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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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26.01.2007
 

Trüber Morgen
Ex bavariam lux

Eigentlich könnte die Welt ganz hübsch aussehen, mit Schnee, Sonnenschein.
In der Süddeutschen steht allerdings über Stoiber: "Ex bavariam lux". Der große Beitrag von Heribert Prantl gibt auch sonst nicht viel her. Davon könnte man sich in der Cafeteria des Studentenwerks erholen, aber dort lese ich den Aushang: "Kaffee2go". Und wir machen uns Sorgen wegen der Orthographie! Lieber ziehe ich mich mit einem Buch zurück, das gar nicht alt genug sein kann.



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Kommentare zu »Trüber Morgen«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2017 um 03.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37317

Wer nichts von Unkraut wissen will, kann auch jäten nicht mehr gebrauchen. Dieses Verb unbekannter Herkunft ist im Laufe der Zeit auf bestimmte Objekte, eben Unkraut, eingeschränkt worden.
Die Auswirkungen der Politischen Korrektheit (Sprachtabu) auf die Kollokationspartner scheinen noch gar nicht untersucht zu sein.

(Verben, die gewissermaßen das Objekt schon implizieren, nennt Leisi irrational. Das Französische soll abstrakter sein, insofern rationaler. Man vergleiche auch mähen/fällen oder gar dengeln usw.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.12.2017 um 11.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37300

Ungleichheit wächst weltweit, auch in Deutschland (Spiegel 14.12.17)

Die wirtschaftliche Ungleichheit auf der Welt geht zurück (FAZ 14.12.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2017 um 05.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37262

Zur Werbesprache:

Der Frische-Kult (Lebensmittel, Kosmetik, Medikamente) setzt eine Gesellschaft voraus, in der man abends noch „etwas trinken geht“ oder bis in die Puppen vor dem Fernseher sitzt. Der moderne Mensch ist unausgeschlafen, er lebt zwischen Uppers und Downers.

Das Wortfeld von Frische und Aktivität ist wohl noch nicht untersucht worden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2017 um 06.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37253

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30030

Nach zwei Jahren wurde es wieder Zeit, einen sterbenden Eisbären zu filmen, damit die Folgen des Klimawandels recht deutlich werden. Inzwischen haben sich allerdings auch die Eisbären kräftig vermehrt, und an Robben zum Fressen besteht auch kein Mangel. Um die erschütterte Welt geht aber der sterbende Eisbär, nicht die unter den Eisbärtatzen sterbende Robbe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2017 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37213

Es bereitet mir Unbehagen, einen Zeitungsartikel zu lesen, wenn mich aus einem großen Foto ein Gesicht anstarrt. Gerade ging es mir so mit Horst Seehofer, der mir beim Lesen eines Artikels der FAZ so nahe kam, als wolle er mich abknutschen. Auch Schulz hat mich schon bedrängt (ich bin kurzsichtig). Die Gegenprobe wäre ein hübsches Mädchen, aber darüber schreibt ja keiner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2017 um 06.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37173

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29723

„Kann mir jemand ein Buch empfehlen, das sich mit dem zyklischen Geschichtsbild in der Antike auseinandersetzt?“

Typische Frage, die das zyklische Geschichtsbild schon voraussetzt.

Aber im Grundsatz lebten agrarische Gesellschaften nach einem zyklischen Geschichtsbild. Für die antiken Römer waren das Größte nicht die „res novae“, die neuen Dinge, sondern die „mores maiorum“, die Sitten der Vorfahren. (Historiker Andreas Rödder, FAS 3.12.17)

Dem wird dann die jüdisch-christliche heilsgeschichtliche Linearität entgegengestellt.

Aber zunächst einmal widerspricht die Orientierung an den Alten der Behauptung eines zyklischen Geschichtbildes. Sie ist eher mit einer Verfallsgeschichte verbunden. Allerdings können die Verfallsgeschichten sich ihrerseits wiederholen, wie in der hinduistischen Lehre von den Weltaltern. Das ist aber eine theoretische Konstruktion, die das Leben der Menschen kaum bestimmt. Zyklisch ist in jeder Gesellschaft die Wiederkehr der Tages- und Jahreszeiten. Das schlägt sich auch in deren Bezeichnungen nieder (wiederkehrender Morgen, April, Herbst). Gewöhnliche Menschen haben kein „Geschichtsbild“, sondern verschiedene praktische Lösungen lokaler Aufgaben.

Auch Arnaldo Momigliano hat der eindeutigen Zuordnung widersprochen ("Time in ancient historiography". In: Essays in Ancient and Modern Historiography. Middletown, Conn. 1977)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2017 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37171

Da mir gerade jener freundliche Pilot von Indian Airlines (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1042#33099) wieder einfiel, will ich zum Ersten Advent noch eines Piloten gedenken, der bei aller Pflichtbewußtheit sehr nett zu uns war. Als wir einmal den 5-Minuten-Hupfer von Norddeich nach Juist machen mußten, trug unsere kleine Tochter stolz ihren Lego-Koffer mit sich. Beim Einsteigen ging der Deckel auf, und 250 Legosteine ergossen sich auf den Boden. Der Pilot der Frisia AG stieg sofort aus und kniete in seiner schmucken Uniform auf dem Asphalt, um beim Einsammeln zu helfen. Wer weiß, wieviel Gutes solche kleinen Aufmerksamkeiten in den bildbaren Köpfen der Kinder stiften? Grundsätze kann man sich jederzeit zulegen, aber die Selbstverständlichkeit des guten Verhaltens muß früh angelegt werden. ("Erziehung ist Vorbild und Liebe – sonst nichts." Die Professionalisierung macht es nicht leichter.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2017 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37155

Wie ich jetzt erst erfahre, ist unser Mitstreiter Norbert Schäbler im Juni verstorben. Er hatte seinerzeit von den Schulbehörden viel zu leiden. Herr Riebe baut im Nürnberg-Wiki einen biographischen Artikel auf, der zugleich an die Frühgeschichte der Reformkritik erinnert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2017 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37102

Fast jeden Tag wird erörtert, ob es moralisch zu verantworten ist, sich im Einzelhandel beraten zu lassen und dann billiger im Internet zu kaufen.

Ich kaufe, wenn überhaupt noch, Bücher nur im Internet und fast nur gebrauchte; da entfällt das Problem weitgehend. Buchhandlungen betrete ich sowieso nicht gern. Aber auch sonst sehe ich es nicht als meine Aufgabe an, dem Einzelhandel beim Überleben zu helfen, da bin ich ganz "rationales Wirtschaftssubjekt".

Neulich habe ich zwei Digitalpianos gekauft, da sah die Sache anders aus. Man will ja die Instrumente ausprobieren usw. Im Internet waren sie billiger zu haben, und ich hatte mir das Angebot ausgedruckt und zeigte es dem Händler (einem Klavierbaumeister übrigens). Er sagte, es sei ohnehin Praxis seines Geschäfts, jedes Instrument zu dem Preis zu liefern, der im Internet geboten wäre. Ich kam mir trotzdem wie ein Erpresser vor. Wir wurden handelseinig, aber der Rabatt, den er mir bot, lag immer noch unterhalb dessen, was ich durch den Paketpreis im Internet hätte sparen können. Aber wir vier hatten bei zwei Besuchen des Geschäfts insgesamt über zwei Stunden lange alles ausprobiert und unsere Fragen angebracht, das wollten wir denn doch honorieren. Ich wußte, daß der Mann wußte, daß ich wußte usw., obwohl ich es nicht ausgesprochen hatte, aber die Zahlen lagen ja vor uns. Wären wir einfach gegangen, sei es auch mit der Ausrede, wir wollten es uns noch einmal überlegen, hätte er gewußt, daß wir genau wie so viele andere jetzt im Internet bestellen würden.

Wir haben also unvernünftig gehandelt. Schönes Aufsatzthema.

Wenden wir den Kategorischen Imperativ an. Kann ich wollen, daß der Einzelhandel ausblutet? Dann könnte ich die Klaviere nicht mehr selbst ausprobieren, das wäre nicht gut. Ich könnte natürlich viele Klaviere bestellen und alle bis auf eins wieder zurückschicken. Das wäre vielleicht sogar kostenlos möglich, aber auf die Dauer würde es auf die Preise aufgeschlagen. Außerdem fördert es die Monopolbildung. Am Ende schade ich mir also selbst (oder lieben Menschen, denen ich nicht schaden will).

In der Zeitung wird berichtet, daß immer mehr Geschäfte die Beratung kostenpflichtig machen. Beim Kauf wird das dann verrechnet. Aber Eintrittspreise für Geschäfte wirken wenig anziehend und schaffen eine weitere Konkurrenzgelegenheit, die das Grundproblem eher verschärft: Die großen Anbieter genießen Herstellerrabatte, mit denen der Einzelhandel es niemals aufnehmen kann.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.11.2017 um 12.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37079

In der DDR konnte man den "Solibeitrag" tatsächlich fast als Spende betrachten, heute ist das ja gesetzlich geregelt.

Es ist lange her, ich muß eine Weile im Gedächtnis kramen. Es gab ja in der DDR kein Finanzamt und im allgemeinen auch keine Steuererklärung. Steuern wurden sofort und meist unveränderlich vom Lohn und Gehalt abgezogen. Nur wer nebenbei noch etwas dazuverdiente, was auch sofort pauschal versteuert wurde, konnte am Jahresende die zuviel gezahlte Steuer zurückbekommen.
(Zum Beispiel zahlten Zeitungen für jeden veröffentlichten Leserbrief ein Honorar, ca. 15 DDR-Mark, wovon, wenn ich mich recht erinnere, 5 Mark als Steuer gleich einbehalten wurden. Die konnte man dann ggf. am Jahresende auch bekommen.)

Ein Solibeitrag wurde zusammen mit dem Gewerkschaftsbeitrag kassiert. Die Zugehörigkeit zur Einheitsgewerkschaft war zwar freiwillig, aber wer im Beruf oder anderweitig vorankommen und auch ab und zu eine Lohnerhöhung haben wollte, mußte schon mitmachen. (Das war wie mit allem: Pionierorganisation, FDJ, DSF, ...) So kaufte und klebte man halt monatlich seine Beitragsmarken ins Mitgliedsbuch und daneben (nach dem gleichen freiwilligen Zwangsprinzip) meist noch eine Solimarke. So haben schätzungsweise 95% der arbeitenden DDR-Bevölkerung "freiwillig" Solibeiträge bezahlt. An die Höhe kann ich mich nicht mehr erinnern, das hing vom Lohn ab, muß aber größenordnungsmäßig um die 5 DDR-Mark Monatsbeitrag plus 50 Pfennig oder 1 Mark Soli gewesen sein.

Außerdem gab es normale Briefmarken mit Solizuschlag, dabei gab es natürlich diesen "freiwilligen Zwang" nicht, es funktionierte wie die Zuschlagsbriefmarken heute.

Kurios ist, das habe ich damals gar nicht so gewußt, sondern jetzt erst im Internet gelesen, daß die DDR sich mit einem zu hohen Soliaufkommen selbst in Verlegenheit brachte, denn mit DDR-Mark konnte man ja in Vietnam, Kuba, Angola usw. auch nichts anfangen, also mußte das Geld vorher in Devisen oder Sachwerte umgetauscht werden. Das hat dann der Regierung schon weh getan, weshalb sie die Richtlinien zur Solispende in späteren Jahren stark abgesenkt hat.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.11.2017 um 21.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37059

Das klingt fast, als seien die Ostdeutschen seit der Wiedervereinigung vom Soli ausgenommen. Sie zahlen aber den gleichen Beitrag wie die Westdeutschen. Nur die Renten sind im Osten noch niedriger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2017 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37045

Fast vergessen: Unsere Brüder und Schwestern in der DDR mußten ja auch schon mal einen "Soli" zahlen, einen Solidaritätsbeitrag für Vietnam, Kuba, Angola. Die Erinnerung daran könnte etwas Kränkendes bekommen haben, seit man selbst Nutznießer einer solchen Spende ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2017 um 08.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37034

Wir heiraten nicht nur einen Menschen, sondern auch dessen Familiensprache. Kaum bemerkt nistet sie sich ein. Als Sprachwissenschaftler sollte man mehr davon wissen.
Die bastardisierte Redeweise zeugt dann auch wieder Kinder.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2017 um 07.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#37025

Eigentlich bin ich gegen die Todesstrafe, aber noch eigentlicher bin ich dafür. Oder lieber doch nicht.

Wer gegen die Gesetze verstößt, hat sein Leben verwirkt. Es ist fast unnmöglich, rational zu begründen, warum nicht auch der kleinste Verstoß, also etwa Falschparken, mit der Eliminierung des Täters geahndet werden sollte. Schließlich hat er sich selbst aus der Rechtsgemeinschaft ausgeschlossen, jeder darf ihn abmurksen.

Man hat immer eingewandt, die Hinrichtung sei irreversibel, im Gegensatz zur Haft. In den USA ist gerade ein Glückspilz (ein Schwarzer natürlich) entlassen worden, nachdem er 46 Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen hatte. Er sagt zwar, daß er keine Bitterkeit empfinde, aber trotzdem...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2017 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36999

Kompromisse sind immer faul, das Attribut fügt der Sache nach nichts hinzu, nur eine Wertung.

Nicht kompromittierend wäre die reine Lehre, in der Politik also das Programm und seine Durchsetzung. Aber dann brauchte man eigentlich gar keine Politik. Die gibt es erst, seit verhandelt wird (Athen vor 2500 Jahren).

Koalitionsverhandlungen sind aus dieser Sicht immer von Übel.

"Soziale Marktwirtschaft" ist ein hölzernes Eisen, wie die reine Lehre (v. Hayek) seit je weiß. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.11.2017 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36991

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32229

Durch ständige Wiederholung hat sich bei vielen Menschen (auch bei mir) die Ansicht durchgesetzt, die Steuervermeidung durch Briefkastenfirmen in Steueroasen sei zwar moralisch zu verwerfen (nicht "legitim"), aber legal. Dem widerspricht Prof. Peter Fischer in einem Leserbrief an die FAZ (13.11.17). Er verweist auf die Rechtsprechung des EuGH.
Fischer erwähnt auch jenes einstöckige Klinkergebäude in Delaware, dessen Fassade nicht ausreichen würde, die 285.000 Briefkästen der dort ansässigen Firmen anzubringen.
"Der deutsche Steuerstaat wehrt sich gegen solche Auswüchse nicht, und die deutsche Steuerrechtswissenschaft ist nicht bereit, die Konsequenzen aus der eindeutigen Rechtsprechung des EuGH zu diskutieren."
Dieses Versäumnis aller bisherigen Regierungen wiegt schwerer als alles, was die tägliche Kritik zu bemäkeln hat. Die Politik folgt der allerobersten Maxime: Bloß das Kapital nicht verprellen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2017 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36987

Früher bekamen Heiratswillige auf dem Standesamt ein "Hausbuch für die Familie" geschenkt. Ich habe mein Exemplar von 1969 entsorgt, aber man kriegt es antiquarisch immer noch, die Auflage muß ja riesig gewesen sein. In der Nazizeit hatte es den entsprechenden Zungenschlag. Den Verlag für Standesamtswesen gibt es noch, aber das Buch scheint er aufgegeben zu haben. Das machen jetzt Gräfe & Unzer und andere Verlage.
Am Inhalt hat sich nichts Wesentliches geändert. Das Buch hatte wohl immer zunächst die Hausfrau und Mutter im Blick, die ebenso gut durchs Leben kommen sollte wie ihre eigene Mutter. Heute ist das etwas offener, der Ton munterer ("Leben!"). Aber eigentlich hat das Internet die Rolle übernommen.
Ein "Hausbuch" hatte auch der, der sonst keine Bücher besaß.
In der DDR war das "Hausbuch" bekanntlich etwas ganz anderes, nach sowjetischem Vorbild.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2017 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36963

Konrad Adam rechnet es den alten Griechen gewissermaßen als Verdienst an, daß sie die Natur noch nicht durch Experimente gequält haben, sondern sich mit dem Anschauen begnügten. Sogar die Etymologie bemüht er, um das zu Beginn von Aristoteles gepriesene Wissen als ein Gesehenhaben zu bestimmen.
Ich weiß nicht, wie weit die Griechen schon Experimente im modernen Sinn angestellt haben, aber sie hätten sich bestimmt sehr dafür begeistert. Die Pythagoreer müssen systematisch mit der Saitenlänge von Monochorden experimentiert haben, und sie waren auch schon der Ansicht, daß das Buch der Natur in mathematischen Lettern geschrieben sei - auch wenn diese Metapher erst der Neuzeit als Rechtfertigung gegenüber dem Christenbuch einfallen konnte. Das wird bei Adam nicht richtig dargestellt.
Auch sonst haben sich die Griechen nicht mit der "Anschauung" begnügt, sondern im Gegenteil Theorien entwickelt, die den so kritisch beurteilten von Einstein und Planck nicht nachstanden. Man denke an den Atomismus. Sie rechneten durchaus damit, daß die Natur ganz anderes gebaut sein könnte, als es den Anschein hat. Dabei ging es naturalistisch zu, und das war schon mal ein Fortschritt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2017 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36943

Hans-Dieter Gelfert (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36890) schreibt an mehreren Stellen, schon die alten Römer hätten ein Sprichwort gekannt: De gustibus non est disputandum. Das ist allerdings nicht überliefert. Wie so oft. Auch Credo quia absurdum est steht nicht bei den alten Kirchenvätern, denen man es zuschreibt. Allerdings trifft es durchaus deren Geist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.11.2017 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36895

Das Urteil des Paris ist immerhin eine ziemlich alte Geschichte – und die Pointe derselben bemerkenswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2017 um 07.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36893

In alten Erzählungen kommt immer wieder vor, daß sich ein Mann in eine Frau verliebt, die er nur als kümmerliche Abbildung kennt, z.B. auf einem Medaillon. Die Schönheit kann da ja nur sehr schematisch wiedergegeben sein. Ob das realistisch ist? Es könnte sein, daß die Frauen früher, als auch die Liebesheirat die Ausnahme war, mehr nach "Zweckmäßigkeit" beurteilt wurden (Gebärtüchtigkeit, passende Familie, Feldarbeitstauglichkeit). Wer es sich leisten konnte, hatte mehrere.
Seit wann liest man von rasender Liebe zu einer Frau, deren Augen nothing like the sun waren? Also Trennung von Schönheitsideal und (romantischer) Liebe?
Daran muß ich denken, wenn ich die übernatürlich schön zurechtgeschminkten Frauen der Werbung sehe, in die sich wohl keiner von uns verlieben würde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2017 um 07.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36892

Mein verstorbener Lateinprofessor Walter Wimmel hat ein Buch geschrieben "Die Kultur holt uns ein" (übrigens mir gewidmet), in dem er die Schriftlichkeit für den Überbietungszwang und damit eine unaufhaltsame Beschleunigung verantwortlich macht. Diese müßte als positive Rückkoppelung (das sind meine Worte) zur Zerstörung des Systems führen, wenn es nicht Reduktionsbewegungen gäbe. Darauf ist er durch die Beschäftigung mit Kallimachos gekommen, naheliegenderweise.
Durch die Schrift bleibt alles erhalten, und man MUSS sich mit allem vergleichen und es besser machen. Das ist der Grundgedanke. Auf dem Einband ist der Diskos von Phaistos abgebildet, den man nie wird lesen können...
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.11.2017 um 20.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36891

Vermutlich haben Männer schon immer die Schönheit von Frauen verglichen – und umgekehrt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2017 um 14.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36890

Entwertet die Aufdeckung moralischer Unzulänglichkeit die künstlerische Leistung? Wagner wird natürlich überall zitiert, und Hans-Dieter Gelfert schreibt auch:

So hat Luise Rinser im Dritten Reich moralisch mehr Charakter gezeigt als Gottfried Benn, und doch wird sie als Autorin viel weniger geschätzt. (Was ist gute Literatur? Wie man gute Bücher von schlechten unterscheidet. 2. Aufl. München 2006:20)

(Ein kurioses Urteil nach allem, was wir heute über Rinser wissen.)

Nach Gelfert ist alle Welt sich einig, daß die Appassionata ein größeres Kunstwerk ist als der Flohwalzer. Woher kommt eigentlich dieses beinahe zwanghafte Vergleichen des sogenannten künstlerischen Wertes? Manche gehen nur zum Vergleichen ins Konzert. Muß das eigentlich so sein?

Eine Pekingente ist eine größere kulinarische Leistung als eine Pellkartoffel. Allerdings könnte ich letztere jeden Tag essen, die Ente nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2017 um 08.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36889

Von Konrad Adam, mit dem ich ja auch mal über die Rechtschreibreform diskutieren sollte (im WDR), gibt es ein Buch: „Kampf gegen die Natur“.

Dieses Buch und viele journalistische Texte zeigen das Vorurteil des „humanistisch“ Gebildeten gegen die Naturwissenschaften. Auch das schlichte Bild, das sich Adam vom Behaviorismus gemacht hat, kommt wieder vor. Im Ressentiment gegen die Naturwissenschaften treffen sich diese Konservativen mit den Frankfurter Salonmarxisten. Natürlich gibt es an der Verflechtung von Naturwissenschaft und Industrie einiges zu kritisieren, aber durch Einseitigkeit, Übertreibung und Unwissenheit verdirbt Adam alles. Die Altphilologie ist ohne Verdienst fein raus: kein Industrieunternehmen versucht sie zu korrumpieren. Adam ist das Musterbeispiel eines Menschen, der seine einmal gefaßten Ansichten niemals durch neue Erfahrungen oder Lektüren ins Wanken kommen läßt. Vielleicht ahnt er insgeheim seine Beschränktheit und schimpft darum so schwungvoll? Zu einem Vortrag vor der Herbert-Gruhl-Gesellschaft 2016:
Was als Fortschritt gefeiert werde, das sei oft das Geld nicht wert. Adam nannte als Beispiel Milliardensummen für einen Teilchen-Beschleuniger in Cern (?), dessen praktischer Nutzen sich nicht erschließe.
Welchen praktischen Nutzen hat die Astronomie? Wozu brauchen wir Gravitationswellen? Das kann niemand im voraus sagen, und es ist auch gleichgültig. (Zugleich ist Adam vom Nutzen des Griechischlernens überzeugt.) Wir erforschen die Welt, „weil sie da ist“ (wie mal jemand gesagt hat), nicht wegen eines absehbaren Nutzens. Das ist übrigens auch die Haltung der alten Griechen gewesen, was Adam eigentlich wissen müßte. (Auch daß die Griechen keine Fremdsprachen lernten...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2017 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36875

„Gaunerzinken der Einbrecherbanden“ (Focus)
Gezeigt werden aber Gaunerzinken der Bettler (mit Abbildung aus Wikipedia). Einbrecher werden wohl nicht so dumm sein, die Objekte ihrer Blitzaktionen schon lange vorher (und für wen?) zu markieren. Die Polizei bezweifelt es ebenfalls. "Fahrendes Volk" wie einst die Erfinder jener Zinken sind die heutigen Einbrecher zwar auch, aber in einem anderen Sinn.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2017 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36844

Früher wurde der Generationswechsel durch rebellische Jugend beschleunigt, heute durch ältere Herrschaften, denen plötzlich einfällt, daß ihnen vor 30 oder 40 Jahren mal jemand die Hand aufs Knie gelegt hat. Schneller können Karrieren nicht beendet werden. Und wer hätte gedacht, daß Hände auf Knien einmal ein Hauptthema der internationalen Presse sein würden!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2017 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36785

Die Arbeitsumgebung dürfte sich auf unsere Produktivität auswirken; jedenfalls nehmen das die Psychologen an und lassen es in die Gestaltung von Büros und Fabriken einfließen. Bei uns Geisteswissenschaftlern glaubt man sich solche Rücksichten sparen zu können. Die Philosophische Fakultät in Erlangen ist das Unwirtlichste, was ich je erlebt habe, und das will etwas heißen. Wenn man sich in Marburg mit den Feinheiten alter Texte beschäftigen möchte, muß man erst mal hier durch:

https://farm6.static.flickr.com/5819/29605413893_9e96743b8f_b.jpg

https://meinmarburg.files.wordpress.com/2011/09/phil-fak.jpg?w=600

Da hat sich seit 45 Jahren auch nichts geändert. (Als ich anfing, in Marburg Klassische Philologie zu studieren, war das Seminar in einem alten Klostergebäude mit knarrenden Dielen und Ofenheizung. Sehr gemütlich, es waren auch nie mehr als drei Studenten gleichzeitig anwesend.)

In Innsbruck war es viel adretter, auch innen, allerdings sind meine Gastspiele auch schon lange her.

In Delhi sorgte allein der Monsun dafür, daß die Seminargebäude zerbröckelten, bevor sie fertig gebaut waren. Zeitweise mußte ich morgens durch ein Spalier von Soldaten (Notstand unter Indira), das war zwar sicher, aber auch nicht so schön. Wenn der Deckenventilator ausfiel, habe ich das Seminar auf die Wiese unter einen Baum verlegt.

In Tianjin war der Campus erwartungsgewäß ein Muster an Ordnung und Sauberkeit. Jeder wußte auch, welcher Student der Partei zu berichten hatte; er war trotzdem nicht unbeliebt.

Das waren also ganz verschiedene Stimmungslagen, und es sollte mich wundern, wenn die sogenannten Gedanken davon unberührt geblieben wären.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2017 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36770

In Bubenreuth hat ein Mann die Polizei gerufen, weil er in mysteriösen Zeichen an seiner Haustür Gaunerzinken vermutete. Die Polizei entzifferte 20*C+B+M*17 und beruhigte ihn. (Die Reihenfolge der Buchstaben ist unüblich.)
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 25.10.2017 um 21.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36766

Nachtrag:

"Experience is a hard teacher, because she gives the test first, the lesson afterwards." (Vernon Law)
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 25.10.2017 um 21.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36765

Politiker sollten "geeignet" sein, "getestet" werden. Hört sich sehr vernünftig an: Politiker als Ausbildungsberuf mit Prüfung – da möchte man natürlich gern wissen, wie man das praktisch anstellen will. Es ist eben so: Wie "gut" ein Politiker war, läßt sich (leider) immer erst hinterher beurteilen. Es ist wie im persönlichen Leben. Die Wirkungszuammenhänge sind nie vollständig überschaubar. Gute Absichten können schlimme Folgen zeitigen – das Umgekehrte gibt es aber auch. Sogenannte Experten irren auf diesem Gebiet genauso oft wie Laien, nur sind die Folgen meistens viel gravierender. Aber nach bestem Wissen und Gewissen sollte ein Politiker schon handeln. Bildung kann auch nicht schaden. Aber ansonsten kann ein Mißerfolg nur durch Abwahl geahndet werden – und das kann dauern. In einem Wirtschaftsbetrieb reicht dafür ein Geschäftsjahr.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2017 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36764

Wenn man die "Philosophenherrschaft" moderner ausdrückt (aber ohne wesentliche Verfälschung), könnte man von Expertenherrschaft oder Technokratie sprechen.
Aber wie schon Aristoteles erkannte, sind die politischen Verhältnisse nicht von der Art, daß sie rein fachlich entschieden werden könnten. Wir sehen ja, daß schon eine verhältnismäßig technische Frage wie der Leitzins mit ganz unterschiedlichen Maßnahmen beantwortet werden kann; jeder hält seine für die richtige.
Gerade lese ich, daß Steinmeier in Moskau eine stärkere Annäherung zwischen Deutschland und Rußland befürwortet, was ja wohl auf mehr Schrödersches Vertrauen zu Putin hinausliefe. Ob das richtig wäre? Mit dem Rechenschieber läßt es sich nicht entscheiden. Da kann man auch gleich die unwissende Masse abstimmen lassen.

(Indexfonds sind die dümmste und erfolgreichste Art der Geldanlage. Das ist auch beunruhigend.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2017 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36763

kratzbaum bezieht sich möglicherweise auf diesen Eintrag: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1024#36520

Der alte Satz, die Demokratie sei die beste von allen schlechten Herrschaftsformen (oder so ähnlich), bewährt sich auch hier. Theoretisch unbefriedigend, aber praktisch noch am erträglichsten. Und da wieder das gleiche Wahlrecht für alle. Ich kann und will hier natürlich nicht einmal die wichtigsten Diskussionspunkte vorführen, es ist ja auch weitgehend Allgemeingut.

Poppers Platonkritik ist bekannt, und ich möchte im Idealstaat Platons bestimmt nicht leben; ein gescheites Buch bleibt die "Politeia" auf jeden Fall.

Aristoteles hat sich auch viel mit den Bildungsanforderungen beschäftigt, die einer demokratischen Teilhabe zugrunde liegen sollten. Die Griechen hatten nicht nur sämtliche Entartungen der Politik vor Augen (dazu die orientalische Despotie vor der Haustür), sondern auch die harmlose Einrichtung der Wahlbeamten. Zum Beispiel wurden eine Art Gemeindeärzte gewählt. Wie kann jemand einen Arzt wählen, wenn er selbst gar kein Mediziner ist? (Aktuelles Problem z. B. an unserer Universitäten, aber natürlich auch in der Politik.) Das bleibt lesenswert.

Allerdings verstehe ich nicht, warum Platons Republik ausgerechnet zum "Faschismus" führen sollte. Übrigens finden sich darin auch recht moderne Gedanken. Irritierend bleibt, daß Platon später noch das Riesenwerk der "Nomoi" geschrieben hat. Sein erklärtes Ziel ist immer die "Gerechtigkeit". Und die Griechen haben sich immer an Stadtstaaten orientiert; dadurch wird es etwas schwierig, ihre politische Theorie mit heutigen Augen zu sehen und zu beurteilen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.10.2017 um 16.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36761

Wo steht das noch mal vom Eignungstest?
Im Grunde ist doch die Idee gar nicht so schlecht. Wer sowieso nicht weiß, welche welche Partei wofür steht, schadet sich eher selbst.

Die Politiker werden gewählt, daher sollten sie eigentlich schon getestet sein. Wer sich nicht eignet, den sollte niemand wählen, der sich auskennt.

Die Reihung "Astrologie, Homöopathie, Fremdenfeindlichkeit" liest sich überraschend. Die ersten beiden sind eher witzig und harmlos, letzteres ist gar nicht witzig, aber sehr gefährlich. Leider wird heute Fremdenfeindlichkeit unzulässigerweise oft mit Konservativismus gleichgesetzt.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 25.10.2017 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36759

Mehrheit und Wahrheit

Wieso Eignungstest für Wähler? für Politiker gibt es ja auch keinen. (Eben war einer noch Wirtschaftsminister, plötzlich ist er Außenminister) Wer kontrolliert die Kontrolleure?
Hätte das Dritte Reich durch bessere Kenntnisse im Volk verhindert werden können? – Die Platonsche Utopie von der Herrschaft der Kundigsten führt am Ende zum Faschismus. – Politik beginnt nicht mit Kenntnissen und Können, die sich dann im Handeln niederschlagen. Sie wurzelt (beim Wähler) im Irrationalen (Wünschen, Befürchtungen, Unzufriedenheit...). Aufgabe guter Politik ist es, diese in eine rationale, handhabbare Form zu bringen, abzuwägen und dann zu entscheiden. Das ist unendlich viel schwerer, als seine begrenzte Perspektive als "alternativlos" darzustellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2017 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36756

Wie ich lese, haben fast 4 Millionen eine Thermomix-Sendung im Ersten gesehen. Leserzuschriften bestätigen den Eindruck, den ich anderswo beschrieben habe.

Die Stabilität von Überzeugungen und Ressentiments muß einen evolutionären Sinn haben. Das fiel mir wieder ein, als ich den ungeschickten Umgang der etablierten Parteien mit der AfD beobachtete. Deren Wähler suchen ja zunächst nach allem, was sie in ihrer Wahl bestätigt. Wenn man ihnen unablässig vorhält, die Schmuddelkinder des Bundestags gewählt zu haben und wahrscheinlich selbst zu den Schmuddelkindern zu gehören, gewinnt man sie bestimmt nicht zurück. Es war ja schon ein übler Trick, die Geschäftsordnung zu ändern, nur damit kein Vertreter der AfD die ihm rechtmäßig zustehende Funktion der Bundestagseröffnung ausüben konnte. Geschäftsordnungen und Gesetz gelten allgemein, nicht einer bestimmten Person im Tagesgeschäft. Potentaten in autoritären Staaten lassen mal eben die Gesetze ändern, um länger amtieren zu können usw.

Zur Stabilität von Vorurteilen: Horoskope sind so offensichtlich Unsinn, daß man meinen sollte, im Laufe der Jahrhunderte habe sich ihre Nutzlosigkeit herausgestellt. Weit gefehlt. Dalrymple (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1618#36494) berichtet von den Indern, dem abergläubischsten Volk der Erde, daß z. B. Hochzeiten nicht ohne Berücksichtigung des Astrologen stattfinden. Daher heiraten Tausende von Paaren zur selben, angeblich günstigen Zeit, und man kann wegen des allgegenwärtigen Lärms nächtelang kein Auge zumachen.
Theoretisch kann man Astrologie, Homöopathie, Fremdenfeindlichkeit usw. widerlegen, praktisch nicht. Es wächst sich aus oder eben nicht. Solche "Einstellungen" haben also kurioserweise die Eigenschaften, die Thomas Kuhn den Wissenschaften nachsagt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2017 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36751

Trump will Kennedy-Akten freigeben.

Bei dieser Gelegenheit stellte ich mir die beliebte Psychologenfrage (eher in den USA): Wo waren Sie, als Sie von Kennedys Ermordung erfuhren? Diese Frage eignet sich, weil praktisch jeder von dem Mord erfahren hat.

Ich habe ein schlechtes Gedächtnis, aber das weiß ich noch genau: Ich habe es in einem Zeitungskasten in Marburg gelesen, in der Nähe des Ernst-von-Hülsen-Hauses. Und dieses ziemlich ansehnliche Gebäude war mir vertraut, weil unterm Dach der bekannte Musikwissenschaftler Hans Engel seine Vorträge im "Studium generale" hielt, vor sehr kleinem Publikum.

Nun sehe ich bei Google, daß das Haus 2016 umbenannt worden ist, weil der Namensgeber zwar große Verdienste um den Ausbau der Philipps-Universität, aber auch braunen Dreck am Stecken hatte. Der Wikipedia-Eintrag weiß allerdings nichts davon, außer NSDAP-Mitgliedschaft.

Was mich interessiert: Als von Hülsen 1950 starb und man die Namensgebung beschloß, müssen doch seine Taten und Untaten allen Beteiligten noch aufs lebhafteste gegenwärtig gewesen sein. Warum mußten 66 Jahre vergehen und eigens Forschungen angestellt werden, um das inzwischen Vergessene wieder herauszufinden? Das geistige Klima muß noch längere Zeit so gewesen sein, daß man "Verdienste" um eine judenfreie Universität nicht weiter schlimm fand. Ich selbst habe mich, wie schon berichtet, während meiner ersten Semester (ab 1963) überhaupt nicht für die Vergangenheit meiner Professoren interessiert. Das stand einfach in keiner Verbindung zu den Greueln der Nazis, die mir durchaus bekannt waren (Joseph Wulfs Dokumentationen hatte ich längst gelesen). – Ich berichte diese unscheinbaren Dinge als Mosaiksteinchen einer "oral history".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.10.2017 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36704

Wenn ich das Christentum recht verstehe, besteht ein großer Teil des Kults im Jubel über die Erlösung durch den Opfertod Jesu. Zuerst trauert man (Karfreitag), dann besingt man den Sieg über den Tod. Das ist in sich durchaus stimmig.

Natürlich hat man die naheliegende Ansicht geäußert, daß das Abendmahl bzw. die Eucharistie besonders in der vielfach beteuerten "nicht nur symbolischen" Auffassung doch arg an rituellen Kannibalismus erinnere, und ebenso viel Mühe ist darauf verwendet worden, diese Ansicht zurückzuweisen. (Man kann es leicht nachlesen, ich brauche es nicht nachzuzeichnen.)

Zum Kannibalismus s. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1227#15105

Ob Kannibalismus "froh" macht in einem Sinn, den die Kannibalen nachvollziehen könnten, weiß ich nicht. Herodot berichtet schon von Völkern, die es als ihre Pflicht ansehen, die verstorbenen Eltern aufzuessen. Das war wohl eher eine ziemlich sinistre Angelegenheit. Aber so weit muß man eben gar nicht gehen. Der Leichnam Jesu macht traurig, aber auch froh.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 20.10.2017 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36703

Ein Kannibale hätte es einfacher, sich unter einem frohen (froh machenden) Leichnam etwas vorzustellen.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 20.10.2017 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36702

Es wäre viel gewonnen, wenn an die Stelle von "Werten" wieder Regeln und Gesetze träten – und diese strikt befolgt würden. Werte sind keine politische Kategorie, und Handlungsanweisungen lassen sich aus ihnen schon gar nicht ableiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2017 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36701

Hier ist noch ein altes Beispiel:

So man einem Menschen zu Hause trägt das heilige Sacrament, den frohen Leichnam unsers lieben Herrn Christi, davon gebürt einem Pfarrer, oder dem, der das thut, ein Pfennig. (1844)

Was die Menschen sich heute darunter vorstellen, müßte man sie natürlich selber fragen. Vielleicht den wiederauferstandenen Christus oder den frohmachenden (worauf die Beispiele hindeuten). Sie sind ja daran gewöhnt, daß die Kirchensprache anders ist; aus dem Gesangbuch tragen sie auch manches vor, was sie im Grunde nicht verstehen. Diese Halb- oder Unverständlichkeit stört nicht, im Gegenteil, sie wirkt geheimnisvoll und schön.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 20.10.2017 um 15.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36700

Auch bei einer Fehldeutung bliebe immer noch die Frage, was man sich denn nun unter einem "Frohen Leichnam" vorzustellen habe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2017 um 15.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36699

Dazu müßte man die beiden Wörter aber überhaupt erst einmal in eine Verbindung bringen, und wie könnte man das, wenn man gar nicht weiß, was der erste Bestandteil bedeutet? Bringt man frönen auch noch dazu? Das scheint alles Zufall zu sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 20.10.2017 um 13.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36696

Wer das Wort Fronleichnam nicht deuten kann, und das sind wohl die meisten, auch ich wüßte es nicht, wenn ich nicht irgendwann mal nachgeschlagen hätte, dem ist aber doch zumindest das Wort Frondienst schon mal begegnet, vielleicht in der Schule oder in einem historischen Buch oder Film. Daher müßte eigentlich jedem klar sein, daß es was auch immer, aber nicht froh bedeuten kann.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 20.10.2017 um 12.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36695

Zu Sieg oder Niederlage:
Ein berühmter Mann (der Name ist mir entfallen) sollte getröstet werden mit der Bemerkung, vielleicht sei ja sein Unglück in Wirklichkeit ein verstecktes Glück. "Wenn das ein verstecktes Glück ist, dann ist es verdammt gut versteckt!"
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 20.10.2017 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36694

Frage an Erich Kästner: "Herr Kästner, wo bleibt das Positive?" – "Weiß der Teufel, wo das bleibt!"
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 20.10.2017 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36690

"Denn die Österreicher hatten in allen Kriegen ihrer Geschichte zwar auch gesiegt, aber nach den meisten dieser Kriege hatten sie irgendetwas abtreten müssen. Das weckt das Denken." (R. Musil, Der Mann ohne Eigenschaften) – Na klar hat die Merkel-CDU gesiegt. Darum sind auch alle in der Partei so begeistert und können ihr Glück nicht fassen.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 20.10.2017 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36689

Deutschlerner haben es besonders in Bayern nicht leicht. Da gibt es Wörter mit gleichzeitig drei Genera: "Daß di der Deifi hol!"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2017 um 08.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36687

Die Union hat Stimmen verloren und die Wahl gewonnen. Letzteres war ihr erklärtes Ziel, ersteres bestimmt nicht gewünscht, aber ich sehe das Problem nicht. Merkel hat nach meiner Erinnerung nie etwas anderes gesagt als "Schade um die Stimmen, aber wir haben die Wahl gewonnen und müssen die Regierung bilden" oder so ähnlich – wo ist da eine nachträgliche Umdeutung?
Übrigens haben alle Parteien Stimmen an die AfD verloren, aber besonders die Union auch an die FDP, mit der zusammen sie das traditionelle "bürgerliche Lager" bildet, das im großen und ganzen so stark wie eh und je ist. Die AfD hat keine Zukunft, wie sich ja schon abzeichnet; die Stimmen werden wieder zurückkommen.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 20.10.2017 um 08.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36686

Wie deute ich als Parteivorsitzende eine Niederlage in einen Sieg um? Ich ändere einfach nachträglich das Ziel bzw. den Maßstab. Dazu paßt die folgende kleine Geschichte aus der Zeit des Kalten Krieges.
Kennedy und Chruschtschow machen einen Wettlauf. Kennedy gewinnt. Anderntags steht in der "Prawda": Der amerikanischen Präsident wurde bei einem Wettlauf mit unserem Genossen Generalsekretär Vorletzter. Genosse Chruschtschow belegte einen ehrenvollen Zweiten Platz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2017 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36684

Fronleichnam ist den meisten unverständlich, weil das Grundwort ausgestorben ist bzw. nur versteckt überlebt hat. Die volksetymologische Umdeutung ist auch in der Literatur nachweisbar:

Morgen wird ein hohes Fest
Froher Leichnam schön gefeyert

(Tieck: Kaiser Octavianus)

Auch im Kirchenlied:

Doch ach, wie kann sie hoffen,
Daß ihr gewähret sei
Des Herren froher Leichnam
In ihrer Wüstenei?


Wilfried Kürschner erklärt:

"Wie nun diese beiden Teile der Zusammensetzung Fronleichnam in Beziehung zu setzen sind, ist denen, die sich mit der Geschichte der deutschen Sprache nicht so gut auskennen (und das dürfte der weitaus überwiegende Teil der Sprachteilhaber sein) und die auch religiös eher indifferent sind, schleierhaft. Also kommt es zu der scherzhaften bis respektlosen Umdeutung: Fron wird als das ähnlich klingen­de Adjektiv („Eigenschaftswort“) frohen/froh’n gedeutet (englisch happy), Leichnam wird wörtlich verstanden (›Lei­che, toter Körper‹), und der Leiche wird die im Vorderglied vermutete Eigenschaft, froh zu sein, zugesprochen." (http://www.baer-linguistik.de/beitraege/jdw/fronleichnam.htm)

Das muß aber gar nicht scherzhaft oder respektlos sein; wie die Belege zeigen, wird das Fest mit der Auferstehung in Verbindung gebracht, so daß "froher Leichnam" irgendwie sinnvoll erscheint.

Die Transsubstantiation ist ja geheimnisvoll genug, und man tut gut daran, es nicht allzu genau wissen zu wollen. Eine Zeitung versucht es zu erklären:

"In der katholischen Kirche wurde bereits 1215 festgelegt, dass bei der Wandlung eine Hostie zum Leib Christi gewandelt wird. Bei der Feier der Eucharistie, also der Danksagung, nehmen die Gläubigen in Form von Brot und Wein den Leib des Herrn zu sich. Fronleichnam ist eng verwandt mit der Eucharistie und dient als Fest des Altarsakramentes. Für Menschen katholischen Glaubens ist es wichtig, Glaubenselemente mit materiellen Elementen zu verankern. Diese Verknüpfung wird an der Eucharistie deutlich: Sie ist ein Übergang von subjektiver zu objektiver Vergegenwärtigung Gottes.“

Den aktuellen Stand, auch die Folklore, gibt die Süddeutsche Zeitung wieder:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/brauchtum-fronleichnam-zwischen-tradition-und-touristen-attraktion-1.3544134
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 19.10.2017 um 20.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36683

Nochmal zu christlichen Feiertagen: Bei Fronleichnam denkt mancher wahrscheinlich, wenn er es hört, es sei so etwas wie Frohen Leichnam.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 19.10.2017 um 20.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36682

Grausamer Fund in der Tiefgarage (Blickpunkt)

Ein Fund kann nicht grausam sein, höchstens grausig.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.10.2017 um 15.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36681

In Wien sieht man noch alte Schilder wie z. B. »Mariahilferstraße«. Im Süden ist die Getrenntschreibung dieser toponymischen Straßennamen erst spät angekommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2017 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36678

Na gut, den Sick nehme ich zurück. (Obwohl er ja auch manchmal recht hat, als "Fleisch gewordener Duden".)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.10.2017 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36677

Von »Sickscher Manier« kann man vielleicht sprechen, wenn Tippfehler ageprangert werden, aber doch nicht, wenn berechtigterweise Kritik an der Fehlleistung einer Stadtverwaltung geübt wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2017 um 06.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36674

Wie die Volksstimme berichtet, hat jemand ein falsches Straßenschild entdeckt: Benediktiner Str. und in Sickscher Manier der Zeitung gemeldet; die Stadtverwaltung hat es schnell ausgewechselt.

Der Duden schreibt in Regel D 162 vor: Nur Straßennamen mit Ortsbezug – wie Schönebecker, Braunschweiger oder Halberstädter Straße – werden auseinandergeschrieben. (Volksstimme 18.10.17)

Der Duden ist zwar nicht verbindlich, aber es stimmt, daß die Umdeutung zum Adjektiv bei solchen Wörtern noch nicht abgeschlossen ist. Allerdings ist der Weg beschritten (Marketing und Fachtexte).

Problematischer ist das von der Zeitung verwendete auseinanderschreiben. Der Duden erkennt nur Zusammenschreibung an. auseinander ist hier allerdings kein Resultativzusatz. Ich würde es wie das gleichbedeutende getrennt nicht zusammenschreiben. Falls die Zusammenschreibung wirklich aus der Revision der Reform stammt (das Wörterverzeichnis ist nicht ausreichend), wäre sie über das Ziel hinausgeschossen, die sinnlose Vermehrung der Getrenntschreibung rückgängig zu machen.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 17.10.2017 um 10.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36633

Von hundert Klimatettungsbewegten kann einem vielleicht einer auf Anhieb sagen, was man unter "Klima" versteht und was da eigentlich gerettet werden soll. Was sonst unabdingbare Voraussetzung jeder vernünftigen Diskussion ist: klare Begriffe, über deren Bedeutung sich alle einig sind, ist hier offenbar unnötig – geht es doch um die gute Sache schlechthin. Wer wollte da kleinlich auf Logik und Genauigkeit bestehen...

Religiös Gebundene sahen und sehen hinter den Wechselfällen ihres Lebens eine höhere Macht am Werke, z.B. Gottes unerforschlichen Ratschluß. Das Leiden wurde dadurch zwar nicht erleichtert, bekam aber einen Sinn.

Heute besteht die Neigung, hinter Wetterkapriolen, Überschwemmungen, Wirbelstürmen, Dürrezeiten das Walten einer höheren Macht, "Klima" genannt, zu vermuten. Die Parallelen zum religiösen Glauben sind frappierend. Es gibt "Klimasünder", sogar einen Ablaßhandel in Gestalt von CO2-Zertifikaten. Und trotzdem hat noch niemand das Klima direkt wahrgenommen, während all Welt sich gern und zu Recht übers Wetter unterhält.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 17.10.2017 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36632

Ist es nicht bemerkenswert, daß der einzige christliche Feiertag, dessen Name sozusagen selbsterklärend ist, als erster einer Umbenennung und Umfunktionierung zum Opfer fällt? – Eine Vatertagstour kann man nicht allein unternehmen. Man zieht mit einigen Kumpels, die gar nicht mal Väter zu sein brauchen, meistens per Rad, los und kehrt abends mehr oder weniger besoffen heim. Am Vatertag wird also, anders als am Muttertag die Mutter, der Vater nicht besonders geehrt, sondern er darf mal guten Gewissens, beinahe pflichtgemäß aus dem Familiengefängnis ausbrechen – natürlich ohne die Teilnahme von Frauen. Da sei Mutti vor! Männer sind eben doch leicht zufriedenzustellen. – "Schöne Himmelfahrt morgen..." sagt man eigentlich auch nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2017 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36630

Giorgos Papakonstantinou beschreibt in einem Buch, was hinter den Kulissen geschah, um Griechenland zu "retten". Das ist natürlich viel interessanter als die Beschimpfung der Beteiligten mit starken Worten, die zwar das Gemüt erleichtern, aber gar keinen Erkenntniswert haben.

Dabei fällt mir eine kleine Erfahrung ein, die ich während der Arbeit am vierten Band der zweisprachigen Ausgabe von Hwang Tong-gyus Gedichten gemacht habe (übrigens soeben erschienen). In Südkorea scheint es zu genügen, das Kürzel IWF zu erwähnen, um eine sehr lebhafte Erinnerung an das Schreckensjahr 1997 hervorzurufen. Der Kredit war an Auflagen gebunden, die zu massenhafter Arbeits- und Obdachlosigkeit führten. Danach ging es bekanntlich steil bergauf.

Es ist ganz heilsam, die Welt zwischendurch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Zum Beispiel sprechen manche ja von einer Flüchtlingskatastrophe und denken dabei an Deutschland, nicht an die Regionen, wo es wirklich eine gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2017 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36589

Eine Psychologin, die viel über Narzißmus geschrieben hat, wird von der FAS ganzseitig über eben diesen interviewt. Oben drüber ein Foto der mutmaßlich narzißtischen Pippi Langstrumpf, und aus dem Augenwinkel sehe ich, daß der IS wohl auch narzißtsch ist. Ich kann so etwas nicht lesen. Aber warum hält sich das Narzißmus-Geschwätz nicht nur, sondern breitet sich immer mehr aus? Das dürfte mit einer uralten Philosophenweisheit zusammenhängen, der die „psychoanalytische“ Entlarvungspsychologie entgegenkommt: Der Mensch will sich, wie alles Lebendige, behaupten, darum steckt hinter jedem Verhalten letzten Endes „Egoismus“ (ein dann überflüssig gewordenes Synonym für „Leben“). Auch der Heilige – und gerade der – quält sich mit der Ahnung, daß seine Selbstverleugnung auch nichts weiter als Eitelkeit ist usw. (Augustinus ist der Prototyp). „Hunger nach Anerkennung“ nennt es die Psychologin, das ist auch nur ein anderes Wort dafür.
Darum hat der Narzißmus-Entlarver immer recht. Aber warum durchschauen die Journalisten den primitiven Mechanismus nicht, sondern pilgern immer wieder ehrfürchtig zu den psychologischen Gurus? Wird dieser Unfug nie enden?
Freud hat wohl auch deshalb am "Narzißmus" festgehalten, weil er ihn für die "narzißtische Kränkung" brauchte und damit für seine Selbststilisierung zum historisch einzigartigen obersten Kränker der Menschheit, größer als Kopernikus und Darwin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2017 um 10.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36478

Bertelsmannstiftung analysiert Bundestagswahl:
„Die AfD wurde ganz überwiegend von Menschen gewählt, die der sozialen und kulturellen Modernisierung zumindest skeptisch gegenüberstehen“, befand Vehrkamp nach Auswertung der Zahlen. 65 Prozent aller AfD-Wähler kommen aus Milieus, die eher modernisierungsskeptisch sind.


Sind das wertfreie Begriffe, mit denen man wissenschaftlich arbeiten kann, oder ist es Politik im Mäntelchen der Wissenschaft?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2017 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36439

Der 3. Oktober sei „für uns alle ein bewegendes Datum“, sagte Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel zur Begrüßung. „Die Bilder des Mauerfalls bewegen uns nach wie vor.“ (Augsburger Allgemeine 4.10.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2017 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36435

Eine Mutrede gegen Wutbürger hat Steinmeier gehalten. (Handelsblatt 3.10.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2017 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36431

Zum Nationalfeiertag:

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Tag der Deutschen Einheit vor neuen Mauern in der Gesellschaft gewarnt und einen ehrlichen Umgang mit dem Flüchtlingszuzug angemahnt. Die große Mauer, die Deutschland geteilt habe, sei gefallen.

Die saisonübliche Mauer-Metaphorik, diesmal besonders ausgesponnen. Sie würde besser passen, wenn der Mauerfall und nicht der bürokratische Akt des Beitritts zu feiern wäre. Das schiebt sich in der offiziellen Gedächtnisbewirtschaftung übereinander.

Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#26918
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2017 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36389

Die Zeitung druckt das Fahndungsfoto eines Erpressers. Seit er tatsächlich festgenommen ist, wird sein Bild verpixelt, denn jetzt ist er verdächtigt, aber nicht verurteilt. Recht so, wenn auch etwas komisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2017 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36376

Vgl. auch http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1544#35749
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.09.2017 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36375

Stimmt, Schulpflicht steht nicht im Grundgesetz. Ist das nicht seltsam?

Aber auch der Religionsunterricht laut Grundgesetz wirft Fragen auf. Wieso wird für ihn als einziges Schulfach festgelegt, daß er "ordentliches Schulfach" ist, was ja wohl beides, Lehrpflicht für die "öffentlichen Schulen" und Lernpflicht für Schüler bedeutet?
Und wie verträgt sich das mit § 7 (2) "Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen"?
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 29.09.2017 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36373

Deutschlandfunk, "Kalenderblatt" vom Donnerstag, 28.9. zur Einführung der Schulpflicht in Preußen. Schlußsentenz: "1919 schließlich wird der regelmäßige Schulbesuch als Pflicht und als Recht für alle Kinder in die Weimarer Verfassung aufgenommen. Und so steht es auch im Grundgesetz."
Was alles so in dieses Grundgesetz hineinphantasiert wird! Der einzige Artikel, der sich mit dem Schulwesen befaßt, ist – abgesehen von der Bremer Klausel Art. 141 – Artikel 7. Dort wird festgelegt, daß das gesamte Schulwesen der staatlichen Aufsicht unterliegt und daß konfessioneller Religionsunterricht Pflichtfach ist. Dazu ein paar Bestimmungen über das Recht auf Privatschulen. Von irgendeiner Schulpflicht oder gar sonstigen Inhalten des Unterrichts steht dort nichts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2017 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36356

"Der Herr Schulz war von Anfang an die falsche Wahl, der ist der Sache nicht gewachsen, der war schon als Parlamentspräsident in Europa ein Mann, der die Wahrheiten nicht erkannt hat." (Klaus von Dohnanyi, SPD, nach SZ 28.9.17)

So klar im Kopf möchte ich mit 89 auch noch sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2017 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36325

Aus einer Übersichtskarte der FAZ geht hervor, daß im Wahlkreis Emden nicht nur unsere Urlaubsinsel Juist die SPD gewählt hat, sondern auch die vorgelagerte Vogelinsel Memmert.

In unserer Verwaltungsgemeinschaft lag die Wahlbeteiligung um 90 Prozent; man wählt hier zwar schwarz, aber auch grün, und die AfD bleibt unbeachtlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2017 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36322

Die "starke Opposition" ist das neue Schlagwort, wohl als Abwehr von Münteferings "Mist". Sogar die Abo-Werbung des "Freitag" schreibt:

Bilden Sie mit uns eine starke Opposition

Na ja, die Auflage beträgt 23.876 Exemplare.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2017 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36300

Nicht repräsentativ, natürlich, aber doch ganz interessant: Wir haben mehrere Bekannte in den USA, die Trump gewählt haben, nur um Clinton zu verhindern. Auch um das Establishment mal ein bißchen aufzumischen. Nach und nach gestehen sie, daß es ein Fehler war. (Manche wären gar nicht erst in Versuchung gekommen, hätten die Demokraten nicht Sanders weggebissen.)
Das findet größtenteils als Getwitter statt, an dem ich nicht direkt teilnehme, schiele nur ab und zu zu meiner Frau rüber.
Bei uns gibt es ja auch eine Anzahl Mitbürger, die nicht aus Überzeugung, sondern aus ähnlichen Gründen diesmal AfD wählen. Auch eine Belebung der Bundestagsdebatten fänden sie recht unterhaltsam.

Vielleicht gibt es auch Parallelen unter den Brexiteers. Nach den Wahlen hat man dann ein paar Jahre Zeit, sich mit den Folgen zu beschäftigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2017 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36280

Martin Schulz gibt dem Wahlkampf Würde

Als ich diese Überschrift las, wußte ich ohne Hinsehen, daß der Text nur von Heribert Prantl sein konnte. Erwartbar und gleichzeitig originell.

Übrigens wird Schulz dafür gelobt, daß er sich abrackert.

Merkel kommt auch nicht so schlecht weg, aber auch in ihrem Fall ist der Text ein bißchen schräg:

Respekt verdient auch die Kanzlerin dafür, dass sie sich bei ihren Wahlkampfauftritten dieser Wut, samt Tomaten und Unflätigkeiten, ausgesetzt hat. Noch mehr Respekt hätte sie sich verdient, wenn sie Attacken nicht nur ausgehalten, sondern auch deutlich beantwortet hätte.

Hätte sie zurückschmeißen sollen? Oder öfter "verdammt" sagen wie Schulz?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2017 um 17.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36264

Was hat die Ablehnung mit Ihnen gemacht?
(Frage eines Journalisten an einen abgelehnten Asylbewerber. FR 21.9.17)

Na, was wohl? Traumatisiert natürlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2017 um 07.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36191

Beim Einsturz des WTC-Nordturms vor 16 Jahren blieb eine Kopie von Rodins "Denker" erhalten, wurde aber später gestohlen. Nun, es gibt noch zwei Dutzend andere.

Im Rodin-Museum in Paris habe ich das Original (in der monumental vergrößerten Fassung) mehrmals gesehen. Wir zartgliedrigen, nervenschwachen Philosophen stehen ja immer etwas unsicher vor dem Muskelmann und fragen uns, warum Rodin einen Preisboxer von fragwürdigem Ruf als Modell benutzt hat. Wozu braucht ein Denker soviel Muskelfleisch? Warum ist er nackt wie ein altgriechischer Ringkämpfer? Sehr kompliziert können seine Gedanken nicht sein. Vielleicht denkt er "Du mußt dein Leben ändern", das paßt am besten zur Pose.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2017 um 06.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36189

Ich setze meine legendären Ausflüge in die Küche fort.

Häufig landen grüne Bohnen im Eintopf. Doch eigentlich sind sie dafür viel zu schade.

Neben dem neutralen Gebrauch hat landen einen leicht pejorativen wie in den Wendungen auf der Straße, im Müll, als Bettvorleger landen. Es deutet eine Herabstufung an, ein mehr oder weniger unwürdiges Ende. Zu den weiteren unausgesprochenen Prämissen der schockierenden Aussage gehört, daß wertvolle Lebensmittel ungemischt genossen werden sollten, nicht als Bestandteil von „Zusammengekochtem“ oder „Durcheinander“, wie man regional sagt. Der geschichtliche Hintergrund von Armut, Resteverwertung und dürftigen Sonderbedingungen (Armee) ist im vorzüglichen Wikipedia-Artikel dargestellt.
„Eintopf gehörte früher zu den klassischen Arten der Resteverwertung von Lebensmitteln, für die inzwischen Umweltwissenschaftler und Zivilisationskritiker angesichts der heutigen Überflussgesellschaft – nach Schätzungen landet [!] bis zu einem Viertel der Lebensmittel im Müll – wieder eine höhere Geltung fordern.“ (Wikipedia) Dort auch der Hinweis, daß viele klassische Gerichte ausländischer Küche im Grunde Eintöpfe sind.

Eintopf steht noch nicht im DWb., weil man praktisch jeden Tag Eintopf aß und darum keine eigene Bezeichnung brauchte. – Von der Wortbildung her am ehesten als Bahuvrihi zu deuten, mit dem Zahlwort als Erstglied (wie Dreispitz).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2017 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36152

In einer Serie der FAZ ("Mein erstes Mal") gesteht Paul Maar, im Ausland Vorträge über "Pippi Langstrumpf" gehalten zu haben, ohne das Buch zu kennen. Erst jetzt, mit fast 80, liest er es zum erstenmal.

Das Geständnis immerhin ist sympathisch. Aber so ist das, auch über Skinner zum Beispiel reden und schreiben unzählige Leute, ohne eine Zeile gelesen zu haben.

Wird ein solcher Fall bekannt, zieht er bei weitem nicht ähnliche Sanktionen nach sich wie ein Plagiat. Dabei ist er in der Regel schädlicher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.09.2017 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36142

Ich habe ein wenig Einblick in die Kurse zur Mitarbeitermotivation, die sich große Unternehmen leisten. In den Anleitungen herrscht ein ganz seltsamer Ton. Ob USA oder Japan, es geht immer ganz sozialistisch darum, den neuen Menschen zu schaffen, der selbstlos sein Letztes gibt, das Unternehmen liebt wie sich selbst (wörtlich!) usw. Insgesamt vertraut man ja auf den Eigennutz der Menschen, vor allem der Kunden, aber intern herrscht die Bewirtschaftung der Person. Der Erfolg steht in den Sternen, aber die Lehrbücher (die sind nun wirklich meist aus den USA) sind ihrer Sache vollkommen sicher.
Liberal und intuitiv erfolgversprechender wäre die Setzung von Anreizen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.08.2017 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36090

Erlebnisgesellschaft war kurzlebiger als Risikogesellschaft, aber inzwischen sind beide aus der Mode gekommen. Man kann Jahre seines Lebens mit dem Ausloten solcher Schlagworte verbringen, auch Geld damit verdienen, und dabei das Leben versäumen.

Vgl. http://www.bpb.de/apuz/25679/erlebnisgesellschaft
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 26.08.2017 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36067

Trüber Abend: Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften am Donnerstag, eigentlich eine Qualitätsendung. Ein an sich guter Beitrag über die Geschichte des Comics. Aber dann heißt es:
Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, vier Fälle kennt die deutsche Sprache. Um ihre Sprechblasen mit Leben zu füllen, fügte Erika Fuchs noch einen weiteren hinzu und wurde dafür berühmt.
"Grübel, grübel und studier, ächz, seufz, stöhn, eigentlich gibt die deutsche Grammatik das nicht her. Wir finden es aber völlig normal und insbesondere im Comic finden wir es normal oder wenn wir sonst irgendwo kurz sprechen wollen, also in einer SMS. Und diese Verkürzung von Verben auf ihren Stamm, statt seufzen einfach nur seufz, das Erika Fuchs nicht erfunden, aber sie hat es in einem Ausmaß verwendet und damit bekannt und populär gemacht, dass es ihr zu Ehren auch Erikativ genannt wird."

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2017 um 06.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36065

Yuja Wang hat einen Spitznamen in China. Sie ist "die mit den fliegenden Fingern". (Donaukurier 6.4.11)

Wird schon stimmen, oder? In Wirklichkeit ist der in westlichen Musikkritiken gelegentlich vorkommende Ausdruck eine Anspielung auf den bekannten Film "House of flying daggers" von Zhang Yimou. Der heißt aber im Chinesischen ganz anders. (Dies zum Thema "Chinesisches Sprichwort".)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.08.2017 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36058

Ein dahinröchelndes Schmutzblatt bringt auf dem Titel Trump mit Hitlergruß und „Sein Kampf“. Das wird die Auflage nicht retten.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.08.2017 um 20.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36035

Die »Stars« agieren wie der Chor im griechischen Theater und haben alle immer die exakt gleiche Meinung zu allem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2017 um 15.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36033

Der nächste Fragesteller ist Gunter Weißmann aus Leipzig. Was Merkel gegen die maroden Schulen tun werde? Merkel bezeichnet dies als "großes Thema" und delegiert im zweiten Satz gleich die Verantwortung: "Normalerweise sind die Länder dafür verantwortlich." Sie verweist auf ein 3,5-Milliarden-Programm des Bundes und darauf, dass die Schulen bei der Digitalisierung hinterherhinkten. Die Länder schafften es nicht alleine, deshalb helfe der Bund aus. Die Kanzlerin könnte das Thema jetzt zur Chefsache und zu einem Schwerpunkt ihrer vierten Amtszeit erklären, aber sie tut es nicht. Es klingt so, als hätte sie mit den heruntergekommenen Schulen nichts zu tun. Blome fragt, was ihr wichtiger sei: ein marodes Schuldach oder mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Situation in der Ostukraine zu sprechen. Auf dieses Spielchen mag Merkel sich jedoch nicht einlassen. "Die Menschen erwarten von einer Bundeskanzlerin, dass ich mich, da, wo Probleme auftreten, kümmere." Mit einer entscheidenden Einschränkung: zumindest um die, die in ihre Zuständigkeit fallen. (n-tv 21.8.17)

Komische Darstellung. Im letzten Satz gibt der Verfasser zu erkennen, daß er die verfassungsmäßigen Zuständigkeiten kennt. Wie kann er dann erwägen, daß die Kanzlerin die Schulen zur Chefsache machen könnte? Schon jetzt mischt sich der Bund nach verbreiteter Ansicht zu sehr in das Bildungswesen ein, und die Länder haben sich ihre Zuständigkeit teilweise abkaufen lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.08.2017 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#36014

Die Stars stehen unter Schock: Terror-Anschlag in Barcelona! (promiflash)

Die Stars stehen nicht unter Schock, das tun allenfalls die Beteiligten und Leidtragenden. Aber fürs Volk wird das erst zur Wirklichkeit, wenn es den Promis zugeschrieben wird. Die großen Gefühle gibt es nur auf der Bühne, wo stellvertretend gelebt wird. Das ist wie in der klassischen Tragödie: „mein erhabnes königsleid“; ein Müllmann oder eine Putzfrau können keine erhabene Trauer, nicht einmal eine ordentliche Erschütterung empfinden. Zum stellvertretenden Promi-Beten vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27670
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2017 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35995

Nachwort zu Scaramucci:

Scharmützel kommt von ital. scaramuccia, aber dieses ist wieder aus dem Deutschen entlehnt (schirmen/schermen), typisch für die frühneuzeitliche Soldatensprache.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.08.2017 um 13.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35994

Schläger, die sich selbst prügeln?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2017 um 12.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35992

Heute morgen beschäftigten sich die Medien mit der Frage, warum es bei einer Massenschlägerei in Göttingen keine Verletzten gegeben habe. Vermutungen über deren Verbleib wurden angestellt. Inzwischen ist klar, daß es die Schlägerei nicht gegeben hat – was freilich die Dauerkommentatoren unter den Lesern nicht von ihren sarkastischen Bemerkungen abhielt ("Wir schaffen das. Danke!")

Tatsächlich seien am Sonntagabend etwa 200 Leute verschiedener Nationalitäten um das Einkaufszentrum herum unterwegs gewesen. Aus ihren Reihen heraus seien die Schläger gekommen. Die allermeisten hätten sich aber nicht selbst geprügelt.

Aber was sind das für Schläger, die sich nicht selbst prügeln, sondern bloß unterwegs sind? Jedenfalls "Merkels Gäste".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2017 um 17.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35962

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35952

Ob Hitler, Goebbels und Göring inzwischen drinstehen? Ich hatte es angemahnt. In meiner 25. Auflage stehen sie nicht, wohl aber Lenin, Stalin, Trotzki, Chruschtschow u. a.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.08.2017 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35961

Ein 20-jähriger irischer Täter zeigte in Gegenwart von Polizeibeamten einen Hitlergruß. Der 20-Jährige wurde in Gewahrsam genommen und eine Strafanzeige wegen des "Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" vorgelegt. (General-Anzeiger 11.8.17 über irische Tinkers am Rhein)

Sicher rechtens, aber mal im Ernst: Erinnert das nicht an die Aufregung um Hitler-Tassen (s. u.)? Das Verbot von Nazi-Symbolen hat doch wohl den Sinn, das Wiederaufleben des Nazismus zu verhindern. Was ein vermutlich betrunkener irischer Bursche da getan hat, ist ein mehr oder weniger dummer Jux und sollte der Polizei nicht einmal einen Blick wert sein. Dazu auch http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=196#8595

Der General-Anzeiger hat noch eine hübsche Pluralform:

An einer Tankstelle an der Mendener Straße in Iserlohn kam es zu Tankbetrügen und Diebstählen.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 10.08.2017 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35952

Der WDR macht großes Aufhebens, daß nun auch Hagen und Siegen im neuen Duden stehen, nicht zuletzt durch eine von ihm initiierte oder unterstützte Kampagne. Nicht bestritten wird, daß wohl kaum jemand mit diesen Städtenamen Rechtschreibprobleme hatte (anders als etwa bei Bergisch Gladbach, das viele falsch schreiben). Als Grund wird u.a. genannt, daß Siegen die grünste Großstadt Deutschlands sei (gemessen wohl an der Zahl der Bäume pro Einwohner). Und wenn Köln im Duden steht, dann muß auch Siegen drinstehen. Der Duden ist doch immer noch etwas anderes, in der Tat mehr als ein Rechtschreibwörterbuch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2017 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35951

Im Zeitalter der Politischen Korrektheit hat sich die Ansicht verbreiten können, daß sogar das Rechtschreibwörterbuch durch seine Auswahl der Wörter volkserzieherische Aufgaben und Absichten erfüllen müsse. Eigentlich sollte das Wörterbuch ja nur zeigen, wie man die Wörter schreibt, und die "Auswahl" kann grundsätzlich automatisch erfolgen: Wenn es die Wörter in nennenswertem Ausmaß gibt, kommen sie halt rein. So aber wird die Dudenredaktion gelobt und getadelt, weil sie bestimmte Wörter anführt oder nicht. Daran ist sie aber nicht unschuldig mit ihren pädagogischen Kommentaren und Warnungen. Das Universalwörterbuch gar hat viele Einträge, die überhaupt nicht belegt sind: Feminina von Personenbezeichnungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2017 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35949

Die Süddeutsche Zeitung bespricht den neuen Duden, konzentriert sich wie die ebenso einfältigen Schleichwerbungsartikel anderer Zeitungen auf die ausgewählten Wörter.

Das führt nun auch dazu, dass rechtspopulistische Propagandabegriffe wie "Flüchtlingskrise", "Lügenpresse" und "Volksverräter" im Duden stehen. So problematisch sie inhaltlich sind: Wenn man abbilden will, was die Menschen in einem Land bewegt, worüber eine Gesellschaft diskutiert und streitet, dann muss man auch diese Begriffe akzeptieren.

Hätten Sie gewußt, daß Flüchtlingskrise ein rechtspopulistischer Propagandabegriff ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2017 um 05.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35921

„Mit dem neuen Schuljahr tritt ein neues EU-Schulobstprogramm in Kraft. Es führt zwei unterschiedliche EU-Programme zur Versorgung von Kindern mit Obst, Gemüse und Milch zusammen. In Kitas und Schulen sollen danach weiterhin frisches Obst und Gemüse sowie Milchprodukte preiswert angeboten werden. Deutschland erhält hierfür mehr als 29 Millionen Euro von der EU. Das Gesetz legt auch den Verteilungsschlüssel für die Bundesländer fest. Wichtigstes Kriterium für die Verteilung an die Schulen ist die Anzahl der sechs- bis zehnjährigen Kinder.“ (mdr 7.8.17)

Muß die EU sich um die Schulspeisung kümmern, muß Deutschland dafür einige Millionen aus der kostspieligen Umverteilung bekommen? Oder geht es, dem Zweck der EU näher, um die subventionierte Verwertung von landwirtschaftlichen Produkten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2017 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35904

Bei Naturkatastrophen könnten in Europa gegen Ende des Jahrhunderts bis zu 240.000 Menschen jährlich sterben – Schuld sei laut einer neuen Studie der Klimawandel.
Durch extreme Wetterereignisse könnten in Europa Ende des Jahrhunderts jährlich bis zu 240.000 Menschen sterben. Diese drastische Zahl stammt aus einer neuen Studie, die vor den Folgen des Klimawandels warnt. Die Forscher rechnen ab dem Jahr 2071 unter anderem mit Stürmen, Kälte- und Hitzewellen.

 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.08.2017 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35887

Wenn es nicht gerade um Bildungsjuwelen geht, kann das „ja" aber auch deutlich machen, daß man den Leser selbstverständlich nicht für einen Trottel hält. Er ist ja nicht auf den Kopf gefallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2017 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35883

Im Zitat des vorigen Eintrags kommt die Abtönungspartikel ja vor. Ich empfinde es immer noch als eine ebenso dringende wie peinliche Aufgabe, dieses Wörtchen aus meinen Texten zu entfernen. Die Versuchung ist gar zu groß, irgendein Bildungsjuwel mit dem scheinbar bescheidenen, in Wirklichkeit eitlen ja als allgemein bekannt zu kennzeichnen. Ich zitiere also zum Beispiel einen Text, den so gut wie niemand kennt, sagen wir Thomas von Aquin, gebe aber entweder die Quelle nicht an, als sei die jedem so bekannt wie mir, dem Großen, oder ich erreiche dasselbe durch ein ja: Ich kenne Thomas, aber das ist nichts Besonderes, nicht wahr, den kennt doch jeder! Es ist ebenso schlimm wie ein nicht übersetztes Zitat auf lateinisch oder griechisch. (Mein Vietnamesisch – http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1106#35815 – war natürlich ein Scherz, mit dem ich gerade diese Eitelkeit aufs Korn nehmen wollte; ich verstehe kein Wort davon.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2017 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35882

"Mehr noch gilt das für ein Kunstwerk, das ja potentiell immer eine narzisstische Kränkung darstellt, ruht es doch auf dem Anspruch, seine Betrachter zu überleben." (FAZ 2.8.17)

Ich höre also ein Klavierkonzert und bin gekränkt, weil es mich überleben wird oder wenigstens auf diesem Anspruch "ruht".

Zwar ist Freuds Erfindung der "narzisstischen Kränkungen" (mit ihm selbst als größtem Kränker und Helden) nach Strich und Faden widerlegt, aber die Plappermäulchen des Feuilletons halten unerschütterlich daran fest.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2017 um 04.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35869

Gestern feierten einige Medien "10 Jahre Rechtschreibreform", wie sie es schon viele Male getan haben (auch "15 Jahre" und natürlich "20 Jahre"). Ich müßte nachschlagen, was eigentlich 2007 los war. Bestimmt irgendein Stichtag, aber ich will es gar nicht mehr wissen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2017 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35857

Gestern habe ich mich gefragt, ob Kelly mit Scaramucci zurechtkommen wird, und heute morgen lese ich, daß der schon wieder entlassen ist. Ob Kelly mit Trump zurechtkommt? Schließlich soll er "Disziplin" ins Weiße Haus bringen. Die Lust an losen Reden ist schwer zu bändigen. Eine Zeitlang kann man sich das als "Authentizität" zurechtbiegen. Parallelen bei uns sind nicht schwer zu finden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.07.2017 um 23.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35856

Das Archiv der Nordkirche (Kiel/Schwerin/Greifswald) wird Unterlagen zu Kasner haben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 31.07.2017 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35855

Auch #35853 hat ja etwas Ironisches.

Man muß schon fragen dürfen, ob die "Helfer", die im Mittelmeer direkt vor der afrikanischen Küste Migranten aufsammeln, eher Lebensretter oder Schleuser sind. (Dieser Satz stammt nicht von mir, aber die Frage stelle ich mir auch.)
Ich bin sicher, es würden viele Tausende Menschen weniger im Meer ertrinken, wenn die Geretteten nicht automatisch nach Europa, sondern konsequent zurück aufs afrikanische Festland gebracht würden.
Die Schleuser setzen ja erst den Anreiz, aufs Meer zu gehen.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 31.07.2017 um 19.48 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35854

Interessanter als die "Kanzlerin der Herzen" ist ihr Vater. Er war einer der gewiß wenigen, die von West nach Ost gewandert sind, ohne anschließend schikaniert zu werden. Den DKPisten, die sich in das bessere Deutschland gewagt hatten, ging es erstmal einkaserniert ziemlich schlecht. Er dagegen genoß Reisefreiheit und ähnliche Privilegien, wie auch seine Tochter.

Glaubt man dem Buch "Das erste Leben der Angela M.", so hatten die meisten derjenigen, die es in der Neuen BRD zu Rang und Namen gebracht haben, Kontakt zu Horst Kasner. Thomas de Maiziere ist gleich nach Mauerfall zu ihm geeilt.

Ich wüßte gerne mehr über Horst Kasner, als in wikipedia steht. Wer kennt Quellen? sbpfeifer09@aol.com
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2017 um 16.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35853

Wie wir alle wissen, ist Merkel schuld am Tod von Tausenden, die im Meer ertrinken (Paul Collier), eine richtige Massenmörderin, "diese Frau".
Nach der Schießerei in Konstanz bedanken sich wieder viele Leser ironisch bei Merkel, die uns das alles eingebrockt hat. Viele kündigen auch gleich an, AfD zu wählen, dann werde damit Schluß sein. Ohne Merkel gäbe es in Deutschland keine Ausländer, und unter der AfD wird es auch keine mehr geben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.07.2017 um 03.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35842

Ich hatte schon auf die Berufskrankheit der Professoren hingewiesen: den Mißbrauch des permanenten Rederechts (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1503#24946).

Ähnlich geht es den Journalisten, sobald sie eine gewisse Position erreicht haben. Da ist die Versuchung groß, sich in die Rolle eines Weltenrichters hineinzusteigern. Man kann schreiben, was man will, niemand hindert einen, niemand widerspricht. Leserbriefe sind willkommen, weil sie einen Schein von Diskussion und Lebendigkeit erzeugen.

Schlimm war Theo Sommer, der Lehrer Deutschlands. Er hatte jahrzehntelang die erste Seite seiner ZEIT, das korrumpiert. Die Vergeßlichkeit der Leser hilft, ist aber nicht unentbehrlich.

Seit Merkel Kanzlerin ist, schreiben manche ihr baldiges Ende herbei. Oder man nehme dies:
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel müsste zugeben, dass sie in der Flüchtlingskrise einen Fehler gemacht hat. Es wäre ihr politisches Ende, aber dieses rückt auch so näher. Usw. (Merkeldämmerung – Gastkommentar von Hans-Hermann Tiedje, NZZ 2.11.2015)

Solche Irrtümer führen den Großjournalisten nicht dazu, das anmaßliche Geschreibsel zurückzunehmen.

Hoffnungslos unterkomplex. Man ist ein Opfer der eigenen Vereinfachungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2017 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35838

Die FAZ bespricht fünf neue Romane, "die in den kommenden Wochen für Furore sorgen dürften". Das ist schon mal recht gewagt, allerdings wird sich keiner mehr daran erinnern, wenn sie nicht für Furore sorgen.

Die fünf haben nichts miteinander zu tun, aber der Rezensent verbindet sie auf eleganteste Weise. Zuerst also Ingo Schulze. Wie kommt man dann zu Arundhati Roy? Nun, Schulze hat sich seit dem letzten Roman 9 Jahre Zeit gelassen, Roy sogar 20! Außerdem ist sie ein Jahr älter, das verbindet ebenfalls. Roy erzählt multiperspektivisch (wie fast jeder heute). "Das ist dasselbe literarische Kunststück, das Barbara Zoeke gelingt..." Zoekes "kühl kalkuliertes" Buch "wird niemanden kaltlassen. So wenig wie ein Buch, das warmherziger ist als alles, was sein Autor bislang publiziert hat." Es geht um Richard Ford. Und von dort geht es so weiter: "Woraus das literarische Besteck bei solchen delikaten Operationen auch bestehen kann, beweist Petra Morsbach mit ihrem Roman..." Und dann ist die Seite voll, mehr geht nicht, obwohl es ohne weiteres mit derselben Masche angehäkelt werden könnte.

Nun warten wir auf das Zoeke-Furore.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2017 um 15.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35761

Wie der "Merkur" vor einigen Monaten berichtete, muß ein Bauer in Grafing für seine Kühe Rundfunkgebühr zahlen, weil sein Stall (wenn auch ohne Steckdose) eine "Betriebsstätte" ist. Die Kühe sehen zwar nicht fern, haben aber - im Sinne Paul Kirchhofs - trotzdem einen Nutzen davon, daß es das Fernsehen gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2017 um 07.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35741

Bei einem Vortrag fragt ein Zuhörer die junge Wissenschaftlerin, wie sie zu ihrem Thema gekommen ist und wie überhaupt Wissenschaftler zu ihren Themen kommen. Diese Frage kam etwas überraschend und fand die sicher zutreffende, wenn auch banale Anwort, der betreuende Professor habe es vorgeschlagen.
In der Tat fängt niemand im leeren Raum an, sondern alle arbeiten schon immer an irgendwelchen Gegenständen, und dabei tauchen ständig Fragen auf, die man mal beantworten müßte und die dann dem nächsten Doktoranden zugewiesen werden. Nicht der Blick in den Himmel führt zu einer astronomischen Untersuchung, sondern die Sprechstunde beim Prof.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2017 um 05.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35725

Die High-Tech-Welt hat ja ein paar unaufgeräumte Ecken. In der Anleitung für die allerneuesten Netzwerkgeräte steht zwischendurch, daß man in bestimmten Fällen mit einer geradegebogenen Büroklammer die Reset-Taste drücken soll. Das Wort Büroklammer paßt auf den papierlosen Schreibtisch wie der Heizer auf die E-Lok.
Die Webcam am Notebook kann man deaktivieren, aber um ganz sicher zu sein, mache ich es wie viele andere: ich klebe ein Heftpflaster drüber, mit der Wundauflage genau auf der Linse, damit sie nicht verklebt. Das ist sehr praktisch, sieht allerdings aus, na ja, eben wie ein Heizer auf der E-Lok.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2017 um 06.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35720

In der FAS vom 16.7.17 berichtet eine Journalistin von einem Workshop in „Radical Honesty“. A. J. Jacobs hatte in seinem „Guinea Pig Diary“ (zuerst 2007 in „Esquire“: http://www.esquire.com/news-politics/a26792/honesty0707/) in humoristischer Weise seinen Selbstversuch beschrieben: einen Monat lang radikal ehrlich zu sein, alles zu sagen, was ihm in den Sinn kommt; das war komisch zu lesen, aber wie immer auch lehrreich. Natürlich kommt diese Weltverbesserungsmethode aus den USA; Psychologie und Geschäftsidee in typischer Einheit. Auch in Deutschland wird die Idee kommerziell vertrieben.
S. auch http://www.sueddeutsche.de/leben/radical-honesty-und-nichts-als-die-wahrheit-1.705496

Schamlosigkeit als Methode ist natürlich nicht neu, die antiken Kyniker pflegten sie, Rousseau erhoffte sich auch etwas davon. Sprachtheoretisch ist der Versuch ebenfalls interessant. Sehen wir uns die Selbstbeschreibung an:

„Konkret bedeutet das, dass wir ungefiltert darüber berichten, was wir wahrnehmen:
Außen: Was ich in meiner Umgebung mit meinen Sinnen wahrnehme.
Innen: Was ich in meinem Körper empfinde. 
Im Kopf: Was ich denke. Vorstellungen, Vergleiche, Urteile, Bewertungen.“

Es geht also um Sprache. Wie bei den vermeintlich ungefilterten Aussagen über subjektive Phänomene ("Qualia") ergibt sich die Paradoxie, daß ein durch und durch gesellschaftlich-konventionelles Verhalten wie das Sprechen sich von allen Konventionen befreien soll. Dabei übersieht man, daß auch die scheinbar enthemmte Rede ebenso konventionsgeleitet ist wie jede andere.

Hinzu kommt, daß die Versprachlichung von Vorstellungen, Empfindungen usw. ein Verhalten ist, das wir von anderen und zusammen mit anderen erlernt haben. Wie man schon bei scheinbar einfachen Wahrnehmungen erkennen kann, läßt sich nicht alles, was die Sinne nachweislich an Daten liefern, mit dem entsprechenden „Bewußtsein“ erfassen und sprachlich ausdrücken. Das Aussprechbare setzt einen Hintergrund von Nichtaussprechbarem voraus. Es gibt keinen ungefilterten Kanal vom Kopf zum Mund.

Zu den Paradebeispielen gehört die Beleidigung von Mitmenschen (Du bist aber häßlich! Blöde Kuh!), außerdem das Aussprechen sexueller Wünsche (Du, ich würde gern mit dir/mit deiner Freundin schlafen). Die Auswahl von Tabus, die man ehrlich durchbrechen könnte, ist konventionell und gesellschaftlich gebändigt. Wenn es stimmte, daß Männer alle 7 Sekunden an Sex denken, könnten sie von gar nichts anderem mehr reden. Dabei kommt es auf die wirklichen Intervalle nicht an. Taxieren wir nicht, wenn auch meist in der flüchtigsten Weise, die anderen Menschen auf der Straße nach mehreren halb- und unbewußten Maßstäben? Das alles bleibt weit unterhalb der Artikulationsschwelle. Sonst müßten wir jedem zurufen, was wir von ihm halten.
Radikal unverstelltes Verhalten ist eine Inszenierung wie andere, eben die Pose der Unverschämtheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2017 um 09.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35616

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29245

Wenn keine Kuchen keine Lösung ist, so müssen wir jetzt einsehen, daß auch der Mars "wohl nicht die Lösung" ist. Zu lebensfeindlich.

