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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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17.12.2006
 

Wort des Jahres
„Rechtschreibfrieden“

Hoberg nutzt die Gelegenheit, das Ende der Rechtschreibdiskussion zu verkünden.

"Der 'Rechtschreibfrieden' auf Platz vier greift das Ende der jahrelangen Auseinandersetzungen über die Rechtschreibreform auf."

Diesen tendenziösen dpa-Text gibt die FAZ kritiklos weiter. Rudolf Hoberg, der seit zehn Jahren versucht, jede Revision der Reform zu verhindern, hat auch gegenüber der Presse noch einmal das Ende der Diskussion bekräftigt.

Der ganze Rummel um das Wort des Jahres ist natürlich lächerlich. Ein paar selbsternannte Sprachaufseher wollen bestimmen, welches Wort "für das Jahr repräsentativ" ist. Schwarz-Rot-Geil soll die Grundstimmung der Bevölkerung widerspiegeln usw.

Nun sucht eine ähnliche Jury das Unwort des Jahres, wobei allerdings Hoberg nicht mehr mitmachen wird. Vor neun Jahren war "Rechtschreibreform" der meistgenannte Kandidat, wurde aber trotzdem nicht berücksichtigt, weil die Jury nicht anecken wollte.



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Kommentare zu »Wort des Jahres«
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Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 14.03.2018 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#38158

Sie haben sich tatsächlich nicht nur noch gut eine Woche, sondern noch mal gut ein viertel Jahr gequält. Das Ergebnis – 364 Stimmen für Merkel, 35 weniger, als die Koalition hat, nur weitere 10 weniger und es hätte nicht gereicht – faßt nun das erste halbe Jahr nach der Bundestagswahl zusammen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 05.01.2018 um 14.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37491

Auch bei den jetzt beginnenden Sondierungen wird sich niemand verweigern, sondern die andern werden schuld sein. Deshalb beteuern vorläufig alle, die große Koalition wirklich zu wollen.

Aber die CSU will eigentlich nicht mit der SPD, die CSU will vor allem wegen der Wahl in Bayern dieses Jahr noch viele Stimmen von der AfD zurückholen. Sie weiß genau, noch mal mit der "Obergrenze" einzuknicken kann sie sich nicht leisten.

Die SPD will eigentlich gar nichts Bestimmtes, es muß nur etwas anderes sein, als die Union will, damit sie sagen kann, sie habe sich durchgesetzt. Nur hat die linke Frau Merkel kaum ein Thema übriggelassen, womit sich die SPD noch besonders profilieren könnte, bis auf das, was eben unter der Schmerzgrenze der CSU liegt.

Das kann einfach nichts werden. In gut einer Woche kommt die Offenbarung. Interessant wird nur, wer diesmal den Lindner macht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2017 um 12.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37280

Wie es aber aussieht, wird sich durch Neuwahlen nichts Wesentliches ändern, deshalb wird man sie zu vermeiden suchen. Ganz abgesehen davon, daß es ziemlich ungehörig wirken würde, wenn man nach stinknormalen Wahlergebnissen wie jetzt nicht imstande sein sollte, eine ebenso normale Regierung zu bilden. (Es wird für immer die Frage bleiben: Wer hat sich verweigert?)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.12.2017 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37279

zu #37235:

Selbst die Sondierungen dürfen nicht gleich so heißen.
Heute (nach allerlei weiterem Vorgeplänkel) gibt es erstmal "ergebnisoffene Gespräche", in denen entschieden wird, ob es zu Sondierungsgesprächen kommt.

Man möchte eigentlich nicht, möchte aber auch nicht schuld sein, wenn nichts wird. Selbst Vorgespräche vor den ergebnisoffenen Gesprächen über eine Sondierung zu möglichen Verhandlungen über eine eventuelle Koalition könnten ja schon als verfrühte Zusage angesehen werden, bei der man sich etwas vergibt. So wird das nie was. Es wird wohl doch um Ostern herum zu Neuwahlen kommen.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.12.2017 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37249

Ich meine jetzt nicht unbedingt als Wort des Jahres, aber übefhaupt der Name der Koalition.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 10.12.2017 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37248

Ich frage mich manchmal, wie amüsiert oder "gerührt" die Einwohner von Jamaika eigentlich über ihre Berühmtheit in Deutschland sind. Es wurde doch dort bestimmt schon mal in den Nachrichten erwähnt, oder?
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 10.12.2017 um 16.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37247

Ich glaube, die Jury hätte eigentlich Jamaika küren wollen, aber dabei störte, daß im Duden noch nicht steht, daß Jamaika auch eine Kurzbezeichnung für Jamaikakoalition ist, die übrigens dann bevorzugt wird, wenn ständig von dieser Art Koalition die Rede ist. Jamaikakoalition wäre zu sperrig gewesen; als weiteres Problem kam die irritierende Bindestrich-Wahlmöglichkeit laut Duden hinzu: Ein Wort des Jahres mit unklarer Schreibweise ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Der Duden bewirkte sozusagen das Jamaika-Aus innerhalb der Jury. Bei der Gelegenheit kam wohl jemand auf die Idee mit dem Jamaika-Aus.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.12.2017 um 10.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37246

Es gibt bloß einen graduellen Unterschied – man ist mehr oder weniger fest entschlossen, eine Koalition zu bilden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.12.2017 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37238

Gibt es einen Unterschied zu den "eigentlichen" Koalitionsverhandlungen, die in einen (fälschlich) so genannten "Koalitionsvertrag" münden? (Eigentlich kein Vertrag, sondern eine Vereinbarung; nur so kann das freie Mandat der Abgeordneten jedenfalls dem Anschein nach gewahrt werden.)

Zum Wortbildungsmodell noch:

Klum-Ex vergnügt sich mit mehreren Models
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 09.12.2017 um 10.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37235

Das Verhüllende von Sondierungsgespräch (Koalitionsverhandlungen, die nicht so heißen dürfen) wäre ja auch noch maßvoll interessant.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2017 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37230

Ende der Sondierungsgespräche wäre ein diskutierbarer Gegenstand, allerdings nicht für Sprachpfleger. Die Bestandteile von Jamaika-Aus sowie die Art der Zusammensetzung sind nicht gerade taufrisch; es gibt keinen Grund, sie gerade jetzt aufzuspießen, vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30720.

