wirklich neben einen wildfremden jungen Mann gesetzt wurde. Der hätte sie nach Art der Ausländer leicht messern können. Hat der Sicherheitsdienst da versagt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2018 um 13.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40232

Flug-Sitznachbar packt über Merkel aus

Die Bundeskanzlerin ist bekanntlich mit Iberia nach Argentinien geflogen. Der „Merkur“ macht uns neugierig:

Flug-Sitznachbar packt über Merkel aus
(...)
Und was hat die deutsche Kanzlerin über den Wolken so gemacht? „Sie hat Joghurt gegessen, ein Buch gelesen, ein bisschen geschlafen“, erzählt Agüero. Keine Sonderwünsche.

Eine Stunde vor der Landung sei die Kanzlerin dann ins Cockpit gegangen und habe ein Foto mit der Besatzung gemacht. „Ich habe mich nicht getraut, sie anzusprechen.“ Aber sie habe immer mal wieder rübergelächelt. „Sie war sehr relaxt.“

(merkur.de 1.12.18)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2018 um 10.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40191

"Gott spielen" geht eigentlich ganz anders:

"Herrliches Wetter heute!" – "Danke!"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2018 um 10.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40190

Dazu frömmelt ein Florian Harms bei t-online: Einer von uns, ein Mensch wie Sie und ich, hat Gott gespielt. (...) “Du sollst nicht andere Götter haben neben mir“, hat der Allmächtige einst von uns verlangt. Im Herbst des Jahres zweitausendundachtzehn hat er in Herrn He aus Shenzhen seinen Meister gefunden. (27.11.18)

Warum gerade Eingriffe in die DNS der unvergleichliche Sündenfall sein sollen, ist nicht zu erkennen.
Solche Eingriffe werden bald Routine sein, wie heute schon Dialyse und Transplantationen. Wenn wenigstens gesagt würde, daß man darüber verschiedener Meinung sein kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.11.2018 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40189

Zum gentechnisch verbesserten Baby in China (was immer davon richtig sein mag) verkünden unsere Zeitungen: „Weltweit empörte Reaktionen“ usw. – Ob es weltweit auch Zustimmung gegeben hat, erfährt man nicht. Die FAZ läßt erwartungsgemäß einen Theologen und Vorsitzenden des Ethikrates (aus Erlangen!) kommentieren, als sei dieser kraft Amtes besonders zuständig.
Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen? Oder lieber die Grippe hinnehmen, wie Gott sie geschaffen hat? Aber Gott hat doch auch die Gentechniker geschaffen und sogar die Chinesen?
Der Tag fängt ja gut an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2018 um 16.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40183

Ich gebe zu, daß ich beim Schreiben einen Augenblick gezögert habe, dann aber fand, daß es okay war.

Es hat ja auch sozusagen ein anderes Kaliber.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.11.2018 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40182

Aber es war okay, den Namen von Göthe in Goethe umzuschaffen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2018 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40181

Wie schon Goethe in DuW sagt, hat niemand es gern, wenn andere mit seinem Namen (Goethe, Götter, Goten, Kot) Scherz treibt. Das gilt auch für Vornamen. Es ist ja lustig, wie unsere Kinder an ihren Namen hängen, als sei es ein Stück von ihnen selbst, während wir uns noch genau erinnern, wie wir uns diese Namen ausgedacht haben.

(Meine Frau behauptet, den Namen unserer Jüngsten hätten wir uns keineswegs ausgedacht, sondern sie habe beim ersten Blick auf die Neugeborene gewußt, daß sie Dorothee heißt. Jahre später fiel uns auf, daß es die Umkehrung meines Vornamens ist.)

Bekanntlich gibt es einen Zusammenhang zwischen Vornamen und sozialer Schicht bzw. Bildungsgrad (sc. Medienkonsumgewohnheiten), und viel ist über die Kevins und Jessicas gespottet worden. In den Schulklassen unserer Töchter saßen etliche Chiaras (aber natürlich keine Klara); damit geht es jetzt laut Statistik wieder abwärts. Wie mehrere Chiaras unter einem entsprechenden Eintrag berichten, neigen Lehrer und andere Personen dazu, den Namen als "Schiara" oder so ähnlich auszusprechen. Die Notwendigkeit, ständig korrigieren zu müssen, sollte man bei der Namenswahl berücksichtigen, es kann für den neuen Erdenbürger eine rechte Last werden. Zunächst merken sie nicht viel davon, weil die Spielkameraden und Mitschüler sowieso Kiki usw. sagen. Wer weiter denkt, hat auch die internationale Aussprechbarkeit bzw. Übertragbarkeit schon im Blick.
Neuerdings kommt hinzu, daß der falsche Name bei der Stellen- und Wohnungssuche nachteilig sein kann. Wenn man schon am Familiennamen nichts ändern kann, sollte wenigstens der Vorname biodeutsch klingen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2018 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40127

Trump ehrt Elvis Presley:

Der Präsident würdigte dabei insbesondere den tiefen Patriotismus des Musikers, der sich auf der Höhe seines Ruhms dazu entschlossen gehabt habe, in den Streitkräften zu dienen. „Er hatte eine Wahl, und für ihn war es keine Wahl.“
Dann verriet Trump noch, dass er den „King“ auch einmal live erlebte, bei einem Auftritt Presleys im „Hilton“-Hotel von Las Vegas. Die Fans des Künstlers seien damals völlig ausgerastet, „sie haben den Raum förmlich zerlegt“, so Trump.
(welt.de 19.11.18)

Elvis Presley haßte den Militärdienst und hatte sich nur der Anweisung seines tyrannischen Managers gefügt, der ihm das Image eines braven amerikanischen Jungen verpassen wollte.

Im "Hilton" von Las Vegas haben die Elvis-Fans niemals den Raum zerlegt, das war ein ganz anderes Publikum als die Teenies der frühen Jahre.

Das Fehlzitat „has left the house“ wird von den Trump-Fans unter welt.de heruntergespielt und wäre ja an sich auch belanglos. Aber „has left the building“ ist so bekannt, daß der Fehler Trumps tiefe Unvertrautheit mit dem Gegenstand verrät. (Auch die der deutschen Leserbriefschreiber.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.11.2018 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40037

Da ist nichts einzuschränken. In den USA ist die Berichterstattung über Trump zu 90% negativ, also nur minimal besser als in Europa. Wenn es nach den Leitmedien ginge, hätten die Republikaner Dutzende von Sitzen im Repräsentantenhaus einbüßen müssen und darüber hinaus auch die Mehrheit im Senat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2018 um 03.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40036

Man könnte auch sagen: Ideologien und damit Programme verlieren an Bedeutung, weshalb auch niemand die Parteiprogramme liest, ganz mit Recht. Übrig bleibt die Rhetorik.

Die schönste "Großveranstaltung" verpufft, wenn sie nicht durch den Volksempfänger in jede Wohnung getragen wird. Auch das Bad in der Menge wird nur veranstaltet, weil die Fernsehkameras bereit stehen. Das sieht man auch an der Bildregie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2018 um 03.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40035

Vielleicht sollte man einschränken: der Leitmedien, soweit sie Tatsachen und Meinungen zu vermitteln suchen. Die Unterhaltung wird um so wichtiger, s. Trump.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.11.2018 um 20.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40033

Die Wahlen in den USA werden den fortschreitenden Bedeutungsverlust der Leitmedien von neuem aufzeigen. Deutschland hinkt bloß ein paar Jahre hinterher, wie üblich bei gesellschaftlichen Entwicklungen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.11.2018 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40031

Ja, es gibt sicher auch hier sachbezogene Stimmen. Ich meinte aber mehr die größeren, sog. Leitmedien, zu denen ich auch die Neue Zürcher Zeitung rechne.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2018 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40030

Ins Ausland? Das kann nicht Ihr Ernst sein!

Allerdings weisen viele, auch die durchaus wohlmeinende FAZ, auf die Loyalitätspflichten eines politischen Beamten hin. Seehofer sieht es ja inzwischen auch so. Nur die AfD nutzt die Gelegenheit auf ihre Weise.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.11.2018 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40029

Um jemanden zu finden, der endlich einmal über die Fakten selbst spricht, muß man schon ins Ausland gehen. NZZ, 5.11.2018:

Denn in vielem hatte und hat der Jurist recht, auch wenn er mitunter zu scharf formulierte. Es gibt bis heute keine Belege für »Hetzjagden« auf Ausländer in Chemnitz. Weite Teile der Berichterstattung und auch die Kommentare der Kanzlerin und ihres Sprechers zu den Vorfällen waren irreführend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2018 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40019

Zur Antisemitismus-Meldestelle:

Man kann verleumdet werden, ohne es zu wissen. Man kann auch benachteiligt, z. B. bei Stellenbesetzungen übergangen werden, ohne es zu wissen. Man kann aber nicht beleidigt oder gekränkt werden, ohne es zu merken. Die Politische Korrektheit und besonders der Feminismus lenken die Aufmerksamkeit erst auf die vielen Gelegenheiten, sich gekränkt zu fühlen, und ändern damit den Sachverhalt. Die Frauen haben sich jahrhundertlang mit Recht zurückgesetzt gefühlt und darüber geklagt („Das Los der Frauen ist beklagenswert“), aber nie wegen des generischen Maskulinums. Man kann es ihnen „parteilich und niedrigschwellig“ einreden, und plötzlich sind die maskulinen Formen ein Ärgernis. Logischerweise ist es sehr schwer, dem etwas entgegenzusetzen. So hat ja auch die an sich unbegründete Stigmatisierung von Wörtern wie „Neger“ neue Tatsachen geschaffen, mit denen wir uns nun praktisch abfinden müssen, weil sich hier ebenfalls auswirkt, daß die Sprache „nicht nach der Herkunft fragt“ (Eduard Engel). Martin Luther King konnte noch für die Gleichberechtigung der „Negroes“ kämpfen, heute muß man sich anders ausdrücken (bis die Euphemismentretmühle eine Runde weiter ist).

Man kann sich leicht einbilden, ein persönliches Mißgeschick sei durch diskriminierendes Verhalten anderer verursacht. (Ich habe solche Fälle kennengelernt. Erstaunlich viele behaupten heute auch, in der Schule gemobbt worden zu sein.) Wenn es hier keine Möglichkeit gibt, Wahn und Wirklichkeit zu trennen, wird es gefährlich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.11.2018 um 11.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40018

Ich verstehe Maaßen nicht. Eine Rede in einem geheimen Club im Ausland, vor Geheimdienstleuten! Wenn er was zu den Vorwürfen gegen sich zu sagen hat, soll er hier die Dinge offen auf den Tisch legen. Wenn nicht, soll er halt reuevoll den braven Beamten geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2018 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40017

Antisemitische Vorfälle können rund um die Uhr unter http://www.report-antisemitism.de  gemeldet werden. RIAS ist parteilich und orientiert sich an den Bedürfnissen und Wahrnehmungen der Betroffenen, ihrer Angehörigen oder der Zeug_innen eines Vorfalls. (https://twitter.com/Report_Antisem/status/1055145668237496320)

Diese aus öffentlichen Mitteln mitfinanzierte (ausdrücklich als „parteilich“ vorgestellte) Meldestelle will auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeit erfassen. Schirmherr Felix Klein assistiert: »Aus den jüdischen Gemeinden höre ich, dass die subjektive Wahrnehmung der Bedrohung durch muslimisch geprägten Antisemitismus größer ist, als es in der Kriminalstatistik zum Ausdruck kommt.« Deshalb müsse die Kriminalstatistik dringend überprüft, darüber hinaus aber auch ein niederschwelliges bundesweites Erfassungssystem antisemitischer Übergriffe eingeführt werden.

Das Verfahren unterliegt anders als Polizei und Justiz keiner nachprüfbaren Ordnung. Das ist bedenklich und könnte sich als kontraproduktiv (oder selbsterfüllend) erweisen.
Die Denunziationsportale der AfD funktionieren auch nicht viel anders („parteilich“ und „niederschwellig“).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2018 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40016

Zur mutmaßlich bevorstehenden Entlassung des Herrn Maaßen gibt es bei der WELT in kürzester Zeit über 1000 Lesermeinungen, fast alle dieses Inhalts: „So geht es also einem aufrechten Staatsdiener, wenn er die Wahrheit sagt.“ – „Merkel-Diktatur“ usw. Unser Rechtsstaat wird wirklich gut bewacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2018 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#40014

Zu Pompeos Hohn (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1399#40009) paßt Trumps frivoles Game-of-Thrones-Selbstbildnis. Der Niedergang der diplomatischen Sitten verschlägt einem die Sprache.

Aber unterhaltsam ist es schon und daher sicher auch erfolgreich bei einem Publikum, das nicht genau weiß, wo Iran liegt (oder war es Irak? Ist doch egal).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2018 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39964

Zu dieser Meldung gibt es Zuschriften von Lesern, die auch diese Trumpsche Maßnahme vorbildlich finden und meinen, bei uns werde die Staatsangehörigkeit jedem nachgeschmissen.

Bolsonaro findet auch viele Anhänger bei uns, Salvini weniger, weil der zwar auch was für sein Land tut, aber die Deutschen nicht gerade schonend behandelt.