Aber wovon sollte er überhaupt die Lösung sein? Wenn unsere Unvernunft uns zwingen sollte, die Erde aufzugeben – warum sollten wir es auf dem Mars vernünftiger anfangen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2017 um 03.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35378

Jamaika in Kiel

Den ganzen Tag über hört und liest man diesen dürftigen Scherz, wobei manche Rundfunksprecher den Namen auf eine englisch-deutsche Weise auszusprechen versuchen, etwa "Dschamaika". Zum Fremdschämen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2017 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35375

Ja Kohl war zumindest außenpolitisch ein Visionär. Auch wenn natürlich andere schon vorbereitet hatten, verdanken wir ihm viel. Das Ende des Kalten Krieges, den Fall der Mauer, eine starke EU, einen starken EURO, offene Grenzen, die Einführung des Privatfernsehens, die Rechtschreibreform und vieles mehr. Ich hoffe er hatte ein erfülltes Leben....

Leserbrief welt.de 16.6.17
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.06.2017 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35264

Die deutsche "Willkommenskultur" führt in ein täglich erlebbares Dilemma. Behörden und Privatpersonen bemühen sich, auch solche Zuwanderer zu "integrieren", die keine Aussicht auf Anerkennung haben. Man gibt ihnen also Deutschunterricht, verschafft ihnen Kontakte zu Sportvereinen, hilft ihnen im Alltag usw. Aber je besser das gelingt, desto mehr Gründe häuft man an, ihre Zurückführung in die Heimat zu verhindern. Dafür sorgen dann die "Unterstützer", notfalls mit Gewalt.
Die Alternative wäre, sie in Lagern herumsitzen zu lassen, oft für lange Zeit. (Richter und Anwälte hintertreiben die Abschiebung so lange wie möglich.)
Ich habe absichtlich mal von "Heimat" gesprochen, weil so selten erwähnt wird, daß Abschiebung Heimkehr bedeutet. Im Herkunftsland kennen sich die Migranten (überwiegend junge Männer) aus, stehen nicht unter "Kulturschock" und können sich nützlich machen; dort sind ja auch Frauen, Kinder, Alte zurückgeblieben. Schließlich haben die Familien nicht ihre schwächsten Mitglieder im Ausland in Sicherheit gebracht.
Die „Kinderlandverschickung“ in Deutschland, Japan und anderswo war in gewissem Maße eine natürliche Reaktion auf den Luftkrieg gegen die Zivilbevölkerung, auch abgesehen von der Nazi-Ideologie, die hier mitspielte. Wenigstens die Kinder und die Mütter mit Kindern in Sicherheit zu bringen sollte selbstverständlich sein. Gerade die tüchtigsten jungen Männer ins Ausland zu schicken ist etwas ganz anderes. Kompensatorisch werden die Strapazen der „Flucht“ geschildert. Das kann aber nicht verhindern, daß diese Art der Migration als befremdlich erlebt wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2017 um 08.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35217

Amerikanische Forscher haben festgestellt, daß die Medien über Trump überwiegend kritisch berichten.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.05.2017 um 01.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35204

Schreiben die immer noch »Assad-Regime«?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.05.2017 um 00.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35203

Jeder, der regelmäßig die deutschen Medien verfolgt, weiß doch, daß zivile Opfer in Syrien nur Schuld des Assad-Regimes oder der Russen sind.

Bei dieser Meldung kann es sich folglich nur um "fake news" handeln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2017 um 08.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35196

Laut FAZ sind bei einem amerikanischen Luftangriff in Syrien über 100 IS-Angehörige getötet worden. In Wirklichkeit waren es Familienangehörige von IS-Angehörigen, darunter 40 Kinder, wie in derselben Meldung auf S. 6 zu lesen ist.

Der Anschlag auf koptische Christen in Ägypten steht auf der Titelseite. So wurde gestern auch in jeder Nachrichtensendung des Bayerischen Rundfunks der Anschlag auf die Christen erwähnt, nicht aber der Angriff auf die Syrer. Ich habe immer darauf gewartet, aber es ging dann jeweils mit der Zweiten Bundesliga weiter. Eingebetteter Journalismus.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.05.2017 um 17.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35193

Die Erinnerung an das eigene Geschwätz von gestern (frühere Zusagen) ist schlimmer als jede neue Forderung.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 26.05.2017 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35191

Ich verstehe die ganze Medienkritik nicht. Es wurde vereinbart, daß die Natostaaten 2% ihres Bruttoinlandsproduktes in die Nato einbringen. Wenn z. B. Deutschland nur 1,2% zahlt, erfüllt es diese Zusage bei weitem nicht. Was gibt es da herumzueiern von wegen "Milchmädchenrechnung" (Zeit)wegen schwankendem BIP? Dann muß eben der Natobeitrag auch schwanken. 2% bleiben 2%. Wenn die meisten Mitgliedsstaaten das nicht einmal annähernd erfüllen wollen, dann sollen sie nicht erst solche Vereinbarungen abschließen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2017 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35188

Erinnern Trumps Forderungen an die Nato-Partner nicht an den Attischen Seebund? Sogar das Heranwachsen einer dritten Macht im Hintergrund (Makedonien) hat seine Parallele (China).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.05.2017 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35186

Die Nato erklärt erstmals den Bündnisfall nach Art. 5. (Die USA sind in Afghanistan angegriffen worden, und die Nato muß ihnen beistehen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2017 um 03.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35144

Auf Videos kann man sehen, wie Erdogans Leibwächter auf amerikanischem Boden auf Demonstranten einschlagen und von amerikanischen Polizisten in Schach gehalten werden. Wir Älteren erinnern uns an die "Jubelperser" vor 50 Jahren, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Jubelperser. Dieses Ereignis hat Deutschland stark geprägt und bei vielen bis heute einen Vorbehalt gegen Politik und gewisse Presseorgane hinterlassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.05.2017 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35137

Amerikanische Forscher haben festgestellt: Oliven und Löwenzahn sind mögliche Mittel zur Schwangerschaftsverhütung. „Weitere Forschung ist nötig.“ Erinnert sei auch an das bewährte Hausmittel: ein Glas Milch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2017 um 11.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35092

(Ich wollte heute morgen hier noch etwas eintragen, es scheint aber technisch nicht möglich.)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.05.2017 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35090

Man kann den Satz auch so lesen: »Sie haben vielleicht geglaubt, Ihrer Entlassung entgehen zu können, indem Sie beteuern, nicht gegen mich zu ermitteln, aber das nützt Ihnen nichts. Warum Sie geglaubt haben, daß die Frage der Ermittlungen mit Ihrer Entlassung zu tun hat, weiß ich nicht, aber ich könnte mir vorstellen, daß viele diesen Zusammenhang herstellen, weil sie mich für einen bösen Buben halten. Jedenfalls sind Sie entlassen, weil Sie im Amt versagt haben!« (Das ist übrigens auch der Entlassungsgrund, der sehr wohl genannt wird.) Bei dieser Lesart würde Trump den unterstellten Zusammenhang nur vorsorglich zurückweisen, weil er genau weiß, daß er von seinen Gegnern sofort ins Spiel gebracht werden wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.05.2017 um 05.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35086

Trump nennt den Entlassungsgrund nicht, präsupponiert aber: Wenn Sie gegen mich ermittelten, würde ich Sie sowieso entlassen. (< Ich entlasse Sie, obwohl Sie nicht gegen mich ermitteln.)

Was sonst noch vorgefallen war, bleibt hier außer Betracht; es geht um den Text des Briefs.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 10.05.2017 um 21.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35085

Beim Reizwort Petition muß ich an Jim Morrisson denken: https://www.youtube.com/watch?v=k1g8WCA7mJk
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 10.05.2017 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35084

Ich sehe das anders. Die Form des Vorgehens besagt, daß der Entlassungsgrund die 3malige Lüge ins Gesicht des Präsidenten ist. Der Vorwand mit den E-Mails, eine ja vermutlich grundsätzlich anständige oder jedenfalls Trump wohlgefällige Handlung, schließt aus, daß sich die politischen Gegner DP allzu sehr für den Delinquenten engagieren.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.05.2017 um 13.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35083

Alles egal. Hätte Trump erklärt, daß Comey im Amt bleiben solle, wären die Demokraten auch dagegen Sturm gelaufen – und mit ihnen die versammelte Mediengefolgschaft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2017 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35082

"Nevertheless"...
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.05.2017 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35081

Der Satz ist nicht verfänglich, sondern stellt eben klar, daß Comey nicht gefeuert wird, weil oder während er gegen Trump ermittelt.

Es könnte schon sein, daß die Politiker Petitionen jetzt ernster nehmen als früher, weil diese Plattformen auf den Tag getreten sind und die Zahl der Unterzeichner zum Teil dramatisch angewachsen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2017 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35080

Das Entlassungsschreiben Trumps an den FBI-Direktor ist in einem scharfen Ton gehalten, der mich überrascht. Ist es nicht üblich, wenigstens pro forma für geleistete Arbeit zu danken, wenn jemand geschaßt wird? Das ist aber nicht das Entscheidende. Die Kommentare versäumen nicht, auf den verfänglichsten Satz zu verweisen:

While I greatly appreciate you informing me, on three separate occasions, that I am not under investigation, I nevertheless concur with the judgment of the Department of Justice that you are not able to effectively lead the Bureau.

Was also wäre gewesen, wenn Comey tatsächlich gegen Trump persönlich ermittelt hätte? Darum wird sich nun die Exegese drehen, was auch sprachlich interessant werden könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.05.2017 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35079

"Wer nicht kämpft hat schon verloren!"

Klingt gut, ist aber falsch. Wir Daoisten wissen, daß "wu wei" (Nichthandeln) manchmal wirksamer ist.

Vom Kämpfen könnte ich auch viel erzählen (Umwelt, Rechtschreibung), aber Petitionen kommen darin nur am Rande vor. Ich habe schon von den zahllosen Resolutionen des PEN berichtet, die ich unterzeichnen sollte zugunsten von Personen, von denen ich nie gehört hatte und auch nachher nichts mehr hören sollte. Natürlich kann man Unterschriften an den chinesischen Staatschef schicken, aber der hält es wie Horst Sitta: Post vom PEN wandert gleich in den Papierkorb.

Seine Kräfte einzuteilen gehört zum Handwerk eines guten Feldherrn (um es mal militärisch auszudrücken wie die alten Chinesen). Meisterhaft zum Beispiel kürzlich Frau Merkel, als alle Welt sie ungefragt aufforderte, nun endlich gegen den Herausforderer Schulz zu kämpfen. Merkel wußte von Anfang an, daß Schulz weder Leistungen noch Eigenschaften vorweisen konnte, die den SPD- und Medienrummel("100 Prozent"!) über mehrere Monate am Laufen halten konnten. Ein Strohfeuer verstärkt sich selbst, dann fällt es zusammen (wie alle Systeme mit positiver Rückkoppelung).

Ich könnte jenem alten Freund folgen und für die Trennung von Staat und Kirche "kämpfen" und mich dabei aufreiben. Aber aus der Kirche treten jedes Jahr eine halbe Million Menschen aus, ganz von selbst. (Daß zugleich die Einnahmen steigen, ist für sie besonders fatal.) Da kann der eifrigste Säkularist nicht mithalten.

Ob die Rechtschreibung ohne Kampf repariert worden wäre und sich künftig vom Angriff der Kultusminister weiter erholen wird, steht dahin. Hier war das Abrackern wohl doch nötig.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 09.05.2017 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35077

Nun ja, ganz so nutzlos sind sie dann doch wieder nicht, siehe z. B. auf Change.org:

https://www.change.org/de/Erfolge

Es wäre einmal ein gutes Thema für eine soziologische Abschlußarbeit, festzustellen, welche Themen typischerweise erfolgreich sind und welche nicht. Aus dem Ergebnis könnten interessante Rückschlüsse auf die Machtverhältnisse unseres Staates gezogen werden.

Wenn sich mehr Leute daran beteiligen würden gäbe es auch mehr Erfolge. Abgesehen davon kann man die veröffentlichten Petitionen auch als Nachrichtenquelle über den wahren Zustand unseres Landes nutzen, etwas, was die sog. öffentlich rechtlichen Medien heutzutage nicht mehr leisten. Auch die Rechtschreibung der einzelnen Petitionstexte zu untersuchen wäre sicher eine sehr interessante Sache.

Es geht mir hier nicht darum, die Todesstrafe einzuführen, sondern darum, daß auch die Befürworter von Volksabstimmungen dem Volk nicht wirklich vertrauen, sondern – im Widerspruch zum GG – noch eine Instanz über dem Volk, von dem angeblich alle Macht ausgeht, schaffen wollen, die verhindern soll, daß über Themen wie die Einführung der Todesstrafe überhaupt abgestimmt wird. Ich persönlich bin natürlich für die Todesstrafe.

"Neulich bin ich wieder aufgefordert worden, in diesem Sinne etwas zu tun, aber ich werde mich hüten, meine verbleibende Lebenszeit gegen Windmühlen zu verkämpfen. Abwarten ist viel sinnvoller."

Wer nicht kämpft hat schon verloren!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2017 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35074

Was die Petitionen betrifft, so war meine Bemerkung – nicht die erste dieser Art – darauf gezielt, daß sie (leider, wie man wenigstens in manchen Fällen sagen muß, wir waren ja auch schon betroffen) völlig nutzlos sind. Vielleicht gerade weil es zu viele davon gibt.
Ich will auch die Selbstherrlichkeit und den Expansionsdrang der Repräsentanten nicht verharmlosen.

Die Todesstrafe kann man nicht durch Abstimmung einführen, das wissen Sie selbst. Vielleicht über eine Grundgesetzänderung, aber die nötige Mehrheit ist nicht in Sicht.

Ich würde auch gern die Trennung von Kirche und Staat einführen, aber die Politiker trauen sich nicht ran, selbst wenn sie ebenso denken wie ich. Daß die entsprechenden Artikel der WRV unter völlig veränderten Bedingungen immer noch Bestandteil des GG sind, ist ja an sich schon ein starkes Stück.

Neulich bin ich wieder aufgefordert worden, in diesem Sinne etwas zu tun, aber ich werde mich hüten, meine verbleibende Lebenszeit gegen Windmühlen zu verkämpfen. Abwarten ist viel sinnvoller.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 09.05.2017 um 16.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35072

#35071:

"... Das Grundgesetz ist in sehr allgemeinen Aussagen gehalten, die der Auslegung bedürfen. ..."

Seltsamerweise werden diese Aussagen dann immer zugunsten der Industrie und zuungunsten der Bürger ausgelegt.

Hier hat sich mal jemand die Mühe gemacht, eine der Realität angeglichene Version des GG zu schreiben. Sehr lesenswert, auch die Kommentare!

http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2012/8.html

"Ja, man kann dieses Grundgesetz lesen, sich Artikel für Artikel - in stiller Freude ob der Weisheit, die daraus spricht - vor Augen führen und zufrieden sein, Bürger eines Staates sein zu dürfen, der so ein wunderschönes Grundgesetz hat.

Dass die schönen Worte des Grundgesetzes mit der Verfassungswirklichkeit in vielen wichtigen Punkten schon längst - wenn überhaupt - nur noch über ein feines Gespinst juristischer Spitzfindigkeiten in Einklang zu bringen sind, entdeckt ja wieder nur der, der wachen Geistes zwischen Schein und Sein zu unterscheiden vermag.

Insofern hat der Wortlaut des Grundgesetzes für einen durchschnittlich interessierten Bürger dieses Landes eine stark sedierende Wirkung.

Das Grundgesetz als Droge?

Zumindest hat es für den, der glaubt, was dort in einfachen und verständlichen Worten geschrieben steht, das sei auch so, die Wirkung von Scheuklappen.

Und so scheut der brave Gaul nicht, egal, was rings um ihn an Ungeheuerlichkeiten sich abspielt.

Diese Scheuklappen abzulegen, heißt, sich über die Verfassungswirklichkeit klar zu werden. Um diesen Prozess zu unterstützen, ..."

Niemand fordert eine "permanente Abstimmung aller über alles". Um das zu verhindern gibt es Quoren [Ich hoffe, daß das der korrekte Plural von Quorum ist]. Es ist davon auszugehen, daß diejenigen Organisationen, die heute die Einführung von Volksabstimmungen auf Bundesebene fordern, ihre Lehren aus der Vergangenheit gezogen haben.

Wogegen ich mich hier wende ist die Bevormundung des Bürgers (des Souveräns), der darin liegt, daß es über den Bürgern Institutionen geben soll, die darüber entscheiden solllen, ob über ein bestimmtes Thema abgestimmt werden darf oder nicht. Wenn das Volk z. B. die Todesstrafe will, was ist dagegen einzuwenden?
Alle Macht geht vom Volke aus, nicht von Richtern, Moralisten oder von einem Gott. Diese Aussage ist sehr klar und eindeutig!

Man sollte sich fragen, warum es "die zahllosen Petitionen" gibt, wenn im Staate alles zur Zufriedenheit der Mehrheit geregelt ist. Nur wenn man sich auf diese Petitionen, z. B. auf Change.org, einläßt, sieht man, daß in unserem Staat vieles nicht so geregelt ist, wie man das in einem demokratischen Rechtsstaat erwartet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2017 um 12.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35071

Das Grundgesetz ist in sehr allgemeinen Aussagen gehalten, die der Auslegung bedürfen. Dazu gehören der Zusammenhang mit den übrigen Artikeln, die ursprüngliche Absicht und natürlich der fast immer vorgesehene Gesetzesvorbehalt. Das GG sieht bestimmt keine permanente Abstimmung aller über alles vor. Das würde ja die Parlamente und das ganze repräsentative System überflüssig machen. Auf diese Weise haben sich einst die Athener zu Tode gestimmt. Soviel ich weiß, sind zum Beispiel Volksabstimmungen nicht zulässig, wenn sie das Haushaltsrecht des Parlaments beschneiden.
Man könnte sagen, daß die Brechung des unmittelbaren Mehrheitswillens durch die Repräsentation einem Mißtrauen des Volks gegen sich selbst entspringt. Nicht ohne Grund.
Für die Unzufriedenen gibt es ein Ventil: die zahllosen Petitionen.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 09.05.2017 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35070

Wenn man das Grungesetz mit seiner Vorgabe "Alle Macht geht vom Volke aus" ernst nehmen würde, dann dürfte es überhaupt keine Einschränkungen geben, über was abgestimmt werden darf, zumindest für die Deutschen innerhalb von Deutschland. Aber wir dürfen ja noch nicht mal auf Bundesebene über Sachfragen abstimmen (Volksabstimmung).

In dem Moment, wenn eine kleine Gruppe von Moralisten, "Verfassungs-"Richtern etc. bestimmen kann, ob ein bestimmtes Thema (z. B. Einführung der Todesstrafe, Abschaffung der Demokratie und z. B. Wiedereinführung der Monarchie, Austritt aus der NATO und der EU etc.) Gegenstand einer Volksabstimmung sein kann, dann geht eben nicht mehr alle Macht vom Volk aus, sondern von dieser kleinen Elitegruppe. Wer das Grundgesetz ernst nimmt, muß uneingeschränkt alle Themen zur Abstimmung zulassen!

Eine andere Frage ist, ob es zulässig sein soll, daß ausländische Mitbürger hier in Deutschland an Volksabstimmungen ihres Heimatlandes teilnehmen dürfen. Im Sinne der Völkerverständigung und des Einsparens an Flugbenzin würde ich das erlauben. Es kann aber nicht sein, daß sich deutsche Moralgeier über die Inhalte solcher Volksabstimmungen aufgeilen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.05.2017 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35069

In Deutschland ist zwar die Todesstrafe nicht zulässig, aber ihre Befürwortung fällt unter die Meinungsfreiheit. Sogar die Befürwortung ihrer Einführung in Deutschland war bisher nicht strafbar – wie kann sie denn in bezug auf andere Staaten verboten werden? Manche Leute äußern ihre Ansicht, Homosexualität solle als widernatürliche Unzucht bestraft werden usw., das ist alles nicht verboten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2017 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35042

Inzwischen werden auch Gutachten bekannt, wonach ein Abstimmen innerhalb von Botschaften und Konsulaten wegen deren Unverletzlichkeit nicht verhindert werden kann – es sei denn um den Preis der Ausweisung oder des Abbruchs diplomatischer Beziehungen. So weit wird es aber die Bundesregierung nicht kommen lassen. Man kann das Referendum verbieten, aber das Verbot nicht durchsetzen. Das sollten alle, die jetzt so wahlkampfwirksam große Töne spucken, sich durch den Kopf gehen lassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.05.2017 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35038

Die FAZ (Jurist Reinhard Müller) schreibt konsequenterweise, die USA könnten nicht "Mitglied der europäischen Familie werden" – wegen der Todesstrafe.
Nun, das ist wohl mehr eine Machtfrage. Es gibt immer einen Weg, wenn der Wille da ist.
Andere meinen: Aus europäischem Recht solle sich sogar die Pflicht ableiten lassen, ein türkisches Todesstrafen-Referendum auf deutschem Boden zu verhindern. Vielleicht auch die Pflicht, die diplomatischen Beziehungen zu den USA abzubrechen? Aber s. oben!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2017 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#35028

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34899

Kleine Zwischenfrage: Wie sollen denn die hier lebenden Türken daran gehindert werden, ihre Konsulate und ihre Botschaft zu betreten oder gar an einer Briefwahl teilzunehmen?
(Und war das Referendum über das Präsidialsystem nicht auch inhaltlich mit unserem Grundgesetz unvereinbar und in seinen Auswirkungen viel gravierender als es die Todesstrafe wäre?)

Man sollte nicht zu forsch vorpreschen, auch nicht im Wahlkampf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2017 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34947

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#23668 ("Unterstützer-Rundfunk")

Das „Interkulturelle Magazin“ des Bayerischen Rundfunks beschuldigt im gewohnten Ton die deutschen Behörden, nicht anerkannte Asylbewerber nach Afghanistan abzuschieben, obwohl dies kein sicheres Herkunftsland sei – wie der neueste Anschlag auf ein Militärlager beweise. Allerdings werden auch in Deutschland, Frankreich usw. Anschläge verübt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.04.2017 um 07.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34946

Nachdem ich schon mehrmals das hübsche, einst naziverseuchte Städtchen Witzenhausen erwähnt habe, in dem ich bis 14 aufgewachsen bin, will ich noch ein Lesefrüchtchen aus Michael Naumanns gerade erschienener Autobiographie (in Reformschreibung) einschalten:

Meine Mutter bewahrte jahrelang eine kuriose Fotografie auf, eine Amateuraufnahme mit gezackten Rändern. Sie zeigt ihren Mann neben einem Dromedar am Fuß des Kaukasus. Auf die Rückseite hatte er nur einen Satz geschrieben: »Weiter möchte ich eigentlich nicht.« Das ironische »eigentlich« ist das einzig mir bekannte Anzeichen seines inneren Widerstands gegen den Krieg oder seine Urheber. Seine Frau hingegen erzählte einem Bekannten, dass er »gern Soldat« bei den Pionieren gewesen sei. In einem Feldpostbrief aus Frankreich (»Wo sind die Franzosen?«) schrieb er angesichts der eingekesselten englischen Kontinentalarmee von der »Tragödie Dünkirchen«. Für den Rest der Deutschen war »Dünkirchen« ein Triumph.
Er hatte in Marburg studiert und war der schlagenden Verbindung »Teutonia« beigetreten. Sein Freund und »Fuchsmajor« Karl August Eckhardt, ab 1928 Professor für Rechtsgeschichte, war bereits seit 1931 Parteigenosse der NSDAP, dann auch SS-Mitglied im Stab Heinrich Himmlers. Er stieg 1938 zum SS-Sturmbannführer auf und forderte die Todesstrafe für Homosexuelle (»widernatürliche Unzucht ist todeswürdig«). Eckhardt bewarb sich vergeblich um die Stellung eines »Kronjuristen«, also um eine Stelle, die auch Hitlers intelligentestem Apologeten, Carl Schmitt, versagt geblieben war. Nach Kriegsende verlor er seine Professur. Ich sollte ihn in den fünfziger Jahren während der Sommerferien kennenlernen: In seinem Keller im hessischen Witzenhausen stöberte ich zwischen NS-Literatur und Karl-May-Bänden, die er mir lebhaft empfahl. Auf einem Bücherregal lag eine perfekt skelettierte Maus. Im Garten graste eine Kuh. Sie versorgte die verarmte Familie mit Milch. Eduard Naumann, so erfuhr ich später, wollte bei ihm über germanische Femegerichte promovieren, ließ es aber bleiben. Wäre er ein überzeugter Nazi geworden?
Als Mitherausgeber füllte Eckhardt bis zu seinem Tod im Jahr 1979 Seite auf Seite der Monumenta Germaniae. Von meinem Vater sprach er nicht, ich habe ihn auch nicht gefragt. Der alte Mann und seines toten Freundes kindlicher Sohn wohnten für einige Wochen gemütlich im allgemeinen Nachkriegsschweigen in seinem kleinen Haus am Waldesrand. Was bleibt, ist das Staunen, dass dieser Mann fließend Lateinisch sprechen konnte, ein hoch gebildeter Barbar, der die römischen Quellen deutscher Rechtsprechung mit ihrer rassistischen Auslegung so furchtbar verunreinigt hatte: »Gegenüber Führerentscheidungen, die in die Form eines Gesetzes oder einer Verordnung gekleidet sind, steht dem Richter kein Prüfungsrecht zu.« Ich aber lernte im Stadtbad von Witzenhausen schwimmen. In der seltsam opferstolzen Sprache jener Jahre nannte ich mich gerne »Halbwaise«. Als ich schließlich »Vollwaise« wurde, habe ich das Wort nicht mehr benutzt, denn ein Kind war ich nun nicht mehr, und Vollwaisen sind die meisten Menschen irgendwann einmal sowieso. Es sei denn, sie sind viel zu jung gestorben oder im Krieg gefallen.


Über Eckhardt s. den Wikipedia-Eintrag, die Daten kurzgefaßt auch hier:
http://www.lagis-hessen.de/pnd/118681575

„Der alte Mann und seines toten Freundes kindlicher Sohn wohnten für einige Wochen gemütlich im allgemeinen Nachkriegsschweigen in seinem kleinen Haus am Waldesrand.“

Eine leicht erklärbare Erinnerungstäuschung. Damals war Eckhardt erst Anfang fünfzig. Und für uns stand das geheimnisumwitterte Eckhardtsche Haus am Waldrand, nicht am Waldesrand. Der ganze Satz ist im idyllischen Stil "besonnter Vergangenheit" gehalten. Man erfährt auch nicht, warum der Schüler Naumann überhaupt nach Witzenhausen gegangen ist, um bei Eckardt zu wohnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2017 um 07.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34913

Sogar die "röteste der roten Linien" soll die Todesstrafe laut EU sein. Die Lautstärke soll wohl das Nachdenken verhindern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.04.2017 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34899

Zu

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32881

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32892

Nach dem Referendum in der Türkei wird diese "rote Linie" wieder hervorgekramt. Dabei haben rund 50 Staaten die Todesstrafe, ohne daß Deutschland die Beziehungen zu ihnen abbräche oder auch nur getrübt sähe. Aber wie gesagt, es geht wohl um die Möglichkeit der Abschiebung, daher die Heuchelei.

Einige Websites suggerieren, daß die Bewohner dieser 50 Staaten ständig in dem Bewußtsein lebten, jederzeit von Staats wegen umgebracht werden zu können. So ist es aber nicht, sondern der wirklich jederzeit wahrnehmbare Druck geht von Behördenwillkür und Korruption aus, unabhängig von der Todesstrafe, die sowieso nur die anderen trifft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2017 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34877

Deutsche Medien halten folgendes für berichtenswert:

Ein Achtjähriger ist in Ohio mit dem Auto seines Vaters zu McDonald’s gefahren.

Wer alt genug ist zu schießen, kann auch Auto fahren. Nur die Schleichwerbung stört, vielleicht hat die Firma das Ganze inszeniert?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2017 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34862

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34833

An solchen alten Texten erfreut uns die Naivität, mit der die Vorfahren ihre sadomasochistischen Phantasien offenlegten. (Aber wer weiß, was man aus unseren Hinterlassenschaften alles wird herauslesen können?)

Im Mittelalter waren öffentliche Hinrichtungen so beliebt, daß manche Städte ihren Nachbarstädten die Delinquenten abkauften, um sie dann selber so richtig schön totmachen zu können. Bei uns werden die vom IS usw. so reichlich gelieferten Hinrichtungsszenen verpixelt. Ist das nun ein Fortschritt oder bloß eine Verschiebung auf andere Gebiete, wo man dann weniger gschamig ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2017 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34858

(Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32737)
Bundespräsident Norbert Lammert (CDU) verwies die Männer des Saals, weil sie gegen die Hausordnung verstießen. Darin heißt es: „Es ist nicht gestattet, Spruchbänder oder Transparente zu entfalten, Informationsmaterial zu zeigen oder zu verteilen, es sei denn, es ist zur Verteilung zugelassen."
(http://www.berliner-kurier.de/26163354)

Gilt das nicht auch für die Zuschauertribüne, auf der kürzlich die siegreichen Armenier ihre Poster entfalteten?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.04.2017 um 09.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34844

Die dpa-Lüge steckt schon im gilt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2017 um 03.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34842

"In einer Vergeltungs-Aktion hat US-Präsident Trump etwa 50 Tomahawk-Marschflugkörper auf einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee feuern lassen.

Die Vereinigten Staaten haben eine Luftwaffenbasis der syrischen Armee angegriffen. Die Aktion gilt als Vergeltung gegen den mutmaßlichen Giftgasangriff auf Zivilisten Anfang der Woche in Chan Scheichun.

Nach einem direkten Befehl von US-Präsident Donald Trump seien von US-Kriegsschiffen aus 50 bis 60 Tomahawk-Marschflugkörper auf die Luftwaffenbasis abgefeuert worden." (SZ 7.4.17)

Die eigenartige Verbindung Vergeltung gegen kommt wohl daher, daß die Zeitung den Begriff "Vergeltung" selbst nicht ganz passend fand. Die Drohnenangriffe sind dem eingebetteten Journalismus auch keine Erwähnung mehr wert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2017 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34833

Nachdem der "Lucidarius" die Höllenstrafen lustvoll ausgemalt hat, beantwortet der Meister auch die Frage des Schülers: mugent die guoten die ubelen gesehen inder hellen? - Der meister sprach: die guoten sehent die ubelen in der helle darunbe, daz ir fróde deste grozer si, daz si bi in niht ensint.
Ich hatte das immer für einen Einfall des Hl. Thomas gehalten, aber nun sehe ich, daß es auf einen Psalm zurückgeht: laetabitur iustus cum viderit ultionem pedes suos lavabit in sanguinem impii - Der Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache sieht, und wird seine Füße baden in des Gottlosen Blut.
Dieser Anblick wird ausdrücklich als sehr erfreulich gepriesen, so daß die geretteten Frommen keinerlei Grund sehen, etwa für die Verdammten zu beten.

Davon haben wir in 13 Jahren Religionsunterricht nichts gehört.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2017 um 16.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34801

Ein Insider verrät: So ist das Leben als Männer-Callboy (nordbayern.de)

Wollten wir schon immer wissen. Nun, man verdient gut, aber es gibt auch "Schattenseiten".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2017 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34794

"Meinungsstark" wollen unsere Medien sein. Aber Meinungen sind billig wie Brombeeren.

Jetzt übergießen sie England mit Hohn und Spott ("Viel Spaß, Frau May!"), als sei es eine ausgemachte Dummheit, aus der EU austreten zu wollen. Darüber ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.

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Großmaul-Unternehmer Elon Musk hat ein neues Vorhaben (faz.net 28.3.17)

Nanu? Musk ist doch ein ideenreicher (auch erfolgreicher) und risikofreudiger Unternehmer von genau der Sorte, die sonst das Entzücken der FAZ ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 08.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34717

Merkel wird vorab gewarnt vor Trumps festem und dauerhaftem Händedruck. Andererseits berichtet der SPIEGEL über die bayerische Rußlandpolitik:
Stoiber hält sich dieses Mal lieber im Hintergrund, er spricht nicht auf der Pressekonferenz – Bilder des Kreml zeigen, dass er Putin nur die Hand schüttelt. Das ist nicht wahr, wie das beigegebene Foto zeigt: Stoiber umklammert gleichzeitig Putins muskelstrotzenden Unterarm mit eisernem Griff. Das schreit doch geradezu nach einer Deutung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2017 um 22.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34681

Man finde oft ein narzisstisches Größenerleben, Mittelpunktstreben und ein Verlangen nach Aufmerksamkeit als Motiv für ihre Taten. Wenn es stimmt, dass Marcel H. in Internet-Chats die Tat kommentiert hat und derart nach Aufmerksamkeit giert, dann ist eine überwertige narzisstische Geltungssucht auch bei diesem Täter anzunehmen.

Das sagt ein Psychiater in der FAZ. Wie lange kommt man mit solchen Tautologien noch durch?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.03.2017 um 19.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34651

Als Trumpismus gilt nicht nur bigly (was manche als Kontraktion von big league auffassen), sondern auch die orthographische Variante yuge.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2017 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34650

Zu like: Praktischerweise kann I was like sowohl Sprechen als auch Denken und Fühlen wiedergeben, und so fördert Google denn auch gleich über 100 Mill. Belege zutage. Noch fruchtbarer ist natürlich fuck(ing) mit mehr als einer Mrd. Belegen – selbst wenn man den gleichnamigen "Ortsteil in der Katastralgemeinde Hofstatt der Gemeinde Tarsdorf im Bezirk Braunau am Inn in Oberösterreich" abzieht. Man wundert sich auch, in welchen syntaktischen Nischen sich das Wort einschieben läßt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2017 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34636

Der Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler, von der FAZ als "Linguist" vorgestellt, klagt: "Die amerikanische Sprache ist krank." (Gemeint ist natürlich das amerikanische Englisch.)
Das begründet er mit dem bekannten ausufernden Gebrauch von like. Der lange Artikel (4.3.17) ist aber seinerseits schlecht geschrieben und geht der Sache nicht auf den Grund. Interessant ist allenfalls die Beobachtung, daß das Wort in Trumps Äußerungen nicht vorkommt. Das mag nicht nur an der Textsorte liegen, sondern auch eine Frage der Generation sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.03.2017 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34622

Ausgerechnet die demokratisch überhaupt nicht legitimierten Lords und Baronessen haben Theresa May in die Suppe gespuckt. (Welt 2.3.17)

Nun ja, sie sind nicht gewählt, aber deswegen nicht illegitim. Oder will man in einem Abwasch gleich die Verfassung des Königreichs in Frage stellen? Das ist ein bißchen viel auf einmal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.02.2017 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34589

Der Tisch ist auch ohne Weidevieh reich gedeckt. Die meisten Menschen ahnen nicht, wie viele Rehe es in Deutschland gibt. Ich sehe bei jeder Radfahrt welche herumstehen, sie kommen hier auch in die Gärten. Das Problem ist bekannt, die Jäger kommen ihrer Pflicht nicht nach.
In Berlin laufen nachts die Wildschweine und Füchse durch die Straßen, z.B. in Zehlendorf, wo ich mich am besten auskenne.
Allerdings bin ich bisher gut ohne Wölfe ausgekommen und sehe nicht, was ihre Wiedereinführung mit Naturschutz zu tun hat. In Sibirien haben sie mehr Platz und "Ruhezonen".
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 24.02.2017 um 19.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34588

Die namhaften Öko-Verbände BUND und Nabu unterstützen eine Kampagne gegen Massentierhaltung (Agrarwen.de) und fordern gleichzeitig, die weitere Ausbreitung des Wolfs und anderer Raubtiere unter strengem Schutz zu belassen?

Es ist ein schönes Gedankenspiel, sich auszumalen, wie wohl unsere Dörfer ohne Massentierhaltung aussähen. Für Wölfe und Füchse wäre der Tisch reich gedeckt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2017 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34583

Rückennummer "88" auf Trikot sorgt für Wirbel

Nürnberg und ganz Mittelfranken werden von diesem Nazi-Skandal durcheinandergewirbelt. Kommentare weisen darauf hin, daß es kaum noch Ziffern- und Buchstabenkombinationen gibt, die als harmlos angesehen werden können. Auch für Kfz-Kennzeichen wird es immer enger. Strichcodes wären ein Ausweg, sind auch besser maschinenlesbar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2017 um 13.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34574

Das ist eine lange Geschichte; über den Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte, habe ich hier berichtet:

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29157

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1539#27003

Mein Eindruck ist, daß Organisationen, die man zuerst unterstützt, im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickeln, das aber im milden Licht ihres Heiligenscheins kaum erkannt wird.

Der wichtigste Schritt ist vielleicht, wenn die Ehrenamtlichen einen hauptberuflichen Geschäftsführer zu brauchen glauben, der dann natürlich seinerseits ... usw. Und wenn der Apparat groß genug geworden ist, sucht er sich neue Aufgaben, die seine Existenz rechtfertigen.

Ich habe eines Tages alle Mitgliedschaften beendet, viel zu spät; aber die Reue verzehrt mich auch wieder nicht, man macht eben Dummheiten im Leben...

(Daß sie allesamt frühzeitig auf Reformschreibung umgestellt haben, hat mir noch den nötigen Stupser gegeben, den ein Phlegmatiker nun mal braucht.)
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.02.2017 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34572

Nur aus Neugier: Inwiefern hat Sie der Bund Naturschutz (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, nehme ich an) enttäuscht? Wie müßte eine Naturschutzorganisation handeln?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.02.2017 um 08.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34571

Der jüngst veröffentlichte Bericht von AI über Syrien hat der Organisation sicherlich viel Geld aus Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten in die Kassen gespült.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2017 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34570

Nun geht Amnesty International wieder durch alle Medien. Mir fiel schon vor längerer Zeit auf, daß über die Kampagnen der großen Organisationen (AI, Greenpeace) viel zu lesen ist und auch die großen Geldsummen, die dort fließen, nicht geheim sind, daß man aber so gut wie nichts über entsprechende Erfolge erfährt. Rügen werden ausgesprochen, Preise vergeben (und eingestrichen), aber sonst? In kleinerem Maßstab habe ich mich auch gefragt, was die Unterschriftsaktionen des PEN bewirken, und bin ausgetreten; auch aus dem Bund Naturschutz. Es gibt hier ein Informationsloch in der öffentlichen Meinung, zugedeckt mit Moral.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.02.2017 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34558

So geht es auch: "Zigäunerschnitzel" in einem Ungarischen Restaurant in Deutschland.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2017 um 09.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34557

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29245

Von ähnlicher Logik ist der hübsche Ausspruch Daniel Barenboims:

Die Hammerklaviersonate wird nicht leichter, wenn man sie nicht spielt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2017 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34553

Man soll sich regelmäßig vom Zahnarzt die "Belege" entfernen lassen. (mdr-de 19.2.17)
Ich hebe sie lieber auf, vielleicht zahlt die Kasse ja doch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2017 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34540

Zähne als Spiegel der Seele
1. Vordere Schneidezähne 
Die mittleren Schneidezähne oben (11 und 21) beschreiben die Liebeskraft der Person und ihre Beziehung zu den Eltern, wobei der 11er den Vater, die Autorität, das Feuer und die Sonne symbolisiert, während der 21er für die Mutter, die Frau, den Mond und das Wasser steht. Die mittleren unteren Schneidezähne (41 und 31) symbolisieren den Stellenwert der Eltern im sozialen Alltag des Kindes. Die unterschiedlichen Erscheinungsbilder im Bereich der Schneidezähne verraten weitere Persönlichkeitsmerkmale. Ein Diastema (Zahnlücke) zeigt, dass im Liebesbereich mehr Raum geschaffen wird, aber auch, dass es Schwierigkeiten gibt, die männliche und weibliche Seite gleichermaßen zu integrieren. Abgeschlagene Schneidezähne demonstrieren einen Mangel an elterlicher Zuwendung, vielleicht sogar einen Beziehungsbruch. Die Dominanz eines Elternteils erkennt man an überlagerten Schneidezähnen.

(...)
8. Weisheitszähne (18, 28, 38, 48)
Die Weisheitszähne erscheinen, wenn sie angelegt sind, nicht vor dem 18. Lebensjahr und stellen die spirituelle Entwicklung sowie die Beziehung des Individuums zur Gemeinschaft und zum Kosmos dar.
Der Weisheitszahn oben rechts (18er) entspricht der Kraft, die wir bei dem Versuch, uns spirituell zu entwickeln, aufwenden. Zahn 28 steht für tief liegende Ängste, von der materiellen und spirituellen Welt ausgeschlossen zu werden. Ob wir fähig sind, der Umwelt die eigenen Gefühle mitzuteilen, erkennt man am 38er. Der Weisheitszahn unten rechts (48er) steht für die physische Energie, die wir einsetzen, um unseren Platz in der Welt zu finden. Mit dem Verlust der Weisheitszähne könnten der Sinn für die Einswerdung mit der Natur und dem Kosmos sowie der Gemeinschaftssinn und die sozialen Energien verloren gehen.

Die Psychodontologie verrät uns nicht nur die geheime, unterbewusst bekannte Sprache der Zähne und wie die dentalen Signale gelesen und verstanden werden können, sondern sie dient auch einer ganzheitlichen Zahnheilkunde. Manche Menschen mögen diese Deutungen vielleicht als vage und unseriös abtun, obwohl sie doch sehr oft zutreffen. Es liegt jetzt an Ihnen, wie Sie mit ihnen umgehen und was Sie mit diesen Informationen machen. Mehr zum Thema lesen Sie im neuen Buch „Z wie Zähne“ von Dr. Susanne Altmann und Dr. Eva-Maria Madani.

(http://www.gesund24.at/gesund/Zaehne-als-Spiegel-der-Seele/236435580)

Abgeschlagene Schneidezähne können aber auch auf zuviel elterliche Zuwendung zurückgehen.

Im Ernst: Wie und warum sollte sich eine solche Symbolik entwickelt haben?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2017 um 18.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34527

Einheitswippe – die volkstümliche Bezeichnung sagt eigentlich alles.

Franzosen wollen sich Opel krallen (BILD)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2017 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34488

Der Bauer ist kein Spielzeug. – Das haben wir als Kinder auswendig lernen müssen und damit den Gedanken eingesogen, daß wir den Bauern ewig dankbar sein müssen (obwohl wir ja keine Rittersleute waren).

Kritik an den Bauern bleibt anrüchig. Horst Seehofer ist ja ein erwachsener Mann, aber neulich hörte ich ihn ganz ernsthaft fordern, Ministerin Hendricks müsse sich bei den Bauern entschuldigen, die sie mit ihren Plakatsprüchen beleidigt habe („Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“). Auch der Rücktritt wird verlangt, und angeschlagen ist die Frau auf jeden Fall, auch wenn sie sich nun tatsächlich entschuldigt hat. Hinweise auf die allbekannten Mißstände der Massentierhaltung und des Pestizideinsatzes in Monokulturen rufen stets wilde Empörung hervor.
Interessenvertretung gibt es überall, und sie ist ganz in Ordnung, aber hier spielt wohl doch die alte Ideologie vom Nährstand auf seiner "Scholle" noch hinein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2017 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34466

Der Sirenensang von der Gerechtigkeit hat eine unwiderstehliche Kraft. Man sieht es an den Utopien seit Platon. Vertragsfreiheit und damit Freiheit überhaupt hat darin keinen Platz.
Das einzige, was die Höchstlohnvertreter zur Zeit noch ein wenig nachdenklich stimmt, ist der Hinweis auf die Stars der Unterhaltungsindustrie und des Sports. Die muß man um jeden Preis im Lande halten. Aber doch nicht die Manager!
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 06.02.2017 um 19.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34465

EVP -,43 M

Bei Wikipedia erfährt man zum Stichwort Einzelhandelsverkaufspreis einiges über die DDR. Nach den Preisbeispielen folgt ein kleiner Einblick in die Lohnstruktur, leider ohne die höheren Löhne.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2017 um 16.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34462

Es gibt Mindestlöhne, da muß es auch Höchstlöhne geben, wegen der Gerechtigkeit und dem Neid und so.
Es gibt Höchstmieten und sollte Höchstpreise geben, damit auch die Armen satt werden und Auto fahren können, aber auch Mindestpreise, sonst kommen die kleinen Ladenbesitzer nicht über die Runden. Am einfachsten wären Festpreise und Festlöhne für alles und alle. Oder gar kein Geld mehr, sondern Zwangsarbeit und Gemeinschaftsverpflegung. (Tip für den Wahlkampf!)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.01.2017 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34431

Dürfte eine Übersetzung von deliver sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2017 um 08.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34430

Noch einmal zu liefern (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31716)

Manche freuen sich, daß Trump liefert, zumal viele auch gehofft oder gefürchtet hatten, er werde nicht liefern. Hitler lieferte auch, zur Überraschung harmloser Gemüter, die nicht daran geglaubt hatten. Aber damals drückte man das noch nicht so aus.

Duden verzeichnet diese Bedeutung jetzt auch, vor 20 Jahren noch nicht. Das niederdeutsche Kaufmannswort geht auf lat. liberare zurück.

Was einer liefert, scheint nicht so wichtig zu sein. Der starke Mann als Gegenteil der Schwatzbude.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2017 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34429

Früher sprach ein Politiker "mit unserem Korrespondenten" oder wenigstens "mit dieser Zeitung", heute "mit der Funke Mediengruppe".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2017 um 20.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34427

Die WELT steht vor einem Rätsel: Wie konnte sich Schulz in eine derartig schwierige Sprache einfinden? Das reicht für einen ganzen Artikel. (Es geht um Martin Schulz, der passabel Französisch spricht.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.01.2017 um 20.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34421

Britische Abgeordnete vertreten ihre Wahlkreise, jeder einzelne von ihnen, de facto aber natürlich auch ihre jeweiligen Parteien. Mit der Volonté générale hat das nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2017 um 19.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34420

Nur kurz zur Erinnerung: Den "Willen des Volkes" habe nicht ich ins Gespräch gebracht, sondern das war ein ungefähres Zitat; britische Parlamentarier hatten davon gesprochen, und gerade das war mir etwas seltsam erschienen: Wessen Willen vertreten sie denn, wenn sie ihn eher in Volksabstimmungen als in ihrer eigenen Wahl verkörpert sehen?

In dem erwähnten FAZ-Artikel wurde zwischen den kurzfristigen Interessen der Bürger und den längerfristigen unterschieden, die durchaus auch die der Bürger sind, aber eben weniger in Umfragen als in der Rekrutierung des politischen Personals zum Ausdruck kommen.

Als die Bevölkerung gegen die Rechtschreibreform stimmte, haben wir uns doch auch keine Illusionen gemacht. Die meisten hatten nicht den Durchblick wie wir, aber uns war das Votum doch ganz recht; und wir fanden, daß man so eine Reform auch dann ablehnen darf, wenn man sie kaum versteht (die Befürworter verstehen sie ja auch nicht).
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 27.01.2017 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34419

Das britische Parlament hat beschlossen, eine Volksabstimmung abzuhalten, und damit implizit auch, sich daran zu halten. Ob darin ein „Wille des Volkes“ zum Ausdruck kommt, ob es überhaupt einen solchen gibt und wie oder wo dieser Wille „authentisch“ zum Ausdruck kommt, ist dafür völlig ohne Belang. Das Parlament hätte auch entscheiden können, eine Münze zu werfen.

Was versteht der britische oder deutsche Politiker denn von der Sache? Was versteht Brüssel von der Sache?

Was verstehen die Volkswirte wohl von der Sache? Wahrscheinlich verschiedenes.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2017 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34418

Einschlägiger Beitrag in der heutigen FAZ:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/regierungsumfrage-gut-leben-in-deutschland-14762320.html?google_editors_picks=true
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.01.2017 um 14.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34417

Man kann grundsätzlich darüber diskutieren, ob Volksabstimmungen gerechter sind als parlamentarische Entscheidungen.

Es widerspricht sich aber, beides zu tun. Hat man sich einmal für die Volksabstimmung entschieden, kann man nicht zum gleichen Punkt noch das Parlament befragen. Das Parlament kann dann höchstens noch die Einzelheiten festlegen. Daß es "nicht gegen den Willen des Volkes" entscheiden will, steht meiner Meinung nach sowieso außer Frage, ansonsten wäre die ganze Volksabstimmung eine Farce.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.01.2017 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34416

Das stimmt, die Briten sind dumm und müßten sich deshalb eigentlich damit abfinden, von Brüssel aus regiert zu werden.

Wem dienen solche Scheindebatten?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.01.2017 um 11.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34415

Aber versteht die Durchschnittsbevölkerung überhaupt etwas von der Sache?

Wieviel Prozent der Bevölkerung können annähernd einschätzen, was der Brexit für eine Bedeutung und für wirtschaftliche Folgen hat?

Wieviel Prozent der Bevölkerung überblicken die Folgen und verstehen Sinn oder Unsinn der Rechtschreibreform? Meiner Meinung nach war die Bevölkerung am Anfang dagegen, weil sie keine Ahnung hatte und nur in Ruhe gelassen werden wollte, und jetzt wäre sie aus genau den gleichen Gründen gegen eine Rücknahme der Reform.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.01.2017 um 10.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34414

Was heißt hier »authentisch«? Der Wille »der Bevölkerung« wird sachbezogener abgefragt, und darauf kommt es an.

Sobald die Eliten eine Volksabstimmung verlieren, wird das hohe Lied des Parlamentarismus angestimmt. Kennt man schon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2017 um 04.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34413

Schon erfahren wir, daß Martin Schulz ebenso beliebt ist wie Angela Merkel. Vielleicht ist er auch schöner?

Aber im Ernst: Die Umfrager hätten die Leute auch fragen sollen, was sie überhaupt von Schulz wissen. Da er nicht im Bundestag reden darf, wird er wohl verhältnismäßig unbekannt bleiben bzw. nur auf eine bestimmte mediengerechte Weise in Erscheinung treten. Das könnte ihm helfen, beliebt zu bleiben.

Wenn ich die News bei Google aufblättere, fällt mir immer wieder auf, wieviel Talkshows, Dschungelcamp, Tatort und Fußball es gibt. Es sind weitgehend Nachrichten über das Fernsehen, nicht neben dem Fernsehen. Wie verändert das die Demokratie?

Das britische Parlament will "nicht gegen den Willen des Volkes" entscheiden. Darunter sind Volksabstimmungen zu verstehen, also keinesfalls der Wille der Abgeordneten. Diese ausdrückliche Abdankung der Volksvertreter ist das Ende einer Epoche, auch bei uns.

Freilich soll das Volk herrschen, aber ob sein Wille in Abstimmungen wirklich authentischer zum Ausdruck kommt als durch die Abgeordneten, ist nicht ausgemacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2017 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34409

Die Liste der bekannten Mauern (https://de.wikipedia.org/wiki/Mauer) muß bald ergänzt werden, Große Mauer wird einen Zusatz (China) bzw. (USA) brauchen. Und wir werden den legendären Eintrag aus unseren Kindertagen lesen: „einziges menschliches Bauwerk, das vom Mond aus gesehen werden kann“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2017 um 03.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34402

Niemand kann auf Anhieb sagen, welche Verdienste Martin Schulz hat. Seine „Beliebtheit“ ist einfach so entstanden im selbstreferentiellen System der Medien. Prominenz trägt und verstärkt sich selbst (positive Rückkopplung). Beobachtenswert, Parallelen nicht zufällig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2017 um 07.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34334

In den USA wurden jetzt Stiefel vom Markt genommen, deren Profilsohle eine Art Hakenkreuze in den Matsch drückte (swastika boots), natürlich auch wieder in China hergestellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2017 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34313

Meteorologen warnen vor 30 Zentimeter Neuschnee

Was dem einen sin Uhl...

Hierher gehört ja auch der Gender-Purzelbaum, der uns ja immer wieder mit dem Wahn versöhnt:

1998 begann auch im deutschen Sprachraum eine Diskussion darüber, ob die Verwendung weiblicher Vornamen für die Tiefs eine Frauendiskriminierung darstellen könnte, weil diese meist „schlechtes“ Wetter bringen, die Hochs hingegen „schönes“ Wetter. Daraufhin wurde auch an der FU Berlin ein turnusmäßiger jährlicher Wechsel von weiblichen und männlichen Vornamen beschlossen. (Wikipedia)

Zur Zeit wütet das Tief Egon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2017 um 16.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34257

Die FAS bietet zu oft zu wenig Stoff zum Nachdenken oder wenigstens zum Drüberreden. Sehr viel Essen, Trinken, Mode, Kinderberuhigung usw., magerer Wissenschaftsteil. Davon hat man doch die ganze Woche über genug.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.01.2017 um 13.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34256

Verkaufte Auflage der FAS 2012: 360000
Verkaufte Auflage der FAS 2016: 245000
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.01.2017 um 06.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34253

Putin wählte Trump (Aufmacher der FAS 8.1.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2017 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34248

Hier kann man den Bericht der Geheimdienste nachlesen:

https://www.dni.gov/files/documents/ICA_2017_01.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2017 um 16.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34247

Nachdem der Bundestag sich so mächtig dafür ins Zeug gelegt hat, den Völkermord an den Armeniern zu verurteilen, erneuern die Hereros, wie vorausgesagt, ihre Entschädigungsforderungen und haben Deutschland verklagt. Deutschland lehnt bisher ab, zahlt aber, nebenbei bemerkt, nach über 200 Jahren noch Entschädigungen an die Kirche, zur Zeit eine halbe Milliarde jährlich. Warum sollte man dort haltmachen, wie weit darf man zurückgehen? Mir fällt so vieles ein.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.01.2017 um 13.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34246

Trumps Wähler lachen sich scheckig, soweit sie sich mit diesen Albernheiten überhaupt befassen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.01.2017 um 10.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34245

Wie kommt es eigentlich bei den amerikanischen Wählern an, wenn man sie darüber aufklärt, daß sie nach Putins Pfeife getanzt und falsch gewählt haben? Darüber liest man nichts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.01.2017 um 15.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34216

Zubereitung: Gewünschte Menge erhitzen und nach Belieben würzen

Erinnert an die Rechtschreibreform.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.12.2016 um 09.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34150

Daß billige Pöbelei und leeres Geschwätz von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, wird den Zeitungen auf Dauer nicht helfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2016 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34149

Zum vorigen: Zwei Leserbriefe wenden gegen jenen "Konsorten" ein, das Wort habe eigentlich keinen pejorativen Sinn. Man ist in Ehren Konsorte eines Konsortiums, und im evangelischen Kirchenlied hieß es: "Wir sind Konsorten der Engel hoch um deinen Thron" (inzwischen geändert).
Aber entscheidend ist der heutige Gebrauch außerhalb der Fachsprache. So wurden ja auch die Kritiker der Rechtschreibreform oft als "Denk und Co." bezeichnet, stets mit der Absicht der Herabsetzung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2016 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34138

Leserbriefe. Ein Lehrer will seinen Schülern am Beispiel der FAZ zeigen, wie die Meinungsfreiheit angegriffen wird. Was war geschehen? Ein Journalist hatte von „AfD und Konsorten“ gesprochen, und das gefiel dem Konsorten nicht. Der Journalist hat aber die Meinungsfreiheit nicht angegriffen, sondern genutzt. Ein häufiges Mißverständnis, wenn einem eine Meinung nicht paßt. – Ein emeritierter Professor der Medizinphysik nennt ein Gedicht Bob Dylans „narzisstisch“ und hat es damit dem Laureaten mal so richtig gegeben. Weiter so, immer mit der Autorität des akademischen Titels!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2016 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34119

"Wir beobachten seit Jahren, dass Sprachstörungen bei Kindern zunehmen", sagt Hermann Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). "Viele Eltern fördern ihre Kinder nicht genug." Sie stellten Säuglinge mit Handy-Filmchen ruhig und setzten schon Kleinkinder stundenlang vor den Fernseher. "Sie geben ihre Verantwortung an die digitalen Medien ab", beklagt der Kinderarzt gegenüber der Morgenpost. Eltern müssten stattdessen viel mehr mit ihren Kindern sprechen, singen und lesen. Mütter und Väter seien die besten Logopäden: "Wer sein Kind nicht beim Sprechen fördert, vernachlässigt es." Nicht die Kitas und die Schulen seien hier als Erstes in der Pflicht, sondern die Eltern. (Morgenpost 16.12.16)

Das ist richtig, aber Mahnungen sind hier wirkungslos. Es gibt sprachbetonte Elternhäuser und solche, in denen kaum gesprochen, nur ab und zu mal gebellt wird. Daran läßt sich nichts ändern. Man kann allenfalls hoffen, daß die nächste oder übernächste Generation es besser macht.

-

Im Kern geht es um die Angaben Holms zu seiner Vergangenheit, die er bei seiner Anstellung an der Humboldt-Universität im Jahr 2005 gemacht hat. Damals verneinte er die Fragen, ob er für die Stasi tätig gewesen sei und auch, ob er Geld von der Stasi bekommen habe. Aus heutiger Sicht sind die Angaben falsch. (Morgenpost 16.12.16)

Sie waren auch damals schon falsch. Heute wissen wir das.

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„Der Straftäter ist kein Mensch zweiter Klasse.“

Wieso denn nicht?

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An dem brutalen Tritt des Bulgaren in der Berliner U-Bahn ist übrigens Merkel schuld ("Wir schaffen das"). Sie hat auch Schengen erfunden. (Lesermeinungen vom Tage)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2016 um 07.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34077

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33438

Die Steigerungsbildungen mit ihrer regelwidrigen Betonung sind eigentlich keine richtigen Zusammensetzungen und könnten durchgehend getrennt geschrieben werden, wie man sie ja auch findet: ein haupt Grund – ein sau Wetter wie klasse Weib. Daher ja die Zweifelsfälle: hoch giftig/hochgiftig.
In der Praxis wäre allerdings die Getrenntschreibung kaum durchführbar: haus hoch, meilen weit, maus grau, quitte gelb?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2016 um 10.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34066

Auch die Gesellschaft für deutsche Sprache wählt postfaktisch zum Wort des Jahres.

Der Begriff wurde in Deutschland vor allem durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einer größeren Öffentlichkeit bekannt. „Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten“, sagte Merkel am 19. September bei einer Pressekonferenz nach der für die CDU verlorenen Berlin-Wahl. „Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen.“ Deswegen wolle sie es fortan auch mit mehr Gefühl versuchen, so Merkel. (focus.de 9.12.16)

Übrigens hat die GfdS "nach eigenen Angaben" (anscheinend nie überprüft) rund 3000 Mitglieder in der ganzen Welt – also ein sehr kleiner Verein. Der VDS hat 36.000. Erstaunlich, wieviel Beachtung ein winziges privates Kränzchen in Wiesbaden immer wieder findet. (Und wer sich dafür hergibt, an solchen Kindereien mitzuwirken.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2016 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34022

Nach jeder Wahl erklären uns die Journalisten, warum der Sieger gewinnen mußte – auch "entgegen den Erwartungen" (SPIEGEL über Österreich). Eben! Vorher haben sie es noch nicht gewußt.
Erstaunlich, mit welcher Schafsgeduld das Publikum sich das gefallen läßt, ebenso wie die täglichen Umfragen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2016 um 09.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#34003

Der gewaltsame Tod der Studentin hatte in Freiburg und an der dortigen Universität Betroffenheit ausgelöst. (Welt 3.12.16)

Was ist damit eigentlich gesagt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2016 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33994

Noch zwei Beispielsätze aus der linguistischen Literatur:

Erna tätschelte Erwin mit einer Drahtbürste.

Die junge Professorin stürmte vehement in den tosenden Hörsaal.


tätscheln und mit einer Drahtbürste sind semantisch unverträglich, stürmen und vehement dagegen sind nur allzu verträglich.

Dann doch lieber das klassische Der zornige Lehrer schlägt den faulen Schüler – das hat wenigstens Hand und Fuß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2016 um 03.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33940

Meint er das Ernst?

So fragt die WELT und meint Erdogans Drohung, die Flüchtlinge auf uns loszulassen. Dabei sind biologische Kampfstoffe doch verboten?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2016 um 08.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33912

Wer dem Staat 10 Milliarden Euro klaut, müsste eigentlich hinter Gitter. Nicht aber, wenn er dem Staat ein Gesetz untergeschoben hat, dass (!) den Diebstahl erlaubte. (Berlin Journal 30.9.16)

Übrigens wird diese Geschichte (Cum-Ex-Skandal) zur Zeit aufgekocht und dabei der Name des Lobbyisten unkenntlich gemacht. Dabei stand er schon vor Monaten mit Foto in den Zeitungen (Arnold Ramackers) und war sogar in amtlichen Texten zu lesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2016 um 13.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33860

Oxford Dictionaries küren "postfaktisch" zum Wort des Jahres (Schlagzeile WELT u.a.)

Stimmt ja gar nicht. post-truth. Bei so heiklen, dazu noch polemischen Urteilen sollte man vorsichtiger sein. Die englischsprachige und die deutschsprachige Welt führen ihre eigenen Diskussionen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2016 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33811

Donald Trump droht der Verlust einer Stammklientel der Republikaner: der religiösen Konservativen. Dieser Ansicht ist der Theologe und Amerika-Experte Michael Hochgeschwender. Der US-Präsidentschaftskandidat stehe nicht für christliche Werte, sagte Hochgeschwender im Deutschlandfunk. Das könne ihn die Wahl kosten. (DLF 2.11.16)

Auch der Papst hat vor Trump gewarnt; er sei kein Christ. Aber auch die Mehrheit der Katholiken hat ihn gewählt.

Selten war die Medienwelt so von Wunschdenken beherrscht wie vor dieser Wahl. Hinterher bemüht sie sich, das Ergebnis wegzureden, und wirkt dabei immer kläglicher.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.11.2016 um 21.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33810

Die deutschen Medien wollten Trump verhindern helfen. Das ist erwartungsgemäß nicht so gut ausgegangen für sie.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 09.11.2016 um 20.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33809

»Das amerikanische Volk hat gesprochen.« Übersetzung: Die Mehrheit (auch die relative) wollte Trump nicht und hat ihn nicht gewählt, bekommt ihn nun aber doch als Präsidenten.

»Das Heil der Demokratien, von welchem Typus und Rang sie immer seien, hängt von einer geringfügigen technischen Einzelheit ab: vom Wahlrecht. Alles andere ist sekundär.« (José Ortega y Gasset) [zit. nach http://www.wahlrecht.de/index.htm]
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2016 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33808

Die FAZ fragt: Wie konnte das passieren? – meint aber das Wahlergebnis und nicht etwa das Debakel der Meinungsforscher und Journalisten. Und dann ebenso: Der Unfall der Wahlnacht, erklärt in sieben Grafiken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2016 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33807

Trump

Unsere Journalisten lecken ihre Wunden. Die ersten fangen schon an, messerscharf zu wissen, warum das Gegenteil ihrer Voraussagen eingetroffen ist, und erklären es uns. Andere tun sich schwerer.

Heribert Prantl flüchtet sich ins Lateinische: Verachtung der Humanitas. Was immer er damit meint – er hätte es doch sagen können. Und Er hat Frauen verächtlich gemacht. Also können sie ihn wohl nicht gewählt haben. Aber sie haben ihn gewählt:

Trump hat in den vergangenen Monaten im Wahlkampf immer wieder mit frauenfeindlichen Äußerungen für Aufsehen gesorgt. Trotzdem haben ihn offenbar 53 Prozent der weißen Frauen gewählt. (ZEIT)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.11.2016 um 14.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33791

Stimmt, ich habe in dem Focus-Artikel auch noch ein neues Wort gelernt:
herbstlaubene Bäume.

Na ja, warum nicht, eine spitznadelne Tanne, ein rotbeerener Strauch, blondhaarene Dänen ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2016 um 13.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33790

Die Sparmaßnahmen in Europa sind noch extremer als hier. Die Austeriät demontiert all das, was Europa in der Nachkriegszeit groß gemacht hat – die wirtschaftlichen Errungenschaften der Sozialdemokratie.
(...)
Der deutsche Erfolg basiert auf der Verringerung des Lohn- und Einkommensniveaus. Hinzu kommt, dass Europa extrem rassistisch ist. Wenn alle Dänen blonde Haare und blaue Augen haben, geht es schief, sobald Leute zuwandern, die anders aussehen. Der Rassismus verbirgt sich in einer homogenen Bevölkerung.
(Noam Chomsky im Interview, Focus Magazin 6.11.16)

Man lernt nie aus.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.11.2016 um 20.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33762

Bilanz von knapp hundert Jahren: In Straßburg wird mehr Arabisch gesprochen als Deutsch bzw. Elsässisch, und Französisch ist als Weltsprache tot.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.11.2016 um 19.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33761

Sprachgeschichtlich interessant am Schneefall ist natürlich auch, daß so mancher Dialekt die stark flektierten Formen bevorzugt.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.11.2016 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33759

DLF, "Europa heute", 1. November: Ein Bericht aus dem lothringischen Städtchen Hayingen, etwas westlich von Diedenhofen gelegen, wo Bürgermeister Engelmann (Front National!!) gegen die örtliche Tafel kämpft. Die weiteren Inhalte des Berichts sind hier nicht von Belang, aber der deutsche Ortsname wird nicht erwähnt, es ist nur vom französischen Hayange die Rede, und anscheinend spricht niemand dort auch nur ein Wort deutsch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2016 um 04.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33753

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33596

Nur weil ich den Aberglauben für sehr aufschlußreich halte, noch diese Bemerkung: In den USA haben die Templeton-Stiftung und der Staat mehr al 5 Mill. Dollar für eine Doppelblind-Studie zur Wirksamkeit des Betens ausgegeben. Das Ergebnis war negativ. Das hielt aber die Gläubigen nicht von der These ab, es seien eben einfach weitere Studien erforderlich. Susan Jacoby berichtet weiteres in "The Age of American Unreason" (das ist die Autorin, von der kein Auszug in bayerischen Schulbüchern abgedruckt werden darf).

Ein vernünftiger Mensch würde sagen: Schon diese eine Untersuchung war eine zuviel. Vgl. den bemerkenswert ausführlichen Artikel https://en.wikipedia.org/wiki/Efficacy_of_prayer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2016 um 04.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33752

Schnee (ahd. sneo/snewes, engl. snow, got. snaiws, lat. nix/nivis) geht auf eine idg. Wurzel sneighw- zurück. (Im Griechischen fiel das anlautende s weg, wie üblich.)
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 02.11.2016 um 22.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33749

Eine ergänzende Anmerkung zum Verb schneien im Bairischen (westmittelbairisch, südliches Oberbayern).
Wir sagen im einigermaßen unverfälschten Dialekt geschnieben (gesprochen gschniem), wenn tatsächlich von Schnee die Rede ist. Im übertragenen Sinn aber heißt es immer geschneibt (gesprochen gschneibd.) Er kam plötzlich hereingeschneit. Es hat Geld geschneit.
(Siehe auch: Zehetner, Bairisches Deutsch, 2014.)
 
 

Kommentar von T.T., verfaßt am 02.11.2016 um 21.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33748

Lieber Herr Ickler, ich bin sprachgeschichtlich sehr interessiert, aber leider Laie. Es würde mich freuen, wenn Sie Ihre letzte Anmerkung noch etwas ausführen könnten.
Übrigens: In Bayern auch gschnieb'n oder eher gschnieb'm bzw. gschniem. Bin zwar Oberbayer, sage aber selbst gschneit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2016 um 11.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33743

Musik in des Ohren des sprachgeschichtlich Interessierten, ist hier doch vom idg. Labiovelar der labiale Bestandteil erhalten (vgl. Nivea!).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.11.2016 um 10.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33742

In Oberbayern hat's geschneibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2016 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33741

Heute nacht hat's gerengt.

Wenn wir heute auf geregent stoßen, können wir meistens mit einem Druck- oder Tippfehler rechnen, aber in weiten Teilen Deutschlands ist es mündlich ganz normal, so im Niederdeutschen, aber auch in der Pfalz und in Teilen Bayerns, sofern man nicht überhaupt gerengt sagt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2016 um 08.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33740

Wann war der Mauerfall? Jeder Vierte weiß es nicht. (dpa)

Dafür haben die Politiker gesorgt, indem sie nicht diesen Tag zum Nationalfeiertag machten, sondern den ihrer Selbstfeier.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2016 um 11.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33596

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30271

Interview mit Jacques Mourad (für den Kermani hatte beten lassen):

„Am Ende seiner Rede rief Navid Kermani dazu auf, für Sie und Ihre Gemeinde zu beten oder mit den Wünschen bei Ihnen zu sein. Glauben Sie, dass dieser Moment, als sich die gesamte Paulskirche für Sie erhob, geholfen hat?“
„Natürlich. Gebete können Wunder vollbringen.“
(FAZ 20.10.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2016 um 16.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33590

Auch die Süddeutsche Zeitung gedenkt des Jubiläums:

Eine Frisörin isst Spagetti: Über 300 Autoren, Germanisten und Journalisten unterzeichneten 1996 auf der Buchmesse die sogenannte "Frankfurter Erklärung zur Rechtschreibreform". Darin forderten sie die Rücknahme der im selben Jahr von Österreich, der Schweiz und Deutschland beschlossenen Schreibregelung. Diese würde "Millionen von Arbeitsstunden vergeuden, jahrzehntelange Verwirrung stiften, dem Ansehen der deutschen Literatur im In- und Ausland schaden und mehrere Milliarden DM kosten". 20 Jahre ist das her. Zwischenzeitlich durften wir den Satz "Eine Frisörin isst Spagetti" schreiben, nach diversen Reformen der Reform ist das heute wieder verkehrt. (SZ-Magazin 17.10.16)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.10.2016 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33581

Natürlich in erster Linie historisch, es handelt sich ja um einen zum Teil spürbar veralteten Text von 1948/49.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2016 um 14.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33580

Meinen Sie das historisch oder systematisch? Ich könnte ihn unterschreiben, obwohl ich nicht an Naturrecht glaube (das ich für ein hölzernes Eisen halte).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.10.2016 um 11.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33579

Es handelt sich hier nicht nur um eine Tatsachenfeststellung, sondern noch dazu um eine leicht falsifizierbare Behauptung, da Menschen auf vielfältige Weise ent- oder herabgewürdigt werden können. Aber das ändert ja nichts daran, daß der Grundrechtskatalog auf naturrechtliche Vorstellungen gegründet ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2016 um 10.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33577

Wie sollte man denn aus Tatsachenfeststellungen einklagbare Rechte ableiten? Das "Naturrecht" (meist = die Moral der kath. Kirche) kann man beiseite lassen; es geht doch bloß um die Logik.

Man findet ja auch nicht heraus, daß die Würde und die Wohnung unantastbar und die Abgeordneten an Weisungen nicht gebunden sind. Man will es so und beschließt es.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.10.2016 um 10.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33576

Es heißt aber nicht »Möge die Würde des Menschen nicht angetastet werden«, auch wenn dies letztendlich gemeint sein mag. Ob der heutige Leser noch an den Weihnachtsmann oder das Naturrecht glaubt, ist ja eine ganz andere Frage.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2016 um 03.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33572

Nachtrag zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#20884

Für die Mütter Teresas gibt es inzwischen mehr als 50 Belege allein bei Google. Die Neubearbeitung der Dudengrammatik ist bei der Pluralbildung (Gallmann) sehr ausführlich mit vielen Seiten voller Sonderfälle, aber dieser Fall ist noch nicht bemerkt worden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2016 um 03.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33570

Wer glaubt denn noch an "Naturrecht"? Es sind allesamt Willensbekundungen, manche religiös unterfüttert, andere nicht. ("Würde" ist darüber hinaus eine Leerformel; die Religionsfreiheit oder die Unantastbarkeit der Wohnung wäre leichter zu diskutieren.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 17.10.2016 um 23.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33568

»Die Würde des Menschen ist unantastbar« ist eine aus dem Naturrecht abgeleitete Formulierung. Für die Artikel über die Wahl des Bundeskanzlers u. dgl. gilt das natürlich nicht. Wo ist das Problem?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2016 um 07.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33562

Unser früherer Mitstreiter Wolfgang Illauer argumentiert in einem weiteren islamkritischen Leserbrief (FAZ 17.10.16) gegen die in irgendeiner "Wegweisung" enthaltene Formulierung, das Grundgesetz sei ein Vertrag zwischen den Bürgern und dem Staat. Dagegen stellt er, die Artikel des GG (er denkt aber nur an die Grundrechte) seien "Erkenntnisse kluger Menschen" – in einem fast gleichen Leserbrief an den Münchner Merkur vom Januar bezieht er sich deutlicher auf das "Naturrecht".
Nun kann man über den Ausdruck "Vertrag" in der Tat streiten, aber wenn es sich um Erkenntnisse handelt – wie ist es dann möglich, wochenlang darüber zu verhandeln und sie dann zu beschließen? Was im GG als Tatsachenfeststellung formuliert ist, soll in Wirklichkeit als Norm gelten, das ist doch unbestritten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2016 um 05.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33555

Ich lese in der Zeitung könnten unterschiedlicher kaum sein und weiß intuitiv, daß diese Wortstellung häufiger vorkommt als die eigentlich normale kaum unterschiedlicher; dasselbe mit nicht. Außerdem weiß ich, daß in dieser Verbindung unterschiedlich häufiger ist als verschieden, auch wieder mit kaum oder nicht. Die Google-Zahlen, so problematisch sie sind, bestätigen es.
Dabei ist die Zahl der Gegenbeispiele nicht gering, umso erstaunlicher die statistische Intuition, die jeder von uns ausbildet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.10.2016 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33495

Bodo Kirchhoff schreibt jetzt auch reformiert.

Überhaupt: Die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung rückt immer näher, das ist ähnllich wie vor 100 oder 140 Jahren: Einheitlichkeit ist leichter zu erreichen als Richtigkeit (Einfachheit).

Allerlei Zwänge, wirkliche und eingebildete ("Putativgehorsam") sorgen für die Gleichschaltung und Selbstgleichschaltung. Die Revisionsarbeiten sind durch die KMK abgebrochen worden, aber es ist zu erwarten, daß die Geschichte sich auch hier wiederholt: Die übertriebenen Großschreibungen (Letzterer, im Allgemeinen) werden zurückgebaut werden, und dann wird es kaum noch etwas geben, was das Auge stört. Viele sehen jetzt schon nichts und stimmen der Umstellung ihrer Texte zu.

Noch etwas will uns schwer in die ergrauten Köpfe: Für die Kinder und Enkel sehen nichtreformierte Texte tatsächlich altmodisch aus, wie für uns Texte von 1850: lesbar, aber überholt. Opa schreibt noch Kuß (wie damals Thor). Er ist zu alt, sich noch umzustellen. – Es ist ziemlich unmöglich, bei jungen Leuten einen Sinn für die Feinheiten der nichtreformierten Schreibung zu wecken.

Auf anderen Gebieten ist es ja ebenso. Versuchen Sie mal, einen Sinn für die Feinheiten eines Lebens ohne Facebook zu wecken!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2016 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33464

Noch zum Dativ-e (#31456 u. weitere Einträge): Heute selten, früher allgemein üblich: zu Neste tragen, auch ohne Objekt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2016 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33438

Es gibt einerseits die Abneigung gegen den Betonungshiat, so daß wir Handarbeit gewöhnlich mit dem regulären Hauptakzent auf der ersten und einem irregulären Nebenakzent auf der dritten Silbe sprechen, die zweite aber unbetont.

Steigerungsbildungen wie steinreich, blutjung haben gerade deshalb zwei starke Akzente nebeneinander, weil sie emphatisch gesprochen werden. Aber nur prädikativ. Wie man beobachtet hat (Sütterlin S. 94), tritt attributiv die alte Regel wieder in Kraft: ein blútjùnger Mensch. Höchstens denkbar, wieder emphatisch: So ein blútjúnger Mensch! (Das Wort wird übrigens auf "bloß" zurückgeführt: bloß wie ein junges Tier, das noch keine Federn oder Haare hat.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2016 um 04.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33430

Wildpilze wie Steinpilze, Pfifferlinge, Morcheln oder Schwammerln filtern natürlicherweise vermehrt Schwermetalle, insbesondere Quecksilber, aus dem Erdboden heraus, auf dem sie wachsen.
(http://www.bvl.bund.de/DE/08_PresseInfothek/01_FuerJournalisten/01_Presse_und_Hintergrundinformationen/01_Lebensmittel/2016/2016_09_30_PI_Wildpilze.html)

Was stellen sich die Nordlichter unter Schwammerln vor?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2016 um 13.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33425

Das anderswo erwähnte Schreiben auf Schiefertafeln mit ebensolchem Griffel hört und fühlt sich eigentlich ziemlich scheußlich an; wie haben wir das bloß ausgehalten? Gerade habe ich einen neuen Wassertopf eingeweiht, Edelstahl gebürstet, sieht gut aus, aber die Wortzusammenstellung ruft bei mir eine Gänsehaut hervor. Man könnte es anders nennen und mehr verkaufen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.10.2016 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33421

In Syrien häufig Zivilisten mit auffällig langen Bärten und auffällig gefleckter Kleidung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2016 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33420

Die anderen töten Zivilisten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2016 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33406

Ex-Geliebte hat Vergewaltigung von Kachelmann erfunden (Tagesspiegel 29.9.16)

Wahrscheinlich um damit anzugeben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2016 um 04.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33366

Nachtrag zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29849

Drei Tage später wurde seine Leiche nach zoroastrischem Ritus verbrannt. (Gala 5.9.16)

Zu meiner Überraschung lese ich auch bei Wikipedia, daß einige Parsen ihre Toten heute verbrennen wie die Hindus. Eigentlich wurde das Feuer immer als zu rein angesehen und angebetet, um es mit totem Fleisch zu verunreinigen. Vielleicht ein Synkretismus wie bei den Sikhs.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2016 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33362

Beim Blick in die Zeitung kommen mir lauter unkorrekte Gedanken.

Streit im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. (s. a. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1065#15277)

Der Volksbund will auch seine Vergangenheit untersuchen lassen. Das schien mir vor über 50 Jahren schon notwendig, als mir Einzelheiten aus dem Innenleben bekannt wurden.

Kriegsgräber sollten eigentlich Kriegergräber/Soldatengräber heißen, denn die Gräber ziviler Kriegsopfer sind längst aufgelassen wie alle anderen. Daß man Soldatenfriedhöfe nach 100 Jahren noch pflegt und sogar noch neue anlegt, hat mit der Umdeutung zu friedensfördernden Denkmälern zu tun. Der Erfolg wird aber nicht kontrolliert. Steuergeld fließt.

In Freiburg sollte ein Denkmal für die koreanischen "Trostfrauen" aufgestellt werden, die Japaner haben es verhindert. Es geht sie zwar nichts an, aber die japanische Zwangsprostituierung von Koreanerinnen geht Freiburg auch nichts an. (Nichts, was auf der Welt geschieht, darf uns gleichgültig sein? Dann ist alles gleichgültig.)

Abgelehnte Asylbewerber werden trotzdem nicht abgeschoben und ersitzen sich den Aufenthaltsstatus. Es gehört sich nicht, Ärzten die leichtfertige Ausstellung von Attesten zu unterstellen? Aber kennt jemand einen Arzt, der kein Gefälligkeitsattest ausstellen würde? Den müßte man zum Helden der Medizin ernennen. - Das ist natürlich eine "Pauschalverdächtigung"!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2016 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33249

Der Linguistenhumor ist eine ganz eigene Gattung. Er tobt sich in den selbstgemachten Beispielsätzen aus:

Wenn du den Schnittlauch mit meiner Zahnprothese zerkleinerst, ärgert mich, dass die Zahnzwischenräume voller Schnittlauchfasern sind.

Hahaha!

Aus demselben Buch (Meibauer et al.: Satztypen):

Ken, der ja bekanntlich in Barbie verknallt war, ging nicht zu Britneys Party.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.09.2016 um 04.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33235

Ja, liebe Freunde, den Vers habe ich ständig gehört, ohne den Schlager selbst zu kennen. Ich vermute übrigens, daß meine Mutter ihrem zweiten Sohn den Namen ihres Mannes gegeben hat, weil sie nicht wußte, ob der aus dem Krieg zurückkommt, das war damals nicht unüblich. Inzwischen kommt der Vorname wieder öfter vor, wie auch alle anderen älteren Namen außer Adolf. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat sich immer um die Vornamenstatistik gekümmert, das war verdienstvoller als ihr unerwartetes Engagement für die sogenannte Rechtschreibreform. Das Interessante daran ist, daß die Eltern eine ganz individuelle Entscheidung zu treffen glauben und dennoch einem statistisch erfaßbaren Trend folgen. Das ist wie bei der Selbstmordstatistik, die im 19. Jahrhundert die Diskussion um die Willensfreiheit neu belebte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.09.2016 um 20.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33234

Da steh ich nun, ich armer Thor
und heiße nun mal Theodor!
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.09.2016 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33233

Der Theodor, der Theodor,
der steht bei uns im Fußballtor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.09.2016 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33230

In Florida toben ein Wirbelsturm und ein Streit darüber, ob Hermine der richtige Name für ihn ist. Übrigens: "Tropischer Sturm Hermine, trat im September 2010 im Golf von Mexiko auf" (Wikipedia).
Manche wollen den Namen französisch lesen, viele sind für Hermione oder den Namen eines kürzlich erschossenen Gorillas.

Ich habe die deutsche Fassung von "Harry Potter" nicht in der Hand gehabt, erinnere mich aber noch meines Stirnrunzelns wegen des biederen deutschen Namens Hermine anstelle des passenderen Hermione für die niedliche kleine Hexe.

Der weibliche Vorname Hermine ist seit Harry Potter wieder beliebter geworden. Man sollte es sich gut überlegen. Es laufen ja viele herum mit seinerzeit beliebten Prominentennamen (Kevin) oder Namen, die aus Groschenromanen zu stammen scheinen und zum Beispiel mit fränkischen Familiennamen wie Kleinemeier, Übelacker nicht recht zusammenpassen. (Ich wurde aus irgend einem Grund mit einem Fußballtor assoziiert, aber das ist schon sehr lange her: vielleicht erklärt es mein Desinteresse an Fußball.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2016 um 15.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33143

In Rio ist jemand beleidigt worden, nämlich die ganze deutsche Olympiamannschaft:

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat scharfe Kritik am Marathon-Auftritt der Hand ins Hand ins Ziel gelaufenen Zwillinge Lisa und Anna Hahner bei den Rio-Spielen geübt. "Die Hahner-Zwillinge Lisa und Anna beendeten ihr olympisches Marathon-Rennen mit mehr als 21 Minuten Rückstand auf die Siegerin, mit mehr als 15 Minuten über ihren Bestleistungen auf Platz 81 und 82", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen. "Es wirkte so, als absolvierten sie einen Volkslauf und nicht die olympische Entscheidung."

Wenn Platzierung und Zeit bei einem olympischen Wettbewerb in den Hintergrund treten, wie die beiden Athletinnen unmittelbar nach dem Zieleinlauf formulierten, "dann ist das respektlos und ein Schlag ins Gesicht aller anderen Athleten der deutschen Olympiamannschaft", schimpfte Kurschilgen.
(t-online.de 15.8.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2016 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33120

Michael Hanfeld versuchte dann noch, den unbedachten Abdruck von Lanzmanns überzogenem Beitrag zu rechtfertigen, und die FAZ hat bisher fünf Leserbriefe abgedruckt, die in dieselbe Kerbe schlugen, heute aber auch zwei kritische. Ein Leser wundert sich wie ich, warum die Kinder in der Hotelhalle den alten Herrn so in Rage versetzten.