Das Treiben der Jury wirkt irgendwie matt und lustlos, was ich gut verstehen könnte.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 08.12.2017 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37229

Als Wort der Woche würde dieses Bindestrichkonstrukt ja vielleicht noch durchgehen. Täuscht der Eindruck, oder fällt die Wahl auf immer ephemerere Wörter?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2017 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37228

Ich finde es trotzdem kindisch, weil solche Schlagworte (die ja keine Rechtsbegriffe sind) jeweils in einem bestimmten Kontext stehen und von jedem halbwegs Innformierten in diesem Sinne verstanden werden. Welche Parole wäre nicht unzulänglich, wenn man sie buchstäblich ernst nähme! Vor einigen Jahrzehnten warb die CDU mit "Keine Experimente!" Niemand verstand das so, als lehnte die Partei die experimentelle Forschung ab.
Übrigens polemisiert die Süddeutsche Zeitung zwar gegen das Wort des Jahres und nennt die Wahl "feige", scheint aber das Wort mit dem Unwort des Jahres zu verwechseln. (http://www.sueddeutsche.de/kultur/wort-des-jahres-jamaika-aus-als-wort-des-jahres-zu-waehlen-ist-feige-1.3783921)
Nirgendwo wird erwähnt, daß die paar Leute der Jury aus eigener Machtvollkommenheit entscheiden und die Einsendungen nicht berücksichtigen. Dadurch wird die oft gestellte Frage, wieso dieser Unsinn es jedes Jahr in die Medien schafft, noch dringlicher.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 08.12.2017 um 14.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37227

Daß andere [Un-]Wesen als Menschen mit "Ehe für alle" nicht gemeint sind, kann man m. E. stillschweigend voraussetzen.
Aber auch sonst halte ich Schlobinskis Satz für hinreichend, denn er hat sich nicht auf Kinder als Ausnahme beschränkt, sondern nennt sie ausdrücklich nur beispielhaft für weitere Ausnahmen.
(Weitere Beispiele: Unmündige, schon Verheiratete, Verwandte ersten Grades)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2017 um 12.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#37226

Jamaika-Aus soll Wort des Jahres sein, obwohl es weder sprachlich noch von dem bezeichneten Detail her irgendwie bedeutsam ist. Ehe für alle hat es nicht auf den ersten Platz geschafft, weil es zu uneindeutig ist:

"Ehe für alle" beschreibt die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Dabei könne der Ausdruck auch falsch interpretiert werden, denn "alle" würde ja beispielsweise auch Kinder umfassen, sagte Peter Schlobinski, Chef der Gesellschaft für deutsche Sprache. Die Bedeutung des Begriffs "Ehe" sei mit der neuen Regel erweitert worden.

Geniale Überlegung, aber nicht hinreichend. "Ehe für alle" würde auch Tiere umfassen, vielleicht auch Computer usw.

Womit sich erwachsene Menschen beschäftigen!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2016 um 09.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#33050

Die Germanistik scheint sich noch gar nicht mit ficki-ficki beschäftigt zu haben, auch im Duden steht es nicht. Dabei hat es gute Chancen als Wort des Jahres. Nicht Unwort, das wäre politisch nicht korrekt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 17.12.2015 um 07.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30916

Ei gewiß. Aber gerade Jean Paul und Klopstock waren ja nicht gerade wackere Repräsentanten des allgemeinen Sprachgebrauchs.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2015 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30914

Kein Regelverstoß ohne Regeln. Die Regel dient der Beschreibung des Sprachgebrauchs und kann irren.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.12.2015 um 13.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30908

Ist doch klar, daß die vielen "-in"-Orte belebt und die vielen "-ing"-Orte männlich sind.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 16.12.2015 um 11.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30907

Das Suffix -in zeigt meiner Ansicht nach auch immer Belebtheit an. Ich kann mich nicht daran gewöhnen, wenn z. B. eine Firma oder AG als "Arbeitgeberin" bezeichnet wird, usw.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.12.2015 um 11.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30906

»Alle Wörter auf -ling sind männlichen Geschlechtes, auch wenn sie Personen oder Sachen weiblichen Geschlechtes bezeichnen, in welchem Falle sie niemahls die weibliche Endung -inn annehmen.« (Adelung) Also kalkulierter Regelverstoß bei Jean Paul & Co.?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2015 um 06.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30903

Peter Eisenberg (FAZ 16.12.15) kritisiert die Ausführungen der GfdS zum Wort des Jahres Flüchtlinge und versucht dabei, die Unzulässigkeit der Movierung Flüchtlingin aus dem Sprachsystem herzuleiten: Die Suffixe seien nach Belebtheit zu ordnen, und -in und -ling konkurrierten um denselben Platz: -ling bilde Maskulina, -in Feminina. Wie er allerdings selbst anführt, sind -er und -in sehr wohl kombinierbar. Aber warum sollte das Suffix zur Bildung von Nomina agentis „belebter“ sein als das Motionssuffix? Ist Nomen agentis nicht abstrakter als der sexusanzeigende Teil? Außerdem erwähnt er nicht, daß Flüchtlingin, Fremdlingin, Lieblingin durchaus einmal gebildet wurden (Jean Paul, Klopstock, Lessing usw.). Wir wissen nicht, warum sie aufgegeben wurden.
Eisenberg schließt:
„Haben wir denn nichts aus dem Desaster der Orthographiereform gelernt, die im Kern ja auch nichts anderes als ein unüberlegter Eingriff ins Sprachsystem war?“
Peter Eisenberg läßt seine Texte ohne Not in reformierter Schreibung erscheinen und hat sich auch an der Durchsetzuung und Vermarktung der Rechtschreibreform beteiligt. Er ist Teil des Desasters.

(Ich führe an dieser Stelle nicht aus, warum ich "Belebtheitshierarchien" in der Grammatik nicht traue.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.12.2015 um 07.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30878

Das selbstherrliche Auswahlverfahren und die moralisierende Sprachkritik sind beim „Wort des Jahres“ und beim „Unwort des Jahres“ gleich, so daß etwa Flüchtlinge in beiden Rollen gleich gut untergebracht wäre.