Die Sehnsucht nach einem starken Mann, der unser schönes Deutschland säubert, ist weit verbreitet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2018 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39961

Trump meint, die USA seien das einzige Land mit Jus soli (das er abschaffen will). Die Wirklichkeit sieht anders aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Jus_soli
Es ist auch nicht so einfach, in die USA einzureisen, nur um dort sein Kind zu bekommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2018 um 10.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39909

Der Kommentator der FAZ möchte immer noch offenhalten, daß Khashoggi tatsächlich bei einer Rangelei unbeabsichtigt zu Tode gekommen sein könnte. Dem steht aber entgegen, daß kein Arzt geholt worden ist und die Leiche verschwunden bleibt. Was treibt das Blatt mit seinen Lesern? (Im Feuilleton derselben Ausgabe rechnet Christian Geyer mit den Schönfärbern ab, allerdings wie gewohnt in so schwerer Sprache, daß er sich um die Hälfte der Wirkung bringt.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.10.2018 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39905

Was hat er nur heute wieder angestellt!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2018 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39903

Trump hat Druck auf die irakische Regierung ausgeübt, damit ein Milliardenauftrag nicht an Siemens, sondern an General Electrics geht, und dabei an die 7000 amerikanischen Soldaten erinnert, die im Irakkrieg nicht umsonst gefallen sein sollen. Die Soldaten glaubten wohl, ihrem Eid gemäß für die Freiheit der USA zu kämpfen, nicht für die Geschäfte von GE. Den Hinterbliebenen wird die neue Deutung auch nicht recht gefallen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.10.2018 um 10.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39877

Hat CNN nicht gerade gemeldet, daß Trump selbst die Säge geführt hat?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2018 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39876

Wie Saudi-Arabien mitteilt und Trump gern glauben möchte, ist Khashoggi nach einem Streit im Konsulat verstorben. Wahrscheinlich wurde darüber gestritten, ob er sterben wolle oder nicht. Eigentlich wollte er ja bloß ein paar Papiere abholen; aber darum kann es wohl nicht gegangen sein.
Nach einer früheren Version hat er sich während seiner Vernehmung versehentlich selbst zerlegt, nach einer anderen soll er noch gelebt haben, als er zersägt wurde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2018 um 03.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39869

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39552

Ich hätte auch puhlen in mein Wörterbuch aufnehmen sollen. Es wird ungemein häufig so geschrieben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2018 um 17.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39851

Wenn der Datenschutz wirklich verlangt, die Namen von Klingelschildern zu entfernen, wird es etwas schwierig, jemanden zu besuchen. Ich könnte natürlich alle 64 Klingeln des Wohnblocks gleichzeitig drücken und dann zusehen, ob meine neue Bekanntschaft unter den Alarmierten ist.

Aber ich kann nicht mehr die Klingeln mit ausländischen Namen drücken und dann schnell weglaufen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2018 um 08.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39840

Kaum AfD-Wähler in Spardorf (inFranken.de)

In Spardorf und München leben eben die gescheitesten Deutschen. Es gibt aber auch Unterschiede, zum Beispiel haben wir in Spardorf kein einziges Ladengeschäft. Aber tauschen würden wir trotzdem nicht. Hier wachsen uns nämlich die Feldfrüchte und die Weihnachtsgänse direkt ins Maul.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2018 um 14.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39837

Heute parkte ein neuer VW-Bus vor unserer Tür, mit dem feinen Schiftzug Edition. Vgl.

Der Multivan "Edition" zelebriert einen individuellen Auftritt mit umfangreicher Serienausstattung auf Basis des Multivan Comfortline und vermittelt auf einzigartige Weise sportliche Eleganz. Ausgewählte Lackierungen werden um schwarz gehaltene Flächen und Anbauteile ergänzt.
(https://www.volkswagen-nutzfahrzeuge.de/de/modelle/multivan-edition.html)

Warum dieses merkwürdige Wort? Niemand würde Ausgabe daraufschreiben. Aber es hätte auch Erudition oder Consecration sein können, jedenfalls etwas Fremdes und Unverständliches.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2018 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39833

In Spezialgeschäften kann man „Kalahari-Wüstensalz“ (NaCl) kaufen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.10.2018 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39813

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30960

Im Zusammenhang mit der Heiligsprechung einer verstorbenen Jungfrau im Bistum Limburg wird viel über Fragwürdiges bei den Dernbacher Schwestern und wieder mal über Herrn Tebartz van Elst diskutiert, aber kaum über die Absurdität eines quasi-juristischen Verfahrens zum Nachweis von Wundern. Dabei sollte es keine Rolle spielen, ob beim Wunder (in Indien!) alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Wozu schicken wir unsere Kinder in die Schule, wenn sie dort nicht lernen, daß es keine Wunder gibt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2018 um 11.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39809

Shakespeare weist in „Romeo und Julia“ auf den Unterschied des Gesangs von Nachtigall und Lerche hin. (FAZ 12.10.18 über die Feldlerche als „Vogel des Jahres 2019“)

Sehr komisch, diese Zusammenfassung einer der rührendsten Szenen der Weltliteratur.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.10.2018 um 20.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39740

Natürlich ist der Aufbau Ost sowieso unausweichlich. Deutschland ist überall schön und wertvoll. Deshalb haben auch nicht nur die Ostdeutschen etwas davon.

Ich erwähne das mit der Schuld und gemeinsamen Verantwortung nur, weil es dennoch Westdeutsche gibt, die meinen, es sei im wesentlichen "ihr" Steuergeld, das nach Osten fließt. Es war aber nicht ihre besondere Leistung, im Westen zu wohnen, sondern nur ihr Glück, ohne das sie gar nicht in der Lage gewesen wären, bis zur Wiedervereinigung mehr zu erwirtschaften. Wenn wir ein Volk sind, müssen eben auch Lasten einigermaßen verteilt werden.

Aber ich möchte auch einmal sagen, daß es diesbezüglich überhaupt keinen Grund zu Klagen gibt. Die von Kohl versprochenen "blühenden Landschaften" kann jeder sehen, der die DDR noch kennt. Jedesmal, wenn ich in meine alte Heimat fahre, komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Dort ist es jetzt wie im Westen, soviel eigentlich Bekanntes ist völlig neu zu entdecken. Wir haben früher zu DDR-Zeiten gar nicht gewußt, wie schön es auch im Osten eigentlich hätte sein können.

Manches klappt noch nicht so ganz. Meiner Meinung nach sollte es spätestens 30 Jahre nach der Wiedervereinigung überhaupt keine Unterschiede (z. B. bei der Rentenberechnung) mehr geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2018 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39739

Ja, schon recht. Allerdings bedarf es keiner Betrachtung der Schuldfrage und der Nazi-Herrschaft, um den Aufbau Ost nach der Wiedervereinigung sinnvoll oder sogar unausweichlich zu finden, und er ist ja meines Wissens auch nicht so begründet worden.

Übrigens nimmt wohl niemand an, daß das Geld aus dem Soli-Aufkommen an ostdeutsche Bürger ausgezahlt wird. Trotzdem haben sie natürlich etwas davon.

Es dient der Seelenruhe (Ataraxie), gar nicht erst nachzurechnen, wofür der Staat das Steuergeld und die Extrazahlungen ausgibt. Man kann es ja doch nicht ändern.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.10.2018 um 15.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39737

Ja, genauso sehe ich das. Die kommunistische Herrschaft im Osten war eine Folge des Krieges, den Nazi-Deutschland als Ganzes angezettelt hat. Dadurch ist der Ostteil in einen wirtschaftlichen Rückstand geraten, den wir nun gemeinsam aufarbeiten müssen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2018 um 15.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39736

Obwohl es nicht zu meinem Thema gehört, ist es doch interessant, daß besonders die SPD (wenn ich mich recht erinnere), Steuereinnahmen (ich übergehe feine Unterscheidungen) nicht wiederhergeben will; Umwidmung für andere Zwecke wird seit langem propagiert.

Etwas fragwürdig finde ich die Formulierung:
"den Rückstand im Osten hat auch nicht der Osten allein verschuldet, sondern ganz Deutschland."

- falls Sie nicht pauschal die kommunistische Herrschaft als Folge des Nationalsozialismus im Auge haben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.10.2018 um 12.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39735

Der "Soli" wird oft ein wenig mißverstanden. Es ist ja kein Geld, das Westdeutsche an Ostdeutsche bezahlen. Erstens zahlen nicht nur Westdeutsche, sondern alle (je nach Einkommen), und zweitens bekommen Ossies davon nichts, sondern das Geld ist für den staatlichen Wieder- und Neuaufbau im Osten bestimmt. Das ist natürlich gerecht so, denn den Rückstand im Osten hat auch nicht der Osten allein verschuldet, sondern ganz Deutschland.

Natürlich finde ich auch, daß der Staat die Befristung dieses zweckgebundenen Beitrags einhalten sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2018 um 08.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39734

Gleich dazu, wie es der Zufall will:

Obwohl die 28-Jährige keine Erinnerung an die untergegangene DDR hat, entwickelte sie eine ostdeutsche Identität – aus Trotz und Solidarität, wie sie bekannte. (WAZ 4.10.18)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2018 um 04.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39730

Damit wir die Ossis nach Gebühr loben und ehren und uns auch bei ihnen (wg. Treuhand und Kapitalismus) entschuldigen können, müssen wir sie zunächst einmal identifizieren und von uns abgrenzen. Einmal Ossi, immer Ossi. Sie werden sich wie die Vertriebenen bald in Erlebnis-Ossis und Bekenntnis-Ossis teilen, und zwar für immer, so daß wir auch gern den Soli bis in alle Ewigkeit bezahlen (wie die Staatsleistungen an die Kirche und die Demokratieabgabe fürs Fernsehen). Es gehört jedenfalls zum guten Ton, bei jeder Gelegenheit, aber besonders bei Einheitsfeiern, daran zu erinnern, daß „die Spaltung nicht überwunden ist“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2018 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39721

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36431

Das Google-Doodle zum Tag der deutschen Einheit zeigt die geborstene Berliner Mauer, dementiert also gewissermaßen die staatliche Festlegung des Datums.

Zeitungen bemühen sich redlich, den Lesern zu erklären, daß der 3. Oktober nicht der Tag des Mauerfalls war. Das werden wir Jahr für Jahr erleben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2018 um 07.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39708

Im Tagesspiegel meint Raed Saleh, es sei Zeit, daß sich der Westen beim Osten entschuldige (wegen Treuhand usw.).
Man kann sich denken, wie darüber diskutiert wird. Der Westen und der Osten sind ja keine Subjekte, von denen das eine sich beim anderen entschuldigen könnte. Es bleibt also beim Geschwätz. Wenn man glaubt, daß Fehler oder Vergehen vorgekommen sind, sollte man Roß und Reiter nennen oder eben den Mund halten.
In der Schule sollte sprachliche Hygiene geübt werden. „Weißt du eigentlich, was du da sagst?“ Das ist die wichtigste Frage.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.09.2018 um 19.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39701

Lieber Germanist,
was sollen das für "Einwanderungswellen" gewesen sein, von denen die Ossis nichts mitbekommen hätten?

Siehe z. B.:
https://tinyurl.com/y968cehp

Danach lagen Zu- und Fortzüge nach/von Deutschland in den gesamten 50er Jahren ziemlich gleichauf bei unter 200000/Jahr, der Wanderungssaldo über das ganze Jahrzehnt war so gut wie Null.

Nur in den 60er Jahren bis Anfang der 70er gab es einen im Vergleich zu heute immer noch sehr geringen Zuwanderungsüberschuß von durchschnittlich ca. 1/4 Million/Jahr, wohl vor allem durch die intensive Fremdarbeiterwerbung. Mit dem Prager Frühling 1968 hatte das im wesentlichen nichts zu tun, und mit Tito nur, insofern er den Angeworbenen keine Steine in den Weg legte.

Sie schreiben ja selbst, es habe mit der heutigen Zeit nichts zu tun, aber warum erwähnen Sie dann diese "früheren Einwanderungswellen" überhaupt?
Ich kann darin wieder nur den Versuch sehen, die heutigen Migrationsprobleme zu bagatellisieren.

Nicht nur die Dimensionen der Einwanderung sind heute völlig anders als zu Zeiten der alten Bundesrepublik, sondern auch die Zusammensetzung der Migrationsströme hat sich vollkommen verändert. Bis Anfang der 90er Jahre (einschl. der Spätaussiedler) handelte es sich vor allem um Zuzügler aus christlichen oder weitgehend schon säkularisierten Kulturen. Seitdem aber ziehen hauptsächlich ganze islamische Völker westwärts bzw. nach Norden. Diesen großen quantitativen UND qualitativen Unterschied können Sie doch nicht einfach unter den Tisch kehren, so etwa nach dem Motto "Kein Problem, hatten wir doch alles schon mal".
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.09.2018 um 13.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39699

Es hat nichts mit der heutigen Situation zu tun, weil die als singuläres Ereignis angesehen wird. Aber von früheren Einwanderungswellen nach Westdeutshland haben die Ossis nichts mitbekommen: 1953 nach dem 17. Juni; 1953 nach der Installation des Schahs von Persien duch die Briten und die USA; 1956 nach dem Aufstand in Ungarn; 1968 nach dem Prager Frühling; unter der Herrschaft Titos in Jugoslawien. Vermutlich wurde das im Ostblock totgeschwiegen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.09.2018 um 10.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39698

Zu #39691: Die Angabe »Münchner« sagt in der Tat nichts über die Ethnizität aus, nicht einmal andeutungsweise. Aber da es um den Todesfall auf dem Oktoberfest geht, wird damit klargestellt, daß es sich um einen ortsansässigen Besucher des Spektakels handelt, nicht um einen Touristen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2018 um 08.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39696

Mal wieder eine Selbstanzeige:

Von der koreanischen Lyrikerin Kim Huran gibt es bisher nichts auf deutsch. Das ändert sich aber gerade: Zur Buchmesse erscheint unsere zweisprachige Auswahl, wieder im Ostasien-Verlag: "Im Schatten der Stille". Es ist eine Art Frauenlyrik und bestens als Geschenk für Ihre Liebste geeignet. (Meine Frau und meine Töchter finden das auch.)