Medienwissenschaftler könnten den Fall in ihre Lehrbücher aufnehmen: Wie konstruiert man ein Ereignis und kommentiert es anschließend?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2016 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33079

In dem vieldiskutierten Gastbeitrag Claude Lanzmanns, den die FAZ gestern abgedruckt hat, steht noch etwas, was bisher niemand kommentiert hat:

Ich stand an der Rezeption, es war zehn Uhr abends, und blickte um mich. Die Hotelhalle war voller Kinder, dreißig müssen es gewesen sein, in kurzen Hosen, sie fühlten sich sichtlich zu Hause, sie kümmerten sich um keinerlei Belange des Anstands. Es kam mir wie eine Art Besatzung vor.

Was hat es damit auf sich, daß abends um zehn dreißig Kinder in der Hotelhalle wuseln? Und worin besteht ihr unanständiges Verhalten eigentlich? Hätten sie im Kempinski keine kurzen Hosen tragen dürfen? Was ist an der Sache schockierend? Ich bin ein bißchen ratlos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2016 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33029

Dem MDR ist ein peinlicher Fehler unterlaufen: In einem Radiobeitrag zu "20 Jahre Rechtschreibreform" vermeldete der Sender MDR Aktuell, dass mit Beginn des neuen Schuljahres die gerne verwechselten Wörter "seid" und "seit" zu "seidt" zusammengezogen werden. Dumm nur, dass die Quelle das Satireportal "Der Postillon" war.

Weiterlesen: http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Beitrag-zur-Rechtschreibreform-MDR-Aktuell-geht-dem-Postillon-auf-den-Leim-141827
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2016 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33019

Ein Ehemann und ein Vater suchen deshalb seit nun bereits mehreren Jahren auf eigene Faust nach seiner Frau beziehungsweise Tochter. (focus.de über Tsunami)

Harald Weinrich hat das Pedantische einmal definiert als übergroße Genauigkeit in kleinen Dingen (oder so ähnlich). Oft ist es aber nur eine Scheingenauigkeit. Die traurige Geschichte vom Tsunami verträgt den bürokratischen Ausdruck beziehungsweise nicht gut; nach Frau und Tochter wäre stilistisch besser. Der Leser ist ja nicht blöd, und beziehungsweise macht die Sache gar nicht eindeutiger.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.08.2016 um 10.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#33010

SRF brachte etwas zum Reformjubiläum:

Vor 10 Jahren wurde die neue Rechtschreibung amtlich: das Nachbeben der grossen Reform von 1996. Der Feder der Reformer entsprangen – neben einigen Verboten – eine ganze Reihe neuer Wortvarianten und Schreibweisen. Einige sorgen bei uns bis heute für Stirnrunzeln und Belustigung: sechs Beispiele.

Usw., aber die Mäkelei ist kenntnislos (Majonäse), betrifft nur Marginales und schließt mit einem Link zum Duden-Crashkurs (Christian Stang), so daß doch nur wieder Reformpropaganda und Durchsetzungsbeihilfe dabei herauskommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2016 um 18.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32990

Heute hat die FAZ wieder eine ganze Seite Kermani unreformiert. Er muß darum gebeten haben, denn von selbst macht das keine Zeitung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2016 um 09.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32989

Wie schon einmal bemerkt, lassen sich Politiker gern wie Kaiser Augustus ablichten, mit ausgestrecktem Arm, anderen den Weg weisend. Da sind einander alle gleich, Demokraten wie Diktatoren.
Jetzt reckt auch Sigmar Gabriel sein Patschehändchen über die Ostsee; es wirkt aber sehr zivil, mit dem roten Anorak von Jack Wolfskin (189 €, zur Zeit billiger dank SSV).

Nachtrag: http://www.spiegel.de/stil/sigmar-gabriel-traegt-funktionsjacke-die-stilkritik-a-1105839.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2016 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32959

Aha, danke, das ist einleuchtend. Clinton hat auch die TV-Kamera – also mich – immer wieder fixiert, so daß ich zuerst dachte, dort sei der Text.

Das Gemeinschaftsgefühl der versammelten Anhänger ist etwas Unheimliches. Die Kamera schwenkte immer wieder kurz auf die feuchten Augen. Dabei war die Machart doch leicht zu durchschauen. Aber es wirkt immer wieder, so sind wir eben.

Gleichzeitig lese ich, daß der Papst in Polen jemandem einen wirklich sehr "tiefen Blick" geschenkt habe.

Hurtig beuge ich mich wieder über meine Präpositionen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.07.2016 um 17.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32957

Es handelt sich heutzutage in der Regel um zwei Projektionsflächen rechts und links vor dem Rednerpult, weshalb der Blick immer von der einen zur anderen Seite wechselt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2016 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32947

During a campaign stop in North Carolina, Hillary Clinton read the word “sigh” off the teleprompter, rather than actually sighing, as she is told to do.

Dazu eine laienhafte Frage: Ich habe mir gestern aus rhetorischem Interesse Clintons acceptance speech angesehen. Wo steckt eigentlich der Teleprompter?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.07.2016 um 23.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32926

In ihrer heutigen Pressekonferenz hat die Kanzlerin zu den Attentaten der letzten Tage gesagt: „Es werden zivilisatorische Tabus gebrochen.“

Da frage ich mich, ob Frau Merkel – wenn sie es selbst schon nicht kann – nicht wenigstens Mitarbeiter hat, die ein ordentliches und einfaches Deutsch sprechen können.

Falls es ihre Absicht gewesen sein sollte, Erschütterung und Mitgefühl auszudrücken, dann doch gewiß nicht mit solcher, kalt-abstrakter Sprache.

Wie lange ist uns nun schon gepredigt worden, daß der „Tabubruch“ eine große Leistung sei?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.07.2016 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32907

Die FAZ befragt eine Professorin für Kriminologie usw. zu den Attentätern. Man wartet auf das Wort Narzissmus. Da ist es schon! Vielen Dank für die Ferndiagnose, sehr plausibel!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2016 um 10.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32892

Freunde machen mich darauf aufmerksam, daß es vielleicht um etwas anderes geht: In Länder mit Todesstrafe kann nicht so leicht abgeschoben werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2016 um 18.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32881

Tagelang war zu lesen, die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei sei die "rote Linie" usw. – Aber sind denn von langer Hand geplanten Säuberungen und Gleichschaltungen eher hinzunehmen? Todesstrafe gibt es in befreundeten Rechtsstaaten auch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2016 um 15.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32867

In den letzten Tagen ist Radfahren noch gefährlicher geworden. Unberechenbar umherlaufende Fußgänger, alle auf ihr Smartphone starrend. Einer hatte sogar eine Solaranlage auf dem Rücken, damit ihm nicht während der Pokémonjagd der Strom ausging.
Das Stampede-Video aus dem Central Park werden viele nun gesehen haben, aber hier in den kleinen Parks ist es ähnlich. O tempora!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2016 um 16.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32855

Noch einmal zum Kabelsalat: One perceptual source of tangles is headphones. It seems whenever I get my headphones out they have managed to snarl themselves up.

So beginnt ein interesssantes Kapitel in Matt Parker: Things to make and do in the fourth dimension. Es geht um die mathematische Behandlung von Knoten. (Der Verfasser ist jener Schöpfer des langsamsten Computers der Welt, den man im Internet sehen kann.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2016 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32848

Ein Spiegel spiegelt wider, gibt wieder. Nachdem die Präposition wider zum Archaismus geworden ist, sind Mißverständnisse nicht mehr zu befürchten, und man könnte wiederspiegeln endlich zulassen. Eigentlich seltsam, daß die Reformer das übergangen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2016 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32846

Vorhersagen von Sehern halten die meisten Menschen für Quatsch. Doch die blinde Prophetin Baba Wanga lag erstaunlich oft richtig. So soll sie den 11. September, Fukushima oder auch die schmelzenden Polkappen prophezeit haben – auch für das Jahr 2016 hatte sie eine Vision. (Focus)

Ich nehme an, daß solche Texte, selbst wenn sie dann noch etwas Skepsis durchscheinen lassen, großen Schaden anrichten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2016 um 18.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32836

Berichte über den Besuch der Bundeskanzlerin in Kirgisistan animieren unweigerlich einige Leser zu der Frage, was sie da will, ob sie nichts Besseres zu tun habe usw.
Wir haben einen Botschafter dort, es wird Deutsch gelernt, ich habe auch schon tüchtige Studenten aus diesem Land gehabt, das ich leider wohl nicht mehr sehen werde.
Es muß eine ungeheure Zahl von Leuten geben, die den ganzen Tag ihre unbedarfte Meinung zu allen möglichen Themen niederschreiben, und sei es die bedeutsame Feststellung, daß ihnen dazu nichts einfällt. Zum Glück legen sich diese Foren durch den Wust selbst still, so daß man sie nicht zu beachten braucht, während ja anderswo die Zuschriften oft interessanter sind als der auslösende Redaktionsbeitrag.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2016 um 14.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32835

Moderne Kunst allzu wörtlich genommen: Zum Entsetzen des Aufsichtspersonals hat eine 91 Jahre alte Besucherin des Neuen Museums Nürnberg ein Kreuzworträtsel-Kunstwerk ausgefüllt. Die Rentnerin habe unerlaubt mit einem Kugelschreiber auf dem Bild einige noch offene Kästchen mit den Lösungswörtern versehen. Damit habe sie das Kunstwerk beschädigt, berichtete Museumssprecherin Eva Martin am Donnerstag über den Zwischenfall vom Mittwoch und bestätigte Medienberichte.
Anscheinend habe die Nürnbergerin den Hinweis des Künstlers Arthur Köpcke "Insert words!" etwas zu wörtlich genommen. Dabei sollte doch eigentlich jedem Besucher klar sein, das man Kunstwerke keinesfalls beschriften dürfe, sagte Martin.
Das in einer Ausstellung des Museums gezeigte Fluxus-Werk, das mit 80 000 Euro versichert ist, soll restauriert werden. Die Kripo ermittelt inzwischen gegen die Rentnerin, die sich zunächst über die Vorwürfe der Museumsleitung überrascht gezeigt habe.


Erstens gibt es jede Menge "interaktive" Kunstwerke, bei denen man ausdrücklich "mitmachen" soll; und das ist geradezu der Stolz moderner Ausstellungen. Zweitens hat die Rentnerin die Aufforderung Insert words! nicht zu wörtlich genommen, sondern eine semiotisch keineswegs triviale Grenzverschiebung vorgenommen. Das entspricht genau jenem schon zitierten Faust-Darsteller der sich Habe nun, ach, Philosophie... usw. vorsagen läßt und dann das Publikum anstrahlt: "Soll ich Ihnen sagen, was unsere Souffleuse alles studiert hat?"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.07.2016 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32831

Auch zu http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=60#11419

Die 400 Leserzuschriften an den "Standard" (http://derstandard.at/2000040152337/20-Jahre-Rechtschreibreform-Sprache-bewusst-machen)
zeigen, daß alle Bemühungen, größere Teile der Bevölkerung über die Rechtschreibung und deren Reform aufzuklären, vergeblich waren und sind. In der Anfangszeit konnte man noch die ebenso diffuse wie berechtigte Abneigung der Menschen gegen die Änderung ausnutzen, aber dieser Schwung ist längst dahin. Die Leute ärgern sich entweder aus den falschen Gründen oder wollen einfach ihre Ruhe haben.
Eine feinere, wohldurchdachte und auch respektvolle Orthographie ist eben etwas für anspruchsvolle Schreiber und Leser – elitär, das stimmt schon!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.07.2016 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32776

"wüten sie auf Stimmtischniveau gegen die Ausländer"

Ja, so ist es leider, aber als mal einer ganz ohne Wut festgestellt hat, die Leute wollten eben einen Boateng nicht als Nachbarn haben, da hat sich plötzlich die gesamte Mainstreampresse empört, als ob es so etwas gar nicht gäbe.

Ich schäme mich auch immer fremd, wenn gegen Ausländer gewütet wird. Können deutsche Bürger nicht auf zivilisierte Art und Weise ihrer Regierung beibringen, was sie wollen?

Aber man kann es auch andersherum sagen: Begreift die deutsche Regierung nicht, daß sie es ist, die mit ihrer verantwortungslosen Politik die EU spaltet und immer mehr Bürger den links- und rechtsextremen Lagern zutreibt?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.07.2016 um 16.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32775

Der Nürnberger Bahnhof ist immerhin repräsentativ für viele Bahnhofe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2016 um 10.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32774

Kleine Beobachtung: Ein Handwerksbetrieb mit rund zehn Angestellten will zum Herbst einen ausländischen Lehrling einstellen. Alle Angestellten sind dagegen, hinter vorgehaltener Hand wüten sie auf Stimmtischniveau gegen die Ausländer. Keiner hat, soweit bekannt, schlechte Erfahrungen gemacht, alle informieren sich aus BILD und Glotze.
Mir ist das ziemlich auf den Magen geschlagen. Der von uns geförderte junge Pakistani kommt in der Berufsschule gut zurecht, sein Deutsch hat sich schnell verbessert, wie ich gerade gestern wieder feststellen konnte.

BILD verbreitet Schreckensmeldungen über sexuelle Übergríffe in Schwimmbädern, der Bäderverband widerspricht und korrigiert die Zahlen, wahrscheinlich vergeblich.

Unangenehm sind die an den Bahnhöfen herumhängenden und zum Teil unverschämten ausländischen Männer. Den Nürnberger Hauptbahnhof samt Untergeschoß meiden meine Töchter inzwischen, soweit es geht. Das hat sich in kurzer Zeit sehr verändert. Es ist nicht repräsentativ, prägt aber das Bild, weil man es täglich erlebt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2016 um 04.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32737

Mit Erstaunen und Mißmut habe ich bemerkt, daß fast alle, auch die Leserbriefschreiber, denen die Armenier schnurzegal sind, doch darin übereinstimmen, daß dem Herrn Erdogan mit diesem Tritt vors Schienbein recht geschehe. Nur im Tagesspiegel habe ich einen kritischen Kommentar zu dieser Gutmenschenaktion gelesen. Die Zweckentfremdung des Parlaments ist unabhängig vom konkreten Fall ein Ärgernis. Viele Abgeordnete dürften ebenso denken, sind aber zu feige, sich entsprechend zu verhalten.
Die Resolution scheint auf die Petition eines armenischen Vereins zurückzugehen. Fehlt nur noch, daß die Leugnung des Völkermords auch bei uns unter Strafe gestellt wird. Es ist niemand in Sicht, der sich dagegen aussprechen würde. Auf einem Zeitungsfoto sieht man eine Abordnung Armenier, z. T. in Priestertracht, auf der Zuschauertribüne des Bundestags, die „Danke“ auf ein vorbereitetes Poster gedruckt haben. Ist so etwas neuerdings erlaubt? (Nicht einmal das "Bundestagsbonbon" darf man dort oben lutschen.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.06.2016 um 20.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32736

Gewiß ist bei dieser Gelegenheit auch wieder die Legende aufgewärmt worden, daß Hitler bei Gelegenheit an die in Vergessenheit geratenen Armenier erinnert habe?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.06.2016 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32735

Seit über einem Jahr wird das Thema der Verfolgung der Armenier und anderer Christen in der Türkei im Jahre 1915 im Bundestag diskutiert.

Im gleichen Zeitraum sind mehr als eine Million sog. Flüchtlinge – zu einem erheblichen Teil unregistriert – in unser Land gekommen, haben die Silvesterereignisse von Köln zu einem landesweiten Schock geführt. Ich nehme mal an, daß der Bundestag diese Entwicklungen wenigstens zur Kenntnis genommen hat.

Unter diesen völlig veränderten Umständen hat der Bundestag nun nichts besseres zu tun als zu einem höchst delikaten Zeitpunkt eine neue Armenier-Resolution zu verabschieden, um den Tritt gegen das türkische Schienbein, den man vor gut einem Jahr leider versäumt hat, nun endlich nachzuholen.

Derweil meint Frau Merkel, das unsägliche „Gedicht“ des Herrn Böhmermann solle von der Justiz beurteilt werden, und entschuldigt sich absurderweise noch dafür, daß sie es gewagt hat, auch eine persönliche Meinung dazu zu äußern.

Warum überläßt Frau Merkel die Frage des Völkermords nicht ebenfalls den Historikern, wie der türkische Premierminister vorschlägt, oder den Völkerrechtlern?

Nein, sie sagt sogar, daß sie die Resolution unterstütze, und gibt ihr damit noch einen regierungsamtlichen Anstrich. Sie verbaut sich damit selbst die Ausrede, daß der oberste „Souverän“, als den sich der Bundestag so gerne sieht, nun einmal so entschieden hat und die Bundesregierung darauf keinen Einfluß habe.

Zugleich ist sie, wie andere Minister auch, höchst bedauerlicherweise wegen anderer Termine verhindert, an der Abstimmung teilzunehmen.

Leider taugt die Resolution nicht einmal dazu, auch mal mit dem Finger auf andere zeigen zu können. Ganz im Gegenteil wird die Selbstflagellation noch etwas verstärkt, indem man eine deutsche Mitschuld am Völkermord herausstellt. Damit auch ja keiner sich damit herausredet, daß nur die Nazis an allen Schrecken schuld seien, ist es jetzt das deutsche Kaiserreich, das Mitschuld am Völkermord hat.

Ein solches Deutschland taugt wohl wirklich nur als Auffangbecken für den Rest der Welt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 02.06.2016 um 18.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32733

"Vergangenheitspolitik": Ein schönes Beispiel ist die Geschichte der "Kiewer Rus", in der erst nach dem Ende der Sowjetunion zugegeben wurde, daß sie von schwedischen Wikingern gegründet und nach der finnischen Bezeichnung für die schwedischen Wikinger als "Russen" benannt ist. Die Einwohner wurden dann wie so oft nach ihren Herrschern benannt. Für die Romanow-Zaren und die Sowjets war das politisch unerträglich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2016 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32731

„Vergangenheitspolitik“ (FAZ) ist ein seltsames Wort. Es gibt doch die Geschichtswissenschaft? Ich habe auch vergessen, warum der Deutsche Bundestag zu ausgewählten Ereignissen Stellung nehmen muß, die in den Geschichtsbüchern stehen. Vielleicht weil er im vereinten Europa zur aktuellen Politik nur noch wenig beitragen kann? (Immerhin können wir nun darauf verweisen, daß auch andere Völkermord begangen haben.)

Mit einer Petition könnte man vielleicht eine Resolution erreichen: "Die Rechtschreibreform hat das Schreiben erleichtert." Dann wäre auch dies endlich klargestellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2016 um 13.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32667

Wenn die AfD vom Deutschen Katholikentag ausgeladen wird, muß sie doch zuvor eingeladen worden sein? Gauland: "So einen simplen Fehler hätte ich der Kirche nicht zugetraut." Da hat er wohl recht.

Mit der AfD kann man zur Zeit so wenig reden wie mit dem Vorsitzenden des Zentralrats einiger Muslime, aber das weiß man doch vorher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.05.2016 um 11.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32631

Schon wieder ein längerer Artikel über Carl Schmitt, diesmal in der ZEIT, obwohl er eigentlich der heimliche Hausautor der FAZ ist oder war. Ich habe aber immer noch nicht verstanden, warum Schmitt als bedeutender Kopf gilt; die oft zitierten Sprüche über Souveränität, Ausnahmezustand, Freund und Feind können es doch nicht sein. Die ZEIT schreibt nun:

Freilich blitzt oft die Gedankenschärfe Schmitts auf, häufig epigrammatisch: „Wenn das Wort 'Menschheit' fällt, entsichern die Eliten ihre Bomben und sehen sich die Massen nach einem bombensicheren Unterstand um.“ (Alexander Camann, ZEIT 19.5.16)

Besondere Gedankenschärfe kann ich hier nicht entdecken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.05.2016 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32575

Man erinnert an die chinesische Kulturrevolution vor genau 50 Jahren, selten an die vielen Beifallklatscher im Westen, besonders unter deutschen Studenten. Daß man damals nicht wissen konnte, was in China wirklich geschah, ist nicht wahr; man wollte es nicht wissen.
Fast gar nicht mehr erwähnt wird der etwas frühere "Große Sprung nach vorn", der laut Wikipedia die größte Hungerkatastrophe der menschlichen Geschichte zur Folge hatte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.05.2016 um 09.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32571

Dafür vergeß' ich z. B. nie den Geburtstag von Marx: 5.5.1818.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2016 um 07.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32570

Was Herr Ludwig und Herr Riemer über ihre kleinen Zahlengeheimnisse und Eselsbrücken berichten, spielt sicher für viele Menschen eine große Rolle. Aus gegebenem Anlaß werden gerade wieder Geschichten über Ramanujan erzählt, für den auch große Zahlen wie alte Bekannte waren.
Nietzsche wurde 100 Jahre vor mir geboren, das ist leicht zu merken. Er wurde 56, wie Beethoven und Hitler. (Hm, das kriege ich nicht aus dem Kopf.) 44 plus 56 macht 100. Usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.05.2016 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32568

Nur wenige Minuten nachdem mir das Zeitungsbild aufgefallen war, las ich in Leopold von Schröders Autobiographie von der Feier des Schillerjahres 1859. Fast könnte ich abergläubisch werden, mir passieren oft solche Zufälle. Aber wenn man so viel rumstöbert, muß es logischerweise dazu kommen. Immerhin macht es mir nachfühlbar, warum so viele Leute an Wunder glauben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.05.2016 um 23.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32567

Das mit der 9 am Ende wußte ich auch noch, und sogar noch mehr, nämlich daß auch die Ziffer am Anfang des Geburtsjahres bei allen dreien gleich ist. Nur komischerweise die mittleren zwei Zahlen konnte ich mir nie länger merken.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 12.05.2016 um 20.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32566

Vielleicht stammt das Foto auch aus dem Jahr 2015.
Handelte es sich aber um das Geburtsjahr, – naja, da habe ich mich immer gefreut, daß Lessing, Goethe und Schiller immer in einem Jahr mit einer 9 am Ende geboren waren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2016 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32563

Ich habe auch gleich an eine Routine gedacht, weil man Goethes Lebensdaten sicher viel öfter anschreibt als die Schillers. Insofern ein schöner Beleg für "Verschreiben".
Mir sind an der Tafel auch schon alle möglichen Sachen unterlaufen. Einmal lachte hinter mir eine Studentin so spöttisch, daß ich beschloß, sie zu heiraten. (Wir sind immer noch zusammen.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 12.05.2016 um 09.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32562

Immerhin steht da nicht 1832 als Todesjahr oder Frankfurt als Geburtsort! Dann müßte man sich wirklich Sorgen machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.05.2016 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32561

Unser Freund Friedrich Denk hat in Augsburg Achtkläßler für das Lesen zu begeistern versucht. http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Wer-liest-hoert-die-Stimme-des-Autors-id37693467.html
Wie man sieht, hat er an der Tafel dem armen Schiller zehn Lebensjahre zusätzlich gegönnt. Dafür hat die Zeitung ihn bestraft, indem sie wenigstens in der Bildunterschrift Herrn Denk sechs Jahre älter machte, als er ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.05.2016 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32494

Zum Vergleich: 'The so-called "visa overstays" represent an estimated 40% of the 11 million undocumented immigrants living in the [U.S.]'.
http://www.usatoday.com/story/news/2016/01/19/immigration-visa-overstays-department-of-homeland-security-report/79026708/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2016 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32492

Überschriften wie Visafreiheit für Millionen Türken erscheinen immer noch. (Viele verstehen das Ganze so, als gehe es um massenhafte Einwanderung, und polemisieren kräftig dagegen.)

Man liest abwechselnd Visumfreiheit und Visafreiheit. Dazu Wikipedia:

„Das Wort Visum (Pluralform Visa, auch etymologisch falsch Visen (deutsch) oder Visas (englisch)) stammt aus dem Lateinischen (‚das Gesehene‘). In der kommerziellen Umgangssprache findet als Singularform teilweise auch die – nach deutscher Grammatik nicht korrekte – englische Singularform visa Verwendung.“

Etymologisch falsch kann ich den eingedeutschten Plural nicht finden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.05.2016 um 05.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32487

Mein Zeitungsmann ärgert sich ständig über die Werbung, die die Brief- und Zeitungskästen verstopft. Besonders schlimm seien die Gratiszeitungen, die durch den Aufkleber "Keine Werbung" nicht abgewehrt werden können, weil sie eben durch einen redaktionellen Teil, so unbeachtlich er sein mag, den Status reiner Werbung verlieren. Das Papierzeitalter hat gerade erst begonnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2016 um 11.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32422

Sie haben es erraten! War ja auch nicht schwer, weil er den PENnern auch keine Ruhe läßt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 27.04.2016 um 10.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32421

"Geht es nur darum, ungestraft gegen Muslime polemisieren, um nicht zu sagen pöbeln zu können?"

Kann es sein, daß Ihnen der Rotzlöffelpöbler keine Ruhe läßt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2016 um 08.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32420

Den Zeitungen liegt wieder einmal eine Broschüre des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bündnisses „Zukunft der Industrie“ bei. Redaktion und Gestaltung: Hirschen Group GmbH. („Wichtige Kunden sind die Fiat-Gruppe, Ferrero, Lidl und der vor kurzem gewonnene Elektronikhändler Media-Markt.“) Der Inhalt? „Innovationen der Elektroindustrie sorgen dafür, dass unser Kaffee schon fertig ist, wenn wir morgens aufstehen.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2016 um 19.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32416

Es ist erstaunlich, daß Schriftsteller so lax mit der Sprache umgehen. Die PEN-Funktionäre und -Mitglieder sollten doch wissen, daß der § 166 nicht die Gotteslästerung, sondern die Beschimpfung von religiösen Bekenntnissen, die den öffentlichen Frieden stört, mit Strafe bedroht. Die Logik ist eine ganz andere. Der Gotteslästerer zieht den Zorn des Gottes auf die ganze Gemeinschaft und wird dafür bestraft, zweckmäßigerweise hingerichtet. Das ist biblisch. Die Störung des friedlichen Zusammenlebens durch Beleidigungen, Volksverhetzung usw. ist aus rein innerweltlichen Gründen strafbar. Man kann das ablehnen, aber dann wäre eine gewisse Folgerichtigkeit zu fordern.
Die Kirchen haben nur noch äußerst selten wegen § 166 geklagt, weil sie wissen, daß selbst (und gerade) ein Obsiegen vor Gericht ihnen nur schadet.
Warum also wollen die Schriftsteller ausgerechnet jetzt freie Bahn, wo es sich nicht mehr gegen die Kirchen richten kann? Geht es nur darum, ungestraft gegen Muslime polemisieren, um nicht zu sagen pöbeln zu können?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2016 um 17.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32405

Unbekannte hatten die Worte „Anschlag 25.04. Ahllahu Akbar“ an die Wand der Wolfang-Amadeus-Mozart-Schule gesprüht.
Fachleute hätten den Schriftzug untersucht und keine erhöhte Gefahr festgestellt.
(Focus 25.4.16)

Natürlich nicht! Nur ein rechtschreibschwacher deutscher Schuljunge schreibt Anschlag richtig und Allah falsch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2016 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32403

Das deutsche PEN-Zentrum stellt sich hinter Böhmermann und will nach der "Majestätsbeleidigung" auch die "Blasphemie" oder "Gotteslästerung" streichen (§ 166). Lauter falsche Begriffe, wie man weiß. Im übrigen funktioniert die Vermeidung von Religionskritik in den meisten Medien ohnehin vorzüglich.
(Lassen alle Mitglieder sich das gefallen? Das haben wir uns auch schon bei der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und ihren Aktivitäten zur Rettung der Rechtschreibreform fragen müssen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.04.2016 um 10.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32396

Noch einmal zum Dauerbrenner:

Die Stellung des Verbs im einfachen Hauptsatze und im Nachsatze nach den griechischen Inschriften ... (Ernst Kieckers 1911)

Das e konnte auch damals wegfallen, aber heute muß es wegfallen. Wenn ich den Titel bei Google eingebe, werden die expliziten Formen unterringelt. Etwas milder ausgedrückt: im Hauptsatze ist kein gutes Deutsch mehr. Es klingt wie sintemalen...
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.04.2016 um 14.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32368

Bittners Darstellung des Sachverhalts ist schief. 'English law allows actions for libel to be brought in the High Court for any published statements alleged to defame a named or identifiable individual or individuals (under English law companies are legal persons, and allowed to bring suit for defamation) in a manner that causes them loss in their trade or profession, or causes a reasonable person to think worse of them.' (WP) Das entspricht unserem Verständnis von Verleumdung: »Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden (!) geeignet ist, usw.« (§ 187 StGB)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2016 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32367

Mein Erstaunen galt mehr der Empfehlung Bittners, Beleidigungsklagen an Vermögensschäden zu binden – ein Habenichts könnte dann gar nicht beleidigt werden, er ist ja buchstäblich nichts wert.

Gerade lese ich:

Die türkische Regierung drängt auf Visumfreiheit für 80 Millionen Türken ab Juni. (welt.de 21.4.16)

Tatsächlich hat die Türkei so viele Einwohner, und wenn sie Visumsfreiheit bekommen, dann eben alle 80 Millionen. Aber die Formulierung suggeriert ja, daß ab Juni 80 Millionen Türken auf der Matte stehen. Ginge es um die Visumsfreiheit der Franzosen, würde die Zeitung kaum an die Unmenge von Leuten erinnern, die ohne weiteres nach Deutschland kommen können, ganz zu schweigen von 80 Millionen Deutschen, die ab Juni in die Türkei strömem werden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.04.2016 um 13.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32366

Es trifft zu, daß das englische Recht nur die Verleumdung kennt und keinen Straftatbestand der Beleidigung. Aber was geht uns das an?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2016 um 08.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32362

Die Presse scheint sich gerade darauf geeinigt zu haben, den Fall Böhmermann und das abzuschaffende Gesetz (§ 103 STGB) unter "Majestätsbeleidigung" abzuhandeln, offenbar zu Unrecht.
Wie auch andere schon bemerkt haben, steht die Geringschätzung des Begriffs der Ehre (der in dieser Hinsicht nicht sehr verschieden von dem der Würde ist) – auch bei jenem Herrn Bittner – in eigenartigem Gegensatz zur immer schärferen Beurteilung "verbaler Gewalt", vor allem gegen Frauen.
(Als meine erste Tochter noch im Kindergartenalter war, kam sie einmal weinend zu mir gelaufen, weil der Spielkamerad im Nachbarhaus sie "Stinkefotze" genannt hatte. Nach Bittner war sie selbst schuld, sich gekränkt zu fühlen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2016 um 08.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32361

In der ZEIT bezweifelt ein Jochen Bittner, daß Ehre und Beleidigung noch zeitgemäße Begriffe sind. Er schreibt u. a.:

Mit anderen Worten, solange nur der Achtungsanspruch einer Person angegriffen wird, ist jemand, der sich deswegen beleidigt fühlt, selber schuld. Das angelsächsische Recht trägt diesem Umstand insofern Rechnung, als dort tendenziell auch noch ein anderes Gut als nur die ideelle Selbsteinschätzung verletzt sein muss – etwa eine vermögenswichtige Reputation –, damit eine Beleidigung strafbar wird. Das ist weise.

Das hat mich doch sehr erstaunt, besonders die Parenthese.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2016 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32355

15 Polizisten verletzt

Ausschreitungen bei Thügida-Aufmarsch in Jena

Bei einem Aufmarsch des fremdenfeindlichen Pegida-Ablegers Thügida in Jena ist es zu Ausschreitungen gekommen. 15 Polizisten seien am Mittwochabend verletzt worden, wie eine Polizeisprecherin am Abend mitteilte. Ob auch Demonstranten verletzt wurden, stand am späten Abend noch nicht fest.
(focus.de 20.4.16)

Erst danach erfährt man, daß die Gewalt von Gegendemonstranten ausging.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2016 um 09.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32343

Die FAZ berichtet über einen Vortrag von Kurt Flasch über Hans Blumenberg, als Vorgriff auf ein ganzes Buch, das er dem verstorbenen Wissenschaftshistoriker widmen will. Blumenberg wurde bekanntlich im Dritten Reich von Heinrich Dräger geschützt, dem Inhaber der Lübecker Drägerwerke (nicht Draegerwerke, wie die FAZ schreibt) und Vater unseres Mitstreiters Matthias Dräger. Dort habe man "Teleskope für U-Boote" hergestellt, und dies habe Blumenberg zur Beschäftigung mit der Optik und ihrer Geschichte angeregt, mit der Folge "Die Legitimität der Neuzeit", einem Buch, das Flasch mit Recht kritisch beurteilt.
Stimmt das alles? Meines Wissens haben die Drägerwerke nie Teleskope hergestellt, aber ich kann mich irren. Mit U-Booten hatten sie natürlich zu tun, so daß Blumenberg vielleicht über Periskope auf sein Thema gekommen ist.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 18.04.2016 um 13.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32327

Mein Beitrag zur Kultur betraf nur die Bürger- und Menschenrechte, bei denen es auch in Westeuropa noch etliche Defizite gibt, nicht aber den Begriff der Nächstenliebe, weil die kein einklagbares Recht ist und aus den Almosen-Zeitaltern stammt.
Es wurde schon erwähnt, daß in Deutschland die Staatsanwälte weisungsgebunden den Innenministern unterstehen, was immer wieder zu Merkwürdigkeiten bei der Strafverfolgung führt. Unbequeme Staatsanwälte werden strafversetzt.
An der Rechtsprechung in Italien, Frankreich und Spanien ist im Umgang mit Minderheiten etliches kritikwürdig. Das kann man hier nicht aufzählen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.04.2016 um 22.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32323

Lieber Germanist,
Sie sagen nicht, was die schwarzen Flecken sind, man kann nur annehmen, Sie meinen wieder das gleiche, Menschenrechte sind nicht vereinbar mit Flüchtlingsobergrenzen.

Sie kennen sicher den Sketch "Nikolausi", von Gerhard Polt, wenn nicht, hören Sie ihn sich doch mal auf Youtube an. Der kleine Bub' sagt immer wieder Nikolausi, ist vom Opa oder Vater weder durch Hinweis auf den Frühling noch auf die Ohrli davon zu überzeugen, daß es doch der Osterhasi ist.

Warum erklären und begründen Sie nicht einmal, warum es eben doch Nächstenliebe ist, wenn alle 130 Mann ersaufen, anstatt daß wenigstens ein paar davon gerettet werden?
Darauf und auf die anderen Argumente haben Sie immer nur eine Antwort: "Nikolausiii".
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.04.2016 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32322

Ohne Menschenrechte und gleiche Rechte und Chancen für alle ist eine Kultur in Wirklichkeit keine. Darin hat Westeuropa eine Alleinstellung, wenn auch noch mit einigen schwarzen Flecken.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.04.2016 um 15.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32321

Das wichtigste, was eine Kultur ausmacht, in 783#32318 fast nur nebenbei genannt, ist m. E. die Weltanschauung, Religion bzw. Atheismus.
Die Werke Beethovens, Architektur, Fußball, physikalisches Wissen und Theorien sind zwar alle mehr oder weniger populär, aber um sie werden keine Kriege geführt. Religionen werden dagegen immer wieder vorgeschoben.

Das Christentum hat sich bei uns so weit entwickelt, daß historische und wissenschaftliche Ergebnisse anerkannt werden, es ist tolerant gegenüber anderen Religionen, Religionsfreiheit wird respektiert. Zwischen Atheisten und Christen, den Hauptvertretern unserer Kultur, gibt es kaum noch gewalttätige Auseinandersetzungen, sie achten sich gegenseitig. Von einem solchen Verständnis ist der Islam noch sehr weit entfernt. Umso mehr der Islam in Europa an Einfluß gewinnt, umso mehr bedeutet das für unsere Kultur der Toleranz eine Rückentwicklung und Gefahr eines neuen Totalitarismus.

Lieber Germanist,
Sie sprechen öfters von Nächstenliebe. Dafür bin ich auch, aber was Sie darunter verstehen, geht in die falsche Richtung. Wenn 30 Mann in einem vollen Rettungsboot sitzen und daneben noch 100 weitere Menschen im Meer schwimmen, dann geht Ihre "Nächstenliebe" so weit, immer mehr Menschen ins Boot zu holen, bis es schließlich kentert und alle 130 umkommen.

Das Boot Europa würde natürlich nicht auf diese Art kentern, selbst wenn noch mal 500 Millionen Menschen dazukämen. Aber wenn eines Tages die gotischen Kirchen in Europa gesprengt und "Ungläubige" gesteinigt würden, dann wäre es in diesem Sinne auch gekentert, und ich würde gern wissen wollen, ob Sie dann immer noch auf Ihrer jetzigen "Nächstenliebe" bestünden.

Meine Meinung ist, daß wir uns selbstverständlich um Verfolgte in der Welt kümmern und ihnen helfen müssen. Das geht aber nicht, indem wir alle Völker der Welt nach Europa holen, sondern den Menschen muß in ihren Heimatländern geholfen werden, notfalls auch mit militärischem Beistand. Asyl für einzelne ist möglich, aber nicht für ganze Völker.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 17.04.2016 um 15.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32320

Der Broterwerb der Griechen, die auf Lesbos vom Tourismus leben, ist tatsächlich kein großes Thema.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 17.04.2016 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32319

Unsere abendländische christliche Kultur geht gerade in Griechenland unter. Die Bibel muß dringend umgeschrieben werden, weil in ihr keine Obergrenzen für die Nächstenliebe stehen. Der Eiserne Vorhang durch Europa ist kulturell immer noch zu merken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.04.2016 um 11.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32318

Um wieder einmal das allgemeinere – und für meine Begriffe interessantere – Problem anzusprechen: Was ist eigentlich eine Kultur? Daß Menschen in derselben Umgebung leben, dieselbe Allgemeinsprache sprechen und die Kenntnis gewisser Einrichtungen (bei weitem nicht aller!) teilen, täuscht wohl darüber hinweg, wie verschieden sie untereinander sind und in wie verschiedenen Kreisen sie sich bewegen. Ich meine unter anderem: Da stehen "unsere Kulturdenkmäler", aber was habe ich eigentlich mit den gotischen Kirchen zu schaffen? Viele nette Bekannte von mir hören niemals klassische Musik. Schon meine eigenen Kinder kennen fast nichts von Beethoven, dessen Werke ich, na ja, so ziemlich im Kopf habe. Sehr viele haben so gut wie nichts über die Schule hinaus gelesen, und das ist ja heute sehr wenig.
Ich bin mir schmerzlich bewußt, daß ich von Naturwissenschaften nur wenig und von Mathematik fast gar nichts verstehe. Die Religion verbindet einige, aber andere trennt sie, ganz zu schweigen von den Atheisten, die ja von ihrem Abseitsstehen meistens kein Aufhebens machen.
Wie in den Medien, so nimmt auch in den Köpfen vieler Mitmenschen der Fußball einen großen Raum ein, bei mir nicht. Daß ich weder Auto noch Fernsehen habe, brauche ich nicht schon wieder zu sagen. Wir leben also in der "hohen" wie in der "niederen" Kultur vielfach getrennt nebeneinander her.
Diese Gesellschaft ist nicht gesichtslos, sondern hat viele Gesichter, da kommt es auf paar mehr auch nicht an.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.04.2016 um 22.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32316

Lieber Germanist,
der Vergleich mit den Bajuwaren hinkt. Wenn sie damals ganz am Anfang waren, wie Sie schon selbst sagen, dann hatten die Bajuwaren auch nichts zu verlieren. Ihr Volk hat sich gerade erst gebildet, ihre Kultur sollte sich erst entwickeln. Und die äußeren Umstände, denken wir nur z. B. an die viel geringere Besiedelungsdichte, waren auch völlig anders als heute. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Zuzügler damals den schon Ansässigen sonderlich in die Quere gekommen wären, und wenn, dann haben sie sich halt im kleinen zusammengerauft ohne daß wir heute viel von den Einzelheiten wissen.

Heute hingegen haben die in Europa ansässigen Völker sowohl eine hochentwickelte Kultur zu verteidigen als auch eine wesentlich höhere Bevölkerungsdichte, alles ganz unvergleichbar mit dem frühen Mittelalter.

Übrigens habe ich nicht behauptet, daß Deutschland oder Europa durch den Zuzug von Millionen Afrikanern, Arabern und Asiaten untergehen würde. Das wäre ganz sicher nicht nicht der Fall. Es würde sich nur stark verändern. Und genau das fände ich eben schade. Ich möchte, daß sich unsere Kultur und Traditionen weiterentwickeln, aber nicht, daß sie von anderen Kulturen einfach verdrängt werden.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.04.2016 um 18.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32313

Nochmal zu Altbaierns Anfang: Die Bajuwaren waren am Anfang ein gesichtsloser Haufen einer Multi-kulti-Gesellschaft aus Kelten, Romanen und Germanen. Sie sind daran nicht untergegangen, ganz im Gegenteil.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2016 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32311

Erfahrungsgemäß führen solche Diskussionen zu nichts (Gutem), weil die Begriffe zu unbestimmt, die durchschimmernden Meinnungen zu bestimmt sind. Wollen wir es damit genug sein lassen? Mir liegen allerlei Ausdrücke auf der Zunge, aber ich beiße die Zähne zusammen und sage nichts mehr.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.04.2016 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32309

Lieber Herr Schaefer,
Ihr Eintrag läßt mich daran denken, daß man bestimmte Wörter wohl auch immer mit persönlichen Eindrücken von Gelesenem oder Erlebtem verbindet. Beispielsweise bereitet mir das Wort "frenetisch" immer Unbehagen, das muß ich wohl in "LTI" gelesen haben, und es stimmt mit dem, was ich aus Büchern und Dokumentarfilmen über die NS-Zeit kenne, gut überein. Auch wenn das Wort wohl doch nicht von den Nazis stammt, bleibt es mir irgendwie unangenehm.

Vielleicht geht es Ihnen mit dem Wort "gesichtslos" ähnlich. Ich glaube, das Wort aus der normalen Umgangssprache zu kennen. Mit einer gesichtslosen Gesellschaft meine ich eine, deren Charakterzüge oder Eigenart verschwimmen und verlorengehen, weil sie sich mit zu vielen Menschen aus verschiedenen ganz anderen Kulturen vermischt. Daß dies mit unserer Kultur geschehen könnte, befürchte ich. Das ist wohl schon ein eher konservativer Standpunkt, aber sicherlich kein extremer.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 16.04.2016 um 16.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32307

Lieber Herr Schaefer,

was kann denn Herr Riemer für den Sprachgebrauch von UKIP oder FN?
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 16.04.2016 um 10.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32306

Lieber Herr Riemer,

was, um Himmels willen, ist eine "gesichtslose Multikulti-Gesellschaft"?

Meines Erachtens verdiente diese Wortmeldung eine Diskussion im Strang "Rhetorik", möglicherweise auch einen neuen Eintrag zum Thema "Rhetorik der Neuen Rechten".

Ich möchte Ihnen, Herr Riemer, nichts unterstellen, aber bei "gesichtslos" handelt es sich um ein Attribut, das von nationalistischen Parteien wie der UKIP oder der Front National gerne und häufig gebraucht wird, vor allem wenn es um die EU und die Europäische Menschenrechtskonvention geht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2016 um 13.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32286

Kein Wunder, denn die anfängliche Freude über die wiedergewonnene deutsche Einheit ist inzwischen einer allgemeinen Skepsis über die drohende Auflösung unserer Kultur in einer gesichtslosen Multikulti-Gesellschaft gewichen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2016 um 08.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32285

Ein "fröhliches Mitmach-Denkmal" weniger, und was schreibt der "Tagesspiegel"?

Der deutsche Selbsthass begräbt das Einheitsdenkmal – Weder in der Politik noch in der Öffentlichkeit fand das Einheitsdenkmal die nötige kraftvolle Unterstützung. Weil sich die Deutschen keine sichtbare Freude erlauben.

(Leserbriefschreiber bekunden ihre sichtbare Freude darüber, daß die Einheitswippe nicht gebaut wird.)

Sprachlich interessant ist das Wort nötig. Es gibt die rein logische Interpretation: Das Denkmal kann nur mit kraftvoller Unterstützung gebaut werden. Andererseits die versteckte Forderung des Autors nach solcher Unterstützung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2016 um 19.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32236

Danke für den Hinweis! Das Internet vergißt fast nichts, man muß es nur finden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.04.2016 um 08.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32235

Die Website des merkwürdigen Mannes ist verewigt unter
https://web.archive.org/web/20130314011605/http://www.beaugrande.com/
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2016 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32234

Das Foto unter dem Link http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29719 ist inzwischen ersetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.04.2016 um 17.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32229

Auch Minister Maas hofft angeblich auf eine Herausgabe der Panama-Daten. Aber wenn, wie von allen Seiten versichert wird, Briefkastenfirmen an sich nicht illegal sind – warum sollten sie die Justiz interessieren?
Gerade die legale Steuervermeidung darf nicht bekannt werden, weil sie mit Recht als Inbegriff der Entsolidarisierung verstanden werden würde.
"1000 ganz legale Steuertricks" empfehlen sich, alle mit dem Ziel, dem Staat die Mittel vorzuenthalten, die man ihm durch die Steuergesetze offiziell als seinen gerechten Anteil zugebilligt hat. Firmen sind gegenüber ihren Aktionären, Banken gegenüber ihren Kunden dazu verpflichtet, alle Möglichkeiten der Steuervermeidung zu nutzen. Ein perverser Zustand, seit langem bekannt, nie ernsthaft in Angriff genommen.
Die Zyniker aus der Wirtschaftsredaktion erfreuen uns nun mit solchen Beispielen: Ein prominenter Immobilienkäufer könnte mit guten Gründen einen Strohmann vorschicken, damit seine Prominenz den Preis nicht in die Höhe treibt. Jemand könnte sein Vermögen vor unangenehmen Verwandten verstecken wollen. (Alles ganz ernsthaft in der FAZ!)
Gerade höre ich, daß es in Delaware mehr Unternehmen als Einwohner gibt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.04.2016 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32202

Was Sigmundur betrifft, so nennen ihn selbst die dänischen und schwedischen Zeitungen Gunnlaugsson. Was Reuters vorgibt, ist Gesetz.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.04.2016 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32201

Herr Riemer hat einen wunden Punkt getroffen: Die ausgestreckte Hand verweigern, das sieht wie der Inbegriff der Ablehnung aus. Auch wenn es selten vorkommt, man möchte den Kindern schnellstens Manieren beibringen.

Mir leuchtet auch die Betrachtungsweise ein, daß eine einzelne Situation an sich nicht dramatisch ist, auch wegen ihrer Seltenheit (Professor Ickler).

Vermutlich wirkt so eine Situation dramatisch, weil der Verdacht aufkommt, daß sich darin eine Haltung vieler Muslime ausdrückt: "Frauen sind nicht gleichrangig." Und: "Unsere Gebote sind wichtiger als eure." Von hier aus ist es nicht mehr allzu weit bis: "Wir verachten eure Gesetze. Wir brauchen die Scharia." Und: "Wir lehnen euch Ungläubige ab. Wir wollen eine islamische Gesellschaft." Man kann weiter extrapolieren.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 06.04.2016 um 17.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32200

Wer ist eigentlich diese Panama Papers, von der jetzt überall die Rede ist (Sängerin, Sportlerin...)?
Und auch unsere "Qualitätsmedien" kapieren mal wieder nicht, daß der gewesene isländische Ministerpräsident Sigmundur heißt und nicht Gunnlaugsson.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.04.2016 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32196

Daß das Handgeben nicht (mehr) allgemein üblich ist, würde ich nicht sagen. In bestimmten Situationen war es noch nie üblich, in anderen ist es immer noch allgemein sehr üblich.

Zum Unterrichtsbeginn gibt der Lehrer natürlich nicht jedem Schüler einzeln die Hand. Trifft sich der Lehrer aber mit einem Schüler und evtl. den Eltern des Schülers am Nachmittag zu einem verabredeten Gespräch, wird der Lehrer wohl normalerweise den Eltern und dem Schüler die Hand reichen.

Treffen sich zwei Geschäftspartner zu einer Verabredung, werden sie sich ziemlich sicher mit Handschlag begrüßen. Je größer die Gruppen sind, umso unwahrscheinlicher wird es, daß jeder jedem die Hand gibt.

Der Gipfel der Unhöflichkeit, eigentlich schon fast beleidigend, ist es immer noch, wenn man die Hand zur Begrüßung gereicht bekommt und ablehnt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.04.2016 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32195

Man kann auch höflich miteinander umgehen, ohne sich die Hand zu geben. An solchen Kleinigkeiten sollte man sich nicht festbeißen. Das ist noch geringfügiger als Kopftücher.
(Ich kann mich nicht entsinnen, unseren Lehrern die Hand gegeben zu haben. Dazu war wenig Gelegenheit. Damals stand die Klasse noch auf, wenn der Lehrer reinkam. Das ist heute noch an manchen Schulen so. Es interpungiert die Formlosigkeit in sinnvoller Weise.)

Gibt es Schulordnungen, die das Handgeben vorschreiben? Wohl kaum. Es ist auch in der Gesellschaft nicht mehr allgemein üblich.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.04.2016 um 11.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32194

#32182 (zu möglichen Reaktionen auf muslimische Verhaltensweisen):

Dabei wäre es doch eine besonders unaufwendige Werbung, wenn man gerade umgekehrt sagen würde: Bei euch fügen wir uns der Gewalt, aber bei uns könnt ihr im Rahmen unserer liberalen Gesetze machen, was ihr wollt.

Zufällig kommt heute folgende Meldung: Diskussion in der Schweiz: Muslimische Schüler müssen Lehrerin nicht die Hand geben

www.spiegel.de/schulspiegel/leben/schweiz-muslimische-schueler-muessen-lehrerin-nicht-die-hand-geben-a-1085608.html

Wenn man Kinder zwingen würde, ihrer Lehrerin die Hand zu geben, obwohl ihnen eingetrichtert wurde, das sei ein Verstoß gegen die religiös gebotenen Sitten, würde das den Konflikt verschärfen. Aber einfach nachgeben? Auch nicht so toll. Wie würden Sie entscheiden?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.04.2016 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32187

Der größte Witz ist aber, daß die gesamte linientreue »Weltpresse« mit Bildern von Putin aufgemacht hat, obwohl dessen Name in den Papieren eingestandenermaßen nicht ein einziges Mal auftaucht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2016 um 11.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32186

Zu den Panama-Papers:

Markus Söder hat bekanntlich Humor, aber nun ist ihm ein Jahrhundertwitz gelungen:

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) rief die Medien auf, alle Unterlagen den Steuer- und Sicherheitsbehörden zur Verfügung zu stellen. "Sonst bleibt das alles im Bereich der Spekulation." (BR 4.4.16)

Die Chinesen dürfen gleich gar nichts erfahren, und ihre Aufseher werden wohl wissen warum.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2016 um 06.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32184

Für Computerspiele hat man ein „Protoindoeuropäisch“ konstruiert und dann mundgerecht gemacht. (Bericht in der FAZ 5.4.16). „Und dann mussten die Kehllaute beseitigt werden, mit denen protoindoeuropäische Sätze geradezu gepflastert sind.“ Gemeint sind die Konstrukte der Laryngaltheorie, über deren phonetische Qualität, falls sie überhaupt existiert haben, nur spekuliert werden kann. Aber „Kehllaute“ passen natürlich ins Klischee einer primitiven Sprache. Das Protoindoeuropäisch starb auch nicht um 4500 v. Chr. aus, wie es heißt, sonst könnte es nicht aus seinen „Nachfahren“ rekonstruiert werden. Das Weiterleben einer Sprache besteht ja gerade darin, Nachfahren zu haben, sich also immer weiter zu verändern.
Die Sprachbastler haben auch Schleichers berühmte indogermanische Fabeln laryngalistisch überarbeitet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.04.2016 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32182

Erstaunlich viele Leute argumentieren so:
Wenn unsere Stewardessen bei euch Kopftuch tragen müssen, dann müssen eure Stewardessen bei uns das Kopftuch ablegen.
Wenn wir bei euch keine Kirchen bauen dürfen, dürft ihr bei uns auch keine Moscheen bauen.

Dabei wäre es doch eine besonders unaufwendige Werbung, wenn man gerade umgekehrt sagen würde: Bei euch fügen wir uns der Gewalt, aber bei uns könnt ihr im Rahmen unserer liberalen Gesetze machen, was ihr wollt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.04.2016 um 07.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32132

Von meinen ersten Aufenthalten in Frankreich sind mir noch die meist älteren Männer in Erinnerung, die in den Parks mit unendlicher Gelassenheit dem Boulespiel frönten (eigentlich wohl Pétanque). Aktionen waren eher selten, meist stand man herum, rauchte und plauderte. Frauen waren nicht darunter. Der Anblick war mir neu, das kannte ich aus Deutschland gar nicht.

Bei späteren Besuchen derselbe Eindruck, noch immer stand in diesen Ecken der Parks die Zeit still, ähnlich dann in Italien (Boccia). Mit den Kindern und den eigenen betagten Eltern haben wir dann die Elementarform des Spiels Jahr für Jahr am Strand gespielt.

Warum ich dies erwähne: Bei Wikipedia ("Pétanque") kann man sehen, wie so ein Spiel immer dichtere Regelwerke hervortreibt. Die Spielregeln für Schach oder Go sind ja in zwei Minuten erklärt, das gleicht eher der Mathematik. Aber bei Geschicklichkeitsspielen kommt die Widerständigkeit des Geländes hinzu, und dann heißt es Messen (mit besonderem Gerät) und Berücksichtigen aller möglichen Umstände. Man braucht auch Schiedsrichter, jedenfalls bei Turnieren. Das Ganze ist im wesentlichen Bestimmungsleistung. Gleichsam aus dem Nichts wird ein Verhalten geregelt und ein Stück Landschaft in Boule-Landschaft verwandelt (wie es Golf-Landschaften und, nun ja, Kriegslandschaften gibt).
Das Spiel schafft eine Welt extrem reduzierter Komplexität, bringt allerdings auch neue hervor, die aber nicht als anstrengend erlebt wird. Das freut den Rentner.

Nachtrag: Männersache ist auch das Angeln. Da es in beiden Bereichen keinen Zwang gibt, muß es der natürlichen Neigung der Geschlechter entsprechen. Meine Frau meint dazu, Frauen hätten irgendwann keine Geduld mehr und wollten Ergebnisse sehen. Jemand meinte, Männer spielten überhaupt mehr, in die Erwachsenenjahre hinein, und brachte damit die Neigung zur Wissenschaft in Verbindung, die ja auch ein Spiel sei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2016 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32109

Merkel beliebter, Seehofer unbeliebter.

Usw., geschenkt!

Jeden Tag erfahren wir die Ergebnisse von Umfragen zu allem möglichen. Die Wertlosigkeit dieses Geschäftszweigs hängt damit zusammen, daß die Befragten auch zu komplizierten Zusammenhängen eine Meinung äußern sollen, z. B. zu EZB-Entscheidungen oder zur Flüchtlingspolitik, ohne sich näher damit beschäftigt zu haben. Klärt man sie 5 Minuten lang über die Zusammenhänge auf, ändert sich vermutlich ihre Meinung bis ins genaue Gegenteil. Das ist kein Plädoyer gegen Volksentscheide, denn diesen geht oft eine gründliche Beschäftigung mit dem Gegenstand voraus, und die Voten sind auch viel weniger von den Medien abhängig.

Daß Seehofers Stern bald wieder sinken würde, war allerdings voraussehbar, weil er die Grundregeln der Rhetorik nicht beherrscht. Wenn ein Hund laut bellt, solange er hinterm sicheren Gartenzaun hin und her läuft, aber den Schwanz einzieht, sobald das Tor sich öffnet, haben bald auch die kleinen Mädchen keine Angst mehr vor ihm.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 29.03.2016 um 16.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32102

Zu #32096:
FBI kam ohne Hilfe von Apple an Daten in umkämpftem iPhone / Los Angeles (dpa)
"Ohne Hilfe von Apple"!, nicht ohne Hilfe von außen überhaupt. Was immer hier ein Dankesnicken in eine bestimmte Richtung bzw. aus einem bestimmten Anlaß andeuten mag.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2016 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32100

Kleine Beobachtung an mir selbst: Ich wollte endlich einmal das Buch "Lob der Lüge" von Volker Sommer lesen, weil ich mich für Mimikry usw. interessiere. Ich holte es also von der UB und las und las – und merkte erst nach fast 100 Seiten an meine eigenen Bleistiftstrichen und -korrekturen, daß ich es schon einmal gelesen haben mußte. Warum habe ich das nicht früher bemerkt? Weil ich bis dahin überhaupt nichts Neues und auch nichts gelesen hatte, was meine Kritik herausgefordert hätte. Die mitgeteilten Tatsachen aus dem Tierreich waren mir so vertraut, daß ich sie auch überall sonst hätte gelesen haben können.
Ein paar Stunden verloren, aber irgendwie auch wieder nicht, und es gibt schlimmere Arten, seine Zeit zu vertun.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2016 um 10.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32096

Es hätte mich gewundert, wenn der amerikanische Geheimdienst nicht imstande wäre, ein normales ziviles Handy zu knacken. Was mich wundert, ist, daß er seinen Erfolg bekanntmacht, statt zu schweigen und zu genießen. Das wäre doch wohl für einen Geheimdienst das allererste Gebot. Nun will Apple nachrüsten und muß es sogar, um der Kunden und des Geschäftes willen.
Aber vielleicht erfahren wir sowieso nicht das ganze Spiel und bilden uns auch hier eine falsche Meinung.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 25.03.2016 um 19.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32047

Die Meldung soll davon ablenken, daß die syrische Armee gerade mit russischer Unterstützung Palmyra zurückerobert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2016 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32046

USA melden Tot mehrerer IS-Top-Terroristen (FR 25.3.16)

Die Vereinigten Staaten haben der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) einen schweren Schlag versetzt und die Nummer zwei der Extremisten getötet. (FAZ 25.3.16)

Jetzt folgt auf Nummer eins gleich Nummer drei, aber den kriegen sie auch (und viele andere). Allerdings las man voriges Jahr:

Weißes Haus: „Nummer zwei“ des Islamischen Staats im Irak getötet (FAZ 21.8.15)

Und davor....
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2016 um 18.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32009

Wo uns schriftliche Texte fehlen, tappen wir manchmal sehr im dunkeln. So geben uns die frühen Handwerke Rätsel auf: Wie haben die das bloß gemacht? Also zum Beispiel den Transport ungeheurer Steinklötze über weite Strecken. Halbfertige Werke geben manchmal einigen Aufschluß, etwa in Steinbrüchen.
Es gibt eine ganze Wissenschaft, die sich mit der Frage beschäftigt, warum die eiserne Säule beim Qutb Minar in Mehrauli südlich von Delhi nicht rostet. Ich habe das 1700 Jahre alte Stück noch anfassen können, heute ist ein Zaun drum.
Übrigens habe ich auch das Qutb Minar selbst noch mehrmals bestiegen (mein Haus war nur einen Katzensprung entfernt), obwohl schon damals geplant war, es zu sperren, weil immer wieder junge Mädchen aus Liebeskummer oder wegen drohender arranged marriage in den Tod sprangen.
Beim Kailâsa-Tempel in Ellora weiß man zwar grundsätzlich, wie er gemacht wurde, aber wenn man sich die Arbeit im einzelnen vorstellt, wird einem ganz schwindlig.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 17.03.2016 um 09.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31979

Es könnte Luchterhand gemeint sein, wo zuvor ein Band mit Arbeiten Geigers erschienen war. Vielleicht findet sich in der veröffentlichen Korrespondenz Horkheimers dazu etwas?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2016 um 07.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31976

Über Theodor Geiger heißt es in der Wikipedia:

Geiger hatte das Manuskript dieser kritischen Zeitdiagnose kurz vor seinem plötzlichen Tod fertiggestellt. René König, der es für den Druck vorbereitete, berichtet, dass das Frankfurter Institut die Veröffentlichung um jeden Preis zu verhindern suchte, „womit es einen großen deutschen Verleger veranlasste, vertragsbrüchig zu werden.“

Weiß jemand etwas Genaueres über diesen Vorfall? Ich habe leider nichts finden können. Es geht um das nachgelassene Werk "Demokratie ohne Dogma", und gemeint ist natürlich das "Institut für Sozialforschung".
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 09.03.2016 um 10.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31905

Zumindest in der Online-Ausgabe verwendet die F.A.Z. auch typographisch falsche Apostrophe: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/sozialdemokraten-das-schrumpfen-der-spd-14108856.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.03.2016 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31895

Schrumpfen Seit' an Seit'

Titel eines Beitrags über die SPD in der FAZ vom 7.3.16)

Ähnlich liest man es oft, aber eigentlich hat die zweite Elision nur Sinn, wo sie der Hiattilgung dient, also in einem der beiden Lieder, aus denen es stammt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2016 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31860

Vielleicht ein Hinweis darauf, daß die Runen zuerst (vorwiegend) nicht als Gebrauchsschrift verwendet wurden, sondern zu magischen Zwecken.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 04.03.2016 um 17.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31859

Das Futhark hat interessanterweise eine andere Reihenfolge. Die alten Germanen waren offenbar recht eigenwillig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.03.2016 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31843

A , der edelste, ursprünglichste aller laute, aus brust und kehle voll erschallend, den das kind zuerst und am leichtesten hervor bringen lernt, den mit recht die alphabete der meisten sprachen an ihre spitze stellen. a hält die mitte zwischen i und u, in welche beide es geschwächt werden kann, welchen beiden vielfach es sich annähert.

Dieser Anfang von Grimms Wörterbuch wird oft zitiert und liest sich recht ergötzlich mit seiner Begeisterung über das schöne a. Grimm führt dann auch gleich zahlreiche Wörter wie pater/Jupiter an, in denen das a wirklich oder scheinbar geschwächt ist.

Der ernste Hintergrund ist, daß die Gelehrten vom a des Altindischen überwältigt waren, auf das die indische Nationalgrammatik ihre Ablauttheorie gründete.

Die Alphabete, die Grimm erwähnt, stammen allesamt von einer gemeinsamen semitischen Mutter ab und haben die Reihenfolge nicht mehr verändert, außer den indischen Sprachen, die aber um so mehr Grund hatten, das a am Anfang zu lassen.

Die Beobachtung zur Kindersprache hat aber Bestand.
 
 

Kommentar von Grermanist, verfaßt am 01.03.2016 um 12.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31824

Qui tacet, consentire videtur.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2016 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31820

Die große Mehrheit der Deutschen schämt sich einer Umfrage zufolge für die gewalttätigen Proteste gegen Flüchtlinge. Dem Deutschlandtrend für die ARD-Tagesthemen zufolge gaben 83 Prozent der Befragten an, sich für Übergriffe etwa auf Flüchtlingsheime zu schämen. (ZEIT 1.3.16)

Deutlicher kann man die Wertlosigkeit solcher Umfragen nicht darstellen: Wenn die Leute angeben, sie schämten sich, dann schämen sie sich?

Das folgende ist auch recht hübsch:

Außerdem hatte Seehofer mal eben so den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk der verzehrten, wirklichkeitsfremden Berichterstattung bezichtigt. (Welt 27.2.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2016 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31801

Ich kenne den Hamburger Fall (erfolgreiche Klage wegen Lärms in einer Kindertagesstätte) nicht näher und will mich dazu nicht äußern. Oft genug habe ich mich hier als kinderfreundlich zu erkennen gegeben und finde es nicht richtig, daß Leute sich über "Kindergärten in Wohngebieten" beschweren usw. Dies vorausgeschickt, will ich aber auch sagen, daß der Lärmpegel in Kindergruppen nicht naturgegeben ist. In anderen Ländern fiel mir auf, daß das sogenannte "Schreien und Toben", das hierzulande als selbstverständlich gilt und nicht eingeschränkt werden darf, bei weitem nicht überall so ausgeprägt ist. Es wird offenbar auch nicht als notwendig betrachtet, und warum sollte es das sein? Hier sehe und höre ich immer wieder, daß alle Kinder, auch in Grundschulen, so laut schreien, wie sie können, um sich überhaupt verständlich zu machen. Unsere Töchter haben im Kindergarten und auch noch in der Schule darunter gelitten. Tatsächlich sind viele Kinder schon hörgeschädigt, bevor sie Rockkonzerte besuchen. Ich weiß nicht, ob das im Rahmen der "Interkulturellen Kommunikation" schon einmal vergleichend untersucht worden ist.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 25.02.2016 um 20.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31783

jW vom 28. Januar 2016, Überschrift der Hintergrund-Doppelseite:
Im Dienste der Rekolonisierung
Spricht natürlich nicht unbedingt gegen die phraseologische Gebundenheit. Typische Kandidaten sind etwa: Im Laufe der Zeit, in gleichem Maße, auf dem Fuße folgen, vgl. auch
im Grunde ~ am Grund(e) des Sees
im Gange sein ~ im dritten Gang fahren
auf dem Wege (bildlich) ~ auf dem Weg (physisch)
Mir scheint jedenfalls (ohne genaue statistische Analyse), daß die Dativ-e-Quote in der jW überdurchschnittlich hoch ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2016 um 06.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31758

Der Londoner Bürgermeister Boris Johnson läßt sich bei einem Truppenbesuch im Irak liegend mit einem supertollen Gewehr im Anschlag ablichten. Ich verstehe ja nichts vom Schießen, aber Johnson wohl auch nicht: Er hält sich das Schießgewehr so dicht an die Backe, daß der Rückstoß ihn sofort außer Gefecht setzen würde. Wahrscheinlich wieder nur ein "Symbolfoto".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2016 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31755

"Es muß alles demokratisch aussehen."

Was mich bei meiner langjährigen Beschäftigung mit der Sprache der SED und der DDR-Linguistik am meisten befremdete, war die ungenierte Darstellung der "Agitation" und Manipulation als Mittel zur Durchsetzung der richtigen sozialistischen Gesinnung. Es gab zahllose Bücher (wie "Sprache und Praxis"), in denen die Durchführung von gelenkten Diskussionen gelehrt wurde. Generationen waren gezwungen, an solchen Runden teilzunehmen, bei denen es für alle, auch den "Zirkelleiter", darauf ankam, nicht durch eigene Meinungen aufzufallen. Das von der Partei gewünschte Ergebnis, also etwa die Einsicht in die Verwerflichkeit des westdeutschen Imperialismus, stand von vornherein fest. Man braucht nicht nach Lösungen von Problemen zu suchen, denn die Lösungen waren ein für allemal vorgegeben. In der eigenen Gesellschaft gab es keine wirklichen Konflikte. (In der Belletristik ist das natürlich auch karikiert worden.)
Ich möchte keine Nationalpsychologie treiben, aber ich nehme an, daß diese Diskussionskultur die Menschen doch mitgeprägt hat. Wenn man Probleme jahrzehntelang unter den Teppich kehrt, bleiben sie dort unerledigt liegen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2016 um 04.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31716

David Cameron muss jetzt liefern
Kanzlerin muss liefern
Die Türkei muss liefern
BAMF muss jetzt liefern


usw.

Klingt entschlossen, sagt aber fast nichts. Das Verb ist nun vorläufig unbrauchbar, schade.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.02.2016 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31712

In einem unverlangt zugemailten Artikel fordert die Deutsche Sprachwelt verpflichtende Deutschkurse für Zuwanderer. Die Teilnahme soll kontrolliert werden. Ich glaube allerdings, daß dann auch die Qualität der Kurse kontrolliert werden müßte.

Während Zigtausende Syrer Deutsch lernen, strahlt die Deutsche Welle seit Dezember ihr Fernsehprogramm in Deutschland auf arabisch aus. Auch die Tagesschau sendet jetzt ihre Nachrichten im Netz auf arabisch. Ein Hochschulrektor fordert gar, an deutschen Schulen Arabisch als gleichberechtigte Unterrichtssprache verpflichtend einzuführen. Die Politik sollte solche Irrwege beenden oder gar nicht erst zulassen.

Nun, über den verrückten Professor sind wir uns einig, aber arabische Sendungen sind natürlich der beste Weg, die Mehrheit der Zuwanderer möglichst früh zu erreichen und über die wichtigsten Grundlagen unseres gesellschaftlichen Lebens und ihres Status aufzuklären. Das geschieht hier übrigens auch an der Erlanger Volkshochschule.
Bis die Zuwanderer genügend Deutsch können, vergeht ja eine ganz beträchtliche Zeit, in der wir sie doch nicht orientierungslos oder in der Umklammerung durch Landsleute lassen wollen.

Die Sprachwelt schreibt übrigens: Wer dann schwänze, dessen Leistungen müßten gekürzt werden.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.02.2016 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31660

zu #31317, Zerrüttung des Sprachgefühls:

Der MM schrieb am 23.1.16 auf S. 31 über in Mode kommende exotische Szenerien in Zoos, z. B. Zebras im Schnee:

Dass das nach wie vor ein Erfolgsrezept ist, hat das vergangene Jahr gezeigt: Es war das Drittbeste in der Geschichte des Tierparks ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.02.2016 um 09.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31654

Zur "Macht der Sprache":

CDU will Flüchtlinge zu Lohndrückern machen (ND 14.2.16)

So kann man es natürlich auch sagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.02.2016 um 07.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31616

Anschlag war kein fremdenfeindlicher Hintergrund (Schwarzwälder Bote 10.2.16 online)

Oft gedroschene Phrasen verlieren allmählich ihren Sinn.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2016 um 07.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31608

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#24696

Das Bonmot wird in der heutigen FAZ doch wieder Goethe zugeschrieben. Nun ja, wenn es kein chinesisches Sprichwort ist, wird es wohl Goethe sein. Aber im Ernst: Macht Goethe in Briefen (an Schiller, wie hier vermutet) solche Scherze?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.02.2016 um 00.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31587

Schröders Satz ist logisch unsinnig und daher nichts als wichtigtuerisch.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.02.2016 um 15.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31578

Die durch Frau Petry ausgelösten Erörterungen zum UZwG bringen verdrängte Erinnerungen aus meinem Wehrdienst wieder hervor.

Vor jedem Wachdienst erhielten wir eine Belehrung über die "Anwendung unmittelbaren Zwangs". Was das genau war, wurde nie so richtig definiert; hinreichend klar war aber, daß es besonders um den Schußwaffengebrauch ging.

Die Belehrung gerade hierzu war allerdings so verklausuliert, daß unser Fazit schnell feststand:

"Auf keinen Fall treffen. Wenn schon schießen, dann weit daneben. Sonst ist man womöglich selbst noch schuld."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2016 um 14.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31576

Manche Rezensionen dauern etwas länger. Im "Freitag" ist ein Text des Bloggers "h.yuren" abgedruckt, der sich Munskes "Lob der Rechtschreibung" von 2005 vorknöpft. Der Verfasser ist sehr modern, er verwendet nur Kleinbuchstaben. Auch spricht er sich für Konrad Dudens Ideal einer phonetischen Schreibung aus, folgt ihr aber nicht (obwohl er es dürfte). Wie im Mittelalter zu schreiben wäre also für ihn das Allermodernste. Auf weitere Einzelheiten will ich nicht eingehen, der Mann ist so selbstbewußt wie ahnungslos. Nur eins noch: Munskes Rückständigkeit führt er auf dessen Bayerntum zurück; auch fehlt der Hinweis auf die bayerischen Konkordatslehrstühle und Hitler nicht - nur als Beispiel für bayerisches Wesen, Munskes Lehrstuhl war davon natürlich nicht betroffen. Sehr komisch, wenn man Herrn Munske seit mehr als 50 Jahren kennt!
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.02.2016 um 13.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31575

Zu #31563: Wie würde wohl Schröders Erwachsenenversion von »Wir sind das Volk!« aussehen? Man mag es sich gar nicht vorstellen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2016 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31571

Der 1962 in Dresden geborene Dichter legt in dem Essay „Mein Babylonisches Hirn“ die Simonides-Anekdote, Ausgangspunkt der systematischen Gedächtniskunst, als Beschreibungsmodell seiner Poetik nahe. (Werbetest für eine Dissertation über Grünbein)

Der normale Leser kann nicht wissen, um welche Anekdote es sich handelt. Auch war nicht die Anekdote Ausgangspunkt der Gedächtniskunst, sondern Simonides gilt als Begründer dieser Kunst.

Für dieses Beschreibungsmodell der Dichtung werden neben der Metaphorologie Erkenntnisse der aktuellen Hirnforschung wichtig, die kritisch dargestellt und auf ihren Bezug zur Dichtungstheorie hin geprüft werden. Insgesamt ergibt sich eine Theorie, die vor allem auf Fragen nach Entstehung, (gesellschaftlicher und individueller) Funktion und Wirkung von Poesie gründet.

Die „aktuelle Hirnforschung“ nimmt der Junggermanist nebenbei mit, das kann heute jeder.

Die Bildungshuberei entspricht allerdings dem Untersuchungsgegenstand aufs schönste.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 05.02.2016 um 20.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31569

Ganz einfach: "Wir schaffen das" richtet sich an Kinder, Schröders Version an die, die schon größer sind.

Übrigens, für die sechs Ampelmann-Shops (http://ampelmannshop.com/Unsere-Stores) in Berlin sind die besten Lagen gerade gut genug: Kurfürstendamm, Potsdamer Platz, Gendarmenmarkt, Unter den Linden, Karl-Liebknecht-Straße und Hackesche Höfe. Eine Ampelfrau gibt es dort natürlich auch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.02.2016 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31563

"Ich hätte nicht gesagt: Wir schaffen das", sagte er bei einer SPD-Veranstaltung in Stuttgart. "Ich hätte gesagt: Wir können das schaffen, wenn wir bereit sind, Voraussetzungen dafür hinzubekommen."

(Gerhard Schröder, der Merkels Flüchtlingspolitik lobt, im SPIEGEL)

Stoff für eine germanistische Doktorarbeit.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 05.02.2016 um 00.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31562

Lieber Herr Metz,

in der Tat, wozu noch ins Grundgesetz schauen, wenn das Verfassungsgericht mit dem passe-partout der Menschenwürde jederzeit neue "Grundrechte" kreieren kann?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 04.02.2016 um 23.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31561

Mit dem Hinweis auf die »richterliche Kasuistik« kann man natürlich jeden Blick ins Gesetz für sinnlos erklären. Wie hat sich eigentlich die Polizei zu den Ausführungen von Frau Petry geäußert? Man sollte doch meinen, daß man dort mit der Praxis besser vertraut ist als die AfD-Vorsitzende oder wir alle hier. Im übrigen beneide auch ich unsere Polizeibeamten nicht!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.02.2016 um 21.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31560

Frau von Storch hat diese Äußerung auf Facebook getan, es wird z. B. hier zitiert:
www.tagesschau.de/inland/afd-schusswaffen-101.html
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.02.2016 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31559

Ich danke Herrn Wrase für die Fundstelle für das Petry-Interview. Aus der Lektüre des Interviews ergibt sich, was hier wohl niemand bezweifelt, daß sich Frau Petry sehr ungeschickt verhalten hat.

Andererseits ergibt sich aber auch ein genaueres Bild darüber, was sie wirklich gesagt und wie die Journalisten versucht haben, sie aufs Glatteis zu führen.

Da sie anscheinend den Text des MM gebilligt hat (so wie er auch abgedruckt wurde?), kann sie sich über dessen Berichterstattung nicht beklagen. Andererseits wird aber auch klar, daß Schlagzeilen anderer Medien wie "Petry fordert Schüsse auf Flüchtlinge" (Tagesschau) - milde gesagt - den Sachverhalt verkürzt darstellen.

Es hat wenig Sinn, sich in die Frage der Rechtslage zu verbeissen. Der Gesetzestext hilft hier nicht viel weiter. Wer kennt denn schon genauer die richterliche Kasuistik, etwa zur Verhältnismäßigkeit?

Eines scheint jedenfalls klar: Wer von der Dienstwaffe Gebrauch macht, tut das auf eigenes Risiko. Wer kann schon vorhersehen, ob ihm daraus vielleicht ein Strick gedreht wird? Ich beneide unsere Polizeibeamten nicht.

Kann vielleicht jemand auch die Fundstelle für die Äußerungen von Frau Storch angeben?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.02.2016 um 14.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31558

"der Leser wird den Text an mehreren Stellen nahezu mit Sicherheit so verstehen"

Wie der durchschnittliche Leser den Text versteht, das hängt wohl vor allem davon ab, was ihm die sogenannten Leitmedien darüber einbleuen. Leider machen sich nur wenige eigene kritische Gedanken.

Was die Rabulistik betrifft: wenn es gegensätzliche Meinungen gibt, wird wohl jede Seite immer die jeweils andere beschuldigen, die Wahrheit wortklauberisch zu verdrehen. Da hilft nichts, als die Argumente ehrlich auszutauschen und sich nicht nur mit den eigenen, sondern auch den gegnerischen Argumenten auseinanderzusetzen. Ich will das gern beherzigen und danke für die Diskussion.
 
 

Kommentar von Wikipedia, verfaßt am 04.02.2016 um 13.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31555

Als Rabulist wird laut Duden jemand bezeichnet, der in „spitzfindiger, kleinlicher, rechthaberischer Weise argumentiert und dabei oft den wahren Sachverhalt verdreht“
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 04.02.2016 um 13.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31554

Herr Riemer, ich würde Ihre Argumentation als Rabulistik bezeichnen. Theoretisch ist Ihre Interpretation konstruierbar, aber der Leser wird den Text an mehreren Stellen nahezu mit Sicherheit so verstehen, daß Petry sagen wollte, der Einsatz der Schußwaffe sei für den Fall vorgesehen, daß der Grenzübertritt nur noch mit diesem Mittel (Ultima ratio) verhindert werden kann. Wenn man so verstanden werden will, dann muß man so formulieren, wie es Frau Petry getan hat. Sie hat auch den von der Zeitung vorgelegten Wortlaut autorisiert und hatte dafür Bedenkzeit. Deshalb wirken die nachträglichen Vorwürfe von Petry gegenüber der Presse und ihre Richtigstellungen nicht überzeugend.

Was ist in Petry vorgegangen? Sie war sich doch bewußt, daß schon das Errichten eines Grenzzauns ein heikles Thema ist. Darauf hat Herr Metz schon hingewiesen. Ich könnte mir noch halbwegs vorstellen, daß sie die Erwähnung des Schußwaffengebrauchs im Gesetz subjektiv als Absicherung für ihr Anliegen empfand und deshalb darauf verwiesen hat. Also etwa folgender Gedankengang: Wenn die Polizei notfalls sogar auf Flüchtlinge schießen darf, dann wird ihr ja wohl auch erlaubt sein, was die AfD fordert, nämlich Flüchtlinge möglichst ohne Ausnahme vom Grenzübertritt abzuhalten. Aber dann hätte sie es eben sauber formulieren müssen.

Die Vermutung, daß sie einer irrigen Interpretation des Gesetzes in ihrem Umfeld unkritisch vertraut hat, leuchtet mir am ehesten ein. Es dürfte genügend Leute bei der AfD geben, die am liebsten auf eindringende Flüchtlinge schießen würden, um die Grenzen dicht zu halten. Da liegt es nahe, ein nicht bis ins Detail ausformuliertes Gesetz im Sinne der eigenen Vorstellungen zu interpretieren.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.02.2016 um 12.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31553

Für das Erschießen von unbewaffneten Fliehenden von hinten brauchen wir nur auf die langen Erfahrungen der US-Polizei zurückgreifen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.02.2016 um 11.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31550

Lieber Herr Wrase, man muß in der Tat alles lesen, auch Sie lassen hier etwas weg:

MM: Was passiert, wenn ein Flüchtling über den Zaun klettert?
Petry: Dann muß die Polizei ihn daran hindern, daß er deutschen Boden betritt.
MM: Und wenn er es trotzdem tut?

Der MM fragte also nicht einfach nur nach einem unbewaffneten Flüchtling, der eben mal so illegal und ganz friedlich die Grenze übertritt, sondern es ging in dem Interview schon um eine etwas renitentere "Person" (UZwG), die bewußt Sperranlagen überklettert und den Aufforderungen der Grenzpolizisten nicht nachkommt, sondern diese ignoriert.

Wie ist das zu bewerten? Dieser Flüchtling(?) macht sich damit schon verdächtig. Auf jeden Fall muß der Polizist den Mann festhalten. Was ist, wenn er versucht zu fliehen? Woher weiß der Polizist überhaupt so genau, daß es sich um einen Flüchtling handelt und nicht um jemand, der einen Rucksack voll Handgranaten einschmuggelt?
Ganz recht, Herr Metz, die Frage war nicht nach der Sendung mit der Maus oder nach einer Kaffeemaschine, sondern wir reden hier über die Sicherung der deutschen Staatsgrenze! Die Nichtbefolgung von Anordnungen der Grenzbeamten sollte wohl die Alarmglocken läuten lassen.

Der MM hat im Interview eine Situation geschildert, die einen weiten Spielraum hat und bei der unvorhergesehene Dinge geschehen können. Deshalb hat Petry völlig in Übereinstimmung mit dem Gesetz gesagt, daß "notfalls" auch die Anwendung von Waffen in Frage kommt.

Hätte Petry gesagt, der illegale Grenzübertritt müsse stets mit Waffengewalt verhindert werden, gäbe ich Ihnen recht, Herr Wrase, aber sie hat ausdrücklich gesagt, "notfalls" bzw. was "zur Ultima ratio" gehört. Was soll das denn sonst bedeuten als die Berücksichtigung der näheren Umstände?

Natürlich war sie nicht explizit nach einer Bedrohung des Polizisten gefragt worden, aber auch nicht explizit nach einem friedlichen Flüchtling. Deshalb durfte sie auch in ihrer Antwort allgemein bleiben. Und natürlich hat sie darin mit Recht auf das geltende Gesetz verwiesen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 04.02.2016 um 11.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31548

In den Schluchten des Balkans wird der uralte Beruf des Pfadfinders wiederbelebt werden.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 04.02.2016 um 10.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31547

"Nun kann man sich, je nach persönlicher oder politischer Sympathie, wieder auf die eine oder die andere Seite schlagen.“

Das ist ja das Wichtigste: das ostentative Eintreten für die einzig richtige Lösung des Dilemmas.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 04.02.2016 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31546

Daß Frau Petry sich der Gefahr der verkürzten Wiedergabe von Äußerungen bewußt war, zeigen mehrere ihrer Sätze in dem Interview. So hat sie sich gegen die Schlagzeile »Petry will Grenzzäune errichten« mit dem Satz abgesichert: »Ich weiß genau, dass Sie mich zur Schlagzeile "Petry will Grenzzäune errichten" provozieren wollen.« Und dieser Satz ist gedruckt worden. Wie überhaupt alles so gedruckt worden ist, wie es gesagt wurde. Jedenfalls hat Petry meines Wissens bisher nicht der Darstellung des Chefredakteurs des Mannheimer Morgens widersprochen, nach der sie den Wortlaut des Interviews autorisiert hat: »Was ist daran nötigend, wenn Frauke Petry uns selber das Interview angeboten hat, sie und ihr Sprecher jedes Wort zur Autorisierung vorgelegt bekommen haben, jedes Wort und jeden Satz mehrmals gelesen und schließlich zur Veröffentlichung freigegeben haben?« (http://www.faz.net/aktuell/schusswaffeneinsatz-was-man-in-der-afd-frauke-petry-vorwirft-14048383.html)

Daraus folgt für mich, daß Frau Petry entweder die Brisanz ihrer Äußerung tatsächlich nicht erkannt und deshalb diesen Wortlaut abgesegnet hat oder daß sie (immerhin nicht auszuschließen) im Gegenteil auf eine markige Schlagzeile gehofft, die Wirkung einer solchen Schlagzeile aber völlig unterschätzt hat.

Nun kann man sich, je nach persönlicher oder politischer Sympathie, wieder auf die eine oder die andere Seite schlagen. Derweil ist in Mannheim längst viel Wichtigeres geschehen. Eine Putzfrau hat in einer Kirche ein bedeutendes Kunstwerk zerstört! Sie schmiss Teile einer Installation, die aus goldfarbenen Rettungsfolien bestand und die Flüchtlingskrise thematisierte, in den Mülleimer. Darüber wird kaum berichtet!
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 04.02.2016 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31545

"Daß auf unbewaffnete Flüchtlinge nicht geschossen werden darf, nur weil sie illegal die Grenze übertreten", ist auf jeden Fall unstrittig, und zwar mit Sicherheit auch für Petry und von Storch. Wie gesagt, böswillig wurde da etwas anderes hineingelesen ...