Gleich ist natürlich auch die unbegründete Aufmerksamkeit in den Medien.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2015 um 09.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30853

Die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache musste aus rund 2500 Vorschlägen das „Wort des Jahres“ wählen. (dpa 11.12.15)

Das ist nicht wahr. Wie die GfdS selbst dargelegt hat (s. u.), bestimmt sie das Wort des Jahres aus eigener Machtvollkommenheit; die Einsendungen werden nicht berücksichtigt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2015 um 05.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30848

In einem Leserbrief an die FAZ (12.12.15) meint Sebastian Zeitzmann (Jurist an der Uni Saarbrücken): „Sinn kann nicht ‚gemacht‘ werden“ (usw.) - also dasselbe, was schon unzählige Sprachkritiker behauptet haben. Das Englische erwähnt er nicht, es war ihm vielleicht nicht gegenwärtig. Man zerlegt eine Redewendung, schreibt ihr einen einzigen möglichen Sinn zu und findet ihn unpassend. Es gibt zahllose Ausdrücke, denen man mit derselben Methode zuleibe rücken könnte, aber daran denkt man im Augenblick nicht. Kann man zum Beispiel die Flucht ergreifen? Was mich gleich zum Wort des Jahres zurückbringt: In der gleichen Ausgabe der FAZ leitet Alfons Kaiser in einem Bericht zum „Wort des Jahres“ Flucht von lateinisch fuga ab. Preisfrage: Wie kommt man von fuga zu ahd. fliohan? Mit 13 Jahren deutscher Schulbildung.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 11.12.2015 um 22.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30845

Ähnliches gilt für das russische Auto "Lada Niva": Spanisch heißt "ni va" "läuft überhaupt nicht". Weitere Beispiele bei Wikipedia unter "Wenn Auto-Namen in die Hose gehen" (Einstieg z.B. über "Mitsubishi Pajero").
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 11.12.2015 um 21.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30843

Zu "Man sollte nicht so tun, als könne man als Sprachwissenschaftler etwas Beachtenswertes zu den politischen Ereignissen sagen" auch: Auf einer Fremdsprachenlehrerkonferenz hier mal ein Werbefachmann zu dem Gerede der es ach soviel besser wissenden Spanischlehrer, daß ein Auto mit der Bezeichnung Nova sich natürlich nicht gut verkaufen lasse, schließlich bedeute "No va" ja "es geht nicht": Das hatte nicht das geringste mit mangelhafter Teilnahme der Werbefachleute an ihrem Highschool-Spanischunterricht zu tun. Das Auto ließ sich nicht deshalb schlecht verkaufen, weil die Leute "Nova" nicht als nur "neu" lasen, sondern auch als "No va", sondern weil es ganz einfach ein schlechtes Auto war.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2015 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30841

Das zweitplatzierte „Je suis Charlie“ stehe für die weltweite Solidarität für die Pressefreiheit und gegen religiösen Fanatismus. Und der Satz spiele ebenfalls sprachwissenschaftlich eine Rolle. „Normalerweise entlehnen wir ja sehr viel aus dem Englischen, jetzt haben wir – sehr selten – etwas aus dem Französischen“, sagte der GfdS-Vorsitzende.
(Focus 11.12.15)

Das ist ebenso kümmerlich. Der Satz ist ja noch gar nicht aus dem Französischen "entlehnt", sondern bisher nur Zitat als Schlagwort einer Kampagne gewesen. Damit ist er noch längst nicht Teil des Deutschen geworden, und das wird auch nicht geschehen.

Man sollte nicht so tun, als könne man als Sprachwissenschaftler etwas Beachtenswertes zu den politischen Ereignissen sagen. Der Sprachwissenschaft tut man damit auch keinen Gefallen, denn außer Kopfschütteln (manchmal vielleicht Nicken) bewirkt man mit Wörtern und Unwörtern des Jahres nichts. (Wie fühlt man sich eigentlich als Mitglied einer Jury, die sich mit so kindischen Dingen beschäftigt?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.12.2015 um 12.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#30839

Ich hatte schon angefangen, mich über die Wiesbadener Wichtigtuer zu wundern, weil sie Flüchtling zum Wort des Jahres ernannt haben, wo doch Geflüchteter angesagt ist. Ich sehe aber, daß die Begründung der GfdS bereits einen entsprechenden Hinweis enthält. Allerdings ist meiner Ansicht nach nicht die angeblich abschätzige Konnotation des Suffixes -ling (s. dazu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1195#23370) der Grund, sondern der feministische Wahn: Geflüchtete kann man movieren (gendern), während der Flüchtling maskulin bleibt (außer bei Hölderlin).
In der SZ wird ein Interview mit Anatol Stefanowitsch vom September verlinkt, der zum Glück darauf achtet, daß wir uns alle immer richtig ausdrücken.
Übrigens war es nach dem Krieg erstrebenswert, Flüchtling zu sein, weil es dann den Flüchtlingsausweis gab.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 16.12.2014 um 14.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#27564

Wenn die Jury wenigstens irgendwelche Sachgründe anführen könnte, die Einsendungen zu verwerfen – etwa weil jemand eine Kampagne für ein Wort geführt hat oder ein oft genanntes Wort nicht salonfähig sei. Aber die Juroren waren offenbar von ihrem Einfall so besoffen, daß sie ihre eigenen Regeln über Bord werfen. Die auf den zweiten Platz geschobene Bezeichnung des Finanzministers war ja immerhin – oft karikiert – in aller Munde, mag als Schlagwort für eine breite gesellschaftliche Debatte gelten. Aber die Eintagsfliege für eine Kunstinstallation ("Lichtwas?") hat ja offenbar niemanden der Einsender beeindruckt. Man könnte sogar parteipiolitsche Gründe vermuten: hie ein CDU-Finanzminister, da ein SPD-Regiermeister...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.12.2014 um 05.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#27551

Jetzt steht fest: Die Berliner "Lichtgrenze" zum Mauerfall-Jubiläum ist das "Wort des Jahres 2014". (Berliner Morgenpost 13.12.14)
Das Ganze wird berichtet, als handelte es sich um ein Ereignis. Niemand fragt, was für Leute denn diese selbstherrliche Jury bilden und wie sie zu ihren Richtsprüchen kommen. Niemand und nichts (auch nicht eigene Leistung) hat sie dazu ermächtigt. Hinz und Kunz könnten eine solche Jury bilden und das X des Jahres erfinden – man würde es in den Medien breittreten. (Anatol Stefanowitsch kritisiert den Unfug ebenfalls.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.12.2014 um 06.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#27546

„Aus einer Sammlung von mehreren tausend Belegen aus verschiedenen Medien und Einsendungen von Außenstehenden wählt die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammensetzt, kurz vor Jahresende zehn Wörter, die die öffentliche Diskussion dominiert und ein Jahr wesentlich geprägt haben.“

"Wie in den vergangenen Jahren wählte die Jury, die sich aus dem Hauptvorstand der Gesellschaft sowie den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammensetzt, aus diesmal rund 2300 Belegen jene zehn Wörter und Wendungen, die den öffentlichen Diskurs des Jahres wesentlich geprägt und das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich in besonderer Weise begleitet haben."