Der fünfte Band unserer Übersetzung von Hwang Tong-gyu ist auch praktisch fertig, aber wir haben ihn wegen Kim Huran etwas zurückgestellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2018 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39692

Trivial ist es genau deshalb nicht, weil sich eine Kultur des Verdachts ausgebreitet hat und von gewissen Menschen gepflegt wird, die eine – oft vorbeugende – Antwort nahelegt.

Schon bevor man die Ursache der Brandes in einem Bamberger Ankerzentrum zu untersuchen angefangen hatte, wußten einige Bescheid und äußerten sich öffentlich – in gewohnter Anonymität – mit vielsagenden bis höhnischen Andeutungen.

Und wenn alles nicht klappt, kommt unvermeidlich dieser letzte Punkt: "Daß ich den wenn auch falschen Verdacht hegen konnte, zeigt doch nur, wie schlimm die Lage ist."

Ich habe es aufgegeben, mit solchen Leuten zu diskutieren; jede Bitte um Mäßigung ist vergeblich.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.09.2018 um 00.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39691

Laut "tz" handelt es sich bei dem [des Totschlags] Verdächtigen um einen 42-jährigen Münchner.
(Focus online, 29.9.18)

Was soll uns dieser Satz sagen? Wörter wie Münchner sind mittlerweile genauso sinnentleert wie das Wort Deutscher.

Einziger Zweck dieses Satzes ist, den Leser zu beschwichtigen, ihm zu suggerieren, der Täter sei eventuell ein Mann mit deutschen Wurzeln, deutscher Nationalität. Ja, kann gut sein. Aber warum ist es notwendig, eine solche triviale Eventualität zu betonen? Vielleicht, weil sie doch nicht so trivial ist?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.09.2018 um 00.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39688

zu 39684: genau das Menschenbild des katholischen Frühmittelalters;
Erhaltung angeborener Standesrechte

Was Sie mir unterstellen, habe ich nicht geschrieben. "Platz und Aufgabe, Rechte und Pflichten" habe ich wesentlich weitgefaßter gemeint, ich wollte es nur gegen allgemeine Humanitätsduselei abgrenzen. Es kann nicht jeder machen, was er will, man muß auch die Wünsche der Mitmenschen respektieren.
Wie gesagt, für mich ist Humanismus kein historisch sich entwickelnder Begriff. Alle Menschheitsepochen waren mehr oder weniger humanistisch als andere.

zu 39683:
Wer sich heute auf sein "humanistisches Menschenbild" beruft, lehnt Sklaverei und Todesstrafe ab, ebenso jede Staatsreligion, fordert die Gleichberechtigung der Geschlechter, findet das Aussetzen Neugeborener natürlich schauderhaft usw.

Was wäre an alldem zu beanstanden?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.09.2018 um 23.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39687

zu 39674:
Merkel hat keine offizielle Einladung geschrieben oder verlesen. Aber die ganze Welt hat ihre Politik als Einladungspolitik verstanden.

zu 39682:
Niemand hat wörtlich verkündet: "Kommt alle her, wir teilen alles mit allen." Aber jeder, der sich mit Auswanderungsgedanken trug oder trägt, darunter besonders viele Menschen in Afrika und Asien, hat die deutsche (Merkelsche) Politik in diesem Sinne verstanden. Siehe auch hier:

Gesteuert von sogenannten Aktivisten formulierte die Linkspolitik in Berlin die politische Forderung, dass jeder Flüchtling, der das Land erreicht, ein sofortiges Bleiberecht und innerhalb von drei Tagen eine Wohnung erhält und natürlich auch gleich eine Erwerbstätigkeit aufnehmen kann. Da kann ich dann nur sagen: Ihr Mühseligen und Beladenen dieser Welt, schaut auf dieses Land, sucht euch einen Schlepper, und der Weg wird gefunden. Das wäre eine Art Konjunkturprogramm für die organisierte Kriminalität.
(H. Buschkowsky, Die andere Gesellschaft, Ullstein 2014, S. 168)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.09.2018 um 15.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39684

"Jeder Mensch hat seinen Platz und seine Aufgabe" ist genau das Menschenbild des katholischen Frühmittelalters, als es um die Erhaltung angeborener Standesrechte und nicht um persönliche Leistungen ging. In der Spätantike konnten römische Sklaven bei besonderer Leistung freie Bürger mit allen Rechten werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2018 um 15.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39683

Wer sich heute auf sein "humanistisches Menschenbild" beruft, lehnt Sklaverei und Todesstrafe ab, ebenso jede Staatsreligion, fordert die Gleichberechtigung der Geschlechter, findet das Aussetzen Neugeborener natürlich schauderhaft usw. - alles schön antik oder?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2018 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39682

Ich verstehe gar nichts mehr. Was ist denn das antike Menschenbild des Humanismus? Bei Sonntagsreden höre ich immer gleich weg, und aus meiner Lektüre antiker Texe ist mir "das" Menschenbild nicht in Erinnerung.

(Und gegen wen wendet sich die Zurückweisung von "Kommt alle her, wir teilen alles mit allen?" Hat das im Ernst jemand verkündet? Aber das nur nebenbei, ich werde darauf nicht noch einmal eingehen.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.09.2018 um 14.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39681

Was ist Menschlichkeit, kann sich dieses Verständnis über Jahrhunderte und Jahrtausende grundlegend ändern? Ich wüßte nicht, wie, ich meine, nein. Humanismus ist ein Ideal, das wird es immer bleiben, und es wird nie abgeschafft.

Aber, um es bildlich auszudrücken, Gott hat nun einmal nicht nur das Gute geschaffen, eine nur gute Welt wäre unmöglich, undenkbar, nicht existenzfähig.
Es gibt immer Gegensätze, die miteinander streiten, bis hin zum Unmenschlichen.

Deshalb dürfen wir unsere Ansichten nicht halbblind nur aus einer humanistischen Halbwelt schöpfen, sondern wir müssen immer die gesamte Realität im Auge haben.

Also nicht "Kommt alle her, wir teilen alles mit allen", das ist realitätsfern, sondern jeder Mensch hat seinen Platz und seine Aufgabe, seine Rechte und Pflichten.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.09.2018 um 13.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39680

Ich glaube, meine "merkwürdigen" Ansichten stammen aus dem Humanistischen Gymnasium, das damals (nach dem Krieg) noch dem antiken Menschenbild des Humanismus verpflichtet war, auch um sich vom "Deutschen Menschenbild" des 3. Reiches abzusetzen. Das humanistische Menschenbild von damals paßt ja nun überhaupt nicht mehr und gehört abgeschafft.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.09.2018 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39678

»Betreiben« kann sie vieles, aus welchem Grund auch immer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2018 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39674

Maaßen steht tatsächlich für mehr. Er hat mit Beginn der Flüchtlingskrise zu verstehen gegeben, dass er die Einladungspolitik der Kanzlerin für pathologisch hält. Das geschah bis zuletzt mit Billigung des (jeweiligen) Bundesinnenministers. Andere hohe Beamte hatten ebenfalls große Bedenken, was es bedeutet, wenn Hunderttausende aus Krisengebieten unkontrolliert ins Land kommen, teils mit dem Recht, die Großfamilie nachzuholen und einen Anspruch auf Einbürgerung zu erwerben. (Reinhard Müller FAZ 24.9.18)

Ein einsamer Leserbrief stellt richtig: Es gab nie eine "Einladungspolitik" usw., aber das ist schon egal.

Mit „Einladungspolitik“ übernimmt Müller einen Ausdruck, den Sebastian Kurz 2015 geprägt hat:
„Es braucht ein Ende der Einladungspolitik“, sagte Kurz der in Wien erscheinenden „Kleinen Zeitung“. (FAZ 31.10.15)
„Die Einladungspoitik war falsch.“ (Kurz im SPIEGEL 30.12.16)
Kurz hat den Ausdruck noch öfter gebraucht, er ist vor allem in Österreich üblich geworden. Damit ist die Behauptung verbunden, Merkel habe die ganze Welt, darunter 1 Mrd. Afrikaner, nach Deutschland eingeladen. Als Motiv wird ihr entweder der deutsche moralische Hochmut unterstellt (der Welt zu beweisen, daß wir die Besten sind) oder geradezu die Absicht, Deutschland abzuschaffen. Beides ist der kommunistischen Pfarrerstochter zuzutrauen. Fertig ist das Weltbild.

Wenn sogar die Merkelhasser bei der FAZ zugeben, daß Maaßen es an Loyalität gegenüber der Kanzlerin fehlen ließ, hatte sie das verfassungsmäßige Recht, seine Versetzung zu betreiben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2018 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39673

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39671

Trotz der Anführungszeichen sollte man nicht übergehen, daß es sich hier nicht um einen Strafprozeß handelt, sondern um Politik. Weder der Minister noch die Bundeskanzlerin müssen ein Vergehen oder eine andere Begründung angeben. Es genügt der Eindruck mangelhafter Loyalität. S. "Politischer Beamter" bei Wikipedia.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2018 um 05.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39672

In Reformhäusern kann man für viel Geld ungereinigten Rohrzucker kaufen, als sei es eine Kostbarkeit; wegen der bräunlichen Farbe sieht er auch gesünder aus als der schreckliche „Fabrikzucker“. („Der braune Zucker weist gegenüber Weißzucker keine wesentlichen physiologischen Vorteile auf. Das Vorkommen verunreinigender Fremdstoffe wird kritisch diskutiert.“ Wikipedia)

(Am Rand indischer Landstraßen kann man altertümliche handbetriebene Pressen sehen und sich ein Glas frischen Zuckerrohrsaft zubereiten lassen. Er enthält weniger Zucker als Limo oder Cola, ist aber wegen der mangelhaften Hygiene keinesfalls zu empfehlen.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.09.2018 um 22.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39671

zu Herrn Achenbach,#39669:
Das ist richtig. Die Zeitungen schreiben zwar, sie habe Fehler eingestanden, tatsächlich hat sie aber weder einen konkreten Fehler genannt noch überhaupt das Wort "Fehler" in den Mund genommen. Sie habe zuwenig an das gedacht, was die Menschen bewegt, und das bedaure sie sehr. Allenfalls gesteht sie indirekt Fehler ein, indem sie sagt, daß die Koalition ihre erste Entscheidung korrigieren mußte.

Das Ganze ist kafkaesk. Es wird gegen einen Mann verhandelt, ohne daß klar gesagt wird, was er eigentlich verbrochen haben soll. Der sachliche Hintergrund, Schuld oder Unschuld spielen dabei gar keine Rolle. Der "Angeklagte" verteidigt sich nicht und will das auch gar nicht. Im ganzen Prozeß geht es ausschließlich um die Art der "Strafe", die zwar nicht wirklich eine sein darf, aber beim dummen Michel unbedingt den Anschein einer Strafe erwecken muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2018 um 19.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39670

Die katholische Kirche tut Buße (t-online.de 26.9.18)

Ein Schuldeingeständnis ist vielleicht die Voraussetzung der Buße, aber nicht schon diese selbst. Allerdings gehört schon das Aufsagen von Gebeten zu den kirchlichen Bußübungen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 26.09.2018 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39669

Am Dienstag macht die FAZ mit der Schlagzeile auf:

„Merkel gesteht Fehlverhalten im Fall Maaßen ein.“

Allerdings stimmt das nicht. Die Bundeskanzlerin hat nicht einmal ausdrücklich einen Fehler eingestanden, geschweige denn ein „Fehlverhalten“.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.09.2018 um 14.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39656

An den Superrechnern ist auch ein gutes Stück Augenwischerei.

Wikipedia:
Moderne Hochleistungsrechner sind vor allem Parallelrechner. Sie bestehen aus einer großen Anzahl an miteinander vernetzten Computern.
...
Auf einem Supercomputer können nicht unmodifiziert die gleichen Programme wie auf einem gewöhnlichen Computer laufen, sondern speziell abgestimmte Programme, die die einzelnen, parallel arbeitenden Prozessoren beschäftigen.


Eine große Menschenmenge kann mit einem Verband aus 10 PKW natürlich schneller als mit nur einem PKW oder auch einem Autobus transportiert werden. Trotzdem ist jeder einzelne PKW bei dieser Aufgabe wiederum nicht so schnell wie ein Autobus.

10 Tonnen Sand kann man mit mehreren kleinen Transportern viel schneller transportieren als mit einem großen, aber eine einteilige 10 Tonnen schwere Statue kann man mit kleinen Transportern gar nicht fahren.

Diese Beispiele lassen sih auch auf Computer übertragen. Ein großer, etwas langsamerer Computer kann also einem "Superrechner" durchaus weit überlegen sein. Es hängt von der Aufgabe ab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2018 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39648

Der neue Garchinger SuperMUC-NG verfügt über 700 Terabyte Hauptspeicher und 27 Petaflop Geschwindigkeit. - Thomas O. Höllmann, der Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, machte auch deutlich, dass der Garchinger Computer mit den chinesischen Maschinen nicht mithalten kann und muss, „weil unser Supercomputer nicht dazu da ist, die Bürger zu überwachen.“
Klingt nach sauren Trauben. Und man gehört auch gleich noch zum besseren Teil der Menschheit.
Aber mehrere Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde sind doch auch schon etwas.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.09.2018 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39640

Ich meine, nur daß eine Partei nicht Ihre persönlichen Vorstellungen bestimmter Wörter erfüllt, macht diese Wörter noch nicht zu Orwellschem Neusprech.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.09.2018 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39639

Lieber Germanist,

wenn man ein Auge zudrückt und aufrundet, könnte man wohl sagen, die Bundesrepublik Deutschland ist 70 Jahre alt.