Ich glaube, Herr Riemer, da irren Sie sich. Lesen Sie hier den Wortlaut im Mannheimer Morgen nach:

www.morgenweb.de/nachrichten/politik/sie-konnen-es-nicht-lassen-1.2620328

Daraus geht hervor: Petry hatte den Fall vor Augen, nach dem sie gefragt wurde. Die Frage war eindeutig: Was soll der Grenzpolizist tun, wenn ein Flüchtling über den von Petry geforderten Grenzzaun klettert? Sie sagte:

Dann muss die Polizei den Flüchtling daran hindern, dass er deutschen Boden betritt. [...] Er muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz. [...] Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.

Notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen, das hat sie selbst eingebracht. Nach einer Bedrohung des Polizisten war sie nicht gefragt worden und sie sprach auch selbst nicht davon. Es war nur die Frage, was zu tun sei, um das Betreten deutschen Bodens zu verhindern.

Deshalb bin ich ziemlich sicher, daß sie sich das tatsächlich so vorgestellt hat: Um den Grenzübertritt zu verhindern, darf der Polizist die Schußwaffe einsetzen – wenn sonst nichts hilft (= Ultima Ratio, letztes Mittel zum Zweck). Sie hat offenbar zuvor keine Aufklärung über die Rechtslage genossen.

Die Medien haben etwa mit "Petry fordert Schußwaffengebrauch" zwar zugespitzt, aber nicht viel verfälscht. Zutreffend wäre vermutlich gewesen: "Schußwaffengebrauch an der Grenze: Petry kennt die Rechtslage nicht." Wie es schon Herr Metz gesagt hat.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.02.2016 um 00.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31541

Die deutschen Medien haben sich da eine echt schwierige Aufgabe eingebrockt: Frau Petry als häßlicher darzustellen als Frau Merkel.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.02.2016 um 00.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31540

Na ja, die Journalisten fragen nach den lästigen Details, und nachdem Petry darauf geantwortet hat, lassen die Journalisten die lästigen Details wieder weg und kommentieren, Petry fordert Schußwaffengebrauch gegen Flüchtlinge.

"Daß auf unbewaffnete Flüchtlinge nicht geschossen werden darf, nur weil sie illegal die Grenze übertreten", ist auf jeden Fall unstrittig, und zwar mit Sicherheit auch für Petry und von Storch. Wie gesagt, böswillig wurde da etwas anderes hineingelesen, und daß sie das nicht vorausgesehen haben, war naiv.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 03.02.2016 um 21.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31539

Zur Verteidigung von Frau Petry könnte man vielleicht hinzufügen, daß die Kommentare vieler anderer Politiker zur Flüchtlingskrise (darunter die Bundeskanzlerin) noch unbedarfter sind und teilweise von ihnen häufig wiederholt werden, wobei Tatsachen und schlichte logische Zusammenhänge ignoriert werden. Bewertet wird in den Medien aber in der Regel nicht die Unbedarftheit (= sachliche Abwegigkeit). Das Kriterium "Fremdenfreundliche oder fremdenfeindliche Einstellung?" steht meistens im Vordergrund.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.02.2016 um 20.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31537

Ich teile Herrn Wrases Vermutung, daß Frau Petry die Rechtslage gar nicht kannte. Daß auf unbewaffnete Flüchtlinge nicht geschossen werden darf, nur weil sie illegal die Grenze übertreten, ist unstrittig. Aber genau um diese Frage ging es bisher in der ganzen Diskussion über die Eindämmung der Migrantenströme, nicht darum, ob sich Bundespolizisten gegen bewaffnete Angreifer verteidigen dürfen! So schwer ist das Gesetz nun auch wieder nicht zu verstehen, man muß es nur sorgfältig lesen und sollte außerdem noch den Unterschied zwischen Verbrechen und Vergehen kennen.

Daß hier die Vorsitzende einer Partei, die zur Zeit im Zentrum des öffentlichen Interesses steht, »in die Enge getrieben« worden wäre, nur weil die Journalisten, die sie befragt haben, es in einem Punkt, bei dem es nun mal auf die lästigen Details ankommt, etwas genauer von ihr wissen wollten, halte ich für keine gelungene Beschreibung. Offenbar fehlte es Frau Petry in dem Interview an dem von ihrer Partei so gern beschworenen »Mut zur Wahrheit«, sonst hätte sie einfach gesagt, daß sie sich erst sachkundig machen muß. Aber dann hätte die »Lügenpresse« ja sicher wieder ganz böse Sachen über ihre Inkompetenz geschrieben …

Bei allem Respekt, Herr Riemer, aber mit Ihren Verteidigungsreden unterstellen Sie Frau Petry ein Maß an Unbedarftheit und Instinktlosigkeit, das man niemandem wünschen möchte, schon gar keinem Bundespolitiker mit gewissem Einfluß. Mit Unerfahrenheit läßt sich das alles auch nicht erklären. Wenn sie tatsächlich das Interview mit einem Beitrag für die Sendung mit der Maus verwechselt haben sollte, in dem man, je nach Thema, mal vorführt, wie eine Kaffeemaschine funktioniert, und mal erklärt, warum diese Männer in Uniform Pistolen mit sich herumtragen, dann ist sie als Politikerin wirklich fehl am Platz.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.02.2016 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31535

Lieber Herr Wrase,
der SPIEGEL kann ja die Sachlage nicht anders darstellen, als wie sie im Gesetz steht. Auch ich habe mich nur auf den Text des UZwG bezogen (natürlich einschl. §4) und nichts selbst interpretiert. Insofern, nur um das Gesetz zu zitieren oder um einen Paragraphen zu nennen, braucht niemand juristische Aufklärung.

Auch der SPIEGEL zitiert zunächst die Gesetze, wo es allgemein nur um "Personen" geht, er schreibt also auch nichts anderes als ich. Sind Flüchtlinge keine "Personen"? Haben Flüchtlinge eine Art Narrenfreiheit an unseren Grenzen? (Ja, manchmal hat man wohl diesen Eindruck.) Das UZwG bezieht sich also selbstverständlich auch auf Flüchtlinge. Und dann schreibt spiegel.de noch etwas mehr speziell über Flüchtlinge, was eigentlich irrelevant ist, denn um ganz normale, friedliche Flüchtlinge geht es bei der Zuspitzung der Sachlage im MM-Interview mit Frau Petry gar nicht.

Frau Petry hat gesagt, daß "notfalls" und als "Ultima ratio" der Handlungsspielraum bis zum Einsatz von Schußwaffen geht. Auch sie brauchte dazu keine juristische Beratung, denn es ist ganz klar, daß damit nicht normale Flüchtlinge gemeint sein können, daß der Schußwaffeneinsatz verhältismäßig sein muß, daß es eben bei "notfalls" und "Ultima ratio" um genau solche denkbaren Auswüchse geht, wie sie im UZwG genannt werden. Wenn z. B. eine Gruppe gewaltbereiter, evtl. sogar bewaffneter Flüchtlinge einen Grenzbeamten, der sie zurückhalten will, angreift, dann wird sich der Grenzbeamte wohl auf das Gesetz berufen dürfen, das ihn ggf. zum Schußwaffengebrauch berechtigt.

Natürlich sehe ich es auch so, daß Frau Petry in dem MM-Interview und sogar noch danach sehr tolpatschig in das ausgelegte Fettnäpfchen getreten ist. Es war unnötig, in dieser Art auf die geltende Rechtslage hinzuweisen. Vielleicht war sie auf so ein Thema wirklich nicht gut vorbereitet. AfD-Politiker haben halt noch nicht die Erfahrung wie altgediente CDU- oder SPDler.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 03.02.2016 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31533

Herr Riemer, das wird hier anders dargestellt:

www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-schusswaffengebrauch-an-den-grenzen-die-rechtslage-a-1075002.html

Ein Flüchtling/Migrant kann es an der grünen Grenze probieren, wenn er fürchtet, nicht als Asylant anerkannt zu werden. Wenn er an der Grenze gestellt wird, kann er immer noch "Asyl!" rufen. Er ist dann jemand, der um Asyl nachsucht. Wenn er vor dem Ruf "Asyl!" angeschossen wurde, nur weil er zunächst versucht hat wegzulaufen, nennt sich das Ganze "Unverhältnismäßigkeit". Diese soll aber ausgeschlossen sein (§ 4 UZwG).

Man braucht als Laie juristische Aufklärung, um das Gesetz richtig zu verstehen. Ich gehe davon aus, daß Petry vor ihrer Aussage keine juristische Beratung zum UZwG hatte. Möglicherweise hat sie auf laienhafte Interpretationen des Gesetzes vertraut, die in ihrer Umgebung kursierten.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 03.02.2016 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31531

[i]Kommentar von Bernhard Strowitzki:[/]
"wo ist diese Scheiß-Cedille??"

ALT-Taste gedrückt halten, dann auf dem Ziffernblock "135" eintippen, alles loslassen. Die restlichen Franzosenzeichen sind auch in dem Zahlenbereich.

Aperçu.

Et voilà.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.02.2016 um 14.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31530

"Sie hätte sagen müssen: Schußwaffengebrauch nur zur Verteidigung von Leib und Leben im Fall einer extremen Bedrohung. Warum hat sie das nicht gesagt?"

Weil es nicht stimmt, siehe UZwG, Paragraphen 1O bis 13.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 03.02.2016 um 13.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31529

Ich fand die Äußerung von Frau Petry bescheuert, die von Frau Storch sowieso. Petry ist in einen Fettnapf getreten, aber das hat sie sich selbst zuzuschreiben. Sie hätte sagen müssen: Schußwaffengebrauch nur zur Verteidigung von Leib und Leben im Fall einer extremen Bedrohung. Warum hat sie das nicht gesagt? Es macht auf mich den Eindruck, als hätten sie sich in ihrer Partei zu dieser Frage gar nicht ausgetauscht.

Zu Germanist: Wenn Deutschland im Prinzip die Schließung bzw. eine wirksame Kontrolle der Grenzen zwecks Begrenzung der Zuwanderung beschlösse, dann gäbe es einen Rückstau bis in die Türkei. Die anderen Länder der Balkanroute würden sich dann ebenfalls vor neuem Zustrom schützen. Aus diesem Grund ist das Argument mit der nicht durchgängig bewachbaren deutschen Grenze nicht zutreffend. Es ist im Prinzip dasselbe Argument wie die Behauptung, man müsse ringsum einen dichten Zaun errichten oder die Chinesische Mauer nachbauen.

Wieder gilt, diesmal auf europäischer Ebene: Eine Maßnahme wird immer wieder isoliert betrachtet, obwohl es keine isolierte Maßnahme wäre. Die Einwanderer hätten viel mehr grüne Grenzen zu überwinden als nur die nach Deutschland. Auch auf den Wegen zwischen den Grenzen müßten sie unentdeckt bleiben. Das ist insgesamt hundertmal schwieriger, als nur im Bergland von Österreich nach Deutschland zu wandern. Es bliebe also hauptsächlich der versteckte Transport durch Schleuser oder die Nutzung von gefälschten Papieren. Aber illegale Einwanderung kann nicht nur an einer Grenze bekämpft werden, sondern auch nachträglich im Landesinneren; auch das gilt nicht nur für Deutschland.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.02.2016 um 13.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31528

WDR-"Tagesgespräch" 2.2.: ... aus dem Grunde ..." (Anrufer)
DLF, "Tag für Tag" 3.2.: ... zum Wohle der Kinder ... (Domspatzen-Vater)
WDR-"Zeitzeichen" 3.2.: ... wurden uns die Kleider vom Leibe gerissen (Literaturzitat)
... am Hofe von Ferrara ... (Autorin)
.. am selben Tage ... (Literaturzitat)
Eine relativ spontane Zufallsauswahl. Für eine genaue Analyse müßte man natürlich auch die zahlreichen Gegenbeispiele ohne -e mitberücksichtigen (nach dem Tod, gleiche Sendung, gleiche Autorin). Es gibt sicher im einzelnen spezielle Gründe für die Ausdrucksweise (etwa Trennung gleicher Konsonanten: Hofe von), aber die scheinen mir doch recht vielfältig und nicht ganz einfach über einen Kamm zu scheren.
Apercu (wo ist diese Scheiß-Cedille??) zum Gebrauch der Adverbien: Es gibt auch Augenblicke, wo ich stille genieße (Gregor Gysi, für heute abend im WDR-"Tischgespräch" angekündigt).

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2016 um 13.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31525

Man wütet bekanntlich am heftigsten gegen Ansichten, die man selbst insgeheim hegt oder früher mal vertreten hat. Daher der Verfolgungseifer von Konvertiten. Ich bekenne mich selbst schuldig, will aber weiter nichts verraten. Noch ein scheinbares Paradox: Alte Einwanderer können neue Einwanderer nicht leiden.

Für mich selbst habe ich schon vor langer Zeit daraus gelernt: Wenn du dich über jemanden ganz besonders ärgerst - ärgerst du dich nicht eigentlich über dich selbst?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 03.02.2016 um 12.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31523

Wo die bayerisch-österreichische Grenze nicht auf Bergkämmen verläuft, gibt es ganz viele Fußwege über die Grenze, und nicht an jedem kann ein Schilderhäuschen mit Polizist stehen. Man braucht nur eine gute Wanderkarte, am besten die vom Vermessungsamt mit Höhenlinien für Steigungen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.02.2016 um 11.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31522

"In Wirklichkeit wurden sie hinterhältig explizit befragt, ob man auf Flüchtlinge, Frauen »mit« Kindern schießen darf.“

Hinterhältig? Wo mit Wörtern wie Schießbefehl, Stacheldraht, Mauer und KZ längst auf alles reagiert wird, was an Maßnahmen gegen das Chaos vorgeschlagen wird? Frau Petry ist in einen unübersehbar hingerückten Fettnapf gelatscht. Frau von Storch wohl sogar in trotziger Einfalt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.02.2016 um 10.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31521

Genau wie Herr Wrase sehe ich das auch: Schußwaffengebrauch ist in extremen Fällen erlaubt, aber in den seltensten Fällen notwendig. Eine 100%ig sichere Grenze ist eine Illusion, unerreichbar, aber es hilft bereits, sie anzustreben.

Und genauso werte ich auch Petrys und von Storchs Äußerungen. Petry spricht von "notfalls" und "Ultima ratio". Was versteht man denn darunter? Im Gesetz steht es noch etwas detaillierter als bei Herrn Wrase, und darauf bezieht sich Petry ausdrücklich. Alles andere sind bösartige Unterstellungen von Medien und Politikern der konkurrierenden Parteien.

Nicht Petry und von Storch haben ausgerufen, nun sei es endlich an der Zeit, auf Flüchtlinge, Frauen »und« Kinder zu schießen, so wie es in der Presse jetzt ständig dargestellt wird. In Wirklichkeit wurden sie hinterhältig explizit befragt, ob man auf Flüchtlinge, Frauen »mit« Kindern schießen darf. Und da für diese Gruppen im Gesetz keinerlei Sonderbehandlung vorgesehen ist, nirgends im UZwG ist von Flüchtlingen, Frauen ohne oder mit Kindern, sondern ausschließlich von "Personen" die Rede (Ausnahme für Kinder), es kommt nur darauf an, ob die gesetzlich definierten Umstände vorliegen, also ob beispielsweise ein Verbrechen geschieht. Wenn das der Fall ist, dann darf eben "notfalls" oder als "Ultima ratio" geschossen werden, nichts anderes sagen die Vertreter der AfD und halten sich damit genau an bestehende Gesetze.

Und daß manchmal auch Flüchtlinge gewalttätig sein können, ist ja spätestens seit Silvester allgemein bekannt. Flüchtlinge genießen keinen Sonderstatus, sie sind vor dem UZwG auch nur "Personen".
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 03.02.2016 um 03.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31510

Zitat aus #30475 (06.11.2015):
Auf meine konkrete Frage, wie die Grenze zu schließen sei, bekomme ich nie eine Antwort. Gelegentlich werden der römische Limes und die Chinesische Mauer erwähnt. Die waren ebenso wie die DDR-Grenzanlagen dicht mit Soldaten besetzt, einschließlich Schießbefehl, andernfalls wären sie in wenigen Minuten überwunden gewesen. Wer das will, möge sich melden.

Und aus #31486 (31.01.2016), mit Bezug auf das obige Zitat:
Jetzt tun wieder alle so, als regten sie sich über Frau Petry auf, die nur die bereits erwähnte Banalität ausgesprochen hat, daß Grenzen bewacht werden müssen [...] Mit Pfefferspray und gutem Zureden wird das nicht gehen.

Petry hat ja nicht nur diese Banalität ausgesprochen, sondern auch, daß als Ultima ratio auch Waffengewalt angewendet werden müsse. Aber eben dies halte ich für Unfug.

Die Grenzschützer hätten Schußwaffen: erstens um sich Respekt zu verschaffen, zweitens um sich im Fall einer massiven Bedrohung selbst schützen zu können; gegebenenfalls auch, um andere Personen zu schützen.

Man muß doch nicht gleich auf Personen schießen, die die Grenze trotz der Anwesenheit von Grenzschützern illegal übertreten. Sehr viele würden gar nicht mehr ankommen, sobald klar ist, daß die Grenzen nicht mehr offen sind. Allein das wäre schon ein großer Erfolg.

Es würden dennoch viele ins Land kommen, auf anderen Wegen: an unbewachten Stellen (grüne Grenze) oder versteckt in Schleuser-Autos. Oder sie würden an der Grenze gefälschte Pässe vorzeigen und damit möglicherweise zunächst durchkommen. Also würden zwar immer noch viele die Grenze überwinden, aber sie wären illegal. Irgendwann werden sie auffliegen – und dann kann man sie immer noch ausweisen, sofern überhaupt möglich. Also: Wenn ohnehin zigtausend Personen pro Jahr illegal ins Land kämen, wäre es doch völlig absurd, an der Grenze auf einzelne von ihnen zu schießen.

Ich verstehe die Leute nicht, die so tun, als ob jede Maßnahme sinnlos sei, die man nicht zu 100,0 Prozent an Ort und Stelle umsetzen kann. Die Maßnahmen der Polizei haben doch auch sonst keine 100prozentige Erfolgsquote und sind dennoch unbestritten nötig und sinnvoll. Die Präsenz von Grenzschützern wäre nur eine von mehreren Maßnahmen, die demselben Zweck dienen. Die Maßnahmen insgesamt sollten wirksam sein. Es muß nicht jede einzelne Maßnahme sofort und zu 100 Prozent wirksam sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.02.2016 um 00.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31504

Es gab einmal eine Zeit in der Geschichte der Bundesrepublik, da hat die AfD noch gar nicht existiert.

Aber schon immer seit Bestehen der Bundesrepublik waren Bundesgrenzschutz bzw. Bundespolizei bewaffnet, und sie haben auch immer Munition dabei.

Der Mannheimer Morgen hat Petry in dem Interview absichtlich in die Enge getrieben, er hat ihr sozusagen den Nagel (MM: "Schießbefehl") auf die Brust gesetzt.

Petry:
"Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt. Entscheidend ist, daß wir es soweit nicht kommen lassen ..."
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 01.02.2016 um 18.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31501

Das grammatisch sauberere "Vom Volke abgewandt" gerät allerdings in die Gefahr der Zweideutigkeit ("vgl. "Vom Volke abgesandt", "dem Volke abgeneigt"). Das mag auch ein Hinderungsgrund gewesen sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2016 um 15.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31497

Mit dem Volke abgewandt (gegen die Grammatik, aber als Gegensatzbildung zu zugewandt) vermeidet man einen Betonungshiat; außerdem könnte der trochäische Fluß von der Zukunft zugewandt aus der bekannten Hymne mitgespielt haben.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 01.02.2016 um 14.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31495

Das Dativ-e (Beitrag #31456) ist ja ein Dauerbrenner. Nur ein weiteres Schlaglicht: In der jungen Welt vom 18. November 2015 lautet die große, die Themenseite 3 beherrschende Überschrift:
Dem Volke abgewandt
Das Dativ-e kommt also nicht nur in stehenden Wendungen vor, es hat anscheinend auch expressive Bedeutung. Manchmal ist es aber auch ganz beiläufig zu finden, so in der Ausgabe vom 30./31. Januar (also die aktuelle Wochenendausgabe) auf der Fernsehseite: "Und was ist mit dieser riesigen Ruine am südlichen Rande der Stadt?"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.02.2016 um 08.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31493

Auf unseren Erlanger Lokalhelden Friedrich Rückert sind wir alle sehr stolz. Zu seinem 150. Todestag sind einige Artikel erschienen, wobei die Süddeutsche Zeitung ihn unnötigerweise gegen Goethe auszuspielen versucht. Das tun wir hier in Erlangen nie, wir vergleichen überhaupt nicht gerne. Mein Freund Hartmut Bobzin tut alles, um Rückert in Ehren zu halten, hat ja auch seine Koranübersetzung neu herausgegeben.
Rückert, der 44 Sprachen beherrscht haben soll, wußte auch, daß gerade seine Sprachbegabung ihn hinderte, nicht nur als Gelehrter, sondern auch als Dichter allererste Größe zu erreichen. Das Versemachen ging ihm zu leicht von der Hand. Gut beim Koran und bei Sanskrit-Dichtung von artifiziellster Art, aber daß er nach dem schrecklichen Tod seiner beiden Kinder (hier begraben) gleich mehr als 400 Kindertotenlieder herausbrachte, war einfach zuviel. Ich erinnere mich an einen sehr schönen Vortrag von Hans Wollschläger über Rückert und Mahler, wobei er selbst am Klavier die Sängerin begleitete, die Mahlers Meisterwerke vortrug.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.01.2016 um 21.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31490

Um zum Sprachlichen zurückzukommen – vielleicht war die Umbenennung des Bundesgrenzschutzes in Bundespolizei verfrüht? Um an den Grenzen Tee auszuschenken, reichen natürlich auch Hilfswillige.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2016 um 09.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31489

Eben! Deshalb sollte auch Holger Steltzner, der heute in der FAS einen Grenzzaun um ganz Deutschland fordert, auch deutlich sagen, wie der bewacht werden soll. Es ist wie beschrieben: Alle wissen es, aber wer es zuerst ausspricht, über den fallen sie alle her.
 
 

Kommentar von Georg W. Friedrich, verfaßt am 31.01.2016 um 09.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31488

"Wir können eine Menschenmenge nur dann einen Staat nennen, wenn sie zur gemeinschaftlichen Verteidigung ihres Eigentums überhaupt verbunden ist.
Es versteht sich zwar von selbst, ist aber nötig angemerkt zu werden, daß diese Verbindung nicht ein leeres Wort sein darf; nämlich diese Verbindung zur gemeinschaftlichen Verteidigung muß nicht eine Verbindung sein, wodurch nichts verteidigt und einem Feinde ohne Versuch der Verteidigung das Eigentum überlassen wird, sondern durch diese Verbindung zur Verteidigung muß eine wirkliche Verteidigung zustande kommen.

Die Einrichtung zu dieser wirklichen Verteidigung ist die Staatsmacht; diese muß teils hinreichend, den Staat gegen innere oder äußere Feinde [zu schützen] sein, teils sich selbst gegen den allgemeinen Andrang der Einzelnen zu erhalten.

Was das letztere betrifft, so wünscht jeder Einzelne freilich vermittels des Staats in Sicherheit seines Eigentums zu leben, die Staatsmacht erscheint ihm aber besonders unter einem großen Volk als etwas Fremdes, außer ihm Vorhandenes; er läßt dieses außer ihm sich Befindende für sich sorgen, wie er für sich sorgt, und sein Beitrag gegen ein so ungeheures Ganzes muß ihm so unverhältnismäßig vorkommen, daß er ihn nicht für wichtig hält und also sein Gewissen über seine Nachlässigkeit leicht befriedigt.

Gegen diese natürliche zentrifugale Tendenz der Einzelnen muß der Staat Macht genug haben, sich zu erhalten, und wenn sonst nur der Staat überhaupt organisiert ist und nur die gesetzlichen Pflichten in Anspruch nimmt, so tut Ordnung und Strenge hier zunächst ohne weiteren Rückgang an die eigentliche Macht ihre Wirkung. Wenn aber die Macht der Einzelnen so groß ist, daß sie sich dem Staat zu widersetzen vermöchten, also in der Möglichkeit sich befinden, seine Feinde zu werden, [so] ist gegen sie dieselbe Art von Macht erforderlich wie gegen äußere Feinde, so wie auch die besondere Macht gegen Verbrecher überhaupt keiner besonderen Erwähnung verdient.

Die Einheit der Staatsmacht zum allgemeinen Zweck der Verteidigung ist das Wesentliche eines Staats."

(Hegel-Werke, W01:582 bis 583)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.01.2016 um 06.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31486

Jetzt tun wieder alle so, als regten sie sich über Frau Petry auf, die nur die bereits erwähnte Banalität ausgesprochen hat, daß Grenzen bewacht werden müssen: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30475
Mit Pfefferspray und gutem Zureden wird das nicht gehen. Das Schimpfen auf die AfD lenkt von der eigenen Ratlosigkeit ab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.01.2016 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31456

Im Vorbeiradeln bemerke ich, daß alle einschlägigen Schilder Warnung vor dem Hunde lauten (Abgesehen von Hier wache ich und richtig lustigen Schildern.) Das Dativ-e ist phraseologisch gebunden und erzeugt außerdem den gefälligen trochäischen Fluß, der gleich viel weniger zuschnappend wirkt. Außerdem denkt man unwillkürlich, das archaisierende Schild habe wohl den Hund längst überlebt – was auch meistens zutrifft, oder der Wachhund ist durch einen Familienhund ersetzt, den nicht einmal das Bein eines Postboten zu besonderen Heldentaten anregt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.01.2016 um 19.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31439

Wenn man Berlin statt Hamburg zum Vergleich nimmt, also fragt, ob London oder Berlin nördlicher liegt, ist die Verwunderung über die richtige Antwort meist noch größer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31424

Es gibt ja die bekannte Party-Frage, was nördlicher liegt, London oder Hamburg. Da wir England vor unserem geistigen Auge ziemlich weit nördlich sehen, glauben viele, auch die Hauptstadt liege nördlicher. Daran mußte ich denken, als ich heute in der FAZ einen Bericht über die Wiedereröffnung des famosen Museums in Colmar las, der Stadt im äußersten Südosten des Landes. (FAZ 23.1.16
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2016 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31418

Schütze erschießt vier Menschen in Schule (FAZ 23.1.16)

Aber bevor er die Menschen erschoß, war er kein Schütze, darum kingt das etwas schräg, bei allem Verständnis für die Ausdrucksnot des Schlagzeilenfomulierers. Wenn man über den Täter gar nichts weiß, bietet sich das Passiv an.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 17.01.2016 um 20.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31363

ein ähnliches Beispiel zur Zerrüttung des Sprachgefühls wie #31317:

In der Union gibt es zwei Arten von Kritik an Merkels Flüchtlingskurs. Die unverblümte ... und die versteckte. Dabei dürfte Letztere für die Kanzlerin fast die gefährlichere sein ...
(Spiegel online)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2016 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31358

In Nürnberg läuft jetzt wieder die Pferdedressur "Apassionata" (die Leidenschaftslose).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2016 um 07.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31354

Aus meinem "Buch der Illusionen": Auch vor "handwerklichen" Bäckereien werden regelmäßig die Säcke mit den fertigen Backmischungen abgeladen. Der leckere, wenn auch etwas übertrieben wirkende Duft nach frischen Brötchen und Croissants wird nicht nur in den entsprechenden Abteilungen der Kaufhäuser verbreitet; man kann ihn übrigens bei Amazon bestellen ("Duftmarketing").
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2016 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31348

Aus aktuellem Anlaß: Vor vierzig Jahren hielt ein Sprachwissenschaftler Ouagadougou für eine übertrieben exotisierende Namenerfindung in einem französischen Kinderbuch (Hartwig Kalverkämper: Textlinguistik der Eigennamen. Stuttgart 1977:101). Heute könnte das nicht mehr passieren.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2016 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31325

Unterwegs habe er mit dem Bundeskanzleramt telefoniert, sagt Dreier. Man habe ihm versichert, dass eine menschenwürdige Unterkunft organisiert werde. Doch jetzt müsse er feststellen, dass Berlin seinen Syrern nur eine "Not-Not-Unterkunft" angeboten werde. "Das zeigt doch: Diese Flüchtlingspolitik ist gescheitert." (welt.de 15.1.16)

Das zeigt was ganz anderes. Eine Flucht aus Landshut hat es bisher nicht gegeben, die Stadt gilt als sicherer Herkunftsort; außerdem waren die Asylanten bereits anerkannt und genossen Freizügigkeit. Daraus folgt aber nicht, daß Berlin ihnen binnen weniger Stunden eine Wohnung zuweisen muß. Ein Anruf im Bundeskanzleramt würde auch mir nicht zu einer neuen Wohnung verhelfen. Weiß der Landrat das nicht?

Auch Dreier bestätigte am Morgen im Sender SWRinfo, dass nicht alle Flüchtlinge nach Bayern zurückkehren wollten. „Die restlichen kommen wieder zurück und sind maßlos enttäuscht, weil sie in der Erwartung nach Deutschland kommen, Bundeskanzlerin Merkel hilft ihnen, und sie wollen in große Städte. Und diese Erwartungen werden nicht erfüllt.“ (Berliner Kurier)

Das zeigt noch einmal. daß der Mann nicht alle Tassen im Schrank hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2016 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31317

Der Name Pierre Boulez steht für die zeitgenössische Musik wie kaum ein Zweiter. (SWR, tagelang in allen Medien und nun auch in der Todesanzeige)

Dieser häufige Fehler deutet auf eine Zerrüttung des Sprachgefühls als Folge der Rechtschreibreform.

Landshut könne die Flüchtlinge nicht mehr unterbringen, Berlin sei Schuld (!) daran, dass es so viele sind, jetzt solle Berlin sich eben selbst um die Flüchtlinge kümmern. (...)

"Das ist ein abgekatertes (!) Spiel, das auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen wird", sagte Georg Claasen vom Berliner Flüchtlingsrat, der daneben stand.
(zeit.de 15.1.16)

Einige Merkel-Hasser aus der ZEIT-Leserschaft versuchen zwar noch, den bayerischen Landrat Dreier als Volkshelden zu feiern, aber wenn sogar der ZEIT dessen menschenverachtende PR-Aktion zuviel wird, dann dürften seine Tage gezählt sein. Mit den Freien Wählern geht es ohnehin bergab.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.01.2016 um 17.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31313

Nach meinen Beobachtungen wirkt sich das Geringschätzen der Geschichtswissenschaft und der Archäologie im Bereich der Bibel auch auf andere Gebiete und auf das tägliche Leben aus. Manche Leute lehnen Gedrucktes überhaupt ab und glauben nur mündlichen Erzählungen, z.B. von Fremdenführern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2016 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31312

Ein einst bekannter Theologe und CDU-Politiker (Gottfried Müller, Jena) polemisiert gegen den „fundamentalistischen Atheismus“ von Charlie Hebdo (FAZ 14.1.16). Hübsch ausgedacht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2016 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31311

Je unsicherer die Glaubenslehre, desto fanatischer verteidigt man sie. Im Gegner bekämpft man auch den eigenen Zweifel. Kann falsch sein, wofür man so viele ermordet hat? Der Zweifel läßt keine Gelassenheit und keine Toleranz aufkommen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 13.01.2016 um 14.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31295

Weder auf deutschen noch auf französischen Straßen gibt es Meeresströmungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2016 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31294

Je weiter vorn das Adverb steht, desto leichter bezieht es der Leser auf das gesamte Prädikat, auch wenn immer eine Zweideutigkeit bleibt – wegen der unklaren Reichweite ("Skopus").
Einfacher wäre es insgesamt, die ganze Meldung als Pressemitteilung des Militärs zu kennzeichnen und dann ohne die Satzadverbien auszukommen.
Wie es dasteht, empfinde ich es als Manipulation.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.01.2016 um 10.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31293

Im Grunde kann der Autor ja beides nicht mit Sicherheit wissen. »Zwei US-Marineboote solchen Typs gerieten angeblich wegen einer Motorpanne angeblich in iranische Hoheitsgewässer . . .«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2016 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31291

So sehe ich es auch, aber ich weiß, daß die Satzadverbien im Satz unlogisch rumwandern, zumal sie ohnehin nicht hineingehören (autoklitische Kommentare). Sagen wir: nicht geradezu falsch, aber ungeschickt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.01.2016 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31290

Bei gerieten offenbar ist nicht sicher, daß ein Motorschaden die Ursache war, bei gerieten … offenbar ist nicht sicher, daß die Schiffe in iranische Hoheitsgewässer gelangt sind.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.01.2016 um 08.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31289

gerieten offenbar wäre zwar besser, aber gerieten . . . offenbar falsch?

Interessant, daß zwei Schiffe einen Motorschaden haben können.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2016 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31288

Man muß wohl befürchten, daß die nächsten Terroranschläge mit Drohnen verübt werden, das ist ja jetzt kinderleicht. Aber was ich eigentlich sagen wollte: Drohnen werden in Zukunft vielleicht ohne h geschrieben werden. Man denke an die flächendeckende Verbreitung von enigmatisch unter englischem Einfluß, auch an Quartz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2016 um 07.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31287

Zwei US-Marineboote solchen Typs gerieten wegen einer Motorpanne offenbar in iranische Hoheitsgewässer
(Bildunterschrift focus.de 13.1.16, ähnlich im laufenden Text)

offenbar steht an der falschen Stelle, außerdem heißt es hier soviel wie angeblich. Viele Leser wundern sich darüber, daß ein Schiff durch einen Motorschaden in fremde Hoheitsgewässer geraten kann. Daß zum Beispiel ein Auto wegen eines Motorschadens nach Frankreich gerät, ist noch nie gemeldet worden. Aber in der eingebetteten Presse ist vieles möglich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2016 um 09.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31237

Wie sehr auch die einfachsten Begriffe von einer ganzen Kultur geprägt sind, kann man sich durch folgende Überlegung klarmachen: Wie lange würden Besucher vom Mars brauchen, bis sie zum Beispiel unsere Unterscheidung von Spiel, Sport und Hausarbeit verstanden hätten? Fensterputzen, Seilspringen, Joggen usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2016 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31231

Justizminister Maas kriegt auch anthropologischen Widerspruch: Die Grapscher brauchen sich gar nicht zu verabreden, die sind eben so.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.01.2016 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31225

"Wenn sich eine solche Horde trifft, um Straftaten zu begehen, scheint das in irgendeiner Form geplant worden zu sein", sagte Maas der "Bild am Sonntag". (focus.de 10.1.16)

Sehr scharfsinnig. Der finale Infinitiv macht die Aussage tautologisch. Die Fortsetzung ist auch sehr professionell:

"Niemand kann mir erzählen, dass das nicht abgestimmt oder vorbereitet wurde."

Sollte ein Justizminister nicht die Ermittlungen abwarten, bevor er solche Eindrücke weitergibt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.01.2016 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31208

Wenn ich mich nicht täusche, druckt die FAZ häufiger als früher Leserbriefe ab, die nichts weiter enthalten als Lob für die FAZ. Man läse lieber etwas Gehaltvolleres und sieht auch den Sinn solcher Eigenwerbung ausgerechnet an dieser Stelle nicht ein.

Manchmal wird mir schlagartig bewußt, was für ein Machoclub die politische Redaktion der FAZ eigentlich ist. Bis auf verschwindende Ausnahmen (Helene Bubrowski für Justiz, Heike Göbel aus dem Wirtschaftsteil, Heike Schmoll für Bildung) sind alle Artikel und Kommentare von Männern. Ich assoziiere immer einen Geruch von Turnhalle und Umkleide.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.01.2016 um 20.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31120

»Von Goethe las gerne in den Liedern von Eschenbachs. Sein Freund von Schiller hingegen bevorzugte die Texte von von der Vogelweide.« (Werner von Stolze-Stubenrecht)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.01.2016 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31119

Duden: "Wolfram von Eschenbachs Lieder".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2016 um 18.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31108

Wenn ich es richtig verstanden habe, läuft der islamische Religionsunterricht an staatlichen Schulen erst allmählich an, und die Ausbildung der Lehrer (auch hier in Erlangen) dauert ihre Zeit. Die islamischen Interessenverbände sprechen, wie man liest, keineswegs für die Mehrheit der Muslime, aber es ist wie so oft: Die allgemeinsten Interessen haben am wenigsten Durchsetzungskraft, weil sie am schlechtesten organisiert sind.
Heilige Texte konnten schon immer in verschiedener Weise ausgelegt werden (insofern ist das Thema für uns hier interessant), und die historisierende ist eine davon und durchaus traditionsreich.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.01.2016 um 13.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31106

Am Rande bemerkt: »von Smyrna« ist kein Nachname.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 01.01.2016 um 12.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31104

Seit Polykarp von Smyrnas Martyrium 155 ist das christliche Martyrium beschrieben. Der Christ darf den Tod oder die Tötung durch Nichtchristen nicht suchen. Märtyrer ist, wer an seinem christlichen Glauben auch angesichts des Todes festhält und wegen seines Glaubens tatsächlich umgebracht wird.
Insofern sind die Christen, die vom IS ermordet werden, Märtyrer.
Bei den Kreuzzügen wurde von der Amtskirche der Verteidigungsaspekt betont; es ging hier somit um den "gerechten Krieg", wie ihn Augustinus und später auch Thomas von Aquin beschrieben haben. "Märtyrer" wurde der gefallene Kreuzzügler nicht.

Wie es die Juden sehen, weiß ich im einzelnen nicht, aber auch hier gibt es das Lob für den, der den Glauben auch dann nicht verleugnet, wenn er dafür getötet werden soll.

Im Islam gibt es im Unterschied dazu den Dschihad. Das ist ein aktiver Kampf für den Glauben. Wer dabei zu Tode kommt (auf welche Weise auch immer), hat sich für den Glauben geopfert, und dem steht nach muslimischer Überzeugung das Paradies offen.

Khorchide verlangt Reformen des Islams, um ihn zu modernisieren; es ist anzunehmen, daß sich das in seiner Lehrerausbildung wiederfindet. Daß er allerdings die meisten muslimischen Religionslehrer ausbildet, stimmt nur in bezug auf die universitäre Ausbildung. Aus Personalmangel werden an normalen staatlichen Schulen von den Islamverbänden bestellte Lehrer eingesetzt. Diese Islamverbände haben jeweils ihre eigene Haltung, die keine staatliche Stelle beurteilt.
In den Koranschulen wird der Islam nach der jeweiligen Auslegung durch den Träger gelehrt und somit mitunter auch der Salafismus (Vogel, Lau), und Khorchide gilt dort als Ketzer ähnlich Abdel-Samad und James.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.12.2015 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31095

Die Schandtaten der Agonistiker sind uns allen ja noch in lebhafter Erinnerung.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 31.12.2015 um 10.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31094

Zu dem, was "uns im jetzt vielberufenen „Westen“ [...] als höchst anstößig, ja widerwärtig in jeder Hinsicht erscheint: die Bezeichnung von Selbstmordattentätern (und ihr Feiern) als „Märtyrer“": Ich will das nicht parallel setzen, aber wir in unserer christlichen Tradition haben da einige geschichtliche Erfahrung und aus der folgende lange Lehre dazu: Im 4. Jahrhundert gab's da die Donatisten-Bewegung, zu der kein geringerer als Augustinus sich genötigt sah, ein entscheidendes Wort zu ergreifen. Ein bißchen Einführung zu der Haltung, die wir hier finden: www.bibel-glaube.de/handbuch_orientierung/Donatismus.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2015 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31093

Nachdem Gauger das lateinische Fremdwort Suizid wegen seiner Sachlichkeit gelobt hat, schreibt er:

Im Islam haben wir, was den Suizid angeht (und dies wäre von dort her zu klären), sprachlich etwas, das uns im jetzt vielberufenen „Westen“ („Westen“ im Sinne Heinrich August Winklers als Gemeinsamkeit spezifischer Werte), als höchst anstößig, ja widerwärtig in jeder Hinsicht erscheint: die Bezeichnung von Selbstmordattentätern (und ihr Feiern) als „Märtyrer“. Unter einem ‚Märtyrer’ versteht unsere, also die „westliche“ Tradition ausschließlich solche, die reine Opfer sind und nicht solche, die – als Täter – ihren eigenen Tod in Kauf nehmen, nur um eine mehr oder weniger große Zahl anderer, natürlich auch völlig Unbeteiligter, umzubringen. Attentäter sind (pardon für das ungewollte Wortspiel) Täter. Sie mögen zwar, psychologisch gesehen, durchaus auch Opfer sein – ihrer eigenen fanatischen Verblendung oder derer, die sie, zynisch oder nicht, zu solchem Tun abgerichtet haben. Sie sind auch nicht „feige“, wie man sie seltsamerweise oft nennt: dies gerade sind sie am wenigsten ... Aber Märtyrer in irgendeinem für uns vertretbaren Sinn sind sie ganz und gar nicht. Es ist auch ein sprachliches Problem. Wie gesagt: es wäre von Kennern zu klären, ob oder inwieweit dieser Sprachgebrauch vom Islam her zu rechtfertigen ist. Ich will auch nicht ausschließen (auch dies wäre zu klären), ob es nicht in sehr zurückliegenden Zeiten im Christentum, etwa in der Zeit der Kreuzzüge, ebenfalls Analoges gegeben hat. (http://www.deutscheakademie.de/de/aktivitaeten/projekte/sprachkritik/2015-07-24/fritz-j-raddatz-ist-im-alter-von-83-jahren-gestorben)

Nun, Märtyrer heißt ja auch nicht "Opfer", sondern "Zeuge", und wer will mit den Frommen rechten, ob ein Selbstmordattentäter ein Glaubenszeuge ist oder nicht? Die Frömmigkeit geht seltsame Wege.

Wäre ich Theologe, würde ich mich dem islamischen Religionspädagogen Khorchide anschließen, der hierzulande die meisten künftigen Religionslehrer ausbildet und von den Orthodoxen stark angefeindet wird. Er will den Geist und nicht den Buchstaben der alten Glaubenslehren auf unsere Zeit anwenden. Das machen auch die meisten Christen so, übrigens auch Jesus selbst schon, gegen die damaligen Schriftgelehrten. Der treffliche Garry Wills hat es schön dargelegt (What Jesus meant, Why priests? und andere Bücher). (Gehört eigentlich zu "Heilige Texte".)
 
 

Kommentar von Stephan Pfeifer, verfaßt am 30.12.2015 um 21.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31085

Vielleicht zur Abwechslung mal ein Zwischenruf aus einem Bereich, der nichts mit Sprachwissenschaft, aber viel mit Sprache zu tun hat, der Juristerei. Genauer: mit dem Städtebaurecht.

In seinem Handbuch "Einführung in das neue Städtebaurecht" resümiert Gerd Schmidt-Eichstaedt über "die Schwerpunkte des Novellierungsgehalts des Baugesetzbuchs gegenüber dem bisher geltenden Recht":

~

Das Verfahren der Bauleitplanung wurde überarbeitet und in nicht unerheblichen Punkten vereinfacht; die Darstellungs- und Festsetzungsmöglichkeiten in den Bauleitplänen wurden in Einzelheiten geändert und ergänzt (dabei sind, wie in der Politik nicht anders zu erwarten,auch Interessenteneinflüsse erkennbar); von den städtebaulichen Instrumenten wurden manche erheblich (so die gemeindlichen Vorkaufsrechte), manche nur punktuell (so die Planverwirklichungsgebote) umformuliert; die Flexibilität der Einzelfallgenehmigung mit oder ohne Bebauungsplan wurde erhöht; einige Entscheidungen der Rechtssprechung fand man korrekturbedürftig (so wurde die erschließungsbeitragspflichtige Zuteilung von Grundstücken in der Umlegung ermöglicht, die Beitragsfähigkeit von Wohn- und Fußwegen in den Wohngebieten eindeutig geklärt); abgeschafft wurden alle Hinweise auf eine Mischfinanzierung zwischen Bund und Ländern in der Städtebauförderung; abgeschafft wurden das Nutzungsgebot, die Entwicklungsmaßnahme; neu geschaffen wurde die Genehmigungspflicht für die Einrichtung von Wohnungseigentum in Fremdenverkehrsgemeinden, die Rügefrist von sieben Jahren für die Geltendmachung von Abwägungsmängeln vor Gericht. Nicht verwirklicht wurde die im Regierungsentwurf noch vorgesehene Verlagerung von Regelungskompetenzen im Enteignungsverfahrensrecht und im Erschließungsbeitragsrecht auf die Länder.

Die Praxis wird sich in die neuen Vorschriften mit all den kleineren und größeren Änderungen erst einarbeiten müssen. Der Zeitraum, den die Verwaltung und die privaten Anwender des Städtebaurechts dafür benötigen, wird in Bonn zuweilen unterschätzt; es handelt sich mit Sicherheit um mehrere Jahre. Denn Einarbeitung bedeutet nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern erfolgreich anwenden, und das gelingt nicht von heute auf morgen. Während dieser Einarbeitungsphase sollte das Baugesetzbuch nicht novelliert werden. Vielleicht sollte sich der Gesetzgeber die Plangewährleistungsfrist des § 42 BauGB zum Vorbild nehmen und das Baugesetzbuch nicht, jedenfalls nicht ohne große Not, vor Ablauf von sieben Jahren verändern. Mit einer solchen "Gesetzesgewährleistungsfrist" würde er der Praxis einen großen Dienst erweisen.

~

Das war 1987, zwei Jahre vor Mauerfall. Nach dem Mauerfall ging es im Städtebaurecht, auch im Bauordnungsrecht, Knall auf Fall. Eine ungute Ahnung ("Denn Einarbeitung bedeutet nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern erfolgreich anwenden, und das gelingt nicht von heute auf morgen.") wird im zweiten Abschnitt, dem letzten im ganzen Buch, deutlich. (Gerd Schmidt-Eichstaedt, Einführung in das neue Städtebaurecht, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz, 1987)

~

Heute haben wir Bauboom trotz gigantischem Leerstand. Kein Gesetz schützt uns.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.12.2015 um 19.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31083

Ja, klar, wenn es einem irgendwie zu langweilig wird, dann macht man halt was anderes. Das hat im Alltag schon seine Berechtigung, aber ich hatte mich mit Änderungen um ihrer selbst willen natürlich nicht auf Freizeitvergnügen, sondern auf die Politik bezogen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 30.12.2015 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31082

Zu "Man macht doch keine Änderungen um ihrer selbst willen": Doch, und man sollte hier nicht "man" sagen, denn einigen ist es eingegeben, daß öfter mal was Neues der einzige Weg ist, in sich und in Sicht zu bleiben, - wie's ja auch der Modewerbespruch in den 50er Jahren mal hatte: "Öfter mal was Neues". Mich erregt hierbei, daß sie es ohne Auftrag und mit anderer Leute Geld tun.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.12.2015 um 11.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31081

Am meisten könnte ich mich immer über diese Sätze erregen:

"Es geht um die Tatsache, ob dieses Land veränderungswillig und veränderungsfähig ist.
...
Es geht um die Frage, ob diese Gesellschaft veränderungsfähig und veränderungswillig ist.
...
Daher, meine Damen und Herren: Setzen Sie ein positives Zeichen, daß dieses Land nicht veränderungsscheu ist!"

Man macht doch keine Änderungen um ihrer selbst willen, man ändert nichts, nur um zu zeigen, daß man etwas ändern kann. Jede Änderung sollte eine Verbesserung bringen, das muß zuerst nachgewiesen werden, erst dann kann man sich darüber beschweren, falls es nicht gelingt, Verbesserungen auch umzusetzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.12.2015 um 07.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31077

Heike Schmoll bespricht recht wohlwollend ein autobiographisches Werk von Hans Joachim Meyer:
„Unverständlich ist, wieso Meyer die Kritik an der Rechtschreibreform als Lappalie abtut. Angesichts der minimalen Änderungen und der klaglosen Akzeptanz vieler, erscheint ihm der Glaubenskrieg darüber völlig unverständlich: ‚Besonders töricht fand ich die Behauptung, hier würde von der Politik in die organische Entwicklung der Sprache eingegriffen und diese von oben reglementiert.“ Als habe es je eine Orthographie gegeben, die nicht von oben beschlossen worden sei.“ (FAZ 29.12.15)

Es ist in der Tat erstaunlich, daß der Anglist Meyer auch 17 Jahre später noch an jenem Unsinn festhält, den er im Bundestag vorgetragen hat. Ich gebe den Debattenausschnitt hier einfachheitshalber noch einmal wieder:


Aus der Debatte des Bundestags vom 26.3.1998 zur Rechtschreibreform:

Staatsminister Dr. Hans-Joachim Meyer (Sachsen):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Heute fiel schon das Wort "Groteske". In der Tat, der Sturm gegen die Neuregelung der Rechtschreibung wird einmal in die historische Erinnerung als eine der Grotesken der deutschen Geschichte eingehen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Widerspruch des Abg. Joachim Gres [CDU/CSU])
Herr Gres, Sie müssen nicht dazwischenschreien. Hören Sie doch zu, dann lernen Sie etwas!
(Widerspruch bei der F.D.P.)
Man muß sich einmal in aller Ruhe klarmachen, um was es hier geht. Seit 1950 wird in Deutschland über die Notwendigkeit gesprochen, die Rechtschreibung neu zu regeln.
(Ina Albowitz [F.D.P.]: Auf so was haben wir gewartet!)
Das kann ja auch niemanden verwundern, der sich klarmacht, daß die Regelung der Rechtschreibung zu diesem Zeitpunkt ein halbes Jahrhundert zurücklag. Wie immer, wenn eine Reformnotwendigkeit besteht, sind Revoluzzer und Radikalinskis zur Stelle.
(Ina Albowitz [F.D.P.]: Ja, so sehen Sie aus!)
Ihre Vorschläge, die Vorschläge, die 1950 und in den Folgejahren gemacht wurden, hätten uns in der Tat von der kulturellen und literarischen Tradition abgeschnitten. Die wildesten Vorschläge kamen übrigens aus jener akademischen Profession, aus der uns jetzt die lautesten Vorwürfe erreichen, wir würden die Einheit und Tradition der Schriftsprache gefährden. Es war die Kultusministerkonferenz, die 1984 – übrigens unter der Präsidentschaft von Georg Gölter – diesem Treiben einen Riegel vorschob. Es war die Kultusministerkonferenz, die bis zum endgültigen Beschluß über die Neuregelung sorgfältig darauf achtete, daß die Regelung folgenden Kriterien genügen muß: erstens: Augenmaß und Zurückhaltung, um die deutsche Schrifttradition zu bewahren, zweitens: Größere Handhabbarkeit und geringere Fehleranfälligkeit der neuen Regeln, und schließlich: ein Höchstmaß von Übereinstimmung mit allen Ländern des deutschen Sprachraums. Genau dies bringt die neue Regelung: erstens eine größere Übersichtlichkeit und Systematisierung zwischen vielen Wörtern, die bisher nicht wenige Menschen wegen für sie nicht erklärbarer Widersprüche zur Verzweiflung brachten. Daß einige der neuen Schreibungen nicht der Etymologie, nicht dem geschichtlichen Ursprung dieser Wörter, entspringen, ist überhaupt kein Argument gegen die Reform. Das heutige Wortverständnis muß genutzt werden. Ich will überhaupt nicht verhehlen, daß ich als Philologe nicht ohne Verständnis für diese Kritik und für diese Bedenken bin. Aber ich weiß auch, daß man diejenigen in Deutschland, für die es einen Sinn macht, daß man "behende" mit "e" statt mit "ä" schreibt, "Tolpatsch" nicht mit Doppel-l, daß man "Stengel" mit "e", "überschwenglich" mit "e", aber "Überschwang" mit "a" schreiben muß, bequem in diesem Saal versammeln kann. Selbst unter den Germanisten ist es nur ein geringer Prozentsatz, für die dies noch einen Sinn ergibt. Für die übergroße Mehrheit der Sprachnutzer sind diese Schreibungen heute beziehungslos. Eine Orthographiestunde ist kein germanistisches Seminar. Da kann man lernen, welche Veränderungen es in der deutschen Schreibung gegeben hat.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Zweitens. Die Neuregelung führt bei einer größeren Anzahl von Fremdwörtern zu einer dem Deutschen näherstehenden Schreibung. Auch hier kann man sich durchaus auf den Standpunkt stellen, daß das dem Trend zur Internationalisierung zuwiderläuft. Aber wer von Ihnen schreibt denn Fremdwörter grundsätzlich so wie in der Ursprungssprache, so er es überhaupt könnte? Wer auch vor der Neuregelung "Foto" mit "f" oder "Komitee" mit dieser merkwürdigen englisch-französischen Mischung geschrieben hat
(Joachim Gres [CDU/CSU]: Das ist eine Zumutung!)
– ja, es ist eine Zumutung, sich einmal die Wahrheit anzuhören –, der kann gegen den Grundsatz der Eindeutschung überhaupt keine Einwände erheben. Was sich von diesen neuen Schreibungen bewähren wird, werden wir sehen. Jedenfalls wird der Anteil der durch die erste und zweite Änderung erfolgten Veränderungen im deutschen Wortschatz maßlos überschätzt. Es sind 185 Wörter, gleich 0,5 Prozent des Wortschatzes. Drittens. Die Neuregelung bringt segensreiche und längst überfällige Vereinfachungen im Bereich der Groß- und Kleinschreibung; denn die bisherigen Regelungen der Groß- und Kleinschreibung waren – freundlich gesagt – alles andere als stimmig. Was würde wohl dabei herauskommen, wenn wir die hier versammelten Gegner der Neuregelung der Rechtschreibung einmal dazu auffordern würden, in einem Diktat ihre sichere Beherrschung der Regeln der Groß- und Kleinschreibung nachzuweisen?
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
Frau Präsidentin, ich bin ganz sicher, der Bundestag könnte hier eine Textsammlung zusammenstellen, die den deutschen Schulkindern zum Weihnachtsfest eine große Freude bereiten würde.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Wie schreiben Sie denn beispielsweise in dem Satz "Es wäre das beste, wir würden uns heute über wichtigere Themen unterhalten" "das beste" und warum, mit welcher Begründung?

Vizepräsidentin Michaela Geiger:
Herr Minister, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Westerwelle?

Staatsminister Dr. Hans-Joachim Meyer (Sachsen):
Aber gerne, Herr Westerwelle. Für Sie tue ich immer etwas.

Dr. Guido Westerwelle (F.D.P.):
Es muß jetzt hier nicht jeder Redner unter Beweis stellen, daß er die deutsche Sprache beherrscht. Herr Minister, Sie haben gesagt, man müsse über Wichtigeres sprechen. Finden Sie nicht auch, daß eine Kultusministerkonferenz, die die Frage, ob man "Schiffahrt" mit zwei oder drei "f" schreibt, für wichtiger als die Verkürzung der Ausbildungszeiten in Deutschland hält, ziemlich weit weg vom Leben ist?
(Beifall bei Abgeordneten der F.D.P. und der CDU/CSU)

Staatsminister Dr. Hans-Joachim Meyer (Sachsen):
Herr Westerwelle, Ihre Feststellung in bezug auf die Ausbildungszeit zeugt von Unkenntnis der Beschlüsse der Kultusministerkonferenz.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS – Lachen bei der F.D.P.)
Was "Schiffahrt" mit zwei oder drei "f" anbetrifft, wäre es vielleicht ganz nützlich gewesen, Sie hätten das einem Abgeordneten Ihrer Fraktion rechtzeitig gesagt; denn der hat im Sturm auch die Neuregelung der Rechtschreibung auf den Weg gebracht, weil er der Meinung war, jetzt dürfe er Schiffahrt nicht mehr mit drei "f" schreiben.
(Heiterkeit und Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS)
Ich habe ja ein gewisses Verständnis für diese Auffassung; denn in der Tat: Wer in die Reichsverfassung von 1849 hineinsieht, der wird feststellen, daß "Schiffahrt" dort in der Tat mit drei "f" geschrieben wurde. Möglicherweise hat diese historische Erinnerung die Schulkenntnisse dieses Abgeordneten überlagert.

Vizepräsidentin Michaela Geiger:
Herr Minister, es besteht der Wunsch zu einer zweiten Zwischenfrage, diesmal des Abgeordneten Dr. Gerhardt.

Staatsminister Dr. Hans-Joachim Meyer (Sachsen):
Nein, jetzt mache ich weiter. Viertens. Die Neuregelung räumt mit einer Marotte auf, die sich im Deutschen zum Schrecken der Schulkinder und der Ausländer immer mehr eingebürgert hat, nämlich, daß Begriffe und Vorstellungen, die durch mehr als ein Wort ausgedrückt werden, zusammengeschrieben werden müssen. Dafür gibt es überhaupt keinen zwingenden Grund. Ob ich nun sage "Wir müssen uns bald wiedersehen" oder "Wir sehen uns bald wieder": In beiden Fällen drücken die beiden Wörter "wieder" und "sehen" die gleiche Vorstellung aus. Aber nur in einem Fall, nämlich wenn die beiden Wörter unmittelbar nebeneinander stehen, muß man sie zusammenschreiben. Dafür gibt es überhaupt keinen Grund. Heute habe ich in einem interessanten Papier, das Sie, Herr Gerhardt, in Umlauf gesetzt haben, gelesen, man könne "schwerfallen" und "schwer fallen" nicht mehr unterscheiden. Das macht überhaupt keine Mühe. "Er fiel schwer" und "Das fiel mir schwer" oder "Es fiel ihnen schwer, die Gründe für die Rechtschreibreform zu verstehen" ist ohne Mühe zu unterscheiden. In allen Fällen wird "fallen" und "schwer" auseinandergeschrieben. Wo sind da Ihre Probleme?
(Beifall bei der SPD – Zuruf von der SPD: Es fällt ihnen schwer! – Detlef Kleinert [Hannover] [F.D.P.]: Das ist aber ein sehr unernster Vortrag, meine Herren!)
Aber Herr Kleinert, das muß doch nicht gerade von Ihnen kommen. Meine Damen und Herren, lassen Sie sich von einem Anglisten sagen: Im Englischen gibt es ähnliche Zusammensetzungen. Kein Mensch kommt auf die Idee, dort eine Regel aufzustellen, daß alle diese Wörter zusammengeschrieben werden müssen. Dadurch spart man sich im Englischen viele Schulstunden und sehr viele Tränen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der PDS)

Vizepräsidentin Michaela Geiger:
Herr Minister, darf ich Sie kurz unterbrechen! Es besteht der Wunsch nach zwei Zwischenfragen, des Abgeordneten Eylmann und des Abgeordneten Dr. Gerhardt. Wollen Sie die beantworten?

Staatsminister Dr. Hans-Joachim Meyer (Sachsen):
Ich bin gern bereit, die Frage des Abgeordneten Eylmann zu beantworten.
(Beifall bei der SPD – Widerspruch bei der CDU/CSU und der F.D.P. – Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Er hat die Hosen voll! – Joachim Gres [CDU/CSU]: Arrogant bis zum Letzten! Ein starkes Stück!)
Also gut, ich beantworte auch die Frage von Herrn Gerhardt.

Horst Eylmann (CDU/CSU):
Herr Minister, obwohl Vokabular und Diktion Ihrer Rede genau der unerträglichen Arroganz der Kultusministerkonferenz entspricht
(Beifall bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
und sich – den Vorwurf kann ich Ihnen nicht ersparen – sehr zu Ihrem Nachteil von den Ausführungen Ihrer Vorrednerin unterscheidet,
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der F.D.P.)
will ich mir erlauben, Ihnen eine sehr sachbezogene Frage zu stellen, weil Sie so sehr auf den Vereinfachungseffekt abgestellt haben, der den Schülerinnen und Schülern und den Menschen überhaupt die Schreibung der deutschen Sprache ja angeblich erleichtern soll: Stimmen Sie mir zu, daß der Unterschied zwischen Aussprache und Schreibung in der englischen Sprache wesentlich größer ist als in der deutschen? Stimmen Sie mir des weiteren zu, daß die Regierungen in Großbritannien und den USA trotzdem nicht auf die Idee gekommen sind, die Schreibung des Englischen zu vereinfachen? Stimmen Sie mir ferner zu, daß diese großen Unterschiede zwischen Schreibung und Aussprache kein Hindernis dafür waren, daß sich die englische Sprache zu einer Weltsprache entwickelt hat?
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der F.D.P.)

Staatsminister Dr. Hans-Joachim Meyer (Sachsen):
Zunächst zu Ihrer Einleitung, Herr Abgeordneter Eylmann: Ich weiß nicht, mit welchem Recht Sie uns hier Arroganz vorwerfen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Widerspruch bei der CDU/CSU und der F.D.P.)
Sie haben die Anhörung des Rechtsausschusses zur Neuregelung der Rechtschreibung mit dem Satz begonnen, jetzt ginge es erst einmal darum, darzustellen, was die reaktionärste aller Einrichtungen, die Kultusministerkonferenz, vorgelegt hat.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Das war ein Höhepunkt der Unfairneß in bezug auf Ihre Stellung als Vorsitzender des Rechtsausschusses.
(Beifall bei der SPD – Anhaltende Zurufe von der CDU/CSU und der F.D.P.)
Nun zu Ihrer Sachfrage. In der Tat kann es solche Bemühungen im Englischen nicht geben, weil die Unterschiede zwischen Schreibung und Lautung inzwischen ein solches Maß erreicht haben, daß solche Systematisierungsansätze dort zu nichts führen würden. Aber eine solche Situation haben wir nicht. Mit dem von mir erwähnten Beispiel hat dieses überhaupt nichts zu tun; denn die Zusammen- oder Getrenntschreibung hat mit der Schreibung der einzelnen Wörter überhaupt keinen Zusammenhang. Und nun, Herr Gerhardt.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Dr. Wolfgang Gerhardt [F.D.P.]: So teilen Sie mich hier nicht zu! Ich möchte gleich fünf Minuten reden! – Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Herr Oberlehrer! Die Arroganz der absoluten Mehrheit!)

Vizepräsidentin Michaela Geiger:
Ich bitte um Ruhe, der Minister hat das Wort. Herr Minister, wollen Sie fortfahren, oder sind Sie mit Ihrer Rede am Ende?
(Beifall der Abg. Birgit Homburger [F.D.P.])

Staatsminister Dr. Hans-Joachim Meyer (Sachsen):
Nein, ich bin nicht zu Ende. Die Rechtschreibung war derartig passend und behutsam angelegt sowie der Aufgabe gemäß, daß zunächst auch große Akzeptanz bestand. Es sind in den deutschen Zeitungen Texte in der neuen Rechtschreibung mit dem ausdrücklichen Hinweis erschienen: Dies war im übrigen gemäß der neuen Rechtschreibung, falls Sie es bemerkt haben sollten bzw. falls Sie es nicht gemerkt haben sollten. Die Zielstellung der Kultusministerkonferenz war also durchaus erreicht. Aber dann kam der große Aufstand der Schriftsteller und Dichter. Diese hatten sich jahre- und jahrzehntelang um die Orthographiedebatte nicht gekümmert, aber dann ließen sie sich von einem Studienrat einreden, ihre literarische Freiheit sei bedroht. Sachargumente sind von den Dichtern und Schriftstellern nicht gekommen. Vielmehr liefen alle Proteste nur darauf hinaus, es dürfe überhaupt keine Regelung erlassen werden, jedenfalls keine Neuregelung. Das ist im Zusammenhang mit einer Rechtschreibungsdebatte kein Sachargument. Aber da die Debatte in Deutschland stattfindet, stehen mystische und irrationale Argumente in hohem Ansehen.
(Beifall der Abg. Dr. Ruth Fuchs [PDS])
Wir haben heute schon mehrfach gehört: Die Sprache gehört dem Volk. Natürlich gehört die Sprache dem Volk, wem denn sonst? Nur, bei einer Rechtschreibregelung ist dies das abwegigste aller denkbaren Argumente. Es geht hier nämlich nicht um die Sprache. Es geht um die Schreibung, genauer gesagt um die Rechtschreibung. Es geht um Regeln, die feststellen, welche Schreibung richtig ist. Solche Schreibregeln, meine Damen und Herren, sind in jedem Land und zu jeder Zeit definiert, von einer Autorität vorgegeben und durchgesetzt worden. Es gibt keine Rechtschreibung, die aus dem Volk erwächst. Es kann keine Rechtschreibung geben, die aus dem Volk erwächst. Ganz generell neigt jede Sprache zu einer ständig fortschreitenden Differenzierung. Selbst die gesprochene Sprache, die nun wirklich dem Volk gehört, bedarf gesellschaftlich anerkannter Normen oder doch zumindest prägender Vorbilder, wenn die Sprachgemeinschaft nicht zerfallen soll. Schreibnormen sind überhaupt nur von einem Punkt aus definierbar und müssen immer bewußt gelernt werden. Darum gibt es auch keine nachvollziehende Rechtschreibregelung. Auch für eine einmal definierte Rechtschreibnorm gilt, daß sie durch Einzelentscheidungen immer differenzierter und komplizierter wird, wie die Entwicklung der deutschen Rechtschreibung seit 1901 zeigt. Einzelentscheidungen machen die Sache vielleicht für den konkreten Fall einfacher. Das System wird im allgemeinen aber komplizierter. Wer also seine literarische Persönlichkeit durch die Neuregelung beschädigt sieht, wer meint, das Volk schaffe in einem spontanen Prozeß die Rechtschreibung, der mag ein angesehener Autor sein, aber dieser Ansatz ist falsch.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Nun, meine Damen und Herren, ein Wort zu den Professoren.
(Erwin Marschewski [CDU/CSU]: Da gibt es auch gute, das ist wahr!)
Wir erlebten das gleiche wie immer: Jeder tritt mit dem Modell auf, nach dem sich dann die Wirklichkeit zu richten hat. In eine jahre- und jahrzehntelange Debatte kann man nicht mit der Vorstellung hineingehen, jetzt gäbe es die einmal und alles erlösende Idee, und das hätten alle zu akzeptieren. Leibniz muß an deutsche Professoren der Geisteswissenschaften gedacht haben, als er in die Philosophie den Begriff der "fensterlosen Monade" einführte. Neu ist das Schauspiel im übrigen nicht. Schon 1876 flog die erste Konferenz zur Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung in erbittertem Gelehrtenstreit buchstäblich in die Luft. Über diesen Skandal hat die historische Erinnerung allerdings mittlerweile den Schleier mildtätigen Vergessens gebreitet; man ist wieder zu neuen Taten erstarkt. Ich würde mir gern den Spaß machen, die 51 Germanistikprofessoren, die es im übrigen zu einer Protesterklärung von maximal drei Sätzen gebracht haben,
(Lachen bei Abgeordneten der SPD)
aber unlängst die mangelnden sprachwissenschaftlichen Grundlagen der Neuregelung der Rechtschreibung beklagt haben, jeweils getrennt in ein Zimmer zu sperren. Sie sollen einmal die von ihnen vermißten Grundlagen zu Papier bringen!
(Beifall des Abg. Wilhelm Schmidt [Salzgitter] [SPD])
Das Experiment würde nämlich erweisen, was jeder Philologe im Studium lernt oder jedenfalls lernen sollte: Es gibt gar keine einheitlichen Grundlagen für die Rechtschreibung. Jede Rechtschreibung ist ein Mixtum compositum aus einer Vielzahl unterschiedlicher Prinzipien. Darum ist auch die ganze Fehler- und Mängeldebatte völlig unsinnig.
(Beifall der Abg. Ulla Jelpke [PDS])
Die jetzige Neuregelung der Rechtschreibung ist ja nicht, wie hier behauptet wurde, von der Kultusbürokratie ersonnen worden. Dies ist das Werk von Fachleuten.
(Horst Eylmann [CDU/CSU]: Das ist der Fehler!)
Der einzige Eingriff von Kultusministern bestand darin, daß sie eine Vielzahl von Vorschlägen für die Neuregelung ablehnten, daß sie das Maß des Möglichen immer weiter einengten. Es sind Vorschläge von Fachleuten, und es gibt Kritik von Fachleuten, weil es nämlich darum geht, Möglichkeiten abzuwägen, weil man zwischen Alternativen entscheiden muß. Da kann man über Entscheidungen sprechen, aber nicht über Fehler und Mängel. Darum wird es auch niemals ein Ende einer solchen Debatte geben. Es gibt keine Rechtschreibreform, zu der anschließend alle sagen: Das ist es, was wir gewollt haben. Ich bekenne freimütig, daß auch mich eine ganze Reihe von Punkten an dieser Rechtschreib­reform stört. Aber es gibt keinen anderen Ansatz, und es kann auch keinen anderen geben, es sei denn, wir verzichten auf jeden Versuch einer Einführung neuer Rechtschreibregelungen. Meine Damen und Herren, ich glaube, wir sollten uns darüber einig sein: Diese Debatte ist weniger eine Debatte über Fachfragen als eine politische Debatte. Es geht um die Tatsache, ob dieses Land veränderungswillig und veränderungsfähig ist.
(Lachen bei der F.D.P. – Beifall bei Abgeordneten der SPD und der PDS)
Die weitverbreitete Übellaunigkeit, weil dieses Land unübersehbar vor großen Veränderungen steht, der generelle Mißmut, weil Besitzstände auf den Prüfstand gehören, die Verdrossenheit über Politik und Politiker, das allgemeine Nörgeln gegen "die da oben", dazu noch die nie ausgelüfteten Ressentiments gegen Schule und Lehrer:
(Dr. Hermann Otto Solms [F.D.P.]: Es reicht!)
das alles ließe sich – ohne Gefahr, dafür geradestehen zu müssen – bequem bündeln und als Wurfgeschoß verwenden. Sie wissen doch ganz genau, daß die meisten, die sich an Unterschriftenaktionen beteiligen, nicht wissen, was der Inhalt dieser Neuregelung der Rechtschreibung ist,
(Joachim Gres [CDU/CSU]: Der Herr Oberlehrer weiß alles besser!)
sondern schlicht und ergreifend gegen Veränderungen sind.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Nicht um die Neuregelung der Rechtschreibung geht es in Wahrheit.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der PDS)
Es geht um die Frage, ob diese Gesellschaft veränderungsfähig und veränderungswillig ist.
(Widerspruch bei der F.D.P. – Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Die Rechtschreibreform als Standortfaktor! – Zurufe von der SPD und der PDS)

Vizepräsidentin Michaela Geiger:
Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen, darf ich Sie um etwas Ruhe bitten! – Herr Minister, darf ich Sie vielleicht darauf aufmerksam machen, daß Sie als Mitglied des Bundesrates natürlich jede Menge Zeit zu reden haben; aber wenn Sie mehr als 20 Minuten reden, eröffnen Sie die Debatte neu.

Staatsminister Dr. Hans-Joachim Meyer (Sachsen):
Ich komme jetzt zum Ende, Frau Präsidentin. Wenn es schon bei einem Reförmchen wie diesem zu solchen Reaktionen kommt, was soll dann erst geschehen, wenn es wirklich ernst wird mit Veränderungen in Deutschland?
(Lachen und Beifall bei der SPD und der PDS – Dr. Peter Ramsauer [CDU/CSU]: Sie Verräter! – Dr. Guido Westerwelle [F.D.P.]: Realsatire!)
Daher, meine Damen und Herren: Setzen Sie ein positives Zeichen, daß dieses Land nicht veränderungsscheu ist! Lehnen Sie diesen Antrag ab! Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der SPD und der PDS – Zurufe von der F.D.P.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 13.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31063

Flüchtlinge sollen sich zum Grundgesetz bekennen, also nicht etwa auf eigene Faust Bundesminister ernennen, sondern dies dem Bundespräsidenten (auf Vorschlag des Bundeskanzlers) überlassen (Art. 64.1).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.12.2015 um 10.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31061

TV-Nation geht im Falle des Tatorts ja noch, weil der einen beträchtlichen Teil des Publikums erreicht. Aber das Netz als Bezeichnung für ein paar tausend Leute, die sich per Twitter Geltung zu verschaffen suchen, ist anmaßend.

Zum guten Rutsch noch einmal: Ein schönes Beispiel für die Tendenz der Etymologen, Naheliegendes zu verschmähen. Eine weit hergeholte Erklärung verspricht höhere Aufmerksamkeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.12.2015 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31056

Gestern las ich die TV-Nation sei über den jüngsten "Tatort" gespalten, und da fiel mir erst auf, wie geläufig dieser Ausdruck inzwischen geworden ist. Ist damit gemeint "die Deutschen, soweit sie fernsehen" oder nicht-restriktiv "die deutsche Bevölkerung"?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.12.2015 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31049

Älter als guten Rutsch! ist glücklichen Rutsch! als Abschiedsgruß. Es heißt einfach nur gute Reise! Wie man ja auch einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.12.2015 um 19.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31044

Die ältesten Belege, auf die man stößt, zeigen, daß die Redewendung etwa so wie good riddance gebraucht wurde:
https://books.google.de/books?id=lIZEAAAAcAAJ&pg=PA288
Das würde bedeuten, daß man auf diese Weise das alte Jahr verabschiedet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.12.2015 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31042

Ich dachte, der jiddische Ursprung des "guten Rutsches" sei geklärt, sehe aber nun, daß die Diskussion weitergeht. Im Wikipediaeintrag wird jemand zitiert, der lautliche Gründe geltend gemacht hat. Ich glaube aber nicht, daß man normale Lautgesetze auf die volksetymologischen Verquatschungen (Verballhornungen) aus fremden Sprachen anwenden kann, vgl. den eindeutigen Fall Hals- und Beinbruch. Wie es sich nun mit dem Neujahrsgruß wirklich verhält, weiß ich auch nicht. Wenn er aus dem Norddeutschen stammt, müßte die geographische Ausbreitung damit übereinstimmen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.12.2015 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31013

Es gibt auch »große« Hochstapler, aber »bedeutend« würde man sie nicht nennen, außer natürlich als Autor der selbsternannten Enzyklopädie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.12.2015 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#31010

Charlotte Wolff, die große Handleserin... (Lorenz Jäger in FAZ 23.12.15)

Eine der bedeutendsten Chirologinnen des 20. Jahrhunderts ist Charlotte Wolff. (Wikipedia)

Die Chirologie, das Wissen aus der Hand, ist von der Chiromantie, dem Wahrsagen aus der Hand, zu unterscheiden.
Die Handlinien werden mittels eines Handabdruckes untersucht. Im Verlaufe einer Therapie können durch regelmäßig abgenommene Handabdrücke Veränderungen der Gefühlswahrnehmung, Denkweise (incl. der Abwehrmechanismen) und zwischenmenschlichen Beziehungsfähigkeit erkannt werden.

(Aus einer Vortragseinladung, korrigiert)

Man beachte die vage Ausdrucksweise. Wie will man widerlegen, was die Handleser zu erkennen glauben? "Veränderungen der zwischenmenschlichen Beziehungsfähigkeit"! So drücken sich auch die Astrologen aus, es ist ein wesentlicher Teil ihrer unwiderlegbaren Rhetorik und die eigentliche Geschäftsgrundlage.

Kann es "große" oder "bedeutende" Vertreter von Para- und Pseudowissenschaften geben? Oder eben auch "große Theologen"? (Man macht sich das Problem am besten an fremden Religionen klar.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.12.2015 um 06.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30974

Frank Pergande kommt nicht drüber hinweg (vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30726).

Noch einmal behauptet er, in Hamburg habe die Bevölkerung aus einer "Stimmung" heraus gegen Olympia entschieden, während die Regierung die "Stadtentwicklung" im Auge hatte. Da ist wieder die "Stimmungsdemokratie", einige Jahre lang der Bestseller der deutschen Politologie.

Ob sie es wissen oder nicht, sie setzen damit das alte Gleichnis des Menenius Agrippa (Livius ab urbe condita 2.32,9) fort. Das ist eines der dauerhaftesten Bilder in Staatstheorien des Abendlandes. Kopf gegen Bauch. Dabei kommt der Bauch zunächst nicht gut weg, aber ohne ihn geht's auch nicht.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.12.2015 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30965

George Carlin über Religion (Falls nicht längst allen bekannt):

https://www.youtube.com/watch?v=8r-e2NDSTuE
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.12.2015 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30960

Es ist nicht möglich, die Unerklärlichkeit von etwas zu beweisen, insofern kann man sich die teuren Gutachten sparen. Überraschende Heilungen beruhen auf Spontanremission, Plazebo, Diagnosefehlern (vorher und nachher) oder Betrug.

Die Zahl der Heiligsprechungen ist in den letzten Pontifikaten enorm gestiegen, aber ich habe das Gefühl, daß das öffentliche "Klima" für solche Dinge ungünstiger geworden ist. Schon über Opus Dei wurde kritisch diskutiert, und nun verschweigen selbst fromme Blätter nicht die problematischen Seiten der "Mutter Teresa". (Wir hatten unseren Hitchens, Chatterjee, Wüllenweber längst gelesen.) Auch auf anderen Gebieten ist das Aufdecken ja zum Volkssport geworden. Bis zum nächsten September ist noch viel Zeit.

Bei meiner Beschäftigung mit Parapsychologie hatte ich mich darüber gewundert, daß pubertierende Jugendliche ihre magischen Kräfte, die eigentlich eine Revolution in der Wissenschaft auslösen müßten, zu nichts Gescheiterem nutzten, als z. B. Orangen durchs Wohnzimmer fliegen zu lassen, und daß Professoren sich ernsthaft der Untersuchung solcher "Phänomene" widmeten. Aber die Beschäftigung mit obskuren Heilungen in einem entlegenen italienischen oder mexikanischen Dorf ist auch nichts anderes.

Wir Menschen leben nebeneinander her, gehen in dieselben Supermärkte und leben doch teilweise in verschiedenen Welten.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 21.12.2015 um 01.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30959

Mit Wundern ist das so eine Sache. Nur wenn man an sie glaubt, kann es Wunder geben. Und Menschen, die an Wunder glauben, glauben auch andere Sachen, die Weltreligionen sind Beweis dafür.

Die Absurditäten und Nichtnachvollziehbarkeiten, mit der die Kirche Wunder „nachweist“, sind von der selben Machart, wie die div. heiligen Schriften, auf die sie sich beruft. Ganz abgesehen davon, daß die auf diese Wunder aufgebauten Heiligsprechungen den Menschen weismachen wollen, daß diese Heiligen offenbar aufgrund dieser Wunder im Himmel sitzen und dort für arme Sünder beten können.

Aber vermutlich ist die Sache mit den Heiligen nur ein Geschäft, sind doch für Heiligsprechungen je nach Quelle zwischen 50.000.- und 250.000,- Euro zu berappen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2015 um 08.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30957

Lieber Herr Markner, mit der Offenheit der Wissenschaftler ist es oft nicht weit her, wem sagen Sie das! Aber man kann nicht verkennen, daß die Wissenschaft in ihrem täglichen Geschäft zum größten Teil aus Revisionen der bisherigen Meinungen (anderer!) besteht. Daß jeder einzelne möglichst lange verbissen auf seiner Meinung beharrt, ist klar, und es ist sogar ein unentbehrlicher Teil des Geschäfts, der "Forschungslogik", wie man unzutreffenderweise sagt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.12.2015 um 16.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30946

Nun ja, mit der Offenheit von Wissenschaftlern (heißt das neuerdings »Wissenschaft Betreibenden«?) gegenüber neuen Entdeckungen ist es ungefähr so weit her wie mit der Offenheit von Demokraten für die Argumente der Gegenseite.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.12.2015 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30945

In der Systemtheorie haben nur offene Systeme eine Zukunft, geschlossene nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2015 um 14.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30944

Es gibt keine Wunder, aber ich habe doch noch einmal nachgesehen.

Der von einem geschlossenen, nur naturwissenschaftlich begründbaren Weltbild ausgehende Rationalismus und der nur von überprüfbarer Erfahrung ausgehende Empirismus bestreiten die Möglichkeit von Wundern grundsätzlich. (Wikipedia „Wunder“)

Der Ausdruck „geschlossenes Weltbild“ suggeriert, daß Rationalisten ein Brett vor dem Kopf haben. In Wirklichkeit sind sie neuen Entdeckungen gegenüber aufgeschlossen, wie eben Wissenschaftler es überall sind. Es wäre auch zu fragen, ob historische Forschung sich auf Naturwissenschaft festlegen muß, um "rationalistisch" (bzw. "rational") zu sein. Daß Empiristen von überprüfbarer Erfahrung „ausgehen“, ist auch nicht richtig. Überprüfbarkeit ist ein Prinzip, ein methodisches Postulat, kein „Ausgangspunkt“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2015 um 11.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30926

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#20884

"Mutter Teresa" wird heiliggesprochen. Die erwähnte, inzwischen noch angewachsene kritische Literatur kann sich jeder Interessierte leicht im Internet zusammensuchen, auch zum ersten ihr zugeschriebenen "Wunder". Das alles wird natürlich totgeschwiegen, die halbe Welt freut sich mit.

Nebenbei: Unser früherer Mitstreiter Wolfgang Illauer entlarvt in einem langen Leserbrief (FAZ 18.12.15) den Lehrplan für islamischen Religionsunterricht. Aber was ist von konfessionellem Unterricht zu erwarten? Eine Religion vom Standpunkt einer anderen, konkurrierenden aus zu kritisieren ist eine uralte, aber nicht besonders aufgeklärte Beschäftigung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2015 um 07.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30872

Wie wir alle wissen, machen Grauzonen das Leben erst möglich. In der FAS wird die Praxis der Paketzusteller dargestellt, die oft gegen die Vorschriften verstößt. Würden sie sich streng daran halten, müßten sie jedes zweite Paket nochmals zuzustellen versuchen oder den Empfänger dazu bringen, es selbst abzuholen. Das kommt bei uns praktisch nie vor. Hier auf dem Dorf gibt es viele Nachbarn, auch drei Häuser entfernt, die ohne besondere Vereinbarung Pakete annehmen, und wir machen es genauso. Ebenso im vierstöckigen Stadthaus ohne Fahrstuhl, wo meine Tochter unterm Dach wohnt. Gewisse Haftungsfragen bleiben also ungeklärt.
Mir kommt das immer als ein schönes Beispiel vor. Es gehört eine gewisse Reife dazu, sich mit den Unwägbarkeiten abzufinden, ersatzweise ein althergebrachtes Ritual. Aber die Spielräume schwinden, alles wird verrechtlicht und minutiös geregelt, bis zur vollständigen Lähmung zuerst des Gemeinsinns und dann des Lebens.
(Ob unsere Adventskerzen den EU-Richtlinien entsprechen? Lieber nicht dran rühren...)
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 10.12.2015 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30825

Zu Herrn Icklers Bemerkung (#30737): Der Fremdenhaß, der sich in den Leserbrief-Foren austobt, ist erschreckend. Am harmlosesten noch der Hohn über die "ersehnten Fachkräfte", die jetzt in Massen aus Syrien kommen, oder die großmäulige Ankündigung, auswandern zu wollen, während man gar nicht daran denkt, seinen Fernsehsessel zu verlassen. Das ist alles so widerwärtig, daß man auswandern möchte.

Dem stimme ich zu, es ist aber noch harmlos, wenn man sich beispielsweise U.S.-amerikanische, kanadische, australische, englische, französische oder sogar indische Medien anschaut. Vieles, was dort in den Kommentaren geschrieben wird, hätte nicht einmal Goebbels zu sagen gewagt.