"Das Wort des Jahres 2014 ist Lichtgrenze. Diese Entscheidung traf am Donnerstagabend eine Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Das Wort bezieht sich auf die Lichtinstallation zum Anlass der Feierlichkeiten »25 Jahre Mauerfall« in Berlin. Es spiegelt in besonderer Weise die großen Emotionen wider, die das Ende der DDR im Herbst 1989 auch 25 Jahre später noch in ganz Deutschland hervorruft. Über 8000 weiße, leuchtende Ballons erinnerten auf einer Länge von 15 Kilometern an den Verlauf der Berliner Mauer und die frühere Teilung der Stadt. Die filigrane Durchlässigkeit der Installation und das Aufsteigen der Ballons auf dem Höhepunkt der Feierlichkeiten symbolisierten beeindruckend die Auflösung und Aufhebung der einst in jeder Hinsicht dunklen Demarkationslinie. – Ursprünglich hatte die Jury das Wort Lichtgrenze gar nicht auf ihrer Liste. Erst in der Diskussion kam der Vorschlag auf, der dann aber für das gesamte Auswahlgremium so überzeugend war, dass er alle anderen Kandidaten für Platz 1 aus dem Rennen schlug." (GFDS)

So deutlich hat die GFDS noch nie ihr Verfahren offengelegt: Die Einsendungen der gutgläubigen Bürger werden nicht berücksichtigt; die Jury macht einfach, was sie will. Aber warum verbreiten die Medien diese abwegigen Einfälle und Ergüsse?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2014 um 05.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#27439

Noch erstaunlicher ist wohl die Aufmerksamkeit der Presse für das "Jugendwort des Jahres", eine Werbeveranstaltung des Langenscheidt-Konzerns, die aber aufgenommen wird wie ein Orakelspruch. Es scheint den Medien strukturell unmöglich zu sein, irgendeinen Unsinn nicht zu beachten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2012 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#22122

Die GfdS begründet ihre Wahl in unbeholfenem Deutsch und liegt auch sachlich oft daneben.

"Sprachlich interessant ist die widersprüchliche Bedeutung der beiden Wortbestandteile: Während eine Rettung im eigentlichen Sinn eine akute, initiative, aber abgeschlossene Handlung darstellt, beinhaltet Routine – als Lehnwort aus dem Französischen – eine wiederkehrende, wenn nicht gar auf Dauer angelegte und auf Erfahrungen basierende Entwicklung."

(Wieso "beinhaltet"? Das ist ein ebenso häßliches wie überflüssiges Wort.)

Der Widerspruch existiert gar nicht, und Routine bedeutet natürlich nicht eine "wiederkehrende, auf Erfahrungen basierende Entwicklung (!)" - falls sich jemand darunter etwas vorstellen kann. Die Rettung wiederum ist manchmal abgeschlossen, oft wird sie aber erst in Angriff genommen. Was die anderen Attribute bedeuten sollen, ist mir nicht klar. Die Jury war vielleicht nach sieben Stunden Diskussion (wie berichtet wird) nicht mehr sehr bei Kräften, hätte wohl besser eine Nacht drüber schlafen sollen. Die Besatzung eines Rettungswagens zum Beispiel hat die Rettung Verunglückter oder Kranker (hoffentlich) eingeübt bis zur schlafwandlerischen Routine. Rund um die Uhr werden diese Rettungsroutinen ausgeführt. Was ist daran sprachlich interessant?

Zum Gottesteilchen: "Seinen populären, wissenschaftlich nicht verwendeten Namen erhielt das Gottesteilchen nach einem Buch, dessen ursprünglicher Titel »Das gottverdammte Teilchen« der Zensur zum Opfer fiel."

Auch das stimmt nicht: It wasn't even Lederman's choice. "He wanted to refer to it as that 'goddamn particle' and his editor wouldn't let him," says Higgs. (http://www.guardian.co.uk/science/2008/jun/30/higgs.boson.cern)

Das ist etwas anderes als Zensur. (Auf deutsch hätte man den Originaltitel auch nicht so wiedergeben können. Eher "Das verflixte Teilchen" oder so ähnlich.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2012 um 05.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#22121

Natürlich gibt es kaum eine Wortbildung, für die sich nicht irgendwo ein Beleg auftreiben ließe – auch Google erfaßt ja nicht alles Geschriebene und schon gar nicht das Gesprochene. Das ist kein Widerspruch gegen die These, das betreffende Wort sei unbekannt.

Man könnte die Wörter des Jahres kritisch durchkommentieren, wenn nicht die ganze Sache so blöd wäre. Wenn die Jury "Bildungsabwendungsprämie" für einen "gelungenen" Kampfbegriff hält, gibt sie zu erkennen, daß sie den Standpunkt der SPD teilt, Kinder seien grundsätzlich in Kindertagesstätten besser aufgehoben als zu Hause. Die GfdS hat ebenso wie das IDS und die Unwort-Jury eine gewisse Nähe zur Sozialdemokratie. Das gibt allen sprachkritischen Aktionen von dieser Seite eine gewisse Färbung. Naturgemäß liegt es allen dreien fern, die sprachkritische Lupe auch einmal auf sich selbst zu richten. Ich habe jahrzehntelang die Selbstgerechtigkeit dieser Leute als peinlich und abstoßend empfunden.