Aber was war dann "70 Jahre in der BRD"?

Und was hat das damit zu tun, ob "Heimat" usw. Orwellscher Neusprech ist?

Könnten Sie sich nicht bitte etwas klarer ausdrücken?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.09.2018 um 14.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39638

70 Jahre in der BRD.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 23.09.2018 um 13.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39637

Lieber Germanist, könnten Sie begründen, warum Sie u.a. "Heimat", "christlich" und "sozial" für Orwellschen Neusprech halten?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.09.2018 um 12.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39636

"Heimat" ist genauso Orwellscher Neusprech wie "christlich", "sozial" usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2018 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39635

Bei Ministerien für innere Sicherheit, Regionalentwicklung, Verteidigung usw. weiß man gleich, welche Aufgabe sie haben. Aber nun werden überall Ministerien für "Heimat" gegründet oder entsprechend umbenannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2018 um 07.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39614

Interview mit "Wissenschafts-Superstar Yuval Harari"
(https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_84478722/yuval-noah-harari-viele-menschen-werden-wirtschaftlichen-wert-verlieren.html)

Na ja, er ist halt ein Bestseller-Autor, aber nach Lektüre von "Sapiens" sind wir auch nicht klüger als zuvor. Stark überschätzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2018 um 17.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39558

Auch die FAS bespricht im Wissenschaftsteil (zusammen mit Pinkers neuem Buch) das letzte Werk Hans Roslings.
Zuvor hatten u. a. Thomas Steinfeld und Walter Krämer darüber geschrieben:

https://www.sueddeutsche.de/kultur/factfulness-genug-gejammert-1.4006542?reduced=true

https://www.achgut.com/artikel/duemmer_als_schimpansen

Die Leute, die es angeht, sind leider Argumenten nicht zugänglich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2018 um 17.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39556

Zum 1. Juli 2018 ist in den Niederlanden der gesetzliche Mindestlohn erneut erhöht worden. Er beträgt nun EUR 1.594,20.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.09.2018 um 13.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39555

Man müßte die Krabben doch bloß nach Holland schicken, wo es genügend Marokkaner gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2018 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39552

„Tagesfang“ bietet eine Fischgaststätte auf Juist, obwohl die Insel keine Beziehung zur Fischerei mehr hat und der Fisch aus der Tiefkühllieferung von Festland kommt.

Ein Fischhändler bestätigt, daß die „Nordseekrabben“ zwar in der Nordsee gefangen werden, zwischendurch jedoch zum Pulen nach Marokko reisen. Wie gerade zu lesen ist, wollen die Ostfriesen das Pulen wieder selbst übernehmen und dadurch höhere Preise erzielen. Diese Premium-Produkt soll dann „Wattenmeerkrabbe“ heißen: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Ostfriesland-will-wieder-selbst-Krabben-pulen-article20317438.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2018 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39529

Die Westfälische Rundschau nutzt den "Tag der deutschen Sprache", um mit einem Quiz Werbung für den Duden und die Rechtschreibreform zu machen:
https://www.wr.de/panorama/seid-oder-seit-testen-sie-ihr-deutsch-im-rechtschreib-quiz-id215281591.html

Journalisten sind biegsam.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2018 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39464

Ich bin früher als jeder andere am Strand! (Und ich meine auch nicht nur den gepflegten Abschnitt Badestrand, sondern die ganzen 17 km unserer Insel.)

Allerdings muß ich mich korrigieren, weil ungünstige Winde inzwischen viele dieser weißlichen Brocken herangeweht haben, die ich früher kaum gesehen habe und die sich als Paraffin erwiesen haben, das die Schiffe bei der Tankreinigung außerhalb der 12 Meilen über Bord gehen lassen dürfen, jedes Jahr viele tausend Tonnen – eine Sauerei, gegen die hoffentlich bald etwas unternommen wird.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.09.2018 um 11.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39463

Vielleicht wird ja frühmorgens auch nur besser aufgeräumt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2018 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39461

Alles wird schlechter. Aber manches wird auch besser.

Der Anteil der Haushalte, die am Monatsende 500 Euro und mehr übrig haben, ist in den letzten zehn Jahren kräftig gestiegen: Von 22 Prozent auf aktuell 34 Prozent. (FAS 26.8.18 nach Allensbach)

Auch wird der Nordseestrand immer sauberer. Ich schätze, daß nur noch ein Prozent des Mülls angeschwemmt wird, den man noch vor 25 Jahren nach jedem Hochwasser fand: Ölkanister, Fischkästen, Gummihandschuhe von den Bohrinseln, Getränkepackungen, Fleischsalatdosen usw., auch das Öl selbst - es ist erstaunlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.08.2018 um 04.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39311

Leser aus der bekannten Ecke loben die amerikanische Regierung, die sich für die Freilassung ihrer Bürger (Andrew Brunson) einsetze, im Gegensatz zur Merkel-Regierung (Deniz Yücel). Andere erinnern daran, daß Brunson schon doppelt so lange inhaftiert ist wie Yücel und anders als dieser immer noch nicht frei ist. Auch hänge der plötzliche gigantische Einsatz der amerikanischen Regierung für den Pastor vielleicht mit den evangelikalen Wählern zusammen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2018 um 04.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39300

Von antiken Texten kennen wir normalerweise nur die Titel und nehmen es als zwar bedauerlich, aber verständlich hin. Um so erstaunlicher, daß auch heute noch Texte einfach so verlorengehen, zum Beispiel Thorstein Veblens Dissertation:

Veblen’s dissertation has been missing from Yale since 1935. (Wikipedia)

Zu der Zeit war Veblen weltbekannt. Heute sprechen viele von "conspicuous consumption" und wissen gar nicht mehr, woher es kommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2018 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39259

Der Kölner Stadtanzeiger brachte einen platten Artikel von Harry Nutt, verziert mit acht Beispielen für Reformschreibung, von denen genau die Hälfte falsch war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2018 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39258

Nachlese:

Was gab es für Aufwallungen, als in Deutschland vor einem guten Vierteljahrhundert begonnen wurde, die deutsche Schriftsprache zu reformieren. Doch bei allem Detailgemeckere: Die Aufräumarbeiten haben einiges klarer gemacht, um das mit Dynamit beladene Wort Logik im Zusammenhang von Sprache und Schrift zu vermeiden – mag man auch streiten, ob es unter optischen Gesichtspunkten schön ist, mit sogenannten Drillingen zu tun zu haben, wie bei der viel bemühten Schifffahrt. Klar, die Schifffahrt ist beliebt, aber heute eher als Kreuzfahrt. Auch die Stalllaterne werden Autofahrer selten benutzen. Erfreulich, dass es seit 20 Jahren "Gruß und Kuss" heißt – eine maßvolle Entscheidung. Man lese nur Schweizer Zeitungen. (Götz Thieme, Stuttgarter Nachrichten)

Die Stuttgarter Nachrichten informierten vor 20 Jahren allerdings auf einem anderen Niveau (Rainer Nübel).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2018 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39257

Nun haben die Medien ihrer lästigen Pflicht genügt und können das peinliche Thema ein paar Jahre vergessen. Manche haben gleich noch ein billiges Quiz angehängt, das uns die neuen Schreibweisen als die einzig richtigen unterjubelt.

Häufigstes Beispielwort – oft schon in der Überschrift – war Majonäse, und damit ist eigentlich alles gesagt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2018 um 10.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39241

Eigentlich ist es egal, was die Zeitungen zum wirklichen oder vermeintlichen Jahrestag der Rechtschreibreform schreiben. Nur ein Beispiel:
https://www.morgenpost.de/vermischtes/article214982495/20-Jahre-Rechtschreibreform-als-dass-zu-dass-wurde.html

Die Zeitung spricht mit Schlobinski, der wie gewohnt antwortet: „Orthografiedefizite mit der Reform zu koppeln, halte ich für widersinnig.“ Es gebe keine Studie, die einen kausalen Zusammenhang beweise. (...) An eine Überarbeitung der aktuellen Rechtschreibung sollte sich jedenfalls so schnell niemand mehr wagen, findet Schlobinski. „Der Drops ist gelutscht.“
(Er saß im Rechtschreibrat, will aber offenbar seine Ruhe haben.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2018 um 04.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39220

Die "Einladung an alle Beladenen dieser Erde" (darunter eine Milliarde Neger, nicht wahr?), nach Deutschland zu kommen, ist die böswillige Extrapolation einer Entscheidung, die unter ganz bestimmten Umständen (Ungarn, Österreich, 3000 Syrer) im Bundeskanzleramt getroffen wurde. Diese Interpretation wurde dann in überschaubaren und wohlbekannten Kreisen unermüdlich wiederholt und weitergetragen. Dagegen kann sich niemand wehren; es wird sicherlich von Zeitgeschichtlern aufgearbeitet werden, aber das nutzt auch nicht mehr viel.

Ich glaube nicht, daß ich die Bundesregierungen unter Merkel unkritisch sehe, habe ja auch noch nie Union gewählt; aber das gute philologische Prinzip der wohlwollenden Interpretation hält meine Abneigungen im Zaum (hoffe ich wenigstens). Geht hin und tut desgleichen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2018 um 04.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39219

"Mußte"? Von mir nicht, auch nicht von Herfried Münkler und vielen anderen. Mit einer so windigen Konstruktion kann man sich nicht auseinandersetzen.

Immerhin gibt es seriöse Erinnerungen daran, was damals wirklich geschah.

Ich bin aber mit dem Ergebnis zufrieden, daß offenbar kein Beleg für ein "Einladung an alle Beladenen dieser Erde" aufzutreiben ist.

(Eigentlich eine Variation des bekannten Schemas: "Ich habe mich zwar geirrt, aber daß ich mich irren konnte, zeigt nur, wie schlimm die Lage ist" usw.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.07.2018 um 23.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39218

Ich nehme an, daß sie eine solche Einladung nie ausdrücklich ausgesprochen hat. Sie hat aber so geredet und so gehandelt, daß sie weltweit in diesem Sinn geradezu verstanden werden mußte, und anschließend nicht rechtzeitig und energisch gegengesteuert.

Das war bei einer so erfahrenen und vorsichtigen Politikerin ein erstaunlicher und umso unverzeihlicherer Fehler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2018 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39211

Das mag so sein, aber ist die "Einladung an alle Beladenen dieser Erde" eigentlich belegt? Wenn ich recht sehe, hat Merkel ihre Entscheidung später mehrmals erläutert. Vielleicht handelt es sich um die – nicht gerade wohlwollende – Interpretation einer etwas anders lautenden Äußerung?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.07.2018 um 22.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39210

Da drängt sich mir ein Vergleich mit der „Willkommenskultur“ auf.

Ich vermute, daß eine große Mehrheit (nicht nur) der CDU-Politiker insgeheim glaubt, daß Frau Merkel einen riesigen Fehler begangen hat, als sie eine – zudem ganz ausdrücklich unbegrenzte – Einladung nach Deutschland an alle Beladenen dieser Erde ausgesprochen hat.

Sie trauen sich aber nicht, entsprechend zu handeln, weil sie um ihre eigenen Wahlchancen fürchten. Niemand wagt es, den Tyrannenmörder zu spielen. Im Gegenteil glauben sie, wider ihre eigene Überzeugung die Entscheidung der Bundeskanzlerin als humanitäre Großtat rühmen zu müssen.

Selbst die Leute, die Leserbriefe an die „Welt“ schreiben, sind nicht so blöd, diese Falschheit nicht zu durchschauen.

Da sollte sich niemand wundern, wenn das Vertrauen in die Politik weiter zurückgeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2018 um 17.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39209

Die Mitglieder des Rechtschreibrats, die Geschäftsführerin, der Direktor des IDS, die Duden-Redakteure, die Ministerialräte der Schulministerien und viele andere dürften fast ausnahmslos wissen, daß die Rechtschreibreform nichts taugt und ihr Ziel verfehlt hat. Aber das dürfen sie nicht sagen. Lieber sagen sie gar nichts. – Diese Heuchelei stößt ab; man möchte mit keinem dieser Menschen zu tun haben, die einem nicht in die Augen sehen können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.07.2018 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39208

Nächste Woche wird man sehen, daß die deutschen Medien den zwanzigsten Jahrestag der Rechtschreibreform begehen, die Österreicher den zehnten, obwohl es sich natürlich um dieselbe Reform handelt. Die unterschiedliche Zeitrechnung hängt mit dem amtlichen Inkrafttreten und den Revisionen zusammen, aber eigentlich sind beide Daten irrelevant. Wesentlich war nur, daß praktisch alle Schulen am 1.8.1996 mit der Reformschreibung begannen und die Reformer sofort und erst recht zwei Jahre später sagen konnten: "Die Schüler schreiben schon reformiert, eine Rücknahme der Reform ist nicht mehr zumutbar, weil sie auf dem Rücken der Schüler ausgetragen würde." Das war die schärfste Waffe der Reformdurchsetzer, oder sogar die einzige, nachdem sie längst eingesehen hatten, daß die Reform Mist war und sich inhaltlich nicht verteidigen ließ.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 21.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39198

Statt sich mit der Sache selbst zu beschäftigen, fragen allzu viele mit gespielter Überlegenheit, warum über die Rechtschreibreform so gestritten wurde. So entgeht man nebenbei der Gefahr, womöglich selbst zum Reformkritiker zu werden und sich Ärger einzuhandeln.
Manche treiben es wissenschaftlich: "Der Diskurs über die Rechtschreibreform" o. ä.
Ich kann gar nicht sagen, wie satt ich das habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39194

Auch die Funke-Mediengruppe fragt an: Ob ich erklären könne, warum die Diskussion um die Rechtschreibreform so emotional geführt wurde usw.
Ich wüßte meinerseits gern, warum die Zeitungsverlage unsere ganz unemotionalen Gegenargumente nicht beachtet haben. Warum haben sie gegen hoffentlich bessere Einsicht und gegen den Wunsch von 90 Prozent ihrer Leser umgestellt? Warum bemerken sie nicht die verminderte Qualität ihrer eigenen Texte bis zum heutigen Tage?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.07.2018 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39190

Eine bekannte Zeitung fragt an, ob ich zu einem Gespräch über Erfolg und Mißerfolg der Rechtschreibreform bereit sei.
Nein, bin ich nicht. Ich habe Hunderte solcher Gespräche hinter mir, Pflichtübungen für Journalisten, aber nicht für mich. Durch ihre gedankenlose und unterwürfige orthographische Praxis annullieren die Zeitungen alles, was ich an guten Argumenten vorbringen könnte. Ohne es ausdrücklich sagen zu müssen, stellen sie mich als kuriosen Sonderling dar, der nicht mit der Zeit gegangen ist. Nein, danke!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2018 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39177

Die christliche Mehrheit sucht unter Vorwänden die muslimische Minderheit einzuhegen. Manchmal sind es Bauvorschriften (gegen Minarette), manchmal Volksentscheide über die Vergabe kommunaler Grundstücke (gegen Moscheebau). Viele finden es auch „demokratisch“, wenn die Mehrheit über die Religionsausübung einer Minderheit bestimmt. Grundrechte, die Mehrheitsentscheidungen entzogen sind, scheinen ein Fremdkörper im radikaldemokratischen Denken zu sein und sind nicht besonders tief verankert.