Es gibt im übrigen Hinweise darauf, daß diese fremdenfeindlichen Kommentarserien zu einem gewissen Grad organisiert sind. In der berühmten CiF-Abteilung des britischen "Guardian" (CiF = Comment is Free) wurden schon etliche rechtsextreme Poster identifiziert, die sich unter mehreren Benutzernamen angemeldet hatten. Auch die Wortwahl (in Übersetzungen auch über Grenzen hinweg – vgl. "gesichtslose Bürokraten" in den Leserforen deutscher Tageszeitungen) deutet auf einen gewissen Organisationsgrad hin.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.12.2015 um 21.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30817

Interessant! Manche Volksdeutsche haben es erst recht nicht weit bis Xinjiang – gerade mal ein paar hundert Kilometer. Der kleine Grenzverkehr dürfte aber nicht allzu stark sein.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 09.12.2015 um 19.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30815

Nahe chinesische Grenze (#30729): wirklich verblüffend. Habe spaßeshalber mal nachgeschlagen und -gerechnet.
Der westlichste Punkt des chinesischen Staatsgebietes liegt südlich des Terek-Passes im Tien-Schan-Gebirge (Sinologen mögen die wüsten Umschriften verzeihen), der von der Autonomen Region Xingjiang-Uigur (= Chinesisch-Turkestan, natürlich nicht gerade Kernchina) ins Fergana-Becken (Kirgistan, Usbekistan) führt, oberhalb der Ufer des Karakul-Sees (Tadschikistan), bei etwa 40° nördlicher Breite und 73° östlicher Länge – fast genau die gleiche Länge wie Islamabad und Mumbai! Das chinesische Festland samt vorgelagerten Inseln reicht südlich von Schanghai bei 30° Nord und an der Spitze der Schantung-Halbinsel (ehemaliges britisches Pachtgebiet Wei-Hai-Wei) bei 37° Nord bis 123° Ost. Das chinesische Staatsgebiet reicht aber in der Mandschurei in der Amurprovinz (Heilungjiang) bis an den Ussuri kurz vor Chabarowsk bei 48° Nord und 135° Ost. (Die direkte Verbindungslinie vom Terekpaß führt allerdings über die Mongolei außerhalb chinesischen Staatsgebiets.) Der östlichste Punkt des heutigen Deutschland liegt bei Görlitz auf 15° Ost und gut 51° Nord (Kattowitz oder Lyck würden das Ganze noch krasser machen). Das ist deutlich nördlicher als das gesamte chinesische Staatsgebiet mit Ausnahme des nördlichsten Zipfels am Amur – eine Gegend, die wir mit Arktis und sibirischer Kälte (Amurtiger im Schnee!) verbinden, obwohl sie gerade mal bis zum Breitengrad von Bremen reicht.
Ein erster Blick zeigt, daß es von der deutschen Ostgrenze bis zur chinesischen Westgrenze 58 Längengrade sind, das chinesische Staatsgebiet sich aber über 62 (noch dazu äquatornähere und damit breitere) Längengrade erstreckt. Eine genauere trigonometrische Berechnung ergibt, daß die orthodrome Entfernung ("Luftlinie", immer geradeaus) von Görlitz bis zum Terekpaß 4550 km beträgt, von dort
bis Schanghai 4600 km,
bis Kap Schantung 4300 km,
bis zum Ussuri 5000 km.
Die direkte Verbindung von der Neiße zum Ussuri mißt demnach 7600 km.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.12.2015 um 13.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30804

Sicherheitshalber möchte ich noch zu meinem letzten Beitrag (#30779) sagen, daß ich meine, daß Moslems in Deutschland hinreichenden Zugang zu Halal-Fleisch haben sollten, so wie Juden zu koscheren Nahrungsmitteln (ja selbst Veganer sollen von mir aus ihr Zeugs kaufen können). Nichts liegt mir ferner als Tierschutz-Extremismus.

Ich habe dieses Beispiel nur unter dem Eindruck von Meldungen gewählt, wonach die SPAR-Kette in Österreich unter dem (Ein-)Druck eines sog. „shit storms“ im Internet ihren Plan aufgegeben haben soll, Halal-Nahrung anzubieten. Falls es stimmt, empfände ich das als sehr beschämend für SPAR.

Nun noch zu Kretschmann: Er hat doch nur die Moslems aufgefordert, ihr Haus selbst aufzuräumen. Lt. „Welt“ hat er wörtlich gesagt: „Der Islam muss sich von diesen gewalttätigen Exzessen reinigen.“ Solche „gewalttätigen Exzesse“ sind jedenfalls nicht durch die Religionsfreiheit gedeckt. Bedenken hätte ich allerdings gehabt, wenn er den Moslems hätte vorschreiben wollen, wie sie ihre Religion reformieren sollten - ob auf Bassam Tibi oder sonst irgendeinen „Experten“ gestützt.

Das was Kretschmann zur Reform des Islam gesagt hat, besteht nur aus Platitüden, die man schon zigmal gehört hat. Dazu brauchte er wirklich keinen Islam-Experten. Falls er doch Rat brauchen sollte, kann er sich doch an seinen Parteigenossen Özdemir wenden.

Man sollte auch bedenken, daß in Baden-Württemberg Landtagswahlen anstehen. Diese Äußerungen dürften auf ein bestimmtes Wählerpotential gemünzt sein und kosten Kretschmann wenig. Im weiteren Verlauf des Interviews äußert er sich allerdings für ein anderes Publikum, indem er Ängste vor einer Islamisierung des Landes als „abwegig“ bezeichnet. Er selbst habe in Baden-Württemberg nur eine Bürgermeisterin mit Migrationshintergrund gefunden – sie habe italienische Wurzeln. Na ja, was sagt das wohl aus über die Erfolge der Integrationsbemühungen in B.-W.?

Dann allerdings sagte er lt. „Welt“, Deutschland werde aber kulturelle Veränderungen erleben – etwa durch den Bau von Moscheen und normales islamisches Leben wie das Fasten im Ramadan. "Das ist gut und erwünscht."

Was ist am Ramadan in Deutschland wohl so wünschenswert? Sollen so die tumben Eingeborenen aus ihrer Spießigkeit erweckt werden? Jedenfalls wird die Ankündigung „kultureller Veränderungen“ die verstockten Eingeborenen in ihren „abwegigen“ Befürchtungen wohl eher bestärken.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 08.12.2015 um 11.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30802

In dem Zitat wird ja nur ein Eindruck geschildert. Der zitierte Satz beginnt mit It’s as if – "Es ist, als ob" oder "Es wirkt so, als ob". Daß in den anderen Nationen der Eindruck entsteht, die Deutschen wollten wieder mal alle übertreffen, und daß viele dabei an die noch nicht lange zurückliegende Fußball-WM denken, halte ich für eine Tatsache, die nicht erst herbeigeschrieben werden muß. Außerdem treten besonders die deutschen Politiker tatsächlich vorwurfsvoll ("aggressiv", sogar mit Drohungen) gegenüber anderen europäischen Ländern auf, die offen bekennen, daß sie möglichst wenig Flüchtlinge aufnehmen wollen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2015 um 05.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30795

Germans desperately want to be world champions again – this time as the globe’s most welcoming country...

Solche "Diagnosen" liest man ja zu Hunderten auch in deutschen Blättern. Sie klingen beeindruckend, aber was steckt dahinter? Hat jemand untersucht, welche Motive die Deutschen (die Politker? die helfenden Bürger?) wirklich haben? Feuilletonistische Nationalpsychologie der schlichtesten Art. Medienprodukte wie jenes "Sommermärchen", das nun sogar schon einen Eigennamen hat wie die "Bartholomäusnacht" und andere historische Ereignisse.
 
 

Kommentar von Google, verfaßt am 07.12.2015 um 23.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30794

Diejenigen mit einem besonders empfindlichen Ohr kann einen Luft passiver Aggression in der Art, wie die Deutschen versuchen, ihre Güte zu markieren diese Tage zu erkennen. Die öffentliche Stimmung ist so empathisch pro-Flüchtling, Sie sich fühlen würde schuldig, wenn Sie nicht wenigstens das Nötigste wie bieten Sie Ihren Gästebett zu einem syrischen zu tun. Es ist, als ein Jahr nach dem Weltcup-Sieg in Rio, die Deutschen wollen unbedingt Weltmeister wieder - dieses Mal als die freundlichsten Land für Flüchtlinge des Globus.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.12.2015 um 22.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30793

anglica sunt, non leguntur.
 
 

Kommentar von The Guardian, verfaßt am 07.12.2015 um 18.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30792

Those with a particularly sensitive ear may detect an air of passive aggression in the manner in which Germans seek to highlight their goodness these days. The public mood is so empathically pro-refugee, you’d feel guilty if you didn’t at least do the bare minimum, such as offer your spare bed to a Syrian. It’s as if a year after the World Cup triumph in Rio, Germans desperately want to be world champions again – this time as the globe’s most welcoming country for refugees.
 
 

Kommentar von Michael Krutzke, verfaßt am 07.12.2015 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30791

Eine bemerkenswerte Diskussion, allein schon der Anfang.

"Mit Verlaub, aber wer vom Stammtisch redet, sitzt meist selbst an einem ..." Aha. Ist an Herrn Icklers Stammtisch noch Platz? Ich setze mich gern dazu.

"Kein heiliges Buch steht über dem Grundgesetz." Richtig! Heilige Bücher und die zugehörigen Gläubigen haben sich unterzuordnen — unheilige Bedenken und ihre Träger allerdings auch. Diese jedoch zeigen nicht selten (bspw. in Facebook-Kommentaren), daß sie den ersten Artikel des von ihnen so gern vor Zuwanderernasen gehaltenen Grundgesetzes wohl gerade mal überblättert haben.

Ja, sich näher auf die Dinge, und die Menschen, einzulassen, schafft eine (gesunde) Entfernung vom "Nachbarstammtisch" — wenn man es denn zuläßt. Typen wie Orban, die dort einen Hausheiligenstatus innehaben, liefern Stichworte für Kommentare (bspw. auf Facebook), die Übelkeit erregen und nur unter konsequenter Ausblendung von Art. 1 GG abgesondert werden können. Die diesen ernst nehmen und unermüdlich Basisarbeit leisten, sind gern mal Ziel dieser Ergüsse. Deren Zuversicht aus ihrem praktischen Erleben ist offenbar ein rotes Tuch für all die Untergangspropheten.

Nach meiner Beobachtung fehlt es den meisten der vielen Flüchtlingshelfer übrigens nicht an Kritikfähigkeit gegenüber so manchem, was mit den Menschen noch zu uns kommt. Nur setzen sie halt die Menschenwürde dorthin, wo sie hingehört: an die erste Stelle.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.12.2015 um 15.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30790

Ja, ich hatte ja auch bloß wegen des Dialekts geschrieben. Natürlich sagt man so eine Präzisierung nicht dazu. Die Frage ist, wer die Forderung aufstellen darf, die Muslime sollten ihre Religion reformieren. Sagen kann das jeder, aber glaubwürdig ist es wohl am ehesten aus dem Munde eines Islam-Kenners, vor allem wer er selbst Muslim ist. Ich habe mal Bassam Tibi ausführlich über sein Konzept eines "Euro-Islam" reden gehört, vgl. Wikipedia. Wenn ein Politiker wie Kretschmann sich auf einen Experten wie Bassam Tibi beruft, ergibt so eine Forderung mehr Sinn.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.12.2015 um 14.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30789

Noch einmal zu »I sag des jetz net als Minischderpräsident.« Solche Ausflüge ins Schizophrene taugen doch nichts. Rolf Breuer hätte es auch nichts geholfen, wenn er gesagt hätte, daß er als einfacher Herr Breuer davon gehört habe, daß Kirch weithin als nicht mehr kreditwürdig angesehen werde.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 07.12.2015 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30788

Daß der Islam nicht zu Deutschland gehöre, habe ich nicht gesagt. Allerdings finde ich Wulffs Diktum nicht nur unklar, sondern falsch (https://virchblog.wordpress.com/2015/10/01/gehoert-dazu/).
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 07.12.2015 um 10.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30787

Zu Herrn Mahlmann:
Ja, natürlich, aber auch ich schließe nicht von einigen nichtintegrierten auf alle, genau wie ich nicht von einer Kugel auf die übrigen fünf schließen würde, trotzdem könnte mich niemand überreden, Russisch Roulette zu spielen. Das Mindeste ist doch, daß Grenzen kontrolliert und Gesetze eingehalten werden.

zu Herrn Achenbach:
Ich finde Ihren Beitrag sehr gut, ich hätte nur eine kleine Ergänzung zu "Sie haben die Sorge, daß die Verhältnisse in unserem Land an die islamische Minderheit angepaßt werden".

Ja, es gibt jetzt schon Anzeichen dafür, daß Dinge, die uns bisher selbstverständlich waren, wegen der islamischen Minderheit nicht mehr möglich sind.
Dennoch würde mir dies die allerwenigsten Sorgen bereiten, wenn ich wüßte, daß es auf absehbare Zeit (wenigstens die nächsten 2-3 Generationen) bei der islamischen Minderheit bleibt.

Merkel sagt, was ist schon eine Million, wir sind doch 80 Millionen. Ich kann sie nicht mehr ernst nehmen, aber besonders bei Jugendlichen bleibt sowas leider hängen. Erstens war das dieses Jahr nicht die erste Million, zweitens muß man den exponentiellen Charakter von Bevölkerungsrückgang (Deutsche) und Zuwachs (Migranten) beachten. Westerwelle hat kürzlich einen schönen Vergleich seiner Krankheit mit einem Seerosenteich genannt: Jeden Tag verdoppelt sich die Rosenfläche, am Anfang passiert nicht viel, aber irgendwann ist der See halbvoll, und dann braucht es nur noch einen Tag, bis er zu ist. Ähnlich ist es mit dem Anteil der muslimischen Bevölkerung, der wächst auch erst langsam, aber dann immer schneller. Es ist nicht erst dann zu spät, wenn dieser 50% beträgt, auch nicht bei 30%, sondern viel früher. Es gibt heute viele, die behaupten, es bestünde gar keine Gefahr. Daß Deutsche einmal eine Minderheit im eigenen Land sein werden, würde nicht passieren, das seien so "diffuse Ängste" usw. Wer das sagt, kann entweder nicht rechnen oder er steckt den Kopf vor allen bekannten Fakten in den Sand oder er handelt absolut verantwortungslos gegenüber den nachfolgenden Generationen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.12.2015 um 10.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30786

"Der Islam gehört nicht zu Deutschland", was soll das heißen? Dann könnte man ja gleich sagen: Muslime gehören nicht zur deutschen Bevölkerung. Gemeint ist wohl: "Der Islam gehört von seinem Wesen her nicht zu Deutschland." Aber dann müßte man noch begründen, warum das nicht zusammenpassen soll. Es gibt ja viele gut integrierte Muslime. Insgesamt heißt das: Die Bedeutung des Satzes ist unklar. Deshalb halte ich ihn für unbrauchbar. Man müßte hinzufügen, was damit überhaupt gemeint ist, sonst kommt es zu Mißverständnissen.

Ansonsten meine ich: Die Aufgabe, für die Einhaltung der Gesetze zu sorgen, ist nichts Neues. Viel schwieriger sind die anderen Aufgaben: die Integration der Ankömmlinge und eine vernünftige Einwanderungspolitik, wozu sicherlich auch eine Begrenzung der Einwanderung gehört. Die einen freundlich aufnehmen und mit großem Aufwand unterstützen, nachdem sie es hierher geschafft haben, die anderen abschrecken und an den Grenzen fernhalten: Das ist schwierig, ja nahezu unmöglich, weil in sich widersprüchlich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 07.12.2015 um 09.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30785

Die Aufgabe besteht hierzulande darin, den Islam in die gesetzlichen Schranken zu weisen, wo er sie mißachtet. Dabei kann man ungefragt einräumen, daß es auch unter Christenmenschen Bösewichter gibt (was selbstverständlich zutrifft) und gleich noch betonen, der Islam gehöre zu Deutschland (was nicht zutrifft), doch nötig ist beides nicht.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 07.12.2015 um 08.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30784

(Bloß wäga dem falscha Schwäbisch.) Des hetter scho saga kenna: »I sag des jetz net als Minischderpräsident.«
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.12.2015 um 08.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30783

Hätte Kretschmann sagen sollen: »Ich sage das jedschd nicht als Ministerpräsident«?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2015 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30781

Ich habe selbstverständlich nicht Herrn Kretschmanns Meinungsfreiheit einschränken wollen, sondern mich auf ihn als Ministerpräsidenten bezogen. Als solcher hatte er sich geäußert.
Ich habe selbstverständlich nicht von wenigen mir bekannten Muslimen auf alle Muslime geschlossen.

"Solange der Islam nicht aus der Welt ist, wird es in ihr keinen Frieden geben", schreibt der bekannte Islamkritiker Ekkehart Rotter in einem Leserbrief an die FAZ (7.12.15). Er zitiert Verse aus dem Koran, aber keine aus der Bibel.

Besteht die Aufgabe also darin, den Islam aus der Welt zu schaffen? Viel Erfolg!
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 06.12.2015 um 16.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30780

Von den persönlich bekannten gutintegrierten Muslimen auf alle zu schließen, geht genauso notwendigerweise schief wie das Gegenstück, von den nichtintegrierten Muslimen auf alle zu schließen.
Die liberalen laizistischen Gesellschaften des Westens sind das Ergebnis eines Entwicklungsprozesses, an dem die christliche Religion einen wesentlichen Anteil hat. Die auf Jesus Christus selbst zurückgehende Zwei-Reiche-Lehre ist dabei die Grundlage, die religionskonform Staat und Kirche trennt. So etwas gibt es im Islam nicht. Im Gegenteil ist es der Anspruch der islamischen Religion, Allahs Gesetze für alle Aspekte des Lebens und für alle Arten des Zusammenlebens der Gläubigen verbindlich zu machen; es kann somit nach traditionell islamischem Verständnis nur islamische Gottesstaaten geben, und ein Muslim lebt nur dann gottgefällig, wenn er die Gebote Allahs einhält.

Natürlich gibt es etliche Konfessionen im Islam, und jede hat eigene Lesarten. Die Aleviten haben kein Problem damit, die menschgemachten Regeln anzuerkennen; für die Wahabiten ist das ganz unmöglich.
Es ist statistisch erhoben, daß der Anteil der Muslime, die ausschließlich Allahs Gesetze anerkennen, in Deutschland wächst. Da diese Leute sich überdies im Recht sehen, haben sie auch eine hohe Bereitschaft, den Staat, den sie für dekadent und gottlos halten, zu bekämpfen. Ihre Religion bietet ihnen dazu die Rechtfertigung, und das sogar für Gewalt.
Prozentual sind es wenige (wenn sie auch mehr werden), aber ihre Zahl reicht aus, um den Staat ernsthaft herauszufordern (das hat die RAF auch geschafft - mit gerade einmal sechzig Personen).

Davon nicht unabhängig, aber auf einer ganz anderen Seite ist der vorauseilende Gehorsam zu sehen, der jedwede Kritik am Islam, jedweden Angriff auf den Islam verteufelt. Nicht nur, daß das gleiche, trifft es die Christen, ohne weiteres akzeptiert, ja als Ausdruck kultivierter Überlegung gesehen wird, sondern auch, daß es die muslimische Religion in grundgesetzwidriger Weise von jeder demokratischen Diskussion ausschließt, muß demjenigen zu denken geben, der den Werten der freiheitlich-demokratischen westlichen Gesellschaften verbunden ist.

Zu erwarten, daß sich all das mit der Zeit in Wohlgefallen auflöse, ist blauäugig. Nach fünfzig Jahren Zuwanderung liegen die Erfahrungen klar zutage. Christliche Einwanderer aus Südeuropa, konfuzianische, buddhistische, hinduistische Einwanderer sind heute kaum noch von den autochthonen Deutschen zu unterscheiden. Bei den Muslimen gibt es jedoch die deutliche Tendenz, sich bewußt von der Gesellschaft abzugrenzen und sich eben nicht zu integrieren.
Die Freiheit, so zu leben, wie man will, muß für alle gelten; man kann, darf, vielleicht muß man auch fordern, daß jeder, der hier lebt, die deutschen Regeln und auch die deutsche Kultur anerkennt.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.12.2015 um 16.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30779

Ich sehe nicht recht ein, warum es Kretschmann nicht „zustehen“ sollte, sich zur Reformierung des Islam zu äußern. Auch Politiker haben das grundgesetzliche Recht auf freie Meinungsäußerung. Zu fordern, daß es für einen Politiker „außer Recht und Gesetz nichts geben dürfe“ oder daß ein Politiker nichts tun oder sagen dürfe, was „sich nicht aus dem Grundgesetz ableiten läßt“, das ist doch extremer Legalformalismus, der sich selbst nicht mit dem Grundgesetz vereinbaren läßt. Außerdem: hätte sich das Christentum nicht reformiert, steckten wir heute wohl immer noch mitten im Kulturkampf.

Auf derartige, von Liliputanern gefesselte Politiker könnte ich gerne verzichten. Es gibt im Leben wichtigeres als Recht und Gesetz, die doch bloße Hilfsmittel sind.

Wenn Menschen sich Sorgen wegen einer „Islamisierung“ machen, dann doch nicht deshalb, weil sie befürchten, die hiesigen Eingeborenen könnten massenhaft zum Islam konvertieren. Sie haben die Sorge, daß die Verhältnisse in unserem Land an die islamische Minderheit angepaßt werden, etwa unter Berufung auf die grundgesetzliche Religionsfreiheit, womit den Eingeborenen jegliche Mitsprache entzogen wäre.

Die reinliche Trennung von Religion einerseits und Recht und Gesetz andererseits ist doch lebensfremd. Was ist, wenn unsere bestehenden Gesetze womöglich der Religionsfreiheit widersprechen? Nehmen wir etwa an, unsere Tierschutzgesetze oder unsere Vorschriften über die Schlachtung erlaubten keine Herstellung von Fleisch, das für Moslems erlaubt ist. Müßten wir dann die Gesetze ändern?

Es sind doch viele derartige einzelne praktische Fragen, die die Menschen bewegen, und nicht Grundsatzreden über Verfassung und Recht und Gesetz. Sonst werden nicht nur die Menschen an den Stammtischen die vollkommen logische Schlußfolgerung ziehen, daß wir keine Moslems mehr ins Land lassen dürfen, wie schon „in Polen oder Ungarn die Politiker sagen“. Sonst kommt Frau Merkel und sagt: „Sie sind nun einmal hier.“
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.12.2015 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30778

Dann lesen Sie doch spaßeshalber mal das Einleitungskapitel "Ein Spaziergang durch Neukölln" aus Daniel Bax, Angst ums Abendland, Warum wir uns nicht vor Muslimen, sondern vor den Islamfeinden fürchten sollten, 2015. Ein ziemlich übles Machwerk. Darin wird Neukölln tatsächlich in den höchsten Tönen geradezu als Musterbeispiel für gelungene Integration gelobt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.12.2015 um 13.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30777

Nun ja, Neukölln gilt ja gemeinhin auch nicht als Musterbeispiel für gelungene Integration. Berlin ist insgesamt auch ein Sonderfall. Nach 1990 sind die jungen Deutschen massenhaft in die innerstädtischen Ostbezirke abgewandert und haben die Nachfahren der Gastarbeiter mit Zuzüglern von woanders in den ärmeren West-Berliner Bezirken zurückgelassen. Eine ähnliche Entwicklung konnte es anderswo natürlich gar nicht geben.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.12.2015 um 12.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30776

Einerseits wird immer Integration verlangt, die natürlich wegen der Reliogionsfreiheit sowieso nur teilweise möglich ist, andererseits wird das sogenannte Bunte, die Multikultur, begrüßt.

Das ist ein Widerspruch. Daß letzteres irgendwie von Vorteil sei, ist auch nur ein Glaubenssatz, dessen Anhänger offenbar meinen, über jede Beweispflicht erhaben zu sein. Jeder Kompromiß bedeutet eine Änderung unserer Kultur, Schritt für Schritt.

Wollen wir diese Änderung?
Ich weiß nicht, ob die meisten, die dazu ja sagen, schon mal eine Gegend gesehen haben, wo Integration oder Multikulti (je nachdem, was ihnen lieber ist) angeblich schon geglückt sind. Ich habe erst diesen Oktober einen ausgiebigen Spaziergang durch Neukölln gemacht. Mein Eindruck war trostlos.

Vielleicht ist das eine oder andere (wieder je nachdem, was einem lieber ist) doch noch nicht so richtig geglückt? Dann sollte man doch erstmal die schon vorhandenen Projekte fertigmachen und wenigstens einen Beweis liefern, daß es geht, bevor man das gesamte Land in ebensolche trostlosen Baustellen mit ungewissem Ausgang verwandelt.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 06.12.2015 um 11.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30774

Zu #30771

Es gibt nicht den Islam, genausowenig wie es das Christentum gibt. Ein engeres Zusammenleben von Muslimen und Christen in einem westlichen Land könnte auch dazu führen, daß sich islamische Frauen mehr an dem Frauenbild der westlichen Welt orientieren, es also zu einer Weiterentwicklung kommen könnte.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 06.12.2015 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30773

Zu #30762

Es gibt weit Schlimmeres, als seine Kinder zu ''verprügeln'' – die Zwölf Stämme sprechen von ''züchtigen'', was dann doch etwas anderes ist als verprügeln –, und das ist in Deutschland, Europa und in der westlichen Welt nicht verboten, sondern wird an vielen Kindern praktiziert, z. B. Medikation mit Psychodrogen, die in eine lebenslange Abhängigkeit oder im schlimmsten Fall in den Selbstmord führen, oder die Tatsache, daß es immer noch keine wirksame Gesetzgebung gegen Mobbing/Stalking gibt und vermutlich auch nicht geben soll. Weiterhin ist der in letzter Zeit häufig auftretenden ''Kinderklau'' durch Jugendämter zu nennen, mit dem intakte Familien auseinandergerissen werden. Und dann gibt es da noch Kinder, die unter Deckung durch die Behörden dem rituellem Mißbrauch/trauma based mind control von Pädophilen bzw. Satanisten überlassen werden, siehe

https://www.change.org/p/an-die-%C3%B6sterreichische-justiz-an-die-%C3%B6sterreichische-politik-an-die-%C3%B6sterreichische-%C3%A4rzt-innenschaft-aufkl%C3%A4rung-im-fall-sadegh-ausf%C3%BChrliche-untersuchungen-f%C3%BCr-dara-rubens-luki-sadegh-%C3%BCber-mr-ct-schwarzlicht-psychiatrisch-die-seit-2011-akribisc

oder hier

http://www.traumabasedmindcontrol.de/ohne-worte

oder hier

http://www.stopeg.de/

Man sollte das nicht als Spinnerei abtun, nur weil es so kraß ist, daß man die Wahrheit anzweifeln möchte.

All den genannten Phänomenen ist gemeinsam, daß, je krasser sie betrieben werden, desto größer die Versuchung ist wegzuschauen. Was nicht sein darf, das nicht sein kann! In diesem Sinne sind unsere Gesetze und unser Grundgesetz nur wertlose Stücke Papier, gemacht, um dem ''normalen'' Bürger das Leben schwer zu machen, dem zahlungskräftigen Perversen jedoch seine Spielchen zu ermöglichen. Auf diese Gesetze zu pochen, d. h. den Splitter im Auge des anderen zu bemängeln, den Balken im eigenen Auge jedoch nicht sehen zu wollen, ist schon kraß heuchlerisch.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.12.2015 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30772

Den Vergleich mit dem von den Nazis künstlich hochgezüchteten Judenhaß finde ich an dieser Stelle tatsächlich etwas unpassend, wegen der vielen sachlichen Unterschiede. Den Hinweis auf die hysterischen Schrei-Exzesse verstehe ich so: Auch dieses abstoßende Verhalten findet man hier wie dort, auch darin gleichen sich die Menschen.

Wenn man erst einmal davon ausgeht, daß die fremd wirkenden Menschen fast genauso sind wie wir: ja, das würde natürlich einen Großteil aller Probleme bei der Integration auflösen. Aber wer kann sich so eine Haltung aneignen, wenn er sie nicht sowieso schon hat? Viele von uns sind in dieser Art aufgeschlossen, viele werden mit der Zeit aufgeschlossener werden. Aber die Gesellschaft insgesamt?

In Frankreich hatten Migranten und Einheimische seit Jahrzehnten Zeit, sich kennenzulernen und als gleichrangige, gleichartige Mitmenschen zu verstehen. Jedoch wird jetzt voraussichtlich der Front National zur stärksten Partei, nahezu allein deshalb, weil er jene repräsentiert, die Migranten mit ihrer gefühlten Fremdheit ablehnen (obwohl es die Sprachbarriere in Frankreich gar nicht gibt). So sind leider die meisten Menschen: Wenn sie zu viel Fremdes wahrnehmen, reagieren sie mit Mißtrauen, Ablehnung, Widerwillen. Der Grad der Ablehnung hängt damit auch unmittelbar von der Zahl der Migranten ab: Je mehr Fremde, desto mehr Fremdes wird wahrgenommen.

Was nun in Deutschland geschehen wird, kommt mir vor wie ein Experiment zu der Frage, welche Gruppe der einheimischen Bevölkerung auf Dauer stärker sein wird: die Aufgeschlossenen, die Menschenfreunde – oder jene, die sich innerlich vor dem als fremd Empfundenen verschließen. Auch unter den Migranten gibt es diesen Unterschied: Die einen werden sich zugehörig und heimisch fühlen können; die anderen nicht, sie werden sich innerlich abschotten und sich nicht zugehörig fühlen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.12.2015 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30771

Große Teile der „nichtislamischen Bevölkerung“ Deutschlands lehnen den Islam eben wegen dessen patriarchalischen Verständnisses der Geschlechterrollen und anderer Engstirnigkeiten ab. Man möchte nicht zurück in den Mief, der hierzulande noch Ende letzten Jahrhunderts herrschte.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 06.12.2015 um 10.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30769

Der Staat selbst hält sich auch nicht immer an Recht und Gesetz. Deshalb lehnen viele Menschen den Staat ab. Die Religion dürfte dabei kaum eine Rolle spielen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2015 um 10.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30768

Es kommt einem nie ganz fair vor, aber ich darf vielleicht an die Judenverfolgung erinnern. Das Kramen in Kirchenbüchern zwecks Ahnenpaß hat oft erst die behauptete "Fremdheit" der deutschen Juden erzeugt, die ja größtenteils vollkommen integriert waren, viele sogar als Zierden der deutschen Gesellschaft.
Ich muß gestehen, daß ich mit großem Widerwillen Bilder von schreienden muslimischen Männern gesehen habe, die in fernen Ländern Haßparolen gegen dänische oder französische Karikaturisten brüllen, von denen man ihnen erzählt hat. Mit den Muslimen, die ich kenne, haben sie nichts zu tun. Aber beinahe jeder Mensch kann sich in einen solchen Schreihals verwandeln, das ist ja das Schlimme. Die hysterischen deutschen Frauen am Obersalzberg - unvergeßliche Bilder.
Wenn man erst einmal davon ausgeht, daß all diese Menschen ziemlich genau so sind wie wir, wird man meistens bestätigt. Sie haben Familien, denen sie oft stärker verbunden sind als wir und zu deren Lebensunterhalt sie so bald wie möglich beitragen wollen. Nicht alle, aber sehr viele, die meisten, sind "verwendbar" (wer hat das noch mal gesagt?).
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.12.2015 um 10.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30766

PS: Ich frage mich, woran eigentlich dieses Gefühl der Fremdheit liegt. Natürlich zum einen daran, daß man die Menschen, die ins Land kommen, zuerst nicht kennt. Das wird mit der Zeit besser: Man lernt einige oder auch viele von ihnen kennen. Zweitens liegt es an der Sprachbarriere. Arabisch spricht hier kaum einer. Auch das wird mit der Zeit besser (Deutschkurse, hier spielt das staatliche Engagement für die Integration eine große Rolle). Beide Probleme sind in der nächsten Generation um Größenordnungen geringer, also wenn die Kinder der Flüchtlinge/Migranten zusammen mit anderen Kindern und mit der deutschen Sprache aufwachsen. Wenn die Kinder "mit Migrationshintergrund" erwachsen werden, nimmt die Fremdheit eher wieder zu: Dann kommen solche spaltenden Faktoren wie die Religion ins Spiel, man fragt nach der eigenen Identität usw.

Beim Thema Religion sehe ich die "Fremdheit" weniger in der Religion an sich begründet, sondern darin, daß sich eine große Zahl von Muslimen sehr stark mit dem Islam identifizieren, die nichtislamische Bevölkerung jedoch überhaupt nicht, viele lehnen den Islam auch mehr oder weniger ab. Dieses Problem besteht auch bisher schon, es wird aber zunehmen, je mehr Muslime es gibt. Sie werden sich auch um so "stärker" fühlen, je größer ihr Anteil wird, und dann mehr in den Vordergrund treten, mehr Ansprüche für ihre Religion stellen usw. Damit nimmt das Spaltende zu.

Was noch? Ein patriarchalisches Verständnis der Geschlechterrollen. Das Kopftuch. Die Ablehnung von Schweinefleisch. Andere Feiertage, andere Feiern. Das andersartige Aussehen der Menschen. Andere kollektive Erfahrungen. Sehr starke Verbindungen zu Ländern, zu denen die meisten Deutschen bisher überhaupt keinen Bezug haben. Zusammen mit den fremden Sprachen und der Religion kommt da viel Trennendes zusammen. Es stellt sich doch wirklich die Frage, ob oder inwieweit Integration gelingen kann, wenn es so viele Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2015 um 10.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30765

Ohne auf die Einzelheiten noch einmal einzugehen, möchte ich nur zweierlei bemerken. Erstens kenne ich die Bibel ziemlich gut und habe mich (andererseits) auch mit der Wirklichkeit heutiger Christen unter verschiedenen Gesichtspunkten lange beschäftigt. Zweitens, und das ist eigentlich noch einmal dasselbe, habe ich seit Jahrzehnten Umgang mit Muslimen beiderlei Geschlechts und kann nicht finden, daß sie sich von unsereinem wesentlich unterscheiden. Es gibt natürlich auch andere, aber eben hier wie dort.

Meine Meinung ist: Statt von Flüchtlingen zu reden wie von feindlichen Armeen ("Grenzen sichern!"). sollte man die Chancen der Zuwanderung sehen und alles tun, um sie zu nutzen. Das ist aber wie gesagt nur eine Meinung, eher Stimmung, und ich werde sie nicht mit Argumenten verteidigen. Durch tägliche konkrete Erfahrungen, auch aus meinem Umfeld, sehe ich mich darin bestätigt, daß sich da viel erreichen läßt. Es überrascht mich nicht, daß unzählige Menschen, die "Basisarbeit" leisten, trotz allen Schwierigkeiten doch recht zuversichtlich sind. Die Untergangspropheten jedenfalls scheinen nicht gerade die zu sein, die sich z. B. um Sprachunterricht und Eingliederung kümmern. "Wir schaffen das." Warum eigentlich nicht?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 06.12.2015 um 02.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30764

Ich halte wie gesagt einen Konflikt mit dem Grundgesetz, der sich aus dem Koran ergeben könnte, eher nicht für ein vorrangiges Problem. Mangelnder Respekt vor dem staatlichen Recht, vor staatlichen Gesetzen betrifft nur relativ wenige Muslime und nicht speziell Muslime. Deswegen kommt mir ja die ständige Beschwörung, das Grundgesetz müsse respektiert werden, als nebensächlich vor. Das eigentliche Problem ist die als solche empfundene Fremdheit der Muslime und ihrer "Kultur".

Wir hatten hier in Deutschland in Großstädten eine Aufspaltung in verschiedene Gesellschaften (sogenannte Parallelgesellschaften), schon bevor der Zustrom der Flüchtlinge begann. Die Aufsplitterung der Gesellschaft wird zunehmen, je mehr Muslime es gibt. Demographisch wird der Anteil der Muslime immer weiter zunehmen: weitere Migration, Familiennachzug, mehr Geburten in muslimischen Familien. Allein mit dem Spracherwerb der Zugezogenen wird die Fremdheit nur teilweise zu überwinden sein. In Frankreich ist die Aufspaltung der Gesellschaft noch weit ausgesprägter – obwohl dort alle Französisch sprechen und sich mühelos verständigen können.

Die Politiker sagen, man müsse nur die Integration diesmal nur richtig handhaben. Mit guter Integrationspolitik kann man viele Probleme mildern, aber wirkliche Integration braucht doch einen Zeitraum von mehreren Generationen. Sie ist gar nicht so sehr von den Maßnahmen abhängig, sondern geschieht vor allem dann, wenn die Kinder der Zugewanderten hier in Deutschland aufwachsen, zusammen mit den anderen Kindern.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 06.12.2015 um 00.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30763

Nach traditioneller islamischer Lesart steht es nur Allah zu, Gesetze zu machen; der Mensch darf es nicht. Gleich in der Präambel des Grundgesetzes steht jedoch, daß "das deutsche Volk" sich dieses Grundgesetz gegeben hätte. Das Grundgesetz und alle anderen Gesetze sind per definitionem Vereinbarungen von Menschen, die bis auf zwei Ausnahmen jederzeit von Menschen geändert werden können.
Diesen Widerspruch müssen Muslime für sich lösen, wenn sie in Deutschland leben wollen und genauso Muslime sein wollen. Daß das geht, zeigen etliche problemlos hier lebende Muslime.

Ein Politiker mag nicht fordern dürfen, daß sich eine Religion wandle; er darf fürwahr fordern, daß sich alle Menschen, also auch die Muslime, das Prinzip des demokratisch gesetzten Rechts respektieren.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.12.2015 um 23.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30762

Mit manchen angeblichen Glaubenssätzen des Islam könnten die Grundgesetz-Artikel 3 [Gleichheit vor dem Gesetz] und 5 [Meinungsfreiheit] kollidieren. Über dem deutschen Grundgesetz steht noch die Europäische Menschenrechtskonvention. Jeder darf glauben, was er will, aber er muß sich an die hier gültigen Gesetze halten, auch wenn seine Religion etwas anderes sagt. Das wurde alles schon mit den in Deutschland lebenden Türken durchexerziert. Ich erinnere auch an die Strafurteile gegen eine bestimmte Sekte (Zwölf Stämme), die gemäß dem Alten Testament ihre Kinder verprügeln zu dürfen glaubt. Heilige Bücher stehen nicht über den deutschen und europäischen Gesetzen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 05.12.2015 um 22.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30761

Die ursprüngliche Aussage von Professor Ickler war: Kretschmann stehe es nicht zu, vom Islam zu reden, und zwar mit Bezug hierauf: "Kretschmann fordert von den Muslimen, ihre Religion zu reformieren". Diese Forderung steht Kretschmann tatsächlich nicht zu, weil sie sich nicht auf dem Grundgesetz ableiten läßt, sondern im Widerspruch zu diesem steht (Religionsfreiheit). Ein Politiker kann nicht fordern, daß ein Gläubiger das Grundgesetz höher bewertet als seine Religion, egal um welche Religion es sich handelt. Es gibt auch jede Menge Menschen, die ganz ohne Islam "den Staat" ablehnen oder ihn irgendwie für lästig und doof halten. Für die wenigsten Mitmenschen dürfte das Grundgesetz die oberste Richtschnur ihres Tuns und Denkens sein. Da kann man nichts machen, das ist einfach so. "Der Staat" kann nur eingreifen, wenn jemand gegen Recht und Gesetz verstößt.

Das Mantra der Politiker, das Grundgesetz sei das A und O des Zusammenlebens in Deutschland, kommt mir wirklichkeitsfremd und geradezu unsinnig vor. Wen kümmert denn überhaupt das Grundgesetz im Alltag? Wer kennt es? Das Zusammenleben einer Gesellschaft ergibt sich daraus, was die Menschen tatsächlich veranlaßt, sich als zusammengehöriges Volk zu begreifen. In dieser Hinsicht spielt dann der Islam der Zuwanderer doch eine enorm wichtige Rolle. Der Islam und die mit ihm verbundene Lebensart als Faktor, der das Gefühl der Zusammengehörigkeit einschränkt und gefährdet, dieses Thema interessiert die Menschen brennend. Also müßten die Politiker als Repräsentanten der Bevölkerung wiederum über den Islam reden (politische Willensbildung). Aber was sollen sie denn sagen? "Wir wollen möglichst wenig muslimische Flüchtlinge", weil das ein großer Teil der Bevölkerung so empfindet? In Polen oder Ungarn sagen das die Politiker.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.12.2015 um 22.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30760

Bevor ich etwas als Stammtischgerede abtue, würde ich gern wissen, wieso "Hohn über die 'ersehnten Fachkräfte'" gleich Fremdenhaß ist. Der Hohn über ein geringes (Aus-)Bildungsniveau von Einwanderern gilt doch nicht ihnen selbst. Diese armen Leute können nichts dafür, wenn sie in ihrer Heimat nichts lernen konnten. Wie sollte sie irgendjemand dafür verhöhnen oder gar hassen? Hohn und Haß von Leserbriefschreibern (sofern er in einer relativ moderaten Form überhaupt gedruckt wird) gelten der deutschen Regierung, die überhaupt nicht weiß, wen sie da millionenfach ins Land läßt, die aber trotzdem von ihren Regierungsstammtischen aus über Fachkräfte schwafelt.

Sehr gern würde ich von unserer Regierung darüber endlich konkrete Zahlen hören.

 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.12.2015 um 19.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30759

Politiker werden dann "weich", wenn es um Wählerstimmen oder Parteispenden geht. Aber über ihnen steht das Bundesverfassungsgericht.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 05.12.2015 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30758

Ein Politiker darf sich ruhig mit den Inhalten von Religionen befassen, wenn es ihm beliebt, in ein Wespennest zu greifen. Aber die Beamten des Staates müssen die Religionsfreiheit in ihrem Handeln beachten.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 05.12.2015 um 17.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30757

Hat es einen Politiker anzugehen oder nicht, wenn eine Religion klare inhaltliche Widersprüche zu Recht und Gesetz pflegt?
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 05.12.2015 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30756

Die Leute, die an heilige Bücher glauben, werden das aber anders sehen!
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.12.2015 um 16.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30755

"Kein heiliges Buch steht über dem Grundgesetz." (Cem Özdemir)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.12.2015 um 12.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30754

Eben! Jemandem Stammtischgerede vorzuwerfen, ist auch ein »Appell an Ressentiments«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2015 um 12.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30753

Daß er überhaupt vom Islam spricht statt von den Gesetzen. Er ist Politiker und nicht Religionssoziologe oder sonst etwas. Außer Recht und Gesetz darf es für ihn nichts geben. Die Stellung der Religionsgesellschaften ist im GG (WRV) formal geregelt, Inhalte interessieren nicht. Auch nicht, wie schwer es diesen oder jenen (auch einigen Christen übrigens) fällt, sich an die Gesetze zu halten.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 05.12.2015 um 12.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30751

Um sich unbeschwert an die Gesetze halten zu können wie jedermann, müßten Muslime wohl oder übel ihren Islam entsprechend reformieren. Was ist an Kretschmanns Forderung also zu beanstanden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2015 um 12.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30750

Der Leserbriefschreiber bekennt, fast 70 zu sein.
Der brain drain der Akademiker besteht schon lange und hat viele Gründe, aber die Zuwanderung von Ausländern scheint noch nie dazugehört zu haben.

Soweit ich sehe, haben die Zuwanderer aus Syrien z. B. im Durchschnitt eine verhältnismäßig gute Schulbildung und stammen aus einer leistungsorientierten Mittelschicht. Die Reichen bringen sich auf andere Weise in Sicherheit, die Armen schaffen es nicht und versuchen es auch gar nicht erst. Sehr viele könnten hier sofort arbeiten oder eine Ausbildung beginnen, wenn die Sprachbarriere nicht wäre. (Ich habe mich jetzt nicht um Statistiken gekümmert, sondern urteile nach persönlichen Erfahrungen.)
Unter Stammtisch, lieber Herr Markner, verstehe ich das, was man in den Foren der meisten Zeitungen besichtigen kann: pauschale Urteile, Appelle an Ressentiments; Fremdenhaß ist leichter zu mobilisieren als jeder andere.
Das höhnische Zitieren der 100.000 Fachärzte, die ja nun zu uns kommen - das ist Stammtisch, nicht wahr? Sobald man sich näher auf die Dinge einläßt (wie es selbst die nicht gerade menschelnde FAZ immer wieder tut, z. B. heute auf S.3), ist man schon ein Stückchen weg vom Stammtisch.

Man liest auch: Warum kämpfen die jungen Männer nicht in ihrer Heimat, sondern kommen zu uns, während unsere Soldaten nach Syrien ziehen und ihren Kopf hinhalten? Der zweite Teil der Frage ist berechtigt, aber der erste? Mit wem und gegen wen und wie sollen sie denn kämpfen?
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 05.12.2015 um 11.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30749

Ich kenne den FAZ-Leserbrief nicht, aber vermutlich ist das Alter bzw. die Altersstruktur der Deutschen und der illegalen Einwanderer der springende Punkt. Politiker, Schriftsteller und Kardinäle (usw.) vergleichen gerne nur die absolute Zahl der Neuankömmlinge mit der der Eingeborenen ("damals" (Oktober) 800.000 zu angeblich 80.000.000, also das vielzitierte "Prozent"). Die Deutschen sind jedoch zu mehr als der Hälfte in der Altersklasse 40+, die Neuankömmlinge gefühlt-geschätzt ein Viertel bis ein Drittel Kinder, der Rest hauptsächlich die "jungen, kräftigen Männer", die nur darauf warten, Frau und drei Kinder aus Syrien oder dem Irak nachzuholen. Die Auswirkungen kommen daher nicht sofort, dürften aber dennoch dramatisch werden, wenn die deutsche Altersklasse 40+ weg oder im Altersheim ist und die Neuankömmlinge mitsamt ihrer Nachkommen nicht mehr nur das "eine" Prozent ausmachen.
Für den "Dr. Dr." (Alter 40-50 ?) ändert sich in seinem Alltag vermutlich nicht mehr viel, daher bleibt es bei der Fantasie, auszuwandern.
Den heute 18jährigen dürften die Veränderungen bis zum Eintritt in die Grundsicherungsrente viel deutlicher auffallen. Eine verstärkte Auswanderungsbewegung (die Deutschen sind schon jetzt die größte Gruppe unter den aus Deutschland abwandernden Menschen) in jüngeren Altersklassen ist absolut denkbar, wenn der deutsche Sonderweg so weitergeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2015 um 11.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30748

Aber doch vermutlich aus anderen Gründen.

Kretschmann fordert von den Muslimen, ihre Religion zu reformieren. Das steht einem Politiker nicht zu. Auch die Zusicherung, eine Islamisierung werde es nicht geben, gehört hierher. Wenn viele Menschen zum Islam konvertieren, kann die Politik das nicht aufhalten. Man verwahrt sich ja auch nicht gegen die "Neu-Evangelisierung" (christliche Missionierung).
Muslime müssen sich wie jedermann an die Gesetze halten, das sollte genügen.
Nicht daß ich die geringste Sympathie für den Islam (usw.) hätte, aber gewisse Grundlinien der Verfassung sind mir doch noch gegenwärtig.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.12.2015 um 11.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30747

Mit Verlaub, aber wer vom Stammtisch redet, sitzt meist selbst an einem ... Auswanderung aus Deutschland (nicht zuletzt auch von Medizinern) findet statt und ist im Privatfernsehen ja nicht ohne Grund schon seit Jahren ein beliebtes Thema.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2015 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30744

Da, schon wieder einer: "Wäre ich jünger, würde ich auswandern." Das schreibt ein Dr. Dr. aus Siegen in der FAZ vom 5.12.15. Als Chirurg dürfte er genügend Ersparnisse haben, um auch im Alter noch auszuwandern. Aber daran denkt er natürlich nicht wirklich, er redet bloß für den Stammtisch.

Ein lettischer Regisseur will seinen Vertrag mit dem Thalia-Theater auflösen, weil Deutschland so viele Flüchtlinge aufnimmt. Man könne nicht gegen das Pariser Attentat protestieren und gleichzeitig Terroristen unterstützen. (FAZ 5.12.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2015 um 15.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30742

Das sind aber bestimmt andere Leute mit anderen Motiven...
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.12.2015 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30740

In der Zeit von 1997 bis 2013 hat sich die Zahl der in der Schweiz lebenden Deutschen verdreifacht, von gut 100000 auf gut 300000.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2015 um 05.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30737

Der Fremdenhaß, der sich in den Leserbrief-Foren austobt, ist erschreckend. Am harmlosesten noch der Hohn über die "ersehnten Fachkräfte", die jetzt in Massen aus Syrien kommen, oder die großmäulige Ankündigung, auswandern zu wollen, während man gar nicht daran denkt, seinen Fernsehsessel zu verlassen. Das ist alles so widerwärtig, daß man auswandern möchte.

Was auch immer wieder erstaunt: Die Aufmerksamkeit gilt einigen Erscheinungen, die sozusagen ein Gesicht haben (zur Zeit ein bärtiges), aber wirkliche Skandale bleiben unbeachtet, wenn sie hinreichend abstrakt sind. Schäuble hat gerade festgestellt, daß durch die Cum-Ex-Steuertricks dem Staat 10 Mrd. Euro entgangen sind, einfach durch die Trägheit von Behörden und Gesetzgeber. Und was ist mit Draghis angemaßter Finanzpolitik, die unsere eigenen Politiker wie Hampelmänner aussehen läßt?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.12.2015 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30733

Wozu Singapur? Um die Times of India oder Dawn zu lesen, braucht man Frankfurt nicht zu verlassen.

Seit Carsten Germis vorgemacht hat, wie man aus seinem Gastland ausgerechnet dann wegläuft, wenn dort etwas Berichtenswertes geschieht, ist ohnehin nicht mehr klar, wozu die Fatz überhaupt Korrespondenten beschäftigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2015 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30731

"Völlig unterschätzt hat man die systemimmanente Problematik plebiszitärer Verfahren: Sie privilegieren einerseits eher destruktive, d.h. auf Verhinderung ausgerichteten Bewegungen und sind andererseits auch besonders anfällig für kurzfristige Stimmungsschwankungen. (...) 13 der 18 auf politische Inhalte gerichteten Volksentscheide wollten Veränderungen verhindern und den Status quo erhalten. Sieben waren erfolgreich: 1998 in Schleswig-Holstein gegen die Rechtschreibreform (...)" (http://www.kas.de/wf/de/33.43490/)

Eine neue Definition von "destruktiv": Wer Bestehendes erhalten will, ist destruktiv. Man lernt nie aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2015 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30730

In der FAZ (3.12.15) erklärt eine Psychoanalytikerin und Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts den IS-Terrorismus. Freuds Seelenmodell, seine Trieblehre, die „narzisstische Regression“ – es ist alles da, genau wie vor hundert Jahren. Nicht einmal die katholische Kirche ist beständiger. Das Schöne an diesen Fernanalysen ist: Man braucht keinen einzigen „Analysierten“ zu kennen, die Medienberichte reichen aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.12.2015 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30729

Über ein so großes Land wie Indien berichtet die FAZ aus Singapur (!). Der Korrespondent könnte ebenso gut in Moskau sitzen, das ist ungefähr dieselbe Entfernung. Früher saß er selbstverständlich in Neu-Delhi.
Irgendwo habe ich gelesen, daß der westlichste Punkt Chinas näher an Deutschland liegt als an Chinas Ostgrenze. Gefühlt ist es anders, aber das täuscht eben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2015 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30726

Die Hamburger haben sich gegen die Olympia-Bewerbung entschieden. Die schwer enttäuschte FAZ versucht, Grünen und Linken die Schuld in die Schuhe zu schieben, was natürlich rein rechnerisch schwierig ist, denn so viele Grüne und Linke gibt es gar nicht. Aber man kann sie ja schon einmal erwähnen, die „Linke, die am Sonntagabend wieder einmal zeigte, was sie vor allem feiern kann: das Nein, egal wozu.“ Also gemacht hat sie es nicht, aber sie feiert es – schlimm!
Im Wirtschaftsteil derselben Ausgabe („Hauptsache, dagegen“, 1.12.15) wird das Votum als weiterer Beleg dafür genommen, daß die Deutschen keine Großprojekte und keine Innovationen und überhaupt „keine Veränderungen mehr“ wollen – wie damals die Rechtschreibreform als Prüfstein der Innovationsfähigkeit (Minister Meyer) bzw. der Bereitschaft, den Euro hinzunehmen (Stoiber).
Vielleicht sollte man mal erwägen, daß die Hamburger nicht einsehen, warum für ein paar Tage Sport und Medien (na ja, und die versprochene Stadtentwicklung) elfeinhalb oder vielleicht auch zwanzig Milliarden ausgegeben werden müssen. Für dieses Geld könnte man z. B. eine halbe Million Flüchtlinge mit Sprachunterricht und Nachschulung versorgen und in Arbeit und Brot setzen, die dann jahrzehntelang Steuern zahlen, bevor sie der Rentenkasse zur Last fallen. Nur mal so als Beispiel eines „Großprojekts“. Oder denken wir an den Breitensport, der bei uns betrieben wird wie nie zuvor und stärker gefördert werden könnte. Mit den großen Spektakeln hat er nichts zu tun. So rechnet es auch der Sportteil der Zeitung vor, wieder mal ungleich vernünftiger als die Kommunistenfresser in der Politik.
In der nächsten Ausgabe (2.12.15) tritt Frank Pergande noch einmal nach: direkte Demokratie führe zu nichts Gutem usw. - ausgerechnet im Leitartikel der FAZ, die allwöchentlich mit Allensbach-Umfragen Politik macht. „Die Erfahrung lehrt, dass gut organisierte Minderheiten an Einfluss gewinnen, ohne dass ihre Vertreter je gewählt worden wären.“ Einen Tag zuvor hatte er die Leser darüber informiert, daß die Olympia-Befürworter ungleich besser organisiert und mit ungleich besserer Finanzierung ausgestattet waren. „So kann es nicht weitergehen. Das ist das Ende von Politik.“ Selten hat sich ein schlechter Verlierer so bloßgestellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2015 um 10.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30719

Psychiater wollen herausfinden, warum Jugendliche zu Radikalen werden. (Tagesspiegel 30.11.15) Sie setzen also voraus, daß es sich um eine Krankheit handelt.

Es gibt viele Arten von Hingabe an eine Idee oder eine bestimmte Tätigkeit. Manche Menschen gehen ins Kloster und werden als "tief gläubig" respektiert, andere deshalb bewundert, weil sie seit ihrer Kindheit acht Stunden täglich Violine spielen. Der Psychiater interessiert sich nur für die weniger geschätzten Typen, aber dieser Unterschied liegt nicht in der Sache selbst.

Übrigens gibt es genug Vaticinia ex eventu (psycho-babble), aber keine wirklichen Vorhersagen, nach denen wir die Künste der Psychiater beurteilen könnten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2015 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30713

Einige Schlaumeier machen Karriere mit der Behauptung, es gebe nichts „außerhalb des Textes“, andere mit der Entdeckung, daß es auch noch etwas außerhalb des Textes gibt. Man schreibt Bücher über „Präsenz“, wie zuvor über „Plötzlichkeit“ usw., und muß nur dafür sorgen, daß solche Allerweltsbegriffe mit dem eigenen Namen verbunden bleiben, wenn man schon keinen Patentschutz anmelden kann. Das Getöse um jede erfolgreiche Durchsetzung des Schlagwortes dauert gerade lange genug, daß man ausgesorgt hat. Ein Schwanz von mehreren hundert Dissertationen festigt den Ruf der Wichtigkeit.
Nach dem Ende der Religion ist die „Lektüre“ die heilige Handlung schlechthin, gern auch im Plural: „meine Lektüren“ (= Lesungen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2015 um 19.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30709

Wie schon andere Medien widmet nun auch die FAZ einem deutschen Taugenichts fast eine ganze Seite, der aus Abenteuerlust nach Syrien ging, "an der Seite der Kurden" "gegen das Böse" kämpfte, etliche Menschen ermordete ("Mein Hass gegen diese Kreaturen ist ungebrochen"), kriegsmüde mit vielen schönen Fotos zurückkehrte und gerade noch rechtzeitig das Buch zum Fest herausgebracht hat: "Sie nannten mich 'Held': Wie ich als Deutscher in Syrien gegen den Islamischen Staat kämpfte". Seine Freundin und seine Familie wollen begreiflicherweise nichts mehr von ihm wissen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.11.2015 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30705

Das Aus der Hamburger Olympia-Bewerbung hinterlässt fast nur Verlierer: die Stadt Hamburg, der deutsche Sport, selbst das IOC. Schlimmer noch: Die Olympische Idee steht auf dem Spiel, warnt Joscha Weber. (dw.com 29.11.15)

Diesen erheiternden Text wollte ich wegen seiner wohltätigen Wirkung zum Wochenbeginn ohnehin einrücken. Außerdem fällt die Großschreibung der Olympischen Idee auf, die den Gegenstand gleich ein wenig erhabener aussehen läßt.

Mit den Olympischen wurden zugleich die Paralympischen Spiele abgelehnt. Die Wortbildung Paralympics wird in den einschlägigen Artikeln als Zusammenziehung von paraplegic und Olympic erklärt, mit späterer Umdeutung wegen der Teilnahme anderer Arten von Behinderten. Die Wortbildung ist in jedem Fall unklassisch, da es parolympic heißen müßte. Der unorganische Rest lympic erinnert aber zugleich an limp, wenn auch nur im Englischen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2015 um 15.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30659

Versteht sich, daß diese Art von Variation (zwischen Sprechern derselben Sprache vielleicht noch stärker als zwischen dem Durchschnitt der Einzelsprachen) nicht ins Gewicht fällt gegenüber dem, was ich im Auge hatte.

Was die "Zeit" eigentlich ist, haben viele zu ergründen versucht, ich werde es nicht versuchen. Aber durch das Sprechen selbst legen wir gewissermaßen eine Linie in die Welt, auf der es ein Vorher und Nachher gibt, und wir unterscheiden auch mit unseren sprachlichen Mitteln immer zwischen dem, was schon gesagt worden ist, und dem, was erst noch gesagt werden wird/soll – entsprechend dem zuerst bei Homer genannten Dreischritt: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Keine Philosophie schafft das aus der Welt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.11.2015 um 14.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30658

Am schnellsten reden spanische Muttersprachler. So schnell, daß man garnicht prüfen kann, ob alles grammatisch richtig ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.11.2015 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30656

Dazu paßt diese Meldung:
»Zur Überraschung der Forscher ist somit die Effizienz einer Sprache, die sich aus der Sprechgeschwindigkeit und dem Informationsgehalt errechnet, bei fast allen Sprachen nahezu identisch, wobei Englisch den Spitzenplatz einnimmt.«
(www.welt.de)
Immer wieder überraschend, wovon Forscher überrascht sind!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2015 um 09.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30653

Wir wissen, daß der "Moment" je nach Tierart verschieden definiert ist, eine Fliege sieht Bewegungen, wo wir nur ein Flirren wahrnehmen, und könnte Fernsehen oder Filme nicht genießen, weil die Verschmelzung in weiter Ferne liegt.

Der Sekundenzeiger dreht eilig seine Runde, aber man muß sehr genau hinsehen, um den Minutenzeiger als bewegt wahrzunehmen; es hängt natürlich auch von der Größe der Uhr ab, ein Analogwecker ist bestens geeignet. Gerade treibt die Amarylliszwiebel ein neues Blatt, es wächst so schnell, daß man den Fortschritt nach einer halben Stunde schon bemerkt, aber so richtig kontinuierlich beobachten kann ich die Veränderung nicht.

Die Wahrnehmung der Zeit, d. h. der Veränderung, ist auf die lebensnotwendigen Reaktionen abgestimmt.
Nun: das "bewußte Denken" ist anscheinend auf das Tempo des Sprechens reduziert. Wir denken so langsam, weil wir so langsam sprechen (wer hat das noch mal geschrieben?). Manchmal werden wir eines Denkens ohne Worte gewahr, das offenbar viel schneller abgelaufen sein muß.
Ebenso zur Linearität: Weil wir ein Wort nach anderen artikulieren, glauben wir auch, das Denken schreite so voran. Daher Kants Illusion von der Zeit als Ordnung des "inneren Sinns". Die Sprechgeschwindigkeit hängt von der Beschaffenheit der Artikulationsorgane ab. Hätte der Mensch von Anfang an eine Gebärdensprache entwickelt (nicht nur als Surrogat wie jetzt), würde er langsamer "sprechen" und daher auch langsamer denken (wenn auch vielleicht nicht so streng linear wie jetzt).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.11.2015 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30644

Ich weiß, worum es beim Kammerton geht. Darum habe ich ja auch nur gesagt, daß er aus ähnlichen Gründen, nämlich wegen der großen Konzertsäle (und des entsprechenden Publikums?) in die Höhe getrieben wurde. So habe ich es gelesen.

Wie meine Töchter mir berichten (eine war gerade bei Judas Priest in Frankfurt), werden die Besucher solcher Veranstaltungen am Eingang regelmäßig auf drohende Gehörschäden hingewiesen und gleich mit den Stöpseln ausgestattet. Der Grund, warum man das trotzdem so macht, scheint in den erwünschten Vibrationen unterhalb des Kopfes zu liegen. Vielleicht findet man irgendwann weniger ungesunde Möglichkeiten (Vibratoren?).
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 21.11.2015 um 10.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30634

Vibrato und Tremolo stellen sich insofern „von selbst“ ein, als man beim Singenlernen, beim Üben und beim Ausprobieren der Stimme dieser Möglichkeiten gewahr wird. Sie tun sich beim Training von Kehlkopf und Zwerchfell auf und können, wohlbeherrscht, den gesanglichen Ausdruck sehr erweitern. Sie können aber auch Mängel wie eine schlechte Intonation vertuschen, worauf mäßige Sänger dann angewiesen sind (der eigentliche Ton wird mehr oder weniger stark „umjault“, so daß der Hörer zuweilen nicht mal erkennen kann, welcher eigentlich gemeint ist). Gute Sänger nutzen ihr Vibrato (Kehlkopf) und Tremolo (Zwerchfell) nach Belieben, blenden es wohldosiert ein und aus. Elvis Presley machte das gekonnt, zugleich spielte er ausgiebig mit der Lautstärke und produzierte so seinen typischen Sound. Noch besser und dabei weniger schnulzig konnte es Whitney Houston. Beim Kammerton geht es übrigens nicht um die Lautstärke.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2015 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30630

Im Wikipedia-Eintrag zu „Vibrato“ (man muß erst mal die Werbung für motorisierte Dildos überspringen) wird mitgeteilt, daß sich das Vibrato der Singstimme in der Regel von selbst einstellt. Ob das stimmt? Ich hatte mir gerade ein Video von Barbara Hannigan mit Mozart-Arien angesehen und angehört und muß leider sagen, daß mich das Vibrato morgens besonders nervt. Es klingt wie das zermürbende Jaulen einer Alarmsirene und ist gerade bei den Sopranen ein Hauptgrund meiner Abneigung gegen Opern. Dem Link folgend, bin ich noch einmal auf das mir bereits bekannte Interview gestoßen: http://www.zeit.de/2009/13/Interview-Norrington
Es läßt mich an der Natürlichkeit des Vibratos zweifeln. Auf den „Ethno“-Platten, die ich zu verschiedenen Musikstilen habe, ist auch kein Vibrato zu hören. In der plagalen Musik zum Beispiel in Indien hätte ein Vibrato eine ganz andere Bedeutung als in Europa, es wäre geradezu absurd.
(Der große Elvis hatte ohne Ausbildung ein ganz leichtes Vibrato, das recht natürlich und angenehm klingt. Pavarotti beneidete ihn um seine Stimme.)
Natürlich gewöhnt man sich an alles, und die naturgegebene Feinheit des Ohrs spielt auch eine Rolle. Manche sollen ja selbst die temperierte Stimmung als barbarisch empfinden. Die Durchsetzung des Vibratos in der europäischen Konzertmusik scheint zur selben Zeit und aus ähnlichen Gründen stattgefunden zu haben wie das Hochtreiben des Kammertons. Geschrei und Getöse für die Massen; Endstation sind die Ohrstöpsel, die man heute immer bei sich haben sollte. (Sony hat sehr gute und teure entwickelt, die den von Sony verstärkten Sound wieder auf ein erträgliches Maß herunterbringen. Also eine ähnliche Strategie wie in Monsantos Agrarchemie.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2015 um 07.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30625

Rüstungsaktien profitieren vom Krieg gegen den Terror (Überschrift im Wirtschaftsteil der FAZ, 20.11.15)
Am stärksten profitieren werden nach Ansicht von Analysten der Raketenhersteller Raytheon, der Kampfflugzeugbauer Lockheed Martin und der Drohnenproduzent Northrop Grumman, wenn die Anschläge von Paris zu höheren Umsätzen im Ausland führen. (...)
„Ein nachhaltiges Momentum für Rüstungsaktien wird es nach Einschätzung von Analysten aber nur geben, wenn Bodentruppen zum Kampf gegen den IS zum Einsatz kämen. „Diesen Schritt haben wir noch nicht gemacht“, sagte Byron Callan, Analyst beim Wertpapierhaus Capital Alpha Securities. „Aber das wäre bedeutsam.“


Gestern wurde bekannt, daß Saudi-Arabien für weitere 1,3 Mrd. Dollar Waffen aus den USA bezieht.

Ein 17jähriger Junge aus dem Jemen, der bei meiner Frau Deutsch lernt, zeigt ihr Bilder von seinem Heimatort vor und nach der Zerstörung durch saudi-arabische Bomber.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2015 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30616

OrthopädiefacharbeiterInnenauszubildende(r)!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.11.2015 um 12.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30615

Habe ich doch tatsächlich noch mal zwei neue deutsche Wörter gelernt. Na ja, ich bin auch kein Buchdrucker. Wenn ich bisher etwas geschrieben habe, habe ich immer intuitiv mit Leerzeilen oder Trennstrichen gespielt, ohne die beiden Störenfriede beim Namen zu kennen.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 19.11.2015 um 08.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30614

A propos "Hurenkind": Man darf gespannt sein, wie lange sich dieses alte Wort angesichts der wuchernden "PC" noch halten lassen wird. Auch das ebenso fachsprachliche Schicksal des "Schusterjungen" ist unsicher geworden.

Irgendwann werden wir für die Absatzkontrolle vermutlich "SexarbeiterInnen-Nachwuchs" und "Orthopädie-FacharbeiterIn" verwenden müssen, wenn das so weitergeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2015 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30613

Der Haß vereinfacht das Weltbild. Auf diesen Gewinn an Orientiertheit kann man nur schwer verzichten. Wenn eine Ideologie hinzukommt, die einem das Gefühl gibt, im Recht zu sein (Übereinstimmung mit dem Ziel der Weltgeschichte, mit dem Willen Gottes), wird es fast aussichtslos.
Diese Versuchung ist allgegenwärtig; ihr zu widerstehen ist Weisheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2015 um 04.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30612

Stimmt, ich bin auch schon mal gebeten worden, einen Text zu verlängern, damit kein Hurenkind entsteht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.11.2015 um 09.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30606

Journalisten streuen heute noch »Mehl« ein, um einen zu kurzen Text auf die gewünschte Länge zu bringen.
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 18.11.2015 um 09.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30605

In Gasthäusern wird auch verlängert. Wobei sich das nur bei der Suppe auf die Konsistenz auswirkt, beim Rest werden zumeist einfach die Portionen kleiner, wenn man bei großem Andrang feststellt, daß der Vorrat knapp wird. Umgekehrt können bei unterdurchschnittlichem Andrang gegen Ende die Portionen schon mal größer werden als üblich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2015 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30603

Beim Kochen fällt mir ein, daß in der Nachkriegszeit nicht nur Kleidungsstücke, aus denen wir herausgewachsen waren, "verlängert" wurden (durch "Ansetzen" von Stoffstreifen), sondern auch Speisen, hauptsächlich durch Mehl oder Semmelbrösel. Diese Vokabeln sind selten geworden, wir werfen auch Socken einfach weg, weil neue billiger sind als die Arbeitszeit, die wir aufs Stopfen verwenden müßten. Als Kind habe ich gern in einem teils handgeschriebenen Kochbuch geblättert, in das auch Zeitungssausschnitte und Oetker-Tütchen eingeklebt waren, alle mit Kriegsrezepten unter dem Motto "Ersatz". Eine Zeit, in der viele bis auf die Knochen abgemagert waren, hat sicher auch anders gesprochen, aber es ist schwer, das zu rekonstruieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2015 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30602

Politik ist nicht einfach, mit dem Bretterbohren und so.
Grundsätzlich bin für die Trennung von Staat und Religion, folglich gegen Religionsunterricht an staatlichen Schulen und Theologie an staatlichen Universitäten. Wäre ich aber ein Gegner der Religion, müßte ich all dies befürworten. Wie jetzt bei der Einrichtung von islamischem Religionsunterricht und entsprechenden Lehrstühlen offen gesagt wird, dient das der Domestizierung dieser Religion und der Bekämpfung von Fanatismus. Diesen Zweck hatte die Privilegierung der christlichen Kirchen zwar nicht, wohl aber dieselbe Wirkung. Ja, nichts hat sogar die Gläubigkeit so sehr untergraben. Laizistische Gesellschaften sind religiöser. Ich kenne gut katholische Familien, deren Kinder regelmäßig in die Kirche geführt und 13 Jahre in der Schule religiös unterwiesen wurden und allesamt Atheisten geworden sind.
Vielleicht hat diese nichtintendierte Folge gutgemeinter Maßnahmen die Kirche bewogen, in Bayern auf die Konkordatslehrstühle praktisch zu verzichten: deren Inhaber sind von vornherein nicht glaubwürdig.
Der Fall ist allgemein lehrreich. Indoktrination ohne Machtmittel (wie sie die kommunistischen Parteien einsetzten und noch heute in China einsetzen) wirkt kontraproduktiv.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.11.2015 um 05.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30571

Zur magischen Funktion der Sprache gibt es interessante Texte von Michael F. Brown, auf die ich noch zurückkommen werde. Beiläufig möchte ich erwähnen, daß Brown seinerzeit das Treiben Werner Herzogs bei den Dreharbeiten zu "Fitzcarraldo" kritisiert hat. Sein Artikel ist aber nur im englischen Wikipedia-Eintrag zu diesem Film verlinkt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2015 um 05.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30560

Natürlich gibt es einen Zusammenhang. Der IS hat doch selbst von Vergeltung für die französische Beteiligung am Krieg in Syrien gesprochen. Trotzdem muß man einiges auseinanderhalten. Terroristen, die zu allem entschlossen sind, finden immer ihren Weg.

Eine betagte jüdische Amerikanerin mailte kürzlich, die USA sollten aus Sicherheitsgründen keinen einzigen Flüchtling reinlassen. Da scheint sie ein, zwei Dinge vergessen zu haben.

Hollande spricht jetzt, wie seinerzeit Bush, von "Krieg", die FAS schreit das Wort auch heraus. Was ist damit gewonnen? Sind Terroristen jetzt Kombattanten? Soll der Nato-Bündnisfall herbeigeredet werden? Das Beispiel der USA nach 9/11 war nicht ermutigend.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.11.2015 um 18.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30559

à 17:15
Berlin appelle à ne pas lier les attaques à Paris et la crise migratoire
Le ministre allemand l'Intérieur, Thomas de Maizière, a appelé samedi à s'abstenir d'établir tout "lien hâtif" entre les attaques terroristes de Paris et la crise migratoire en Europe.

à 17:31
Le passeport syrien retrouvé à Paris appartenait à un migrant enregistré en Grèce

Wer übereilt sich hier wohl?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.11.2015 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30551

Dschihadi John: USA fliegen in Syrien Luftangriff gegen IS-Mörder (...)
Der Luftschlag sei von einer Drohne ausgeführt worden und habe sich gegen ein Fahrzeug gerichtet, in dem der Terrorist saß.
(Spiegel online 13.11.15)
Das amerikanische Vorbild wird Schule machen. Man kann in Zukunft niemandem, der die Drohnentechnik beherrscht, einen Vorwurf machen, wenn er mißliebige Personen irgendwo auf der Erde mit diesem Mittel erledigt. Wie kann man Paketdrohnen von Hinrichtungsdrohnen unterscheiden? Besonders gefährdet dürften Menschenrechtsaktivisten und Exilpolitiker sein. Unsere Medien scheinen dieses Verfahren zu billigen, sonst würden sie regelrecht hingerichtet sagen.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2015 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30538

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#25029

Inzwischen hat sich Google eines Besseren besonnen und nimmt auch Orthographie anstandslos hin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2015 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30523

Wir wissen heute, daß der Winckelmannsche Klassizismus teilweise auf unzulänglichen Kenntnissen der wirklichen griechischen Kunst beruhte, und das marmorweiße Bild hat sich entsprechend eingefärbt. Und dennoch! Wenn ich Bronzestandbilder von den Kims oder ähnliche Monstrositäten sehe, finde ich es albern, die Straßenanzüge und Brillengestelle von vorgestern in Erz gegossen vor mir zu haben. Die alte Technik eignet sich nur noch in mehr oder weniger humoristischer Verfremdung. James Joyce auf einer Straße in Dublin zu begegnen macht mir ästhetisch nichts aus, man läßt sich gern mit ihm fotografieren.
Die Griechen wußten schon, warum der nackte Mensch das Richtige für die Ewigkeit ist. Die stilisierten Gewänder lassen sich gerade noch ertragen, auch die Rüstung eines Augustus nach homerischer Vorlage. Aber Bügelfalte, Sakko und Anorak mit herausnehmbarem Innenfutter?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 09.11.2015 um 14.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30519

Wenn die "jungen Burschen" schon jetzt kein Deutsch lernen wollen, wieso sollte eine Änderung beim Familiennachzug irgendetwas ändern?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2015 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30516

Bei komplizierten rechtlichen Vorschriften kommt es oft nicht darauf an, was wirklich aus ihnen folgt, sondern wie es "bei den Menschen" ankommt, vor allem also, wie es in den Medien interpretiert wird.

Was die jungen Burschen aus Syrien usw. betrifft, sehen die hiesigen Behörden sich ziemlich außerstande, sie durch irgendwelche Maßnahmen zu regelmäßigem Unterrichtsbesuch und Lerneifer anzuhalten. Diese Disziplinierung wird allenfalls noch übers Smartphone von der Familie in Syrien ausgeübt, zusätzlich durch die Perspektive, hier etwas aus ihrem Leben machen zu können. ("Extrinsische Motivation" nennen es die Pädagogen.) Schwer genug, wenn man bedenkt, wie die Jugendlichen hin und her geschoben werden. Sie sind ja vorzeitig mit einer Verantwortung belastet worden, die ein deutscher Junge in dem Alter nicht kennt. Wenn in diese Situation die Nachricht platzt, daß mit Nachzug nicht zu rechnen ist usw., wirkt sich das entsprechend aus.
In den abstrakten Diskussionen der Politiker, aber auch vieler anderer, werden diese Zusammenhänge gar nicht gesehen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.11.2015 um 22.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30515

Um auf Syrische Flüchtlinge "subsidiären Schutz" anwenden zu können wie seinerzeit auf die Bosnienflüchtlinge, müßte wie den Bosnienkrieg die Nato auch den Syrienkrieg beenden. Nur das könnte den Flüchtlingsstrom beenden.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.11.2015 um 19.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30514

„Subsidiären Schutz“ gibt es schon lange. Laut Website der Bundesregierung sehen die neuesten Beschlüsse der Koalition vor, für diejenigen, die subsidiären Schutz genießen, die Familienzusammenführung um zwei Jahre auszusetzen. Seit jeher ist auch die Aufenthaltserlaubnis für diese Personen zeitlich begrenzt. Sie kann aber verlängert werden.

Der Wirbel ist nun darüber entstanden, daß de Maiziere diese Regelung wohl auf syrische „Flüchtlinge“ anwenden wollte. Das war anscheinend nicht ausdrücklich so beschlossen. Daher mußte de Maiziere einen Rückzieher machen.

Da nicht zu erwarten ist, daß sich die Lage in Syrien in absehbarer Zukunft wesentlich verbessern wird, wären syrische Flüchtlinge ohnehin nicht so schnell von einer Abschiebung bedroht.

Deshalb teile ich die Befürchtung nicht, daß das Erlernen der deutschen Sprache darunter leiden könnte, zumal die Betroffenen wohl damit rechnen könnten, daß der erfolgreiche Spracherwerb, verbunden womöglich mit einem Arbeitsplatz, die Aussicht auf längerfristigen Aufenthalt nennenswert verbessern würde.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.11.2015 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30509

"War die DNA-Doppelhelix wirklich eine Entdeckung oder doch eine Erfindung?" fragt Ernst Peter Fischer im FOCUS. Der Beitrag ist ziemlich wirr. Fischer klärt den Leser nicht darüber auf, was es mit theoretischen Modellen auf sich hat, die ja mit der Alternative "Entdeckung oder Erfindung" nicht erfaßt werden. Es spielt doch keine Rolle, wer damals die Illustrationen gezeichnet hat (Frau Crick).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2015 um 13.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30502

Heute beschäftigt sich z. B. die FAZ breit mit einem Beschluß der Bundesregierung, den es anscheinend gar nicht gibt: "subsidiärer Schutz", "zeitlich begrenzt und ohne Familiennachzug". Man könnte so etwas beschließen, zumal damit auch die CSU zufrieden wäre, wie sie selbst sagt.

Eine Folge sollte man allerdings bedenken: Der Deutschunterricht wäre damit so gut wie unmöglich und auch sinnlos. Er beruht ja auf der Perspektive eines immerhin möglichen dauerhaften Aufenthalts; andernfalls wäre er wie alle Bemühungen um "Integration" sinnlos. Dann hätten wir aber erst recht ein millionenfaches Lagerleben mit allen Folgen. "Wollen wir das?" Eine Auswahl unter den Zuwanderern, dann aber eine Aufenthaltsperspektive wäre sicher das kleinere Übel.

Noch eine Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird:

Warnung vor Sex mit Flüchtlingen sorgt für Empörung (welt.de 6.11.15)

Das ist natürlich auch übertrieben und verzerrt. Der Philologenverband allerdings hätte nicht unbedingt vorangehen müssen. Auch hier gilt: Alle wissen es, aber wer es zuerst sagt, hat verloren.

Als meine Frau neulich den Lehrbuchsatz besprach: Otto braucht eine Frau, meldete sich ein sonst stiller junger Bursche und sagte: Ich brauche auch eine Frau. Immerhin bekam er ein Lob für die korrekte Grammatik.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2015 um 14.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30488

Dafür gab es auch weniger Hunnen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.11.2015 um 13.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30487

Bundespolizei und Bundeswehr beschäftigen zusammen etwa so viele Leute, wie seinerzeit auf der chinesischen Mauer Wache schoben. Die war allerdings etwas länger als die Strecke von Lindau bis Passau.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2015 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30475

Lieber Herr Achenbach, wie Sie sich denken können, hatte ich einen Grund, nur an die Bundestagswahlen zu denken. Es geht um die Bundespolitik, auch wenn die Länder und Gemeinden es auszubaden haben.

Auf meine konkrete Frage, wie die Grenze zu schließen sei, bekomme ich nie eine Antwort. Gelegentlich werden der römische Limes und die Chinesische Mauer erwähnt. Die waren ebenso wie die DDR-Grenzanlagen dicht mit Soldaten besetzt, einschließlich Schießbefehl, andernfalls wären sie in wenigen Minuten überwunden gewesen. Wer das will, möge sich melden.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 05.11.2015 um 19.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30469

„Ich habe bisher keinen Gegenvorschlag gehört, der nicht sofort von der einen oder anderen Partei plattgemacht würde.“

So ist es. Umso wichtiger ist es, daß die Bürger Druck machen, damit zumindest auch die SPD sich Sorgen um ihre Wähler machen muß. Schon Anfang der 90er Jahren sah sich die SPD (als Opposition) gezwungen, schließlich einer Verfassungsänderung zustimmen, als damals die Zahl der Asylbewerber „nur“ über 400.000 stieg.

Auch jetzt haben die Grünen schließlich nach längerem Sträuben doch einer Erweiterung der Zahl der sicheren Herkunftsstaaten zustimmen müssen.

Es stimmt natürlich nicht, daß nur alle vier Jahre gewählt würde. Vielmehr wird bei uns fast ständig gewählt. Die Unruhe vor allem unter CDU-Politikern liegt ja auch daran, daß diese sich um ihre Wahlkreise bei den nächsten Landtags- oder Gemeindewahlen sorgen müssen.

Die Frage „Wollen wir das?“ ist ja auch schon deshalb richtig und wichtig, weil sie unter den jetzigen Bedingungen des Meinungsdrucks aus Politik und Medien geradezu subversiv ist. Sie widerspricht ja der Behauptung, Grundgesetz oder Humanität („keine Obergrenze“) zwängen uns, eine unbegrenzte Zahl sog. Flüchtlinge ins Land zu lassen, ob wir es wollen oder nicht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.11.2015 um 16.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30464

Es wäre, wie schon in der Euro-Frage, ein Anfang, wenn die Regierung die geltenden Gesetze (von denen gibt es ja mehr als genug) und internationalen Vereinbarungen einhalten würde. Aber große Koalitionen befördern eben den Cäsarenwahn.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.11.2015 um 15.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30463

Wenn man etwas nicht will, dann tut man es einfach nicht.

Wenn man zu etwas gezwungen wird, was man nicht will, muß man sich zur Wehr setzen.

Wenn Deutschland zwar Asyl geben, aber keine Masseneinwanderung haben will, die mit Asyl auch nichts zu tun hat, dann müssen an seinen Grenzen entsprechende Bedingungen geschaffen werden.

Je länger es dauert, bis das klappt, umso schwieriger wird es und umso größer ist der Schaden, der bis dahin entsteht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2015 um 15.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30462

Freilich ist sie vernünftig. Was mir – außer der massenhaften Verbreitung – auffiel, ist der andere Teil: daß man damit die Frage umgeht, was denn zu tun wäre. Manche tun auch so, als hätten wir keine gewählten Politiker, und entdecken ihr Herz für Volksbegehren. Das Volk sei nicht gefragt worden usw. Natürlich nicht, es wird eben nur alle vier Jahre gefragt.

Ich habe bisher keinen Gegenvorschlag gehört, der nicht sofort von der einen oder anderen Partei plattgemacht würde.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.11.2015 um 12.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30461

Die Frage ist doch vernünftig und paßt auf alle politischen Entscheidungen, also z. B.: Durch Spardorf soll eine Autobahn gebaut werden – wollen wir das? usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2015 um 09.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30460

Noch zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30395:

"Wir schaffen das" bis zum Erbrechen zitiert und kommentiert worden ist, hat sich nun die vermeintlich sehr schlaue Gegenfrage "Wollen wir das?" zum allgegenwärtigen Spruch entwickelt. Auch das ist nur eine Art, realistische Gegenvorschläge zu vermeiden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.11.2015 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30458

In der FAZ (5.11.15) titelt Jasper von Altenbockum „Das Grundgesetz gilt auch im Lager“, aber dann spricht er ausschließlich über Gewalttaten unter Flüchtlingen, also Fälle für das Strafrecht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.11.2015 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30445

Es gibt (von Sony?) welche mit Kabeln, die mit einem speziellen mattschwarzen Kunststoff überzogen sind, der verhindert, daß sich stramme Knoten bilden. Sehr praktisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2015 um 11.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30443

Gorsun C7705 Kopfhörer mit Kabelsalat (http://www.amazon.de/Gorsun-Kabelsalat-Eingebauter-Kompatibel-Smartphone/dp/B015PR8VXA)

Vielleicht auch mit Mayo?

Bei dieser Gelegenheit möchte ich etwas loswerden, was einfach mal gesagt werden muß. Die Kabel von Leichtkopfhörern haben bekanntlich ein Eigenleben, das weit interessanter ist als das von Herrensocken (von denen sich immer einzelne Stücke über Nacht und beim Waschen davonmachen, nicht wahr?).
Man legt also die Kopfhörer neben sich auf eine ebene Fläche, und wenn man sie nach einer Stunde wieder benutzen will, haben sich die dünnen schwarzen Kabel zu mehreren Knoten von seemännischer Vielfalt verschlungen, so daß man, aufs ganze Leben berechnet, doch einen namhaften Teil davon für das Entwirren von Leichtkopfhörerkabelknoten einrechnen muß. Wie das kommt, ist vollkommen unbekannt. Man sagt dann ganz matt, es sei eben die Tücke des Objekts, aber das ist natürlich keine Antwort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2015 um 07.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30423

In aller Herrgottsfrühe schickt ein entfernter Bekannter seiner neuen Freundin einen intimen Morgengruß, drückt aber versehentlich eine falsche Taste, und so geht die Botschaft an eine ganze Gruppe von Whatsapp-"Freunden". Ein Alptraum, der bestimmt schon manchen in den Selbstmord getrieben hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2015 um 05.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30400

Fall Mohamed: Ministerin Schwesig verlangt Schutzgesetz für Flüchtlingskinder
Kinder in Flüchtlingseinrichtungen brauchen besonderen Schutz – wie der Tod des kleinen Mohamed auf tragische Weise belegt. Doch ein passendes Gesetz lässt auf sich warten. Nun macht die Familienministerin Druck.
(Spiegel 31.10.15)

Wie könnte ein "passendes" Gesetz aussehen? Soll nun etwa auch noch die Ermordung von Flüchtlingskindern verboten werden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2015 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30399

Liebe Leserinnen und Leser,
im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf SPIEGEL ONLINE finden Sie unter diesem Text kein Forum. Leider erreichen uns zum Thema Flüchtlinge so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Forumsbeiträge, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Deshalb gibt es nur unter ausgewählten Artikeln zu diesem Thema ein Forum. Wir bitten um Verständnis.
(spiegel.de 1.11.15)

Das will ich gern glauben, den veröffentlichten Zuschriften zufolge.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.11.2015 um 00.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30398

Es ist kein Zufall, daß Kohler gerade nicht vom »deutschen Staatsvolk« spricht. Er meint die mit Pässen versehene Bevölkerung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2015 um 06.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30395

In der FAS schreibt Berthold Kohler, die Zuwanderung werde das deutsche Staatsvolk verändern. "Gefragt worden, ob es das will, ist das Staatsvolk nicht."