Wirklich unangenehm ist für unsereinen, daß die Wort- und die Unwortrichter alljährlich als die deutschen "Sprachwissenschaftler" wahrgenommen, von denen man sonst nie etwas hört.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.12.2012 um 20.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#22120

Kein Wunder also, daß Steltzner heute gleich mit einem Kommentar auf die Sache eingegangen ist.
 
 

Kommentar von Vollgasfahrer, verfaßt am 14.12.2012 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#22119

Einspruch, Tante Google liefert ein Ergebnis aus dem Jahre 2011:

"Finanzhilfen für Portugal
Europas Rettungsroutine

05.05.2011 · Nach Griechenland und Irland kommt Portugal als drittes Euro-Land an den Finanztropf. In Europa hat sich eine Rettungsroutine eingeschliffen. Darf man auf ein glimpfliches Ende der Staatsschuldenkrise hoffen?
Von Holger Steltzner"

www.faz.net
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 14.12.2012 um 17.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#22118

Im aktuellen SPIEGEL bin ich einem Wort begegnet, das nahezu unbekannt ist, aber das Zeug hätte, allseits bekannt und beliebt zu werden. In einem Artikel über die megaprominente Amerikanerin Kim Kardashian wird sie einleitend als Ich-Darstellerin bezeichnet. Gibt es einen treffenderen Begriff? Ich war begeistert und zugleich verwundert darüber, daß ich mich nicht erinnern konnte, ihn schon einmal gehört oder gelesen zu haben.

Tatsächlich gibt es bei Google, wenn man die Doppelungen abzieht, nur rund ein Dutzend Belege. Wie kann das sein? Schon als witzige Abwechslung zum Selbstdarsteller (315.000 Belege bei Google) hätte man doch längst auf Ichdarsteller kommen müssen. Ich halte es für möglich, daß der Ichdarsteller oder Ich-Darsteller in ein paar Jahren zu den Vorschlägen für das Wort des Jahres gehören wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.12.2012 um 14.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#22117

Die "selbsternannte" Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache hat Rettungsroutine zum Wort des Jahres gewählt. Von einem Google-Sprecher und vielen anderen wird bestätigt, daß dieses Wort völlig unbekannt ist. Um so deutlicher wird das Verfahren der Jury: man sammelt Einsendungen und wirft sie weg, um dann selbstherrlich irgend etwas Entlegenes (vielleicht sogar Selbsterfundenes?) auf den Schild zu heben, verbunden mit einem politisierenden oder moralisierenden Kommentar. Genau wie die Unwortjury, von der man sich mal abheben wollte. Aber wiederum: warum greifen sämtliche Medien den Unsinn auf?

Besonders hübsch die Wendung, dieses Wort habe sich gegen andere Kandidaten "durchgesetzt"?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 23.12.2010 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17629

Zum Komma im Englischen (#17594): "No longer will tens of thousands of Americans in uniform be asked to live a lie [...]", sagte Obama gestern. Alt mag sie sein, die englische Satzstellung, bei der die finite Verbform einem Adverbial am Satzanfang unmittelbar folgt (und man es also nicht durch ein Komma abtrennt), aber veraltet ist sie nicht im geringsten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.12.2010 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17604

Die formale Gestaltung der Briefanrede entwickelt sich nicht einfach so, sondern wird heute sehr stark von der jeweiligen DIN-Norm (hier DIN 5008) sowie der daran anknüpfenden Sekretärinnen-Literatur und -Ausbildung bestimmt. Das Ausrufezeichen ist wohl noch zulässig, aber oft wird davon abgeraten. So hat es auch meine Tochter, die Fachübersetzerin, ausdrücklich gelernt; ich selbst brauche mich ja nicht darum zu kümmern.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 19.12.2010 um 22.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17603

Der Duden erwähnt erstmals in der 12. Auflage von 1941 ausdrücklich, daß nach der Briefanrede »vielfach« ein »Beistrich« gesetzt wird. Mindestens bis in die sechziger Jahre hinein war es aber wohl allgemein üblich, ein Ausrufezeichen zu setzen.

Im Zweifelsfälle-Duden von 1965 heißt es:
»Nach der Anrede kann heute statt des Ausrufezeichens ein Komma gesetzt werden. Der Duden läßt beide Zeichen zu. Setzt man ein Komma, dann muß das erste Wort des eigentlichen Briefes klein geschrieben werden, wenn es kein Substantiv oder Anredefürwort ist:
Sehr geehrte Herren!
Hiermit bestätige ich …
Liebe Eltern!
Heute erhielt ich …
Sehr geehrte Herren,
hiermit bestätige ich …
Liebe Eltern,
heute erhielt ich …«
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 19.12.2010 um 22.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17602

Nach meiner Erinnerung wurde früher die briefliche Anrede nur mit Ausrufezeichen geschrieben. Als die Schreibung mit Komma aufkam, habe ich das deshalb englischem Einfluß zugeschrieben. Im Englischen beginnt der Text nach dem Komma allerdings mit einem Großbuchstaben.

Mir ist allerdings ein (ehem.) deutscher Politiker bekannt, der auch im Deutschen nach dem Komma stets mit einem Großbuchstaben fortfuhr. Ich habe das entweder als Anglophilie oder als persönliche Marotte empfunden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.12.2010 um 21.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17601

Sowohl das Wort des Jahres als auch das Unwort werden von je einer Handvoll Leuten bestimmt, die sich erklärtermaßen überhaupt nicht um die tatsächlich eingegangenen Vorschläge kümmern. Die Einsender wissen das nicht und fühlen sich daher nicht betrogen, obwohl sie es sind.
Die Presse könnte diesen Unsinn ignorieren und dadurch zum Erliegen bringen, aber das ist natürlich rein theoretisch. Die Eigengesetzlichkeit der Medien führt dazu, daß es jedes Jahr wieder gedruckt und gemeldet wird. Vielleicht bedeutet "Wutbürger" einen gewissen Einschnitt wegen seiner exorbitanten Blödheit. Aber ich habe wenig Hoffnung.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.12.2010 um 19.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17600

fremdschämen ist eine gute Wahl, aber ist das nicht schon etwas älter?
 