Haben die Briten für den Brexit gestimmt? Oder nicht doch eher für Schlagworte und für die sprichwörtliche Katze im Sack, der sich erst allmählich öffnet und einen Blick ins Innere gewährt? Vgl. https://www.counterpunch.org/2018/07/23/what-boris-johnson-doesnt-know-about-british-history/
Auch Regierungen und Parlamente machen Fehler, aber die retardierende Wirkung nicht-plebiszitärer Verfahren kann heilsam sein. Gerade der Interessenausgleich, das Kompromißhafte der „normalen“ Politik scheint mehr Intelligenz und mehr Wissen einzubringen als das hitzige Plebiszit.
 
 

Kommentar von Theodoer Ickler, verfaßt am 20.07.2018 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39152

Der eigentümliche Belag auf Teilen von Donald Trumps Gesicht hat schon manchen Kommentar hervorgerufen, auch "Donald Trump make-up tutorials" bei Youtube usw.

Das ist lustig, aber bei einem Mann in dieser Stellung irgendwie auch bedenklich, ebenso wie das tägliche Getwitter. Man ahnt bei all dem Wirbel eine gewisse Einsamkeit, die allerlei sonderbare Blüten treiben könnte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.07.2018 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39146

Die Bezeichnung Kuhhandel oder eine ähnlich abwertende wäre dann viel eher angebracht, wenn der Afghane wirklich nach Deutschland zurückgenötigt und ihm danach hier mitgeteilt würde, jetzt sei das Verfahren endlich rechtsstaatlich abgeschlossen und er müßte wieder zurück nach Afghanistan.

Eigentlich wäre so ein Ablauf kaum vorstellbar, das heißt, wenn er von den Behörden auf Staatskosten erst einmal zurückgeholt sein würde, entstünde ein erheblicher öffentlicher Druck auf das Gericht, die frühere Entscheidung unabhängig von Sachgründen zu revidieren.

Deshalb ist, so wie die Dinge nun liegen, erst eine Entscheidung und danach Handeln gefragt. Das gleiche gilt im Falle des Tunesiers. Das bedeutet ja nicht, daß man damit die früheren Verstöße der deutschen Behörden gegen das geltende Recht gutheißt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.07.2018 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39144

Es wurde ein formaler Fehler gemacht, der natürlich auf eigene Kosten (des Staates bzw. Steuerzahlers) zu beheben ist, falls sich herausstellt, daß es sich auch um einen sachlichen Fehler handelt.

Aber ist zur Entscheidung über den Fall die persönliche Anwesenheit des Klägers wirklich unbedingt nötig oder wäre sie ein Vorteil für diesen? Die Fakten liegen auf dem Tisch. Da er nun einmal nicht mehr im Lande ist, sollte die Sache in einem vorgezogenen Verfahren sofort entschieden werden. Wenn dabei seinem Einspruch tatsächlich stattgegeben würde, bekäme er Asyl und das Angebot, ihn auf Staatskosten zurückzubringen. Wenn aber der Gerichtsentscheid negativ ausfällt, wäre alles bereits in Ordnung und die für ihn aufwendige und für uns teure Her- und wieder Hinreise könnte entfallen.

Ist das nicht das, was man gemeinhin als gesunden Menschenverstand bezeichnet?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2018 um 11.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39142

Behörden haben sich an das geltende Recht zu halten, da ist kein Raum für einen Kuhhandel. Was soll daran irre sein? Falls ich mal vor dem Verwaltungsgericht klagen sollte, würde ich auch keine kostensparende Beschneidung meiner Rechte wünschen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.07.2018 um 09.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39141

Das Irre ist, daß der Afghane höchstwahrscheinlich nur zu dem Zweck zurückgeholt wird, um ihm kurz danach mitzuteilen, daß sein Einspruch gegen die Ablehnung seines Asylantrags ebenfalls abgelehnt wird. Und dann muß er wieder gehen, wieder auf Steuerzahlerkosten.

Wie wäre es, wenn erst über seinen Einspruch entschieden und er danach ggf. zurückgeholt würde?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2018 um 08.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39139

Ich habe zwar auch erst gestutzt, als ich Söder mit dem Nachtsichtfernglas zur bayerisch-österreichischen Grenze spähen sah, aber der eigentliche Gag besteht ja darin, daß uns überhaupt vorgeführt wird, wie der Landesvater höchstpersönlich nach illegalen Grenzverletzern Ausschau hält. Fast könnte man meinen, die Hilfspolizei sei nur eingerichtet worden, um solche schönen Bilder zu ermöglichen. Kim späht auch so gen Süden.

Daß ein zu Unrecht abgeschobener Afghane zurückgeholt werden muß, geht sämtlichen Leserbriefschreibern gegen den Strich. Aber die Behörde hat es verbockt, und sonst scheuen wir weder Zeit noch Geld, um dem Recht zum Sieg zu verhelfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2018 um 16.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39133

Aber gehört Grammatik auch zur Sprache? Eben waren es noch die Wörter, die für uns Sprache sein sollten. Jetzt kommt noch die Grammatik hinzu. Die 341 Regeln, die Konrad Duden festgehalten hat, werden die wenigstens von Ihnen kennen und aufsagen können – und trotzdem beherrschen wir die deutsche Sprache. (https://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/mitarb/jf/Funke_1999_Sprache&Denken.pdf)

Stimmt, ich kenne sie auch nicht.
 
 

Kommentar von Red., verfaßt am 17.07.2018 um 21.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39127

Diese Kuriosität paßt ganz gut in diesen Strang.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2018 um 02.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39104

Die Einsatzkräfte mussten nach dem Einsatz von Seelsorgern betreut werden. (Der Westen 16.7.18)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.07.2018 um 22.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39103

Der Grudnian hat seinerzeit auch den Zerfall des Warschauer Pakts mißfällig aufgenommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2018 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39097

Trump verändert die Sprache der Politik und die Umgangsformen.
Wie Jonathan Freedland im Guardian darlegt (und Volker Zastrow in der FAS schließt sich an), legt Trump es darauf an, alle Bündnisse zu zerschlagen, um es nur noch mit Nationalstaaten zu tun zu haben, die dann natürlich bei seiner „art of the deal“ stets am kürzeren Hebel sitzen („dog eat dog“). Darin trifft er sich mit Putin. Trump geht mit Autokraten manierlich um, rüde ist er nur gegenüber demokratischen Regierungen und bisherigen Verbündeten der USA.
Wer den Schalmeienklängen vom Nationalstaat folgt, der allein den Sozialstaat garantieren könne (darin treffen sich extreme Rechte und Linke), darf in Zukunft mithelfen to make the US (in Europa auch Rußland) great again. „Wollen wir das?“ fragt Freedland für das UK; wir sollten es uns auch fragen. Und dabei ist China noch gar nicht erwähnt.
(https://www.theguardian.com/commentisfree/2018/jul/13/britain-donald-trump-europe-uk-brexit)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2018 um 11.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39064

Ein Verbrecher wird durch seine Abschiebung nicht zum Heiligen und durch Selbstmord nicht zum Märtyrer. Das sollten sich Opposition und Flüchtlingshelfer überlegen, um nicht noch mehr Sympathie zu verspielen. Die ihn benutzt haben, brauchen aber wohl keine Nachteile zu fürchten, man geht einfach darüber hinweg. Sie können auf den nächsten Fall warten, um sich empört in Szene zu setzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2018 um 04.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39036

Einer der jungen Männer (18) versuchte die beiden Frauen anzüglich zu berühren, sie sogar zu küssen. (Der Westen 9.7.18)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2018 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39035

Im Magazin der SZ schreibt eine Annabel Dillig: "Warum ich kein Tourist mehr sein möchte". Eigentlich ja "Touristin", oder? Gut so.
In der Sache kann ich auch nur zustimmen. Harari erinnert in seinem Buch "Sapiens" daran, wie wenig es sich früher von selbst verstand, daß man Urlaubsreisen macht. Der Pharao wäre nicht auf den Gedanken gekommen, seine Frau zur Behebung einer Ehekrise auf eine Sightseeing-Tour nach Babylon mitzunehmen, wie manche heute nach Paris usw.
Ich gaffe nicht gern und hatte selbst bei meinen wunderbaren Reisen in Indien keine Kamera dabei, kann meinen Liebsten daher nichts zeigen, nur erzählen. Wie seltsam und peinlich das Gucken und Fotografieren ist, merkt man, wenn man selbst geguckt und fotografiert wird, z. B. von Chinesen. Durch die automatisierten Hinweise auf "Sehenswertes" wird das Ganze vollends ad absurdum geführt. Alle drängen sich zu dem vorbestimmten Punkt, der die beste Perspektive bietet, und schießen das gleiche Bild, das der Reiseführer in besserer Qualität enthält. (Ernst Leisi hat darüber geschrieben.)

Meine wenigen Auslandsaufenthalte waren fast alle berufsbedingt, das ist ein ganz anderes Lebensgefühl.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2018 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39028

In einem Münchner Edeka-Supermarkt hat eine Kundin eine Tomaten-Cremesuppe von Maggi gekauft. Als sie die Suppe zu Hause kochen wollte und vorher die Zutaten durchlas, wurde sie stutzig. Neben Tomaten, Weizenmehl, Maisstärke, Zucker, Jodsalz und Kräuter stand dort “geräuchter Speck (Speck, Rauch)”. Entsetzt darüber, in einer vermeintlich vegetarischen Suppe Fleischprodukte zu finden, schrieb sie eine wütende Nachricht an Maggi. “Es ist eine Frechheit, da Speck reinzujubeln.” (huffingtonpost.de)

Jeder Schwachsinn findet in die Medien. Mich hat immer die Zutat "Rauch" amüsiert. Auch 2 Gramm Hühnerfett in der Hühnersuppe...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2018 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39013

Nachtrag:

Zu den Erfolgsaussichten von Petitionen vgl. folgende Mitteilung aus einer Bundestagsdrucksache:
„2014 wurden 15.325 Petitionen beim Petitionsausschuss eingereicht. (...) Bei 250 Werktagen errechnet sich ein Durchschnitt von etwa 61 Zuschriften pro Tag.“

Es ist schwer, die Erfolgsquote zu ermitteln, weil unter „Erfolg“ auch jede Antwort und jede Weiterleitung verstanden werden kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2018 um 04.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#39002

Die FAS brachte Anfang Juli 2018 eine Übersicht von Zeitungsartikeln, die seit über 12 Jahren Angela Merkels unmittelbar bevorstehendes Ende voraussagten. Ich hatte ähnliche Zitate gesammelt und mich über jedes neue Exemplar amüsiert. Irgendwann wird auch Merkel abtreten, und dann werden die Rechthaber recht gehabt haben. Allzu menschlicherweise werden die falschen Prognosen vergessen sein.
Überhaupt: Nach einigen Wochen die angesammelten Zeitungen nachlesend, komme ich aus dem Grinsen nicht heraus. Was die Journalisten alles zu wissen und vorauszusehen glaubten! Lesenswert sind eigentlich nur die Artikel, die sich mit der Vergangenheit beschäftigen, besonders die Besprechungen von Büchern darüber.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2018 um 04.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38990

In der Bahn beobachte ich zwei junge Frauen, die "High Society – Liebe in Adelskreisen" (http://www.bastei.de/beitrag/standardbeitrag_7053150.html) vor sich liegen haben, und versuche, sie mit der Lektüre solcher Erzeugnisse zusammenzubringen. Meine Frau meint schließlich, daß sie vielleicht mit der Herstellung zu tun haben. Das wird es wohl sein.

Die Ingredienzien dieser Massenware unterscheiden sich nicht von denen der gehobenen Romanliteratur, sie kommt nur schneller zur Sache, ohne den Rechtfertigungsdruck, dem unsere preisgekrönten Schriftsteller ausgesetzt zu sein glauben. (Erhöhung der Schamschwelle durch "Kunst".)