Komisch, die FAZ war doch immer gegen Volksentscheide. Wir haben gewählte Repräsentanten, die machen die Politik, bis neue gewählt werden.

"Veränderung des Staatsvolks" ist so unbestimmt formuliert, daß man leicht einen Ausnahmezustand hineinphantasieren kann, der das repräsentative System außer Kraft zu setzen erlaubt.

Das Staatsvolk ändert sich ständig, in meiner Kindheit war's auch ganz anders als heute.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.11.2015 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30394

Genaus so habe ich es von befreundeten Journalisten immer wieder gehört: "Gibt es einen Anlaß? Andernfalls können wir es nicht bringen." Manchmal haben wir den Anlaß selbst schaffen müssen, aber das geht nicht immer.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.10.2015 um 10.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30393

Ein Übrigens-Kommentar. Journalisten bilden sich ein, nur etwas schreiben zu dürfen, wenn ein Anlaß dazu vorliegt. (Meistens ist der Anlaß eine dpa-Meldung.) Über alles, was länger als ein Jahr her ist, darf nur geschrieben werden, wenn ein irgendwie gearteter Jahrestag zu begehen ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2015 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30392

Wenn etwas Schlimmes passiert, wirft der Journalist seine Kommentar-Automatik an und schreibt, daß dies zwar schlimm ist, etwas anderes aber auch.

„Bei Fällen wie denen der getöteten Elias und Mohamed tritt schnell in den Hintergrund, dass in Deutschland im Schnitt jeden Tag ein Kind durch Misshandlung stirbt. Wer Gewalt gegen Kinder bagatellisiert, redet den Tätern das Wort. Ein Kommentar. Von Caroline Fetscher“ (Tagesspiegel 31.10.15)

Ein vollautomatischer Kommentar würde allerdings mit korrekten Zahlen arbeiten, da er direkt mit dem Bundeskriminalamt verbunden wäre (108 tote Kinder 2014, bei abnehmender Tendenz).

(Wer bagatellisiert eigentlich Gewalt gegen Kinder? Soll es wieder auf den berühmten Klaps hinauslaufen?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.10.2015 um 03.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30388

Jahrzehntelang schien der Aufstieg eines Mannes wie Björn Höcke in der deutschen Politik schlichtweg unmöglich. Inzwischen ist das scheinbar Unmögliche möglich geworden. Ein Nationalkonservativer macht Schlagzeilen – und bringt das gewachsene Selbstverständnis einer linksliberal geprägten Gesellschaft gehörig ins Wanken. (Welt 30.10.15)

Die linksliberal geprägte Presse verwechselt sich gern mit der Gesellschaft.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 29.10.2015 um 22.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30380

„Es hat keinen Zweck, seine Kinder erziehen zu wollen – sie machen ja doch alles nach.“ (Erich Kästner)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.10.2015 um 06.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30377

When you run into something interesting, drop everything else and study it. (Skinner)

Sehr guter Rat, an den ich mich leider nicht gehalten habe, weil mich immer zu viele Dinge gleichzeitig interessierten. Als ich mich in die Rechtschreibgeschichte reinhängte und halbtot arbeitete, geschah es nicht aus Interesse, sondern wegen eines zusätzlichen, ganz anderen Motivs.

Aber trotzdem gebe ich den Rat gern weiter.

(Und zum Trost: Education is what survives when what has been learned has been forgotten.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2015 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30360

Kermani hat am Ende seiner vielgelobten Rede gesagt:

Ich glaube an Wünsche und dass sie mit oder ohne Gott in unserer Welt wirken. Ohne Wünsche hätte die Menschheit keinen der Steine auf den anderen gelegt, die sie in Kriegen so leichtfertig zertrümmert.

Und das nicht etwa in ironischem Märchenton, sondern ganz feierlich. Wie bitte? Wünschen soll helfen? Wo ist denn die ganze Aufklärung geblieben, die uns das Gegenteil sagt? Der Rest ist nur ein Wortspiel. Natürlich hätten die Menschen keine Kulturleistungen zustande gebracht, wenn sie sie nicht "gewünscht" hätten. Das ist aber etwas ganz anderes als der Glaube an die Wirksamkeit von Wünschen und Gebeten ("magischen Mands" laut Skinner).

Wer sich als Ungläubiger nötigen läßt, aufzustehen, weil die anderen beten, der tut so, als bete er selbst. Um des lieben Friedens willen macht er den Mitläufer. Was nützt die Aufklärung, wenn die Zivilcourage nicht mitwächst?

Das Ganze war eine Flegelei, rhetorisch verbrämt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.10.2015 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30359

Nichts gegen Maffay, darum ging es mir ja nicht, sondern nur um weitere Belege für die eigenartige Legendenbildung, was den Inhalt des GG betrifft. Die Verfassung ist redensartlich der Inbegriff der "Rechte und Pflichten" des Staatsbürgers geworden. Man kann aber einen Zuwanderer kaum verpflichten, den Bundeskanzler nur auf eine ganz bestimmte Art zu ernennen, die Staatsleistungen an die Kirchen abzulösen usw.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 27.10.2015 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30357

Maffay hat sich sicher juristisch unsauber ausgedrückt, aber was er meint, ist unschwer erkennbar: Er fordert von den Zuwanderern Rechtstreue.
Maffay ist seinerzeit aus Siebenbürgen eingewandert und war froh, im freien Westen zu leben. Wie auch andere, die aus diktatorischen Staaten nach Deutschland gekommen sind, weiß er offenbar die Freiheit ganz anders zu schätzen und weiß er auch, daß sie keine Selbstverständlichkeit ist und immer wieder auf's neue bestätigt und bekräftigt werden muß. Dieses Bewußtsein geht so manchem bio-deutschen Gutmenschen ab.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2015 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30328

Afghanen sollen stärker abgeschoben und an der Einreise gehindert werden. Afghanistan fordert 500 Mill. Dollar für die Rücknahme seiner eigenen Staatsbürger. Neuer Geschäftszweig.

Bis in die 70er Jahre muß Afghanistan ein schönes Land gewesen sein. Ich war nicht selbst dort, aber in Delhi erzählte mir eine Kollegin, daß sie sich als alleinlebende Frau in Kabul freier und sicherer fühle als in jedem anderen muslimischen Land. Sie könne allein auf den Markt gehen, ohne angestarrt und angefaßt zu werden wie in Kairo. (Das konnte sie natürlich auch in Delhi, wegen der bekannten Gleichgültigkeit der Hindus.)
Die Spannungen hatten aber schon begonnen. Unser Umzugsgut wurde neun Monate lang am Khyber-Paß festgehalten, so daß wir in Delhi viel improvisieren mußten. Wie es weiterging, ist ja bekannt; aber wer hätte gedacht, daß wir noch 40 Jahre später mit den Folgen des Konflikts zu kämpfen haben würden, ohne Aussicht auf ein Ende?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2015 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30327

„Alle, die hier Asyl suchen, sollten das Grundgesetz vorgelegt bekommen und mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie es auch gelesen haben. Was wir nicht verkraften werden, sind Parallelgesellschaften.“ (Peter Maffay)

Maffay hat es jedenfalls nicht gelesen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 21.10.2015 um 09.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30292

Gemeint sind die maßgeblichen Politiker, was eine bezeichnende Verwechslung ist (der Staat als Beute).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.10.2015 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30290

Jeder zweite bescheinigt dem Staat Realitätsverlust (nach Allensbach im Auftrag der FAZ 21.10.15)
Die „Welt“ übernimmt es samt Kleinschreibung. Man sieht aber an der Pseudonachricht auch, wie Allensbach und die FAZ ein politisches Thema erfinden, um dann Volkes Stimme dazu einzuholen und damit dann wieder Politik zu machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2015 um 10.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30279

Zu Kermanis Show hat wieder einmal Johan Schloemann die richtigen Worte gefunden:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/oeffentliches-beten-so-geh-in-dein-kaemmerlein-1.2699166

Komisch nur, daß alle ohne Ausnahme über das Stöckchen gesprungen sind, das der Redner ihnen hingehalten hat. Aber Zivilcourage trifft man hierzulande selten. So kann die Clique der Frömmler ungestört weitermachen und »westliche Werte« verteidigen...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2015 um 09.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30278

Vor Jahren hatte ich mir einen netten Zeitungsartikel über das Rübchenschaben heruntergeladen: http://www.swp.de/swp_import/nachrichten/schwaebisch/art659283,212719

Die Sache scheint nicht ganz geklärt zu sein. Ich möchte noch in Erwägung ziehen, daß die Geste eine symbolische Verlängerung des Zeigefingers andeuten könnte, ähnlich der "langen Nase", die man jemandem dreht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.10.2015 um 07.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30271

So war es eine Überraschung, fast ein Schock, aber doch zugleich absolut konsequent von Kermani, das Publikum am Ende zum Gebet aufzufordern, "für Pater Paolo und die zweihundert entführten Christen von Qaryatein". Auch wer nicht religiös sei, solle doch mit seinen Wünschen bei den Entführten sein, und: "Was sind denn Gebete anderes als Wünsche, die an Gott gerichtet sind?" Dann bat er noch im Gestus eines Geistlichen darum, sich zu erheben, "damit wir den Snuffvideos der Terroristen ein Bild unserer Brüderlichkeit entgegenhalten". Spätestens hier mussten viele Zuhörer ihre Tränen verbergen. Es war ein Moment höchster Ergriffenheit, wie ihn der Friedenspreis in seiner jüngeren Geschichte noch nie erlebt haben dürfte. Zugleich ein Moment tiefer Trauer, aber auch der Hoffnung. Navid Kermani hat uns einen Augenblick der Rührung abverlangt, der uns alle in die Pflicht nimmmt.

(...)

Und so erhoben sich die Menschen im Saal, zögernd, erstaunt manche – und schwiegen im stillen Gebet für die Opfer von Gewalt, Krieg und Terror im falschen Namen des Islam.


Bin froh, daß ich nicht dabei war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2015 um 17.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30263

Das ganze Jahr über hört man nichts vom Hochschwarzwald. Erst im Oktober wieder, wenn der erste Schnnee fällt. Dann gibt es auch das bekannte Foto von jener verschneiten Straße im "Hochschwarzwald". Und dann kann auch das "Chaos" bei den völlig überraschten Straßenämtern und vor allem bei der Deutschen Bahn nicht mehr weit sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2015 um 10.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30249

Einige Nachrichtenmedien fordern ihre Leser auf, im Forum ihre "Reaktion" zu einer Meldung kundzutun. Das Wort scheint mir recht bezeichnend. Leserbriefe in Zeitungen enthalten herkömmlicherweise zusätzliche oder auch widersprechende Informationen, ferner Meinungen dazu. Heute geht es darum, "Reaktionen" zu zeigen. Das paßt zu der Mode, seine augenblickliche Befindlichkeit in alle Welt hinauszuposaunen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.10.2015 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30245

Auf einen Bericht aus Indien in der ZEIT folgen Leserbeiträge im Forum, von denen einige ganz gut informiert sind, andere sich in krassen Worten erheben: Wie man von der größten Demokratie der Welt sprechen könne, wo Menschen im Straßendreck verrecken und das Land gleichzeitig Satelliten ins All schießt usw. – eben die bekannten Redensarten. Hegel wird zitiert, der den Indern die Moral abgesprochen habe, und was Indien denn außer der Null für die Menschheit gebracht habe.
Es ist lächerlich, ganze Kulturen vergleichen und auch noch bewerten zu wollen. Das immer wieder genannte Kastenwesen wird auch von vielen Indern als eine Pest angesehen, die Indien schade wie nichts sonst. Die Witwenverbrennung gehört zum Schauderhaftesten, aber wie repräsentativ sind die Fälle? Was geschieht täglich in Europa, das viel weniger Einwohner hat als Indien? Ich war in indischen Familien, für die solche Schrecknisse ebenso fern liegen wie für uns. Indien habe keine Trennung von Staat und Kirche gehabt? Natürlich nicht, weil es keine Kirche gab. Ein Leser gibt mit Recht zu bedenken, daß der Buddhismus die größte Herausforderung der hinduistischen Gesellschaft war. Und die Mogulherrschaft und die britische – war das nun gut oder schlecht? Müßige Fragen, die auch in der Gegenwart nicht weiterführen. Die Diskussion findet in einem Asyl der Unwissenheit statt, und das ist eigentlich das Schlimmste.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.10.2015 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30238

Das Gespräch endete wie es begonnen hatte – kiebig. Auf Schaustens "herzlichen Dank" antwortete Gabriel mit leicht spöttischem Unterton und Blick: "Gerne", kleine Pause, "bitte, Frau Schausten." (n-tv.de)

Das Gespräch endete, wie es begonnen hatte – aufgeheizt. Auf Schaustens "herzlichen Dank" antwortete Gabriel mit leicht spöttischem Unterton und Blick: "Gerne", kleine Pause, "bitte, Frau Schausten." (sueddeutsche.de)

Sehr aufmerksam von der SZ, ihren Lesern das Wort zu übersetzen, das man im Süden tatsächlich nicht kennt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2015 um 09.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30229

Zu: http://www.sprachforschung.org/forum/show_comments.php?topic_id=105#11179

Tür öffnet nach Außen

Ja, und Armut ist ein großer Glanz aus Innen, wie Rilke kitschelte. (Tucholsky war dagegen; Armut sei eine einzige Sauerei.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2015 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30228

Die Wahlwiederholungstaste hat ihre Tücken. Mich rief einmal ein bekannter Sprachwissenschaftler an, und als ich meinen Namen sagte, stutzte er zwei Sekunden und fragte dann: "Was machen Sie bei meiner Tochter?" Ich hoffe seither, daß kein Rest von Mißtrauen gegen mich und gegen seine Tochter zurückgeblieben ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2015 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30209

Über die Rechtschreibreform:

„Linguisten beschränkten sich nicht auf den Austausch wissenschaftlicher Argumente. Sie partizipierten auch wie Theodor Ickler an der öffentlichen Diskussion. Dabei befleißigten sie sich ähnlich kritikwürdiger Strategien. So, wenn die Rechtschreibreform als Produkt einer Verschwörung und Geheimbündelei hinter verschlossenen Türen dargestellt wird, wenngleich ein Linguist wissen sollte, dass es hinreichend Öffentlichkeit gab (von Polenz 1999, 244), die nur medial nicht aufgegriffen wurde. Interessant wurde die Sache medial erst, als sie medial interessant wurde.“ (Hans Jürgen Heringer/Rainer Wimmer: Sprachkritik, Paderborn 2015:186)

In den Literaturangaben steht: „Zu Problemen der Rechtschreibreform kompetent Ickler 1997“ (also mein Schildbürgerbüchlein); ich sollte mich also vielleicht nicht angesprochen fühlen.

Man muß nicht darüber streiten, was „hinreichend Öffentlichkeit“ bedeutet. Jedenfalls legten die Reformer in der letzten Phase ihrer Arbeit (durch die Erfahrungen mit der vorletzten gewitzigt) Wert darauf, daß nicht zu viel an die Öffentlichkeit drang. Das habe ich auch mit Zitaten belegt, z. B.: „Der Verzicht auf jegliche in­haltliche Information war nach den bisherigen Er­fahrungen sicher richtig.“ (Augst-Schülerin H. Strunk)

(Ich finde übrigens partizipierten nicht ganz passend; ich habe mich damals an der Diskussion beteiligt.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2015 um 11.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30208

Ja, die Vermutung mit der Straßenverkehrsordnung haben wir auch schon diskutiert, zumal sie jetzt gegendert ist und damit die interkulturelle Kompetenz besonders herausfordert.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.10.2015 um 09.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30206

Oder vielleicht an das Gesetz über Ordnungswidrigkeiten und die Straßenverkehrsordnung?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2015 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30204

„Da müssen wir die im Grundgesetz verankerten Regeln des Zusammenlebens in unserem Land durchsetzen.“ (Kardinal Marx)
„Unterdessen unterstrich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, dass die im Grundgesetz verankerten Regeln des Zusammenlebens unter den Flüchtlingen durchgesetzt werden müssen.“
„CDU-Politiker Franz Josef Jung argumentierte: ‚Wer gewalttätig wird und die Grundrechte nicht anerkennt, muss die ganze Härte des Rechtsstaats zu spüren bekommen.‘“

Die Herren denken offenbar ans Strafgesetzbuch.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 04.10.2015 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30187

Beispiel zu #30129: Mu-uß aus dem Tal ich scha-eiden
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.10.2015 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30176

Der 9. November kam nicht in Frage. Man hätte den 27. Mai nehmen können (Hambacher Fest, besseres Wetter).
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 03.10.2015 um 09.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30175

Immerhin hat der Innenminister lt. faz.net inzwischen erkannt, daß 30 oder mehr Prozent der "Flüchtlinge" sich als Syrer ausgeben, obwohl sie gar keine sind.
Das ist doch schon mal was!
Hier in Griechenland fällt die im Straßenbild gegenüber früher in deutlich geringerer Zahl zu sehenden Albaner auf.
Fragt man nach dem Grund, antworten selbst seßhaft gewordene integrierte Albaner mit gewisser Bitterkeit: die (Landsleute) sind in Deutschland, da gibt es Geld.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2015 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30174

Meinen alljährlichen Ärger über das Datum des Nationalfeiertags hat mir bisher keiner ausreden können. Der 17. Juni hätte es bleiben, der 9. November hätte es werden können. Der 3. Oktober dient der Selbstfeier der professionellen Politiker, das Datum muß in der Schule gelernt und dann ständig erklärt werden, weil niemand damit etwas Anschauliches verbinden kann. Auch eine Art Enteignungsunrecht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2015 um 12.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30170

"Innenminister beklagt Undankbarkeit vieler Flüchtlinge"

Selbst wenn er das nicht wörtlich so gesagt hat, wäre es Unsinn, weil ein Minister sich nicht um die Dankbarkeit der Menschen, sondern um die Einhaltung des Rechts zu kümmern hat.

Einige Stunden später: Eine grüne Sozialsenatorin hält dagegen, es gebe viel Dankbarkeit unter den Flüchtlingen, und nun streitet man, ob die Flüchtlinge dankbar sind oder nicht. Das kommt davon.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 02.10.2015 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30169

Heute soll man sich alles ''sichern''!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.10.2015 um 03.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30167

Zum Tag der deutschen Einheit steckt im Briefkasten eine Sonderausgabe der BILD: Happy Birthday Deutschland. Gemeint ist natürlich Germany. Die Gratis-Ausgabe erscheint mit 25 verschiedenen Titelbildern, auf meiner ist eine knorrige Eiche. Auch alle anderen zeigen ein völlig entindustrialisiertes Deutschland, am ehesten erinnert noch ein (stillgelegter) Förderturm an frühere Zeiten, als es sogar noch Autos gegeben haben soll. Sonst nur Hallig Hooge, Neuschwanstein usw. Deutschland zum Träumen, Deutschland zum Verlieben schön. Und viel Platz für alle.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.10.2015 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30160

Um an unsere Adressen zu kommen, tun die Zeitungen so, als wollten sie uns an einer Meinungsumfrage beteiligen. Die ZEIT zum Beispiel:

Glauben Sie, dass die Zuwanderung unser Land überfordern wird?

Nehmen Sie Stellung, und sichern Sie sich Ihr Dankeschön-Paket!

Ja                Nein


Man ahnt schon wegen der Fragestellung mit ihren unklaren Begriffen, daß die Antworten niemanden interessieren. Unter den Dankeschön-Paketen finden sich aber meistens ganz nützliche Dinge, z. B. Armbanduhren (ich habe noch nie eine gekaufte getragen).
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 30.09.2015 um 18.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30156

Gabriel merkt offenbar schon gar nicht mehr, daß er Asylrecht und Zuwanderung vermischt. Ist das noch politisches Kalkül, oder sieht er den Unterschied tatsächlich nicht mehr?
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 30.09.2015 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30148

Die Übersetzungsidee stammt eigentlich vom Zentralrat der Muslime.

https://www.tagesschau.de/inland/fluechtlingskrise-101.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2015 um 05.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30144

Sigmar Gabriel will die ersten 20 Artikel des Grundgesetzes auf arabisch übersetzen und in Aufnahmelagern verteilen lassen (allerdings vorerst nur in 10.000 Exemplaren, die gerade mal für ein bis zwei Tage reichen).
Die CDU fordert:

Ohne klares Bekenntnis zum Grundgesetz sollen Flüchtlinge nach dem Willen von Schleswig-Holsteins CDU-Fraktion kein Bleiberecht in Deutschland erhalten. "Wer sich hier nicht integrieren will, für den wollen wir auch kein Geld ausgeben", sagte CDU-Fraktionschef Daniel Günther am Dienstag. In einem Landtagantrag fordert seine Frakion die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene für ein solches Bekenntnis als Voraussetzung für die Bearbeitung eines Asylantrages auf.
"Wer hierher kommt, muss sich verbindlich an das Grundgesetz halten und sich dazu bekennen", sagte Günther. Wenn nötig, müsse die Verfassung geändert werden. Klar sei, dass sich die "Flüchtlinge der Gesellschaft anpassen müssen". Wie genau ein solches Bekenntnis aussehen soll, ob schriftlich oder mündlich, ließ Günther allerdings offen.


Wieder frage ich mich, ob die Herren wissen, was drinsteht. Gerade die Grundrechte sind Abwehrrechte gegen den Staat, und es ist nicht klar, zu welchem Verhalten sich die Zuwanderer bekennen sollen. In Art. 1 steht ja klar und deutlich:

Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Das betrifft uns und die Zuwanderer doch gar nicht. Zu meinen Rechten kann ich mich leichten Herzens bekennen...
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 29.09.2015 um 19.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30141

Wenn man sich die Graphik dort ansieht, könnte man meinen, in München und Wien würde die gleiche Mundart gesprochen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 29.09.2015 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30140

Ich möchte auch auf den Wikipedia-Artikel "Bairische Dialekte" aufmersam machen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.09.2015 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30134

Herr Chmela hat das Wesentliche schon gesagt, es ist auch von allgemeinerem methodischen Interesse: Bevor man nach einer Entlehnungsquelle sucht, sollte man sich das Lautsystem des betreffenden Dialekts im Ganzen ansehen.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 28.09.2015 um 18.50 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30132

"Was mich immer wieder rätseln läßt, ist die Frage, ob das oberpfälzer "ou" mit dem tschechischen "ou" verwandt ist."

Wohl kaum. Die meisten "ou" im Nordbairischen sind sog. "gestürzte Diphthonge" und entsprechen dem Diphthong "ua" im Mittel- und Südbairischen. Sie haben also die gleiche Entwicklung aus entsprechenden Vorläuferformen im Mittelhochdeutschen durchlaufen.
Manche "ou" im Oberpfälzischen (früher übrigens auch im Egerländischen) stehen andererseits genau dort, wo sie im Mittelbairischen auch stehen (z.B. in grouß, Noud).
Die gestürzten Diphthonge sind ein typisches Merkmal des Nordbairischen:
mbair. Bua, Kuah, wia => nbair. Bou, Kouh, wej.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2015 um 12.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30130

Zu Herrn Ludwig: Vielleicht habe ich es schon mal erzählt. Aus anekdotischen Berichten glaube ich mich zu erinnern, daß der berühmte amerikanische Phonetiker George L. Trager darauf bestand, daß die deutschen Langvokale diphthongisch gesprochen würden. Das Wort Träger glaubte er als /trejger/ zu hören...
 
 

Kommentar von H, verfaßt am 28.09.2015 um 12.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30129

Zu #30123: Nur "in bairischen Liedern"? Wird nicht die Tautosyllabik teilweise aufgegeben, wenn Diphthonge mit mehr als einer Note gesungen werden?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.09.2015 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30128

Was mich immer wieder rätseln läßt, ist die Frage, ob das oberpfälzer "ou" mit dem tschechischen "ou" verwandt ist. Slawen siedelten im frühen Mittelalter nach der germanischen Völkerwanderung bis Bamberg, Regensburg und Passau.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.09.2015 um 12.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30127

"Ihre Aussage „Das ‚hour‘, das dahinter steht, ist ja einsilbig“ überrascht mich etwas". (#30115) - Was immer die "gewöhnliche Aussprache" von "hour" ist, ob es einsilbig oder zweisilbig gesprochen wird, hängt vom individuellen Sprecher ab, nicht von einer beruhigenden Beschreibung, die dann doch irgendwie präskriptiv verstanden werden kann. Wenn ich lese "Die Krähen schrein. Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: Bald wird es schnein", dann hat der Autor wirklich einen Rest von [schraijjen/schnaijjen] weder im Sprachklang noch im Sinn. Wäre "hour" zweisilbig, müßte ich, da's ja auf "hora" zurückgeht, sprachgeschichtlich einen Sproßvokal annehmen oder eine Metathese; aber das tue ich nicht. Denn ich bin übrigens einer, der die amerikanische Aussprache des Englischen und damit auch das *inverted r* durchaus akzeptiert (was bleibt mir denn andres übrig?); und wenn "es mir manchmal schwer fällt, gewisse" Amerikaner zu verstehen, bestimmte Südstaatler nämlich, dann ist das eigentlich nicht deren Schuld, sondern doch - ja wessen eigentlich, wenn ich wen aus Neuseeland leichter verstehe als die? (Als Linguist weiß ich übrigens, daß in einigen Dialekten da im Hinterland das unaussprechliche N-Wort sich mit der lokalen Aussprache von *degrow reimen würde, wenn es letzteres Wort gäbe. Aber *regrow* gibt es, und die Leute da sprechen es "rigger" aus. Na sowas.)
Etwas etwas Hergeholtes zu den bairischen Diphthongen auf norddeutscher Zunge (#30121): Wenn ich amerikanische Studenten die Aussprache des deutschen [e:] lehrte, kam bei denen immer [ei] heraus. Indische Studenten, die von zu Hause aus englisch *table* mit richtigem langem "e", also [te:bl], aussprechen, haben dagegen mit unserm langen "e" keine Schwierigkeiten. Wenn wir unser langes "e" so lange aussprechen, bis uns der Atem ausgeht, bleibt's schließlich auch nicht ganz beim reinen "e", sondern es wird am Ende der Schwa-Laut hörbar. Man hört ihn kaum, dennoch bestimmt er für Angelsachsen die Vokalqualität des [e:] deutlich mit, meinte ich. Ein paar meiner Studenten fanden das dann auch ganz interessant... Aber das "au" in unserm "Haus" ist schon anders als das in engl. "house", das mußten alle verstehen; denn ein Kohlhaus ist eben kein Kohlhaas. Obwohl man da auch nicht zu pingelig sein sollte; Verwechslungen sind wegen des Zusammenhangs ja kaum möglich, und den reinen Standard muß ein Ausländer ja eigentlich nur sprechen können, wenn er Schauspieler oder Spion werden will.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2015 um 11.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30124

Dazu paßt dies:

https://www.hueber.de/seite/huawahoasi_daf
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 28.09.2015 um 10.40 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30123

Lustigerweise wird dieser tautosyllabische Charakter in bairischen Liedern manchmal in voller Absicht und mit übertrieber Betonung zerstört, um das Groteske einer Situation hervorzuheben.
...und ea trogd a lange Lo-a-ta,
de ma kàm daschleppd zu zwo-a-ta..

(Aus einem Spottlied auf einen, der beim Kammerfensterln in die Odelgrube gefallen ist.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2015 um 10.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30122

Diphthonge sind "tautosyllabisch" per Definition. Das Experimentum crucis, ob überhaupt ein Diphthong vorliegt, ist der Vers. Hier also Mundartgedichte.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 28.09.2015 um 09.53 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30121

"Stehen die sog. bairischen Diphthonge in einer Silbe oder nicht?"

Sie stehen immer in einer Silbe. Nach meinem Gefühl bilden die "beiden" Vokale in den bairischen Diphthongen noch deutlicher als im Schriftdeutschen eine Einheit.
Sehr gut merkt man das unter anderem, wenn jemand, der die Sprache nicht beherrscht, versucht, bairisch zu sprechen. Vor allem für Menschen eher norddeutscher Zunge sind die bairischen Diphthonge die gefährlichsten Stolpersteine überhaupt. Diese Menschen neigen meist dazu, die (scheinbar) zwei Vokale deutlich getrennt zu sprechen, gewissermaßen stakkato. Das Wort für "breit" z. B. klingt dann etwa so: bro-ad. Im Bairischen spricht man nur den ersten Vokal deutlich, ggf. auch betont, der zweite wird nahtlos und fast nur gehaucht darangehängt: broad. Man hört das a kaum, dennoch bestimmt es die Vokalqualität des Diphthongs deutlich mit.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 27.09.2015 um 22.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30115

Ihre Aussage „Das ‚hour‘, das dahinter steht, ist ja einsilbig“ überrascht mich etwas. Die gewöhnliche Aussprache von hour ist doch genauso zweisilbig wie die von flower oder flour.

Die BBC ist ja auch nicht mehr das, was sie mal war. Ihren Schwenk vom albernen „Oxford English“ zu einem „Standard Englisch“ habe ich seinerzeit sehr begrüßt. Inzwischen hört man dort aber alle möglichen regionalen Akzente. Das geht so weit, daß es mir manchmal schwer fällt, gewisse Sendungen zu verstehen.

#29961: "Diphthonge stehen im Gegensatz zu zwei aufeinanderfolgenden Vokalen in derselben Silbe, nicht wahr?"

Bei Wörtern wie Schrei oder Schrein ist das trivialerweise richtig. Bei schreien [schraijjen] gehört das zweite Element des Diphtongs allerdings zu beiden Silben.

Meine Frage ändere ich jedenfalls wie folgt:
Stehen die sog. bairischen Diphthonge in einer Silbe oder nicht?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.09.2015 um 06.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30100

Noch einmal zurück zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29906:

In der Karikatur der FAS "Am Rande der Gesellschaft" antwortet jemand auf eine wiederholte Bitte mit Na-hein - genau so, wie ich es protokolliert hatte. Die Terz abwärts muß man sich hinzudenken.

Übrigens war diese treffliche Spalte früher witziger betitelt, denn das ganze Buch der FAS hieß Geselllschaft, und die Karikaturleiste zog sich tatsächlich am rechten Rand herunter. Jetzt heißt es dummerweise Leben, so daß dies kleine Pointe verlorengegangen ist. Was für kluge Köpfe, die auch das Gelungene immer wieder mal relaunchen müssen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2015 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30085

Merkel hat gesagt, auch mit Assad müsse man reden. Damit scheint sie etwas Unanständiges getan zu haben, denn alle fallen über sie her. Dabei hat am Ende noch immer jeder mit jedem geredet, das kann sich buchstäblich über Nacht ergeben. Erst wirft man Bomben, dann redet man (wieder) miteinander. (Chinesisches Sprichwort)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2015 um 04.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30083

Die von "Flüchtlingsräten" organisierten Hungerstreiks abgewiesener Asylbewerber erkennt man an den Plakaten "Kein Mensch ist illegal". Der sophistische Syllogismus geht so: "Menschen sind nicht illegal. Flüchtlinge sind Menschen. Also sind Flüchtlinge nicht illegal." Oder mit dem anderen frechen Slogan: "Wir bleiben alle." Das hebelt natürlich den ganzen Rechtsstaat aus, und die Wohlfahrtsverbände distanzieren sich von solchen nun wirklich "selbsternannten" Flüchtlingsräten. Nur die Medien berichten erstaunlich wohlwollend und unkritisch darüber und sind wohl auch für die Dramatisierung dankbar. Die stille Arbeit der Verbände und Hunderttausender von Helfern ist weniger fotogen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2015 um 11.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30055

Recht interessant: Im Koreanischen sind 70 Prozent des Wortschatzes aus dem Chinesischen entlehnt. Das nutzt dem Lerner aber nicht im geringsten (wie ich aus leidvoller Erfahrung bestätigen kann), und der Bau der beiden Sprachen bleibt auf allen Ebenen grundverschieden.
Scheinbarer Widerspruch zwischen der leichten Austauschbarkeit der Wörter und der grundlegenden Bedeutung des Wortschatzes für die Verständigung. Und eine Warnung an die Puristen: Die Koreaner fühlen sich, soweit ich weiß, nicht (mehr) überfremdet.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 24.09.2015 um 10.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30051

Hier würde man wohl von einem h-glide sprechen. (Zu Shakespeares Zeit reimte sich hour noch mit whore.)
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 24.09.2015 um 09.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30050

#29916: "*Bauer* spricht sich ja wie *power* aus."
#29959: "So ist die Aussprache von *flower* und *flour* identisch."
#29961: "Diphthonge stehen im Gegensatz zu zwei aufeinanderfolgenden Vokalen in derselben Silbe, nicht wahr?"
Gibt's Diphthonge auch mit zwei gleichen Vokalen? Wenn ich hier am Autoradio vom bbc die "Newshour" höre, dann höre ich das so: [nju:z a:a], nichts mit Schwa oder irgendwelchem Mittelvokal am Ende. Das "hour", das dahinter steht, ist ja einsilbig, also muß [a:a] auch einsilbig sein. Mir geht's hier also nicht um irgendwelche *RP* (*Received Pronunciation*) oder *Regular English Pronunciation*, sondern um das, was ich höre. Aber vielleicht hört eine Maschine besser als ich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2015 um 07.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30048

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29850

Im gleichen Sinn wie ich kritisiert heute der Hamburger Notar Arnold Sieveking in einem Leserbrief die Ausführungen Meyers. Es sei nicht so, wie Meyer suggeriere, daß der demokratische Rechtsstaat keiner Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat bedürfe, sondern gerade umgekehrt: wegen dieser Abwehrrechte ist der Staat ein freiheitlicher Rechtsstaat.

Über Meyers Naivität in Verbindung mit größter Selbstgewißheit kann man wieder mal nur den Kopf schütteln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2015 um 16.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30033

Nachtrag zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29719

Das Porträt Peter Hartmanns ist inzwischen gegen das von Robert de Beaugrande ausgetauscht worden. Vielleicht hat jemand etwas bemerkt oder hier mitgelesen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2015 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30030

Ein verletzter und schon halbtoter alter Eisbär auf seiner Eisscholle bewegt Hunderttausende von Leuten zum Anklicken und Aufrufen, wg. Klimawandel usw.
Ein rührseliger Naturfilm vor einigen Jahren hat auch viel Verwirrung angerichtet, weil er suggerierte, das Aussterben einer Art bestehe im Sterben der einzelnen Tiere. Kleine Mädchen starten einen Plakataktion zur Rettung der Eisbären. Aus gegebenem Anlaß erinnern einige vernünftige Leute daran, daß bisher noch alle Eisbären gestorben sind. Und zwar verhungern sie, wenn sie zu alt zum Jagen sind. Im Zoo kommt es nicht so weit, daher der falsche Eindruck, sie müßten eigentlich gar nicht sterben, wenn der Klimawandel nicht an den Eisschollen nagte. Aber die Bären brauchen gar keine Eisschollen, nur Seehunde (die armen Seehunde!). Die Seehunde brauchen Fische. Übrigens hat die Zahl der Eisbären sich vervierfacht, seit sie nicht mehr bejagt werden. In Norwegen gibt es 3000, eine richtige Plage.
Aber die davontreibende Scholle mit dem todgeweihten Eisbären drauf wird ihre durchschlagende Wirkung nicht so bald verlieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2015 um 03.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30022

Anläßlich von Gregor Schöllgens Schröder-Biographie:

„ZAG kapitalisiert Geschichte.“ (Website des Zentrums für Angewandte Geschichte)

Wörterbuch zu kapitalisieren: „in eine Geldsumme umwandeln, zu Geld machen“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.09.2015 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30019

In Erlangen ist etwas Schreckliches passiert. Ein Mann hat eine Frau zu Boden gerissen; sie konnte sich nur retten, indem sie weglief.
Das kann man sich nicht vorstellen, deshalb ist der Meldung ein "Symbolfoto" beigefügt, auf dem zwei Hände einer Frau in die Haare und an den Kragen fassen. So hätte der Besitzer der Hände die Frau ohne weiteres zu Boden reißen können. Stattdessen haben beide nach dem Fototermin zusammen ein Bier getrunken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2015 um 09.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#30005

Eine mir sehr gut bekannte Frau scheint nahe am Wasser gebaut zu haben. In der Wirklichkeit steht sie alles mögliche durch und packt zu, wo sie kann. Wenn sie aber davon erzählt oder auch nur eine irgendwie menschliche, nicht unbedingt traurige Geschichte hört, kommen ihr die Tränen.

Der harte Hund Richard Dawkins bekennt, daß er leicht weinen muß, wenn er schöne Gedichte liest usw. (Es gibt auch ein schönes Buch mit Gedichten that make men cry, mit Bekenntnissen prominenter Zeitgenossen zu ihren Lieblingsgedichten.)

Früher konnte ich mit meinen Kindern durch den nächtlichen Wald wandern (z. B. um Glühwürmchen zu beobachten), aber wenn ich sie abends im Bett aufforderte, sich den Weg und den Wald noch einmal vorzustellen, wollten sie nichts davon hören und gerieten geradezu in Panik.

Ich bin schon manchen Klettersteig in den Alpen gegangen, aber wenn ich mir dasselbe im Bett vorstelle, kriege ich Zustände und kann nicht einschlafen. Im Bett bin ich nicht mehr schwindelfrei.

Ein älterer Herr, der (z. B. im Dritten Reich) alles Undenkliche durchgemacht hatte, konnte kein Blut sehen und reagiert heftig, wenn er eine Spritze bekommen sollte. Dabei dürfte die Vorstellung sich mit der Wirklichkeit überlappt und die Oberhand gewonnen haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.09.2015 um 12.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29992

Beim Austausch von Erinnerungen fiel mir wieder ein, daß eine Dame in der Nachkriegszeit einen Pelzmantel haben mußte, und besonders erstrebenswert waren jene schwarzgekräuselten "Persianer", die man schon lange nicht mehr zu sehen bekommt. Sie rochen stark nach Naphthalin. Das Allerfeinste war "Persianer Klaue", und ich erwähne das hier, weil es meinem kindlichen Kopf ein Rätsel aufgab, das ich aber nie zu lösen versuchte. Und das ist wiederum sehr bezeichnend für Kinder, daß sie zwar alle möglichen Fragen stellen, aber mit ihren sprachlichen und volksetymologischen Spekulationen meistens nicht herausrücken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.09.2015 um 09.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29980

Forscher finden massenweise Zucker im Fruchtjoghurt. (18.9.15)

Habe ich auch schon gefunden, mit der Lupe. (Ist doch auf jedem Becher deklariert.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.09.2015 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29968

Hätte ich eine italienische Freundin namens Laura, würde sie ihren Namen nicht nur dreisilbig sprechen, sondern ihn auch aus meinem Mund so hören.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 17.09.2015 um 15.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29967

Bilabiales w: Wenn überhaupt, wird es im Deutschen eben nur in au gesprochen. So ein Speziallaut ist natürlich möglich, macht mich aber doch mißtrauisch. Man könnte auf das "konsonantische ü" im Französischen verweisen, das, wenn ich es richtig überblicke, nur in der Folge hui- vorkommt (huile, huis, huit, huitreund einige weitere). Aber ist das vergleichbar? (vgl. auch deutsches Vieh, wie, englisches fee, we, wee, französisches oui und streng zu unterscheidendes huis.)
Zum Unterschied zwischen Diphthong und zwei Vokalen: Der Name Raùl wird im Spanischen anders als bei uns mit zwei deutlich getrennten Vokalen gesprochen. Jorge Luis Borges erwähnt in einer seiner Erzählungen, daß in einer bestimmten entlegenen Gegend Argentiniens der gaucho noch richtig ga-ucho gesprochen werde. Erwähnenswert vielleicht auch in diesem Zusammenhang die "Steinveilchen", von dem man oft hört, etwa bei Sendungen über "Elektromobilität", also "Lithiumjonen". Es geht aber um Teilchen, nicht um Veilchen, also nicht um "Jonen" (= Veilchen), sondern um "Ionen" (= "Wanderer").

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.09.2015 um 05.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29961

Das Alphabet kann man beiseite lassen, es geht ja um Phonetik. Bei der Sonantentheorie geht es aber nicht nur um die Sprachgeschichte, vgl. das erste Kapitel in Schmidts Kritik, besonders S. 7ff. über die Lautphysiologie, dort auch (mit anderen Worten) die Sache mit dem Glissando. (https://archive.org/stream/kritikdersonante00schmuoft#page/8/mode/2up)

(Ganz am Ende seines Buches wird Schmidt richtig satirisch, gegen Brugmann, Saussure usw., und führt theoretisch geforderte, praktisch aber ziemlich monströse Lautfolgen vor. Ähnliche Einwände kann man heute noch gegen die Laryngaltheorie vorbringen.)

Diphthonge stehen im Gegensatz zu zwei aufeinanderfolgenden Vokalen in derselben Silbe, nicht wahr?
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 16.09.2015 um 23.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29959

Es ist natürlich richtig, daß das Abc, das man in deutschen Schulen lernt, kein bilabiales w enthält. Das ändert aber nichts daran, daß es im Deutschen gesprochen wird. Auch im französischen Alphabet gibt es kein bilab. w, dennoch wird es häufig gesprochen, etwa in oui [wi], bois [bwa], oiseau [wazo] (phonetische Umschriften nach „Le Petit Robert“).

Umgekehrt wird im Englischen das bilab. w häufig dort nicht geschrieben, wo es gesprochen wird. So ist die Aussprache von flower und flour identisch.

Was unterscheidet eigentlich Diphthonge von zwei aufeinanderfolgenden Vokalen? Ich weiß nichts über das Bairische, aber steht unzweifelhaft fest, daß es sich bei den zahlreichen bairischen „Diphthongen“ wirklich um solche handelt?

Ich sehe nicht recht, was die „Sonantentheorie“ mit unserer Diskussion hier zu tun hat. Bei dieser Theorie handelt es sich doch um eine Hypothese, die gewisse historische phonetische Entwicklungen erklären sollte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2015 um 06.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29952

Wieder liest man, daß ein Kind in einem Pool ertrunken ist, ohne daß jemand etwas bemerkte. Da wir einen solchen Fall in der Verwandtschaft hatten, möchte ich nachdrücklich auf die Gefahr hinweisen, die außerdem mit der Sprache zusammenhängt. Denn es ist ein reflexartiger Stimmritzenverschluß, der den stillen Tod verursacht. Logopäden lernen das, vgl. dazu auch diesen eindringlichen Artikel:

http://www.n-tv.de/wissen/Kinder-ertrinken-ganz-still-article15312421.html

Wer sein Geschwister oder sein Kind tot im Gartenteich treiben sieht, wird den Anblick sein Leben lang nicht los. Also paßt bloß auf!
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 15.09.2015 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29948

Ich möchte nur (sicher sehr dilettantisch) darauf hinweisen, daß das bairische oa immer dort gesprochen wird, wo bereits im Mittelhochdeutschen ein ei vorhanden war. Es ist das sog. "alte ei". Im Falle eines langen i im Mittelhochdeutschen erscheint heute im Bairischen ein ei.
Beispiel: Soatn, die Saite (Gitarre usw.); dagegen Seitn, die Seite (Buch).
Vielleicht läßt sich über den Übergang ei => oa eine konsonantische Herkunft des zweiten Vokals herleiten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2015 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29947

Die Diskussion zu diesem Thema war im 19. Jahrhundert heftig im Gange, als man die Verbindungen ei, eu, er, el, em, en usw. auf eine Stufe stellte und dann die Tiefstufe als Übrigbleiben des "halbvokalischen" (oder gleichbedeutend "halbkonsonantischen") zweiten Bestandteils erklärte. Sogar ahd. ia, frz. oi (oa) usw. sollten ein "konsonantisches" a enthalten.

Der kritische Klassiker dazu ist Johannes Schmidt: Kritik der Sonantentheorie (1895), heute auch im Internet erreichbar und schon wegen der Materialfülle lesenswert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2015 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29946

Solche Gedanken (wie Herr Strowitzki) hatte ich mir zum Teil auch gemacht und auch an die Diphthonge vor der neuhochdeutschen Monophthongierung gedacht (lieb, guot).
Als Vokale stehen i und u in den indischen Alphabeten hinter a, auch in den Shiva-Sutren, die der Grammatik des Panini vorangestellt sind. Dann folgen die "Diphthonge" bzw. ehemaligen Diphthonge, denn e und o waren für die Inder aus systematischen Gründen, die Herr Strowitzki andeutet, leicht als ehemals kurzes ai und au zu identifizieren.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.09.2015 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29945

Das gilt für die vom Latein beeinflußten Sprachen. Für das Alt- und Neugriechische und die slawischen Sprachen gilt es nicht, mit einer Ausnahme: Im Slowakischen und Ukrainischen wird der Buchstabe für [v] nach Vokalen als [u] gesprochen: avto [auto]. Im Neugriechischen und den slawischen Sprachen gibt es unterschiedliche Buchstaben für das harte und das weiche [i].
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 15.09.2015 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29944

i/j und u/v (bilabial) sind gewiß Halbvokale. Darum sind sie im indischen Alphabet auch in einer besonderen Gruppe ziemlich am Ende eingereiht (während die Lateinschrift bekanntlich lange überhaupt nicht unterschied). Zwischen naus und navis ist nur ein winziger Unterschied (wenn man es richtig lateinisch ausspricht). Im Grunde verhalten sich auch bous und bovis genauso zueinander. Im Sanskrit wechseln ja auch besonders systematisch vokalische und konsonantische Realisierung (bhu ~ bhavati usw.)
Aber wenn der Diphthong nicht auf diese Laute endet, wird die konsonantische Lesart schon schwieriger, vor allem bei den "steigenden" Diphthongen. Französisches bois, oui, huit mag man als Konsonant-Vokal-Folge lesen, aber bairisches ua? Vollends bei ea, oa. Wie will man da ein konsonantisches Element lesen? Auffällig auch, daß bilabiales, also halbvokalisches w in der deutschen Sprache sonst ja gar nicht vorkommt. (Unser w ist ein labiodentaler Reibelaut, die stimmhafte Entsprechung zum f.)
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 13.09.2015 um 21.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29929

Lieber Germanist,

zum dtv-Atlas: Es fällt allgemein auf, daß verschiedentlich versucht wird, im Zusammenhang mit Österreich und Österreichischem die Begriffe "bairisch" und "bayrisch" möglichst zu vermeiden oder zumindest zu relativieren. Daß die Bayerische Landesausstellung vor einigen Jahren, die z.T. auch im oberösterreichischen Mattighofen stattfand, den Titel trug "Als Österreich noch bei Bayern war", das wurde von vielen Österreichern sehr lautstark kritisiert, obwohl historisch daran nichts auszusetzen war.

Zu Merkles Definition das Bairischen: Er hat - verständlicherweise - für bayrische (mit y) Leser geschrieben. Ich meine, die Ausweitung seiner Grammatik auf das gesamte bairische Sprachgebiet lag ihm wohl nicht am Herzen. Er vernachlässigt ja sogar das Nordbairische (na ja, zumindest ein bißchen). Außerdem, das ist mein Eindruck, ist sein Bairisch vor allem das Bairisch Münchens vor 40 Jahren (die Grammatik erschien 1975). Manches, was er gar nicht erwähnt, sprechen wir heute hier auf dem Land noch so, wie es mancherorts als veraltet oder gar ausgestorben bezeichnet wird.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.09.2015 um 20.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29928

Ich danke Herrn Chmela für die Richtigstellung. Ich wurde irregeführt durch die Karte "deutsche Mundarten" im dtv-Atlas zur deutschen Sprache, auf welcher nicht von West- und Ost-Mittelbairisch, sondern von Bairisch-Österreichisch die Rede ist. Auch der Satz in Merkles Grammatik "Bairisch wird in Ober- und Niederbayern und in der Oberpfalz gesprochen" ist irreführend.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 13.09.2015 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29927

Darf ich bitte klarstellen:

Was Germanist als Österreichisch bezeichnet, ist Ostmittelbairisch. In Tirol (auch Österreichisch, in diesem Fall aber Südbairisch) finden wir die Monophthongisierung nicht.
In Österreich gehört der ganze Dialekt-Sprachraum zum Bairischen, mit Ausnahme von Vorarlberg. Im bayernnahen Tirol wird ein Dialekt gesprochen, den man als "Südmittelbairisch" bezeichnen könnte.
In Salzburg und im größten Teil Oberösterreichs spricht man Westmittelbairisch wie in Altbayern.

Worüber ich mich hier manchmal auslasse, das ist Westmittelbairisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.09.2015 um 17.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29926

Herr Achenbach bezieht sich auf ein weithin vertretene Theorie, die ich mangels Kompetenz nicht ausführlich diskutieren kann. Im Grunde macht es für das "Glissando" keinen Unterschied. Wenn das Ei phonetisch als Verbindung von /a/ und /j/ zu verstehen wäre, bedürfte man trotzdem eines gleitenden Übergangs, den man dann als Koartikulation deuten kann oder wie auch immer. Natürlich scheint es mir, ein Glissando von /a/ bis /e/ anzunehmen. Und ich glaube gerade nicht, daß diese Deutung von der Schreibweise suggeriert wird.
Das geschlossene e bzw. o als Endpunkt von ei und au wäre nach der besagten Theorie der Konsonant oder Halbvokal. Warum sollte man das so sehen? Aber ich lasse mich gern belehren.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.09.2015 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29924

Im österreichischen Original heißt das Lied: "I wi ham nach Fürstenföld." Auf Bairisch würde es heißen: "I wui hoam nach Fiastenfäid." Der Unterschied sind die Monophthonge bzw. Diphthonge.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.09.2015 um 16.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29923

Es gibt allerdings kein »Österreichisch«.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.09.2015 um 15.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29922

Laut Ludwig Merkles Bairischer Grammatik S. 13 hat das Bairische elf Diphthonge:
äi, ai, au, ea, ei, ia, oa, oi, ou, ua, ui. Dort sind auch Beispiele.

Außerdem gibt es Monophthongierungen: au und äu zu a oder aa; diese Erscheinung ist aber typisch österreichisch. Das ist sogar ein wesentlicher Unterschied zwischen Bairisch und Österreichisch.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 13.09.2015 um 13.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29921

Sie haben völlig recht, lieber Herr Chmela. Auch das Gehör ist phonemisch, bei manchen mehr trotz allen lieben Willens, bei manchen weniger. Zu "ein Fortiskonsonant am Wortende kommt im Bairischen äußerst selten vor": Das hatte ich mir beinahe in meiner Nacht hier schon gedacht, auch das mit dem "isch/is". Inzwischen ist das mit dem damaligen Töchterchen eben auch mehr als ein Vierteljahrhundert her. Was dieser großartige Bua damals vor der Michaelskirche sonnenbeschienen phonetisch ausgerufen hat, weiß ich deshalb nicht mehr so; was er mir aber phonemisch mitgeteilt hat, ist mir heute noch ganz klar im Sinn.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 13.09.2015 um 13.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29920

Nachtrag. Ich habe doch noch einen Diphthong übersehen, noch dazu einen recht wichtigen: ea.
Kommt vor allem als Sekundärumlaut zu oa vor:
kloa, kleana (klein, kleiner)
broad, breada (breit, breiter)
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 13.09.2015 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29919

Lieber Herr Ludwig, Sie erlauben, daß ich Ihr Bairisch etwas verbessere.
Es heißt: Bua - ein Fortiskonsonant am Wortende kommt im Bairischen äußerst selten vor.
is - mit langem i, ein -sch wäre allemannisch.
liab - siehe oben!

Was die Diphthonge angeht, wir haben neun (wenn ich richtig gezählt habe): ai/ei, au, ej/äi, eu/oi, ia, oa, ou, ua, ui.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 13.09.2015 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29918

"*Bauer* spricht sich ja wie *power* aus." Aufpassen und dem BBC bei der internationalen [nu:z a:] genau zuhören. Und nie vergessen: Auch die phonetische Umschrift schreibt letztlich nur phonemisch. Und wir haben im Deutschen mehr Diphthonge als die in den Schulgrammatiken anerkannten. Wenn da ein bayrischer Buap an einem sonnigen Sonntagmorgen angesichts meiner kleinen Tochter in ihrem Dirndl und mit einem weißen japanischen Tuchhütchen auf dem Kopf ausruft: "Isch die aber liap, di Kloa!, dann bleibt mir das immer im Ohr, auch weil's da Diphthonge hat, die nicht aus der Schule sind, aber aus dem Leben, wie es ist. - Interessant ist's übrigens auch, wenn man einen Diphthong mit mehr als einer Note singt, also in Frau Icklers Kuckucksterzart, aber ohne [h].
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.09.2015 um 09.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29917

Oj vej!
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 13.09.2015 um 00.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29916

Ich bin nicht der Meinung, daß Diphthonge im Deutschen aus zwei Vokalen bestünden oder ein Glissando zwischen zwei Vokalen seien. Hier führt uns die Schreibkonvention in die Irre. Vielmehr bestehen Diphthonge aus einem Vokal und einem Konsonanten, sind also geschlossene kurze Silben (nicht nur für „naive Sprecher“).

So steht der Diphtong ei/ai phonetisch für aj, also etwa Meier für Majer. Noch besser wäre allerdings die Schreibung Majjer, denn sie entspräche besser der Regel der Konsonantenverdopplung und würde die Silbenfuge verdeutlichen: Maj-jer. Entsprechend steht der Diphtong eu für oj: Bojle, strojjen. Zu beachten ist hier, daß das o eu/oj offen wie in kurzer Silbe und nicht etwa geschlossen wie in langer Silbe gesprochen wird.

Der Diphthong au steht wiederum für aw, wobei hier das w für das englische w steht. Bauer spricht sich ja wie power aus.

Man könnte sagen, daß i und u im Deutschen – wie im Arabischen – Halbvokale sind, die je nach Umständen auch konsonantisch wie j und (engl.) w gebraucht werden. In alten deutschen Schriften wurde ja nicht zwischen i und j oder u und v unterschieden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2015 um 16.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29910

Ich hatte mich verkürzt ausgedrückt, weil die Diskussion schon vor längerer Zeit abgeschlossen war. Meiner Ansicht nach ist es etwas grundsätzlich Verschiedenes, ob man ein a emphatisch dehnt oder ein au zu dehnen versucht. Wenn ich ja dreimal so lang spreche wie normal, wird das praktisch gar nicht bemerkt, es ist immer noch dasselbe Wort, nur etwas nachdrücklicher gesprochen. Versuchen Sie dagegen, die erste Silbe von außen in dieser Weise zu verlängern: das Wort wird unkenntlich. Das ist meiner Ansicht nach der Hauptgrund, warum jetzt so oft Aussenminister usw. zu lesen ist. Natürlich muß man hier die metrische Gelehrsamkeit beiseite lassen.
Diphthonge bestehen nicht aus zwei Vokalen, sondern aus einem Glissando, dessen Anfangs- und Endpunkt zwei Vokale sind. Wenn man das verlangsamt, kommt ein sirenenähnliches Heulen zustande, das nicht zum Lautsystem der Sprecher gehört.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 11.09.2015 um 16.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29909

Mei Wei woand, wei s moand, deine zwoa weißn Scheißgoaßn beißn s glei. Ja mei!
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 11.09.2015 um 15.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29908

Wieso sollte man einen Diphthong, also Doppellaut nicht dehnen können? Wenn man die beiden einzelnen Laute dehnt, bekommt man doch einen gedehnten Doppellaut, oder nicht? Neeeiiin.

Das ist ja dasselbe, als wenn man z.B. ja, ja-ha oder jaaa sagt.

Da man u. a. Vokalverdopplung zur Markierung der Vokallänge benutzt, fand ich es immer selbstverständlich, daß auch ein Diphthong, der ja ebenso aus zwei, wenn auch verschiedenen, Vokalen besteht, insgesamt einen langen Laut darstellt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2015 um 13.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29906

Heute morgen wollte meine Frau mir durchs Treppenhaus ein besonders nachdrückliches nein zurufen. Sie zerdehnte es also, wie man es auch bei Kindern hört, in ein zweisilbiges Wort, das sie mit Kuckucksterz ungefähr so sang: na-hein.
Diphthonge kann man nicht dehnen, sie gelten also den naiven Sprechern als kurz; das habe ich schon samt orthographischen Folgen dargelegt. Vielleicht kommt auch nei-hein vor, aber die Zerlegung in zwei Teile, deren erster das a ist, ist auch ganz interessant.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2015 um 08.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29880

Es bedeutet gar nichts, paßt also zum übrigen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.09.2015 um 08.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29879

Was bedeutet »naturnah«? Gezüchtet in Treibhäusern mit Ausblick auf Felder?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.09.2015 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29878

Wie man Apfelschalen usw. teuer an den Mann bringt, zeigen Unternehmen aus der Naturkostszene:

Die Stille. Endlose Weite, die alles enthält und zugleich ganz leer erscheint. 
Und während der zarte Duft von Zitronen aus der aromatischen Kräuterteemischung des Shoti Maa Tee Erleuchtung zu Dir aufsteigt - lausche und begegne Deinem eigenen, inneren Zentrum der Stille.
Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther sind die Grundbausteine des Lebens. Sind diese 5 Elemente in uns balanciert, entfaltet sich unser Leben harmonisch.
Doch wer bleibt schon dauerhaft in seiner Mitte? Östliche Lehren wie Ayurveda, Sat Nam Rasayan, Yoga und Meditation helfen uns dabei. In dieser Tradition haben die Tee und Kräuterexperten von Hari Tee die 5 elementaren Kräutertees komponiert.
Zutaten: Apfel* (40%), Zitronengras*, Honigbusch*, Hibiskus*, Zitronensaft* (4%), Gelbwurz* (4%), Zimt*, schwarzer Pfeffer*, Kakaoschalen*, Zitronenextrakt (1%), Basilikum*, Ingwer*, Kardamom*, Nelken*.
* = aus naturnahem Anbau.
Alle Inhaltsstoffe sind aus naturnahem Anbau.


Sollte man das nicht verbieten, weil es dem wissenschaftlichen Unterricht in unseren Schulen so kraß widerspricht?
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 06.09.2015 um 21.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29857

"Zum gleichen Wortbildungsmuster gehört ja auch das Vergeilen von Unkraut."

Nein. Vergeilung (Etiolement) ist ein alter botanischer Begriff. Er bezeichnet übermäßiges Längenwachstum von Pflanzensprossen, meist hervorgerufen durch Lichtmangel (z. B. Kartoffelkeime im Keller!). Gewisse Unkrautvertilgungsmittel rufen denselben Effekt hervor. Die Pflanze wächst sich dann gewissermaßen zu Tode.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2015 um 19.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29856

Verstänkerungsmittel werden eingesetzt, um Wildschweine zu vergrämen. (Wikipedia)

Zum gleichen Wortbildungsmuster gehört ja auch das Vergeilen von Unkraut.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 06.09.2015 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29855

Als ich vor einigen Jahren bei der Lektüre des Dombauberichts im Kölner Domblatt auf das Wort »Taubenvergrämung« stieß, mußte ich schmunzeln. Aber so lautet tatsächlich der Fachbegriff.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.09.2015 um 08.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29853

Mike Jones zeigt auf die dritte Armlehne in der Mitte der Bank. "Darauf kannst du nicht schlafen." (FAZ 5.9.15)

Seit einigen Jahren gibt es auch bei uns zum Beispiel in Bahnhöfen keine Bänke mehr, auf denen sich einer dieser Lästlinge ausstrecken könnte. Ich kann auch einem müden Kind nicht mehr die Wohltat erweisen, sich mal hinzulegen, den Kopf auf meine Oberschenkel.
Ordnung muß sein. Darum sind ja auch sämtliche Kanten, auf denen eine Taube sich niederlassen könnte, mit jenen spitzigen Drahtstacheln bewehrt, die heute nicht nur die Bahnhöfe, sondern auch Kirchen und sonstige öffentliche Bauwerke überziehen, ein grausiger Anblick. (Die Tauben sind aber erstaunlich findig!)
Parallelen sind rein zufällig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.09.2015 um 07.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29850

Rechtschreibkünstler Hans Joachim Meyer beklagt in einem Leserbrief (FAZ 4.9.15), daß das Bundesverfassungsgericht die Grundrechte allmählich zu „'Abwehrrechten gegen den Staat' (also gegen den Staat der freiheitlichen Demokratie)“ umgedeutet habe. Ein starkes Stück! Natürlich sind die Grundrechte Abwehrrechte gegen den Staat, gegen wen denn sonst? Aber es ist ein übles Wortspiel, dies als „Abwehrrechte gegen den Staat der freiheitlichen Demokratie“ darzustellen, als sei jemand, der seine Grundrechte wahrnimmt, ein Staatsfeind.
Die Grundrechte sind im GG auch nicht wegen schlimmer Erfahrungen mit der Weimarer Zeit so prominent, wie Meyer sagt, sondern wegen schlimmer Erfahrungen im Dritten Reich. Die Wehrhaftigkeit der Demokratie steht daher nicht an erster Stelle.
Nun hatte sich Meyer schon im Bundestag als KMK-Vorsitzender auf haarsträubende Weise staatsfromm verplappert, so daß einen nichts mehr wundert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.09.2015 um 05.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29849

In einem Gastbeitrag in der FAZ (4.9.15) wird berichtet, daß im Irak Ein "Revival" des Zoroastrismus zu beobachten sei, als Gegenposition zum IS. Er stamme aus dem zweiten bis erste Jahrhundert v. Chr.

Richtig wäre "Jahrtausend", und ein Revival ist nicht nötig, weil es den Zoroastrismus ja ununterbrochen gegeben hat und im Exil weiterhin gibt, vor allem in Bombay. Die Bestattungsplätze dort (Türme des Schweigens) liegen heute mitten in Wohngebieten, die Geier sitzen in den Bäumen und holen sich an guten Tagen ihren Teil von den Leichen, lassen manchmal auch ein Stück auf die Straße fallen, wie man hört (gesehen habe ich es nicht).
Die Parsen spielen trotz geringer Zahl eine bedeutende Rolle im indischen Leben. Ich habe selbst mal als Korrektor für einen parsischen Gelehrten gearbeitet.
Im Studium der Indogermanistik liest man einige Gathas und freut sich an der großen Nähe des Avestischen zum Altindischen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.09.2015 um 23.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29843

Mit dem Begriff der Flucht wird, weil er so dramatisch ist, oft Schindluder getrieben. Wer z. B. als Jude 1934 Deutschland verlassen hat, ist in aller Regel nicht geflohen, sondern emigriert. Das ist etwas anderes. Auf der Flucht ist jemand, hinter dem man her ist. Wer hat sich bloß die »Landflucht« ausgedacht? »Zuweilen verliert sich der Begriff der Furcht, und läßt bloß den Begriff der Eilfertigkeit zurück.« (Adelung) Aber die »Landflucht« vollzieht sich über Jahrzehnte.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.09.2015 um 11.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29841

»Ailan Kurdi floh mit seiner Familie aus Syrien. Beim Versuch, europäischen Boden zu erreichen, ging sein Boot unter.« (www.faz.net)

Von wem ist hier die Rede? Von einem dreijährigen Kind. Eltern, die auf der Flucht sind, haben meist ihre Kinder dabei, aber kann man sagen, daß ein Kleinkind »mit seiner Familie« flieht, noch dazu in »seinem Boot«? Ich bezweifle sogar, daß ein Dreijähriger überhaupt »fliehen« kann, wenn er einfach nur von seinen Eltern mitgenommen wird und ihm der Grund des Ortswechsels gar nicht bewußt ist. Sehe ich das zu eng?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.09.2015 um 07.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29831

Er ist oder war einmal »Maître de conférences associé à temps partiel«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.09.2015 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29829

Gestern hat die FAZ einem ziemlich bunten Vogel namens Milosz Matuschek viel Platz eingeräumt, damit er den Deutschen das Fehlen von Gastfreundschaft um die Ohren hauen konnte. Daher das Flüchtlingsproblem, das eigentlich keines ist usw.
Dutzende von Leser haben dazu das Naheliegende gesagt, auch über den Begriff der Gastfreundschaft (was wir hier ja auch schon mal besprochen hatten).

Im Nachspann wird, wie auch in den vielen anderen Blättern, für die er schreibt, der Eindruck erweckt, Matuschek sei Juraprofessor an der Sorbonne. Ich weiß nicht ob das stimmt. Andere Angaben (er sei 1980 in Polen als "Kind des Kalten Krieges" geboren usw.) sind auch ziemlich unklar.

"Während eines zweijährigen Selbstversuchs auf diversen Onlinedatingplattformen hatte er Kontakt mit über 2000 Frauen (um diese besser zu verstehen). Inzwischen sind ihm auch Männer suspekt."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2015 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29820

Die Erlebnisgeneration konnte Zeugnis von dem ablegen, was der Schriftsteller Stefan Zweig als „Die Welt von gestern“ umschrieb, vom alten Vorkriegs-Europa. (FAZ 31.8.15 über die Vertriebenen-Stiftung)

Nicht so ganz. Zweig meinte die Welt vor dem Ersten Weltkrieg. Übrigens eins seiner lesenswerteren Bücher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2015 um 04.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29819

Wenn gesundheitsbezogene Werbung verboten ist - was ist dann mit den Heilberufen? Setzen sie nicht eine Ausbildung und Approbation voraus? Wer keine Heilung versprechen darf, dem hilft ein Fremdwort:

Shamanic-Healing-Juist
Wundervolle Techniken der Inka-Schamanen aus Peru. Energetische Auflösung von: psychosomatischen Beschwerden, Kraftlosigkeit, Mangeldenken, Schock. Reisen zum persönlichen Krafttier. Meditationen zum inneren Kind.
(Anzeige einer Diplom-Sozialpädagogin)

Auf einer Website dazu liest man: Im Sinne von ayni, dem Prinzip der heiligen Gegenseitigkeit, möchten wir dass, was wir lernen durften, durch unsere Ausbildungen an so viele interessierte Menschen wie nur möglich weitergeben und so unseren Beitrag zur Heilung von Mutter Erde und all ihren Kinder leisten. Auf dass wir gemeinsam die Prophezeihung zur Erfüllung bringen, und in Harmonie leben, mit allem was ist. (http://www.inka-online.de/webseiten/inka/willkommen.php)

Heilung von Mutter Erde dürfte nicht unter die gesetzlichen Bestimmungen fallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2015 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29811

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein will nach eigener Aussage "ein weiteres 'Heidenau'" verhindern - unter anderem indem die Kinder von Asylbewerbern von der Schulpflicht befreit werden. (spiegel.de 26.8.15)

Keine gute Idee. Meiner Ansicht nach sollten Kinder lückenlos "beschult" werden, ganz gleich, welchen Aufenthaltsstatus die Eltern haben, zuerst natürlich Deutschunterricht. Der Staat sorgt dafür, daß auch Zirkuskinder und Kinder von sonstigem "fahrenden Volk" Unterricht bekommen. Die Kinder von illegalen Zuwanderern können ja nichts dafür, deshalb sollte man sie nicht wie wilde Tiere herumstreunen lassen. Zuwanderer sollten auch wissen, daß ihre Kinder hierzulande unweigerlich einen säkularen, aufgeklärten Unterricht bekommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2015 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29777

Ein Gericht hat verboten, Bier als "bekömmlich" anzupreisen. (Die Brauerei wirbt schon seit 80 Jahren damit.) Getränke mit mehr als 1,2 Promille dürfen nach EU-Recht nicht mit Angaben über gesundheitsfördernde Wirkung beworben werden.

Eine interessante semantische Frage. Ist bekömmlich gesundheitsbezogen? Meiner Ansicht nach nicht. Das Wort verspricht das Ausbleiben von unangenehmen Wirkungen. Jeder weiß, daß ein Übermaß an Bier schädlich ist; aber in den üblichen Mengen hat keiner was dagegen. Der Vorwurf, die Werbung verschweige die Gefahren des Alkohols, ist lächerlich. Ich sitze hier täglich in einem Ausflugslokal, die Hälfte der Männer trinkt ein Bier zum Eintopf, das ist bekömmlich.

Abgesehen vom heuchlerischen Umgang des Staates mit Drogen, natürlich, und von der fortschreitenden Bevormundung. (Ich spreche nicht pro domo.) Außerdem scheint hier ein Abmahnverein leichtes Geld gemacht zu haben, aber das ist ein anderes Problem. Leser haben darauf hingewiesen, daß auch Wasser im Übermaß schädlich ist, sogar tödlich sein kann.

Auch die "Seitensprung"-Hacker haben Tugend als Geschäftsmodell entdeckt. Es graust einen vor diesen Taliban.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.08.2015 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29751

Allmorgendlich sehe ich bei Google News Schlagzeilen mit Druckfehlern und wundere mich, daß sie nicht aufgefallen sind, bevor man den Text ins Netz gestellt hat. Wie ist es denn möglich, so etwas in fetten Buchstaben durchzuwinken:

Mezodnien will keine Flüchtlinge mehr aufnehmen - Ausnahmezustand ausgerufen (stern.de 21.8.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.08.2015 um 06.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29723

Je ferner eine Kultur uns ist, desto besser wissen wir darüber Bescheid. Die Zeit-Auffassung der Chinesen? Kein Problem. Sogar wie die "Asiaten" über Raum und Zeit denken, ist nicht schwer zu sagen.

Aber welche Zeitbegriffe wir selbst haben, das ist schon schwieriger. Über besinnliche Artikel zum Wochenende kommt man kaum hinaus. (Meistens beginnen sie mit einem so abgedroschenen Augustinus-Zitat, daß ich es hier um keinen Preis wiederholen kann.)

Im Ohr hat man vielleicht noch kluge Bemerkungen über unser lineares im Gegensatz zum antiken zyklischen Zeitverständnis. Ich glaube, Arnaldo Momigliano war es, der diesen Unsinn widerlegt hat.

"Kulturen" sind schlimm genug, lassen wir den "Vergleich der Kulturen"!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2015 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29719

Der vor einigen Jahren verstorbene Textlinguist Robert de Beaugrande war eine der seltsamsten Personen, die ich je kennengelernt habe. Irgendwie sprudelnd, aber auch ideenflüchtig. Vor einiger Zeit gab es noch seine Website mit überraschend verschiedenen Betätigungsfeldern, aber sie scheint verschwunden zu sein. Was mich aber vollends verwirrt: Ich hielt ihn für einen Amerikaner, aber Wikipedia verrät:

Robert-Alain de Beaugrande (* 1946; † Juni 2008) war ein österreichischer Linguist.
Beaugrande erwarb 1971 einen Magister in Germanistik und Anglistik an der FU Berlin und promovierte 1976 zu vergleichender Literaturwissenschaft und Linguistik an der University of California, Irvine. Er erhielt Professuren für Englisch an der Florida (1978–1991), Universität Wien (1991–1997), University of Botswana (1997–1999), der United Arab Emirates University (1999–2001), Universidade Federal de Minas Gerais (2001–2002; als visiting professor), Universidade Federal da Paraíba (2005–2006) und Universität Primorska (2006–2007). Zwischen 1979 und 1999 nahm er außerdem zahlreiche Gastprofessuren an.
Beaugrande war in der Lage, in sechs Sprachen Vorlesungen zu halten und war bekannt für sein soziales Engagement. Seine wissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte er im Volltext zum freien Download auf seiner Website (siehe Weblinks).


Andererseits steht auf amerikanischen Seiten:

Robert de Beaugrande was born James Shoemaker in Missoula, Montana, the son of Theodore Shoemaker and Eunice Hankey Shoemaker.

Nun wundert mich gar nichts mehr, auch nicht das Foto hier:

www.google.de/?gws_rd=ssl#q=robert+de+beaugrande

So habe ich ihn aber gar nicht in Erinnerung, vielmehr scheint mir das Foto den Konstanzer Linguisten Peter Hartmann zu zeigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2015 um 12.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29663

Die FAS bringt einen Vorabdruck aus dem neuen Roman der früheren Amerika-Korrespondentin der FAZ. Er spielt dort, wo die Verfasserin auch gelebt hat, in der Nähe des Central Park.
Reformschreibung: seit Langem usw. Viele englische Passagen, die nicht übersetzt sind. Außerdem:

Würde sie irgendwann wieder vergessen, wie dieser eine Satz vom Tod im Sommer in dieser ausgelaugten Stadt in ihr Leben eingedrungen und einem Gefühl, das sie noch gar nicht richtig spürte, Ausdruck gegeben hatte? (Verena Lueken: Alles zählt. Köln 2015:13 (Kiepenheuer & Witsch))
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.08.2015 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29634

Fast täglich erscheinen Leserbriefe, deren Verfasser keineswegs bloß Leser sind, sondern, wie man erst ergoogeln muß, Interessenvertreter und Lobbyisten. Die FAZ wird zum Beispiel dafür gelobt, daß sie die Kritik an Glyphosat relativiert (wie gewohnt). Der Verfasser des Leserbriefs ist Betriebsleiter bei Lanxess, aber das wird nicht gesagt, obwohl die Leserbriefredaktion es zweifellos weiß.
Diese Manipulation ist um so mehr zu beklagen, als die Leserbriefe oft das Beste an der Zeitung sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2015 um 07.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29607

Amerikanische Forscher haben festgestellt...
Diesmal war es eine Psychologin, die herausgefunden hat, welche Musikstücke zum Orgasmus führen können. Ravels Bolero natürlich, der ist ja zu diesem Zweck geschrieben und wird von manchen Paaren als Begleitmusik genutzt. Rachmaninow, na ja. Liszts Liebesträume werden nicht erwähnt, sind ja auch eher deskriptiv als performativ. Erstaunt hat mich in dieser Liste Bachs Toccata in F (BWV 540). Besonders als Student habe ich sehr oft die Orgeltoccaten gehört, aber auf eine erotische Wirkung wäre ich nicht gekommen, auch wenn sich wahrscheinlich mein Puls stark beschleunigte. Ich hatte eher das Gefühl, daß es nach diesem Wahnsinn eigentlich keine weitere Musik hätte geben müssen. Heutzutage kann man bequem auch die erstaunliche Beinarbeit beobachten (www.youtube.com/watch?v=U6fgRfrTb78), die jeweils auf die Orgelpunkte im Pedal folgt. Das ist auf jeden Fall erhebend, und ich fühle mich danach im Kopf wie durchgepustet und erfrischt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2015 um 17.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29585

Nachdem FOCUS über eine in Florida gefundene sehr große Python berichtet hatte, schrieb ein Leser:

"Liebe Focus-Redaktion es heißt immer noch der Phyton. Auch nach der Rechtschreibreform."

Die Redaktion antwortete, laut Duden sei beides korrekt.

Warum das Tier "eingeschläfert" wurde, ist allerdings nicht klar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.07.2015 um 09.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29521

Mir ist schon klar, daß eine Spezialisierung notwendig ist, auch vom Gegenstand her, obwohl die Systematik des Fachs das eigentlich nicht zuläßt. Andererseits ist allzu offensichtlich, daß politische und ideologische Entscheidungen eine Rolle spielen. Manchmal entsteht der Eindruck, als sei der Gegenstand bisher gar nicht erforscht worden, nur weil es keinen Lehrstuhl mit entsprechender Bezeichnung gab. (Frauenforschung...)
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 22.07.2015 um 08.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29520

Zu Herrn Icklers Frage "Geht das denn?" gibt es eine einfache Antwort: leider ja. Googeln Sie einfach mal nach der Kombination "holocaust studies degree".

Aus fachlicher Sicht benötigt man zum vertieften Verständnis dieses in seiner Art einmaligen Genozids umfangreiche Kenntnisse über die Weltgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. In diesem Zusammenhang ist wichtig, daß der Völkermord nicht nur während des Zweiten Weltkrieges stattfand, sondern von den Entscheidungsträgern auf deutscher und auch rumänischer Seite als essentieller Bestandteil dieses Krieges angesehen wurde, wobei mit "deutsch" und "rumänisch" jeweils die politischen Entscheidungsträger gemeint sind, also beispielsweise Hitler, Himmler, Heydrich, Frank oder Antonescu.

Die Einrichtung eines Lehrstuhls/Studienfaches für "Holocaust-Forschung" (in den USA leider längst gang und gäbe) ist daher in seiner Ausrichtung ebenso ahistorisch wie Daniel Goldhagens inzwischen vollkommen diskreditiertes "Vollstrecker"-Buch. Goldhagen wäre übrigens um ein Haar auf eine neu gestiftete "Holocaust-Professur" auf Lebenszeit berufen worden, hätten die Universitätsgremien angesichts der Proteste der internationalen Historikergemeinschaft (auch aus Israel) nicht kalte Füße bekommen.

Um aus der Sicht des Historikers, die in diesem Zusammenhang vielleicht eher angebracht ist, einen anderen Vergleich zu ziehen: Wer käme heute auf die Idee, einen Lehrstuhl zur Geschichte des frühneuzeitlichen Söldnertums, des modernen U-Boot-Krieges oder zur Geschichte des Vietnam-Krieges einzurichten? Wohl niemand, weil es gar zu offensichtlich ist, daß der Gegenstand von Lehre und Forschung viel zu dünn ist und die Basis viel breiter sein muß. Und die breite Basis ist eben ein gründliches Geschichtsstudium mit all seinen Hürden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2015 um 11.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29503

Im Ausland längst Normalität – in Deutschland ganz neu: In Frankfurt soll sich ein Lehrstuhl nun ausschließlich mit der Aufarbeitung des Massenmords an den Juden beschäftigen.
(...)
Doch was bisher fehlte, ist ein Lehrstuhl für Holocaust-Forschung – also eine Professur, die sich nur mit den Verbrechen an Juden beschäftigt. Das ändert nun die Uni Frankfurt. Im Fachbereich Geschichte richtet sie die erste deutsche Holocaust-Professur ein.
(Stuttgarter Zeitung 21.7.15)

Geht das denn? Ich meine: eine historische Disziplin, die sich "nur" und "ausschließlich" mit einem einzigen Gegenstand beschäftigt? Wenn ich mir vorstelle, ein Sprachwissenschaftler beschäftige sich ausschließlich mit der frühneuhochdeutschen Diphthongierung...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.07.2015 um 04.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29495

Bei bildungsklick.de werden die Sachen vermarktet, daher paßt den Betreibern die Wikipedia nicht, wo es alles kostenlos gibt:
http://bildungsklick.de/a/13838/ein-vorschlagewerk-zum-nachschlagen/.

Nichts ist leichter, als die lobende Stellungnahme eines Professors einzukaufen. Spielwarenhersteller wissen das natürlich auch: "spiel gut" muß draufstehen, dazu ein Satz von einem Pädagogikprofessor.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 20.07.2015 um 19.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29494

In gewissem Sinne auch hier: http://bildungsklick.de/a/94217/sorge-der-eltern-verstaendlich-aber-unbegruendet/ liest sich wie ein redaktionelles Interview. Die Fußzeile lautet allerdings: "Erstveröffentlichung und aller Rechte: Klett Themendienst Schule Wissen Bildung".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2015 um 11.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29486

Zwischen redaktionellen Texten und Werbung ist kaum noch zu unterscheiden. Ein schmales "Sponsored" oder "Promotion" (!) am Rand wird übersehen oder nicht verstanden. Außerdem sind der Reiseteil, die Verkehrsmeldungen und der Wetterbericht erklärtermaßen auch gesponsored ("präsentiert von..."). Wissenschaftliche Untersuchungen als Gegenstand redaktioneller Berichte sind ihrererseits gesponsored. Dazu kommen Gratiszeitungen, die durchgehend verkappte Werbung sind. Man braucht sich über "Lügenpresse" bald nicht mehr aufzuregen, denn was ist Wahrheit?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2015 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29482

Im Wirtschaftsteil der Zeitung lese ich, daß die Post auf den Lebensmittelhandel im Internet hofft. Wie lustig! Wir warten schon vier Wochen auf gewisse Pakete, die wegen des Streiks im Lager Feucht auf ihre Auslieferung warten, allerdings sind keine Lebens- oder Sterbensmittel drin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2015 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29467

Türkisch für Deutsche:

www.20min.ch/panorama/news/story/19135631
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2015 um 07.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29445

Man wird doch recht milde gestimmt, wenn man sich im Älterwerden daran erinnert, wie der Geschmack sich geändert hat. In der Nachkriegszeit fand man die heute sprichwörtlichen Nierentische, Cocktailsessel und Tütenlampen schick, nicht zu vergessen das Sofakissen mit Schlag. (Wir hatten kein Sofa, daher auch keinen Schlag.)
Manchmal sieht man am Sperrmüll, daß einige sich erst jetzt von diesem Gerümpel trennen. Man wagt gar nicht, sich in die Zukunft zu versetzen und auf uns heute zurückzublicken.
Mit der Sprache und Literatur dürfte es sich ebenso verhalten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2015 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29345

„Ein springender Stör hat auf dem Suwannee River in der Nähe von Fanning Springs ein fünfjähriges Mädchen getötet. Das Kind war mit seiner Familie in einem Boot unterwegs, als der Knochenfisch aus dem Wasser sprang und die kleine Jayln sowie ihren neunjährigen Bruder und ihre Mutter traf. (...)
Knochenfische können gewöhnlich bis zu 2,4 Meter lang und mehr als 90 Kilogramm schwer werden.“ (Kronenzeitung 6.7.15)

Also hütet euch vor Knochenfischen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2015 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29338

Der Wetterbericht, obwohl ein reines Phantasieprodukt, kann dennoch recht unterhaltsam sein. Aus einem unerklärlichen Grunde zeigt zum Beispiel die FAZ für Dutzende von Weltstädten ganz überwiegend, daß es heute wärmer wird als gestern und morgen noch wärmer. D. h., gestern war es nicht so warm wie vorhergesagt. Das ist seit Jahren so, scheint aber keine Zweifel am Nutzen der Wettervorhersage hervorgerufen zu haben.
Heute treibt es die FAS wirklich toll. In Nürnberg soll die gestrige Mittagstemperatur 25 Grad betragen haben, für heute sind 37 angekündigt. Stuttgart gestern 25 Grad, heute 39 usw. - Ich war gestern in keiner dieser Städte, aber Nürnberg liegt in Sichtweite, da wird es gestern nicht 12 Grad kühler gewesen sein als in Erlangen, wo die Leute noch nachts beim Schloßgartenfest geschwitzt haben. Höchst mysteriös.

Besagtes Schloßgartenfest führt jedes Jahr zu hitzigen Diskussionen, weil es als "elitär" verschrien ist, ein Vergnügen der oberen Zehntausend auf Kosten des Steuerzahlers. Bei 6500 Gästen ist es schon zahlenmäßig nicht besonders exklusiv. Wir Profs und unsere Studenten stellen die Mehrheit. Außerdem wird von den Eintrittspreisen (Studenten kriegen es billiger) fast die Hälfte für den wohltätigen Universitätsbund abgezweigt, auch gibt es Sponsoren aus der Wirtschaft. Das Fest gehört hier in der Provinz zu den wenigen und insgesamt doch sehr bescheidenen gesellschaftlichen Ereignissen. Für die mäßige Verpflegung muß man natürlich extra zahlen, Tanzen ist wegen des Gedränges auch kaum möglich. Den schönen Schloßgarten mitten in der Stadt kann man das ganze Jahr über gratis genießen. Erlangen ist wenig feudal. (Ich selbst war nur zweimal dabei und mache mir nichts draus; nur das Feuerwerk ist sehenswert.) Der egalitäre Affekt verpufft hier gewissermaßen.