 

Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 19.12.2010 um 19.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17599

In Österreich wurde 2010 das Wort "fremdschämen" zum Wort des Jahres gewählt und "humane Abschiebung" zum Unwort des Jahres.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 19.12.2010 um 19.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17598

Mir ist das Ausrufezeichen nach der Anrede auch noch sehr gut in Erinnerung, aber natürlich ging es danach nicht beliebig groß oder klein weiter, sondern immer groß.

Wenn man ein "Thema des Jahres" suchte und dies dann möglichst kurz zu beschreiben hätte, wäre "Wutbürger" ein origineller, passender Einfall. Aber man kann doch als "Wort des Jahres" keine Wortschöpfung kreieren, die einmal einem Einzelnen eingefallen und sonst nie während des ganzen Jahres das öffentliche Bewußtsein erreicht hat.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 19.12.2010 um 17.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17597

Ja, so ist es, Herr Markner, ich habe in meiner Jugend und auch noch sehr viel später den "Sehr geehrter(/n) Herr Müller" nur mit Ausrufezeichen gesehen und auch selbst so geschrieben, also als einen Vokativ angesehen (s.hierzu Duden 20. Aufl. sprachw. Anredefall). Später erschien mir das zu förmlich. Ich habe dafür ein Komma gesetzt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.12.2010 um 17.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17596

Nein, das Ausrufezeichen nach der Anrede war früher weit verbreitet und hält sich auch weiterhin vor allem im süddeutschen Raum. Mit dem Englischen hat das nichts zu tun.
 
 

Kommentar von Oliver Höher, verfaßt am 19.12.2010 um 16.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17595

Möglicherweise ist das Komma hier tatsächlich auf den Englischunterricht zurückzuführen.

Aber wie viele Englischlehrer werden denn bitte in Deutschland die englischen Interpunktionsregeln beherrschen, lieber Herr Ludwig? Alles, was ich gelegentlich dazu höre – wohlgemerkt nur aus Gesprächen, nicht etwa durch eine systematische Erhebung! –, läßt mich gruseln. Einige wenige Muttersprachler, die hier in Deutschland unterrichten, mögen die Kommaregeln beherrschen. Aber viele Englischlehrer sind meiner Meinung nach davon überzeugt, daß es hauptsächlich zwei "Regeln" gibt: Komma vor "and" und Komma vor "or". Die restlichen Kommata werden irgendwie eingestreut.

In Unkenntnis des Briefaufbaus wird so auch nach der Anrede "Dear Madam or Sir" (falls die überhaupt noch bekannt ist!) lieber mal ein Ausrufungszeichen gesetzt und dann geht es nach Belieben klein oder groß weiter. Dieser Unkenntnis haben wir vermutlich das vor allem im elektronischen Postverkehr inzwischen so beliebte "Hallo Herr Müller!" oder "Sehr geehrter Herr Müller!" zu verdanken.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 19.12.2010 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17594

Zu #17593: Einfluß des Englischunterrichts und damit Zeichen eingebildeter Bildung! Im Deutschen wird ein Adverbial am Satzanfang eben nicht durch ein Komma abgetrennt. (In älterem Englisch, wenn es die gleiche Satzstruktur wie das Deutsche hat, auch nicht: Down went the ax[e].)
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 19.12.2010 um 13.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17593

Die GfdS stellt sich in einer Homepage vor. Klickt man "Aktionen" an, findet sich folgender Satz (Kopie):
"Neben Symposien, Projekten und den seit vielen Jahren in der Zeitschrift Der Sprachdienst erscheinenden Preisaufgaben, stehen vor allem die alljährlich von einer Jury ausgewählten »Wörter des Jahres« im Mittelpunkt des Medieninteresses."

Mich stört das Komma vor stehen, die Aufzählung ist zu Ende.
 
 

Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 18.12.2010 um 22.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17588

Noch mehr wundert mich die begriffliche Nähe zu der teilweise in eine bewußte Ecke gestellten Wählerformation "Bürger in Wut".
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.12.2010 um 22.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17586

Au Backe! Das gibt bestimmt noch mächtig Ärger. Wutbürger. Die Frauen hat man wohl wieder mal völlig vergessen. Ich schlage vor: Wutbürger bzw. Wutbürgerin.
 
 

Kommentar von Paul Westrich, verfaßt am 17.12.2010 um 18.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17585

Aha! Das paßt zu meinen Eindrücken. Ich habe mich heute sehr über dieses Wort gewundert, kann ich mich doch nicht entsinnen, es beim häufigen Rundfunkhören jemals vernommen zu haben und dies, wo ich doch nur 40 km von Stuttgart 21 entfernt wohne und vorgestern noch am Kopfbahnhof vorbeigekommen bin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2010 um 17.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17584

Inzwischen wissen wir, daß Spiegel-Redakteur Kurbjuweit das Wort erfunden hat. Im Spiegel gibt es ja manche geistreichelnden Eintagsfliegen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.12.2010 um 16.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#17581

Die Wichtigtuer haben "Wutbürger" zum Wort des Jahres 2010 bestimmt, bekunden allerdings, es noch nie zuvor gehört zu haben, ebenso wie sämtliche Leser, die sich zu dieser Meldung äußern.
"Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 kann sich nicht mit dem Wort des Jahres, Wutbürger“, identifizieren." (Heilbronner Stimme) Natürlich nicht, es ist ja geradezu eine Beleidigung.
Die GfdS ist stolz darauf, daß niemand mit diesem Wort gerechnet hatte, auch sie selbst nicht, bevor ihr die Eingebung kam. Möglicherweise hat sie das Wort selbst erfunden? Jedenfalls scheint es Hoberg und Genossen äußerst bezeichnend für unsere Zeit – aber wie kann das sein, wenn es gänzlich unbekannt ist? So kraß hat sich diese Aktion noch nie ad absurdum geführt. Die Zeitungen finden das auch, geben der Meldung aber trotzdem einen guten Platz, wie jedes Jahr.
Peter Schlobinski, der für die GfdS im Rechtschreibrat sitzt, ist auch entzückt, was mich nun doch ein wenig überrascht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2009 um 11.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#15440

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat "Abwrackprämie" zum Wort des Jahres 2009 gewählt, nachdem wenige Tage zuvor schon der Verein Deutsche Sprache dasselbe Wort zum "nützlichsten Wort des Jahres" gewählt und damit den Wiesbadenern gewissermaßen die Butter vom Brot genommen hatte.