Zwangsweise kaserniert, habe ich auch mal kurz ins Fernsehen geschaut, langweiliger Fußball und "Hart, aber fair" oder so ähnlich, lächerliches Blabla. Aber ich habe auch die Versuchung gespürt, das jeden Abend zu tun, einzutauchen und meine Distanz aufzugeben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2018 um 11.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38960

Wolfgang Illauer (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33562), der die Zeitungen seit Jahrzehnten mit Leserbriefen gegen Abtreibung beschickt, kritisiert den irischen Volksentscheid. Die Biologie lehre: Schon am allerersten Anfang hat der „Embryo“ oder „Fötus“ haargenau dieselben Anlagen und Eigenschaften wie das spätere Kind (usw.)

Anlagen ja, Eigenschaften nein. Die Leibesfrucht erwirbt epigenetisch und erst recht nach der Geburt fortwährend neue Eigenschaften. Unter anderem wird sie auch nach Ansicht von Philosophen und Kirchenvätern erst allmählich eine Person.

Illauer beruft sich dann noch einmal auf die Biologie, um nachzuweisen, daß ein zehnjähriges Kind nicht „weniger wert“ sei als ein zehnwöchiger Embryo. Er hätte auch die Morula erwähnen können, die im Zweifel nicht weniger wert ist als das Leben der Mutter.

Abgesehen von der löcherigen Argumentation (typisch für die Lebensschützer) finde ich es immer etwas geschmacklos, wenn alte Männer sich moralisch über junge Frauen erheben.

Eine mir gut bekannte Frau hat als Studentin um 1980 in Irland an Demonstrationen für die Pille teilgenommen und freut sich heute über den Abtreibungsentscheid, obwohl sie selbst nie abgetrieben hat. Auf Herrn Illauers Meinung legt sie keinen Wert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2018 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38945

Man fühlt sich wieder an Wittgensteins Boxer erinnert, wenn man die Interpretationen jenes Fotos liest, das Merkel, Trump und die anderen auf dem G7-Gipfel zeigt. Wenn man den Zusammenhang der Momentaufnahme nicht kennt, ist gar nichts sicher. Andere Bilder derselben Szene lassen wieder andere Deutungen zu. Freilich wirkt Trump mit seinen verschränkten Armen und seinem Gesichtsausdruck "bockig", aber nicht einmal das ist sicher.

Merkwürdigerweise wird nie erwähnt, daß offensichtich zwei der abgebildeten Männer gerade miteinander sprechen: Macron und Bolton. Dadurch erklärt sich erst die Haltung von Merkel und Trump, die wahrscheinlich zuhören und gerade darum nichts sagen, sondern nur stumm gucken, Trump irgendwie ins Leere, Merkel die Wirkung auf Trump beobachtend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2018 um 06.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38903

Die FAZ kritisiert Merkels Vergleich von Daten mit Rohstoffen:

"Öl ist begehrt, weil es knapp ist. Für Daten gilt das Gegenteil. Sie verschwinden nicht, sie können beliebig oft und von vielen zugleich genutzt werden." (8.6.18)

Ein Denkfehler. Nicht die Daten, sondern der Zugang zu ihnen ist knapp, darum kann man mit ihnen Geschäfte machen und auch darüber nachdenken, wie diese Geschäfte besteuert werden sollen.

Sprache ist auch nicht knapp (deshalb hinkt Saussures Vergleich), aber Texte sind es – weshalb FAZ-Redakteur Steltzner recht gut verdienen dürfte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2018 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38874

Andere Leser bemängeln, daß sich das ZEIT-Dossier nur mit diversen Gläubigen beschäftigt habe, nicht mit den schlicht Nichtreligiösen. Ich hatte es nicht gelesen, aber das wird schon stimmen. Der einfache, weder militante noch marktschreierische Atheismus findet sich in unseren Medien kaum vertreten. Aufklärungsgesellschaften wie die GWUP widmen sich dem Kampf gegen Irrationalismus, Aberglauben, Pseudowissenschaften, sparen aber die Religionen absichtsvoll aus. So kommt es, daß der „Skeptiker“ immer wieder Homöopathie, Gabelbiegen und aktiviertes Wasser behandelt, ohne wirklich zur Sache zu kommen. So wird das nichts.

Derselbe Opportunismus hat Sprachpflegevereine dazu gebracht, die Rechtschreibreform auszuklammern – weil unter den Mitgliedern darüber keine einhellige Meinung herrsche (als ob das anderswo unabdingbar wäre!). Die Folge ist dieselbe Art von Langeweile wie bei jenen duckmäuserischen Aufklärern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2018 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38873

Die ZEIT hatte sich anscheinend dem Thema „Zweifel“ gewidmet. Leserbrief von Prof. Uwe Hinrichs (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=966#24524) dazu:

Mit Zweifel begann die Philosophie bei Sokrates („Ich weiß, dass ich nichts weiß“); mit dem Großen Zweifel des René Descartes begann die Philosophie der Neuzeit („Ich zweifle/denke, also bin ich“).

Kurioserweise drücken die beiden zitierten Sätze nicht Zweifel, sondern Gewißheit aus.

Sokrates benutzt den Zweifel als dialogtechnischen Kunstgriff, aber der Ausgangspunkt des Philosophierens ist für ihn wie für Aristoteles nicht der Zweifel, sondern das Sichwundern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2018 um 03.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38831

In der ZEIT (24.5.18) stellt Mariam Lau dar, wie die Flüchtlingsräte aller Bundesländer und andere Gruppen ausdrücklich gegen jede Abschiebung arbeiten und die Polizei als ihren Gegner bekämpfen. Sie gibt Dobrindt vollständig recht, er habe nur „Netzwerk“ statt „Industrie“ sagen sollen. Das Treiben von „kein mensch ist illegal“ sowie der verbundenen Anwälte, Ärzte, Kirchenleute geschieht hart am Rande der Legalität, alles infolge des Rechts auf Einzelfallprüfung. Daher die 350.000 noch anhängigen, großenteils aussichtslosen Verfahren, die aber den Klägern über lange Zeit Aufenthalt und Unterhalt garantieren. Praktisch bleibt nur der Weg einer Straffung und Beschleunigung der Verfahren, mehr Justizpersonal sowie die Erweiterung der (in Berlin abgeschafften) Abschiebehaft. - Mittelfristig sollte auch der Wähler die Konsequenz ziehen.

Die Beleidigungsklage gegen Dobrindt ist der Witz des Tages.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2018 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38828

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#38688

Der neue Datenschutz beschert den Abmahnvereinen und -anwälten goldene Zeiten; ähnliches Geschäftsmodell wie die Abschiebeverhinderung. Man nutzt halt die Lücken und Nischen, ganz legal. Beim Abmahnen verdienen Leute, die gar kein Interesse am Sachverhalt selbst haben, nur die Bereicherungsmöglichkeit wahrnehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2018 um 06.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38827

Wenn die Geisteswissenschaften sich nicht mehr von selbst verstehen, wird es schwierig, sie zu begründen. Früher war die Artistenfakultät propädeutisch motiviert. Heute soll sie Sinn stiften oder den anderen zeigen, wo es langgeht usw., das ist nicht sehr überzeugend (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1353#34547). Zwei Schweizer Philosophen versuchen es in der FAZ („Geisteswissenschaften“), obwohl sie einen anderen Ausgangspunkt haben (Bücher vs. Aufsätze in evaluationsstrategischer Hinsicht).
Die holde Nutzlosigkeit der Geisteswissenschaften hat ihren Charme. In den 70er Jahren sprachen meine Kommilitonen mit leuchtenden Augen von ihren (in Aussicht gestellten) Arbeiten, die sich den „Verwertungsinteressen des Marktes“ entziehen sollten. Das befreit aber nicht von der Frage, warum der Steuerzahler es finanzieren soll.
Als Beispiel eines Themas, dessen Nutzen nicht sofort einleuchtet, erwähnen die Verfasser die „Darstellung von Tieren bei Kafka“. Es ist abzusehen, daß eine Dissertation darüber (es gibt schon manches) kaum ein Dutzend Leser finden wird. Man kann das machen; allerdings muß dafür anderes unterbleiben – wer wägt ab und verteilt die jederzeit beschränkten Mittel?
Die Verfasser begehen dann aber gewissermaßen Verrat, indem sie die berühmte schwedische Verkehrssicherheit teilweise auf Anregungen eines Philosophen zurückführen. (Zweifel sind angebracht.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.05.2018 um 23.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38817

zu 783#34650: I was like

Mir ist diese Redewendung zum ersten Mal 2009 aufgefallen, als ich auf einem Campingplatz in Finnland mit einer Gruppe deutscher Jugendlicher ins Gespräch kam. Die Hauptwortführerin, ca. 20, aus der ehemaligen DDR, konnte erstaunlich gut Finnisch (wovon ich kein Wort verstand), sie hatte dort schon als Au-pair-Mädchen gearbeitet. Aber auch sonst war sie nicht auf den Mund gefallen, es prasselte nur so aus ihr heraus von und ich so "..." und er so "...", und als noch ein israelischer Jugendlicher dazukam, ging es genauso flott auf englisch weiter: and I was like "...", and he was like "...", immer das gleiche, fast jeder Satz enthielt ein I was like oder ich so usw., es war für mich zuerst amüsant, aber dann habe ich mich bald verabschiedet, nicht mehr zum Aushalten.

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, daß Übersetzungen von wörtlicher Rede im Fernsehen oft geschönt und korrigiert werden. Im heute-Journal im ZDF sagte gerade eine amerikanische Professorin:
I was like "Oh my god ...",
was der deutsche Sprecher simultan übersetzte als:
Ich hab nur gedacht "Oh mein Gott ..."

Sollten Nachrichtensendungen sich nicht besser an die Realität halten? Müssen sie alberne englische Redewendungen unbedingt in besseres Deutsch übersetzen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2018 um 09.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38806

Manchmal wird man an Goethes Ratschlag erinnert, nicht die Eheschließung, sondern etwa alle zwei Jahre den Fortbestand der Ehe zu feiern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2018 um 08.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38782

Die Vertragsfreiheit ist schon stark eingeschränkt. Quoten werden immer mehr ausgeweitet. Man muß Behinderte einstellen oder sich freikaufen. Die Post will keine unbefristeten Verträge mit kränkelnden Angestellten abschließen – großes Lamento.

Bevor ich Beamter auf Lebenszeit wurde, mußte ich zum Amtsarzt, durfte nicht zu dick sein, kein Diabetiker usw. Das war in Ordnung, zumal ich später ungehemmt futtern durfte und auch hätte rauchen und trinken können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2018 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38736

Marx – antisemitisch, rassistisch und herzlos

(Wolfram Weimer bei Achse des Guten)

Mehr braucht man nicht zu lesen, der Fall ist ja klar.

Natürlich war Marx ein "A..." (so schreiben Leser darunter), wie Goethe und erst der Luther, du lieber Himmel!

Das Niveau deutscher Star-Journalisten überrascht mich immer wieder. Je älter sie werden, desto schonungsloser entblößen sie sich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2018 um 04.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38710

Unter den Voraussetzungen der Reform ist die beibehaltene Kleinschreibung des Superlativs am wichtigsten usw. nicht zu rechtfertigen.

Wenn eine Variante wie platzieren (wodurch die geringe Zahl solcher Hybridbildungen vermehrt wird) keine Aussicht auf Akzeptanz hat, muß man sie als alleingültig verordnen. So ist der besondere Augst-Stil in die deutsche Rechtschreibung gelangt: der Zwang, mehr oder weniger abwegige Einfälle eines einzelnen mitzumachen. Das eigentliche Wunder ist die Willigkeit der Vollstrecker.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2018 um 07.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38689

Der vulgäre Ton, der zu Nixons Zeit skandalös wirkte, wenn er aufgedeckt wurde, braucht heute nicht mehr aufgedeckt zu werden.
Dem entspricht eine Popkultur, deren Suche nach Geschmacksgrenzen, die man noch wirkungsvoll überschreiten könnte, immer schwieriger wird. Nur die Political correctness bietet noch die Möglichkeit der Provokation. Das gilt fürs ganze christliche Abendland.
Dabei hat sich der Umgangston etwa innerhalb der Familie kaum geändert. Die Schamlosigkeit herrscht nur in den Medien. Hat es so etwas schon einmal gegeben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2018 um 13.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38663

In der FAZ beklagt Klaus Schroeder vom Forschungsverband SED-Staat die mangelhaften Kenntnisse heutiger Studenten über die DDR und andere politische Themen. So hätten sie die DDR-Durchschnittsrente auf 680 Mark geschätzt, während es nur 480 waren. – Aber beide Zahlen sind irrelevant, solange man nichts über die Kaufkraft weiß. Die heutige Grenze der Armutsgefährdung liege bei 1000 DM und nicht bei 800, wie die Mehrheit der Studenten meinte. Hätten Sie es gewußt? Auch diese Zahlen sind ziemlich unwichtig. – Schröders eigene Zahlen über die Kosten des Sozialstaats sind auch einseitig und interpretationsbedürftig.