Die FAZ, um noch mal darauf zurückzukommen, ist ja seit Jahrzehnten mit Allensbach verheiratet und gibt gefühlt alle drei Tage eine Umfage in Auftrag. Damit werden dann Kommentare unterfüttert, und manchmal kriegen die Demoskopen eine Sonderseite eingeräumt. Aber was sollen die Deutschen schon zu so komplizierten Fragen sagen wie: ob Griechenland in der Eurozone bleiben soll oder nicht. Das ist derselbe Unfug wie bei anderen Umfragen (und Referenden).

Laut FAS hat Tsipras gesagt: "Wir sind ein Seefahrervolk und haben keine Angst, aufs offene Meer zu fahren." Die Griechen mögen heute ein Volk von Reedern sein, aber vor dem offenen Meer hatten sie immer Angst und beschränkten sich in der Antike am liebsten auf Küstenschiffahrt und Insel-Hüpfen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.06.2015 um 10.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29303

Es geht doch nichts über 'ne italienische Donne. Jedenfalls weiß ich dank "Elle" jetzt, warum Südländerinnen so attraktiv sind: Auch sie ist eine typische Donne italiane: Angela Missoni. Und erst die Schwedinnen! Nicht zu vergessen die Russinnen und erst recht die Engländerinnen und Irinnen mit ihrer berühmten regenfeuchten Haut!

Das stand unter den Google-News. Zurück zu meiner Morgenlektüre:

Nach Wolfgang Manekeller „führt fehlende Sprachkompetenz oft zu Denkfehlern“. (In keinster Weise vergleichbar. Norderstedt 2006:119)

Wie kann sie das, wenn sie fehlt?

„Wer Diplom-Arbeiten und Ähnliches liest, kommt nicht umhin zu fragen: 'Was haben die Studierenden eigentlich im Deutschunterricht gemacht?'“ (ebd. 117)

Ich übersetze:

„Wer Diplomarbeiten und ähnliches liest, kann nicht umhin zu fragen: 'Was haben die Studenten eigentlich im Deutschunterricht gemacht?'“

Noch einfacher:

 „Wer Diplomarbeiten und ähnliches liest, fragt sich: 'Was haben die Studenten eigentlich im Deutschunterricht gemacht?'“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2015 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29281

Es ist interessant, Berichte derselben Zeitung über ähnliche Ereignisse im Abstand von Jahrzehnten zu vergleichen. Man spürt ganz deutlich, wie sich die zeiten ändern. Ich habe einmal in einem Seminar die erste Seite der FAZ untersuchen lassen. Da ging es um den Bundespräsidenten Heuss ("Heuß"). Man hielt es für hervorhebenswert, daß die jubelnden Menschen "freiwillig" gekommen waren. Protestierer wurden "in Schutzhaft" genommen.
Ich habe mich damals aus dem Nachdruck "Die erste Seite" bedient, aber nun steht es auch im Netz: http://www.faz.net/Dynamic/download/FAZ19491101.pdf
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2015 um 15.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29278

Falls Sie auch einmal ein unverlangtes Übersetzerangebot in Ihrer Mail finden (wie ich heute), können Sie in dieser Schwarzen Liste nachsehen:
http://www.translator-scammers.com/
(Ich habe meinen Kandidaten gleich gefunden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2015 um 14.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29275

Das Verb migrieren ist durch die Datenverarbeitung nicht nur sehr viel häufiger geworden, sondern außerdem transitiv.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2015 um 06.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29245

Vor einem kleinen Erlanger Straßencafé steht eine Tafel, darauf mit Kreide geschrieben: "Kein Kuchen ist auch keine Lösung". Anspruchsloser Spaß, der mich aber jedesmal zum Lächeln bringt und auch zum Nachdenken über die vielen Voraussetzungen, die eine solche alltägliche Äußerung hat. Der "deontische" Begriff der Lösung setzt ja ein Problem voraus – aber worin besteht es? Humoristisch wirkt auch die Kluft zwischen der Banalität des Kuchens und dem geradezu existenziellen Pathos, das durch den zusammenhanglosen Überfall mit diesem nicht näher gekennzeichneten Problem entsteht. Jeder Passant hat ja seine eigenen Probleme. Große Antworten gibt es auch ("Jesus liebt dich!"), aber Kuchen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2015 um 19.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29240

Ich teile Ihre Skepsis, was die jeweils neuesten Ernährungsempfehlungen betrifft. Das Hin und Her beim Cholesterin war geradezu lächerlich. (Ich selbst schlucke brav mein Simvastatin; vielleicht bringt es mich um?)

Es stimmt auch, daß Nutella nur gelegentlich im Zusammenhang mit den Transfetten erwähnt worden ist; der Gehalt an solchen ist reduziert worden aufgrund früherer Diskussion.

Das Wortbildungsprodukt "Transfett" muß einem ja nicht gefallen ("gutes" Beispiel), aber es entspricht einem normalen Verfahren, während wir umgekehrt Ableitungen mit fremden Suffixen an deutschen Stämmen weniger leicht hinnehmen. Die paar bekannten Beispiele wie "hausieren, grundieren" sind eher die Ausnahme (wie bereits diskutiert).
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 23.06.2015 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29238

Nach meinem Eindruck ging es doch bei der „Nutellageschichte“ ausschließlich um die tropischen Regenwälder. Von Transfetten habe ich in diesem Zusammenhang nichts gehört.

Die Transfette sind in Sachen Ernährung seit einigen Jahren die neuste Sau, die durch die Dörfer getrieben wird. Bevor ich dran glaube, lasse ich lieber noch ein paar Jahre verstreichen. Vor Jahren war Cholesterin noch der schrecklichste aller Schrecken. Inzwischen glaubt man, es gebe gute und böse Cholesterine.

Vor Jahren hat man dringend vor dem Verzehr von cholesterinhaltigen Nahrungsmitteln gewarnt. Viele sind deshalb damals von Butter auf Margarine aus den ach so gesunden Pflanzenölen umgestiegen. Vom Regen in die Traufe? Damals enthielt Margarine noch einen erheblichen Anteil an Transfetten.

Inzwischen sind die Fachleute der Meinung, daß das mit der Nahrung aufgenommene Cholesterin wenn überhaupt nur einen geringen Einfluß auf die Cholesterin-Spiegel im menschlichen Körper hat.

Die Verwendung von Palmöl ist zumindest früher gerade zur Vermeidung von Transfetten propagiert worden. Inzwischen gibt es anscheinend auch andere Stimmen. Auch das kann man erstmal abwarten.

Mir scheint das Wort „Transfett“ kein gutes Beispiel für die Verbindung einer altsprachlichen Vorsilbe mit einem deutschen Grundwort zu sein. Das Wort ist eher eine Verballhornung aus der chemischen Fachsprache. Dort gibt es den Begriff der „cis-trans-Isomerie“. Transfette sind trans-Isomere bestimmter Fette. Wikipedia spricht daher von „trans-Fettsäuren“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2015 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29234

Wohl wahr, aber das Solanin ist nun mal das Hauptgift. Schlimm sind die rohen Bohnen. Habe gerade einen wunderbaren Bohneneintopf gegessen, den ersten dieses Jahres, natürlich gut durchgekocht. Kartoffeln waren auch drin, hoffentlich überlebe ich es!

Ich glaube, die Anthroposophen essen keine Kartoffeln, vielleicht weil es Ausländer sind. Die Jainas essen nichts, was unter der Erde wächst, auch keine Zwiebeln, aber da gibt es Diskussionen, weil die Zwiebeln oft teilweise aus der Erde herausgucken.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.06.2015 um 14.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29233

Nachtrag: Fritten ist rheinländisch.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.06.2015 um 13.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29232

»Solanin wird in der Ratgeberliteratur und in der Tagespresse oft als Sammelbezeichnung für Nachtschatten-Alkaloide bzw. als Synonym für einzelne Substanzen wie &#945;-Tomatin in Tomaten verwendet. Es ist jedoch nur eines von vielen Glycoalkaloiden in Lebensmitteln. Kartoffeln enthalten beispielsweise über 20 verschiedene Substanzen. Eine Differenzierung der Alkaloide ist wichtig, da sie sich hinsichtlich ihrer toxikologischen Eigenschaften unterscheiden.«
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 23.06.2015 um 13.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29231

Ich frage Leute, die in Bayern Brötchen kaufen wollen, immer, ob es bei ihnen zuhause Brötchenklöße gibt. Bisher habe ich es noch nicht erfahren. Meine Mutter machte Kartoffelklöße mit grösteten Brotstückchen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2015 um 12.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29230

Bevor Sie jetzt hemmungslos Fritten schlingen, bedenken Sie bitte: "Da Solanin hitzebeständig und fettunlöslich ist, wird es beim Frittieren oder Braten nicht zerstört." Vom Totschlagen ist allerdings nicht die Rede.

Sie haben recht: Ich kenne zwar "Fritten", höre aber nur "Pommes" (gesprochen nach der Schrift). Hier in Mittelfranken essen aber viele Kinder, wenn sie mit den Eltern unterwegs sind, "Kloß mit Soß" (eigentlich komisch und vielleicht aus Oberbayern importiert, denn die Kleeß heißen hier gar nicht so, sondern "Kneedla" und noch anders (es gibt Dissertationen darüber). Kloß mit Soß ist eigentlich Schweinebraten mit Kloß und Kraut, nur ohne Schweinebraten und Kraut.

Da wir gerade von Klößen sprechen, noch eine Erinnerung. Ich weiß nicht mehr, wo es war, jedenfalls saßen meine Frau und ich bei einer Veranstaltung mit der damaligen bayerischen Justizministerin Mathilde Berghofer-Weichner (seither verstorben) und dem Politologen Heinrich Oberreuter zu Tisch und diskutierten sehr lange über die richtige Zubereitung von Kartoffelklößen. Im Gegensatz zu den öden Semmelnknödeln (Karl Valentin), die wohl nach Böhmen gehören, sind die Kartoffelklöße eine weltanschaulich brisante Sache. Am besten, aber auch am schwierigsten sind die grünen ganz aus rohen Kartoffeln. Es gibt natürlich halb und halb, und außerdem allerlei exotische Zutaten wie Grießbrei usw. Man kann sie auch nach der Region benennen (Thüringer usw.). Wir haben uns damals auf die grünen geeinigt. Da ist auch der Abstand zu den restaurantüblichen aus Fertigteig am größten.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.06.2015 um 11.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29229

Weil die Kartoffel als Nachtschattengewächs jede Menge Gifte in sich trägt, die beim (im Falle von Pommes frites zweimaligen!) Fritieren wirksam totgeschlagen werden, während sie das bloße Kochen überstehen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 22.06.2015 um 11.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29220

Wieso bekömmlicher? Mein Vedauungstrakt bewältigt alle genannten Speisen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.06.2015 um 10.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29218

Pommes frites sind bekömmlicher als Pellkartoffeln oder Püree, von den scheußlichen Salzkartoffeln ganz zu schweigen. Trügt der Eindruck, oder haben sich die »Pommes« immer mehr gegen »Fritten« durchgesetzt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.06.2015 um 06.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29215

Kaba - Der Plantagentrank

Geniale Werbung. Man denkt an die leider verlorenen Kolonien. Man saßdort auf der Veranda und ließ sich von einem freundlich grinsenden Mohren den Plantagentrank servieren.

In Wirklichkeit sind die Plantagen Zuckerrübenfelder. (80,5 % Kohlenhydrate im Pulver, dazu etwas minderwertiger Kakao und Aromastoffe, die den Geschmack der Kinder ein für allemal verderben.)

Kaba klingt unbestimmt arabisch-muslimisch, ohne jemandem zu nahe zu treten, könnte auch Suahili sein.

Man hört immer wieder vom amerikanischen Kindern, die frische Ananas nicht mögen, weil da etwas fehlt: der Zuckersirup und der Blechdosengeschmack. Bei uns sagen viele: Kartoffeln? Ja, aber nur als Pommes. (Transfett frittiert.)

Babykost in Gläschen ist wahrscheinlich ernährungsphysiologisch einwandfrei, hygienisch sowieso. Ich kann mir meinen unüberwindlichen Ekel vor solchen Sachen nicht recht erklären. Dabei gibt es ja sogar Erwachsene, die in der Mittagspause ein Gläschen auslöffeln. Wir haben unseren Kindern immer alles frisch gekocht. Macht ein wenig Mühe, ist aber auch befriedigend, wie überhaupt das Kochen für die Liebsten.

(Aus meinem Buch der Illusionen)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.06.2015 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29214

Sterben schien für ihn keine Option. Umso überraschender ist die Nachricht von seinem Tod. (Nachruf der ZEIT auf James Salter 20.6.15)

Das ist lächerlich, nicht wahr? Der ganze Text ist so gehalten, daß man den Verstorbenen (von dem ich noch nie gehört hatte) für den größten Menschen aller Zeiten halten muß.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2015 um 06.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29208

Die Transfette (um derentwillen die Nutellageschichte ja durch die Presse ging) sind auch als Wortbildung interessant. Der Ausdruck bestätigt, daß die altsprachlichen Präfixe oder Präfixoide wie normale Erstglieder behandelt werden. Man setzt sie also ohne weiteres vor deutsche Zweitglieder.

(Die amerikanischen Pläne, gewisse künstlich veränderte Fette in Lebensmitteln zu verbieten, scheinen mir überfällig und vorbildlich. Man kann gar nicht genug anprangern, was die Lebensmittelindustrie in ihre Fertig- und Halbfertigprodukte hineinstopft. Sind wir Müllschlucker? Man sollte die schwer definierbare leichte Unzufriedenheit nach dem Verzehr ernst nehmen.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.06.2015 um 04.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29206

Wir haben uns 1996 gewundert, daß die Reformer die Neuschreibung Krepp (auch für den Pfannkuchen) für so dringend hielten. Der Eintrag lautete:

"Krepp(*), auch Crêpe (Gewebe, Eierkuchen)"

Zehn Jahre später:

"Crêpe, Krepp (Gewebe, Eierkuchen)"

In meinem Kritischen Kommentar habe ich 1997 geschrieben:

"Ein Geschäft, das mit Erfolg „Krepp Suzette“ verkauft, wird man lange suchen müssen. Ist etwa auch eine Genusangleichung der Crêpe an den Krepp vorgesehen, und wie sieht der Plural der Pfannkuchenbezeichnung aus – Krepps?"

Sieht man heute im Duden online nach (www.duden.de/rechtschreibung/Krepp_Gewebe_Stoff und www.duden.de/rechtschreibung/Crepe_Eierkuchen), wird man auch nicht schlauer, was das Genus betrifft. Die Deklinationstabellen stimmen nicht mit dem Haupteintrag überein.

Auf dieses Durcheinander bezog sich meine ironische Empfehlung an die ZEIT, doch gleich "Nutellakrepp" zu schreiben.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 19.06.2015 um 19.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29204

Im Baumarkt gibt es Malerkrepp, beim Discounter gibt es Nutellakrepp; ist aber was ganz Verschiedenes. Zusammengesetzte Substantive können tückisch sein.

In Werturteilen kann man gar nicht oft genug "meiner Meinung nach" verwenden, damit sie unter die Meinungsfreiheit fallen und nicht abgemahnt oder verklagt werden können.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.06.2015 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29201

«Er beantwortet sie natürlich nicht, spricht aber meiner Meinung nach allein durch die Art der Fragestellung bestimmte Ressentiments an.»
Solange vor einem Kommentar oder darunter der Name des Beiträgers von einer Meinung steht, ist das Adverbial "meiner Meinung nach" bloßes rhetorisches Anbringsel, überflüssig, was die Wahrheitssuche und -findung angeht, aber halt passend zur Stimmungsmache. Hier nimmt es dem Rest des Satzes, dem Hauptteil also, jede beabsichtigte Schlagkraft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2015 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29199

„Beispielsweise stellt Theodor Ickler seine Preisrede zur Verleihung des Deutschen Sprachpreises unter den Titel 'Wie gut ist die deutsche Sprache?' Er beantwortet sie natürlich nicht, spricht aber meiner Meinung nach allein durch die Art der Fragestellung bestimmte Ressentiments an.“ (Peter Eisenberg: „Deutsch verkommt zur Freizeitsprache“. In: Lieselotte Anderwald, hg.: Sprachmythen – Fiktion oder Wirklichkeit? Frankfurt 2012:1-14; S. 11)

Was mag das bedeuten? Erörtere ich diese Ressentiments nur – oder „bediene“ ich sie gar, wie man heute so sagt? Was könnte man nicht alles aus Eisenbergs eigenem Vortragstitel herauslesen, der ja auch keine Ironiesignale enthält? Wie platt darf man sein?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.06.2015 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29198

Zu "Hier wäre doch wirklich der *Nutellakrepp* viel moderner": Aufpassen! Nutella gibt's auch woanders, und da könnte jeder Anklang an "crap" nicht im Sinne des Herstellers sein. "Nutella-Crêpe" erzwingt eine herstellerfreundlichere Aussprache.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2015 um 04.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29196

Die sonst so fortschrittliche ZEIT erwähnt einen Nutella-Crêpe mit Sahne (18.6.15)

Hier wäre doch wirklich der Nutellakrepp viel moderner.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2015 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29169

Briefe, die nachts geschrieben werden, sind im allgemeinen aggressiver im Ton als tagsüber geschriebene. Man führt das darauf zurück, daß unsere Vorfahren nachts aus guten Gründen in erhöhter Verteidigungsbereitschaft lebten. Morgens klingt das dann ab.
Ich selbst neige als Frühaufsteher morgens zur Sentimentalität, und im Laufe des Tages werde ich immer zynischer. Da meine vielen tausend Einträge hier genau datiert sind, wird die Icklerforschung das später einmal bestätigen und es dabei leichter haben als die Goetheforschung ("Goethes Leben von Tag zu Tag").
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.06.2015 um 10.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29161

"Gestank oder Duft ist eine Frage der Einstellung."
Zu Prof. Icklers Beispiel mit dem Tee:

Bei geschäftlichen Besuchen bringen unsere chinesischen Kollegen immer kleine Snacks mit. Diese sind aber oft sehr ungewöhnlich. Sehr beliebt in China sind zum Beispiel kleine Stückchen aus getrocknetem Fleisch oder Fisch zum Knabbern. Gerade gestern brachte jemand etwas mit, verpackt in einer großen Tüte aus Alufolie, ungefähr wie Mars-Riegel, darin lauter kleine, extra luftdicht verpackte Teilchen. Man erwartet als Europäer irgendeine Süßigkeit, aber nach dem Öffnen kam ein saftiges Stückchen mit intensivem Fleischgeruch zum Vorschein. Eine andere Sorte, ähnlich, aber etwas trockener, war in bunter Folie etwa wie Bonbons eingewickelt. Ich konnte es nicht essen, habe es unauffällig entsorgt, obwohl mir das gleiche Fleisch und der gleiche Geschmack in anderer Umgebung (z. B. beim Mittagessen) vielleicht zugesagt hätte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2015 um 07.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29157

Ich darf mich wohl zu den Naturfreunden und -schützern rechnen, habe ja auch in einer Partei von entsprechender Ausrichtung mitgearbeitet. Die Rhetorik dieser Leute nervt mich aber oft. Wie ich vielleicht schon berichtet habe, wurde jahrelang gegen die Errichtung eines Max-Planck-Instituts in einem "Naturschutzgebiet" im Stadtgebiet von Erlangen gekämpft, das aber bloß ein aufgelassener Truppenübungsplatz war. Nachdem die Amerikaner abgezogen sind, waren ihre weitläufigen Gelände natürlich mit allerlei Pflanzen und Tieren bestückt, die man sonst inmitten der Stadt kaum findet. Schon damals spielten die Zauneidechsen eine Rolle. So auch jetzt wieder beim Neubau einer Schleuse am Main-Donau-Kanal. Ersatzflächen sind zu finden, das Ganze wird teuer. Jenes Institut ist inzwischen fertiggestellt. Menschliches Planen findet eine absolute moralische Grenze, wo eine Zauneidechse in Gefahr ist. Man darf Gebiete zu (menschengemachten) Schutzzonen erklären, aber wieder umwidmen darf man sie nicht, denn nun sind sie heilige Zufluchtsstätten.
Das Naturschutzgebiet wird wohl nach und nach bebaut werden, man spricht in erbosten Leserbriefen auch schon von "Eigentumswohnungen", wobei der Bestandteil "Eigentum" offensichtlich Schauder hervorrufen soll. Eigentum ist Diebstahl (ausgenommen das eigene natürlich).
Ich halte das fest, weil man die Voraussetzungen heutiger Rhetorik später vielleicht nicht mehr verstehen wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.06.2015 um 03.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29133

"Infusion" nennt man es anderswo, also "Aufguß". Ich bin in diesem Fall aber keiner Whorfschen Sprachverführung zum Opfer gefallen, sondern der Gewohnheit, um diese Tageszeit schwarzen Tee zu trinken, den ich aus bestimmten Gründen zur Zeit durch große Mengen Kräuteraufguß ersetze. Schmeckt ja auch gar nicht schlecht, wenn ich die Minze direkt aus meinem berühmten Vorgarten hole, aber es war noch stockdunkel, so daß ich mich ausnahmsweise mit getrockneten Wildkräutern aus der Dose begnügt hatte. Hinzu kommt, daß der schwarze Tee zwar bio und fair gehandelt ist, aber eigentlich gar nicht schmeckt. Sollte mir mal was Besseres gönnen.
Im Eine-Welt-Laden treffe ich manchmal Kollegen, die ihren Kaffee dort kaufen, obwohl er nicht schmeckt. Das schweißt zusammen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 12.06.2015 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29131

»Kräutertee« ist eine irreführende Bezeichnung. Man sollte von »Kräutersud« sprechen. Das klingt so, wie das Zeug schmeckt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2015 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29129

Glaubt man den Anhängerinnen der "Plazentophagie", kann das Essen des Mutterkuchens nach der Geburt Wunder wirken. Als Kapsel, Pille, Globuli, gemahlen, gekocht oder gefriergetrocknet: Die in der Plazenta enthaltenen Hormone und Nährstoffe sollen die Milchproduktion ankurbeln, für ein starkes Immunsystem und einen schönen Teint sorgen, Schmerzen lindern, verjüngen und Wochenbettdepressionen abwenden. Die Freiburger Engel-Apotheke wirbt sogar damit, dass die "ganze Familie die Plazentakräfte, von denen das Kind vor seiner Geburt gezehrt hat, zur Stärkung des Organismus und Linderung von Beschwerden nutzen" kann. Hier sollen die Plazenta-Globuli auch gleich noch bei Migräne und Neurodermitis helfen. (Brigitte 10.6.15)

Wir essen auch manchmal Plazenta (Palatschinken) – lecker! Wegen der Etymologie, die vielleicht nicht jeder kennt, sei es erwähnt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2015 um 05.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29120

Heute morgen schmeckt mir der Tee nicht. Da fällt mir ein, daß es Kräutertee ist. Nun schmeckt er mir wieder.

Unbeabsichtigter psychologischer Selbstversuch. Mit Geruchseindrücken erlebt man so etwas öfter. Gestank oder Duft ist eine Frage der Einstellung. Es gibt allerdings Verwesungsgerüche, die einem augenblicklich den Magen umdrehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2015 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29119

"SPD: Kramp-Karrenbauer setzt Homo-Ehe mit Inzucht gleich" (Rhein-Zeitung 3.6.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2015 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29091

Noch zu Kramp-Karrenbauer (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29049), der Vollständigkeit halber: Eine Rechtsanwältin hat gegen Kramp-Karrenbauer Anzeige erstattet. Sie wird sich eine Abfuhr holen, aber allein die Aussicht, wegen einer sachlich völlig richtigen Aussage rechtlich belangt werden zu können, wird die "Schere im Kopf" stärken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2015 um 07.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29089

Dass sich die Kirchen, speziell die katholische, mit den Menschenrechten lange Zeit schwertat, ist nicht erstaunlich. (FAZ 8.6.15)

Oft zieht die Apposition die Kongruenz an sich, die eigentlich zwischen ihrem Bezugselement und dem Verb hergestellt werden müßte. Das wird durch die größere Nähe zum Verb gefördert. Umgekehrt:

Der Osten, vor allem die Unternehmen, haben nach dem EU-Beitritt zu wenig aus den offeneren Märkten im Westen gemacht. (FAZ 29.4.14)

Ebenfalls aus der FAZ von heute:

Ob man von einer grundsätzlichen Frontstellung zwischen westlicher Lebensweise und Islam ausgehen muss, ist damit nicht gesagt. (FAZ 8.6.15)

Indirekte Fragesätze mit "ob" sind Alternativfragen. Eine solche Deutung wäre hier zwar möglich, gemeint ist aber ein "daß".

(Der fromme ganzseitige Beitrag, aus dem ich zitiere, ist übrigens von Barbara Zehnpfennig, die nebenbei als Guttenbergs Quelle bekannt geworden ist.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.06.2015 um 09.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29079

Oder auch Blümchenkaffee, der so schwach ist, daß man die Blümchen auf dem Boden der Tasse sehen kann. (Vanilla sex hat einen zart süßlichen Geschmack.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2015 um 05.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29078

Auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart ist auch der Ökumenische Arbeitskreis Sadomasochismus vertreten. Diese Interessengruppe wird in der Diversity-Diskussion kaum berücksichtigt.
Angestrebt wird – laut FAS – spirituelle Erfahrung („Flow“) durch Schmerz. Das Gegenteil ist „Blümchensex“. Die Herkunft dieses Begriffs ist umstritten, ich vermute aber, daß er analog zu "Blümchentapete" gebildet ist; zusammen mit Gartenzwergen Inbegriff der Spießigkeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.06.2015 um 04.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29074

„Legale Varianten des Sexuallebens sollen neutral benannt und keinesfalls unter den Ausdruck Perversion subsumiert werden, da es gerade auf diesem Gebiet bei den Maßstäben für Normalität und Abweichung große individuelle Unterschiede gibt.“ (Duden 9:735)

Hier zeigt sich das Grundproblem. Die Varianten des Sexuallebens werden gesellschaftlich und auch medizinisch in normale und abweichende eingeteilt, ob man letztere nun "pervers" nennt oder nicht. Wikipedia:

„Perversion (von lat. perversus ‚verdreht‘, ‚verkehrt‘) bezeichnet eine Verkehrung ins Krankhafte oder Abnorme bzw. ein dementsprechendes Empfinden und Verhalten.
Im sexuellen Kontext steht die Bezeichnung für eine Abweichung von den allgemein als angemessen betrachteten soziokulturellen Normen hinsichtlich sexueller Begierde und Handlung. Im Zentrum stehen unübliche sexuelle Praktiken oder Objekte. Gerade im sexuellen Bereich ist es kultur-, zeit- und gesellschaftsabhängig, was als Abweichung von der Normalität gilt. So gelten in vielen Kulturkreisen z.B. oral-genitale oder anal-genitale Sexualität, Homosexualität, Onanie als Perversionen, obwohl diese laut ICD-10 normgerechtes Verhalten darstellen. Im ICD-10 und im neueren DSM-5 werden stattdessen Störungen der Sexualpräferenz diagnostiziert, wie bspw. Fetischismus, fetischistischer Transvestitismus, Exhibitionismus, Voyeurismus, Pädophilie, bestimmte Formen des Sadomasochismus, Sodomie und weitere Abweichungen vom fortpflanzungsorientierten Sexualakt.“

Der Gesichtspunkt der Legalität ist sachfremd und wird im Wikipedia-Eintrag mit Recht weggelassen. Man könnte ihm allenfalls vorhalten, daß er "biologistisch" an der Fortpflanzungsorientiertheit als Kriterium des normalen Geschlechtsverhaltens festhält. Nun ist es allerdings für eine biologische Sichtweise gar nicht von der Hand zu weisen, daß die Fortpflanzung gewissermaßen der Sinn der Sexualität ist (ganz ohne naturalistischen Trugschluß). Das bedeutet kein moralisches Urteil über andere Erscheinungsformen des Geschlechtlichen; es bedeutet nur, daß am springenden Punkt festzuhalten ist. Andernfalls gäbe es bald keine Menschen mehr und damit auch niemanden, der sich politisch korrekt empören könnte – so einfach ist das.

Zurück zur Legalität! Die allermeisten "Abweichungen" des Geschlechtslebens sind legal. Aber was wäre gewonnen, wenn man sie deshalb "normal" fände? Soll der Leidensdruck ein Kriterium sein? All die Fetischisten, die eine ganze Industrie am Laufen halten, sind anscheinend glücklich mit ihren überteuerten Gummi- und Lederprodukten. Wissenschaftlich betrachtet, sind die Exhibitionisten auch nicht perverser, aber wir bestrafen sie, wenn sie sich "in schamverletzender Weise" zeigen, während wir sogar noch Geld dafür bezahlen, uns die Transvestiten ansehen zu dürfen.

Fast könnte man die katholische Kirche um ihre festen Kriterien beneiden, die allerdings zur Zeit auch ins Wanken geraten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.06.2015 um 03.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29060

Zum Geschäft mit der Not (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28601) gehört auch die Rhetorik der Gehaltsforderungen für Erzieherinnen. Diese hätten es nicht mit Maschinen, sondern mit mit lebenden Menschen zu tun, und was sind uns wohl unsere Kinder wert? Usw.
Man verschiebt eine ökonomische Frage kurz ins Moralische, anschließend kehrt man ins Ökonomische zurück und zählt nach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.06.2015 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29049

Die saarländische Ministerpräsidentin vergleicht die Homo-Ehe indirekt mit Inzest und Polygamie – und löst damit heftige Reaktionen aus. Doch Kramp-Karrenbauer bleibt bei ihrer Äußerung – und sieht wohl auch keinen Grund zur Entschuldigung.
„Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen. Wollen wir das wirklich?“
(FAZ 3.6.15)

Die Äußerung ist weder logisch noch moralisch zu beanstanden.

Zur Sache: Inzest und Polygamie haben viele Befürworter, und es ist nicht einzusehen, warum sie ohne "ergebnisoffene" Diskussion abgespeist werden sollten. Zeigt sich nicht in der Diskriminierung von Verwandten- und Mehrfachehe der wahre Spießer?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.06.2015 um 00.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29045

Zu dem Wort "heutigen":
Ich dachte, ich schaffe den Eintrag gerade noch eine Minute früher. Es bezieht sich auf den 2.6.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.06.2015 um 00.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29044

Zwei Fundstellen in der heutigen FAZ, beide auf Seite 1:

Griechenland ist nicht das einzige Land, das seine besten Tage schon lange hinter sich hat. Auch Ägyptens hochkulturelle Phase liegt schon einige Zeit zurück.

Und weiter unten:

Eine steigende Zahl gut qualifizierter Deutscher wandert aus. ... Seit der Jahrtausendwende hat sich der Anteil der hochqualifizierten Auswanderer damit um acht Prozentpunkte erhöht.

Das war wohl (jetzt noch) nicht als Warnung beabsichtigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2015 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29023

So soll Honecker nach Kriegsende häufig nach West-Berlin gefahren sein, "wo in Berlin-Grunewald Orgien veranstaltet wurden", zitiert das Blatt Akten des BND. Aus einem anderen Bericht aus dem Jahr 1973 geht hervor, der DDR-Staatschef habe heimlich Schauspiel- und Sprachunterricht genommen. (Berliner Morgenpost)

Ich glaube, hier liegt ein Mißverständnis vor. Die Orgien und der konspirative Sprachunterricht waren dieselbe Veranstaltung. Rollenspiele sind eine übliche Form des modernen Unterrichts. Geheimdienst-Spitzel sind erwiesenermaßen phantasielose Spießer; das zeigen ja die Stasi-Akten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2015 um 05.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#29009

Früher wurde Freiligraths Gedicht "Die Auswanderer" in den Schulen auswendig gelernt: "Ich kann den Blick nicht von euch wenden..." Meine Mutter konnte es noch. Keine große Lyrik, aber man spürt einen Hauch jener Zeit, als die Menschen Sack und Pack auf einen Karren luden und sich in das wirklich sehr große Abenteuer Amerika stürzten; eine Mischung aus Trauer und Zuversicht. In Auswanderermuseen (Bremerhaven, Cobh) kann man es noch erleben. Beinahe wäre ich selbst Amerikaner geworden. Meine Vorfahren waren gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch in die USA ausgewandert, aber nach einigen Jahren wurde das Heimweh der Mutter zu stark, die Bäckerfamilie kehrte zurück, und nur ein bißchen verquatschtes Englisch wurde noch weitergegeben. Ein drüben geborener Junge wurde selbstverständlich Charles getauft und ist uns noch als der legendäre Onkel Charlie in Erinnerung. Das zeigt den Willen zur schnellen Integration.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2015 um 04.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28937

Vor ein paar Tagen titelten viele Medien ungefähr so:

Sechs Polizisten werden bei "Pegida"-Demo verletzt

Jeder Leser erkennt die Absicht, weiß aber auch ohne Weiterlesen, daß die Gewalttätigkeit von den linken Gegendemonstranten ausgegangen ist, wie fast immer. Gesegnetes Passiv! (Diathese der Täterverschweigung)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2015 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28902

Wahrscheinlich eine Erinnerungstäuschung von mir, weil ich den Bayern jeden Hohn zutraue...
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 17.05.2015 um 10.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28901

Wenn eine »Preußen-Halbe« 0,4 Liter mißt, kann 0,25 Liter keine »Preußen-Maß« sein, einmal abgesehen davon, daß das katholische Rheinland nicht gerade zu den preußischen Kerngebieten zählt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2015 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28900

Ebenfalls in der FAS vom 17.5.15 steht ein ganzseitiger Bericht über den Kuckuck. Er zitiert nicht ganz wörtlich aus Bechsteins Naturgeschichte von 1792, archaisierend mit herbey kommt (Original kömmt) und Theil, aber zugleich ist die dass-Schreibung der FAZ drübergestülpt. Das Verfahren wirkt irgendwie schmuddelig.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.05.2015 um 05.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28899

Die kleinen Meldungen aus der Wissenschaft stammen überwiegend aus der Psychologie. Die FAS vom 17.5.15 teilt mit:
Tomatensaft schmeckt bei Lärm besser.
Frische Luft steigert die Leistung von Schulkindern um 7 Prozent.
Zweisprachige Kinder haben mehr Empathie. Das haben amerikanische Forscher bei der Untersuchung von 72 Vorschukindern festgestellt.

Denn Narzissmus hält ein Leben lang ist der Titel eines Beitrags über Eltern, die ihre Kinder zu sehr loben. Nichtgenannte Amsterdamer Forscher haben herausgefunden, daß Selbstvertrauen durch „menschliche Wärme“ entsteht und nicht durch Lob. Alles mit Fragebögen zur Selbsteinschätzung. Das Thema war schon vor Wochen durch alle Zeitungen gegangen. Prototyp von schlechter Psychologie. Solche Artikel haben den Unterhaltungswert von Horoskopen; man liest sie beim Sonntagsfrühstück vor, schmunzelt kurz (über die anderen, die so trefflich charakterisiert sind) und vergißt sie wieder.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2015 um 12.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28885

Die Stärke des Händedrucks „soll zeigen, ob ein Mensch Herzinfarkt gefährdet ist.“ (rp-online.de 15.5.15)

Außerdem lese ich, daß in Düsseldorf der Bierpreis jetzt eine Schallmauer durchbrochen habe, nämlich 2 € für ein Glas Alt statt bisher 1,90 €. Das hat mich stutzig gemacht, bis ich las, daß es sich um 0,25 l handelt ("Preußen-Maß"), also keine Quantität, bei der es sich für einen Bayern oder Franken lohnen würde, auch nur hinzuschauen – falls man nicht gerade eine Tablette runterspülen muß. Interessant ist aber die psychologische Wirkung auf das Trinkgeld. Während man spontan annehmen würde, daß das kellnerfreundliche Aufrunden auf 2 bzw 4 € usw. nun wegfallen könnte, führt die zweite Überlegung gerade aufs Gegenteil: Man muß ja Trinkgeld geben, und da wäre es doch schäbig, 10 oder 20 Cent zur runden Summe hinzuzulegen, folglich gibt man z. B. 2,50 €. Und so ist es denn auch, wie ein Kellner bestätigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2015 um 18.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28839

Als meine Frau zum Studium nach Irland (zurück)kam, stand sie etwas verloren am Flughafen Shannon herum. Ein Busfahrer griff sie auf und redete sie mit "my love" an, bevor er sie nach Galway fuhr. Da fühlte sie sich gleich wieder zu Hause.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 08.05.2015 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28836

Zu "#28834 [/] Wenn ich eine Frau wäre, würde ich mich erinnern, wo überall ich mit Honey angeredet worden bin": Ich kann mich gar nicht erinnern, wo überall und wie oft ich in allerdings jüngeren Jahren von wildfremden und auch etwas älteren Frauen mir nichts, dir nichts mit Honey angeredet worden bin. Natürlich kann man das auch unter ungehöriger amerikanischer Begeisterungsfähigkeit abbuchen, aber derartige Anreden scheinen nicht nur landschafts-, sondern auch modegebunden zu sein; jedenfalls habe ich Honey schon ziemlich lange nicht mehr gehört, - ich meine, auch nicht, wenn ich Gesprächen anderer zuhörte.


 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2015 um 05.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28835

Der von mir hoch geschätzte Geoffrey Sampson, den ich u. a. wegen seiner schriftgeschichtlichen Arbeiten schon erwähnt habe, hat vor einigen Jahren eine Begründung veröffentlicht, warum er Christ ist und einen Abfall des Abendlandes vom Christentum bedauern würde: http://www.grsampson.net/CXtn.html.

Nun gibt es viele solche Bekenntnisse, und ich kann dazu naturgemäß nichts sagen. Es kränkt mich zwar, daß Sampson den anständigen Nichtchristen nachsagt, ihre Anständigkeit verdankten sie der christlichen Umgebung, von deren Erbe sie gewissermaßen noch zehrten, aber das will ich auch nicht kommentieren, daran bin ich gewöhnt.

Für uns relevant ist nur der Vergleich mit China. Sampson hat Sinologie studiert, altchinesische Lyrik übersetzt und kann als Kenner der chinesischen Kultur gelten. Zustimmend zitiert er einen Geschäftsmann:

"We are brought up to think there are some fundamental ground rules that people follow that are not the law but are a higher level of operating than the law, and people abide by them because it is considered fair and reasonable to do so. But the Chinese are brought up from a fairly early age to believe that the only thing that is important is to win."

Ich glaube, daß solche Urteile, denen erfahrungsgemäß keine Kennerschaft etwas anhaben kann, von Grund auf verfehlt sind.

Erstens sieht selbst ein so aufgeklärter Mensch wie Sampson das Abendland im Lichte von dessen Ideologie. Zwar erwähnt er kurz die Ketzerverfolgungen (und spielt sie herunter), aber daß man aus der Vogelperspektive die abendländische Geschichte auch in einem weniger rosigen Licht sehen kann, kommt ihm nicht in den Sinn. Sind insgesamt die Menschen hier friedlicher, menschlicher (gewesen)? Eine offene Frage zumindest.

Zweitens sind die Eindrücke aus China wie immer in solchen Fällen nicht leicht einzuordnen. In der VR hat die kommunistische Parteidiktatur die schlechten Eigenschaften der Menschen gefördert, das Denunziantentum vor allem, vielleicht auch positive, in die der Fremde keinen Einblick hat. Überhaupt: Was wissen wir vom chinesischen Familiensinn, der wohl doch dazu beigetragen hat, daß die Chinesen das erfolgreichste Volk der Erde sind (wenn man nur den Reproduktionserfolg in Betracht zieht).
Ich kann mir schon denken, welche anekdotischen Erlebnisse die Ansicht vom chinesischen Gewinnstreben und Egoismus hervorgerufen haben. Wenn ein Unternehmer erlebt, daß er wieder mal den kürzeren gezogen hat, kann es schon zu einer solchen Meinung kommen. Und wenn man das brutale Gedränge im öffentlichen Personenverkehr beobachtet, ebenfalls.
Ich bin auch in chinesischen Familien gewesen und habe einige Literatur gelesen, Romane und Philosophen. Manches ist anders, aber die grundlegenden Züge der "Menschlichkeit" (ein hochgehaltener Begriff) usw. sind genau wie bei uns. Auch bei uns liebt niemand seine Feinde...

Kurz: Ich glaube, daß man irgend etwas nicht begriffen hat, wenn man so pauschal über eine ganze Kultur urteilt. Vielleicht habe ich schon mal erzählt, was mein Indologieprofessor bei jeder Rückkehr aus Indien sagte: "Indien ist so ein schönes Land - wenn bloß die Inder nicht wären!" Dabei war er mit vielen eng befreundet und hätte wohl kaum sein ganzes Leben in den Dienst dieser Kultur gestellt, wenn es ihm ganz ernst gewesen wäre. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, welche kleinen Erlebnisse einem einen solchen Stoßseufzer entlocken können. (Immerhin wurde damals - im Unterschied zu China - an Haltestellen noch brav Schlange gestanden, das hätte gerade dem Briten Sampson gefallen müssen...)

Es ist naiv, aber auch müßig, eine fremde Kultur, eine andere Religion aus der Sicht der eigenen zu beurteilen und dann natürlich meist zu verurteilen. Schwieriger und nie abzuschließen ist der Versuch, jede Kultur aus sich heraus zu verstehen. So macht es zum Beispiel die sehr christliche Anna Wierzbicka, und es kommt mehr dabei heraus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.05.2015 um 04.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28834

Wenn ich eine Frau wäre, würde ich mich erinnern, wo überall ich mit Honey angeredet worden bin.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.05.2015 um 09.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28796

Ja, dort dann meist ausgesprochen [luv].
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.05.2015 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28795

Ergänzung zu #28790:
Daß auch Fremde mit "love" angesprochen werden, soll nach Auskunft englischer Kollegen vor allem regional im nördlichen England vorkommen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.05.2015 um 15.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28790

Ja, das denke ich, egal in welchem Land. Allerdings hatte ich das mit der Aufdringlichkeit etwas eingeschränkt. Ich würde es zwar so empfinden, wäre aber schon auch nachsichtig.

Falls Sie hier England meinen sollten, so glaube ich aber nicht, daß eine solche Anrede geradezu typisch für dieses Land ist, eher im Gegenteil, selbst wenn es ab und zu mal vorkommen sollte.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 04.05.2015 um 14.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28789

Im Lande des „understatement“ gibt es auch viele Leute, die jeden Wildfremden mit „love“ ansprechen.

Ist das nun ein Zeichen von „Begeisterungsfähigkeit“ oder von „aufgesetzter, unehrlicher, ja fast schon aufdringlicher“ Höflichkeit?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 04.05.2015 um 10.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28786

Zu #28773, und da schließlich besonders zur Dauerform (progressive): Ach du meine Güte! Da ist also auch im Deutschen der Name Gottes zur Verhinderung der direkten Nennung des Namens Gottes durch eine seiner Eigenschaften ersetzt worden! Zu Herrn Achenbachs langgezogenem, also wenigstens mit einiger Verzögerung ausgesprochenen "God": Wo ich lebe, gehen wir da noch weiter. Wir sagen "Oh my!", mit "my" lang, und damit hat sich's. Auch vom gebackenen Hühnchen essen wir nur "dark meat" und "white meat", denn Bein und Brust erinnern doch zu sehr an Sex, und dabei wollen wir ja nicht zu weit gehen. Deutsche können wie Gott in Frankreich leben, - uns hier ist ein zum Picknick mitgebrachtes "hot dish" keine Götterspeise (wir wollen ja lt. erstem Gebot sowieso keine Götter kennen), sondern einfach "out of this world", wobei wir uns auch gar keine Sorgen machen, was betuchteste New Yorker an der Fifth Avenue essen und wie sie es nennen, so daß es keinem aufstößt, denn Amerikanisch ist, was Amerikaner sprechen, und "I'm loving it" hat Zukunft, wie ja der von uns Sprachbesorgten geliebte Konjunktiv II schon fast überall durch die *would-plus-infinitive*-Konstruktion ersetzt ist. Warum? Nun, da braucht man nicht mehr alle Stammformen des Verbs zu wissen; der Infinitivstamm reicht, und nur zu "be" und "would [='d]" muß man noch etwas mehr wissen. Und da können gute Erforscher der englischen Sprache tausendmal (aber auch trotzdem nicht ganz richtig) sagen, die Dauerform ist ja bei Verben, die sowieso Andauerndes ausdrücken, "nicht richtig", - das Volk, dem ich gern aufs Maul schaue, redet halt anders. Wenn ich unten in der Stadt in der Kneipe bei einem Bier gefragt wurde: "And what are you doing?" (und das schon vor langem), sagte ich nicht, "Mann, das siehste doch. Ich trinke ein Bier.", sondern antwortete: "I'm working up at the college", obwohl manche da oben es anfangs gar nicht so gerne sahen, daß ich in der Öffentlichkeit so gottungefällig ein Bier trank und Biertrinken ja auch m. E. nicht als Arbeit zu zählen ist.

Zum nervenden "Hi, how're YOU doing today?" (#28776): Na, irgendwas müssen die Leute ja sagen, das gehört zum guten Ton. Als Nicht-Muttersprachler nimmt man natürlich eine Menge alles erstmal wörtlich, aber so ist es nicht immer gemeint, und wenn es in diesem Fall sogar so gemeint ist, finde ich es sogar ganz anständig und gar nicht aufdringlich. Im Deutschen zeigt uns der Akkusativ in "Guten Tag", daß der Ausdruck für "Ich wünsche Ihnen/dir/euch einen guten Tag" steht. Ist das nun aufdringlich, wenn wer zu uns guten Tag sagt, wo wir einander doch vielleicht gar nicht so kennen? "Die Amerikaner haben einfach diese Neigung zu Superlativen, Kitsch und Übertreibungen." Ach, lieber Herr Riemer, die Deutschen haben sie auch, aber sie wird ihnen in der Schule ausgeredet (so daß wir dann hier "die Deutschen" bereden können, - und auch "die Amerikaner", nicht wahr, wohl weil die uns nicht so ausgeredet wurden); in Amerika hält man die Hand aufs Herz beim vielleicht noch täglichen Absingen der Nationalhymne, und ansonsten läßt man die Kinder reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Aber jeder erinnert sich auch sein Leben lang dankbar an den einen Lehrer, der darauf bestand, daß man sich immer klar und genau ausdrückte. Und in unserer kleinen Stadt hier (Thornton Wilders *Our Town*) hatten wir eine Lehrerin, die ihre Mathematikschüler aufgrund von deren Erfolgen bei Wettbewerben fast jährlich bis nach Washington nahm und ohne große Superlative vorbildlich redete, wie ihr Fach das erforderte. Was ist denn daran "unehrlich ... schon", wenn jemand in der U-Bahn mit mir ein Gespräch anfängt, weil er hörte, daß ich was mit einem Akzent sagte, und er mir bei seinem zweiten Satz unseres kurzen Gesprächs bis zu seiner oder meiner Station schon ein Foto von seinen zwei Töchterchen zeigt? Ehrlich, nach einem halben Jahrhundert hier freue auch ich mich, daß er sich gar nicht schämt, anderen zu zeigen, wie lieb er seine Kinder hat. Sowas verdient sogar Achtung, empfinde ich. Zu so manchem recht Menschlichen muß man sich nämlich nicht unbedingt doch erstmal gut kennen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.05.2015 um 10.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28784

Sicher ist das auch ein wichtiger Punkt, lieber Herr Metz. (Ich kenne leider Holländisch und die Holländer zu wenig, hätte allerdings vermutet, daß es so gravierende Mentalitätsunterschiede zwischen Holländern und Deutschen nicht gibt.)

Welches ist dann also eine gute Übersetzung, die einerseits den amerikanischen Sprachgebrauch berücksichtigt (love/hate ist nicht genau gleich lieben/hassen), andererseits aber auch die unterschiedliche Mentalität nicht einfach glattbügelt (love/hate ist nicht genau gleich mögen/nicht mögen)?
Man kann beidem wohl nur im Textzusammenhang einigermaßen gerecht werden, d. h. es gibt keine feste Lösung.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 03.05.2015 um 23.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28777

Amerikaner sagen das nun mal nicht so, sondern sie sagen "Ich liebe/hasse Eiscreme"

Eben nicht. Sie sagen: I love/hate ice cream. Übersetzen Sie mal niederländische Texte nach dem Prinzip »love = lieben«. Was meinen Sie, was dabei herauskommt? Jedenfalls keine Texte, die die Mentalität der Holländer zutreffend wiedergäben. Eher im Gegenteil.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 03.05.2015 um 22.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28776

Ja, woher kommt diese Begeisterungsfähigkeit bloß (R.M., #28762), jedenfalls ist sie eine Frage der US-amerikanischen Mentalität. Ich finde es z. B. auch immer noch sehr irritierend, wenn ich beim Betreten eines Geschäftes sofort gefragt werde: "Hi, how're YOU doing today?" (Auch noch mit Betonung auf dem YOU, mein erster Gedanke ist immer, heh, woher kennen die mich?) Ich empfinde diese übertriebene Freundlichkeit als aufgesetzt, unehrlich, ja fast schon als aufdringlich. Ist natürlich nicht aufdringlich gemeint, aber unehrlich ist sie schon, denke ich. Die Amerikaner haben einfach diese Neigung zu Superlativen, Kitsch und Übertreibungen.

Wenn man nun "Oh my GOD" mit "Ach du Schreck" und "I love/hate ice cream" mit "Ich mag (keine) Eiscreme" usw. übersetzt, dann trifft es wohl das, was ein Europäer sagen würde, aber es verwischt und verdeckt völlig die amerikanische Mentalität. Amerikaner sagen das nun mal nicht so, sondern sie sagen "Ich liebe/hasse Eiscreme", und deshalb finde ich, muß man das auch so übersetzen, und nicht seine eigene Mentalität hineininterpretieren und damit die amerikanische Art verstecken.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.05.2015 um 19.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28773

Ob „I'm loving it!“ überhaupt korrektes Amerikanisch ist, darüber gehen die Meinungen auch unter Amerikanern auseinander. Jedenfalls sollte man besser nicht sagen „i’m loving my wife“.

Herr Ludwig weist darauf hin, daß manche amerikanische Ausdrucksweisen, auch das „wonderful“, auf Nichtamerikaner etwas sehr emphatisch wirken. Für Amerikaner sind das aber Allerweltsausdrücke. Leider werden diese häufig wörtlich und damit falsch übersetzt. „I love/hate ice cream“ heißt im Deutschen nun einmal nicht „ich liebe/hasse Eiscreme“ sondern „ich mag/mag kein Eiscreme“.

Sehr beliebt als Ausdruck des Erstaunens oder Erschreckens ist „oh my God!“, wobei das letzte Wort möglichst langgezogen ausgesprochen wird. Fromme Amerikaner dürften das eigentlich nicht sagen (Drittes bzw. Zweites Gebot). Jedenfalls heißt das im Deutschen nicht „O mein Gott!“, auch wenn man das inzwischen schon oft hört oder liest, sondern eher „ach du meine Güte“ oder „ach du mein Schreck“.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 03.05.2015 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28772

Die Kirchen geben ja auch Anlaß zur Kritik, bei uns wie in den USA. Hier ist man sich seiner Vergangenheit aber eher bewußt, siehe Hexenwahn, Religionskriege, Pogrome, Drittes Reich, etc. Nicht über Politik reden zu wollen, in einem (angeblich) demokratischen Land, da dann doch irgendwas nicht stimmen ...

Woher wissen Sie, Herr Achenbach, "daß von solchen Daten nur unter strengen Bedingungen Gebrauch gemacht" wird? Und was genau meint "strenge Bedingungen"? Das "Datenzeitalter" hat gerade erst begonnen, wir können doch noch gar nicht wissen, welches Mißbrauchspotential im großmaßstäblichen Sammeln, Vorrätighalten und letztlich auch Auswerten von Daten liegt? Die Amerikaner hatten keine zwei Diktaturen innerhalb des letzten Jahrhunderts auf ihrem Territorium, die sind diesbezüglich doch ziemlich gutgläubig. Wir müssen und das nicht zum Vorbild machen.

Die in irgendwelchen Rechnern ''schlummernden'' Daten wecken Begehrlichkeiten, sie für die unterschiedlichsten Zwecke auszuwerten, und das bekommen dann die wenigsten mit. Wovor ich Angst habe, ist, daß in meine Daten irgendwas reininterpretiert wird, mit dem ich nicht einverstanden bin, wo den Leuten also "die Zahlen", die ja angeblich nicht lügen, vorgehalten werden, um unliebsamte Entwicklungen als unumgänglich darzustellen, so z. B. ein neuer Flughafen, Flughafenausbau, neue Kernkraftwerke, Rechtschreibreformen etc.

"Noch etwas zur sprachlichen Seite. Bei uns wird in diesem Zusammenhang immer von „Überwachung“, ja von „flächendeckender Überwachung“ gesprochen. Das halte ich für sprachliche Manipulation. Das bloße Vorhandensein von Daten ist keine „Überwachung“. Da gebe ich Botschafter Emerson ganz recht. Ich fühle mich überwacht, wenn meine Anrufe abgehört oder meine Briefe geöffnet werden, und jedesmal, wenn ich an einer Radarfalle vorbeifahre. Ich fühle mich dagegen nicht überwacht, weil von mir irgendwo Daten geschützt aufbewahrt werden."

Ich würde hier nicht so schnell von ''sprachlicher Manipulation" sprechen. Daten werde deshalb erhoben und aufbewahrt, um sie auszuwerten, siehe den Begriff Data Mining, http://de.wikipedia.org/wiki/Data-Mining: "Der Verlust an Genauigkeit geht oft mit einem Verlust an statistischer Gültigkeit einher, so dass die Verfahren aus einer rein statistischen Sicht mitunter sogar „falsch“ sein können. Für die Anwendung im Data-Mining sind oft jedoch der experimentell verifizierte Nutzen und die akzeptable Laufzeit entscheidender als eine statistisch bewiesene Korrektheit." Sowas sollte einem zu denken geben, insbesondere wenn man durch Statistiken (Zahlen) – wie oben beschrieben – bestimmte Notwendigkeiten belegen will.

Wer schreibt heute noch Briefe? Wenn Sie aber eine E-Mail schreiben, würden Sie sich nicht überwacht fühlen, wenn ein Programm ihre E-Mail scannt und nach Schlüsselbegriffen wie Waffen, Rauschgift der Islamismus etc. sucht? Es kommt nicht darauf an, ob ein Mensch oder ein Programm Ihren Brief oder Ihre E-Mail ''öffnet'', sondern darauf, welche Konsequenzen das für Sie hat – und für die Gesellschaft als Ganzes hat, und wenn es nur die Schwelle herabsetzt, z. B. E-Mails automatisch zu scannen. Früher gab es das Briefgeheimnis, gibt es etwas Vergleichbares für E-Mails? Letztlich ist es unerheblich, ob und wann Sie sich überwacht fühlen, wichtig ist nur, ob Sie überwacht werden und welche Informationen aus den Überwachungsdaten gewonnen werden. Das bleibt natürlich geheim! Aber damit wird dann kräftig Geld verdient, Sie sehen davon aber keinen Cent, sondern können sich dem daraus resultierenden Spam nicht mehr erwehren bzw. müssen die Kosten für diese allgemeine Überwachung durch die von Ihnen gekauften Produkte noch selber bezahlen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 03.05.2015 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28771

Zu Herrn Achenbachs "auch wenn man auch hier nicht über Gebühr verallgemeinern sollte": Einfach um etwas besser zu verstehen und die Frage, "woher diese Begeisterungsfähigkeit kommt" zu beantworten, sollten wir nicht vergessen, daß vieles in der US-amerikanischen Mentalität, um es mal etwas verallgemeinernd zu sagen, der optimistischen Aufklärung aus der Zeit des Neo-Klassizismus entspringt (man schaue sich da nur mal die Architektur der State Capitols an, die die Schulkinder besuchen, um etwas über ihren Staat zu lernen).

R.M.s Unterscheidung "Englisch: "That's rather nice." Amerikanisch: "That's wonderful! I'm totally lovin' it! It's awesome!"" ist eigentlich schon im Englischunterricht besprochen worden, wo auf englisch was runterfiel und "in twenty pieces" brach und bei uns dasselbe "in tausend Stücke sprang" und wir mit dem Wort Untertreibung unseren Sprachschatz bereicherten. Ich habe übrigens nie "I'm totally lovin' it!" gehört, sondern nur "I love it." Und mir fällt der übertriebene Gebrauch von "love" und "hate", der mir in meimen ersten Jahren hier gewaltig gegen den Strich ging, schon gar nicht mehr auf. "It's awesome!" ist eigentlich erst wenige Jahre alt, und auch ohne "It's", meine ich. Damit machten unsere jungen Mütter hier auch die Sprache ihrer Schulkinder nach und ersetzten damit etwas ihr eigenes "cool". Wobei ich aber weder bei den Kindern noch bei den jungen Müttern das Gefühl hatte, daß die das Wort "awe" so verstanden und sorgfältig beachteten, wie ich's mit meiner Bildung tat und meinem Anglistikstudium und was weiß ich noch. Aber auch ich freute mich irgendwie, wenn Studenten nach meiner Erklärung von Zusammenhängen von irgendwas im Deutschen und Englischen, spoon und Span oder warum Frauen in der Kirche in Europa einen Hut tragen dürfen, Männer aber nicht und vor allem keine *baseball cap* verkehrt rum, - wenn die also meine Erklärung mit der Bemerkung "Awesome" entgegennahmen und mir dann gar nicht glauben konnten, daß ihr Gebrauch von "awesome" ein relativ neuer in der amerikanischen Szene sei.

Zu Herrn Icklers vorgestellter Zeitung (#28765): Ich habe natürlich hohe Achtung vor der deutschen Bezeichnung "Nachrichten", sinnvolle Informationen, zum Sich-danach-Richten. Dieses Wort sollte wie Kindergarten und Zeitgeist in alle Welt gehen! Aber "news" enthält eben auch viel von dem, was das Leben der Menschen beeinflußt und ohne das der Mensch nicht sein kann. Und ich selbst, der ich mir meine Nachrichten, so gut es geht, gleich aus den News Services zusammensuche, gebe gern zu, daß auch für mich was drin ist, wenn ich z. B. nur heute nacht lese:
"Mayweather behält damit seinen WBC- und WBA-Super-Championtitel im Weltergewicht und bekommt den WBO-Gürtel des zwei Jahre jüngeren Pacquiao." Es handelt sich hier um Leute, die 38 und 36 Jahre alt sind, und ich freue mich, daß auch im fortgeschrittenen Sportleben Erfahrung vor Jugend gehen kann.
"London (dpa). Der britische Prinz William, seine Frau Kate und ihre neugeborene Tochter haben das Krankenhaus in London verlassen. Knapp zehn Stunden nach der Geburt der Prinzessin zeigte die Familie sich vor der Tür des Lindo Wings des St. Mary's Hospital, [...]" Das mit den zehn Stunden ist an sich schon ganz interessant, aber eine andere dpa-Nachricht bringt noch mehr dazu: "Nur knapp zehn Stunden nach der Entbindung hatte Kate mit perfekter Frisur vor der Londoner Klinik strahlend ihr Baby gezeigt." Ja, Mann, das ist *royal class*, und viele lesen es sicher gern.
Und zu "Mann lebte mehr als zwei Jahre lang mit toter Mutter [/] Gronau (dpa). Ein 50 Jahre alter Mann hat in Gronau im Münsterland mehr als zwei Jahre lang mit seiner toten Mutter in einer Wohnung gelebt. Polizisten hätten die Leiche der Frau in einem Zimmer der Wohnung entdeckt, sagte ein Polizeisprecher und bestätigte damit einen Bericht der «Westfälischen Nachrichten»": Wie anders doch die Umstände in einem ähnlichen Fall, wo der Südstaatler William Faulkner mit realistischem Respekt "A Rose for Emily" bricht, die ihr Leben in vergangener Zeit in einem Haus, einem "eyesore among eyesores", verbrachte, was alles uns in der Gegenwart zeigt, es geht auch anders, aber so geht's irgendwie auch.

Zurück zum amerikanischen Neo-Klassizismus und dessen Religionsverständnis: Whatever is, is right, 1734, und das löst das Religionsproblem und was es da groß zu diskutieren gäbe. Und zu Herrn Achenbachs "Devise für die gute Gesellschaft „never talk about religion or politics“": Wir deutsche Fulbright-Studenten wurden Anfang der 60er Jahre vor unserer Abreise in die USA in Vorbereitungsseminaren gelehrt, Amerikaner mögen keine Gespräche über *race, religion, and politics*, - und gerade über solche Themen einsichtsvoll sprechen zu können, hatte den meisten von uns ja den kleinen Vorteil gegeben, um dieses Stipendium zu bekommen. Auch wenn bei allen möglichen Preisverleihungen hier Gott und den Eltern und früheren Lehrern dankgesagt wird, so ist das nichts weiter als wenn ich im Rückblick auf deutsch sage: Gottseidank hatte ich vernünftige Eltern und gute Lehrer. Herr Ickler hat hier völlig recht (#28763): Es geht bei sowas um "Äußerungen, wie man ja auch vom "smile-code" spricht und damit die kommunikative, konventionelle Seite hervorhebt." So spricht man halt bei sowas. Und in Deutschland wissen viele vieles besser; das ist auch meine Erfahrung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2015 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28765

Es gibt bekanntlich Atlanten, die alles auf den Kopf stellen, was die übliche Kartographie bietet und schon den Schülern ein für allemal einbleut.

So könnte man sich eine Zeitung vorstellen, die weder einen Boxkampf noch ein "Royal Baby" (wie jetzt jeder sagen zu müssen glaubt) in die Hauptschlagzeilen setzt, sondern beispielsweise die zivilen Opfer amerikanischer Luftangriffe in Syrien, und das Boxen und das Baby vielleicht überhaupt nicht erwähnt usw. Das wäre wohl nur als Internetprodukt möglich. Im Internet findet der erfahrene Nutzer zwar Websites, die nur das enthalten, was ihn interessiert, aber das ist nicht ganz das, was ich meine.
So muß man sich Tag für Tag die Mühe selbst machen, die große Illusionsmaschine ("Lügenpresse") gegen den Strich zu nutzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2015 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28763

Lauter interessante Beobachtungen und Bekenntnisse. Ich möchte nur in Erinnerung bringen, daß es nicht um Einstellungen geht, sondern um Äußerungen, wie man ja auch vom "smile-code" spricht und damit die kommunikative, konventionelle Seite hervorhebt.

Übrigens: Wir lesen von Geheimdiensten, und wir lesen von verhinderten Terroranschlägen. Unwillkürlich bringen wir beides in Verbindung.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.05.2015 um 20.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28762

Englisch: "That's rather nice." Amerikanisch: "That's wonderful! I'm totally lovin' it! It's awesome!" Man könnte sich fragen, woher diese Begeisterungsfähigkeit kommt.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 02.05.2015 um 19.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28761

Na ja, das sind ja noch mehr Clichés. Menschen, die alles „wonderful“ finden, sind mir jedenfalls lieber als solche, die einem ungefragt jedes Wehwehchen erzählen und hinter jeder Ecke den Weltuntergang wittern. In guter Gesellschaft gehört sich letzteres jedenfalls nicht. Da zieh ich den „stiff upper lip“ vor. Wenn es in den USA mehr positiv eingestellte Menschen als in unserem weinerlichen Land geben sollte - umso besser für die USA.

Trauer ist auch etwas anderes als Bitterkeit oder gar Verbitterung.

Es mag ja sein, daß es in den USA mehr Menschen gibt, die ihre Religiosität zur Schau stellen als bei uns. Die sind aber auch dort nicht die Mehrheit. Bei uns traut sich dagegen schon fast keiner zuzugeben, daß er gläubig ist. Umso abstoßend lauter sind die bei uns, die bei jeder Gelegenheit an den Kirchen herumkritteln. Persönlich halte ich mich lieber an die Devise für die gute Gesellschaft „never talk about religion or politics“.

Was Botschafter Emerson gesagt hat, halte ich für sehr treffend, auch wenn man auch hier nicht über Gebühr verallgemeinern sollte. Hier wie dort gibt es solche und solche.

Allerdings gibt es bei uns wohl tatsächlich einflußreichere und lautstärkere Gruppen, die eine „bundesverfassungsgerichtlich geförderte Datenschutzhypertrophie“ (Prof. Isensee) vertreten. Diejenigen in der Bevölkerung, die sich Sorgen um ihre Sicherheit machen, sehen die Dinge vielleicht anders.

In dieser Hinsicht bin ich Amerikaner. Ich fühle mich jedenfalls nicht in meinen Grundrechten beeinträchtigt, weil in irgendwelchen Rechnern irgendwelche Daten von mir schlummern, solange ich weiß, daß von solchen Daten nur unter strengen Bedingungen Gebrauch gemacht werden darf.

Im Gegenteil, ich würde mich beschweren, wenn meine Telefongesellschaft nicht meine Telefonverbindungen oder meine Bank nicht meine Finanztransaktionen speichern würden, denn wie könnte ich sonst nötigenfalls reklamieren? Obendrein bin ich noch mein eigener Datenvorratshalter, weil ich etwa verpflichtet bin, meine Steuerunterlagen soundsoviele Jahre aufzubewahren.

Noch etwas zur sprachlichen Seite. Bei uns wird in diesem Zusammenhang immer von „Überwachung“, ja von „flächendeckender Überwachung“ gesprochen. Das halte ich für sprachliche Manipulation. Das bloße Vorhandensein von Daten ist keine „Überwachung“. Da gebe ich Botschafter Emerson ganz recht. Ich fühle mich überwacht, wenn meine Anrufe abgehört oder meine Briefe geöffnet werden, und jedesmal, wenn ich an einer Radarfalle vorbeifahre. Ich fühle mich dagegen nicht überwacht, weil von mir irgendwo Daten geschützt aufbewahrt werden.

Der Kölner Stadt-Anzeiger spricht vom „BND als Partner der NSA“. Warum spricht er nicht von der „NSA als Partner des BND“? Besteht hier ein Unterschied oder bilde ich mir das nur ein?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 02.05.2015 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28760

Zu "Das ist in diesen Kreisen ein ernstes Problem, das bis heute diskutiert wird": Ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber interessant ist doch, wofür sich Menschen so interessieren, wenn sie etwas Zeit haben und ihren Interessen etwas nachgehen können. Im amerikanischen *baseball* "is less going on than meets the eye", wie's ein Engländer mal formulierte, aber trotzdem wollen hier viele wissen, wie so ein Spiel irgendwo weit weg ausgegangen ist und warum. Und da spielt dann sogar eine Menge ganz saubere Wahrscheinlichkeitsrechnung eine Rolle. Und daß "[j]emand, der noch mit Elvis zusammen musiziert hatte und ein frommer Laienprediger ist, beteuert (wie auch andere aus dem Umkreis), daß der King zwar kein Heiliger war, aber trotzdem im Himmel sei, weil er durch seine Gospeldarbietungen viele andere auf den rechten Weg geführt habe", werde ich nächsten Dienstag mal am wöchentlichen Kaffeetisch der Emeritierten hier zitieren, und ich bin sicher, wir werden es gar nicht so unernst diskutieren, - und manchmal führt ja sowas sogar zu einem Artikel in einer *peer-review*ten Fachzeitschrift. Und den Blick zu erweitern und zu vertiefen, - dazu sind doch auch wir hier mit Schrift und Rede angetreten, nicht wahr, ja. Auf jeden Fall reden in den USA z. B. bestenfalls Senioren im *high-school*-System noch irgendwann mal einer *spelling-reform* das Wort.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2015 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28759

Ja, natürlich, das ist alles voller Klischees, und ich habe es auch nicht ganz ernst gemeint.
Was in den USA noch auffällt bzw. von dort berichtet wird: Viele Menschen beteuern oft und gern, wie wonderful ihr Leben sei: Frau, Kinder, Haus, Beruf – alles wonderful. Kürzlich schrieb eine Amerikanerin, man müsse auch trauern dürfen (sie hatte ihren Mann verloren), und mußte sich gleich sagen lassen, sie klinge "bitter". Das scheint ein ziemlich schwerer Vorwurf zu sein, und die Rechtfertigung erfolgte umgehend. Das hängt vielleicht mit einer mir gar nicht verständlichen Einteilung der Menschen zusammen in solche, die "saved" sind, und den Rest. Bei uns kennt man Konversionen, aber von heute auf morgen "saved" und sozusagen ein ganz anderer Mensch zu sein, das ist doch noch etwas anderes. Bush jr. ist auch saved, wenn ich mich recht erinnere.
Jemand, der noch mit Elvis zusammen musiziert hatte und ein frommer Laienprediger ist, beteuert (wie auch andere aus dem Umkreis), daß der King zwar kein Heiliger war, aber trotzdem im Himmel sei, weil er durch seine Gospeldarbietungen viele andere auf den rechten Weg geführt habe. Das ist in diesen Kreisen ein ernstes Problem, das bis heute diskutiert wird.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 02.05.2015 um 09.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28758

Daß in Holland viele Fenster deswegen keine Gardinen haben, weil die Bewohner zeigen wollten, wie anständig sie leben und daß sie nichts zu verbergen haben, ist fester Bestandteil des Klischeerepertoires, an dessen Hege und Pflege niemandem so gelegen ist wie den Holländern selbst.

Es gibt auch noch ganz andere, weniger freundliche Erklärungen, die so gar nichts mit Calvinismus oder puritanischer Bescheidenheit zu tun haben, darunter die, daß man gerade zeigen will, was man hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.05.2015 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28757

Nicht neu, aber interessant, soweit es zutrifft:

Der Botschafter der USA in Deutschland, John Emerson, hat das Vorgehen des US-Auslandsgeheimdienstes NSA mit dem Verweis auf kulturelle Unterschiede verteidigt. "Amerikaner sehen es als Verletzung der Privatsphäre, wenn jemand ihre Briefe und E-Mails liest oder ihre Telefonanrufe mithört", sagte der Botschafter dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Samstag-Ausgabe). Deutsche hingegen hielten ihre Privatsphäre bereits dann für verletzt, "wenn jemand die Kommunikationsdaten sammelt", fügte Emerson hinzu. Als Beispiel nannte für die unterschiedlichen Einstellungen nannte Emerson den Umgang mit Google Street View. In Deutschland riefen die Menschen beim Unternehmen an, um ihr Haus von der Internet-Seite entfernen zu lassen. In den USA wollten die Menschen genau wissen, wann die Kamerawägen kämen, damit sie sich vor das Haus stellen und winken könnten. Mit Blick auf die Debatte über die Rolle des deutschen Bundesnachrichtendienstes als Partner der NSA sagte der US-Diplomat, "dass die fortlaufende Kooperation zwischen unseren Geheimdiensten kein Geheimnis ist".
Kölner Stadt-Anzeiger newsroom: http://www.presseportal.de/pm/66749 newsroom via RSS: http://www.presseportal.de/rss/pm_66749.rss2

(Aus den "Kamerawägen" der Vorlage wird bei der FAZ übrigens der "Wagen mit der Kamera" – offenbar ein Ausweichen vor der fragwürdigen Pluralbildung.)

Das erinnert an die Holländer, die keine Gardinen vor ihre Fenster hängen, damit jeder sieht, wie sauber es bei ihnen zugeht. Gemeinsames puritanisches Erbe? (Wir haben auch keine Gardinen, aber aus Faulheit.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2015 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28749

In der "Welt" schreibt Andreas Rosenfelder eine heitere Philosophie des Anzugs, nämlich darüber, daß man in förmlicher Kleidung anders denkt und schreibt als im Freizeitlook. Das ist natürlich den Psychologen auch nicht entgangen. Zum Beispiel hat sich Skinner viel mit den zahlreichen Ursachen des Sprachverhaltens beschäftigt und dabei auch diesen Punkt erwähnt.

"Manche Schriftsteller haben mit Vorliebe im Bett gearbeitet, andere vor einem prasselnden Feuer. Von Buffon wird berichtet, er habe nur dann gut schreiben können, wenn er sich elegant gekleidet von Dienern umgeben in seinem Gartenhaus befand. Ein Briefschreiber kann sich einen Ersatz für den abwesenden Adressaten verschaffen, indem er am selben Ort mit demselben Material, zur selben Tageszeit und möglichst jeden Tag schreibt, denn diese Umstände bündeln das Verhalten, das einem bestimmten Adressaten gegenüber angemessen ist." (VB 182)

Thomas Mann setzte sich jeden Morgen in förmlicher Kleidung an den Schreibtisch und schrieb seine anderthalb Seiten. (Das scheint nicht viel, aber wenn man bedenkt, daß es jedes Jahr ein Ausstoß von 500 Seiten ist... Beneidenswert.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2015 um 17.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28748

Sie haben wieder mal recht, lieber Herr Achenbach. Ich hatte den Satz vollkommen mißverstanden und nehme alle Spekulationen zurück.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 01.05.2015 um 15.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28747

Nordbayern.de berichtet:

"Am Montag wurde die Hasenskulptur mit einem Fest im Erlanger Röthelheimpark begrüßt."

Auf einem begleitenden Foto ist ein Mann mit einer großen Kamera zu erkennen – vermutlich einer Polaroid-Kamera, ob nun analog oder digital. Man sieht auch viele Kinder, die vor oder auf der "Skulptur" posieren. Da das Fest vermutlich von interessierter Seite veranstaltet wurde, gab es Photos wohl kostenlos. Welches Kind würde da nicht zugreifen?

Im übrigen ist "Kunst" eben das, was irgend jemand als "Kunst" bezeichnet – ob Klettergerüst oder was auch immer.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2015 um 07.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28746

In einigen Medien (Frankfurter Rundschau) wird der in Tschechien bereits praktizierte (Internet-)Pranger gelobt, d. h. die Bekanntgabe von Gaststätten und Lebensmittelbetrieben, die gegen Hygienevorschriften verstoßen haben. Einge Leser kritisieren das Wort "Pranger". Wie auch immer man es nennt: jedenfalls ist das Verfahren unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten nicht zu billigen. Bei Rechtsverstößen muß der Täter bestraft, sein Betrieb gegebenenfalls geschlossen werden, und das war's dann auch schon. Unterhalb der juristisch relevanten Schwelle gibt es die öffentliche Kritik (Bewertungsportale).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2015 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28744

Zu besagtem Hasen gibt es noch folgenden Bericht:

Für ein Polaroid-Foto mit dem Hasen als Andenken an diesen Tag standen Jung und Alt sogar Schlange.

Es soll zwar auch digitale Polaroid-Kameras (mit kleinem Drucker) geben, aber ich habe noch keine gesehen. Alle Welt fotografiert mit dem Handy, das ja auch erstaunlich gute Bilder liefert. Oder sollte "Polaroid" inzwischen eine andere Bedeutung angenommen haben? Mal sehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2015 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28731

In Erlangen streiten sie wieder mal über öffentliche Kunstwerke, diesmal einen 4 m hohen Hasen aus Edelstahlplatten. Ich selbst würde mich über Grünanlagen ohne Kunstwerke freuen, aber das geht wohl nicht, der Horror vacui muß alles vollstellen.
Was die Sprache betrifft, so sind viele Kunstwerke ohne einen gewissen Schwall hoher Worte nicht lebensfähig. Um bei Erlangen zu bleiben: Hier hat die Kunst am Bau z. B. ein spitziges Edelstahltrumm hervorgebracht, an dem ich täglich vorbeiradeln muß. Erst jetzt habe ich mich aufgerafft, einmal nachzuschlagen, was es bedeuten soll:

Die "Edelstahlskulptur" wurde 1986 aufgestellt. Es handelt es sich um eine Arbeit des Münchners Hermann Kleinknecht.
Seine Intentionen für die Plastik: "Die Skulptur lebt aus der Spannung zwischen Stabilität und Bewegung: dem vertikal-horizontalen Raumgerüst ist die beidseitig aufsteigende Bewegung der Kurve (Seilkurve) zugeordnet, die sich in der Vorstellung des Betrachters weiter ausdehnen kann. Dies ist der unsichtbare Teil der Skulptur. Die beiden unterschiedlichen Höhen der Skulpturen bedingen einen asymetrischen [!] Bogenverlauf. Im Zusammenspiel der Raumlinien werden aktivierende und ausgleichende Kräfte zur Form."
(http://www.uba.uni-erlangen.de/kunst/k079.01.html)

Fehlt nur noch, daß das Werk auch orthographische Kräfte freisetzt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.04.2015 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28727

Wer laut Selbstdeklaration "Friedensforschung" treibt, hat staatliche Zuwendungen bereits in der Tasche; das muß man doch einfach fördern.
Am unüberbietbarsten (man beachte den raffinierten Superlativ!) ist aber die Erfindung des "Weltethos". Auf das Gedänkchen, das sich dahinter verbirgt, kommt es gar nicht an. Der gute Wille wird monumental, das verschafft viele Preise und Auszeichnungen. Macht der Sprache, des Geschwätzes.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.04.2015 um 18.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28714

Allensbach hat die Leute gefragt, ob Häftlinge im Strafvollzug den Mindestlohn bekommen sollten. 53 % waren dagegen. So stand es in der Hauszeitschrift des Instituts, auch FAZ genannt.
Was soll das nun? Wie viele Befragte wissen überhaupt genauer, wovon sie reden? Soll Volkes Wille auf die Haftbedingungen einwirken?
Natürlich sind solche Ergebnisse technisch sauber gewonnen, wie man denn zu allem und jedem eine Mehrheitsmeinung einholen kann. Nur der Inhalt ist gleichgültig.
Oder soll das Ganze eine witzige Anspielung auf den allerdings unfaßbaren Kriminalfall Haderthauer sein?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.04.2015 um 07.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28702

Friedhofssatzungen und -ordnungen sind interessante Texte, weil ungeachtet gewisser Vorlagen doch viel Eigenarbeit der Gemeinden darinsteckt. Gerade wird gemeldet:

24. April 2015 Düren – Junge darf allein zum Grab seines Vaters

Ein Zehnjähriger darf in Düren nun doch allein das Grab seines Vaters besuchen.
Ein Zehnjähriger aus Düren darf mit einer Sondergenehmigung allein zum Grab seines Vaters gehen. Der Junge war zunächst des städtischen Friedhofs verwiesen worden, als er nach der Schule das Grab seines vor einigen Monaten verstorbenen Vaters besucht hatte. In der Friedhofsatzung sei aufgeführt, dass Kinder unter 14 Jahren Friedhöfe nur in Begleitung Erwachsener betreten dürften, bestätigte der Dürener Service Betrieb am Freitag. Ausnahmen seien aber möglich, wenn die Mutter versichere, dass sie die Verantwortung übernehme
.

In anderen Städten, z. B. München, ist das Mindestalter auf 7 Jahre festgesetzt, anderswo gibt es überhaupt keine Bestimmung dazu (was nicht ausschließt, daß in den ausgehängten Friedhofsordnungen etwas steht).

Natürlich zeigt sich darin das Menschenbild der Verfasser. Die fühllose Hausmeistergesinnung, die zum Platzverweis des Zehnjährigen führte, bloß weil er das Mindestalter nicht erfüllte, macht mich richtig wütend. Ich bin zwar von so frühen Verlusten verschont geblieben, hatte aber Schüler, die durch den Tod eines Elternteils so verstört waren, daß man um sie Angst haben mußte. Dem Zehnjährigen am Grab seines Vaters hätte ein mitfühlendes Wort gut getan.

Im übrigen würde es genügen, liederliches Verhalten im konkreten Fall zu verhindern. Es kommt allerdings nach meiner langjährigen Friedhofserfahrung nur sehr selten vor. Am häufigsten dürfte das Pinkeln in einer entlegenen Ecke sein. Auch beginnt der gelegentliche Vandalismus sozusagen erst mit 14, statt damit aufzuhören.

Die Texte, um darauf zurückzukommen, arten oft in Regelungswahn aus. Interessant war mir, daß schon lange vor dem heutigen Rauchverbot das Rauchen auf Friedhöfen oft verboten war. Eine Besonderheit ist auch, daß den kleinteiligen Verboten jedenfalls in kleineren Orten keinerlei Aufsicht gegenübersteht.

Metaphysische Qualität hat die regelmäßige Bezugnahme auf die Ruhe der Toten. Eigentlich geht es um die lebenden Besucher. Interessant könnte auch die Vereinbarkeit der Satzungen (Särge aus festem Holz, durch deren Wände keine Flüssigkeit sickern kann, die aber zuverlässig verrotten) mit den Bestattungsbräuchen der Migranten werden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 23.04.2015 um 07.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28691

Man könnte spaßeshalber mal die GfdS darauf aufmerksam machen, die doch viel Geld dafür bekommt, Gesetzestexte durchzusehen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2015 um 22.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28687

Tatsächlich, da ist das im Verkehrsportal noch jemandem aufgefallen.

zu R. M.:
Ja, gemeint sein könnte die unmittelbare Nähe zum Verkehrszeichen schon, aber auch das müßte zumindest richtig geschrieben sein. Daß etwas einfach "unmittelbar angebracht" ist, habe ich sonst noch nicht gehört. Meiner Ansicht nach erfordert unmittelbar noch irgendeine lokale Ergänzung. Eine andere Korrekturmöglichkeit wäre noch:

Sie sind unmittelbar an, in der Regel unter dem Verkehrszeichen, auf das sie sich beziehen, angebracht.
 
 

Kommentar von verkehrsportal.de, verfaßt am 22.04.2015 um 21.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28686

http://www.verkehrsportal.de/board/index.php?showtopic=104379
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 22.04.2015 um 18.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28685

Es könnte auch »in unmittelbarer Nähe« des fraglichen Verkehrszeichens gemeint sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.04.2015 um 17.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28684

Wohl auch ein Fall von sprachlichem Kopfrechnen:

§ 39 StVO (nach www.stvo.de):
(3) Auch Zusatzzeichen sind Verkehrszeichen. Zusatzzeichen zeigen auf weißem Grund mit schwarzem Rand schwarze Sinnbilder, Zeichnungen oder Aufschriften, soweit nichts anderes bestimmt ist. Sie sind unmittelbar, in der Regel unter dem Verkehrszeichen, auf das sie sich beziehen, angebracht.

Was bedeutet es, wenn ein Zusatzzeichen "unmittelbar" angebracht ist? Wie oder wo ist es dann angebracht?

Der Satz sollte wohl so heißen:
Sie sind unmittelbar an dem Verkehrszeichen, auf das sie sich beziehen, in der Regel darunter, angebracht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2015 um 12.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28681

Wie ich gestern hörte, haben Erlanger Polizisten eine Radlerin zum Absteigen gezwungen, weil sie auf einem bestimmten Straßenstück nicht fahren dürfe. Sie zeigten ihr das Schild: weiß, rechteckig, darauf ein schwarzes Fahrrad und darunter der Schriftzug frei. Wir Radfahrer verstehen das so, daß der Weg für Radfahrer freigegeben ist, die fränkische Polizei deutet es offenbar als "frei von Fahrrädern". Theoretisch wäre das denkbar, aber es ist eben nicht so.

(Falls jemand die Geschichte nicht glaubt, was ich gut verstehen könnte – hier passieren noch ganz andere Dinge!)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2015 um 06.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28667

Türkische Studenten wollen ein Elektroauto für vier Personen entwickelt haben, das 2500 km für 13 € fährt, alle 500 km aufgeladen wird und mit Batterien nur 500 kg wiegt. Sogleich legen Hunderte von Lesern dar, warum Regierungen (Steuern) und Konzerne (Profite) die Produktion dieses fabelhaften Fahrzeugs verhindern werden. Nur sehr wenige erinnern an die Physik.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 16.04.2015 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28628

Lt. dem amerikanischen Lehrbuch, nach dem ich einige Zeit Erstes Jahr Deutsch unterrichtete, war bei der ersten deutschen Eisenbahnfahrt die erste deutsche Eisenbahnfracht ein Faß Bier. Ob diese Fracht die Reise sicher überstand, stand da nicht. Später wurden die Lehrbücher politisch korrekter, und so kompliziert durfte das Deutsch fürs erste Jahr auch nicht mehr sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.04.2015 um 07.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28627

Italien will eine Espressomaschine ins Weltall schießen. Das freut den Philosophen, denn dort zieht ja schon Russells Teekanne ihre Bahn. So kommen Engländer und Italiener zu ihrem Lieblingsgetränk. Fehlt noch ein Bierfaß für die übrigen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2015 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28602

„Zumindest ein Teil der Kirchenaustritte wäre unter Umständen durch Kommunikation zu verhindern gewesen. Denn dass das neue Einzugsverfahren gerechter ist, weil die Veranlagung nicht mehr so leicht aus Unwissenheit oder Absicht umgangen werden wird, begrüßen viele Kirchenmitglieder.“ (Stuttgarter Zeitung 10.4.15)
Wie kann ein Mitgliedsbeitrag „gerecht“ sein? Nur die Benennung als Steuer erlaubt es, das überaus wirksame Schlagwort „Gerechtigkeit“ (vgl. Rundfunkabgabe, Semesterticket und andere „solidarische“ Umlagen) auch auf diesen Fall anzuwenden. Anderswo leben Religionsgesellschaften von Spenden. Da würde es niemandem einfallen, von Gerechtigkeit zu reden. Ein Beispiel für die Macht der Sprache.