Es hätte ebenfalls zum Unwort des Jahres getaugt. Neben dem ebenso teuren (da alljährlich wiederholten) Geschenk an die Hotelbesitzer gilt es inzwischen sprichwörtlich als Symptom einer verlotterten Finanzpolitik.
Welt-online definiert:
„Als Abwrackprämie werden staatliche Leistungen für das Verschrotten eines Kraftfahrzeugs bezeichnet.“
Das ist falsch. Im Gegensatz zu anderen Abwrackprämien (Schiffe) wird ein Zuschuß zur Anschaffung eines neuen Autos (beim Verschrotten des alten) gewährt, und zwar auch aus den Steuermitteln derjenigen Bürger, die bewußt auf das Auto verzichten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 07.12.2007 um 17.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#10910

Wie man liest, ist »Klimakatastrophe« zum Wort des Jahres 2007 gekürt worden. Schade, für mich war das ein heißer Kandidat für das Unwort des Jahres.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 11.01.2007 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7219

Die Begriffe "Medium, Medien, Nachricht, Nachrichtenübermittlung" sind klassische Beispiele für das Aneinandervorbeiredenkönnen von Geistes- und Naturwissenschaftlern. Wahrig und Bertelsmann kennen noch das alte Wort "Medium" für Dielektrikum in der Elektrizitätslehre. "Nachricht" und "Nachrichtenübermittlung" sind in der Nachrichtentechnik auch etwas ganz anderes.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 11.01.2007 um 18.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7218

Ach, mir fällt dazu noch ein, daß die "Medien" eben nicht mehr Medien zur Nachrichtenübermittlung sind,— wobei wir auch nicht vergessen dürfen, daß "Nachrichten" das sind, wonach man sich richtet, wichtige Information. Impliziert ist hier also ein kleiner Unterschied zu den angelsächsischen "news"! "Neuigkeiten" sind unterhaltsam, und die Leute kaufen sich Unterhaltung; dafür bezahlen sie (60 Jahre *Spiegel* und sein Stil zeigen das auch bei uns sehr nett). Wirkliche Nachrichtenübermittlung setzt schon ein anderes Kulturbewußtsein beim Übermittler und beim Empfänger der Nachrichten voraus. Schatte trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er hier von "Journalistengaudi" spricht. Zum "staatsbürgerkundlichen Unterricht" taugt solches Gaudi natürlich nicht, aber es hält die Abonnenten von brötchengeberschädlichen Gedanken ab. Und darum geht's.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2007 um 07.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7217

Wie gesagt: Kritik an der Rechtschreibreform wird von der Jury ebenso wenig berücksichtigt wie die Voten der Einsender. Erstaunlich ist nur, daß man mit solchem Quatsch jedes Jahr wieder Beachtung in den Medien findet. Aber so ist eben die Welt. Gerade lese ich, daß ein neuer Hitler-Klamauk verdienstvollerweise das menschenverachtende Naziregime entlarvt und daher für den staatsbürgerkundlichen Unterricht geeignet ist. Dazu fällt mir nichts mehr ein.
 
 

Kommentar von Wiesbadener Tagblatt, verfaßt am 11.01.2007 um 06.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7216

Auskünfte zu Stil und Ausdruck
60 Jahre Gesellschaft für deutsche Sprache: Neuschöpfungen sind nötig

Vom 11.01.2007

Die Gesellschaft für deutsche Sprache, die ihren Sitz in Wiesbaden hat, sieht es seit ihrer Gründung im Jahre 1947 als ihre Aufgabe an, in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für die deutsche Sprache zu vertiefen.

[…]

Das "Unwort des Jahres", ursprünglich eine Aktion der GfdS, sucht mittlerweile der Germanistik-Professor Dr. Horst Dieter Schlosser von der Universität Frankfurt. Er hält nach sprachlichen Missgriffen Ausschau. Nach solchen, die besonders negativ aufgefallen sind, weil sie sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen.

Letzter Einsendetag für das Unwort des Jahres 2006 war der 8. Januar. Es sind Vorschläge eingegangen, darunter sehr "unwortverdächtige" Sprachschöpfungen wie "Abwrackprämie" für staatliche Zuschüsse bei Entlassungen von über 50-Jährigen, "Eindeutschung" für die Integration von Zuwanderern, "Kleinvoliere" als Verniedlichung von Kleinstkäfigen für Hühner, "Mobile ethnische Minderheiten" als amtliche Umschreibung für Sinti und Roma sowie "Pro Ana" als Werbetitel einer Lifestyle-Bewegung, die die Magersucht "Anorexie" propagiert und vermarktet. Einer der "Renner" unter den bisherigen Einsendungen, "Gammelfleisch", bezeichnet zwar ein "Unding", doch sei das Wort kaum zu kritisieren.


[…]

(Wiesbadener Tagblatt, 11. Januar 2007)
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 21.12.2006 um 13.39 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7068

Journalistengaudi

Die Wahl des Unworts ist wohl eher ein ziemlich überflüssiges Journalistengaudi zur Gewinnung von Volksaufmerksamkeit. Man sollte, wie Theodor Ickler anmahnt, bei dem Spiel Wort und Gegenstand unbedingt auseinanderhalten.
Es ließen sich indessen auch Unwörter hinsichtlich ihrer Schreib- und / oder Lautgestalt ermitteln. Das sich der Rechtschreibumkrempelung verdankende selbstständig hätte gute Aussichten auf einen der vorderen Plätze. Ihm könnte man noch – zur Nestbildung und so – Selbstständ als schräges Analogon zu Urständ zugesellen und über sein Genus die Jury befinden lassen.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 20.12.2006 um 16.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7050

Fragen Sie das alles doch mal Herrn Zehetmair, lieber Herr Metz! (Mal sehen, was Frau Güthert Ihnen antwortet …)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 19.12.2006 um 20.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7043

Gleiches gilt dann wohl auch für riesig groß/riesiggroß. Aber wo zieht man die Grenze? Verstößt einzigartiginteressant gegen das Regelwerk? Nach § 36 (2) soll es für die Zusammenschreibung ausreichen, daß „der entsprechende Ausdruck [...] als Zusammensetzung [...] angesehen werden kann“. Wer entscheidet darüber, welches Wort man als was ansehen kann? Ist diese Regelung nicht genauso schwammig wie das alte Duden-Kriterium, nach dem zusammengeschrieben wird, wenn eine Verbindung „als Einheit empfunden“ wird? Wäre es nicht vernünftig, die frühere Regelung wiedereinzuführen, solange es dem Rat nicht gelingt, die Schreibwirklichkeit besser und genauer darzustellen, als der Duden es getan hat?