Meiner Ansicht nach ist die Schönfärberei der DDR auch kein besonderer Erfolg der Linken = SED, wie Schröder sagt, sondern jahrzehntelang von westdeutschen Medien wie der ZEIT vorbereitet. In "linksliberalen" Kreisen, also fast der ganzen westdeutschen Intelligenz, galt die DDR als zwar unvollkommen, aber im Grunde doch das bessere Deutschland, antifaschistisch, sozial gerecht, ein Leseland (was Intellektuellen besonders gefallen hätte, darum mußte es wahr sein).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.05.2018 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38661

Der zitierte Bericht hat vier Autoren: Christoph Heinzle, Lena Gürtler, Gábor Halász, Jennifer Lange. Offenbar kann keiner von ihnen den I. vom II. Weltkrieg unterscheiden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2018 um 11.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38660

Nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz, nie wieder Chemiewaffen: Das hatte die junge Bundesrepublik nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges geschworen. Doch keine 20 Jahre später plante sie den Tabubruch. (deutschlandfunk 3.5.18)

Während des Zweiten Weltkrieges setzte das Kaiserreich Japan als einzige Nation chemische Waffen ein. (Wikipedia)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2018 um 06.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38639

Gibt es einen abgehalfterten Politiker, der noch nicht interviewt worden ist? Mir kommt es so vor, als ob dieses Art von Texten stark zugenommen hat. Natürlich ist es sehr leicht, solche alten Herren ("zwischen Scheintod und Verwesung", wie eine mir bekannte Dame zu sagen pflegte) ans Telefon oder vors Mikrofon zu kriegen, weil es ihnen das Gefühl gibt, doch noch ein bißchen wichtig zu sein. Außerdem kann die Zeitung damit Politik machen, denn man weiß ja ganz genau, welche Ansichten zur Lage und vor allem zu ihrem Nachfolger sie äußern werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2018 um 14.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38566

Ich glaube, ich habe in meinem gesamten Leben noch nie einen so durchgeknallten Schund gelesen. (Helmut Krausser über Kleists „Käthchen von Heilbronn“, FAZ 21.4.18)

Den Text gibt es bei Reclam in Reformschreibung, aber nicht richtig: Greuel und sicher noch mehr davon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2018 um 08.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38514

Daniel Heller-Roazen (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=328#23051) hat anscheinend wieder mal einen seiner Zettelkästen ausgekippt, diesmal für Fischer und in Reformschreibung. Wolfgang Krischke bespricht das neue Buch in der FAZ angemessen respektlos und erspart manchem die Lektüre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2018 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38328

(Sobald es technisch wieder möglich ist, werde ich auch die Tippfehler in meinen Einträgen ausbessern.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2018 um 08.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38296

Lesenswert:
https://en.wikipedia.org/wiki/John_R._Bolton
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2018 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38285

Die österreichische Regierung will kein Rauchverbot in Gaststätten: Man wolle keine Minderheiten ausgrenzen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.03.2018 um 00.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38273

www.berliner-zeitung.de zum Mord an Keira G.:
Die wichtigsten Fakten zum Drama von Lichtenberg

Der mutmaßliche Täter: Edgar H., 15 Jahre alt, war ein Schulkamerad von Keira. Er war ein Jahrgang über ihr und besuchte in derselben Schule die 9. Klasse. Er besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Frühere Gerüchte, die sich über Social Media verbreiteten, nach denen es sich beim Täter um einen afghanischstämmigen Jugendlichen handeln soll, stellten sich als falsch heraus.

Wieso wird hier schon wieder so herumgeeiert?
Afghanischstämmig war er also nicht, und er war deutscher Staatsbürger, zwei Tage früher schrieb die gleiche Zeitung auch, er sei gebürtiger Deutscher.

Schließlich ist allgemein bekannt, wer heutzutage alles "deutscher Staatsbürger" ist und aus welchen Familien viele "gebürtige Deutsche" kommen. Diesbezüglichen Gerüchten wird auch zwei Wochen nach der Tat immer noch nicht entgegengetreten. Klar ist daher nur eins: Es gibt mal wieder etwas zu verbergen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2018 um 15.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38268

Pardon, ich habe mich geirrt, weil ich an den neuen Bundestag dachte, aber in Bayern werden ja die Pferde während des Rennens gewechselt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2018 um 13.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38266

Markus Söder baut Kabinett um (ZEIT)

Genau genommen kann man das nur während einer Regierungsperiode sagen, nicht zu Beginn, denn da gibt es theoretisch noch gar kein Kabinett. Neues Spiel – neues Glück; aber das Pfründendenken hat sich schon weitgehend durchgesetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2018 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38259

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37777

Armstrong ist bekannt für ihre These:
"Nicht die Religion an sich ist gefährlich, sondern die Menschen, die sie missbrauchen."

Das hört man ja auch von anderer Seite, Armstrong benutzt es zur Verteidigung des Islam.

Über ihre Argumentationsweise kurz und bündig Simon Blackburn:
https://www.theguardian.com/books/2009/jul/04/case-for-god-karen-armstrong
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2018 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38229

Andererseits wird Gabriel sich wohl den Freikauf Deniz Yücels nicht mehr auf die Fahne schreiben.

Rechtsstaatlich war weder dessen Festnahme noch seine Freilassung, wie er selbst ja auch ganz klar gesagt hat, und seine jüngsten Äußerungen geben zu denken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2018 um 04.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38227

Er sehe seine berufliche Zukunft nicht als Lobbyist, so der frühere Außenminister. "Man soll nicht an Türen klopfen, hinter denen man gesessen hat", so Gabriel zur "Bild"-Zeitung.

Wie auch immer man seine Fähigkeiten als Politiker einschätzt – für diesen schönen und ehrenvollen Satz verdient er einen Eintrag in meinem Tagebuch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2018 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38188

Das zermürbende Warten und die auswegslose Lage sorgen für eine angespannte Stimmung – und führen wie gestern zum Aufstand. (br.de, über die Randalierer aus Gambia in Donauwörth)

Woher weiß die Journalistin Judith Zacher, daß das Warten zermürbend und die Lage ausweglos ist? Das ist kein Bericht, sondern eine Rechtfertigung im Stil der Unterstützervereine. Die Gambier werden selten als Asylanten anerkannt, sie sind größtenteils „illegal“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.03.2018 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38170

Ein "Knusper-Müsli" wird zurückgerufen, weil sich Holzstückchen darin befinden könnten.

Fast täglich wird ja etwas aus ähnlichen Gründen zurückgerufen, fast könnte man an einen Werbe-Gag denken; immerhin wird manchmal der Name erst durch den Rückruf bekannt, und das zählt langfristig mehr als die kleine Panne.

Aber das Ganze erinnert mich an frühere Zeiten, und tatsächlich erinnern sich auch viele andere daran, daß Lebensmittel normalerweise "verunreinigt" waren und sorgfältig durchgesehen werden mußten. Verlesen oder einfach lesen war ein Ausdruck dafür. Linsen enthielten oft Steinchen, an denen man sich die Zähne ausbeißen konnte; Hülsenfrüchte allgemein auch schlechte Exemplare. Zurückgerufen wurden sie deshalb natürlich nicht. Es gab auch hausfrauliche Tricks, die "Spreu vom Weizen zu trennen".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2018 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38157

Die Gleichförmigkeit der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland, in Europa und teilweise schon in der ganzen Welt ist natürlich kein Zufall. Ich habe gelegentlich Einblick in die Marketingstrategien dahinter. Tatsächlich wird alles bis in die feinsten Einzelheiten durch Lieferantenkonzerne oder eigens beauftragte Marketing-Vertragsfirmen vorgeschrieben. Die Aufstellung der Waren, die Plazierung von Sonderangeboten, die Größe jedes Aufklebers muß genehmigt werden, soweit sie nicht schon vorgegeben ist. Dazu kommen Werbeveranstaltungen, bei denen auch die unsäglichen Hüpfburgen und das Kinderschminken nicht fehlen dürfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2018 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38150

Es ist seit Jahrzehnten bekannt, daß besonders in Hollywood der Weg zur Filmrolle durch das Bett des Produzenten führte. Im Vertrag stand, wie die Schauspielerin Suzanna Leigh in ihrer Autobiographie schreibt, mit unsichtbarer Tinte, daß man jederzeit dem mächtigen Mann sexuell zur Verfügung zu stehen habe. Meistens war es wohl möglich, sich dem zu entziehen. Leigh schildert, wie der schwergewichtige Otto Preminger sich beim ersten Treffen in seinem Büro auf sie warf, freilich ohne zum Zuge zu kommen.
Im Englischen spricht man von "casting couch".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2018 um 04.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38096

Gäbe es keine Schutzzölle auf Bügelbretter, würde unsere einheimische Bügelbrettindustrie vollends vor die Hunde gehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2018 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38090

Heute morgen wollte ich bei der UB ein ziemlich entlegenes Buch bestellen und wußte nicht, ob ich mich eher wundern oder ärgern sollte über den Typen, der mir zuvorgekommen war und das Buch für die nächsten vier Wochen mit Beschlag belegen wird. Dann fiel mir ein, daß ich das selber war, gestern nämlich. Heute kann ich es abholen.
Vielleicht habe ich schon erwähnt, daß ich manchmal einen genialen Einfall notiere und dann zufällig feststelle, daß ich genau denselben Gedanken mit genau denselben Worten vor 15 Jahren auch schon mal aufgeschrieben hatte.
Nicht unbedingt auf Verkalkung zurückzuführen, sondern darauf, daß die "Bahnung" und Routinebildung im Gehirn allumfassend wirksam ist. Das kann auch gar nicht anders sein, sonst würden wir uns zu sehr auf die eine der der von Ebbinghaus genannten Seiten, also die Gedankenflucht, neigen. Erst ein gewisser Anteil Starrsinn ("fixe Idee" oder Kalk...) sorgt für festen Grund, auf dem man günstigenfalls weiterbauen kann.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.03.2018 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38081

Das nennt man wohl Déformation professionnelle. Jüngere Lehrer sind manchmal auch etwas seltsam in ihrem Bemühen, alles zu belobigen, einschließlich des nicht Lobenswerten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2018 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38080

Kürzlich schickte mir ein älterer Herr ein dickes Buch, in dem er die Rechtschreibreform kritisiert. Ich unterzog mich der nicht geringen Mühe, es zu lesen, und schrieb ihm dann auf zwei Seiten, warum ich es für nicht aktuell und auch ziemlich fehlerhaft hielt. Mein Brief kam umgehend zurück mit einem Zettel: "Ungelesen zurück. Unterschrift fehlt." Ein Lob hätte ich bestimmt trotz fehlender Unterschrift nicht zurückbekommen. Man lernt nie aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2018 um 17.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38071

„He was the first American to penetrate to the real depths of vulgar stupidity. He never made the mistake of overestimating the intelligence of the American mob. He was its unparallelled professor.“

(Mencken über F. D. Roosevelt nach dessen Tod)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2018 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38064

Weil der Weltmarktpreis für Kakao um zwei Prozent gestiegen sei, müßte ich mich, wie die Zeitungen behaupten, auf eine Verteuerung meines Grundnahrungsmittels einstellen. Das kann nicht stimmen, weil der Schokoladenpreis nur sehr lose mit dem Kakaopreis zusammenhängt. Es stimmt auch nicht, was immer wieder gesagt wird, daß Schokolade teuer sei, wenn man nämlich die Preise der 50er Jahre und die Kaufkraftentwicklung vergleicht.
Interkulturell interessant ist noch, daß Inder und Chinesen kaum Schokolade essen. Ein Inder verriet mir vor vielen Jahren, daß die braune Masse sie an etwas unappetitliches anderes erinnere.
Ein Chinese erzählte mir einmal unangenehme Erfahrungen mit Harzer Käse, einem Produkt, das Chinesen ganz unausstehlich finden. Dabei essen Chinesen doch alles. (Bitte eingeben: "Chinesen essen alles"!)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.03.2018 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38054

Die britische Volksabstimmung war bereits die zweite zu diesem Thema.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2018 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38053

Man wird so alt wie ne Kuh...

Heute hat mir Google mit seinem Edelweiß-Doodle die Bekanntschaft mit dem Wort Ansalbung verschafft, das mir unbegreiflicherweise bisher unbekannt war, wo ich mich doch immer viel mehr für Pflanzen als für Tiere interessiert habe. Interessanter Eintrag bei Wikipedia.

Weniger interessant das Neuwort Hochleistungsschlitzmaschine, das ich der SPD verdanke, als einziges Verdienst der Mitgliederbefragung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2018 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#38049

Frau May (die um der Macht willen den Brexit vorantreibt, den sie eigentlich ablehnt; sie macht also in vollem Bewußtsein eine Politik, die sie für falsch hält) behauptet wie viele andere, ein zweites Referendum werde es nicht geben.
Wer für direkte Demokratie ist, kann eigentlich die Möglichkeit der Revision durch weitere Referenden nicht ablehnen. Das ist in der repräsentativen Demokratie doch auch möglich, und ich sehe nicht ein, warum sich die direkte solche Fesseln anlegen sollte. "Einmal abstimmen und dann nie wieder!" scheint mir ziemlich willkürlich zu sein. Wäre es nicht demokratischer, den ausgearbeiteten Trennungsvertrag abermals dem Volk vorzulegen, das inzwischen besser Bescheid weiß, was der Brexit überhaupt bedeutet?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2018 um 04.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37979

My brother August and I, sitting by the fire in the evening, often congratulate ourselves on the fact that we have no children. (...) The boys stand a good chance of being butchered in their young manhood, and boys and girls together face a world that will be enormously more uncomfortable than the one my generation has known. There will be wars off and on for years to come, and in the intervals of peace every American will be burdened and afflicted by the national debt. (Mencken Diary 23.11.1944)

Ganz so schlimm waren die Jahre nach dem Krieg für die meisten Amerikaner dann doch nicht. Roosevelt-Hasser Mencken verwandelte seine persönliche düstere Stimmung in eine Prophezeiung.