(Übrigens: Was begrüßen viele Kirchenmitglieder eigentlich nach Meinung des Verfassers? Doch wohl nicht die lückenlose Erfassung der eigenen Einkünfte. Also kann ihre Genugtuung nur der Tatsache gelten, daß der liebe Nachbar seine Kapitaleinkünfte nicht mehr unverkürzt genießen darf. Aber ist das nun wieder christlich?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.04.2015 um 05.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28601

„Geschäft mit der Not“ – das ist einer von diesen Begriffen, mit denen sich immer mal wieder ein anklagender Artikel bestreiten läßt, auch in Medien wie der FAZ. Man kann das ganze Jahr über das Hohelied der Marktwirtschaft singen und dann plötzlich sauren Kitsch auftischen. (Der Kitschbegriff „Willkommenskultur“ gehört auch dazu; er wird nur außerhalb der vernünftigen Alltagsrede verwendet.)
Die Hoteliers und die Hallenbesitzer verdienen also am Geschäft mit der Not, indem sie den Behörden Unterkünfte für Asylbewerber doppelt so teuer vermieten wie noch vor zwei Jahren. Ihr Guten, möchte man sagen, das liegt an der gestiegenen Nachfrage, und wenn ihr noch – oder plötzlich wieder – an das Märchen vom gerechten Preis glaubt, dann soll der Staat doch selbst bauen und die Leute unterbringen. Adam Smith hat uns beigebracht, daß der Bäcker die Brötchen nicht aus Nächstenliebe backt, sondern weil er Geld verdienen will; nur darum gibt es die Brötchen noch. Es ist ja schön, wenn jemand seine Wohnung kostenlos zur Verfügung stellt, aber verlassen kann man sich darauf nicht, nicht bei Hunderttausenden von Zuwanderern.
Auch die FAZ hat nichts dagegen, sondern berichtet voller Bewunderung, daß jemand an der Fifth Avenue eine Wohnung für 70 Millionen Dollar verkaufen konnte. Der Anbieter will so viel wie möglich einnehmen, der Käufer so wenig wie möglich bezahlen. Das nennt man Wirtschaft, Dummkopf!
Die FAZ ist im allgemeinen auch gegen erneuerbare Energien, aber wenn es um feine Möglichkeiten der Geldanlage geht, ist sie breit und begeistert dafür... So findet jeder was für Kopf und Herz.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.04.2015 um 08.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28594

Die feinen Leute, denen Thorstein Veblen sein berühmtes Buch gewidmet hat, verschaffen sich einen "Distinktionsgewinn", indem sie sich von Konsum und Geschmack des Pöbels absetzen. Daran mußte ich denken, als ich in der Zeitung eine Charakterisierung des Spießers las, die mir bisher noch nicht begegnet war: Cupcakes backen. Es leuchtet aber sofort ein. Die Hausfrau liest in der Regenbogenpresse, daß man jetzt Cupcakes backt und wie man es macht. Vielleicht hat sie sich auch schon Bücher dazu gekauft oder sie von der Freundin (weiter)geschenkt bekommen.
Wikipedia hat lange Artikel (deutsch und englisch) über Cupcakes. Meine Töchter wollten mir auch schon welche backen, aber ich habe es mit Hinweis auf meine Leibesfülle noch abwenden können. Daß die feinen Leute, zu denen ich gehöre, keine Cupcakes essen, habe ich ihnen verschwiegen.
Aber mal im Ernst: Es wäre interessant, einmal all diese sprichwörtlichen Zuschreibungen zusammenzustellen, die man zur Kennzeichnung des Spießers erdacht hat, also gewissermaßen die "Gartenzwerge" aller Völker und Zeiten.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 07.04.2015 um 09.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28577

Ähnliches muß es auch zur Astrologie geben. Ein gleichaltriger Bekannter aus der Jugendgruppenzeit, mit Abitur und, ich meine, auch abgeschlossenem Universitätsstudium, den ich nach langem wieder aufgespürt hatte (als man das elektronisch sehr leicht konnte), war "aus der Kirche ausgetreten" und Astrologe geworden und lebte davon. Und eben finde ich wen anderes mit "1995 zweijährige Astrologieausbildung beim Münchner Astrologen [Vor- und Zuname]", eben dem, und sie bietet "[s]eit 1997 persönliche Astroberatung" an. - Was einen nicht alles be- oder verhexen kann!
Was anderes: Oben bei "und, ich meine, auch abgeschlossenem Universitätsstudium" möchte ich eigentlich die Kommata weglassen, weil sie einen unterbrochenen Sprechfluß anzeigen, den ich da eigentlich gar nicht so habe. Ich setzte sie nur, weil dieses Adverbial "ich meine" ein satzartiger Einschub ist. Mit welcher Begründung könnten diese doch zu sehr Trennung anzeigenden Satzzeichen weggelassen werden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.04.2015 um 07.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28576

Eben war ich bei einer Hexe zu Gast. Die Statistik verzeichnete noch zwei andere Besucher, die gleichzeitig auf der Website waren. Komisches Gefühl. (http://www.hexe-theresia.net/engel/fernausbildung-zur-engelheilerin/)

Ich könnte mich für knapp 1000 Euro zum Engelheiler ausbilden lassen.

Auf einer anderen Website dieser Art überrascht mich wieder einmal das Systematische der Ausbildung:

Ausbildung zum Engel-Heiler I + II + II

Engelheiler I:
Im Grundkurs erhältst du das Grundwissen der Licht- und Auraarbeit mit Engeln. Du lernst mit den Erzengeln zu arbeiten und zu heilen. Der Kanal zum Hellfühlen wird geöffnet und deine Intuition.
Der Grundkurs ist in einem Workshop vor Ort möglich oder per Ferneinweihung bei dir zu Hause mit CDs und Skript. 
 
Engelheiler II:
Der Fortgeschrittenenkurs baut auf dem Grundkurs auf und vermittelt weitere Kenntnisse zur Arbeit mit den Engeln und den 12 göttlichen Strahlen. Dein Kanal zum Hellsehen und Hellwissen wird geöffnet und der Zugang zur Akasha-Chronik.
 
Engelheiler III:
Der Fortgeschrittenenkurs baut auf dem Engelheiler II auf. Der Channelkanal zu den Engeln, Erzengeln und Elohim wird geöffnet. Du lernst wie man channelt und Worte, Bilder, Energien, Symbole übermittelt.


(http://www.dein-weg-ins-licht.de/ausbildung-zum-engelheiler-und-engelmedium/)

Die Kurse bauen aufeinander auf, also gibt es einen Fortschritt. Es wird verschleiert, daß es sich um den Bodensatz zahlreicher esoterischer Lehren unterschiedlicher Herkunft handelt, wie schon bei Rudolf Steiner, der überall durchschimmert.

Ich glaube ja einfach alles. Wenn man so ein Harry-Potter-Fan ist wie ich, kann man sich nach Büchern und Filmen nicht des Eindrucks erwehren, daß es auch beim wirkungsvollen Umgang mit Zauberstab und "lateinischen" Zaubersprüchen einen Fortschritt bis zur Meisterschaft gibt. Übung ist alles, freilich gibt es auch besonders Begabte, teils durch Vererbung, teils aber auch durch Ausnahmetalent wie bei Hermione, die jedem Hoffnung machen kann, auch wenn er nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren ist.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 04.04.2015 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28558

War meine Darstellung wirklich zu rosig? Die Einwände von Herrn Strowitzki und Herrn Virch sind angebracht, ich wollte aber auch gar nicht sagen, daß alles ideal ist. Dennoch haben wir gegen das neue allgemeine Religionsgedöns schon einiges zu verteidigen.

Ich finde unsere Feiertage gut, weil sie unsere erfolgreiche Kulturgeschichte widerspiegeln und sich zu schönen Bräuchen entwickelt haben, die auch für Nichtchristen einen Sinn ergeben. Den christlichen Hintergrund sollte man natürlich kennen. Aber wenn man sich dem christlichen Gedanken nicht anschließt, heißt das noch lange nicht, daß man mit dem Feiertag nichts anfangen kann und für einen Werktag plädieren muß.

Das Gute am heutigen Christentum sind Anerkennung absoluter Religionsfreiheit, Toleranz gegenüber Atheisten und Andersgläubigen, menschliche Morallehre und Anerkennung der weltlichen Hoheit eines demokratischen Staates.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 04.04.2015 um 12.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28557

Ist nicht von einem Pastor zu erwarten, daß er die Vorzüge des Glaubens rühmt? Ist nicht zu erwarten, daß er eine bessere Welt kommen sieht, wenn möglichst viel christlicher Glauben gelebt wird?
Die Kirche macht sich nachgerade lächerlich, wenn sie nicht (offensiv) für die christliche Lebensweise wirbt. Natürlich muß sie auch den Anspruch erheben, die richtige Lehre zu vertreten. Was denn sonst?
Ob der einzelne dem folgt, bleibt ihm überlassen. Wenn er darin Erfüllung, Seelenheil oder was auch immer findet, soll er christlich leben.
Imame, Rabbiner und Geistliche anderer Religionen machen das auf ihre Weise genauso. Die Religionsfreiheit in Deutschland ermöglicht ihnen das.

Das ist jedoch Privatsache in unserem liberalen, säkularen Staat. Deshalb darf der Staat darauf keinen Bezug nehmen. Insofern kann es keinen Gottesbezug in der Verfassung geben.
Gleichwohl gibt es historisch gewachsene Gepflogenheiten, christliche Feste zu feiern, die der Staat mit gesetzlichen Feiertagen unterstützt. Das kann man kritisieren; dann ist die Konsequenz aber nicht die Umwidmung des Feiertags, sondern die Abschaffung.
Mit anderen Worten: Wer den Karfreitag als Feiertag erhalten will, muß seine christliche Bedeutung oder Funktion akzeptieren und deshalb auch die christlich gebotene Ruhe einhalten. Wer den christlichen Hintergrund ablehnt, kann mit dem Feiertag nichts anfangen und muß für einen Werktag plädieren.

Für alle Religionen gilt, daß sie anerkennen müssen, daß das säkulare Recht über dem religiösen steht.

Auf der anderen Seite braucht der Mensch im allgemeinen etwas, das ihm Sinn stiftet in all dem Unbegreiflichen. Die Wissenschaft kann nun einmal nur erklären, beschreiben und beobachten, sie kann aber nicht begründen, warum es das Universum überhaupt gibt und warum all das passiert, was passiert. Der christliche Gott ist eine solche Begründung: deus vult. Wenn die Kirchen, so wie es heute geschieht, ihre Deutungshoheit und ihren Wahrheitsanspruch aufgeben, suchen sich die Leute eben etwas, das verläßlicher oder doch selbstsicherer die Wahrheit zu verkünden behauptet.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 03.04.2015 um 19.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28544

Zu "(Sind Eier, Hasen und Küken eigentlich christliche Symbole?)": Und die Bezeichnung "Ostern" entspricht ja auch nicht christlicher Symbolik. Ich mache aber bei der christlichen "Osterfeier" gern mit, die ist etwas Erhabenes und durchaus Erhebendes. Mir fällt immer wieder auf, wie sehr große Liturgie immer wieder gerade die Musikkomponisten zu großen Werken angeregt hat; und auch dafür, wie das mein Leben mit Freude bereichert, kann ich nur dankbar sein. Widersprüchlichen Formulierungen nachzujagen und sie groß aufzudecken, zeugt bei sowas, meine ich, von falscher Einstellung und führt eben zu nichts. Ich hab vor einem halben Jahrhundert als Publizistik-Student mal zu meiner eigenen Information eine riesige zweitägige Studenten-Wallfahrt von Paris nach Chartres mitgemacht (ich wollte damals herausfinden, ob die Kommunisten was ähnliches organiseren könnten mit einer ähnlichen Prozession von irgendwo bei Moskau zu dem Mausoleum von Lenin und Stalin, die damals noch am Roten Platz zur Schau zusammenlagen - für lange, lange Schlangen Menschen), und ich habe bei meiner Chartreswallfahrt also nur unbeteiligt beobachtet, absichtlich nicht mitgesungen, nicht mitgebetet, und bei den Diskussionen mich rein wissenschaftlich verhalten (weshalb ich sogar einem Gruppenleiter vorgeführt wurde, der nach meinem ersten "wissenschaftlichen" Kommentar [die biblische Auferstehung sei kein historisch bewiesenes Ereignis] mich gleich fragte, ob ich Protestant sei). Ja, und was passierte dann am Abend des zweiten Tages, als wir endlich Chartres erreichten und leichteren Schrittes zuerst bergab in die Stadt einzogen: Mann, habe ich auf einmal mitgesungen und habe ich mit Freuden erlebt, wie's dann so symbolisch zur Kathedrale hinaufging und eben so viele dabei eine erhabene Stimmung erlebten und so vieles gemeinsam hatten.

Ja, und heutzutage gehe ich also, wo ich lebe, Ostern in einen lutherischen Gottesdienst (die Lutheraner hier singen einfach am besten), und bei denen wünscht einem die Geistlichkeit hinterher am Ausgang mit Handschlag und frohem Gesicht "Happy Easter", und darauf sage ich "Christ is risen", wie der Ostergruß in den Ostkirchen geht und wie ich's angebracht finde, und dann zähle ich still bis 15, um herauszufinden, ob ich auf meinen Gruß hin die richtige Antwort bekomme. Darum geht's mir bei sowas - und eigentlich wirklich recht wenig um so manche Gedanken, die auch hier in diesem Forum so kulturwissenschaftlich an den Tag gelegt werden. Aber verstehen tue ich natürlich schon, wenn man sich hier auch Matthias Matusseks und Frau Käßmanns Redeweise vornimmt. Herr Virch hat aber unrecht, wenn er sagt; "Käme wieder ordentlich Höllenfeuer und ewige Verdammnis aufs Tapet, würden wieder lustvoll Lüste gegeißelt und gelegentlich ein paar Hexen verbrannt, hätten die Gotteshäuser sofort mächtig Zulauf." Der mächtige Zulauf bleibt aus, weil der Sinn für liturgische Lebensart und deren Verständnis weitestgehend abhanden gekommen ist. Auch ich beobachte ja eigentlich nur und berichte. (So oder so ähnlich auch der innere Sprecher in Kafkas "Ein Bericht für eine Akademie".)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2015 um 17.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28543

Was für ein theologisches Leichtgewicht Frau Käßmann ist, sieht man an ihrer Lösung des Theodizee-Problems:

Gott schicke kein Leid sondern gebe Kraft in Zeiten des Leidens. «Gott lässt doch keine Flugzeuge abstürzen, schickt nicht hier mal Terroristen und dort einen Tsunami», sagte Käßmann. «Was wäre das denn für ein Gottesbild?» (FR 3.4.15)

Die Frage ist berechtigt. Ohne den Willen Gottes fällt kein Spatz vom Himmel, so steht es geschrieben. Wohl aber ein Flugzeug?

Aber Sorgen macht sie sich auch:

Auch finde sie es befremdlich, wenn schon vor Ostern alles mit Eiern, Hasen und Küken geschmückt werde. «Da bleibt der Sinn des Festes auf der Strecke. Erst kommt die Passion. Ostern ist erst am Ostersonntag.»

(Sind Eier, Hasen und Küken eigentlich christliche Symbole?)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 03.04.2015 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28537

Herr Riemer hat ja recht, auch wenn seine Darstellung zu rosig ist. Offenbar fehlt es den Menschen an aufregend Unbegreiflichem. So begeben sie sich auf Astralreisen und wenden sich Schamanen, Gurus und Salafisten zu. Die Kirchen lassen sich tatsächlich zu sehr auf Nützlichkeitsargumente ein. Käme wieder ordentlich Höllenfeuer und ewige Verdammnis aufs Tapet, würden wieder lustvoll Lüste gegeißelt und gelegentlich ein paar Hexen verbrannt, hätten die Gotteshäuser sofort mächtig Zulauf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2015 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28536

Genau. Man könnte auch sagen, der Theologe argumentiert religionswissenschaftlich bzw. -soziologisch, wie ja viele uns mit Nützlichkeitsargumenten bekehren wollen, deren Schädlichkeit für die eigene Sache sie gar nicht bemerken. Auch wenn man auf Pascals Wette heruntergekommen ist, hat man schon aufgegeben.

Von Käßmann und anderen wissen wir, daß die "stillen Tage" gesund sind!
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 03.04.2015 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28534

Eher Vulgarisierung Max Webers als Frivolisierung der Religion, nicht wahr?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2015 um 06.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28532

Matthias Matussek verbringt den heutigen Karfreitag in tiefer Trauer. Das muß man jedenfalls aus seinem Beitrag in der WELT schließen:

Was ist denn so schlecht an christlichen Werten?
Der Staat verbietet Karfreitag das Tanzen. Viele tanzen trotzdem – aus Prinzip. Das ist bedenklich. Denn eine Gesellschaft, die Trauer nicht erträgt und Religion nicht ernst nehmen kann, ist krank.


Ich möchte den Text nicht weiter kommentieren, er hat ja offenbar keinen anderen Zweck, als die Leser zu provozieren und dem Ruf des Verfassers als "Krawallkatholik" neuen Schwung zu geben.

(Schade, daß jemand sein Schreibtalent mit so etwas vergeudet.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.04.2015 um 05.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28529

Unter den Argumenten, die ein Pastor für den Gottesbezug anführt, ist auch folgendes:

"Auch für unsere Wirtschaft und unseren inneren Frieden gibt es keine bessere Ethik als die christliche. Ein freundliches christliches Betriebsklima fördert die Arbeit und den Gewinn. Sind deswegen die christlichen Staaten weltweit im Durchschnitt die wohlhabendsten auf diesem Erdball? Sonst ist heute nur der Staat reich, der riesige Erdöl-Quellen mit Glück vorgefunden hat."
(http://www.hl-live.de/aktuell/text.php?id=97621)

(Der Rest ist von ähnlichem Zuschnitt.)

Ich habe mir schon oft sagen lassen, daß ich der eigentliche Christ bin, weil ich an solcher Frivolisierung der Religion noch Anstoß nehme. (Der Pfarrer rühmt Engholm, einen der Initiatoren von "Gottesbezug".)
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 02.04.2015 um 19.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28527

" (...) es herrscht Glaubensfreiheit, Trennung von Staat und Kirche, (...)"
Schön wär's. Ich denke nur mit Schaudern daran, daß demnächst im Kölner Dom ein Staatsakt wg. Flugzeugkatastrophe stattfinden soll. Mit allem Pfaffengedöns und so. (Hat jemand die Hinterbliebenen gefragt, ob sie dafür vereinnahmt werden wollen?)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 02.04.2015 um 18.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28526

Ich weiß nicht, was plötzlich in die westliche Welt gefahren ist.
Wir haben große wissenschaftliche und weltanschauliche Fortschritte gemacht, es herrscht Glaubensfreiheit, Trennung von Staat und Kirche, die Mauer zwischen Ost und West ist überwunden, wenigstens in Europa sind die meisten Feindschaften beseitigt. Wir hatten noch nie so viele Freiheiten wie heute.

Und auf einmal, seit wenigen Jahren, scheinen wir uns wieder zurückzuentwickeln, Religion hinten, Religion vorne, Götter, Kopftücher, Kreuze, heiliger Krieg, das sind die Themen. Sind denn alle närrisch geworden? Irgendeine Religion gehört sozusagen dazu, Prominente rühmen sich in Talkshows, im Islam oder Buddhismus den wahren Lebenssinn gefunden zu haben, damit erregt man ja noch mehr Bewunderung als mit dem etwas altmodischen Christentum. Woher kommt diese neue Mode der Frömmigkeit? Ehrlich gesagt, das macht mir schon ein bißchen Angst. Ich möchte diese aufgeklärte Welt behalten!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2015 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28525

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28244

Tatsächlich begrüßt uns auf der Seite gottesbezug.de gleich eine muslimische Studentin mit Kopftuch. Natürlich ist sie für den Gottesbezug in den Verfassungen, da der Islam in allen Spielarten die Trennung von Staat und Religion nicht kennt. Andererseits fordern auch bei uns die meisten, der Islam möge die Aufklärung nachholen, zu deren Kern aber gerade diese Trennung gehört. Damit begibt man sich auf einen schmalen Grat. Ob alle Unterstützer das wissen?

Aus der Argumentation wird mir nicht klar, wieso die Parlaments- und Regierungsarbeit in SH durch eine solche Verfassungsänderung besser werden könnte. Und was sollen die vielen Nichtreligiösen denken, die doch auch keine schlechteren Staatsbürger sind? Ich empfehle die Website zur Lektüre und Beachtung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2015 um 05.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28515

Die neue Handbrause hat verschiedene Einstellungen, darunter den "Ayurveda-Strahl". Damit werben mehrere Firmen. Gemeint ist anscheinend ein pulsierender Strahl. Auch in Reformhäusern und Apotheken läuft "Ayurveda" gut. Eine sehr flache Form von Okkultismus.

Ich wollte nie an das große Vakuum glauben, das nach dem Ableben der Religion entstanden sein soll, aber es scheint was dran zu sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.03.2015 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28347

Der Regisseur verlegt die Handlung... - das ist die allgemeine Formel für das "moderne Regietheater". Googeln Sie mal nach der Regisseur verlegt!

Wir sind ja alle sehr dumm. Damit wir ein Theaterstück oder eine Oper verstehen, muß der Regisseur sie verlegen. Wenn man die vielen hundert Verlegungen nacheinander besichtigt, zeigt sich erst so richtig, wohin die Subventionen fließen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.03.2015 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28339

In der ZEIT steht ein langer Beitrag, der bestimmt auch von etwas handelt. Zitat:

Ironischerweise hatte erst Luther dafür gesorgt, dass wir vom Abendland und Morgenland überhaupt reden: In einem Anflug von Poesie hatte er die Weisen aus "dem Morgenland" kommen lassen. Im Altgriechischen steht da nur sinngemäß: vom Sonnenaufgang her.
(David Hugendick, 19.3.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.03.2015 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28332

"Was will das Weib?" Darüber haben sich viele den Kopf zerbrochen. Aber die Forschung schläft nicht:

Die Trendfarbe des Jahres 2015 ist Marsala. Wie in jedem Jahr wurde sie von den Farbexperten von Pantone bekannt gegeben. Das erdige Weinrot löst damit Radiant Orchid ab, die 2014 die Trendfarbe des Jahres war. (...)

Nach Tangerine-Orange, Smaragdgrün und Quietsche-Pink heißt die diesjährige Trendfarbe: Marsala. Likörfarben, anpassungsfähig, aber nicht langweilig – also so, wie Frauen dieses Jahr sein wollen.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2015 um 12.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28298

Unter Stabilität versteht man normalerweise ein Gleichbleiben. Aber wir müssen lernen, daß die Stabilität des Geldwertes, für die kein Einsatz zu hoch ist, in einer Inflationsrate von zwei Prozent besteht. Vielleicht der Beginn eines Bedeutungswandels.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2015 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28280

Wie man hört und liest, sind humanoide Roboter entwickelt worden, deren Gesicht, mit einer Art Gummihaut überzogen, recht gut die wichtigsten Gefühle ausdrücken kann. Zusammen mit einem Sprachsimulationssystem wirken sie fast wir richtige Menschen. Sobald die Kosten auf 100 000 € gedrückt sind, sollen sie als Pflegeroboter für Demenzkranke eingesetzt werden Eine Stunde täglich könnten sie sich mit dem Kranken unterhalten.
Es ist sonderbar, daß man bei der Verdrängung des Menschen durch Maschinen ausgerechnet an die menschlichsten aller Beziehungen denkt, wozu ja auch das Unterrichten gehört. Wer etwas Erfahrung mit Demenzkranken hat, weiß, daß diese keineswegs durchgehend in Unkenntnis ihres Leidens dahinvegetieren und ebenso wie das Vieh im automatisierten Stall maschinell versorgt werden können. Wenn ich einmal so weit sein sollte und entdecken müßte, daß man mir eine Maschine als Partner zugeteilt hat, gegen die ich mich nicht mehr wehren kann, würde ich wahrscheinlich in Depressionen versinken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.03.2015 um 04.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28244

Volksentscheid über Gottesbezug in der Verfassung von Schleswig-Holstein. (Als ob die Religionsfreiheit Gegenstand von Mehrheitsentscheiden sein könnte!)

Besonders wichtig und begrüßenswert sei zudem, dass die muslimischen Verbände und jüdischen Gemeinden sich ebenso aktiv nicht nur an der Debatte beteiligten, sondern mit ihrer starken Stimme die Aufnahme des Gottesbezuges in unsere Verfassung unterstützten. „Das ist ein klares Bekenntnis zu unserer Verfassung und der gelebten Religionsfreiheit. Ich freue mich sehr über die Initiative dieser Verbände“ so Babett Schwede-Oldehus. (= Vorsitzende des Landesfachausschuss Integration)

Daß die Muslime dafür sind, ist kein Wunder und könnte anderen zu denken geben. In den Verfassungen islamischer Staaten fehlt der Gottesbezug nicht, er ist sogar überreichlich vorhanden.

Art Spiegelman fordert die Aufhebung des Verbots der Holocaust-Leugnung. Alan Posener stimmt ihm zu:

In der gesamten EU soll demnächst nicht nur die Leugnung des Holocaust verboten, sondern die "öffentliche Duldung, Leugnung oder massive Trivialisierung von Genozid-Verbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen" mit einem bis drei Jahren Gefängnis bestraft werden müssen. Müssen! Womit jeder Historiker oder Publizist, der sich mit solchen Themen beschäftigt, Gefahr läuft, zum Gesetzesbrecher zu werden, wenn er sie "trivialisiert".
Das gleiche Gesetz will die Verbreitung "von Traktaten, Bildern oder anderem Material" unter Strafe stellen, das sich "gegen eine Gruppe von Personen oder ein Mitglied einer solchen Gruppe definiert durch Rasse, Hautfarbe, Religion, Abstammung oder nationale oder ethnische Zugehörigkeit richtet". Damit wird das Verbot der Religionskritik in Europa wieder eingeführt. In der Praxis wird das auf ein Verbot der Islam-Kritik hinauslaufen.
(Welt 23.2.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.02.2015 um 06.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28212

Als aufmerksamer Schüler wird sich jeder aus dem Geschichtsunterricht erinnern, daß die Griechen es waren, die den Schuldenerlaß erfunden haben: Solons "Seisachtheia".
Die Juden kannten das auch, allerdings vermerkt Wikipedia: „Das Konzept des Erlassjahres galt aber nur innerhalb des Volkes Israel. Darlehen an Ausländer behielten ihre Gültigkeit.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2015 um 07.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28199

Selbst mit ihren 80 Jahren denkt sie noch lange nicht ans Aufhören. (Focus 25.2.15)

Wir wissen, was gemeint ist, aber eigentlich kann der Journalist nicht wissen, wie lange Judi Dench noch lebt, ohne ans Aufhören zu denken. Jedenfalls wünschen wir ihr alles Gute.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.02.2015 um 08.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28139

In der Zeitung werden schlecht bezahlte Fliesenleger erwähnt.

Als Kinder schätzten wir die Taschenkalender, die damals schon als Werbegeschenke verteilt wurden. Nicht daß wir einen Kalender gebraucht hätten, wir hatten ja keine Termine. Aber wir studierten den Anhang mit den Listen der höchsten Berge, der
längsten Flüsse usw. - von diesem Wissen zehre ich heute noch. (Kürzlich suchte man am Mittagstisch im Ferienort nach dem höchsten Berg Südamerikas. Noch bevor jemand den Opa in der Heimat ansimsen konnte, wußte ich die Antwort. Alles aus dem Taschenkalender vor 60 Jahren.)
Aber es gab auch eine Liste der bestbezahlten Berufe. Einsame Spitze war der Fliesenleger. Wir alle wußten, daß die Fliesenleger sagenhafte Reichtümer anhäuften. Mit heiliger Scheu betrachteten wir die Fliesen. Welche Kunst mußte es sein, sie zu legen! Trotzdem wollte niemand Fliesenleger werden. Respektable Berufe waren nur Förster und Lokführer, etwas anderes kam gar nicht in Betracht.
Natürlich ist niemand Förster, Lokführer oder Fliesenleger geworden, man hat sich als Richter, Apotheker oder Professor durchgehungert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.02.2015 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28088

Mir ist auch aufgefallen, daß jetzt alle Geretteten und Nichtgeretteten im Mittelmeer, die Zuwanderer aus dem Kosovo usw. unterschiedslos als "Flüchtlinge" bezeichnet werden, obwohl ja z. B. die Kosovaren praktisch nie als solche anerkannt werden. Das Wort "Flüchtling" hat eine appellative Komponente. Die Zurückweisung von "Flüchtlingen" geht gar nicht.
Aber selbst die kaum noch so genannte illegale Zuwanderung aus sicheren Herkunftsländern ist kein hinreichender Grund zur Abschiebung mehr. Gestern sagte eine Politikerin, wer das Geld für die Schleuser zusammengekratzt und in der Heimat verarmte, aber hoffnungsvolle Angehörige zurückgelassen habe, würde bei einer Rückkehr vor dem Nichts stehen; folglich kann man ihn nicht zurückschicken.
Alle denkbaren Wege zu einer rationalen Diskussion werden vorsorglich blockiert.
 
 

Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 15.02.2015 um 23.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28086

"Geflüchtete" ist der pc-phemismus.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.02.2015 um 20.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28085

Die Migranten sind nahezu verschwunden. Überall ist nur noch von Flüchtlingen die Rede.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2015 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28048

Genau! Jeden Morgen lesen wir, daß soundso viele Terroristen, Kämpfer o. ä. getötet wurden. (Ich hatte übrigens "gewöhnt" geschrieben, nicht "verführt".) Wer auch immer die Schlagzeilen produziert – die Presse oder die Pressestellen. Der Erfolg ist jedenfalls, daß kaum noch die Frage nach den Menschenrechten aufkommt. Es wird eben bei Operationen in fremden Ländern, außerhalb von Kriegen, gejagt und getötet, "zur Strecke gebracht". Beim Zählen der Strecke, das ahnt man immerhin, bleiben Kollateralschäden unberücksichtigt; das kommt noch hinzu.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 08.02.2015 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28040

Der Passiv hat bekanntlich den Vorteil, daß man Roß und Reiter nicht nennen muß:

"Wir werden systematisch an eine verrohte Sprache gewöhnt, ..."

Wer verführt uns da systematisch? Etwa "Focus"? Oder eher die "Lügenpresse"?

Welche Ziele mag derjenige dabei verfolgen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2015 um 07.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28039

Wir werden sytematisch an eine verrohte Sprache gewöhnt, in der sich der Verfall der Rechtskultur spiegelt.

Der jordanische Geheimdienst gilt als einer der effektivsten in der arabischen Welt. Er half, den Vorgänger von IS-Chef Baghdadi zur Strecke zu bringen. (Focus 7.2.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2015 um 18.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28033

Das jüngste Demonstrationsverbot in Leipzig ist ja auch wieder ein solcher Fall: Die Gewaltbereitschaft der Gegendemonstranten wird für so groß gehalten, daß der Stadt nicht genug Polizei zur Verfügung steht und sie eine voraussichtlich ganz friedliche Demonstration verbieten zu müssen glaubt. Das ist praktisch das Ende des Demonstrationsrechts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2015 um 07.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28014

Zur "Volksverhetzung" möchte ich hier nichts sagen (ich vertrete selbstverständlich die unbeschränkte Meinungsfreiheit, solange niemand individuell beleidigt wird), aber was die Religion betrifft, so sind meiner Meinung nach die Amtskirchen gut damit gefahren, daß der Blasphemieparagraph faktisch nicht mehr angewendet wird. Extremen Forderungen wie von Volker Kauder, Norbert Geis oder Martin Mosebach schließen sie sich klugerweise nicht an, weil sie wissen, daß sie dabei mehr verlieren als gewinnen würden. Eigentlich könnte es mir persönlich egal sein, ich würde ja bei einer Streichung des Paragraphen nicht gegen die Frommen losbelfern und kenne auch niemanden, der das tun würde. Aber ich brauche nicht noch einmal Montesquieu zu zitieren: Wenn es nicht nötig ist, ein Gesetz zu machen... Es wäre eine wohltuende Entlastung des StGB. Dagegen steht im Augenblick die islamistische Militanz.
Noch zu den Atheisten. Richard Dawkins wird ja das Schlimmste nachgesagt, aber in Wirklichkeit hat er weder beleidigt noch verhetzt. Er selbst macht sich einen Spaß daraus, die unfaßbar primitiven "Love letters to Richard Dawkins" zu verlesen und denkt nicht daran, jemanden anzuzeigen. Das ist eben der Unterschied.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.02.2015 um 07.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#28013

Lieber Herr Achenbach, ich weiß, daß die Richter darüber entscheiden, aber die Debatte, die Ihnen doch sicherlich bekannt ist, geht ja gerade darum, daß die Richter - woher sollten sie es denn sonst wissen? - die Erregbarkeit und Militanz der Betroffenen in ihre Entscheidung einfließen lassen. Das ist auch nicht vorwerfbar, es kann gar nicht anders sein. Nehmen Sie die Atheisten. Sie sind fast gar nicht organisiert und regen sich nicht nennenswert auf, wenn jemand sie beschimpft. Folglich hat kein Richter einen Grund, jemanden wegen Beschimpfung des Atheismus zu bestrafen. Der "Inhalt" dieser Weltanschauung iinteressiert die Justiz nicht, natürlich vollkommen zu Recht. Dagegen geschieht (oder unterbleibt) jetzt manches, weil man Muslime nicht "unnötig" reizen will, denn dann könnte der öffentliche Friede in Gefahr sein.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 03.02.2015 um 16.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27983

Nochmal zum Zusatz "selbst": Herr Achenbach weist ganz richtig darauf hin (#27941), daß das Wort redundant ist und wohl hier importiert wurde durch Leute, die wieder mal kein Englisch können, aber wir können es durchaus konstrastiv-verstärkend hinzufügen. "Zweijähriger erschoß sich selbst" kann man sagen, um das Ungewöhnliche des Vorgangs hervorzuheben. "Der Täter erschoß zwei Polizisten und anschließend sich selbst." Pedanten mögen hier bemerken, daß "anschließend" überflüssig ist, weil die umgekehrte Reihenfolge wohl kaum möglich und auch ein größerer zeitlicher Abstand der Ereignisse nicht anzunehmen ist, aber am "selbst" wird man sich nicht stören.
A) "Jäger hat sich erschossen."
B) "Jäger hat sich selbst erschossen."
Hier kommt wieder die Intentionalität ins Spiel. A klingt eher nach Suizid, B mehr nach Jagdunfall.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 03.02.2015 um 15.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27982

[i] § 130

Volksverhetzung

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder

2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

.....[/i]

Die Schnittmenge derer, die § 130 und derer die § 166 abschaffen möchten, dürfte ziemlich klein sein.

Im übrigen entscheiden hierzulande die Richter und nicht die Betroffenen darüber, was geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2015 um 08.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27979

Dasselbe Problem ist ja auch mit dem schwammigsten aller Strafrechtsparagraphen verbunden:

§ 166 Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen
(1) Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Ebenso wird bestraft, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine im Inland bestehende Kirche oder andere Religionsgesellschaft oder Weltanschauungsvereinigung, ihre Einrichtungen oder Gebräuche in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.

-

Was geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, entscheiden die "Betroffenen". Je unduldsamer und militanter sie auftreten, desto eher wird der öffentliche Friede gestört, falls man sie kritisiert.
Die Kirchen sind klug genug, nicht ständig vor Gericht zu ziehen. Sie wissen, daß eine Karikatur niemanden vom Glauben abbringt, daß aber das ständige Prozessieren keinen guten Eindruck machen würde. Die Gerichte haben es denn auch immer mehr mit dem Schutz des Islam zu tun und verhängen manchmal erstaunlich strenge Urteile – als sollte damit etwas bewiesen werden. Dabei arbeitet die Schere im Kopf ja schon sehr gründlich.

Viele Kirchenleute wären bereit, den "Blasphemie"-Paragraphen aufzugeben (die Bezeichnung gilt einer älteren Formulierung, trifft aber immer noch zu); aber dagegen stehen heute muslimische Interessengruppen.

(Mir fällt erst jetzt die Wendung "im Inland bestehend" auf. Sollte das der Hintersinn der These sein, der Islam gehöre zu Deutschland?)
 
 

Kommentar von P. Küsel, verfaßt am 03.02.2015 um 08.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27978

»Was Rassismus ist«, schrieb unlängst M. Heine in der Welt, »haben die Betroffenen zu entscheiden.« Kann es sein, daß das in der Diskriminierungsforschung sogar die Lehrmeinung ist?

(http://www.welt.de/kultur/article136702266/Meiden-Sie-die-Mohrenstrasse-Dieter-Hallervorden.html)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.02.2015 um 07.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27977

Immer häufiger wird die neue Logik geltend gemacht, nach diesem Muster: Die Tatsache, daß ich einen Verdacht haben kann, beweist, wie begründet er ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2015 um 10.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27968

Noch ein Nachspiel zum Fall Khaled:

Der 20-jährige Asylbewerber war am 21. Januar, dem Abend einer Pegida-Demo in Dresden-Prohlis erstochen worden. Nach seinem Tod hatten bundesweit Menschen aus Sorge demonstriert, es könnte ein rassistischer Mord vertuscht werden. Ein ebenfalls eritreischer Mitbewohner Bahrays gestand später die Tat, nachdem seine DNA an der Tatwaffe festgestellt wurde. „Dass sich die Befürchtungen in diesem Fall nach bisherigen Informationen nicht bestätigt haben, heißt nicht, dass sie unberechtigt waren. Im Gegenteil“, heißt es weiter in der Stellungnahme der Opferberatungen. (taz 29.1.15)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2015 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27960

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27862

Die Grüne Jugend Niedersachsen korrigiert ihre voreilige Pressemitteilung. Interessant ist, wie sie das tut:

Ergänzung: Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass höchstwahrscheinlich ein Mitbewohner Khaleds die Tat begangen hat. Die Pressemitteilung wurde ohne Kenntnis dieses neuen Sachstandes formuliert. An einigen Stellen ist sie deshalb ergänzungsbedürftig. Eine deutliche Kritik am Vorgehen der Dresdner Polizei (oder zumindest daran, wie dieses Vorgehen öffentlich kommuniziert wurde) bleibt aus unserer Sicht aber bestehen. Die Reaktion des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ist insbesondere im Kontext des Behördenvorgehens bei den NSU-Morden absolut unangemessen. Auch die Forderung nach unabhängigen Ermittlungsstellen ist nach wie vor aktuell, ebenso wie der Hinweis auf das für Geflüchtete und Migrant*innen unerträgliche Klima in Dresden.

Reflexion über den Umgang mit Fällen wie in Dresden:

Aus dem „NSU“ muss die Lehre gezogen werden, dass es notwendig ist, Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft kritisch zu begleiten, wenn die Umstände eine Tat mit neonazistischem und rassistischem Hintergrund möglich erscheinen lassen – oder sogar nahe legen. Insbesondere dann, wenn (wie im Dresdner Fall) Indizien, wie die in die Wohnungstür eingeritzten Hakenkreuze oder die rassistisch aufgeheizte Stimmung vorliegen. Dabei muss ein Spagat bewältigt werden: Zwischen der gut begründbaren Vermutung, dass es sich um einen Nazi-Mord handelt, und der Tatsache, dass oft erst bei der Verurteilung des Täters/der Täterin gesagt werden kann, was die wirklichen Hintergründe waren. Eine vorschnelle Festlegung auf eine rassistische Tat ist falsch, aber auf die grundsätzliche Möglichkeit einer solchen muss deutlich hingewiesen werden. Wenn dieser Spagat gelingt und sich im Nachhinein wie bei der Hamburger Brandstiftung oder jetzt in Dresden herausstellt, dass es sich nicht um ein rassistisch motivierte Tat handelt, ist das eigene Vorgehen vermittelbar. Eine vorschnelle Festlegung schadet hingegen der eigenen Glaubwürdigkeit und ist für Polizei und reaktionäre Politiker*innen leicht instrumentalisierbar.

 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 30.01.2015 um 17.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27941

Das einzige, was ich an dem Satz „Zweijähriger erschießt sich selbst“ auszusetzen habe, ist das Wörtchen selbst, das hier völlig überflüssig ist.

Der Verdacht liegt nahe, daß es sich um einen Übersetzungsfehler handelt.

In der Tat: Google findet auf Anhieb die Originalüberschrift:

„Two-year-old shoots himself dead ...” (es folgen Ausführungen zur Waffe).

Das himself ist offenbar als selbst übersetzt und übersehen worden, daß es schon durch sich ausgedrückt ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2015 um 17.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27939

Noch einmal zu Houellebecq. Die "Welt" hat ihn interviewt:

Ob wir einfach nicht über die Politik reden wollten, frage ich ihn schließlich (...) "Das wird mich verändern", sagt er dann, es klingt erleichtert.

Die seltsame Antwort klärt sich auf, wenn man einen Leserbrief hinzunimmt:

Nicht "Das wird mich verändern" hat er gesagt, sondern "Das wird mal eine Abwechslung" (ça me changera i.S.v. ça me changera des sujets habituels, das "me" ist hier als Dativ zu verstehen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.01.2015 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27936

Ich meine, Herr Strowitzki hat recht, aber es hängt nicht nur vom individuellen Sprachempfinden ab, sondern auch vom Sachverhalt und von den Umständen des Sprechens darüber. Man wird schon eine Formulierung finden, und ich sage ja auch nicht, daß die Ausdrucksweise mit "sich erschießen" falsch oder unmöglich ist, sondern wollte nur auf eine kleine, metaphorisch deutbare und gleichsam auffangbare Sinnverschiebung aufmerksam machen.
Auf einem anderen Blatt steht das Verhältnis der Amerikaner zu Schußwaffen. Man kann tatsächlich mit netten jungen Müttern sprechen, die stolz darauf sind, ihren fünfjährigen Töchtern den ersten Umgang mit Pistolen beigebracht zu haben, damit sie sich später einmal zu wehren wissen. Wahrscheinlich schaffen es die Unfallmeldungen nur deshalb in unsere Nachrichten, weil diese Eigenart der amerikanischen Gesellschaft eben eine Quelle steten Befremdens ist. Das wäre dann bei der Wortwahl auch noch zu berücksichtigen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.01.2015 um 18.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27934

Man muß auch bedenken, daß die möglichen Umschreibungen bzw. passenderen Beschreibungen alle recht lang sind, und hier ging es schließlich um eine Schlagzeile oder Überschrift. Würde das gleiche Wort erschießen auch darunter im Text benutzt (was ich nicht weiß), dann wäre es sicher mehr zu beanstanden.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 29.01.2015 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27933

Es zerfasert im Moment etwas. Ausgangspunkt war doch:
"Drama in Florida: Zweijähriger erschießt sich selbst
Das kann nur im übertragenen Sinn verstanden werden. Das Kind ist beim Spielen mit einer Schußwaffe ums Leben gekommen. "Erschießen" ist eine intentionale Handlung, die natürlich gerade deshalb auch "aus Versehen" geschehen kann. Aber ein Zweijähriger kann sich nicht "aus Versehen" erschießen."
Eine solche Antwort auf die Frage "Was ist aus X geworden?" mußte ich zum Glück noch nicht geben. (In den USA gibt es wohl alljährlich Tausende solcher Todesfälle, nicht direkt bei Zweijährigen, aber oft bei Kindern.) Aber zu sagen: "Kam bei Spielen mit einer Pistole ums Leben" klingt mir doch sehr um den heißen Brei herumgeredet. Ähnlich wie bei "Kam bei einer Bergwanderung ums Leben" muß man sich die eigentliche Todersursache denken (auch ohne bizarre, unwahrscheinliche Konstruktionen zu ersinnen). Dagegen erscheinen mir "hat sich beim Spielen mit einer geladenen Pistole (versehentlich) (selbst) erschossen" oder "hat sich beim Reinigen seiner Pistole (versehentlich) (selbst) erschossen" als natürliche Antworten. Aber das hat viel mit individuellem Sprachempfinden zu tun; wir werden daher wohl nicht zu einem allgemein befriedigenden Ergebnis kommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2015 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27928

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27566 fällt mir noch ein, daß die Antike nicht nur ihre Taliban hatte, sondern auch ihren Breivik: einen gewissen, sicher nur halb legendären Kleomedes (s. Wikipedia).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2015 um 05.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27924

Die Intentionalität von Verben ist nicht unbedingt mit dem psychologischen oder juristischen Begriff der Absichtlichkeit gleichzusetzen. Zu "er hat ihn absichtlich erschossen": Das ist ja auch keineswegs ohne jeden Kontext so möglich. Man will damit vielleicht sagen, daß es kein Versehen war. Auch "Tod durch Erschießen" deutet auf die Intentionalität hin. Das Resultat – wenn man es resultativ nennen will, was ja auch richtig ist – ergibt sich nicht einfach, sondern ist Zweck der Übung.
Ich habe auch nicht sagen wollen, daß "kam beim Spielen mit einer Pistole ums Leben" dasselbe bedeutet wie "sich versehentlich erschießen". Wenn man über den Vorfall mehr wüßte, könnte man die beste Formulierung finden. Und noch etwas: Es ist natürlich denkbar, daß ein Kind mit einer Pistole spielt und dabei aus dem Fenster fällt und stirbt; dann ist es beim Spielen mit einer Pistole ums Leben gekommen. Oder es hat sich zwar eine Kugel in den Leib gejagt, aber gestorben ist es an einer zweiten Kugel aus der Pistole eines anderen... Jeder Text enthält Lücken, die ein Pedant mit eigenen Zutaten ausfüllen kann, wenn er es unbedingt will.
Das oft erwähnte transitive "Schießen" (von jagdbarem Wild) ist noch deutlicher intentional.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.01.2015 um 23.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27922

Die Doppeldeutigkeit steckt hauptsächlich im Passiv: 'He was shot' kann gleichermaßen er- und angeschossen bedeuten. Daher auch möglich: 'He was shot twice'! Wenn von Tieren die Rede ist, bedeutet 'shot' in der Regel erschossen (erlegt), bei Menschen wird zur Klarstellung oft 'dead' oder 'to death' ergänzt. Einfache Präfixe sind da natürlich die schlankere Lösung.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.01.2015 um 22.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27921

Zu "Die Doppeldeutigkeit im Englischen ist doch im Gegenteil oft sehr störend" (#27919): Ich meine, da ist keine. Fürs "erschießen/totschießen" ist ganz klar "shoot to/and kill" der richtige Ausdruck.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.01.2015 um 22.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27920

Zu "Im Deutschen kann man zwar *anschießen* oder *niederschießen* sagen, aber für mein Empfinden wird dadurch immer noch mehr gesagt als im neutralen *to shoot*." (#27918): Dieses *shoot* (= mit einem Wurfgeschoß treffen) ist die transitive Form eines Verbs, von dem wir deutsch nur noch die intransitive Form haben, z. B. in "er schoß um die Ecke" (= flog wie ein Geschoß um die Ecke).
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.01.2015 um 21.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27919

Die Doppeldeutigkeit im Englischen ist doch im Gegenteil oft sehr störend.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.01.2015 um 18.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27918

Wie Herr Strowitzki glaube ich nicht, daß erschießen allgemein als intentional empfunden wird. Sonst müßte doch jedermann so geläufige Sätze wie „er hat ihn absichtlich erschossen“ oder „er hat ihn versehentlich erschossen“ als tautologisch oder widersprüchlich empfinden. Bei einer Zeitungsüberschrift „Polizist erschießt Räuber“ nimmt doch niemand ohne weiteres an, daß der Polizist den Tod des Räubers beabsichtigt hat.

Allerdings ist erschießen ein resultatives Verb und zwar bedeutungsgleich mit totschießen.

Was ich gelegentlich im Deutschen vermisse ist ein neutrales Verb wie im Englischen: „The policeman shot the robber“. Daraus ergibt sich, daß der Räuber getroffen wurde; es bleibt aber offen, ob er getötet oder nur verletzt wurde.

Im Deutschen kann man zwar anschießen oder niederschießen sagen, aber für mein Empfinden wird dadurch immer noch mehr gesagt als im neutralen to shoot.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 28.01.2015 um 16.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27917

„Kam beim Spielen (oder Hantieren) mit einer Pistole ums Leben“ ist halt weniger genau. Die Todesursache liegt zwar auf der Hand, aber eine andere ist zumindest nicht auszuschließen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2015 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27916

Ich hatte ja schon vorgeschlagen "kam beim Spielen (oder Hantieren) mit einer Pistole ums Leben". Übrigens würde man auf die Frage "Was ist denn aus dem kleinen X geworden?" kaum antworten "Der hat sich mit zwei Jahren erschossen."
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 28.01.2015 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27913

Wir wollen wir es denn umgekehrt sagen? "...wurde durch einen versehentlich von ihr selbst ausgelösten Schuß einer Pistole getötet"? Klingt zumindest arg gestelzt und umständlich. "versehentlich selbst erschossen" trifft es ganz gut – ääh,...
Noch ein anderer Fall: "stürzte in die Schlucht" ~ "stürzte sich in die Schlucht". Hier ist der Unterschied ganz deutlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2015 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27905

Plutarch berichtet, daß spartanische Neugeborene dem Ältestenrat vorgeführt und bei Mißfallen in die Apotheten, eine Art Müllkippe am Taygetos, geworfen wurden. Archäologen haben aber nichts davon gefunden, so daß man es wohl zu den böswilligen Verdrehungen rechnen muß, die über Sparta im Umlauf waren. Henri-Irénée Marrou beschreibt in seiner Geschichte der antiken Bildung die Entartung einer einst lebens- und kunstfrohen lakedämonischen Kultur zum Militär- und Polizeistaat und erwähnt auch die Müllkippengeschichte.
(Google konnte gestern abend gar nicht glauben, daß ich tatsächlich "Apotheten" und nicht "Apotheken" eingegeben hatte.)

Es ist immer wieder erstaunlich, wie genau die Antike alles schon durchexerziert hat, was wir heute an Freuden und Schrecken erfahren.

Marrou erwähnt, daß in der antiken Bildung bis zuletzt etwas von der adeligen, an Homer orientierten Bildung steckte, wie auch alle französischen Kinder die Fabeln La Fontaines lesen, einen Text zur Prinzenerziehung. In Indien gibt es ja ähnliches (Pancatantra, Hitopadesha, eigentlich auch die Nationalepen). Mir kam dabei der Gedanke, ob unsere scheinbar selbstverständlichen Lehrpläne auch noch Reste einer eher zum gepflegten Müßiggang (gr. schole) anleitenden Bildung enthalten...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2015 um 05.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27904

Die Intentionalität ist ein faszinierendes Thema, vgl. meine Abhandlung über "Naturalisierung der Intentionalität" (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1587), aus der ich einen Satz zitieren möchte:

Faktitive und kausative Verben wie leeren, fetten, heizen, glätten, ölen, kürzen, brühen, wärmen, fällen, füttern bezeichnen ein zweckgerichtetes Verhalten, ebenso die privativen „Küchenverben“ wie schuppen, köpfen, häuten, schälen.

Dazu stelle ich auch erschießen. Das ist eben keine rein "physikalische" Beschreibung, sondern zugleich eine Deutung. Verdeckt wird es wie immer durch die sehr naheliegende Übertragung, weil wir ja auch die Naturvorgänge meistens in menschlichem Licht als Handlungen ausdrücken.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.01.2015 um 21.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27903

Es liegt wohl am Verb, denn es ist sowieso ziemlich außergewöhnlich, daß sich jemand unbeabsichtigt erschießt, egal ob zwei- oder volljährig.
Wenn es aber nun mal tatsächlich passiert, dann muß man es ja irgendwie sagen können, und dann wäre Zweijähriger erschießt sich wohl einigermaßen sachlich und ausgedrückt gewesen, es klingt ganz angemessen genau wie der schier unglaubliche Sachverhalt, der es nun mal ist, nicht unbedingt intentional. Dagegen ist Zweijähriger erschießt sich selbst doch eine Spur zu reißerisch, klingt mehr nach einer Intention, die sachlich nicht gegeben sein kann.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 27.01.2015 um 18.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27902

Aber würde denn ein Zweijähriger hat sich erschossen besser, d.h. richtiger klingen? Für mich klingt das ebenso nach Absicht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.01.2015 um 17.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27901

Ich halte das Wörtchen "selbst" hier für ziemlich gewichtig.
Sich ein Bein zu brechen kann wohl jedem mal passieren, aber wenn jemand sich selbst ein Bein bricht, hört sich das schon wesentlich verdächtiger an, ähnlich wie sich selbst zu erschießen.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 27.01.2015 um 16.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27899

Ich sehe im Begriff des "sich Erschießens" keine Intentionalität, sondern einfach eine Vorgangsbeschreibung: Der Auslöser einer Schußwaffe wird betätigt, und das Geschoß trifft den Auslösenden tödlich. Bei hat sich ein Bein gebrochen, den Kopf gestoßen, den Finger geklemmt haben wir in aller Regel ja auch keine Intentionalität.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 24.01.2015 um 15.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27882

Es ist ja schon erstaunlich, wieviel Papier und Druckerschwärze verbraucht wird für die Debatte über Fragen wie:

Ist Deutschland ein Einwanderungsland?

Gehört der Islam zu Deutschland?

War die DDR ein Unrechtsstaat?

Hat jemand mal berechnet, wieviel tropischer Regenwald dafür schon abgeholzt wurde und um wieviel Grad das Weltklima dadurch schon aufgeheizt wurde?

Dabei ist die Antwort auf diese Fragen doch ganz einfach und jedem einsichtigen Menschen vollkommen klar: je nachdem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.01.2015 um 05.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27874

Zur zehnjährigen Selbstmordattentäterin (anscheinend ist der Sprengsatz am Körper der Kleinen per Fernsteuerung gezündet worden) paßt folgende Meldung:

Drama in Florida: Zweijähriger erschießt sich selbst

Das kann nur im übertragenen Sinn verstanden werden. Das Kind ist beim Spielen mit einer Schußwaffe ums Leben gekommen. "Erschießen" ist eine intentionale Handlung, die natürlich gerade deshalb auch "aus Versehen" geschehen kann. Aber ein Zweijähriger kann sich nicht "aus Versehen" erschießen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2015 um 14.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27868

Der Trauerbrief der Wohngemeinschaft von Khaled I.

Hallo Dresden,

wir sind hierher gekommen um unser Leben zu retten und in Freiheit zu leben. In Eritrea herrscht eine grausame Militärdiktatur, die uns jegliche Menschenrechte nimmt. Es gibt keine Presse- und Meinungsfreiheit – keine Möglichkeit zur individuellen Entfaltung. Vor diesen Zuständen sind wir monatelang geflohen. Wir haben Wüsten und Meere durchquert und sahen auf der Flucht viele Menschen sterben. Wir haben unser Leben auf's Spiel gesetzt, um hier in Frieden zu leben. Aber viele Leute hier in Dresden mögen uns nicht. Täglich haben wir mit Anfeindungen, Aggressionen und tätlichen Angriffen aufgrund unserer Hautfarbe zu tun.

Aus diesem Grund/Gründen wurde auch Khaled getötet. Er war ein 20-jähriger junger Mann mit der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft. Jetzt ist er tot und hat auf dieser Erde keine Zukunft. Wir leben hier unter schlechten Bedingungen. Die Menschen in Leubnitz-Neuostra wollen uns hier nicht.
Deswegen brauchen wir schnelle Hilfe. Doch wir wollen nicht einfach den Stadtteil wechseln. Wir können nicht vergessen, was passiert ist.
Deswegen fordern wir die Politik, Polizei und Stadtverwaltung auf:1) herauszufinden wer der Mörder von Khaled ist.

2) uns in eine andere Stadt zu bringen. Es wird sich für uns nichts ändern, wenn wir nach Gorbitz, Prohlis oder Leuben gebracht werden. Überall gibt es die gleichen Rassisten wie hier. Das wissen wir von unseren Brüdern und Schwestern aus den anderen Stadtteilen.

3) Das Sozialamt soll Geflüchtete als Menschen mit Hoffnungen, Wünschen und Bedürfnissen sehen, nicht als Verwaltungsobjekte. Sie müssen gewährleisten, dass Geflüchtete im Austausch mit Dresdnern, Jugendzentren und Initiativen kommen und die Möglichkeit haben, Sprache und Kultur kennenzulernen. Weil wir das wollen und brauchen! Das können wir aber nicht, solange wir in einer rassistischen und von Angst geprägten Atmosphäre leben, in einer Umgebung, in der niemand mit uns sprechen will.

4) dass die Stadt Dresden, Politiker und Zivilbevölkerung sich klar gegen rassistische Bewegungen in Dresden, Deutschland und Europa stellt und sich mit den Opfern rassistischer Gewalt solidarisiert.

WIR SIND FREUNDLICH, FRIEDLICH UND OFFENHERZIG – WÜRDET IHR KONTAKT ZU UNS SUCHEN, WÜRDET IHR DAS MERKEN. ABER IHR GEBT EUCH KEINE MÜHE.

WIR WOLLEN NICHT MEHR WIE TIERE BEHANDELT WERDEN – WIR BRAUCHEN FRIEDEN. HASSEN – HBDELWAHAB – TESFALEM – GOITOM – SALIA – WEGAHITA – HABENFRIENDS AND ROOMMATES OF KAHLED R.I.P Khaled


Man muß kein forensischer Linguist sein, um die Autorschaft der Roommates zu bezweifeln, die weder der deutschen Sprache mächtig sind noch des besonderen Jargons, in dem alle Texte von "Unterstützern", "Refugee-Camps" usw. abgefaßt sind. Diese Hintermänner erzeugen eine Stimmung, unter der die mißbrauchten Flüchtlinge dann zu leiden haben. Zynischer geht es nicht.

(Unter den Unterzeichnern ist möglicherweise der Täter.)

Der STERN hatte übrigens geschrieben:

„Ganz abgesehen davon, dass ein Menschenleben zu beklagen ist, hat die Stadt nun, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, ihren ersten Pegida-Toten.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2015 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27862

Was die Grüne Jugend betrifft (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27857), so bezeichnet sie sich auf ihrer Website als "offen – basisdemokratisch – queerfeministisch – antifaschistisch – ökologisch – antikapitalistisch". Wie bekannt mir das vorkommt! Nur das Queere und das Ökologische sind hinzugekommen, sonst ist alles wie vor 45 Jahren bei den kommunistischen Studentengruppen in meinem lieben roten Marburg.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.01.2015 um 04.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27860

Der SPIEGEL schrieb:

Khaled B. hatte geschafft, wovon viele seiner Landsleute träumen. Er hatte das sudanesische Wadi Halfa im Februar 2014 hinter sich gelassen, die größte Trockenwüste der Erde durchquert, war lebend durch das schwer umkämpfte Libyen gekommen und hat selbst die 1600 Dollar teure Schiffspassage auf einem Seelenverkäufer nach Italien heil überstanden. Mit dem Zug kam Khaled B. im Juli 2014 in München an. Endlich Deutschland, endlich Sicherheit.
Nun ist Khaled B. tot. Erstochen im vermeintlich sicheren Deutschland. Sein Freund Hani ist sich inzwischen "zu 99,9 Prozent sicher, dass er von Rechtsradikalen ermordet wurde".
Bisher ist unklar, wer den jungen Mann getötet hat. Es gibt keine Verdächtigen, keine heiße Spur, die Polizei ist nicht mal sicher, ob Khaled B. an dem Ort getötet wurde, an dem sich seine Leiche befand. Doch wer mit Khaled B.s Mitbewohnern spricht, wer Asylbewerber und Asylhelfer in Dresden trifft, hört keine Zweifel am Motiv des Täters.


Und die Süddeutsche Zeitung in dem erwähnten Beitrag:

Khaled B. hat vom Südsudan aus die größte Trockenwüste der Erde, die Sahara, durchquert. Er schlug sich durch das umkämpfte Libyen hindurch. Er überlebte die Überfahrt nach Italien; sein älterer Bruder war zuvor bei der Schiffspassage ertrunken. Doch im vermeintlich sicheren Deutschland angekommen, musste er sich wieder fürchten. So wie jetzt seine Mitbewohner. Sie wünschen sich nur noch eines: aus Dresden wegzukommen, der aufgeheizten Atmosphäre in der Stadt zu entkommen. Die Flucht geht weiter.

Man arbeitet also vorsichtshalber mit Insinuationen, aber die Aussage ist klar genug. Auffällig auch, daß beide Texte nebenbei Geographie-Unterricht erteilen. Die "größte Trockenwüste der Erde" deutet darauf hin, daß die Journalisten erst einmal bei Wikipedia nachgesehen (oder es von dpa übernommen) haben, was eigentlich die Sahara ist. Kein Mensch würde normalerweise etwas anderes als "die größte Wüste der Erde" sagen. Auf eine gemeinsame Quelle deutet auch das "umkämpfte Libyen" hin.

Es gibt eben zu viele Journalisten, die nicht recherchieren, sondern in ihren Sesseln mit vergifteten Kommentaren begleiten, was andere ihnen auf den Tisch legen.

Übrigens hatten in diesem Fall einige Leser schon vermerkt, daß Neonazis eher zündeln als stechen...

Solche Vorfälle zusammen mit den, nun ja, leichtfertigen Kommentaren der Medien dürften die leider vorhandene Abneigung gegen Zuwanderer verstärken.

Der nächste Schritt liegt nahe: Wie konnte der Täter zum Mörder werden? Nach allem, was er durchgemacht hatte, haben die Deutschen ihn daran gehindert, hier ein normales Leben zu führen. Usw., es wird sich schon was finden lassen. Jedenfalls müssen wir den Rechtspopulisten nun noch entschiedener entgegentreten, damit sie aus dem Vorfall, der ja "Wasser auf ihre Mühlen" ist, kein Kapital schlagen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2015 um 18.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27857

Soll man lachen oder weinen?

„Wie es Andersfarbigen ergeht“ – so titelte die Süddeutsche Zeitung nach dem Mord an dem 20-jährigen Eritreer Khaled Idris Bahray in Dresden. Volker Beck stellte einen unbegründeten Strafantrag gegen die Polizei wegen Strafvereitelung und ist deswegen selbst angezeigt worden. (Die Grüne Jugend Niedersachsen solidarisierte sich in einem peinlichen Text mit Beck: http://bundesjustizportal.de/niedersachsen/item/1704-gr%C3%BCne-jugend-g%C3%B6ttingen-kritisiert-polizei-im-mordfall-khaled-b.html). Nun hat sich herausgestellt, daß der Mann von einem Landsmann getötet wurde.

Nur weil man den Mord für eine Tat deutscher Rassisten im Umkreis von Pegida hielt, kam es zu scheinheiligen Gedenkmärschen:
„Allein in Dresden kamen am Samstagabend rund 2700 Teilnehmer zu einem Gedenkmarsch zusammen, wie die Polizei mitteilte. Auch in Berlin, Potsdam und Leipzig gab es am Samstag und am Sonntag mehrere Mahnwachen und Gedenkveranstaltungen für den Mann aus Eritrea.
Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltungen äußerten die Befürchtung, dass der gewaltsame Tod des Asylbewerbers rassistisch motiviert gewesen sei. Zudem wurde die islam- und fremdenfeindliche „Pegida“-Bewegung kritisiert, vor der sich Flüchtlinge und Migranten insbesondere in Dresden bedroht fühlten.“

Auch Mely Kiyak nutzte den Fall für ihre Kolumne in der ZEIT, um Stimmung zu machen, wie auch die ZEIT selbst in gewohnter Weise; entschuldigen wird sie sich nie.

Eine Website war eingerichtet:
https://www.remembering-khaled.org/demo-17-1/call/
(mit falschen Behauptungen und dem Schlußwort: Greetings to all antiracist and antifascist demonstrations happening today as well!)
Impressum: Initiative “Remembering Khaled”
Unsere Gruppe besteht aus FreundInnen Khaleds, Mitglieder der eritreischen Community Dresdens und einzelnen UnterstützerInnen aus den folgenden Gruppen: Sächsischer Flüchtlingsrat, RAA Opferberatung, Netzwerk Asyl Migration und Flucht, AZ Conni
Pressetelefon: +49 1573 953 1416
E-Mail: contact@remembering-khaled.org

Die ebenfalls sehr besorgte Jutta Ditfurth schrieb bei facebook:
14. Januar um 10:51 Khaled Idris Bahray - seine eritreischen Freunde und Mitbewohner hatten, wie viele Flüchtlingen in Dresden, jeden Montag Angst, die Wohnung zu verlassen, weil sie die Erfahrung gemacht hatten, beschimpft und beleidigt zu werden. Wann wird die rassistische Atmosphäre in Dresden, die Menschen in ihrer Freiheit einschränkt und ihr Leben gefährdet zum Thema? Ach nein, ich hatte vergessen, Politiker wollen mit Pegidioten sprechen, weil sie "Verständnis" für ihre "Sorgen" haben. Lesenswerter Bericht in The Guardian: Police investigate death of Eritrean man in Dresden Murder investigation launched after man’s body found in German city where there have been anti-immigrant Pegida marches Von Kate Connolly“ (https://www.facebook.com/Jutta.Ditfurth/posts/630829283713360) Im Guardian titelte Kate Connolly am 15.1.15 auch: Killing of Eritrean refugee in Dresden exposes racial tensions in Germany
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.01.2015 um 06.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27854

Seit einigen Monaten lesen wir nun täglich von Nullzinsen oder gar Negativzinsen, aber es scheint noch keinem aufgefallen zu sein, daß die Wirtschaft ganz von selbst jenen Zustand erreicht hat, der Silvio Gesell einst vorschwebte und bisher nur in engen regionalen Grenzen erprobt wurde (Wörgl usw.). "Natürliche Wirtschaftsordnung", "Freigeld"; fehlt nur noch die Bodenreform. Wer hätte das gedacht!
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 19.01.2015 um 13.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27841

Wo Sigmar Gabriel recht hat, da hat er ja wirklich recht.

Ich bin auch ganz der Meinung, daß Schwule die gleichen Rechte haben sollten wie Lesben.

Anscheinend gibt es islamische Länder, in denen Schwulen die Todesstrafe droht, Lesben aber nicht. Diese krasse Ungleichbehandlung muß sofort geändert werden - so oder so!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.01.2015 um 06.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27839

Nachdem eine für Montag angesetzte Pegida-Demonstration wegen einer Terrordrohung abgesagt werden musste, hat sich die AfD-Vorsitzende Frauke Petry die etablierten Parteien vorgeknöpft. (Focus 19.1.15)

Wieso "musste"? In einem anderen Bericht des FOCUS steht, die AfD habe sich gegen die Gleichstellung von Mann und Frau ausgesprochen. Aus dem Text geht hervor, daß sie sich gegen das "Gender mainstreaming" ausgesprochen hat. Die meisten Leser durchschauen die Manipulation und reagieren ziemlich wütend.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 18.01.2015 um 22.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27838

Gabriel beschreibt den (erwünschten) Islam wie eine Religion nach der Definition eines säkularen Staats, d. h., er verlangt vom Islam die Akzeptanz des Staates als Gesetzgeber und die Beschränkung auf die private Religionsausübung.
Das ist im Sinne des Grundgesetzes und gilt so für alle Religionen. Kann die Politik etwas anderes fordern als das Grundgesetz?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 18.01.2015 um 19.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27837

Könnten wir uns denn mit einem anderen Islam als dem, den Gabriel fordert, arrangieren?

Und wenn wir diese Forderungen von vornherein als lustig und unrealistisch empfinden, was sagt das erstens über den Islam und zweitens, falls wir diesen Islam bei uns dulden, über uns aus?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 18.01.2015 um 18.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27836

Im Grunde geht aus Gabriels unrealistischen Forderungen hervor, daß der Islam in Deutschland (so wie Gabriel sich Deutschland vorstellt) keine Rolle spielen darf, aber das würde er natürlich nie so sagen und vermutlich nicht einmal zu denken wagen.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.01.2015 um 15.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27835

Es geht Gabriel erklärtermaßen um "die Rolle des Islam in unserem Land". Da sind seine Forderungen doch eigentlich ganz vernünftig,
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.01.2015 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27828

Den Synonymiker wird die Unterscheidung von Ungläubigen und Nichtgläubigen interessieren. Die Verneinung mit nicht- ist eher fachsprachlich und kommt in der Allgemeinsprache kaum vor, sie ist objektiver, wertneutraler. Bei un- schwingt oft eine Verurteilung mit wie in Unmensch, unchristlich (= böse). Orthodoxe oder Fromme überhaupt nennen auch den Andersgläubigen ungläubig oder Heide, wofür es auch in anderen Sprachen besondere Ausdrücke mit appellativen Konnotationen (= zu bekehren oder zu vernichten) gibt. Gabriel hat das deskriptiv richtig erfaßt. Allerdings kann ich nicht finden, daß der Ausdruck Ungläubige verschwinden sollte, er sollte vielmehr ebenso wie Nichtgläubige unbefangen und neutral benutzt werden dürfen, weil es den Menschen nichts angeht, was sein Mitmensch glaubt. Das hat Gabriel wohl auch gemeint.
Damit komme ich zum problematischen Kern: Der Entwurf des Religionsstifters Gabriel umfaßt genau das, was Papst Benedikt "Relativismus" bzw. "Diktatur des Relativismus" zu nennen pflegte, also den Pluralismus und den Verzicht auf Alleinbesitz der Wahrheit. Das Geltenlassen anderer Weltanschauungen, als seien sie gleichberechtigt, ist aus seiner Sicht und der Sicht jeder der hier genannten Religionen verwerflich. Das ist nirgendwo deutlicher ausgedrückt als im Syllabus errorum; der ist zwar nicht (mehr) verbindliche Lehre, vor allem seit dem Zweiten Vaticanum, aber der Sache nach sehr wohl noch Aufffassung der Kirche, wie man auch aus dem KKK entnehmen kann.
Man kann nicht mal eben eine Milliarde Menschen dazu überreden, das Gegenteil von dem zu glauben und zu tun, was sie bisher geglaubt und getan haben. Deshalb fand ich die Äußerungen Gabriels ziemlich komisch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2015 um 12.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27825

Der lustige Gastbeitrag Sigmar Gabriels im Tagesspiegel erinnert mich an unseren Hausheiligen, Prof. Higgins: Why can't a woman be like me?

("Die Anforderungen an den modernen Islam sind sehr konkret. Gleichheit von Frauen und Männern, gleiche Rechte für Schwule und Lesben, Überwindung des offenen wie des verdeckten Judenhasses, keine Fortsetzung nahöstlicher Konflikte in den Schulen oder auf den Straßen unseres Landes – und als entscheidende Voraussetzung jeder Modernisierung die Akzeptanz dafür, dass der Islam wie jede andere Religion oder Weltanschauung ganz selbstverständlich Gegenstand von Kritik und Selbstkritik ist. Diese Öffnung beginnt nicht erst damit, physische Gewalt auszuschließen. Wer für den Islam spricht, muss auch im Denken abrüsten. Das Wort „Ungläubige“, wo Anders- und Nichtgläubige gemeint sind, gehört nicht zum Wortschatz einer pluralen Gesellschaft.")
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2015 um 05.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27823

Sowohl der juristische Mitarbeiter Reinhard Müller als auch ein als Gastautor geladener tschechischer katholischer Priester (Tomáš Halík, Templeton-Preisträger 2014) polemisieren in der FAZ (17.1.15) gegen die Religionskritik von Charlie Hebdo. Man dürfe nicht alles, auch wenn es gesetzlich erlaubt sei usw.
„Ist nicht das Prinzip der ‘Laizität’ allmählich zu einer intoleranten Religion des Atheismus geworden?“ (Halík)
Nein, denn in Frankreich wird niemand an der Religionsausübung gehindert oder zum Atheismus gezwungen. Kritik, auch Spott ist keine Form der Intoleranz. Halík verdreht in der gewohnten Weise die Begriffe. Man spricht es noch nicht deutlich aus, meint es aber: Die Ermordeten sind selber schuld.

Die Wahl dieses Gastautors zu diesem Zeitpunkt hat etwas Entlarvendes. Ich habe in den letzten Tagen ohnehin keinen Beitrag gelesen, der nicht nach dem Schema gebaut gewesen wäre: Meinungsfreiheit ja, ABER... Auch die vielgerühmte Rede Navid Kermanis war so gebaut ("aber entschlossen wehren wir uns auch gegen diejenigen" usw.).

Die FAZ findet allmählich ihre Linie wieder. Mir ist schon oft aufgefallen, daß religionskritische Karikaturen, gewissermaßen eine umgedrehte Biblia pauperum, viel mehr Mordgelüste hervorrufen als religionskritische Schriften. Das sagt einiges über die Erregten. Früher war es ja anders. Religionskritische oder ketzerische Traktate wurden verboten und verbrannt, die Verfasser am besten auch. Atheisten wie Dawkins rufen zwar Unmengen Haßeinträge und Gegenschriften hervor, aber um ihr Leben mußten sie bisher nicht bangen. Dabei ist doch das religionskritische Argument viel gefährlicher als der Witz, den ja auch die Frommen nicht verschmähen.

Könnten diese Leute lesen und wären sie überhaupt intelligenter, würden sie die Spielwiese der Karikaturisten und Possenreißer links liegen lassen und sich den wirklich subversiven Aufklärern zuwenden. (Nicht mit Kalaschnikows natürlich.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.01.2015 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27816

Der Fall von Singapur war schlimmer als die Blamage von Dünkirchen, Churchill hätte eigentlich zurücktreten müssen. Auch in England weitgehend vergessen und verdrängt.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.01.2015 um 10.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27815

Oh ja, der „River-Kwai-Marsch"! Die bekannteste Strophe habe ich im Englischunterricht gelernt: „Hitler has only got one ball / Stalin has two but very small / Himmler has something sim’lar / but poor old Goebbels has no balls at all“. Die Referendarin kam aus England.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2015 um 07.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27813

Als ich 14 war, tönte aus allen Fenstern der gepfiffene Marsch aus David Leans "Brücke am Kwai". Wenn ich ihn heute höre, was ja nur noch selten vorkommen kann, wird die ganze Welt von 1958 lebendig. Meine Frau und andere Menschen berichten mir ähnliches von anderen Melodien, die sie als Kinder gehört und gesungen haben und von denen sie manchmal erst heute erfahren, worum es sich eigentlich handelt. Das ist ebenso eindrucksvoll wie die öfter besprochenen Geruchserinnerungen.

Ich bin auf das Thema gekommen, weil ich eigentlich dachte, jener Marsch sei eigens für den Film komponiert worden, und dann überrascht war, daß er in Hitchcocks "The lady vanishes" von 1938 auch schon vorkommt. Man kann die ganze Geschichte nachlesen. Wikipedia vermerkt: „Gepfiffen wurde der Titel, weil die meisten Strophen des Textes nicht an der Filmzensur vorbeigekommen wären.“

Was für eine Kinderei der nette Film im Vergleich zur Wirklichkeit war, kann man z. B. hier sehen: https://www.youtube.com/watch?v=SEjFjY_b3t8

Über die "pazifische" Seite des Zweiten Weltkrieges haben wir in der Schule außer dem Schlagwort Pearl Harbor nichts gelernt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2015 um 05.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27808

Zufällig stoße ich mal wieder auf Herrn Agreiter, der auf diesen Seiten und zuvor unter http://nachrichtenbrett.de/Forum/showthread.php?threadid=862&pagenumber= als Fürsprecher der Reformschreibung aufgetreten ist:

Im Besonderen halfen mir die Produkte z. B. gegen immer wieder auftretende Müdigkeit und Antriebslosigkeit, aufgrund derer ich leider auch hin und wieder den Besuch des Fitness-Studios ausfallen lies. (http://www.natürlichgesund.info/ueber-mich)

Auch sonst geht es auf den Seiten der Firma ziemlich wild zu:

Wir kommen alle stehen irgendwann einmal vor scheinbar unüberwindbaren Hürden, die es gilt zu überwinden um den nächsten Schritt zu tun. (...) Wir von hajoona sind uns unsere Aktivitäten bewusst und steuern ausschließlich aufbauende Aspekte in diesen Kreislauf ein. (http://natürlichgesund.info/karriere)

Dafür versteht man zu feiern:

Die Stimmung war nicht nur Dank der eingeladenen Musikanten lustig – und die letzten sind erst um 5.00 Uhr ins Bett gekommen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2015 um 14.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27806

Terrorismus, so Merkel, lasse sich nicht rechtfertigen. Auch nicht durch Religion: "Das ist für mich Gotteslästerung." (welt.de 15.1.15)

Wenn Dr. Gasbarri (der Reiseorganisator des Papstes), mein lieber Freund, meine Mutter beleidigt, erwartet ihn ein Faustschlag. Denn man kann den Glauben der anderen nicht herausfordern, beleidigen oder lächerlich machen." (Papst Franziskus laut Standard 15.1.15)

Merkel als Theologin, Franziskus als Schläger? Was ist denn bloß los?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.01.2015 um 07.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27789

Drohnen werden wohl noch sehr wichtig werden. In den USA dürfen Nachrichtendienste sie demnächst zur Ausspionierung der Bürger einsetzen. Hinzu kommen private Drohnen.
Ich habe mich schon oft gefragt, ob ich Drohnen, die in Zukunft über mich hinwegfliegen oder in meinem Vorgarten herumschwirren, einfangen darf wie richtige Drohnen. Zumal sie nicht größer sein werden, ausgenommen natürlich die Paketdrohnen von Amazon und Post.
Kann ich fliegengroße Drohnen durch Aufhängen klebriger Drohnenpapiere unschädlich machen? Aber dann senden sie den Diensten noch Daten über mich, bevor sie die Augen für immer schließen (s. Robert Musil: Das Fliegenpapier). Besser ist wohl ein kräftiger Schlag mit der zusammengerollten FAZ. Oder man sammelt sie ein und wirft sie den Hühnern zum Fraß vor.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.01.2015 um 11.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27780

zu meinem letzten Kommentar (#27773):

Gestern, als getrennt demonstriert wurde, waren nach offiziellen Angaben in Dresden 25000 für Pegida und 7000 dagegen unterwegs.
Aber einen Tag vorher sollen die 35000 Teilnehmer einer allgemeinen Kundgebung am gleichen Ort noch ausschließlich Pegida-Gegner gewesen sein. Tja, die Presse ...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2015 um 06.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27779

Börsenverein und PEN-Zentrum verbreiten in mehreren Sprachen, auch Arabisch, folgende Erklärung:

"Durch Anschläge wie auf das Magazin “Charlie Hebdo” sollen der freie Geist und die Toleranz vernichtet werden. Doch wir dürfen und wollen unser Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit nicht aufgeben. Deshalb stehen wir weltweit immer wieder aufs Neue kompromisslos für die Freiheit des Wortes und des Publizierens ein. Aufklärung und Information sind wichtiger denn je, damit die Anschläge nicht zum Anlass unreflektierter Propaganda werden."

Man hätte erwartet "damit die Anschläge aufhören". Aber für den Börsenverein und den PEN sind nicht die Morde das Schlimmste, sondern die Islamkritik, die sich darauf beziehen könnte.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime ist Pegida Wasser auf die Mühlen islamischer Extremisten, während die Islamische Zeitung meint, der Terror der islamischen Extremisten sei Wasser auf die Mühlen von Pegida.

Die FAZ bringt Leserbriefe und eigene Beiträge, die dazu mahnen, kein Öl ins Feuer zu gießen und nicht alles zu tun, was gesetzlich erlaubt ist. Ohne es klar auszusprechen, gibt man den Pariser Satirikern eine Mitschuld an ihrer Ermordung.

„Die Verfechter der offenen Gesellschaft machen es sich zu leicht, wenn sie Meinungs- und Kunstfreiheit zu Höchstwerten stilisieren. Die Goldene Regel ist universalisierbar. Die westlichen Werte sind es nicht unbedingt.“ (Daniel Deckers, FAZ 13.1.15)

Deckers ist gegen die Gefährdung des „öffentlichen Friedens“ durch „gezielte Provokationen von Muslimen“.

Von Martin Mosebach hört man bisher nichts. Er müßte zufrieden sein. Die Todesgefahr soll ja zu besserer Kunst führen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2015 um 13.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27774

Also ich habe weder mit AfD noch Pegida etwas zu tun, aber nun wollen wir uns mal etwas wirklich Interessantes ansehen:

Dass der Anschlag von Paris mehr oder weniger zügig politisch instrumentalisiert werden würde, war abzusehen. Dass es eher rechte Parteien sein werden, ebenfalls. Aber dass es so schnell so geschmacklos werden würde, dann doch nicht. Eine Entgleisung, die sehr tief blicken lässt, hat sich Jörn Kruse geleistet, Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) für die Bürgerschaftswahl in Hamburg.
Wörtlich sagte er am Samstag auf einer Wahlkampfveranstaltung am Gänsemarkt: "Ich habe die große Befürchtung immer gehabt, dass Furchtbares irgendwo, bei uns hier, Paris gehört für mich zur gleichen Wertegemeinschaft, passieren würde. Und leider ist es viel früher passiert, als ich gehofft habe."


So berichtet "Stern", ähnlich alle möglichen Medien, und es fehlt nicht an Kommentaren, die den "freudschen" Versprecher bis in die letzten Tiefen des kruseschen Seelenlebens analysieren. Diese Tiefen interessieren mich nicht, aber wie sieht die Sache linguistisch aus? Der Sprecher wollte sagen, er habe gehofft, daß das Furchtbare nicht geschieht, aber nun sei es sogar noch früher passiert – als er befürchtete, natürlich. Man kann also von einer Kontamination zweier Gedanken sprechen, das ist aber im Deutschen sehr oft zu beobachten. Zum Beispiel steht nach warnen oft eine unlogische Negation, die im Englischen sogar mit einer anderen Verbbedeutung verbunden ist. Alles leicht zu erklären, auch ohne Freud. – Bei einem Sprecher anderer Couleur hätte man ein bißchen gekichert, aber der AfD-Mann wird nun in seiner Schmuddelecke von allen Seiten eingekeilt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.01.2015 um 10.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27773

zu #27765:
Der Verdacht einer solchen Vereinnahmung besteht auch in Dresden.
Gestern abend und heute meldeten die großen Medien, es hätten gestern dort 35000 Menschen u. a. gegen Pegida demonstriert.

In Wirklichkeit hatten der sächsische Ministerpräsident Tillich und die Dresdner Oberbürgermeisterin Orosz zu einer Kundgebung „Für Dresden, für Sachsen – für Weltoffenheit, Mitmenschlichkeit und Dialog im Miteinander“ aufgerufen, Werte also, die auch Pegida vertritt. Terrortaten wie jetzt in Frankreich wühlen die Massen natürlich auf und treiben alle demokratisch gesinnten Menschen auf die Straße, und wenn der Ministerpräsident, der auch von Pegida schon eingeladen war, endlich eine öffentliche Rede hält, dann gehen die Sachsen natürlich hin. Zwischenrufe, Sprechchöre und Transparente waren sehr unterschiedlich. Wie viele von den 35000 für und wie viele gegen Pegida waren, läßt sich wohl nicht genau feststellen, aber was dazu in den Massenmedien gesagt und geschrieben wird, ist nur wieder ein neuer Versuch, die Bürger für dumm zu verkaufen.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 12.01.2015 um 08.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#27767

Laut SPON (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oeffentlicher-dienst-personalmangel-bei-feuerwehr-gefaehrdet-buerger-a-1012455.html) sagte der Vorsitzende der "Gewerkschaft der Beschäftigten der Kommunen" folgendes: "Wir brauchen dringend ein breites Bewusstsein zur spürbar wachsenden Gewaltbereitschaft".