Ungeklärt erscheint mir in diesem Zusammenhang auch das Verhältnis zu § 36 (1.5). Warum etwa soll ein Wort wie dunkelblau unter diese Bestimmung fallen (so daß nur Zusammenschreibung möglich ist), während beispielsweise schwer verständlich/schwerverständlich den Fällen des § 36 (2.2) zugeordnet wird? Inwiefern ist dunkel „bedeutungsverstärkend“? Hat es nicht eher „graduierende“ Funktion (Wahrig spricht von „Bedeutungsabstufung“) und fiele damit unter § 36 (2.2)? Wie steht es mit Wörtern wie hochkompliziert? Hat hier hoch etwa keine bedeutungsverstärkende Funktion wie tief in tiefernst? Kann man – um noch einmal die 96er Logik aufzugreifen – sagen, etwas sei höher kompliziert?

Entweder ich habe vieles nicht verstanden, oder der Rat hat noch eine Menge zu tun.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 19.12.2006 um 13.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7042

Ich mogle hier mal eine Frage zum Reformstand 2006 hinein, indem ich winzigklein als Wort des Jahres 2007 vorschlage. Dieses schöne Wort könnte nämlich im neuen Jahr wiederentdeckt werden (nachdem es 1996 zugunsten der "Wortgruppe" winzig klein abgeschafft wurde). Und zwar im Rahmen der Regelung von 2006!

Ich hatte mich gefragt, ob es winzigklein inzwischen wieder gibt oder nicht. Im Duden 2006 steht unter winzig nur: winzig klein. Und was sagt das Regelwerk 2006?

Adjektiv
§ 36 (2)
Zusammen- wie auch getrennt geschrieben werden kann, wenn der entsprechende Ausdruck sowohl als Zusammensetzung als auch als syntaktische Fügung angesehen werden kann.

Dies betrifft ...
(2.2) Verbindungen mit einem einfachen unflektierten Adjektiv als graduierender Bestimmung, zum Beispiel: allgemein gültig/allgemeingültig, eng verwandt/engverwandt, schwer verständlich/schwerverständlich, schwer krank/schwerkrank

Das ist hier m. E. einschlägig, sowohl regeltechnisch als auch von der Sache her: winzig klein/winzigklein.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 18.12.2006 um 21.59 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7036

Diskussionsleiter "verkündet" Ende der Diskussion

Der Diskussionsleiter ist – wie sich erst nachträglich herausstellt – der sicher wie auch immer berufene Rudolf Hoberg. Endlich das Machtwort eines "Großen" "gegen den aufspritzenden Gischt der Massen, das gute Werk übertreibend und verderbend" (Traven). Dank des von Hoberg verkündeten Endes der Diskussion, siehet das Volk, so im Dunkeln wandelt, ein großes Licht (nicht Hoberg!). Damit wäre dann rechtschreibfriedlicher Advent in Dunkel- oder auch Dünkelschreibung allerorten eingeläutet.
 
 

Kommentar von Yutaka Nakayama, verfaßt am 18.12.2006 um 17.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7030

Ob Unwort oder Unding, die Rechtschreibreform ist kein Unding (Unwort) des Jahrs, sondern Unding des Jahrzehnts. Hoffentlich wird sie nicht das Unding des Jahrhunderts.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 18.12.2006 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7025

Die Veranstalter geben zur Begründung die Möglichkeit des Mißbrauchs an: »Die Entscheidung über das ›Unwort des Jahres‹ und weitere ›Unwörter‹ wird nicht von der Zahl der Unterstützungen eines Vorschlags (die manipuliert werden könnte) abhängig gemacht. Sie erfolgt ausschließlich nach inhaltlichen Kriterien.« (zitiert nach www.unwortdesjahres.org) Diese und ähnliche Formulierungen in der Satzung vermitteln einem eine blasse Ahnung von der ungeheuren Bedeutung der Aktion und von der schweren Verantwortung, die auf den Schultern der Akteure lastet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2006 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7023

Herr von Heyl hat recht, was die Vermischung von Wort und Sache betrifft. Deshalb lehne ich ja die Unwort-Wahl auch seit je ab. Zu kritisieren ist die Selbstherrlichkeit der Jury, die erst Voten einholt und sich dann darüber hinwegsetzt.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 17.12.2006 um 22.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7021

»Rechtschreibreform« war 1995 und 1996 eines der Wörter des Jahres (Platz 10 bzw. 6). Es jetzt plötzlich zum Unwort des Jahres umzudeklarieren wäre wohl ein bißchen zuviel verlangt.

Vielleicht hilft ausnahmsweise ein Blick nach Österreich. Dort haben die KollegInnen der Damen und Herren von der »Aktion ›Unwort des Jahres‹« 2002 »Rücktritt vom Rücktritt« zum Unwort des Jahres erklärt. Analog hierzu bietet sich an: »Reform der Reform« oder »Revision der Revision«. Das wäre auch koscher (= politisch korrekt), denn damit könnten sich sogar die Befürworter des Gesamtkunstwerks Rechtschreibreform prima identifizieren.
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 17.12.2006 um 20.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7020

Im Prinzip mögen Sie recht haben, daß es zwischen rein sprachlichen und sonstigen Dingen zu unterscheiden gilt. Jedoch ist auch rein sprachlich die Bezeichung „Rechtschreibreform“ derart fehl am Platz, daß die Kandidatenkür als Jahresunwort allemal gerechtfertigt ist.
 
 

Kommentar von Julian von Heyl, verfaßt am 17.12.2006 um 20.43 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=751#7019

"Rechtschreibreform" wäre meiner Meinung nach auch ein denkbar ungeeigneter Kandidat für das "Unwort des Jahres" gewesen, ganz gleich, wie man zu ihr steht. Denn man sollte nicht den Fehler machen, das Unwort des Jahres mit der Bezeichnung für das Unding des Jahres zu verwechseln.
 
 

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