(An derselben Stelle erwähnt Mencken, daß der einzige Nachkomme der nicht sehr langlebigen Sippe der zweijährige Sohn seiner Nichte sei, den er aber nur einmal gesehen habe. Ein halbes Jahr später erzählt er, wie der kleine Junge einen ganzen Tag bei ihm verbrachte. Er war von dem wohlerzogenen und aufgeweckten Kleinen dann doch offensichtlich angetan, aber angestrengt hat es ihn auch, wie fast immer in solchen Fällen. Stets der kluge Beobachter, stellt er fest: Like any other healthy youngster, he preferred toys of his own contriving to those I had bought for him. He had a lot of fun with a couple of cardboard cartons, and showed a good deal of ingenuity in putting them to use.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2018 um 03.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37926

Eine Verbraucherzentrale hat "verschlechterte Rezepturen" bei verschiedenen Lebensmitteln festgestellt. Das Ergebnis wird breitgetreten, obwohl es großenteils Unsinn ist. Ob Teebeutel mit "Brennnesseltee" etwas weniger Brennesseln, dafür etwas mehr Fenchelsamen enthalten, ist gleichgültig; medizinisch ist es sowieso ohne Belang, wie all dies Teegebeutel. Der Rest ist von ähnlicher Art.

Übrigens: Auf einer Tüte "Hühnersuppe" steht, daß 0,5 % Hühnerfett enthalten sind - die einzige Verbindung des Produkts zu Hühnern. Ich komme darauf, weil in der gegenwärtigen Grippe- und Erkältungswelle die legendäre, schon anderswo erwähnte Hühnersuppe wieder in aller Munde ist.

Ja, die große Illusionsmaschine der Lebensmittelwirtschaft! Die Verbraucherschützer verfehlen die Hauptsache, wenn sie sich auf mehr oder weniger stillschweigende Veränderungen gegenüber dem bisherigen Schund einschießen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2018 um 15.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37917

Heute erörtern viele den Spickzettel, den Trump für das Gespräch mit Schülern in der Hand hält. Mir fiel heute morgen aber zuerst die Zahl 45 auf, die auf der linken Manschette zu erkennen ist. Nur in einer Zeitung habe ich eine Erklärung gefunden:

"Die Erklärung ist ziemlich banal: Donald Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – und trägt das wie kein anderer vor ihm zur Schau. So verkauft er im Webshop seiner Kampagnenseite auch Baseball-Caps mit der aufgenähten Zahl."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2018 um 05.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37893

Warum hat der Parteivorstand dann darauf verzichtet, auch die Argumente der Gegner in den Wahlunterlagen aufzuführen? Als gewählte Parteiführung, so Klingbeil, könne die SPD-Spitze über die Grundlinie der Partei entscheiden: Der Parteivorstand sei für die große Koalition und habe ein Verhandlungsteam für die Koalitionsgespräche eingesetzt. „Es ist selbstverständlich die Aufgabe der Verhandler, am Ende das Verhandlungsergebnis zu bewerten und diese Bewertung der Partei mitzuteilen. Führung muss Orientierung geben – dafür ist sie vom Parteitag gewählt und legitimiert.“ (FAZ 21.2.18)

Ach nee? Aber einen Koalitionsvertrag abzuschließen ist sie nicht legitimiert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.02.2018 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37892

"Es zittern die morschen Knochen", pflege ich zu seufzen, wenn ich keine Lust habe, den Müll rauszutragen, und muß mir natürlich den Hohn meiner Frau anhören, die mich fit wie eine Fiedel findet. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich die wirkliche Herkunft der Zeile vergessen hatte und sie ohne weiteres Nachdenken mit Ernst Moritz Arndt assoziierte. Hans Baumanns Karriere war übrigens bemerkenswert.

Das fiel mir aber gerade ein, weil ich mit innerlichem Kopfschütteln den Volkssturm von Grauköpfen betrachte, der in den letzten Wochen von den Medien remobilisiert wurde. So viele abgehalfterte Altpolitiker, manche mit Flecken, die jetzt um Beurteilung der politischen Lage gebeten werden und sich auch nicht lange bitten lassen.

Dabei leben wir ja, verglichen mit weiten Teilen der Erde, in einem Paradiesgärtlein, wo man hier ein Unkraut zupfen, dort ein Blümchen gießen kann, aber viel mehr auch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2018 um 03.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37880

Ist es wirklich "strafrechtlich relevant", wenn jemand seinen Hund als SPD-Mitglied anmeldet? (Die BILD wollte damit die Manipulierbarkeit des Mitgliederentscheids nachweisen.) Die Angabe einer falschen Identität ist doch wohl nur gegenüber Behörden verboten, sonst würden ja Millionen pseudonymer Einträge zu Straftaten.

Der Überlieferung nach ernannte Caligula seinen Hengst Incitatus zum Konsul.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2018 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37856

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34540

Pseudowissenschaften werden allgemein viel zu nachsichtig behandelt. Man fragt sich, was die Schule hier versäumt hat, daß ihre Absolventen so leichtgläubig alles schlucken, was sie lesen.

Soweit einige grundlegende Beobachtungen der Psychodontologie. In wie weit Sie diese Aussagen für zutreffend befinden, können Sie selbstverständlich gerne an sich selbst oder Ihrem Gegenüber prüfen. (https://zhkplus.de/psychodontologie/)

Der Verfasser wissen doch (hoffentlich), daß es Unsinn ist - warum sagen sie es nicht? Die Leisetreterei macht in zwei Zeilen 12 Jahre Schulbildung zunichte.

Mindestens die Hälfte meiner Bekannten rückt, wenn ich nicht aufpasse, irgendwann damit heraus, daß es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt usw. - Mir wird davon übel, weswegen ich eben aufpasse, daß das Gespräch nicht in diese Bahn gerät.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2018 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37823

Woher kommt die merkwürdige Idee, eine Partei könne sich "in der Opposition erneuern"? Militärisch (Rückzug, um die Truppen neu zu ordnen)? Oder religiös? Vom Schlagwort "Erneuerung" geht eine gewisse Faszination aus, obwohl oder gerade weil niemand genauer sagt, wie das gehen soll. Erst mal Tabula rasa, dann wird man sehen. Niemand weiß, wie das Neue aussehen wird, aber das Alte muß erst mal weg. Das scheint eine typisch jugendliche Illusion zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2018 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37777

Karen Armstrong: Im Namen Gottes. München 2014 (Pattloch)
Reformiert, aber: dieses rauhe, demokratische Christentum, Greueltaten, Kriegsgreuel usw.

Die Bücher der Religionswissenschaftlerin Armstrong, einer ehemaligen Ordensschwester, sind verkappte apologetische Erbauungsliteratur für Gebildete unter den Verächtern der Religion.

Armstrong is uniquely qualified to write on this subject, for having been a Roman Catholic nun, she then rejected faith. "For many years, I myself wanted nothing whatsoever to do with religion," she writes. "But my study of world religion during the last twenty years has compelled me to revise my earlier opinions."

Dieser Topos fehlt ja selten, im Stil von Reader´s Digest. Man muß es aber nicht glauben. Religionswissenschaftler sind meist Theologen, die das Fach gewechselt haben, aber nicht die Denkweise.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2018 um 17.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37773

Danke für die Korrektur! Ich hatte die Meldung nur überflogen und auch schon angefangen, mich über die Schrottvermehrung zu ärgern. Der Schrott entspringt ja auch der unfaßbaren Leichtfertigkeit, mit der man die Zukunft belastet, als gäbe es überhaupt keine.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 09.02.2018 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37771

Ich finde es ja auch eine alberne Schnapsidee. Allerdings handelt es sich nicht um eine Erd-, sondern um eine Sonnenumlaufbahn. Damit wird wenigstens die Menge des Raumfahrtmülls, der schon um die Erde kreist, nicht noch weiter vergrößert.

Ferner handelte es sich um die Erprobung einer neuen Rakete. Eine nützliche Last war wohl zu riskant gewesen.

Dennoch hätte sich man bestimmt sinnvolleres ausdenken können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2018 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37766

Einen Sportwagen eigener Herstellung in eine Erdumlaufbahn zu schießen scheint mir ungemein bezeichnend für die Zeiten, in denen wir leben. Präsident Trump usw. – unendlicher Spaß.

Man könnte es eine Verarschung der Weltraumfahrt nennen. Die einen ringen um jedes Gramm Nutzlast, und dann kommt ein anderer und sagt: Ist mir doch wurscht! – Und warum auch nicht? Geld genug ist da.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2018 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37748

Was für ein Lebensgefühl war wohl damit verbunden, als man noch glaubte, die Welt sei rund 6.000 Jahre alt? Da konnte es plausibel erscheinen, daß auch ihr Ende unmittelbar bevorstehe. Wenn man dagegen mit einer Vergangenheit von einigen Milliarden Jahren rechnet, fragt man sich gleich, warum ausgerechnet jetzt der Jüngste Tag bevorstehen sollte.
Im gleichen Sinne konnte auch der Evolutionsgedanke vorher nicht recht Fuß fassen. Wenn sich seit Urgroßvaters Zeiten nichts wesentlich verändert hat – wie könnte die wunderbare Zweckmäßigkeit in der Natur durch Mutation und Selektion herangezüchtet worden sein? Das Geheimnis der Anpassung liegt in der ungeheuren zeitlichen Dimension, aber darauf mußte man erst einmal kommen; und natürlich weg von der Bibel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2018 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37713

Neonazis behaupten ja immer, dass sie die deutsche Kultur schützen wollten. Dazu gehört bekanntlich auch die deutsche Sprache.
Mehrere Rechtsextreme in Düsseldorf haben jetzt aber eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie von deutscher Rechtschreibung nicht sonderlich viel verstehen. 
Sie haben T-Shirts bedrucken lassen. Doch in der Aufschrift ist ihnen ein peinlicher Fehler unterlaufen. Im Slogan “Treue, Blut und Ehre” haben sie das Komma vergessen, das nach deutscher Rechtschreibung nach dem Wort “Treue” eingefügt werden muss.
Vielleicht waren die Verfasser der Meinung, angesichts der Anordnung der Worte in Form eines Logos sei das nicht nötig – aber eine gewisse Schlamperei liegt hier doch nahe.
(Huffington Post 29.1.18)

Da das Wort „Treue“ in der Tat eine Zeile für sich füllt, wäre es ziemlich pedantisch, dahinter ein Komma zu setzen. Abgesehen natürlich von der sonstigen Dudenhörigkeit der Kritiker, die ich "peinlicher" finde, als es eine Schlamperei wäre.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2018 um 04.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37633

Wer behauptet, homosexuell und darum in seinem Heimatland von Verfolgung bedroht zu sein, bekommt Asyl. Der Europäische Gerichtshof untersagt es, die wirkliche sexuelle Orientierung festzustellen, als menschenrechtswidrigen Eingriff in die Intimsphäre. Allerdings hat der Bewerber sich bereits als homosexuell geoutet, so daß schlimmstenfalls herauskommen könnte, er sei heterosexuell. Das Urteil ist eine Anweisung zur risikolosen illegalen Zuwanderung. Besonders in Afrika wird sich das bald herumsprechen.
-
Hätten Türken und Kurden keine deutschen Waffen, säßen sie längst friedlich zusammen und tränken Tee miteinander.
-
Union und SPD verhandeln über die nächste Koalition. Wenn das heute möglich ist, war es vor vier Monaten auch schon möglich. Nur die Position des 100-Prozent-Windbeutels hat sich verschlechtert.
-
Deutsche Autohersteller werden in den USA angeprangert, weil sie Abgasversuche mit Affen angestellt haben sollen. Amerikaner würden nie Tierversuche machen. Der Nazi-Vergleich allerdings dürfte Juden nicht gefallen.
-
Ich sollte frühmorgens noch nicht durch die News brausen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2018 um 08.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37560

Zum Schlag gegen die Mafia eine Erinnerung: Als wir vor gut 30 Jahren aus dem Bahnhof von Reggio Calabria traten (s. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=987#23286), war unser erster Eindruck der Umriß eines Erschossenen auf dem Pflaster, auch alte und neue Plakate, mit denen Mafiosi gesucht wurden. Das ließ uns das schöne Kalabrien, wo wir einige Wochen verbrachten, in einem etwas düsteren Licht erscheinen, obwohl Touristen aus naheliegenden Gründen nichts zu befürchten haben. (Es gab noch ein paar andere kleine Erlebnisse in den malerischen Küstenorten, wo inzwischen übrigens sehr viel gebaut worden ist...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2018 um 17.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37547

Arme und Ungebildete sterben früher. Ist das nun ungerecht?

In die Praxis kommen Vorschulkinder, denen alle Milchzähne weggefault sind von Süßigkeiten, entsprechenden Getränken und Mangel an Zahnpflege. (Sprechen können sie auch nicht richtig.) Der Anfang ist also gemacht.

Ein Unterschichtproblem. Dabei sehen die Eltern mehr fern und lesen einfache Blätter, in denen sie die notwendigsten Informationen gar nicht übersehen können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2018 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37496

Unsere Feuerwehr führt den Aufbau einer Gafferwand vor. Vgl. auch http://www.gafferwand.de/

Gute Idee, aber man schämt sich nachgerade, der Spezies Homo sapiens sapiens anzugehören.

Zur Verwilderung der Sitten dürfte auch beigetragen haben, daß das moderne Medium die Leute dazu ermuntert, alles zu filmen – und dann ab ins Netz!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2018 um 17.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37456

Kein ganz neuer Gedanke, aber doch hübsch ausgedrückt:

Vor dem Abflug war abendlicher Bar-Unterhaltung nicht zu entrinnen, bei der sich unermeßlicher Haß mancher Alten gegen die Jugend offenbart, Lebens- und Sexualneid, der sich als Moral verkleidet. Ausführungen von so kalkiger Schärfe könnten auch jemanden, der als konservativ etikettiert wird, noch zum Verständnis für Jugendliche drängen, die er in Abwesenheit der Alten abscheulich findet. (Johannes Gross 4.6.82)

Wohl auch eine uneingestandene Angst vor dem unvermeidlich bevorstehenden eigenen Abtreten.